Koran

Die Wunder des Koran

Die Wunder des Koran

Die Suren des Koran bergen eine ganz wesentliche Kraft, deren Verse an Dichtkunst und Aussagekraft weit über dem stehen, was jemals in arabischer Sprache hervorgebracht wurde. Wenn es außerdem heißt, dass der Prophet Mohammed ein Analphabet war, dürfte sich einer noch mehr über die in den Suren enthaltenden Phänomene wundern.

Ob Reim, ob Wortwahl oder Stil: Der Originaltext des Korans gilt als sprachliches Wunder. Auch wenn es heute verschiedene Übersetzungen ins Deutsche gibt, bleiben es dennoch nur Übersetzungen. Wer aber des Arabischen mächtig ist – oder auch nur Kenntnis besitzt über die Inhalte und den Klang der Rezitation der bekanntesten Suren – den soll das heilige Buch der Muslime wahrlich bezaubern.

Sprich: Wenn sich die Menschen und die Dschinnen vereinigten, um etwas zu erschaffen, was diesem Koran ähnlich ist, so werden sie es nicht können, selbst wenn sie einander eifrig dabei unterstützen würden.

– Sure 17:88

Dieser, folgender und andere Verse belegen im Koran die Einzigartigkeit dieser heiligen Schrift:

Oder wollen sie etwa behaupten: »Er hat ihn erdichtet?« Sprich: »Dann bringt doch eine Sure bei, die ihm ähnlich ist, und ruft, wenn ihr die Wahrheit sagt, an, wen immer ihr außer Allah zu Hilfe nehmen könnt!«

– Sure 10:38

Zwar vollbrachte Mohammed als Prophet keine Wunder, wenn aber Moses die Teilung des Meeres vollbrachte, Jesus Christus Wunderheilungen und Totenerweckungen, so war das Wunder des Propheten des Islam (as), die Übermittlung des Koran. Dabei ist es durchaus bemerkenswert, dass zur Mohammeds Zeiten nur wenige Versuche unternommen wurden, die Verse des Koran zu imitieren oder gar zu parodieren. Alle Nachahmer schienen frustriert aufgegeben zu haben, da ihnen einfach nicht gelang, sowohl die Aussagekraft wie auch den Stil der Reime und Prosa in gemeinsamer Wirkkraft nachzuahmen. Vielen Übersetzern gilt das heilige Buch der Muslime darum als unübersetzbar, wo die Reime die Suren doch auf ganz einzigartige Weise gliedern, worin einzelne Namen und Wörter zu einem besonderen Rhythmus bei der Rezitation der Sätze führen. Kein Wunder, dass man etwa auch als deutschsprachiger Muslim, darum allein die arabischen Suren auswendig zitieren lernen muss, um sie im Pflichtgebet (Salaat) und bei der Anrufung Gottes (Dua) aufzusagen. Des Korans arabischer Wortlaut ist also für die Gläubigen von fundamentaler Bedeutung.

Die Zahl 19 im Koran

Laut des ägyptischen Forschers Rashad Khalifa (1935-1990) bildet die Zahl 19 einen geheimen Schlüssel im heiligen Buch des Islam. Ausgehend von folgendem Vers, untersuchte er den Koran und fand zu sehr vielen Erscheinungen dieser eigenartigen Zahl:

Neunzehn (Engel) sind (als Hüter) über sie gesetzt.

– Sure 74:30

Tatsächlich kam Khalifa zu bemerkenswerten Ergebnissen in seinen Untersuchungen, von denen hier nur einige wenige (von wahrscheinlich mehr als vierzig weiteren) aufgeführt werden sollen:

Der Vers »Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes« (arab. بسم الله الرحمن الرحيم ) besteht aus 19 Buchstaben und steht als Eröffnung vor jeder der insgesamt 114 koranischen Suren (= 6 x 19 Suren). Die von Mohammed zuerst geoffenbarte Sure (96) beginnt mit 19 Wörtern und auch die letzte offenbarte Sure (110) besteht aus 19 Wörtern, wie auch deren erster Vers aus 19 Buchstaben besteht.

Koranische Prophezeiungen und ihre Erfüllung

An vielen Stellen des heiligen Buchs der Muslime werden zukünftige Ereignisse verlautbart. Zwar gelten die meisten davon als Metaphern, während andere buchstäblich das meinen, was man da liest. In der vierten Koran-Sure heißt es etwa:

[...] Ich (Satan) will wahrlich von Deinen Dienern einen bestimmten Teil nehmen; [...] (und) will sie aufreizen, und sie werden Allahs Schöpfung verunstalten. [...]

– Sure 4:118f

Das ließe sich wohl deuten als die gegenwärtige Genmanipulation, die in der Pflanzen und Tierwelt schon Gang und Gäbe ist, was gegenwärtig auch schon teilweise mit dem menschlichen Genom getan wird.

Ein weiteres Beispiel könnte der Hinweis auf die persischen Sassaniden sein, die im Jahre 613 in der Schlacht von Antioch das byzantinische Heer schlugen. Da die Muslime jedoch mit dem christlichen Byzanz sympathisierten, waren sie darüber äußerst bestürzt. Doch Byzanz sollte zu einer Revanche ausziehen und die Perser dabei schlagen. Darauf verwies der Koran hin in Sure 30:2ff:

Besiegt sind die Byzantiner im nahegelegenen Land. Aber sie werden, nachdem sie besiegt worden sind, siegen in wenigen Jahren. Allahs ist die Herrschaft vorher und nachher – und an jenem Tage werden die Gläubigen frohlocken.

So erfüllte sich die Koran-Prophezeiung im Jahre 627.

Zu den wichtigeren Zitaten die in die Zukunft weisen, zählen sicher aber jene die auf das Fortbestehen des Koran hinweisen. Aus ihnen wird deutlich, dass das heilige Buch der Muslime Bestand hat, wie etwa in der 98. Sure mit dem Titel »Der klare Beweis«, worauf wir an anderer Stelle eingehen wollen.

 

Die Wohlverwahrte Tafel

Die Wohlverwahrte Tafel

Die Kosmologie der man in Al-Ghazalis Werk begegnet, basiert auf der Vorstellung der Existenz dreier Welten. Was darin jeweils geboren wurde, wird seine entsprechende Welt mit dem Tod wieder verlassen.

In der ersten Welt, Al-Mulk, dem Königreich, befinden sich alle die mit ihren fünf Sinnen die irdische Welt bewusst wahrnehmen, aus der sie mit ihrem Tod einen verstorbenen Leib zurücklassend scheiden.

Die esoterische, geistige Welt, heißt Al-Malakut. Sie liegt über dieser, physisch manifestierten Welt. Darin halten sich die Dschinn und die Engel auf. Diese Welt ließe sich in etwa vergleichen mit der von Platon formulierten Welt der Ideen, mit Urbildern also, die in die geschaffene Welt projiziert, dort Strukturen bilden, die der Mensch dann auch wahrzunehmen vermag.

Unter den Engeln aber befinden sich Auserwählte, die sich nun in der dritten Welt von Al-Dschabarut aufhalten. Diese Welt bildet das Zentrum inmitten der beiden anderen Welten, wo die Welt von Al-Mulk, die Welt von Al-Malakut umgibt. Laut Al-Ghazali ist das die Welt der Cherubim, die den Thron Gottes tragen, vielleicht zu vergleichen mit dem, was die jüdische Mystik die Merkaba nennt, dem Reich des göttlichen Angesichts. Wenn hier die Rede ist von einem Thron der getragen wird, so impliziert das ja eine Bewegung. Was sich da bewegt ist ein Wort, indem wiederum das Wort »Weg« enthalten ist, was entsprechend auf das arabische Wort »Dschabarut« verweist, das wörtlich übersetzt »Brücke« bedeutet. Über diese Brücke von Al-Dschabarut nämlich gelangen die Befehle aus dem göttlichen Logos (arabisch »Al-Amr«) in die Welt.

Licht des göttlichen Logos

Was wir eben mit Al-Dschabarut als das Zentrum der materiellen und der geistigen Welt einführten, von dort aus strahlt der göttliche Logos in die manifestierte Welt. Sie ist der Aufenthaltsort dessen, was der Islam die »Wohlverwahrte Tafel« nennt: »Al-Lahul Al-Mahfudh«:

Vielmehr ist es ein ruhmvoller Koran auf einer Wohlverwahrten Tafel.

- Sure 85:21f

Wie sich diesem Vers entnehmen lässt, existierte seit aller Ewigkeit ein nicht-manifester Koran. Prophet Mohammed (as) empfing die göttliche Offenbarung, in den Versen des irdischen Koran, als Abbild der Al-Lahul Al-Mahfudh, der Wohlverwahrten Tafel. Dazu schrieb Al-Ghazali in seinem ethischen Werk »Die Wiederbelebung der Wissenschaften von der Religion«, arabisch »Ihya Ulum Ad-Din«:

Alles das Gott vom Anfang bis zum Ende der Welt verordnet hat, ist in einem der von ihm geschaffenen Dinge unveränderlich festgehalten, was manchmal bezeichnet wird als »Die Tafel«, manchmal als »Das Deutliche Buch«, manchmal als »Die Deutliche Richtschnur«, wie es der Koran bekundet im 79. Vers der 15. Sure: 'Beide sind eine klare Richtschnur.'

Das der Islam offenbar eine Prädestination allen Seins voraussetzt, darauf könnte folgender Vers hindeuten:

Wir erwecken die Toten zum Leben und schreiben auf, was sie getan haben und was sie hinterlassen haben; alles haben wir in einem deutlichen Buch aufgezählt.

- Sure 36:12

Was in solch »deutlichem Buch« von den Engeln notiert wird, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit den Ereignissen eines starren Lebenslaufs, der jedem Menschen vorgezeichnet ist. Eher meint das eine Bestimmung im Leben, die eben nicht jedem deutlich vor Augen steht. Stattdessen hüllen zahlreiche Irrtümer ihr wahres Wesen. Und was da die mystische Sicht auf den eigentlichen Lebensweg verhüllt, sind falsche Grundannahmen, die sich als Angst, Zorn, Neid und weitere solcher schlechten Eigenschaften äußern. Doch das verhüllt den eigentlichen Lebensweg eines Menschen.

In Al-Ghazalis Ihya Ulum Ad-Din heißt es dazu:

Glaube nicht, dass diese Tafel aus Holz, aus Eisen oder aus Knochen ist, oder die Seiten dieses Buches aus Papier oder Pergament sind. Allerdings du musst ein für alle Mal verstehen, das diese Tafel keiner stofflichen Tafel gleicht und dieses Buch keinem stofflichen Buch gleicht, eben so, wie sein (Gott) Wesen und seine Eigenschaften nicht dem Wesen und den Eigenschaften erschaffener Lebewesen gleichen. […] Die Art und Weise wie die (göttlichen) Gebote in der Tafel festgelegt sind, gleichen auswendig gelernten Worten und Zeichen des Koran, die jemand aus seinem Verstand zu erinnern vermag. Es ist in seinem Verstand so verzeichnet, als würde es beim Rezitieren vor ihm sichtbar erscheinen. Und doch: solltest du seinen Verstand ganz genau durchsehen (können), würdest du darin nicht ein einziges Zeichen der Schrift (Koran) finden. Auf eben diese Weise musst du verstehen, dass alles was Gott entschieden und verordnet hat, diese Tafel darstellt.

Al-Ghazali vergleicht die Wohlverwahrte Tafel mit einem Spiegel, der die Formen reflektiert. Stellte man diesem, jedoch noch ein anderer Spiegel gegenüber, würden auch dessen Form darin reflektiert, es sei denn, ein Schleier dazwischen verhüllte ihn. Damit klingt das an, was wir oben sagten über die menschlichen Verfehlungen, die als Irrtümer das überdecken, was den eigentlichen, den wahren Lebensweg eines Menschen erkennen ließe.

Tabula Smaragdina – ewigeweisheit.de

Die Tabula Smaragdina (Smaragdtafel) des Ur-Alchemisten Hermes Trismegistos (alt-ägyptischer Gott Thoth) wurde immer wieder mit der im Koran besprochenen »Wohlverwahrten Tafel« gleichgesetzt (Suren 22:70, 57:22, 85:21-22). Auch mit dem, was die Anthroposophie als »Akasha-Chronik« bezeichnet, scheint ein Zusammenhang zu bestehen.

Das Herz, einem Spiegel gleich

Auch das spirituelle Herz (Qalb), von dem an anderer Stelle bereits die Rede war, besitzt die Eigenschaften eines solchen Spiegels. Sofern das Herz rein ist und unbefleckt, da sich sein Träger in seinem Handeln nicht wider seine eigenen guten Absichten und vor Allem nicht gegen Gott stellte, vermag sich darin esoterisches, göttliches Wissen zu reflektieren. So jemand kann hernach in seinem Intellekt (Aql) von eben jener »Wohlverwahrten Tafel« entsprechende Erkenntnisse empfangen.

Wenn das Herz (aber) befangen ist mit Lüsten und sinnlichem Verlangen, fällt da ein Schleier, der die Sicht auf die Tafel schützt, welche ja in die Welt von Al-Malakut gehört. Lüftet diesen Schleier aber eine (sprichwörtliche) Brise, blitzt da im Spiegel des Herzens ein Funkeln auf, aus der Welt von Al-Malakut.

- Aus Al-Ghazalis »Ihya Ulum Ad-Din«

Und dieses »Funkeln« gleicht einem flüchtigen Blick in die geistige Welt Al-Malakuts. Das ist ein Moment besonderen Erkennens, das jemand in seinem Herzen, als tatsächlich richtungsweisend erleben dürfte. Es gleicht dieser spirituelle Vorgang einem Gewahrwerden des göttlichen Logos (arabisch »Amr«), durch den in der geschaffenen, materiellen Welt, jene Abbilder zum Widerschein gebracht werden, die als göttliche Archetypen verzeichnet sind, auf eben dieser Wohlverwahrten Tafel, Al-Lahul Al-Mahfudh. Auch der Mensch, der solcher Art Einsicht bekommt, sieht als Reflexion alle auf der Wohlverwahrten Tafel verzeichneten Urbilder schimmern. Sein geistiges Herz (Qalb) vermag darum die wahre Essenz des Seins zu erkennen. Und diese Erkenntnis steuern drei Faktoren:

  • Der Intellekt bildet den Spiegel des Herzens, der das Wesen der Dinge reflektiert,
  • das Verstehen entspricht dem Spiegelbild dieser Dinge und schließlich
  • die Intelligenz: sie entspricht dem eigentlichen Vorgang der Reflexion in diesem Spiegel.

Der Geist verhält sich wie der Spiegel, der Intellekt wie seine Politur. Je weniger persönliche Makel den Intellekt eines Menschen beflecken, desto eher reflektieren sich in seinem Herzen die Symbole, Zeichen und Begriffe, die von jener Tafel als heilige Offenbarungen ausgehen. Solange das spirituelle Herz aber unfähig bleibt wahres Wissen zu erlangen, kann sich darin auch nichts widerspiegeln. Und das rührt her von der Unentschlossenheit eines Menschen, sich etwas höher Geistigem hinzugeben und seien es schlicht Zweifel an der Existenz der geistigen Welt.

Sind wir Menschen aber nicht in diese Welt geboren worden, um uns dieser Fähigkeit zur spirituellen Reflexion bewusst zu werden? Sollte das der Fall sein, ließen sich da wohl auch jene Wegweiser enthüllen, an denen wir den eigentlichen Sinn unseres Daseins auf Erden angedeutet fänden.

Alchemie des Glücklichseins

Um die Voraussetzungen für eine solche Klärung des geistigen Herzens zu schaffen, entwickelte Al-Ghazali eine praktische Vorgehensweise. Sie beschreibt er in seinem Buch »Kimiya As-Saada« – »Das Elixier der Glückseligkeit«. Er leitet den Leser darin an, in seinem menschlichen Werdeprozess auf einen Weg zur Erkenntnis seines wahren Selbst zu gelangen. Letztendliches Ziel auf diesem Wege ist die Gotterkenntnis:

Wer sich selbst erkennt, erkennt Allah.

Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, ja doch genau zu wissen wer man ist. Man weiß ja in der Regel wo und wann man geboren wurde, welchen Namen man trägt, welche Vorlieben man hat und so weiter. Da das aber alles äußerliche Eigenschaften sind, meinen sie nicht das Selbe, was auf die Frage nach dem eigenen Dasein und der darin zu erfüllenden Rolle, beantwortet werden muss. Es empfiehlt sich darum zu erkennen, über welche Wege man geschaffen wurde, und sei es zuerst einmal in der Kenntnis über die eigenen Ahnen. Hierüber vielleicht ließe sich herausfinden, wenn auch nicht sofort ganz eindeutig, wofür man auf dieser Erde wandelt und welche Ziele man auf seiner Lebensreise ansteuern kann.

Wer sich aber schon auf diese Reise begeben hat, der beginnt vielleicht zu empfinden, auf welche Art sich ein damit verbundenes, den eigenen Wünschen entsprechendes Glück äußert und in dieser Wahrnehmung könnte man sich fragen:

Womit kann ich sicherstellen, auf diesem Weg zu wahrer Freude zu finden, für mich und zum Wohle anderer?

Was beklage ich im Leben, worunter leide ich und wie kann ich weiteren Kummer vermeiden?

Was sind meine größten Schwächen?

Welche negativen Eigenschaften drängen mich zu unüberlegtem Handeln oder lassen mich Wichtiges vernachlässigen?

Hierzu muss man natürlich ganz und gar ehrlich zu sich sein und das ist nicht immer einfach. Jede der dabei aber anklingenden Besonderheiten, ganz gleich ob Stärken oder Schwächen, lassen sich immer aus zwei Blickwinkeln betrachten, so dass manche Stärken Schwachpunkte aufweisen können, doch ebenso aus jeder Schwäche eine ihr innewohnende Kraft hervorgebracht werden kann. Sicher spannen diese Fragen mitunter riesige Bewusstseinsbereiche auf, worin man sich mit jeder Antwort erst einmal vertraut machen muss. Al-Ghazali aber beschreibt ganz passend dazu vier Bereiche, in die sich jene Antworten zu diesen Fragen einordnen lassen. Zu diesen Bereichen aber bringt ein Mensch, vielleicht schon seinen natürlichen Veranlagungen gemäß, besondere Eigenschaften und Fähigkeiten mit:

Tierische Eigenschaften drängen den Menschen Tag und Nacht dazu für sein Essen und sein Trinken zu sorgen.

Jeder Mensch hat in sich auch die eine oder andere Form von grausamen Eigenschaften (bei manchen mehr, bei anderen kaum), die ihn in bestimmten Situationen wahrlich wild auftreten lassen, und er anderen dann auch wirklichen Schaden zufügen kann.

Wenn man bei Al-Ghazali dann über die »Dämonischen Eigenschaften« eines Menschen ließt, könnte man das leider missverstehen. Denn sicher ist da wohl eher das gemeint, was der griechische Philosoph Sokrates meinte, wenn er von seinem »Daimonion« sprach. Es sind damit Wirkungen verbunden, die den Astralleib bilden – einen feinstofflichen Teil des Körpers, der durch die astrologischen Voraussetzungen einen Menschen, ihm schon mit der Geburt spezielle Begabungen verleiht. Wenn die Seele aus der geistigen Welt in den irdischen Bereich von Werden und Vergehen hinabsteigt, hüllt sie sich bereits im himmlischen Bereich des Astralen, in dieses unsichtbar-sternartige »Fahrzeug«, dessen Formen sich auch der physische Körper im Mutterleib angleicht. Bis ans Ende der Pubertät dann ist dieser Vorgang der Anpassung abgeschlossen. Bei manchen aber nun, so Al-Ghazali, kann die Präsenz dieses geisterhaften, dämonischen Körpers im Vordergrund stehen, so dass sie auf ihren Träger manipulative oder gar schwindlerische Eigenschaften übertragen. Doch durch die dabei unweigerlich gemachten Erkenntnisse, kann ein Mensch letztendlich doch auf den Weg zur Vollendung finden.

Ist man zu guter Letzt mit engelgleichen Fähigkeiten ausgestattet – was sicher nur die wenigsten zugeben werden – erscheint man als wahrer Gottesverehrer, der Tag und Nacht beflissentlich versucht, dass Angesicht Gottes zu schauen. Doch dann nicht aus Selbstgenügsamkeit, sondern als wissender Adept, der nichts anderes will, als nur auch anderen zur Erleuchtung zu verhelfen.

 

Sure Al-Fatiha im Koran

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten (1)
Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen (2),
Dem König am Tage des Gerichts. (3)
Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. (4)
Führe uns den geraden Weg (5),
Den Weg derjenigen, denen Du Deine Gunst erwiesen hast, (6)
Nicht derjenigen, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden! (7)

Amen

 

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ

(الْحَمْدُ للّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ (١
(الرَّحْمـنِ الرَّحِيمِ (٢
(مَالِكِ يَوْمِ الدِّينِ (٣
(إِيَّاكَ نَعْبُدُ وإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ (٤
(اهدِنَــــا الصِّرَاطَ المُستَقِيمَ (٥
(صِرَاطَ الَّذِينَ أَنعَمتَ عَلَيهِمْ  (٦
غَيرِ المَغضُوبِ عَلَيهِمْ وَلاَ الضَّالِّينَ (٧)‏

آمين‎

Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

Al-hamdu li-llahi rabbi-l-'alamin (1)
Ar-rahmani-r-rahim (2)
Maliki yaumi-d-din (3)
Iy-yaka na'budu wa iy-yaka nasta'in (4)
Ihdina-s-sirat  al-mustaqim (5)
Sirata-lladhina an'amta 'alaihim (6)
Ghayri-l-maghdubi 'alaihimwa-la-d-dalin. (7)

Amin

Bedeutungen der Al-Fatiha

Man nennt die erste Sure Al-Fatiha auch den "Anfang einer Sache", etwas mit dem begonnen wird. Es heißt, der Prophet Mohammed (as) erhielt die Offenbarung dieser ersten Sure des Koran, vor der Hidschra - seiner Flucht aus Mekka nach Medina. Damit gilt sie manchen als mekkanische Sure (wie etwa dem Cousin des Propheten und einem der ältesten Koran-Exegeten: Abd Allah ibn Abbas), während sie andere als medinische Sure ansehen. Wieder andere verbinden beide Formen und sagen, sie sei Mohammed (as) sowohl in Mekka als auch in Medina offenbart worden. 

Diese Sure Al-Fatiha aber gilt manchen als die erste Sure, die Mohammed (as) in einem Mal offenbart wurde. Auch wird sie auf arabisch genannt "Fatihat-ul-Kitab", "die Eröffnende des Buches", das heißt also, die den Koran eröffnende (arab. Fatihat-ul-Quran) Sure, als quasi Einleitung oder Vorwort zum heiligen Buch. Man nennt sie auch die "Umm-ul-Kitab", die Mutter des Buches oder "Umm-al-Koran", die Mutter des Koran, folgen aus ihrer Eröffnung ja alle weiteren Suren. Sie steht jedoch auch für die Fähigkeit, den Glauben eines Menschen zu öffnen. Denn sie vermag dem Sucher die Schlüssel zum Wissensschatz dieser heiligen Schrift zu überlassen.

Die Sure Al-Fatiha ist auch der Anfang der täglichen fünf Pflichtgebete. Vor jeder Verbeugung und Niederwerfung (Raka) wird zu Anfangs die Al-Fatiha rezitiert. Alle anderen Gebets-Suren folgen ihr. Ihre Verse (Ayat) bilden Chiffren zur Eröffnung des Korans, des Gebets und damit, wie Muslime glauben, zum Guten an sich. Manche nennen die Al-Fatiha daher auch den "Diamant-Schlüssel", der die Tore zu den lichterfüllten Vorhöfen des Thrones Gottes eröffnet (entsprechend der sogenannten Merkaba der jüdischen Mystik). Mit dem Rezitieren der geheimnisvollen Verse der Al-Fatiha, soll alle Finsternis weichen und das Leben des Gläubigen mit dem Licht Allahs ausgeleuchtet werden.

Und es gibt noch einen weiteren Namen dieser Sure: Al-Kafiyya, "die genug Ausreichende", werden ihren Versen doch wichtige Antworten auf die Fragen der Menschheit zugeschrieben, wie etwa Dank, Schutz, Gerechtigkeit, Allmacht, spirituelles Königtum, Dienerschaft, Endzeit, Anfang, Hilfe, Rechtleitung, Irren, Wohlwollen, Zorn.

Al-Fatiha bildet das Fundament, "Al-Asas", des gesamten Buches, bezug nehmend auf ihre Funktion als Grundlage zum Verständnis des Koran überhaupt. Manche sehen in der Al-Fatiha darum eine Art Synthese des Koran, da sie alle metaphysischen und eschatologischen Wahrheiten (Wissen über den Jüngsten Tag) umfasst. Sie hilft dem Gläubigen als Richtschnur und ruft in sein Bewusstsein all das, was für seine Lebensrealität von Bedeutung ist.

In seinen täglichen fünf Gebeten, spricht der gläubige Muslim die Al-Fatiha 17-mal. Als erste Sure eröffnet sie dabei nicht nur den gesamten Text des Heiligen Koran, sondern wird auch am Anfang des rituellen Gebets (As-Salat), vor jeder Niederwerfung rezitiert, wäre es doch ohne die Rezitation der Al-Fatiha ungültig. Darauf verweist ein wichtiger Hadith (Ausspruch des Propheten Mohammed):

Der Prophet Allahs sprach, "Wer immer sein Gebet verrichtet ohne die Sure Al-Fatiha zu rezitieren, dessen Gebet ist gegenstandslos."

- Sahih al-Bukhari 756:10:150

Damit also ist die Al-Fatiha das zentrale Element jeden Gebets und ist von wichtigster Bedeutung im islamischen Gebet überhaupt. Sie wird aber auch zu vielen anderen Anlässen rezitiert, um etwa am Ende eines Bittgebets (Dua), dieses mit dem Segen Allahs zu versiegeln.

Herkunft des Namens Al-Fatiha und ihre Bedeutung für Koran und Gläubige

Das Wort الفاتحة Al-Fatiha hat seine Wurzel im arabischen فتح Fatah, das sowohl bedeutet etwas zu eröffnen, zu öffnen oder aber zu enthüllen und dabei zu erklären. Auch die Schlüssel die das Schloss eines Schatzes verschließen, nennt man Fatah. Hiermit ließe sich daher noch einmal unterstreichen, dass diese Sure gewiss als Zusammenfassung des gesamten Korans interpretiert werden könnte, da all die mit dem Wort Fatah zusammenhängenden Bedeutungen, das Wesen des Heiligen Buches umreißen. Aus diesem Grund wird die Sure Al-Fatiha auch gerne vor oder nach anderen, besonderen Koranversen (Ayat) rezitiert.

Al-Fatiha besteht aus sieben Versen (Ayat), 25 Wörtern und 113 arabischen Buchstaben (siehe oben). Diese sieben Verse sind ein Gebet, um von Allah Rechtleitung, Ordnung und Gnade zu erbitten.

Ein universales Gebet

Die Al-Fatiha teilt sich in zwei Hälften, die jeweils das Menschliche und Göttliche ansprichen. Sie wird als solche sowohl in alltäglichen Situationen, als auch zu verschiedensten besonderen Anlässen gebetet. Dazu gehören auch Geburten, Eheschließungen oder Todesfälle, wo man die Al-Fatiha zu Ehren der gemeinten Menschen rezitiert. Auch auf Grabsteinen findet man Hinweise auf diese Sure verzeichnet, versehen mit der Inschrift "Ruhuna fatiha", die einen Besucher bitten, die Al-Fatiha im Namen der Seele (Ruh) des Verstorbenen zu rezitieren.

Ihre Verse geben außerdem die wichtigsten Bereiche islamischer Dogmatik wieder und sind damit eine praktische Einführung in den koranischen Text. Die Verse der Al-Fatiha weisen hin auf:

  • den Lobpreis Allahs (Vers 2),
  • Allahs Barmherzigkeit (Verse 1 und 3) und
  • ist ein Hinweis auf das Kommen des jüngsten Tages (Vers 4).

Im Abendland empfand man die Al-Fatiha immer als besonders "christlich". Darum wurde sie des Öfteren auch als islamisches Äquivalent zum Vaterunser gewertet. In einem der Hadithe (Spruchsammlung des Propheten Mohammed) heißt es, dass wer die Al-Fatiha liest, es so sei, als hätte er zwei Drittel des gesamten Korans gelesen.

Nach der Ausrichtung nach Mekka (der Qibla) spricht der Betende:

Allahu akbar - Gott ist (unvergleichlich) groß.

Dann beginnt er im Stehen die Rezitation der Fatiha in arabischer Sprache. Er äußert damit ein Gotteslob und drückt danach aus, dass allein bei Allah die Zuflucht eines Menschen zu finden sei.

Es heißt nun, dass diese Sure von einem der Gefährten des Propheten Mohammed (as) in dessen Gegenwart rezitiert wurde und dieser darauf zu ihm sprach:

Durch Ihn, in dessen Hand meine Seele ist, war eine ähnliche Offenbarung wie diese, weder in der Tora, noch im Evangelium, noch in den Psalmen oder noch sogar selbst im Koran mit inbegriffen.'

Al-Fatiha steht damit für sich und ganz unabhängig von allen heiligen Schriften, die im Islam von Bedeutung sind (wie eben jene hier angeführten, vier heiligen Bücher).

Die Al-Fatiha als Heilmittel

Diese Sure gilt als Heilmittel gegen körperliche und auch geistige Beschwerden. Al-Fatiha nennt man daher auch die "Asch-Schifa'a", wörtlich "die Heilung" oder "Ar-Ruqya", das Heilmittel. Es heißt der Prophet Mohammed (as) sagte über ihre Verse:

Die Eröffnung des Buches (Koran) ist ein Heilmittel gegen alle Gifte.

Eine alte Überlieferung aus den Hadithen des Al-Bayan berichtet, wie einer der Gefährten des Propheten Mohammed (as) einen Kranken, der an einem Schlangenbiss litt, durch die Rezitation der Sure A-Fatiha heilte. 

Es ist die Al-Fatiha, die die Beziehung zwischen Allah und den Menschen lehrt. In ihr werden Eigenschaften dieser Beziehung dargelegt und durch das Aussprechen dieser Sure, und der damit einhergehenden Klärung dieses Verhältnisses, soll im Menschen eine heilsame Wirkung ausgelöst werden.

Ein anderer Hadith erzählt die Geschichte eines Gefährten des Propheten Mohammed (as). Er nämlich rezitierte die Sure Al-Fatiha, um damit ein Stammesoberhaupt zu heilen, den der Stich eines Skorpions vergiftete:

Während wir uns auf einer unserer Reisen befanden, ließen wir uns nieder, als uns ein Mädchen begegnete und zu uns sprach: Unser Oberhaupt wurde von einem giftigen Skorpion gestochen und keiner unserer Männer ist hier ihn zu heilen. Könnte ihr ihm wohl helfen? Einer von uns ging also mit ihr zu ihm. Doch keiner von uns wusste, ob er wisse, wie man so eine Vergiftung heile. Er aber rezitierte etwas und der Kranke wurde auf wundersame Weise geheilt. Zum Dank gab er uns dreißig Schafe und Milch. Als er wieder in unserer Mitte stand, fragten wir ihn: Fandest du eine geheime Formel, die du zu ihm sprachst, so dass er so schnell geheilt werden konnte? Darauf gab er zur Antwort: Nein. Alles womit ich ihn behandelte, war die Rezitation der Mutter des Buches (Umm-Al-Kitab, also Al-Fatiha). Darauf sprachen wir: bitte erzähle niemandem davon, bis wir zurückkehren und den Propheten fragen können. So erreichten wir also wieder Medina und erzählten von dem Wunder dem Propheten, auch um zu erfahren, ob das großzügige Geschenk des Oberhaupts an uns (die dreißig Schafe) recht- oder unrechtmäßig war. Doch der Prophet sprach: Woher wusste er, dass er sie (die Sure Al-Fatiha) als Heilmittel verwendet werden kann? Verteilt den Lohn den er euch überließ unter euch und überlasst auch mir etwas davon.

- Muhammad Al-Bukhari, Sahih Al-Bukhari

Es soll auch auf einen weiteren Ausspruch des Propheten Mohammed (as) hingewiesen werden, der einmal seinen Gefährten Jabir ibn Abd Allah fragte:

'Soll ich dir eine Sure beibringen, die im gesamten Koran keiner anderen gleicht?', worauf dieser antwortete: 'Ja, und mögen meine Eltern Lösegeld für dich sein, oh Prophet Allahs.' Also lehrte ihn Mohammed die Sure Al-Fatiha. Dann fragte Mohammed (as): 'Jabir, soll ich dir etwas über diese Sure erzählen?' Jabir antwortete: 'Ja, und mögen meine Eltern Lösegeld für dich sein, Gesandter Allahs.' Darauf sprach Mohammed (as): 'Sie ist ein Heilmittel für jede Krankheit außer dem Tod.'

Imam Dschafar Ibn Muhammad Al-Sadiq, der sechste der Zwölf Imame sagte einmal, das man den Schmerz einer Person heilen könne, wenn man diese Sure 70-mal an eben jenem schmerzenden Teil des Körpers rezitiere. Es heißt sogar, dass die Kraft dieser Sure so groß sei, dass wenn einer sie entsprechend oft über einen toten Körper rezitiere, sich dieser Körper auf übernatürliche Weise in Bewegung setzte.

Die Eröffnende und die Beschließende

Wie wir sehen konnten, genießt die Al-Fatiha den wichtigsten Stellenwert im Glauben der Muslime. In all ihren Bestandteilen ist sie eine wunderbare Einführung in den koranischen Text. Im Pflichtgebet rezitiert, ist sie als solche auch eine Aufforderung ihre Verse tiefgründig ‎wahrzunehmen, zumal sie dem Gläubigen in seinem Leben eine deutliche Richtung weisen soll, die ihn in seinem Leben zu Wohlergehen führt. Als solche Sure sollen sich dem Betenden dabei große Ideale des Menschseins offenbaren, als Manifeste der Gerechtigkeit und Großzügigkeit Allahs.

 

Sure An-Nas im Koran

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Sprich: Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn der Menschen, (1)
Dem König der Menschen, (2)
Dem Gott der Menschen, (3)
Vor dem Übel des Einflüsterers, der entweicht und wiederkehrt, (4)
Der den Menschen in die Brust einflüstert, (5)
Unter den Dschinn und den Menschen. (6)

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ

(قُل أَعوذُ بِرَبِّ النّاسِ (١
(مَلِكِ النّاسِ (٢
(اله النّاسِ (٣
(مِن شَرِّ الوَسواسِ الخَنّاسِ (٤
(الَّذى يُوَسوِسُ فى صُدورِ النّاسِ (٥
مِنَ الجِنَّةِ وَالنّاسِ (٦)‏

Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

Qul audhu bi-rabbi an-nas (1)
Maliki an-nas (2)
Ilahi an-nas (3)
Min scharri al-waswasil chanas (4)
Alladhi yu waswisu fi suduri an-nas (5)
Min al-dschinnati wa an-nas. (6)

Bedeutungen der An-Nas

An-Nas ist die 114. und letzte Sure des Heiligen Koran, dem Buch der Muslime. Ihre Verse sind kurz. Dem Propheten Mohammed (as) wurde sie in Mekka offenbart, das heißt, während den Anfängen der islamischen Religion. Auch wenn diese Sure heute den Abschluss des Koran bildet, zählt sie zu den ersten Suren, die Mohammed (as) in Mekka geoffenbart wurden.

Sie beginnt mit der Erwähnung Allahs, als "Herrn der Menschen". Dem folgen die Anrufungen als "richtendem König der Menschen" und "anbetungswürdigem Gott der Menschen".

Als letzte Sure des Heiligen Koran ist sie gewissermaßen die Antwort auf das Gebet der Al-Fatiha, der ersten Sure des heiligen Buches. Diese Antwort leitet den Gläubigen dazu an zu beten, um sich von den Einflüsterungen (Waswasa) des Schaitan zu schützen.

Herkunft des Namens der Sure An-Nas

Der Titel dieser Sure bedeutet "Menschen", "Leute" oder eben auch "Menschheit". Mit der 113. Sure Al-Falaq, bildet sie die Al-Muawwidhata: das Paar der beiden Schutzsuren.

Wirkungen der Rezitation der Sure An-Nas

Diese Sure fordert den Betenden auf, bei Allah vor den Einflüsterungen Schaitans Zuflucht zu suchen, wie auch vor üblen Einflüssen durch Dschinnen (Genien) und Menschen. Das gilt im Übrigen ebenso für die eigenen schlechten Gedanken, Gefühle und Wünsche, vor denen man in der Sure An-Nas Zuflucht bei Gott sucht.

Wie gesagt, hilft sie dem Betenden, gemeinsam mit der 113. Sure Al-Falaq, sich gegen üble Einflüsse zu schützen. Die Sure Al-Falaq schützt gegen üble Einflüsse von Außen, die Sure An-Nas schützt gegen alles Übel, dass im Innern eines Menschen aufsteigt. Diese inneren Übel sind etwa jene Gedanken

  • die den eigenen Glauben schwächen,
  • die einen Menschen an sich, am Leben und an anderen zweifeln lassen,
  • die die heiligen Schriften in Frage stellen, oder
  • die einen zu schlechten oder bösen Taten verleiten.

Insbesondere wichtig ist die Rezitation dieser beiden Suren (Al-Falaq und An-Nas) abends vor dem Einschlafen und morgens vor dem Aufstehen.

Als ich mich mit Mohammed (as) auf einer unserer Reisen befand, sprach dieser zu mir: 'O Uqbah! Möchtest Du nicht lieber reiten?' Ich aber fürchtete mich, denn es hätte ja als Ungehorsam aufgefasst werden können. Doch Mohammed (as) setzte ab und so kam es, dass ich für eine Zeit lang ritt. Dann ritt er wieder und sprach: 'O Uqbah! Wäre es angebracht, wenn ich dir zwei Suren beibrächte, die besten Suren, die jemand rezitieren kann?' Da sagte ich, 'Mohammed, natürlich!' Also lehrte er mich diese Verse: 'Ich suche Zuflucht beim Herrn der Morgendämmerung' und fügte hinzu, 'Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschheit.' Dann ertönte der Gebetsruf, als Mohammed (as) vorausging, um den Gläubigen vorzubeten. Da rezitierte er diese Verse im Gebet. Danach lief er an mir vorüber und sprach: 'Du solltest wissen, O Uqbah: rezitiere diese beiden Suren, wann immer du zu Bett gehst und wann immer du am Morgen dein Nachtlager verlässt.

- Imam Ahmad über Uqbah bin Amir

Wer diese Sure rezitiert, schützt sich vor den üblen Einflüssen der Dschinnen, vor Schmerz und auch vor schwarzer Magie.

- Aisha bint Abu Bakr

Mohammed (as) versuchte sich vor dem Bösen Blick der Dschinnen und der Menschen zu schützen. Als Gott ihm aber die Muawwidhata (zwei Schutzsuren) offenbarte, verwendete er diese um sich vor diesen Einflüssen und auch vor allem anderen Übel zu schützen.

- Abu Said

Diese Sure ist also gewissermaßen eine Medizin für die menschliche Seele. Denn sie hilft einem Menschen, sich vor den offenbaren und verborgenenen Einflüsterungen des Schaitans zu schützen.

 

Die Siebenschläfer und der Herr des Sirius

von S. Levent Oezkan

Siebenschläfer - ewigeweisheit.de

Die Legende der "Männer der Höhle" oder "Siebenschläfer", ist im Westen seit frühchristlicher Zeit bekannt. Besonders aber Muslimen ist sie wichtig, erwähnt sie doch der Koran, in der 18. Sure Al-Khaf – "die Höhle".

Aus welcher Zeit die Geschichte aber tatsächlich stammt ist unbekannt. Es besteht jedoch Anlass zur Vermutung, dass sie sich im Zeitraum zwischen dem 3. und 7. Jhd. n. Chr. in Kleinasien ereignete beziehungsweise dort wiederholte.

Mit den Siebenschläfern sind sechs Jünglinge gemeint, die ein Schafhirte mit seinem Hund zu einem Versteck in einer Höhle führte. Sie alle waren Christen.

Viele Jahre zuvor, hatte der aus Tarsus stammende Apostel Paulus die Botschaft der christlichen Evangelien in Kleinasien verbreitet. Doch immer noch zwang man die Bürger des römischen Reichs, ihre Kaiser als Götter zu verehren und ihre Götzenbilder anzubeten. Wer sich etwa zum jungen Christentum bekannte, wurde verfolgt, gefoltert und hingerichtet.

Die Legende von der lästigen Fliege

Sechs junge Edelmänner genossen die Gunst des römischen Kaisers Decius (201-251 n. Chr.). Eines Tages saßen sie mit Gästen am Hofe des Kaisers zu Tisch, als diesen plötzlich eine lästige Fliege störte, die sich von ihm auch nicht verscheuchen ließ.

Nicht verjagen sie die Fliege.
Sie umschwärmt ihn, sticht und irret
Und verwirrt die ganze Tafel,
Kehret wieder wie des hämischen
Fliegengottes Abgesandter.

- Goethe, West-östlicher Diwan

Kaiser Decius, der sich ja selbst als Gott bezeichnete, aß und trank jedoch wie ein Mensch und geriet wegen einer kleinen Fliege in Zorn – verlor fast den Verstand. Die klugen Jünglinge sahen darin aber ein Zeichen des erhabenen Weltenschöpfers: das Insekt war ein Abgesandter des Teufels. Sie wussten: die frohe Botschaft, die der Heiligen Paulus verkündete, war die einzig wahre Religion. Im Koran heißt es dazu:

Unser Herr ist der Herr der Himmel und der Erde. Außer ihm werden wir keinen anderen Gott anbeten, sagten wir sonst doch etwas Unrechtes.

- Sure 18:14, Al Khaf, die Höhle

Sieben Heilige in der Höhle

Für ihren Glauben gaben die Edelmänner ihre hohen Stellungen auf und verzichteten auf alle Vorzüge ihres weltlichen Lebens am Hofe des Kaisers. Also entsagten sie dem Götzendienst und bekehrten sich zum Christentum. Doch weil darauf die Todesstrafe stand, mussten sie fliehen. Auf ihrer Flucht trafen sie auf einen Hirten, den ein eigenartiger Hund begleitete. Das Tier ließ sich nicht verscheuchen, wollte sein Herrchen nicht verlassen. Es schien als erfülle der Hund eine "höhere Pflicht", die darin bestand, die sieben Heiligen zu begleiten.

Der Hirte kannte die Gegend hier sehr gut und führte die Edelmänner in eine geräumige Höhle, die sich im Berg Encülüs befindet, 12 km nord-westlich der südanatolischen Stadt Tarsus, nahe des Dorfes Dedeler (deutsch: "Großväter"). Dort versteckt, beteten die Jünglinge gemeinsam zu Gott:

Unser Herr, gewähre uns Barmherzigkeit von Dir aus und bereite uns einen Weg in unserer Sache.

- Sure 18:10, Al Khaf, die Höhle

Kaiser Decius aber machte ihren Aufenthaltsort ausfindig. Auf seinen Befehl hin wurden sie dort im Jahre 251 n. Chr. eingemauert. Das aber war auch das Todesjahr des Kaisers.

Und der Fürst, dem sie entflohen,
Liebentrüstet, sinnt auf Strafen,
Weiset ab so Schwert als Feuer,
In die Höhle sie mit Ziegeln
Und mit Kalk sie lässt vermauern."

- Goethe, West-östlicher Diwan

Die sieben Heiligen fielen in einen tiefen Schlaf. Laut Koran, schliefen sie in der Höhle 309 Jahre lang. Ihr Hund aber lag wachend am Eingang.

Du könntest sie für wach halten, doch sie schlafen; und wir werden sie auf die rechte Seite und auf die linke drehen, während ihr Hund seine Vorderpfoten auf der Schwelle ausstreckt. Hättest du sie so erblickt, würdest du dich gewiss vor ihnen zur Flucht kehren und wärest mit Grauen vor ihnen erfüllt.

- Sure 18:18, Al Khaf, die Höhle

Gewiss erinnert die Sitzhaltung des Hundes, der "seine Vorderpfoten auf der Schwelle ausstreckt", an den alt-ägyptischen Schakal Anubis – dem heiligen Wächter des Totengerichts. Der Schakal, als Verwandter des Hundes, war im alten Ägypten das Tier, dass man mit der westlichen Wüste assoziierte. Im Westen aber geht die Sonne unter, weshalb diese Himmelsrichtung seit Alters her mit dem Tod in Verbindung gebracht wird. Dort in der Unterwelt leben die Seelenführer, die in der alt-ägyptischen Mythologie eben Hunde, Schakale oder Wölfe verkörpern.

Siebenschläferhöhle – ewigeweisheit.de

Blick aus der Höhle der Siebenschläfer in Dedeler, in der Nähe der alten Stadt Tarsus (Türkei).

Das Erwachen der Siebenschläfer

Lange nachdem die sieben Heiligen in der Höhle entschlafen waren, stieß ein ansässiger Bauer auf die Höhle, deren Eingang jene alte Mauer versperrte. Er aber wollte sie als Schaftstall nutzen und entfernte darum das alte Mauerwerk. Doch da erschien den Heiligen in der Höhle, der Erzengel Gabriel und erweckte sie nach ihrem hunderte Jahre langen Schlaf. Jener Erzengel war es auch, der dem Propheten Mohammed (as) die heiligen Verse des Koran eingab. Wenn Gabriel nun, auch diese sieben Förderer der Christenheit erweckte, ist es wohl kaum verwunderlich, dass Muslime von Jesus (dem Propheten Isa ibn Maryam) mit Achtung sprechen.

Einer dieser sieben Heiligen auf jeden Fall, verließ die Höhle, um für sich und seine Gefährten Brot zu holen. Er aber fand sich selbst in der Fremde und traf auf dem Weg niemanden den er kannte. Einem Bäcker gab er eine seiner Silbermünzen, die noch eine Prägung mit dem Bild des Kaisers Decius besaß. Erstaunt darüber kamen mit dem Bäcker die Bürger des Ortes zur Höhle und fanden dort alle Heiligen lebendig. Sie erschraken aber über ihre furchterregende Erscheinung, strahlten ihre Gesichter doch hell wie das Licht der Sonne. Dann aber fielen sie erneut in tiefen Schlaf, woraus sie jedoch nie mehr erwachten.

Gemäß einer anderen Version der Sage, schliefen die sieben Heiligen dort 172 Jahre lang und erwachten im 4. Jhd. in der Regierungszeit des Kaisers Theodosius. Als der Bauer jene Mauer entfernen ließ, kamen die Heiligen zum Vorschein und segneten Kaiser und Bischof, und legten vor ihnen Zeugnis ab, über die Worte des Heiligen Paulus. Dann aber entschliefen sie erneut.

Siebenschläferhöhle – ewigeweisheit.de

Das Sternbild Großer Bär (Großer Wagen).

Astrale Geheimnisse der Siebenschläfer-Legende

Seit alter Zeit assoziierte man die sieben Sterne des Großen Bären (Großer Wagen) mit den Heiligen der Siebenschläfer-Legende. Dieses Sternbild dreht sich unentwegt um die Pol-Achse des Nordhimmels, geht also nicht auf und unter, wie etwa die 12 Sternbilder des Tierkreis. Da sie also dort stets um den Polarstern kreisen und zu jeder Jahreszeit sichtbar sind, sah man in ihren Lichtern, die Entsprechungen jener sieben christlicher Helden, die dereinst wieder erwachen, um auf Erden zu erscheinen.

Die Höhle galt den Weisen des Altertum als gleichnishaftes Bild des Weltalls. Hier weihte man die Initianten in die heiligen Mysterien ein. Die Fackeln die am Höhlengrund flackerten, standen dort an Stelle der Sterne. So war die Höhle ein inneres Weltzentrum der Einweihung. Damit kann die Höhle der Siebenschläfer durchaus als Allegorie auf den Himmel gesehen werden.

Im Mittelalter wurde die Sage der Siebenschläfer dann auch mit der Artuslegende assoziiert. Vom legendären König Artus (dessen Name bedeutet im alt-keltischen "Bär", artos) glaubte man, dass er niemals starb, sondern mit sieben seiner treuesten Ritter in einer Höhle schläft, von wo aus er dereinst wiederkehren soll.

Der Hundsstern Sirius – ewigeweisheit.de

Die Sure Al-Nadjm, "der Stern", nennt Allah (Gott) den Herrn des Sirius (Sure 53:49).

Ursprünge und Deutung

Die Legende der Siebenschläfer könnte aber sehr wohl älter sein, als die christliche oder islamische Überlieferung. Wahrscheinlich liegen ihre Ursprünge im buddhistischen oder hinduistischen Kulturkreis. Vielleicht kam die Legende später durch die alt-persische Religion der arischen Zoroastrier in den Westen (vergl. Matthäus 2). Auch in Nordeuropa war die Geschichte schon lange bekannt, bevor man sie mit jenen sieben Heiligen assoziierte. In frühchristlicher Zeit erzählte man sie darum vielleicht einfach neu.

Wenn es in Sure 18:18 nun heißt, dass "sie auf die rechte Seite und auf die linke sich drehen", lässt sich daraus ein astrales Geheimnis ablesen: das Wenden nach Rechts und Links steht für die Bewegung der Planeten. Sie sind eben keine Fixsterne, sondern bewegen sich von Rechts nach Links, das heißt, im Uhrzeigersinn durch den Tierkreis – eben genau so, wie die sieben Hauptgestirne (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn) über den Himmel.

Der Hund ist eindeutig assoziiert mit dem Hundsstern Sirius, fährt Sure 18:18 doch fort mit: "während ihr Hund seine Vorderpfoten auf der Schwelle ausstreckt" - das heißt, der Hund bewegt sich hier nicht, ist also fix. Schon im Altertum erkannte man in Sirius den hellsten Fixstern am Nachthimmel und nannte ihn auch den "achten Planeten".

Und er (Gott) ist es, der Herr des Sirius ist

- Sure 53: 49, Al Nadschm, Der Stern

Den alten Arabern galt der Sirius als Ursprung allen Glücks und Unglücks. Ähnliche Bedeutung maßen ihm auch die alten Ägypter zu. Nach langer Abwesenheit vom Nachthimmel, erwartete man sein Erscheinen sehnlichst. Denn mit seinem ersten Auftauchen vor Sonnenaufgang, begann die, für die alt-ägyptische Ackerbaukultur, so lebensnotwendige Nilschwemme, von der eben Glück und Unglück des gesamten Pharaonenstaates abhingen.

Sieben kosmische Urkräfte

Aus Perspektive dieser kosmischen Zusammenhänge, hat die Siebenschläferlegende gewiss auch eine hermetische Bedeutung: Das Oben entspricht dem Unteren, das Unten dem Oberen. Die makrokosmischen Geheimnisse der sieben klassischen Planeten und des Sirius am Himmel, äußern sich auf mikrokosmischer Ebene, im Mysterium der Siebenschläfer und ihrem Hund in der Höhle. Die sieben Sterne des Großen Bären bilden die spirituelle Oktave zu den sieben Planeten, während die sieben Planeten also die Oktave der Siebenschläfer sind. So stehen die Siebenschläfer, die sieben klassischen Planeten und die sieben Sterne des Großen Wagen, im Kraftstrom der sieben kosmischen Urkräfte.

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