Maitreya

Die Universelle Weiße Bruderschaft: Spirituelle Gemeinschaft im Zeitalter des Wassermanns

von S. Levent Oezkan

Universelle Weiße Bruderschaft - ewigeweisheit.de

Schon immer war die Balkanhalbinsel ein Gebiet der Begegnung, zwischen den spirituellen Weisheits-Kulturen des Abendlandes und des Morgenlandes. Im Osten des Balkan siedelte einst das Volk der Thraker, über das seinerzeit König Oiagros herrschte: Vater des mythischen Sängers Orpheus. Homer nannte Thrakien »das goldene Reich des Orpheus«, wo der legendäre Sänger seine Tradition zu Wege brachte.

Die orphische Tradition nämlich sollte dereinst den Kern einer neuen Kultur bilden. Und da man auch Apollon zu Ehren, dem Gott des Lichts, der Weissagung, der Heilung und der Künste, hier vor mehr als 3000 Jahren heilige Riten abhielt, wird Thrakien auch ein »Land des Lichts« genannt. Damit sollte in Thrakien eine der ältesten Kulturlandschaften Europas entstehen.

Es ist bei alle dem aber nicht allein Mythologie, denn im Balkan des südlichen Bulgarien, wo sich die thrakische Tiefebene erstreckt, fanden Archäologen die Reste einer uralten Hochkultur, die dort ihren Königen Megalith-Bauten (Dolmen) und Hügelgräber errichteten. Nahe des bulgarischen Dorfes Tatul erhebt sich ein thrakisches Felsengrab, das heute gar als Ruhestätte Orpheus' gilt. Es gehört zu einem riesigen Komplex anderer Megalith-Bauten, in denen man erst heidnische, später auch christliche Kulthandlungen durchführte.

Der griechische Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandria verglich den Orpheus sogar mit Jesus, dessen Abstieg in die Unterwelt, gewiss dem Abstieg Christi in die Totenwelt entspricht.

Orpheus also ein mythischer Vorgänger Jesu Christi?

Zumindest scheint diese Symbolik möglicherweise die Theologie der Bogomilen mit inspiriert zu haben. Auch sie nämlich kamen vom bulgarischen Balkan und waren eine christliche Sekte die sich ab dem 10. Jahrhundert hier gegründet hatte. Sie nannten sich die »Gottesfreunde« (von slaw. bog, »Gott“ und mil, »lieb«) und waren eine asketisch lebende Gemeinschaft, in der man an eine dualistisch geprägte Weltordnung glaubte und man alles Materielle dem Bösen, alles Geistige dem Guten zuschrieb. Wie auch die Katharer Südfrankreichs, hielten die Bogomilen ihren Glauben für die wahre Lehre Christi.

Durchaus besaßen ihre Lehren einen universellen Charakter, der dem Glauben der Katharer sogar sehr ähnelte. Ihre Religion verkündete ein ganz einfaches, reines und heiliges Leben, dass auf Liebe, Gemeinschaft und Gleichheit basierte. Dabei aber sahen sie sich als die Überbringer vollkommen neuer Vorstellungen über die Bedeutung eines wahren Christentums.

Beinsa Douno - ewigeweisheit.de

Gründer der Universellen Weißen Bruderschaft: Petar Danow – »Beinsa Douno«.

Ein Bulgarischer Weiser

Anfang des 20. Jahrhunderts sollte sich in diesem alten Land der Bogomilen erneut eine okkultistisch-religiöse Bewegung gründen: Die Universelle Weiße Bruderschaft.

Gründer dieser Gruppe war der Theologe, Philosoph und spirituelle Lehrer Petar Konstantinow Danow (1864-1944; andere Versionen des Nachnamens: Deunov, Dănov). Er studierte Ende des 19. Jahrhunderts Theologie in den Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit stand er in Kontakt mit dort ansässigen Vertretern der Theosophischen Gesellschaft und der modernen Rosenkreuzer-Bewegung.

1896 erschien sein erstes Buch mit dem Titel »Wissenschaft und Erziehung«. Im Jahr darauf erfuhr er seine mystische Initiation und nannte sich seitdem »Beinsa Douno«.

Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien wirkte er dort ab 1897 als spiritueller Lehrer und gründete eine Gesellschaft, die sich der Erhebung des religiösen Geistes des bulgarischen Volkes verschrieben hatte. Er sprach da von den Zusammenkünften der »Synarchischen Kette«, an denen drei seiner ersten Schüler teilnahmen: Penio Kirov, Todor Stoimenov und Dr. Georgi Mirkovic. Seit 1900 hielt er im Rahmen dieser Gesellschaft Treffen ab. »Synarchisch« wohl darum, da der Glaube dieser von ihm geführten Gemeinschaft (griech. »archia«, Führung) in sich verschiedene spirituelle Systeme zu einem neuen Glauben synthetisierte.

Schon damals begann er Material zusammenzustellen, womit er dann, im Jahr der Gründung seiner Bruderschaft, seinen Schülern eine umfassende Einführung in den Okkultismus zur Verfügung stellen konnte. In seinem Werk – darunter die Titel »Sieben Gespräche mit dem Geist Gottes« und »Die Drei Dinge« – waren Erkenntnisse enthalten, die er in Meditation empfing.

Im Jahr 1922 ging aus der »Synarchischen Kette« dann die Universelle Weiße Bruderschaft hervor. Danow wollte durch die Gründung dieser Bruderschaft eine Mission erfüllen: Ein neues spirituelles Zeitalter sollte von ihm eingeleitet werden, zur Verkündigung der Wahrheiten des Wassermanns. Es heißt, dass Danow versuchte den uralten und unvergänglichen Weisheiten der Menschheit, damit zu einer neuen Geburt zu verhelfen.

Der Anker des Wassermanns

Im Emblem der Universellen Weißen Bruderschaft kommt dieses Ansinnen zum Ausdruck. Es zeigt einen Anker, der für einen Glauben steht, der an solaren, hohen Idealen festhält, was auf die Bedeutung der Sonne für unseren Planeten anspielt, deren Licht ja die Quelle allen Lebens auf Erden ist. Der Anker galt Danow daher als Symbol aller, die den Ozean des Lebens bereisen und sich bei jedem Ankerwurf mit der Welt des Göttlichen zu verbinden hoffen.

Die Symbolik des Wassers platzierte er in besagtem Emblem als Sinnbild der Quelle des Klaren und Reinen, als ein Brunnen unerschöpflicher Kraft, etwas das notwendig ist damit Leben überhaupt entstehen kann.

Die Hände, die sinnbildlich das Wasser aus der Mündung dieser Quelle führen, gehören Aquarius, dem Wassermann, dessen Zeitalter bei der Gründung der Universellen Weißen Bruderschaft aufdämmerte. Da Aquarius aber astrologisch ein Luft-Zeichen ist, wird damit ein Wasser feinstofflicher, ätherischer Beschaffenheit angedeutet, etwas, von dem man in alter Zeit glaubte, dass daraus der Heilige Geist beschaffen sei. Im Evangelium des Johannes steht diese Symbolik von Wasser und Geist für die Wiedergeburt eines Menschen in ein neues Leben, was natürlich ein Hinweis ist darauf, dass ein Mensch die geistige Fähigkeit besitzt, immer aus seinem bisherigen, in ein neues Leben hervorzutreten.

Es sei denn dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. […] was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

- Johannes 3:5f

In diesem Sinne wollte auch Petar Danow seine Schüler zur Erkenntnis führen und dabei ihre Herzen erheben. Das sollte geschehen, damit einer diese eben definierte Gnade des Heiligen Geistes, dereinst in sich erfahren und das vollkommene Licht der Wahrheit empfangen solle. Danows Schüler aber wussten dabei immer, dass man über diese Themen viel sagen und noch mehr darüber schreiben kann. Das hier Angedeutete jedoch muss von jedem Einzelnen selbst erfahren und gelebt werden, so dass einer in seinem Erleben Liebe und Weisheit erlange.

Und dieses Erleben versuchte er, durch sein Vermitteln der ursprünglichen Weisheitslehren Jesu Christi, in jedem seiner Schüler zu inspirieren, eben genau so, wie es wahrscheinlich vor 2000 Jahren vermittelt wurde.

Die Schüler der Universellen Weißen Bruderschaft sahen in Danow den Verkünder einer wahren, einzigartigen Philosophie, die sich direkt im Leben anwenden lässt, um einen Menschen zu befähigen in Gott zu weilen. Er wusste »das lebendige Wort« auf eine verständliche, vielleicht sogar empfindsame Weise zu vermitteln. In Kreisen der Universellen Weißen Bruderschaft heißt es sogar, dass Papst Johannes XXIII. (1881-1963) Petar Danow »den größten auf Erden lebenden Philosophen« nannte.

Ziele der Universellen Weißen Bruderschaft

Für die von ihm gegründete Bruderschaft synthetisierte Danow Ideen und Philosophien anderer religiöser Weisheitssysteme zu einem neuen Weltbild. Die Gemeinschaft seiner Anhänger lernten aus Danows Vorträgen, Gebeten und Liedern aber insbesondere die esoterischen Lehren aus der jüdisch-christlichen Tradition, die gewisse Ähnlichkeiten aufweisen mit den Schulen der Rosenkreuzer und der Anthroposophie Rudolf Steiners.

Es ging Danow aber auch darum die Kreativität seiner Schüler zu fördern. Alle Menschen galten ihm von Natur aus als Künstler. Weniger aber versuchte er direkt ein Kunstschaffen zu vermitteln, als seinen Anhängern beizubringen dass Kunst etwas sei, das allein vom Göttlichen her stamme und auch durch Gotteserfahrung direkt dem Menschen zur Verfügung stehe.

Jeder sei vollkommen ausgestattet mit der Fähigkeit zu erschaffen. Davon war Danow fest überzeugt. Was manchen jedoch fehlte, war seiner Meinung nach der Zugang zu diesem Bereich des Seins. Danow wollte seinen Schülern darum durch sein Wirken behilflich sein, durch seine inspirierenden Reden und seine Musik, diesen inneren Teil in ihnen anzuregen, so dass ihn aber jeder durch sein eigenes Wirken entfalten konnte.

Solche inneren Prozesse anzuregen, sollte der Schüler erreichen, durch eine besondere Ernährung, durch Atemübungen, Meditation und bestimmte Gebete.

Er wollte dass die Mitglieder der Bruderschaft erkannten, dass es nicht allein helfe sich nur um sein eigenes Leben zu kümmern. Vielmehr wollte Danow mit seiner Bewegung erreichen, dass sich die Menschen, als Kinder eines einzigen Schöpfers zusammentun, um damit die Probleme der Menschheit zu lösen.

Zugegebenermaßen mögen solch erhabene Ziele dem einen oder anderen recht romantisierend, ja gar sentimental erscheinen. Eigentlich aber ist es doch genau das, was die gegenwärtige Zivilisation unseres Planeten so nötig hat.

Herr, unser Gott, unser freundlicher himmlischer Vater,
Der uns ein Leben schenkte und Gesundheit,
Um in Dir zu frohlocken, drum beten wir zu Dir.

Sende uns Deinen Geist,
Bewahre und beschütze uns vor dem Bösen
Und vor trügerischen Gedanken.

Lehre uns Deinem Willen nach zu handeln,
Deinen Namen heilig zu halten
Und Dich immer zu ehren.

Segne unseren Seelen,
Erleuchte unsere Herzen und unseren Geist,
Auf dass wir Deine Gebote und Regeln einhalten.

Inspiriere in uns mit Deiner Gegenwart,
Deinen reinen Gedanken,
Und führe uns Dir mit Freuden zu dienen.

Unser Leben, dass wir Dir widmen,
Dem Guten für unsere Brüder und Nachbarn willen –
Wir preisen Dich Herr.

Hilf uns und unterstütze uns,
Damit wir wachsen in Wissen und Weisheit allseits,
Von Deinem Wort zu lernen und in Deiner Wahrheit zu verweilen.

Führe uns in allem was wir denken
Und in Deinem Namen tun,
Im siegreichen Heil Deines Reiches auf Erden bestehend.

Nähre unsere Seelen mit Deinem himmlischen Brot,
Und stärke uns mit Deiner Kraft,
So dass wir in unserem Leben vorankommen.

Wie Du uns all Deinen Segen verleihst,
So vermehre in uns Deine Liebe,
Um uns ein ewiges Gesetz zu bleiben.

Denn Dir ist das Königreich
Und die Macht und die Herrlichkeit
Für immer und in Ewigkeit.

Amen.

- Petar Danow, Gebet der Güte

Lichtsymbolik und Sonnengeheimnis

Herr des Lichts vollkommener Fülle und Güte,
Der über den mein Lehrer zu mir sprach,
Offenbare Dich mir wie es Dir gefällt.

Ich bin darauf vorbereitet Deinen Willen zu erfüllen,
Ohne zu zögern, entschlossen
Und ohne von Deinem Willen abzuweichen.

Ich will Dir Herr treu und ehrlich dienen,
Eben so wie Du auch treu und ehrlich bist,
Im Namen meines Lehrer, durch den Du zu mir sprachst.

Und lass mich, oh Herr, sein wie die kleinen Kinder Deines Königreichs –
Gehorsam, gewissenhaft, geduldig, fest und zufrieden in Deiner grenzenlosen Liebe,
Die sich aus Dir allen Schwachen und Müden offenbart,
Die den von Deinem Licht erfüllten Pfad suchen, worin Du weilst.

Ich bete zu Dir Herr,
Dass Du mich erleuchten mögest
Und sich Dein Geist nicht entferne
Von meiner Seele, von meinem Herzen, von meinem Geiste, von meinem Willen.

Lass mich, Herr, ein Überbringer Deines Wortes sein,
Ein Botschafter Deiner Wahrheit
Und ein Diener Deiner Rechtschaffenheit;
Möge Dein Geist in meiner Seele inkarnieren und lass mich frohlocken in der Gegenwart Deines Wortes, im Namen meines Lehrers, durch den Du der Welt bekannt wurdest.

Amen.

- Petar Danow, Lichtgebet

So wie auch in anderen esoterischen Traditionen, spielt in diesem Gebet Petar Danows, eine zentrale Rolle das Licht. Es ist das, womit die Welt zu sein begann – sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus religiöser Sicht. Die berühmten Zitate aus der biblischen Schöpfungsgeschichte und dem Johannes-Evangelium deuten das an:

Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis.

- Genesis 1:3f

In ihm (im Wort Gottes, aus dem alles geworden ist) war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen.

- Johannes 1:4f

Besonders im hier erwähnten Zitat aus dem Johannes-Evangelium, ist das Licht im »Wort Gottes«, ist im »Logos«, dem Wort, das an dieser Stelle, im alt-griechischen Original des Evangeliums verwendet wird. Logos ist allerdings ein Wort mit einem ausgesprochen weiten Bedeutungsspielraum. Bei Johannes steht es aber für das Wort im Sinne einer Existenz des Lichts. Vielleicht aber zunächst weniger jenes Lichts das die Augen sehen, als einem Licht etwas kraftvoll Seiendem, das als Vorstufe aller sinnlich wahrnehmbaren Elemente auch in diesem Augenblick aus dem Verborgenen her wirkt.

und der Logos (das Wort) war bei Gott, und Gott war der Logos (das Wort).

- Johannes 1:1

Aus diesem Logos, aus diesem besonderen Wort, das vielleicht schon immer vorhanden war, als Synonym eines ordnenden, formgebenden Prinzips, entstand das Manifeste, wobei Licht eine Zwischenstufe bildet. Das Licht steht über der Finsternis der manifestierten Welt. Denn was wäre diese, würde kein Licht auf sie fallen: Sie bliebe unsichtbar und kein Leben könnte sich je daraus entfalten.

Auf unserem Planeten Erde aber ist dieses Licht im Zentralgestirn Sonne allgegenwärtig.

St. Michael

Wie uns die Lehren der modernen Theosophie und auch der Anthroposophie wissen lassen, manifestiert sich der solare Logos, das lichthafte Wort der Sonne, in der Erscheinung des Erzengels Michael – der Name jenes größten Erzengels dessen Name die Frage stellt »Wer ist wie Gott?«

Auch im Lebensbaum der Kabbala, wo die sechste Sefirah Tiphereth mit dem Gestirn Sonne assoziiert wird, daraus wirkt die Kraft des Erzengels Michael. Dieser Erzengel ist also ein Geist der in der Sonne lebte. Michael war auch der Engel der den Baum des Lebens bewachte und der Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, da sie vom Baum der Erkenntnis aßen. Von diesem Baum aber schnitt St. Michael einen Zweig und reichte ihn Seth, dem dritten Sohn Adams.

Nun schrieb später der Prophet Daniel über diesen Erzengel Michael:

Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelsfürst, der für dein Volk einsteht.

- Daniel 12:1

Wenn er hier sagt »Zu jener Zeit«, deutet er damit auf ein zukünftiges Ereignis hin. Da nämlich soll der Siegesengel und Beschützer der Menschheit in Erscheinung treten. Im Osten, wo die Sonne jeden Morgen aufsteigt, soll Michael seine himmlischen Heerscharen vor dem Thron Gottes versammeln und von dort aus kommen, um dereinst den Teufel und seine Dämonen vom Himmel zu stürzen (Offenbarung 12:7-9). Sie werden dann, von seinem überirdischen Licht geblendet in die Hölle stürzen.

In unserer heutigen Zeit aber scheint sich etwas zu bilden, worauf das hindeutet, was eben Johannes' Offenbarung prophezeit. Wir werden später erneut darauf zu sprechen kommen, wenn es um die »große Zeitenwende« geht, wo also die hohen Fürsten des Himmels in Erscheinung treten sollen.

Omraam Mikhaël Aïvanhov - ewigeweisheit.de

Omraam Mikhaël Aïvanhov (Bildquelle: Prosveta)

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Im Jahr 1919 kam in den Kreis um Petar Danow der junge Mikhaël Aïvanhov (1900-1986). Schon als Teenager war der junge Mann ein begeisterter Leser spiritueller Literatur, begann schon sehr früh zu meditieren, machte besondere Atemübungen und fastete regelmäßig.

Später beschrieb Aïvanhov in seinem Buch »Die Neue Religion« ein Erlebnis, das er als Sechzehnjähriger hatte. Es war eine Erfahrung die alles veränderte und letztendlich sein spirituelles Erwachen bewirken sollte:

Die Sphärenmusik, die ich gehört habe, war der Gipfel all meiner Forschungen, all meiner Arbeiten, all meiner Übungen, bei denen ich aus meinem Körper ausgetreten bin. Sie ist seither in mir geblieben als Kriterium, als Muster, als Modell, ein Anhaltspunkt, um alles zu verstehen und alles einzuordnen.

- Aus »Die Neue Religion« von Omraam Mikhaël Aïvanhov

Doch die Zeit aus der Aïvanhov hier berichtet, verbrachte er in bitterer Armut. Auch als er sich der Bruderschaft Danows angeschlossen hatte, sollte sich daran zunächst nicht viel ändern. Immer aber widmete er sich dem Studium der okkulten Wissenschaften und nahm an den Meditationsübungen seines Meisters teil.

Als sein Meister Petar Danow, nach einer etwa einjährigen Exilhaft, im Jahr 1919 entlassen wurde und in den Kreis seiner Anhänger zurückkehrte, faszinierte ihn insbesondere der junge Aïvanhov. Der wurde sein wahrscheinlich ergebenster Schüler. Als Danow mit seiner Bruderschaft später in die bulgarische Hauptstadt Sophia umzog, folgte ihm Aïvanhov nach.

Durch seinen Meister angeregt schrieb sich Aïvanhov dann an der Universität von Sophia ein, um dort zwischen 1923 und 1931 Naturwissenschaften zu studieren. In dieser Zeit besuchte er auch Kurse in Philosophie und Psychologie. Ab 1932 arbeitete Aïvanhov als Lehrer an einer Schule, von der er später auch Direktor wurde.

Der französische Zweig der Weißen Bruderschaft

Als kurz vor dem Zweiten Weltkriegs unruhige Zeiten aufdämmerten, beauftrage Petar Danow den damals 37-jährigen Aïvanhov damit, einen Zweig seiner okkulten Schule in Frankreich zu gründen, wo er die Lehren der bulgarischen Bruderschaft bekanntmachen sollte.

1937 reiste Mikhaël Aïvanhov mit einem einfachen Touristenvisum nach Paris, wo er Kontakt aufnahm zu Menschen, die mit der Universellen Weißen Bruderschaft sympathisierten. Unter ihnen befand sich Stella Bellemin, eine Frau in ihren Fünfzigern, die eine der treuesten Schülerinnen Aïvanhovs werden sollte. Sie hatte Bulgarien bereist, wo sie auch Petar Danow begegnet war. Mit ihrer Hilfe perfektionierte Aïvanhov sein Französisch und begann schon im Jahr darauf erste Vorlesung an der Sarbonne in Paris zu halten. In dieser Zeit schlossen sich ihm immer mehr Menschen an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Aïvanhovs Bruderschaft ein Haus in einem Vorort von Paris, in Sèvres. Nachdem dort notwendige Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren, gründeten er und seine Anhänger Ende 1947 einen Verein mit dem Titel »Fraternité blanche universelle« (deutsch: »Universelle Weiße Bruderschaft«) die dann Anfang 1948 offiziell in das französische Vereinsregister eingetragen wurde. 1953 dann entstand ein weiteres internationales Zentrum der Bruderschaft in der Nähe des südfranzösischen Fréjus, dem sie den Namen gaben »Le Bonfin«.

Begegnungen mit einem indischen Guru

Aïvanhovs reiste 1959 nach Indien und traf dort den Hindu-Guru Neem Karoli Baba (1900-1973) – den seine Schüler »Babaji« nannten, »Verehrter Vater«. Dieser Babaji war ein Meister des Bhakti-Yoga, einem spiritueller Weg im Hinduismus, der sich der Entwicklung liebender Hingabe an Gott widmet. Neem Karoli Baba war auch der Lehrer des amerikanischen Gurus Ram Dass.

Von diesem Guru Neem Karoli Baba auf jeden Fall, erhielt Aïvanhov den Titel »Omraam«, ein Name der sich zusammensetzt aus zwei Sanskrit-Mantras: Om und Ram. »Om« natürlich ist das heiligste Mantra der Hindus, dass für das absolut Göttliche steht. Die Silbe »Ram« steht für das heilige Feuerelement.

Wie es zu dieser Namensgebung kam, versuchte Aïvanhov seinen Schüler durch folgende Allegorie zu veranschaulichen: »Omraam« entsprach dem alchemistischen »solve et coagula« (deutsch: »löse und binde«), wo das »Om« als »solve« alle Dinge auflöst und dabei verfeinert, um sie im »Ram«, dem »coagula«, neu zu materialisieren, wo eine gewonnene Vorstellung quasi zu einer konkreten Tatsache »gerinnt«. Sein neuer Titel stand damit natürlich für das, was er seinen Schülern durch seine Arbeit geben wollte: Hilfe bei der allegorischen Transmutation, bei der Verwandlung ihres bisherigen, in ein höheres, edleres Dasein.

Vor seiner Reise nach Indien hatte sich Aïvanhov, den seine Anhänger »Bruder Michael« nannten, bis dahin immer geweigert, dass man ihn als »Meister« ansprach. Schließlich sah er sich mit ihnen, als Mitschüler seines Lehrers Petar Danow. Doch nach seiner Reise nach Indien und seiner dortigen Begegnung mit dem Guru Babaji, sollte sich jetzt alles ändern.

Was einen Guru ausmacht

Ein Mensch den andere als ihren spirituellen Meister oder Guru bezeichnen, ist jemand der über seine Handlungen, seine Gefühle und über seine Gedanken vollkommene Kontrolle erlangt hat. Meister zu sein bedeutet darum zuerst Meisterschaft über sich selbst zu erlangen. Wer das erreicht und die wesentlichen Probleme des Lebens im Griff hat, der ist frei, besitzt einen äußerst starken Willen und ist jemand der gleichzeitig erfüllt ist von Milde, Liebe und Freundlichkeit.

Es bedeutet wirklichen Aufwand und bedarf beharrlicher Ausdauer, um Meisterschaft über das Selbst zu erlangen. Wem das jedoch gelingt, der ist jemand, der alle Widersprüche in sich aufgelöst hat und bei dem all sein Handeln, Fühlen und Denken mit seiner Lebensphilosophie in Einklang sind. Das macht ihn zum lebendigen Beispiel für das was er anderen mitteilen möchte.

Den Zustand eines sanften und gleichzeitig entschlossenen Bewusstseins zu erreichen, dafür übte einer, den andere dann einen Guru nennen, diszipliniert unter Anwendung besonderer Methoden. Aber auch ein Wissen über die grobstoffliche und feinstoffliche Konstitution des Menschen ist hierbei von Nöten, sowie ihre Wechselwirkung mit den Reichen der Natur und den höheren esoterischen Zusammenhägen im Kosmos.

Wem gelingt, so einer zu werden, der wird eine Quelle der Weisheit und des Lebens, die auf andere Menschen einen Magnetismus ausübt, ohne dabei selbst aktiv auf sie zugehen zu müssen. Man erkennt einen spirituellen Meister deshalb daran, dass er umgeben ist von Jüngern.

So kam es, dass auch Aïvanhovs Jünger wünschten, ihm nach 22 Jahren, in ihrer Anrede gebührenden Respekt zu zollen. Schließlich akzeptierte er als ihr Meister angesprochen zu werden. Seine Begabung mit seinen Schülern eine brüderliche Beziehung zu führen aber änderte sich nie.

Der Melchisedek-Orden

Aïvanhov lud jeden seiner Schüler dazu ein, einen noch größeren Meister wiederzufinden: Melchisedek – König von Salem, Meister aller Meister. Seinem Orden gehörten der Prophet Abraham, später König David und schließlich auch Jesus Christus an. Sie alle nämlich hatten in sich die Prinzipien des Sonnenlogos verwirklicht. Von diesem Orden beziehungsweise einer »Ordnung« des Melchisedeks kündet die Bibel:

Du ist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

- Psalm 110:4

Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.

- Hebräer 5:6

Dieser Melchisedek wird auch »König der Gerechtigkeit« und »Priester des höchsten Gottes« genannt, wobei der Zusatz »Salem« in seinem Namen, aus ihm auch einen Friedensfürsten macht, einer Eigenschaft die der biblische König König Salomon nach ihm verwirklichen sollte, als Erbauer des ersten Tempels auf dem Zionsberg in Jerusalem.

Die gnostische Schrift Pistis Sophia nennt Melchisedek den großen Empfänger des Lichts, der die Seelen in ihrem Aufstieg besiegelt und sie, so wörtlich, »zum Lichtschatze« führt. Dieser Priesterkönig Melchisedek ist der Anführer der Paralemptoren, der Empfänger des göttlichen Lichts. Als solcher aber ist er auch der, der die großen Eingeweihten leitete, wie etwa den Hermes Trismegistos, den Orpheus, den Propheten Moses, Zarathustra, König Salomon und Jesus den Christus. Sie alle hatten nur ein wahres Bedürfnis: im Licht Gottes zu handeln, von ihm erfüllt für das Licht Gottes zu arbeiten, damit es sich in der Welt und in jedem Menschen manifestiere.

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

- Johannes 8:12

Yoga des Lichts

Aus diesen und anderen Geheimlehren hatte Aïvanhov seine universelle Lichtmetaphorik entwickelt, auf deren Grundlage er die Mitglieder seiner Gemeinschaft in einen Yoga der Sonne initiierte: den Surya-Yoga. Er leitete sie an, zwischen den Frühlings- und Herbstäquinoktien, immer während des Sonnenaufgangs zu meditieren. Dieses morgendliche Ereignis nämlich bildet jeden Tag eine Zeit, wo sich das Sein des Menschen wieder aufbaut, wo die Sonnenstrahlen dazu beitragen den Meditierenden zu verwandeln und zu erneuern.

In dieser Meditation konzentriert der Praktizierende seine Gedanken auf die Sonne, was die Verbindung zu seinem Geist stärkt. Jeder Mensch nämlich trägt auch in sich ein solares Zentrum, so dass sich der Meditierende damit verbinden kann, wenn er auf die Sonne als Zentrum unseres Planetensystems meditiert. Auf diese Weise stellt der Praktizierende eine Verbindung her zu seinem höheren Selbst.

Ein Symbol für den Sieg über das Niedere Selbst

In seinem Buch »Die Früchte des Lebensbaums« beschreibt Omraam Mikhaël Aïvanhov die besondere Rolle des Erzengels Michael für unsere Erde und alles was auf ihr lebt. Dieser Engel ist die Wesenheit, die die Erde durch ihren himmlischen Geist reinigt. Das heißt, im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte, bis heute, überschwemmten dämonische Kräfte unseren Planeten. In ihrer zerstörerischen Gesamtheit fügten sie sich zu dem zusammen, was Aïvanhov als den allegorischen Drachen beschrieb, der auf Erden sein Unwesen treibt und den dereinst St. Michael stürzen soll.

Wie obiges Zitat aus dem Buch Daniel andeutete, bleibt das in unserer Zeit aber ein zukünftiges Ereignis. Gegenwärtig drängt das Finstere der Welt, das Lichtvolle immer weiter zurück. Es gab aber immer Menschen die im Kampf gegen das Finstere all ihre Kräfte aufboten, um das was im biblischen Kontext das Symbol des Drachen widerspiegelt, zu überwinden. Keinem von ihnen aber gelang bisher, diesen üblen Egregor, diesen dämonischen Gruppengeist zu stürzen. Er nämlich giert nach allem das Furcht einflösst, labt sich am Hass und der Verwirrung aller Menschen, was sich zu eben jenem Geist verdichtete, dessen Seelengefährt jener siebenköpfige Drache aus der Offenbarung des Johannes sein wird.

Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner gleichwie ein Lamm und redete wie ein Drache.

- Offenbarung 13:11

Erzengel Michael - ewigeweisheit.de

Der Erzengel Michael dargestellt auf einer byzantinischen Ikone eines unbekannten Meisters (um 1390).

Auf dem Weg in ein neues Goldenes Zeitalter

In dieser Symbolik kommt auch zum Vorschein das, was im Hinduismus als unsere Gegenwart im Eisernen Zeitalter beschrieben wird: das Kali-Yuga – das Zeitalter des Streites und des Niedergangs, mit dem ein großer Zyklus enden wird. Am Ende des Kali-Yuga aber soll auf Erden erscheinen, entsprechend dem Erzengel Michael der abrahamitischen Tradition, der zukünftige Buddha Maitreya oder der Kalki-Avatar der Hindus. Sie alle scheinen die selben Prinzipien zu verkörpern eines göttlichen Erretters, der das Böse der Finsternis vernichten und ein neues Goldenes Zeitalter einleiten wird.

So verkörpern der Avatar Kalki, wie auch der Erzengel Michael, ein Prinzip der Hoffnung und der Zuversicht, dass das Licht über die Finsternis in der Welt dereinst obsiege.

Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satanas heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.

- Offenbarung 12:7

Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war [...]

- Offenbarung 19:11ff

Und so wie die Offenbarung Johanni jenen Erretter als auf einem weißen Pfern reitend das Böse vernichten wird, so wird auch in einer heiligen Schrift der Hindus, den Bhagavatapuranas, das Erscheinen des Kalki Avatars beschrieben:

Im Dorfe Shambhala wird der Gott Kalki erscheinen in der Heimat der großen Seele, der gerühmten Herrlichkeit des Gottes Vishnu. Sein schnelles weißes Pferd Devadatta besteigend, wird der Herr des Universums, mit Schwerte ausgestattet, mit überirdischen Fähigkeiten und acht Siddhis (übernatürlichen Kräften), die Verkommenen unterwerfen. Geschwind auf seinem Pferd über die Erde laufend, wird er mit unübertroffener Herrlichkeit die als Könige verkleideten Diebe niedermetzeln.

- Bhagavatapurana 12:2:18ff

Es ist also nur der Name, der in den Kulturen in West und Ost verschieden ist. Die Himmelsgesandten aber übernehmen immer die selbe Rolle. Mal auch als Maitreya oder Imam Mahdi. Das Wesen aber, der zuvor beschriebene Egregor, der in sich alles Leid konzentriert, ja eigentlich die Essenz alles Abscheulichen ist, den nennen die Geheimlehren den Grund für alles Übel auf Erden.

Nur jener himmlische, göttliche Avatara, jener auf Erden erscheinende Abgesandte Vishnus oder Gottes, kann dieses Monster stürzen und dabei die wegen ihm bestehenden Probleme der Menschen beenden und endlich auflösen. Wenn die Zeit dafür reif ist, wird er auf unserem Planeten erscheinen, den Drachen Satan stürzen, damit schließlich in unserer Welt ein neues irdisches Paradies erblühe. Das ist eine religiöse Hoffnung von der alle spirituellen Traditionen künden.

Dann werden St. Michaels Heerscharen die Gebete der Menschen beantworten, die sie seit Jahrhunderten an den Herrn der Welten richteten. Aus diesem Grund legte Aïvanhov seinen Anhängern nahe, solle man sich eben diesem Erzengel Michael zuwenden, sich mit ihm verbinden.

Wer so tut, der solle ihn um Schutz bitten, damit sich jeder Einzelne in diesem Sinne mit seinen Gefährten auf diesem Weg verbinde, einem Weg auf dem St. Michael dereinst mit seinem Licht, die Kräfte der Finsternis zerstreuen wird. So steht es geschrieben im Buch der Offenbarung.

Lohnt es sich deshalb nicht, einen Teil von unserem eigenen Licht, diesem erhabenen Ansinnen zuströmen zu lassen?

Willst Du leben, wahrhaftig leben? Gib Deinem höheren Selbst die Mittel, um über Dein niederes Selbst zu obsiegen.
Aus Perspektive der Einweihungslehren finden Gedanken, Gefühle und Machenschaften, die das höhere Selbst nicht begeistern, einfach nur den Tod, da sie von der Seele und dem höheren Geist nicht berührt wurden.

Dennoch solltest Du nicht versuchen Dein niederes Gemüt zu zerstören. Denn einerseits wirst Du damit erfolglos bleiben – denn Du selbst wirst zerstört, denn es ist ja sehr mächtig, da es ein Teil von Dir ist.
Drum sollte Dein Ziel sein es beherrschen zu lernen, es gefügsam zu machen, damit Dir seine eigentliche Lebendigkeit und Fülle zugutekomme.

Das hier Beschriebene wurde auch in der Offenbarung des Johannes veranschaulicht, wo Erzengel Michael den Drachen niederstreckt. Der Erzengel aber tötet den Drachen nicht; er überwältigt ihn.
Auf diese Weise sollen auch die Schüler den Drachen ihres niederen Selbst überwältigen. Das Symbol des Drachen zu durchschauen, schwächt ihn bereits (und entsprechend das niedere Selbst). Meditiere über dieses Bild und Du wirst vom Tod ins Leben schreiten, aus der Finsternis ins Licht, aus den Begrenzungen in die Grenzenlosigkeit, aus der Sklaverei in die Freiheit, aus dem Chaos in die Harmonie.

- Meditation nach Omraam Mikhaël Aïvanhov

Sein, Entwerden und Werden

Wie andere vor ihnen, versuchten Omraam Mikhaël Aïvanhov und Petar Danow den Menschen in ihrem Umfeld, ein Bewusstsein für den Kern ihres wahren Seins zu vermitteln. Wichtigstes Sinnbild für dieses Bewusstsein war immer das Licht, wie es der Erzengel Michael als Logos der Sonne verkörpert oder das Gestirn selbst, wo die Sonne doch schließlich die Quelle allen Lebens auf Erden ist. Denn durch ihre Wärme und ihr Licht entstanden all die unzähligen Lebensformen auf unserem Planeten.

Auf seinem Einweihungsweg muss der spirituell Suchende sich als Ziel setzen die Sonne zu erreichen, das heißt, er muss sich der mit ihr zusammenhängenden Symbolik nähern und nach dem Kern ihres Wesens streben. Die Sonne wird symbolisch zu seiner höchsten Gottheit, da er durch sie zu neuem Leben gelangt. Auf dem Sonnenwagen fahrend begibt er sich als Initiant, auf diese Weise zur Unsterblichkeit.

Wer diesen Sonnenwagen aber besteigen will, wird lernen müssen in seinem gegenwärtigen Leben zu sterben. Denn wie es die Alten sahen, versank ja auch die Sonne bei Sonnenuntergang ins Reich der Toten, in die Finsternis der Unterwelt. Wer sich darum mit einem solaren Bewusstsein durchs Leben bewegen möchte, sollte sich vertraut machen mit diesem Sein, Entwerden und Werden, dem ewigen Wechsel von solve et coagula, vom Lösen des Alten und neuer Zusammenfügung, von Loslassen und neu inspiriertem Handeln. All das zeigt ihm die Sonne Tag für Tag, in ihrem Gehen und ihrer Wiederkehr, als Licht der Welt.

 

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Buddha Maitreya - ewigeweisheit.de

Der kommende, zehnte und letzte Avatar Vishnus, ist Kalki - mit dem geheimen Namen Maitreya. Wenn er als Nachfolger des Buddha, dereinst die Erde betritt, wird damit das Ende eines Großen Zeitzyklus besiegelt. Auf weißem Ross, so die alt-indische Prophezeiung, soll er allen sichtbar erscheinen - als Erretter der Menschheit.

Der Name Maitreya - auch genannt "Metteyya" - hat verschiedene Bedeutungen. Sinngemäß aber bedeutet der Name "Der gutwillige Freund". Man nennt Maitreya, den, der liebenden Güte, den als mitfühlend Verehrten doch Unbezwingbaren. Im Mahayana-Buddhismus gilt Maitreya als der erwartete Lehrer der Menschheit. Damit ähnelt er gewiss dem Mahdi der islamischen Schia, oder Jesus Christus, den ja sowohl Muslime, wie auch Christen, in der Endzeit erwarten.

Mit der kommenden Erscheinung des zehnten Vishnu-Avatars, so heißt es, wird Kalki das Böse auf Erden vernichten. Auf milchweißem Streitross wird er durch die Heere der Gottlosen reiten, mit gezogenem Schwert, das "dem Lohen eines Kometen" gleicht, wird er in die Flucht schlagen, die Feinde des Guten. Nach dieser letzten Schlacht endlich, wird Kalki, der Buddha Maitreya, die Reinheit in den Herzen aller Lebenden wieder herstellen.

Einem überraschend ähnlichen Reiter der Apokalypse, begegnen wir auch in der christlichen Offenbarung, in der Johannes prophezeite:

Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen.

- Offenbarung 6:2

Es scheint, als kündeten auch die heiligen Schriften der Zoroastrier vom Kommen eines himmlischen Reiters, den man dort Saoschjant nennt - den "letzten Helden" - Heros der Endzeit.

In den heiligen Texten der Hindus heißt es, dass in den letzten Tagen dieses Yugas (Zeitalter) die Welt ihr Ende erreicht und zerstört wird. Dabei verändert die Erde ihre äußere Form, Kontinente werden versinken und sich neue Landmassen aus dem Meer erheben.

- Aus "Zeichen des Agni-Yoga", Abs. 158-159

Über das Kommen des zukünftigen Buddha

Der Buddha Maitreya strebt als Boddhisattva nach Erleuchtung, erreicht dereinst die höchste Stufe spiritueller Vollendung. Darin begründet ist der Wunsch allen Menschen zu helfen, letztendlich das Rad des Schicksals zu verlassen: den leidvollen Pfad des Samsara. Wer so weit fortgeschritten ist, kann den scheinbar endlosen Zyklus von Tod, Leben und Wiedergeburt verlassen.

Im Hinduismus, aus der der Buddhismus hervorging, verehrt man die Avataras, als Inkarnationen des Gottes Vishnu. Zehn Avataras inkarnieren sich als Gottwesen auf der Erde. Buddha Shakyamuni war der neunte. Sein Nachfolger, so die Hindu-Texte, wird sein der "Kalki-Avatara". Er ist identisch mit dem von den Buddhisten erwarteten Buddha Maitreya.

Es heißt, Buddha Shakyamuni besuchte den Maitreya bereits damals in seinem himmlischen Wohnsitz (Tushita). Dort ermächtigte er ihn als seinen Nachfolger. 5.000 Jahre nach seinem Tod werde er auf Erden erscheinen - das heißt, von heute an, in etwas weniger als 3.000 Jahren. Er wird ein Bringer des Guten sein, magisch-moralische Kräfte aus sich hervorbringend.

Heute kann ein Mensch seine Gedanken vor allem durch seine Sprache an andere Menschen übertragen. Doch in Zukunft, soll Maitreya im Stande sein, allein durch seine Sprache seine vollkommen guten Gemütsbewegung und seine perfekte Moral, direkt in die Seelen der Menschen zu sprechen. In unserer heutigen Zeit ist das noch unmöglich. Diese Epoche der Wandlung, wird sich jedoch erst im kommenden Zeitalter des Steinbocks ereignen (gegenwärtig befinden wir uns an der Schwelle ins Wassermannzeitalter).

Von Maitreyas Kommen, kündet bereits das Visuddhi-Magga (Weg der Reinheit) - ein heiliger Text des buddhistischen Gelehrten Buddhaghosa. Es ist eines der bedeutendsten und ältesten Werke des Mahayana-Buddhismus (5. Jhd. n. Chr.). Auch der indische Maitreya-Vyakarana, "Prophezeihung Maitreyas", legt Zeugnis ab vom Kommen Maitreyas, in einer Zeit, wo alle Engel, Menschen und andere höhere Wesen, diesen hohen Gesandten verehren werden. Dann wird die Zeit gekommen sein, dass all ihre Zweifel von ihnen fallen. Der Buddha Maitreya wird sie entbinden, aus dem Lauf der Leidenschaften.

Frei von allem Kummer, werden sie Maitreyas Lehren vernehmend, den Ozean des Werdens überqueren und ein Leben in größter Heiligkeit führen. Nicht länger werden sie etwas als ihren Besitz erachten, sondern den Segen der Besitzlosigkeit erkennen. Weder Gold noch Silber, weder ein Zuhause noch Verwandte werden sie versuchen zu besitzen. Maitreya wird sie in ein Leben von Reinheit und Heiligkeit führen. Die Stränge der Leidenschaften werden zerreißen und sich in geheiligtes Denken begeben. Alles was ihnen, unter der Führung Maitreyas, in ihrem geheiligten Leben gehört, sind Glück und Zufriedenheit.

Dann erst, in diesem Bewusstsein, wird die letztendliche Neugestaltung der Welt erfolgen. Kriege, Krankheiten und Hunger werden in dieser Zeit nicht mehr existieren. Eine neue Weltgesellschaft wird entstehen, erfüllt von der Toleranz eines liebevollen Miteinanders.

Maitreya und die Lehren des Agni-Yoga

Durch Morya - den alten Meister der Weisheit - kamen die sogenannten "Lehren des Feuers" auf die Erde. Er war laut theosophischem Mythos, Meisterlehrer Helena P. Blavatskys, wie auch Helena Roerichs. Morya war angeblich ein Nachkomme der alt-indischen Maurya-Dynastie, die von 320 bis 180 v. Chr. das große Maurya-Reich beherrschte, einst das indische Kernland umfassend.

Dieser Morya auf jeden Fall, erschien an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, in einer Übergangszeit in die "Epoche des Feuers". So lesen wir in den Büchern des Agni-Yoga ("Feuer-Yoga") der Helena Roerich:

Maitreya wird kommen, umstrahlt von all seinem Feuer. Sein Herz ist in ein Licht des Mitgefühls getaucht, das darin für die bedürftige Menschheit leuchtet. Sein Herz ist getaucht in ein Licht, mit der Bekräftigung eines neuen Bundes. [...] Der Regent Shambhalas (Buchtipp) offenbart dann der Menschheit drei Glaubenslehren: die von Maitreya offenbarte Lehre wird den menschlichen Geist einberufen, in unsere Welt des Schaffens; die von Maitreya offenbarte Lehre weiht das Unendliche im Kosmos, im Leben und in den Kenntnissen des Geistes; die von Maitreya offenbarte Lehre behütet das Wissen vom kosmischen Feuer, als die Entfaltung des Herzens, dass die Manifestation des Universums umfängt.

Das Zeitalter Maitreyas soll eine Zeit der großen Weltenmutter werden. So die Lehren des Agni-Yoga:

Die Epoche des Maitreya wird die Frauen lobpreisen. Die Erscheinung Maitreyas wird zusammenhängen mit der Einsegnung der Mutter der Welt, in der Vergangenheit, der Gegenwart und in der Zukunft.
Dann wird die Frage aufkommen "Warum nennt sich diese Zeit 'Ära der Mutter der Welt'? Wahrlich, diese Zeit muss so genannt werden. Frauen werden der Menschheit eine große Hilfe sein, nicht nur, da durch sie die Menschen zur Erleuchtung geführt werden, sondern auch durch die Anerkennung der Gleichheit (zwischen Mann und Frau).

Das kommende, neue Weltzeitalters steht unter dem Zeichen der Zusammenarbeit. Nicht etwa aber, unter Aufsicht und Anweisung, als eher durch das, was im Agni-Yoga "Direktes Denken" genannt wird. Es ermöglicht Zusammenarbeitenden große Dinge zu vollbringen, von uns heute noch unbekannten Ausmaß. Arbeit ist dann nicht mehr eine Frage des reinen Broterwerbs, sondern Arbeit im Dienste der gesamten Menschheit. Welch erhabene Perspektive!

Alle Yogas der Vergangenheit, die der Menschheit von höchster Quelle gegeben wurden, basierten auf besonderen Lebensaspekten. Nun, im aufdämmernden Zeitalter Maitreyas, muss es einen Yoga geben, der unumgänglich, einen Wesenskern des Lebens an sich umfasst. Man sollte sich an die Beispiele jener Jungen der Bibellegende erinnern, die sich tapfer aufopferten, dabei jedoch Macht erlangten. Wo Feuer ist, gibt es klare Beweise zunehmender Vollendung.

- Aus "Zeichen des Agni-Yoga", Abs. 158-159

Vor dem Auftreten Maitreyas

Bevor aber der große Weltlehrer, der kommende Buddha Maitreya, auf Erden erscheinen wird, werden Erde und Zivilisation, einen drastischen Prozess der Verwandlung durchmachen. Padmasambhava (deutsch: "Lotusgeborener"), der Guru Rinpoche und Begründer des tibetischen Buddhismus, prophezeite bereits vor über 1.200 Jahren etwas, dass offenbar bereits heute, finstere Wirklichkeit geworden ist:

Die gegenwärtigen Zeichen stehen unter dem Zeichen wundersamer Moden - traditionelle Kleidung wird kaum noch einen interessieren.
Anmaßung und ruchloses Treiben werden glorifiziert. Die Königreiche werden von Proleten regiert; Könige werden Almosen empfangen; Schlächter und Mörder werden die neuen Anführer sein; Selbstsüchtige Fanatiker, ohne jeden Skrupel, werden zu höchstem Stand erhoben.
Trunkenbolde werden vom Weg zur Erleuchtung predigen. Hinterhältige Betrüger werden behaupten, übernatürliche Kräfte zu haben.
Man wird die Lehren des Buddha verfälscht wiedergeben, wo ihre Interpretationen alleinig der Selbstrechtfertigung dienen.
Neues Gedankengut wird unvereinbar sein mit den traditionellen Lehren.
Doch es wird auch Hungersnöte geben. Frost und Hagel werden für viele ertraglose Jahre verantwortlich sein.
Krankheiten werden sich ausbreiten, schlimme Epidemien und Plagen werden wie ein verheerender Flächenbrand wüten, frappant für Mensch und Vieh.
Zur Saison wird kein Regen fallen, doch jenseits dessen, werden die Täler überflutet sein.
Erdbeben werden plötzliche Fluten auslösen, während Feuer und Tornados dem Grauen das ihrige beitragen. Dabei aber werden Tempel, Stupas und ganze Städte untergehen.

Wenn man das Tagesgeschehen der Presse verfolgt, könnte man fast meinen, Padmasambhava prophezeihte Apokalypse hätte bereits begonnen. Doch wie schon oft in der Vergangenheit, glaubten Menschen, das Ende der Welt stünde unmittelbar bevor - und weitere Jahrhunderte vergingen.

Zumindest aber sind manche der Zukunftsdeutungen, des Padmasambhava, insofern eingetreten, als dass sie uns tatsächlich auffordern zu handeln, statt uns aus Angst im stillen Kämmerlein zu verkriechen.

Wie auch andere vor und nach ihm, verkündete Padmasambhava die Wiederkehr eines Weltlehrers, der in einer wichtigen Zeit auftreten wird. Doch dieser große Meister, muss gar kein Buddhist sein oder einer anderen Religion angehören, meinte Padmasambhava. Vielleicht wird er nicht einmal mehr einen physischen Körper besitzen. Doch eben deshalb, könnte er als himmlisches Wesen, die Menschen aus den Fesseln ihrer materialistischen Gesinnung erlösen.

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Maitreya und Mahdi: Retter am Ende der Zeit

von S. Levent Oezkan

Ragnarök (Emil Doepler) - ewigeweisheit.de

Buddhistische und islamische Geheimlehren sehen das Kommen eines großen Weltlehrers in der Endzeit. Gegenwärtig lebt dieser Erleuchtete im Verborgenen - so die heiligen Schriften. Mit seinem Erscheinen aber, soll das Böse endgültig besiegt, und allen Menschen Glück und Frieden zu Teil werden.

Eine alte buddhistische Legende erzählt von einem großen Weltkönig. Der hatte tausend Söhne, von denen jeder einst ein Erwachter, ein Buddha sein würde. Ihre Namen schrieb er auf tausend Steine und legte sie in eine heilige Schale. Sieben Tage meditierte er. Darauf nahm er nacheinander die Steine aus der Schale. Beim fünften las er Maitreya (auch: Metteyyo): der Name des kommenden Buddha im Kali-Yuga (sanskr. für »Zeitalter des Streites«).

Buddha Maitreya lebt heute im Verborgenen. Sein Aufenthaltsort ist das heilige Land Tuschita. Dort verkündet er den Bodhisattvas den großen Weg des Buddhismus (Mahayana). Diese Jünger des Maitreya sind Strebende, mit dem Ziel höchste Erkenntnis zu erlangen und allen lebenden Wesen zum Heil zu verhelfen. Durch seine erhabene Lehre beglückt Maitreya die Bodhisattvas. Für dieses Glück steht das Sanskrit-Wort seines Namens: maitri - der liebend wohlwollende Freund.

[...] ihr Mönche, (es) wird ein Erhabener in der Welt erscheinen, Metteyyo (Maitreya) geheißen, als der Heilige, vollkommen Erwachte [...], der Willkommene [...] Zeigen wird er diese Welt, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen haben wird [...] Er wird die Lehre verkünden [...], er wird das vollkommen geläuterte, geklärte Asketentum darlegen [...] Er wird eine Jüngerschar von einigen tausenden als Lenker führen, gleichwie jetzt ich (der Shakyamuni Buddha) eine Jüngerschar von einigen hunderten als Lenker führe [...] (er) wird sodann dem Thron entsagen, Asketen und Priestern, Armen und Elenden, Bettlern und Bittenden Gaben austeilen [...]

- Aus dem Pali-Kanon, Digha Nikaya 26

Maitreyas Ankunft

Das verborgene Land von Tuschita (auch: Tusita oder Tushita) befindet sich jenseits der Erde. Viele Buddhisten wünschen sich dorthin wiedergeboren zu werden, hoffend, in Maitreyas Gegenwart die höchste Einweihung zu erlangen.
Tuschita befindet sich, als eine von sechs himmlischen Welten, im Reich von Kamadhatu (Land der Wünsche), zwischen dem Himmel von Nirmanarati und dem Himmel von Suyama. Menschen die in Nirmanarati wieder geboren werden, bemühen sich durch rechte Führung und Enthaltsamkeit, sich in ihrer gegenwärtigen Existenz zu läutern. Der Himmel von Suyama ist die Heimat friedliebender Wesen, die dort in vollkommener Glückseligkeit leben.

Verschiedenen buddhistischen Weisen und Heiligen soll es aber bereits in ihrer irdischen Inkarnation gelungen sein, durch Meditation, in das reine Land von Tuschita zu reisen. Dort wurden sie dann von Maitreya in die Lehren des esoterischen Buddhismus eingeweiht. Einer von ihnen war Aryasanga: der Stifter der Yoga-Praxis. Durch Maitreyas Lehre kam der weise Aryasanga zur Erkenntnis, dass alles Wahrnehmbare nur aus geistigen Phänomenen entsteht, an sich aber substanzlos ist. Was der Sterbliche wahrnimmt, sind Projektionen seines Geistes.

Wenn dereinst der Buddha Maitreya auf der Erde erscheint, werden sehr viele Menschen aus den illusorischen Konstrukten ihres Geistes befreit und endlich erwachen. Dann werden sie verstehen, dass das Sinnen auf weltlichen Erfolg, und der Wunsch nach Befriedigung persönlicher Begierden, ihre Seele im Körper und Denken gefangen hält.

Buddhistische Weise sehen die physische Welt als Reflexion des begrenzten, verblendeten Ichs, dass die Realität als nur psychisch und geistig versteht. So sind sich die meisten Menschen ihres wahren Selbst (Atman) nicht bewusst, sehen nicht, dass dieser Kern ihres Seins aus dem Göttlichen (vedisch »Brahman« bzw. islamisch »Allah«) stammt.

Szenario der Endzeit

Besonders in Gegenwart der aktuellen, vierten industriellen Revolution, tendiert die durch Unwissenheit verursachte Verblendung, das Bewusstsein der Menschen immer tiefer hinabzuziehen, in die Finsternis der materiellen Welt. Laut der spirituellen Traditionen in Ost und West, sollen Irreführung und Wahn immer stärker zunehmen. Gewissermaßen lässt sich das ja heute schon überall erkennen. In den europäischen Großstädten, kann man es den Menschen sprichwörtlich vom Gesicht ablesen. Anscheinend ist der Durschnittsmensch bereits so ignorant, dass ihn nur noch Werbebotschaften erreichen, die Angst, Schmerz oder Ekel erregen.

Natürlich bringt uns die neue Technologie auch einen enormen Nutzen. Es soll hier kein Kulturpessimismus verbreitet werden. Die Geschehnisse eines jeden Zeitalters erfüllen ihren entsprechenden Sinn. Doch was die Menschen in den Industrienationen in den kommenden zehn Jahren erleben werden, kann heute niemand sagen. Sobald eine neue Technologie den Menschen das Leben vereinfacht, sind bereits unzählige neue Technologien parat und generieren neue Nachfrage. Keiner weiß wie sich die modernen Kommunikationsformen oder Künstliche Intelligenz, in den nächsten Jahren entwickeln.

Myriaden wertloser, kurzlebiger Informationen, hindern den Durchschnittsmenschen wichtige Einsichten darüber zu gewinnen, wer er und was seine tatsächliche Lebensaufgabe ist. Der Mensch ist gezwungen ständig neue Informationen zu erlernen. Sie bleiben aber meist nur oberflächlich, sind kurzlebig. Zwar informieren die neuen Medien den Menschen wie nie zuvor, in den seltensten Fällen aber bilden sie ihn! Doch nur wer über ausreichende Bildung verfügt, kann selbst entscheiden, welche Ziele er im Leben erreichen will. Durch ein Lebensziel erfüllen wir den Zweck unseres Daseins. Es ist etwas, dass den Kern unserer Seele bildet: das »Wahre Selbst« – Atman.

Je mehr Informationen wir über die materielle Welt um uns auftürmen, desto länger wird der Schatten, der uns den Weg zum Lebensziel verfinstert. Besonders wenn wir unseren Geist nur mit flüchtigen, banalen Informationen füttern, ist was darauf aufbaut nur labil. Hinzu kommt außerdem, dass viele Informationen im Internet und Fernsehen einfach falsch sind. Erdichtete Wahrheiten kursieren vor allem in sozialen Netzwerken.

Brauchbare Informationen im Internet zu finden ist aber möglich. Solche Informationen können uns als Wegweiser dienen, um Wahres Wissen zu erlangen – ein Wissen über den Weg den man gehen muss, um zu wesentlichen Erfahrungen zu kommen. Dann wird Wahres Wissen zu Weisheit.

Stilles Wissen

Natürlich können wir brauchbares Wissen auch in Büchern oder auf Internetseiten finden. Erkenntnisse jedoch, gewinnt man durch gemachte Erfahrungen. Es gibt aber Erfahrungen, die man nicht zufällig macht. Nur ein Meister kann einen zu solchen Erfahrungen führen. Sie nähren ein stilles Wissen im Herzen, das nicht intellektuell vermittelt werden, sondern von der Aura eines Lehrers auf den Schüler übertragen werden kann. Es ist kein intellektuelles Wissen, sondern ein Erfahrungswissen, dass nur jenseits geistiger Konzepte verstanden werden kann.

Laut buddhistischer und islamischer Überlieferung, werden die erwarteten Menschheitsretter, Maitreya oder Mahdi, den meisten unter den dann lebenden Menschen, ihre hohen Weisheiten in die Herzen einsprechen. Damit werden unzählige Menschen in eine Ethik eingeweiht, die auf wahrer Freundschaft basiert.

Der 12. Imam

Islamische Esoterik nennt den kommenden Lehrer der Endzeit Imam Mahdi (auch: Al-Mahdi oder Al-Mehdi). Er soll als Nachfolger des Propheten Mohammed erscheinen und alles Unrecht in der Welt beseitigen. Es wird dann genügend Essen für alle Menschen geben und ein goldenes Zeitalter des Überflusses anbrechen.

Bei den Zwölfer-Schiiten, den Anhängern des Imam Ali, lebt Mahdi als 12. Imam (arab. imam: Vorbild) in einer unsichtbaren Welt (arab. gaiba), ganz ähnlich dem Buddha Maitreya. Von dort soll er am Ende der Zeit auf die Erde kommen. In der Verfassung des Iran, wird Mahdi sogar als eigentliches Staatsoberhaupt genannt. Die islamischen Kleriker Teherans, sind nur Stellvertretung des Mahdi, bis dieser am jüngsten Tag aus der Verborgenheit wiederkehrt.

Der persische Sufi und Mystiker Suhrawardi (1153-1191) sah in Mahdi ein Wesen, dass bereits inkognito unter den Menschen lebt. Um seine spirituelle Kraft jedoch zu wahren, bleibt seine Anwesenheit unter den Menschen geheim. Erst wenn die Menschen aus ärgster Not nach Erlösung schreien, wird Imam Mahdi auftreten, von allen erkannt werden und als kommender Messias, die Seelen auf diesem Planeten erretten.

Daddschal - der falsche Messias

Es gibt zwar keine direkte Erwähnung des Daddschal (arab. für Anti-Christ, wörtlich »der Täuscher«) im Koran, doch er wird in islamischer Überlieferung beschrieben als der Widersacher Gottes. Er soll ein missgebildetes Wesen sein, mit einem blinden Auge. Vor dem Erscheinen des Imam Mahdi, wird er die Menschen täuschen und sie dazu bringen, sich von den spirituellen Weisheitslehren der Religion abzuwenden. Stattdessen wird er die Hölle anpreisen, das Paradies aber als einen Unort verleumden. Auf seiner Stirn trägt er ein Mal, das den drei arabischen Buchstaben Ka, Fa und Ra ähnelt. Sie bilden das arabische Wort Kufr كفر : Unglaube (vergl. Offenbarung 14:9).

Große Wunder soll der Daddschal in der Endzeit vollbringen. Viele werden ihn darum für den kommenden Messias halten. Dann soll er einen Menschen zu seinem Stellvertreter auserwählen und ihn auf seinen himmlischen Thron setzen. Der Zugang zu den heiligen Stätten der Muslime (Media und Mekka in Saudi-Arabien) bleibt ihm jedoch verwehrt.

Schließlich wird der Mahdi den Daddschal bekämpfen und besiegen. So soll sich der endgültige Sieg des Guten über das Böse ereignen und endlich das Zeitalter des Friedens unter den Menschen anbrechen.

Mahdi und Maitreya

In den Sahih Hadithen, den authentischen Aussprüchen des islamischen Propheten Mohammed, finden wir eine Erwähnung über die Wiederkehr des Imam Mahdi, am Tage des jüngsten Gerichts:

Durch Allah wird Al-Mahdi (Mahdi) aus der Verborgenheit kommen, kurz vor Anbruch des jüngsten Tages; selbst wenn es der letzte Tag auf Erden ist, wird er dann Gerechtigkeit und Gleichheit über die Welt bringen, Tyrannei und Unterdrückung auslöschen.

- Musnad Ahmad Ibn Hanbal, Band 1, S. 99

Mahdi und Maitreya scheinen sich ihrer Art nach zu gleichen. Was die islamischen Hadithen über Imam Mahdi sagen, ähnelt den Aussagen über Buddha Maitreya in den buddhistischen Sutras. Alle jene, die in den Tagen des Buddha Shakyamuni, keine Erleuchtung erlangten, würden dann aus den Fängen der Täuschung befreit und in Seligkeit erlöst werden.

Es scheint also, als teilten beide Religionen, Islam und Buddhismus, einen in wesentlichen Punkten übereinstimmenden Glauben, was die Rolle des Erretters in der Endzeit anbelangt. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Imam Mahdi wird nicht damit zögern, die nötige soziale Neuordnung zu erzwingen, während der Buddha Maitreya den Menschen offen lässt, sich aus selbst auferlegter Unterdrückung und äußerer Ungerechtigkeit zu befreien.

Doch selbst wenn sich beide Vorstellungen über die Endzeit, in diesem wesentlichen Punkt unterscheiden: ist es nicht bereits heute wichtig, über die Entwicklungen unserer Gesellschaft nachzusinnen?

Wer auch immer in Zukunft die Geschicke der Menschheit lenken wird: wir sollten jetzt damit beginnen Liebe, Glück und Frieden zu verbreiten – für uns und für unsere Mitmenschen.

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