Sol Invictus

Der vierfältige Sonnengott

von S. Levent Oezkan

Sol Invictus - ewigeweisheit.de

Seit uralten Zeiten wird die Ankunft der Sonne im Frühling mit Freude erwartet und dann begrüßt. Die Zeit ihres Abgangs aber betrachtete man immer als Zeit der Trauer und des Unglücks. Mit dem Herbstanfang starb sie, doch wurde ebenso sicher wiedergeboren zu Frühlingsanfang.

Diese beiden Zeitabschnitte im Jahreslauf der Sonne, kreuzen die beiden Sonnenwenden im Sommer und im Winter, woraus sich das Sonnenrad formt, mit seinen vier Speichen.

Schon die Philosophen im Alten Ägypten und Alten Griechenland kannten die, in den vier Stationen der Sonne wirkenden Geheimnisse, und hatten ihr Leben im Jahreslauf ebenso unterteilt in vier Abschnitte. Für jeden dieser vier Teile, dachte man sich den Sonnengott als Mann in vier Lebensphasen. Jedes neue Jahr kam da der Sonnengott zu neuer Jugend, alterte und starb schließlich, so wie man das auf Erden ja erfährt auch im Pflanzenreich. Gewiss lag in dieser Symbolik eine gewisse Ähnlichkeit zu einer jungen Schlange, die sich etwa alle vier Wochen häutet und, wie es scheint, danach zu neuem Jungsein findet.

Immer schon galt die Sonne als höchste Wohltäterin, die die Hungrigen speist und alles vom Totsein auferweckt, als höchster Geist der Philanthropie: Der Christenheit bekannt als Christus, den Alten Griechen als Dionysos, den Alten Ägyptern als Horus und man kannte ihn im Alten Persien als Mithras – alles göttliche Repräsentanten der Hoffnung und Herrlichkeit, Abgesandte des kosmisch Sonnenhaften auf Erden.

Winter – Neugeburt

Als Sinnbild für die Geburt des Sonnengottes zur Wintersonnenwende, symbolisierte man den Sonnengott meist als einen von seiner Mutter abhängigen Säugling, manchmal von einer Ziege gestillt, tritt die Sonne am 21. Dezember ja ein in das Sternbild des Steinbocks. Diesem kleinen Sonnengott war auf geheimnisvolle Weise gelungen, den bockbeinigen Mächten der Finsternis zu entkommen. Sie nämlich wollten ihn vernichten, während er noch in der Wiege des Winters lag. Das neugeborene Licht ist da ja noch ganz schwach.

Gewiss erinnern solche Vorstellungen an das Horus-Kind auf dem Schoß seiner Mutter Isis. Horus galt den Ägyptern als Gott des Lichts, dessen rechtes Auge, auf die Sonne im Osten blickte. Als solch neugeborener Gott des Lichts, entsprang er in anderen alt-ägyptischen Sagen dem »Haus des Hor«: So nannte man den Mutterschoß der Himmelsgöttin Hathor. Sie trug auf ihrem Haupt, zwischen zwei Hörnern eine goldene Sonnenscheibe und war vermählt mit dem Sonnengott Ra.

Frühling – Jugendlichkeit

Zur Tagundnachtgleiche im Frühling dann, war die Sonne zu einem schönen Jüngling herangewachsen. Sein goldenes Haar hing in blonden Locken auf seinen Schultern, und sein Licht strahlte in alle Teile des Grenzenlosen.

Sommer – Reife

Zur Sommersonnenwende verwandelte sich die Sonnensymbolik dann zu Darstellungen eines großen, starken, bärtigen Mannes. Als solcher stand er in der Blüte seiner Reife und symbolisierte damit, die Stärke und Fruchtbarkeit der Natur zu dieser Jahreszeit.

Herbst – Alter und Tod

Mit der Herbst-Tagundnachtgleiche (Eintritt der Sonne ins Sternbild Jungfrau), verwandelte sich dann der Sonnengott in einen ganz alten, weißhaarigen Mann, der in die Vergessenheit der Winterdunkelheit schlurft. Was aber der Herbst im Wesentlichen ist, dass symbolisiert ganz wunderbar die biblische Legende über die Jungfrau Delila und ihren Verehrer Samson (16. Kapitel im Buch der Richter). Delila entlockte dem Samson ein Geheimnis, worauf man ihm die Haare (Sonnenstrahlen) abschnitt, ihn blendete und er all damit seine Kraft verlor. Der Name »Delila« aber ist eine Anspielung auf den hebräischen Namen für die Nacht »Lailah« und Samson ist abgeleitet vom hebräischen Wort für die Sonne, »Schemesch«. Und eben solch ein Geheimnis, das wird dem Initianden in die Heiligen Mysterien (wie einst im griechischen Eleusis oder auf der thrakischen Insel Samothrake), zu Herbstbeginn für ihn erlebbar, aus seinem Inneren entlockt – worauf er stirbt, um wieder geboren zu werden.

Jesus Christus Sol Invictus

In manchen okkult-christlichen Zirkeln werden die Wintermonate durch die drei Vollstrecker symbolisiert, die Jesus von Nazareth ans Kreuz brachten: der Jünger Judas Iskariot als Verräter, der Hohepriester Kaifas als Richter und als Vollstrecker der Statthalter Pontius Pilatus. Sie hatten den Auftrag den Bringer der Wahrheit und des Lichts (Jesus Christus) zu vernichten.

Christi Wiederauferstehung im Frühling, zu Ostern (Zeitraum in der Westkirche aus dem ersten Vollmond vor der Frühlingstagundnachtgleiche errechnet) wird gefeiert, zu eben jenem Datum, als man auch schon bei den Alten Griechen die Wiedergeburt des Frühlings- und Weingottes Dionysos feierte – dem »Zweimalgeborenen«.

Es steigt um Ostern, mit der Sonne im Osten, auf das Sternbild Widder. Und es war ein junger Widder, ein Lamm, das ja zum letzten Abendmahl dem Gott geopfert werden sollte, um zu neuem Leben aufzuerstehen, als wiederauferstandene Verkörperung der Wahrheit und des Lichts. Als eben solche verehrte man seit alter Zeit die Sonne auch als göttliches Wesen, die im Frühling zum zweiten Mal geboren wurde, nämlich darum, da ab dann die Stunden des Lichts die der Finsternis wieder dominieren. Jeder »Erwachte« der in die Welt kommt, wird von eben diesem Licht erleuchtet.

Dann aber tritt Johannes der Täufer in Erscheinung, der in den Kirchen des Westens und des Ostens, den man am Tag nach der Sommersonnenwende verehrt: Dem 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten. Er bereitete laut christlicher Lehre, dem kommenden Messias den Weg, weihte ihn ein in das himmlisch-göttliche Mysterium, am Ostufer des Jordan (also am Ufer des Sonnenaufgangs) durch die heilige Taufe, womit aus dem Jesus von Nazareth der Christus Jesus wurde, symbolisiert durch die weiße Taube die vom Himmel auf ihn niederflog.

Wenn dann nach der Herbsttagundnachtgleiche am 29. September in der Westkirche dem Erzengel Sankt Michael gedacht wird, bereitet eben dieser im Jahreslauf den kommenden Tag (etwa drei Monate später) des Sol Invictus vor, des unbesiegten Sonnengottes, im Christentum repräsentiert durch das heilige Geburtsereignis zu Bethlehem. Es ist nämlich Sankt Michael, der den Antichristen besiegt, um ihn davon abzuhalten dem solaren Christus seinen Platz streitig zu machen.

 

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Die zwölf Rauhnächte

von S. Levent Oezkan

Odins Wilde Jagd - ewigeweisheit.de

Am 21. Dezember fängt die Wintersonnenwende an: Ab da bewegt sich die Sonne, über drei exakt gleich lange Tage hinweg, auf der selben Bahn über den Himmel. Daher auch rührt die lateinische Bezeichnung Solstitium, der »Stillstand der Sonne«. In den reformierten Westkirchen ist der 21. Dezember der Gedenktag des Evangelisten Thomas.

Mit der Heiligen Nacht des 24. Dezember beginnen die Sonnenstunden dann allmählich wieder zuzunehmen. Im Alten Rom galt der 25. Dezember deswegen als Tag des Sol Invictus: der »Tag des unbesiegbaren Sonnengottes«, der mit diesem Datum ja die tiefste Dunkelphase des Jahres durchbrach.

Unter dem römischen Kaiser Aurelian (214-275) war der 25. Dezember dann sogar ein staatlicher Festtag, an dem man die Geburt des Sonnengottes feierte, als »Geburtstag der Sonne«. Den Jahresanfang sieben Tage später, feierte man in Rom mit der Entzündung des heiligen Feuers im Tempel der Vesta, der Göttin des heimischen Herdes.

Das christliche Weihnachtsfest kam erst durch Papst Liberius im Jahr 354 zu seinem Datum des 25. Dezembers. Als Weihnachtstermin wurde der spätrömischen Kult des Sonnengottes »Sol invictus« damit abgeschafft. Ende des 4. Jahrhunderts erhoben die Römer das Christentum zu ihrer Staatsreligion.

Eine Magische Zwischenzeit

Zwischen dem 25. Dezember und dem Neujahrstag beging man schon in Rom »zwölf Nächte außerhalb der Zeit«. Doch was für Nächte waren das?

Seit alter Zeit verwendeten die Menschen vor allem zwei Kalendersysteme: Im römischen Reich war das der Mondkalender, der gemäß zwölf Mondphasen 354 Tage zählt; der heute verwendete Sonnenkalender verwendet 365 Tage – plus einem Schalttag,  den man den beobachtbaren Phasen der Gestirne entsprechend einfügt, um das Sonnenjahr damit abzugleichen. So ergibt sich alle vier Jahre ein Jahr mit 366 Tagen. Bildet man nun die Differenz der Anzahl der Tage zwischen dem Mond- und dem Sonnenkalender, ergeben sich da 12 Nächte Unterschied. Daher also die Betitelung der »zwölf Nächte außerhalb der Zeit«.

Im Alten Ägypten begrenzte man das Jahr auf 360 Tage. Damit es sich an die tatsächliche Sonnenumlaufzeit der Erde anglich, fügte man noch fünf Schalttage hinzu. Zumal diese fünf Tage damit aber quasi außerhalb des Jahres lagen, hielt man sie für, oder machte sie eben zu Übergangstagen, die jedoch von Dämonen beherrscht wurden. Die Ägypter nannten sie Chatiu: »Geister der Leichen«.

Wie es scheint empfand man diese Tage »zwischen den Jahren« auch andernorts für eine Zeit, derer sich die Mächte der Finsternis und des Bösen annahmen. Solche Vorstellungen sollten sich nämlich auch im Alten Griechenland, wie auch später in West- und Nordeuropa erhalten.

Die Griechen sahen in dieser Übergangszeit (ungefähr zwei Wochen ab der Wintersonnenwende, griech. Dodeka-Hemeron) eine Dunkelperiode zwischen den Jahren, in denen die bösen Kobolde der Kalikanzari aus der Unterwelt auf die Erde kommen, um dort ihr Unwesen zu treiben und den Menschen Ärger zu bringen. Diese Kobolde nämlich begannen da am heiligen Weltenbaum zu sägen.

Im deutschsprachigen Raum wurden daraus die sogenannten »Rauhnächte«, auch bekannt als »Innernächte« oder »Unternächte«. Jene Rauhnächte erhielten ihren Namen wohl von einem besonderen Brauch. Priester verwendeten Weihrauch, mit dem man über zwölf Nächte hinweg die Ställe der Hofbauern ausräucherte. Dazu heißt es in dem 1534 erschienenen »Weltbuch« des Sebastian Franck:

Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache, für alle teüfel gespenst vnd zauberey.

Daher wohl auch der Name der Rauhnächte, was vielleicht eine Verballhornung des Wortes »Rauch-Nächte« ist.

Wie dem auch sei, waren diese Nächte also eine Zeit, die sich für Geisteraustreibungen oder -beschwörungen eignete. Auch wahrzusagen war in diesen Nächten zwischen den Jahren üblich, wozu wohl auch der Silvesterbrauch des Bleigießens zählt.

Die Wilde Jagd

Nach alt-nordischem Volksglauben fungierte Odin (manchmal auch Wotan genannt) als Gott der Toten, der Runen und der Magie. Alljährlich zur Mitte der Zwölfnächte (Rauhnächte), also zu Silvester, brach Odin, als Anführer der Totengeister, mit diesen auf zu einer »Wilden Jagd«. Dieser Geisterzug zog schreiend und mit einem fürchterlichen Lärm durch die Lüfte übers Land. Dabei wurden die Seelen aller Schlafenden mitgezogen, galt der Schlaf ja doch als Bruder des Todes. Daher noch rührt auch der alte Brauch an Sylvester durch Feuerwerke zu böllern, um eben damit die Unholde der Wilden Jagd fernzuhalten.

In Nordeuropa, doch auch andernorts (wie etwa in Bulgarien), war in alter Zeit der Glaube verbreitet, dass sich Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt andere bedrohten. Auch sollten um Mitternacht in manchen Rauhnächten Tiere in den Ställen angefangen haben zu sprechen und dabei von der Zukunft zu erzählen. Wer dessen jedoch gewahr wurde, dem drohte der baldige Tod.

Auch der Brauch zwischen den Jahren keine weiße Wäsche zu waschen und auf die Leine zu hängen, stammt aus solcher Angst vor Wirkungen der dämonischen Welt. Denn man glaubte da die Reiter unter jenen Wilden Jägern des Odin, könnten die Wäsche stehlen und dann im Laufe des folgenden Jahres zum Leichentuch ihres Besitzers machen. Auch heute noch verzichten einige Menschen auf das Wäschewaschen zwischen Weihnachten und Neujahr, oft jedoch, ohne überhaupt den Hintergrund dieses alten Brauches zu kennen.

Mancherorts galten die Rauhnächte als derart gefährlich, dass man sie dort nur mit Fasten und Gebet durchsteht.

Epiphania am sechsten Januar

In der Nacht auf den 6. Januar zogen sich die stürmischen Mächte Odins zurück. Auch die bösen Kalikanzari-Kobolde sollten da wieder abhauen, zurück in die Unterwelt. Während ihrer Abwesenheit wurde der Weltenbaum wieder geheilt: eine Sage die in ganz Südosteuropa verbreitet ist.

Der 6. Januar aber, den man auch »Hochneujahr« nennt, ist im Christentum der Tag der Magier aus dem Morgenland, der Tag der Heiligen Drei Könige. Sie waren aus dem Orient, dem Stern von Bethlehem folgend aufgebrochen, um das neugeborene Christuskind, als auf Erden erschienenen Gott (griech. Epiphania) zu begrüßen, zu ehren und zu beschenken.

In dieser Zeit nach den Rauhnächten aber scheint sich bis heute auch der Brauch gehalten zu haben, die Wohnungen und Häuser aufzuräumen und den dann schon alten Christbaum zu entfernen.

 

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