Schlange

Transmutation auf Gold

Transmutation auf Gold

transmutation auf Gold - ewigeweisheit.de

Assoziativ gesprochen: bei der Transmutation auf Gold geht es auch um den Drachen. In verschiedenen Mythen und Legenden bewacht er, in Höhlen wohnend, das kostbare Sonnenmetall. An einem unzugänglichen Hort im Innern der Erde hält er es verborgen.

Zwar birgt dieser Drache in sich ein Feuer, doch wegen seines unteriridschen Wohnorts ist er ein jämmerliches Wesen der Dunkelheit. Das Gold galt den Alten als geronnenes Sonnenlicht und war somit auch ein Sinnbild äußerer Wärme. Deshalb jagt der Drache dem Gold nach, so die Alchemisten. In der düsteren Kälte der Felsen seiner Gruft würde es ihn sonst wohl frieren. Bevor das Gold in der Sonne glänzt, verbirgt es also ein Drache vor allen Menschen bei sich, im Dunkel der Erde.

Sankt Michael tötet den Drachen - ewigeweisheit.de

Sankt Michael tötet den Drachen. Spanische Illustration aus dem frühen 15. Jahrhundert.
Die Rote Farbe seiner Rüstung ließe sich als Hinweis auf die Rubedo (Rötung) deuten: Die letzte und höchste Stufe im großen Werk bei der Bereitung des Steins der Weisen. Jenen legendären Stein verwendeten die Alchemisten um unedle Metall in Gold umzuwandeln.

Gottessohn des Lichts

Sonne und Gold sind beides Symbole reinen Lichts. Vis-a-vis stehen ebenjene Symbole der Dunkelheit. Als Sonnenkönig ist der alt-griechische Gott Apollon das lichterfüllte Gegenstück zum schwarzen Drachen Delphis. Apollon aber tötete ihn und damit endete eine alte Zeit, so dass etwas Neues geboren werden konnte: das goldene Zeitalter des Lichts. Das aber ist lange her.

Apollon ist ein Lichtbringer, dem man als solchem im späteren Christentum aber den Namen Luzifer gegeben hätte (Lichtbringer oder Lichtträger). Unwissende setzten ihn damit wohl auch gleich, mit der alten Schlange Satan. Dann aber haben wir wieder mit dem Drachen zu tun. Was nun also? Beides?

Gutes und Böses, zwei Seiten der selben Münze auf deren Rand eine Gravur zu lesen ist:

ABRAXAS

Das ist der griechische Name des Gottessohn der 365 Tage, dem Zeitraum in der sich die Erde um die Sonne "schlängelt". Was aber hat dieser Name mit 365 zu tun? Nun, es soll nicht alles gleich verraten werden. Aber: Sechs mal Sechs mal Zehn und Fünf - oder: 1 + 2 + 100 + 1 + 200 + 1 + 60 = 365. Was hat es damit auf sich?

Diabolisch - symbolisch - metabolisch

Werfen wir aber zunächst einmal einen Blick auf das Sinnbild des Lebensbaumes der Kabbala. Diese Struktur nennen manche jüdische Gelehrte den Sefirothbaum. Sefiroth sind archetypische Konzepte, wenn man so will, etymologisch verwandt mit dem deutschen Wort für die "Sphären", hermetischen Gefäßen quasi, in denen sich ganz besondere Eigenschaften verwirklichen lassen, sobald man einen Weg hinein gefunden hat. Dann aber lassen sich in solch abgeschlossenen Einheiten alchemistische Prozesse anstoßen.

In manchen Darstellungen sieht man ein Reptil, eine schwarze Schlange, die sich entlang der Äste dieses geheimnisvollen Lebensbaumes nach oben windet, zur Krone - "nach Kether hin", wie die Kabbalisten sagen. Eine Sonne aber leuchtet im Zentrum dieses Wunderbaumes. Und diese solare Mitte umhüllt die sechste Sefirah (Singular von Sefiroth): Tiphereth genannt - die Schönheit.

Kabbala-Gelehrte haben später die Alchemisten dazu inspiriert, den einzelnen Positionen im Lebensbaum, bestimmte planetarische Mächte zuzuordnen. An der sechsten Position im Lebensbaum aber, der Sefirah Tiphereth, befindet sich gemäß der chaldäischen Reihe die Sonne. Sechs entspricht dem Sonnenlicht. In der Bibel lesen wir:

Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen; und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. [...] Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres!

- Offenbarung 13:11,18

Wer weiterließt kommt zur Symbolik dreier Sechsen. Und jene Zahl, die hier nich stehen muss, ergibt sich wie folgt:

In der Magie ist die Rede vom sogenannten "Planetenquadrat der Sonne". Zu diesem, wie zu den anderen sechs klassischen Himmelskörpern, gibt's ein magisches Quadrat. Warum aber magisch? Schauen wir uns dazu einmal die erste Reihe der folgenden Tabelle an, die so ein magisches Quadrat zeigt:

 

6 32 3 34 35 1
7 11 27 28 8 30
19 14 16 15 23 24
18 20 22 21 17 13
25 29 10 9 26 12
36 5 33 4 2 31

 

Addiert man nun einmal alle Zahlen in der obersten Reihe, da erhält man eine bestimmte Summe. Magisch an dieser Figur ist nun die Tatsache, dass egal aus welcher Reihe des Quadrats (sechs Waagrechte, sechs Senkrechte oder die beiden Diagonalen) man die Zahlen zusammenzählt, man immer die selbe Summe sieht. Und da dieses magische Quadrat der Sonne dem Gold und damit auch der Zahl Sechs entspricht, fühlt sich vielleicht die eine oder der andere dazu verleitet, diese Summe eben mit Sechs zu multiplizieren. Und siehe da: Man hält wohl inne, beim Entdecken des wirklichen Endes vom 13. Kapitels jener Offenbarung.

Als erstes sechsmal gesprochen FALABA CALADA LEA.
Danach dann ...

Wissen Sie wie es weitergeht? Obiges Sonnenquadrat verrät's. Drum Vorsicht!

Der Rote Löwe

Wenn nun also die Sonne aus der sechsten Sefirah Tiphereth strahlt, ist ihr aus alchemistischer Sicht das Metall Gold zugeordnet (so wie der Dritten das Metall Blei, der vierten Sefirah das Zinn und der fünften das Eisen).

Wiederum steht in diesem Zusammenhang nun, mit der zuvor erwähnten, durch Apollon vollzogenen Tötung des bösen Drachen (der die dortige Erdspalte bewachte woraus ein edles Gas hervorströmte), die christliche Symbolik St. Michaels. Erzengel Michael - in der Kabbala bewohnt auch er die sechste Sefirah Tiphereth - erstach den Drachen, stürzte ihn vom Himmel, wo sich ja bekanntlich der paradiesische Lebensbaum befindet - so dass er ins Innere der Erde fiel: Die irdische Unterwelt des Drachen den Apollon erschlug. In der Symbolik Michaels und des Drachen sieht man den Erzengel, wie auch er mit Schwert oder Lanze, das reptilische Ungeheuer tötet. Es geht hier um die "Marter der Metalle", wie es die Alchemie nennt. Mit Lanzenklingen wurde auch Christus am Kreuz von seinen Martern erlöst und Johannes der Täufer vom stählernen Schwert enthauptet. Und dies hat auch eine Querverbindung zum Element Feuer, so wie das Schwert dem Element Luft, der Kelch oder Gral dem Element Wasser und der Stein dem Element Erde zugeordnet sind.

Wenn Michael nun also den Drachen mit einer Lanze ersticht, so kommt da das Feuerprinzip ins Spiel. Ist das dann nicht auch eine Transmutation auf Gold? Man denke etwa an das Simileprinzip des Paracelsus, und assoziiere damit die Reihe: Feuer - Lanze - Sonne - Gold. Und wenn nun die Lanze ihrer esoterischen Bedeutung nach mit dem Feuer assoziiert wird, und das Feuer das Element des astrologischen Löwen ist, einem Sternbild über das, astrologisch, wiederum die Sonne regiert, so kommt hier sicher auch der "Rote Löwe" (auch: "Roter Leu") der Alchemisten ins Spiel.

Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas,
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?

Aus Goethes Faust - Der Tragödie erster Teil: "Vor dem Tor", Faust zu seinem Famulus Wagner

Jede Veredelung (Transmutation auf Gold) erfolgt ancheinend über den leidvollen, ja qualvollen Weg (Marter). Das Körperliche Prinzip muss geopfert werden, entsprechend dem am Kreuz geopferten Leib Christi, damit das Lichtprinzip der Geistesseele entweichen kann, wie auch der Heilige Dunst aus der Erdspalte zu Delphi, wo nach Apollons Sieg ein toter Drachen fault.

Sonne und Drachen,
wie Apollon und Python,
in Licht und Finsternis,
durch Feuer und Erde,
ergeben die Sechs mal Drei
und Gold aus Blei.

LAFELAC DABLA

 

 

Die Versucherin

Die Versucherin

Auf dem Weg wird der Held durch alle möglichen Reize versucht. Meist erscheinen sie in Form einer attraktiven Frau. Wenn er sich aber seinem Verlangen ergibt, kann er seine Mission nicht fortsetzen und wäre so des Heldentums nicht würdig.

Darum erscheint dem Helden eine Verführerin. Sie testet seine Integrität. Ein Bösewicht hat sie gesendet, so dass sie dem Helden schnellen Lohn bietet, der sich in Freuden erfüllt. Sein wahres Heldentum unter Beweis stellen, kann er aber nur, wenn er sich dem verweigert. Damit kann er sein ursprüngliches Ziel auch wirklich erreichen.

Die Verführerin dieser und die Göttin der letzten Station der Heldenreise, bilden zwei Pole: Erstere steht für die fleischlichen Vergnügen und die körperliche Liebe, die kurzweilige Freuden vermittelt - während die Göttin dauerhafte Liebe garantiert.

Die Mythologie ist voller Verführerinnen. Man denke etwa an die Sirenen in der griechischen Odysseus-Sage oder die Bai Mudan der alt-chinesischen Mythologie. Solche Wesen sollen den Helden verwirren, um ihn von seinem eigentlichen Weg abzubringen. Gewiss zählt zu den Urverführerinnen für die Christen, die Urmutter Eva, die dem Adam vom Apfel der Erkenntnis zu kosten gab. Auch die Maria Magdalena wird gern in diese Rolle gedrängt.

Einen Mann zu verführen ist recht einfach - weniger archetypisch aber ist es umgekehrt. Zwar treffen auch Heldinnen auf Verführer, deren wahre Sorge ist aber weniger Geschlechtliches als das Schlechte an sich.

Die 10 Sefiroth im Kabbala-Lebensbaum

In zweiunddreißig wunderbaren Pfaden der Weisheit zeichnete Jah, JHVH Zabaoth, der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, der ewig lebendige Gott, gnädig, barmherzig und hoch erhaben, lebt er in der Höhe und bewohnt die Ewigkeit, sein Name ist heilig. Er erschuf sein Universum durch drei Zählprinzipien: Zahl, Zähler und Erzähltes.

– Sefer Yetzirah I:1

Der kabbalistische Lebensbaum, der Etz Chaim (hebr. עץ חיים), ist ein zentrales System der Kabbala und beschreibt die Emanationen der göttlichen Schöpfung, wie diese im Buch der Formgebung, dem Sefer Yetzirah (hebr. ספר יצירה), beschrieben werden.Kabbala Lebensbaum nach Selim Oezkan

Der Lebensbaum ist untergliedert in Dreierpaare, welche sich aus den zehn Urziffern, den Sefiroth (sing. Sefira) in bestimmter Weise gruppieren. Über kabbalistische Gesetzmäßigkeiten, die sich aus einem System von 22 Pfaden ergeben, sind diese 10 Urspähren der Sefiroth untereinander auf geheimnisvolle Weise verbunden. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang zum hebräischen Alphabeth und den Karten des großen Arkanums im Tarot.

Das Urlicht, das Ayn Soph (oder En Sof), welches man auch als das unendliche, unbegrenzte, unsichtbare Licht Gottes begreifen könnte, fließt aus einer Welt, die man mit der platonischen Lehre von der Welt der Ideen vergleichen kann. Aus diesem, einem Chaos ähnelndem Zustand, entspringt die erste Motivation der Schöpfung Gottes, seine erste Bewegung, die durch seine Kontraktion und Expansion die 10 Sefiroth aus dem reinen Urlicht entstehen lässt. Diese 10 Sphären des Ur-Seienden entfalten sich in die vier Welten: Assia, die Welt der Handlung, Yetzirah, die Welt der Formung, Briah, die Welt der Kreation (oder Schöpfung), und der Welt Atziluth, die sich in einer übernatürlichen Dreiheit über den diesseitigen, darunterliegenden, seelisch-stofflichen Emanationen, gleich einem geistigen Baldachin schwebt, der mit den unteren Welten über die verborgene Sefirah Da'at verbunden ist.

Zwischen der reinen Bewusstheit und dem Unterbewusstsein, liegt im Baum des Lebens das Denken: links, in Sefira Hod, das analytische Denken, rechts davon in Sefira Netzach das kreative Denken.

Die oberste Sefira Kether, stellt hierbei die Anwesenheit Gottes in der Schöpfung dar, während die unterste Sefira Malkuth, die Materie beschreibt (die Erde, unseren Planeten). Zwischen diesen Beiden Entitäten, liegt das menschliche Bewusstsein, Sefira Tiferet. Zwischen dem Bewusstsein und dem Irdischen, liegt das Unterbewusstsein, welche der Sefira Yesod entspricht.

Die rechte Seite des Etz Chaim, beschreibt daraus folgend, das nehmende, weibliche Prinzip (man stelle sich dies natürlich umgekehrt im menschlichen Körper selbst vor: die linke Seite des Baums, entspricht der rechten Seite des menschlichen Körpers und umgekehrt), welches sich durch die Sefirah Chokmah manifestiert, das gebende, männliche Prinzip, auf der linken Seite, manifestiert durch die Sefira Binah.

Es gibt sieben irdische Sefirot (Malkuth, Yesod, Netzach, Hod, Tiferet, Geburah, Chesed) und drei himmlische oder göttliche Sefirot (Binah, Chokmah, Kether). Diese sind voneinander getrennt und werden über die Erkenntnis (Daat) überbrückt.

In meiner Veranschaulichung finden sich ausserdem, am Fuß der Illustration, die drei Säulen: die Härte (Binah, Geburah und Hod), die Milde (Kether, Tiferet, Yesod und Malkuth) und die Barmherzigkeit (Chokmah, Chesed und Netzach).

Links des Baumes versuche ich die sieben Ebenen dieser Entitäten des menschlichen Seins mit den Chakren aus der fernöstlich-indischen Tradition in Verbindung zu bringen.

Sonne und Schlange (3)

Schlangenlinien und Sonnenkräfte

Die Menschen wussten bereits vor tausenden von Jahren, dass die sichtbare Wirklichkeit nicht dem eigentlich Wirkenden entspricht, und sich stattdessen eine verborgene Kraft hinter den sichtbaren Dingen verbirgt. In der indischen Philosophie ist Maya die Göttin der Illusion, aus der sich alles in der Welt manifestiert, indem sie die kreative Kraft Shakti verschleiert, was den Menschen dann als Materie erscheint. Materie ist der Schatten der geistigen Wirklichkeit. Anfang des 20. Jhd. fand diese philosophische Annahme durch Albert Einstein's Relativitätstheorie in einem wissenschaftlich erklärbaren Rahmen Bestätigung. Sichtbar für die Augen ist alles, dass sich mit hoher Frequenz in Schwingung befindet, oder etwas hoch schwingendes reflektiert, das von einer materiellen Form ausgeht, die letztendlich einer im Vakuum zu kristallinen Materiestrukturen geronnenen Lichtwirkung gleichkommt.

Im sogenannten »Einheitlichen Feld« der Quantenphysik, bestehen polare Wechselwirkungen bestimmter, objektiver Kraftfelder, die ab einer sehr hohen Umdrehungs-Frequenz beginnen Licht auszusenden. Damit dieses Licht Wirklichkeit wird, bedarf es eines relativen Beobachters, wodurch eine Polarität von dem was leuchtet und dem was dieses Leuchten wahrnimmt aufgespannt wird – ohne Auge, kein Licht – Goethe schrieb: »Wäre das Auge nicht sonnenhaft, wie könnten wir das Licht erblicken?«.
Physikalisches Licht ist nichts anderes als eine polare, schlangenförmige, raumzeitliche Ausbreitung zweier Kräfte: Elektrizität und Magnetismus, die aus einer androgynen, für uns nicht wahrnehmbaren, da unsichtbaren Energie, in eine sich bedingende, untrennbare Zweiheit der Bewegung »gestürzt« ist, worauf vielleicht auch der Luzifermythos hindeutet. Die Tatsache dass erst durch Polarität Wahrnehmung entstehen kann, führt zu dem Schluss, dass Einheit von Unveränderbarkeit, Ewigkeit und Formlosigkeit begleitet wird.

Alles Ewige unterliegt keiner Veränderung und auch keinem Kreislauf. Leben kann deshalb nur, was zwar an der Ewigkeit teilnimmt, als Polarität unbedingt aber sterben muss, um wieder in die Einheit zurückzukehren.

Der Lauf des Lebens ist Geburt aus der Dunkelheit – ob nun aus dem finsteren Weltraum, aus dem Mutterleib oder dem, unter der Erde keimenden Samen, der den Erdboden irgendwann durchbricht um am Tage zu wachsen. In Ägypten symbolisiert diesen Vorgang die Geburt des Sonnenkäfers Skarabäus, den der warme, schwarze Nilschlamm bebrütet, um schließlich aus seiner Hülle zu schlüpfen, um alsdann zur Sonne empor zu fliegen.
Es ist immer eine Geburt aus der Finsternis – hinein ins Licht.

Beginnen tun die Dinge also mit etwas Unsichtbarem, etwas verschlossenem, was das Ei versinnbildlicht. Aus einem Ei schlüpft ein Insekt, ein Fisch, ein Vogel oder eine Schlange – letztere beiden weisen im ägyptischen Mythos ebenfalls auf eine Verwandtschaft, denn in den Pyramidentexten finden wir des Öfteren Geier und Schlange dargestellt, die das Auge des Sonnengottes beschützend flankieren. Hier wird wieder der Zusammenhang zwischen Licht und Materie, zwischen Sonnenkraft und Schlangenkraft deutlich.

Alles ist lebendig, dass sich von selbst und anderes bewegen kann. Das gilt ebenso für unser Zentralgestirn, die Sonne, um deren Zentrum sie sich selbst, und mit ihr alles dreht was sich im Sonnensystem befindet – auch das Leben im Wechsel der Jahreszeiten, wird aus dieser Drehung immer wieder von neuem geboren. Doch wie insbesondere durch die vier Jahreszeiten verdeutlicht wird, ist für das Aufrechterhalten der Lebenszyklen auch ein Opfer notwendig – stirbt doch ein gewisser Teil des animalischen und vegetarischen Lebens im Winter ab, woraus dann wieder Nahrung auf der Erde entsteht, für einen kommenden Sonnenzyklus.

Opfer verkörpern auch die Symbole des gekreuzigten Jesus oder der von Moses im Sinai an einem Kreuz aufgerichteten, ehernen Schlange: die flüchtigen, heilkräftigen Christus- bzw. Schlangenkräfte (Magnetismus) sollen auf den Betrachter übertragen, und durch das Sinnbild des Kreuzes in ihm fixiert werden. Drum windet sich auch eine symbolische Schlange um den Stab des Arztes Asklepios, während sich sein Vater Apollon im ägäischen Delos selbst einmal als Schlange, oder in Delphi als Verkörperung der Kräfte der Erleuchtung und der Erkenntnis zeigt, wenn er eben als Sonnenheld das Orakel von einem Drachen befreit.

Ein anderes, in verschiedenen Mythen verwendetes Symbol in dem sowohl Sonne als auch Schlange vereint sind, ist der hermetische Heroldstab. Dieses Symbol wird auch verwendet in Bezug auf den feinstofflichen, menschlichen Körper. In der vedischen Esoterik werden die zwei Schlangen als Ida und Pingala bezeichnet, die als Kundalini-Kraft jeweils um den zentralen Shushumna-Nadi, entlang der Wirbelsäule aufsteigen – einem anderen Bild für den zuvor erwähnten Stab des Hermes.

Den Sonnenkräften im Menschen entspricht das sinnbildliche Herz. Es teilt auf Höhe des Herzchakras die Bahn der Kundalini in zwei Hälften: in drei geistig-ätherische und in drei seelisch-körperliche Energiezentren.

Die Kundalini und das Licht der Sonne haben eine zweifache Natur, und können entweder richtig oder missbräuchlich angewendet werden – wirken aufbauend oder abbauend, lebensfördernd oder lebenszerstörend.

Kehren wir jetzt aber noch einmal zurück nach Sumer. Der mythische König Gilgamesh beschreitet auf seiner Reise einen Weg zu sich selbst. Nach dem Tod seines Freundes Enkidu, wird er sich auch seiner eigenen Sterblichkeit bewusst, und irrt aus Angst vor dem Tod lange umher, bis er zu den Skorpionmenschen kommt, die den Weg der Sonne bewachen. Er befragt sie nach dem Aufenthaltsort des ehrwürdigen Helden der Sintflut, der angeblich den Odem der Unsterblichkeit besitzt. Ihn will er befragen über Leben und Tod. In der Unterwelt erscheint ihm der Sonnengott und lässt Gilgamesh wissen, dass er das ewige Leben nach dem er sucht, nicht finden wird. Am Ufer des morgendlichen Sonnenaufgangs erreicht Gilgamesh schließlich den Unsterblichen.

The Phanes-Eros - Illustrated by Selim Oezkan
 

Dieser stellt Gilgamesh eine Aufgabe: er solle dem Schlaf, dem Bruder des Todes widerstehen – doch Gilgamesh schläft ein – als er erwacht erkennt er, dass er nicht für die Unsterblichkeit geschaffen sei. Die Frau des Unsterblichen legt für Gilgamesh aber ein gutes Wort ein, da er große Mühen auf sich genommen hat um hierher zu kommen. Man solle ihm doch, bevor er abreist, ein Geschenk machen. Der Unsterbliche offenbart Gilgamesh also ein verborgenes Geheimnis der Götter: Auf dem dunklen Grund des Meeres, wüchse eine Pflanze, die neues Leben verleiht. Gilgamesh holt sich diese Pflanze aus der Tiefe, doch eine Schlange entwendet sie ihm flink und verjüngt sich auf der Stelle, indem sie ihre alte Haut abstreift.

Dieses Epos macht auf den Zeitaspekt im Antagonismus von Sonne und Schlange aufmerksam: Das Licht der Sonne kommt aus der Vergangenheit und entstand durch Zusammenfügen. Während die Finsterniskräfte der Schlange für die Zukunft stehen, da sie durch ihr Wesen die Vergänglichkeit des Lebens ankündigen. Aus den Mythen des Altertums in West und Ost lernen wir, dass der Mensch als Bindeglied dieser vermeintlichen Trennung von Oberem und Unterem, und als Mittler zwischen Göttlichem und Irdischem gesehen werden kann, so wie auch das menschliche Herz im Körper die Kohärenz zwischen Denken und Fühlen bildet. Durch die Verbindung dieses antagonistischen Systems in uns, im Jetzt, können wir beide, Sonne und Schlange, Geistiges und Materielles, Himmel und Erde, in ihrer ursprünglichen, heilsamen Einheit erfahren.

Die beiden widerstrebenden Strömungen, sind letztendlich nichts anderes als Synonyme für die Trennung von Denken und Erfahrung, etwas das z.B. auch Religion von Wissenschaft abgrenzt. Über Jahrhunderte hinweg verteufelte die Kirche alles, was uns die Natur lehrt. Man denke nur an die mittelalterlichen Auffassungen der Beschaffenheit der Welt, wie sie aus Sicht des Klerus angeblich durch Kolumbus, Galilei oder Bruno in Frage gestellt wurden. Bestimmt einer der Gründe, dass sich seit dem Zeitalter der Aufklärung eine so vehemente Ablehnung gegen die Kirche, den Glauben und gegen einen christlichen Gott entwickelte. Materialistisches Vernunftdenken lehnt eine Gottesvorstellung deshalb bis heute kategorisch ab, da für viele das Wort Gott eine Personifikation ist. Darum sei nochmals hervorgehoben, weshalb vielleicht die Ideen die zu uns aus buddhistisch geprägten Traditionen gekommen sind, toleranter aufgenommen werden, da sie eine transzendente Weltsicht vertreten, als die eines immanenten, monotheistischen Gottes der Vergeltung, wie er im Pentateuch festgelegt wurde.

Es wird immer eine Gruppe von Menschen geben, die unablässig bemüht ist die Gegensätze der beiden, immanenten und transzendenten Weltsichten in einer gemeinsamen, ewigen Philosophie zu versöhnen. Glauben und Vernunft, Religion und Wissenschaft können zu einer lebendigen Einheit, in einem organischen Ganzen verschmolzen werden, was Aufgabe der Menschen des neuen Weltzeitalters sein wird.


Die bildlichen Darstellungen Jesu Christi mit seinem bekannten Fingerdeut weisen auf das Herz – die Sonne im Körper – das Organ der Erleuchtung. Im Hinduismus ist das Anahata, das Herzchakra, mit einem Hexagramm gekennzeichnet, dem Symbol der Vereinigung von Äther und Stoff. Es ist also ein Versuch beides, geistiges und körperliches zu er- und beleben, ohne eines von beiden zu leugnen. Zwar setzt die Wahrnehmung eine Trennung, einen Kontrast voraus, der die Dinge erkennbar macht, denn nur was sich in der Polarität befindet, kann der Mensch erfassen – doch beide, Sonne und Schlange, Geist und Materie, sind nur Erscheinungsformen der im allegorischen, »kosmischen Ei« enthaltenden unbegrenzten Wirklichkeiten der Einheit, die die hermetische Tradition als »das einige Ding«, oder die moderne Physik als einheitliches Feld bezeichnet.

Die wohl treffendste Darstellung der hier diskutierten Pole von Sonne und Schlange, wie sie als feurige Kraft aus der Einheit zum Vorschein kommen, ist deutlich versinnbildlicht in der Gestalt des leuchtenden Phanes. Von einer Schlange umwunden, entsteigt er als Sonnengott aus den beiden Hemisphären des kosmischen Eis. Bei den Orphikern war er der Urschöpfer des Lebens und treibende Kraft aller Reproduktionen im Kosmos.

Nach Auffassung der Orphiker entstanden mit dem Erscheinen von Phanes, die Kräfte von Licht, Liebe und Leben, die seither in der Welt umherschweifend bestrebt sind, die ursprüngliche Einheit wieder herzustellen, was den Zyklus von Werden und Vergehen in der Ewigkeit zeitigt.

Sonne und Schlange (2)

In den Texten des ägyptischen Totenbuchs, scheint es auf den überirdischen oder unterirdischen Aufenthaltsort anzukommen, ob man einer Schlange als Gegner oder als Helfer begegnet, je nachdem wo im zyklischen Verlauf einer Geschichte man sich gerade befindet. Der einstige Sonnengott Osiris wurde von seinem finsteren Bruder Seth ermordet, einem von späthellinistischen Griechen mit dem drachenköpfigen Typhon gleichgesetzten Ungeheuer.

Der selbe Seth ist es auch, der auf dem Bug der Sonnenbarke stehend, mit seinem Speer in der nächtlichen Unterwelt die Apophisschlange bekämpft, um dem Sonnengott Ra, seinen Aufgang am kommenden Morgen zu ermöglichen. Sonne, Mond, Licht, Finsternis, Schlange und Auge bildeten bei den alten Ägyptern ein »antagonistisches System«, aus welchem sich je nach mythischem Zusammenhang eine bestimmte, archetypische Wesenheit oder Konstellation manifestierte.

Der Sonnengott Ra formte aus dem aus seinem rechten Auge austretenden feurigen Strahlenschein die Uräusschlange. Als goldenes Herrscherdiadem trugen die Pharaonen dieses solare Reptil auf ihrem Haupt. Gekrönt mit diesem Emblem, wähnten sie sich unbesiegbar, sollte doch der Gluthauch der Uräus ihre Feinde vernichten können.

Den beiden Urformen, Sonne und Auge, begegnen wir auch wieder in der Biologie: Als vor 100 Mio. Jahren die ersten Nager, die Vorfahren der Primaten, aus ihren Höhlen krochen, und damit begannen, überwiegend im Sonnenlicht aktiv zu werden, verbesserte sich evolutionsbedingt die Funktion des Sehens um ein vielfaches – warum? Damit sie ihre Feinde, insbesondere Schlangen, schneller erkennen konnten.

Licht, Auge, Sonne und Schlange stehen sich ihrem Sinn gemäß also näher, als man zuerst vermutet. Sowohl also in der Mythologie des Ostens als auch des Westens, in der Biologie, und, wie wir später noch sehen werden, ebenfalls im Zusammenhang mit Feuer und Metall, zeigen sich Sonne und Schlange als äußerst ambivalente Erscheinungen, die sich auf geheimnisvolle Weise gegenseitig ergänzen oder sich sogar in einander umwandeln können.

Auf diese Ambivalenz wurde seit jeher in vielen Sagen von Sonnenhelden hingewiesen, die zunächst aus der Finsternis kommend, ganz gleich ob nun aus einer physischen Dunkelheit oder aus geistiger Umnachtung, sich auf eine Reise begaben um das verlorene Licht oder Feuer wiederzufinden und den Menschen zurückzubringen – eine Art Paradies, das sich in die physische Welt versenkt hatte, und von dort von einem Erlöser, aus seinen materiellen Verstrickungen befreit, und aus der Dunkelheit emporgehoben wurde – dafür steht die solare, das Erdreich mit ihrem Magnetismus, belebende Schlange, wie wir sie auf dem Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem in der Bibel antreffen – oder als die auf dem Baum des ewigen Lebens wachende Schlange der atlantischen Hesperiden. Es ist ebenfalls diese Schlange, die am Stab des Heilergottes Asklepios empor kraucht, dem Sohn des Sonnengottes Apollon.

Prometheus, der Bruder des Atlas, war Kulturstifter, laut Ovid sogar Erschaffer der Menschen. Dem griechischen Held Herakles wies er den Weg nach Westen, wo er mit Atlas den Drachen der Hesperiden überlistete um an die Äpfel des ewigen Lebens zu gelangen. Prometheus brachte den Menschen auch das Feuer, trotz das Zeus es ihnen versagte. Als Zeus entdeckte, dass er es den Menschen nicht wieder nehmen konnte, bestrafte er Prometheus den er im Kaukasus Gebirge vom Himmelsschmied Hephaistos an einen Felsen ketten ließ, wo ein schrecklicher Adler täglich an seiner Leber zehrte.

Die in diesem Mythos beschriebene Himmelsschmiede steht wohl auch in Bezug zur Region des kaukasischen Georgiens, in dem bereits vor 7.000 Jahren Erze zu Metall verarbeitet wurden.

The Annunaki - Illustrated by Selim Oezkan

Georgien ist auch das Land aus dem die früheste Erwähnung der Drachentöter-Legende des heiligen St. Georg bekannt ist, auf den im Mittelalter die Eigenschaften des solaren St. Michael übertragen wurden, jenem Erzengel, der laut christlicher Überlieferung den rebellierenden Lichtfürsten in den Abgrund stürzte – wo er sich in die böse Schlange Satan verwandelte, und angeblich seither aus der Unterwelt versucht die Herrschaft über die Erde an sich zu reißen.

Von einer anderen Drachentöter-Legende erfahren wir in der germanischen Nibelungensage. Dort ist es der rotblond gelockte Siegfried, der von einem Schmied namens Mime in einer Waldhöhle erzogen wird. Mit seiner Hilfe schmiedet Siegfried das Zauberschwert Balmung, womit er den schrecklichen Drachen Fafnir tötet, um damit einen riesigen Goldschatz in Besitz zu nehmen. Eigentlich aber, sind die wirklichen Besitzer des Schatzes die sagenhaften Nibelungen, doch Siegfried, von seiner Goldgier überwältigt, möchte den ganzen Schatz für sich behalten. Damit zieht er einen Fluch auf sich: Er vergisst seine Vergangenheit, und auch seine Liebe Brunhilde, die ihm dafür eines Tages, durch seinen Widersacher Hagen, ihre Rache tödlich spüren lassen wird (Hagen ist der Neffe des getöteten Drachen).

Die visuelle Sinnenbindung an den Glanz des Sonnenmetalls, veranlasste also Siegfried eine Bestie zu beseitigen, doch die chtonischen Begierdekräfte gingen auf den Drachentöter über. Ihm kam ein Blutstropfen des getöteten Drachen auf die Zunge, er schmeckte seine Zauberkraft und nahm daraufhin sogar ein Bad im Blut des Drachen, das ihn unverletzlich machte. Vielleicht ist das Drachenblut auch eine symbolische Manifestation, des Menschen innerster Angst vor dem Tod, etwas, über das er sich mit irdischen Reichtümern hinwegzutäuschen versucht.

Wie die Sonne, kann auch das Schwert mit der Schlange kulturhistorisch in Verbindung gebracht werden: Die Waffen des Mittelalters trugen Schlangenverzierungen, oder hatten einen Drachenkopf als Knauf. Insbesondere in künstlerischen Darstellungen aus dem Mittelalter finden sich Schlangenlinien in den Hohlkehlen von Schwertklingen. Zudem wurden die Schichten des Stahls auf bestimmte Weise »verdreht«, womit der Schmied eine »Schlängelung« der Metallfasern bewirkte, um so eine Härtung des Stahls zu erzielen. Eine andere Form der Metallhärtung geschieht durch Abschrecken des glühenden Stahls in einem Wasserbecken.

Einen interessanten Bezug zum Element Wasser gibt es auch in der Geschichte der griechisch-orthodoxen Heiligen Margarete von Antiochien, einer christlichen Drachenbezwingerin und der Schutzpatronin des zuvor erwähnten Drachenordens. Die griechische Form ihres Namens, Marina, bedeutet »Vom Meer stammend«. Margarete als Name ist allerdings persischen Ursprungs. »Morvarid« bedeutet auf persisch »Kind des Lichts« – ein besonderer Name für das Wort »Perle«, da in der persischen Mythologie die Perle durch die Umwandlung eines Tautropfen durch das Mondlicht entsteht. Wasser und Mond bilden also Variablen, die sich in die »Familie« der Schlangensymbole einreihen lassen. Der Mond, wie man ihn etwa im Bildnis der Mondsichelmadonna findet, weist auf die Offenbarung des Johannes hin. Dort steht eine Schwangere auf dem Mond, die von einem Drachen verfolgt wird. Das ist sozusagen die biblische Fortsetzung der Geschichte des gestürzten Erzengels, der sich an der Menschheit und an Gott rächen will, doch im letzten apokalyptischen Gefecht gegen den Sonnenfürsten Michael endgültig geschlagen wird.

 

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Sonne und Schlange

Die Sonne ist die Kraft unseres Planetensystems, von der alles Leben auf unserer Erde abhängt – man könnte sagen, dass ihr Magnetismus, ihre Wärme und ihre Schwerkraft als geistige Seele des Kosmos, unseren Planeten durchwirkt. Alles geistig-himmlische assoziieren die Menschen seit ehedem mit der Sonne, während man der Schlange die Rolle der Erdkräfte, insbesondere der Kräfte der Unterwelt zuordnet – Sonne und Schlange, verhalten sich wie der Himmel zur Erde.

Den Finsterniskräften einer mythischen, sonnenvertilgenden Schlange, steht ein biologisches Reptil gegenüber, für das die Sonne geographisch zwar nicht erreichbar ist, es als Kaltblüter seine Körperwärme aber in erster Linie über das Licht der Sonne bezieht. So wie die mythologische Schlange alles licht- und sonnenhafte aufzehrt, so verschlingt die naturkundliche Schlange gierig ihre Beute, in einem Stück. Der Schlange ist das Begehren inhärent.

In den Sagen des klassischen Altertums taucht sie oft als Wesen auf, dass, so z. B. im alten Ägypten, gegen die lebenserhaltenden Kräfte der Sonne kämpft, und versucht die Sonne selbst in ihr finster-kaltes Wesen aufzusaugen. Das sagenumwobene Schlangenwesen scheint zu Grunde zu richten, auszulöschen und alles einverleiben zu wollen, was lebendig ist. Es will alles sich selbst gleich machen, zuweilen sich sogar selbst verzehren, woran die Schwanzfresserschlange Ouroboros erinnert.

Da als Wesen der Erde, Drachen und Schlange mit allem Unterirdischen in Verbindung stehen, ist in der Geomantie auch die Rede von Drachenströmen die im Erdgrund verlaufen. Durch diese Strömungen, die durch die Einwirkung der Sonne im Erdgrund wirken, bildet sich Gold, das Alchemisten als geronnenes, kristallines Sonnenlicht auffassen. Möglicherweise eine Erklärung dafür, weshalb in verschiedenen Sagen und Märchen, ein Drache erst von einem Sonnenhelden getötet werden muss, bevor ein Goldschatz aus einer Höhle geborgen werden kann.

Wegen der Begründung im biblischen Sündenfall, hat die Schlange in den abrahamitischen Religionen eine eher negative Konnotation, während sie als solares Weisheitssymbol im Buddhismus, oder im Hinduismus, z.B. für die Schöpferkraft steht. So etwa Vishnu, jene sich als Sonnenavatar Krishna auf der Erde inkarnierende Gottheit. Er liegt auf einem aus 1000 Schlangen geformten Bett, und wird von König Shesha, dem Herrscher der Schlangengottheiten, im kosmischen Milch-Ozean gebadet. Auch der Gott Shiva wird in bildlichen Darstellungen stets mit einer Kobra um den Hals gezeigt.
Als Siddharta Gautama, eine andere Inkarnation Vishnus, am siebten Tag seiner Erleuchtung, unter einer Pappel in Meditation das Buddhatum erlangte, begann ein Monsunregen, eine Riesenkobra kroch an ihn heran, richtete sich auf, und erstreckte ihren siebenköpfigen Schlangenkörper schützend über ihn.

In China charakterisieren Reptilien, oft in Drachengestalt auf Bildern, Reliefs und Skulpturen dargestellt, den fruchtbringenden Regen des Frühlings, und werden deshalb gerne als Glückssymbole verwendet.

Im 12000 Jahre alten Tempel von Göbekli Tepe in der Türkei, findet man Stützpfeiler auf denen überwiegend Schlangenfiguren abgebildet sind, was ein Hinweis darauf ist, dass seit bereits sehr alter Zeit Schlangenkulte existiert haben müssen. Auch im 5. Kapitel der Vishnu Puranas wird von großen Schlangengöttern berichtet, die auf der Insel Atala gelebt haben sollen. Ebenso wie das aztekische Atzlan ist Atala ein anderer Name für Atlantis. Sowohl im aztekischen, wie im indischen Mythos wird überliefert, dass einst Schlangengottheiten subterrane Paläste bewohnt haben sollen. Das gibt Anlass zu der Vermutung, dass die atlantische Weltzivilisation von einem Schlangenkult geprägt gewesen sein könnte.

Hierauf Bezug nehmend, möchte ich überleiten zu einem ursprünglich sumerischen Mythos. Der solare Schlangengott Enki, ein Gegenstück zum griechischen Prometheus, kam auf die Erde als Erschaffer und Lehrer der Menschen. Er gründete die Bruderschaft der Schlange, deren Mitglieder sich nach der atlantischen Katastrophe angeblich in zwei Gruppen getrennt hatten: In den Orden des roten Drachen, der seitdem die Geschicke der westlichen Zivilisation, aus der angeblich im Erdinnern befindlichen Stadt Agarthi, lenkt – während der Orden des gelben Drachen vom himmlischen Shambhala aus, über das Schicksal der östlichen Zivilisation waltet. Nach einem Mythos weihten die Priester des Roten Drachen von Agarthi durch Invokation ihre Initianden, in die Geheimnisse der Erde ein, das heißt, dass dabei Wesenheiten durch Anrufung eingeladen wurden. Die Priesterschaft des Gelben Drachen führte traditionsgemäß Evokationen aus, wobei die Anwesenheit von Wesen der geistigen Welt angeblich erzwungen wurde, um so die Mysten in die Erscheinungsformen der Sonne einzusegnen.
Doch all das sind Legenden und Mythen.

Vermutlich rührt der Mythos von der Gründung zweier Bruderschaften im Mittelalter her, der sich vielleicht in den letzten 500 Jahren verbreitet haben könnte.

Anfang des 15. Jhd. wurden fast zeitgleich zwei Bruderschaften in Europa und Asien gegründet: Die Bruderschaft des Drachen, einem katholischen Ritterorden der von Kaiser Sigismund im Jahre 1408 zur Verteidigung des Christentums gegen die eindringenden Osmanen ins Leben gerufen wurde.

Burderschaften des Gelben und Roten Drachen - Illustrated by Selim Oezkan

Sein Emblem war ein roter Drache. Ein Jahr später, im Jahre 1409 wurde in Tibet vom Manjushri-Eingeweihten Tsongkhapa in der Nähe von Lhasa das Kloster Ganden gegründet, aus dem die Gelug-Schule hervorging, der buddhistische Orden der gelben Drachenmützen.

Vielleicht macht der Mythos des Schlangenordens folgendes deutlich: Die Religionen des Okzident glauben an eine innere, verborgene Kraft, die sich auf einen zentralen, einzigen Gott ausrichtet und in die das Konzept eines Weltendes integriert ist, wie etwa das jüngste Gericht der Christen oder die »Götterdämmerung« in der nordischen Mythologie. Die spirituelle Auffassung im Orient hingegen, geht von einer transzendenten Ewigkeit eines zeitlosen Buddha aus, dessen Weisheit, da ewig, wie es scheint nicht im selben Umfang geheim gehalten werden muss.

Darum werden religiöse Weisheitslehren im Westen, insbesondere im Christentum, Judentum und Islam, scheinbar aufgespart und nur gleichnishaft überliefert, während die Lehren östlicher Weisheitstraditionen meist eindeutiger erscheinen, und dem Vernehmen nach einfacher zu begreifen sind, als z.B. die Gleichnisse der Evangelien, die sich manchem auf den ersten Blick offenbar nichts sagend vorstellen. Östliche Weisheit, scheint näher am Leben und geerdeter zu sein, während die westliche Spiritualität auf den ersten Blick mit dem wirklichen Leben nicht all zuviel zu tun hat – so scheint es zumindest oberflächlich zu sein.

Die beiden oben vorgestellten Bruderschaften bildeten sich vermutlich, um in der alten Welt eine Polarität aufrecht zu erhalten, die auf dem Widerstreit von Licht- und Finsterniskräften gründet und bis ans Ende des Fischezeitalters vorherrschen solle – zwei Pole also, die als Dualität wiedergegeben werden, um möglicherweise den Zugang zu einem der größten Geheimnisse der Menschheit zu verschleiern, dem nämlich, dass es eine dritte Kraft gibt, worauf die eigentliche Polarität zurückzuführen ist, die in der Mythologie des Okzidents in Mythen als die Gegensatzpaare Sonne und Mond, Michael und Luzifer, Mithras und der Stier, Theseus und Minotaurus, Zeus und Typhon, Apollon und Python, Osiris und Seth oder Adler und Schlange erschienen sind.

Auf jene dritte Kraft, weisen wohl die Einweihungen in die Mysterien hin, wie man sie z.B. im ägyptischen Memphis, im griechischen Samothrake oder in Eleusis feierte: Die Initianden wurden dem »Einen« geweiht, indem man ein vorübergehendes Auslösen der Seele aus dem Körper, durch eine Art Todeserfahrung erzielte. So wurde aus dem Initianden eine »kluge Schlange«, wie sie einst Jesus beschrieben hatte. Initiation ist also keine Wissenschaft die durch Sprache vermittelt werden kann, sondern eine Einsicht, in deren Besitz man nur durch unmittelbares Erleben kommt – eine Erfahrung die physiologisch über die Nervenimpulse im Rückenmark, in das Bewusstsein des Initianden eintritt und wie überliefert wurde als ein inneres, sonnenhaftes Licht wahrgenommen wird.

Hier gibt es eine interessante thematische Verbindung zur biologischen Schlange, da das verlängerte Rückenmark, eine evolutionsbedingt reptilienartige Körperstruktur ist. Die Gehirnbrücke, die vom Kleinhirn und Großhirn aufgenommen wird, bezeichnet man in der Anatomie auch als Reptilienhirn. Das eine Art Ur-Reptil, einen Teil unseres Körpers bildet, glauben auch die Jivaro, peruanische Ureinwohner des Amazonas. Einst sollen riesige, schwarze, flugsaurierartige Fischwesen aus dem Weltall gekommen sein, da sie sich vor etwas weit draußen in der Galaxie auf der Flucht befanden, und auf der Erde landeten, um ihren Verfolgern zu entrinnen. Sie brachten angeblich das Leben auf der Erde hervor und waren die wahren Meister des Planeten und der Menschheit. Die Menschen seien nur die Diener und Behälter dieser Reptilienwesen.

Manche New-Age-Forscher und Ufologen vermuten, dass die mächtigsten Familien der Welt, durch reptiloide Wesen, die vom Orion-Sternbild stammen sollen, in ihren Entscheidungen beeinflusst und gelenkt werden, weil diese mit anderen außerirdischen Wesen, wie z.B. den Plejadiern, um die Vorherrschaft auf Planet Erde kämpfen. Solche Nachrichten erinnern sicherlich an Sciencefiction, doch lassen sich die Ursprünge solcher Geschichten wohl auf die uralten Mythen verschiedener Volksgruppen zurückzuführen, wie z.B. die der indigenen Tolteken, der Azteken und der Maya. Einst soll die Sonnengottheit Quetzalcoatl, die leuchtende Schwanzfederschlange auf die Erde als Schöpfergott und Lehrer der Menschen gekommen sein, von der geglaubt wird, dass sie wiederkehren werde, um über das Weltreich der Erde zu walten. Ein ähnliches Wesen existiert auch in zentralasiatischen Mythen wo es als Simourgh-Vogel bekannt ist. Im alten Ägypten war es der Vogel Benu, der vermutlich auch etymologisch mit dem rotgoldenen Feuervogel Phönix identifiziert werden kann, der laut eines anderen Mythos als Stammvater der Phönizier angesehen wird, jenem Volk dem wir unsere Schrift zu verdanken haben.