Paradiesbaum

Warum der Paradiesbaum ein Gleichnis auf die Welt ist

von S. Levent Oezkan

Die Welt ließe sich mit einem Baum vergleichen, der in einem Paradiesgarten wächst.

Nun ist die Erde mit ihrer nährstoffhaltigen Feuchte bestrebt, dass der Baum wächst, welcher seinerseits Früchte hervorbringen will.

Wenn nun der Baum nur wenige und madige Früchte trägt, so liegt das an den astralen Kräften die im Erdreich walten.

Je älter der Baum, desto süßer seine Früchte. Und wenn seine Äste alt werden und verdörren, so treiben kleine Zweige aus seinem Stamm und aus der Wurzel, solange bis der ganze Stamm dürre und schließlich gefällt wird.

All das was der Baum ist, ist ein Gleichnis auf die Welt. Der Acker in dem er wächst ist die Natur. Der Stamm deutet in die Sterne, während die Äste ein Sinnbild für die Elemente sind. Die Früchte auf dem Baum sind wie die Menschen in der Welt - der Pflanzensaft der in den Ästen quillt, das ist die reine Gottheit. Die Natur von der die Rede war, hat nun aber zwei Qualitäten: eine heilige und eine üble.

Wenn der Mensch, der die Frucht dieses Weltenbaumes ist, sich der Gottheit zuwendet, so beginnt in ihm der Heilige Geist zu wirken. Und gleichwie Frost und übermäßige Hitze die Früchte auf dem Baum verderben, so wird der Mensch verdorben, der nicht vermeidet, dass das Gift des Bösen in ihm zu wirken beginnt - weil der Mensch eben beide Qualitäten in sich hat. Aber nur eine muss er überwinden, während er der anderen sein Leben widmen sollte.
 

Inspiration: "Aurora Morgenröte im Aufgang", Jakob Böhme

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Die 10 Sefiroth im Kabbala-Lebensbaum

In zweiunddreißig wunderbaren Pfaden der Weisheit zeichnete Jah, JHVH Zabaoth, der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, der ewig lebendige Gott, gnädig, barmherzig und hoch erhaben, lebt er in der Höhe und bewohnt die Ewigkeit, sein Name ist heilig. Er erschuf sein Universum durch drei Zählprinzipien: Zahl, Zähler und Erzähltes.

– Sefer Yetzirah I:1

Der kabbalistische Lebensbaum, der Etz Chaim (hebr. עץ חיים), ist ein zentrales System der Kabbala und beschreibt die Emanationen der göttlichen Schöpfung, wie diese im Buch der Formgebung, dem Sefer Yetzirah (hebr. ספר יצירה), beschrieben werden.Kabbala Lebensbaum nach Selim Oezkan

Der Lebensbaum ist untergliedert in Dreierpaare, welche sich aus den zehn Urziffern, den Sefiroth (sing. Sefira) in bestimmter Weise gruppieren. Über kabbalistische Gesetzmäßigkeiten, die sich aus einem System von 22 Pfaden ergeben, sind diese 10 Urspähren der Sefiroth untereinander auf geheimnisvolle Weise verbunden. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang zum hebräischen Alphabeth und den Karten des großen Arkanums im Tarot.

Das Urlicht, das Ayn Soph (oder En Sof), welches man auch als das unendliche, unbegrenzte, unsichtbare Licht Gottes begreifen könnte, fließt aus einer Welt, die man mit der platonischen Lehre von der Welt der Ideen vergleichen kann. Aus diesem, einem Chaos ähnelndem Zustand, entspringt die erste Motivation der Schöpfung Gottes, seine erste Bewegung, die durch seine Kontraktion und Expansion die 10 Sefiroth aus dem reinen Urlicht entstehen lässt. Diese 10 Sphären des Ur-Seienden entfalten sich in die vier Welten: Assia, die Welt der Handlung, Yetzirah, die Welt der Formung, Briah, die Welt der Kreation (oder Schöpfung), und der Welt Atziluth, die sich in einer übernatürlichen Dreiheit über den diesseitigen, darunterliegenden, seelisch-stofflichen Emanationen, gleich einem geistigen Baldachin schwebt, der mit den unteren Welten über die verborgene Sefirah Da'at verbunden ist.

Zwischen der reinen Bewusstheit und dem Unterbewusstsein, liegt im Baum des Lebens das Denken: links, in Sefira Hod, das analytische Denken, rechts davon in Sefira Netzach das kreative Denken.

Die oberste Sefira Kether, stellt hierbei die Anwesenheit Gottes in der Schöpfung dar, während die unterste Sefira Malkuth, die Materie beschreibt (die Erde, unseren Planeten). Zwischen diesen Beiden Entitäten, liegt das menschliche Bewusstsein, Sefira Tiferet. Zwischen dem Bewusstsein und dem Irdischen, liegt das Unterbewusstsein, welche der Sefira Yesod entspricht.

Die rechte Seite des Etz Chaim, beschreibt daraus folgend, das nehmende, weibliche Prinzip (man stelle sich dies natürlich umgekehrt im menschlichen Körper selbst vor: die linke Seite des Baums, entspricht der rechten Seite des menschlichen Körpers und umgekehrt), welches sich durch die Sefirah Chokmah manifestiert, das gebende, männliche Prinzip, auf der linken Seite, manifestiert durch die Sefira Binah.

Es gibt sieben irdische Sefirot (Malkuth, Yesod, Netzach, Hod, Tiferet, Geburah, Chesed) und drei himmlische oder göttliche Sefirot (Binah, Chokmah, Kether). Diese sind voneinander getrennt und werden über die Erkenntnis (Daat) überbrückt.

In meiner Veranschaulichung finden sich ausserdem, am Fuß der Illustration, die drei Säulen: die Härte (Binah, Geburah und Hod), die Milde (Kether, Tiferet, Yesod und Malkuth) und die Barmherzigkeit (Chokmah, Chesed und Netzach).

Links des Baumes versuche ich die sieben Ebenen dieser Entitäten des menschlichen Seins mit den Chakren aus der fernöstlich-indischen Tradition in Verbindung zu bringen.