Jupiter

Marsianische Einflüsse im Eisernen Zeitalter

von S. Levent Oezkan

Marsoberfläche - ewigeweisheit.de

Lange bevor man Uranus, Neptun und Pluto als Planeten identifizierte, war unser roter Himmelsnachbar einer von fünf Planeten, die mit Sonne und Mond, zu den sieben klassischen Himmelskörpern zählen. Diese astrale Siebenheit korrespondiert zudem mit sieben Zahlen und sieben klassischen Metallen.

Die Sechs der Sonne strahlt golden, die Neun des Mondes glänzt silbern, die Fünf des Mars rötelt eisern, Merkurs Acht ist quecksilbrig, Jupiters Vier zinnern, und die Drei des trägen Saturn ist schwer wie Blei. Der Mars also entspricht der Fünf und befindet sich tatsächlich als fünfter Globus am Rande des inneren Asteroidengürtels unseres Sonnensystems.

Dass außerdem das Metall Eisen mit dem Planeten Mars zu tun hat, liegt auf der Hand: die grenzenlosen, roten Wüsten, die seine Oberfläche unter sich begraben, bestehen hauptsächlich aus Eisenoxid (siehe Titelfoto). Damit ist der Mars ein buchstäblich "rostiger Planet", denn das rote Eisenoxid seines Gesteins, ist die gleiche Substanz, die auch beim natürlichen Zerfall von Eisen oder Stahl auf der Erde entsteht. Bis auf das Eisen, sind alle anderen klassischen Metalle entweder zu edel um zu oxidieren (wie Gold, Silber, Quecksilber) oder bilden einen dünnen Schutzfilm, der sie vor weiterer Korrosion bewahrt (wie bei Kupfer, Zinn, Blei). Eisen fehlen solche Eigenschaften und es scheint sich regelrecht danach zu sehnen, in Stücke zu gehen.

Trotz der charakteristischen Unbeständigkeit des Eisens, ist es dennoch das härteste aller klassischen Metalle. Oberflächlich betrachtet ein Widerspruch. In Wirklichkeit aber verbirgt sich darin ein tiefes Geheimnis, das den ewigen Kreislauf allen Werdens und Vergehens im Universum bedingt.

Mundöffnungsritual – ewigeweisheit.de

Das alt-ägyptische Mundöffnungsritual, Darstellung aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. im Papyrus Hunnefer. Unten links im Bild die sogenannte "Mundöffnungsdeichsel" aus Himmelseisen.

Heiliges Metall aus dem All

Seit dem Altertum diente Eisen wegen seiner Härte der Herstellung von Waffen. Bevor man ab etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. begann Eisenerz zu verhütten, also aus Eisen Stahl herzustellen, verwendete man außerirdisches Eisen.

Sowohl im alten Tibet, in Mesopotamien, wie auch im alten Ägypten, wussten kluge Schmiede, wie sie aus niedergegangenen Meteoriten ein Metall isolierten, dass sie das "Himmelseisen" nannten – einer besonderen Eisenlegierung. Von diesem außerirdischen Metall spricht auch der Koran in der Sure Al-Chadid - "Das Eisen":

Und wir haben das Eisen herabkommen lassen, das viel Kraft in sich birgt und für die Menschen auch von Nutzen ist.

- Sure 57:25

Auch den Alten Ägyptern galt dieses Himmelsmetall als etwas Heiliges. Schon vor über 3.300 Jahren ließ sich der berühmte Pharao Tutanchamun daraus einen Dolch fertigen, der aber weniger eine kriegerische Waffe war, als er vielmehr ein Symbol seiner gottgleichen Macht darstellte. Schließlich war er aus himmlischem Stahl gemacht. Im Ägyptischen Totenbuch ist dieses außerirdische Metall ebenfalls von Bedeutung. Daraus nämlich ließen die ägyptischen Hohepriester ein besonderes Werkzeug schmieden: Die Mundöffnungs-Deichsel. In einem heiligen Ritual öffneten man damit symbolisch den Mund der Mumie des Pharao, um einen Teil des Seelenleibes aus dem dahingeschiedenen Körper zu erlösen.

Zwar indirekt, doch auch hier wieder war Eisernes an einem Degenerationsprozess beteiligt. Gewiss könnte man darum behaupten: Nicht nur seinem physikalisch-chemischen Wesen nach versinnbildlicht Eisen den Wechsel zwischen Strukturierung und Verfall. Aus roter Erde gewonnen lässt es sich im Feuer zu härtestem Stahl schmieden, womit in unserer materiellen Welt Wichtiges gebaut, doch damit auch immer wieder zerstört wird, wie etwa durch stählerne Waffen von Panzern, Kanonen und anderem Kriegsgerät. Doch selbst die sanftesten der vier Elemente, Wasser und Luft, korrodieren das harte Eisen über die Zeit hinweg zu rotem Rost.

Stahlarbeiter – ewigeweisheit.de

Ein Stahl-Arbeiter in der Hochofenanlage des Stahlwerks Thyssen in Duisburg (Foto: Deutsches Bundesarchiv; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 3.0).

Die Geburt des Patriarchats

Wie Eingangs erwähnt, wirkt im Eisen der Erde ein marsianischer Kräftestrom. Als die Sonne vor 4.200 Jahren zu Frühling im Sternzeichen Widder aufging, überwog der Einfluss des Mars. Er nämlich ist der planetarische Regent des astrologischen Widders.

Die damalige Weltkultur stand unter dem Einfluss dieser marsianischen Regentschaft, die seitdem an Bedeutung sogar zunahm. Auch wenn heute viel grausamere Kriege geführt werden, sind sie jedoch nur Nachzügler dessen, was damals das astrale Bewusstsein unseres Planeten prägte: der Archetyp des Patriarchats.

Am Ende des Widder-Zeitalters strebte diese martialische Kultur auf ihren Höhepunkt zu. Alexander der Große eroberte weite Teile der damals bekannten Welt. Im 2. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Römer ihr großes Weltreich. Das war aber auch die Zeit, als man Begann Waffen aus norischem Eisen zu schmieden.

An der Bedeutung des Eisens aber, hat sich für die Menschheitskultur nichts geändert. Wir verwenden dieses "ambivalente Metall" überall: in Stahlbewährungen in Häusern, Strommasten, Bahngleisen, Fahrzeugen, Maschinen, Waffen, Smartphones, Computern, Telefonen, Essbesteck und in allen nur erdenklichen Werkzeugen. Alle samt werden aus oder mit Eisen- beziehungsweise Stahlteilen hergestellt.

Das Planetarische Gedächtnis des Mars

In dieser Hochphase der Eisennutzung, scheint sich jedoch das esoterische Wesen jenes alten Planetengeistes, im maskulinen Archetypus Mars allgegenwärtig zu manifestieren. Unser Nachbarplanet selbst aber, befindet sich gegenwärtig in einer Ruheperiode. Seine Oberfläche ist tiefgefroren – fast tot.

Gab es vielleicht einst aber Leben auf unserem Nachbarplaneten?

Im Jahr 1888 schrieb die russische Theosophin Helena P. Blavatsky dazu in ihrem Buch "Die Geheimlehre":

Über die aryanische Menschheit und ihre Ursprünge weiß die Wissenschaft ebenso wenig, als über die Menschen von anderen Planeten. Mit Ausnahme von Flammarion und ein paar Mystikern unter den Astronomen, leugnet man zumeist sogar die Bewohnbarkeit anderer Planeten. Hingegen waren die Gelehrten der frühesten Gesellschaften des aryanischen Stammes solch große Adept-Astronomen, dass sie weit mehr über die Gattungen auf dem Mars gewusst zu haben scheinen, als der moderne Anthropologe von jenen der frühen Stadien der Erde weiß.

Es wäre meines Erachtens nach jedoch unsinnig Überlegungen anzustellen, wie solche Wesen einer Marskultur wohl ausgesehen haben könnten. Denn sicher unterschieden sie sich von unserem Leben ganz und gar - innerlich wie äußerlich. Doch das Leben auf dem Mars bestanden haben könnte, ist durchaus anzunehmen. Denn wie man seit Längerem weiß, besteht die Mars-Atmosphäre zu 95% aus Kohlendioxid. Und da Kohlenstoff, wie auch Wasser, Voraussetzungen für biologisches Leben sind, könnte es vielleicht sein, das einst eine verheerende Katastrophe, alles Leben auf dem Mars auslöschte.

Man sagt das Leben auf der Erde kam aus dem Meer. Umso faszinierender darum, dass sich am Südpol des Mars ein riesiger Salzwasser-See befindet. Ist er der Überrest eines einstigen Meeres das vielleicht sogar große Teile des Planeten bedeckte?

Planet Mars – ewigeweisheit.de

Bläulich-weiße Wassereiswolken über den marsianischen Vulkanen von Tharsis.

Übergang in eine neue Zeit

Was wir über den Mars, seine Geologie und Atmosphäre wissen, ist der Tatsache geschuldet, dass die Menschen in den vergangenen 50 Jahren mehrere Dutzend Raumsonden auf den Weg zu unserem eisernen Himmelsnachbarn sandten. Als sich die erste Raumsonde 1962 auf den Weg dorthin machte, gab es in Deutschland weder Farbfernsehen, noch Home-Computer, geschweige denn Mobil-Telefonie. Nicht einmal den Geheimdiensten stand das zur Verfügung, was heute jeder in seinem Leben als Internetzugang voraussetzt.

Vor genau 3 Monaten nun, startete eine weitere Marsmission: die NASA-Raumsonde InSight, landete Ende 2018 auf dem Mars, um das Innere des Planeten zu inspizieren, doch auch Wetterdaten auf dem Mars auf die Erde zu senden. All das sind Vorbereitungen auf eine für 2030 geplante bemannte Mars-Mission.

Wenn sich unsere Erde als eigenes planetarisches Bewusstsein denken lässt (Gaia), ließe sich solche Vorstellung ebenso auf unseren Nachbarn Mars anwenden. Man könnte darum sagen, dass wir in unserer Verbindung zum Mars, den Fluss eines Kräftestroms in Gang gesetzt haben, dessen Auswirkungen wir bisher noch nicht kennen, meiner Meinung nach aber bereits deutlich spüren.

Es treibt uns Menschen die Neugier, selbst in die kosmischen Überwelten einzugreifen, um mehr über ihr inneres Wesen zu erfahren. Auch die vom mythischen Schmied Hephaistos erschaffene Pandora, war nur zu neugierig. Ihr Wissensdurst aber brachte nur Sorgen und Leid über die Welt. Scheinbar jedoch hat die menschliche Entdeckerfreude für den Mars, einen unsichtbaren Kraftstrom angezapft, dessen martialische Einwirkungen vielleicht stärker als denn je auf unseren Planeten Erde zurückwirken.

Das Eiserne Geschlecht

In diesem Augenblick wohl schauen Sie in den Bildschirm eines Computers oder Smartphones. Doch was Sie da vielleicht in Händen halten, wäre inexistent, wären die Vorgängermodelle seiner Bestandteile, nicht ursprünglich zu militärischen Zwecken entwickelt worden.

Der englische Mathematiker Alan Turing entschlüsselte mit riesigen Rechenmaschinen den Enigma-Code der Nazis, was einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg markierte. Er war einer der Urväter des heute allgegenwärtigen Internets, dass aber erst nach dem Ende des Kalten Krieges für die Zivil-Gesellschaft freigegeben wurde. Heute befriedigt es menschliche Neugierde mehr denn je.

Relation Erde / Mars – ewigeweisheit.de

Der Krieg ist der Vater aller Dinge.

- Heraklit

Vor 2.700 Jahren entwickelte der griechische Dichter Hesiod eine Anti-Utopie von einer finsteren Zukunft. In seinem monumentalen Gedicht "Werke und Tage", nannte er fünf Menschheitszeitalter, von denen das Eiserne das letzte ist:

Denn jetzt hauset ein eisern Geschlecht, das weder am Tage ausruhen wird von Mühen und Leid, noch während der Nachtzeit, völlig verderbt; auch senden die Götter noch lastende Sorgen. Trotzdem wird auch ihnen zum Bösen sich Herrliches mischen. Doch auch dieses Geschlecht hinfälliger Menschen vertilgt Zeus, wenn gleich nach der Geburt an den Schläfen die Kinder ergraut sind. Einig sind nicht mit dem Vater die Kinder, nicht dieser mit jenen; nicht mit dem Wirte der Gast, der Gefährte nicht mit dem Gefährten; nicht wird teuer der Bruder noch sein, wie einst er's gewesen ist.

Was Hesiod darin präsentiert, passt recht gut auf die Verfassung der Gegenwart. Auch wenn manche sich nach einem Ende dieser Welt sehnen oder gar als Hiobsbotschafter den Jüngsten Tag heraufbeschwören, scheint zumindest die Welt, wie sie unsere Urgroßeltern kannten, sich grundlegend zu verändern.

Neben der menschlichen Intelligenz, wächst gerade eine neue, global umspannende digitale Intelligenz, die schon in wenigen Jahren gescheiter sein wird, als die gesamte Menschheit. Bleibt zu hoffen, dass sie auch eine Schläue entwickelt, die hilft, aus unserem Planeten Erde, für alle Menschen einen besseren Ort zu machen.

Bei all den Endzeiterwartungen vieler Esoteriker steht fest: Nichts endet, ohne dass ihm ein Neuanfang folgt. Zeit ist zyklisch und nicht linear. Manches wiederholt sich zwar, doch immer auf neue Art. Der indische Weise Sri Yukteschwar schrieb hierüber von einem großen Zyklus von ungefähr 24.000 Jahren, an dessen Tiefpunkt wir uns gerade befinden: dem Kali-Yuga – dem "Zeitalter des Streits". Dieser dunklen Weltperiode aber wird wieder ein lichtvolles, goldenes Zeitalter folgen.

Matriarchat – Patriarchat – Lumenarchat

Vor einigen Jahren hatte ich die Ehre mit dem polnischen Philosophen Henryk Skolimowski (1930-2018) eine Unterhaltung über den Zustand unserer Weltgesellschaft zu führen. Skolimowski schilderte dazu eine sehr interessante Perspektive:

Wenn wir zurückblicken in die ferne Vergangenheit vor 7.000 Jahren, standen die Menschen unter dem Einfluss einer göttlichen Ordnung, wo Gerechtigkeit und Mitgefühl herrschten. Leider aber drängten manche Menschen in patriarchal geprägten Gesellschaften, die ursprüngliche Ordnung auf unserem Planeten zu missachten. Im Matriarchat galt ein "Leben und Leben lassen", was aber anscheinend dem patriarchalen Gedanken eines "Lebenmüssens" weichen sollte. Die patriarchal geprägte Weltgesellschaft aber hat uns Menschen offensichtlich die Voraussetzungen genommen, weiterhin ein gutes Leben zu führen. Doch ebenso unmöglich lässt sich das alte Matriarchat wieder einführen. Wohin also bewegen wir uns?

Vielleicht kann die Menschheit Matriarchat, Patriarchat und Anarchie transzendieren, um Licht als große kosmische Mutter zu vermitteln – als Quelle aller Energie und Nahrung. Das wäre die Geburt des Lumenarchats: dem Zeitalter des Lichts.

 

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Wir Kinder des Feuers

von S. Levent Oezkan

Ehrfürchtig verehrten die Urmenschen die übermächtige, Licht und Wärme spendende Sonnenscheibe. Ein durch Blitzschlag und Vulkanausbrüche entfachtes Feuer auf der Erde war für sie ein wunderbares Abbild des Sonnenfeuers. Um so heiliger muss es dem Urmenschen erschienen sein, als er zum ersten Mal selbst ein Feuer entfachte.

Auch wenn wir uns heute das Feuer längst dienstbar gemacht haben, übt der Anblick lodernder Flammen immer noch einen geheimnisvollen Zauber auf uns aus. Wie viel mehr musste das der Fall sein, wo Feuer noch etwas Seltenes war, wo man es an Gewitterbränden oder in Vulkankratern entzündet in die Siedlungen trug.

Der Urmensch ahnte im Feuer instinktiv ein mächtiges Lebensprinzip, das aus einer ihm unzugänglichen Sphäre heraus wirkte. In der Kultur der Ur-Indoeuropäer verkörperte Feuer das erste göttliche Wesen. Als der Mensch irgendwann das Feuer selbst entfachen konnte, war das der erste Kultusakt der Menschheit: eine Zeitenwende der urzeitlichen Zivilisation.

Mit jeder Landnahme errichteten die Ur-Indoeuropäer einen Feueraltar. Feuer war für sie, wie später für die iranischen Zarathustrier (auch: Zoroastrier), ein Medium durch das ihnen Offenbarungen der geistigen Welt zuströmten. Aus dem heiligen Licht seiner Flammen strahlte ihnen der höchste Gott Dyaus Pita entgegen - Allvater des strahlenden Himmels. In seinem Namen liegt der Ursprung der Blitze schlagenden Donnerers Zeus Pater, Ju-Piter und Deus Pater. Letzterer formte sich Jahrtausende später zum christlichen »Gott Vater«, dessen »Sohn Jesus Christus« sich bekanntlich ja auch als »Licht der Welt« bezeichnete.

In der indogermanischen Religion war Dyaus Pita ein hohes Lichtwesen, der mit Prittvi, der vedischen Mutter Erde, die Götter Surya, Ushas und Indra zeugte. Sie repräsentieren die himmlischen Lichtaspekte des Sonnenfeuers, der Morgenröte und des blitzenden Donners. Als charakteristische Verkörperung der irdischen Erscheinung von Dyaus Pitas trat ein weiterer Sohn Gottes zu Tage: Agni - vedischer Repräsentant des sakralen Feuers. In seinem Namen liegt der Ursprung des lateinischen ignis (Feuer).

Im Himmel geboren fuhr Agni in Gestalt eines Blitzes auf die Erde hernieder. Gemäß dem Rigveda wurde er durch den Feuerpriester Atharvan empfangen – einem der sieben Rishis, die nach der Sintflut vom Manu begleitet die Kulturtechniken auf der Erde hervorbrachten. Seinem Namen nach ist Atharvan mit Atar verwandt, dem Konzept des heiligen Feuers der Zarathustrier (Parsen). Im heiligen Licht Atars offenbarte sich Zarathustra's prophetische Berufung. Sowohl Atharvan wie auch Atar gehen aus der indoeuropäischen Wortwurzel athr hervor: das Feuer. Das ist auch der Ursprung des alt-griechischen Wortes Aither (deutsch: Äther): geistiger Sitz des Lichts, der Götter und der Gedanken.

Auch in Religionen außerhalb des indoeuropäischen Kulturkreises galt Feuer als Vermittler zwischen dem Menschen und den Göttern. Im Opferfeuer wurde die fromme Spende von den Flammen verzehrt und trug sich im Rauch verflüchtigend empor zu den himmlischen Göttern. So pries man das Feuer als vermittelnden Boten zwischen Mensch und dem Höchsten.

Die vedischen Hymnen betonen besonders die geistigen Fähigkeiten Agnis. Er wird dort als ein weiser, mit vorausschauender Klarsicht begabter Heiliger bezeichnet, der mit seiner schöpferischen Vorstellungskraft im Spiel der Flammen, zahllose kosmische und biologische Synthesen hervorbrachte.
So scheint Agni auch Vorbild für den Titanen Prometheus geworden zu sein – dem griechischen Genius und Töpferdämon der »nach seinem Bilde« den Menschen aus Ton formte, belebte und mit Denkkraft und Vorausschau begabte.
Dieser Titan war so stolz auf sein Schöpfungswerk, dass er sich am Liebsten selbst auf der Stufe des Höchsten (Zeus) gesehen hätte. Aus Furcht vor dem Rebell verbarg deshalb Zeus vor ihm und seinen Geschöpfen das Feuer. Doch mit größter List und Verschlagenheit gelang es Prometheus das Feuer zu stehlen und den Menschen zu bringen. Am solarischen Feuer der Himmelsschmiede entzündete er eine Doldenstaude (Narthex) die er brennend zu den Menschen am Fuße des Kaukasus trug. Im Zorn gebot Zeus seinem Sohn Hephaistos (römisch: Vulcanos) den Prometheus an den Kasbek anzuketten - einem hohen Vulkan im Kaukasus-Gebirge. Hephaistos erschuf auch Pandora, um dem bisher männlichen Menschenvolk eine Frau zu senden. Doch was aus ihrer Büchse über die Welt kam, waren Fluch und Tod, den die Menschen seit damals »im Schweiße ihres Angesichts« versuchten zu überwinden. Seit dieser Zeit wohl, hielt man in Griechenland die Mysterien der Demeter-Anesidora ab, wo Menschen in die Künste der Landwirtschaft, des Bergbaus und der Schmiedekunst eingeweiht wurden.

Es scheint als träfen sich hier Mythos und Geschichte, denn die Besiedelung vulkanischer Regionen (z. B. im Kaukasus) war in der Urzeit durchaus üblich. Unsere frühen Vorfahren konnten Feuer noch nicht selbst entfachen, sondern entzündeten in der Nähe von Vulkankratern trockene Pflanzen oder hielten einen durch Blitzschlag oder Vulkanausbrüche natürlich entstandenen Brand als Lagerfeuer am Leben. Außerdem wuchsen in der fruchtbaren, mineralstoffreichen Vulkanerde wahrscheinlich viele Pflanzen die den Steinzeitmenschen als Nahrung dienten. Erstarrte Lava gab auch wichtige Werkstoffe: das schwarze, vulkanische Quarzglas Obsidian war aufgrund seiner scharfen Bruchkanten bis in die Bronzezeit eines der wichtigsten Mineralien zur Herstellung von Keilen, Klingen, Pfeilspitzen und Schabern. Stellen wir die bereits damalige Nutzung von Quarzen ihrer gegenwärtigen Bedeutung gegenüber, so ist das darin enthaltene Silicium (chemisch setzen sich Quarze aus Siliciumdioxid-Molekülen zusammen) bis heute für den Menschen äußert wichtig geblieben, denn schließlich werden Informationen auf Siliciumbasis (Halbleitertechnik mit Siliciumkristallen) gespeichert und transportiert (mit Glasfaserkabeln und Glas bekanntlich ja amorphes Siliciumdioxid). An anderer Stelle werden wir auf den geheimnisvollen Einfluss des Siliciums auf die menschliche Zivilisation noch genauer eingehen.

Fest steht, dass die Umgebung von Vulkanen immer wichtige Siedlungsgebiete der Menschheit gewesen sein müssen, denn bis heute lebt ca. ein Zehntel der Weltbevölkerung im direkten Einflussbereich aktiver Vulkane.

Feuer und Zivilisation

Wenn der mythische Prometheus auf dem Olymp tatsächlich die Ursache der Blitze fand, so hat er diese Technik ganz sicher seinen Geschöpfen verraten. So konnte der Mensch irgendwann ohne den himmlischen Blitz selbst elektrische Kräfte entfachen, um damit ein Feuer zu entzünden. Dazu verwendeten unsere Vorfahren ein steinzeitliches »Feuerzeug«: ein Pyrit aus dem sie mit einem spitzen Feuerstein (Quarzkiesel) Funken schlugen, um einen Zunder zum Brennen zu bringen. Dieses leicht entzündliche Brennmaterial war meist ein in Urin getränkter, nachträglich aber getrockneter Baumpilz (z. B. Fomes fomentarius, »Zunderschwamm«). Damit konnte überall schnell ein Feuer entzündet werden.
Mit dem Feuers konnte der Mensch dann auch Nachts arbeiten, es in dunklen Höhlen entzünden, um von dort etwa wertvolle Mineralien und Erze ans Tageslicht zu befördern. So erhob er sich mit der Handhabung des Feuers über das Tier. Er wurde sesshaft und konnte seine Behausungen von den Bäumen auf die Erde verlagern, denn gefährliche Raubtiere und Insekten hielten sich vom Feuer fern. Es ist für uns heute kaum noch vorstellbar, was der Sonnenuntergang für die Urmenschen bedeutete. Bevor man Feuer handhaben konnte gab es besonders in Neumondnächten überhaupt kein Licht, man schlief in völliger Finsternis und war auflauernden Raubtieren somit hilflos ausgeliefert.

Mit der Meisterung des Feuers verfügte der Mensch jetzt auch über ein Mittel der Transmutation. Was zuvor nur die Sonne in einem langwierigen Prozess bewirkte, konnte durch Feuer viel rascher erreicht werden. Speisen und Fleisch wurden durch die Zubereitung mit Feuer einfacher verzehrbar und leichter verdaubar. Als unsere Vorfahren ihre Nahrung noch roh verzehrten, verbrachten sie täglich mehr als neun Stunden mit Essen. Zum einen weil sie die Nahrung sehr lange kauen mussten, um sie ebenso lange zu verdauen.

In der Evolution vom Homo Erectus zum heutigen Menschen verkleinerten sich mit der Verwendung des Feuers, über einen Zeitraum von etwa 2 Mio. Jahren, sowohl die Zähne als auch der Verdauungstrakt des Menschen. Die zuvor aufgewendete Energie für die Verdauung, verwendeten Evolutionsmechanismen nun zur Vergrößerung des Gehirns. Dies war der Aufgang einer neuen, denkenden Menschheit. Das war der Übergang vom Jäger- und Sammlertum zur Sesshaftigkeit und Domestizierung von Pflanze und Tier. Mit dem Feuer wurde der Mensch zum Schöpfer – wurde wie ein Gott!

Auch die Art der Herstellung von Gebrauchsgegenständen änderte sich mit der »Feuergabe«. Primitive Töpferkunst verwandelte sich in hochwertige Keramiktechniken. Mit der Entwicklung der Metallurgie, der späteren Kupfergewinnung durch Verhüttung, und der daraus entstehenden Schmiedekunst, sollte der Mensch schließlich die höchste Stufe seines Kulturschaffens erklommen haben.

Diego Velázquez (1599–1660): La Fragua de Vulcano

Die Schmiede des Vulcanos (Hephaistos) - Gemälde von Diego Velázquez (1599–1660)

 

Das blitzende Metall der Himmelsschmiede

Kehren wir noch einmal zurück zu den alten Mythen die sich um das Element Feuer drehen. Im Glauben der alten Griechen brachte die Göttermutter Hera als Jungfrau ihren Sohn Hephaistos zur Welt. Er sollte Gott und Schutzherr aller Schmiede, Metallurgen und Kunsthandwerker werden. Wegen seiner Hässlichkeit aber verstieß sie ihn vom leuchtenden Berg Olymp. Wie ein leuchtender Meteor stürzte er auf die Erde.

Auf der Erde wurde Hephaistos in einer Höhle von Nymphen aufgezogen. Sie brachten ihm den Umgang mit Feuer und den Metallen bei. Als Schmied der Götter und Helden erfand Hephaistos später den Hammer, den Amboss und die Zange. Damit schmiedete er aus Bronze den mythischen automaton und gab ihm den Namen Talon. Es war der »erste Roboter« der ihm und seinen Gehilfen, den Zyklopen, bei seinen Schmiedearbeiten behilflich war.

Raymond Monvoisin - Ninfas en el baño

Die Nymphen beim Bad - Gemälde von Raymond Monvoisin (1790-1870)

Für Zeus verfertigte Hephaistos eine magische Axt. Damit spaltete er das Haupt des Göttervaters und aus dem gespaltenen Kopf wurde die Weisheitsgöttin Athene in voller Rüstung geboren. Sofort verliebte sich Hephaistos in die schöne Zeustochter. Von Verlangen überwältigt kam sein Same auf die Erde und daraus erstieg der Zwitter Erichthonios. Er besaß den Oberkörper eines Menschen und den Unterkörper einer Schlange. Er war es der Rad, Deichsel und Wagen erfand.

Auch im Schamanismus war der erste Schmied himmlischen Ursprungs: ein Vorbild aller irdischen Helden und Herrscher, die in den Legenden der Mongolen und Tartaren, als legendäre Sänger und Poeten auftraten. Auch die alten Germanen verehrten einen Metallarbeiter: Odin - »der singende Schmied«.

Der große Gengis Khan wurde von seinen Zeitgenossen »Der Eisenarbeiter« (oder Schmied) genannt. Das liegt an seinem Kindernamen Temüjin – in dem zwei mongolisch-türkische Wörter enthalten sind: Eisen - temür, und Arbeit - jin.
Ein alter schamanischer Mythos der sibirischen Burjäten berichtet vom Gott Boshintoj. Er kam mit seinen neun Söhnen vom Himmel, um den Menschen die Kunst der Metallurgie zu lehren. Boshintoj kehrte bald darauf zurück, während seine Söhne auf der Erde blieben, da sie sich in die irdischen Töchter verliebten und Nachkommen mit ihnen zeugten. Das waren die Urahnen aller Schmiede.

Ähnliches findet sich auch in der biblischen Genesis:

Da sich aber die Menschen begannen zu mehren auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes nach den Töchtern der Menschen, wie schön sie waren, und nahmen zu Weibern, welche sie wollten. […] Es waren zu dieser Zeit auch die Nephilim auf Erden; denn da die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus Riesen in der Welt und berühmte Männer.

Genesis 6:1-2,4

Kain (wörtlich: Schmied), der erste Sohn Adams, hatte einen Sohn: Henoch. Laut den Büchern Henochs waren die oben erwähnten »Söhne Gottes« Rebellen wie auch der Titanensohn Prometheus einer war. Als Nachkommen des Seth, des dritten Sohnes von Adam (Genesis 4:25, 5:3), lebten sie auf dem Himmelsberg (vergl. Olymp) jenseits der Erde, jenseits der Nachkommen des Brudermörders Kain. Als sie nun die schönen Kainstöchter erblickten (»Töchter der Menschen«) stiegen sie vom Himmelsberg auf die Erde hinab und widersetzten sich damit dem Verbot Gottes. Darum wurden sie vom Himmel auf die Erde verstoßen (vergl. Hephaistos). Dort zeugten sie Nachkommen mit den Töchtern des Kain. Gemäß den Henochbüchern war ihr Anführer der Engel Azazel, der seinen Nachkommen verbotene Dinge und Himmelsgeheimnisse verriet, so wie ja der Prometheus beim Feuerraub seine Menschen.

Und Azazel lehrte den Menschen wie man Schwerter und Messer und Schilde und Brustplatten herstellt und zeigte ihnen die Metalle der Erde und die Kunst mit ihnen zu arbeiten und Kettchen und Ornamente und die Verwendung des Antimon, womit sich das Schminkzeug der Frauen herstellen ließ

1. Henoch 8:1

Lamech, ein Nachkomme Kains und Sohn des alten Methusalem hatte vier Kinder: Jabal war der Stammvater aller Nomaden und Viehhirten, Jubal Stammvater aller Harfen- und Flötenspieler, Tubal-Kain schmiedete die Geräte aller Erz- und Eisenhandwerker, Naama lehrte die Frauen sich schön zu kleiden, zu frisieren, zu schminken und wie sie mit ihren weiblichen Reizen in den Weinschenken für die Unterhaltung der männlichen Gäste sorgten.
Auf verschiedenen kulturellen Ebenen und der Völker der Erde existiert eine enge Verbindung zwischen Schmiedehandwerk, der Musik, dem Gesang, dem Tanz und den Initiations- und Geheimwissenschaften (Schamanismus, Magie, Heilkunst, etc.). Darum spielt Tubal-Kain eine zentrale Rolle in der Tempellegende der Freimaurer.

Ebenso gehören zu dieser Gruppe die Zigeuner. Seit alters her waren unter ihnen viele Schmiede, Handwerker, Musiker, Heiler und Wahrsager. Sie werden in alten Sanskrit-Texten mit den Dalits identifiziert, die man in Indien die »Unberührbaren« nennt. Sie sind außerhalb des indischen Kastensystems, gleichen »Ausgestoßenen«. Viele Schmiede und Musiker zählen in Indien zu den Dalits.

Vielleicht erklärt sich all das auch in der alten Furcht der Menschen vor den Schmieden. Mit Hilfe von Feuer und Metall wurden dort alle möglichen ungeheuren Dinge hervorgebracht. Schmieden befanden sich darum oft am Rande der Dörfer.Das heilige Schmiedehandwerk war und ist etwas Magisches. Alle Schmiede bewahren die Geheimnisse ihrer Zunft. Das ließ sie in vielen Kulturen, besonders in Afrika, zum Kulturheros aufstiegen. Ihr initiatorisches Wissen über den Umgang mit Feuer, Metall, Hammer, Zange und Amboss, wurde über unzählige Generationen verfeinert. Außerdem erhielten Schmiede, Metallurgen und Gießer über mehreren Jahrtausende die Tradition einer ganzen Gesellschaft, denn sie waren es die die Waffen, Werkzeug und Schmuck, die Kirchenglocken und Burgtore fertigten.

Mutter Erde und ihre Nachkommen

Cultura, das lateinische Wort für den Ackerbau, steht für die Techniken der Landwirtschaft. Die Kultivierung von Getreide erfordert aufmerksame Pflege und Schutz. Man kann Getreide nicht aussähen ohne es zu hüten, da es sonst von allen möglichen Tieren weggefressen wird. In alter Zeit mussten die Felder darum aufmerksam bewacht werden. Daher erklärt sich, dass Ackerbau und Sesshaftigkeit untrennbar miteinander verbunden sind.

Seit 8.000 v. Chr. wurde wild wachsendes Getreide wie Weizen, Gerste, Hirse und Reis allmählich domestiziert. Das heißt, über viele Generationen hinweg wurde die Nutzbarkeit der Samen durch Auslese verbessert. Zum ersten mal in der Geschichte der Menschheit wurde direkt Einfluss genommen auf die biologische Entwicklung von Pflanzen. In gewisser Hinsicht war das die Geburt der Biotechnologie und Gentechnik.

Durch die Optimierung des Getreidewuchses entstand mit der Lagerung landwirtschaftlicher Güter auch der Besitz. Die Wörter »Sesshaftigkeit« und »Besitz« enthalten beide ja auch das selbe Verb: »sitzen«.

Besitz erzeugt Gründe ihn zu schützen, wenn nötig auch zu verteidigen. Nicht zufällig war der alt-griechische Kriegsgott Ares (römisch: Mars) auch der Gott der Ackergrenzen!

Mit dem allmählichen Rückgang des Nomadentums und der zunehmenden Bedeutung des Getreide-Ackerbaus, kam es zu einer immer schnelleren Vermehrung der Bevölkerung. So entstanden die ersten großen Siedlungen. In der anatolischen Siedlung Çatalhöyük lebten zwischen 7.500 und 5.700 v. Chr. bereits um die 10.000 Menschen. Das war noch vor dem Beginn der Metallzeit. Werkzeuge und Waffen wurden in Çatalhöyük aus Obsidian hergestellt. Man beschaffte den Stein vom 190 km entfernten Vulkan Göllü Dağ (Zentralanatolien). Mit der Zunahme der Bevölkerung und dem damit einhergehenden Bedarf an Nahrungsmitteln, verbesserte sich auch das dazu verwendete Werkzeug.

Einen ganz wesentlichen Sprung in der Menschheitsentwicklung machte um das 4. Jahrtausend v. Chr. die georgische Kura-Araxes-Kultur (benannt nach den Flüssen Kura und Araxes). Sie waren die ersten die Werkzeuge und Waffen aus Kupfer und Bronze verfertigten. Besonders die Nutzung bronzegefertigter Sicheln, Hacken und Pflügen, vermehrten die landwirtschaftliche Produktion um ein Vielfaches. Der dadruch immer weiter zunehmende Besitz bildete ein festes Fundament für die Formierung einer einheitlichen Gemeinschaft und politischen Gesellschaft. Das erforderte die Existenz von Anführern, woraus sich das Königtum entwickelte. Was einst Ackergrenzen als Einflussbereich von Herrschern markierten, sollten später einmal die Grenzen zwischen Staaten werden.

Erze: Kinder der Erde

Die Orte aus denen Menschen Erze geborgen haben, waren häufig vulkanischen Ursprungs. In geologisch aktiven Gebieten dringt in die Erdkruste Magma ein, das einen hohen Anteil an wertvollen Metallen besitzt. Bei der Abkühlung des Magmas kommt es zur Auskristallisierung dieser Minerale - so entstanden unterirdische Erzlagerstätten. Metallerze und Reinmetalle wie etwa Gold, doch auch Edelsteine, darunter Smaragde und Rubine, wachsen aus dem steinigen Boden hervor - werden über viele Millionen Jahre daraus geboren. Drum nannte man im Altertum solche Gesteinsareale Petri Genitrix: »fruchtbare Felsen«. Diese subterranen »Kinder der Erde«, so glaubten die alten Feuermeister, würden dort von Erdgeistern, Genien und Devas gehütet werden. Ein Schmelzer warb deshalb um die Gunst dieser Wesenheiten. Aus Respekt vor den Erdgeistern war die Senkung einer neuen Mine immer mit einem religiösen Ritus verbunden. Bei den Germanen glaubte man, »Meister Hömmerling« (ein Poltergeist) könnte durch das Grubenwerk der Bergleute gestört werden und aus Zorn einen Erdrutsch auslösen. Man wollte die Wesen des Erdreichs darum stets günstig stimmen. Darum holte der Bergmeister das Erz aus der Mine ganz sorgsam hervor, und beförderte es ebenso ehrfürchtig in den Schmelzofen.
Für die Bergleute war das Erz wie ein Embryo im Uterus der Erdmutter. Der Schmelzofen war wie eine Gebärmutter, worin die »Reifung des Metalls« erfolgte und darin seine Schwangerschaft vollendete. Metallurgie ist darum eine Art Geburtshilfe.
Die Hitze des Ofens war der Ersatz für die Hitze im Erdinnern. Darin reifen die Erze um auf der Erde zu kristallisieren. Erz und Embryo sind magisch miteinander verbunden. Im Schmelzvorgang sag man eine Frühgeburt, weshalb man abergläubisch tatsächliche Embryos, meist von Tieren, in die Schmelze warf um so den Vorgang magisch zu beschleunigen.

Die Verhüttung von Metallen ist bereits sehr alt; das belegen über 10.000 Jahre alte archäologische Funde aus Anatolien und dem Iran. Ab 7.500 v. Chr. wurde im mesopotamischen Uruk bereits Kupfer verarbeitet. Ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich höheres Wissen über die Metallverarbeitung wahrscheinlich zuerst im Kaukasus-Gebirge Georgiens. In der Antike besaß Georgien die wichtigsten Metall- und Erzlagerstätten der Welt. 
Im Land vom »Goldenen Vlies«, dem alten Kolchis (»Reich des Aietes«), gab es eine Fülle an Goldvorkommen. Hier lebte eine hoch entwickelte Gesellschaft, die wegen ihres Goldes über großen Reichtum verfügte und einem gotterwählten König unterstand. Solch ein König war auch der Sohn des Sonnengottes Helios: Aietes von Kolchis. Das west-georgische Kolchis war für die alten Griechen die ferne Goldquelle am Schwarzen Meer. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Appian (90-160 n. Chr.) gewannen die alten Kolcher mit Hilfe von Schaf- oder Widderfellen den goldhaltigen Sand aus Flussläufen des kaukasischen Phasis (heute: Rioni). Dazu legten sie zottige Felle ins Wasser und fingen die kleinen Goldteilchen auf.
Möglicherweise ist das eine Erklärung für den Ursprung des Mythos vom Goldenen Vlies, wofür sich die Argonauten vor mehr als 3.000 Jahren in das sagenhafte Goldland von Kolchis begaben. Das Goldene Vlies befand sich laut Mythos an einer Eiche befestigt im Hain des Ares. Ein Drache bewachte den Ort. Der Held Jason tötete das Reptil und nahm das heilige Widderfell an sich. Wie der griechische Mythos weiter berichtet, erhielt der finstere König Aietes vom Himmelsschmied Hephaistos zwei feuerschnaubende Stiere aus Bronze. Das Goldene Vlies lag zwar bereits in Jasons Händen, doch Aietes ließ ihn nicht eher gehen, bevor er nicht mit diesen Stieren einen dem Ares geweihten Acker pflügte. Darein sollte er die Zähne des getöteten Drachen sähen. Laut Mythos ersprossen aus den Zähnen Krieger, die in schwere Rüstungen aus Bronze gekleidet waren.

Diese Geschichte zwingt zur Vermutung, dass die feuerschnaubenden Stiere des Hephaistos und die ausgesäten Drachenzähne Symbole antiker Technologie sind, um aus der Erde Erze zu gewinnen bzw. diese Erze in hochwertige Metalle (Kupfer) zu verwandeln. In der Alchemie symbolisiert der Drachen den Ausgangsstoff zur Herstellung des Steins der Weisen, d. h. ein Agens zur Verwandlung eines unedlen Stoffes, in diesem Fall Erz, zu etwas hochwertigem: das Edelmetall Kupfer.

Da nun im Osten Georgiens, am Großen Kaukasus, bereits zwischen dem 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. große Mengen an Kupfererz abgebaut und verhüttet wurden, scheint die Behauptung, das es sich bei der Argonautensage auch um die Schilderung einer Initiation in die Metallurgie handelte, nicht ganz unwahrscheinlich. Denn von Georgien aus kam metallurgisches Wissen über Anatolien nach Ägypten und Griechenland, später nach Mitteleuropa und England, wo die hohe Kunst der Metallverarbeitung weiter verfeinert wurde.

Und Wir haben das Eisen herab gesandt

Eisen, das stärker als jedes Metall ist,
In des Gebirgs Talgründen,
Vom flammenden Feuer bezwungen,
Unter der Hand des Hephaistos zerschmilzt auf der heiligen Erde;
So denn schmolz von der Lohe des flammenden Feuers die Erde.

Aus der Theogonie des Hesiod

Hesiods Gedicht beschreibt einen heftigen Waldbrand in dem ein Eisenklumpen schmilzt. Es kann sich dabei nur um Meteoreisen handeln. Das er eine zufällige Reduktion von Eisenerz beschreibt ist sehr unwahrscheinlich, denn so hätte es schon nach kurzer Zeit zu rosten begonnen. Wegen des hohen Nickelanteils (ca. 5-20 %) in Meteoreisen bleibt eine Korrosion aber aus. Schon vor der eigentlichen Eisenzeit, wurde überall auf der Erde meteoritisches Eisen zur Herstellung von Kultgegenständen, Werkzeugen und Waffen verwendet und wegen seiner großen Seltenheit, war es sogar wertvoller als Gold!

Dem Menschen bot das himmlische Eisen schon vor Jahrtausenden einzigartige Vortrefflichkeit, denn es war das härteste aller Metalle. Im alten Sumer (Mesopotamien im 3. Jahrtausend v. Chr.) nannte man es an-bar, das »Feuer aus dem Himmel« oder urudu-an-bar das »Kupfer des Himmels«. Auch die Hethiter (2. Jahrtausend v. Chr. in Kleinasien und alten Syrien) kannten es als ku-an.
Im mesopotamischen Ur, dem Geburtsort Abrahams (Genesis 11), entdeckte man um 3.100 v. Chr. einen Königsdolch aus Meteoreisen mit goldenem Griff – 2.000 Jahre vor der Eisenerzeugung aus Erz! Wenn Tubal-Kain (»Tubal der Schmied«), ein Nachkomme Kains, der etwa um diese Zeit gelebt haben könnte, in Genesis 4:22 als Eisenhandwerker erwähnt wird, so verfertigte er Kultgegenstände und Waffen aus Meteoreisen, da man zu dieser Zeit die Eisenerzverhüttung noch nicht kannte.

Die Hebräer nannten Eisen parzil, die Assyrer barzillu - »Metall Gottes« oder »Himmelsmetall«. Das es sich um etwas Himmlisches handelt, das bestätigt auch der bis heute in Georgien verwendete Name für Meteoreisen: tsis-natckhi – »himmlisches Bruchstück«. Auch im alt-ägyptischen Namen bj-n-pt für das »Eisen des Himmels« sind die Wörter bj, der Blitz und pt, Himmel, enthalten. Es ist gut möglich dass in Ägypten, wo es sehr selten regnet, in ferner Vergangenheit nicht wirklich unterschieden werden konnte zwischen Blitz, Donner und Meteoriten. Auffällige, blitzartige Lichterscheinungen am Himmel, die von lautem Prasseln und Donnern begleitet waren, wurden mit wetterbedingtem Blitz und Donner wahrscheinlich gleichgesetzt. Vielleicht fand man nach solchen Blitzeinschlägen manchmal an den Stellen schwarze Steine oder schwere Meteorklumpen, was die Alten wohl als eine Botschaft der Götter auffassten. Solche himmlischen Objekte lieferten das Material aus dem heilige Werkzeuge hergestellt wurden: so etwa das Werkzeug für das alt-ägytische Mundöffnungsritual der Mumie (siehe Abb.).

Abbildung aus dem Ägyptischen Totenbuch des Hunefer (ca. 1.300 v. Chr.). Das in der Mitte abgebildete Werkzeug aus Meteoreisen, wird an den Mund des verstorbenen Pharao geführt (cc).

Donnerschlag und Blitzerscheinung waren immer schon die stärksten Kräfte in der Natur. So glaubten die schamanischen Medizinmänner oder keltischen Hohepriester, dass durch die ungeheuerliche Kraft eines Blitzes das aufzusprengen wäre, was der Tod verhüllte. Man glaubte Totes durch die magische Kraft der Elektrizität lebendig machen zu können. Blitz, Donner, Meteore und himmlisches Eisen galten darum lange Zeit als Ausdruck göttlicher Aktivität. Das zeigt sich auch im blitzenden Hammer des germanischen Gottes Thor. Er besaß ebenso blitzende Donnerwaffen wie der griechische Zeus oder der indogermanische Diyaus Pita.

Magische Waffen des Sagenhelden Siegfried oder des König Artus, wurden sehr wahrscheinlich aus Meteoreisen verfertigt. Auch geschichtliche Helden und Eroberer wie der Hunnenkönig Attila († 453) oder Timur Lenk (1336-1405 – Timur ist vom türkischen Temür abgeleitet, das Wort für »Eisen«), besaßen aus Meteoreisen geschmiedete »Himmlische Schwerter«. Auch die arabischen Kalifen führten Schwerter aus Meteoreisen in der Hand.

Und Wir haben das Eisen herab gesandt. In ihm ist starke Gewalt und Nutzen für die Menschen –, damit Allah kennt, wer Ihm und Seinen Gesandten im Verborgenen hilft.

Aus der Sure »Der Stern« (Al Najm)

Manche Legenden behaupten dass der heilige Stein der Kaaba in Mekka, von Abraham aus einem 1.100 km östlich von Mecca befindlichen Meteoritenkrater in die heilige Stadt gebracht worden sei. Dieser Schwarze Stein der Kaaba soll aus extraterrestrischem Silikat-Glas bestehen, worin Meteoreisen eingeschlossen ist. Vermutlich handelt es sich dabei um ein Bruchstück des Meteoriten der vor ungefähr 6.000 Jahren im saudi-arabischen Wabar niederging. Über dieses Ereignis scheinen viele arabische Poeten geschrieben zu haben. Sogar der Koran erwähnt diesen Ort als das »Iram der Säulen«: eine Stadt die in verschiedenen Fabeln (Märchen aus 1000 und einer Nacht) manchmal als das Atlantis des Sandes erwähnt wird, das wegen der Bösartigkeit seines Königs einem »Himmelsbrand« zum Opfer fiel.

Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den 'Âd verfuhr, jenen Bewohnern der Stadt Iram, mit den emporragenden Säulen, dergleichen in keiner Stadt sonst errichtet worden waren? Und mit den Thamûd, die Felsen zum Bauen ins Tal brachten? und mit Pharao, dessen Heerscharen seine Herrschaft wie Pfähle stützten? Sie trieben maßlos in den Städten ihr Unwesen und richteten viel Unheil an. So überhäufte dein Herr sie mit peinvoller Strafe. Dein Herr beobachtete alles genau.

Aus der Sure »Die Morgendämmerung« (Al Fajr)

Wir können davon ausgehen, dass schon die Urzeitmenschen, lange vor der Neusteinzeit und Bronzezeit, kleinere Stücke aus Meteoreisen als Werkzeug bei sich trugen. Meteoreisen war das beste Metall das zu damaliger Zeit ohne Verhüttung zur Verfügung stand. So besaßen die Urmenschen eine Eisenlegierung die alles überragte was bis 1890 an Metallgegenständen industriell hergestellt werden konnte!

Erst seit den 1920er Jahren wurde viel Geld ausgegeben, um einen der größten Metall-Meteoriten in der Geschichte der Erde zu untersuchen: der Canyon Diablo (»Teufelsschlucht«). Der ca. 300.000 Tonnen schwere Eisenmeteorit hat einen der größten und berühmtesten Krater in der Wüste von Arizona hinterlassen. In den Bruchstücken die man bis heute fand, kam auch eine besondere Substanz vor, die man bis zum damaligen Zeitpunkt auf der Erde noch nicht als chemische Substanz kannte: Siliciumcarbid – heute synthetisch hergestellt, wird diese Silicium-Verbindung als Halbleiter in Leuchtdioden verwendet.

Fortsetzung folgt

 

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