Peyote

Peyote: ein spirituelles Heilmittel

von S. Levent Oezkan

Peyote - ewigeweisheit.de

Wissenschaftler bestätigen: den Peyote-Kaktus verwenden die Schamanen Amerikas seit mindestens 10000 Jahren, als höher-spirituell wirkende Medizin. Im Süden des amerikanischen Bundesstaates Texas etwa, fand man Überreste von Peyote-Zeremonien, die auf etwa 3700 v. Chr. zurückreichen. Darauf verweisen eigenartige Skulpturen, wie man sie etwa in den Höhlen von Shumla fand, in der Nähe des Rio Grande.

Eigenartig an dieser Kaktee ist, dass sie nur im Süden von Texas und Norden Mexikos verbreitet ist, so dass sie ursprünglich nur von den dort lebenden indigenen Kulturen als Kraftpflanze verwendet wurde. Erst Anfang des 16. Jhd. verboten katholische Geistliche der einheimischen Bevölkerung den Konsum des Peyote. Man drang die Einheimischen zum Alkoholkonsum (Tequila), der weiter legal blieb, während man den Peyote-Kult als reinen Aberglauben oder sogar schwarze Magie abstempelte.

Gegen Ende des 18. Jhd. begann sich der Kult erneut zu verbreiten und drang auch weiter in die Vereinigten Staaten vor. Indianische Weise, wie etwa der Comanchenhäuptling Quanah Parker, involvierten im 19. Jhd. christliche Aspekte in den historischen Peyote-Kult. Parker soll bei einer schweren Verletzung und der Einnahme des Peyote, eine Vision von Jesus Christus gehabt haben.

Quanah Parker gilt als Begründer der Native American Church, der Religion des Peyote-Kults (auch: Peyotismus), der bis heute in den USA unter indigenen Völkern, die am weitesten verbreitete Religion ist.

Anfang des 20. Jhd. gab es in den USA und Mexiko wahrscheinlich zehntausende Angehörige dieser neuen Peyote-Religion. Wegen der besonderen Entwicklung des Kults, entstand 1927 eine erste ausführliche Studie zu dem im Peyote enthaltenden Alkaloid Meskalin, durch den deutschen Neurologen, Psychiater und Psychonauten Kurt Beringer (1893-1949) - einem Pionier der Drogenforschung.

In den folgenden Jahren gab es eine ganze Reihe neuer Studien und Selbstversuche, von Medizinern und Psychiatern, insbesondere in den USA. Selbst die amerikanische Marine (US-Navy) beteiligte sich nach dem Zweiten Weltkrieg an dieser Forschung, unter dem Decknamen "Project Chatter" (1947).

Vom Wesen der Peyote-Zeremonie

In alter Zeit sprach ein Medizinmann ein Gebet und führte danach die Teilnehmer in das Wesen des Peyote-Kults ein. Man sang gemeinsam das Peyote-Lied. Diese Zeremonie wurde von Trommeln begleitet. Nach einer weiteren kurzen Ansprache, gab der Zeremonienmeister seine Trommel und Insignien an einen Assistenten zu seiner Rechten.

Nun sang jener ein anderes Peyote-Lied und sprach danach zu den anderen Teilnehmern. Dieser gab Trommel und Ornate dann an einen Dritten zu seiner Rechten, jener an einen Vierten und so setzte sich die Zeremonie fort. War der letzte schließlich mit seiner Ansprache fertig, gab er alles an den Medizinmann zurück.

Diese zeremonielle Handlung des wiederholten Übergebens der heiligen Insignien, heiligen Gesänge und Ansprachen, wird die bis um Mitternacht vollzogen. Ab Mitternacht dann, beginnt der Geist des Peyote in den Teilnehmern zu wirken. Jeder von ihnen spricht dann über seine Unterlassungen und Fehler, klagt sich vor den anderen selbst an. Doch danach geht man aufeinander zu, bittet um Vergebung und gibt sich die Hände.

Quanah Parker - ewigeweisheit.de

Quanah Parker (nach 1840-1911): Comanchen-Häuptling und legendärer Begründer der Native American Church.

Bericht eines Peyote-Essers

Um Mitternacht aßen wir vom Peyote. Doch ich bekam riesige Angst als ich plötzlich fühlte, wie etwas Lebendiges in mich eindrang.

Ich fragte mich, was in der Welt mich dazu veranlasst hatte tatsächlich vom Peyote zu essen. Denn mit einem Mal wusste ich, dass ich von einer vielleicht tödlichen Droge gegessen hatte. Sicher würde es mir schaden, dachte ich. Konnte ich es nicht erbrechen, so dass das Gift des Peyote aus mir trat? Ich versuchte also mich zu übergeben. Doch nach ein paar Versuchen gab ich auf. Erst war ich ganz versessen darauf und setzte alles daran, an dieser Peyote-Zeremonie teilzunehmen. Doch jetzt hatte ich mich vergiftet und wusste, dass es mir einfach nur schaden würde.

Was ging hier bloß vor sich? Es war doch nur dieses eine Stück Kaktus das ich aß. Jetzt aber, wo es sich in meinem Magen befindet, scheint es lebendig geworden zu sein und bewegt sich innerhalb meines Bauches.

Ich hatte Angst - schreckliche Angst. Wären doch nur meine Lieben bei mir! Dann wüssten sie, was mit mir los ist und ich wäre nicht so verloren wie jetzt: ich habe mich selbst getötet!

Was aber nun passierte war noch unheimlicher, denn das, was sich zuvor in meinem Magen bewegte, schien nun herauskommen zu wollen. Nein, bitte nicht! Es war schon fast draußen und ich fühlte entsetzt mit meiner Hand nach dem Etwas. Dann aber schien es wieder umzukehren.

Wieso nur, fragte ich mich erneut, hatte ich bloß davon gegessen? Besser ich hätte es nie eingenommen. Jetzt war ich mir sicher, ich würde sterben. Und so ging es weiter bis zum Morgengrauen. Als die Sonne schon hoch über dem Horizont stand, sahen ich und die anderen Teilnehmer uns an und begannen zu lachen. Doch während der nächtlichen Peyote-Erfahrung, war wirklich überhaupt nicht danach zu Mute.

Die zweite Nacht

Trotz dass ich in der vergangenen Nacht vollkommen sicher war, dass ich einen Fehler begangen hatte, aßen wir am folgenden Abend wieder von dem magischen Kaktus. Jeder von uns kaute sieben Stücke Peyote.

Und da: Plötzlich war ich eine riesige Schlange. Ungaublich war meine Bestürzung darüber. Was alles noch schlimmer machte, war eine andere Schlange, die plötzlich mit ihrer schuppigen Haut über meinen Rücken glitt. Keine Ahung was sich da abspielte. Es schien mir etwas im Nacken zu sitzen. Als ich mich erkundigend umwand, um zu sehen was sich auf meinem Rücken befindet, sah ich plötzlich ein gigantisches Reptil, das drauf und dran war mich zu verschlingen. Doch es war kein mir bekanntes Reptil, sondern glich eher einem Drachen, denn es hatte Arme und Beine. Sein Schwanz aber glich einem langen Speer. 

Wieder überkam mich schreckliche Todesangst. Dann schaute ich in eine andere Richtung. Da war ein gehörnter Mann mit langen Klauen, der in seiner Hand einen Speer hielt. Er sprang vor mich hin, doch vor Schreck warf ich mich zu Boden, so dass mich sein Speer knapp verfehlte. Als ich mich umsah, warf er erneut seinen Speer auf mich, doch wieder sprang ich zur Seite. Bei all dem Graus, schien es für mich aber keinen Ausweg zu geben.

Plötzlich wurde mir klar, dass all das was ich gerade erfuhr, durch den Peyote verursacht wurde. Drum schrie ich um Hilfe, bat dabei sogar den Peyote selbst. Ich wusste er war heilig und würde meine Rufe erhören. Dann plötzlich endeten die schrecklichen Visionen und meine grausamen Leiden fanden ein Ende.

Nun aber wusste ich, dass ich im Peyote einen Verbündeten gefunden hatte: Ein helfendes Wesen voller Kraft und Heilung.

Diese Erfahrung war durch und durch positiv, ja eigentlich heilig. Sie hielt an für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, in der ich nicht schlief.

Die dritte Nacht

Der Tag war bereits angebrochen. Wir frühstückten. Am Abend aber aß ich erneut acht Stücke Peyote.

Um Mitternacht erlebte ich etwas Außergewöhliches: mir war, als ahnte ich was Gott wirklich sei. Mir schien als spürte ich seine Gegenwart und betete darum um Hilfe und um Wissen. Ich fleht ihn an, er möge mir helfen keine bösen Taten mehr zu begehen. Bat ich aber eigentlich den eingenommenen Peyote um Hilfe?

Die Pflanze in mir fühlte sich an wie ein Ahne. Der Peyote war wie ein lieber Großvater für mich, dem ich voll und ganz vertraute. Ihn bat ich um Hilfe, denn ich wollte verstehen was die Welt und was Gott ist.

Danach saß ich ruhig da und verfolgte das morgendliche Spektakel der rötlichen Dämmerung. Da sah ich den Morgenstern leuchten und genoss seine himmlische Erscheinung. Sein Licht tat mir gut.

Während ich mich Nachts fürchtete, fühlte ich mich nun vollkommen selig. Als der Tag anbrach befand ich mich in einem Zustand vollkommener Klarheit. Nichts schien sich vor meinem alles durchdingenden Blick verbergen zu können. Ich konnte gar in weite Ferne blicken. Da sah ich das Haus in dem ich lebte. Obwohl es so weit weg war, konnte ich es direkt vor mir stehen sehen. Am Fenster spielten meine Kinder. Plötzlich aber erschien da ein Fremder. Es war ein Trunkenbold. Er machte auch meine Familie trunken und belästigte sie. Dann aber rannte er fort und ich dachte nur, dass es eben das sei, was sie mit uns Menschen taten: sie machten uns zu verschlafenen Trunkenbolden, die Ausflüchte im Leben suchen mussten, um sich selbst in dieser Welt zu ertragen.
Jetzt erblickte ich meine Frau. Sie stand vor mir, gehüllt in ein rotes Tuch. Es schien als müsse sie eine Entscheidung treffen.

Doch eigentlich ging es Allen gut - meinem Bruder, meiner Schwester und auch meinen Eltern. Das gab mir ein Gefühl tiefer Zufriedenheit.

So also wusste ich, dass mein Peyote-Großvater es gut mit mir meinte. Er war eben eine heilige Pflanze, der ich mich ganz und gar hinzugeben traute.

Während all der Jahre die ich auf der Erde wandle, wusste ich eigentlich nie, was das Wort "heilig" eigentlich bedeutet. Drei Tage und Nächte aß ich vom Peyote und ebenso lange schlief ich nicht. Jetzt aber verstand ich zum ersten Mal das Unaussprechliche und worauf das Wort "heilig" eigentlich hindeutet.

Peyote-Trommler - ewigeweisheit.de

Foto eines Peyote-Trommlers von Edward Sheriff Curtis (1868-1952) (cc).

Was ein Peyote-Ritual bewirken kann

Peyote-Zeremonien haben einen ganz klaren Zweck: Jemand der die Pflanze einnimmt, öffnet sich seiner inneren, höheren Geistigkeit. Ihm wird klar, dass er über viel größere Kräfte verfügt, als er eigentlich glaubte. Damit wächst er quasi über sein bisheriges Selbst hinaus. Denn durch die Peyote-Erfahrung leuchtet das Licht einer höheren Wahrnehmungm jene Begrenzungen des Peyote-Initianden aus, die ihm in seinem Leben im Weg stehen. Es kommt auch vor, so zumindest berichten Peyote-Esser, dass das, was jemanden im Leben in seinem Denken behindert, dabei sogar sofort aus dem Weg geschafft wird.

Jemand der Peyote einnimmt lernt, wie seine negativen Einstellungen auf sein gesamtes Leben einen Schatten werfen. Dabei geht es aber gar nicht einmal darum, sich von sich selbst zu entfernen. Vielmehr versucht der Peyote-Esser das sich der Geist des Kaktus, mit den eigenen, angeborenen geistigen Fähigkeiten vermengt. Dies geschieht in einem fließenden Vorgang, der in etwa zwei Schlangen gleicht, die sich um einander winden. Die Weisheit die dabei erfahren wird ist aber keine Kopfsache, sondern wird als tiefer Frieden im Herzen empfunden.

Nie aber scheint sich die Welt weiter entfernt zu haben von diesem inneren Frieden, als heute. Unter Geistigkeit nämlich versteht man alleine die Fähigkeiten des Gehirns, während diese Herzensverbindung die meisten Menschen anscheinend verloren haben. Doch genau dort im Herzen wartet jene große geistige Seeligkeit erweckt zu werden.

Kopfdenken ist von unserem Ego gesteuert. Das Herzdenken aber von unserem höheren Selbst. Unserer Ängste und unser häufiges Unbehagen in bestimmten Lebenssituationen, basiert in Wirklichkeit auf mangelhaftem Wissen über die eigenen, höheren Fähigkeiten. Nur darum neigen wir dazu, nach Ersatzbefriedigungen zu suchen. Doch wie jeder weiß, sind das nur Ausflüchte, die schon bald durch neue oder häufigere Ausflüchte kompensiert werden wollen. Das Loch dass wir so aber in uns immer mehr ausweiten, lässt sich irgendwann einfach nicht mehr füllen.

Die Frustration aller unbewusst lebenden Menschen, die nach irgendwelchen, nicht (mehr) erfüllbaren Sehnsüchten lechzen, hat sich aufaddiert zu einer weltweit verbreiteten Krankheit zerstörender Schlagkraft. Je mehr Menschen aber aus ihrem Alltagsschlaf erwachen, desto wahrscheinlicher ist, dass dieser globale Alptraum ein Ende findet.

 

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Was ist Schamanismus?

Was ist Schamanismus?

Schamanismus ist ein religiöses System, dessen Ursprünge zurückreichen bis in die Altsteinzeit. Manche sagen der Schamanismus sei so alt wie die Menschheit selbst und kam mit den ersten Menschen auf die Erde. In der Kosmologie der Schamanen gibt es neben der Menschenwelt eine Welt der Geister und Ahnen. In unserer Welt ist der Mensch stets von diesen Geistern umgeben. Manche von ihnen waren einst Menschen und können auch in Zukunft wieder zu Menschen werden.

In ihnen leben dann die Geister der Ahnen. Doch der Schamanismus kennt auch Geister, die niemals menschliche Gestalt hatten. So sind in manchen Kulturen diese Ahnengeister Wesen, die lange vor uns auf der Erde lebten. Es muss sich bei den "Ahnen" im Schamanismus aber nicht um tatsächlich genetische Ahnen handeln. Manche Menschen sagen dass der Tod nicht das Ende ist, sondern eher der Übergang vom körperlichen Leben in einen Zustand, in dem das Individuum fortexistiert, jedoch ohne Körperlichkeit ist. Das trifft auch zu auf die Ahnengeister.

Was bedeutet das Wort Schamane?

Das Wort "Schamane" hat seinen Ursprung wahrscheinlich in der Sprache der Tungusen - den Völkern im Nordosten Sibiriens. Dort ist ein "saman" ein erhabener, begeisterter Mensch voller Dynamik. Als so jemand werden auch die dort lebenden Magier oder Heiler bezeichnet. Ein Schamane kann aber auch als Ratgeber fungieren, wenn ein Mensch die Verbindung zu seinen Wurzeln verloren hat. So glauben die Schamanen dass wenn es ein ungelöstes Problem in der Reihe der Ahnen gibt, es damit zu Blockaden im Leben eines Menschen kommen kann, was tatsächlich sein Schicksal zu beeinflussen vermag. Dann wendet man sich an einen Schamanen der einem hilft, indem er mit den Ahnengeistern Kontakt aufnimmt, mit ihnen spricht und so ein altes Problem aus dem Weg schafft. Nicht aber geht es dabei nur um die Lösung des Problems einer einzelnen Person, sondern auch darum, im gesamten Ahnenstammbaum Blockaden zu durchbrechen.

Ein Schamane besitzt meist hellseherische, übersinnliche Fähigkeiten, kennt sich aus mit sogenannten Kraft- oder Medizinalpflanzen, wie auch anderen Heilkräften. Bei den Menschen der Mongolei oder Sibiriens etwa, die dem Schamanismus noch sehr nahe stehen, übernimmt der Schamane oft die Rolle des Arztes oder Psychotherapeuten.

Merkmale des Schamanismus lassen sich überall auf der Welt finden. Nicht alle Schamanen sind als wandernde Nomaden unterwegs, wie etwa die Schamanen Zentralasiens. Daher ist es nicht immer einfach, den Begriff Schamanismus genau zu definieren. Jeder der heutzutage mit Naturgeistern arbeitet (zum Beispiel Keltentum), bezeichnet sich selbst manchmal als einen Schamanen.

Manche behaupten auch sie hätten mit einem Schamanen zu tun, wenn diese Person lediglich als Medium für spirituelle Wesenheiten agiert und diese quasi in die physische Welt zu einem Menschen führt. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit Schamanismus zu tun, sondern da ist einer am Werk, der "übernatürliches Bewusstsein" besitzt und Kontakt aufzunehmen vermag, mit der Welt des Jenseits. So etwas nennt man auch "Channeling".

Trance im Schamanismus

Ein Schamane ist ein heiliger Mann oder eine heilige Frau, die in zwei Welten steht: im Diesseits und im Jenseits - dem, was zum Beispiel Carlos Castaneda in seinen Büchern als Tonal und Nagual bezeichnet.

Ein Schamane besitzt die Fähigkeit, sein Bewusstsein vollständig zu ändern. Er arbeitet mit besonderen Geistformen, die seinen Körper im Zustand der Trance sozusagen bewohnen, was aber bei falscher Handhabung, leider zum Verlust von Teilen der Seele führen kann. Dann erfährt derjenige einen psychischen Schock oder sogar eine Psychose.

Zu den Methoden schamanistischer Erfahrungen, zählt insbesondere die Steigerung eines Zauberers in Trance. Durch Tanz, Gesang, besondere Körperbewegungen und das Schlagen der Schamanentrommel, erhebt sich sein Bewusstsein auf eine Ebene, wo er sich den Ahnengeistern nähert. Er erhebt sein Bewusstsein in einen Bereich, wo es sich auszudehnen vermag, in einem nicht-physischen Gebiet. Dort halten sich die Ahnengeister auf. Er ist in diesen Gefilden losgelöst von den Banden der Materie, ist selbst als Geist unterwegs. So kann er dort mit geistigen Wesen in Verbindung treten. Dabei muss er aber nicht immer als Mittler zwischen Mensch und Ahnengeist agieren. Er kann auch ganz einfach nach der Erfahrung suchen, die man macht, wenn man den Ahnengeistern begegnet.

In dieser Trance kann man von einer Art Selbsthypnose sprechen, bei der der Schamane jedoch voll bewusst ist. Sobald der Trance-Zustand erreicht wurde, bewegt sich der Geist des Schamanen frei durch die Welten: die Menschenwelt, die Unterwelt und die Welt der Himmlischen. Dabei hat er Kontakt zu guten wie bösen Geistern, von denen er Geheimnisse erfährt oder die er auch durch sein Erscheinen beeinflussen kann - zu seinem oder dem Nutzen eines anderen Menschen. So können Schamanen durch jahrelanges Üben, anderen Menschen helfen, mit ihren Ahnen in Kontakt zu treten, um sie entlang ihres geistigen Stammbaums zu führen. Damit erzielen Schamanen Heilung und Harmonie im Leben eines Hilfesuchenden.

Ahayuasca, Peyote

Was den Schamanen von anderen unterscheidet, ist die Fähigkeit sich in andere Welten zu transzendieren. Viele glauben, dass sie diese Erfahrungen selbst erzwingen können, durch die Einnahme besonderer Substanzen, wie etwa dem Peyote-Kaktus oder dem Ahayuasca-Trank. Doch dies ist eher die unsaubere Methode, da man dem Körper Gifte zufügt, die erst wieder ausgeschieden werden müssen.

Sicher aber erfüllen diese und andere Kraftpflanzen ihren Zweck. Sie dienen aber nur dem Anfänger, der den Zugang zu seinem höheren Selbst verloren hat - als quasi eine erzwungene Methode der Rückführung, zum waren Kern des Selbst. Ein Schamane der diese Phase seines Weges bereits hinter sich gelassen hat, will seine Erfahrungen jedoch aus sich selbst heraus machen, ohne dass er dazu durch Stoffe beeinflusst wird, die er nicht kontrollieren kann. Er will nicht abhängig sein von Substanzen, sondern seien Erfahrungen beim "vollem Bewusstsein" erleben.

Wer eine schamanische Heilreise unternehmen möchte, sollte sich daher besser an einen wirklichen Schamanen richten, der mit Trance arbeitet. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass diese Trance-Zustände und das, was die moderne Psychologie als "Psychose" bezeichnet, sehr nahe bei einander liegen. Drum ist es unabdingbar, dass einer, der sich auf den Weg des Schamanen begeben möchte, damit vorsichtig beginnt - ja besser noch, einen Schamanen-Führer hat, der ihn in die höheren und niederen Welten einführt.

Tanzender Schamane und die Ahnengeister – ewigeweisheit.de

Tanzender Schamane nimmt Kontakt zu den Ahnengeistern auf.

Blutsbruderschaft

Schamenen glauben, dass das sogenannte "Kut", die  "Essenz des Heiligen", durch Körpersäfte übertragen wird. Das kann erfolgen durch Tränen ebenso, wie durch Speichel, Sperma oder Urin. Im Blut aber, dem kraftvollsten aller Körpersäfte, ist das Wesen eines Menschen gegenwärtig. Wer vom Blut eines anderen kostet, auf den geht die Kraft dieses Menschen über. Daher stammt die alt-türkische Tradition der Blutsbruderschaft: Einer schließt mit einem anderen Blutsbruderschaft, indem er sein Blut und das Blut seines zukünftigen "Bruders" in Kumys (vergorener Stutenmilch) löst. Dieses rituelle Getränk wird in eine Schale gegeben, woraus beide Blutsbrüder trinken. Somit schließen sie einen Bund, der ebenso stark ist, wie der zweier leiblicher Brüder. Danach wird das Blut des Blutsbruders zum absoluten Tabu, darf niemals vergossen werden.

Das finstere Schicksal des Jamukha Gurkhan

Eine mongolische Geschichte erzählt von zwei Fürstenkindern, die einst Blutsbruderschaft schlossen. Das war Jamukha Gurkhan und der junge Temüdschin. Temüdschin wählte man einst zum Khan aller Mongolenstämme und gab ihm den Namen Dschingis Khan. Dies aber neidete ihm sein Blutsbruder. Außerdem verlor Jamukha sehr früh seine Kinder, während Temüdschin mit seiner Frau eine große Familie hatte. So wurde Jamukha Gurkhan zum größten Widersacher Dschingis Khans und begang Hochverrat. Beide zogen mit ihren Heeren gegeneinander in die Schlacht. Doch schließlich wurde Jamukha von Dschingis Khan gestellt und hingerichtet - doch nicht etwa durch Pfeil oder Schwert, denn das hätte sein Blut vergossen. Da die beiden Blutsbrüder waren, durften sie das Blut des anderen nicht vergießen. So brach man dem Jamukha das Genick.

Wie man ein Schamane wird

Nicht jeder Mensch ist zum Schamanentum berufen. Man wird eben auch nicht mal eben ein Schamane. In Sibirien etwa, durchlebt ein Schamane teilweise ganz entsetzliche Erfahrungen, wo er in seinem Körper bis an die Grenzen des Todes kommt. Nur im Westen scheinen sich Menschen dazu zu "entscheiden" Schamane oder Schamanin "zu werden". Doch die Schamanen Zentralasiens entscheiden nicht selbst welche zu werden. Sie lesen keine Bücher, die ihnen erklären wie man ein richtiger Schamane wird oder besuchen "Wochenendkurse in Schamanismus".

Um Schamane zu sein, muss man laut Tradition, in der Ahnenreihe eines älteren Schamanen stehen. Das heißt aber nicht, wie oben bereits angedeutet, das man von ihm tatsächlich genetisch abstammen muss. Es ist also keine Blutlinie. Vielmehr muss der Ahnengeist seines Vorgängers, den Schamanen sozusagen beauftragen, in seiner Linie die Tradition fortzuführen. Dann gehen Teile der Seele der Ahnen, in die Seele des Schamanen über, womit das Wesen und die Kraft seines Vorgängers, auf ihn übertragen wird.

Daher rührt die große Bedeutung des Ahnenkults im Schamanismus. Die Seelen der Ahnen sind für die Schamanen immer noch in der Welt unterwegs. Als unsichtbare Wesen können sie einen Schamanen auch verfolgen, wenn er aus seiner Rolle fällt.

Im Westen erscheinen uns solche Dinge vielleicht eher befremdlich. Man glaubt nicht, dass das Leben eines Mensch von irgendwelchen Ahnengeistern beeinträchtigt ist. Eher denkt sich der westliche Durchschnittsmensch, dass ihn nur die Dinge betreffen oder sein Leben eingrenzen, die materieller, physischer Natur sind. Daher gelten den Menschen im Westen materielle Güter so viel, da sie glauben, durch mehr Besitz, über mehr "Sicherheiten" zu verfügen. Ein Schamane agiert jenseits dessen - oder, anders ausgedrückt: er arbeitet nicht nur in der Menschenwelt, sondern wie gesagt, auch in der Unterwelt und im Himmel. Dabei verrichtet er seinen Dienst am Menschen, an der Natur und an der Erde. Er hat die Fähigkeit einem Menschen zu helfen, mit seinen Ahnen in Verbindung zu treten und ihm so aus alten, hinderlichen Konstellationen zu entwinden.