Montsegur

Wer war Christian Rosenkreuz?

Wer war Christian Rosenkreuz?

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Wenn man über Christian Rosenkreuz spricht, geht es nicht in erster Linie um jemanden der ausschließlich in einem physischen Körper lebte. Es geht außerdem um eine Individualität die aus dem Verborgenen, auch ohne physischen Körper, durch ihre Ausstrahlung auch heute auf die Entwicklung der Menschheit wirkt - so zumindest glauben es zu wissen die Mitglieder der Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Neben seinem physischen Körper besitzt jeder Mensch auch einen feinstofflichen Körper, den man den Ätherleib nennt. Beide, physischer und ätherischer Körper, sind zu Lebzeiten eines Menschen miteinander verbunden. Im Augenblick des Todes aber löst sich der ätherische Körper vom physischen, wobei sich letzterer ja durch organische Prozesse allmählich auflöst. Auch der Ätherkörper entschwindet nach einer gewissen Zeit. Immer aber bleibt ein Teil dieses ätherischen Wesens als äußerst feine Substanz auf der Erde zurück. Besonders bei hohen Eingeweihten, wie etwa den Propheten und Heiligen, wirkt dieser Ätherleib aber weiterhin auf die Entwicklung der Menschheit.

So auch ging vom Ätherleib des des sagenhaften Christian Rosenkreuz, den wir im Folgenden C. R. nennen, eine große Wirkung aus, die tatsächlich bis heute auf unser Geistesleben einwirken könnte. Im Bestreben der Bruderschaft der Rosenkreuzer gilt es diese verborgenen Kraftwirkungen der Individualität des C. R. kennenzulernen und darüber das ewige, aus alter Zeit stammende Wissen wahrzunehmen. Die daraus strömende Weisheit wollen die Rosenkreuzer zugänglich machen - zum Nutzen des heutigen Menschen.

Was man heute die Bruderschaft vom Rosenkreuz nennt, nahm wahrscheinlich Mitte des 13. Jhd. seinen Anfang. C. R. aber deutete in seinem Werk an, dass sich in jedem Jahrhundert der Kraftstrom seines Wirkens, den gegebenen Umständen der Zivilisation anpasst. Das heißt, dass es in jedem Jahrhundert eine Thematik gibt, in der die geheime Lehre der ursprünglichen Rosenkreuzer, auf neue Art zum Ausdruck kommt.

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Bildnis des Christian Rosenkreuz

Vom Ursprung der Rosenkreuzer-Strömung

Das Bewusstsein der Menschen die im 13. Jhd. lebten war völlig anders geartert als unser heutiges. Bereits damals aber war die Fähigkeit zur Hellsicht sehr verkümmert, etwas das eigentlich jeder Mensch besitzt und von Geburt als geistiges Potential in sich trägt. Doch es kam zum vollkommenen Verschwinden dieser eigentlich urtypischen menschlichen Fähigkeit. Damit begaben sich die Menschen in eine tiefe Finsternis der Unwissenheit. Selbst hohen Eingeweihten fehlte der Zugang zu den spirituellen Welten. Statt also zu sehen, erinnerte man sich an das was man wusste. Nur so traf man eine Aussage über etwas das eintreten könnte – sei es physischer oder geistiger Art.

Es soll hier aber nicht der Eindruck entstehen, dass diese Entwicklung nur negativ war. Wie alles höhere Spirituelle, hatte auch sich dies als Teil des kosmischen Plans erfüllt. Denn erst durch dieses Ereignis konnte sich die intellektuelle und wissenschaftliche Kultur der Gegenwart ausprägen - eine Kultur, in der der Verstand die zentrale Rolle spielt. Die moderne Theosophie spricht hier von der fünften nachatlantischen Kulturepoche, in der sich die gegenwärtige Menschheit befindet.

Vorläufer der heutigen, war die griechisch-lateinische Weltkultur. Das sehen wir etwa an den noch immer verwendeten alten Begriffen, die sich insbesondere in den romanischen und angelsächsischen Sprachfamilien zeigen. Und da die Völker jener Sprachen begannen, sich seit dem Mittelalter über ihre Reichsgrenzen hinweg zu bewegen – teils durch Handel, doch leider auch durch Kolonialisierung – kann man heute in der Tat von geistigen Ausläufern sprechen, die sich um den gesamten Erdball hinaus bewegt haben, ihren Ursprung aber in der alten griechisch-lateinischen Kulturepoche haben.

In der alten griechischen Kultur existierte aber noch nicht das heutige verstandesmäßige Denken. Was sich jedoch aus der rationalen, verstandesbestimmten Kultur entwickelte, ist das, was man heute unter visionärem Denken versteht. Denn in der griechisch-lateinischen Kulturzeit fantasierte man nicht, als eher direkt in bewusster Verbindung zu stehen mit dem was gefühlt oder gesehen wurde.

Heute aber ist die Fähigkeit sich Dinge auszumalen, zu fantasieren und Visionen zu erzeugen, wohl unabdingbar geworden. Allmählich könnte darum auch die Fähigkeit des Hellsehens, langsam wieder in unsere Kultur zurückkehren, gewissermaßen als eine Fortentwicklung der Fähigkeit zur Vision.

Zur Entwicklung dieser hohen Fähigkeiten und dem Verstehen des innersten Wesens unserer Welt, begann aus dem Verborgenen eine Bruderschaft ihre besondere spirituelle Arbeit.

Ein katharischer Mönch in Thüringen

Im 13. Jhd. gründete sich im Verborgenen die Bruderschaft der Rosenkreuzer. Aus dem Kreis der häretischen Glaubensbewegung der Katharer, ging ein Weiser hervor, den wir oben als C. R. einführten. Er kam im thüringischen Germelshausen zur Welt, als Nachfahre eines verarmten Adelsgeschlechts. Jener Geburtsort des C. R. existiert heute nicht mehr auf der Landkarte, sondern verschwand angeblich über Nacht von der Erdoberfläche. Einige Legenden ranken sich um diesen Ort.

Die Eltern des C. R. aber waren einige der wenigen Initiierten, die die geheimnisvollen Lehren der Katharer bewahrten. Sie glaubten an die Wiedergeburt und die Befreiung von der selben, zur Erretung der Seele. Dies erfolgte durch das katharische Consolamentum, einer Geisttaufe die durch Auflegen der Hände erfolgt.

Es gibt jedoch keine genauen Daten oder Schriftstücke, die belegen könnten was im Folgenden gesagt wird. Denn was über die Herkunft des C. R. bekannt ist, wurde eigentlich nur mündlich weitergegeben, was kaum verwunderlich sein dürfte. Wie hätte etwas jemals anders erhalten bleiben können, das so vehement von der Kirche unterdrückt wurde? Zweihundert Katharer verbrannten 1244 in den Palisaden der Burg Montségur in Südfrankreich. So rabiat ging die katholische Inquisition gegen die Katharer vor. Auch die Gebäude der Katharer zerstörte man und verbrannte ihre heiligen Schriften.

Wer von ihnen also überleben wollte, verbarg sich und hüllte sein Wissen in tiefes Schweigen. Darum ist es heute nicht einfach, Beweise über das hier Gesagte vorzulegen. Was sich nach dem Untergang der Katharer später von ihrem esoterischen Wissen erhielt, wurde im Stillen, von Mund zu Ohr weitergegeben. Sicher aber sind die bis heute überlieferten Geheimnisse und Lehrer der Katharer nichts Erfundenes – hätten sich oberflächliche Geisteskonzepte doch niemals so lange erhalten können.

Ziemlich sicher entkamen einige der Katharer aus Südfrankreich, bevor sie der Inquisition der katholischen Kirche zum Opfer fielen. Einer von ihnen nun, sollte sich als Mönch in der Kapelle jener Adelsfamilie von Germelshausen versteckt haben. Doch auch hier dauerte es nicht lange, bis auch diese Familie wegen ihres häretischen Glaubens umgebracht wurde. Nur ihr jüngster Sohn konnte durch die Hilfe eben jenes Katharer-Mönchs, mit diesem in ein nahegelegenes Kloster fliehen. Dort nun wurde er aufgezogen und bereits als Kind eingeweiht in die Mysterien der Katharer.

Man könnte sagen, dass C. R., wie auch Jesus oder der Buddha, eine reale Person gewesen ist – auch wenn jene großen Individualitäten eine viel höhere sakrale Aufgabe auf Erden erfüllten. Dennoch ist auch ihre wahre Existenz kaum zu belegen und nicht durch eindeutige historische Daten gesichert. An ihrer Existenz und ihrem Wirken jedoch besteht kein Zweifel. Wie und aus welchem Grund auch, hätte jemand die bemerkenswerten und heiligen Hinterlassenschaften ihres Wirkens, in Form ihres riesigen spirituellen Weisheitskorpus, einfach nur erfinden sollen? Selbst wenn Jesus Christus oder der Buddha keine Einzelpersonen gewesen sind, hätte doch eine riesige Gruppe Eingeweihter an jenem durch sie entstandenen Werk arbeiten müssen, was, ohne die Führung eines zentralen Organs, hätte nie stattfinden können! Was vor Allem wäre der Grund für solch eine spirituelle Bewegung gewesen, zu der man gewiss ja auch die Rosenkreuzer zählen kann?

Ziel der Bruderschaft des Rosenkreuzes war ein neues Zeitalter einzuleuten, um den Menschen zu helfen sich aus der Finsternis der Unwissenheit zu befreien. Und in diesem Sinne musste etwas geschaffen werden, das diese Vision durch einen Mythos verhüllte. Man wusste eben, dass nur damit Aufmerksamkeit erregt werden konnte, was sich als Legende verbreitete - als etwas das in ein tiefes Geheimnis gehüllt war.

Die Erzieher des C. R.

An einem geheimen Ort in Deutschland, bildete sich eine Loge hoher, geistiger Individuen von zwölf Männern. Sie besaßen die Weisheiten der alten atlantischen Zeit, wie auch die uralten Weisheiten jener Völker, die die nachsintflutliche Kultur über Jahrtausende hinweg prägten. Sie vereinigten sich mit dem Ziel den Fortschritt der Menschheitsentwicklung zu fördern.

Sieben dieser großen Geister waren Reinkarnationen jener heiligen Rishis, durch die nach der Sintflut die Lehren aus der alten atlantischen Weltzivilisation überliefert wurden. Zu diesen sieben Weisen aber gesellten sich noch vier weitere Individuen, die zuvor als Hohepriester inkarniert, in den vier großen Zeitepochen unserer Menschheitsvergangenheit lebten. Einer von ihnen blickte zurück auf die alte indische Zeit des fernen Osten, ein anderer auf die alte persische Zeitepoche, der dritte auf die Zeit der alt-ägyptischen, alt-assyrischen und alt-babylonischen Epoche und der vierte auf die griechisch-lateinische Zeit, die ja unserer heutigen Kultur vorausging.

Gemeinsam vereinigten sie sich dann im 13. Jhd. zu einem auserwählten Kollegium. Zu dem aber trat noch ein zwölfter Weiser hinzu. Er war der, der das innerste Wesen der gegenwärtigen Kulturepoche kannte, in der, wie oben bereits angedeutet, der menschliche Geist wissenschaftlich und verstandesmäßig geprägt war. Ob es hier eine Verbindung zum Stauferfürsten Friedrich II. gab, sei dahin gestellt. Sicher jedoch das jene Mentalität die dieser Zwölfte besaß, noch bis in die Gegenwart hineinstrahlt und die Schwelle berührt zu einem neu anbrechenden Zeitalter.

So also trat damals dieses Kollegium zwölf großer Eingeweihter zusammen, um aber einen 13. in ihre Mitte aufzunehmen und ihn in ihre Weisheiten zu initiieren. Und eben dieser war der junge C. R., den der Katharermönch aus den Fängen der Inquisition errettet hatte.

Im Kreis der zwölf Weisen

C. R. wuchs in der Erziehung dieser zwölf Eingeweihten auf. Jedem der Zwölf galt es als Pflicht C. R. - dem 13. - die Essenz ihrer gesamten Weisheit, aus all den vorhergehenden und gegenwärtigen Zeitepochen zu übertragen. Jedoch geschah das abgesondert von der Welt im Verborgenen jenes Klosters. So konnte niemand anderes Einfluss auf den jungen C. R. ausüben, als nur das auserwählte Kollegium dieser zwölf Erleuchteten.

Auch wenn man sie als Christen bezeichnen kann, waren sie dennoch davon überzeugt, dass das damals gegenwärtige Christentum in Wirklichkeit nur die entstellte Wiedergabe einer wahren Christenheit war. Aus diesem Grund auch, hielten sie sich im Verborgenen auf. Ihre Anschauung des Christentums nämlich wäre der Kirche nur ein gefährliches Feindbild geworden. Doch die Kraft der darin vermittelten christlichen Weisheit hätte sich wegen seiner Wirksamkeit wohl ebenso schnell verbreitet, wie das, was die Katharer lehrten. Was aber mit jenen Eingeweihten geschah, durfte sich nicht wiederholen und musste sich darum im Verborgenen entwickeln.

Was der junge Mann in dieser Zeit im Kreise der zwölf Weisen erlebte, führte sein gesamtes Dasein in ein vollkommen anderes Leben. Er war in seinem alten Leben gestorben, und erfuhr seine eigentliche Aufgabe als christlicher Botschafter jener vor- und nachatlantischen Weisheiten, die ihm von den zwölf heiligen Männern zuströmten. Seine Lehrer erkannten, dass durch ihr Wirken, C. R. eine ebenso transformierende Lebenserfahrung machte, wie einst der Apostel Paulus von Tarsus, als er in Damaskus dem auferstandenen Christus begegnet war. Nicht nur absorbierte C. R. das Geheimwissen der zwölf Weisen, sondern es sollte sich daraus später das entwickeln, was man heute als das esoterische Christentum der Rosenkreuzer bezeichnet. Damit hatte der Junge nicht nur das Wissen jener zwölf Lehrer aufgenommen, sondern in sich umgewandelt in eine noch höhere Form der Weisheit: einem wahren Christentum, das sich vollkommen unterschied von jenem der Epoche, in der es sich bildete.

Im Wirken des C. R. und des Kollegiums der zwölf Weisen, wurde zusammengetragen wofür die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Welt stande. Aus den okkulten Weisheiten der Zwölf, reduzierte in einem symbolischen Tod jener 13. sein Wissen zu einer Essenz, aus der sich ein vollkommen neues, esoterisches Christentum bilden konnte. Was C. R. damit den Zwölfen aus ihrer Mitte her geoffenbart hatte, zeichneten diese auf, um es später auf geheimen Wegen unter jene zu bringen, die dafür bestimmt waren, es als ihre Nachfahren in den kommenden Jahrhunderten der Menschheit zu offenbaren.

Die Reisen des C. R.

Als C. R. fünfzehn Jahre alt war, brach er auf zu einer großen Reise. Ihn begleitete einer der Mönche jenes Klosters, in dem er damals Zuflucht vor der Inquisition fand. Ihn nennen die Rosenkreuzer den Bruder P. A. L. Angeblicher Grund für ihre Reise war der Besuch des Heiligen Grabes Christi in Jerusalem. In Wirklichkeit aber waren sie auf dem Weg zu einem Einweihungszentrum, von dem sie bereits wussten, wo es sich befand. Ihr Weg dorthin aber war nicht ungefährlich. Jeder der sich zu damaliger Zeit auf lange Reisen in ferne Länder begab, musste sich mit zum Teil negativen Eventualitäten abzufinden wissen.

Und so kam es leider auch, das in Zypern der Bruder P. A. L. verstarb. Doch C. R. blieb nichts als seine Reise fortzusetzen ins syrische Damaskus - jenes Ziel, dass er bereits bei seiner Abreise ansteuerte. Von seinem einstigen Retter in Germelshausen, wusste er, das diese Stadt sich auf dem Pfad der Einweihung befindet.

Zu dieser Zeit, die man auch das Goldene Zeitalter des Islam nennen könnte, war Damaskus eine Hochburg der Gelehrsamkeit. Viele Weise und Gelehrte aus dem alten Persien suchten in dieser Stadt Zuflucht vor den Reiterhorden der Mongolen, die damals aus Zentralasien nach Persien und immer weiter in den Nahen Osten vordrangen.

So fand der junge C. R. in Damaskus die Weisheiten des jüdischen Maimonides, erfuhr von der spirituellen Alchemie des Al-Ghazali und lernte durch die Schriften Al-Mazudis, die alte Geschichte der Welt kennen. Er meditierte wohl über Dschalladin Rumis Masnavi, jenem heiligen Buch der Sufis, worin er wohl auch den mystischen Pantheismus wieder fand, wie ihn auch seine katharischen Vorväter kannten.

Von hier setzte er seine Reise fort ins arabische Damkar. Verwunderlich war, dass man hier C. R. bereits erwartete. Man weihte ihn dort ein, in der geheimen Stadt der Königin von Saba, in die Geheimnisse einer Bruderschaft, die möglicherweise auch in Verbindung stand mit jenen Adepten, aus denen später die Bruderschaften der modernen Freimaurerei hervorgingen. Hier in Damkar fand C. R. das Liber Mundi (auch: Liber M) - das Buch der Welt - worin er das Wissen vom Wesen der Mineralien, Pflanzen und Tiere verzeichnet fand.

Für einige Jahre blieb er bei diesen arabischen Weisen, bevor er seine Reise nach Ägypten fortsetzte. Im Tempel zu Luxor empfing er wahrscheinlich eine Initiation in die Mysterien des Thoth, die vor etwa 3500 Jahren, dort im alten Theben durch den Priesterkönig Tutmosis III. eingeführt wurden. Nach seinem Aufenthalt in Ägypten aber reiste er zu Schiffe über das Mittelmeer in den Westen nach Fessanum - das marokkanische Fès. Es war ein Hort vieler Sterndeuter und Magier, wo C. R. wohl die Kunst der astrologischen Divination erlernte und in Berührung kam mit dem Wissen über die geheimen Naturkräfte.

Von Marokko aus setzte er über Gibraltar nach Spanien über, von wo aus er nach einiger Zeit schließlich nach Deutschland zurückkehrte.

Philosophisches Siegel der Gesellschaft der Rosenkreuzer - ewigeweisheit.de

Philosophisches Siegel der Gesellschaft der Rosenkreuzer

Die Gründung des Geheimordens der Rosenkreuzer

Sieben Jahre reiste C. R. durch die ganze damals bekannte Welt. Was er in diesen Jahren des Reisens lernte waren die gesamten Weisheiten der alten Welt. Als er dann nach Europa zurückkehrte, begann durch sein Wirken die eigentliche Arbeit der geheimen Bruderschaft vom Rosenkreuz.

C. R. aber war klar, dass seine akkumulierten Weisheiten und sein tieferes Wissen über die Mysterien, den Herzen der Menschen nur ganz langsam zugeführt werden durfte. Was geschieht, wenn solches Wissen auf einmal geoffenbart wird, führte schließlich zu den Greueltaten, die an den Eingeweihten der Katharer begangen wurden. Drum also erwählt er einen Kreis von Menschen, die ihm würdig erschienen in seine Weihseiten eingeweiht zu werden. Diese okkulte Bruderschaft war aber verpflichtet über die von C. R. erfahrenen Geheimnisse zu schweigen.

Er nahm derohalben aus seinem ersten Kloster, zu welchem er eine besondere Zuneigung trug, drei seiner Mitbrüder: G. V., Frater I. A. und Frater I. O., die mehr Kenntnis in den Künsten hatten, als viele ihrer Zeit. Diese drei verpflichtete er, recht zuverlässig, fleissig und verschwiegen zu sein, auch all das, wozu er sie anleitete, mit grosser Gewissenhaftigkeit zu Papier zu bringen, damit die Nachwelt, der die Offenbarung bestimmt war, durch keine einzige Silbe oder Buchstabe betrogen würde.

- Fama Fraternitatis

So also begann mit vier Personen das Wirken der Rosenkreuzer in Europa. Aus dieser ursprünglichen Gruppe entstand jene Bruderschaft, die dann über eine Zeit von drei Jahrhunderten im Verborgenen arbeitete. Auch nach dem Tod des C. R. setzte die Bruderschaft ihre Arbeit fort. Sie blieb dabei verbunden mit dem vollständig erhaltenen Ätherkörper ihres Gründers.

In ihrer Arbeit und der Erforschung des Wesens unserer Welt, veröffentlichten sie ihre Erkenntnisse in der folgenden Zeit. Erst Anfang des 17. Jhd. trat die Bruderschaft der Rosenkreuzer zum ersten mal an die Öffentlichkeit:

  • In 1614 erschien die Fama Fraternitatis (Ruhm der Bruderschaft), aus der man über die Lebensgeschichte des legendären Frater C. R. erfährt.
  • Ein Jahr später erschien die Confessio Fraternitatis (Bekenntnis der Bruderschaft) - das Eingeständnis ihres öffentlichen Wirkens - erschienen als »Confession oder Bekandnuß der Societet und Brüderschaft R. C. an die Gelehrten Europae«.
  • Im Jahre 1616 dann wurde die Die Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 veröffentlicht, worin in Form eines alchemistischen Romans, die Einweihung des C. R. und die Begründung des Rosenkreuzer-Schulungsweges beschrieben steht.

Fama und Confessio fanden in Europa gewaltigen Anklang. Seit der Veröffentlichung der Fama 1614, erschienen hunderte Drucke, worin die jeweiligen Verfasser mit der Bruderschaft vom Rosenkreuz Kontakt aufnehmen wollten. Andere wehrten sich vehement gegen diese Veröffentlichung, während wieder andere behaupteten selbst die Initiaten dieser geheimen Bruderschaft zu sein. Man könnte die Veröffentlichung der Fama darum zu Recht bezeichnen, als erste multi-nationale Geschichte eines geheimen Komplotts.

Ihre eigentlichen Geheimnisse hielten die Rosenkreuzer aber weiterhin vor dem profanen Geist ihrer Zeit verborgen. Erst weitere hundert Jahre später, sollte ihr esoterisches Wissen der Welt offenbart und in entsprechender Weise darüber gesprochen werden. So also kam es 1785 zur Veröffentlichung der Geheimen Figuren der Rosenkreuzer in Altona. Sie enthielten die gesammelten esoterischen Offenbarungen der Bruderschaft.

In den folgenden Jahrhunderten bildeten sich weltweit Gruppen, Bruderschaften und Kollegien, die im Sinne des C. R. ihre Arbeit am großen Weltprozess erfüllen sollten.

Das Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Die Rose und das Kreuz

Das Wirken des Ätherkörpers des C. R.

Durch die Arbeit der Rosenkreuzer blieb der Ätherleib des C. R. bis in die heutige Zeit hinein erhalten. Hiervon bezogen auch alle seine Schüler Kraft. Da sich seine ätherische Existenz in der Welt jedoch niemals aufgelöst hatte, inkarnierte C. R. in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder. Was die moderne Theosophie und Anthroposophie verkündete, wurde ebenfalls durch die Kräfte des Ätherleibs des C. R. unterstützt - so zumindest will es die Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Ziel jener, die im Sinne dieser Gehemímbruderschaft arbeiten, ist jenen Ätherleib des C. R. zu energetisieren und daraus einen Einweihungskörper zu bilden, der für alle Menschen zugänglich ist. Wer aber die wahre Bruderschaft vom Rosenkreuz gegenwärtig bildet, darüber kann an dieser Stelle keine Aussage getroffen werden. Denn es ist wichtig zu wissen, dass in jedem Jahrhundert die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, dass die wahren Träger der geistigen Eingebungen des C. R., niemals öffentlich genannt werden. Nur die höchsten Eingeweihten unter ihnen wissen davon. Alles worüber wir heute sprechen können, ist das, was bereits hundert Jahre in der Vergangenheit liegt.

Doch woran liegt das?

Es ist ganz einfach: würden nämlich jene, die im Sinne der ursprünglichen Zwölf heute im Verborgenen agieren, ihre Existenz bekannt geben, wäre die Versuchung viel zu groß solchen Autoritäten eine begeisterte Heiligenverehrung entgegenzubringen. So etwas aber würde nur die Eitelkeit der Betroffenen reizen, was ihre eigentliche Arbeit jedoch zunichtemachten würde.

Ein zweiter, mindestens ebenso wichtiger Grund für die Verschwiegenheit jener zwölf weisen Häupter, ist sich gegen die okkulten astralen Attacken zu schützen, die fortwährend auf solche Individualitäten gerichtet sein würden. Daher also die Bedingung, dass erst hundert Jahre nach der Erkenntnis wichtiger esoterischer Fakten, davon auch gesprochen und darüber geschrieben werden darf.

So glauben also die Rosenkreuzer, dass die Ausstrahlungen des ätherischen Fortbestehens des C. R. auch in Zukunft noch dem Wohle der Menschheit dienen können. Je eher sich nach ihrer Lehre, die Menschen von jeglichem Autoritätsglauben lösen, desto eher werden sie den Ätherleib des C. R. erkennen können. Und je mehr sie sich dabei dieser großen Geist-Individualität nähern, desto mehr Kraft werden sie von ihr für ihre Arbeit empfangen können - zum Wohle aller Menschen.

Suche nach dem Gral - Suche nach dem Selbst

von Johan von Kirschner

Der Heilge Gral - ewigeweisheit.de

Viele haben vom Heiligen Gral gehört, nur wenige aber wissen um seine wirkliche Bedeutung und Kraft. Die Legenden, die diesen sonderbaren Gegenstand umranken, wurden von den Troubadouren im mittelalterlichen Europa besungen. In ihrer Minnedichtung ging es um die »große Queste«: die Suche nach einem Objekt sakraler Vollkommenheit.

Queste – da klingt das englische Wort »Question« an – die Frage nach dem was ist, ein Suchen nach Antworten auf die Frage nach dem innersten und essentiellen Wesen des Selbst. Letztendlich eine Suche nach Gott. All das vereint in sich das Wort Gral.

Im Mittelalter kamen Legenden von solch einem Kuriosum, nur durch Troubadoure und Meistersinger unters Volk. Kaum jemand konnte damals lesen. Für denjenigen, der die große Gralsgeschichte Parzival verfasste, war das anscheinend nicht anders: Wolfram von Eschenbach sagte über sich selbst, Analphabet gewesen zu sein und der schriftlichen Sprache gar nicht mächtig. Anscheinend dichtete er aus freien Stücken, lernte auswendig. Das muss ihm ja aber einer diktiert haben, und da wird als Quelle angegeben Kyot de Provence, ein französischer Troubadour, der Kontakt hatte mit Wolfram. Wahrscheinlich trafen die beiden zusammen auf Wolframs Residenz im Odenwald, der Wildenburg- Dort erfuhr er von Kyot die geheimnisvolle Geschichte von der Suche nach dem heiligen Gral. Natürlich war es nichts, das sich Kyot selbst ausgedacht hatte, sondern seinerseits auf die Geschichte kam, im spanischen Toledo. Er selbst fand dort einst eine arabische Handschrift, die ein persisches Märchen erzählt.

Wenn man das Wort »Gral« betrachtet als was es in den Legenden erscheint, dann ist es manchmal ein Kelch, manchmal ein Stein, doch manchmal auch eine Perle – und das Wort Gral auf persisch, »gohar al«, ist die Perle der Weisheit. Von einer »kostbaren Perle« liest man auch im Matthäus-Evangelium. Insbesondere die Akten des Apostels Thomas, erzählen eine ganz wunderschöne Geschichte, die für die christliche Gnosis des 3. Jhd. n. Chr. und die Manichäer, von hoher Bedeutung war: »das Lied von der Perle«. Wie in Wolframs Parzival, ist in diesem gnostischen Märchen, ein Prinz auf der Suche nach einem besonderen Gegenstand. In seinem Fall ist es ein geheimnisvolle Perle. Sie soll er den Fängen eines Drachen entreißen. Der Prinz ist ein Sinnbild für die Seele. Und die Suche nach der Perle symbolisiert die Reinheit und Weisheit dieser Seele – die Gnosis. Dem dualistischen Weltbild der Manichäer, ähneln die Vorstellungen der zwischen dem 10. und 15. Jhd. in Europa lebenden Bewegung der Bogomilen – der »Gottesfreunde«. In ihrer Philosophie standen ihnen die Katharer und Albigenser Südfrankreichs nahe. Sie assimilierten Teile der manichäischen Philosophie.

Wolfram von Eschenbach - ewigeweisheit.de

Wolfram von Eschenbach - Illustration aus dem Codex Manesse (UB Heidelberg) um 1305.

Die Ahnen des Gralsgeschlechts

Im alten Perser war Ahura Mazda der Gott des Lichts. In der alten zoroastrischen Religion stand er im Mittelpunkt als höchster Gott des Lichtreiches. Bei Wolfram beginnt die Ahnenreihe der patrilinearen Linie mit dem Namen Mazadan, worin dieser Gottestitel anklingt. Ahura Mazda war Mazadans himmlischer Vorfahre, letzterer, wenn man so will, Ahura Mazdas irdische Inkarnation. Mazadan hatte mit Ter de la Schoye, einer Fee aus Avalon, zwei Söhne: Brickus und Lassalies. Brickus war der Vater von Uther Pendragon. Uther und Igraine, die eigentliche Gattin des Gorlois von Cornwall, wurden die Eltern des jungen Artus, dem späteren König der Tafelrunde.

Mazadans anderer Sohn Lassalies, wurde Vater von Addanz von Britannien, der seinerseits Vater des Gandin werden sollte. Gandin und Schoette zeugten Gamureth – den großen Streiter und Vater des Helden Parzival. Das ist die aus dem alten Perserland entsprungene, patrilineare Abstammungslinie der Gralssippe.

Die matrilineare Ahnenreihe geht auf das sagenhafte Troja zurück. Bestimmte Personen in dieser Abstammungslinie sind eng verbunden mit den bekannten Insignien und Symbolen, die mit dem Gralsmysterium assoziiert werden. Das ist einmal die Heilige Lanze, ein andermal der Kelch. Der Held Achilles hielt in seiner Hand diese Lanze, als er die Heere anführte bei der Eroberung Trojas. Diese Geschichte galt später als symbolisches Vorbild der römischen Centurionen, von denen einer für das spätere Christentum, ja eine wichtige Rolle spielen sollte: Longinus. Dieser Hundertschaftführer war angeblich im Besitz der Lanze des Achill, von der wir in der alten Sage vom Trojanischen Krieg erfahren. Mit ihr soll er dem sterbenden Jesus in die Seite gestochen haben, um ihn von den Kreuzesqualen zu erlösen. Im Kontext Alt-Trojas steht auch ein magisches Gefäß. Tros, der Ahnherr Trojas, hatte einen Sohn, Ganymed, der eine heilige Schale besaß. Mit ihr kredenzte er den Göttern auf dem Olymp den Trank der Unsterblichkeit – die Ambrosia. Es sollte diese magische Trinkschale über viele Generationen hinweg, weitergereicht werden, bis sie schließlich in die Hände von Joseph von Arimathäa kam. Er war ein reicher Jude und Jünger Jesu Christi. Mit dieser heiligen Schale, die identisch mit dem Kelch des Abendmahls ist, sammelte Joseph das Blut auf, das aus dem Körper Jesu, nach dem Lanzenstich des Longinus, aus seiner Seite rann. Von Pontius Pilatus erbat er sich den Körper des verstorbenen Heilands und legte ihn, in das für ihn selbst vorgesehene Grab auf Golgatha. Der mit dem Blut des Christus gesegnete Kelch wurde schließlich zum Symbol des heiligen Grals.

Stammbaum der Gralsfamilie - ewigeweisheit.de

Schaubild: Stammbaum der Gralsfamilie.
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Titurel - der erste Gralshüter

Die Römer waren sehr stolz auf ihr altes trojanisches Erbe. So auch der nach Jesus Zeiten lebende Kaiser Vespasian. Er soll maßgeblich an der Zerstörung des zweiten Tempels von Jerusalem beteiligt gewesen sein. Einer seiner Feldherren, Parille (das ist die westliche Variante des Namens Beryllus, der Stein), wurde einer der Vorfahren der Franken. Als großen Feldherrn belohnte man Parille mit viel Ländereien in Franken, d. h. dem heutigen Frankreich. Er heiratete die Argusille, die Tochter Kaisers Vespasian, mit der er einen Sohn hatte: Titurisone. Er ist die erste Person, die relevant ist in der Gralserzählung des Wolfram von Eschenbach. Titurisone vermählte sich später mit Elizabel von Aragon, einer spanischen Fürstentochter. Ihr Sohn, Titurel, sollte dann erster Gralskönig werden. Er errichtete die Gralsburg auf dem Montsalvatsch – dem Mont Salvationes, dem gesegneten Berg. Dort lebten gemeinsam mit Titurel, die sogenannten Tempeleisen, Ritter am Gral. Ganze 400 Jahre sollen Titurel und seine Ritter auf dem Montsalvatsch gelebt haben. Im Alter von unglaublichen 400 Jahren, empfing Titurel eine göttliche Eingebung. Er sollte sich vermählen und für Nachkommen der Gralssippe zu sorgen. Er heiratete die Richaude, die ihm den Frimutel gebar. Frimutel vermählte sich mit Klarissa. Sie wurden die Eltern der berühmten Gralsfamilie, über die wir im Folgenden sprechen wollen.

Die Kinder von Frimutel und Klarissa waren der sagenhafte Fischerkönig Amfortas, der Eremit Trevrizent, die Gralsjungfrau Repanse de Schoye und Herzeleide. Sie war Gemahlin des oben erwähnten Gamureth, aus der patrilinearen Ahnenreihe der Perser, mit dem sie einen Sohn hatte: Parzival. Doch Gamureth kam im fernen Babylon ums Leben. Um ihr einziges Kind vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren – denn er war alles was ihr geblieben war –, begab sie sich mit ihrem Sohn, ängstlich und verzweifelt, in die Einöde von Soltane. Dort lebten sie in der Isolation der Wildnis. Herzeleide wollte um jeden Preis verhindern, dass ihr Sohn Parzival auch ein Ritter wird, dem das gleiche Schicksal widerfährt, wie seinem Vater Gamureth. In Wolframs Parzival verkörpert sie Abhängigkeit in Person. Dies hatte sich selbst auf ihren Sohn übertragen. Sie hatte sich mit Parzival einen »Ersatzmann« geschaffen – wozu man heute vielleicht »Ödipuskomplex« sagen würde. Der kleine Parzival war völlig unselbstständig, völlig abhängig von seiner Mutter, hatte keine Vorbilder, Verantwortung war ihm fremd. Nun, diese Isolation, dieses soziale Vakuum, dem sich die beiden ausgesetzt haben, barg gleichzeitig, etwas Gutes. Denn wenn diese Isolation auch etwas anscheinend Negatives vermuten lässt, führte es doch dazu, dass ihr Sohn einst selbst König am Gral werden sollte.

Parzival – der Tumbe Tor

Wolframs Parzival ist eine Heldengeschichte und sie beginnt mit einem Vakuum, d. h. mit etwas völlig Sinnlosem, etwas Idiotischem. Doch wie in vielen Sagen und Märchen, ist es oft ja der Narr, der Dümmste, der Jüngste, der sich zum Retter verwandelt, zum Helden wird.

Am Anfang war die Leere, so erzählen es zumindest die Schöpfungsmythen. Und in dieser Leere entstand ein Chaos, dass sich aber selbst ordnete und in seiner Finsternis plötzlich ein Licht aufstrahlt. Im Parzival sollte sich das, symbolisch ereignen, als aus der Finsternis des dunklen Waldes von Soltane, plötzlich drei Ritter mit golden glänzenden Rüstungen erscheinen. Der kleine Parzival war gerade unterwegs auf der Jagd. Er sieht sie und hält die Ritter tatsächlich für Götter. Gleich eilt er ihnen entgegen und will eines ihrer Schwerter greifen. Das Schwert als Symbol des Sonnenhelden, steht für Mut und Macht. Mit Schwert und Lanze stürzte der solare Erzengel Michael, Luzifer und seine diabolischen Heere vom Himmel. Dieses Schwert stand auch, ohne das er es selbst wusste, dem Parzival zu, als eigentlichem Königssohn der Gralsfamilie. Doch das Schwert ist auch das, was trennt. Und in diesem Falle, das Alte vom Neuen, weil Parzival langsam erkennt, dass er sich nach einem edleren Leben, etwas abenteuerlichem sehnt. Von den Rittern erfährt er auch vom Hof des König Artus. Er will auch Ritter werden. Natürlich äußert er diesen Wunsch gegenüber seiner Mutter, die damit, wie könnte es anders sein, nicht einverstanden ist. Nichts aber kann Parzival mehr aufhalten. Das Auftauchen der Ritter in ihren glänzenden Rüstungen, ist für Parzival wie ein Ruf, etwas das ihn anspornt die wirkliche Welt zu entdecken.

Herzeleide kann ihn nicht mehr aufhalten, auch wenn sie mit allen Mitteln versucht ihn bei sich zu behalten. Sie steckt ihn in ein läppisches Narrenkostüm, zieht ihm eine Zipfelmütze auf und gibt ihm ihren alten Ackergaul; das alles in der Hoffnung, dass er in solch lächerlichem Erscheinen keinen Erfolg haben und schließlich zu ihr umkehren werde. Doch als Parzival zwischen den Bäumen des Waldes verschwunden ist, fühlt sie, dass sie ihn niemals mehr sehen wird und nimmt sich in ihrer Verzweiflung das Leben.

Die Gralsburg - ewigeweisheit.de

Die Gralsburg (1899) - Teil eines Gemäldes von Hans Thoma (1839–1924).

Diese drei Ritter sind also die ersten Vorbilder des kleinen Parzival. Und mit ihnen taucht die Frage auf: »Wer bin ich eigentlich«. Dabei erkennt Parzival vielleicht auch seine Unvollständigkeit. Seine Mutter hat ihn immer nur »mein kleiner Junge« genannt. Seinen wirklichen Namen aber kannte er nicht. Und diese Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit, der sind auch wir alle immer wieder ausgesetzt, da uns im Leben immerfort Probleme herausfordern, deren Namen wir noch nicht kennen, ihre Bezeichnung noch nicht verstehen.

Der einzige Weg für Parzival ist, eine Ergänzung für diese Unvollständigkeit zu finden, seinem Ruf zu folgen, der durch das Auftauchen der drei Ritter erschallte und durch den er die Vision bekommt, selbst Ritter zu werden. Jetzt aber hat er ein Ziel, dem er intuitiv durch seine Vision folgt. Ohne Ziel gibt es keine Bewegung, gibt es nur Starrheit, manchmal Halsstarrigkeit. Ohne Ziele und Visionen bleibt man Spielball äußerer Umstände. Das Gegenteil davon symbolisiert das Pferd: Parzivals Ross repräsentiert seine dynamische Kraft.

Parzival reitet planlos zu auf sein Ziel, ohne zu wissen, wohin es geht. Zügellos, taumelt er auf dem Pferd, auf seinem Psychopompos, seinem Seelenführer. Das Pferd Parzivals steht für den Instinkt. Und tatsächlich bringt ihn sein Pferd an einen Ort, wo jemand ist, der ihm seinen Namen offenbart. Und das ist seine Cousine Sigune. Ihr Name steht für die ᛊ Sig-Rune, die ja, für alle die sich mit Runenkunde auseinandergesetzt haben, das heilige Zeichen des Sonnenlichts ist.

Sol er landa ljome; luti ek helgum dome.
Sonne ist das Licht der Welt; Ich beuge mich der göttlichen Entscheidung.

- Vers aus einem altnorwegischen Gedicht

Sigune ist Parzival zwar unbekannt, doch sie erkennt ihn und wusste von der Mutter, die dort im Wald lebte mit ihrem Sohn. Sie sagt ihm seinen Namen und bringt Licht ins Dunkel seiner Unwissenheit. Und dieser Name, den wir ja selbst tragen, ist das Göttliche was uns aufgeprägt wird mit den heiligen Symbolen, den Buchstaben dieses Namens. Und diese Buchstaben sind ja anscheinend Symbole, die im alten Europa entstanden sind und vor mehr als 7000 Jahren bereits für die alten Priesterinnen der Muttergöttin, als heilige Zeichen im spirituellen Ritus verwendet wurden. Man fand diese Symbole später wieder im Phönizischen, dann irgendwann als Runen. Wer beide Zeichenlisten kennt, weiß um ihre Gemeinsamkeiten.

Der Name der die Dinge bezeichnet, gibt einem Macht über die Dinge. Wir wissen: Adam gab jedem der Wesen im Garten Eden seinen Namen. Es geht also um die Persönlichkeitsbildung mit der Kenntnis des Namens der Dinge. Ab einem bestimmten Entwicklungsgrad, wendet sich dieses Erkennen dem eigenen Namen zu. 

Trotz aber das Parzival seinen Namen jetzt erfuhr, blieb er zunächst ein Unwissender. Er war sich seines Namens noch nicht bewusst, denn er hatte eben keine Anhaltspunkte in der Vergangenheit, an denen er ihn festmachen konnte. Niemand zuvor hatte ihn so genannt. Er hatte alles zurück gelassen auch ohne zu wissen, wohin er sich eigentlich begibt. Und das ist eine Unwissenheit die eigentlich sehr hilfreich ist. Denn wenn wir unser Leben anschauen: sind wir eher von den Dingen in unserem Leben betroffen, die sich in unserer Vergangenheit ereigneten. Es ist eben dieses Anhaften an die Vergangenheit, dass statt Visionen des Mutes, Visionen der Furcht erzeugt, die all zu leicht in die Zukunft projiziert werden. Visionen der Furcht verwandeln sich zu Visionen der Wut, wenn sie über lange Zeit als Angst empfunden wurden – sie werden sogar zu feindseligen Vorstellungen; manchmal so, dass wir glauben andere Menschen hassen zu dürfen, obwohl sie uns nicht hassen. Vision der Angst sind eine Täuschung. Unser Held Parzival aber kennt keine Furcht. Wie ein Narr stürzt er sich ins Leben. Ohne also eine positive Vision, eine konstruktive Vision zu besitzen, ist es ein fragloses Hinnehmen der Umstände, was ja Parzival tat. Er aber hatte eben keine eigene Vergangenheit. Das ist der haarfeine Unterschied zum Durchschnittsmenschen.

Der Rote Ritter

Nur ohne Angst kann Parzival die Schwelle ins Abenteuer überschreiten. Und diese Schwelle ist das Wissen, das dort in der Ferne, im fränkischen Nantes, der Hof des König Artus tagt. Und dort an der symbolischen Schwelle, begegnet ihm ein Ritter in rotem Harnisch, den Parzival so fasziniert, das er des Ritters Rüstung unbedingt haben will. Er greift einfach nach seinem Speer, wirft ihn in das offene Visier des Helden, der dort auf seinem roten Pferd sitzt und tötet ihn. Parzival reißt ihm die Rüstung ab und bekleidet sich damit selbst – aber eben ohne sein dummes Narrenkostüm, seine alte »Haut», vorher ausgezogen zu haben, zieht er einfach die geraubte Rüstung darüber. Der Ritter aber ist tot. Und er weiß nicht, dass er gerade Ither von Gaheviez getötet hat – seinen Onkel.

Nun hat Parzival, ohne es zu wissen, sich Ritterehren erschlichen. Er war einfach nur vom Äußeren fasziniert. Diese Rüstung wird ihm aber dabei helfen, dass er von anderen Fürsten und Rittern, als solcher, erst einmal anerkannt wird. Insofern könnte man sagen – betrachtet aus der hermetischen, aus der alchemistischen Perspektive – das Parzival sich die Rubedo erschlichen hat: das ist die letzte Stufe im Großen Werk (Opus Magnum) bei der Schaffung des Steins der Weisen, bei der Bereitung des Elixiers des Lebens. Doch eben nur anscheinend. Und er weiß nicht, dass er damit gleichzeitig dunkle Mächte anzieht (Nigredo), mit denen er auf seinem Heldenweg erst noch konfrontiert wird.

Er reist weiter, trifft irgendwann zufällig auf seinen Lehrer Gurnemanz. Dort erhält er seine Erziehung und bringt ihm all die Fertigkeiten und Manieren bei, die ein Ritter kennen muss. Er sagt ihm aber leider auch, er solle nicht zu viele Fragen stellen. Doch in der Queste, die wir Anfangs ja bereits erwähnt haben, da geht es ja genau darum die Frage zu stellen. Sie ist der Mittelpunkt des ganzen Gralsthemas. Es ist doch oft die Frage die wir uns nicht trauen zu stellen, doch wie oft schon, haben wir eine solche Unterlassung bitter bereut.

Percival Gemälde - ewigeweisheit.de

Percival (1934) - Ölgemälde des englischen Künstlers Martin Wigand

In dieser Zeit der Lehre lernt er seine Liebe kennen, Condwiramur, mit der er eine gemeinsame Nacht verbringt. Sie heiraten und Condwiramur bringt einen Sohn zur Welt, der dereinst der Held einer anderen Erzählung sein wird: Lohengrin – der Schwanenritter.

Nun ist Parzival aber ja getrennt von seiner Mutter und er hat große Sehnsucht, sie wieder zu treffen. Er trennt sich von Condwiramur – trennt sich von seinem Lehrer Gurnemanz, reitet davon, denn er will seine guten Erfahrungen mit seiner lieben Mutter teilen, weis aber nicht wohin er reiten soll. Er ist jetzt aber einen großen Schritt gegangen, durch die Erfahrung der Sexualität. Mit Condwiramur hat er diesen Schritt getan – heraus aus der Pubertät, hinein ins Erwachsensein.

Wenn wir uns daran erinnern, als wir das erste mal verliebt waren. Welche führende Kraft doch von dieser Liebe ausging. In ihr erkannten wir zum ersten mal, was die Unterschiede in dieser Welt sind. Der Unterschied zu meinem Partner – der Unterschied den die Polarität der Geschlechter verdeutlicht. Der Erkenntnisbaum im Paradies, ist dafür ein Symbol. Und es heißt ja, im vierten Kapitel der Genesis, dass Adam seine Frau erkannte, und sie dabei schwanger wurde. Ist das Erkennen der Polarität also eine Schöpfungsakt? Die Schlange auf dem Baum gibt dieses Erkenntnismittel weiter, das Erkennen der Polarität. Es ist diese Schlange diabolisch, die Erkenntnis aber ist symbolisch – Diabol als Erkennen der Polarität, das Symbol als Form der Einheit. So bilden beide zusammen eine Dreiheit, die sich das eine mal als göttliche, ein andermal als irdische Wahrheiten erweisen.

Himmelspol und Weltenberg

Erwachsen sein: soweit war Parzival noch nicht. Er war auf der Suche nach seiner Mutter. Als es Abend wird kommt er an einen See und sieht dort Fischer und fragt sie nach einer Herberge. Unter ihnen ist Amfortas – der König der Fischer. Er weist ihm den Weg auf die Gralsburg Montsalvatsch, wo man ihn schon erwartet. Feierlich werden dem Parzival die Tore zur Montsalvatsch geöffnet. Als er eintritt hüllt man ihn sogleich in einen Purpurmantel, als sei er bereits der König. Das Ankommen Parzivals auf der Burg Montsalvatsch, ist ein Symbol für die Vergöttlichung der Seele. Der Montsalvatsch – die magische Burg – symbolisiert den heiligen Berg, das Symbol der Weltachse, der Axis Mundi, ähnlich dem Berg Meru der Inder, wie auch dem Berg Moriah der Israeliten – auf dessen Gipfel der Polarstern scheint.

Wenn der Polarstern den höchsten Punkt des Himmelsberges beleuchtet, so formt das Licht der Sonne einen Licht-Dom, der sich um den Polarkreis bildet. Wie Sie ja vielleicht wissen, wechseln Tag und Nacht am Polarkreis, nur einmal im Jahr. Ein Tag heißt: sechs Monate, indem sich die Sonne unentwegt, im Kreis, über den Horizont, in drei Monaten, nach oben »schraubt« und sich in drei Monaten wieder schneckenförmig hinab bewegt, und so eine Spirale des Lichts bildet. So wird jedes Jahr, zwischen Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche, der Licht-Dom um die mystische Gralsburg errichtet. Auf dieser Gralsburg berührt der Himmel also die Erde. Alle geistigen Dinge im Himmel haben eine Entsprechung auf der Erde. Diese Gralsburg Montsalvatsch, wie sie Wolfram von Eschenbach beschrieb, ist vielleicht der Montsegur, heute in Südfrankreich – die alte Festung der Katharer.

Dort angekommen tritt Parzival in einen großen Saal, der von tausenden Lichtern erfüllt ist. Vor sich sieht er 400 Ritter, die alle traurig drein blicken, doch voll hoffnungsvoller Erwartung sind. Der Fischerkönig Amfortas sitzt bereits an einem Kamin und bittet den Erwarteten neben sich Platz zu nehmen. Nun ereignet sich etwas Sonderbares. Parzival sieht wie ein großes, ehernes Portal sich vor ihm öffnet und in Brokat gekleidete Jungfrauen, sanften Schrittes langsam in den Saal kommen. Jede trägt eine brennende Kerze in der Hand, stellt sich in einem Halbkreis vor ihn und Amfortas. Ihnen folgt ein Page mit einem Schwert. Er legt es zu Füßen Parzivals. Der ist über all das sehr verwundert und würde gerne fragen, ist sehr neugierig, doch er fragt nicht.

Ein weiterer Page kommt in den Saal, mit einem Speer, der an der Spitze blutet. Schließlich hört man Musik und im Rhythmus der Harfentöne schreitend, wird der Gral von der Jungfrau Repanse de Schoye in des Saal getragen. Der Gral leuchtet hell wie das Licht der Sonne. Parzival hört die Ritter flüstern: »Der Gral! Der Gral!«

Mit dem Eintreffen des Grals, decken sich alle Tische im Saal, mit köstlichen Speisen. Das Zaubergefäß stillt alle Bedürfnisse. Zu seiner Verwunderung aber merkt Parzival, dass Amfortas schwer krank ist. Und er wüsste gern die Bedeutung, doch er erinnert sich an seine Mutter, erinnert sich an die Vergangenheit, das was ihm Gurnemanz beigebracht hat: »Stelle keine unnötigen Fragen«. Doch alle warten eigentlich auf die Frage. Parzival aber hat Angst.

Enttäuscht von Parzivals unangebrachter Zurückhaltung, trägt man Amfortas auf seiner Liege wieder aus dem Saal – die Ritter rücken ab. In der Nacht hat Parzival, dort auf der Montsalvatsch, furchtbare Alpträume. Er flüchtete morgens aus der völlig verlassenen Burg, als wäre niemals jemand dagewesen. Seine Irrfahrt geht weiter! Parzival ist ein wahrer Odysseus des Nordens – doch er ist allein!

Kleiner Wagen Swastika - ewigeweisheit.de

Der äußerste Stern der Deichsel im Sternbild des Kleinen Wagens (Kleine Bär) bildet heute den Polarstern (in der Abb. gelb). Momentaufnahmen dieses Sternbilds, zu den vier Tageszeiten (Morgendämmerung, Mittag, Abenddämmerung, Mitternacht), ergeben eine rechtsdrehende Swastika: das 11.000 Jahre alte Glückssymbol der Hindus.

Im Labyrinth des Karmas

Parzival überollte regelrecht die Abfolge von Ereignissen, die sich im Saal auf der Gralsburg vor ihm abspielten. Was sollten die Forderungen die man ihm stellte? Er wusste nicht, dass er »die Frage« hätte stellen soll – die »erlösende Frage«? Parzival wollte ja eigentlich, aber er hatte immer noch die Befehle im Kopf, die Stimmen aus der Vergangenheit.

Ungewissheit umgab ihn, vielleicht als Gefahr empfunden, doch Parzival musste es einfach durchstehen – in diesem Zustand seiner Reise, durch das öde Land weitergehen – in einem Land das gemeinsam mit seinem König Amfortas leidet.

Nun hat sich Parzival im Labyrinth seines eigenen Karmas verirrt. Er tötete seinen Onkel Ither (Roter Ritter) und unterließ ebenso unwissend, die Frage zu stellen. Jetzt beginnt der andere Aspekt der Nordsonne wirksam zu werden, die sich diesmal nämlich, in der zweiten Jahreshälfte, unter die Erde bewegt und dort als Mitternachtssonne, quasi ein imaginäres Labyrinth gräbt. Hier findet die Konfrontation statt mit den Finsterniskräften, mit den schwarzen Aspekt des Seelenlebens, den Schatten. Dahinter lauert der Minotaurus – jene kretische Bestie, halb Mensch, halb Stier – der griechischen Mythologie, der symbolisch immer wieder auf den qualvollen Lebensweg des Menschen hindeutet. Doch eben in dieser finsteren Phase beginnt die eigentliche Verwandlung unseres Helden, seine Transformation zu etwas Höherem, Größerem und Vollkommenerem. Am Anfang versuchte er den Leidensweg der Finsternis auszulassen, wenn auch unwissend, indem er sich in die Rüstung des getöteten Roten Ritters kleidete. Die eigentliche Nigredo, die erste Stufe bei der Bereitung des Steins der Weisen, erfolgte erst jetzt. Sein altes Ich musste absterben, damit etwas neues in seinem Leben kommen kann.

Nur durch das Ablassen vom Alten, ist Neues möglich. Die Vergangenheit bleibt zurück, stirbt und wird begraben. Doch dafür muss sich Parzival seinem Schattenselbst stellen, dem, was einst in Kreta der finstere Minotaurus im sagenhaften Labyrinth darstellte. Denn das Äußere, spiegelt unser Inneres wieder. Nur so, im Verstehen dessen, können wir in das große Weltgeschehen eingebunden werden. Durch das Annehmen dieser Schatten in uns, können wir aufgenommen werden, indem wir uns trennen von alten, damit wir neue Freunde finden können – indem wir alte, durch neue Gewohnheiten ersetzen.

Ja, das Thema der Wiedergeburt, ist das Thema der Nigredo – sie ist der erste Schritt, um dieses erhabene Ziel zu erreichen. Und interessanterweise bezeichnet den Namen für die Seele, das griechische Wort »Psyche«, was gleichzeitig das griechische Wort für den Schmetterling ist. Der Schmetterling verpuppt sich ja und würde in seiner Hülle verrecken, entpuppte er sich nicht, damit er fliegen lernte. Seine alte Hülle verlassend, fliegt er hinein in ein neues Leben, um allen seine wahre Schönheit zu zeigen. Wer will in der alten Hülle bleiben? Wer will anhaften, an alten Verkrustungen und alten Starrheiten? Wer will an alten Erinnerungen, an festen Standpunkten festhalten?

Durch diese Erkenntnis erneuert, findet Parzival wie von selbst den Weg an den Artushof. Er trägt noch immer den roten Harnisch – ist noch auf dem Weg – ja, hat seinen Weg vielleicht immer noch nicht wirklich angetreten. Wegen seiner Erscheinung wird er aber gleich in die Tafelrunde aufgenommen. Es ist ein feierlicher Vorgang der Einweihung in die Ritterlichkeit. Jetzt tritt eine besondere Figur auf seine Lebensbühne: die Gralsbotin Kundrie. Sie ist eine Frau mit einem vollkommen guten Herzen, in dem eine wunderbare Seele wohnt. Doch ihr äußeres Wesen mutet schauerlich an, denn sie ist wirklich sehr, sehr hässlich – die Vorstellung einer Hexe wäre bezeichnend. Auch ihre Art lässt nicht ein gutes Herz vermuten, denn ihre Güte ist zu diesem Zeitpunkt noch in ein Kostüm grauenhafter Alpträume gekleidet.

Sie verflucht die Artusrunde, denn den jungen Mann, den man hier eben mal zum Ritter gemacht hat, hat sich diese Ehren erschlichen. Es steht ihm nicht zu. Stattdessen hat er Schande über die Edelmänner der Artusrunde gebracht: er hat seinen Onkel getötet und hat Amfortas die Frage nicht gestellt.

Aber da: es ist ja ein Glück für Parzival, endlich zu verstehen, was er eigentlich besser unterlassen hätte und was er eigentlich besser hätte tun sollen! Sein Ziel war der königliche Hof des Artus, als er noch als dummer Junge, im schützenden Umfeld von Soltane lebte. Jetzt ist er hier. Er ist angekommen, ist schockiert. Ist es nicht oft so, dass, wenn wir erst einmal haben was wir unbedingt wollten, es sich ganz anders anfühlt als wir erwarteten? Ein Ziel entsteht mit der Absicht es zu erreichen. der Wunsch aber, der diese Absicht hervorbringt, mag ein anderer sein, als was er sich am Ende erfüllt.

Nun, diese erneute Konfrontation mit Kundrie, die hier das Böse symbolisiert, gleichzeitig aber zu Parzivals vorübergehender Meisterin wird, lähmt ihn. Wir würden heute sagen: er verfällt in Depressionen. Doch nur in diesem Zustand, in diesen engen Tiefen der eigenen Seele, erkennt er eigentlich, was das Böse und was der Nutzen des Bösen ist. Er schaut nach innen, sieht sich als einsamen Reisenden. Die Suche nach dem Gral ist eben eine Reise, die nur jeder alleine machen kann, weil er nach etwas sucht, das absolut allein ist, in ewiger Einsamkeit.

Die Tafelrunde des König Artus - ewigeweisheit.de

Die Tafelrunde des König Artus (1475) in deren Mite der Gral erstrahlt. Gemälde von Evrard d'Espinques.

Par ce val – Pfad durchs Tal

Dieser Teil der Geschichte, mit dem Vorfall am Artushof, wie auch die folgende Episode, beschreiben Parzivals absoluten Tiefpunkt. Er beginnt an allem zu zweifeln, auch an Gott, an den er ja eigentlich glaubte. Ja, er hasst Gott regelrecht, denn er empfindet alles was ihm widerfuhr als große Ungerechtigkeit. Letztendlich leidet er aber unter seinem mangelnden Verständnis dafür, dass alles einen höheren Zweck erfüllt. Doch seine Einstellung ist nur all zu menschlich. Oft finden wir uns wütend über andere oder uns selbst, weil wir nicht den Sinn hinter diesen und jenen Vorgängen im Leben verstehen. Es sind Überbleibsel von Handlungen in unserer Vergangenheit, die bis in die Kindheit zurückreichen. Darin lebt unser ichbezogenes Wesen fort, das ein kleines Kind bleiben will, ohne Verantwortung zu übernehmen, doch mit dem Anspruch, sich jede Freiheit in der Welt nehmen zu können.

In dieser Stimmung setzt Parzival seine Reise fort bis Karfreitag. Jetzt erinnert er sich an seinen Gottesglauben, weiß nun wieder, dass es sich lohnt zu suchen, weiterzugehen. Karfreitag ist von großer Bedeutung in der Erzählung des Wolfram von Eschenbach. Es ist die Rede von einer weißen Taube, die vom Himmel hinabfliegt und eine Hostie auf den Gral legt, um seine Wunderkraft, seine Nährkraft zu erneuern. Dafür steht die Farbe Weiß – die Albedo, die zweite Hauptstufe des Großen Werks in der Alchemie. Die weiße Taube ist auch eins der Hauptsymbole der Aphrodite, dem griechischen Pendant der Venus – und die Venus ist ja der Planet, den die alten Lateiner »Luzifer« nannten – den »Lichtbringer«, da er als Morgenstern die Dämmerung ankündigt – das Licht bringt (lucis, ferre).

Wir hatten bereits über den »Streit im Himmel« gesprochen. In der Offenbarung des Johannes kämpfen die englischen Heerscharen des Michael, gegen die dämonischen Heerscharen des Luzifer. Dabei schlägt ein Schwert einen Stein aus der Krone des Luzifer. Es ist ein Smaragd der vom Himmel auf die Erde fällt. Man nennt ihn auch den »Chintamani-Stein«. Es ist der sprichwörtliche Zacken, der dem übermütigen Luzifer aus der Krone gehauen wurde: der grüne Stein ist Gral, ist die Smaragdtafel (Tabula Smaragdina), auf der ja der große Eingeweihte Hermes Trismegistos, die Verhältnisse des Oberen und Unteren in ihre Bedeutung, im Sinne des »Einigen Dinges« beschrieben hat.

Nach diesem Kleinod sucht unser Held – ohne es selbst zu wissen. Er sucht nach dem Stein der Weisen – einem Stein des Lichts. Auf seiner Reise ist er diesem erhabenen Ziel schon ein gutes Stück näher gekommen. Doch Gralshüter ist er noch nicht.

Lange nach Ostern, lange nach diesem Vorfall erst, im Winter, kommt er nachts an eine Klause, die sich in einer großen Höhle befindet. Dort trifft er auf einen Eremiten: das ist sein Onkel Trevrizent. Irgendwie wusste der von seinem Kommen bereits und empfängt ihn freundlich. Dort in der Höhle wird Parzival von Trevirzent in die Bedeutung und Wichtigkeit des heiligen Grals eingeweiht:

Ich weiß es wohnt eine Schar
Beim Gral zu Montsalvatsch immer dar
Ihre Arbeit und ihren Preis
Ihm ganz geweiht
Tempeleisen heißen,
Sich seines Dienstes sich befleißen.
Ihre Nahrung spendet ein Edelstein,
Wunderkräftig, klar und rein.
Mit Namen 'Lapis Exillis'.

Durch ihn verbrennt der Phönix,
Zu Asche sich,
Doch diese schafft ihm Leben wieder,
So dass er steigt empor aus neuer Kraft
Und schöner als er war zuvor.

Dem Menschen kann kein Leid geschehen,
Am Tag da er den Stein gesehen.
Und eine Woche nach der Zeit,
Bleibt er vom Tode befreit.

Wer ihn täglich erblicken kann,
Dem, sei es Frau oder Mann,
Bleibt unverändert Farb' und Haut,
Wie in schönster Jugend sie ward geschaut.
Und sähe er ihn zweihundert Jahre,
Ihm ergrauten dennoch nie die Haare.
Und solche Kraft verleiht der Stein,
Dem Menschen, das ihm Fleisch und Bein,
In ungeschwächter Jugend bleiben.

Der Stein, des Wunder ich versuchte zu beschreiben,
Wird der Gral genannt,
Gesendet von der höchsten Hand.
 

Die Gralsjungfrau - ewigeweisheit.de

Die Gralsjungfrau Repanse de Schoye.

Wiedergeburt

Die Höhle, in der sich Parzival bei Trevrizent aufhält, ist ja das alte und urtümliche Refugium, ein Ort an dem Einweihungen stattfinden. Die Höhle ist Symbol des Uterus, aus dem das neue Leben geboren wird: und darum geht’s ja. Es ist das Sein der Seele in diesem Leib, der stirbt und in neuer Form wieder aufersteht. Die schwarzen und weißen Kacheln über die der Neophyt im Freimaurer-Ritus schreitet, zeigt genau diese Bedeutung an: wir Sterben und werden wiedergeboren, jeden Augenblick. Das beschreiten des Einweihungsweges ist der Gang durch die Gegensätze, der zur Einung führt von Gut und Böse, Unschuld und Erfahrung, Schwarz und Weiß. In diesem Sinne ist die Höhle ein gleichnishaftes Bild des Weltalls, wo Sterne funkeln als Licht im Kontrast zur tiefen Finsternis.

Die Höhle stellt ein inneres Weltzentrum der Einweihung dar, während der Berg, als das Pendant zur Höhle, ein äußeres Weltzentrum darstellt. Im Menschen entspricht diese Höhle der fünften, verborgenen Herzkammer, während das Denken ständig die Gipfelhöhen des menschlichem Geistes erklimmen will.

Das Heraustreten aus dieser Höhle, der Einweihungsstätte seines Onkels Trevrizent, war für Parzival ein Heraustreten aus seiner Eingeschlossenheit in sich selbst, eine Befreiung aus seiner Introvertiertheit. Nur aber in der Akzeptanz von alle dem was vorgefallen war, konnte diese Einweihung zu seiner neuen, eigenen Lebensvision beitragen, ihm ein Licht sein, auf dem Weg zum wahren Lebensziel. Er erkennt nun wofür seine Mitmenschen existieren. Wichtiger noch: er sieht all die Verbindungen innerhalb einer Gemeinschaft, die alle Menschen zusammenhält.

Seinen Onkel Trevrizent zu treffen war also ein ganz wichtiger Schritt, um zu diesen essentiellen Erkenntnissen zu gelangen. Bei ihm erhielt er die klare Vision für seine eigentliche Lebensaufgabe. Doch für all das musste er sein ganzes bisheriges Leben zurücklassen. Sogar seine geliebte Mutter! Dieses Sterbenlassen des alten Lebens: Wie oft sind wir dazu bereit? Wie oft fehlt und hierzu die Vision, der wir danach folgen könnten? Oder ist es jener Einsiedler, dem wir bisher noch nicht begegnet sind, der wir vielleicht, zumindest für eine angemessene Zeit, selbst werden müssen?

Der Eremit Trevrizent gibt unserem Helden zu wissen, dass er sich noch einmal auf die Gralsburg begeben muss, um seine Heldenreise zu komplettieren. Wer schon einmal in Okzitanien, der französischen Arriege gewesen ist, weiß, dass sich unweit der legendären Festung auf dem Montségur, besondere Höhlen befinden. Dort wurden bereits vor mehr als 12.000 Jahren Menschen eingeweiht in die Mysterien der Großen Mutter. Auch wenn es nicht das erste mal ist, dass jemand diese Vermutung anstellt: es könnte gut sein, dass Kyot de Prevance die Geschichte vom Helden Parzival mit dieser Region romantisch assoziierte.

Die entscheidende Frage

So stieg Parzival nach seiner Einweihung aus der Höhle bei Trevrizent, passierte den engen Eingang. Da musste er sich wohl gefühlt haben wie das Kind das durch den Geburtskanal, in ein neues Leben geboren wird – von der Dunkelheit heraus ins Licht. Dort draußen begibt er sich zum Gipfel des Berges, auf dem sich die Burg Montsalvatsch befindet. Er wird erwartet. Nur durch einen Nachfolger kann der Fischerkönig Amfortas von seinem Leid erlöst werden. Von Trevrizent erfuhr er außerdem die zentrale Frage, um die sich ja die ganze Gralsgeschichte dreht. Endlich stellt Parzival dem Amfortas die alles erlösende Frage:

Was fehlt Dir Oheim?

Wäre es nicht manchmal angebracht, wir stellten auch unseren Mitmenschen ähnliche Fragen? Ein Arzt kuriert schon allein damit, dass er einen Leidenden fragt: »Was fehlt Ihnen?« – »Was haben Sie?«

Parzivals Frage, die er König Amfortas stellt, ist der mündliche Vollzug der Herrschaftsübernahme des Gralstums. So wird Amfortas endlich von seinem Leid erlöst. Dieser Vorgang entspricht dem, was man in der Hermetik den »Phönix im Rosengarten« nennt: Das Rot der Rose, zeigt die Rubedo an – die letzte Stufe bei der Schaffung des Steins der Weisen. So hat Parzival schließlich, nach langem Suchen, diesen Teil gefunden, diesen Aspekt seines zeitlich begrenzten, natürlichen Wesenskerns. Jetzt erkennt er, das seine Suche, eine Suche war, nach seinem wahren Selbst – die Suche nach dem verborgenen Licht im Herzen. Es ist ein Licht, das verborgen in jener geheimen Herzkammer schimmert, in der sich alle Leben des großen Inkarnationszyklus, auf- und wieder abrollen. Danach sollen wir suchen, das sollen wir zu erkennen trachten. Denn dort, in der Tiefe unseres inneren Seelenbrunnens, auf dessen grün strahlendem Grund, hier befindet sich der Heilige Gral. Die Erkenntnis ist also im Herzen; die Erkenntnis der göttlichen Absicht, dort im smaragdenen Licht dieser Herzkammer, dort erscheint die Vision der wahren Lebensabsicht.

Der Weg zu uns selbst

Um diesen Weg zu gehen, müssen wir all die Schwierigkeiten im Leben durchstehen. Die Umwege im Leben führen uns zu uns selbst, während der kürzeste Weg nirgendwo wo anders hinführt, als direkt ins Grab. Und dennoch wollen viele Erleuchtung erlangen, ohne bereit zu sein auch zu Irren und den Weg des Leidens zu gehen.

Ich hatte lange Zeit das Gefühl, es müsste unbedingt so sein, dass ich alles in der Welt verstehe. Doch ich wollte eigentlich nur kontrollieren, was mich immer mehr an die Welt gebunden hat, mich nur immer unfreier machte. Das oder Ähnliches unterstelle ich hiermit dem Leser, aber möglicherweise weiß er oder sie, worauf ich eigentlich hinaus will: Wenn man auf seinem spirituellen Weg, so schnell wie möglich ans Ziel kommen möchte, ohne in sich selbst zuerst einen Frieden geschaffen zu haben, ohne die Sicherheit, die man sich im Außen wünscht, zuerst einmal in sich selbst geschaffen hat, wohin soll der Weg uns dann führen? Es ist wichtig ohne den Zwang erfolgreich zu sein, Visionen zu erzeugen – Vision von Zielen, die wir im Leben erreichen wollen. Das sind Ziele, die unser neues Leben erschaffen. Lebensziele führen einen auch zu den Menschen, die einem gut tun – und darum geht es: zusammen zu verstehen, zusammen zu arbeiten, zusammen neues, schönes zu schaffen.

Mit einem Ziel vor Augen, weiß man genau wonach man sucht. Und suchen tun wir doch immer nur danach, was wir auch brauchen. Jede Suche aber ist mit Fragen verbunden. Wer nicht fragt und glaubt schon alles zu wissen, der kommt einfach nicht weiter und findet auch keine Freunde.

Das ganz Große müssen wir nicht erreichen, im Kleinen aber den Glauben bewahren. Dann werden wir die Meisterschaft über die großen Dinge erringen. Es ist der Glaube daran, dass die Erneuerung unseres Selbst immer möglich ist, egal wie alt wir sind. Dann werden die großen Aufgaben von alleine kommen, die zur Lösung der Probleme in unserem Leben beitragen. Daraus erwachsen dann jene Ideen, mit denen sich auch die Probleme unserer Mitmenschen lösen lassen – dem was von Wert ist, für unsere Welt.

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