Horus

Das Auge des Horus - Mystisches Licht der Seele

von S. Levent Oezkan

ewigeweisheit.de

Als Ursprungsgott der Menschheit stand der Sonnengott Ra an der Spitze des ägyptischen Pantheon. Ras Licht brachte die wesenhafte Existenz aller Dinge auf der Erde hervor und bestimmte die Zyklen des Lebens. Die Abwesenheit des Sonnengottes bedeutete darum Dunkelheit, Tod und das Erwachen des Bösen.

Die alten Ägypter glaubten am Abend würde Ra im Meer versinken und sich auf seine Nachtmeerfahrt durch die Unterwelt begeben. Am Morgen tauchte er wieder auf, und erschien am Horizont als rotes Sonnenauge. In Begleitung seiner Tochter Maat, der Göttin der Weltordnung, fuhr  er dann in der Sonnenbarke über das Firmament und sendete sein Licht auf die Erde. Dieses Licht verkörperte der goldene Horus-Falke. Seine beiden Augen waren die Himmelskörper Sonne und Mond.

Ein berühmter ägyptischer Mythos berichtet von einem Streit zwischen Horus und seinem Widersacher Seth, dem Gott der Finsternis. In einem Kampf schlug Seth dem Horus ein Auge aus und zerschmetterte es, so dass es in sechs Teile zerfiel. Thoth, der Gott der Magie und der Heilkunst, sammelte die Teile des Auges auf und fügte sie zusammen. Das geheilte Auge übergab er dann wieder dem Horus. Statt es aber selbst zu benutzen, opferte Horus sein Auge. Er setzte es seinem Vater Osiris, dem ägyptischen Totengott, als drittes Auge ein. Damit erweckte er in Osiris ein neues Bewusstsein und brachte Licht in die Dunkelheit der Unterwelt.
Aus diesem Mythos entwickelte sich die Hieroglyphe des Horusauges, welches ein Symbol für alle Opfergaben und Sinnbild für Licht, Ganzheit und Heilung wurde.

Neben seiner mythologischen Bedeutung, hatte das Auge des Horus aber auch konkrete Entsprechungen in der Heilkunde der alten Ägypter. Dem Horusauge wurden sechs Formen der Wahrnehmung zugeordnet: Geruch (rechter Teil des Auges), Gesicht (Pupille), Gedanken (Augenbraue), Gehör (linker Teil des Auges), Geschmack (Spirale) und Gefühl (senkrechter Teil). Zudem entsprach jedem dieser Teile ein mathematischer Bruch: 1/2 (rechter Teil des Auges), 1/4 (Pupille), 1/8 (Augenbraue), 1/16 (linker Teil des Auges), 1/32 (Spirale) und 1/64 (senkrechter Teil). Diese Brüche bildeten die Teile eines alt-ägyptischen Hohlmaßes und wurden als medizinisches Messsystem verwendet, mittels dessen man Dosierungen bei der Zubereitung von Arzneimitteln angab.

Die Zirbeldrüse: unser drittes Auge

Interessanterweise erhält man als Summe der Addition dieser sechs Brüche ein Verhältnis von 63/64. Aber eben nicht 64/64, was dem unversehrten Auge des Horus entsprach. Ein 64stel fehlte also.
Wie man alten Hieroglyphentexten entnehmen kann, verwendete Thoth diesen verborgenen, »magischen« Teil, um das Auge des Horus zu heilen. Dieser Teil entspricht auch dem 6. Sinn des Menschen - der Intuition. Auf feinstofflicher Ebene ist er dem 6. Chakra zugeordnet, welches man auch als das dritte Auge bezeichnet.

Tatsächlich gibt es ein Zentrum im Gehirn, das schon seit langer Zeit mit übersinnlichen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird: die Zirbeldrüse.
Die physische Existenz dieser Drüse ist bereits seit 2000 Jahren bekannt. Im alten Ägypten wusste man, dass sich im Inneren des Gehirns ein Organ befindet, über das sich der Mensch mit der spirituellen Ebene des Bewusstseins verbinden kann. Aus diesem Grund befanden sich bestimmte Kraftsymbole auf dem Kopfschmuck der Pharaonen. Die aufgerichtete Kobra, wie man sie auf der Maske des Tutanchamun findet, ist ein Zeichen für Königtum und Licht, sowie ein Verweis auf die Uräus-Schlange, welche sich als drittes Auge auf der Stirn des Sonnengottes befand.

Heute weiß man, dass es sich bei der Zirbeldrüse tatsächlich um eine Art drittes Auge handelt. Denn die Zirbeldrüse besitzt lichtempfindliche Zellen und fungiert als Lichtmesser innerhalb des Gehirns. Das Augenlicht wird über den Hypothalamus, der Schaltzentrale des Gehirns, in die verschiedenen Hirnregionen geführt. Ein Teil des Lichtes wird dazu verwendet die Zirbeldrüse zu stimulieren. Je weniger Licht zur Zirbeldrüse gelangt, desto aktiver produziert sie das Schlafhormon Melatonin, welches sowohl unsere Schlaf- und Wachzyklen, als auch die Dauer der nächtlichen Traumphasen regelt.

Das Organ der Seele

Der im 17. Jahrhundert lebende Philosoph René Descartes vertrat die Idee, dass die Zirbeldrüse sogar der Stammsitz der Seele sei. Ähnlich der ägyptischen Vorstellung war für ihn dieses Organ ein Bindeglied zwischen dem Körper und dem geistig-seelischen Bewusstsein. Nach Meinung Descartes’ trennte sich im Zeitpunkt des Todes an dieser Stelle der astralische vom physischen Körper.
Man nimmt heute an, dass unmittelbar vor dem Tod die Zirbeldrüse noch ein anderes Hormon ausschüttet: das Dimethyltryptamin - kurz DMT. Diese körpereigene Substanz wirkt auf den visuellen Cortex des Gehirns und spielt eine wichtige Rolle in Nah-Tod-Erfahrungen.

DMT kommt auch in der Dschungelpflanze Banisteria Caapi vor, die von den Schamanen Südamerikas Ayahuasca genannt wird und als Kraftpflanze in rituellen Einweihungen verwendet wird. Durch den Trank des aus dieser Pflanze gewonnenen Suds, erfährt der Adept in einem tranceartigen Zustand die Geheimnisse des Lebens und wird an die Pforten des Jenseits geführt.

Um dieselbe Erfahrung ging es auch bei den Einweihungen in die Mysterien der alt-ägyptischen Religion. Mit dem Tod wurde der Seele, so glaubte man, der Übergang in eine andere, höhere Welt, ermöglicht. Im Augenblick des Todes, löste sich das »Ba« (Teil der Seele, Karma) in Form eines Vogels vom Körper, und begab sich in Begleitung des Seelenführers Anubis in die Unterwelt. Dort, in der sogenannten »Halle der vollständigen Wahrheit«, tagte ein Totengericht, wo die Seele von den Sünden des Lebens befreit werden konnte. Auf einer Waage wurde das Herz des Verstorbenen mit der Feder der Maat gewogen. Waren Herz und Maat im Gleichgewicht, hatte der Tote die Prüfung bestanden und wurde von Horus vor den Thron des Osiris geführt. Hier wurde ihm das Urteil verkündet. War das Urteil positiv, konnte sich die Seele des Verstorbenen wieder mit dem Körper vereinigen und wurde mit der Sonnenbarke des Ra in eine höhere Welt übergesetzt.
War das Herz jedoch karmisch belastet, da der Verstorbene zu Lebzeiten ungerecht gehandelt hatte, wurde seine Seele in einem neuen irdischen Körper wiedergeboren. Laut anthroposophischer Lehre sollte dann das Herz aus der vorangegangenen Inkarnation kräftemäßig in die Zirbeldrüse der folgenden Inkarnation umgewandelt und auf diese Weise geläutert werden.

Mit dem geistigen Auge sieht man besser

Die Zirbeldrüse ist das Organ der psychischen Energie im Bewusstsein des Menschen. Sie ist ein Zentrum der imaginativen Wahrnehmung des Geistes und bildet mit dem visuellen Auge einen Antagonismus: je mehr Licht die Augen aufnehmen, desto weniger aktiv ist die Zirbeldrüse.

Heute leben wir in einer Welt, in der überwiegend visuelle Reize den Alltag bestimmen. Durch die ständige Flut künstlicher Bilder, die in unser Bewusstsein einströmen, werden unsere Augen und unser Gehirn teilweise überfordert. Hinzu kommt, dass Beleuchtungen mit größtenteils minderwertiger Lichtqualität (Neonlicht, Energiesparlampen) unseren Körper und unsere Umwelt belasten. Durch den Einfluss dieser großen Lichtmengen wird die Zirbeldrüse in ihrer Funktion gestört. Und so lässt die Kraft unseres dritten Auges allmählich nach, unsere Intuition schwindet, und wir brauchen die Bilder im Außen, um uns im Leben zurechtzufinden.

Doch wie eigentlich in allen westlichen und östlichen esoterischen Traditionen gelehrt wird, ist das hohe Ziel sich von diesen äußeren Bildern zu lösen, und zu lernen mit dem inneren Auge zu sehen. Denn das geschaute Licht im Außen ist nur ein Abglanz der Wirklichkeit.
Die innere Natur des Lichtes unserer Seele wird durch die alltäglichen Bilder verdrängt. Diese Bilder bedeuten letztendlich nichts, da man nicht weiß, was hinter ihnen steht – schliesslich kann man das, was das Sehen möglich macht, nämlich die Sonne, mit dem Auge nicht fassen.
Sind es also wirklich die Bilder, die das Leben ausmachen? Oder ist es das Licht selbst, was das Leben ausmacht?

Erst wenn das Auge die alltäglichen Bilder fallen lässt, erst dann vermittelt sich unserem Selbst das Wesentliche unserer Seele. Dann beginnen Augen zu leuchten, und es scheint aus ihnen das Licht der eigenen Wesensnatur. Dieses Leuchten in den Augen zu finden und zu bewahren, ist Sinn des Lebens. So wird das Auge selbst sonnenhaft und der Körper zur lebendigen Quelle des Lichts.

Aktivierung der Zirbel

Die Zirbeldrüse ist am aktivsten wenn es dunkel ist. Darum bietet es sich an täglich in einem dunklen Raum für einige Minuten zu meditieren.
Wir legen uns hin, schließen die Augen und konzentrieren uns auf die Mitte unserer Stirn. Dann stellen wir uns vor, wie entlang unseres Wirbelsäulenkanals ein warmer Energiestrom ins Zentrum unseres Gehirns aufsteigt. Mit jedem Ausatmen fachen wir die mystische Flamme der Zirbeldrüse an und erfahren damit ein inneres Leuchten, das uns auf den verborgenen Pfaden unseres Unterbewusstsein als Lichtquelle dient. Durch diese Übung können wir uns allmählich besser mit unserer Intuition verbinden und so zu höheren spirituellen Einsichten gelangen.

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Das Ägyptische Pantheon

Das Ägyptische Pantheon

Für die alten Ägypter war alles Leben im Land von Khemet heilig (Khemet ist der alt-ägyptische Name Ägyptens: schwarzes Land). Zusammengezählt verehrte man im alten Ägypten weit mehr als tausend Götter. Der griechische Reisende Herodot berichtete über die Ägypter, als höchst gottesfürchtiges Volk. Man schien tatsächlich den verschiedensten Objekten eine besondere Ehrfurcht zu erbringen. So kam es, dass es verschiedene Stadtgottheiten gab, die sich aber von Dorf zu Dorf wieder änderten. Es bestand also eine höchst respektvolle Gottesnähe, die man in allen wichtigen Dingen und Wesen zu verehren schien.

Die alt-ägyptische Religion hatte wie auch jüngere Religionen, eine kultische, kosmische und eine mythische Dimension. Das heißt, dass alle Handlungen des Ägypters immer auch in Bezug zu den kosmischen Gegebenheiten stand, von denen er aus den Mythen seiner Ahnen wusste. Besonders der Kult um Osiris, Isis und Horus, spielte später eine ganz zentrale Rolle.

Die Ägypter pflegten einen ausgeprägten Sternenkult, der eng verbunden war mit dem landwirtschaftlichen Zyklus. Der heliakische Aufgang (kurz vor Sonnenaufgang) des magischen Sternes Sirius, kündigte die Nilschwemme an, worauf der Fluss das Land mit fruchtbarem Erdschlamm (Khem) überflutete. So war der Agrarzyklus gesichert und das ägyptische Volk hatte zu essen.

Tempel der Götter

In ganz Ägypten erbauten die Pharaonen ihren Göttern große Tempel. In diesen monumentalen Bauwerken wollte man den Göttern eine Wohnstatt auf Erden errichten. Ganz sicher waren die ägyptischen Tempel später das, was die Synagogen der Juden wurden, die Kirchen der Christen und die Moscheen der Muslime. Aus der Gegenwart der Götter auf Erden, erhoffte man sich, sie günstig zu stimmen, damit sie das Volk mit reichen Ernten und günstigen klimatischen Bedingungen beschenken.

Im Zentrum des Tempels stellte man Götterbilder auf. Und jeder Tempel hatte seinen besonderen Hauptgott. Zu diesem Bereich, dem Allerheiligsten, hatte nur der höchstrangige Priester Zutritt. Gewiss erinnert das an die Religion der Juden, wo es ja auch nur dem Kohen (Hohepriester) gestattet ist, das Allerheiligste zu betreten. Der Unterschied besteht zu den jüngeren westlichen Kulturen jedoch darin, dass man später eben nicht mehr Götterbilder verehrte, sondern die Aussagen der Texte der heiligen Bücher, die dort im Allerheiligsten aufbewahrt sind.

Bei all dem sakralen Überfluss an Göttern und Göttinnen, gab es jedoch einige markante Hauptgottheiten im alten Ägypten. Die wir im Folgenden besprechen wollen.

Erst in der Regierungszeit des Pharao Echnaton (um 1335 v. Chr.), verschmolzen alle Gottheiten in einem einzigen Gott: der Sonnenscheibe Aton. Somit gilt Echnaton als Urvater des Monotheismus.

Das Auge des Horus

Horus - Der große Gott, der Herr des Himmels, der Bringer des Lichts. Seth riss Horus das Auge aus, als sich beide Rivalen im Kampf um den Thron von Osiris befanden. Thot heilte das ausgerissene Auge und stellte es wieder her.

Es ist ein beliebtes Symbol. Als Amulett dient es als Schutz gegen den bösen Blick und vor Unfällen, außerdem soll es Kraft und Fruchtbarkeit bringen. Im Neuen Reich wurden Särge damit dekoriert. Einzelne Ausschnitte dieses Symbols wurden im alten Ägypten als Maßsystem verwendet. Die einzelnen Linien des Symbols sind Zweierbrüchen zugeordnet.

Das Auge des Horus - Rodurago Network

Die Sphinx in den Alt-Ägyptischen Mysterien

Jesus sprach: Ein Seliger ist der Löwe, den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch sein. Und verflucht ist der Mensch, den der Löwe frisst und der Löwe wird Mensch sein.

– Thomasevangelium, Logion 7

Die Sphinx ist ein Fabelwesen das selbst das Rätsel ist, das sie dem Menschen aufgibt. Obiges Jesus-Zitat aber, führt uns bereits näher an die Lösung dieses Rätsels. Einen weiteren wichtigen Hinweis finden wir im ersten Petrus-Brief, in dem es heißt:

Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.

- 1. Petrus 5:8

In den Mysterien spielt der Löwe eine wichtige Rolle. Ihn assozierten die Alten als sexuelles Symbol der Begierden und Leidenschaften, der ein Unwissender der Welt ausgeliefert ist. Selig nun wird jener, der den Löwen aber überwältigt, ihn also selbst »gefressen« hat und ihm dadurch seiner zerstörerischen Kraft beraubt hat. So steht die Sphinx, die ja den Unterkörper eines Löwen, doch das Haupt eines Menschen hat, für diese Erhabenheit des Geistes über das Körperliche. Doch mehr noch: als man die Sphinx im ägyptischen Gizeh errichtete, schaute sie auf ihr eigenes Sternbild Löwe am Tag der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche - jenem Zeitpunkt in dem man Mysterien abhielt. Zudem aber hütete sie symbolisch die Mysterienfeiern zu Ehren der Göttin Isis, die in der Großen Pyramiden abgehalten wurden.

Thema der Einweihung

Geistige Kontrolle des Körperlichen, der Sieg des Geistes über das Triebhafte im Menschen: das waren zentrale Thema aller Einweihungsmysterien. Der Mensch wird als zweifaches Wesen dargestellt: Einerseits voller Leidenschaften und dem Drang sich selbst zu behaupten, andererseits als denkendes Wesen, das sich nicht auf die Erscheinungen der sinnlichen Welt richtet, sondern auf die Einswerdung mit dem Göttlichen. Damit ist aber nicht die Verleumdung des Sinnlichen gemeint, denn nur durch den Antrieb des Körpers, ist ja ein Leben auf Erden überhaupt möglich. Es ist eher die Rede von der Einheit von Geistigem und Körperlichem, wobei der Geist über den Körper herrscht, jedoch nicht umgekehrt.
Der Kopf der Sphinx ist also das leitende Prinzip, von dem aus die mächtigen Löwenkräfte gelenkt werden.

Drei Pyramiden

Aus diesem Grund steht die Sphinx vor den Pyramiden in Giza, denn sie bewacht diese vor dem Uneingeweihten. Die drei großen Pyramiden sind Symbole für die göttliche Trinität von Isis, Osiris und Horus. Die Mysterienweisheit soll an diejenigen Menschen weitergegeben werden, deren Geist rein und nicht eingetrübt ist, durch unkontrollierte, ausschweifende Handlungen. Diesen Menschen wird die Unsterblichkeit gegeben, denn sie sind nicht mit ihren Sinnen in der Welt des Wahrnehmbaren verhaftet.

Pyramiden von Gizeh in Ägypten - ewigeweisheit.de

Die Pyramiden von Gizeh (Ägypten).

Leben, Tod und Unsterblichkeit

Der griechische Schriftgelehrte Plutarch (1. Jahrhundert n. Chr.), der selbst Priester der Mysterienstätte im griechischen Delphi war, berichtete von einem Bildnis der Isis, auf dem geschrieben stand:

Ich bin alles, was war, ist und sein wird, und noch kein Sterblicher hat jemals mein Gewand gelüftet

Also nur das Unsterbliche im Menschen, vermag den Schleier der Isis zu lüften um die Wahrheit des Geistes zu erkennen. Dieses Geheimnis wird durch die zweite Karte im Einweihungsweg des Tarot durch den Archetypus der Hohepriesterin versinnbildlicht.
 

Hohepriesterin - Rider-Waite-Tarot

Die Göttin Isis - Illustration auf einer Tarot-Karte des Künstlers Josef Machynka.

Die Einweihung

Der Einzuweihende gelangt zur Essenz seines Wesens, wenn er sich seiner Aufgabe als Mensch wieder vergewissert hat. Dieses Selbstbewusstsein der Lebensaufgabe wird symbolisiert durch den Falkengott Horus, den Sohn von Isis und Osiris - er verkörpert das Licht in der Welt. Seine Gestalt taucht auch am Anfang des Neuen Testaments als Prinzip des lichtverkörperten Sohnes auf. Ähnlich dem Modell der Triaden im kabbalistischen Lebensbaum, gliedert sich auch die Neunheit der Götter von Heliopolis. Osiris wurde in die Welt gebracht durch die Vereinigung von Geb, dem Erdgott, und der Himmelsgöttin Nut, als der strebende Geist der Menschheit. Ähnlich dem griechischen Pantheon mit dem Göttervater Zeus und seinen fünf Geschwistern, so ist Osiris in der Götterwelt Heliopolis' der Bruder von Isis, Nephtys und Seth.

Das Geschwisterehepaar Isis und Osiris stehen für das Gute, denn sie kamen am Tage auf die Welt. Nephtys und Seth wurden in der Nacht geboren und verkörpern damit die dunkle Seite der Welt.

Aus dieser göttlichen Hochzeit ging der Lichtgott Horus hervor.

Isis ist die Seele der Menschheit, das Empfangende Prinzip (Binah), welche durch den nach Selbstbewusstsein strebenden Geist (Chokmah), das zeugende Prinzip des Osiris geschwängert wurde.

Osiris - Illustrated by Selim Oezkan

Das Mysterium von Isis und Osiris

Einst vor langer Zeit herrschte Osiris als großer König über Ägypten. Er schätze die guten Dinge und liebte seine Frau Isis. Seid ihrer Kindheit gaben sich die beiden Schutz und Geborgenheit.

Währenddessen war Osiris' Bruder Seth schon immer von Hass und Wut getrieben. Er wurde nicht geboren wie sein Bruder, sondern sprengte die Seite seiner Mutter, und viel vom Himmel auf die Erde. Seine Frau war die Nephthys, die Zwillingsschwester der Isis. Seth und Nephtys, das Götterpaar der Dunkelheit, verschworen sich gegen Osiris und Isis und sie begannen sich für sehr lange Zeit zu bekriegen. Doch eines Tages ging Nephtys ihrem Gatten mit seinem größten Widersacher Osiris fremd. Nephtys wurde schwanger und gebar den Anubis, der dann dereinst als Wächter zur Pforte zwischen der Welt der Lebenden und Toten wachen sollte.

Aus Eifersucht wegen des von Nephtys begangenen Ehebruchs, stellte Seth dem Osiris nach und brachte ihn hinterlistig zu Fall. Nachdem Seth die Maße des Osiris genommen hatte, fertigten er und seine 72 Komplizen einen Sarkophag an. Auf einem Gelage bot Seth scherzhaft demjenigen den Sarg als Geschenk, der genau in ihn hineinpasste. Also versuchten sich alle Gäste, doch keiner passte richtig hinein, bis auf Osiris. Er legte sich also tatsächlich in den Sarg und in diesem Moment schlug Seth den Deckel des Sarges zu und seine Mitverschwörer versiegelten ihn mit Blei. Daraufhin ließ Seth den Sarkophag in den Nil werfen. So schwamm Osiris, eingesperrt in seinem eigenen Sarg, des Nachts übers Meer.

Als Isis von der Schandtat erfuhr, machte sie sich auf die Suche nach Osiris. Klagend über den Verlust ihres Gatten irrte Isis verzweifelt umher. Doch schließlich wurde der Sarg in Kupna an Land getrieben, an einer Stelle wo eine große Akazie wuchs, der Baum des ewigen Lebens. Dort fand Isis den Sarg und brachte ihn an einen bestimmten Ort. Seth aber wusste wo sie sich aufhielt, verfolgte sie, fand den Sarg und zerstückelt die Leiche des Osiris in 14 Teile, die er dann über ganz Ägypten verteilte.

Die verwitwerte Isis wanderte in Trauer um die Welt und suchte mit Ihrer Schwester Nephtys alle Teile wieder zusammen. Sie konnten alle Stücke finden, bis auf den Phallus, denn diesen warf Seth in den Nil. Mit Magie bildete die Isis also einen anderen Phallus nach und setzte alle 14 Teile mit Hilfe des Gottes Thoth und des Anubis wieder zusammen, und damit wurde Osiris wieder belebt. Durch die Wiederauferstehung des Osiris entstand das Jenseits, und Isis war die Auserwählte, die es mit dem Diesseits verbinden sollte, während Osiris durch das Totengericht zum Herrscher über das Totenreich erklärt wurde.

Mit ihrem geliebten Osiris zeugte Isis dann ein Kind, welches die Schandtaten des Seth rächen sollte. Als Isis den Horus zur Welt brachte und dieser heranwuchs, erfuhr er, was mit seinem Vater geschehen war und verfiel in große Wut. Sein Vater kam zu ihm aus der Unterwelt und stärkte ihn für den Kampf gegen den Widersacher Seth.

Es kam also zu einem großen Krieg zwischen den Göttern. Dabei riss Seth dem Horus das linke Auge aus und nahm es an sich. Als Horus dann aber schließlich über ihn siegte, nahm er ihm das Auge wieder ab. Mit Hilfe des Thoth, wurde das Auge wieder geheilt und Horus setze es seinem Vater Osiris ein.

The Eye of Horus - Illustrated by Selim Oezkan

Seth wurde von Horus gefangen genommen, und seinem Vater Osiris gefesselt vor die Füße geworfen. Er brachte ihn dann triumphierend seiner Mutter Isis, die Seth aber nicht tötete, sondern wieder frei ließ. Sie wusste, dass auch die Sinnenwelt, verkörpert durch den finsteren Seth, ihre Berechtigung hat, nur aber durfte sie die geistige Welt nicht beherrschen, was durch das Licht des Horus vermieden wurde.

 

Die Mysterien im alten Ägypten, so sagen manche Gelehrte, sind der Ursprung der Mysterien überhaupt. Daher auch die vielen Verbindungen zur viel jüngeren christlichen Religion, wie wir zu Anfangs sehen konnten.