Hexen

Reise nach Avalon

Reise nach Avalon

Glastonbury Tor - ewigeweisheit.de

Ich saß gerade in der großen Buchhandlung in der Friedrichstraße, unweit von Unter den Linden. Zwei Frauen in bunten Gewändern unterhielten sich neben mir. Ein etwas ungewöhnliches Bild. Dann fiel da der Name Avalon. Ich dachte gleich an den Zauberer Merlin, den alten Druiden und Ratgeber des legendären König Artus.

Zuerst hatte ich, wie wohl auch viele andere, als Junge von dem sonderbaren Zauberer und seiner geheimnisvollen Insel gehört. In einem verborgenen Hain dort, wuchs Merlins magischer Apfelbaum, auf eben dieser Insel des Lichts, einem Hort der Unsterblichen.

Kein Wunder dass es schonmal vorkommt, dass jemand auf den Landkarten danach sucht, wenn es doch eine so wundervolle Stelle auf dem Globus gibt, wo man sich der Unvergänglichkeit erfreut. Diese Insel aber trägt den Namen Avalon. Immer schon auch ein Ort der Feen und Priesterinnen, ein überweltlicher Bereich der weiblichen Spiritualität.

Wo aber befindet sich diese mythische Insel heute und wo befand sie sich einst? Ist Avalon eine Gegend im Jenseits oder ist es wirklich eine Insel auf unserer Erde, in einer schwer zugänglichen Region?

Chalice Well Gardens Glastonbury - ewigeweisheit.de

In den Chalice Well Gardens im südenglischen Glastonbury.

Wenn man die Sagen um Morgan Le Fay, König Artus und Merlin liest, scheint sich Avalon sowohl im Diesseits als auch im Jenseits zu befinden.

In unserer Welt aber beansprucht der englische Ort Glastonbury für sich, jene Insel Avalon zu sein. Doch auch wenn es um den wundersamen Heiligen Gral geht, kommt man nicht umhin sich mit Glastonbury zu beschäftigen, dieser kleinen Stadt in der englischen Grafschaft Somerset.

Das Beltane-Fest

Schon einen Tag darauf saß ich in der Staatsbibliothek zu Berlin und schlug dort neue Bücher auf, worin ich fand dass Glastonbury in der Tat ein Ort ist, wo einst alter Paganismus auf die neue Religion der Christenheit traf - zwei spirituelle Strömungen, die sich dort auch auf ganz wundersame Weise vermischen sollten. Darum auch umwehen diese südenglische Kleinstadt unglaublich viele alte, doch auch neue Legenden.

Es war etwa Anfang April, als ich in der Staatsbibliothek über den arthurischen Gral, Druidentum und paganische Kulte im alten Europa recherchierte. Wie ich da herausfand, sollten sich in etwa vier Wochen in Glastonbury die alljährlichen Festlichkeiten zu Beltane ereignen, jener heiligen Nacht im Heidentum, der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai. Noch am selben Tag buchte ich meinen Flug nach Bristol. Ich konnte kaum erwarten nach Glastonbury zu kommen.

Druidenfeuer und Hexentanz

Beltane ist das Fest des hellen Feuers, das man überall im Kult der Druiden in dieser heiligen Nacht entzündet. In alter Zeit glaubte man, dass sich in dieser Nacht die Bewohner der Unterwelt zeigten und einem jeden der ihnen begegnet ein Weistum anvertrauen, was in Büchern kaum zu finden ist.

Für die alten Kelten begann an Beltane der Sommer und damit ein neues Jahr. Die keltische Priesterschaft der Druiden entzündete da des Nachts riesige Holzscheite, um deren Feuer man ekstatisch tanzte. Wohl kein Zufall das mancherorts auch heute noch Leute in der Nacht vom 30. April große Holzscheite in Flammen setzen und woanders »in den Mai tanzen«.

Wie ich allerdings erfuhr wurden diese Festlichkeiten in Glastonbury auf eine ganz intensive Weise begangen, was man nicht mit den Feierlichkeiten in anderen europäischen Städten vergleichen kann. Was dort nämlich in der Walpurgisnacht, an Beltane gefeiert wird, spielt sich irgendwo ab zwischen Euphorie und Wahn – und das in einer so kleinen Stadt von gerade einmal 9000 Einwohnern. In Deutschland gab es dazu mal den Heiligenberg am Neckar oder den Brocken im Harz.

Chalice Well Brunnen Glastonbury - ewigeweisheit.de

Der Brunnen Chalice Well in Glastonbury. Hier soll sich in verborgener Tiefe ein sakrales Gefäß befinden, dass man im Westen den Heiligen Gral nennt.

Am Brunnen Chalice Well

Als mein Flugzeug in Bristol gelandet war und ich damals zum ersten Mal meine Füße auf englischen Boden setzte, stieg eine eigenartige Vertrautheit in mir auf, die mich wissen ließ: Das ist ein guter Ort.

Mit meinem Mietwagen fuhr ich vom etwa 40 km entfernten Flughafen zum ersten Mal im Linksverkehr. Da dachte ich mir »hätte ich doch vielleicht besser ein Taxi genommen.« Doch schon nach etwa drei Kilometer begann sich alles immer vertrauter anzufühlen und ich sauste über die teils moosbewachsenen, engen Straßen Somersets.

Also kam ich schließlich an, dort im hübschen Städtchen Glastonbury. Ich hatte mich eingemietet in einem kleinen Landhaus. Von meinem Fenster aus konnte ich den magischen Turm auf dem Glastonbury Tor sehen. Unweit von dort befand sich auch ein schöner alter Brunnen.

Meine freundliche Gastgeberin lud mich ein zu einem Glas Tee und da lernte ich auch meine Zimmernachbarin kennen: Françoise aus Toulouse. Sie hatte schon viel über die Geschichte des Ortes gelesen und interessierte sich wie wohl fast alle Touristen hier, für alternative Themen der Heilkunde und Spiritualität.

Sie war schon einmal hier, ein Jahr zuvor, doch leider nur ein Wochenende. Diesmal hatte sie aber mehr Zeit mitgebracht, wie sie meinte, um auch die umliegenden Orte besuchen zu können. Françoise hatte große grüne Augen und blickte mich damit an, als sie mir versicherte dass in Glastonbury einfach alles miteinander vernetzt sei und, das wenn man an einem Ort begänne, bald schon zur nächsten interessanten Stätte eile, da sich dort mitunter das Rätsel einer begonnenen Geschichte auf wunderbare Weise löst. So ist das eben mit mythenbehafteten Orten in Glastonbury: Sie nehmen kein Ende.

Auch wollte sie sich einen Tag Zeit nehmen, um hier einen der drei esoterischen Buchhandlungen zu besuchen. Für einen kleinen Ort wie Glastonbury eine verblüffen hohe Dichte an »Spiritual Bookshops«.

Glastonbury ist voller solcher Läden und ähnlicher Seminarzentren, wo man ungewöhnliche Dinge lernt, wo man besonderen Schmuck, Kräuter, besondere Düfte und noch so einiges mehr kaufen kann, wo einem Wahrsagerinnen die Zukunft voraussagen wollen und man dort in den Genuss von allerlei alternativer Wellness kommt.

Besonders auch die Räumlichkeiten des Chalice Well Trust, einem esoterischen Zentrum direkt umgeben von den Chalice Well Gardens, bieten regelmäßige Veranstaltungen zu Meditation, alternativen Heilmethoden, zu den Jahreszeitlichen Festen wie Tagundnachtgleiche und Sonnenwende, doch auch mit vielen anderen interessanten Inhalten. Außerdem befindet sich hier der ehrwürdige Brunnen Chalice Well mit seinem wunderschön verzierten Deckel (siehe Bild).

Blick auf den Glastonbury Tor - ewigeweisheit.de

Blick auf den Glastonbury Tor. Das ganze Jahr über umgeben ihn grüne Wiesen.

Muttergöttin Erde

Glastonbury ist durchtränkt von einer sehr alten, scheinbar durch und durch keltisch geprägten Kultur, die ihre Gottesvorstellungen nicht unerreichbar in den Himmel verfrachtete, sondern eine ganz greifbare, fast einen ganz eigenen Geschmack besaß, den jene Priesterinnen ihren Bewunderern und Anhängern sprichwörtlich zu kosten gaben. Man kann hier auch von einem Kult um die alte Erdgöttin sprechen, die als Lebensspenderin den Menschen Gesundheit gab und Weisheit vermittelte – nun ja, es eigentlich auch heute noch tut.

Es ist auf jeden Fall das, was im frühen Druidentum zu höchster Entfaltung kommen sollte, doch irgendwann das Christentum ablöste.

In Glastonbury aber scheint sich mancherorts seit alter Zeit nichts verändert zu haben. Eher versucht man dort Druidentum und esoterisches Christentum auch heute noch gekonnt miteinander zu verbinden. Was die Muttergöttin im alten Keltentum bedeutete, das Selbe glaubt man zu erkennen in der christlichen Gottesmutter Maria.

Das wohl ist eines der wichtigen Augenmerke, wieso sich dieser alte Kult des keltischen Druidentums, bis heute als das erhalten hat, wofür so viele Menschen wieder Feuer und Flamme geworden sind.

Arkane Kräfte im Grund

Von meiner Nachbarin Françoise hatte ich außerdem erfahren, wie wichtig Glastonbury für spirituell gesinnte Menschen ist. Hier nämlich sollen in der Erde zwei Hauptkraftlinien verlaufen, die sich auf dem nahegelegenen Erdhügel in Form eines Labyrinths in einander verquirlen. Und dieser Hügel, der dort von einem Turm gekrönt aufragt, den nennt man den Glastonbury Tor.

Das Wort »Tor«, hatte mir Françoise bestätigt, kommt vom keltischen »Twr Avallach«, dem Erdberg, womit auch der Name Avalon verwandt ist. Wir werden aber noch sehen, was es damit sonst noch auf sich hat.

Direkt auf dem Gipfel des Glastonbury Tor nun, verlaufen wie gesagt zwei unterirdische Energielinien: Die sogenannte St-Michael-Linie und die Marien-Linie – ein männlicher Erdkraftstrom und ein weiblicher. Man spricht hier auch von den sogenannten »Ley-Linien«. Die ziehen sich entlang einer hunderte Kilometer langen Linie vom südwestlichen Cornwall bis nach Norfolk. Manche glauben gar sie verliefen noch weiter westlich im Meeresgrund, unter den heiligen Stätten des versunkenen Atlantis. Unzählige heilige Monumente liegen darauf, die von den Marien- und St-Michaels-Linien umwunden werden. In Glastonbury verdichten sich diese Kräfte unter dem Wearyall Hill, dem Tor, sowie der Abbey, der einstigen Kathedrale von Glastonbury.

 

Der Glastonbury Tor ist ein großer Kraftort. Wer schon einmal auf ihn stieg und von dort ins weit umläufige Gebirge geschaut hat, der spürt unweigerlich eine Art Vitalität, die dort echt aus dem Boden aufströmt. Feinfühlige Menschen empfinden da eine große magnetische Kraft, die sich aus dem Erdinnern gen Himmel öffnet. Ein anderer, nicht weit davon entfernter, sogenannter Kraftort, ist wo die beiden tausendjährigen Eichen stehen, denen man einst, in nachkeltischer Zeit, die Namen »Gog und Magog« gab.

Die saftig grünen Wiesen auf jeden Fall, die auch den Hügel des Glastonbury Tor bedecken, tragen ihren Teil zu dem bemerkenswerten Eindruck bei. In der wärmeren Jahreszeit sieht man hier auch kleine Herden weißer Schafe und es kommt schon einmal vor, dass sich einem ein solches, dort ja freilaufendes Tier, einfach für einen Spaziergang anschließt. Mir auf jeden Fall war das passiert. Ein kleiner Widder folgte mir. Nicht das er etwa auf irgend etwas Schmackhaftes hoffte. Ich weiß wirklich nicht was er an mir fand. Er lief mir einfach hinterher und blieb stehen, wenn ich mich nach ihm umdrehte. Irgendwie ulkig, doch gleichzeitig auch unheimlich.

Holy Oak Glastonbury - ewigeweisheit.de

Eine der beiden uralten Eichen Gog und Magog, etwa nordwestlich des Glastonbury Tor. Wen man hinter dem Gipfel des Hügels, etwa 400 m einem kleinen Weg (Stone Down Lane) folgt und die erste Abzweigung nach links nimmt, findet man sie dort.

Holy Oak Glastonbury - ewigeweisheit.de

Außer Rand und Band

Glastonbury ist wirklich klein, denn als ich mich abends in den wohl einzigen Pub begab, um dort den Klängen eines Konzerts zu lauschen, traf ich dort zufällig auch Françoise. In unserer Unterhaltung sprachen wir natürlich über Glastonbury. Sie hielt diese Stadt für einen der wichtigsten Orte in Europa, von wo aus das einstige Matriarchat der Neuzeit und auch ein neues Heidentum, noch einmal in den schönsten Farben zu blühen beginnen sollten.

Man konnte tatsächlich diesen Eindruck gewinnen, wenn man durch die kleine schöne High Street in Glastonbury spazierte, wo einem da und dort Hexen und weiß gekleidete, goldbehangene Druidinnen begegnen. In dieser Straße passiert man auch eine anglikanische Kirche, in deren Vorhof sich ein Labyrinth befindet, jener Form deren Ursprünge aus der sehr alten minoischen Kultur Griechenlands stammen, wo der Stier in der Zeit vom Übergang zwischen Matriarchat und Patriarchat, eine zentrale Symbolfigur gewesen war.

Dieser Ort in Somerset zeigt sich darum in einem wahrhaft seltsamen Zusammenspiel aus vielen uralten Kulten. Auf ganz kuriose Weise finden hier einander Druidentum, moderne Gesellschaft und christliches Gralsmysterium. Eben auch die alte Legende von dem heiligen Trinkbecher des Letzten Abendmahls Christi, hat in Glastonbury einen wichtigen Stellenwert.

In Glastonbury scheinen die Kräfte des Himmlischen und des Irdischen auf faszinierende Weise zusammenzulaufen und sich dort an den heiligen Stätten zu verbinden. Und nicht nur theoretisch. Man braucht sich nur zu Walpurgisnacht auf den Glastonbury Tor begeben, an dessen Hängen sich ja zwei heilige Quellen befinden – eine rote und eine weiße, eine »blutige« und eine »silbrige« – so zumindest scheinen es die sichtbaren Öffnungen der beiden Brunnen zu suggerieren. Denn aus der einen Quelle fließt anscheinend eher eisenhaltiges Wasser (Red Spring), wodurch ihr Lauf rot-orange gefärbt ist, während die andere Quelle eher silbrige Farben zeigt (White Spring).

Während meines Besuchs in Glastonbury, waren in der Beltane-Nacht an den Quellen, und auch sonst wo in der Stadt, Schamanen, Druiden und Hexen zu Gange. Wer sich nach Sonnenuntergang zum Brunnen von White Spring begab, fand dort ein kleines Gebäude, wo sich über viele Bahnen Wasserströme ergossen und wo zu lauten Trommelklängen Tänzer und Tänzerinnen um Becken voll »geheiligtem Wasser« einen wilden Reigen tanzten.

Während mir der benachbarte Chalice Well tagsüber eher als Ort der Besinnlichkeit erschien, war White Spring zu Beltane ein Ort der Hemmungslosigkeit, wo sich manche ganz den Kräften der Unterwelt hinzugeben schienen. Denn hier sollen sich die Tore nach »Annwn« öffnen, dem was die alten Kelten so als das Schattenreich titulierten.

Andere machten sich in dieser Nacht auf, um die Stufen auf den Gipfel des Glastonbury Tor zu erklimmen. Auf der Höhe dort soll sich einst ein großer Fels befunden haben. Den aber zerschlugen angeblich Christen als sie genug hatten vom wilden Treiben der Druiden, wo es, wie ich mal wo laß, auch schonmal vorkam dass ein Mensch den Göttern geopfert wurde.

So machten die Christen riesige Feuer um den Fels und zerschlugen hernach das darin glühende steinerne Ungetüm der Heiden. Aus den Steinen aber erbauten sie zu Ehren des Erzengels St. Michael dort auf dem Gipfel des Glastonbury Tor eine kleine Kirche.

Was mit dem heiligen Fels auf dem Glastonbury Tor geschah, dass schien den Göttinnen und Faunen der Umgebung gar nicht lange zu gefallen. Ein Erdbeben soll den Hügel so sehr erschüttert haben, dass das Kreuzschiff der kleinen Kapelle dort in sich zusammenfiel, bis eben auf jenen Turm der dort noch heute steht. Wollte das der Geist des Felsen? Erinnerten sich die Steine an ihren eigentlichen Ursprung?

Es ist eben eine weitere der vielen Sagen, die diesen magischen Ort zu umschweben scheinen.

Baum in Chalice Well Gardens, Glastonbury - ewigeweisheit.de

Die Äste dieses Baumes in den Chalice Well Gardens in Glastonbury, haben sich über die Jahrzehnte ineinander verwunden. Man sieht hier anscheinend die Effekte, die aus den Erdströmungen in den Pflanzen zum Vorschein kommen, denn so wie die Wurzel so auch Krone.

Baum in Chalice Well Gardens, Glastonbury - ewigeweisheit.de

Die Insel der Äpfel

Was bedeutet der Name »Avalon« seinem Ursprung nach?

Es ist ein keltisch-kymrisches Wort und kommt von »Abal« oder auch »Afall«, dem Apfel. Denn wie 1135 der alte Geistliche Geoffrey von Monmouth in seiner Geschichte über die englischen Könige verriet, nannte man eben jenen Ort, von dem hier die Rede ist, die »Insel der Äpfel«. Und eben diese Insel dachte man sich oft als jenen Hügel, den Glastonbury Tor.

In der Tat war das einst ein von Wasser umgebener Berg. Erst vor etwa 2000 Jahren zog sich von hier das Meerwasser des Bristol-Kanals allmählich zurück, so dass dort ein kleiner See entstand aus dessen Mitte da der Glastonbury Tor und der gegenüberliegende Wearyall Hill aus dem Wasser ragten. Die alten Kelten aber sollen hier einst eine kleine Siedlung gegründet haben.

Der Name Glastonbury aber kommt von »Glestinga Burg«. Hier nämlich herrschte wohl einst ein keltisches Adelsgeschlecht, die Glestinga, deren Name vielleicht verwandt ist mit dem englischen Wort »glistening«, dem Funkeln. Denn wenn dort auf dem Tor in den ersten Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung, vielleicht jene Menschen lebten, so sah man des Nachts dann wohl dort aus der Ferne, wie sich der schimmernde Glanz ihrer Feuerlichter im Wasser spiegelte. Auch heute noch kann man solche Phänomene im Winter beobachten, da dann die Felder in Feuchtigkeit getränkt, den Glastonbury Tor als tatsächliche Insel erscheinen lassen.

Heiliger Weißdorn und der Gral

Wie dem auch sei, sollte Glastonbury dereinst eine Stadt werden, wo sich sowohl das alte Heidentum und das jüngere Christentum trafen. Und da fällt der Name Josef von Arimathäa. Er war ein Onkel des Jesus von Nazareth, in dessen Grab man den am Kreuze gestorbenen Christus legte. Auch gab man ihm anscheinend den Gral – jenes heilige Trinkgefäß des letzten Abendmahls. Doch als die Römer erfuhren dass Josef von Arimathäa mit dem verurteilten Nazarener zu Gange gewesen war, verurteilte man ihn zu einer jahrelangen Kerkerhaft, ohne ihm dann dort aber Wasser oder Nahrung zu geben, in Erwartung das er dort sterbe. Allein durch die Kraft des Grals soll er in seinem Verließ überlebt haben, um dereinst seinen Auftrag zu erfüllen. Er sollte hier in Glastonbury die erste christliche Gemeinde Europas gründen.

Es heißt dass Josef von Arimathäa nach Avalon zu Schiff kam und auf dem Wearyall Hill landete, gegenüber des Glastonbury Tor. Da rammte er seinen Wanderstab aus Weißdorn in den Boden, woraus dann Wurzeln trieben und die heilige Pflanze zu wachsen begann. So will es der Mythos vom »Holy Thorn«, dem heiligen Weißdorn, der dort bis einst gewachsen war, doch anscheinend immer wieder neue Triebe aus seinem Stamm hervorschießen.

Den Gral aber brachte Josef von Arimathäa aus Jerusalem hierher, um ihn am Fuße des Glastonbury Tor zu verbergen. Darin nämlich hatte er die gottgesegneten Tropfen eingesammelt, die Jesus bei seinem Kreuzestod aus der Seite rannen, als Blut und Wasser, nachdem ihm der Centurio Longinus diese Wunde zugefügt hatte, mit seiner weißdornhölzernen Lanze.

An jener Stelle aber wo Josef von Arimathäa dort in Glastonbury den Kelch verbarg, sollen, so die Legende, dereinst die beiden Quellen Red Spring und White Spring entspringen – als Allegorie auf die Heilige Wunde des Christus. Diese Stelle nennt man darum »Chalice Well«, den Brunnen des Kelchs, die Quelle des heiligen Grals.

Glastonbury Abbey - die alte Abtei - ewigeweisheit.de

Die Ruinen der alten Abtei zu Glastonbury. Dort soll der Leichnam von König Artus begraben sein.

Glastonbury Abbey - die alte Abtei - ewigeweisheit.de

Warten im Jenseits

Wie mir meine französische Nachbarin Françoise am kommenden Morgen beim Frühstück erzählte, sollte ich unbedingt noch die alte Abtei zu Glastonbury besuchen. Das natürlich hatte ich mir bereits auf meine Reiseliste geschrieben. Angeblich sei dort, so Françoise, der Leichnam König Artus' beigesetzt und im rechten Winkel zu ihm seine Gattin Guinevere. Sie ruhte dort also nicht neben ihm. Man hatte sie  zu seinen Füßen beigesetzt.

Guinevere, so will es die Sage, hatte Artus betrogen mit dem eigentlich ehrenhaftesten aller Ritter der Tafelrunde: Lancelot, den Artus einst mit dem magischen Schwert Escalibur zwang sich ihm zu ergeben und anzuschließen.

»Doch auch Artus war nicht ohne«, meinte Françoise, die gerade ihren Tee austrank, um mich darauf wissen zu lassen, dass sie gleich zu einem »Hexentreffen« verabredet war. Ich musste unweigerlich schmunzeln darüber, doch schon reichte sie mir die Hand.

Was Françoise angedeutet hatte mit Artus, war wohl ein Hinweis auf seinen Sohn: Mordred. Zwar wusste Artus davon selbst erst nichts, denn es war finster in der Höhle und es scheint als hätte Merlin seine Finger da im Spiel gehabt. Doch einst an Beltane, zeugte er mit seiner Halbschwester, der großen Zauberin Morgan Le Fay, im Dunkel dort ein Kind, dass aber im Verborgenen bei Morgan aufwuchs. Dieser Junge aber, nicht wissend wer sein Vater ist, sollte genau ihn dereinst schwer verwunden.

Wie uns der alte französische Schriftsteller Chrétien de Troyes wissen lässt, kam es wirklich zum Kampf zwischen Sohn und Vater. Dabei wurde Artus fast getötet. Im Schwebezustand zwischen Leben und Tod kam er auf die magische Insel Avalon, schien dorthin entrückt worden zu sein, in jenen himmlischen, paradiesischen Apfelgarten. Dahin aber hatte Morgan Le Fay Zugang und pflegte ihn dort. Seither liegt er dort in einer Art Totenhalbschlaf, auf seine irdische Rückkehr wartend, um dereinst wieder zu erscheinen – in Glastonbury.

Kommen Sie ihm vielleicht zuvor?

 

Reisetipps

Anreise

Glastonbury im Südwesten Großbritanniens, in der Grafschaft (County) Somerset, befindet sich etwa 35 km südlich von Bristol. Mit dem Flugzeug fliegt man entweder nach Bristol oder nach London.

Mit dem Auto

Vom Flughafen Bristol kommt man gut über die North Side Road über die A38 ins etwa 40 km entfernte Glastonbury.

Je nachdem von welchem der vier Flughäfen in London man fährt, ist die Strecke zwischen 190-220 km nach Glastonbury.

Mit dem Bus

Vom Flughafen Bristol fährt der Bus A1 etwa alle 15 Minuten nach Bristol Temple Meads, von wo aus man dann mit dem Bus 376 nach Glastonbury kommt, der dort jede Stunde abfährt. Fahrzeit etwa 2 Stunden.

Von London aus fährt ab Paddington Rail Station der Bus 27 alle 10 Minuten nach Hammersmith Bus Station von wo aus man die Buslinie Superfast 3 (einmal täglich) nach Glastonbury nimmt.

Mit der Bahn (recht umständlich)

Vom Flughafen in Bristol fährt ein Bus regelmäßig zum Hauptbahnhof Bristol. Es gibt in Glastonbury allerdings keinen Bahnhof. Man kann jedoch mit dem Zug nach Castle Cary fahren. Hier halten Züge der West of England Railway und der Heart of Wessex Line. Der Ort Castle Cary befindet sich in etwa 1,5 km Entfernung vom Bahnhof. Ab Castle Cary kommt man mit dem Bus 667 nach Glastonbury.

Castle Cary wird auch von London Kings Cross / St. Pancrass angefahren.

Wichtigste Sehenswürdigkeiten in Glastonbury

  • Glastonbury Tor, freier Zugang
  • Chalice Well in der Chilkwell Street. Preis: ca. 4.,50 GBP (Stand 2019)
  • Glastonbury Abbey, Eintritt ca. 8 GBP (Stand 2019)
  • St. Margeret's Chapel die man über die Magdalene Street erreicht, von der ein schmaler Durchgang abgeht
  • Auf dem Stadtfriedhof findet man das Grab der berühmten Magierin, Rosenkreuzerin und Autorin Dion Fortune

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Magische Künste der Druiden

von S. Levent Oezkan

Druiden Magie - ewigeweisheit.de

Auch die Kelten hatten ihre Magier. Bei denen aber war das immer Sache der Druiden – der keltischen Priesterschaft. Das heilige Buch Mabinogion der Kelten sagt, dass die eigentlichen Ursprünge des Druidentums in ferner Vergangenheit liegen, wo einst das sagenhafte Volk der Tuatha Dé Danann in Erscheinung trat – die mythischen Nachfahren der keltischen Göttin Danu.

Bei den Kelten war das hohe Handwerk der Magie anfänglich Sache der Frauen. Lange bevor Männer die Hohepriesterschaft ihres Stammes vertraten, übten die Kelten diese spirituelle Disziplin nur im Schutzkreis der Druidinnen aus. Im Laufe der Entwicklung der ersten Hochzivilisationen aber, übernahmen das Wissen der Druidinnen dann ihre männlichen Anhänger. Erst seit dem befasste man sich Seite an Seite mit Magie und höheren Zauberkünsten.

Nachdem das Druidentum verschwand, schien, als hätte sich altes Wissen in Kreisen der Magierinnen fortgesetzt, während das allgemeine Priestertum begann zu christianisieren. Vielleicht geschah das einfach nur um den alten Naturglauben der Kelten, auch für die Zukunft zu bewahren. Und daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Wer einmal die eigentümliche Kleinstadt Glastonbury, im englischen Somerset besuchte, wird dort wohl einigen dieser Zauberinnen begegnen, selbst in weißem Aufzug und goldenem Krönchen. Man könnte dort tatsächlich den Eindruck gewinnen, das manchen auch heute noch magische Zaubersprüche und Amulette helfen, natürliche Prozesse zu beschleunigen. Gar die eigene Erscheinung von jetzt auf nachher zu verändern oder sich unsichtbar zu machen, sei es auch nur anscheinend, sind Fähigkeiten über die die Eingeweihten des wahren Druidentums verfügen sollen.

Vieles was durch die alten Druiden zu uns kam, übernahmen nach ihnen christliche Heilige und auch der Klerus. Die Kunst der Druiden schien insbesondere in Irland und den Britischen Inseln eine wesentliche Rolle zu spielen, was anscheinend dereinst in das dort so eigentümliche Christentum einfloss.

Knüppel, Schwerter, Kessel, Felsen

In alter Zeit fürchtete man noch die Macht der keltischen Priester. Bei der Verehrung der Göttinnen ließ man darum stets den Vortritt den Druiden, denn das gemeine Volk hatte Angst, ein Fluch könnte es heimsuchen. Jedem keltischen Klan stand ein Druide vor. Der begleitete auch seine Könige aufs Schlachtfeld, um ihn dort als Heeresführer in seiner Kampfesmacht zu unterstützen. Der Druide laß in den Sternen, wie der Gegner taktieren werde, zum Gewinn des Feldherrn. Der römische Naturphilosoph Plinius (23-29 n. Chr.) setze das Wort »Druide« deshalb gleich mit »Magier« oder »Wahrsager«, einem der über die selben Mächte verfügte wie man es schon aus dem Alten Ägypten kannte. Dort nämlich vertrat diese Rolle der Magier und Hohepriester des Gottes Thoth.

Götter der Druiden: Die Tuatha Dé Danann

Im Morgennebel landete einst das sagenumwobene Volk der Tuatha Dé Danann an den Ufern Irlands. Da nahmen sie das alte Land von Éire ein. Das ereignete sich vielleicht vor etwa 12000 Jahren. Von noch viel älteren Meistern sollen sie dort die magischen Künste erlernt haben. Daher wurden sie auch in jüngeren Sagen und Märchen als die Druidenzauberer der Danu bezeichnet. Wenn es also um den Ursprung der magischen Künste geht, fällt der Name Irland.

Druiden vermochten die Stille plötzlich mit Kriegsgetöse zu durchbrechen oder ließen aus dem Nichts heraus schauerlichen Schreie von Hundertschaften erschallen. Die Töchter des irischen Druiden Calatin waren auf der Suche nach dem Helden Cúchulainn. Mit ihren Gesängen erhoben sie sich über die Lüfte, um nach ihm zu suchen. Zwar verbarg ihn der Druide Cathbad, doch sie fanden den Krieger dennoch. Sie erzeugten durch ihre Zauber einen Dunst, in den sie Cúchulainn hüllten und danach schlugen. Auch der alten Priesterin Sena wird nachgesagt, sie hätte Macht über die Winde und könnte durch ihre Magie die Wellen im Meer aufbrausen lassen.

Die Magie der Druiden basierte grundsätzlich auf der Manipulation der vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde. Dafür stand je ein Symbol, dass gewiss auch an die Symbolik der kleinen Arkana im Tarot erinnert: Knüppel (manchmal auch Pfeile), Schwerter, Kessel und Felsen. Wie sie bei diesen magisch-alchemistischen Handlungen verfuhren, damit halten sich die überlieferten Sagen bedeckt. Wegen der Magie des Druidenkönigs Cormac mac Airt sollen einst alle Gewässer Irlands versiegt sein (Luft). Doch da trat ein anderer Druide auf, dessen abgeschossener Pfeil (Feuer) an einer Stelle niederging, wo ein Fels (Erde) aufbrach, aus dem plötzlich eine Quelle (Wasser) hervorsprang.

Quellen und Brunnen spielten in den Sagen um Druiden und Druidinnen immer eine wichtige Rolle. Da wäre zum Beispiel der Heilbrunnen Chalice Well zu nennen, der sich in einem kleinen Park in Glastonbury befindet. Viele englische Sagen berufen sich auf diesen Ort, wie etwa die Fabeln um König Artus, den Zauberer Merlin, das heilige Wunderschwert Excalibur oder die Magierin Morgana. Es sollen aber auch die Blutstropfen Christi, als leuchtende Spuren in einem Kelch geschimmert haben, nach dem man hier in Glastonbury suchte. Die keltische Sagenwelt geht manchmal also über in die Legenden der Christenheit. Auf sie trifft man häufig in jenen Ländern, wo einst auch Kelten lebten. So etwa im französischen Lourdes, wo auch die Heilige Bernadette eine Quelle freilegte. Dorthin pilgern jährlich tausende Hilfesuchende, in der Hoffnung auf Heilung.

Die Bäume von Brocéliande

In der Bretagne, im Nordwesten Frankreichs, befand sich einst ein sagenhafter Wald: Brocéliande. Hier wurde der Druide Merlin verzaubert von der schönen Nimue, der Königin des Wassers. Sie entlockte ihm seine Zaubermächte und bannte ihn damit in eine Hecke, deren Laub und Äste aus Weißdorn, sich um ihn schlangen und Nimue ihn so gefangen nahm. Der Weißdorn: im Sagenkreis der alten Kelten ein Gewächs magischer Kraft. Auch die Druidin Morgana (auch: Morgan la Fey) soll in einem verwunschenen Tal dieses Waldes gelebt haben.

Heiliger St. Patrick - ewigeweisheit.de

Schutzheiliger Irlands: Der Heilige St. Patrick

Im Wald von Brocéliande befindet sich auch eine Quelle: Barenton. Wer ihr Wasser in einem Kelch auffängt und danach über den Felsen an der Quelle gießt, soll damit Regen machen können. Bis heute anscheinend, sollen Menschen in Jahren großer Trockenheit, an diesen Ort pilgern, um dort einen Ritus auszuführen. Man begibt sich dann in Gesängen, feierlich an die Quelle und betet dort für Regen.

Wiegenlied und Nebelschleier

Wer sich von den Tuatha Dé Danann für andere unsichtbar machen wollte kannte den Zauberspruch Féth Fíada. Das Wort Féth heißt »Nebel« oder »Dunst«, Fíada ist ein »Wissender«. Damit steht der Spruch also für einen der die Kunst beherrscht sich in Nebel zu hüllen, sich aufzulösen und aus dem Gesichtsfeld anderer zu verschwinden. Klingt ein bischen wie im Märchen und einem kommt da vielleicht das Wunderwerk des legendären Merlin in den Sinn, der eben noch inmitten der Tafelrunde stehend, sich abrupt zurückzog und an seiner statt, ein Wölkchen seine Abwesenheit kaschierte.

Von solch merkwürdigen Gestalten wie dem Merlin, sollen auch christliche Heiligen in Irland ihre teils magischen Handlungen erlernt haben.

Eine berühmte Geschichte aus der christlichen Sagenwelt Irlands, beschreibt den Heiligen St. Patrick bei seinem Aufstieg auf den irischen Hügel Tara. Es gilt den Iren als heiliger Berg, der sich in der Mitte vier alter Königreiche befindet und auf dem man damals die irischen Könige krönte. Von dort aus nun wollte St. Patrick den neuen Glauben verbreiten. Doch seine Gegner waren zahlreich. Seiner lauernden Feinde jedoch gewahr, begann er eine eigenartige Melodie zu singen, eine durch und durch magische Hymne. Auf einmal umhüllte ihn ein glänzender Rauch. Den Soldaten der feindlichen Armee erschien all das zwar so, als wär da etwas, doch was sie sahen war nicht etwa St. Patrick, sondern ihnen erschien ein Hirsch mit seinen Kälbern. Alles was sie vernahmen war ein eigenartiger Gesang:

Atomriug indiu
Niurt tren togairm trindóit
Cretim treodatad
Fóisin oendatad
Atomriug indiu
Niurt gene Christ cona bathius
Niurt a chrochtho cona adnacul.

Heute steige ich auf
Durch eine mächtige Kraft, in Anrufung der Trinität
Durch Glaube an die Dreiheit,
In Bekenntnis zur Einheit
Der Schöpfers der Schöpfung.
Heute steige ich auf
Durch die Kraft des Christus und seiner Taufe
Durch die Kraft seiner Kreuzigung mit seiner Grablegung

Den älteren Schriften christlicher Heiliger lässt sich entnehmen, dass sie fest an die magischen Fähigkeiten der Druiden glaubten. Doch für die Christen standen die Druiden in einem Pakt mit dem Teufel. St. Patrick sagten manche nach, er soll letztendlich dieses Hexenwerk selbst verwendet haben, um die Druiden mit ihren eigenen Waffen zu überwinden. Jenem irischen Heiligen gelang es deshalb magisch erzeugte Schneestürme, plötzliche Finsternis oder druidische Flammenschauer abzuwenden.

Das klingt vielleicht ein wenig nach Märchen, doch nicht zufällig konnten sich solche Legenden überhaupt erhalten. Denn würden sie allein auf Hirngespinsten basieren, hätten sie wohl kaum über mehr als 2000 Jahre hinweg bestehen können.

Im Gegenzug kann auch angenommen werden, dass die Druiden im Christentum eine höhere Macht sahen, wo das Kreuz als mächtiges Symbol, seine eigene magische Wirkung auszuüben vermochte. Das die Biografien christlicher Heiliger voller ungewöhnlicher Legenden sind, scheint auch kein Zufall zu sein. Man denke etwa an den Heiligen Franziskus von Assisi oder Hildegard von Bingen.

Es scheint als hätten die Symbole der Vergangenheit einfach nur die Form ihrer Erscheinung, den Bräuchen einer neuen Menschheitsepoche angepasst. So wurde aus dem Symbol der Muttergöttin die Gottgebärerin Maria Mutter Jesu. An die Stelle des druidischen Zauberers und Heilers, trat die Figur des Jesus Christus. Was Merlin den Druiden war, sollte St. Patrick der irischen Christenheit sein.

Christliche Heiler führten also gewiss ein über Jahrtausende tradiertes Geheimwissen fort, dass sie in all den verschiedenen Riten zu dem werden ließen, was die Leiden eines Menschen linderte oder gar einem ganzen Kreis Gläubiger in ihrer Fortentwicklung half. Die Heilige Columba brachte es auf den Punkt:

Christus ist mein Druide, der wahre Wundertäter

Vielmehr als nur Märchen

Auch wenn manche meinen all das, was man heute über die Druiden weiß, sei reine Erfindung und erdichtet, dürften sie sich vielleicht täuschen. Es soll wirklich Menschen geben die über ein Weistum und Wissen besonderer Sprachen verfügen, womit sie wirklich Menschen heilen, ihre Erscheinung verwandeln oder durch gezielte Anwendung von Zaubern, direkt oder indirekt auf Personen Einfluss zu nehmen – sei es nützlich oder schädlich, heilsam oder unheilvoll. Nicht selten hört man darum von Angehörigen des sogenannten Neu-Druidentums und auch von manch modernen Hexen, die sich anscheinend unsichtbar machen können oder, so wie vor ihnen auch der Heilige St. Patrick, jemandem als etwas Anderes erscheinen als sie eigentlich sind.

Ob bei solchen magischen Ritualen vielleicht auch besondere Substanzen zur Anwendung kommen? Fest steht, dass man seit alter Zeit wusste besondere Zaubertränke herzustellen. Da wäre etwa der Trank des Vergessens zu nennen: wer ihn einnahm, dessen Erinnerung wurde verwüstet und gar seine engsten Vertrauten und Geliebten erschienen ihm als Fremde. Es kann jedoch nicht abschließend gesagt werden, ob solch Wunderelixier eher metaphorisch zu verstehen ist. Immer aber waren es Zaubersprüche über die die Höchsten der Druiden und Hexen verfügten.

Es sollte Druiden auch gelingen durch bestimmte Sprüche jemanden in eine Trance zu versetzen und ihm dabei Halluzination zu induzieren. Und genau hierauf basiert wohl auch das was die Legende oben sagte über Merlins Wunderwerk oder das des St. Patrick. In beiden Fällen geht es aber überhaupt nicht um tatsächliches Auflösen von Materie, sondern eher um die hohe Kunst der Illusion. Damit sei aber nicht ausgeschlossen, dass die alten Druiden dennoch auch Alchemisten waren, die auch physische Substanzen in einander übergehen ließen, Unedles in Edles zu verwandeln vermochten oder tatsächlich etwas Seiendes in etwas Gewesenes überführten.

Bei der Anwendung von Zaubersprüchen, die ein Druide in einer besonderen Melodie aufsagte, nahm dieser auch eine bestimmte Körperhaltung ein. Und genau auf diesem Effekt funktioniert auch Hypnose: über eine gewisse Zeit wird jemand eingesäuselt. Dann, durch eine plötzliche Veränderung der Haltung des Druiden, wird ein Schlüsselmoment ausgelöst, dass das Bewusstsein des Betroffenen schlagartig in einen Trancezustad überführt. Der Betroffene fällt dann in den sogenannten »Druidenschlaf«. Was die druidischen Barden erlernten waren zunächst einfachste Formeln. Sie übten diese Sprüche dann mit besonderen Riten zu verbinden, um damit ein magisches Ergebnis zu erhalten. Wer ganz sicher über diese Fähigkeit verfügte, konnte damit jedes beliebige Opfer in Trance versetzen. In solcher Art Hypnose war dem Druiden jemand vollkommen ausgeliefert, beantwortete ihm jede Frage, kein Geheimnis blieb ihm verborgen. Besonders wichtig waren da auch Melodien. Seine Harfe diente dem Druidenbarden als magisches Instrument, womit er den Betroffenen in eine traumartige Stimmung versetzen konnte. In dieser schlafähnlichen Verfassung suggerierte er ihm dann bestimmte Formeln – ähnlich dem was auch Schlafliedchen bezwecken, die man kleinen Kindern einsäuselt.

Keltische Harfe - ewigeweisheit.de

Skizze einer Keltischen Harfe

Doch auch die Dichtkunst mancher Druiden war so ausgefeilt, dass sie allein durch besondere Verse Menschen in eine vollkommen andere Verfassung transformieren konnten. Auch wenn er selbst nicht zwingend zugestimmt hätte, zählte zu solchen Meistern bestimmt der irische Poet William Butler Yeats. Gewiss nicht ganz zufällig war er Mitglied des Golden Dawn, einem der wichtigsten magischen Orden des 20. Jahrhunderts.

Für unser heutiges Verständnis und die Erfahrungen mit den Neuen Medien, mag das zuvor Gesagte recht ungewöhnlich erscheinen. Wenn aber in grauer Vorzeit nur ein Bruchteil der Gesellschaft lesen konnte und neugierige Ohren sich von den Lippen der Barden einlullen ließen, nahm man noch ganz anders und viel sensibler wahr. Unser zeitgenössisches Bewusstsein ähnelt dagegen eher einem Halbschlaf. Heute haben sich die meisten Menschen bereits an all die technischen Zwischeninstanzen gewöhnt, die ihnen eine Realität wiedergeben, die meist nach Maßgabe Dritter, ihnen die Wirklichkeit einfach nur zu deren Gunsten übersetzt.

Die Druiden aber waren außergewöhnliche Menschenkenner und wirliche Meister der Magie. Vielleicht klingt das alles etwas übertrieben. Nur liegt dass vielleicht daran, dass schon unzählige Fantasy-Filme einem die Sicht auf die Wirklichkeit vernebelten und man darum alles nur als Märchen sieht. Aber auch das erfüllt seinen Zweck.

Druiden als Heiler

Falsch wäre zu meinen dass Druiden ihre Zauberkräfte allein verwendete um auf andere Macht auszuüben. Ihr magisches Wissen diente ihnen der Kontrolle der Elemente. So waren Druiden stets auch Heiler, die über besondere Sprüche und magische Riten, Menschen von Leid und Krankheiten zu heilen vermochten.

Man trug dem Hilfesuchenden auf besondere Zaubersprüche zu wiederholen und sich dabei auf seine Verletzung oder Beschwerden zu konzentrieren. Es heißt dass die Druiden ganz und gar dazu befähigt waren einem Menschen seine Fruchtbarkeit zurückzugeben.

Aus welchen besonderen Worten sich diese magischen Sprüche zusammensetzten, wissen heute aber nur noch jene, denen sie ihrerseits mündlich weitergegeben wurden. Sie stehen in keinem Buch, da das Keltentum einer rein mündlichen Tradition folgte. Gewisse Wahrheiten wurden duch Symbole abstrahiert. Das gibt einen guten Eindruck über die Natur dieses alten Volkes. Nur im innersten Kreis wurde magisches Wissen weitergegeben, damit niemand erfuhr, was ihm nicht zustand und womit er vielleicht hätte Schaden anrichten können.

Bild, Symbol und Zauberstein

Wie auch in anderen Traditionen spielten bei den Druiden magische Amulette eine wichtige Rolle. Auf Talismanen, Schmuckstücken und Fetischen befanden sich besondere Symbole, um dem Träger ähnliche Macht zu verleihen, wie die Gottheit oder die Erscheinung für die sie standen. In Gallien (Nordwesten Frankreichs) und Britannien (Südengland) fand man viele Symbole keltischer Götter, die zum Beispiel ein Sonnenrad zeigen. Man trug dieses solare Zeichen als Schutz vor Kälte, Dunkelheit und zur Abwehr des Bösen.

Eines der wohl berühmtesten Symbole keltischer Amulett-Kunst ist das sogenannte »Schlangenei«. Plinius sagte darüber, es hätte etwa die Größe eines Apfels besessen und sei von Scheiben knorpeliger Haut bedeckt gewesen. Solch seltsame Ovale standen zweifellos in Verbindung mit mit den alten Schlangenkulten der Vorzeit. In unzähligen Ornamenten und Bildzeichen keltischer Kunst, sind solch schlangenartige Muster zu sehen, deren spiralartigen Linien sich ineinander verstreben.

Magische Felsen

Der Steinkult der Druiden rührte wahrscheinlich her von ihrer Verehrung für besondere Kraftsteine und Mineralien, die auch für Heilzwecke verwendet wurden. Doch nicht nur handgroße Steine erfüllten ihren heilerischen Zweck, auch großen Dolmen. Alte, überdimensionale Steintische, besaßen eine ganz eigenartige Wirkung auf jene die sich ihnen näherten. Jeder der sich schon einmal in der Nähe eines Dolmengrabes aufgehalten hat oder die Steine von Stonehenge berührte, hat vielleicht schon einmal die Kraft solcher Naturmonumente gespürt. Nicht zufällig stellte man sie an diesen Orten auf. Sie befinden sich, als eine Art überdimensionale Akupunkturpunkte, auf den Energie-Meridianen der Erde.

In den alt-keltischen Megalith-Bauten befanden sich auch besondere Öffnungen, durch die Helfer der Druiden, in einem besonderen Zeremoniell, Kranke durchgereichten. Es wurden zu solchem Zwecke auch große Spalte in den Stamm eines jungen Baumes geschnitzt, durch den man zum Beispiel ein krankes Kind reichte, damit die magischen Kräfte dieses Baumes ihre Wirkung vollbringen mögen. Wenn sich dieser Spalt nach einiger Zeit zu schließen begann wusste man dass das Kind geheilt war.

Hilfesuchende erhofften sich durch solche Heilungsriten vom Druiden die Ursachen von Krankheit auf das externe Objekt zu übertragen. Es war dann so, als würde man einem bösen Geist einen neuen Wohnort verschaffen, über den er wieder ins Erdinnere zurückgelang, befand er sich an der Oberfläche der Erde doch in der Fremde.

In den oben dargestellten Heilungsarten war das dann also ein Heilstein, Fels oder Baum. Man dachte sich wohl dass eine physische (oder auch psychische) Krankheit ein Ungleichgewicht war, zwischen dem Körper des Kranken und Mutter Erde. Die erwähnten Objekte der Heilung (Dolmen, Felsen, Bäume und so weiter) erfüllten somit einen ausgleichenden Effekt, der eine neue Balance erzeugend, Mensch und Erde einte.

Ein Mensch konnte, durch das Wirken der Erdenergien, wie neu geboren, aus seinem einst erkrankten Körper wieder zu neuer Frische gelangen. Generell erfolgt so eine Regeneration ja bereits auch, wenn man längere Zeit im Grünen oder in den Bergen verbringt, an eben solchen Orten der Stille und Kraft.

Manchen Steinen werden magische Eigenschaften nachgesagt, allen voran der berühmte Stein Lia Fail. Es war einst der Krönungsstein der irischen Hochkönige. Wenn sich ihm der wahre König näherte und der sich schließlich auf den Stein setzte, hörte man ganz eigenartige Geräusche, so als würde der Stein schreien. Der Lia Fail stand in der Grafschaft von Meath in der Mitte Irlands auf dem heiligen Hügel von Tara, wohin den sagenhaften Stein einst die Túatha Dé Danann brachten, aus dem fernen Falias, der mythischen Stadt im hohen Norden.

Auch in anderen Druidenstämmen erfüllten Steine ihren ganz relevanten Zweck als Kultobjekte. Ihnen schrieb man wie Menschen Tugenden zu, wenn sie etwa mit besonderen Symbolen versehen wurden. Solche Zeichen im Stein markierten ein Ereignis, wie etwa die Ernennung eines Häuptlings oder Anführers der Keltenstämme Irlands.

Sicher aber stammen diese Bräuche und Sagen bereits aus vorkeltischer Zeit, wozu sicherlich die alten Megalith-Monumente in Europa zählen. Was die Druiden an Orten wie etwa Avebury oder Stonehenge an besonderen Riten vollzogen, basierte wohl auf mündlicher Überlieferung – etwas das aus der Frühgeschichte Europas stammt. Manche sagen die Flüchtlinge aus Atlantis hätten ihre Gebräuche einst nach Irland gebracht. Und in dieser Tradition sehen sich heute auch Angehörige des Neuen Druidentums. Sie besinnen sich zurück auf ihr eigentlich atlantisches Erbe.

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Der magische Jahreskreis im Wicca

von S. Levent Oezkan

Pan und Diana - ewigeweisheit.de

Der Wicca-Jahreszyklus ist in acht Abschnitte gegliedert, deren Übergänge als sakrale Feste des Lebens gefeiert werden. Es ist der Wechsel des Sonnenstandes der den Jahreszeiten folgt. Gemäß der geheimen Gesetze von Sonne, Mond und Erde, besäten, pflegten, jäteten und beernteten, schon in alter Zeit Kelten und Germanen ihre Äcker und Haine.

Die aktiven und ruhenden Vegetationsphasen im Jahreslauf, hängen zusammen, wie jeder weiß, mit der Gegenwart und Abwesenheit des Lichts und der Wärme der Sonnenstrahlen. Von der Aussaat zur Reife bis zur Ernte – also vom Winter, Frühling, Sommer bis in den Herbst – gebiert unsere Mutter Erde in sozusagen neun Monaten unsere Nahrung. In den folgenden drei Monaten welkt das Stroh auf den Feldern, Bäume werfen ihr Laub ab. So stehen sich gegenüber: neun Monate Leben und drei Monate Sterben.

Im Jahreskreis markieren Sonnenwenden (Solstitien) und Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) vier Punkte, von denen sich je zwei gegenüber liegen. Sie markieren die Mitten der vier Jahreszeiten. Seit alters her feierten Menschen zu diesen Zeitpunkten gemeinschaftlich große Feste.
Jene Tradition ist also schon sehr alt und begann vielleicht vor etwas weniger als 12.000 Jahren (es könnte sein, dass vor dieser Zeit, die Achslage der Erde, eine andere Neigung hatte, etwas, dass sich natürlich auf die Jahreszeiten auswirkt).

Am Anfang jener oben angedeuteten dreimonatigen Ruhephase jedoch, feierte man in alter Zeit, nach den Erntefesten die großen Mysterien. Da wurden die Aspiranten eingeweiht in das Geheimnis des Todes. Jener uralte Ritus lebt heute in der freimaurerischen Tradition fort.
Es heißt, dass nach neun Monaten im Mutterleib (Leben) und drei Monaten im Tempel (Sterben), der wahre Mensch geboren wird.

Genau zwischen diesen vier jahreszeitlichen Festen, feiern jüngere, synkretistische Religionen, wie etwa die Wicca-Hexenreligion, außerdem noch weitere vier Feste. Sie bilden gemeinsam mit den vier Sonnenfesten, den oben bereits angedeuteten, achtfältigen Jahreskreis. Für jene, sich daraus ergebenden acht Jahresfeste, stehen die acht Speichen des sogenannten Sonnenrades – einem universalen Symbol, woraus der Eingeweihte Gesetz, Recht und seine ethisch-religiösen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft abzulesen vermag.

In der Religion des Wicca jedoch, beschreibt jeder Abschnitt, der durch eine dieser acht Speichen des Sonnenrad begrenzt wird, die Liebschaften eines heiligen Paares – repräsentiert durch die Mondgöttin Diana - und Pan, den gehörnten Gott der wilden Erde.

Die acht Hexensabbate

Wenn Angehörige des Wicca über diese acht großen Jahresfeste sprechen, ist die Rede von den Sabbaten – einem Begriff jüdischen Ursprungs (Schabbat: Ruhetag). Das Wesen der Wicca-Feste jedoch, worüber wir im Folgenden sprechen wollen, sind durchtränkt von antiken, solaren und lunaren Mythen und Symbolen. Mit den alten abrahamitischen Kulten haben sie nur wenig gemeinsam. Und doch: Titel, Zeitpunkte und Gebräuche dieser Feste, weisen zum Teil hin auf den eigentlich heidnischen Ursprung, heute gefeirter christlicher Hochfeste.

Jene Mythen, die im Wicca von Bedeutung sind, weisen hin auf das »Leben« von Sonne und Mond – das heißt, auf ihre astronomischen Bewegungen im Jahreslauf. Auch der Mond hat, ähnlich der Vierheit der solaren Jahreszeiten, ebenso vier Hauptphasen: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond. Die acht Hexensabbate des Wicca nun, sind in diesen, jeweils vier solaren und lunaren Lichtphasen, untereinander verbunden.

Insbesondere wichtig für Anhänger der Wicca-Tradition aber ist, ob sie sich auf der nördlichen oder auf der südlichen Hemisphäre der Erde befinden. Denn je nach entsprechendem Aufenthaltsort, spielen sich die Jahreszeiten dort jeweils entgegengesetzt ab. Darum feiert man auf der Südhalbkugel jene acht Jahresfeste in umgekehrter Reihenfolge.

Neben den acht Hauptfesten, gibt es aber noch weitere 13 Hexensabbate, die bei Vollmond oder manchmal auch bei Neumond gefeiert werden. Sie gelten als besonders wirksame, magische Arbeitstage. 
Wir wollen uns im Folgenden jedoch insbesondere mit den acht Hauptfesten beschäftigen.

Große Sabbate: Feuer- und Mondfeste

Die vier Lichtfeste zu Ehren der Mondgöttin – Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh – sind im Wicca von übergeordneter Bedeutung.
Sie finden genau in der Mitte, zwischen je zwei solaren Festen statt, weshalb man sie auch Kreuz-Viertel-Tage nennt. Für die genau Bestimmung dieser Tage, verwenden die Wicca-Priesterinnen und -Priester aber tatsächlich unterschiedliche Methoden. Normalerweise aber gelten kalendarische Daten, die sich aus solaren und lunaren Lichtphasen ergeben – im Zusammenwirken von Jahreszeit und Mondphase.

Außerdem werden diese vier großen Wicca-Feste, von bestimmten astrologischen Qualitäten bestimmt, die den vier Fixzeichen entsprechen: Skorpion, Wassermann, Stier und Löwe.

Kleine Sabbate: Sonnenfeste

Die vier solaren Feste zu Ehren des Sonnengottes – Jul, Ostara, Litha und Mabon – bestimmen die vier astronomischen Positionen der Sonne im Wechsel der Jahreszeiten: Wintersonnenwende, Frühjahrstagundnachtgleiche, Sommersonnenwende und Herbsttagundnachtgleiche.

Die Sonnenwenden ereignen sich, wenn die Sonne am höchsten steht: im Winter auf der Südhalbkugel und im Sommer auf der Nordhalbkugel.

Man spricht auch von den Solstitien, da sie den »Stillstand der Sonne« beschreiben (sol: Sonne; sistere: Stillstand). Doch welcher Stillstand ist damit gemeint?
Vom 21.12. beginnend, vollzieht die Sonne bis zum 24.12. dreimal genau die selbe Bahn. Daher Stillstand, da sich der Sonnenzenit im Tagesbogen um nicht einmal 1° verändert. Auf der Nordhalbkugel, sind das die drei kürzesten Tage im Jahr, entsprechend die längsten Tage auf der Südhalbkugel. Zwischen dem 21.6. und dem 24.6. dann, findet die Sommersonnenwende statt, mit den drei kürzesten Nächten im Jahr auf der Nordhalbkugel und den drei längsten Nächten auf der Südhalbkugel der Erde.

Die beiden Tagundnachtgleichen – die Äquinoktien (aequus: gleich; nox: Nacht) – finden statt, wenn sich die Schräge der Erdachse weder zur Sonne hinneigt, noch sich von ihr entfernt. Dann sind Erdäquator und Sonnenzentrum auf selber Ebene, Tag und Nacht dauern gleich lang. 
Datumsmäßig findet die Frühlingstagundnachtgleiche zwischen dem 19., 20. oder 21. März statt; die Herbsttagundnachtgleiche fällt auf einen der Tage des 22., 23. oder 24. September.

Die vier Kardinalzeichen Steinbock, Widder, Krebs und Waage, bestimmen die astrologischen Qualitäten der vier kleinen Sabbate.

Name des Festes Datum Astrologisches Zeichen
Samhain

 

Nacht auf den 1. November

 

Skorpion

 

Jul

 

21. - 23. Dezember (Wintersonnenwende)

 

Steinbock

 

Imbolc

 

1. Februar

 

Wassermann

 

Ostara

 

20 - 23. März (Frühlingstagundnachtgleiche)

 

Widder

 

Beltane

 

Nacht auf den 1. Mai

 

Stier

 

Litha

 

21. Juni (Sommersonnenwende)

 

Fische

 

Lughnasadh

 

1. August

 

Löwe

 

Mabon

 

21. - 24. September (Herbsttagundnachtgleiche)

 

Waage

 

Das Buch der Schatten

Zu jedem der acht Hexensabbate, gehören besondere Rituale. Sie werden im »Buch der Schatten« beschrieben. Das Buch geht zurück auf einen der Pioniere der neu-heidnischen Wicca-Religion: Gerald Brosseau Gardner (1884-1964).

Gardner schrieb die Texte seines Buches, einem antiken, geheimen Hexenkult zu, in den man ihn einweihte, wie er behauptete. Darin erhielt er altes keltisches Wissen, dass er vermengte mit dem System henochischer Magie des großen John Dee. Auch Elemente der Thelema-Religion und des Golden Dawn, sind in seinem Buch verankert.

Man kann sagen, dass es sich beim Buch der Schatten, um den wichtigsten Text der Wicca-Religion dreht, auch wenn es eigentlich kein offizielles Buch der Schatten gibt. Vielmehr existiert es in verschiedenen Varianten. Normalerweise besitzt darum jeder Hexenzirkel eine handgeschriebene Kopie vom Buch der Schatten, die dann aber mit geheimen, ordenseigenen Zeichen kodiert sind, allein verständlich für die Angehörigen eines bestimmten Wicca-Zirkels.

Heute verwenden Gardners Buch aber auch andere Wicca-Gruppen, wie die Alexandrianisten und die Mohsianisten.

Für alle Hexen und Hexer, gilt das Buch der Schatten allerdings als Bibel des Wicca. Das Buch entstand mit Hilfe der Hohepriesterin Doreen Valiente (1922-1999), wurde aber im Laufe der Jahre, um einige hilfreiche Aspekte erweitert oder entstand sogar ganz und gar unabhängig von Gardners Original.

Das Buch an sich erzählt jedoch nicht über die Geschichte des Wicca, sondern stellt genaue Anweisungen für die rituelle Zeremonienarbeit zur Verfügung.

Es werden in diesem Buch die Einweihungszeremonien in den Wicca-Kult beschrieben, die Rituale zu den acht Hexensabbaten, Zaubersprüche und das Wesen übersinnlicher Mächte. Damit ist das Buch für all jene ein Muss, die die Hexensabbate in heiliger Zeremonie feiern wollen.

Samhain

Nacht auf den 1. November

Im Wicca markiert das Samhain-Fest den Jahresanfang. Es ist eine Feier zu Ehren der Ahnen. Zu ihnen gehören die eigenen, verstorbenen Vorfahren und guten Freunde ebenso, wie jene Weisen durch die die alte Tradition überliefert wurde. Manchmal werden auch Ahnengeister eingeladen, der heiligen Samhain-Zeremonie beizuwohnen.

Samhain ist ein Fest der Dunkelheit und des Todes, das im Wicca-Jahreskreis gegenüber Beltane steht – dem Fest des Lichts und der Fruchtbarkeit. In seinem Buch »The Golden Bow«, bezeichnete Sir James Frazer (1854-1941) die Samhain-Nacht als »Halloween«.

Jene Hohepriesterinnen und Magi des Wicca wissen, dass in der Nacht zum 1. November, sich die Schleier in die Welt des Jenseits öffnen. Einem wahren Magus öffnen sich dann geheime Tore, über die er in Kontakt tritt mit den Seelen Verstorbener, aber auch jenen der großer Ahnen.
Sicher kein Zufall, wenn der 1. November bei den Katholiken als »Allerheiligen« gefeiert wird, jenen christlichen Ahnen, die man als Heilige verehrt.

Jul (Wintersonnenwende)

21. bis 23. Dezember

Der Zeitpunkt des Mittwinters, das Julfest, gilt bereits seit der Steinzeit, als wichtigster Punkt im Jahreslauf. Darauf weisen alte Megalithbauten hin, wie jene von Newgrange (Irland) und Stonehenge (England). Sie waren genau ausgerichtet auf Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu den Sonnenwenden.

Nach der Wintersonnenwende, neigt sich der Höchststand der Sonne, allmählich wieder nach Norden. Das markierte für die Alten die Neugeburt des Sonnengottes und damit die garantierte Wiederkehr der fruchtbaren Jahreszeit. Für die alten Germanen, wie auch die Römer, markierten diese Tage das höchste Fest des Jahres. Es dürfte also kein Zufall sein, dass der 24.12. im Christentum von so hoher Bedeutung ist, nennt man ihn doch die »Geburt des Lichts«, was ja in der Tat der Fall ist: ab diesem Tag nämlich, nehmen die Sonnenstunden wieder zu.

Opfergaben, Fasten und das Überreichen von Geschenken sind wichtige Elemente des alten Julfestes. Tannenzweige und -kränze gehörten seit jeher zu den wichtigsten Schmuckelementen des Julfestes – steht das Grün der Tanne doch für das ewige Leben. Daher auch die Tradition sich zu Weihnachten einen Tannenbaum im Haus aufzustellen oder einen Adventskranz mit brennenden Kerzen zu beleuchten.

Feuerrad aus Stroh - ewigeweisheit.de

Ein brennendes Sonnenrad aus Stroh als Symbol für die Wintersonnenwende.

Imbolc

1. Februar

Die ersten Frühlingsregungen feiert das Imbolc-Fest. Ab dieser Zeit reinigt sich die Natur, während der Mensch sich auf das baldige Frühlingserwachen freut.

Im alten Rom markierte dieser Zeitpunkt einen wichtigen Feiertag für die Schäfer. Auch den Kelten war dieser Tag heilig, beginnen da doch die Mutterschafe Milch zu bilden, bevor sie dann etwas später ihre Jungen zur Welt bringen. Imbolc war den alten Kelten außerdem wichtig, war es doch der heilige Tag der Göttin Brigida – Tochter des guten Dagda, einem Gott des mythischen Volkes der Tuatha Dé Danann.

Allen Hexen und Hexern ist dieser Tag wichtig, um Schwüre zu halten und sich Neuem zu widmen.

Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche)

20. bis 23. März

Im Jahreskreis markiert Ostara das Fest der Frühlingstagundnachtgleiche. Ostara war die alt-germanische Göttin der Fruchtbarkeit. Dafür stehen die Symbole Ei und Hase. Seinen Ursprung hat der Name der Göttin im Proto-Indoarischen, wo nämlich das Wort »austro«, das »Scheinen« bezeichnet.

In der Wicca-Religion bedeutet die Tagundnachtgleiche, dass das Licht nun die Dunkelheit überholt, die Göttin erwacht und Fruchtbarkeit über die Erde bringt. Damit ist Ostara also auch eine Lichtgöttin. Kein Wunder, dass in der Phase zwischen Ostara und dem später folgenden Litha-Fest, die Natur ihre ganze Kraft gibt, um soviel wie möglich neue Früchte und darin Samen hervorzubringen. In der Phase ab Ostara, finden die größten Bewegungen des Grundwassers statt.

So ist Ostara ein Fest des Neuanfangs. Drum reinigen viele in dieser Zeit ihre Wohnräume, halten Diät oder enthalten sich bestimmter schlechter Gewohnheiten. Auch hier erinnert das an den christlichen Brauch vor Ostern (natürlich dem Namen Ostara entlehnt) zu fasten.

Festprozession zu Imbolc - ewigeweisheit.de

Darstellung der germanischen Frühlingsgöttin Ostara.

Beltane

Nacht auf den 1.5.

Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, gilt als die Nacht der Hexen, die sich dann auf dem Blocksberg versammeln – dem Brocken im Harz. Doch natürlich nicht allein nur hier. Auch an anderen erhöhten Orten (etwa auf dem Tor-Hügel im englischen Glastonbury), halten die Verehrerinnen der Muttergöttin ihre großen Feste ab. Meist werden dort riesige Holzscheite entzündet, um die manche der Teilnehmer in ausgelassenem Tanz kreisen. Mit den dafür entfachten Feuern, sollen die bösen Geister vertrieben werden, um Raum für das junge neue Leben freizugeben.

In Heidelberg ziehen jährlich zur Walpurgisnacht tausende Menschen auf die Thingstätte, auf dem Gipfel des Heiligenberges. Bis heute ist das Fest die größte, inoffizielle Feier Heidelbergs.

Zu den wilden Walpurgisnacht- und Beltanefesten, kam es immer auch zu rituellen Liebesakten auf den Feldern, die in vorchristlicher Zeit, die menschliche Fruchtbarkeit auf den Ackerboden übertragen sollten.

In Irland wird der 1. Mai als erster Sommertag gefeiert. Im alten Rom feierte man am 1. Mai ein Fest zu Ehren der Flora – der Göttin der Blumen.

Auch in verschiedenen bäuerlichen Maibräuchen, leben heute noch viele alte Beltane- und Walpurgisriten fort. So vertrieben die Bauern böse Mächte von ihren Gehöften, durch knallen ihrer Peitschen, legten Besen aus und besondere Maibüsche.

Besonders aber das Aufstellen des traditionellen Maibaums, meist der Stamm einer großen Birke, ist Sinnbild der Fruchtbarkeit (Phallus) und stellt gleichzeitig den Weltenbaum dar. Der Maibaum ist eben ein Symbol der neu geborenen Fruchtbarkeit der Natur. Mit dem Maibaum wird sie symbolisch aus dem Wald in den Ort gebracht.

Früher tanzte man um den in der Dorfmitte stehenden Maibaum, später feierte man darunter Feste. Diese alte Tradition wird in manchen Ländern bis heute fortgeführt. Auch werden Bänder am Maibaum befestigt, deren lange Enden junge Mädchen in der Hand halten, langsam um den Baum gehen, bis der Stamm bunt umkränzt ist.

Auch kommt es immer wieder vor, dass in verfeindeten Dörfern, Maibäume auf dem Dorfplatz von böswilligen Angehörigen des Nachbardorfes, einfach gefällt werden.

Maibäume fällte man zu Walpurgis auch, um sie der Liebsten ans Fenster zu stellen (mehr zum Thema Beltane, finden Sie in diesem Artikel).

Litha (Sommersonnenwende)

21. Juni

Das Mittsommerfest Litha ist eines der vier solaren Festivitäten im Wicca – ein Wendepunkt des Lichts. Denn nach diesem längsten Tag und dieser kürzesten Nacht des Jahres, beginnt sich der Zenit der Sonne, allmählich wieder zu senken. Die Helligkeit nimmt langsam ab, die Stunden der Dunkelheit werden wieder länger.

Der Name Litha ist angelsächsischen Ursprungs und bezeichnet einen von zwölf Monatsnamen, der in etwa auf den Zeitraum des Monats Juni fällt (gregorianischer Kalender). Litha an sich, bedeutet »einfühlsam«, denn dieser Eigenschaft entsprechend sind auch die leichten Brisen im Mittsommer.

Relevant ist dieses Fest aber insbesondere in nordischen Ländern, wie Island, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland oder Lithauen – wie sonst auch in anderen nördlichen Regionen unserer Erde. Denn um diese Zeit geht dort die Sonne überhaupt nicht unter. Vielmehr dreht sie sich einmal um den gesamten Horizont.

Lughnasadh

1. August

Neben Samhain und Mabon, ist Lughnasadh das erste der drei Erntefeste im Wicca. Als Fest der Mitte, zwischen Sommersonnenwende und Herbsttagundnachtgleiche, durchläuft die astrologische Sonne um diese Zeit das Sternzeichen Löwe.

In der Mythologie des alten Irland, war Lugh einer der vier großen Götter der sagenhaften Tuatha Dé Danann. Sein Name bedeutet »leuchtender Krieger«.

Lughnasadh erinnert an den Tod dieses eigentlichen Getreidegottes. Als Keimling wird es geboren und ernährt den Menschen durch seinen »Tod«, mit dem dabei geernteten Getreide. Der alt-irische Name Lughnasadh bedeutet eben: der Tod des Lugh. Manche Anhänger des Wicca, backen an diesem heiligen Tag darum ein Brot in Form dieses Erntegottes und essen es, um damit die Heiligkeit und Wichtigkeit des Festes zu betonen.

Zu Lughnasadh schloss man sogenannte Probe-Ehen. Wenn durch solche Vermählung auf Zeit aber keine Kinder gezeugt wurden, schied man das Paar im Frühjahr wieder.

Mabon (Herbsttagundnachtgleiche)

21. bis 24. September

Was das Erntefest Lughnasadh einleitete, wird mit Mabon beendet: der Abschluss der Ernte und der feierliche Abschied vom Sommer. Mabon ist also das heidnische Dankesfest für die eingetragene Ernte. Man dankt Mutter Erde für ihre Gaben. Es entspricht außerdem jener Jahreszeit, in der man auch das christliche Erntedankfest begeht – normalerweise am ersten Sonntag nach Michaeli (29. September).

Mit Sonnenuntergang nach der Herbsttagundnachtgleiche, an dem die Sonne in das Tierkreiszeichen Waage eintritt, beginnt das heilige Mabon. An diesem Tag bereiten sich die Wicca-Anhänger innerlich vor, auf den nun bald beginnenden Winter. Es ist auch ein Fest der Reflexion über das vergangene Jahr, bildet Mabon doch den Abschluss des Jahreskreises. In einem üppigen Gemeinschaftsmahl, dankt man für eine reiche Ernte.
Es ist auch üblich zu diesem Fest die letzte Getreidegarbe zusammengebunden auf dem Acker stehen zu lassen.

Nicht zufällig wurde dem Fest der Name Mabon gegeben, ist er doch der Gottessohn der walisisch-keltischen Muttergottheit Modron. Mabon gilt als die Inkarnation des Herbstlichts, das eben nach der Tagundnachtgleiche von Modron geboren wird.

Ursprünge des Wicca-Kalenders

All das zeigt, dass schon seit Alters her, die vergöttlichten Himmelslichter die jahreszeitlichen Ritualbräuche, sowie genauere Datumsberechnungen, eng mit dem Stand von Sonne und Mond zusammenhängen – wurden sie doch als die beiden Hauptgötter verehrt: Vater Sonne und Mutter Mond.

Wie aber zu Anfangs hingewiesen, spielt dabei die heilige Erde eine bedeutende Rolle. Das heißt, das jene beiden Himmelslichter immer im Zusammenhang mit der auf der Erde stattfindenden Vegetation gesehen werden müssen. Diesen Lebensaspekt verkörpern im Wicca zwei alte Götter: Diana als Mondgöttin bewirkt den Fluss der Fruchtbarkeitssäfte allen irdischen und unterirdischen Lebens, während der gehörnte Gott Pan, auf den Charakter allen Lebens hinweist, dass ja zur Sonne hinstrebt. Denn ihr Licht und ihre Wärme sind doch ebenso lebensnotwendig, wie das Wasser und die physische Nahrung aller Lebewesen.

Es liegt damit nahe, dass die Erfindung des Kalenders, untrennbar verbunden ist, mit den sakralen Riten unserer Vorfahren. Vielleicht auch daher, wurden viele dieser Tage in die christlichen Kalender des liturgischen Jahres übernommen. Ihre Bedeutungen aber ersetzt man, durch ihnen entsprechende Heilige, Propheten und Engel. Eine Fortschreibung heidnischer Religion in christlichem Gewand? Mehr zum Thema findet sich in diesem Artikel.

Fest steht, dass das System der Wicca-Jahresfeste, erst in jüngerer Zeit entstand. Das oben beschriebene Jahresrad, dessen acht Speichen stellvertretend für die vier Feuerfeste und die vier Sonnenfeste stehen, bilden eine Achtheit, die älteren heidnischen Traditionen des Westens jedoch unbekannt waren.

Erst durch Gerald Gardner und andere, wurden die Feste älterer Traditionen durch die Wicca-Religion in dieser achtfachen Form verwirklicht.

Die vier, oben beschriebenen Hochfeste, Samhain, Lughnasadh, Imbolc und Beltane, nehmen ihren Ursprung sehr wahrscheinlich im Keltentum Alt-Britanniens und Irlands. Dafür stehen wohl die alten Megalithbauten und Steinkreise im heutigen Großbritannien und Irland. Jene kleineren Hexen-Sabbate, Jul, Ostara, Litha und Mabon, sind aber germanischen Ursprungs. Sie zelebrierte man im hohen Norden, wohl schon in der Bronzezeit.

Diana und Pan

Das göttliche Paar Diana und Pan sind bereits sehr alt. Gott den Vater dachte man sich in alter Zeit verkörpert durch die Sonne. Die Muttergottheit wurde stets mit dem Mond, aber auch mit der Erde assoziiert - je nach Betrachtung ihrer lichtvollen oder dunklen Aspekte.
Als Nachkomme von Diana und Pan, gilt im neu-heidnischen Kontext, der Sohn des Sonnengottes, als lebender Repräsentant auf Erden.

Der Gehörnte Gott und seine Muttergöttin

Bei alle dem, ist von zentraler Bedeutung in der Religion des Wicca, die Heilige Hochzeit des Gottes Pan und der Göttin Diana. Die Wicca-Jahresfeste, stehen damit auch stellvertretend für den ewigen Kreislauf von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt.

Jener Wicca-Gott Pan kommt durch die Wicca-Göttin Diana an Jul zur Welt. Wie die Macht der Göttin, in ihrem jungfräulichen Aspekt, wächst auch jene des Wicca-Gottes zu Ostara. Er schwängert seinerseits die Göttin zu Beltane und entfaltet sich zu glänzendster Erscheinung an Litha. Mit Lughnasadh nimmt die Kraft des Gottes langsam ab, bis sie an Samhain in die Unterwelt abgleitet. Dabei nimmt der Gott Pan die Fruchtbarkeitsaspekte der Erdgöttin Diana mit sich, die sich nun zum Alten Weib verwandelte, sich aber im Laufe der Jahreszeiten wieder verjüngt.
Mit Jul schließlich, beginnt der Zyklus wieder von Neuem. Immer aber begleitet der junge, gehörnte Gott die Muttergottheit, von der er selbst geboren wurde.

Vor diesem weiten Horizont der Wicca-Religion, ist das Studium des Jahreskreises sicher sinnvoll für all diejenigen, die im Einklang mit der irdischen Vegetation leben wollen.

Wäre so ein Bestreben nicht besonders wichtig, in unserer heutigen, durchrationalisierten, technisierten und digitalisierten Welt?

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Beltane: Siegesfest der Sonne

von S. Levent Oezkan

Wenn vor 2000 Jahren das Sternbild der Plejaden, kurz vor Sonnenaufgang am Morgenhimmel aufleuchtete, zeigte das den Beginn des keltischen Jahres an: man feierte Beltane. So wie das winterliche Samhain ein Fest des Todes und der Ahnen war, so war Beltane ein Fest des Lebens und der Fruchtbarkeit.

Wahrscheinlich stammt der Name Beltane von Belenos, dem alt-irischen Sonnengott, der seinerseits das Wort bel trägt: »Helles Feuer«. Dieses Fest des Lichts war für die Kelten sehr wichtig. Die letzten Reste des Winters trieb man mit magischen Ritualen aus, verbannte sie in den Freudenflammen des Beltanefeuers. So sollte dem Sommer zum endgültigen Durchbruch verholfen werden. Im Feuer sah man den »kleinen Bruder« des großen, himmlischen Sonnenfeuers.

Beltane war seit alter Zeit ein rauschendes Freudenfest. Man muss wissen, dass die Menschen damals vor dem Winter Angst hatten, denn es war eine gefährliche Jahreszeit, geprägt von Kälte, Hunger, Krankheit und Tod. Umso mehr freute man sich über die Kraft der lebenspendenden Sonne, in einer Zeit wo die Bäume grünten und Blumen blühten. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, um den 1. Mai, waren Grund zur Freude – man hatte den grau(sam)en Winter überlebt!

Die Plejaden

Das Sternbild der Plejaden spielt seit der Antike eine wichtige Rolle in der Menschheitskultur. Die Sumerer nannten die Plejaden die »Siebengottheit der großen Götter«. Diese Siebenheit wurde später von den Griechen übernommen. Einer der Plejaden, der Nymphe Maia, verdankt der Wonnemonat Mai seinen Namen.

Kalendarisch befindet sich das Beltane-Fest zwischen der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche (22. März) und der Sommersonnenwende (21. Juni). Es ist eine Zeit wo sich die Natur am stärksten entwickelt und auch im Erdgrund die wässrigen Nährsäfte rauschen.

In dieser Zeit vermählen sich Himmel und Erde, das Sonnenlicht mit dem Wasser der Erde, deren Kinder die Blätter und Blüten der Pflanzen sind. Gott und Göttin vereinten sich, für das neue Wachstum in der Natur. Beltane war für die alten Kelten auch ein Fest des Chaos und der »wilden Energie«, wo sich Mann und Frau, nach Vorbild der Götter, in heißer Liebe vereinigten. Diese »Heilige Hochzeit« der Natur, übertrugen die alten Druiden auch auf ihre Herrscher. Wie der alte Mythos von Avalon erzählt, war es an Beltane, als sich der junge König Artus zu Mitternacht mit der Zauberin Morgan La Fey vereinte (mehr dazu in den Büchern von Johan von Kirschner: Das mythische Avalon, Lehrbuch der esoterischen Erdkunde). Doch dazu musste er erst seine wahre Stärke unter Beweis stellen. Er ging zu Beltane in den Wald und sollte dort einen Hirsch finden und einfangen. Der Hirsch ist ein Symbol des männlichen, solaren Geistes. Bis heute kennt man in vielen Gegenden Europas sogenannte »Hirschwiesen«, die auf dieses uralte Ritual hinweisen.

Walpurgisnacht

Traditionell gilt die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai als »Hexensabbat«. Da feiern die Druden ein großes Fest, vor allem auf dem Blocksberg (dem Brocken im Harz), wie auch andernorts. Der Titel dieser magischen Nacht stammt von der Maikönigin Walpurga, einer einst heidnischen Göttin. Ihr Wesen wurde später vom Christentum einverleibt. Die Heilige Walburga (710-779) war einst benediktinische Äbtissin des Klosters Heidenheim (Heiden-Heim!), einem Doppelkoster für Männer und Frauen. In diesem Zusammenhang ist äußerst skuril, dass vor der Christianisierung des Beltane-Brauchs, sich zur Walpurgisnacht eine heilige Priesterschaft traft, und einen Priester und Priesterin auserwählten, die in einer Heiligen Hochzeit den Nachfolger ihres Standes zeugen sollten.

Der Name Walpurga ist eindeutig germanisch und bedeutet soviel wie »wehrhafte Burg« (wala burg). Das wala oder wal ist auch im Wort walus enthalten, dem Namen für einen Stock, (Besen)Stiel oder Stab (das Wort wal ist auch Bestandteil der Namen »Walküren« oder »Walhall«). Es könnte auch gut sein, dass eine etymologische Verwandtschaft besteht zwischen den Wörtern wal, Stab, und bel, Feuer. Nicht zufällig symbolisieren die Stäbe im Tarot das Feuer!

Es trägt der Besen, trägt der Stock
Die Gabel trägt, es trägt der Bock
Wer heute sich nicht heben kann
Ist ewig ein verlorner Mann.

- Goethe, Faust I, Walpurgisnacht

Hexentanz

An vielen Orten Europas gibt es alte Hexentanzplätze. Goethe beschreibt in seinem Faust den Brocken im Harz als solchen Tanzplatz. Ein ganzes Kapitel widmete er der Walpurigsnacht. Dort auf dem Brocken feierten die Hexen mit dem Teufel ein orgiastisches Fest. Von überall her kamen sie auf ihren Besen herbeigeflogen, während im Frühlingsrausch die wilde Menge den Berg empor kreiste.

Mephistopheles:
Hörst du Stimmen in der Höhe?
In der Ferne, in der Nähe?
Ja, den ganzen Berg entlang Strömt ein wütender Zaubergesang!

Faust:
Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! du magst mich führen.
Ich denke doch, das war recht klug gemacht:
Zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht,
Um uns beliebig nun hieselbst zu isolieren.

Mephistopheles:
Da sieh nur, welche bunten Flammen!
Es ist ein muntrer Klub beisammen.
Im Kleinen ist man nicht allein.

- Goethe, Faust I, Walpurgisnacht

Das Symbol des Maibaums

In alter Zeit war es Brauch zum 1. Mai im Garten einen Baum aufzustellen. Noch heute ist dieser Brauch erhalten, doch werden Maibäume fast nur noch an besonderen Plätzen aufgestellt. Vor dem Aufstellen wird der Maibaum festlich geschmückt und bekommt einen Kranz, der aus frischen Weiden und Birken gebunden wird, in den viele Frühlingsblumen eingeflochten sind. Mancherorts erhält der Maibaum auch bunte Bänder, die in einer besonderen Zeremonie schräg um den Stamm gewickelt werden.

Ganz klar symbolisiert der Maibaum einen Phallus, der in die Leben gebärende Erde gerammt wurde: Ein Symbol der Götterhochzeit. Dieses Symbol war damals von größter Wichtigkeit im bäuerlichen Leben, wo der Maibaum für die lebensweckenden Kräfte des Himmels (Sonne, Regen, Blitz) stand. Der Kranz an der Spitze des Baumes war hingegen Symbol einer Vulva, wo die eingeflochtenen Blüten der Heilpflanzen standen: Symbole für neues Leben und Gesundheit.

Blocksberg

Johannes Praetorius: Bloks Bergs Verrichtung (1668).

Beltane heute

Wie es scheint, konnte die Kirche das heidnische Fest bis heute nicht vollständig ausrotten. Noch immer scheinen die Hexen in der Walpurgisnacht um »Blocksberg« (der Brocken im Harz) um Freuden-Feuer zu kreisen – wenn auch nicht immer fliegend.

Es heißt, in dieser Nacht wählt der Teufel die schönste aller Hexen, um sie zu ehelichen.

Faust:
Doch droben möcht ich lieber sein!
Schon seh ich Glut und Wirbelrauch.
Dort strömt die Menge zu dem Bösen;
Da muß sich manches Rätsel lösen.

Mephistopheles:
Doch manches Rätsel knüpft sich auch.
Laß du die große Welt nur sausen,
Wir wollen hier im stillen hausen.
Es ist doch lange hergebracht,
Daß in der großen Welt man kleine Welten macht.
Da seh ich junge Hexchen, nackt und bloß,
Und alte, die sich klug verhüllen.
Seid freundlich, nur um meinetwillen;
Die Müh ist klein, der Spaß ist groß.
Ich höre was von Instrumenten tönen!
Verflucht Geschnarr! Man muß sich dran gewohnen.
Komm mit! Komm mit! Es kann nicht anders sein,
Ich tret heran und führe dich herein,
Und ich verbinde dich aufs neue.
Was sagst du, Freund? das ist kein kleiner Raum.
Da sieh nur hin! du siehst das Ende kaum.
Ein Hundert Feuer brennen in der Reihe
Man tanzt, man schwatzt, man kocht, man trinkt, man liebt
Nun sage mir, wo es was Bessers gibt?

- Goethe, Faust I, Walpurgisnacht

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