Inquisition

Ein Lebemeister und Lehrmeister der Spiritualität: Meister Eckhart

von Johan von Kirschner

Meister Eckhart - ewigeweisheit.de

Man nannte ihn das Genie der deutschen Mystik: Meister Eckhart von Hochheim. Er erfüllte tatsächlich seine Rolle im Leben, der er in seinen berühmten Reden der Unterweisung auch entspricht. Wer zum ersten Mal mit ihm in Berührung kommt, wird schnell Feuer fangen. Kein Wunder, stillte er doch die Bedürfnisse seiner Zeitgenossen, die sich nach Lebensweisheit und Erkenntnis sehnten.

Zu Meister Eckharts Lebzeiten, befand sich Deutschland in einer Zeit des Umbruchs. Die Kirche bedrohten sektiererische Bestrebungen. Vielerorts riefen die Menschen nach Reformen. Eckharts Zeitgenossen waren den reinen Dogmen- und Moralpredigten der Kirche, längst überdrüssig. Das alte Glaubenssystem der Kirche galt im Spätmittelalter als überholt. Eher wünschte man sich eine vielmehr unmittelbare religiöse Erfahrung des Gotteswortes – etwas, dass sich auch im alltäglichen Umgang mit sich selbst, den Anderen und der Welt, direkt und trefflich anwenden ließe.

In dieser Zeit erfuhr auch die deutsche Mystik eine neue Blüte. Breite Schichten des Volkes sehnten sich nach göttlichem Heil, nach einem »Innewerden Gottes in der eigenen Brust«, im Erlebnis der Unio Mystica – der spirituellen Einswerdung, wo sich, in einer »Mystischen Hochzeit«, die menschliche Seele gleichsam mit Gott vermähle.

Besonders Frauen der höheren Gesellschaftsschicht, besaßen eine regelrechte Sucht nach religiös-mystischer Unterweisung und spiritueller Vision. Ihr fast unstillbarer Bildungshunger, ließ dominikanische Frauenklöster darum wie Pilze aus dem Boden schießen.

Die bezaubernde Mystik eines beinahe Unbekannten

Wenn Meister Eckhart dieses Begehren der Menschen, aber so gekonnt zu stillen vermochte, wer dann war dieser sagenhafte Mann?

Dazu existieren heute nur wenig äußere Daten, noch sind Bilder von ihm bekannt (das im Internet am weitesten verbreitete Bild, das angeblich Meister Eckhart in schwarzer Robe, Mütze und weißer Lilie haltend darstellt, ist in Wirklichkeit ein Gemälde von Giovanni Bellini, auf dem man Teodoro von Urbino sieht). Sein Leben lässt sich darum nur mit dürftigen Strichen zeichnen. Wenn man über sein äußeres Leben erfahren will, ist man darum auf nur spärliche Notizen angewiesen.

Eckhart kam um 1260 in der Nähe von Gotha in Thüringen, als Sohn des Rittergeschlechts von Hochheim zur Welt. Schon früh trat er dem Erfurter dominikanischen Predigerorden bei. Bald schon erkannten die Mitglieder seine außergewöhnliche Begabung zur Rede. Und so entsandte man ihn um 1300 schließlich an die Universität Paris – in jene Stadt, die einst die geistige Metropole des damaligen Abendlandes war.

Schon 1303 kehrte Eckhart mit einem Magister-Titel nach Erfurt zurück, wo man ihn nun zum »Meister« wählte – einem Titel, mit dem man ihn seither ansprach. In den Folgejahren wurde Meister Eckhart mit hohen Ämtern betraut, die in den kommenden beiden Jahrzehnten seine Verantwortlichkeiten über die Geografie Böhmens, bis in den Elsaß hin ausdehnten.

Mit den Schriften, die Meister Eckhart hinterlassen hat, gelingt es ihm, ganz deutlich das Verhältnis von Denken, Sein und Leben zu bestimmen. Fragen nach dem, was nun Wirklichkeit sei, beantwortete Eckhart damit, dass das Sein keine besondere Weise benötige, um zu existieren. Das galt für ihn auch für das Leben im Allgemeinen. Es mag manchen sicherlich wie eine Unterstellung oder gar als Widerspruch erscheinen, doch ich fragte mich, ob wohl auch die französischen Existenzialisten Eckharts Schriften lasen? Selbst wenn sich ihre Vertreter als Atheisten bezeichneten, klingt in bei ihnen eine ähnliche Selbstverständlichkeit an, die schon Jahrhunderte zuvor, Meister Eckhart für das Leben eines Menschen voraussetzte.

Auch wenn er heute zu den wohl am meisten zitierten »christlichen Mystikern« zählt, lässt sich nicht vermeiden, den Begriff »Mystik« an sich, sogar von Meister Eckhart her abzuleiten - war er doch nicht etwa irgendein Mystiker gewesen, sondern selbst das (deutsche) Original.

Zentraler Sinn seines Werkes, war die Wahrheit des Evangeliums hervorzutreiben und in diesem Sinne, seinen Mitmenschen praktisch fruchtbar zu machen. Das bedeutet, dass Eckhart die christliche Mystik aus den Formen der Aristokratie herausführte, die ja noch etwa bei Bernhard von Clairvaux (1090–1153) so hoch gepriesen wurde. Eckhart hingegen richtete seine Predigten und Traktate an jedermann, bot jedem an der dazu bereit war, geglaubte Wahrheit in sich Wirklichkeit werden zu lassen.

Ein Freigeist

Es schien das, fast schon eine Grunderwartung der Menschen in Deutschland gewesen zu sein, denn nicht zufällig rumorte es im dortigen Christentum gewaltig. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, wimmelte es in Deutschland von »ketzerischen« Bewegungen und Sekten. Was als Religion empfunden wurde, war nicht mehr allein das, was die Prediger von den Kirchenkanzeln riefen. Religion wurde als etwas erkannt, das vielmehr in jedem Menschen als Christentum lebendig ist. In dieser Zeit entstanden etwa die Lehren von einem inneren Himmel, der im ewigen Leben in der Zeit, aus einem reinen, wesenseigenen Gott heraus existiert.

In diesem Zusammenhang stand auch das Werk Meister Eckharts. Man könnte sogar sagen, dass er in dieser Zeit zum geistigen Brennpunkt wurde, wo alle Strahlen diesen neuen, mystischen, doch von der Kirche als häretisch eingestuften, christlichen Strömungen, in seinem Wirken zusammenliefen.

Es war auch die Zeit, wo in mehreren europäischen Ländern die Glaubensgruppe der »Brüder und Schwestern vom freien Geiste« eine pantheistische Theologie verbreitete. Grundlage ihrer theologischen Ideale war, dass der Mensch eben nicht von Gott isoliert im Exil auf Erden lebte, sondern man wusste, dass Gott in allen Dingen der Welt entdeckt werden kann, und damit Gott und Kosmos auch identisch sind.

Diese Glaubensgruppe bezog ihren Namen aus dem Bibelwort:

Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit

- 2. Korinther 3:17

Allerdings kann man bei den Brüdern und Schwestern vom freien Geiste, nicht von einer einheitlich organisierten Sekte ausgehen. Eher war es ein lockerer Verband rechtgläubiger Menschen, die vielmehr versuchte, die Individualisierung der Beziehung von Mensch zu Gott in ihren Lehren zu intensivieren.

Welche Rolle aber spielte dann noch die katholische Kirche? Diese Fragen dürften sich im 14. Jahrhundert wohl etliche deutsche Geistliche gestellt haben. Darum scheint es wohl kein Zufall gewesen zu sein, dass sich solche Gruppierungen wie die Brüder und Schwestern vom freien Geiste, der Verfolgung ausgesetzt sahen. Schon ab dem 15. Jahrhundert war duese spirituelle Bewegung bom Erdboden verschwunden.

Im Fadenkreuz der Inquisition

Die Katholische Kirche verdächtigte natürlich auch Meister Eckhart wegen »häretischer Überzeugungen«. Doch er selbst bestritt immer jede Nähe zu unkirchlichen Häresien. Das man ihn verdächtigte war wohl insbesondere dem Umstand geschuldet, dass seine Lehren immer tiefer ins gläubige Volk drangen. Erst beobachtete man ihn aus dem Verborgenen, bis sich die Kirchenoberhäupter in ihrer Feindseligkeit öffentlich gegen ihn wandten.

Er wusste allerdings ganz genau, dass er keinem Forum als nur der Pariser Universität und dem Papst zur Rechenschaft verpflichtet war. Trotzdem erklärte sich Meister Eckhart dazu bereit, Rede und Antwort zu stehen. Er wusste ganz genau, und sprach das auch an, dass man ihn wohl kaum zu seiner Verteidigung einberufen hätte, wenn sein Ruf beim Volk nicht so gut gewesen wäre. Es war ihm natürlich klar, dass er damit ganz kühn ansprach, was der katholische Klerus stets berechnend vermied. Fast schon wahnwitzig, doch eben darum, wenn offiziell auch aus fadenscheinig anderen Gründen, verdüsterte ihm die Heilige Inquisition seinen Lebensabend.

Der Erzbischof von Köln, Heinrich von Virneburg, der auch der Verfolgung der Brüder und Schwestern vom freien Geiste mit energischer Hingabe nachging, eröffnete gegen Meister Eckhart im Jahre 1326 ein Inquisitionsverfahren. Der Grund der Anklage lautete: »Verbreitung glaubensgefährlicher Lehren in deutschsprachigen Predigten vor dem Volke«.

Ehe also Eckharts Saaten aufgehen konnten und im Volk Früchte tragen, wurden sie von der Kirche auf diese Weise niedergetreten. Solch übles Bestreben, scheint bis heute in unserem Geistesleben nachzuwirken. Denn was den Menschen eine direkte, innere Gotterfahrung näherbringt und sie mit wahrer Lebensweisheit sättigen würde, scheint in der verweltlichten Form des Christentums immer tiefer zu versickern. Dumm nur, wenn verweltlichter Glaube oder sogar Atheismus, das Christentum gleichsetzen, mit diesen alten Verfehlungen der Inquisition.

Doch vielleicht gerade deshalb, geht ein Suchen durch unsere Zeit, wo immer mehr Menschen das reine Vernunftdenken einfach nicht mehr reicht. Man versucht sich wieder an tiefere Quellen anzuschließen - etwas, dass die katholische Kirche anscheinend schon lange nicht mehr bedienen kann, da sie nach wie vor ihre Rolle, nur als moralische Anstalt erfüllt. Von der Vermittlertätigkeit eines wahren, mystischen Gotterfahrens, scheint sie sich damit aber immer weiter zu entfernen.

Von der Betrachtung der Wirklichkeit

Fast siebenhundert Jahre nach Eckharts Tod, bleibt sein Werk noch immer eine Quelle wahrer Weisheit. Was sich verändert hat natürlich, ist das äußere Weltbild. Denn die Menschen seinerzeit sahen sich noch im Mittelpunkt der Welt, wo himmlische Körper in ätherischen Schalen, eine Erde im Zentrum umkreisten, umgeben von einem herrlichen, ewig reinen Feuerhimmel.

Letztendlich aber spielen die Unterschiede der Vorstellungsweisen vom kosmischen Weltbild, für den Einzelnen eine wohl eher nebensächliche Rolle, insbesondere dann, wenn es um Lebensfragen geht. Engel und Teufel und all die himmlischen Heerscharen sind eben »nur« symbolische Größen und Mittel der Veranschaulichung. Was nicht bedeutet, dass sie nicht auch tatsächlich existieren.

Wie sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen neuerer Zeit entnehmen lässt, dehnen sich die Größenordnungen des Kosmos weit über die menschliche Auffassungsgabe aus. Vielleicht war das den Alten bereits bewusst, wenn sie etwa sagten:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

- Exodus 20:4

Da Eckharts Gedanken im Grunde aber ganz auf die Ewigkeit ausgerichtet waren, galt ihm alles Gleichnishafte als vergänglich. Alle Wirklichkeit der Natur und Geschichte befand sich für Meister Eckhart in der höheren Wirklichkeit der Seele aufgelöst. Es war ein ausgesprochen mächtiges Lebensgefühl, dass sich jenseits aller Dinglichkeit bewegt. Nur in Demut darum, bewährte sich für ihn die Göttlichkeit, da erst durch sie sich zeigt, dass sich im Endlichen das Ewige und im Sterblichen das Unbegrenzte regt.

Philosoph der Christus-Religion

Sein religiöses Erleben versuchte Eckhart auszugleichen mit weltlichen Erfahrungen. Er brachte sie in seinen Schriften so zusammen, dass sie dem Leser eine einheitliche Schau widerspiegelten: im Himmlischen und Weltlichen, nicht getrennt voneinander existierend, sollte sie der Einzelne in sich selbst finden und darin auch erkennen können. Er war eben nicht allein nur ein Mann der Religion sondern auch ein Philosoph des Christentums. Weniger sollte man ihn aber als Seher wahrnehmen, als vielmehr einen Meister der Begriffsformung. Sein intellektuelles Werkzeug war das der klassischen Scholastiker, wo platonisch-aristotelische Begriffe zu einer Einheit verschmolzen und woraus die christliche Dogmatik entstand.

Es wäre jedoch zu einfach, Meister Eckharts Werk auf dieser Stufe zu belassen. Im Unterschied zu seinen spirituellen Vorgängern nämlich, verwendete er auch die monistische Seinslehre des Arabers Avicenna (Ibn Sina) und die Emanationslehre des Plotinus. Darin geht die Welt hervor, aus einem stufenweisen Fall des höchsten seienden Einen. Dabei ist es gar nicht notwendig, besonders viele neue Begriffe und philosophische Vorstellungen zu erfinden oder einzuführen. Eher kommt es auf die Fähigkeit an, diese so zu vereinfachen, dass sie einem tatsächlich im Leben helfen – was Meister Eckhart in seinem Werk allemal gelang.

Je älter die Grundkonzepte sind, derer sich ein Philosoph in seinen Ableitungen bedient, um so besser. Denn selbst jene Wirklichkeitsempfindungen, die sich auf die Gegenwart beziehen, können durchaus durch Hilfe älterer Begriffe so beschrieben werden, dass sie die Sichtweise auf das Beschriebene sogar noch konzentrieren und auf diese Weise verfeinern. Alles was Meister Eckhart in seinem Werk vollbrachte, war, einer transzendenten Geisteswelt einen neuen Mittelpunkt zu verleihen – und damit einen neuen Sinn.

Wege in den einigen Urgrund

Willst Du den Kern haben, so musst du die Schale zerbrechen.

In diesem simplen, doch aussagekräftigen Zitat, bezieht sich Meister Eckhart auf das Denken. Für ihn war es wie eine Schale, die sich zwischen uns und unsere eigentliche Wirklichkeit drängt. Die Begriffe in unserem Denken verwenden wir als »zugerichtete« Wörter, den eigentlichen Sinn der dahinter liegenden Wahrheit aber, umschließen sie wie ein Gefäß. Das begriffliche Denken ist etwas, wie der Name des Wortes schon sagt: wir begreifen, erfassen etwas, wie ein Gefäß das wir berühren, anfassen, etwas nach dem wir greifen.

Auf das Gefäß aber kommt es nicht an. Einzig der Inhalt zählt und auf ihn muss jeder in seinem Leben eigene Antworten finden. Erst damit kann er die Grundlagen schaffen, um seine Persönlichkeit zu dem zu formen, was seiner Lebensaufgabe entspricht.

Das genau war auch Meister Eckharts Ziel. Er versuchte in seinen Predigten »Religion« zu lehren und zwar ihrem wortwörtlichen Sinne entsprechend: als Rückverbindung unseres so weitläufigen Weltbewusstseins, an den ewigen Urgrund der Einigkeit allen Seins. Dieser »Ewigkeitsgrund« aber darf nirgends sonst gesucht werden, als im Kern unseres eigenen Wesens. Für Meister Eckhart bildet er die schöpferische Einheit, aus der die ganze Individualität des sinnlichen und geistigen Daseins stammt.

Wenn Religion also meint, zu jenem Urgrund zurückzuführen, begibt man sich als religiöser Mensch (andere nennen das heute vielleicht »spirituell«), auf die Suche nach einem Weg dorthin. Es ist ein Weg aus der Zerstreutheit all der vielen Willens(ab)gründe, zurück in die eigentliche Wesenseinheit des Lebens. Nur in ihr kann man zu wahrem Menschsein erwachen.

Für Eckhart sieht sich der Mensch im Ich getrennt von anderen Seelendingen oder von anderen »Ichen«. Wer sich diesem Drang aber dereinst zu entziehen vermag, der wird auch zur Stille seines ungeteilten Wesens zurückfinden – etwas, worin echter Segen liegt. Erst aber wenn alles Wünschen und Sehnen, alles Wissen- und Sehenwollen verschwunden sind, wird dieser einige Urgrund als wahrer Kern unseres Wesens erlebt.

Was dieser einige Urgrund ist, lässt sich letztendlich nicht beschreiben, ist die Beschreibung einer Sache doch immer weniger, als das Beschriebene selbst. Was dieser Urgrund aber sein könnte, das ließe sich höchstens herleiten aus dem, was er nicht ist. Denn als Einheit, kann er nicht das sein, was unsere Seelen als die Welt des Daseins empfinden. Sie nämlich ist die Vielfalt und Mannigfaltigkeit, aller gezeitigten Dinge, die voneinander unterschieden und daher immer getrennt existieren. Wenn jener einige Urgrund aber all das nicht ist, so ist er wohl ein grenzenloses, unbeschränktes, zeitloses und darum ewiges Sein. Was aber räumlich und zeitlich begrenzt ist, ist letztendlich auch dem Leid unterworfen. Das unbegrenzt Ewige aber kann darum nur als vollkommene Seligkeit erfahren werden.

Sobald wir uns durch solche Beschreibungen ein Bild von dem machen, was wir hier als den einigen Urgrund allen Seins bezeichnen: haben wir uns da nicht bereits aus ihm herausbewegt? Doch auch das würde seinen Zweck erfüllen. Schließlich ereignet sich mit diesem Ausgang, ja die Befreiung einer Daseinsform. Und so etwas ließe sich durchaus auch als Wiedergeburt deuten.

Der einige Urgrund, von dem oben die Rede war, kann hierdurch als Quell unseres Daseins erfahren werden, im Wunsch ihn zu erkennen können wir uns ihm nähern, indem wir auf unser Lebensziel zuschreiten. Sobald wir dann diesen Urgrund in uns, als unsere letztendliche Wirklichkeit finden, haben wir das Sein seiner Wirklichkeit, als Grund der Welt gefunden und erfahren. Sein ist Eins.

Zwischen Wagemut und Genialität

So wie der Leser das vielleicht als recht wagemutige Behauptungen empfinden könnte, so muss es auch schon den Zuhörern Meister Eckharts Predigten ergangen sein. Der deutsche Philosoph und Theologe Nikolaus von Kues (1401-1464) hielt Eckhart darum »nicht für jedes Gemüt zuträglich«. Der Meister aber war sich immer der Kühnheit seiner Worte bewusst. Niemand brauchte ihm sagen, dass er in den Köpfen des gemeinen Volkes allenfalls Verwirrung stiftete. Und jene Wahrheiten über die Meister Eckhart schrieb und predigte, schienen höchstens einige kongenialen Geister erfassen zu können.

Könntet ihr mit meinem Herzen erkennen, so verstündet ihr wohl, was ich sage; denn es ist wahr, und die Wahrheit spricht es selbst. […]

Wer diese Rede nicht versteht, der bekümmere sein Herz nicht damit. Denn solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, so lange wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar.

- Aus Predigt 2, Predigt 32

Diese Wahrheit brach schon fast aus seinem Inneren hervor. Nicht aber war sie vielfältig, wie man meinen könnte. Wer das riesige Schriftwerk Meister Eckharts kennt, weiß, das er immer wieder aus einem zentralen Kerngedanken, alle übrigen Sinnzusammenhänge entwickelte, die als Worte, wie aus seiner Seele geboren wurden. Wer diesen Grundgedanken in Meister Eckharts Lehre nicht erkannte, fand sich wohl leicht verstrickt, in einem schier unentwirrbaren Durcheinander von Unklarheiten. In Wirklichkeit aber sah Eckhart, durch seinen tiefen Blick in die Geheimnisse des Göttlichen, alle Vielfalt im all-einigen, unendlichen Sein aufgehoben und zur Einheit zusammengefasst.

Im Wesenskern der menschlichen Seele und dem göttlichen Seinsgrund, erkannte er eine Gleichartigkeit, worin Gott und Mensch einander verbunden sind – wenn auch auf unbeschreibliche, unerfassbare Weise. In jenem Kern fließen Menschsein und Gottsein zusammen. Und so wie sich vom wesentlichen Urgrund, dem Wesenskern allen Seins, eine Ausbreitung der Existenzen ergibt, so wiederum ergibt sich aus ihnen eine einzigartige Mannigfaltigkeit unzähliger Daseinskerne. Sie gleichen Saatkorn und Frucht zugleich, sind Urbilder der werdenden und der entstandenen Dinge. Diese Dinge aber existieren nicht etwa voneinander abgetrennt, sondern bilden gemeinsam ein System. Auch darin bestätigt sich das einige Sein, seine Einheitsnatur.

Die Vielheit aller Wesen sammelt sich somit als Einheit im Universum der geschaffenen Welt, in der sich all die unzähligen Urbilder in der Einheit einer ewigen Welt wiederfinden.

Sein als reines Erkennen

Nicht davon bin ich selig, dass Gott gut ist. Ich will auch niemals danach begehren, dass Gott mich selig mache mit seiner Gutheit, denn das vermöchte er gar nicht zu tun. Davon allein bin ich selig, dass Gott vernünftig ist und ich dies erkenne. Ein Meister sagt: Gottes Vernunft ist es, woran des Engels Sein gänzlich hängt. […] Des Engels Sein hängt daran, dass ihm die göttliche Vernunft gegenwärtig ist, worin er sich erkennt. […] Wenn wir Gott im Sein nehmen, so nehmen wir ihn in seinem Vorhof (des Tempels), denn das Sein ist sein Vorhof, in dem er wohnt. Wo ist er denn aber in seinem Tempel, in dem er als heilig erglänzt?

- Aus Predigt 10

Meister Eckhart bestimmte hieraus zugleich die Zuordnung des Wesen Gottes und des Menschen. Das Sein in Gott, ist reines Erkennen. Und so ruft dieser eine Gott durch sein Erkennen die Dinge ins Sein. Logischer Schluss wäre damit ja, dass je nach Erkenntnisvermögen, etwas oder jemand, entsprechend viel von Gott, vom Einen und vom Einssein mit Gott besitzen würde.

Im absoluten Erkennen ist damit die Einheit Gottes erfasst, aus dem das Sein ausströmt. Was dieses Erkennen erkennt, ist sein eigenes Sein, was es in seinem Spiegelbild erschaut. Darin erkennt das absolute göttliche »Vernunft-Sein« die Urbilder der Schöpfung – das, was der griechische Philosoph Platon die »Ideen« nannte.

Doch bei alle dem, war für Meister Eckhart Gott nicht ein jenseitiges Ideal einer alles bewegenden, tragenden und schöpfenden Weltsubstanz. Vielmehr waren alle Dinge für ihn Gott, aus denen er sich aber auch wieder, bis zum ausdehnungslosen Punkte, jederzeit zurück- und zusammenziehen kann, so dass Gott eben nicht mehr das ist, als was er darin gegenwärtig war. Damit verwendete Eckhart den Gottesbegriff stellvertretend für das eine und reine Sein, worin sich ein ewiger Vorgang von Werden und Entwerden vollzieht. »Gott« ist damit nicht mehr, als ein Name, der allein der religiös-philosophischen Anschauung seines Seins dient.

Dieser eine, ewige Weltprozess aber, bleibt immer nur die eine Seite des »Einen Seins«. Es gibt damit notwendiger Weise auch eine andere Seite. Das ist die ewige Stille, die Eckhart die »Gottheit« nannte – ein in sich ruhendes, kosmisches Potential, aus dem Gott wirkend hervortritt und in dessen Stille »Er« sich auch wieder zurückzieht. Aus der »gottgebärenden Gottheit« geht »Gott« also hervor und fließt auch wieder in sie ein.

So wie aus Gott die Dinge entstehen und aus ihrem Sein wieder in ihn zurückkehren, so wird auch Gott selbst und vergeht wieder, durchläuft eine Entwicklung und hat damit seine Geschichte. Die »Gottheit« hingegen, verharrt in ungetrübter Stille. Darin ist alles eins und daraus werden alle Entwicklungsbewegungen stetig neu hervorgebracht. Der Name »Gottheit« steht damit also für die schöpferische Einheit die den (be)wirkenden, schöpferischen Gott gebiert und in die er sich wieder zurückzieht.

Das Leben, das darum lebt, dass es lebt

Solche feinen Unterschiede, im sprachlichen Kontext zu schaffen, gelang Meister Eckhart anscheinend zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen. Nicht ohne Grund nennt man ihn daher den Begründer der deutschen Prosa. Es war wohl die Klarheit und Einfachheit seiner Sprache, die ihm ermöglichte, solche doch ganz einleuchtenden Schemata zu finden, woraus sich das Göttliche erklären ließ.

Eckharts Theologie war immer experimentell und auch spekulativ. Seine Weisheitslehren aber sind aktuell geblieben und auch heute noch für seine Leser erlebbar. Wer sich daher um eine weltoffene christliche Spiritualität bemüht, ist bei Meister Eckhart an der richtigen Adresse. Er wird ihn begeistern und wird ihn verwirren – doch weder langweilt, noch enttäuscht er den Leser. Der deutsche Mystiker Johannes Tauler (1300-1361) schrieb über ihn:

Er sprach nach der Ewigkeit und ihr nehmt es nach der Zeit

Diese »Zeitigung des Ewigen« erlebt jeder Mensch, immer wieder in seinem Leben. Zuerst zeigt er, sich selbst gegenüber, Bereitschaft, sich von Gewesenem zu lösen. Das setzt aber eine temporäre Abgeschiedenheit voraus, die aber keinen Zwang darstellen darf, sondern einen freiwilligen Rückzug, voll Gelassenheit und Annehmen des Seins, wie es eben gerade ist.

Nicht zu vermeiden ist der Schmerz, denn jeden Wachstumsprozess begleiten bekanntlich individuelle Leiden. Und zwar so lange, bis von allem Unbrauchbaren abgelassen wurde, alte Verkrustungen abgeworfen und aus den Schalen alter Ängste entledigt, ein Mensch das Wesentliche im eigenen Leben erhält. Erst dann kann er in ein neues Leben »geboren werden«, durch eine Transformation, wo er vom Dunkel zurück ins Licht schreitet. Dann erlangt er eine Fruchtbarkeit, aus der Neues hervorgeht und sich die Wirkungen des Handelns auf erwünschte Art und auch zum Wohle anderer manifestieren: Voraussetzung für jeden Erfolg im Leben.

Niemals aber behauptete Meister Eckhart, seine Schriften und predigten könnten jedem Sucher tatsächlich den Weg zu Gott weisen – weniger noch wolle er das!

Es gibt keine Anleitung zur Erkenntnis, zur Erleuchtung und weniger noch zum Gottfinden. Vielmehr lag ihm daran, den Zuhörern und Lesern seiner Predigten und Traktate, zum Durchbruch zu verhelfen, das heißt, jemandem, der einen langen Weg der Selbstfindung hinter sich hat, zur Entscheidung zu verhelfen. Es lag ihm aber daran, die Menschen aus dem Starrsinn ihres Alltagsbewusstseins hinauszustoßen.

Meister Eckhart wollte das Wesentliche im Menschen in eine Welt des freien Geistes entbinden, auf das jemand zu einem tätig-nützlichen Diener der Gemeinschaft werde.

Das alles war, in unbeirrbarer, leidenschaftlicher Entschlossenheit, Meister Eckharts beständiges Bemühen.

 


 

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Wer war Christian Rosenkreuz?

Wer war Christian Rosenkreuz?

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Wenn man über Christian Rosenkreuz spricht, geht es nicht in erster Linie um jemanden der ausschließlich in einem physischen Körper lebte. Es geht außerdem um eine Individualität die aus dem Verborgenen, auch ohne physischen Körper, durch ihre Ausstrahlung auch heute auf die Entwicklung der Menschheit wirkt - so zumindest glauben es zu wissen die Mitglieder der Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Neben seinem physischen Körper besitzt jeder Mensch auch einen feinstofflichen Körper, den man den Ätherleib nennt. Beide, physischer und ätherischer Körper, sind zu Lebzeiten eines Menschen miteinander verbunden. Im Augenblick des Todes aber löst sich der ätherische Körper vom physischen, wobei sich letzterer ja durch organische Prozesse allmählich auflöst. Auch der Ätherkörper entschwindet nach einer gewissen Zeit. Immer aber bleibt ein Teil dieses ätherischen Wesens als äußerst feine Substanz auf der Erde zurück. Besonders bei hohen Eingeweihten, wie etwa den Propheten und Heiligen, wirkt dieser Ätherleib aber weiterhin auf die Entwicklung der Menschheit.

So auch ging vom Ätherleib des des sagenhaften Christian Rosenkreuz, den wir im Folgenden C. R. nennen, eine große Wirkung aus, die tatsächlich bis heute auf unser Geistesleben einwirken könnte. Im Bestreben der Bruderschaft der Rosenkreuzer gilt es diese verborgenen Kraftwirkungen der Individualität des C. R. kennenzulernen und darüber das ewige, aus alter Zeit stammende Wissen wahrzunehmen. Die daraus strömende Weisheit wollen die Rosenkreuzer zugänglich machen - zum Nutzen des heutigen Menschen.

Was man heute die Bruderschaft vom Rosenkreuz nennt, nahm wahrscheinlich Mitte des 13. Jhd. seinen Anfang. C. R. aber deutete in seinem Werk an, dass sich in jedem Jahrhundert der Kraftstrom seines Wirkens, den gegebenen Umständen der Zivilisation anpasst. Das heißt, dass es in jedem Jahrhundert eine Thematik gibt, in der die geheime Lehre der ursprünglichen Rosenkreuzer, auf neue Art zum Ausdruck kommt.

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Bildnis des Christian Rosenkreuz

Vom Ursprung der Rosenkreuzer-Strömung

Das Bewusstsein der Menschen die im 13. Jhd. lebten war völlig anders geartert als unser heutiges. Bereits damals aber war die Fähigkeit zur Hellsicht sehr verkümmert, etwas das eigentlich jeder Mensch besitzt und von Geburt als geistiges Potential in sich trägt. Doch es kam zum vollkommenen Verschwinden dieser eigentlich urtypischen menschlichen Fähigkeit. Damit begaben sich die Menschen in eine tiefe Finsternis der Unwissenheit. Selbst hohen Eingeweihten fehlte der Zugang zu den spirituellen Welten. Statt also zu sehen, erinnerte man sich an das was man wusste. Nur so traf man eine Aussage über etwas das eintreten könnte – sei es physischer oder geistiger Art.

Es soll hier aber nicht der Eindruck entstehen, dass diese Entwicklung nur negativ war. Wie alles höhere Spirituelle, hatte auch sich dies als Teil des kosmischen Plans erfüllt. Denn erst durch dieses Ereignis konnte sich die intellektuelle und wissenschaftliche Kultur der Gegenwart ausprägen - eine Kultur, in der der Verstand die zentrale Rolle spielt. Die moderne Theosophie spricht hier von der fünften nachatlantischen Kulturepoche, in der sich die gegenwärtige Menschheit befindet.

Vorläufer der heutigen, war die griechisch-lateinische Weltkultur. Das sehen wir etwa an den noch immer verwendeten alten Begriffen, die sich insbesondere in den romanischen und angelsächsischen Sprachfamilien zeigen. Und da die Völker jener Sprachen begannen, sich seit dem Mittelalter über ihre Reichsgrenzen hinweg zu bewegen – teils durch Handel, doch leider auch durch Kolonialisierung – kann man heute in der Tat von geistigen Ausläufern sprechen, die sich um den gesamten Erdball hinaus bewegt haben, ihren Ursprung aber in der alten griechisch-lateinischen Kulturepoche haben.

In der alten griechischen Kultur existierte aber noch nicht das heutige verstandesmäßige Denken. Was sich jedoch aus der rationalen, verstandesbestimmten Kultur entwickelte, ist das, was man heute unter visionärem Denken versteht. Denn in der griechisch-lateinischen Kulturzeit fantasierte man nicht, als eher direkt in bewusster Verbindung zu stehen mit dem was gefühlt oder gesehen wurde.

Heute aber ist die Fähigkeit sich Dinge auszumalen, zu fantasieren und Visionen zu erzeugen, wohl unabdingbar geworden. Allmählich könnte darum auch die Fähigkeit des Hellsehens, langsam wieder in unsere Kultur zurückkehren, gewissermaßen als eine Fortentwicklung der Fähigkeit zur Vision.

Zur Entwicklung dieser hohen Fähigkeiten und dem Verstehen des innersten Wesens unserer Welt, begann aus dem Verborgenen eine Bruderschaft ihre besondere spirituelle Arbeit.

Ein katharischer Mönch in Thüringen

Im 13. Jhd. gründete sich im Verborgenen die Bruderschaft der Rosenkreuzer. Aus dem Kreis der häretischen Glaubensbewegung der Katharer, ging ein Weiser hervor, den wir oben als C. R. einführten. Er kam im thüringischen Germelshausen zur Welt, als Nachfahre eines verarmten Adelsgeschlechts. Jener Geburtsort des C. R. existiert heute nicht mehr auf der Landkarte, sondern verschwand angeblich über Nacht von der Erdoberfläche. Einige Legenden ranken sich um diesen Ort.

Die Eltern des C. R. aber waren einige der wenigen Initiierten, die die geheimnisvollen Lehren der Katharer bewahrten. Sie glaubten an die Wiedergeburt und die Befreiung von der selben, zur Erretung der Seele. Dies erfolgte durch das katharische Consolamentum, einer Geisttaufe die durch Auflegen der Hände erfolgt.

Es gibt jedoch keine genauen Daten oder Schriftstücke, die belegen könnten was im Folgenden gesagt wird. Denn was über die Herkunft des C. R. bekannt ist, wurde eigentlich nur mündlich weitergegeben, was kaum verwunderlich sein dürfte. Wie hätte etwas jemals anders erhalten bleiben können, das so vehement von der Kirche unterdrückt wurde? Zweihundert Katharer verbrannten 1244 in den Palisaden der Burg Montségur in Südfrankreich. So rabiat ging die katholische Inquisition gegen die Katharer vor. Auch die Gebäude der Katharer zerstörte man und verbrannte ihre heiligen Schriften.

Wer von ihnen also überleben wollte, verbarg sich und hüllte sein Wissen in tiefes Schweigen. Darum ist es heute nicht einfach, Beweise über das hier Gesagte vorzulegen. Was sich nach dem Untergang der Katharer später von ihrem esoterischen Wissen erhielt, wurde im Stillen, von Mund zu Ohr weitergegeben. Sicher aber sind die bis heute überlieferten Geheimnisse und Lehrer der Katharer nichts Erfundenes – hätten sich oberflächliche Geisteskonzepte doch niemals so lange erhalten können.

Ziemlich sicher entkamen einige der Katharer aus Südfrankreich, bevor sie der Inquisition der katholischen Kirche zum Opfer fielen. Einer von ihnen nun, sollte sich als Mönch in der Kapelle jener Adelsfamilie von Germelshausen versteckt haben. Doch auch hier dauerte es nicht lange, bis auch diese Familie wegen ihres häretischen Glaubens umgebracht wurde. Nur ihr jüngster Sohn konnte durch die Hilfe eben jenes Katharer-Mönchs, mit diesem in ein nahegelegenes Kloster fliehen. Dort nun wurde er aufgezogen und bereits als Kind eingeweiht in die Mysterien der Katharer.

Man könnte sagen, dass C. R., wie auch Jesus oder der Buddha, eine reale Person gewesen ist – auch wenn jene großen Individualitäten eine viel höhere sakrale Aufgabe auf Erden erfüllten. Dennoch ist auch ihre wahre Existenz kaum zu belegen und nicht durch eindeutige historische Daten gesichert. An ihrer Existenz und ihrem Wirken jedoch besteht kein Zweifel. Wie und aus welchem Grund auch, hätte jemand die bemerkenswerten und heiligen Hinterlassenschaften ihres Wirkens, in Form ihres riesigen spirituellen Weisheitskorpus, einfach nur erfinden sollen? Selbst wenn Jesus Christus oder der Buddha keine Einzelpersonen gewesen sind, hätte doch eine riesige Gruppe Eingeweihter an jenem durch sie entstandenen Werk arbeiten müssen, was, ohne die Führung eines zentralen Organs, hätte nie stattfinden können! Was vor Allem wäre der Grund für solch eine spirituelle Bewegung gewesen, zu der man gewiss ja auch die Rosenkreuzer zählen kann?

Ziel der Bruderschaft des Rosenkreuzes war ein neues Zeitalter einzuleuten, um den Menschen zu helfen sich aus der Finsternis der Unwissenheit zu befreien. Und in diesem Sinne musste etwas geschaffen werden, das diese Vision durch einen Mythos verhüllte. Man wusste eben, dass nur damit Aufmerksamkeit erregt werden konnte, was sich als Legende verbreitete - als etwas das in ein tiefes Geheimnis gehüllt war.

Die Erzieher des C. R.

An einem geheimen Ort in Deutschland, bildete sich eine Loge hoher, geistiger Individuen von zwölf Männern. Sie besaßen die Weisheiten der alten atlantischen Zeit, wie auch die uralten Weisheiten jener Völker, die die nachsintflutliche Kultur über Jahrtausende hinweg prägten. Sie vereinigten sich mit dem Ziel den Fortschritt der Menschheitsentwicklung zu fördern.

Sieben dieser großen Geister waren Reinkarnationen jener heiligen Rishis, durch die nach der Sintflut die Lehren aus der alten atlantischen Weltzivilisation überliefert wurden. Zu diesen sieben Weisen aber gesellten sich noch vier weitere Individuen, die zuvor als Hohepriester inkarniert, in den vier großen Zeitepochen unserer Menschheitsvergangenheit lebten. Einer von ihnen blickte zurück auf die alte indische Zeit des fernen Osten, ein anderer auf die alte persische Zeitepoche, der dritte auf die Zeit der alt-ägyptischen, alt-assyrischen und alt-babylonischen Epoche und der vierte auf die griechisch-lateinische Zeit, die ja unserer heutigen Kultur vorausging.

Gemeinsam vereinigten sie sich dann im 13. Jhd. zu einem auserwählten Kollegium. Zu dem aber trat noch ein zwölfter Weiser hinzu. Er war der, der das innerste Wesen der gegenwärtigen Kulturepoche kannte, in der, wie oben bereits angedeutet, der menschliche Geist wissenschaftlich und verstandesmäßig geprägt war. Ob es hier eine Verbindung zum Stauferfürsten Friedrich II. gab, sei dahin gestellt. Sicher jedoch das jene Mentalität die dieser Zwölfte besaß, noch bis in die Gegenwart hineinstrahlt und die Schwelle berührt zu einem neu anbrechenden Zeitalter.

So also trat damals dieses Kollegium zwölf großer Eingeweihter zusammen, um aber einen 13. in ihre Mitte aufzunehmen und ihn in ihre Weisheiten zu initiieren. Und eben dieser war der junge C. R., den der Katharermönch aus den Fängen der Inquisition errettet hatte.

Im Kreis der zwölf Weisen

C. R. wuchs in der Erziehung dieser zwölf Eingeweihten auf. Jedem der Zwölf galt es als Pflicht C. R. - dem 13. - die Essenz ihrer gesamten Weisheit, aus all den vorhergehenden und gegenwärtigen Zeitepochen zu übertragen. Jedoch geschah das abgesondert von der Welt im Verborgenen jenes Klosters. So konnte niemand anderes Einfluss auf den jungen C. R. ausüben, als nur das auserwählte Kollegium dieser zwölf Erleuchteten.

Auch wenn man sie als Christen bezeichnen kann, waren sie dennoch davon überzeugt, dass das damals gegenwärtige Christentum in Wirklichkeit nur die entstellte Wiedergabe einer wahren Christenheit war. Aus diesem Grund auch, hielten sie sich im Verborgenen auf. Ihre Anschauung des Christentums nämlich wäre der Kirche nur ein gefährliches Feindbild geworden. Doch die Kraft der darin vermittelten christlichen Weisheit hätte sich wegen seiner Wirksamkeit wohl ebenso schnell verbreitet, wie das, was die Katharer lehrten. Was aber mit jenen Eingeweihten geschah, durfte sich nicht wiederholen und musste sich darum im Verborgenen entwickeln.

Was der junge Mann in dieser Zeit im Kreise der zwölf Weisen erlebte, führte sein gesamtes Dasein in ein vollkommen anderes Leben. Er war in seinem alten Leben gestorben, und erfuhr seine eigentliche Aufgabe als christlicher Botschafter jener vor- und nachatlantischen Weisheiten, die ihm von den zwölf heiligen Männern zuströmten. Seine Lehrer erkannten, dass durch ihr Wirken, C. R. eine ebenso transformierende Lebenserfahrung machte, wie einst der Apostel Paulus von Tarsus, als er in Damaskus dem auferstandenen Christus begegnet war. Nicht nur absorbierte C. R. das Geheimwissen der zwölf Weisen, sondern es sollte sich daraus später das entwickeln, was man heute als das esoterische Christentum der Rosenkreuzer bezeichnet. Damit hatte der Junge nicht nur das Wissen jener zwölf Lehrer aufgenommen, sondern in sich umgewandelt in eine noch höhere Form der Weisheit: einem wahren Christentum, das sich vollkommen unterschied von jenem der Epoche, in der es sich bildete.

Im Wirken des C. R. und des Kollegiums der zwölf Weisen, wurde zusammengetragen wofür die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Welt stande. Aus den okkulten Weisheiten der Zwölf, reduzierte in einem symbolischen Tod jener 13. sein Wissen zu einer Essenz, aus der sich ein vollkommen neues, esoterisches Christentum bilden konnte. Was C. R. damit den Zwölfen aus ihrer Mitte her geoffenbart hatte, zeichneten diese auf, um es später auf geheimen Wegen unter jene zu bringen, die dafür bestimmt waren, es als ihre Nachfahren in den kommenden Jahrhunderten der Menschheit zu offenbaren.

Die Reisen des C. R.

Als C. R. fünfzehn Jahre alt war, brach er auf zu einer großen Reise. Ihn begleitete einer der Mönche jenes Klosters, in dem er damals Zuflucht vor der Inquisition fand. Ihn nennen die Rosenkreuzer den Bruder P. A. L. Angeblicher Grund für ihre Reise war der Besuch des Heiligen Grabes Christi in Jerusalem. In Wirklichkeit aber waren sie auf dem Weg zu einem Einweihungszentrum, von dem sie bereits wussten, wo es sich befand. Ihr Weg dorthin aber war nicht ungefährlich. Jeder der sich zu damaliger Zeit auf lange Reisen in ferne Länder begab, musste sich mit zum Teil negativen Eventualitäten abzufinden wissen.

Und so kam es leider auch, das in Zypern der Bruder P. A. L. verstarb. Doch C. R. blieb nichts als seine Reise fortzusetzen ins syrische Damaskus - jenes Ziel, dass er bereits bei seiner Abreise ansteuerte. Von seinem einstigen Retter in Germelshausen, wusste er, das diese Stadt sich auf dem Pfad der Einweihung befindet.

Zu dieser Zeit, die man auch das Goldene Zeitalter des Islam nennen könnte, war Damaskus eine Hochburg der Gelehrsamkeit. Viele Weise und Gelehrte aus dem alten Persien suchten in dieser Stadt Zuflucht vor den Reiterhorden der Mongolen, die damals aus Zentralasien nach Persien und immer weiter in den Nahen Osten vordrangen.

So fand der junge C. R. in Damaskus die Weisheiten des jüdischen Maimonides, erfuhr von der spirituellen Alchemie des Al-Ghazali und lernte durch die Schriften Al-Mazudis, die alte Geschichte der Welt kennen. Er meditierte wohl über Dschalladin Rumis Masnavi, jenem heiligen Buch der Sufis, worin er wohl auch den mystischen Pantheismus wieder fand, wie ihn auch seine katharischen Vorväter kannten.

Von hier setzte er seine Reise fort ins arabische Damkar. Verwunderlich war, dass man hier C. R. bereits erwartete. Man weihte ihn dort ein, in der geheimen Stadt der Königin von Saba, in die Geheimnisse einer Bruderschaft, die möglicherweise auch in Verbindung stand mit jenen Adepten, aus denen später die Bruderschaften der modernen Freimaurerei hervorgingen. Hier in Damkar fand C. R. das Liber Mundi (auch: Liber M) - das Buch der Welt - worin er das Wissen vom Wesen der Mineralien, Pflanzen und Tiere verzeichnet fand.

Für einige Jahre blieb er bei diesen arabischen Weisen, bevor er seine Reise nach Ägypten fortsetzte. Im Tempel zu Luxor empfing er wahrscheinlich eine Initiation in die Mysterien des Thoth, die vor etwa 3500 Jahren, dort im alten Theben durch den Priesterkönig Tutmosis III. eingeführt wurden. Nach seinem Aufenthalt in Ägypten aber reiste er zu Schiffe über das Mittelmeer in den Westen nach Fessanum - das marokkanische Fès. Es war ein Hort vieler Sterndeuter und Magier, wo C. R. wohl die Kunst der astrologischen Divination erlernte und in Berührung kam mit dem Wissen über die geheimen Naturkräfte.

Von Marokko aus setzte er über Gibraltar nach Spanien über, von wo aus er nach einiger Zeit schließlich nach Deutschland zurückkehrte.

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Philosophisches Siegel der Gesellschaft der Rosenkreuzer

Die Gründung des Geheimordens der Rosenkreuzer

Sieben Jahre reiste C. R. durch die ganze damals bekannte Welt. Was er in diesen Jahren des Reisens lernte waren die gesamten Weisheiten der alten Welt. Als er dann nach Europa zurückkehrte, begann durch sein Wirken die eigentliche Arbeit der geheimen Bruderschaft vom Rosenkreuz.

C. R. aber war klar, dass seine akkumulierten Weisheiten und sein tieferes Wissen über die Mysterien, den Herzen der Menschen nur ganz langsam zugeführt werden durfte. Was geschieht, wenn solches Wissen auf einmal geoffenbart wird, führte schließlich zu den Greueltaten, die an den Eingeweihten der Katharer begangen wurden. Drum also erwählt er einen Kreis von Menschen, die ihm würdig erschienen in seine Weihseiten eingeweiht zu werden. Diese okkulte Bruderschaft war aber verpflichtet über die von C. R. erfahrenen Geheimnisse zu schweigen.

Er nahm derohalben aus seinem ersten Kloster, zu welchem er eine besondere Zuneigung trug, drei seiner Mitbrüder: G. V., Frater I. A. und Frater I. O., die mehr Kenntnis in den Künsten hatten, als viele ihrer Zeit. Diese drei verpflichtete er, recht zuverlässig, fleissig und verschwiegen zu sein, auch all das, wozu er sie anleitete, mit grosser Gewissenhaftigkeit zu Papier zu bringen, damit die Nachwelt, der die Offenbarung bestimmt war, durch keine einzige Silbe oder Buchstabe betrogen würde.

- Fama Fraternitatis

So also begann mit vier Personen das Wirken der Rosenkreuzer in Europa. Aus dieser ursprünglichen Gruppe entstand jene Bruderschaft, die dann über eine Zeit von drei Jahrhunderten im Verborgenen arbeitete. Auch nach dem Tod des C. R. setzte die Bruderschaft ihre Arbeit fort. Sie blieb dabei verbunden mit dem vollständig erhaltenen Ätherkörper ihres Gründers.

In ihrer Arbeit und der Erforschung des Wesens unserer Welt, veröffentlichten sie ihre Erkenntnisse in der folgenden Zeit. Erst Anfang des 17. Jhd. trat die Bruderschaft der Rosenkreuzer zum ersten mal an die Öffentlichkeit:

  • In 1614 erschien die Fama Fraternitatis (Ruhm der Bruderschaft), aus der man über die Lebensgeschichte des legendären Frater C. R. erfährt.
  • Ein Jahr später erschien die Confessio Fraternitatis (Bekenntnis der Bruderschaft) - das Eingeständnis ihres öffentlichen Wirkens - erschienen als »Confession oder Bekandnuß der Societet und Brüderschaft R. C. an die Gelehrten Europae«.
  • Im Jahre 1616 dann wurde die Die Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 veröffentlicht, worin in Form eines alchemistischen Romans, die Einweihung des C. R. und die Begründung des Rosenkreuzer-Schulungsweges beschrieben steht.

Fama und Confessio fanden in Europa gewaltigen Anklang. Seit der Veröffentlichung der Fama 1614, erschienen hunderte Drucke, worin die jeweiligen Verfasser mit der Bruderschaft vom Rosenkreuz Kontakt aufnehmen wollten. Andere wehrten sich vehement gegen diese Veröffentlichung, während wieder andere behaupteten selbst die Initiaten dieser geheimen Bruderschaft zu sein. Man könnte die Veröffentlichung der Fama darum zu Recht bezeichnen, als erste multi-nationale Geschichte eines geheimen Komplotts.

Ihre eigentlichen Geheimnisse hielten die Rosenkreuzer aber weiterhin vor dem profanen Geist ihrer Zeit verborgen. Erst weitere hundert Jahre später, sollte ihr esoterisches Wissen der Welt offenbart und in entsprechender Weise darüber gesprochen werden. So also kam es 1785 zur Veröffentlichung der Geheimen Figuren der Rosenkreuzer in Altona. Sie enthielten die gesammelten esoterischen Offenbarungen der Bruderschaft.

In den folgenden Jahrhunderten bildeten sich weltweit Gruppen, Bruderschaften und Kollegien, die im Sinne des C. R. ihre Arbeit am großen Weltprozess erfüllen sollten.

Das Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Die Rose und das Kreuz

Das Wirken des Ätherkörpers des C. R.

Durch die Arbeit der Rosenkreuzer blieb der Ätherleib des C. R. bis in die heutige Zeit hinein erhalten. Hiervon bezogen auch alle seine Schüler Kraft. Da sich seine ätherische Existenz in der Welt jedoch niemals aufgelöst hatte, inkarnierte C. R. in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder. Was die moderne Theosophie und Anthroposophie verkündete, wurde ebenfalls durch die Kräfte des Ätherleibs des C. R. unterstützt - so zumindest will es die Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Ziel jener, die im Sinne dieser Gehemímbruderschaft arbeiten, ist jenen Ätherleib des C. R. zu energetisieren und daraus einen Einweihungskörper zu bilden, der für alle Menschen zugänglich ist. Wer aber die wahre Bruderschaft vom Rosenkreuz gegenwärtig bildet, darüber kann an dieser Stelle keine Aussage getroffen werden. Denn es ist wichtig zu wissen, dass in jedem Jahrhundert die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, dass die wahren Träger der geistigen Eingebungen des C. R., niemals öffentlich genannt werden. Nur die höchsten Eingeweihten unter ihnen wissen davon. Alles worüber wir heute sprechen können, ist das, was bereits hundert Jahre in der Vergangenheit liegt.

Doch woran liegt das?

Es ist ganz einfach: würden nämlich jene, die im Sinne der ursprünglichen Zwölf heute im Verborgenen agieren, ihre Existenz bekannt geben, wäre die Versuchung viel zu groß solchen Autoritäten eine begeisterte Heiligenverehrung entgegenzubringen. So etwas aber würde nur die Eitelkeit der Betroffenen reizen, was ihre eigentliche Arbeit jedoch zunichtemachten würde.

Ein zweiter, mindestens ebenso wichtiger Grund für die Verschwiegenheit jener zwölf weisen Häupter, ist sich gegen die okkulten astralen Attacken zu schützen, die fortwährend auf solche Individualitäten gerichtet sein würden. Daher also die Bedingung, dass erst hundert Jahre nach der Erkenntnis wichtiger esoterischer Fakten, davon auch gesprochen und darüber geschrieben werden darf.

So glauben also die Rosenkreuzer, dass die Ausstrahlungen des ätherischen Fortbestehens des C. R. auch in Zukunft noch dem Wohle der Menschheit dienen können. Je eher sich nach ihrer Lehre, die Menschen von jeglichem Autoritätsglauben lösen, desto eher werden sie den Ätherleib des C. R. erkennen können. Und je mehr sie sich dabei dieser großen Geist-Individualität nähern, desto mehr Kraft werden sie von ihr für ihre Arbeit empfangen können - zum Wohle aller Menschen.