Horus

Geheimnisse der Großen Pyramide von Gizeh

von S. Levent Oezkan

Große Pyramide von Gizeh - ewigeweisheit.de

Traditionell leitet sich das Wort Pyramide von dem griechischen Wort für das Feuer ab: Pyr. Darin dachten sich die Menschen der Antike eine göttliche Flamme brennend, als Sinnbild für das Leben aller Geschöpfe. Die Eingeweihten alter Zeit sahen auch darum im Symbol der Pyramide eine ideale, heilige Form.

Aus ihrer geometrischen Gestalt glaubten die Initiierten eine geheime Lehre ablesen zu können. So wie die heiligen Berge der Erde, die man in verschiedenen Kulten rund um den Globus bis heute ehrt, so bildeten einst die Pyramiden Gegenbilder zu jenen hohen Stätten Gottes.

Die Gipfel heiliger Berge, wie auch die Spitzen der Pyramiden, galten einst und gelten auch heute noch, als spirituelle Pole der Erde. So wie die griechische Mythologie uns von einem Berg Olymp erzählt, wo ein mythische Unterweltsfluss Hades fließt, so führen geheime Wege auch durch die unterirdischen Gänge der Großen Pyramide im ägyptischen Gizeh.

Vier Seiten – drei Räume

Immer war diese Pyramide ein Gebäude der Weisheit, deren Erscheinung ganz fest in der Natur stehend, auf die unveränderlichen Gesetze der Welt hinweist. So etwa orientieren sich die vier Seiten der Großen Pyramide von Gizeh, exakt nach den vier Himmelsrichtungen, wobei sich in ihren vier dreieckigen Flächen jeweils zwei Extreme ablesen lassen:

  • Süden gegenüber Norden: Hitze und Kälte (zu Mittag und zu Mitternacht) und
  • Osten gegenüber Westen: Licht und Dunkelheit (zu Sonnenaufgang und zu Sonnenuntergang).

Die Basis der Pyramide stellt die vier materiellen Elemente dar, aus denen sich der Körper des Menschen zusammensetzt. Die zwölf Winkel ihrer vier Dreiecke aber, sie stehen für die zwölf astrologischen Zeichen des himmlischen Tierkreises. Von den Spitzen läuft zur Mitte hin die Kraft der vier fixen Astralzeichen: Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann – symbolisiert als die vier biblischen Cherubim, die vier Engel – mit dem Haupt eines Stiers, eines Löwens, eines Adlers und eines Menschen (Hesekiel 1:4-10).

Die Große Pyramide in Gizeh besaß ein System aus drei großen Kammern:

  • die Felsenkammer befand sich ausgehöhlt im Grundgestein, auf dem man die Pyramide errichtete,
  • die Königinnenkammer war etwas höher im Kerngemäuer des Bauwerks gelegen und
  • die Königskammer darüber, worin sich ein Sarkophag befand, war vielleicht der Ort, wo man den König (Pharao) zur letzten Ruhe gesetzt hatte – als irdischen Repräsentanten des Lichtgottes Horus (dem Sohn des Osiris und der Isis).

Jene drei Kammern aber standen für eine Metaphysik, die Herz, Gehirn und das generative System im Menschen symbolisch verband, woraus sich auf höherer Ebene, symbolische Allegorien ergaben, als Abbilder für die geistigen Zentren der menschlichen Konstitution.

Diese Kammern waren im Innern der Pyramide, während sie eine Spitze krönte, in der man einen sakralen Teil des Monumentalbaues sah, worüber sich die himmlischen Kraftströme der Götter, auf die Erde ergießen konnten. Die Eingeweihten schauten auf die Pyramide, so als wäre sie das Emblem eines umgedrehten Baumes, dessen Wurzeln an der Spitze liegen und dessen Äste ins Fundament übergehen. So kommt die göttliche Weisheit zur Verbreitung auf Erden, indem sie an den auseinanderstrebenden Seiten herabfließend, in die ganze Welt hin ausstrahlt. Nur, was davon ist uns heute geblieben?

Der Goldene Schlussstein der Großen Pyramide von Gizeh – ewigeweisheit.de

Der Schlussstein

Der Großen Pyramide von Gizeh fehlt der Deckstein – und das schon seit sehr langer Zeit. Gut möglich, dass sich dort einst eine entsprechend kleinere, aber goldene Pyramide befunden hat, die die Große Pyramide als ihre Krönung vollendete. Nur leider kann niemand sagen, ob sich dieser goldene Deckstein dort auch tatsächlich befunden hat. Hatte man ihn absichtlich ausgelassen?

Unter den Erbauern sakraler Bauwerke, tendieren merkwürdiger Weise auch andere dazu, ihre Schöpfungen unvollendet zu lassen. Wohl wollen sie damit signalisieren, dass Gott allein vollständig ist. Der Schlussstein der Großen Pyramide aber – wenn es ihn denn gäbe, wäre wohl selbst eine Miniaturpyramide, deren Spitze wiederum einen kleineren Block ähnlicher Form bedecken würde, und so weiter bis ins Unendliche. So würde dieser eigentümliche Deckstein damit also den Inbegriff des gesamten Bauwerks bilden, da er eine Krönung bildet dessen, was in seiner geometrischen Urform ja bereits selbst vorhanden ist.

Wenn dem nun aber so wäre: Welchen Zweck dann sollte das erfüllen?

Die Pyramide ist ein Symbol für das Universum, der Schlussstein kann mit dem Menschen verglichen werden. Folgt man einer daraus abgeleiteten Kette von Analogien, so entspräche dem menschlichen Verstand ein weiterer, kleinerer Schlussstein. Der Geist würde den Schlussstein des Verstandes bilden – und Gott, als der Inbegriff des Universalen, den Schlussstein des Geistes.

Aus dieser Allegorie entstand das Bild des Menschen als roher und unbehauener Block, den man aus einem Steinbruch los machte, um ihn dann durch die geheimen Riten der Mysterien, allmählich in einen geglätteten und vollkommenen pyramidenförmigen Schlussstein zu verwandeln. Erst wenn der Eingeweihte da selbst zur lebendigen Spitze des Sakralbaues wurde, war dieser vollendet und die Wirkungen des Göttlichen erstreckte sich ab da, auf die darunter liegende, auseinanderstrebende Struktur der Pyramide – als Symbol für den Menschen, wie auch für den Sakralbau, ja letztendlich gar für das gesamte Universum.

So verehrte man im Alten Ägypten die Große Pyramide als heiligsten Sakralbau, in dem die höchste Gottheit unsichtbar gegenwärtig ist. Die Pyramide war der erste Tempel der Mysterien, das erste Bauwerk, das man als Aufbewahrungsort für jene geheimen Wahrheiten errichtet hatte, die die sichere Grundlage aller Künste und Wissenschaften bilden.

Darum auch assoziierte man mit der Pyramide den Weisen Hermes Trismegistos, den die Ägypter »Thoth« nannten: Gott der Weisheit, der Schrift und der Magie. Ihn verehrte man über den Planeten Merkur und sah in ihm den vom größten Gott gesandten Meister – einen, der den Menschen zur Erleuchtung führt. Was da geschah, war, dass der Initiierte durch Thoth erfuhr, dass die Große Pyramide ein Wahrzeichen von Mikrokosmos und Makrokosmos war, worin sich, nach den alten Geheimlehren Ägyptens, das Grab des Osiris befand: Des schwarzen Gottes der Fruchtbarkeit des Nil. In Osiris aber tritt in Erscheinung eine bestimmte Kraftwirkung der Sonne. Die Große Pyramide, als sein Haus und als sein Grab, ist ein Sinnbild für das Universum, in dessen quadratisch-kreuzförmiger Struktur er beigesetzt ist.

Löwengesichtiger Hierophant – ewigeweisheit.de

Alt-Ägyptische solare Löwengottheit Sechmet.

In Gedenken an das Goldene Zeitalter des Löwen

In alter Zeit bewegten sich die Eingeweihten durch die geheimnisvollen Gänge und Kammern der Großen Pyramide. Irgendwo in den Tiefen ihrer sakralen Architektur wohnte ein heiliger Meister, der der Außenwelt unbekannt war, der aber die Einzuweihenden dort in seiner Unterwelt empfing. Es war der »löwengesichtige Hierophant«, der niemals diesen Ort verließ, weshalb ihn niemals einer sah, der nicht die Tore der Vorbereitung und Läuterung durchschritten hatte. Als Unwissende begaben sich die Neophyten durch eine verborgene Pforte ins Innere der Großen Pyramide, um dort zu erfahren. Als Wissende traten sie daraus wieder hervor, als Erfahrene.

So wie Gott in den Herzen der Menschen gegenwärtig ist, so sollte daraufhin auch Weisheit im Initiierten wohnen, als einem, der aus dem »Schoß der Mysterien« in die Welt hinaustrat. Damit bildete die Große Pyramide einen Ort, wo der Initiand seinen mystischen Tod erfuhr, um darauf in seiner »zweiten Geburt« wiederaufzuerstehen, in ein neues Leben – dem Einen geweiht.

Wer aber war dieser löwengesichtige Hierophant, der Meister der Mysterien, der anscheinend (oder nur angeblich) im Innern der mächtigen Pyramide lebte?

Wer war dieser Mensch mit dem Haupt eines Löwen, zu dem sich die Ahnungslosen begaben, durch all die vielen Räume, im Innern dieses monumentalen Baus?

Nie erblickte der doch andere, außer den »Wiedergeborenen«, an die er dort herantrat, um ihnen ins Ohr zu flüstern, von einem siebenfältigen Geheimnis.

Im Zweifel gestorben, dem Einen geweiht

Durch die Einweihung, wurde dem Initiierten die Macht offenbart, seinen Schutzgeist zu erkennen. Ab da verstand er, was es bedarf den materiellen Körper von seinen göttlichen Träger zu lösen. In diesem »Großen Werk«, wie man es auch aus der Alchemie kennt (Opus Magnum), wurde dem Neophyten der geheime und unaussprechliche Name des Höchsten Gottes offenbart und sein Geist damit veredelt. Wer das erfahren hatte, gelangte an ein Bewusstsein, wo er sich in Gott, selbst bewusst erfuhr. Mit der Übergabe dieses heiligen, unsagbaren Namens, erfuhr der neu Eingeweihte in sich eine Kraft, die aus der Erkenntnis der Geheimnisse der Pyramide hevorstrahlte – so wie unzählige anderen Initiierte, die ebenfalls dort einst spirituelle Erleuchtung erlangen durften.

Da hatte sich in ihm etwas abgespielt, das die Mysterien-Tradition das »Drama des zweiten Todes« nennt. In der Großen Pyramide fand zu dieser Erfahrung der Neophyt in die Königskammer, ein dem Lichtgott Horus geweihter Raum. Wohl erfuhr er da die Ambivalenz der Mächte des Lichts und der Finsternis, als er da in die Augen des Lichtgottes blickte:

  • Im linken Auge des Horus, glaubte er ein Mondlicht schimmern zu sehen und
  • in seinem rechten Auge, den Strahl der mystischen Sonne.

Nachdem man dann den Initianden die Kreuzeserfahrung im zentralen Schnittpunkt der beiden solaren Solstitien (Sonnenwenden) und Äquilibrien (Tagundnachtgleichen) machen ließ – ein »initiatische Sterben« – setzte man ihn bei, in einem Sarkophag. Wie dieser Vorgang letztendlich erfolgte, dass ist bis heute ein streng gehütetes Geheimnis. Wohl aber herrschte an diesem sagenhaften Ort eine eigentümliche, todesähnliche Kälte, die in diesem Ritual bis ins Mark der Knochen des Neophyten gedrungen sein dürfte.

Der Seelenvogel Ba – ewigeweisheit.de

Alt-Ägyptische Darstellung eines bestimmten seelischen Aspekts der Seele: Der Ba-Vogel (hier in einer Abbildung aus dem Ägyptischen Totenbuch), bildert mit dem Ka (den Tod überdauernder Seelenanteil) und dem Ach (Ahnengeist) eine seelische Dreiheit. Trotz seiner engen Bindung an den Körper, kann sich die Exkursions-Seele des Ba von diesem aber lösen und von ihm entfernen. Nach dem physischen Tod eines Menschen, fliegt der Ba als Falke mit Menschenhaupt zum Himmel auf, um sich dort wieder zu verwandeln in sein entsprechendes Tierzeichen.

Der Raum dieser Königskammer in der Großen Pyramide, bildete da ein Tor von der materiellen Welt in die transzendentalen Sphären einer kosmischen Natur. Während der Körper des Neophyten in dem Sarg lag, schwebte sein Seelenvogel über ihm – sein »Ba«, wie es die Ägypter nannten: ein seelischer Aspekt, der sich trotz seiner engen Bindung an den Körper von diesem lösen und auch entfernen kann.

Wie ein Falke mit menschlichem Kopf flog er dann durch die sieben himmlischen Reiche, um selbst und unmittelbar, die Ewigkeit des Lebens, des Lichts und der Wahrheit zu erfahren, sowie die Illusion des Todes, der Dunkelheit und der Sünde zu überwinden. Wer das erlebt hatte, der erfuhr die eigentliche Einheit allen Lichts und aller Dunkelheit in sich, woraufhin sich alles ursprüngliche Ent-Scheiden erübrigen sollte.

Immer bildete für die Eingeweihten damit die Große Pyramide von Gizeh ein mystisches Tor, durch das die alten Priester einige wenige zur Erlangung ihrer individuellen Vollendung passieren ließen, um ihnen dabei den höchsten Grad der Mysterien zu verleihen.

Über das Ende der Mysterien-Tradition

Einst aber sollte der Löwengesichtige den Weg der Weisen verlassen. Denn heute ist dieses »Haus der Einweihung« leer. Die Lobgesänge hallen nicht mehr in gedämpften Tönen durch die Räume. Kein Neophyt mehr wandelt durch die Gänge dort und verweilt in den Kammern der sieben Sterne. Nicht mehr erhört der Initiand die »Worte des Lebens« von den Lippen des Ewigen. Nichts scheint übrig geblieben zu sein von dem, was das Auge des Menschen einst dort erkennen konnte, als nur eine leere Hülle, die wie der äußere Schatten einer inneren Wahrheit, heute un(be)greifbar an ihm vorüberzieht. Was einst ein Haus Gottes war, wurde schließlich zur Gruft einer immer mehr verblassenden Erinnerung.

Auferstehung des Phoenix

Heute, in unserer modernen Welt, mag all das Gesagte vielleicht klingen, als hätte es jemand in einem Märchenbuch gefunden. In Wirklichkeit aber, haben die meisten von uns diese alten Riten längst vergessen, geschweige denn davon jemals erfahren. Wissenschaftler wie Theologen gleichermaßen, blicken ratlos auf das so heilig Anmutende der Großen Pyramide von Gizeh und fragen sich: Welcher grundlegende Drang wohl, hat die Errichtung dieses monumentalen Bauwerks inspiriert?

Leider gaben, bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, viele Forscher zu schnell auf. Hätten sie einen Augenblick mehr darüber nachgedacht, vielleicht wäre ihnen die Erkenntnis zugefallen, dass in der Seele des Menschen ein geheimes Drängen darauf wartet, ausgelöst zu werden, um damit einen inneren Impuls der Inspiration freizusetzen. Dieser nämlich führt zu dem jähen Erfahren der eigentlichen Enge, die mit der körperlichen Sterblichkeit des Menschseins einhergeht. Doch noch viel mehr: In solch Erleben nämlich, würde sich einer bewusst, dass er diese Enge gegen eine viel größere Weite göttlicher Erleuchtung einzutauschen vermag, um so die Erfüllung eines ewigen, doch unbewussten Wunsches zu erfahren, der ihn verstehen, der ihn begreifen lässt und damit zu einem »Wissenden« macht, der weit mehr vermag, als einer der nur viel weiß.

Kein Wunder, wenn aber jene unter solchen, die Große Pyramide als das vollkommenste Bauwerk der Welt bezeichneten, als einen Ort der Initiation und ein Tor das sich ins Ewige hin zu öffnen vermag.

Auch wenn wir heute, in unserer modernen Welt eine Million angeblicher Geheimnisse kennen, kannte die initiierten Menschen der Antike nur ein einziges, jedoch wahrhaftiges Geheimnis. Und dieses Eine war größer als die Millionen, die als scheinbar gelüftete Geheimnisse, nur das Ego in immer neue, ungelöste Rätsel verstricken. Denn über all die vielen Merkwürdigkeiten der Welt erfahren zu wollen, entspringt doch nur einem selbstsüchtigen Wissensdurst, der sich als solcher jedoch niemals stillen lässt und den Wissbegierigen letztendlich in ein Chaos führt. Das eine große Geheimnis, dem man die Neophyten dort in der Großen Pyramide weihte, aber schenkte Leben, spendete ein Licht der Weisheit und die Erkenntnis der wahren Ursachen menschlichen Seins.

Es wird wohl wieder eine Zeit kommen, in der jene angedeutete geheime Weisheit, im Mittelpunkt religiöser und philosophischer Anschauungen stehen wird. Manche glauben gar, dass der Tag unmittelbar bevorstehe, der einen Untergang der Dogmen der Gegenwart einläutet.

Nicht aus großen Felsen, sondern aus Lehmziegeln und Schleimmörtel, errichtete man einst den großen theologischen Turm zu Babel, worauf sich die biblische Legende der Sprachverwirrung ereignete. Das Wissen jenes Einen aber, war damit gebrochen und zerstreute sich in unzählige, immer feinerer Glieder einer Ahnungslosigkeit. Wie Staub bedeckte sie Jahrtausende lang das Wissen um eben jene eine Weisheit, von der hier immer wieder die Rede ist. Doch es wird da eine Zeit anbrechen, wo aus dieser erkalteten Asche lebloser Glaubensbekenntnisse, sich phoenixartig die alten Mysterien zu neuer Lebendigkeit erheben werden.

Die Pyramide: Ein Symbol der Einigkeit

Die Entwicklung spiritueller Fähigkeiten stand in alter Zeit im Mittelpunkt der geistigen Arbeit des Menschen, ja war einst sogar eine Wissenschaft, der man einen mindestens so hohen Stellenwert zumaß, wie etwa der Astronomie, der Medizin oder den Rechtswissenschaften. Das auch war der ursprüngliche Grund, dass sich Religionen gründeten, aus denen letztendlich ja die Wissenschaften, wie Philosophie wie auch die Logik hervorgingen. Der Wunsch die genauen Positionen der sieben klassischen Planeten voraussagen zu können, hatte primär religiöse Gründe, zumal sich mit dieser Kenntnis die entsprechenden Feiertage festlegen ließen, an denen man die ihnen entsprechende, ewige Gottheit verehrte.

Ein nur anscheinend verstorbener Gott, wird dereinst in der Erkenntnis seines unendlichen Seins, in den Herzen der Ungläubigen in neuem Licht wiederauferstehen. Wie auch hätte er sterben können, wurde er doch niemals geboren!

Die geheimen Kammern im Haus der verborgenen Orte, werden dann wiederentdeckt werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist, dass Menschen in der Pyramide wieder ein Sinnbild erkennen, worin sich die wahre Natur allen Verbundenseins zeigt, wie ebenso des Zusammenhalts, sowie des Sterbens und der Regeneration.

Während der Sand der Zeit eine Zivilisation nach der anderen unter ihrem Gewicht begrub, blieb die Große Pyramide dort bestehen, spiegelte sich in ihr doch das, was als die Ewige Weisheit in der Welt fortdauert.

Gut möglich, dass uns eine Zeit bevorsteht, in der man wieder den Gesängen jener Eingeweihten lauscht, wie sie auch schon einst in Säulengängen der Großen Pyramide zu hören waren. Dann wird da der Meister des verborgenen Hauses auf das Kommen jenes Menschen warten, der den Irrtum eines Glaubens aus dem Weg schaffen wird, einem Glauben der auf rein materiellen Vorstellungen basiert. Er wird wieder zum heiligen Trank der Erkenntnis führen, den er den Menschen zur Erfahrung des Licht und des ewigen Lebens gereicht.

 

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Der vierfältige Sonnengott

von S. Levent Oezkan

Sol Invictus - ewigeweisheit.de

Seit uralten Zeiten wird die Ankunft der Sonne im Frühling mit Freude erwartet und dann begrüßt. Die Zeit ihres Abgangs aber betrachtete man immer als Zeit der Trauer und des Unglücks. Mit dem Herbstanfang starb sie, doch wurde ebenso sicher wiedergeboren zu Frühlingsanfang.

Diese beiden Zeitabschnitte im Jahreslauf der Sonne, kreuzen die beiden Sonnenwenden im Sommer und im Winter, woraus sich das Sonnenrad formt, mit seinen vier Speichen.

Schon die Philosophen im Alten Ägypten und Alten Griechenland kannten die, in den vier Stationen der Sonne wirkenden Geheimnisse, und hatten ihr Leben im Jahreslauf ebenso unterteilt in vier Abschnitte. Für jeden dieser vier Teile, dachte man sich den Sonnengott als Mann in vier Lebensphasen. Jedes neue Jahr kam da der Sonnengott zu neuer Jugend, alterte und starb schließlich, so wie man das auf Erden ja erfährt auch im Pflanzenreich. Gewiss lag in dieser Symbolik eine gewisse Ähnlichkeit zu einer jungen Schlange, die sich etwa alle vier Wochen häutet und, wie es scheint, danach zu neuem Jungsein findet.

Immer schon galt die Sonne als höchste Wohltäterin, die die Hungrigen speist und alles vom Totsein auferweckt, als höchster Geist der Philanthropie: Der Christenheit bekannt als Christus, den Alten Griechen als Dionysos, den Alten Ägyptern als Horus und man kannte ihn im Alten Persien als Mithras – alles göttliche Repräsentanten der Hoffnung und Herrlichkeit, Abgesandte des kosmisch Sonnenhaften auf Erden.

Winter – Neugeburt

Als Sinnbild für die Geburt des Sonnengottes zur Wintersonnenwende, symbolisierte man den Sonnengott meist als einen von seiner Mutter abhängigen Säugling, manchmal von einer Ziege gestillt, tritt die Sonne am 21. Dezember ja ein in das Sternbild des Steinbocks. Diesem kleinen Sonnengott war auf geheimnisvolle Weise gelungen, den bockbeinigen Mächten der Finsternis zu entkommen. Sie nämlich wollten ihn vernichten, während er noch in der Wiege des Winters lag. Das neugeborene Licht ist da ja noch ganz schwach.

Gewiss erinnern solche Vorstellungen an das Horus-Kind auf dem Schoß seiner Mutter Isis. Horus galt den Ägyptern als Gott des Lichts, dessen rechtes Auge, auf die Sonne im Osten blickte. Als solch neugeborener Gott des Lichts, entsprang er in anderen alt-ägyptischen Sagen dem »Haus des Hor«: So nannte man den Mutterschoß der Himmelsgöttin Hathor. Sie trug auf ihrem Haupt, zwischen zwei Hörnern eine goldene Sonnenscheibe und war vermählt mit dem Sonnengott Ra.

Frühling – Jugendlichkeit

Zur Tagundnachtgleiche im Frühling dann, war die Sonne zu einem schönen Jüngling herangewachsen. Sein goldenes Haar hing in blonden Locken auf seinen Schultern, und sein Licht strahlte in alle Teile des Grenzenlosen.

Sommer – Reife

Zur Sommersonnenwende verwandelte sich die Sonnensymbolik dann zu Darstellungen eines großen, starken, bärtigen Mannes. Als solcher stand er in der Blüte seiner Reife und symbolisierte damit, die Stärke und Fruchtbarkeit der Natur zu dieser Jahreszeit.

Herbst – Alter und Tod

Mit der Herbst-Tagundnachtgleiche (Eintritt der Sonne ins Sternbild Jungfrau), verwandelte sich dann der Sonnengott in einen ganz alten, weißhaarigen Mann, der in die Vergessenheit der Winterdunkelheit schlurft. Was aber der Herbst im Wesentlichen ist, dass symbolisiert ganz wunderbar die biblische Legende über die Jungfrau Delila und ihren Verehrer Samson (16. Kapitel im Buch der Richter). Delila entlockte dem Samson ein Geheimnis, worauf man ihm die Haare (Sonnenstrahlen) abschnitt, ihn blendete und er all damit seine Kraft verlor. Der Name »Delila« aber ist eine Anspielung auf den hebräischen Namen für die Nacht »Lailah« und Samson ist abgeleitet vom hebräischen Wort für die Sonne, »Schemesch«. Und eben solch ein Geheimnis, das wird dem Initianden in die Heiligen Mysterien (wie einst im griechischen Eleusis oder auf der thrakischen Insel Samothrake), zu Herbstbeginn für ihn erlebbar, aus seinem Inneren entlockt – worauf er stirbt, um wieder geboren zu werden.

Jesus Christus Sol Invictus

In manchen okkult-christlichen Zirkeln werden die Wintermonate durch die drei Vollstrecker symbolisiert, die Jesus von Nazareth ans Kreuz brachten: der Jünger Judas Iskariot als Verräter, der Hohepriester Kaifas als Richter und als Vollstrecker der Statthalter Pontius Pilatus. Sie hatten den Auftrag den Bringer der Wahrheit und des Lichts (Jesus Christus) zu vernichten.

Christi Wiederauferstehung im Frühling, zu Ostern (Zeitraum in der Westkirche aus dem ersten Vollmond vor der Frühlingstagundnachtgleiche errechnet) wird gefeiert, zu eben jenem Datum, als man auch schon bei den Alten Griechen die Wiedergeburt des Frühlings- und Weingottes Dionysos feierte – dem »Zweimalgeborenen«.

Es steigt um Ostern, mit der Sonne im Osten, auf das Sternbild Widder. Und es war ein junger Widder, ein Lamm, das ja zum letzten Abendmahl dem Gott geopfert werden sollte, um zu neuem Leben aufzuerstehen, als wiederauferstandene Verkörperung der Wahrheit und des Lichts. Als eben solche verehrte man seit alter Zeit die Sonne auch als göttliches Wesen, die im Frühling zum zweiten Mal geboren wurde, nämlich darum, da ab dann die Stunden des Lichts die der Finsternis wieder dominieren. Jeder »Erwachte« der in die Welt kommt, wird von eben diesem Licht erleuchtet.

Dann aber tritt Johannes der Täufer in Erscheinung, der in den Kirchen des Westens und des Ostens, den man am Tag nach der Sommersonnenwende verehrt: Dem 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten. Er bereitete laut christlicher Lehre, dem kommenden Messias den Weg, weihte ihn ein in das himmlisch-göttliche Mysterium, am Ostufer des Jordan (also am Ufer des Sonnenaufgangs) durch die heilige Taufe, womit aus dem Jesus von Nazareth der Christus Jesus wurde, symbolisiert durch die weiße Taube die vom Himmel auf ihn niederflog.

Wenn dann nach der Herbsttagundnachtgleiche am 29. September in der Westkirche dem Erzengel Sankt Michael gedacht wird, bereitet eben dieser im Jahreslauf den kommenden Tag (etwa drei Monate später) des Sol Invictus vor, des unbesiegten Sonnengottes, im Christentum repräsentiert durch das heilige Geburtsereignis zu Bethlehem. Es ist nämlich Sankt Michael, der den Antichristen besiegt, um ihn davon abzuhalten dem solaren Christus seinen Platz streitig zu machen.

 

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Christus und das Sternbild der Fische

von S. Levent Oezkan

Ausschnitt aus der Sternkarte Planisphæri cœleste von Frederik de Wit

In den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende, entstand, wie es scheint, im ägyptischen Alexandria das christliche Symbol des Fisches, das zu den ältesten Allegorien des Christentums zählt. Vermutlich ergab sich dieses Gleichnis aus den Anfangsbuchstaben des heiligen Anagramm »Ichthys«.

Es bildet sich aus dem griechischen Titel ησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ, in lateinischer Umschrift geschrieben: Iesous Christos Theou Yios Soter, das eben bedeutet »Jesus Christus Gottes Sohn Erretter«. Das griechische Wort »Ichthys« steht für den Fisch im Wasser, wie aber auch für das Sternzeichen der Fische, das die Römer »Pisces« nannten. Doch es liegt nahe, dass im christlichen Fische-Symbol, sich eine noch weit vielfältigere Bedeutung verbirgt. Denn obige Wortfolge, aus der sich das fünfbuchstabige Anagramm zusammensetzt, wählte man in dieser Reihenfolge vermutlich absichtlich.
Sollte das Sinnbild des Fisches, in diesem Zusammenhang, vielleicht eine verborgene Symbolik mit dem Namen des Christus Jesus verknüpfen? Es scheint als gäbe es auf diese Frage verschiedene Antworten.

Da wäre zum einen das damalige Taufbad, dass die Römer schon früh als »Piscina« bezeichneten: den »Fischteich«. Taufte man einen darin, wurde er als Christ selbst zum »gläubigen Fisch«. Es scheint, als verweise darauf auch das Neue Testament, wenn darin Jesus dem Petrus, dem Andreas und an anderer Stelle dem Simon versichert:

Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

- Matthäus 4:19

Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.

- Lukas 5:10

Insbesondere Petrus, der bekanntlich ein Fischer war, sollte ja dereinst eine zentrale Rolle im Christentum spielen, denn kaum ein Zufall, dass der Dom im Vatikan seinen Namen trägt. Jesus Christus hatte Fischer zu Jüngern und wollte sie zu Menschenfischern machen. Tausende speiste der Heiland mit Fischen, dessen getaufte Anhänger selbst zu »christlichen Fischen« geworden waren.

Was aber ist da der Grund, das ausgerechnet das Symbol des Fisches für den Christus gewählt wurde? Hätte es nicht auch die Schale eines Sämanns sein können?

Magier aus dem Orient

Zu Beginn des 2. Kapitels im Matthäus-Evangelium, ist die Rede von den »Magoi«, den Magiern aus dem Morgenland. Sie hatten eine markante Konstellation am Nachthimmel entdeckt, die sie als deutliches Zeichen für die Geburt eines gotterwählten Kindes deuteten. Diese auch in der Bibel überlieferte Episode, sollte wohl dazu führen, dass man schon zu Zeiten als die Evangelien entstanden, das Wesen des Christus auch auf astrologische Gesichspunkte hin beleuchtete. Hieraus entwickelte man das, was heute in der Astrotheologie das »Fischezeitalter« genannt wird und sich über eine Dauer von ungefähr zwei Jahrtausenden erstreckt.

Dieser Zeitraum bemisst das, was man in der Astronomie die »Präzession der Erde« nennt. Damit wird auf ein astronomisches Phänomen hingewiesen, aus dem sich die ganz allmähliche Richtungsänderung der Erdachse ablesen lässt, die diese über einen Zeitraum von etwa 26.000 Jahren vollzieht. Man nennt die Dauer dieses Zyklus auch das »Platonische Jahr«. Über diese lange Zeit hinweg, ereignet sich der Sonnenaufgang zur Frühlingstagundnachtgleiche, in jedem Winkel des gesamten Tierkreises, wobei sich die Position dieses Frühlingspunktes, nicht wie im astrologischen Jahreskreis gegen, sondern im Uhrzeigersinn bewegt. Hieraus ergibt sich der sogenannte »Platonische Monat« von etwa 2.160 Jahren (≈ 26.000 Jahre : 12).

Heute ereignet sich der Sonnenaufgang zu Frühlingsanfangs in etwa zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann, warum manche auch vom Anbruch des Wassermann-Zeitalters sprechen, den manche im Jahr 1997 vermuteten, wieder andere im Jahr 2012 oder auch erst im Jahr 2154, sowie an noch einigen anderen Jahreszahlen. Zu Zeiten Jesu aber, ereignete sich da der Übergang vom Zeitalter des Widders, in das der Fische.

Das sich die ersten Christen damals selbst als Fische bezeichneten, war nicht allein Mittel zur Ehrerbietung ihres Messias, sondern wohl bestimmt auch eine Möglichkeit inkognito zu bleiben, zumal man Angehörige des jungen Christentums verfolgt hatte. Wenn die Wahl dieses Symbols nun aber nicht zufällig erfolgte, stellt man sich vielleicht die Frage, ob nicht auch andere Symbole den selben Zweck erfüllt hätten, was anscheinend zuerst auch der Fall war, wo der Christus mal als Löwe, mal als Adler und eben auch als Fisch symbolisiert wurde.

Wie aber bereits angedeutet, scheint der astrotheologische Bezug relevant gewesen zu sein, denn schon damals besaßen Gelehrte präzise Kenntnisse über die Sternbewegungen. Neben dem Fische-Symbol, kommt hier noch die Symbolik des Lammes ins Spiel, als das der Christus ja der Menschheit geopfert wurde. Der alte Brauch des Opferlammes stammte damals (und auch heute noch) vom jüdischen Pessachfest. Jedem Astrologie-Kundigem war damals klar, dass Jesus als erster Fisch des Fischezeitalters wiederauferstehen sollte, während er als letztes Lamm, als quasi letztes Kind des abtretenden Widder-Zeitalters, am Kreuze sterben musste. Wieso diese Symbolik so bemerkenswert ist, dürfte zumindest den Astrologie-Kenner bereits aufmerken lassen: beide Sternzeichen, Fische und Widder, liegen ja direkt nebeneinander, wie auch die christliche Symbolik vom Osterlamm, die im Kirchenjahr von Bedeutung ist, wo sich die Sonne durch das Tierkreiszeichen Widder bewegt.

Planisphaeri Coeleste von Frederik de Wit - ewigeweisheit.de

»Planisphaeri Coeleste« von Frederik de Wit: Eine Himmelskarte der Sternbilder.
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Sternbild Pisces: Die Fische im Zodiak

Wenn wir uns nach der Symbolik erkundigen, die man in jener Zeit findet, als der Christus Jesus in Erscheinung trat, so dürfen wir dabei nicht ignorieren, dass damit auch eine Schatten-Thematik einherging. Wenn der Christus sich als »Licht der Welt« (Johannes 8:12) personifizierte, so klingt in dieser Botschaft auch eine polare Gegensätzlichkeit mit an, zumal ja »das Licht (nur) scheinet in der Finsternis« (Johannes 1:5). Man braucht darum nicht zu erschrecken, wenn manche Namen und Symbole, beide Seiten miteinander teilen: die Welt des Lichts und die der Finsternis. Dabei spielt eine negative oder positive Wertung zunächst einmal gar keine Rolle, auch wenn im letzten Satz auf die doppeldeutige Gestalt Lucifers angespielt wurde. Denn jenen Titel verwendeten die Römer zur Bezeichnung des Morgensterns, so dass sie in den ersten Jahrunderten n. Chr. diesen, als Herold des Tages, zu Christus in Beziehung setzten. Diese Doppeldeutigkeit aber hat noch eine weitere Lesart, die auf einen tieferen Zusammenhang anspielt, den wir uns im Folgenden genauer ansehen wollen.

Horus und Jesus

Schauen wir hierzu zunächst einmal weit in die mythische Vergangenheit des Alten Ägypten. Da begegnen wir dem Lichtgott Horus, der auf die Menschenwelt schaute, mit seinen göttlichen Augen: Sonne und Mond. Als Sohn der lunaren Göttin Isis, teilt er Attribute die man auch bei Jesus wiederfindet. Mit der christlichen Mutter Maria teilt Isis nämlich das Attribut einer lunar Erleuchteten, zumal letztere in katholischer Ikonografie oft auf einer Mondsichel stehend abgebildet wird. Rudolf Steiner (1861-1925) brachte gekonnt auf den Punkt, worauf unsere Aussage hier anspielt:

die hervorbringende Frau, die Frau mit dem Kinde, die da jungfräulich ist, die Göttin, die in jener lemurischen Zeit eine Genossin der Menschen war, und die mittlerweile dem Blick der Menschheit entschwunden ist. Die nannte man die heilige Isis im alten Ägypten.

Sie bringt den Horus nicht durch Empfängnis zur Welt, sondern es kommt zur »unbefleckten Geburt« des Gottes, durch einen Lichtstrahl, der sie berührt, aufscheinend von ihrem verstorbenen Gatten Osiris. Horus aber, sollte laut mancher Mythen einen rätselhaften Brudergenossen haben: Seth – den finsteren Gott, der zum einen den Tod, doch in alt-ägyptischer Mythologie ebenso das Böse selbst symbolisierte. In alter Hieroglyphenschrift wird Seth da oft als Mensch mit Eselskopf dargestellt. Es ist eine Symbolik, die auch in Zusammenhang steht mit dem »schwarzen Stern« Saturn. Dieser Planet, der in alter Astrologie den äußersten der siebenfältigen Wandelsterne bildete, galt der mittelalterlichen Astrologie als Sitz des Teufels. Das lässt sich zum Beispiel entnehmen, dem 1899 in Paris erschienen Buch »L’astrologie grecque« (deutsch: »Griechische Astrologie«), einem Werk des französischen Religionshistorikers Auguste Bouché-Leclercq (1842-1923). Darin heißt es:

Drachen, Schlangen, Skorpione, Vipern, Füchse, Katzen und Mäuse, nachtaktive Vögel und andere verschlagene Brut sind das Los des Saturn.

Diese Attribute Saturns ähneln also jenen des finsteren Seth, wohl auch in seiner Rolle als Widersacher alles Lichtvollen. Auch sein Name scheint das anzudeuten, scheinen die Namen Seth, Saturn oder Satan doch eine etymologische Wurzel zu teilen (set oder sat). Auch die Tatsache, dass man im Altertum Saturn, als den äußersten und letzten Planeten des Sonnensystems wahrnahm, scheint hier eine weitere Parallele zu geben zur griechischen Mythologie, wo der Lichtgott Horus, wie die Sonne im Zentrum stand, während Seth abgedrängt, sich an die Peripherie aufhielt, wie eben verkörpert durch den Planeten Saturn.

Zwillingssymbolik in der christlichen Gnosis

Wenden wir unseren Blick nun einmal auf die judeo-christlichen Ursprünge des Gnostizismus, der ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung. Dem im ägyptischen Alexandria geborenen Valentinus (100-160 n. Chr.), schreibt man die Autorenschaft zu, einer in der christlichen Gnosis wichtigen Handschrift: die Legende der »Pistis Sophia«. Daraus lässt sich etwas entnehmen, was in gewisser Weise mit dem zuvor beschriebenen Doppelaspekt einer Symbolik von Licht und Finsternis (Horus und Seth) in Erscheinung tritt. Es wird in der Pistis Sophia ein Dialog wiedergegeben, zwischen der Mutter Maria und Jesus:

Da Du klein warst, bevor der Geist über Dich gekommen war, kam, während Du Dich mit Joseph in einem Weingarten befandest, der Geist aus der Höhe und kam zu mir in mein Haus, Dir gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, dass Du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist: »Wo ist Jesus, mein Bruder, damit ich ihm begegne?« Und als er mir dieses gesagt hatte, war ich in Verlegenheit und dachte, es wäre ein Gespenst, um mich zu versuchen. Ich nahm ihn aber und band ihn an den Fuß des Bettes, das in meinem Hause, bis dass ich zu euch, zu Dir und Joseph, auf das Feld hinausginge und euch im Weinberge fände, indem Joseph den Weinberg bepfählte. Es geschah nun, als Du mich das Wort zu Joseph sprechen hörtest, begriffst Du das Wort, freutest Dich und sprachst: »Wo ist er, auf dass ich ihn sehe, sonst erwarte ich ihn an diesem Orte.« Es geschah aber, als Joseph Dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, und wir gingen zugleich hinauf, traten in das Haus und fanden den Geist an das Bett gebunden. Und wir schauten Dich und ihn an und fanden Dich ihm gleichend; und es wurde der an das Bett Gebundene befreit, er umarmte Dich und küsste Dich, und auch Du küsstest ihn, und ihr wurdet eins.

Einer Symbolik von eins gewordenen Zwillingsbrüdern, begegnet man auch im Symbol des Fische-Sternzeichens, wo ja zwei Fische, die sich gegenübersehen, ein Band im Schnabel miteinander verbindet (daher ja auch das astrologische Symbol    – wobei der verbindende, horizontale Strich auf das schmale Band kleiner Sterne hinweist, dass die am Nachthimmel erscheinenden Sternbilder des nördlichen und des südlichen Fisches miteinander verbindet). So scheint also Jesus bei den christlichen Gnostikern, als eine Doppelpersönlichkeit aufgefasst worden zu sein, die zum einen Teil aus dem Heiligen Geist (dem Pneuma) auf Erden inkarnierte und anderenteils aus der stofflichen Welt (der Hyle) emporsprießte, die die Figur des »Zwillingserlösers« formen.

welches das Zwillings-Mysterium ist vom Einzigen, Unaussprechlichen […] und indem Ich König bin über das Kind der Kinder, dem Zwillingserlöser […] dann werden alle Menschen, die die Mysterien vom Unaussprechlichen empfangen, mit Mir Mitkönige sein und zu meiner Rechten und zu meiner Linken in meinem Reich sitzen.

- Aus der Pistis Sophia

Christus und Bar Abbas

Für die Astrologen unter den Gnostikern, muss dieser mythische Doppelaspekt (»zu meiner Rechten und zu meiner Linken«) eines Christus-Antichristus plausibel erschienen sein, wenn sie die Symbolik der zwei Fische, im gleichnamigen Tierkreiszeichen betrachteten und dabei einem Aufdämmern des Fischezeitalters entgegen sahen. Ist es da nicht bezeichnend, wenn die evangelischen Berichte jene Episode beschreiben, wo ein Pontius Pilatus dem versammelten Volke die Wahl lässt zu entscheiden, zwischen einem berüchtigten Gefängnisinsassen namens Jesus Barabbas – und eben dem Jesus Christus:

Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?

- Matthäus 27:16f

Wenn sich der Name »Barabbas« nun ableitet, vom hebräischen »bar abbas«, was übersetzt heißt »Sohn unseres Herrn« und der Eingangs erwähnte »Jesus Christus Gottes Sohn« ist, ergibt sich hier eine regelrecht »psychologische Anspannung«. Schaut man sich nämlich die Symbolik der beiden Fische an, wie sie etwa in der Sternkarte von Frederik de Wit (1610-1698) dargestellt sind (siehe Abbildung): dann sieht man darauf die beiden Sternsymbole der Fische nicht am Schnabel, sondern am Schwanz mit einem roten Band verbunden. Der erste Fisch (links) schaut darin zum Nordpol hin, während der zweite seinen Kopf nach Westen neigt, in Richtung Sonnenuntergang also, zur Nacht hin. Die Darstellung der Himmelskonstellation Fische bei de Wit, entspricht dabei der natürlichen Position der Sterne dieses Tierkreiszeichens, die als nördlicher und südlicher Fisch, fast rechtwinklig zueinander, ein Kreuz bilden.

Vorausahnung eines christlichen Fische-Zeitalters

Es ist bei dem Gesagten also durchaus angebracht, dass diese »in den Himmel geschriebene« Projektion, schon längst sichtbar gewesen war, als mit dem Auftreten des christlichen Erlösers, dieses neue Weltalter eingeleitet wurde. Die Wassersymbolik des Fisches aber, ist ja auch gegeben durch die Jahreszeit, während der er auch schon vor mehr als 2.000 Jahren gegenwärtigen Regenzeit Palästinas.

Kommen wir in diesem Zusammenhang aber noch einmal zu sprechen auf die gnostische Pistis Sophia. Dort heißt es im 21. Kapitel:

Es antwortete aber Jesus und sprach zu Maria: »Wenn die Nativitätssteller (Astrologen oder Weise, die den Stand der Gestirne bei der Geburt eines Menschen bestimmen) die Heimarmene (Schicksal) und die Sphaera (Kreisbahn der Plneten) nach links gewendet finden, gemäß ihrer ersten Ausbreitung, so treffen ihre Worte ein, und sie werden das sagen, was geschehen muss. Wenn sie die Heimarmene oder die Sphaera nach rechts gewendet begegnen, pflegen sie nichts Wahres zu sagen, weil ich ihre Einflüsse und ihre Vierecke und ihre Dreiecke und ihre Achtfigur gewendet habe […]

In gewissen Kreisen unter den christlichen Gnostikern schien die Astrologie eine gängige Sache gewesen zu sein, wenn sie, wie hier in der Pistis Sophia, selbst Jesus über jene »Nativitätssteller« reden lässt. So scheint die Fische-Symbolik des Neuen Testaments, eine gewisse Vorausahnung anzudeuten. Dabei steht der Christus Jesus als einer der beiden, als der vertikal nach Norden gerichtete Fisch, was einer zeitunabhängigen, ewigen und hierarchischen Sinnbildlichkeit entspricht; assoziiert man andererseits Vorstellungen von einem Damals und Morgen, einem Vergehen und Werden, mit dem, was durch den Ausschnitt einer Horizontalen gegeben ist, deren beiden Enden (oder Pole) sich vor diesem Hintergrund mit der Entscheidung zwischen Gut und Böse assoziieren ließen, könnte man daraus die Erwartungshaltung deuten, gegenüber eines Erscheinens des Antichristen in der Endzeit.

 

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Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Gleich von der Geburt an begleitet einen jeden ein Schutzgeist, der unbemerkt sein Leben leitet.

- Menandros

Schutzengel - ewigeweisheit.de

Aus den Lehren der esoterischen Wissenschaften wissen wir, dass es hohe Wesenheiten gibt, die als Beschützer walten über Personen, Gruppen von Individuen, über Königreiche und Staaten. Schon immer glaubten Menschen an Schutzengel. Mancher Kabbalist behauptet, man könne im Wissen der Geburtsminute sogar seine persönlichen Schutzengel berechnen.

Die Kirchenväter aber sagen, dass einem Christen sein Schutzengel von Gott erwählt wird, den er mit der Taufe empfängt. Seit dem 5. Jhd. entwickelte sich im Christentum eine regelrechte Schutzengel-Theologie. Gelehrte in Ost und West sagten, dass sich ein Schutzengel andauernd im Gebet befindet - im Namen einer Person und zu ihrem Schutze. Im Islam heißt es, dass einem Neugeborenen die Schutzengel eigenständig zum Geleit durchs Leben zufliegen, und zwar gleich vier - je einer zu jeder Seite (links, rechts, zuvor und hinter ihm).

Insbesondere aber die Religion des Zarathustra besitzt einen ausgeprägten Schutzengelkult. In ihrer Heiligen Schrift - dem zoroastrischen Avesta - widmet sich ein ganzes Kapitel der Bedeutung der Schutzengel eines Menschen.

Die Fravaschis der Zoroastrier

Was erst vor etwa 1600 Jahren im Christentum als Engellehre verfeinert wurde und noch etwas später als solche im Islam entstand, das kannten die Zoroastrier Persiens schon seit sehr alter Zeit. Sie sprachen vom Fravaschi, Faravahar oder Firavarti. Man stellte sich Schutzengel vor als geflügelte, vogelartige Wesen, meist auch abgebildet als geflügelte Scheiben. Auf dem inneren eines Kreisrunds, bildete man meist eine Person ab (siehe Abb. unten).

Jeder Gegenstand den ein Name bezeichnet – gewöhnlich oder außergewöhnlich – steht im Glauben der Zoroastrier unter der Gnade eines Fravaschi. In seiner Form als Firavarti, ist insbesondere die Wortwurzel »var« von Bedeutung: das Auserwählen. So könnte man das Wort Firavarti, beziehungweise Fravaschi, erklären als »einen der für die spirituelle Erhebung auserwählt wurde.« Somit ist der Fravaschi ein höheres Wesen, das zum Schutze eines Menschen erwählt wurde.

Selbst aber der lichtvolle und weise Schöpfergott Ahura Mazda, Vater aller Existenzen – auch er besitzt einen Fravaschi. Seiner natürlich ist der höchster von allen, von ultimativer Größe, Schönheit, Stärke und Weisheit. Doch auch dem Himmel, den Gewässern, Pflanzen und Tieren der Erde ist ein Fravaschi-Schutzengel ergeben.

So also gehorcht allem Seienden – vom höchsten lichterfüllten Gott, bis zur niedrigsten Kreatur auf Erden, ein Fravaschi. In ihm manifestieren sich die göttlich-universalen Kräfte, durch die die Ordnung der gesamten Schöpfung aufrecht erhalten wird. Allein der Gott der Finsternis Ahriman, wie auch seine Dämonen: sie besitzen überhaupt keinen Schutzengel.

Zoroastrischer Fravaschi - ewigeweisheit.de

Felsrelief in Persepolis, mit der Abbildung eines Fravaschis - Schutzengel der Zoroastrier.

Der Fravaschi des Menschen

Ahura Mazda aber gestellt jedem Menschen einen heiligen Schutzengel bei. Ein ganzes Leben lang begleitet eine Person so ein himmlisch-geistiger Hüter des Guten. Im avestischen Yasna heißt es dazu:

Wir verehren nun die Lebenskraft und die Wesenheit und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschi (Schutzengel) der ersten Verkünder und der ersten Hörer der heiligen Lehren, asha-gläubiger Männer und asha-gläubiger Frauen, die zu Gunsten des Asha (wahrhaftige Rechtschaffenheit) den Sieg davon getragen haben.

- Yasna 26:4

Alles Hab und Gut und unsere Leiber und den Knochenbau und die Lebenskräfte und die Körper und die Körperkräfte und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschis (Schutzengel) widmen und weihen wir.

- Yasna 55:1

Als besondere Form höherer Intelligenzen, spielen die Fravaschis eine zentrale Rolle im Glauben der Zoroastrier. Aus der Menschenwelt strömen ihnen höchste Verehrung und spirituelle Opfergaben zu. Man kann in ihnen auch die reinste Wesensform sehen, die schon als Vorgänger der Menschheit die Himmelsgefilde unseres Planeten bewohnten.

Die Fravaschis sind zudem Wesenheiten, die die vom Stern Sirius stammenden Seelen auf die Erde führen, wo sie in Körpern geboren, bis ans Ende ihrer Tage leben. Jener Vorgang der Beseelung erfolgt jedoch gemäß eines höheren, kosmischen Plans. Denn die Seelen der Menschen inkarnieren in der materiellen Welt, um das Böse zu bekämpfen. Verstirbt ein Mensch, so kehrt am Ende des vierten Tages die Seele (Urvan) zurück zu ihrem Fravaschi. Er sammelt die Erfahrungen die die Seele in ihrem irdischen Kampf machte. Die Summe dieser Erfahrungen helfen der kommenden Generation von Seelen, die auf Erden diese Verantwortung übernehmen sollen. Damit könnte man sagen, dass im Glauben der Zoroastrier der Fravaschi als hohes Ideal dient, nach dem die Seele des Menschen streben sollte. Ihn nachzuahmen in seinem guten Handeln, wäre vielleicht ein wahrhaft erhabenes Ziel. Denn wenn sie nach dem Tod dorthin zurückkehrt, könnte sie sich mit dem Fravaschi vereinen.

Ein Hymnus an die Schutzengel

Über diese himmlischen Geistwesen lesen wir ausführlich in den Yascht - den avestischen Opferhymnen. Ein ganzes Kapitel des Yascht ist den Fravaschis gewidmet. Man nennt es den »Hymnus an die Schutzengel«. Darin lesen wir über ein besonders kraftvolles Schutzgebet für jene, die sich in großen Schwierigkeiten befinden:

Ahura Mazda sprach zu Spitama Zaratushtra: Wenn in dieser materiellen Welt, O Spitama Zaratushtra, du dich auf heillosen Wegen bewegst, voller Gefahren und Ängste, O Zaratushtra und wenn du dich um dein Leben fürchtest, dann rezitiere diese Worte, dann rufe diese, jeden bösen Geist zerschlagenden Worte: "Ich lobe, ich beschwöre, ich sinne darüber nach und wir opfern den guten, starken, segensvollen Fravaschis der Gläubigen (Schutzengeln). Wir verehren die Fravaschis der Herren der Häuser, jene Herren der Gemeinden, jene Herren der Städte, jene Herren der Reiche, jene der Zarathustrotemas (den Hohepriestern eines Reiches); den Fravaschis der Seienden, den Fravaschis der Gewesenen, den Fravaschis der Kommenden; Allen Fravaschis aller Nationen und den freundlichsten Fravaschis der freundlichen Nationen;

- Yasht 13:20f

Schutzengel im Christentum

Engel sind die himmlisch bestimmten Mittler zwischen Gott und den Menschen. All ihre Handlungen sind vollkommen und ohne Fehl. Das überhaupt macht sie zu Engeln. Die Verehrung dieser himmlischen Wesen begann schon mit dem Entstehen der christlichen Klostertradition. Anstoß zur Verehrung der Schutzengel gab unter anderem der Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Laut dem Philosophen Thomas von Aquin (1225-1274) gehören die Schutzengel der dritten englischen Hierarchie an: dem Chor der sogenannten »Angeloi«. Über jeden Menschen, gleich ob Christ oder nicht, waltet ein solcher Schutzengel. 

Das Schutzengel im christlichen Glauben eine zentrale Rolle spielen, dass sollen einige Hinweise in der Bibel beweisen. Eine Aufgabe des persönlichen Schutzengels ist, so glauben Christen, die Gebete eines Gläubigen dem Gott zu übermitteln. Auch weisen sie als Führer den Menschen den Weg ins himmlische Königreich. Denn von diesem Weg, so der Glaube, kann aber der Mensch leicht abkommen - denn er ist schmal und auf dem Weg lauern Gefahren. So lange sich der Mensch aber auf edlem Pfade hin zur Heiligkeit bewegt, ist ihm zum Schutz ein Engel zugewiesen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

- Psalm 91:11f

Nach dem Tod eines Menschen, bringt sein Schutzengel die Seele des Verstorbenen vor Gott. Diese Vorstellung erinnert gewiss auch an Abbildungen aus den Alt-Ägyptischen Pyramidentexte. Darin nämlich wird die menschlich verkörperte Seele, vom geflügelten Falkengott Horus dem höchsten Gott Osiris vorgeführt, nachdem die guten und schlechten Taten ihres Trägers abgewogen wurden.

Ein Schutzengel war es, der den Heiligen St. Petrus aus dem Gefängnis befreite:

Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselben Nacht schlief Petrus zwischen zwei Kriegsknechten, gebunden mit zwei Ketten, und die Hüter vor der Tür hüteten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach; und er schlug Petrus an die Seite und weckte ihn und sprach: Stehe sogleich auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und tu deine Schuhe an! Und er tat also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach! Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es deuchte ihn, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut und kamen zu der eisernen Tür, welche zur Stadt führt; die tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen hin eine Gasse lang; und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu sich selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat und mich errettet aus der Hand des Herodes und von allen Warten des jüdischen Volkes.

- Apostelgeschichte 12:6-11

Dieser Geschichte zu Folge kam es, dass Sankt Peters Schutzengel, in der Kunst zur am meisten dargestellen Engelsgestalt wurde – so auch in Raphaels Fresco im römischen Vatikan.

Die Vorstellung eines persönlichen Schutzengels, der jeden Lebendigen behütend durch sein Leben begleitet, war im katholischen Christentum immer von Bedeutung. Als wichtigster Hinweis darauf, gelten die Worte Jesu in Matthäus 18:10:

Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist.

Ein heiliges Fest zu Ehren der Schutzengel pflegten auch die Mönche des Franziskaner-Ordens, seit 1500. Im Jahre 1607 dann, führte Papst Paul V. das Fest zum Gedenken an die Schutzengel ein. Diesen katholischen Festtag begeht man seither am 2. Oktober.

Russische Ikone eines Schutzengels, von V. Meshkov (1904) - ewigeweisheit.de

Russische Ikone eines Schutzengels des Malers V. Meshkov (1904).

Schutzengel im griechisch-orthodoxen Glauben

In den Ostkirchen lehrt man, dass der Schutzengel eines jeden Menschen sich vor dem Angesicht Gottes befindet. Nicht nur ist da ein Schutzengel ein guter Freund des Menschen, sein Beschützer und Bewahrer. Gott selbst scheint in jedem Engel wieder, so dass jeder Schutzengel das Urbild eines jeden Menschen bildet. Damit sind unsere Schutzengel unsere spirituellen Freunde.

Doch nicht allein Menschen, sondern auch die Elemente, Orte, ganze Gesellschaften und Völker sind den hütenden Geistwesenheiten der englischen Himmelsränge von Gott anvertraut. Den Elementen über die sie wachen, strömt die geistige Essenz ihrer heiligen Genialität zu. So soll es möglich sein, mit ihnen Verbindung aufzunehmen, um ihr heiliges Wirken zu empfangen.

Hierfür gibt es im griechisch-orthodoxen Glauben ein Gebet:

O Engel Christi, heiliger Hüter und Beschützer meiner Seele und meines Leibes: vergib mir alle Sünden die ich heute beging. Befreie mich von der List des Gegners (Teufel), so dass ich Gott nicht durch sündhaftes Handeln verärgere. Bete für mich frevlerischen und unwürdigen Diener, dass Du mich würdig darstelltest, der Güte und Gnade der allheiligen Trinität und der Mutter meines Herrn Jesus Christus, wie auch allen Heiligen. Amen.

Die heiligen Schutzengel im Islam

Es gibt in der islamischen Tradition die Vorstellung von den zwei Kiraman Katibin – den ehrwürdigen, englischen Schreibern. Wir werden zwar noch sehen, dass sie gemeinsam mit zwei anderen Engeln über die Bestimmung eines Menschen walten, doch ist ihre Rolle gewiss mit denen der Schutzengel zu vergleichen.

Ihre Namen sind Raqib und Atid. Sie verzeichnen in einer verborgenen Liste alle Taten einer Person, ihre Gedanken und Gefühle. Diese Liste wird dann nach dem Ableben eines Menschen, so die islamische Geheimlehre, dem allmächtigen Allah vorgelegt. Am Tag des Jüngsten Gerichts konfrontieren diese Engel jede Person mit der Liste ihrer Taten. Anhand dessen wird dann entschieden, ob einer nach Dschannah, ins Paradies, oder nach Dschahannam, in die Hölle gesendet wird.

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname - ewigeweisheit.de

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname aus dem 16. Jhd.

Auch der Koran verweist auf diese beiden Engel:

Wir haben den Menschen ja erschaffen und wissen, was ihm seine Seele alles einflüstert, und wir sind ihm doch näher als seine Halsschlagader, wo die beiden Empfänger (Raqib und Atid) aufzeichnen, zur Rechten und zur Linken sitzend. Kein Wort äußert er, ohne dass bei ihm ein Beobachter bereit wäre.

- Sure 50:16-18

Über euch sind wahrlich Hüter eingesetzt, edle, die aufschreiben und die wissen was ihr tut.

- Sure 82:10-12

So also ist die Aufgabe der Kiraman Katibin, Raqib und Atid, täglich jede Handlung, jeden Gedanken und jedes Gefühl einer Person aufzuzeichnen. Der eine sitzt auf der rechten, der andere auf der linken Schulter. Der rechte Engel zeichnet die guten Taten auf, der linke Engel die schlechten. Am Ende jeden islamischen Gebets aber, grüßt der Gläubige beide Engel, indem er seinen Kopf zu erst nach rechts und dann nach links wendet, wobei er jeweils die Worte spricht:

Salaam aleykum wa rahmetullah.
Friede sei mit Dir und Gottes Segen.

Es heißt nun, dass die schlechten Taten mit einer Zeitverzögerung von sechs Stunden in jene verborgene Listen der beiden Engel eingetragen werden. Wenn ein Muslim darum innerhalb dieser Zeit etwa eine begangene Sünde erkennt und auch bereut, dann landet diese Tat nicht auf seinem Sündenkonto. Außerdem soll es auch möglich sein, jenes Sündenkonto durch gute Taten auszugleichen. Wer aber entscheidet darüber, was gute und was schlechte Taten sind, als nur alleine der allmächtige Allah? Dennoch glaubt man im Islam, dass gute Taten neunfach mehr gewertet werden, als schlechte Taten.

Die beiden Al-Muaqqibat

Neben den Kiraman Katibin, den englischen Schreibern – nach denen sich, wie wir gesehen haben, durch des Menschen Handeln sein Schicksal rechnet – gibt es noch zwei weitere Engel. Sie sind ausschließlich zum Schutze eines Individuums erkoren. Ihr arabischer Name »Al-Muaggibat« heißt wörtlich: »jene, die aufeinander folgen«. Einer nämlich bewegt sich vor einem Menschen her, der andere schützt seinen Rücken.

Er hat Beschützer vor und hinter sich; sie behüten ihn auf Allahs Geheiß […]

- Sure 13:11

Und Er (Allah) ist es, der alle Macht über seine Diener hat, und Er sendet über euch Wächter, bis endlich, wenn der Tod an einen von euch herantritt, Unsere Boten seine Seele dahinnehmen; und sie vernachläßigen nichts.

- Sure 6:61

Jene beiden Engel schützen einen Menschen vor Schaden und den Einflüsterungen des Sheitans und seiner üblen Jinnen. Es heißt gemäß islamischer Tradition, dass jedem Wesen das lebt, schläft, gestorben oder auferstanden, ein Schutzengel zugewiesen ist. Der islamische Prophet Mohammed (as) sagte, jedem Menschen seien von Allah sogar zehn Schutzengel zugewiesen.

Das Auge des Horus - Mystisches Licht der Seele

von S. Levent Oezkan

ewigeweisheit.de

Als Ursprungsgott der Menschheit stand der Sonnengott Ra an der Spitze des ägyptischen Pantheon. Ras Licht brachte die wesenhafte Existenz aller Dinge auf der Erde hervor und bestimmte die Zyklen des Lebens. Die Abwesenheit des Sonnengottes bedeutete darum Dunkelheit, Tod und das Erwachen des Bösen.

Die alten Ägypter glaubten am Abend würde Ra im Meer versinken und sich auf seine Nachtmeerfahrt durch die Unterwelt begeben. Am Morgen tauchte er wieder auf, und erschien am Horizont als rotes Sonnenauge. In Begleitung seiner Tochter Maat, der Göttin der Weltordnung, fuhr  er dann in der Sonnenbarke über das Firmament und sendete sein Licht auf die Erde. Dieses Licht verkörperte der goldene Horus-Falke. Seine beiden Augen waren die Himmelskörper Sonne und Mond.

Ein berühmter ägyptischer Mythos berichtet von einem Streit zwischen Horus und seinem Widersacher Seth, dem Gott der Finsternis. In einem Kampf schlug Seth dem Horus ein Auge aus und zerschmetterte es, so dass es in sechs Teile zerfiel. Thoth, der Gott der Magie und der Heilkunst, sammelte die Teile des Auges auf und fügte sie zusammen. Das geheilte Auge übergab er dann wieder dem Horus. Statt es aber selbst zu benutzen, opferte Horus sein Auge. Er setzte es seinem Vater Osiris, dem ägyptischen Totengott, als drittes Auge ein. Damit erweckte er in Osiris ein neues Bewusstsein und brachte Licht in die Dunkelheit der Unterwelt.
Aus diesem Mythos entwickelte sich die Hieroglyphe des Horusauges, welches ein Symbol für alle Opfergaben und Sinnbild für Licht, Ganzheit und Heilung wurde.

Neben seiner mythologischen Bedeutung, hatte das Auge des Horus aber auch konkrete Entsprechungen in der Heilkunde der alten Ägypter. Dem Horusauge wurden sechs Formen der Wahrnehmung zugeordnet: Geruch (rechter Teil des Auges), Gesicht (Pupille), Gedanken (Augenbraue), Gehör (linker Teil des Auges), Geschmack (Spirale) und Gefühl (senkrechter Teil). Zudem entsprach jedem dieser Teile ein mathematischer Bruch: 1/2 (rechter Teil des Auges), 1/4 (Pupille), 1/8 (Augenbraue), 1/16 (linker Teil des Auges), 1/32 (Spirale) und 1/64 (senkrechter Teil). Diese Brüche bildeten die Teile eines alt-ägyptischen Hohlmaßes und wurden als medizinisches Messsystem verwendet, mittels dessen man Dosierungen bei der Zubereitung von Arzneimitteln angab.

Die Zirbeldrüse: unser drittes Auge

Interessanterweise erhält man als Summe der Addition dieser sechs Brüche ein Verhältnis von 63/64. Aber eben nicht 64/64, was dem unversehrten Auge des Horus entsprach. Ein 64stel fehlte also.
Wie man alten Hieroglyphentexten entnehmen kann, verwendete Thoth diesen verborgenen, »magischen« Teil, um das Auge des Horus zu heilen. Dieser Teil entspricht auch dem 6. Sinn des Menschen - der Intuition. Auf feinstofflicher Ebene ist er dem 6. Chakra zugeordnet, welches man auch als das dritte Auge bezeichnet.

Tatsächlich gibt es ein Zentrum im Gehirn, das schon seit langer Zeit mit übersinnlichen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird: die Zirbeldrüse.
Die physische Existenz dieser Drüse ist bereits seit 2000 Jahren bekannt. Im alten Ägypten wusste man, dass sich im Inneren des Gehirns ein Organ befindet, über das sich der Mensch mit der spirituellen Ebene des Bewusstseins verbinden kann. Aus diesem Grund befanden sich bestimmte Kraftsymbole auf dem Kopfschmuck der Pharaonen. Die aufgerichtete Kobra, wie man sie auf der Maske des Tutanchamun findet, ist ein Zeichen für Königtum und Licht, sowie ein Verweis auf die Uräus-Schlange, welche sich als drittes Auge auf der Stirn des Sonnengottes befand.

Heute weiß man, dass es sich bei der Zirbeldrüse tatsächlich um eine Art drittes Auge handelt. Denn die Zirbeldrüse besitzt lichtempfindliche Zellen und fungiert als Lichtmesser innerhalb des Gehirns. Das Augenlicht wird über den Hypothalamus, der Schaltzentrale des Gehirns, in die verschiedenen Hirnregionen geführt. Ein Teil des Lichtes wird dazu verwendet die Zirbeldrüse zu stimulieren. Je weniger Licht zur Zirbeldrüse gelangt, desto aktiver produziert sie das Schlafhormon Melatonin, welches sowohl unsere Schlaf- und Wachzyklen, als auch die Dauer der nächtlichen Traumphasen regelt.

Das Organ der Seele

Der im 17. Jahrhundert lebende Philosoph René Descartes vertrat die Idee, dass die Zirbeldrüse sogar der Stammsitz der Seele sei. Ähnlich der ägyptischen Vorstellung war für ihn dieses Organ ein Bindeglied zwischen dem Körper und dem geistig-seelischen Bewusstsein. Nach Meinung Descartes’ trennte sich im Zeitpunkt des Todes an dieser Stelle der astralische vom physischen Körper.
Man nimmt heute an, dass unmittelbar vor dem Tod die Zirbeldrüse noch ein anderes Hormon ausschüttet: das Dimethyltryptamin - kurz DMT. Diese körpereigene Substanz wirkt auf den visuellen Cortex des Gehirns und spielt eine wichtige Rolle in Nah-Tod-Erfahrungen.

DMT kommt auch in der Dschungelpflanze Banisteria Caapi vor, die von den Schamanen Südamerikas Ayahuasca genannt wird und als Kraftpflanze in rituellen Einweihungen verwendet wird. Durch den Trank des aus dieser Pflanze gewonnenen Suds, erfährt der Adept in einem tranceartigen Zustand die Geheimnisse des Lebens und wird an die Pforten des Jenseits geführt.

Um dieselbe Erfahrung ging es auch bei den Einweihungen in die Mysterien der alt-ägyptischen Religion. Mit dem Tod wurde der Seele, so glaubte man, der Übergang in eine andere, höhere Welt, ermöglicht. Im Augenblick des Todes, löste sich das »Ba« (Teil der Seele, Karma) in Form eines Vogels vom Körper, und begab sich in Begleitung des Seelenführers Anubis in die Unterwelt. Dort, in der sogenannten »Halle der vollständigen Wahrheit«, tagte ein Totengericht, wo die Seele von den Sünden des Lebens befreit werden konnte. Auf einer Waage wurde das Herz des Verstorbenen mit der Feder der Maat gewogen. Waren Herz und Maat im Gleichgewicht, hatte der Tote die Prüfung bestanden und wurde von Horus vor den Thron des Osiris geführt. Hier wurde ihm das Urteil verkündet. War das Urteil positiv, konnte sich die Seele des Verstorbenen wieder mit dem Körper vereinigen und wurde mit der Sonnenbarke des Ra in eine höhere Welt übergesetzt.
War das Herz jedoch karmisch belastet, da der Verstorbene zu Lebzeiten ungerecht gehandelt hatte, wurde seine Seele in einem neuen irdischen Körper wiedergeboren. Laut anthroposophischer Lehre sollte dann das Herz aus der vorangegangenen Inkarnation kräftemäßig in die Zirbeldrüse der folgenden Inkarnation umgewandelt und auf diese Weise geläutert werden.

Mit dem geistigen Auge sieht man besser

Die Zirbeldrüse ist das Organ der psychischen Energie im Bewusstsein des Menschen. Sie ist ein Zentrum der imaginativen Wahrnehmung des Geistes und bildet mit dem visuellen Auge einen Antagonismus: je mehr Licht die Augen aufnehmen, desto weniger aktiv ist die Zirbeldrüse.

Heute leben wir in einer Welt, in der überwiegend visuelle Reize den Alltag bestimmen. Durch die ständige Flut künstlicher Bilder, die in unser Bewusstsein einströmen, werden unsere Augen und unser Gehirn teilweise überfordert. Hinzu kommt, dass Beleuchtungen mit größtenteils minderwertiger Lichtqualität (Neonlicht, Energiesparlampen) unseren Körper und unsere Umwelt belasten. Durch den Einfluss dieser großen Lichtmengen wird die Zirbeldrüse in ihrer Funktion gestört. Und so lässt die Kraft unseres dritten Auges allmählich nach, unsere Intuition schwindet, und wir brauchen die Bilder im Außen, um uns im Leben zurechtzufinden.

Doch wie eigentlich in allen westlichen und östlichen esoterischen Traditionen gelehrt wird, ist das hohe Ziel sich von diesen äußeren Bildern zu lösen, und zu lernen mit dem inneren Auge zu sehen. Denn das geschaute Licht im Außen ist nur ein Abglanz der Wirklichkeit.
Die innere Natur des Lichtes unserer Seele wird durch die alltäglichen Bilder verdrängt. Diese Bilder bedeuten letztendlich nichts, da man nicht weiß, was hinter ihnen steht – schliesslich kann man das, was das Sehen möglich macht, nämlich die Sonne, mit dem Auge nicht fassen.
Sind es also wirklich die Bilder, die das Leben ausmachen? Oder ist es das Licht selbst, was das Leben ausmacht?

Erst wenn das Auge die alltäglichen Bilder fallen lässt, erst dann vermittelt sich unserem Selbst das Wesentliche unserer Seele. Dann beginnen Augen zu leuchten, und es scheint aus ihnen das Licht der eigenen Wesensnatur. Dieses Leuchten in den Augen zu finden und zu bewahren, ist Sinn des Lebens. So wird das Auge selbst sonnenhaft und der Körper zur lebendigen Quelle des Lichts.

Aktivierung der Zirbel

Die Zirbeldrüse ist am aktivsten wenn es dunkel ist. Darum bietet es sich an täglich in einem dunklen Raum für einige Minuten zu meditieren.
Wir legen uns hin, schließen die Augen und konzentrieren uns auf die Mitte unserer Stirn. Dann stellen wir uns vor, wie entlang unseres Wirbelsäulenkanals ein warmer Energiestrom ins Zentrum unseres Gehirns aufsteigt. Mit jedem Ausatmen fachen wir die mystische Flamme der Zirbeldrüse an und erfahren damit ein inneres Leuchten, das uns auf den verborgenen Pfaden unseres Unterbewusstsein als Lichtquelle dient. Durch diese Übung können wir uns allmählich besser mit unserer Intuition verbinden und so zu höheren spirituellen Einsichten gelangen.

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Das Ägyptische Pantheon

Das Ägyptische Pantheon

Für die alten Ägypter war alles Leben im Land von Khemet heilig (Khemet ist der alt-ägyptische Name Ägyptens: schwarzes Land). Zusammengezählt verehrte man im alten Ägypten weit mehr als tausend Götter. Der griechische Reisende Herodot berichtete über die Ägypter, als höchst gottesfürchtiges Volk. Man schien tatsächlich den verschiedensten Objekten eine besondere Ehrfurcht zu erbringen.

So kam es, dass es verschiedene Stadtgottheiten gab, die sich aber von Dorf zu Dorf wieder änderten. Es bestand also eine höchst respektvolle Gottesnähe, die man in allen wichtigen Dingen und Wesen zu verehren schien.

Die alt-ägyptische Religion hatte wie auch jüngere Religionen, eine kultische, kosmische und eine mythische Dimension. Das heißt, dass alle Handlungen des Ägypters immer auch in Bezug zu den kosmischen Gegebenheiten stand, von denen er aus den Mythen seiner Ahnen wusste. Besonders der Kult um Osiris, Isis und Horus, spielte später eine ganz zentrale Rolle.

Die Ägypter pflegten einen ausgeprägten Sternenkult, der eng verbunden war mit dem landwirtschaftlichen Zyklus. Der heliakische Aufgang (kurz vor Sonnenaufgang) des magischen Sternes Sirius, kündigte die Nilschwemme an, worauf der Fluss das Land mit fruchtbarem Erdschlamm (Khem) überflutete. So war der Agrarzyklus gesichert und das ägyptische Volk hatte zu essen.

Tempel der Götter

In ganz Ägypten erbauten die Pharaonen ihren Göttern große Tempel. In diesen monumentalen Bauwerken wollte man den Göttern eine Wohnstatt auf Erden errichten. Ganz sicher waren die ägyptischen Tempel später das, was die Synagogen der Juden wurden, die Kirchen der Christen und die Moscheen der Muslime. Aus der Gegenwart der Götter auf Erden, erhoffte man sich, sie günstig zu stimmen, damit sie das Volk mit reichen Ernten und günstigen klimatischen Bedingungen beschenken.

Im Zentrum des Tempels stellte man Götterbilder auf. Und jeder Tempel hatte seinen besonderen Hauptgott. Zu diesem Bereich, dem Allerheiligsten, hatte nur der höchstrangige Priester Zutritt. Gewiss erinnert das an die Religion der Juden, wo es ja auch nur dem Kohen (Hohepriester) gestattet ist, das Allerheiligste zu betreten. Der Unterschied besteht zu den jüngeren westlichen Kulturen jedoch darin, dass man später eben nicht mehr Götterbilder verehrte, sondern die Aussagen der Texte der heiligen Bücher, die dort im Allerheiligsten aufbewahrt sind.

Bei all dem sakralen Überfluss an Göttern und Göttinnen, gab es jedoch einige markante Hauptgottheiten im alten Ägypten. Die wir im Folgenden besprechen wollen.

Erst in der Regierungszeit des Pharao Echnaton (um 1335 v. Chr.), verschmolzen alle Gottheiten in einem einzigen Gott: der Sonnenscheibe Aton. Somit gilt Echnaton als Urvater des Monotheismus.

Das Auge des Horus

Horus - Der große Gott, der Herr des Himmels, der Bringer des Lichts. Seth riss Horus das Auge aus, als sich beide Rivalen im Kampf um den Thron von Osiris befanden. Thot heilte das ausgerissene Auge und stellte es wieder her.

Es ist ein beliebtes Symbol. Als Amulett dient es als Schutz gegen den bösen Blick und vor Unfällen, außerdem soll es Kraft und Fruchtbarkeit bringen. Im Neuen Reich wurden Särge damit dekoriert. Einzelne Ausschnitte dieses Symbols wurden im alten Ägypten als Maßsystem verwendet. Die einzelnen Linien des Symbols sind Zweierbrüchen zugeordnet.

Das Auge des Horus - Rodurago Network

Die Sphinx in den Alt-Ägyptischen Mysterien

Jesus sprach: Ein Seliger ist der Löwe, den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch sein. Und verflucht ist der Mensch, den der Löwe frisst und der Löwe wird Mensch sein.

– Thomasevangelium, Logion 7

Die Sphinx ist ein Fabelwesen das selbst das Rätsel ist, das sie dem Menschen aufgibt. Obiges Jesus-Zitat aber, führt uns bereits näher an die Lösung dieses Rätsels. Einen weiteren wichtigen Hinweis finden wir im ersten Petrus-Brief, in dem es heißt:

Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.

- 1. Petrus 5:8

In den Mysterien spielt der Löwe eine wichtige Rolle. Ihn assozierten die Alten als sexuelles Symbol der Begierden und Leidenschaften, der ein Unwissender der Welt ausgeliefert ist. Selig nun wird jener, der den Löwen aber überwältigt, ihn also selbst »gefressen« hat und ihm dadurch seiner zerstörerischen Kraft beraubt hat. So steht die Sphinx, die ja den Unterkörper eines Löwen, doch das Haupt eines Menschen hat, für diese Erhabenheit des Geistes über das Körperliche. Doch mehr noch: als man die Sphinx im ägyptischen Gizeh errichtete, schaute sie auf ihr eigenes Sternbild Löwe am Tag der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche - jenem Zeitpunkt in dem man Mysterien abhielt. Zudem aber hütete sie symbolisch die Mysterienfeiern zu Ehren der Göttin Isis, die in der Großen Pyramiden abgehalten wurden.

Thema der Einweihung

Geistige Kontrolle des Körperlichen, der Sieg des Geistes über das Triebhafte im Menschen: das waren zentrale Thema aller Einweihungsmysterien. Der Mensch wird als zweifaches Wesen dargestellt: Einerseits voller Leidenschaften und dem Drang sich selbst zu behaupten, andererseits als denkendes Wesen, das sich nicht auf die Erscheinungen der sinnlichen Welt richtet, sondern auf die Einswerdung mit dem Göttlichen. Damit ist aber nicht die Verleumdung des Sinnlichen gemeint, denn nur durch den Antrieb des Körpers, ist ja ein Leben auf Erden überhaupt möglich. Es ist eher die Rede von der Einheit von Geistigem und Körperlichem, wobei der Geist über den Körper herrscht, jedoch nicht umgekehrt.
Der Kopf der Sphinx ist also das leitende Prinzip, von dem aus die mächtigen Löwenkräfte gelenkt werden.

Drei Pyramiden

Aus diesem Grund steht die Sphinx vor den Pyramiden in Giza, denn sie bewacht diese vor dem Uneingeweihten. Die drei großen Pyramiden sind Symbole für die göttliche Trinität von Isis, Osiris und Horus. Die Mysterienweisheit soll an diejenigen Menschen weitergegeben werden, deren Geist rein und nicht eingetrübt ist, durch unkontrollierte, ausschweifende Handlungen. Diesen Menschen wird die Unsterblichkeit gegeben, denn sie sind nicht mit ihren Sinnen in der Welt des Wahrnehmbaren verhaftet.

Pyramiden von Gizeh in Ägypten - ewigeweisheit.de

Die Pyramiden von Gizeh (Ägypten).

Leben, Tod und Unsterblichkeit

Der griechische Schriftgelehrte Plutarch (1. Jahrhundert n. Chr.), der selbst Priester der Mysterienstätte im griechischen Delphi war, berichtete von einem Bildnis der Isis, auf dem geschrieben stand:

Ich bin alles, was war, ist und sein wird, und noch kein Sterblicher hat jemals mein Gewand gelüftet

Also nur das Unsterbliche im Menschen, vermag den Schleier der Isis zu lüften um die Wahrheit des Geistes zu erkennen. Dieses Geheimnis wird durch die zweite Karte im Einweihungsweg des Tarot durch den Archetypus der Hohepriesterin versinnbildlicht.
 

Hohepriesterin - Rider-Waite-Tarot

Die Göttin Isis - Illustration auf einer Tarot-Karte des Künstlers Josef Machynka.

Die Einweihung

Der Einzuweihende gelangt zur Essenz seines Wesens, wenn er sich seiner Aufgabe als Mensch wieder vergewissert hat. Dieses Selbstbewusstsein der Lebensaufgabe wird symbolisiert durch den Falkengott Horus, den Sohn von Isis und Osiris - er verkörpert das Licht in der Welt. Seine Gestalt taucht auch am Anfang des Neuen Testaments als Prinzip des lichtverkörperten Sohnes auf. Ähnlich dem Modell der Triaden im kabbalistischen Lebensbaum, gliedert sich auch die Neunheit der Götter von Heliopolis. Osiris wurde in die Welt gebracht durch die Vereinigung von Geb, dem Erdgott, und der Himmelsgöttin Nut, als der strebende Geist der Menschheit. Ähnlich dem griechischen Pantheon mit dem Göttervater Zeus und seinen fünf Geschwistern, so ist Osiris in der Götterwelt Heliopolis' der Bruder von Isis, Nephtys und Seth.

Das Geschwisterehepaar Isis und Osiris stehen für das Gute, denn sie kamen am Tage auf die Welt. Nephtys und Seth wurden in der Nacht geboren und verkörpern damit die dunkle Seite der Welt.

Aus dieser göttlichen Hochzeit ging der Lichtgott Horus hervor.

Isis ist die Seele der Menschheit, das Empfangende Prinzip (Binah), welche durch den nach Selbstbewusstsein strebenden Geist (Chokmah), das zeugende Prinzip des Osiris geschwängert wurde.

Osiris - Illustrated by Selim Oezkan

Das Mysterium von Isis und Osiris

Einst vor langer Zeit herrschte Osiris als großer König über Ägypten. Er schätze die guten Dinge und liebte seine Frau Isis. Seid ihrer Kindheit gaben sich die beiden Schutz und Geborgenheit.

Währenddessen war Osiris' Bruder Seth schon immer von Hass und Wut getrieben. Er wurde nicht geboren wie sein Bruder, sondern sprengte die Seite seiner Mutter, und viel vom Himmel auf die Erde. Seine Frau war die Nephthys, die Zwillingsschwester der Isis. Seth und Nephtys, das Götterpaar der Dunkelheit, verschworen sich gegen Osiris und Isis und sie begannen sich für sehr lange Zeit zu bekriegen. Doch eines Tages ging Nephtys ihrem Gatten mit seinem größten Widersacher Osiris fremd. Nephtys wurde schwanger und gebar den Anubis, der dann dereinst als Wächter zur Pforte zwischen der Welt der Lebenden und Toten wachen sollte.

Aus Eifersucht wegen des von Nephtys begangenen Ehebruchs, stellte Seth dem Osiris nach und brachte ihn hinterlistig zu Fall. Nachdem Seth die Maße des Osiris genommen hatte, fertigten er und seine 72 Komplizen einen Sarkophag an. Auf einem Gelage bot Seth scherzhaft demjenigen den Sarg als Geschenk, der genau in ihn hineinpasste. Also versuchten sich alle Gäste, doch keiner passte richtig hinein, bis auf Osiris. Er legte sich also tatsächlich in den Sarg und in diesem Moment schlug Seth den Deckel des Sarges zu und seine Mitverschwörer versiegelten ihn mit Blei. Daraufhin ließ Seth den Sarkophag in den Nil werfen. So schwamm Osiris, eingesperrt in seinem eigenen Sarg, des Nachts übers Meer.

Als Isis von der Schandtat erfuhr, machte sie sich auf die Suche nach Osiris. Klagend über den Verlust ihres Gatten irrte Isis verzweifelt umher. Doch schließlich wurde der Sarg in Kupna an Land getrieben, an einer Stelle wo eine große Akazie wuchs, der Baum des ewigen Lebens. Dort fand Isis den Sarg und brachte ihn an einen bestimmten Ort. Seth aber wusste wo sie sich aufhielt, verfolgte sie, fand den Sarg und zerstückelt die Leiche des Osiris in 14 Teile, die er dann über ganz Ägypten verteilte.

Die verwitwerte Isis wanderte in Trauer um die Welt und suchte mit Ihrer Schwester Nephtys alle Teile wieder zusammen. Sie konnten alle Stücke finden, bis auf den Phallus, denn diesen warf Seth in den Nil. Mit Magie bildete die Isis also einen anderen Phallus nach und setzte alle 14 Teile mit Hilfe des Gottes Thoth und des Anubis wieder zusammen, und damit wurde Osiris wieder belebt. Durch die Wiederauferstehung des Osiris entstand das Jenseits, und Isis war die Auserwählte, die es mit dem Diesseits verbinden sollte, während Osiris durch das Totengericht zum Herrscher über das Totenreich erklärt wurde.

Mit ihrem geliebten Osiris zeugte Isis dann ein Kind, welches die Schandtaten des Seth rächen sollte. Als Isis den Horus zur Welt brachte und dieser heranwuchs, erfuhr er, was mit seinem Vater geschehen war und verfiel in große Wut. Sein Vater kam zu ihm aus der Unterwelt und stärkte ihn für den Kampf gegen den Widersacher Seth.

Es kam also zu einem großen Krieg zwischen den Göttern. Dabei riss Seth dem Horus das linke Auge aus und nahm es an sich. Als Horus dann aber schließlich über ihn siegte, nahm er ihm das Auge wieder ab. Mit Hilfe des Thoth, wurde das Auge wieder geheilt und Horus setze es seinem Vater Osiris ein.

The Eye of Horus - Illustrated by Selim Oezkan

Seth wurde von Horus gefangen genommen, und seinem Vater Osiris gefesselt vor die Füße geworfen. Er brachte ihn dann triumphierend seiner Mutter Isis, die Seth aber nicht tötete, sondern wieder frei ließ. Sie wusste, dass auch die Sinnenwelt, verkörpert durch den finsteren Seth, ihre Berechtigung hat, nur aber durfte sie die geistige Welt nicht beherrschen, was durch das Licht des Horus vermieden wurde.

 

Die Mysterien im alten Ägypten, so sagen manche Gelehrte, sind der Ursprung der Mysterien überhaupt. Daher auch die vielen Verbindungen zur viel jüngeren christlichen Religion, wie wir zu Anfangs sehen konnten.