Tariqa

Elf Prinzipien des Sufi-Weges

von S. Levent Oezkan

Allah - ewigeweisheit.de

Im Folgenden wollen wir uns mit besonderen Aphorismen befassen, die dem Sufi im praktischen Leben tatsächlich helfen. Hodscha Abdul Khaliq Ghidschduwani († 1179), ein Sufi-Sheikh des Naqshbandi-Ordens, sah darin einen Weg der Meister der Weisheit.

Er spricht da von elf Geheimnissen, auf persisch »Kalimat-i qudsiya«: Heilige Worte der Tugend. Sie bilden ein praktisches System spiritueller Praxis, die dem Gottsucher dabei helfen, mystische Erlebnisse zu erfahren – auf dem Weg zu spiritueller Vollkommenheit.

1. Bewusst Atmen – Hosch dar Dam

Von zentraler Bedeutung in der Tradition des Sufi-Ordens der Naqshbandiyya, ist eine in jedem Augenblick bewusst erlebte Atmung. Dabei geht es darum, das eigentlich Göttliche im Atemvorgang zu erfahren, durch das unser Körper lebendig, gesund und bewusst lebt.

Wenn wir uns nun einmal den arabischen Namen für Gott ansehen – Allah –, so setzt sich das für diesen Namen im Arabischen geschriebene Symbol الله zusammen aus vier Buchstaben:

  • einem »Alif« dem ersten Buchstaben des arabischen Alphabets,
  • aus zweimal dem »Lam« dem elften Buchstaben und
  • aus einem »Ha« dem fünften Buchstaben, der alleinstehend in seiner Form einem geöffneten Mund ähnelt.

Dieser letzte der vier Buchstaben, das Ha, gilt als identisch mit dem Geräusch das ertönt wenn wir ausatmen. Und so bildet das Ha die Essenz des Namens Allah, die von ganz alleine jeden unserer Atemzüge begleitet. Alles Leben also, und Leben ist Atmen, ist demnach angewiesen auf die Äußerung dieses edelsten aller Namen.

Der ehrenwerte Sufi-Meister Maulana Dschami (1414-1492) meinte in den Strophen seiner Stanzen, dass wir uns, im übertragenen Sinne, allerdings in diesem letzten Buchstaben, dem Ha des heiligen Namen Allah, »verlieren« sollten:

Dein Alphabet, ich bin mir sicher Du weißt darüber
Darin verlieren wir uns im Ha mit jedem Atemzug den wir hauchen
Äußere ihn vorsichtig, und sei achtsam:
Es ist kein gewöhnlicher Laut den Du erzeugst.

Und solcherart »bewusstes Verlieren«, auf das Dschami hier verweist, meint ein Lösen von dem Glauben an eine von Gott getrennte Identität. Es geht da um ein Aufgehen in Allah, im Bewusstsein dieser nicht definierbaren Essenz erhabener Wahrheit – dem Ha, dem gehauchten Buchstaben. Ha steht für die Befreiung von allen Beschränkungen unseres körperlich-sinnlichen, empfindenden Seins. Im Bewusstwerden des geatmeten Ha, so Dschami, transzendiere einer alles, das seine Wahrnehmung und Erkenntnisfähigkeit eingrenzt. Alle die aber nie davon hörten, für sie bleibt diese Essenz des Namens الله Allah, das Ha, absolut unerkannt.

2. Auf die eigenen Schritte achten – Nazar bar Qadam

Ein Sucher soll stets auf seine Schritte achten. Das heißt aber nicht etwa, dass er immerzu auf seine Füße schauen soll, was ihn ja schon bald ins Stolpern brächte. Vielmehr geht es hier darum, das man sein Vorankommen auf der spirituellen Reise sichert, aufrecht sich geradeaus bewegt, jederzeit und immer aufpasst in dieser Bewegung. Sheikh Sa'd Al-Din Kaschghari (†1456) sagte hierzu:

Auf die Schritte zu schauen bedeutet, dass der Suchende beim Kommen und Gehen (immer mal wieder) auf die Oberseite seiner Füße schaut und dadurch seine Aufmerksamkeit nicht zerstreut wird, indem er auf etwas schaut, auf das er nicht schauen sollte.

Ein Sucher führe sich unentwegt, aufmerksam in Richtung seines Ziels und sei sich dabei der eigenen Absicht bewusst. Nichts soll einen da mehr abbringen können, vom Erreichen des Ziels – vorausgesetzt natürlich, man hat ein solches. Es geht darum das Bewusstsein aufrecht zu erhalten und auch offen zu sein für besondere Gelegenheiten, um zur richtigen Zeit das Richtige zu tun.

Im Koran lesen wir dazu:

O ihr Menschen! Esst von dem, was es auf der Erde gibt, als etwas Erlaubtem und Gutem, und folgt nicht den Fußstapfen Schaitans! Er ist euch ein deutlicher Feind. [...] O die ihr glaubt, tretet allesamt in den Islam ein und folgt nicht den Fußstapfen Schaitans! Er ist euch ja ein deutlicher Feind.

- Sure 2:168,208

3. Reise ins Heimatland – Safar dar Watan

Auf dieser Reise übergeben wir uns aus der Welt der Möglichkeiten, in die Welt der verwirklichten Erkenntnis. Es geht da um eine innere Reise, in der man in sich geht, in sich den Ursprung seines Seins findet. Auf so einer inneren Reise erfahren wir, dass sich auf unserem Lebensweg zwar auch viele Fehlschläge und Missgeschicke ereignen, doch dass alle Fehler gleichzeitig wichtige Lektionen sind, aus denen wir lernen können (sogar lernen sollen!) – wobei wir ausgehend von schlechten, allmählich zu lobenswerten Eigenschaften finden.

Wenn die Rede ist von einer Heimreise, so wird damit hingewiesen auf die Vorbereitung einer Transformation, die den Menschen aus einem subjektiven Traumzustand herausführt, damit er auf seinem Weg seine göttliche Bestimmung erfüllen kann. Der indische Sufi-Gelehrte Ahmad Sirhindi (1564-1624) sagte dazu einmal:

Dieser gesegnete Ausdruck (Reise ins Heimatland) bedeutet, in sich selbst zu reisen. Die dabei geernteten Früchte, stellen die letzte (spirituelle Übung auf dem Weg) an den Anfang, was eines der Merkmale des Naqshbandi-Weges ist. Und obwohl diese (innere) Reise auch in anderen Tariqas (Sufi-Orden) zu finden ist, findet man sie erst am Ende, nach dem ‚Reisen auf den Horizonten‘ (Bezug nehmend auf den Koran in Sure 41:53, in der es heißt: ‚Wir werden ihnen Unsere Zeichen auf den Horizonten und in ihrem Inneren zeigen, bis sie wissen, dass Er (Allah) der Wirkliche ist‘).

4. Alleinsein in der Menge – Khalwat dar Anjuman

Als jemand den Gründer des Naqshbandi-Sufi-Ordens, Shah Bahauddin Naqshband ‎(1318-1389), einmal fragte nach den grundlegenden Prinzipien spiritueller Entwicklung, antwortete er:

Alleinsein in der Menge, heißt im Außen mit Menschen zu sein, doch im Innern mit Gott, dem Verherrlichten.

Lernen frei zu sein, inmitten all der unzähligen Abhängigkeiten im Leben, heißt, dass jemand sogar so weit in geistiger Versenkung sich an die Allgegenwart Gottes erinnere, dass er, selbst wenn er sich durch eine viel  befahrene Straße bewegte, nichts von dem Lärm dort mitbekäme.

Dieses vierte Prinzip des Sufi-Weges beschreibt die Entwicklung der Fähigkeit, sich in Gegenwart äußeren Lärms, Störungen und Verwirrung, davon zu distanzieren und ruhig zu bleiben, im Dhikr: Dem Gedenken an Gott, durch stille Rezitation seiner heiligen Namen und Sätze, wie auch den Versen der Suren des heiligen Koran.

Maulana Dschami – ewigeweisheit.de

Sheikh Maulana Dschami in einer, dem persischen Maler Behzad zugeschriebenen Miniatur aus dem Jahr 1490.

Natürlich bedeutet das nicht, dass man umherirrt und so tut, als bekäme man nichts mehr vom Außen mit. Nur ein Narr würde so handeln. Vielmehr geht es darum, sich immer in die Lage zu versetzen, seine Aufmerksamkeit auf das Äußere zu lenken, sobald nötig, doch dann wieder zurückzukehren in die Übung des inneren, des stillen Dhikr. Obwohl ein Sufi äußerlich in der Welt ist, ist er oder sie innerlich immer bei Gott.

5. Allahs Gedenken – Yad kard

Sich im Herzen und gleichzeitig mit der Zunge erinnern, wie umgekehrt mit der Zunge sprechend, auch im Herzen zu rezitieren: Stiller oder gesungener Dhikr erweckt das Herz, um sich die göttliche Wahrheit (Al Haqq) zu vergegenwärtigen. Das ist wahrer Dhikr. Der weise Hodscha Ubaidullah Ahrar (1404-1490) meinte dazu einmal:

Die wahre Bedeutung des Dhikr ist das innere Gewahrsein Gottes, dem Verehrung gebührt. Dhikr beabsichtigt dieses Bewusstsein zu erlangen.

Wenn da nun aber die Rede ist von einem Erinnern, dann meint das auch ein Sich-Zurückversetzen an gemachte, positive Erfahrungen, wie auch daran, dass man ein Teil einer Sufi-Tradition ist, aus der man positive Energie beziehen und Kraft schöpfen kann.

6. Zurückhaltende Selbsteinschränkung – Baz gascht

Dieses Prinzip des Sufi-Weges beschreibt das zielstrebige Trachten nach göttlicher Wahrheit, indem man sich heim begibt in die Gegenwart Gottes. Das erfordert zuerst einmal sehr große Selbstdisziplin, muss man sich dafür doch unermüdlich auf dem inneren Weg der Heimkehr bewegen, was wohl sicher nur dem gelingt, der in sich Geduld kultiviert hat.

Stets sollte ein Sufi versuchen seine Gedanken auf das Göttliche hin auszurichten und nicht abschweifen zu lassen. Das erfolgt etwa in einem inneren Rezitieren der Schahada:

أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَٰهَ إِلَّا ٱللَّٰهُ وَأَشْهَدُ أَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ ٱللَّٰهِ

Ashadu ala ilaha illallah, wa-ashadu anna muhammadan rasulullah.

Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah, und ich bezeuge, dass Mohammed sein Prophet ist.

Andererseits besteht die in diesem sechsten Prinzip beschriebene Heimkehr auch darin Reue zu zeigen, über das, was man an Gedanken, Gefühlen und Taten bedauert, um damit allmählich zu einer Rechtschaffenheit zu finden.

7. Achtsamkeit – Nigah dascht

Hier geht es zum einen darum die Gedanken an das Weltliche auszublenden, durch wachsames Kontrollieren der eigenen Aufmerksamkeit. Achtsamkeit meint ein wachsames Gewahrsein hinsichtlich vorüberziehender Gedankengänge. Der Sufi vermag dabei sein Herz zu bewahren, vor etwaig schlechten Gedanken.

Zum anderen sagen die Sufis der Naqshbandiyya, dass es für einen Suchenden bereits eine großartige Leistung ist, sein Herz für nur fünfzehn Minuten vor schlechten Neigungen zu schützen.

Wer diese beiden Übungen vollbringt, wird die geistigen Regungen seines Herzens erkennen. Und, wie der Heilige Prophet Mohammed (as) einmal sagte:

Wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Herrn.

Achtsamkeit bedeutet, wenn der Suchende sein Herz auf die Bedeutung dieses heiligen Satzes ausrichtet:

لا إله إلا الله

La ilaha illa Allah

Es gibt keinen Gott außer Allah.

Keine anderen Gedanken finden dann noch Eingang in sein Herz.

Sa'd Al-Din Kaschghari sagte:

Der Suchende muss eine oder zwei Stunden lang, oder wozu auch immer er fähig ist, seinen Geist festhalten und verhindern, dass Gedanken an etwas anderes (als Gott) eindringen.

Wir sollten uns in solch erhabenen Üben auf die Allgegenwart Gottes konzentrieren und dabei dennoch offen bleiben, für intuitiv Empfundenes und die vielen günstigen Chancen, die sich uns allezeit überall eröffnen – Möglichkeiten mit denen wir gute, positive Wirkungen in der Welt vollbringen können.

8. Erinnerndes Gewahrsein – Yad dascht

Es geht dabei um ein fortwährendes Besinnen auf die göttliche Gegenwart im Herzen, was eine allmähliche Annäherung an die Wirklichkeit Gottes ermöglicht. Dem Sucher wird damit bewusst, dass die Trennung von den niederen Aspekten seines Egos, nur durch objektive Liebe geläutert werden kann. Was die Sufis als »Selbstverleugnung« bezeichnen, bringt sie in dieses letzte Stadium der Selbstvervollkommnung, worin sie grenzenlose Freude erfahren, denn sie haben da alle egoistischen und bösen Gedanken überwunden – ja sogar die Bewertung all dessen überwunden, was sich an Positivem in ihrem Leben ereignet (hatte). Ausschließlich nämlich das, was die Sufis Al Haqq nennen, die wahrhaftig göttliche Weisheit (auch: Wahrheit), bleibt einem so Erfahrenden in seinem Geiste erhalten. Hodscha Ahrar schrieb hierzu:

Das Erinnernde Gewahrsein ist ein Ausdruck des Geistes, der die Dauerhaftigkeit des Bewusstseins der glorreichen Wirklichkeit bedeutet. Es bedeutet die Göttliche Gegenwart, ohne selbst dabei sich in Nichtsein aufzulösen.

9. Zeitbewusstsein – Wuquf Zamani

Bahauddin Naqshband sagte, dass das Bewusstsein der Zeit den Schüler sowohl zu dem mache was er ist, wie ihn ebenso führen können solle. Das bedeutet: Jeden Augenblick auf den eigenen Geisteszustand achten und wissen, ob da ein Grund ist dem Allmächtigen zu Danken oder aber Reue zu zeigen. Der Suchende muss dabei wissen, wie viel Zeit er auf dem Weg zu seiner spirituellen Reife verbracht hat.

Wenn hier die Rede von Zeit ist, meint dass die Spanne in der man achtsam, jedoch gleichzeitig ganz nüchtern in einem Hochgefühl verbringt, zwischen Zerstreuung und Sammlung.

Hierüber meinte Dschami, man solle darüber »Buch führen«, um sich stets dem täglichen Umfang seiner Geistespräsenz immer bewusst zu bleiben.

10. Zahlenbewusstsein – Wuquf ‘Adadi

Dschami galt außerdem:

Wuquf ‘Adadi ist die Beobachtung der Anzahl der Dhikrs und ob diese Beobachtung auch zu (besonderen) Ergebnissen führt oder eben nicht.

Bahauddin Naqshband:

Die Beobachtung der Anzahl der Wiederholungen des Dhikr des Herzens dient dazu, geistige Aktivität zu sammeln, die zuvor ganz zerstreut und unfassbar war.

Drum gilt, das dieses »Buchführen« über den Dhikr nicht eines alltäglich gebräuchlichen Zählens gleich kommt, sondern eher ein bewusstes Gewahrsein über die Wiederholungen der heiligen Namen und Verse (etwa durch das Abzählen an einem islamischen Rosenkranz, dem »Misbaha« beziehungsweise »Tesbih«). So soll das Herz vor schlechten Gedanken bewahrt werden.

Den fortgeschrittenen Geistesschüler führt diese Praxis auf die Ebenen der Intuition. Das hilft ihm sich auf seinem spirituellen Pfad den höheren Lehren zu nähern.

11. Herzbewusstsein – Wuquf Qalbi

Wer dieses Prinzip in sich verwirklichen konnte, dessen Herz hat Gottesbewusstsein erlangt. In so einem Menschen ist die göttliche Liebe erwacht. Hier ist sich einer bewusst geworden, dass seine Ego-Existenz ein Hindernis für seine endgültige Verwandlung ist, und darum fürchtet er sich nicht mehr, sie zu opfern – hat er doch unendlich viel mehr zu gewinnen, als er dabei verlieren könnte.

Über das Ququf Qalbi sagte Ahrar:

Es ist ein Ausdruck, der ein Gewahrsein und ein Herzbewusstsein gegenüber der Höchsten Wirklichkeit meint, die so empfunden wird, dass das Herz kein Bedürfnis mehr verspürt, nach irgendetwas anderem, als nur dieser ultimativen Wahrheit.

Herzbewusstsein bedeutet, dass das Herz beim Geliebten (also bei Gott) ruht, so als ob nichts und niemand anderes existiere.

Bahauddin Naqshband hielt es nicht für notwendig, während des Dhikr den Atem anzuhalten, wie das in einigen Tariqas üblich ist, auch wenn er diese Praxis dennoch für nützlich hielt. Wenn ihm ebenso Wuquf Zamani (Zeitbewusstsein) und Wuquf ‘Adadi (Zahlenbewusstsein) weniger wichtig erschienen, hielt er im Gegenteil dazu

die Einhaltung von Wuquf Qalbi für das Wichtigste und Notwendigste, weil es die Zusammenfassung und Essenz der Absicht des Dhikr ist.

 

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Der älteste Sufi Anatoliens

von S. Levent Oezkan

Hadschi Bektasch Veli - ewigeweisheit.de

Hadschi Bektasch Veli war ein direkter Nachfahre des islamischen Propheten Mohammed (as). Vielen gilt er heute als Begründer des Alevitischen Glaubens. Als weiser Sufi führte er einst in Anatolien seine Anhänger zu einer außergewöhnlichen Mystik und verhalf so vielen unter ihnen, zur Erkenntnis ihres wahren Lebensweges.

Imam Ali ibn Abi Talib (600-661), kurz »Hazret Ali«, der vierte rechtgeleitete Kalif des Islam, Vetter und Schwiegersohn Mohammeds (as): Ihn verehren die Aleviten als »Freund Gottes« und als den ersten der zwölf Imame, der laut schiitischer und alevitischer Doktrin, direkt vom Propheten Mohammed (as) eingesetzt wurde.

In der spirituellen Ahnenreihe Alis, der Goldene Kette der Kraftübertragung (arabisch: Silsila), formte Hadschi Bektasch das 16. Glied. Die Aleviten verehren ihn bis heute, als ihren wichtigsten Heiligen. Ihnen gilt er als »Pir« (alt-persischer Ehrentitel), als spiritueller Meister. Manche sehen ihn gar als ihren Schutzheiligen, dessen Weisheiten, Werke und Lehren, auch über seinen Tod hinaus wirksam bleiben.

Sein Beinahme »Veli« ist ein islamischer Ehrentitel, der soviel bedeutet wie »Patron« oder »Verbündeter«. Das vorangestellte »Hadschi« aber ist ein muslimischer Titel für einen Menschen, der die Pilgerfahrt nach Mekka vollzogen hat – die Hadsch.

Das Leben Bektaschs

Nur spärliche Hinweise findet man heute über das Leben Hadschi Bektasch Velis. Er lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Auch wenn über sein genaues Geburtsjahr Uneinigkeit herrscht, gehen viele davon aus, dass er im chorasanischen Nischapur (im heutigen Iran) zur Welt kam, im Jahre 1210. Um 1270 soll er verstorben sein, in der Provinz Nevşehir, in einem Dorf namens »Suluca Karahöyük« (deutsch: Saftiger Schwarzer Hügel), der heutigen Kleinstadt Hacıbektaş, der man nach seinem Tod seinen Namen gab.

In dieser Stadt in Kappadokien befindet sich sein Mausoleum, zu dem jährlich tausende Aleviten pilgern, aus verschiedenen Provinzen der Türkei und aus dem Ausland – insbesondere am 16. August, dem Tag an dem man ihm in Hacıbektaş gedenkt.

Reise nach Westen

Bektasch war der Sohn des Ibrahim Sadi Bey, einem angesehenen Gelehrten und einem Stammesoberhaupt (türkischer Ehrentitel: »Bey«). In seiner Jugend erhielt er eine besondere Ausbildung, in deren Zentrum der mystische Islam stand. Man unterrichtete ihn jedoch auch in Philosophie, sowie in den Sozial- und Naturwissenschaften.

Bektasch war Mitglied der Yesevi-Bruderschaft, einem Sufi-Orden, der auf Hodscha Ahmed Yesevi (1103-1166) zurückgeht, welcher selbst ein direkter Nachfahre des Kalifen Ali gewesen war. Während der mongolischen Invasion Khorasans aber, wanderte Bektasch in Begleitung seines Bruders Mentes aus nach Anatolien.

Dort sollte Bektasch, mit seiner außergewöhnlichen Menschenliebe und Weisheit, auf viele Bewunderer treffen. Ihnen leistete er Hilfe in Seelenfragen und zeigte ihnen Wege, um zu sich selbst zu finden und dabei das eigene Leben zu verbessern – zum Wohle der Gemeinschaft.

In den folgenden Jahren erhielt er wegen seiner weisen Lehren regen Zulauf. So kam es, das dort, in dem kleinen Dorf Suluca Karahöyük (heute also Hacıbektaş), ein geistiges Zentrum entstand, wo Hadschi Bektasch seine Lehre unterrichtete. Diese spirituelle Begegnungsstätte glich einem Kloster, wo sich Schüler zahlreich um ihn scharten. Unter den ersten seiner Anhänger zählten Angehörige der turkmenischen Nomadenstämme, die sich in dieser Region niedergelassen hatten. Manche von Bektaschs Schülern wurden zu Wanderderwischen, die seine Sufi-Weisheiten und spirituellen Lehren in die Dörfer und Städte Anatoliens brachten.

Die Abhandlungen

Das Herz ist das Fenster zum Herrscher der Welten. Zwischen Allah und allen Dingen ist ein Schleier, aber zwischen Allah und dem Herzen des Menschen gibt es keinen.

Das Herz ist wie die Kaaba (in Mekka). Derjenige, der die Kaaba besuchen möchte, der mit dem Herzen dorthin läuft, sollte sich dort in Niederwerfung hinbegeben. Aus diesem Grund werfen sich die Liebenden mit dem Gesicht zur Erde nieder. Diejenigen, die die Kaaba besuchen, brauchen einen Führer. Der Koran ist ihr Reisebegleiter. Aber der Reisebegleiter derjenigen, die mit dem Herzen dorthin reisen, ist niemand anderes als Allah. Was Liebe genannt wird, das ist allein das göttliche Feuer Allahs, und die Stelle, an dem dieses Feuers brennt, ist das Herz derer, die angekommen sind.

- Aus den Makalat

Zu den Wanderderwischen des Bektaschi-Ordens zählte der türkische Mystiker Yunus Emre (1240-1321), der heute zu den wegweisenden Volksdichtern der osmanisch-türkischen Sprachtradition zählt. In unzähligen Gedichten hielt er die Lehren Bektaschis fest, die ihm aus dem inneren Kreis des Ordens vermittelt wurden.

Wie aus Hadschi Bektasch Velis Schrift – »Abhandlungen« (arabisch: Makalat) – hervorgeht, zählte wohl auch der persische Dichter und Wanderprediger Schams-i Tabrizi († um 1248) zu seinen Schülern. Er nennt ihn darin einen Suchenden, der schließlich in der türkischen Stadt Konya fündig werden würde. Und tatsächlich begegnete Schams dort seinem Schüler Dschalal ad-Din Rumi (1207-1273). Es war Tabrizi, der Rumi zu seinen mystischen Gedichten inspirierte, die heute in aller Welt bekannt sind.

Dass sich Hadschi Bektasch Velis Lehren, in einem so großen Schülerkreis verbreiteten, war der nicht unbedeutende Tatsache geschuldet, dass er im Gegensatz zu anderen Gelehrten seiner Zeit, nicht arabisch sondern türkisch gesprochen hatte. Was damals an mystischer Dichtung bekannt war, hatten die Weisen von einst, nur in persischer oder arabischer Sprache verfasst. Gewiss trug Bektaschs Wirken also ganz wesentlich dazu bei, dass sich das Türkische zur Kultsprache Anatoliens entwickeln sollte.

Neben den Makalat und der Schrift »Vilayetname«, auf die wir später noch eingehen werden, existiert heute eine Sammlung berühmter Erkenntnisse Bektaschs. Hiervon seien im Folgenden einige seiner Aphorismen erzählt:

Ohne zu wissen, führt das Ende des Weges in die Dunkelheit.

Glücklich ist, wer die Gedankenfinsternis erhellt.

Der Verstand sitzt im Kopf, nicht in der Krone.

Wer sich selbst nicht kennt, kann den Schöpfer nicht erkennen.

Was Du suchst, findest Du in Dir selbst, nicht in Jerusalem, nicht in Mekka.

Da ist ein Vorhang zwischen Gott und dem Herzen.

Betet nicht mit den Knien, sondern mit dem Herzen.

Rituelle Gebete machen keinen Menschen besser.

Taten zählen, nicht die Worte.

Was deine Seele quält, das tue niemanden an.

Halte rein deine Hände, deine Zunge, deine Lenden.

Lass uns eins sein, groß sein, lebendig sein.

Ermöglicht den Frauen eine gute Bildung.

Es gibt kein Gegeneinander von Gott und Mensch, sondern ein Miteinander in tiefer Verbundenheit.

Das wichtigste Buch zum Lesen ist der Mensch.

Gerechtigkeit bedeutet, Gott in all seinem Handeln zu erkennen.

Gute Menschen sind gut, unabhängig von Sprache, Religion oder Hautfarbe.

Das größte Wunder ist die Arbeit.

Diejenigen, die ohne Arbeit leben, sind nicht von uns.

Ein arbeitender Mensch denkt nicht böse.

Wissenschaft beginnt in der Wiege und endet im Grab.

Den Tod zu erreichen erfordert Geduld.

Schrein des Hadschi Bektasch Veli im Mausoleum von Hacıbektaş - ewigeweisheit.de

Schrein des Hadschi Bektasch Veli im Mausoleum in Hacıbektaş (Kappadokien, Türkei).

Die Bektaschi-Bruderschaft

Im Alevitentum fungierte Hadschi Bektasch Veli als Großmeister. Er half den Angehörigen dieser Konfession des Islam, als Bereiter eines Weges, der versucht den Suchenden zu vollkommenem Menschsein zu führen und ihn damit entsprechend zu einem »Insan Al-Kamil« zu machen. Manche nennen ihn daher einen »Brunnen der Erkenntnis« oder auch der »Erkenntnis Zenith«.

Später sollte er in Gebeten sogar als Heiliger verehrt werden. Wegen solch großer Wirkung auf seine Schüler, Gefolgsleute, wie auch spätere Bewunderer seiner Weisheit, gruppierte sich innerhalb des Alevitentums eine sufistische Ordensgemeinschaft: Die Bektaschi-Tariqa .

Bis heute ist die Tariqa (ein arabisches Wort für den spiritueller Weg den ein Sufis geht) der Bektaschis einer der einflussreichsten islamisch-alevitischen Derwischorden. Man trifft seine Mitglieder in Anatolien, doch insbesondere auch auf dem Balkan.

Da Hadschi Bektasch Veli selbst keinen Orden gegründet hatte, rief dazu auf, etwa 200 Jahre später, der Sohn einer serbisch-bulgarischen Prinzessin: Balım Sultan (1457-1517). Er war ein Derwisch der im damals osmanischen Dimetoka (heute Didymoticho, Griechenland) geboren wurde. Weil die ersten Mitglieder dieses Ordens vornehmlich Aleviten gewesen waren, gilt die Bektaschi-Tariqa, als eine Art Sufi-Weg des Alevitentums. Da aber bereits die Angehörigen alevitischer Konfession einer inneren Tradition folgen, nehmen die Bektaschis damit eine echte Sonderstellung ein im Kreise anderer Derwisch-Gemeinschaften.

Oberhaupt des Bektaschi-Ordens ist der Dede (auch: Dedebaba, deutsch: Großvater). Den nächsten Rang nimmt der Halifebaba ein, unter dessen Rang der Baba (deutsch: Vater) steht. Letzterer hat die Aufgabe als Prediger (Hodscha) und Seelsorger, sich um die Ordensmitglieder zu kümmern. Die mittlere Station ist die des Derwisch. Er kann wie der Baba verheiratet sein oder ein zölibatäres Leben führen. Am Ende der Hierarchie steht das initiierte Mitglied, der Muhib (deutsch: Liebender).

Die spirituelle Praxis der Bektaschi

Was im Orden der Bektaschi an religiösen Ritualen vollzogen wird, weicht von der islamischen Orthodoxie ab. So ist ihr Gebet etwa nicht an bestimmte Tageszeiten gebunden (wie die fünf traditionellen, am Sonnenstand ausgerichteten Gebete) und es ertönt auch kein Ezan (deutsch: Gebetsruf), um die Andacht anzukündigen. Vielmehr konzentriert man sich auf bestimmte Stunden am Abend, in denen die Arbeit ruht und die Gläubigen sich in kontemplativer Hingabe den Zeremonien des »Cem« (gesprochen: Dschem; ein aus dem Arabischen entlehntes Wort für die Versammlung) geistig öffnen können.

In diesem Ritus werden die Gläubigen durch Musik und gesungene Rezitation, in Begleitung der Saz (ein typisches Saiteninstrument), in die mystische Stimmung einer »Eins-Werdung« versetzt, in der alle Teilnehmer unterschiedslos und gemeinsam ihre Hände dem Schöpfer entgegenstrecken (genannt »El ele ve el hakka«, zu deutsch: Die Hand hingegeben der Hand, und die Hand der Gerechtigkeit Gottes übergeben).

In ihre spirituelle Praxis übernahmen die Bektaschi einen rituellen Tanz der Aleviten: Semah. Dieser Tanz steht für den physisch-geistigen Ausdruck der ewigen Wiederkehr allen Seins in der Schöpfung. Um sich dieser Wahrheit bewusst zu werden, drehen sich Frauen und Männer gemeinsam, in einem besonderen Tanz im Kreis (wie er ja auch bei den Derwischen Konyas getanzt wird), um damit symbolisch auf den Umlauf der Gestirne hinzudeuten – in gewissem Sinne also eine hermetische Entsprechung makrokosmischer Zyklen, die im Sein des Mikrokosmos eines Menschen, auf diese Weise mystisch nachempfunden werden.

Der Humor der Bektaschi

Der Zugang der heutigen Bektaschis zu Religion ist ein »Innerer«, wo man Frömmelei und Konservatismus nur wenig abgewinnt. Und das war wohl auch schon in den vergangenen Jahrhunderten so, wenn auch keiner behaupten würde, dass das, Hadschi Bektasch Veli selbst so formuliert hätte. Das seine Sicht auf das hier angedeutete Thema aber wohl ähnlich gewesen sein dürfte, dass wohl lässt sich leicht schließen, aus seiner offenen Haltung gegenüber seinen Mitmenschen.

Hieraus entstand das, was man heute als »Bektaschi-Witze« erzählt, wobei wohl viele davon nicht von den Bektaschi selbst ausgedacht wurden, sondern andere über sie erzählen. Einige davon zeigen aber die Macht die »spiritueller Humor« zu vermitteln vermag.

Am Anfang seiner Laufbahn, entschloss sich der neue Provinz-Gouverneur ein Gefängnis zu besuchen. Gemeinsam mit dem Oberwächter besuchte er darin jeden Insassen in seiner Zelle. Schnell kam er da zum Punkt und fragte: »Wieso wurden Sie inhaftiert?«

Fast jeder von ihnen antwortete, er sei vollkommen ahnungslos hier eingesperrt worden, da ihn jemand verleumdet hatte und man ihn dann unschuldig hinter Gitter brachte.

Doch da war auch ein Bektaschi, der in diesem Gefängnis als Häftling einsaß. Als auch ihn der Gouverneur auf sein Verschulden hin ansprach, erhielt er als Antwort: »Es war mein Fehler, und ganz sicher bin ich schuldig. Ich beging die Tat, da ich mich nicht unter Kontrolle hatte.«

Der Gouverneur befahl dem Wächter ihn sofort freizulassen und sagte: »Gebt diesem Burschen sofort die Freiheit, sonst wird er vielleicht noch alle anderen dazu bringen, ihre Schuld einzugestehen!«

Niemals käme ein Bektaschi auf die Idee, einen Menschen, den er für einen Scheinfrommen hält, mit Worten zu demütigen oder gar zu verletzen. Eher noch würde er sich über sich selbst und seine eigene Fehlbarkeit lustig machen.

Es war einmal, da wandelte ein Dede der Bektaschi-Derwische die Straße hinunter. Auf seinem Weg hielt ihn da ein Mann fest und stellte ihm diese Frage: »Sag mir Dede: Existiert Allah wirklich?«

Etwas verblüfft über diese Frage antwortete der: »Natürlich gibt es Allah!«

»Warum aber bist Du Dir da so sicher?« antwortete der Mann.

Worauf der Dede entgegnete: »Schau, ich bin achtzig Jahre alt, und seit achtzig Jahren rede ich mit Ihm und wie immer hat er das letzte Wort.«

Es kann passieren, das einer, der nur das Äußere seiner Religion sieht und einzuhalten versucht, von einem Bektaschi ganz humorvoll kritisiert wird. Zu eben solch einer Pointe findet die folgende Bektaschi-Erzählung, über die fünf Säulen des Islam:

Eines Tages kam es zu einem Streit, zwischen einem Hodscha (einem islamischen Religionslehrer) und einem Bektaschi-Derwisch. Der Hodscha fragte den Mann: »Wieviele Säulen des Islam gibt es?” worauf der Derwisch antwortete: »Es gibt nur eine!«

Darauf wurde der Hodscha böse und rief: »Hah! Nicht einmal kennst du die Säulen des Islam und prahlst damit ein Derwisch zu sein!«

»Moment mal, lass mich erklären, wie ich das meine,« antwortete der Bektaschi und fuhr fort: »Weißt Du, mir fiel in letzter Zeit auf, dass ihr Sunniten (die der normalen Tradition Folgenden Muslime) die Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) unterlasst und auch keine Zakat (Almosensteuer) zahlt. Nun, nicht alle von uns Bektaschis fasten im Monat Ramadan und die meisten von uns beten nicht einmal das Namaz (Pflichtgebet). Aber mal unter uns: Was bleibt da von den fünf Säulen des Islam noch übrig, als die Schahada (das Glaubensbekenntnis)?«

Und es ist eben die Schahada, mit der ein Muslim seinen Glauben bezeugt, indem er feierlich bekundet, dass es nur einen einzigen Gott gibt und dieser ist Allah.

Mausoleum von Hacıbektaş - ewigeweisheit.de

Eingang zum Mausoleum in Hacıbektaş (Kappadokien, Türkei).

Aus dem Vilayetname

Nach dem Tod Hadschi Bektasch Velis entstand das Vilayetname, ein Schriftwerk, in dem man die Legenden über sein Leben, lange nach seinem Tod niedergeschrieben hatte (entstanden etwa im 15. Jahrhundert).

In diesem Werk finden sich Details aus der Gründungszeit des Osmanischen Reiches (um 1299). Man liest darin von der Freundschaft Bektaschs zu Orhan Gazi, dem Sohn des Gründers der Osmanischen Dynastie und späterem Sultan des Osmanischen Reiches. Auch über seine Beziehungen zu Ahmet Yesevi ist darin die Rede, dem bereits oben erwähnten Sufi-Dichter und Gründer der Yesevi-Tariqa (einer Sufi-Bruderschaft).

Die im Vilayetname behandelten historischen Erzählungen, haben ihren Ursprung wahrscheinlich an verschiedenen Orten des Orient, die über die riesigen Regionen Zentralasiens, des Kaukasus, Anatoliens und des Balkans verstreut sind. Über Jahrhunderte gehörte das Vilayetname zu einer vielgelesenen Schrift der Anhänger Hadschi Bektaschs. Man findet darin die Beschreibung mehrerer Wunderereignisse, die einem der Hauptprotagonisten darin mit Bektasch widerfuhren: Seinem Lehrer Lokman Perende. Eine der Erzählungen aus dem Vilayetname soll dazu im Folgenden wiedergegeben sein.

Nachdem Lokman Perende von der Hadsch zurückgekehrt war, kamen die Erenler (die Heiligen) aus Khorasan, um ihm ihre Aufwartung zu gebieten. Als sie eine Quelle sahen, die in der Mitte des Mekteb (Schulanwesen) sprudelte, sagten sie: »Schon oft sind wir hier gewesen, doch haben noch nie eine solche Quelle hier gesehen.«

Lokman Perende antwortete: »Sie entstand durch den Segen von Hadschi Bektasch.«

Die Erenler fragten: »Wer ist dieser Hadschi Bektasch?«

Lokman Perende sagte: »Hadschi Bektasch Hunkar ist dieser Geliebte", und zeigte auf den jungen Bektasch.

Da sprachen die Erenler: »Der ist doch noch ein Kind. Wie um alles in der Welt könnte er ein Hadsch (einer der die Pilgerfahrt nach Mekka vollzog) werden?«

Lokman Perende beschrieb den Anwesenden alle Wunder von Hadschi Bektasch, eines nach dem anderen. Dann sprach er zu ihnen: »Während ich mein Gebet in der Kaaba verrichtete, war Bektasch immer da und betete neben mir. Wenn wir unser Gebet beendet hatten, war er auf einmal verschwunden.«

Die Erenler fragten: »Woher hat dieser Junge denn solch außergewöhnliche Fähigkeiten?«

Da öffnete Hadschi Bektasch seinen gesegneten Mund und sagte: »Ich bin das Geheimnis des erhabenen Imam Ali, der der Spender des Al-Kauthar ist (eines Flusses im Paradies) und der der Löwe Allahs ist, der Herrscher der Heiligkeit und der Befehlshaber der Gläubigen. Von ihm stammen meine Herkunft und mein Stammbaum ab. Diese vielen Wunder, sind das mir von Allah gewährte Geheimnis. Es sollte niemanden überraschen, dass solche Wunder von mir ausgehen, denn in ihm wirkt die Macht Allahs.«

Das Smaragdene Mal - ewigeweisheit.de

Die Erenler von Khorasan sagten: »Wenn du in Wirklichkeit das Geheimnis des Schahs (des Hazret Ali) bist, hat er besondere Zeichen. Zeig uns diese Zeichen, und wir werden glauben.«

Da sprach er zu ihnen: »Das Zeichen von Hazret Ali war dieses: In der Mitte seiner gesegneten Hand hatte er ein wunderschönes, smaragdfarbenes Mal.«

Hadschi Bektasch Veli öffnete darauf seine gesegnete Hand und zeigte ihnen seine Handfläche. Alle sahen, dass sich in der Mitte seiner Handfläche ein strahlendes, smaragdgrünes Mal befand.

Da sagten die Erenler: »Der Befehlshaber der Gläubigen hatte auch ein schönes Smaragdmal auf seiner gesegneten Stirn.«

Hadschi Bektasch nahm seien Kopfbedeckung von seinem Haupt und alle sahen ein göttlich leuchtendes, smaragdfarbenes Mal zwischen seinen Brauen. Alle Erenler baten um Vergebung und sagten: »O Derwisch der Derwische, wir haben uns schwer getäuscht.« Sie ergaben sich ihm und beteuerten: »Dies sind tatsächlich Wunder.«


 

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