Swedenborg

Spiritualität in der Naturwissenschaft

von S. Levent Oezkan

Ptolemäisches Weltbild - ewigeweisheit.de

Menschen die sich heute mit Esoterik befassen, benutzen selbst Begriffe aus den Naturwissenschaften, um geistige Zusammenhänge zu erklären: Ausdrücke wie etwa »Energie« oder »Quantenphysik« sind dabei geläufig. Zu dieser Akzeptanz scheinen jedoch nur jene zu gelangen, deren Erkenntnisse nicht nur aus Warte der Vernunft zu kommen scheinen.

Offenbar sind sie mit beidem vertraut: Exoterik und Esoterik – den äußeren und den inneren Wissenschaften. Vor der Industriellen Revolution war das ganz und gar normal. Man betrachtete Spirituelles wie auch Wissenschaftliches immer gemeinsam, auch wenn man damals dafür andere Begriffe verwendete.

Zwischen Wissenschaft und Theosophie

Noch vor der großen Zeitenwende lebte in Schweden ein Mann, der mit dieser Selbstverständlichkeit seine beeindruckenden Werke verfasste: Emanuel Swedenborg. Den Getreuen dieses 1688 in Stockholm geborenen Gelehrten, war viel daran gelegen, das Werk ihres Meisters zu verbreiten. Er war eben jemand, den man tatsächlich als Universalgenie bezeichnen könnte. Ganz gleich nämlich, ob man sich ihm aus naturwissenschaftlicher oder aus mystisch-religiöser Richtung nähert: Swedenborgs Werk ist ohne Frage beeindruckend. In seinem universalen Schaffen nämlich brachte Swedenborg etwas hervor, worin sich Fähigkeiten und Kenntnisse seiner Vorgänger anscheinend verbanden. Zu jenen lassen sich wohl Euklid, Galen, Kopernikus, Laplace oder Goethe zählen.

Swedenborg beherrschte scheinbar alle Geistesdisziplinen seiner Zeit: Philologie und Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. Doch er war ebenso ein Erfinder, wie auch ein kluger Finanzier, andererseits auch Poet, Mystiker, Metaphysiker und Theosoph. Emanuel Swedenborg sprach mehrere Sprachen, seine Schriften aber verfasste er ausschließlich in Latein.

Wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit und technologischen Entwicklungen, adelte ihn 1719 Königin Ulrike von Schweden. Heute taucht sein Name in der Wissenschaftswelt aber kaum auf. Das mag wohl auch daran liegen, dass selbst in seinen naturwissenschaftlichen Werken eine ganz eigene Mystik mit anklingt; ein Grund wohl, dass ihn auch heute nur noch seine Verehrer kennen.

Auch viele Gelehrte vor und nach seiner Zeit, machten viele besondere Entdeckungen und schienen ihrem Zeitalter voraus zu sein. Wohl empfand man den mystisch-theosophischen Kern, der in Swedenborgs naturwissenschaftlichen Werken anklang, als nicht vereinbar mit dem zu seinen Lebzeiten aufstrebenden Zeitalter der Aufklärung. Es war die wohl einschneidendste Periode in der Zeit der Säkularisierung und markantestes Kennzeichen der aufdämmernden Moderne. In Europa und Amerika kam es zu einem andauernder Rationalisierungsprozess von Wissenschaft, Gesellschaft und Religion und den darin geführten Traditionen. Klerus und Adel verloren immer weiter an Bedeutung (Amerikanische Revolution, 1776; Französische Revolution, 1789) und neben der traditionsgebundenen Arbeit in der klassischen Landwirtschaft, entstanden besonders in West-Europa, davon abgelöste neue Tätigkeiten, im aufstrebenden »Zeitalter der Maschinen«, der ab 1750 einsetzenden Industriellen Revolution (James Watts Verbesserung der Dampfmaschine, 1769).

Gewiss könnte man sagen, dass auch Swedenborg, als Erfinder und Beisitzer des Bergwerkskollegiums, zu dieser Entwicklung selbst beitrug. Doch was um ihn in dieser Zeit geschah und wonach andere seiner Zeitgenossen strebten, auf ihrer Suche nach theologie- und philosophiefreier Erkenntnis, war nicht vereinbar mit dem theosophischen Schaffen Swedenborgs.

Seiner Zeit weit voraus

Besonders den Anhängern Swedenborgs bedeutete seine Arbeit mehr, als nur das Werk eines genialen Geistes. Für sie war er der Prophet einer Neuen Christenheit, wo er als erwähltes Instrument Gottes die esoterische Bedeutung der Heiligen Schrift offenbaren sollte. Swedenborg soll auf diese Aufgabe aus der Geistigen Welt vorbereitet worden sein. In visionsartigen Träumen und Eingebungen richtete er sein inneres Gewahrsein aus, auf die spirituelle, himmlische Welt und vermochte daraus ein außergewöhnliches, theosophisches Wissen zu empfangen.

Man könnte durchaus sagen, dass sich Swedenborg darum dazu berufen sah, ein neues Bild des christlichen Glaubens zu enthüllen. Das geschah in einer Zeit, als die Menschen im Westen immer mehr an Religion zu zweifeln begannen. Nur sollte das Swedenborg überhaupt nicht davon abhalten zu zeigen, dass die Bibel tatsächlich und ganz real, durch die in ihr beschriebene gott-inspirierte Weisheit, in jedem Satz, Wort und in jeder Silbe, das innere Wesen Gottes beschreibt.

Weniger aber lag Swedenborg daran zu zeigen, dass Gott die physische Welt erschuf und ein auserwähltes Volk darin ernannte, als vielmehr das Verhältnis zu zeigen von Himmlischem, vom Menschen und der Erde, sowie die Wiedergeburt des Menschen, in seinem Leben nach dem Tod.

Dennoch: Swedenborgs mystisches Schaffen fand, ebenso wie sein naturwissenschaftliches Werk, in theologischen Fachkreisen kaum Zuspruch. Wer aber seine mystisch-theosophischen Schriften liest (beziehungsweise ihre Übersetzungen), der möchte sich kaum länger mit der Frage beschäftigen, wieso man an ihm überhaupt Kritik übte? Es war eben eine Zeit des Übergangs, wo die einen wie die anderen, besondere Standpunkte einnehmen wollten, um ihrem Ruf keinen Schaden zuzufügen. So nämlich konnte einer dastehen, der im Übergang hin zum Zeitalter der Aufklärung, sich zwischen Wissenschaft und Religion bewegte, so wie eben Swedenborg.

Swedenborgs Esoterik

Er vermochte aber die Dinge deutlich auf den Punkt zu bringen, so dass das Lesen seiner Schriften wahrhaft erhellend wirkt. Im Folgenden seien einige Beispiele gegeben, die den wahren Esoteriker gewiss zu denken anregen dürften.

Der Herr hinsichtlich des Göttlichen Menschen heißt 'Der Gottessohn' und in Bezug auf das Wort 'Der Menschensohn'.

- Aus »Die Lehre des Herrn«, Artikel 19

So dass der Herr alle Dinge in der Welt durch das Wort erfüllte, selbst in ihren kleinsten Details, was diese seine eigenen Worte beweisen: 'Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Pünktchen vom Gesetz, bis dass es alles geschehe.' (Matthäus 5:18)

Bei diesen Dingen geht es um die Kämpfe des Herrn gegen die Mächte der Hölle. Durch das 'Kleid' worin er verherrlicht wurde und das 'rot', damit ist das Wort gemeint, dem das Volk der Juden Gewalt antat.

- Aus »Die Neue Lehre des Herrn«, Kap. 7

Die Propheten stehen für das Wort in seiner vollendeten Bedeutung, das sein buchstäblicher Sinn ist, ein 'Haargewand'; weshalb Elias in solch Gewand gekleidet, wo ein lederner Gürtel seine Lenden gürtete, ebenso Johannes der Täufer.

- Aus »Die Neue Lehre des Herrn«, Kap. 8

Im Buch Jesaja lesen wir: 'In dieser Zeit wird eine Straße von Ägypten nach Assyrien führen. Die Assyrer und Ägypter besuchen einander und dienen gemeinsam dem Herrn. Israel ist dann der Dritte im Bunde, ein Segen für die ganze Erde.' (Jesaja 19:23f)

Spirituell bedeutet das, dass in der Zeit als der Herr auf Erden erschien, sollten Wissenschaft, Vernunft und Spiritualität eins werden und das dann die Wissenschaft der Vernunft, und wiederum beide der Spiritualität untergeordnet seien; wo Ägypten das Wissenschaftliche, Assyrien das Vernünftige und Israel das Spirituelle kennzeichnen.

- Aus »Die Heilige Schrift und der Schlüssel zu ihrer spirituellen Bedeutung«, Kap. 2

Damit ist erwiesen, dass alleine im Wort Geist und Leben ist, wie der Herr sagt: 'Die Worte, die ich spreche, die sind Geist und sind Leben.' (Johannes 6:63)

- Aus »Die Heilige Schrift und der Schlüssel zu ihrer spirituellen Bedeutung«, Kap. 4

Wenn Swedenborg seine Interpretationen zu den Bibelzitaten verfasste, geschah das, um dem Leser die dahinter liegenden Bedeutungen auf eine Weise zu vermitteln, die ganz klar das wiedergibt, was das Bibelwort eigentlich meinen könnte.

Das Wort befindet sich auf Erden, stellvertretend für eine von Gott ausgehende heilige Wahrheit. Doch man sollte sich Gott immer von Seitens des Geistlichen nähern. Wem das nämlich gelingt, der hat den Schlüssel gefunden, womit er seinem Geist die Tore des Himmels zu eröffnen vermag. Um diesen Schlüssel aber zu erhalten, muss er sich zu Gott dem Herrn begeben – in Gebet und in Vision.

Der schwedische Wissenschaftler und Mystiker Emanuel Swedenborg - ewigeweisheit.de

Der schwedische Wissenschaftler und Mystiker Emanuel Swedenborg (1688-1772). Portrait von Per Krafft dem Älteren.

Eine spirituelle Herangehensweise an die Wissenschaft

Rein äußerlich könnte man Swedenborg als einen einfachen, gläubigen Menschen bezeichnen. Doch er war weniger jemand, den man heute einen »Denker« nennt. Er stand in Kontakt mit der geistigen Welt, wo ihm in Visionen anscheinend Wesenheiten begegneten, die ihm das mitteilten, was er dann zu Papier brachte. So war er also vielmehr »Seher«, als nur ein intellektueller Verstandesmensch. Was sich um ihn tat, in der Welt des Intellekts, schien an ihm relativ unbemerkt vorüberzuziehen.

Hauptsächlicher Glaubenssatz in Swedenborgs Lehre, sind seine Theorien über die Heilige Schrift und die in ihren Worten verborgenen Bedeutungen. Man könnte hier auch von einer mystischen Schriftauslegung sprechen, die natürlich schon viel älter ist als Swedenborg. Was ihm jedoch gelang, war spirituelle Lehren auf etwas zu reduzieren, so dass er ihnen damit eine besondere Systematik verlieh.

Hätte Swedenborg um die dereinstige Kritik der Mystik und des Glaubens gewusst, vielleicht hätte er seine spirituelle Herangehensweise an die Naturwissenschaften weniger betonen müssen. Gleichzeitig aber kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob er, hätte er von eben solcher Kritik erfahren, sich davon beeindrucken lassen. Er war eben keiner der nur religiöse Bücher wälzte und daraus gewonnenes Wissen in frommer Ehrerbietung wiederum selbst zusammenfügte. Frömmigkeit und Gebet schienen für Swedenborg unabhängig voneinander zu gelten.

Frommheit besteht aus frommem Denken und Reden, aus viel Zeit im Gebet, dem man sich bescheiden ergibt, häufig Bethäuser aufsucht, um dort den Predigern zu lauschen, jedes Jahr regelmäßig die Heiligen Sakramente zu empfangen, sowie andere Bestandteile der Gottesverehrung durchzuführen, gemäß kirchlicher Sakramente.

[…]

Das Gebet, an sich betrachtet, ist ein Diskurs mit Gott; und es gibt da dann eine gewisse wahrgenommene Intuition für jene Dinge, die Gegenstand des Gebets sind und von denen sich ein direkter Einfluss auf die Wahrnehmung oder das Denken des Betenden ereignet. […] Daher hieße zu beten, der inneren Bedeutung nach, einen Schaffensprozess zu signalisieren.

- Aus Arcana Cœlestia, »Geheimnisse des Himmels«

Swedenborgs Philosophie vom Leben

Aus der himmlischen Weisheit und Theosophie Swedenborgs, lassen sich gewisse Vorstellungen einer »Kraft der Liebe« ableiten, die dem Leser nach und nach, ein durchaus immer edleres Empfindungsvermögen vermitteln. Wer sich längere Zeit mit seinen Schriften beschäftigt, dessen tiefere Seelenschichten beginnt ein Licht zu durchdringen, das im übetragenen Sinne dem Licht des Sonnenuntergangs ähnel: es durchdringt doch blendet nicht. Es ist etwas, dass alle geistigen und überall wirkenden Vorgänge antreibt: sei es im Ozean, in den Bewegungen der Winde, in den Höhen des blauen Himmels oder im Geiste eines Menschen.

Für Swedenborg ist die Liebe des Menschen sein wahres Leben. Und so wie diese seine Liebe ist, so ist sein lebendig menschliches Dasein.

Der Mensch weiß, dass es Liebe gibt, er weiß aber nicht, was sie ist. Er weiß, dass es Liebe gibt aufgrund der allgemeinen Rede. Man sagt ja zum Beispiel: Dieser oder jener liebt mich, der König liebt seine Untertanen, und diese wiederum lieben den König; der Gatte liebt seine Gattin, die Mutter ihre Kinder und umgekehrt; ein Mensch liebt sein Vaterland, seine Mitbürger und seinen Nächsten. Dasselbe sagt man auch, wenn es nicht um Personen geht, zum Beispiel man liebe dies oder jenes. Doch obgleich der Ausdruck 'Liebe' so oft vorkommt, weiß doch kaum jemand, was Liebe wirklich ist.

- Aus »Die Göttliche Liebe und Weisheit«

Laut Swedenborg kann die wahre Natur der Liebe nur erkennen, wer Gott erkannt hat. Denn in Gott sind Leben, Liebe und Weisheit vereint. Liebe und Weisheit sind dabei selbst die wesentlichen Formen, die Leben und Sein umfassen. Wäre dem nicht so, bildeten sie lediglich ein ursächliches Wesen, was selbst jedoch keine Realität besitzt.

Da nun Gott selbst das Leben ist, lässt sich aus dem Gesagten ableiten, das er nicht erschaffen wurde. Denn um erschaffen zu sein, muss etwas anderes erschaffen haben. Und wenn das Leben wegen des Wirkens durch etwas Anderes existiert, müsste es von einem anderen Wesen ausgehen. Und das natürlich wäre das Leben an sich.

Swedenborg war indes klar, dass dieses Leben an sich, nicht erschaffen werden kann. Denn Leben ist allein die innerste Wirksamkeit von Liebe und Weisheit. Und diese beiden Wahrheiten existieren in Gott, sind Gott. Alles Erschaffene besteht fort und bewegt sich, weil es eben etwas gibt, das als Agens darauf einwirkt. Demnach besteht alles Existierende fort, wegen eines ersten Seins. Dieses Sein ist zwar unerschaffen, doch das Leben als Prinzip besteht an sich immer. Daraus folgt, dass Gott einerseits das Leben und unerschaffen ist, andererseits aber auch, dass Gott nichts erschaffen hat, was prinzipiell selbst das Leben sein könnte. Ein nicht ganz einfach zu verstehender Sinn, in den sich diese Formulierung kleidet. Dazu Swedenborg:

Nichts im geschaffenen Universum ist Wesen oder Form an sich, oder Leben an sich, oder Liebe und Weisheit an sich. […]

Das was an sich ist, ist unerschaffen und unendlich; was aber daraus entstand, hat nichts von dem an sich, da es erschaffen und vergänglich ist. Und das verkörpert das Bild von Ihm, durch den es existiert und ist.

- Aus »Die Göttliche Liebe und Weisheit«

Wenn nun Leben als solches nicht erschaffen werden kann, wie sollen dann aber die lebendigen Dinge im Universum erklärt werden?

weil Gott allein Substanz an sich und daher das Sein selbst ist, ist offenbar, dass von nirgends anders her das Dasein der Dinge ist.

- Aus »Die Göttliche Liebe und Weisheit«

Damit muss jedem klar sein, dass das Universum nicht aus Nichts erschaffen sein kann.

weil er sieht, dass aus Nichts nicht Etwas werden kann; denn Nichts ist nichts, und Etwas aus Nichts machen, ist sich selbst widersprechend, und was sich selbst widersprechend ist, das ist gegen das Licht der Wahrheit, das aus der göttlichen Weisheit ist

- Aus »Die Göttliche Liebe und Weisheit«

Anscheinend bekennt sich Swedenborg als Christ zu etwas, dass eigentlich der christlichen Orthodoxie widerspricht. Es sieht danach aus, als bewege er sich in Richtung der Pantheisten, die sagen, dass Gott und das Universum identisch sind und damit in Allem existent.

Wenn es heißt, dass Etwas aus Nichts gemacht ist, bezeichnet das Wort 'aus' keine materielle Ursache, sondern eher eine Abfolge von Schritten, gemäß derer dieses Ding geschaffen wird. Darum, wenn wir sagen: Aus dem Morgen entsteht der Mittag, wollen wir sagen, nach dem Morgen kommt Mittag.

- Aus der »Summa Theologica«

Wenn es also in der Schrift heißt, die Welt sei aus dem Nichts erschaffen, ist damit keine Schöpfung aus der »Nichtexistenz« gemeint, als eben dem Vorher wo die Welt als solche noch nicht existierte und dann eben entstand.

Swedenborg beschrieb Gott als ewige Liebe, Weisheit und Macht, die in allen Dingen existiert und aus denen diese Dinge entstanden. Aus dem Ewigen entsteht das Vergängliche und ebenso verschwindet es daraus wieder. Das ist die Schöpfung alles Geistigen und Materiellen aus dem Nichts, also genauer gesagt der Nichtexistenz, in der es sich schließlich wieder auflöst.

Das gesamte Universum galt Swedenborg als Ausdruck des Spirituellen und der Grund dafür, weshalb unendliche Liebe und unendliche Intelligenz darin erkennbar sind. Gottes Gegenwart im erschaffenen Universum ist immanent, obwohl er sich davon in seiner Transzendenz unterscheidet.

Mit dieser Definition von Leben, Liebe und Weisheit, nimmt Swedenborgs Lebensphilosophie ihren Anfang und wenn demnach Gott das Leben ist, so war für ihn diese Philosophie vom Leben auch eine Theologie.

Alles Denken und Wollen fließt ein, aus dem Geist Gottes

Es lohnt sich erwähnt zu werden, dass [...] niemand, weder im Himmel noch in der Hölle, aus sich denkt, spricht, will und handelt, sondern (immer) aus anderen, und damit letztendlich alles und jeder aus dem allgemeinen Einfließen des Lebens, das vom Herrn ausgeht. Wenn ich Leute sagen hörte, dass ein Sendling (im Oringinal »subjectum«, der Träger oder Empfänger des göttlichen Geistes) nichts aus sich selbst denke und spreche, und das derselbe freilich glaube, er tue es nur aus sich, wurde mir öfters gegeben, mit denen zu sprechen, die in den Sendling einflossen. Und als sie auf diese Aussage bestanden, dass sie aus sich selbst dächten und sprächen, nicht aber jener Sendling, und weil sie bei dieser Meinung blieben, wurde mir auch gegeben ihnen zu sagen, dass das eine Täuschung sei, und das sie ebenso wie die Sendlinge aus anderen dächten und sprächen. Um diese Sache zu bestätigen, durfte ich auch mit denen sprechen, die in letztere einflossen; und da auch diese das Selbe bekannten, auch mit denen, die wiederum in diese einflossen, und so fort in zusammenhängender Abfolge. Daher wurde dann klar, dass ein jeder aus anderen dachte und sprach.

[...]

Das erregte in den Geistern die größte Entrüstung, denn ein jeder von ihnen will aus sich selbst denken und sprechen. Doch da sie belehrt wurden, wie sich die Sache verhalte, wurde ihnen gesagt, dass alles Denken und Wollen einfließe, weil es nur ein einziges Leben gebe, aus dem diese Befähigungen stammen, und dass das Leben vom Herrn einfließe durch eine wundersame Form, welches die himmlische Form ist, nicht nur allgemein in alle, sondern insbesondere auch in jeden.

- Aus »Himmlische Geheimnisse«

Swedenborg vermittelt mit diesem Zitat den Eindruck, das der Mensch, sowie alle weiteren geistigen Wesen, nicht aus sich selbst denken, sondern, dass andere durch uns denken. Was aber mit »anderen« gemeint ist, müsste im Einzelnen noch genauer definiert werden.

Gemäß der Aussagen Swedenborgs, denkt der Mensch nicht aus sich selbst, sondern es fließen ihm andauernd Gedanken von höllischen und himmlischen Geistern ein. Das hört sich recht drastisch an, doch wie wir wissen, hat der Mensch einen freien Willen, oder sagen wir, die Freiheit zu entscheiden, ob er sich himmlischen oder höllischen Einflüssen öffnet.

Das Tier hingegen werde »als Wissen geboren«, denn es kenne sofort die ihm zuträgliche Nahrung ohne dies erst erlernen zu müssen. Ein Kleinkind hingegen greift nach allem was man ihm vorlegt und bringt es zum Mund. Der Mensch wird nicht geboren als Wissen, sondern als Neigung und Ahnung: als Fähigkeit Wissen zu erlangen und als Neigung andere zu lieben. Und damit erhebt er sich über die Tiere, denn nicht nur besitzt er die Fähigkeit zu wissen, sondern auch dieses Wissen zu verstehen und durch seine Lebenserfahrung dadurch weise zu sein.

Swedenborg sagt, dass der Mensch sich durch dieses Wissen weit über jenes angeborene Wissen der Tiere erhebt, und auch erkennen kann, was ihm aus der geistigen Welt zuströmt, wie etwa die Philosophen und Mystiker oder aber die Propheten unter ihnen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Mensch aus sich denkt oder ob, wie Swedenborg schreibt, »allein Geister durch ihn denken«.

Swedenborgs Schriften brauchen Zeit

Wie auch bei anderen Portraits, die über solche Geistesgrößen wie Emanuel Swedenborg verfasst wurden, ist es auch hier fast unmöglich, in einem einzigen Artikel sein Leben und Werk zu skizzieren. So konnte hiermit nur ein winziger Ausschnitt gegeben werden dessen, was Swedenborgs eigentliches Werk beinhaltet und welch umfängliche Weisheiten sich darin finden. Man muss Swedenborg eben selbst lesen, um die hier gemachten Behauptungen über seine Genialität zu erkennen. Denn nicht etwa gewann er in seinen Ausführungen über die geistige Welt die Menschen seiner Zeit: Was Psychologie und Seelenlehren anbelangt, war Swedenborg seiner Zeit weit voraus.

Vielleicht konnte gezeigt werden, dass er als Wissender und genialer Denker, einen großen Teil zur Fortentwicklung der neueren Geistesgeschichte beitrug. Denn als Wissenschaftler wie auch als Philosoph, liefert sein universales Werk Sichtweisen, die bis in die heutige Zeit ihre Wirksamkeit und Validität bewahren. Man könnte durchaus behaupten, dass seine Arbeit tatsächlich so weit vorausschauend war, ihn insbesondere heute als Genie der Geistesgeschichte anzuerkennen. In damaliger Zeit nämlich, waren seine Mitmenschen einfach noch nicht in der Lage, nicht vorbereitet zu verstehen, was er an tatsächlicher Weisheit zusammenzufügen vermochte.

Zugegebenermaßen sind Swedenborgs Schriften auch nicht ganz einfach zu lesen. Wohl insbesondere, da sie eben erst durch Andere aus dem Lateinischen übersetzt werden mussten. Und die Übersetzung ist eben niemals das Original. Einmal davon abgesehen, dass hier keine Gleichsetzung mit Bibel, Koran oder anderen heilige Schriften gemeint ist, bleiben auch die Übersetzungen von Swedenborgs Schriften, wegen des Aussagegewichts des Originals, irgendwo immer auch »nur« Interpretationen. Sicher sind das aber Gründe dafür, dass der Durchschnittsleser damit schon nach kurzer Zeit konfrontiert wird. Denn wie auch bei anderen Mystikern und Theosophen ist es eben nicht nur ein »Ablesen« des Textes, sondern erfordert einen gewissen Studienaufwand. Doch der wird allemal belohnt!

Wer vielleicht schon nach den ersten Malen beim Lesen seiner Schriften den Wunsch verspürte, einfach aufzugeben, wird wohl nach etwas Zwischenzeit und einem zweiten Versuch, seine Texte wirklich loben lernen. Es braucht eben seine Zeit, bis man sich mit Swedenborgs charakteristischer Sprache vertraut machte. Das kennt der eine oder andere ja auch beim Studium anderer Autoren der Philosophie und Theosophie, etwa Fichte, Schelling, Hegel oder später Blavatsky oder Steiner, um einige zu nennen. Eigentlich aber ist es nicht der Autor sondern die Thematik, die Swedenborg an den Leser übergibt. Sie wirkt aus völlig neuer Perspektive auf sein Leben, Denken und seine religiöse Gesinnung.

Die Rolle die sein philosophisches Werk heute unter Intellektuellen einnimmt, könnte der zu seiner Zeit eingetretene Säkularisierung entgegenwirken. Vielerorts nämlich werden spirituelle Vorstellungen auch für die Wissenschaft wieder interessant. Nicht zufällig unterstreichen das heutige Adepten und weisen darauf hin, wie wichtig es ist sich mit dem Werk Swedenborgs zu beschäftigen.

Der Wunsch nach Ordnung in Zeiten des Chaos

Behauptete einer, wir lebten in unruhigen Zeiten: Wer würde da widersprechen? Besonders jetzt werden Rufe lauter, nach Lehren über die grundlegenden Wahrheiten in unserer Welt. Das in sehr alter Zeit die Menschen ein zufriedenes und friedliches Leben führten, dürfte jenen Lesern durchaus klar sein, die sich mit den Weltzeitaltern beschäftigten, wie sie etwa die Moderne Theosophie darstellt. Anscheinend gab es schon vor etwa 12.000 Jahren eine Hochzivilisation wie unsere heutige. Doch da sich die Welt unablässig in einem Prozess des Werdens befindet, scheint sich unsere Zivilisation gerade in eine dunklere Periode zu bewegen. Besonders da wird von immer mehr Menschen das Ewige im Vergänglichen gesucht.

Hier lassen sich in Swedenborgs Werk sicherlich wichtige Wegweiser finden, die durchaus dazu verwendet werden können die reinen Lippenbekenntnisse eines eigentlich säkularen Alltagsglaubens, durch spirituelle Wahrheiten auf das menschliche Leben anzuwenden. Wer Swedenborgs Schriften studiert bemerkt schnell, das sein Werk weniger eine Philosophie für Denker, als vielmehr eine Philosophie des Lebens ist. Swedenborg lag eben daran den Sozialstatus der Menschheit auf seine Weise zu regenerieren. Falsche Vorstellungen, Aberglaube und selbstsüchtige Gewohnheiten sollten dabei aufgelöst werden. Darin anscheinend liegt Swedenborgs geheimes Wirken, bis heute in unverminderter Strahlkraft.

 

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Intuition und Kosmisches Bewusstsein

von S. Levent Oezkan

Wo immer der Blick des Mystikers hinfällt: er kommuniziert mit allen Dingen und allen Wesen. Er lebt vollbewusst in der Gegenwart und schaut mit geistigem Auge in die Seelen der Menschen. Diesem Schauen eröffnen sich die Geheimnisse des Lebens. Vor seinem Blick fallen die Schleier - nichts versucht sich ihm zu verschließen.

Der Mystiker kennt die geistigen Quellen unserer materiellen Welt. Er schaut, was sich jenseits dieser irdischen Ebene befindet. Diese geistige Schau erfolgt mit dem "Auge des Herzens". Was er wahrnimmt, lässt sich nicht in Worte hüllen. Vielmehr fließt ihm das Licht höherer Welten zu. Durch ihn kommt dieses Licht in die irdische Welt zum Wohle aller. Der Mystiker ist ein Künstler, der, was ihm aus der geistigen Welt zuströmt, den Bedürftigen in dieser Welt gibt was sie brauchen. Er gibt Himmlisches dem Irdischen bei.

Ein wahrer Mystiker tratscht nicht rum, was er in der Welt oder an anderen sieht, was jemanden bewegt, besorgt oder erfreut. Daran erkennt man einen weisen Menschen: er muss sich nicht die Angelegenheiten anderer Menschen zu eigen machen, um damit seine Person aufzuwerten. Dem Mystiker ist einfach nicht möglich über das zu reden was er wahrnimmt, denn was auch immer gesagt werden könnte, ist eben keine Mystik; was immer man in Worten ausdrücken könnte, verkleinert das, was Mystik tatsächlich ist. Geschriebene oder gesprochene Worte halten die Wirklichkeit fest. Mystik heißt: werden - und streng genommen nicht etwas, wovon man hören oder lesen kann. Alles was aufgeschrieben wurde, alles was mit Worten beschrieben wird, kommt aus der Vergangenheit. Es sind also Beschreibungen dessen, was menschlicher Sinn vernommen hat. Der Mystiker versucht darum Mund und Augen zu verschließen. Er blickt mit seinen nicht-physischen Organ in die geistige Welt, sieht in die Dinge hinein, schaut sie unmittelbar an (lat. intuitio).

Das ganze Werk unseres Lebens zielt darauf hin, die Augen unseres Herzens zu heilen, so dass sie fähig werden, Gott zu schauen.

- Augustinus

Der Mystiker hat sein inneres Auge geheilt, sein Herzen von weltlicher Begierde entkleidet. Nicht dass er dabei besonders ambitioniert war. Statt dessen gibt er sich in intuitiver Versenkung dem Sein einer Sache hin - einem Lebewesen oder einer kosmischen Struktur.

Der schwedische Wissenschaftler und Mystiker Emanuel Swedenborg - ewigeweisheit.de

Der schwedische Wissenschaftler und Mystiker Emanuel Swedenborg (1688-1772). Portrait von Per Krafft dem Älteren.

Wort und Offenbarung

Ist die Sprache der heiligen Schriften nur eine Hülle der Wahrheit? Oder sind die biblischen Worte als Ganzes, und in ihren Einzelheiten göttlich?

Worte die gegenwärtige Ereignisse schildern, sind nicht das Selbe wie heilige Worte die aus der geistigen Welt stammen. Solche Worte bezeichnen das Wahre. Sie werden aus der universalen Einheit geführt und nicht durch den Willen eines Menschen. Die Worte etwa, die wir im Buch der Weisheit König Salomos oder in den Psalmen Davids lesen, enthalten eine heilige Kraft, geben Führung. Das gilt auch für die christlichen Evangelien, die indischen Upanischaden, die Verse des Koran oder die Worte des Tao-Te-Ging. Sie waren nicht die Worte ihrer Verfasser, sondern wurden inspiriert aus der geistigen Welt. Sie sprach durch sie; nur durch einen "erleuchteten Empfänger" konnten sie schriftlich niedergelegt werden.

Das Wort (Gottes) wird nur von Erleuchteten verstanden. Die menschliche Vernunft kann nichts Göttliches, nicht einmal Geistiges erfassen, wenn sie nicht vom Herrn erleuchtet wird. Daher verstehen nur Erleuchtete das Wort. Der Herr ermöglicht denen, die erleuchtet sind, das Wahre zu verstehen und zu erkennen, was sich zu widersprechen scheint. Das Wort stimmt im Buchstabensinn nicht immer mit sich selbst überein und scheint mitunter sich zu widersprechen. Es kann darum von Menschen, die nicht erleuchtet sind, so erklärt und gedreht werden, so dass sich beliebige Meinungen und Irrlehren begründen und beliebige weltliche und körperliche Neigungen begünstigen lassen. Aus dem Worte erleuchtet werden diejenigen, die es aus Liebe zum Wahren und Guten lesen, nicht aber die, die dies aus Liebe zu Ruhm, Gewinn oder Ehre tun, also aus Liebe zu sich selbst.

- Aus Emanuel Swedenborg: Das Weiße Pferd

Im Anfang war Gott allein

Wer Intuition entwickeln möchte, sollte sich eine Zeit lang aus dem alltäglichen Leben zurückziehen und in die Abgeschiedenheit begeben. Nur in Stille kann man den nötigen Sanftmut entwickeln, den jede Form von Intuition voraussetzt. Diese Stille ist notwendig, um uns den geistigen Einflüssen anderer Menschen zu entziehen. Orte der Stille gibt es vielerorts - man muss sie nur suchen. Jetzt mag einer sagen: "ich habe keine Zeit mich aus dem Leben zu entfernen oder mich in die Stille zu begeben." Ja, das ist in unserer heutigen, schnellebigen Zeit ein Problem. Was aber tun die Menschen, neben ihrem Broterwerb? Sie lesen in ihrem Smartphone, schauen fern oder verschwenden ihre Zeit daran, über die Angelegenheiten anderer oder die Nachrichten im Fernsehen zu reden. Authentische Menschen meiden solches Geschwätz. Ihnen erscheint es sinnlos die neusten Skandale im Freundeskreis oder in der Welt zu diskutieren. Ihnen liegen Themen mit Substanz!

Genies sprechen über ihre Vorstellungen; durchschnittlich Intellektuelle diskutieren Ereignisse; Kleingeister sprechen über andere Menschen.

- Eleanor Roosevelt, amerikanische Menschenrechtsaktivistin

Klar, man muss sich mal über andere austauschen. Wer aber eine gute Intuition entwickelt (hat), kann über Dinge Urteilen, auch ohne sich über die Meinungen anderer zu erkundigen. Meinungen sind nur Vermutungen über das Außen, denn etwas zu meinen, heißt nicht zu wissen. Intuition ist aber innere Gewissheit! Unser Unterbewusstsein ist oft über die Dinge wohl informiert - wenn da nicht unsere Vernunft dazwischen funkte!

Intuition hat keine Zeit

Intuition ist die Fähigkeit unvorhersehbare Situationen zu erspüren. Auf der anderen Seite versucht unsere Vernunft die Welt zu bewerten, abzuwägen und aus ihr eine Sache zu machen. Naturphänomene erscheinen dem Vernunftmenschen einfach nur als Sinnesobjekte, die ihr Verstand logisch einzuordnen sucht. Quantenphysiker wissen, dass im feinstofflichen Bereich die Gesetze der Logik verwischen, sie werden "unscharf" und wahre Aussagen über die Wirklichkeit sind dann nicht mehr möglich. Nur mit dem Feingefühl unserer Intuition können wir in der Unordnung komplexer Gegebenheiten, klar sehen. Entscheidungen werden spontan gefällt. Je weniger Zeit da ist, desto intuitiver müssen Entscheidungen getroffen werden.

Wir sollten uns angewöhnen, den ersten intuitiven Eindruck den wir bekommen, abzufangen, bevor er durch unsere Vernunft in Frage gestellt wird. Wir können auch hinterher noch vernünftig sein. Bevor unsere Vernunft das Bewusstsein erreicht, sollten wir ihr die Intuition vorwegnehmen. Es macht darum unbedingt Sinn die Argumente unserer Vernunft immer wieder in Frage zu stellen. Leider ist unsere Vernunft oft wie ein sturer Kontrolleur, der unseren natürlichen Wahrnehmungsfluss unterbricht. Auch Wissenschaftler wissen das. Intuition ist ein stilles Wissen, unbegrenzt und frei von logischen Schranken. Intuition überbietet ständig das Wissen unserer Vernunft - denn Wissen ist an die Sprache gebunden. Intuition aber ist "sprach-los". Sie versucht nicht zu be-schreiben. Wo Sprache einsetzt, da können Zweifel beginnen und wo Zweifel ist, da entsteht Auswahl. Wo es aber keine Wahl gibt, dort zählt nur die Tat!

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer - ewigeweisheit.de

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Radierung von Francisco Goya (1746–1828).

Wie man Ein-Bildungen durch Vor-Stellungen ersetzt

Je komplexer eine Entscheidung, desto mehr sollte man seiner Intuition vertrauen. Mit der Zeit entwickelt der Mystiker die Fähigkeit kreativ zu denken. Er wird nach und nach zum Schöpfer seiner Vorstellungen. Die hierzu nötige Energie bezieht er über das Vehikel seiner Individualität, die er nur durch Innenschau festigen kann. Er sieht die Dinge wie sie sind – ohne das sie verfälscht werden oder von der Wahrheit abweichen. Intuition ist die Voraussetzung für unsere Vorstellungskraft - die Imagination. Einbildung ist genau das Gegenteil davon. Wie schon der Begriff sagt, man bildet sich etwas ein: es ist eine Verstandessache, denn man sucht Bilder im Außen, um ihnen im Innern weitere Bilder beizustellen (die im Übrigen ebenso äußerlich sind). Sich etwas vorstellen bedeutet, darauf zu achten, was vor unserem inneren Auge abläuft. Wer sich Dinge einbildet und für wahr hält, der hat sich von der Quelle seiner Intuition entfernt. Zufällig imaginierte, eingebildete Dinge täuschen uns darüber hinweg was real ist. Um Intuition zu entwickeln braucht man einen Sinn für Authentizität. Das heißt: wer authentisch ist, setzt niemals die Wahrheit aufs Spiel oder versucht einen Mittelweg zwischen Falschem und Richtigem zu finden.

Unser Gehirn: Empfänger und Sender

Äußere Reize bestimmen heute unseren Alltag. Viele Kinder sehen bestimmte Dinge zuerst als Fernseh- oder Computerbild, bevor es ihnen in der Wirklichkeit begegnet und sie den Umgang damit lernen können. Damit werden nicht nur die rationalen Gehirnfunktionen unterbeansprucht; besonders intuitives und kreatives Denken geraten ins Hintertreffen. Kreative, schöpferische Fähigkeiten gehören zum Menschsein aber dazu. Kreativität ist immer eine Tat, während äußere Sinnesreize bestenfalls der Befriedigung unserer Wünsche genügen, sie aber keineswegs endgültig stillen. Zudem verwirrt uns der zunehmende Fluss an wertlosen Informationen. Je mehr sich davon in unserem Geist befindet, desto unsicherer werden wir hinsichtlich unserer Intuition.

Durch Grübeln schränken wir unsere Aufnahmefähigkeit ein. Wer ständig analysiert, kann kaum neue Eindrücke gewinnen – weder äußere noch innere Impulse wahrnehmen. Wer seinen Kopf der Gedanken jedoch entledigt, wird empfänglich, kann Einfühlungsvermögen und Intuition entwickeln. Intuition stammt nicht aus dem persönlichen Wissenszentrum. Vielmehr eröffnet sich dem Intuitiven, Zugriff auf universales Wissen und die Kenntnis basaler Zusammenhänge. So weit wir in die Ferne vordringen können, ebenso tief können wir in unser eigenes, inneres Bewusstsein vordringen – grenzenlos! Intuitive Menschen bewegen sich jenseits ihres Bewusstseins. Sie können universales Bewusstsein in ihre Wahrnehmung aufnehmen – sich in einen Schwebezustand zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung begeben. Ein Teil unseres Gehirns arbeitet produktiv, ein anderer Teil rezeptiv, ein Teil ist Sender, ein anderer Teil Empfänger. Diese wichtigen Arbeitsweisen der beiden Gehirn-Hemisphären (Gehirnhälften) unterscheiden folgende Aufgabenbereichen:

  • Die linke Hemisphäre denkt rational, digital. Hier werden logische Zusammenhänge linear aufgeschlüsselt. Es ist die Gehirnhälfte unseres mathematischen Verstands, der uns hilft Sachverhalte zu analysieren und detaillierte Strukturen in der Welt zu erkennen. Hier befindet sich unser Sprachzentrum.
  • Die rechte Hemisphäre ist intuitiv, analog. Sie ist der assoziative Teil unseres Großhirns, womit wir Musik, Farben, Bilder, Muster und Formen wahrnehmen und abspeichern. Auf dieser Seite nehmen wir die Welt ganzheitlich war. Von hier aus arbeitet unsere Kreativität, da die rechte Gehirnhälfte synthetisch denkt, zusammenfügt und neu erschafft.

Die rechte Hemisphäre steht hierarchisch aber gewissermaßen über der linken Hemisphäre. Sie stehen zueinander wie der Herrscher und sein Diener. Diese Metapher ist folgender Fabel entlehnt:

Es war einmal ein spiritueller Meister, der sich um eine Gemeinschaft Gläubiger kümmerte. Durch sein Wirken kam es zur Hochblüte dieser Gemeinschaft, so dass er sich irgendwann nicht mehr um alle Angelegenheiten der Menschen kümmern konnte. Er konnte sich nicht nur weniger um all die Einzelfälle in seinem Reich kümmern, sondern brauchte unbedingt Hilfe. Bestimmte Arten des Denkens und Handelns waren einfach unvereinbar mit dem Versuch, den Überblick zu behalten. Er wusste, dass er nur durch die nötige Distanz spiritueller Meister dieser Gemeinschaft bleiben konnte. Also beauftragte er einen klugen und gebildeten Abgesandten, der in seinem Namen sich als Stellvertreter um die weltlichen Geschäfte kümmern sollte. Der Abgesandte dachte sich: "Ich weiß alles über die Menschen dieser Gemeinschaft". Diese Einstellung sollte sich aber als Fehler erweisen, denn er kannte nicht die wahre Bedeutung seiner Aufgabe als Abgesandter des Herrschers. Er ärgerte sich und dachte "Was weiß schon dieser Herrscher, wie er dort im Palast auf seinem Hintern sitzt? Ich bin der, der alles weiß! Ich bin der, der mit allem und jedem in Kontakt steht. Ich bin der, der all die harte Arbeit erledigt." Also zog er sich den Mantel des Meisters über, so dass alle in der Öffentlichkeit sahen, dass eigentlich er der Herrscher ist. Und so hielt er seinen Meister auch nicht mehr auf dem Laufenden, über das, was in der Gemeinschaft vor sich ging. Der Herrscher konnte also nicht mehr die wichtigen Dinge, mit in sein Wirken einbeziehen. Nach und nach ließ das einstige Gedeihen der Gesellschaft nach und alle verarmten.

Unsere Intuition (Herrscher) ist eine heilige Begabung. Unser rationaler Geist (Abgesandter) ist nur ein nützlicher Diener. Ihm wird in der modernen Gesellschaft aber übermäßige Bedeutung zugeschrieben. Die Funktion unserer linken Hemisphäre wird also überbewertet - alles Intuitive, der rechten Hemisphäre Zugehörige, wird gerne belächelt. Diese zunehmende Unausgewogenheit unserer Gehirnnutzung, spielt sicher auch eine Rolle bei der Zunahme psychischer Krankheiten und dem zunehmendem Verfall spiritueller Werte in unserer industrialisierten, modernen Gesellschaft.

Sich in andere hineinversetzen

Unsere Gehirnfunktionen werden ständig durch die Gehirnaktivität anderer Menschen angeregt und beeinflusst. Insbesondere wenn zwei Personen miteinander arbeiten, beginnen sich ihre Gehirnwellen zu synchronisieren. Auch das EEG (Elektroenzephalogramm) einer schwangeren Frau, wird durch die Gehirnwellen ihres Kindes "gefärbt" – schließlich teilen sie den selben Organismus. Eine Mutter-Kind-Beziehung besteht aus dem ständigen Sichhineinversetzen der Mutter in die, sich immer wandelnden Entwicklungsbedürfnisse, ihres heranwachsenden Kindes. Eine gute Mutter weiß darum, wenn das jugendliche Kind beginnt sich von ihr zu lösen und lässt es auch gehen.Die Mutter-Kind-Beziehung ist ein Idealbild, dass als seelisch-geistiges Modell, allen Menschen als Maßstab nützt, die lernen möchten, sich besser in andere Menschen hineinzuversetzen. Eine Mutter konzentriert sich nicht bloß auf die äußeren Erscheinungen ihres Kindes und erwägt diesbezüglich zu handeln, sondern muss sich in ihr Kleines hineinversetzen können. Die Phase vor der Geburt ist ein gutes Vorbild für das was Intuition meint: Intuition heißt, sich auf eine Innerlichkeit einer Person oder Situation zu richten. Einer intuitiven Person gelingt, das was sie im Außen wahrnimmt, in ihrem Inneren aufzunehmen und darüber zu kontemplieren. Kontemplation heißt, etwas anzusehen wie es ist und durch solche Ansicht darin sehend zu verweilen. Man nimmt auf was dabei empfunden und erkannt wird. Die Art der Empfindung des Schauenden, wird durch die Erscheinung des Beschauten geformt. Der Betrachter der z. B. über eine Rose kontempliert, sieht dann nicht nur eine Rose vor sich, sondern ist selbst die Rose, stellt sich selbst vor, ihren Duft zu verströmen und die Blüten dem strahlenden Sonnenlicht zuzuwenden. Es geht um die Betrachtung etwas Äußeren und das dadurch erkannte, im Bewusstsein des Betrachters selbst lebendig werden zu lassen. Für den Zeitraum der Betrachtung wird man Teil des Betrachteten, begreift sein Wesen von innen heraus. Man beurteilt dabei nicht was man sieht, sondern empfindet nach, was dort vor einem ist oder stattfindet. Ein intuitiver Mensch fühlt wie es ist, sein Gegenüber zu sein. So kann er Eindrücke über die Handlungen und inneren Vorgänge seiner Mitmenschen erfassen.

Wenn also dem intuitiven Betrachter gelingt, nach Innen zu schauen, kann er entsprechend seiner Vorstellungskraft die Vorgänge im Außen verstehen. Bei wem die Vernunft dazwischenfunkt und die egoistisch zentrierte Berechnung versucht zu manipulieren, dessen Wahrnehmung ist eingetrübt von allen möglichen Fantasiegebilden. Nur wer sich vom ambitioniertem Wunsch nach Beeinflussung anderer frei macht, kann stark intuitive Gefühle entwickeln. Wer nicht mehr versucht andere zu manipulieren, dem enthüllt sich der wahre Kern seiner eigenen Gefühlslandschaft. Wer noch die Unsicherheit einer anderen Person fühlt oder durch seine Vernunft bestätigt weiß, der trägt in sich selbst noch ganz viel Unsicherheit, der er sich dann unbewusst gewahr wird. Worüber man im Außen oder bei einem anderen Menschen ein Urteil fällen möchte, das hat man in Wirklichkeit in sich selbst noch nicht gelöst oder in Griff bekommen. Wenn wir tatsächlich hinter die Kulissen des menschlichen Dramas schauen wollen, darf die Wahrnehmung von Schwächen anderer, einfach keine Rolle mehr spielen. Oft steigt in vielen von uns das Gefühl des Triumphes auf, wenn wir glauben Schwächen anderer zu entlarven. Es ist das uralte Problem der Konkurrenz, das unsere Zivilisation als Ballast mit sich herumträgt. Entweder man fühlt sich überlegen oder unterlegen oder, wenn das nicht zutrifft, fürchtet man einen Rivalen. Es ist immer leichter eine Schwäche bei anderen Menschen zu entdecken, als eine Stärke - insbesondere wenn wir die Person nicht kennen.

Die Prinzessinnen Mariya Nikolayevna and Olga Nikolayevna – ewigeweisheit.de

Empathie: die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen. Gemälde von Carl Timoleon von Neff (1804–1877).

Wir sind was wir denken und denken was wir sind

Unser Denken erschafft unsere Welt. Umgekehrt wirkt die Körperbefindlichkeit zurück auf unsere Gefühle und unser Denken. Gedanken sind verschiedenartig: mal aufsteigend, mal absteigend. Sie manifestieren sich als geistige Schwingung – die sich in einer Art Gedankenfeld um uns ausbreitet. Die geistige Einstellung eines Menschen beeinflusst seine nervöse Struktur, wie auch den arteriellen Blutstrom seines Körpers. Je nachdem wie unser Denken ist, entsprechend ist der Aufbau unseres Muskel- und Nervensystem und die daraus resultierende Körperhaltung. Wie sich eine Person gibt oder aussieht, hängt darum ganz wesentlich mit ihrem Denken zusammen. Kenntnisse über Körpersprache und Mimik sind hilfreiche Werkzeuge, um die Gedanken einer Person zu verstehen. Es gibt hierzu eine Menge Material, z. B. in unserem kostenlosen Online-Kurs in Körpersprache (Dauer: 5 Wochen). Darin wird detailliert auf die Themen Körpersprache, Mimik und Physiognomie eingegangen.

Über die optische Erscheinung einer Person hinaus, kann ein Intuitiver, die Atmosphäre einer andere Person wahrnehmen. "Atmosphäre" heißt, das Gedankenfeld, die Wärme und Ausstrahlung die einen Menschen umgeben. Was wir denken, strahlen wir aus. Und diese Gedanken können manchmal sehr "laut" sein. Manche können Gedanken anderer lesen, indem sie intuitiv die visuellen Eindrücke ihrer Körpersprache wahrnehmen. Manche Menschen die über sogenannte "Psi-Kräfte" verfügen, können die Gedanken anderer auch über weite Strecken wahrnehmen. Dann spricht man von Telepathie (altgr. tele, fern, und pathos, die Erfahrung).

Da wir bei Fremden nie wissen, mit wem wir es wirklich zu tun haben, sollten wir, bei dem Versuch andere einzuschätzen, sehr vorsichtig sein. Es geht um eine sensible Ebene der Wahrnehmung, auf der immer auch unsere eigenen Gedanken zirkulieren. Man sollte seine Eindrücke die man von außen erhält, nicht mit dem verwechseln, was unterschwellig im eigenen Denken vor sich geht. Oft ist nur schwer auseinander zu halten was sich tatsächlich im Außen abspielt und welche Färbungen unsere inneren Eindrücke über das Wahrgenommene hervorrufen. Viel zu oft vermischen wir unsere Absichten und Ambitionen, mit dem was wir am anderen zu erkennen glauben. Dann projizieren wir Hoffnungen oder Ängste auf eine Person, die wir vielleicht noch nie zuvor gesehen haben.

Wer Eindrücke von verschiedenen äußerlichen Quellen aufnimmt, muss also unterscheiden lernen: was ist wichtig und was davon unwichtig. Das setzt innere Gelassenheit und Sensibilität voraus.

Reisen jenseits der Raumzeit

In die Vergangenheit zu schauen, ist, wie als blicke man aus großer Höhe in die Tiefe hinab. Ein hoch fliegender Adler erkennt jedes Detail, das sich auf dem Erdboden abspielt. In die Gegenwart zu schauen ist, als ob man den weiten Horizont überblickt. Sitzt jemand in einem Raum und schaut nach draußen, so nimmt er die äußere Realität wahr, gemäß der Größe des Fensterrahmens. Wenn er jedoch auf dem Dach des Gebäudes steht, in dem sich dieser Raum befindet, so ist seine Wahrnehmung entsprechend riesig. In die Zukunft zu blicken, ist wie in den Zenit zu schauen. Natürlich sieht man immer nur die Gegenwart – die Archetypen der Zukunft werden aber im Jetzt geformt. Auf sie können wir uns vorbereiten, bevor sie sich in der Gegenwart manifestieren. Solche Archetypen sind die Gestirne. Ihre Bewegung über den Himmel lässt sich voraussagen. Die Astrologie liefert dazu brauchbare Werkzeuge.

Um unsere Zukunft zu deuten reicht es nicht, unsere Wahrnehmung nur auf die materielle Zukunft zu richten. Vielmehr sollten wir mit wachem Auge verfolgen, was geschieht, um im richtigen Augenblick die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Was möglich ist, zeigt uns nur die Gegenwart. Sie ist das Zeitfenster, durch das wir mit dem Auge der Intuition blicken. Intuition ist nicht wie das Denken begrenzt, sondern unabhängig vom Gefüge der Raumzeit. Zur Veranschaulichung denke man sich einen dreidimensionalen Raum, in dem ein bestimmtes Ereignis stattfindet. Danach ein anderes Ereignis, und wieder ein anderes. Zwischen allen Ereignissen vergeht Zeit, die sich messen lässt, so wie auch die Abstände des Raumes. Dem dreidimensionalen Raumsystem, lässt sich mit der Zeit also eine vierte Dimension hinzufügen. Da unsere Intuition aber Raum und Zeit in ihrer Gesamtheit überwindet, steht sie jenseits dieses vierdimensonalen Raum-Zeit-Kontinuums. Für die Intuition spielen Ort, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine gleichbedeutende Rolle. Erfahrung und Erwartungshaltung verschmelzen in der Raumzeit, zu einem, intuitiven Moment.

Geschichtliche Ereignisse prägen die Haltung gegenüber unserer Zukunft. In das Kommende setzen wir unsere Hoffnungen, die sich an die Erfahrungen der Vergangenheit knüpfen. Man wünscht erneut positive Erfahrungen, fürchtet aber, Negatives könne sich wiederholen, denn die Ereignisse der Vergangenheit wirken auf das Jetzt. Sie zeichnen ihre Spuren in unsere Geschichte.

Alles was die Menschheit heute weiß, ist das Resultat ihrer uralten Vergangenheit. An dieser Realität nehmen alle Menschen teil. Es geht nicht darum, die eigene Vergangenheit immer wieder aufzurollen, sondern zu lernen die Geschichte der Menschheit zu überblicken. Wer sich von seiner eigenen Vergangenheit rücksichtslos frei macht, also nicht mehr zurück blickt, der wird auch weniger befürchten, was in Zukunft geschieht. Der wird voll und ganz in der Gegenwart leben – Frei sein im Hier und Jetzt. Wie das Wort "Er-Innerung" schon sagt: was einmal wird gegenwärtig noch einmal verinnerlicht. So kreisen unsere Gedanken in der Vergangenheit - lassen uns leben in einem ewigen Gestern!

Kosmisches Bewusstsein

In der Neurophysiologie bilden sich Erinnerungs-Muster, durch die Vernetzung sehr vieler Gehirnzellen. Niemand weiß, wieviele Erinnerungen man ins Gehirn maximal eintrichtern kann. Fest steht jedoch, dass sich große Masse an Neuronen (Gehirnzellen) unendlich komplex verschalten können. Es sind potentiell sogar mehr solcher neuronalen Verschaltungen im Gehirn möglich, als subatomare Teilchen im heute bekannten Universum existieren! Die Kapazität unserer geistigen Vorstellungskraft ist also gigantisch.

Grundsätzlich gliedert sich unser Geist in vier Stufen:

  1. Der empfindende Geist oder Sinneseindruck, der keines höheren Bewusstseins benötigt.
  2. Der aufnehmende Geist setzt sich zusammen aus Empfindungen und Rezeptionen. Rezeptionen sind Wahrnehmungen, die sich aus mehreren Empfindungen bestehen. Sie werden geistig aufgenommen, nicht aber aktiv verarbeitet, wie etwa Farb-, Form oder Klang-Wahrnehmungen, die bestimmte Empfindung hervorrufen.
  3. Der selbstbewusste Geist setzt sich zusammen aus Sinneseindrücken, rezeptiven Wahrnehmungen und Begriffen. Wir können hier auch vom "begrifflichen Geist" sprechen.
  4. Der intuitive Geist setzt sich zusammen aus Empfindungen, Wahrnehmungen, aus daraus gewonnenen Ideen und Begriffen und aus moralischen Einstellungen, die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben.

Höchste Essenz die über diesen Bewusstseinsfeldern steht, ist das kosmische Bewusstsein. Die Entwicklung dieser höchsten Form menschlichen Bewusstseins nannte Gautama Buddha das Nirvana - den Austritt aus dem Leidenszyklus der Inkarnationen. Das Wort Nirvana definiert sich als höchstes Ziel der geistigen Entwicklung eines Menschen. Der Apostel Paulus von Tarsus sprach vom selben Zustand, wenn er sich als "Mensch in Christus" bezeichnete. Nachdem er in das kosmische Bewusstsein eingetreten war, wusste er, dass er selbst das Leben Jesu lebte: nicht die menschliche Person des Jesus von Nazareth, als vielmehr eine andere Individualität, die als Christus in ihm fortlebte. Dieser zweifachen Personalität des Menschen begegnen wir immer wieder in der Geschichte der Menschheit. Für den islamischen Prophet Mohammed verkörperte das kosmische Bewusstsein der Erzengel Gabriel. Er sprach durch Mohammed die Worte, die im Heiligen Koran niedergeschrieben wurden (Mohammed war Analphabet!). Diese göttlich-menschliche Personalität erfolgt durch die Auslöschung bestimmter, niedriger Gefühle wie etwa Todesangst oder der Wunsch nach Reichtümern. Es ist ein bewusstes Erfassen von Leben und Ordnung im Universum. Das bedeutet Erleuchtetsein. Ein Erleuchteter ist eine höhere Form Mensch, der "erwacht" ist und seinen "Angstkörper" verlassen hat - den Tod nicht mehr fürchtet. In allen Mysterien-Einweihungen war das Heranführen an die Todesgrenze von zentraler Bedeutung. Denn in diesem Zustand bewegt sich der göttliche Funke im Initianden, wobei er die kosmische Einheit allen Seins erkennt (wer die Bücher von Carlos Castaneda kennt, erinnert sich an das "Bewegen des Montagepunkts", was identisch ist mit der Initiation in die Mysterien). Wer kosmisches Bewusstsein entwickelt, den nennt man einen Eingeweihten - einer, der der universalen Einheit geweiht ist. So jemand lebt ohne Angst, denn er hat die Unsterblichkeit des göttlichen Funken in ihm erkannt.

Zusammenfassend können wir sagen: es geht um das Erwachen aus dem alltäglichen Zustand. Es ist die Erfahrung einer Überbewusstheit, was mit der Zerstörung des alten Selbst einhergeht, damit das neue Selbst geboren werden kann. Eine schöne Metapher für diesen Vorgang ist die Metamorphose des Schmetterlings aus der Raupe. Sobald er sich verpuppt hat, löst er sich zu einer schwarzen Masse auf, aus der er sich zu einer anderen, höheren (fliegenden) Form entwickelt: niemals mehr, wird er eine Raupe sein!

 

Wanderer am Weltenrand - ewigeweisheit.de

Holzschnitt eines unbekannten Künstlers: "Wanderer am Weltenrand", erschienen im Buch L’atmosphère, Paris (1888).

Die Stufe kosmischer Bewusstheit, werden in vielen Jahrtausenden alle Menschen auf der Erde erreicht haben. Sobald diese Phase der menschlichen Bewusstseinsentwicklung einsetzt, werden sich auch die Grenzen zwischen den spirituellen Traditionen auflösen. Es ist das, was in den abrahamitischen Traditionen der "Jüngste Tag" genannt wird. Dann wird es keinen Zweifel mehr an der Existenz einer göttlichen Existenz geben. Es muss dieser Ebene selbst, kein Name, wie etwa Gott, Brahma, Jahwe, Allah, usw., gegeben werden, kein Glaube oder Unglaube wird mehr nach Beweisen und Gegenbeweisen verlangen, da jedem Menschen die Einheit allen Seins bewusst ist. So wie sich der Mensch seiner Selbst bewusst ist, so wird er sich irgendwann seiner kosmischen Seele bewusst sein. Dann sieht er keinen Unterschied mehr zwischen Ich und Du – sieht sich und alle Seelen, als Teil der einen großen Weltseele.

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