Kuthumi

Die Hüter der spirituellen Hierarchie

von S. Levent Oezkan

In den sogenannten Mahatma-Briefen, die Ende des 19. Jahrhunderts in den Kreisen um die Theosophin Helena P. Blavatsky auftauchten, traf man auf ein recht ungewöhnliches Wort: "Chohan". Damit beschrieb Blavatsky einen Meister, dessen Wirken sich jenseits allgemeiner Vorstellungen dieses Begriffes entfaltet. Und solch Chohan bezeichnet einen Adepten.

Sehr wahrscheinlich spielte Blavatsky damit auf etwas an, dass in Fernost als so Titel wie "Khagan", "Kahan" oder "Kağan" verwendet wird, um einen hoch erhabenen Würdenträger zu bezeichnen, der vielleicht auch als eine Art Kaisertitel Verwendung fand (man denke etwa an den Namen des "Dschinghis Khan"). Im Mongolischen und den alten Turksprachen gibt es einen Laut, der im modernen Türkisch heute als ğ geschrieben und fast nicht hörbar als Gleitlaut ausgesprochen wird, so dass aus dem oben angeführten "Kağan" ein "Ka'an", und woraus letztendlich ein "Kaan" oder "Khan" wurde.

Viele Briefe der Mahatmas richteten sich auf jeden Fall in dieser Zeit an verschiedene Theosophen. Im 18. Brief findet sich das Wort als "Cho-Khan", dass sich vermutlich aus zwei anderen Begriffen zusammensetzt, nämlich dem tibetischen "chos", das ins Sanskrit übersetzt "Dharma" heißt: Die "Lehre" oder das "Gesetz". So wurde das mongolische "Khan" zu dem, was im Wort "Chohan" mitanklingt, so dass aus letzterem sich die Bedeutung eines "Herrn des Dharma" übersetzen ließe, der, im Kontext der Theosophie, als Vorgesetzter der Meister (Maharmas) der Großen Weißen Loge gilt, die bis heute aus dem verborgenen Reich von Shambhala auf die Geschicke der Menschheit Einfluss nehmen soll.

Solch ein Adept der Großen Weißen Loge aber ist jemand, der in seinem evolutionären Zustand, dem des Menschen übergeordnet handelt, doch allerdings zum Nutzen aller auf Erden lebenden Wesen. In den Mahatma-Briefen lesen wir dazu:

Es gibt Männer, die zu solch mächtigen Wesen werden, es gibt Männer unter uns, die während der restlichen Runden unsterblich werden und dann ihren festgelegten Platz unter den höchsten Chohans, den planetarisch bewussten 'Ego-Geistern', einnehmen.

- Mahatma-Briefe Nr. 70c, S. 12

Man spricht bei den Chohans auch von Adepten, die sehr erhabene Ämter in der spirituellen Hierarchie innehaben.

Die Maha-Chohans und der Solare Logos

Der britische Priester und Theosoph Charles Webster Leadbeater (1847-1934) war es, der als Erster versuchte die durch verschiedene Medien empfangenen und auch in traditionellen Überlieferungen gefundenen Anhaltspunkte über jene Chohans hierarchisch zu gliedern, wie etwa in seinem 1925 erschienen Buch "Die Meister und der Pfad" (Originaltitel "The Masters and the Path").

Leadbeater erwähnt da zunächst den Solaren Logos, der sich in drei Aspekten erkennen lässt: Dem universalen Willen, der universalen Weisheit und dem universellen Tun.

Universaler Wille

Laut Leadbeater verkörpert den Willen des solaren Logos der, den man den "Herrn der Erde" nennt (andere, wie etwa der französische Traditionalist René Guènon, sprechen vom "König der Welt"), namens Sanat Kumara, wie auch der Manu (der Stammvater der Menschheit), Sohn des Sonnengottes Vivasvat und Bruder des Totengottes Yama. In einer Linie mit diesen beiden Chohans steht auch der "Mahatma Morya" der Theosophen.

Universale Weisheit

Aus dem solaren Logos strömt der Aspekt der Weisheit als Verkörperung des Siddharta Gautama, des allbekannten Buddha. Ein anderer Weltlehrer, der aber erst wiederkehren soll, nennt die Theosophie "Maitreya". In seiner Linie steht auch ein anderer wichtiger Meister, der ebenso wie Morya von Bedeutung war, im Werk Helena P. Blavatskys: "Mahatma Kuthumi".

Universales Tun

Vom dritten Aspekt des solaren Logos, dem Tun, wird auf unser Handeln auf Erden Einfluss geübt und dem Leadbeater die sogenannten "Maha Chohans" zuordnete, darunter Serapis Bey, Hilarion, Jesus und Saint-Germain.

Das erste Wort "Maha" ist aus dem indischen Sanskrit und bedeutet soviel wie "groß", im Sinne einer bedeutenden Sache. Maha Chohan ist damit der Hinweis auf einen mächtigen Chohan, einen, der schon seit Urgedenken der Menschheit als höheres Wesen seine Dienste erweist, einer der durch seine Großtaten auf die Geschicke unserer Erd-Zivilisation Einfluss nimmt.

Wenn wir an anderer Stelle sprachen von den Mahatmas Morya oder Kuthumi, ist ein Maha Chohan auch diesen überlegen, ist das Oberhaupt einer ganzen spirituellen Hierarchie der Geheimnisse. In einem der Mahatma-Briefe an den Mitbegründer der Theosophischen Gesellschaft, Henry Steel Olcott (1832-1907), bezeichnete Kuthumi den Maha Chohan als einen Meister, dem, so wörtlich

die Zukunft wie eine offene Seite liegt

- Aus C. Jinarajadasa, 16. Brief der Meister der Weisheit

In Kreisen moderner Theosophen heißt es außerdem, dass der Maha Chohan einen tatsächlichen Einfluss darauf hatte, das es überhaupt zur Gründung der Theosophischen Gesellschaft durch Helena P. Blavatsky kam. In seinem Auftrag nämlich kommunizierte Meister Kuthumi mit den Theosophen Allan Octavian Hume (1829-1912) und Alfred Percy Sinnet (1840-1921). Sinnet erhielt viele Briefe von den beiden Meistern Kuthumi und Morya, die zusammen, in dem für die Theosophie bis heute so wichtigen Werk "Die Mahatma-Briefe an A. P. Sinnett", im Jahre 1926 in London veröffentlicht wurden.

Der Brief des Maha Chohans

Wie es aber scheint, gibt es viele Chohans, die sich voneinander nur unterscheiden nach dem Grad ihrer Einweihung. Sie alle aber sind Teil einer esoterischen Bruderschaft die auf der Erde aus dem Verborgenen heraus wirkt. Es heißt, sie hielten sich im Transhimalaya auf, einer Gebirgskette im südlichen Tibet. Es ist das wohl auch die Region, wo manche das Königreich von Shambhala vermuten. Es heißt über manche dieser Chohans, sie hätten bereits vor 2.500 Jahren in Nordindien gelebt, als direkte Jünger des erleuchteten Buddha Siddhartha Gautama.

Der Maha-Chohan aber war, wie oben bereits erläutert, Teil des großen hiearchischen Dreiecks des solaren Logos, wo er Seite and Seite mit dem Manu und dem Christus auf das spirituelle Geschehen der Erde wirkt. Das erfolgte etwa durch einen um 1881 entstandenen Brief, den A. P. Sinnet über Mahatma Kuthumi empfing. Es handelt sich dabei um eine Zusammenfassung Kuthumis dessen, was er mit dem Maha Chohan, in einer Art Interview besprach. Fragt sich natürlich, wieso sich der Maha Chohan über Mahatma Kuthumi ausgerechnet an Sinnet und Hume gerichtet hatte? Denn beiden Herren waren weder Geisteswissenschaftler, noch hatten sie Besonderes für die philosophische Geisteswelt getan. Alfred Percy Sinnet war Journalist und Allan Octavian Hume ein Beamter in Britisch Indien. Der einzige Grund, dass der Maha Chohan ausgerechnet diese beiden für ihr außergewöhnliches Amt erwählte, beruhte wohl auf der Tatsache, dass sich beide in Indien aufhielten und die westliche Welt weit besser kannten, als die Mahatmas selbst. Erst durch ihr Wirken nämlich sollte zu uns das gelangen, was den meisten heute fast selbstverständlich erscheinen mag: Die Wissenschaft der inneren Geheimnisse unserer Welt, kurz, die "Esoterik", kam über sie zuerst nach Europa und in die Vereinigten Staaten.

Die Gründung der Theosophischen Gesellschaft erfolgte also nicht aus reiner Eitelkeit, sondern war von den Meistern der Weisheit, den Mahatmas, den Chohans beabsichtigt. Was sie den Menschen vermitteln wollten, war das Bewusstsein für eine Bruderschaft, die sich jenseits alles Religiösen befindet.

Ein spirituelles Erwachen

Bis heute scheint das, was die Mahatmas beabsichtigt hatten, sich zu etwas entwickelt zu haben, dass dem wissenschaftlich geprägten Beobachter vorkommen mag, als sei es nicht viel mehr als nur "Okkultismus-Ramsch". Doch selbst das würde seinen Zweck erfüllen, denn wie bereits zu allen Zeiten in unserer Zivilisation des Kali-Yuga (dem "Dunklen Zeitalter"), hatten nur Eingeweihte Zugang zu esoterischem Wissen. Gut möglich darum, dass sich die Welt des Profanen darum, wenn ihre Mitglieder mit der Welt der Esoterik in Berührung kommen, an Wahrsagerinnen, Buddha-Schlüsselanhänger oder Räucherstäbchen erinnert, als für den wahren Kern okkulter Lehren empfänglich zu sein.

Wieso auch sollte jemand die Kraft, die im Wirken der Theosophischen Gesellschaft damals lag, einfach an Unwissende verschwenden? Die Lehren der Adepten des Transhimalaya hätten ihren Nutzen verfehlt und wären auf europäischem Boden einfach versickert. Das wohl war der Beweggrund, dass der Maha Chohan wissentlich Sinnet und Hume erwählte, da sie das von ihm empfangene Wissen keineswegs wissenschaftlich einschätzen würden, bevor sie es in irgendeiner Form hätten auswerten können. Ihr wahres Werk, war das eines Theosophen, der das spirituelle Erwachen fördert. Nicht nur wurden sie von den Chohans in ihrem Werk unterwiesen, sondern leiteten, wegen ihrer Kenntnis des Weltlichen, ihrerseits die Chohans dabei an, ihren Wunsch zum Erfolg zu bringen: Die Gründung der Theosophischen Gesellschaft, im Dienste der Menschheit.

Dem Maha Chohan jedoch war der von Sinnet und Hume dabei entwickelte Enthusiasmus, der manchmal gar einem Aktionismus glich, ab einem gewissen Grad wohl auch eigenartig erschienen. So nämlich kam es, dass Mahatma Morya in seinem Namen an A. P. Sinnet schrieb:

Einige Tage bevor Mahatma Kuthumi sich von uns verabschiedete, sprach er von Ihnen, in dem Wortlaut "Es machen mich diese niemals enden wollenden Diskussionen müde, ermatten mich. Je mehr ich beiden von ihnen zu erklären versuche, die Umstände denen wir ausgesetzt sind und die sich zwischen uns stellen, so viele Hindernisse im freien Umgang, desto weniger verstehen sie mich! Selbst unter den besten Voraussetzungen, bleibt dieser Schriftkontakt immer unbefriedigend, manchmal sogar ärgerlich."

- The Mahatma Letters to A. P. Sinnett, Letter XXIX.

Was der Maha Chohan die andere Seite wissen ließ, war die grundsätzliche Schwäche jener Akteure, die sich für die wahren "Diener der Menschheit" hielten. Zu ihrem Wirken entwickelte sich eine gewisse Selbstsucht, mit der sie versuchten ihre Handlungen zur Erreichung ihrer Plämne auszuführen, während sie dabei dachten unheimlich altruistisch daher zu kommen. Was der Maha Chohan in solch Auftreten von Sinnet oder Hume aber diagnostizierte war die Tatsache, dass:

Wir alle unser Ego ablegen müssen, dass sich anscheinend versucht als unser Selbst auszugeben, um unser wahres Selbst in einem transzendentalen göttlichen Leben zu erkennen. Wären wir hingegen nicht so in uns selbst vernarrt, müssten wir uns darum bemühen diese Wahrheit zu erkennen, damit auch sie die Wirklichkeit ihres transzendentalen Selbst erkennen können: Dem Buddha(-Bewusstsein), dem Christus(-Bewusstsein) oder den Gott eines jeden Predigers.

Dieses Selbst aber, das jeder Mensch in sich trägt, hat Risse und Sprünge, die ihm im Kreisen des Rad ihres Karma zugefügt wurden. Sobald wir die Vorstellung von unserem Selbst aus unseren Träumen und unserem Wirken entlassen, und damit beginnen dem Großen Selbst zu dienen - ganz gleich ob man es nun als Gott oder mit der Menschheit identifiziert -, ohne dafür einen Lohn in dieser oder "der kommenden Welt" zu erwarten, schaffen wir es unser Bewusstsein zu erheben, in die Ränge der oben erwähnten Dreiheit des solaren Logos. Erst wenn man die hochmütige Haltung in seinem Dienen aufgelöst hat, wird man tatsächlich so weit gekommen sein.

Gibt es eine großherzigere Haltung, ein ehrlicheres Bekenntnis, als ein solches, dass sich aus unserem Karma erhebt, um die Gelegenheit zu ergreifen, unser Ich fallen zu lassen, in dieser Arbeit an der Menschheit, in diesem Wirken im Namen der höchsten göttlichen Hierarchien?

 

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Mythos Agartha

von S. Levent Oezkan

Agartha - ewigeweisheit.de

Aus Zentralasien ist eine alte Legende überliefert, die ein unterirdisches Reich erwähnt, dessen Bewohner dereinst auf der Erdoberfläche erscheinen sollen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts soll das ein sonderbarer »König der Welt« prophezeiht haben. Leben diese Bewohner darum vielleicht bereits heimlich unter uns?

Dabei hielt sich dieser König anscheinend in der äußeren Mongolei auf, im tibetisch-buddhistischen Kloster Narobanchin: eine besondere Institution, denn dieses Kloster bildete sowohl einen heiligen Tempel für die Menschen die dort lebten, doch hatte gleichzeitig auch weltliche Funktion, wie etwa die Eintreibung der Steuern.

Es war also nach innen als Kloster organisiert, nach außen aber wie eine staatliche Institution. Letztere Angelegenheiten vertraten die sogenannten »Aimaken«, Menschen die einer Volksgruppe der Afghanen angehörten. Nicht zum ersten Mal fiele da der Namen Afghanistan, wenn es um die Verortung eines verborgenen Reiches in Zentralasien geht, denn in den hohen Bergen des afghanischen Pamir-Gebirges, vermuteten manche den Zugang zu jenem mythischen Reich von Agartha (manchmal auch geschrieben als Aghartha, Agarttha, Agarthi oder Asgartha).

Die inneren Angelegenheiten des Klosters Naronachin vertraten hochrangige buddhistische Lamas, über die es heißt, dass sie einen Kreis von Heiligen bildeten, die bereits das Nirvana erlangt hätten, doch beschlossen in ihren sterblichen Körpern in dieser Welt zu bleiben, um ihren Mitmenschen helfend zur Seite zu stehen.

Im Innern des Planeten Erde

Es ist keine Erfindung, die sich moderne Autoren ausdachten: Seit alter Zeit erzählt man von einem unterirdischen Weltreich, in dem Menschen leben. In den Legenden westlicher und östlicher Mythologie finden diese Erwähnung. Im alten Griechenland etwa erzählte man, dass die Verstorbenen weiter an den Ufern des Hades lebten, jenem Fluss der Unterwelt. Auch die nordische Mythologie der Prosa-Edda spricht von einer unterirdischen Wohnstatt der Elfen, die man da »Schwarzalbenheim« nennt. Mit solch Unterwelt ließe sich auch das assoziieren, was kabbalistische Literatur »Scheol« nennt. Wenn im Christentum die Rede ist von der Hölle, als Unterweltsreich, so sollte man sich vorsehen das einfach nur negativ zu bewerten. Denn das Wort »Hölle« ist alt-germanischen Ursprungs und leitet sich ab vom Namen der nordischen Totengöttin »Hel«, der hervorgeht aus der germanischen Wortwurzel »hal«, was soviel wie »verbergen« heißt. Wer die Legende von dem sagenhaften Baumeister Hiram Abiff kennt, weiß, dass ins Innere der Erde auch Kain, der erste Sohn Adams verschwunden sein soll.

Da ist also ein verborgenes Reich gemeint, von dem all die verschiedenen Mythen der Welt erzählen. So auch ein Mythos Nordirlands, wo die Rede ist von besonderen Höhlengängen, die in ein unterirdisches Reich führen, wo die Tuatha Dé Danann wohnen, Kinder der Göttin Dana. Sie sollen den Menschen auf der Erde das Druidentum gelehrt haben, doch darauf wieder in der Unterwelt verschwunden sein.

Zu Anfangs ging es aber um ein buddhistisches Kloster, wo jener König der Welt den eingeweihten Mönchen, die Existenz eines solchen inneren Reiches unter der Erde kundgab. Tatsächlich sprechen alte Mythen des tibetischen Buddhismus von diesem Reich in einer Unterwelt. Sie basieren vermutlich auf noch älteren Legenden, wie man sie etwa in den heiligen Schriften der Hindus, den Bhagavatapurana findet (9. Gesang, Kapitel 16, Verse 19-21). Da sollen Angehörige der Kschatriyas (Kriegerkaste) vom sechsten Avatar Vishnus, dem »Parashurama«, von der Erde in eine Unterwelt verbannt worden sein.

Ebenso in der Mythologie der nordamerikanischen Indianer gibt es eine Legende des Volkes der Mandan. Ihre Vorfahren sollen in alter Zeit aus einem unterirdischen Land durch eine Höhle, nördlich des Missouri, auf die Erde gekommen sein. 
Die Hopi sprechen vom »Sipapu«, einem Erdloch, das sich im Grand Canyon befinden soll und man von dort in eben diese Unterwelt gelangt. Manchmal ist da auch die Rede von der »Vierten Welt«. Auch die Hopi sagen, dass vor Urzeiten von dort aus ihre Vorfahren in diese Welt kamen.

Aber auch ganz wissenschaftliche Denker des 18. Jahrhunderts, wie etwa der deutsche Mathematiker Leonhard Euler (1707-1783), befassten sich mit der Frage, ob die Erde sogar hohl sein könnte und von einer »inneren Sonne erleuchtet«:

die einer hochstehenden innerirdischen Menschheit Wärme und Licht spendet

- Aus Eulers »Briefen an eine deutsche Prinzessin über verschiedene Gegenstände aus der Physik und Philosophie«

Auch schon vor Euler, hatten sich in ihren Arbeiten Wissenschaftler wie Edmond Halley (1656-1742) oder Isaac Newton (1642-1726) der Frage gewidmet, ob es so ein inneres Erdenreich gäbe.

Schlangen der Unterwelt

Doch schauen wir noch einmal nach Fernost, genauer gesagt nach Sibierien. Im Jahre 1920 befand sich dieser Teil Russlands unter der Kontrolle der kommunistischen Bolschewiken. Alles was dort jemals an Spiritualität ausgeübt wurde, sollte dieser neuen politischen Macht weichen. So kam es natürlich auch dazu, dass viele Menschen von dort versuchten zu fliehen. Unter ihnen war auch der damals in der sibirischen Stadt Omsk lebende polnische Forschungsreisende Ferdynand Ossendowski (1876-1945). Über die Mongolei, China und Tibet, versuchte er mit anderen nach Indien zu entkommen.

Auf dieser Reise sollte Ossendowski dann aber in Kontakt kommen mit jenen, die ihm über das Reich von Agartha berichteten. Von ihnen erfuhr er, dass vor mehr als 6.000 Jahren im Innern der Erde ein Reich entstanden sei, zu einer Zeit, als das begann, was die indischen Weisheitslehren das »Kali-Yuga« nennen: Das Zeitalter des Streits. Es stimmt in etwa mit dem überein, worüber der griechische Dichter Hesiod (vor 700 v. Chr.) vom »Eisernen Zeitalter« sprach.

Zurück wird bleiben der sterblichen Menschen düsterer Jammer, und im Elend sich nirgends Hilfe zeigen.

- Aus Hesiods »Werke und Tage«

Um die christliche Zeitenwende, schrieb auch der griechische Dichter Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.) in seinem Hauptwerk »Metamorphosen«, über dieses Eiserne Zeitalter, als eine Periode der Menschheit, in der wirtschaftliche und technische Veränderungen, Verderben über die Welt bringen werden. Es ist eine Zeit, die in der Gegenwart auf ihren Höhepunkt zuzusteuern scheint.

Lange vor dieser finsteren Zeit aber sollen sich die Eingeweihten in dieses Reich von Agartha zurückgezogen haben. Manche sprechen auch von den »Schlangen«. Man muss das aber sicherlich als Metapher verstehen, und zwar für eine Gruppe von Menschen, die in die Mysterien eingeweiht sind, wo solche Mysterieneinweihungen ja immer im Erdinnern stattfanden, wie etwa auch im alten Eleusis in Griechenland. Und dass das Innere der Erde von Reptilien bewohnt wird, kennt man aus den verschiedensten Legenden der Menschheitsgeschichte (wie etwa über den alt-ägyptischen Gott Sobek).

Kehren wir aber wieder zurück, zu dem, was wir oben als das Kali-Yuga einführten: im Hinduismus das letzte von vier Zeitaltern. Wenn am Ende dieses Yuga, von dem manche sagen, dass es unmittelbar bevorstehe, die Bewohner von Agartha an die Erdoberfläche zurückkehren sollen, dann erinnert das irgendwie auch an den im Johannes-Evangelium genannten »Jüngsten Tag«, wo Menschen aus der Erde wieder auferstehen sollen:

Verwundert euch des nicht, denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

- Johannes 5:28f

Wer heute glaubt, dass wir uns in eine Zeit der Verdunkelung bewegen, dürfte mit dieser Anti-Utopie wohl nicht ganz falsch liegen. Es scheinen da gegenwärtig Kräfte zu wirken, denen die Geheimnisse der Mysterien vorenthalten bleiben müssen. Nur darum wurden, und werden auch heute noch, Initiationen nur im Verborgenen durchgeführt. Mit dieser heute gegenwärtigen Verdunkelung des Bewusstseins der Menschen aber, ist die bewusste Verbindung der Menschen mit dem, was manche Gott nennen, scheinbar verloren gegangen. Man könnte auch von einem »Geistigen Zentrum« sprechen, von wo aus dieser, zu eingangs genannte, »König der Welt« seine Wohnstatt besitzt.

Unter den Bewohnern dieses Reiches, so vermuten andere, gehörten jene, über die der Theosoph Alfred Percy Sinnett (1840-1921) in seinem Buch »Die Mahatma-Briefe« schrieb. Da fallen so Namen wie »Meister Morya« oder »Meister Kuthumi«.

Zwar ist diese Verbindung scheinbar verloren, doch existiert dieser Ort auch heute noch. So zumindest wollen es die Überlieferungen jener, die sich mit den Legenden um dieses verborgene Reich, schon seit Jahrzehnten auseinandersetzen. Und wenn das so ist, kann man davon ausgehen, dass es auch manche finden können, eben dort, wo auch schon im vergangenen Jahrhundert gesucht wurde. Alles was es dazu bedarf, ist eine echte Intention. Nicht zufällig heißt es über andere Weise der Vergangenheit, wie etwa den russischen Maler und Forschungsreisenden Nicholas Roerich (1874-1947), dass sie in Kontakt standen mit solchen, die Zugang gefunden hatten nach Agartha. Roerich schrieb selbst darüber, doch nannte dieses verborgene Reich »Shambhala«. Der Aufwand, den er und seine Frau, die Theosophin Helena Roerich (1879-1955), dafür betrieben, war ungeheuerlich.

Gibt es ein »Geistiges Zentrum« der Welt?

Wenn nun also von Agartha oder Shambhala die Rede war, so ist das der Ort dieser Intention, die man vielleicht besser als »geistige Ausrichtung« bezeichnen könnte, der es jedoch bedarf, um dorthin auch zu gelangen.

Besonders in Europa scheint eine bewusste Verbindung mit Agartha unterbrochen zu sein, und das nicht erst in unserer Zeit. Man frage jemanden auf der Straße nach diesem Ort und ernte entsprechend Verwunderung.

Der französische Traditionalist René Guénon (1886-1951) nun schrieb in seinem Buch »Der König der Welt«, dass es bereits seit dem 14. Jahrhundert im Westen zu diesem Bruch kam, womit das Bewusstsein für ein solches Weltzentrum, gänzlich in ein Schattenreich verdrängt wurde. Vermutlich lag die Gründung jenes Ordens der Tempelritter auch darin begründet, diese alte Verbindung mit dem Reich in Fernost wieder herzustellen. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben die mythische Figur des Priesterkönigs Johannes, dessen Untertanen sowohl in Fernost, wie auch in Afrika gelebt haben sollen. War oder ist er jener König der Welt?

Auch mit der sich zwischen 1517 und 1648 vollziehenden Kirchen-Reformation, soll es zu einem weiteren Bruch gekommen sein, zwischen den Menschen im Westen und jenem Geistigen Zentrum. Damals kamen die Rosenkreuzer-Manifeste in Umlauf und es heißt, dass kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) die wahren Rosenkreuzer Europa verließen, um sich nach Zentralasien zurückzuziehen. Nicht zufällig wohl scheint in moderneren Kreisen rosenkreuzerischer Geheimbünde, die Zahl Zwölf eine Rolle zu spielen, wie etwa bei dem, was da als das »Goldene Haupt« bezeichnet wird: einem Kreis von zwölf Adepten die über dem Orden des Goldenen Rosenkreuzes stehen.

Weitere Nachforschungen brachten manche irgendwann auch zu dem, was man die »Große Weiße Loge« nennt, die über das verfügen soll, was der schwedische Theosoph Emmanuel Swedenborg (1688-1772) als das »verlorene Wort« bezeichnete. Guénon meint in seinem oben genannten Buch dazu, man müsse es unter den Weisen Tibets suchen. Auch die Eingeweihten der Tataren Zentralasiens, könnten jenen Hinweise geben, die sich auf der Suche nach dem geistigen Zentrum von Agartha befinden - dann, wenn sich Menschen wieder frei über den Erdball bewegen dürfen.

Oder bereits doch schon jetzt?

Zwar sprach der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho nicht über Agartha, sondern über Shambala, doch lassen sich beide Namen auch synonym verstehen. Seine Äußerung darüber, wer dieses geistige Zentrum erreichen kann und wer nicht, ist dabei interessant:

Gleichgültig ob Shambhala ein Ort irgendwo auf diesem Planeten ist, oder nicht, so kann er dennoch nur von denen gesehen werden, deren Geist und karmische Tendenzen rein sind.

- Aus dem Handbuch der tibetischen Astrologie

 

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Mahatmas - Die Meister der Weisheit

von S. Levent Oezkan

Kuthumi und Morya - ewigeweisheit.de

Jeder der sich ernsthaft mit Okkultismus beschäftigt, der kommt früher oder später in Berührung mit den Meistern der Weisheit. Sie traten im dämmernden Wassermann-Zeitalters in Erscheinung und standen während der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert im Zentrum der theosophischen Bewegung. Ihr Ziel war und ist, den Kern einer allumfassenden Bruderschaft der Menschheit zu bilden - einer Gemeinschaft von Weisen, ohne Unterschied von Herkunft, Religion oder Geschlecht.

Viele spirituelle Organisationen und okkulte Gesellschaften, haben ihre Ursprünge in dieser, durch diese Meister der Weisheit initiierte spirituelle Bewegung. Von der theosophischen Spiritualität wurden auch Schulen des modernen Rosenkreuzertums inspiriert, wie etwa die Anthroposophie Rudolf Steiners, aus der das Rosicrucian Fellowship hervorging - einer Organisation wiederum, die nicht ohne Bedeutung für die Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes (Lectorium Rosicrucianum) ist.

Es ist nur wenigen Menschen im Westen bekannt, dass die Theosophische Gesellschaft bei der Verbreitung fernöstlicher Weisheiten und Praktiken (z. B. Yoga) in Amerika und Europa eine historische Schlüsselbedeutung hat.

Helena Petrovna Blavatsky - ewigeweisheit.de

Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891)

Die Mahatmas

Helena P. Blavatsky - die Begründerin der modernen Theosophie - betonte immer wieder, dass das Wissen ihrer Schriften ("Geheimlehre", "Isis Entschleiert", "Schlüssel zur Theosophie") nicht von ihr selbst stamme, sondern von zwei in Tibet lebenden Adepten und Angehörigen einer großen Weißen Bruderschaft von Eingeweihten (es kursiert die Annahme sie leben bis heute im mythenumwobenen "Königreich Shambhala"). Madame Blavatsky erwähnte diese Adepten zum ersten mal im Jahr 1870 als die "Meister der Weisheit" - die "Mahatmas".
Diese Bezeichnung wurde später von anderen übernommen, die der theosophischen Bewegung nahe standen - darunter: Alice Bailey, Helena Roerich oder Manly P. Hall. Vor allem in den Vereinigten Staaten wurden die Mahatmas dann auch unter dem Begriff "Aufgestiegene Meister" geführt.
"Mahatma" ist aus dem Sanskrit und bedeutet "Große Seele" (महात्मा mahātmā, महा mahā "groß", आत्मन ātman, "Seele" - "Mahatma" war später auch Beiname von Mohandas Karamchand Gandhi, dem berühmten Pazifisten der Indischen Unabhängigkeitsbewegung).
Der Begriff Mahatma bezeichnet in etwa das, wofür im Christentum der Heilige steht. Manche Theosophen nennen die Mahatmas auch die "Älteren Brüder der Menschheit" - oft auch einfach nur "Meister".

Es heißt das Theosophen wie Helena P. Blavatsky, Henry S. Olcott, Alfred P. Sinnet und andere, mit diesen Mahatmas - den "Meister der alten Weisheit" - in direktem Kontakt standen und ihnen teilweise an verschieden Orten auf der Welt auch persönlich begegnet sind. 
Doch sind die Mahatmas weniger überweltliche Geistwesen, wie viele glauben wollen, sondern lebendige Menschen, die wie wir, auf dieser Erde geboren wurden und sterben müssen, so wie auch jeder andere Mensch. 
Die Mahatmas gleichen eher hochrangigen Anhängern einer Schule des Lebens. Sie sind Mitglieder unserer eigenen evolutionären Menschheit. Zwar behaupten manche Leute aus der New-Age-Szene, dass es sich um Besucher außerhalb der Erde handele, vielmehr aber sind es Wissende, die die Lebensgesetze beherrschen gelernt haben, mit denen der Normalsterbliche noch zu kämpfen hat. In vergangenen Inkarnationen waren sie normale Menschen, doch durchliefen eine Reihe von Einweihungen und spirituellen Transformationen, um auf diesem Planeten als Diener der Menschheit zu agieren und zur Weiterentwicklung jedes Einzelnen in unserer Zivilisation beizutragen.

Alfred Percy Sinnet - ewigeweisheit.de

Alfred Percy Sinnet (1840-1921) - Empfänger der Mahatma-Briefe.

Die Briefe der Meister

Zwischen 1880 und 1885 erhielten die britischen Theosophen A. O. Hume und Alfred P. Sinnet geheimnisvolle Briefe von zwei Mahatmas: Kuthumi (K. H.) und Morya (M.). Aus dieser Zusammenarbeit kamen die Zielvorstellungen der Mahatmas zum ersten mal an die Öffentlichkeit.
Diese sagenhaften Briefe sind keineswegs Fantasiegebilde, sondern authentische Dokumente, die zuerst im British Museum in London ausgestellt und 1939 in den Bestand der British Library aufgenommen wurden.

Neben dem einzigartigen Inhalt ist vor allem auch die Beschaffenheit der Briefe außergewöhnlich: zum einen befindet sich die Schrift anscheinend innerhalb des Ölpapiers auf das sie geschrieben wurde, zum anderen sind die Wörter zwar handschriftlich verfasst, bei genauerem Hinsehen fällt aber eine eigenartige Schraffur auf. Es scheint als sei die Schrift darauf keine Tinte, sondern durch geistige Ferneinwirkungen im Papier materialisierte Farbe. Ein Ding der Unmöglichkeit?

Das Thema der Mahatmas wird bis heute kontrovers diskutiert. Kritiker Blavatskys zweifeln die Existenz der Meister der Weisheit an. Autoren wir der Amerikaner K. Paul Johnson glauben das es sich bei den Meistern um idealisierte Menschen handelt, denen Blavatsky in ihrem Leben einmal begegnet war. Auch die Society for Psychical Research (London) bezeichnete die Mahatma-Briefe 1885 zunächst als Fälschungen, distanzierte sich aber 1986 wieder von diesen Vorwürfen, da neuere Gutachten den Fälschungsbeweis nicht mehr für angebracht hielten.

Vielleicht scheint es auch weniger bedeutend zu sein, ob diese Meister urkundlich nachzuweisen sind, als vielmehr den hohen Wert der Aussagen ihrer authentischen Botschaften zu erkennen. Denn man kann davon ausgehen, dass das Wirken dieser Bruderschaft auch zu den großen gesellschaftlichen Veränderung beitragen hat, die sich Mitte des 20. Jhd. in Indien ereigneten.
Mahatma Ghandi, durch dessen Wirken Indien seine Unabhängigkeit vom britischen Empire erlangte, schrieb in seiner Autobiographie über Madame Blavatskys Buch "Der Schlüssel zur Theosophie":

Dieses Buch regte in mir das Bedürfnis an die Bücher des Hinduismus zu studieren. Ich wurde eines Besseren belehrt hinsichtlich der von Missionaren gehegten Vorstellung, dass der Hinduismus voller Aberglauben sei.

 

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