Selbstentfaltung

Der einsame Kahn vor Samothrake

von S. Levent Oezkan

Einsamer Kahn - ewigeweisheit.de

Im Mai 2019 verbrachte ich zwei Wochen in Athen, bevor ich meine Reise von dort, mit dem Zug nach Thessaloniki fortsetzte – die große Stadt im makedonischen Norden Griechenlands. Später ging es von dort aus weiter in Richtung Osten. Mein Ziel war Samothrake: »Die Hohe Insel Thrakiens«.

Seit Langem schon wollte ich dort die alten Kultstätten besuchen, deren Geschichte weit bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurückreicht. Man hielt dort Mysterienfeiern zu Ehren der Großen Muttergöttin Kabeiro.

An diesem Ort wurden Menschen eingeweiht, in die Geheimnisse des Lebens. Laut Überlieferung starben sie dort einen Tod vor ihrem eigentlichen Tod. Nach so einer Erfahrung empfand man alltäglich aufgeschichtete Mutmaßungen über die eigene Existenz, wahrscheinlich wie einen lästigen Kokon, den man dann, durchaus verwundert, von sich abwarf. Erst damit kam das wahre Selbst zum Vorschein, das einen auferstehen ließ, im Lichte eines neuen Lebens.
 

Samothrake ist auf seine Art, man könnte sagen, »ein magischer Ort«. Schon die Reise dorthin war beeindruckend. Meine Überfahrt startete in der Küstenstadt Alexandroupolis. Bei Regen legte das Fährboot ab, doch als wir uns der Insel näherten, klarte der Himmel allmählich auf, bis schließlich mit unserer Ankunft dort, die Sonne ein fast wolkenloses Firmament überstrahlte.

Das Zentrum dieser kleinen Insel bildet der 1.600 Meter hohe Gipfel, der konusförmigen Erhebung des Berges Saos – den man auf Samothrake auch »Fengari« nennt: Den Mondberg. Häufig kommt es dort zu meteorologischen Phänomenen: Während sich über die Berghänge gewittriges Regenwetter ergießt, strahlt, teils nur einige Kilometer entfernt, an der Küste die Sonne am blauen Himmel. Auch die vielen Delphine, die abends dort zwischen den Meereswellen springen, verleihen dieser Insel ihre Eigenart.

Am darauf folgenden Tag startete ich früh, um das Heiligtum der Kabairo zu besuchen. Auf meinem Spaziergang, entlang einer sehr schmalen Küstenstraße, fuhr erst kein einziges Auto. Doch dann kam eins, gelenkt von einem weißbärtigen Mann, der verlangsamte und das Fenster herunterkurbelnd mir zurief: »Where?«

Ägäisches Meer – ewigeweisheit.de

Mehr als 1000 Worte

Ich sagte ihm mein Ziel, bedankte mich und stieg also ein. Wir sprachen nicht viel. Oft aber reichen ja wohlwollende Blicke aus, um »viel mehr zu sagen«. Ungefähr 15 Minuten später waren wir schon da. Wir hielten am Straßenrand, während er auf den Weg zum Tempel deutete und danach auf sich, um mich wissen zu lassen: »Vassili«.

Auch ich nannte ihm meinen Namen, wir lächelten beide und reichten uns die Hände. Eine besondere Begegnung. Ja eigentlich auch alles sonst, was ich in den folgenden Tagen dort erfuhr. Die Haine an den Hängen des Berges, mit ihren unzähligen, meist Jahrhunderte alten, mächtig dicken Bäumen. Die vielen natürlichen Kaskaden, deren trinkbares Wasser dazwischen hinunter ins Meer stürzt. All das beeindruckte mich. Ein wahrer Kraftort.

An diesem Tag aber, begab ich mich zu dem Mysterien-Tempel von Samothrake, umgeben von Bäumen und Weiden, wo nahe der aufragenden Abhänge des hohen Berges, einige blinzelnde Steinböcke zwischen den Felsen liegend, den stillen Morgen genossen.

Ein Geisterboot?

Schön dass ich dort so viel Zeit verbringen konnte. Auch, zumal meinen Tagesausklang ein einfaches, doch interessantes Ereignis vollenden sollte.

Zwar hatte ich nicht das Glück wieder bei jemandem mitfahren zu dürfen, denn an dem Abend fuhren scheinbar keine Autos mehr. Doch auf meinem Spaziergang zurück ins Hotel, sah ich langsam tuckernde Fischerboote auf dem Meer, die den winzigen, etwa 20 Kilometer entfernten Hafen von Kamariotissa ansteuerten, wo am Vortag auch meine Fähre gelandet war.

Nun war da dieses kleine weiße, wahrscheinlich schon sehr alte Boot auf dem Wasser. Entlang des Küstenstreifens, recht nah, schien es wie von alleine zu fahren. Ich hatte immer wieder hingesehen, doch niemand stand am Steuer. Wahrscheinlich war der Fischer seine Strecke heimwärts schon so oft gefahren, dass er vielleicht das Ruder einfach fest stellte, und seinen motorisierter Kahn dort, wie von selbst fahren ließ, während er vielleicht, meinem Blick entzogen, einfach ein Nickerchen hielt.

Irgendwie kam mir das aber vor, wie in einem Märchen, dass erzählt »vom einsamen Boot das ausfuhr, um mit großem Fang zurückzukehren«.

Ägäisches Meer – ewigeweisheit.de

Dunkelblauer Tiefgang

Am nächsten Morgen saß ich beim Frühstück. Von meinem Tisch aus, blickte ich da auf das Meer der nördlichen Ägäis. Da kam mir wieder das Bild von dem »einsamen Boot« in den Sinn. Es weckte Assoziationen in mir, was mich über unser Alltagsleben nachdenken ließ. Denn ganz routiniert bewegen wir uns in unserem Körper, bald schon wie im Halbschlaf, mal hier, mal dort ein wenig, oder garnicht, um irgendetwas zu tun. Das herrenlose Boot auf dem Meer, erschien mir dafür als Metapher, wo ein vielleicht schlafender Steuermann seinen Fischkutter sich selbst überlässt, der dort jedoch über dunkle wässrige Tiefen schwimmt.

Wir bewegen uns oft unbewusst im Glauben, unser Selbst sei mit unserem Körper identisch. Während es, ebenso im Schlummer und darin eingeschlossen, über die Tiefen des Unbewussten gondelt, ahnen wir meist nicht, welche ungeahnten Schätze dort, in dunklen Dimensionen verborgen auf ihre Entdeckung warten.

Dieser Fischer aber, im Gegenteil zu uns, machte wohl sein Nickerchen nachdem er seine Netze ausgeworfen hatte und mit gutem Fang eingezogen, zufrieden heimfuhr.

Er weiß um die Tiefen und weiß wie er sein Netz gebraucht. In diesem Wissen führt er sein Leben.
Vielleicht steuerte seine alte weiße Gondel erst kürzlich wieder, wie von selbst den Hafen an.

Weiterlesen ...

Die Heldenreise als Wegweiser im Leben

Die Heldenreise als Wegweiser im Leben

Wegweiser im Leben - ewigeweisheit.de

In seinem Buch »Die Odyssee des Drehbuchschreibers«, entwickelte der amerikanische Publizist Christopher Vogler (* 1949) sein Modell der Heldenreise, das auf den Motiven der eben angedeuteten Schlüssel Joseph Campbells basiert. Vogler hat dabei jedoch einige der Stationen der Reise zusammengefasst, so dass sich damit sein Modell mit nur zwölf Schlüsseln auskommt.

Auch aus dieser Variante der Heldenreise, lässt sich eine ganze Geschichte aufbauen, die tatsächliche Wirkung hinterlässt: sei es beim Zuschauer eines Buches oder Filmes, eingesetzt für die Planung und den Ablauf einer Exkursion, oder aber auch für das Handlungsschema in einer Persönlichkeitsberatung eines Therapeuten.

Natürlich bietet sich an, seine eigene Reihenfolge der Stationen der Heldenreise zu entwickeln, manche Teile wegzulassen oder vielleicht sogar neue Stationen hinzuzufügen.

Wer nach dem Prinzip der Heldenreise jedoch gekonnt eine Geschichte aufbaut, kann sie sowohl zu einem modernen Märchen weiterentwickeln, doch ebenso daraus eine Anleitung für einen Neuanfang im Leben entwickeln.

Das was man die Heldenreise nennt, gleicht gewiss einem universalen Geheimcode, mit dem sich die Zugänge zu eigentlich unzähligen neuen Schöpfungen eröffnen lassen. Eine Möglichkeit davon wollen wir im Folgenden liefern, in Form einer Art spirituellen Beratung, die einem suchenden Menschen helfen kann, sich über seine, vielleicht nicht mehr so erfüllenden Lebensinhalte zu erheben, um danach die Reise in einen neuen Lebensabschnitt anzutreten.

Das nachfolgend verwendete Schema, basiert auf dem Zyklus der Heldenreise nach Christopher Vogler. Alle die sich bereits auf so eine Reise begeben haben, werden ihre eigene Situation in den folgenden zwölf Stationen des Monomythos vielleicht wiederfinden, um sie von dort aus fortzusetzen oder zum Abschluss zu bringen.

Vertraute Welt

Was wohl in allen Heldenepen mit einer »Vertraute Welt« beginnt, oder modernere »Monomythen« vielleicht als den »Alltag« darstellen, das auch ist der Ausgangspunkt für alle, die einen Neuanfang wagen wollen.

Schriebe man heute ein modernes Märchen nach Schema der Heldenreise, dann begänne die Geschichte wohl in einem, nüchtern gesehen, wissenschaftlichen Umfeld, wo ein Glaube an Gott längst verzweifelt gesucht werden muss. Eine Anfang des 21. Jahrhunderts durchaus nicht ungewöhnliche Einschätzung, nicht wahr?

Realistisch gesehen prägen die gewohnte Umgebung des Einzelnen, ja eigentlich aller in der sogenannten »Ersten Welt« Lebenden, oft alltägliche Langeweile und ganz normale, sich ewig wiederholende Schwierigkeiten, die darin die wesentlichen, wenn auch nicht immer belanglosen Problemursachen bilden.

Diesen Zustand aber nehmen viele bereits als gegeben an, vielleicht auch daher, da man dieser Normalität nichts neues hinzufügen will. Man hat ja schließlich bereits genug Probleme. Viele scheinen, wie in einer Art Gruppenzwang befangen, angeblich sicherheitshalber, darum lieber alles beim Alten belassen zu wollen.

Es wäre ja auch ganz unvernünftig, einfach einen vollkommen neuen Weg einzuschlagen, womit man am Ende vielleicht scheitert, man sich sogar gefährdet oder zu Schaden kommt.

Bei allem so zu lassen wie es ist, würde man also, anscheinend, nichts riskieren und fügte sich weiter seinen gängigen Angewohnheiten – wenn da nicht diese nagende Frage auftauchte:

Gibt es vielleicht noch etwas anderes?

Viele Menschen, auch heute, reagieren mit Überdruss wenn es heißt:

Du musst aber schön, erfolgreich sein und brauchst unbedingt das neueste Dies und Das.

Immer wieder ändert sich was im Außen, an das man sich angeblich anpassen muss. Die Frage nach dem »Wofür« aber bleibt bestehen. Denn eigentlich juckt es einen. Man will mal etwas anderes tun, doch traut sich eben nicht. Lieber kratzt man sich verlegen die Nase, so als ob nichts gewesen sei.

Ruf ins Wagnis

Dann, nach einigen Jahren dieser eigentlich doch recht misslichen Lage, bahnt sich etwas an, dass vielleicht echt gravierend ist. Möglich das es sogar ein richtiger Schock wird: Ein Arzt hat einem zum Beispiel eine gravierende Diagnose gestellt und man muss leider feststellen, dass man unter einer der schweren Zivilisationskrankheiten leidet. Das ist die sehr, sehr traurige eine Variante, eines vielleicht eher passiven Typus Mensch.

Ein aktiver Mensch flüchtet sich vielleicht in intensive Tätigkeiten, die diesen, immer mehr zunehmenden Unmut kompensieren sollen. Beim einen ist das übermäßiger Sex, ein Anderer wird Fallschirmspringer oder rast Berge hinab auf seinem Mountainbike. Bei so etwas kam auch schon mancher schmerzlich zu Fall oder starb dabei sogar.

All das aber tut einer nur, damit er die Fortsetzung seines Alltags nur irgendwie erträgt – wo doch das Wort »Alltag« schon ein echtes Unwort ist.

Oder: Plötzlich stirbt da jemand, der einem vielleicht nahe stand. Oder die Ehepartnerin will sich auf einmal trennen, da sie wen andern fand. Unzählige weiterer solcher Negativ-Beispiele führen dazu, dass dann nichts mehr so ist wie es vorher einmal war.

Da auf einmal merkt einer, dass das bisherige Leben so nicht weitergelebt werden kann.

Was kommt als Nächstes?

Geht es überhaupt noch weiter?

Gedanken steigen in einem auf, die man noch nie vorher hatte – und sind manchmal so intensiv, dass man sich und sein Leben sogar in Gefahr sieht, ja vereinzelt dabei sogar wirklich Schädliches beabsichtigt, womit man eigentlich vollkommen unvernünftig und sogar gegen sich selbst handeln würde.

Zumindest aber ist da jetzt ein Wunsch: Man will anders leben und nicht mehr so weitermachen wie bisher. Schließlich ist es bereits unmöglich.

Man verschränkt die Arme und verweigert sich diesem, vielleicht bereits gehassten Alltag. Und wie aus dem Nichts erscheint da plötzlich jemand oder etwas, dass einen neugierig macht – ein besonderes Buch das man ließt, ein beeindruckender Film den man sieht oder ein alles veränderndes Seminar, das man besucht, wo einem ein Lehrer begegnet, der irgendwie in eine neue Richtung deutet – eine Richtung von der man ahnt, dass sie vielleicht sogar lang ersehnte Träume war werden lassen könnte.

Man begibt sich also auf eine Suche, auch nach neuen Freunden, zumindest aber nach Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem zu tun haben, dass da einem auf einmal so gut tut. Am liebsten würde man alles sofort nachholen, dass man, wie es offensichtlich der Fall ist, all die Jahre ein-gesteckt, doch nie aus-gelebt hat.

Andere sind von dieser Feststellung so beeindruckt, dass sie am liebsten davonlaufen wollen. Nur wohin?

Und da plötzlich kommt die Frage:

Was muss ich bleiben lassen und was muss ich aufgeben?

Muss ich überhaupt etwas fallen lassen?

Gibt es da vielleicht etwas, das mir schon lange nicht mehr gut tut?

Manche stürmen gleich los in eine Richtung. Andere sind da vorsichtiger und tasten sich ganz, ganz langsam vorwärts.

Da auf einmal wird einem die ganze Tragweite der Unterlassungen bewusst oder genau das Gegenteil davon: man sieht was man angerichtet hat mit all den »falschen« Handlungen – etwas, das es aber eigentlich gar nicht gibt: es gibt keine falschen Entscheidungen. Jede Tat erfüllt einen Zweck, der sich allerdings immer hinterher erkenntlich zeigt.

Verweigerung die Reise anzutreten

In beiden Fällen aber fühlt man sich wohl durch diesen Bewusstseinsschub überwältigt und irgendwie in der Zwickmühle, wie Jona im Bauch des Wales. Vielleicht doch besser verzagen und wieder so weitermachen wie bisher? Wie auch soll man weitermachen, wenn da einfach niemand ist der einem helfen kann?

Hier, mit solchen Ahnungen im Bauch, fühlen sich manche vielleicht als Totalversager, zumindest dann aber als jemand, der übelst scheiterte. Ist aber Scheitern nicht etwas das man lernen muss? Nein? Lieber alles auf die Anderen schieben? Lieber das Opfer sein und sich zurückziehen, als den nächsten großen Schritt zu wagen? Tja – Veränderung braucht Zeit. Und wenn man die nicht hat, was dann?

Begegnung mit dem Mentor

Auch darauf zu warten, dass man Hilfe von Außen bekommt, kostet Zeit. Außerdem ist es eine Hilfe die eigentlich niemand leisten kann, da man eben selbst anfangen muss das Leben in die Hand zu nehmen.

Außerdem weiß man jetzt sicher: Es gibt keinen Weg mehr zurück, keinen Weg mehr aus dieser, vielleicht äußerst misslich empfundenen Lage. Doch es gibt einen Ausweg – und den gibt es immer. Man sammelt also Mut, weiß irgendwie, dass man die richtige Entscheidung damit treffen wird und macht sich auf den Weg, macht sich ans Werk.

Auf einmal kommt da Hilfe von Außen und wie durch ein Wunder begegnet da einem wer oder was, dass in einem ungeahnte Möglichkeiten aufsteigen lässt und man sich vielleicht fragt:

Wieso kam mir sowas nicht schon vorher in den Sinn?

Irgendwie scheint es eine höhere Kraft zu geben, die sich einem durch eine besondere Offenbarung gnädig erweist. Gibt es einen Gott, also doch ganz wirklich?

Da waren doch Bibel, Koran, Yoga-Sutras, Upanischaden; wie hießen die anderen Bücher noch? Tao-Te-King? Gab es da nicht einen Meister Eckhardt, einen Angelus Silesius? Was machen da die Astrologen, wenn sie manchmal verblüffend genau voraussagen, wie sich das eigene Leben verändern lässt? Solche Fragen tauchen da auf einmal auf, denn man merkt, dass man selbst Teil von einer Kraft ist, die verwirklichen, die erschaffen will.

Bei alle dem: Gibt es da so etwas wie eine Essenz der Essenzen, ein Wundermittel das alles verändern kann? Wie war das noch mit dem Heiligen Gral?

Tief aus dem Inneren der Psyche, oder sagen wir besser, der eigenen »Seele«, scheint etwas aufzusteigen, dass einem eine ultimative Gewissheit verschafft, dass da etwas ist, auf das man sich verlassen können muss, wenn man selbst den ungewöhnlichsten Plan in seinem Leben verwirklicht sehen will.

Überschreiten der Schwelle ins Unbekannte

Nun weiß man zum Glück bereits, dass man sich überhaupt auf einem neuen Weg befindet. Denn das was war scheint bereits ein Nebel des Vergessens zu verschleiern, zumindest verblassen zu lassen. Doch nicht alles was war ist schlecht.

Was davon ist gut, dass es sich mitzunehmen lohnt in dieses neue Leben?

Woran lohnt es sich zu erinnern, das Kraft gibt, um nun die richtige Entscheidung zu treffen?

Was will ich wirklich, wirklich?

Entscheidungen sind meist schwer. Man muss sich ihnen aber stellen – auch wenn das nicht sofort, von heute auf morgen geht, sondern tatsächlich erarbeitet werden will.

Aller Anfang beginnt mit dem Ziehen einer klaren Grenze, zwischen dem was war und dem was jetzt ist.

Begegnung mit Verbündeten und Feinden

Doch auf einmal tun sich damit neue Hürden auf, womit neue Probleme gelöst werden wollen, wovon einem manche vielleicht schon länger begleiten, doch einem jetzt erst der eigentliche Ernst der Lage bewusst wird.

Was aber war, lässt sich nicht mehr ändern und nur im vollkommenen Annehmen dessen was jetzt ist, kann man den Plan für das neue Wunschleben aufmalen.

Man arbeitet also an diesem Plan, ohne zurückzublicken. Rücksichts-los trennt man sich von lästigen Angewohnheiten oder Menschen die einem schon lange nicht mehr gut tun. Und da auf einmal stellt sich einem die Frage:

Wusste ich schon die ganze Zeit, dass ich alles erreichen kann?

Im »Weitermachenwollen«, das mit dieser Erkenntnis vielleicht erwacht, wird einem klar wofür man sich entscheiden will. Doch dann, wenn man einen der möglichen Wege eingeschlagen hat: Lässt sich das Ausmaß der damit einhergehenden Veränderungen und Neuerungen überhaupt einschätzen?

Man kann es irgendwie spüren. Und das bringt manche aus dem Gleichgewicht. Sie beginnen auf diesem eingeschlagenen Weg zu taumeln, da sich auf einmal alles so anders anfühlt.

Auf einmal verliert man den Boden unter den Füßen und fällt – fällt ganz tief. Dann ist es soweit: Man begegnet dem großen Wächter der Schwelle, der einem den Todesstoß versetzt. Jetzt stirbt man endgültig in seinem alten Leben. Eine vollkommene Selbstvernichtung dessen was war, hat nun stattgefunden.

Plötzlich erkennen wir, dass all die Hindernisse die sich uns in den Weg stellten, dass all die Feinde die gegen uns vorgingen oder die wir verachteten:

Sie hatten ihren Grund da zu sein!

Sie waren unsere Lehrer!

In diesem Sterben eines Mysterientodes fällt alles von uns ab. Wir müssen lernen uns in einer neuen, sich vollkommen fremd anfühlenden Lebensumgebung zu bewegen – und zwar erst einmal alleine. In diesem Alleinsein aber gilt es nun die Fremde zu erkunden und uns die Fragen zu stellen:

Wo sind da die Gleichgesinnten, die ein ähnliches Schicksal ereilte?

Wir werden sie finden und sollten uns mit ihnen zusammentun, denn zusammen lässt sich die Antwort auf eine wichtige Frage leichter finden:

Bin ich bereit für das Geheimnis?

Vordringen zur Höhle im Verborgenen

Das Geheimnis ist vielschichtig und besteht aus einer Wahrheit, die mal gelesen, mal erlebt, mal gehört, mal erfahren wird. Dabei ist der Glaube an die Dualität und eine Getrenntheit von Gut und Böse, je eine Hälfte dieser Wahrheit.

Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen, wie es in Genesis 2:17 heißt, fielen sie in die Zeitlichkeit und vergaßen, das Gut und Böse ja die beiden Teile einer eigentlich polaren Einheit sind, eines Bundes der seitdem in die Unsichtbarkeit verschwand. Was mit dem sogenannten Sündenfall geschah, glich einem Zerbrechen dieses Bundes in die Dualität – doch nicht nur von Gut und Böse, sondern auch in die Gegensätze von Licht und Finsternis, Richtig und Falsch, Hier und Dort, Subjekt und Objekt.

Die darin befindlichen Gegensätze ergänzen sich jedoch wechselseitig, wofür das fernöstliche Yin-Yang-Symbol wohl ein eindrückliches Bild gibt: In einem Kreis gehen die Gegensätze von Schwarz und Weiß scheinbar ineinander über, lösen sich voneinander gegenseitig ab und sind zugleich jeweils ineinander enthalten.

Der Kreis der dieses Symbol umfasst, ist ein anderes Sinnbild auch für das Ei, aus dem neues Leben geboren wird. Als kosmisches Ei bricht es im griechischen Mythos auf, in eine golden-solare, dem Himmel zugewandte und eine silbern-lunare, der Erde zugewandte Eihälfte. Was diesen beiden Hälften des kosmischen Welteneis aber entweicht, ist eine Schlange mit dem Namen Eros.

Das Ei als Ganzes ist im Prinzip des Schöpferischen versinnbildlicht, durch das ja auch Mann und Frau – als die beiden Pole der Einheit Mensch – in Vereinigung, neues Leben in die Welt bringen.

Allen Gegensätzen ist dieses Potential der Vereinigung inhärent, da sie die beiden Seiten des Einen bilden. So auch ist alles Gute praktisch auch etwas Schlechtes. Aber auch alles Schlechte hat wiederum etwas Gutes!

Die Archetypen die man licht und finster nennt, sind also scheinbar doch miteinander verwandt, ja »kennen« einander gut wie Zwillinge – oder hassen einander wie die Pest. Der Wissende aber vermag, allegorisch gesprochen, diese Gegensätze gekonnt als weiße und schwarze Sphinx, rechts und links vor seinen Lebenswagen zu spannen. Doch sie werden ihn nur dann auf seinem Weg befördern, wenn er sie als Pole wahrnimmt, zwischen denen er selbst zum Bund geworden ist.

Wer also versteht sowohl Schlechtes wie auch Gutes, Problem und Lösung, als notwendige Gaben des Lebens anzuerkennen, findet wohl die Antwort auf die große Frage:

Wie kann ich das Minderwertige in Höherwertiges transformieren?

Gibt es vielleicht doch so etwas wie den Stein der Weisen – dessen Besitzer ohne Probleme lebt, nie krank werden kann und alle Reichtümer der Welt besitzt? Kann, wer das Sein im Leben als eigentliche Zweigesichtigkeit entlarvt hat, alles Sein ins Gute verkehren?

Entscheidende Erkenntnis

Wem gelingt in diesem Sinne zu handeln, dem scheinen alle bisherigen Wünsche zu verblassen, da er so auch seinen eigentlichen Grund zu leben finden wird, seine eigentliche Aufgabe im gegenwärtigen Sein ganz klar und deutlich erkennt.

Auf einmal ist man selbst zu einem höheren, einem vollkommenen Menschen geworden, einem Heiler, einem Lehrer – jemand, in dem die kosmischen Zyklen von Geburt, Leben und Tod ganz und gar eindeutig erkannt wurden, jemand der sich nicht mehr getrennt sieht von der Welt, sondern eins wurde mit dem, was um ihn, unter ihm und was über ihm ist. So einer ist sich dem Gotte, der Göttin bewusst.

Und doch weiß er auch, dass alles Gerede über diese Erfahrung nicht mehr sind als Schall und Rauch und blasse Theorie. Jeder muss diese Erfahrung selbst gemacht haben, um zu wissen wie es sich anfühlt. Besser also man vergisst da alles was man zu glauben wusste.

Man lebt jetzt im Jetzt, wo man Stillsein als vollkommenen Segen erlebt, wo alle Selbstgespräche enden, die Augen geschlossen werden und sich die Ohren lauschend öffnen.

Man hat den Weg des Herzens eingeschlagen – ein Weg, den auch der wahre Krieger geht.

Man ist gestorben, um zu werden und hat dabei die Angst vor dem Tod von sich gestreift, wie der Schmetterling seinen Kokon.

Wer einem von nun an begegnet wird zum Verbündeten. Zufall gehört der Vergangenheit an. Man hat seine Bestimmung gefunden. Selbst wenn man dennoch glaubt, dass man sich noch einmal nach dem alten Leben umdrehen müsste; und diese Versuchung ist ganz und gar da und es passiert darum sicherlich jedem – doch er wird merken, dass er von nun an durchhalten kann, um sich mit voller Kraft in diesem neuen Leben zu bewegen und darin zu entfalten.

Raub des Lebenselixiers

Alle äußeren Feinde sind nun verschwunden. Jetzt müssen die inneren Feinde erkannt und bezwungen werden. Da taucht die wahre Angst auf vor etwas, dass eins ist mir dem eigenen Fleisch, im Blut der eigenen Adern strömt. Und da steigen mitunter gefürchtete Fragen auf:

Welches Opfer bin ich bereit zu erbringen?

Was zählt wirklich in meinem Leben?

Aber in diesem Fragen setzt die innere Verwandlung bereits ein, die zu einer noch wichtigeren Frage führt:

Wie geht es jetzt, auf dieser Stufe in meinem Leben weiter?

Die Rückreise: Überschreiten der Schwelle ins Altbekannte

Man muss nun lernen in zwei Welten zu leben: in der Welt der Gewohnheit, dem Alltag, und in der Welt, die man als ganz und gar anders geartet, ja fast schon göttlich, jenseitig empfindet.

Es gilt sich nun die Fähigkeit anzueignen, nicht einfach in die Traumwelten abzuschweifen, wenn man doch Alltägliches vollbringen muss. Alles Handeln findet jetzt statt, ohne Hoffen, sondern mit einer vollkommenen Widmung dem eigenen Wirken, in absoluter Gewissheit seiner Verwirklichung.

Integration der Erfahrungen in das »alte« Leben

Zurückgekehrt in die gewohnten Gefilde der alltäglichen Welt, mag es erscheinen, als würde man sich wie ein Schwan im Ententeich fühlen. Doch es ist anders, da man fühlt, erwacht zu sein. Alle Überheblichkeit ist von einem abgeglitten. Jetzt stellt sich die Frage, deren Antwort einem ganz konkrete Handlungsanweisungen liefert:

Was sind die nächsten Schritte?

In diesem und in den zuvor begangenen Schritten, stellte man sich Fragen und wollte Wissen. Mit den gefundenen Antworten aber wurde man befähigt einen Weg zu finden, über den man aus sich herauszutreten vermag. Man erkannte nun sein wahres Selbst und auch den Weg, auf denen man sich jetzt seinem Wunschleben nähert.

Anerkennung und Bewunderung

Selbst hartnäckigste Zweifel haben sich nun aufgelöst. Jetzt gilt es Verantwortung zu übernehmen für das eigene Handeln, wo man selbst zu jemanden wird, der auf diese oder jene Weise, gewiss auch anderen ein Mentor wird.