Templer

Eine Chimäre in der Geschichte der Mystik: Bernhard von Clairvaux

von Johan von Kirschner

Bernhard von Clairvaux - ewigeweisheit.de

Um sich ein Bild zu machen, von dem französischen Mystiker und Heiligen Bernhard von Clairvaux, muss man ihn im geschichtlichen Kontext des 12. Jahrhunderts sehen. Europa befand sich damals in einer Phase gewaltiger Umbrüche. Wer in jenen Tagen an der Spitze der theologischen Geistesschulen stand, dessen Denken reflektierte unweigerlich die Verstimmtheit seiner Zeit.

Bernhard von Clairvaux setzte als Mönch und Prediger wichtige Zeichen, die auf die Geschicke der abendländischen Kultur direkten Einfluss ausübten. Viele schicksalhafte Fügungen, über die wir aus den Chroniken dieser Zeit erfahren, schienen auf sonderbare Weise mit Bernhard und den ihm nahestehenden Personen verquickt gewesen zu sein.

Es war die Zeit, als Nachrichten nach Europa kamen, über die Blüte einer fremden Hochkultur im Morgenland. Mathematik, Philosophie, Physik, Metaphysik, Medizin, Architektur und die schönen Künste, erlebten dort gerade ihr Goldenes Zeitalter und waren dem abendländischen Geistesleben in vielen Dingen überlegen. In Europa aber schien man davon nur zu ahnen – vielleicht aber auch nichts wissen zu wollen, denn die christlichen Heiligtümer von einst, bewachten jetzt die Fürsten jener unbekannten Religion, wo man angeblich einen Götzen Namens Mahomet anbetete. Das gemeine Volk wusste nicht, dass das kein falscher Gott, sondern der Prophet einer noch jungen Religion war, des Islam – in dem Juden und Christen das »Volk des Buches« genannt werden und die, wie auch Muslime, die spirituellen Nachkommen des Propheten Abraham sind. Sehr wahrscheinlich jedoch wusste Bernhard von Clairvaux sehr wohl wie es um diese Religion stand.

Zwischen Geistlichem und Weltlichem

Bernhard war ein frommer Mönch mit außergewöhnlichen spirituellen Fähigkeiten. Immer aber beschäftigten ihn auch weltliche Belange. Unzählige Widersprüche zankten offenbar im Verborgenen seiner Persönlichkeit. Als eigentlicher Verkünder des Friedens, führte er nicht nur die Christen seiner Zeit näher an ihren Glauben, sondern außerdem tausende Ritter, die wenn nötig, auch im Namen ihres Herrn sterben würden.

Bernhard wurde 1090 als Sohn burgundischer Adeliger geboren. Als er mit 22 Jahren seiner Familie erklärte Mönch zu werden, erstarrte sie in Fassungslosigkeit. Doch es kam noch besser, denn mit ihm zogen vier seiner Brüder ins nahegelegene Zisterzienserkloster Cîteaux ein. Auch viele seiner Freunde folgten ihm 1112 dorthin nach und wurden ebenfalls Mönche. Bernhard verstand es seine Mitmenschen ihrem wahren Wesen nach zu erkennen, sie so zu sehen wie sie wirklich sind, mit all ihren Anfälligkeiten und Versuchungen. Das schienen seine Zeitgenossen an ihm zu lieben und sich darum auch für seine spirituellen Ideen zu begeistern.

1115 entsandte der Abt des Klosters Cîteaux, Stephen Harding (1060-1134), Bernhard im Gefolge 12 anderer Mönche, nach Vallée d'Absinthe. Dort sollte er ein neues Kloster gründen, dem Bernhard den Namen Claire Vallée gab, woraus schließlich »Clairvaux« wurde.

Als Abt dieses neu gegründeten Klosters, verfasste Bernhard dort seine inspirierenden Schriften. Man könnte sagen, dass die Geschichte der Christlichen Mystik mit diesem Abt von Clairvaux begann. Seine persönliche Anziehungskraft, wegen der ihm schon seine Geschwister und Freunde gefolgt waren, sollte noch über größere Kreise hinweg wirken. Denn um den begnadeten Prediger von Clairvaux zu hören, besuchten Menschen aus ganz Europa sein Kloster. Wegen seiner bemerkenswerten Kenntnis der Heiligen Schrift, die er so wundervoll zu predigen vermochte, nennt man ihn auch den Doctor Mellifluus – den »honigfließenden Lehrer«.

Bernhard war im Stande auch die innere Bedeutung der Heiligen Schrift zu enthüllen, ihr Flügel zu verleihen und zum Leben zu erwecken. Er konnte auch in Anderen, die seine Predigten hörten oder lasen, ein wirkliches Empfinden der Bibeltexte entfachen. Doch dies gelang ihm nur, da das der echte Ausdruck seiner persönlichen Empfindung war – etwas, dass er an mystischer Erfahrung selbst erlebt hatte.

Im Mittelpunkt abendländischer Geisteskultur

Die Klöster Clairvaux und Cîteaux gediehen im 12. Jahrhundert zu einem spirituellen Zentrum, in dem die geistigen Kräfte des abendländischen Zeitalters zusammenliefen. Von hier aus prägte Bernhard von Clairvaux in seinem Wirken, ein halbes Jahrhundert europäischer Geschichte.

Sein gewaltiger Einfluss reichte in die Ränge des Vatikan und die Politik seiner Zeit. Er war Mentor von Päpsten und diente den Fürsten seines Landes als Berater. Aus dem Kreise seiner Familie stammte auch der Adlige Hugo von Payens (1070-1136) – der dann der erste Großmeister des Ordens der Templer sein sollte – für den Bernhard noch eine sehr wichtige Rolle spielte.

Die große Wirkung seiner spirituellen Betätigung, hinterlies ihre Spuren in den Gemütern ganz Europas. Dereinst sollte sogar der Papst ihn bitten, die Bildung eines der einflussreichsten Ritterorden der Geschichte voran zu treiben: Der Orden der Tempelritter. Seine Lobreden auf diesen christlichen Ritterorden und das Regelwerk das er für seine Mitglieder erschuf, sollte bald zum Ideal der abendländischen Aristokratie werden. Unter Bernhards Einfluss, gewannen die Templer immer mehr Mitglieder. Durch seine Predigt-Reisen rekrutierte er überall in Europa junge Adlige, die sich diesem neuartigen ritterlichen Mönchsorden anschlossen. Doch dazu später mehr.

Mystik des Heiligen Bernhard

Wenn man sich heute an Bernhard von Clairvaux erinnert, denkt man nicht zuerst an seine Kreuzzugspredigten, als eher an seine Spiritualität.

Bernhards Begabung als Mystiker war bemerkenswert. In 120 Predigten, die auch schriftlich niedergelegt wurden, schuf er einen Schriftkorpus, mit dem er die Angehörigen seines Ordens in das christliche Mysterium einweihte. Den wichtigster Teil seines Werkes bildet wohl das De Diligendo Deo – Über die Gottesliebe – und die Sermones super Cantica Canticorum – die Predigten über das Hohelied Salomos.

Seine Spiritualität stellte allerdings auch einen Gegenpol zur wissenschaftlichen Rationalität dar, die in der scholastischen Theologie, zu seiner Zeit viel Zustimmung fand.

Der Glaube der Frommen vertraut, er diskutiert nicht.

- Bernhard von Clairvaux

Statt das Wesen Gottes in einer Dialektik zu entzweien, versuchte Bernhard seinen Schülern das zu vermitteln, was man die Unio Mystica nennt, die mystische Liebesvereinigung der menschlichen Seele mit Gott. Dies gelang ihm in der sogenannten Brautmystik, die er aus den Versen des Hohelied Salomos entwickelte.

Für Bernhard bildete die menschliche Seele ein Ebenbild zu Gott. Dadurch war sie – und somit auch jeder Mensch – zur Unio Mystica mit Gott befähigt. Dank dieses angeborenen Seelenadels, bestand für jeden Menschen Zuversicht, durch seine Gottesliebe, den Wunsch nach Erlösung aus weltlichem Schmerz, letztendlich sich auch selbst erfüllen zu können.

Doch nicht jedem war diese hohe Form der Spiritualität zugänglich. Die in seinen Predigten verwendeten Gleichnisse, konnten darum den meisten seiner Zuhörer, nur eine erste Ahnung vom esoterischen Gehalt seiner Lehre vermitteln.

Hochzeit von Christus und der Kirche – ewigeweisheit.de

Die Mystische Hochzeit zwischen dem Christus und den Menschen der Gemeinde. Aus einem Buch des Herzogs von Berry (15. Jahrhundert).

Menschliche Seele - Göttliche Braut

In der wundervollen, liebeslyrischen Sprache des Hohelieds Salomos, erlebt der Leser einen erotischen Wechselgesang, wo es um die leidenschaftliche Hingabe eines Liebespaares geht: der jungen Königin von Saba und dem König Salomo. Der heilige Bernhard fand im Hohelied eine höhere Erzählebene, auf der er die ultimative Liebe zwischen Gott und seinem auserwählten Volk erfährt, was er letztendlich übertrug auf die Liebe zwischen Christus und seiner bräutlichen Kirchengemeinde.

Diese sogenannte Brautmystik, ist jedoch keineswegs nur allegorisch zu verstehen, sondern meint das betont körperbezogene Erleben des Lesers, während seiner Meditation über die Zeilen des Hohelieds. Es befähigt den Betenden, die darin verdichtete Weisheit in seinem Verstand so aufzunehmen, dass sie sich mit seinem emotionalen Empfinden auch tatsächlich begreifen lässt. Denn Bernhard galt Theologie nicht etwa nur als abstrakter Versuch die Wahrheit zu finden. Eher versuchte er durch seine Predigten tatsächlich seine Zuhörer auf einen spirituellen Pfad zu führen, wobei er durch seine mystische Sprache, in den Seelen aller Anwesenden, eine Liebe zu entfachen vermochte die ihnen gar das Empfinden einer heiligen Kommunion mit Gott vermittelte.

Inmitten seines Gebets träumt er (der Betende) von Gott. Was er da sieht ist (zwar nur) eine schummrige Spiegelung, kein Traumbild Auge in Auge. Doch selbst wenn es nur eine vage Ahnung ist, und kein echtes Sehen, vernimmt er den flüchtigen Anblick einer funkelnden Pracht vollkommenster Vorzüglichkeit, wobei er in Liebe entflammt und spricht: 'Von Herzen begehre ich dein des Nachts; dazu mit meinem Geist in mir wache ich früh zu dir (Jesaja 26:9).'

Eine Liebe wie diese ist voller Leidenschaft. Es ist eine Liebe, die die Freundin des Bräutigams wird, Liebe, die die treu ergebene und kluge Dienerin inspiriert, die der Herr für seine Familie (die Gemeinde der Kirche) bestimmt. […]

Letztendlich ist Gott selbst Liebe, und nichts Erschaffene kann befriedigen, den in Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen, außer dem, nur ein Gott der Liebe ist, der alleinig über allem Geschaffenen steht.

- Sermones super Cantica Canticorum (Predigten über das Hohelied) 18:6

Wie die erotische Kraft eines sehnsüchtig Liebenden, schirrte er in Anderen eine Fähigkeit an, die sie zur spirituellen Reflexion führte. Immer schon war die erotische Allegorie ein Mittel der Initiation durch das Wort, was etwa auch im Buch Genesis erfolgte, wo spirituelles Erkennen und der Akt körperlicher Liebe, als synonyme Ausdrücke verwendet werden (Genesis 4:1).

Lectio Divina: Gebet in Meditation

Einer der rituellen Bestandteile des täglichen Klosterlebens ist die meditative Gebetspraxis. Mönche lesen dabei aufmerksam bestimmte Abschnitte aus der Bibel, worüber sie dann meditieren. Hierzu wählt ein Mönch einen bestimmten Vers aus der Heiligen Schrift, zum Beispiel einen Psalm, den er beständig wiederholt und leise vor sich hinmurmelt. Während dieses Lesens vernimmt der Betende das Wort Gottes, über das er dabei meditierend nachsinnt und aus dem gelesenen Bibelvers eine Antwort auf diese Anrede Gottes erhält.

Die Aufgabe der Mönche besteht nun darin, während ihrer geflüsterten Bibellektüre, dem Klang ihrer Stimme nachzuspüren. Damit machen sie aus der Heiligen Schrift etwas Lebendiges. In der Kontemplation über das biblische Wort, bewegt sich die Seele des Meditierenden dabei in geistigen Dialog mit Gott.

In dieser intensiven Beschäftigung mit den Versen der Heiligen Schrift, werden sich die Mönche der tieferen Bedeutung des Wortes gewahr. Allmählich beginnt der Betende, der im Bibelwort enthaltenen Weisheit voll bewusst zu werden, fängt an, eine Art Süße aus dem Text herauszulesen. Er beginnt sozusagen zu schmecken, was er in der Heiligen Schrift liest, löst er in seiner Lektüre der Zeilen doch ein Mysterium.

Zu lesen, bedeutet auch einer Spur zu folgen. Einer Spur folgt auch der Winzer beim Lesen der Trauben vom Rebstock. Auch die Bienen in den Weinbergen folgen ihren Spuren, wenn sie die Blüten beehren. Ihre Lust ist es deren Nektar auszulösen, während sie sie bestäubt, damit in Zukunft auch die Nachkommen ihres Volkes wieder blüten aufsuchen werden.

Ein »Honigsammler« war auch der Heilige Bernhard, der den Spuren der Wörter der Heiligen Schrift folgte. Immer wieder sucht er ihre Buchstaben auf, um die darin enthaltene Süße auszulesen.

So wie Speise dem Gaumen süß ist, so schmeckt der Gesang der Psalmen dem Herzen. Doch die Seele, die inniglich weise ist, darf nicht unterlassen, ihn (den Psalm) sozusagen mit den Zähnen der Einsicht zu zerkleinern, denn wenn sie ihn in einem Brocken herunterschlingt, würde der Gaumen um den köstlichen Wohlgeschmack betrogen werden, der süßer ist als Honig der aus der Wabe fließt. Drum lasst uns beim himmlischen Gastmahle mit den Aposteln Honigwaben darbringen, auf die Festtafel des Herrn. Denn so wie Honig aus der Wabe fließt, soll aus der Schrift Ehrerbietung fließen (Hohelied 4:10f). Sonst nämlich, wenn du die Schrift ohne die Würze des Geistes hinunterschlingst, bleiben da nur Buchstaben toter Schrift zurück.

- Sermones super Cantica Canticorum (Predigten über das Hohelied) 7:5

Vom Schweigen über die Geheimnisse

Dem Heiligen Bernhard war bewusst, dass er in seinen Interpretationen gewiss Zurückhaltung wahren musste. Denn nicht jeder war mit dem angemessenen Bewusstsein ausgestattet, so großen spirituellen Themen wie der Heiligen Hochzeit, überhaupt gewachsen zu sein. Er wusste, dass das im Hohelied Salomos beschriebene Mysterium, durchaus vor Missverständnissen und Missdeutungen geschützt bleiben musste.

Bernhards in lateinischer Sprache verfassten Predigten über das Hohelied, waren nur jenen vorbehalten, die das nötige Bewusstsein besaßen, um seine Worte auch wirklich zu begreifen. Dazu gehörten wohl zuerst die Mönche des Klosters Clairvaux. Wen dann die Praxis der Lectio Divina, zu einem wahren spirituellen Leben befähigte, der brachte wohl auch die notwendige Verantwortung mit, die Bernhards Schriften ihren Lesern abverlangen.

Die Anweisungen, mit denen ich mich an euch wende, meine lieben Brüder, sollten sich von denen unterscheiden, die ich den Menschen in der Welt überliefere, zumindest die Art und Weise ist eine andere. Wer als Priester der Methode des Heiligen Paulus folgen will, gibt ihnen eher Milch zu trinken, als dass er ihnen feste Nahrung serviert (die sie nämlich nicht verdauen können) und serviert nahrhaftere Kost jenen, die spirituelle Erleuchtung erlangten: 'Und davon reden wir', so sprach er (der Heilige Paulus), 'auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen (1. Korinther 2:13).' Und wieder: 'Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen (1. Korinther 2:6)', in deren Gemeinschaft, davon bin ich überzeugt, man euch findet, es sei den, dass euere Studien der göttlichen Lehren nicht anhielten, euere Sinne verendet sind, und ihr Tag und Nacht im Sinnen über das Gesetz Gottes verbrachtet. Daher seid bereit dazu euch eher vom Brot zu nähren, als von der Milch. Salomon hat vortreffliches Brot für euch, dass gar köstlich ist. Es ist das Brot eines Buches, dass man das 'Hohelied' nennt. Lasst es uns brechen, wenn ich bitten darf, und so verkünden.

- Sermones super Cantica Canticorum (Predigten über das Hohelied) 1:1

Rosen vor die Säue – ewigeweisheit.de

Ausschnitt aus einem Gemälde Pieter Brueghel des Älteren: Die niederländischen Sprichwörter (1559). Hier wirft einer Rosen vor die Säue - verschwendet etwas Kostbares an Unwürdige.

Worauf sich Bernhard hier bezieht ist die Arkandisziplin: der Grundsatz, nur im Kreise Eingeweihter über Geheimnisse zu sprechen. Denn Esoterik darf nichts Profanes werden, nicht zu Allerweltlichem verkommen und

die Perlen nicht vor die Säue geworfen werden.

- Matthäus 7:6

Und doch kann der, der Geheimnisse durch Allegorien und Metaphern verkündet, sich einer möglichen Auskunft nicht ganz versagen. Doch was er weiß, sind die ihm gesetzten Grenzen, die ein Uneingeweihter nicht kennt. Der spricht was ihm sein Wunsch nach Wichtigkeit gebietet.

Auf der anderen Seite, ist die Wissbegierde der meisten Menschen doch eher oberflächlich. Ein Wissender sollte also zuerst versuchen, neugierige Fragen in ihrer Bedeutungslosigkeit zu entlarven. Denn je wissensdurstiger jemand auf esoterisches Wissen ist, desto mehr zeigt das seine spirituelle Unreife.

Jesus ließ die meisten Menschen über die Bedeutung seiner Gleichnisse im Unklaren. Nur im Kreise der Zwölf, machte er den Grund dafür bekannt:

Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Himmelreichs, diesen aber ist's nicht gegeben. Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9-10): 'Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist verfettet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlossen, auf dass sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, dass ich sie heile.' Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.

- Matthäus 13:11-1

Es bedarf einer gewissen Seelenhygiene, die ein Mensch erst im Laufe seines Lebens entwickeln muss – vorausgesetzt, er befasste sich über lange Zeit damit, was seinem Seelenleben gut tut. Erst dann ist einer dazu befähigt, aus seinem esoterischen Wissen anderen mitzuteilen. Es kann einer eben nur so weit andere führen, wie er schon selbst fortgeschritten ist. Was darüber hinausgeht, ist gefährlich – besonders dann, wenn einer zur Masse spricht. Wer ohne die entsprechende Erfahrung über die Bedeutung der Geheimnisse spricht, setzt damit nicht unbedingt seine eigene, gewiss aber die Sicherheit anderer aufs Spiel.

Du könntest alle Geheimnisse kennen, du könntest die Größe der Erde kennen, die Höhen des Himmels und die Tiefen des Meeres: Doch wenn du dich selbst nicht kennst, würdest du jemandem gleichen, der ohne Fundamente eine Ruine, statt eines Gebäudes errichtete. Alles was du außerhalb deiner selbst aufrichtest, wird wie ein Staubhaufen sein, der dem Wind preisgegeben ist. Keiner ist also weise, der nicht über sich selbst Bescheid weiß. Ein Weiser wird in Weisheit über sich selbst informiert sein, und er trinkt auch als Erster aus der Quelle seiner eigenen Wasserfülle.

- De Consideratione (Über das Nachdenken) II:3:6

Das schrieb Bernhard circa 50 Jahre nach dem ersten Kreuzzug. Papst Urban II. jedoch schien solchen Nachdenkens zu entbehren, als er 1095 zum Ersten Kreuzzug aufrief. Denn was sich damit von Frankreich in Richtung Palästina aufmachte, war ein unorganisierter Mob, gemeinen, ungebildeten Volkes.
Bereits in Ostfrankreich kam es zu Massenmorden an der jüdischen Bevölkerung. Solcher Art Pogrome zogen sich entlang der Kreuzfahrerroute bis in Heilige Land. Im syrischen Maarat an-Numan, sollte der Erste Kreuzzug seinen Höhepunkt an Grausamkeit annehmen, wo die barbarischen Kreuzfahrer in ihrer Hungersnot, sogenannte Ungläubige aufspießten und geröstet fraßen. Das berichtete der normannische Radulf von Caen (1080-1120) in seiner Kreuzfahrer-Chronik.

Ob der Heilige Bernhard von diesen Schreckenstaten wusste? Ignorierte er die Grausamkeiten und die unzähligen Menschen die auf dem Kreuzzug umkamen, auch die vielen Christen die aus Unwissenheit der Kreuzfahrer einen so erbärmlichen Tod fanden?

Abaelard und Heloise – ewigeweisheit.de

Abaelard und Heloise in einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert.

Wozu Bernhard außerdem fähig war

Die Äbtissin Heloise (1095-1164) vom französischen Frauenkloster Le Paraclet, könnte sehr wohl in Bernhards Werken und Wirken eine nicht unbedeutende Rolle eingenommen haben. Zu der nur fünf Jahre jüngeren Nonne, hatte Bernhard über lange Zeit Kontakt gepflegt und die beiden standen wohl auch in spirituellem Austausch.

Zwischen 1116-1118 traf Heloise den Mönch Pierre Abaelard (1079-1142). Er war zuerst ihr Lehrer, doch die beiden verliebten sich. Heloise wurde schwanger. Als Nonne aber war sie nun gezwungen ihr Kind im Geheimen zur Welt zu bringen. Abaelard wurde heftig bestraft. Viele Texte der Literatur des Hochmittelalters schrieben über diese verbotene, tragische Romanze.

In Briefen an Abaelard sprach Heloise interessanterweise auch das Hohelied Salomos an. Und da sie immer auch in Verbindung stand zu Bernhard von Clairvaux, liegt die Vermutung nahe, dass die Inspiration zu seinem Kommentar zum Hohelied, vielleicht auch mit ihr zu tun hatte. Dafür gibt es bisher keine genauen historischen Belege. Es bleibt also eine Vermutung. Bestätigt aber ist, dass Bernhard von der Liebesaffäre zwischen Heloise und Abaelard wusste. Doch nie sprach er darüber öffentlich.

Es scheint Bernhard aber gequält zu haben, von dieser Liebschaft zu wissen. Denn es war fast absurd, wie vehement er sich gegen die Lehren Peter Abaelards wandte. Der nämlich vertrat eine Philosophie der Vernunft, wo nicht-religiöse philosophische Techniken, zur Erklärung des Glaubensbegriffes zur Anwendung kamen. Das galt Bernhard als vollkommenes Absurdum. Denn jene mystische Liebe, die ein Gläubiger gegenüber Gott in der Unio Mystica erfährt, sei auch durch wissenschaftliches Hinterfragen nicht zu erklären. Abaelards Rationalismus und seine Mittel zur methodischen Wahrheitsfindung erschienen Bernhard darum einfach zwecklos. Für ihn war christlicher Glaube nur im Herzen zu erfahren. Bernhard glaubte, dass wer durch Verstandesdenken einen Beweis für die Existenz Gottes logisch herzuleiten gesuchte, nichts als nur den Teufel fand.

Bernhard erschien Abaelars Philosophie aber sogar als Angriff auf seinen christlichen Glauben. Und durch sein Drängen, verwarf die Katholische Kirche Abaelards Lehren sogar als Häresie, für die dieser vor dem Konzil von Sens (1141) der Ketzerei angeklagt wurde. Ein Gerücht behauptet, Bernhard hätte die Anwesenden trunken gemacht, um sie leichter zu ihrem Urteil gegen Abaelard zu bewegen. Schließlich verurteilte man Abaelard später zu einer Klosterhaft und ewigem Schweigen. Seine philosophischen Schriften wurden sogar öffentlich in Rom verbrannt!

Nach Abaelards Tod in 1142, führte Heloise als Äbtissin, noch für 20 Jahre das Kloster Paraclet. Trotz der Tragödie um Abaelard, hielt sie in dieser Zeit weiter Kontakt zu Bernhard von Clairvaux. Auf Heloisas Bitten hin wurde Abaelards Leichnam in ihr Kloster überführt, wo sie dann auf eigenen Wunsch, nach ihrem Tod neben Abaelard bestattet wurde.

Aufruf zum Zweiten Kreuzzug

Während all dieser Jahre schien das Heilige Land in sicherer Hand des dort residierenden christlichen Adels. Doch im Jahr 1144 wurde die Kreuzfahrerstadt Edessa erobert und fiel an die Türken. Der Emir Imad ad-Din Zengi (1087-1146) stürmte die Festungsstadt im Gefolge von 30.000 Soldaten. Er war der Legende nach ein Sohn der Markgräfin Ida von Österreich. Zengis Truppen mordeten alle Bewohner der Stadt in einem grausamen Gemetzel.

Die Nachricht von der Einnahme Edessas durch die Ungläubigen, zwang die Könige und Fürsten der anderen vier Kreuzfahrerstaaten (Königreich Jerusalem, Fürstentum Antiochia und die Grafschaft Tripolis) zum Handeln. Darum entsandte Prinz Raimund von Antiochien seinen Bischof Hugo von Jabala nach Rom, wo er 1145 Papst Eugen III. vom Fall Edessas berichtete. Einer der Anwesenden dabei war auch der deutsche Chronist Otto von Freising. Ihm erzählte Bischof Hugo in Gegenwart des Papstes, von einem nestorianischen Christen, der im fernen Osten als mächtiger Herrscher regiere: Priesterkönig Johannes von Indien. Er sollte ein Nachfahre eines der Heiligen drei Könige sein, der sich anscheinend mit einem riesigen Heer nach Jerusalem aufmachte, »vor nicht all zu langer Zeit« wie es hieß, um das Heilige Land vor der Hand der Ungläubigen zu erretten.

In diesem Jahr noch, rief Papst Eugen III. zum Zweiten Kreuzzug auf. Doch diesem Aufruf schienen nur wenige der europäischen Fürsten überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken. Darum wandte er sich an Bernhard von Clairvaux, seinen einstigen Lehrer: Er sollte den Kreuzzug predigen. Das weltliche Gepränge am päpstlichen Hof und all die politischen Machenschaften des Vatikan waren Bernhard allerdings zutiefst zu wider. Es muss ihn dennoch gedrängt haben, seine geistlichen Nachkommen, vor einem aus der Ferne bedrohenden Unbekannten zu schützen – vor einem fremden Gottesglauben, von dem keiner ahnte, wofür er eigentlich stand. Und so wurde Bernhard von Clairvaux auf einmal zum Organ des Vatikan und zum Prediger eines weiteren Kreuzzugs berufen. Er sollte den Eifer einer neuen Ritterschaft anschirren, durch seine Predigten und die von ihm verordneten Ordensregeln.

Bernhard wandte sich mit seinen Predigten aber gezielt an den Adel, um eine Wiederholung eines neuen Volkskreuzzuges zu vermeiden. Auf den Ritter-Haudegen von einst, sollten nun Tugenden und christliche Pflichten angewendet werden, um aus diesen alten Kämpen des Ersten Kreuzzugs, nun wahre Edelleute zu machen. Vor allem aber, und das hatte es bisher nicht gegeben, sollte dieser neue Orden in sich Rittertum und Mönchtum vereinigen.

Aus den Kreisen der Aristokratie, rekrutierte Bernhard die Mitglieder dieses neuen geistlichen Ordens, der vermutlich von Mitgliedern seiner Familie 1118 in Jerusalem ins Leben gerufen wurde. Denn einer der neun Gründungsmitglieder war Andreas von Montbard (1103-1156), ein Onkel Bernhards.

Tempelritter – ewigeweisheit.de

Der Orden der Templer: Mönchsritterschaft der Katholischen Kirche.

Bernhard von Clairvaux: Mentor des Templerordens

Unter den Heimkehrern vom Ersten Kreuzzug befand sich der französische Adlige Hugo von Payens, den man in Frankreich als Helden feierte. Er sollte erster Großmeister einer Gruppe von Edelleuten sein, die sich als Wächter des Jerusalemer Tempelbergs, zu einem außergewöhnlichen Orden organisierten. Sie nannten sich die »Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem«.

Für diesen neu gegründeten Orden sollte Bernhard von Clairvaux schon bald eine ganz bedeutende Rolle spielen. Denn auf Bitten von Hugo von Payens, verfasste Bernhard seine berühmte Mahnrede an die Templer.

Es ist gut möglich, dass sich Bernhard und Hugo von Payens schon begegnet waren, als Bernhard noch ein Kind war. Denn sowohl die Gründungsmitglieder der Templer als auch Bernhard von Clairvaux, stammten aus den selben Kreisen des mittelalterlichen Adels in Frankreich.


Alles was Bernhard in seinem Leben tat, geschah immer aus vollem Herzen. Wenn er nun also den Zweiten Kreuzzug predigte, schwelgte er dabei in der selben christlichen Überzeugung, wie in seinen Predigten vor seinen Klostergenossen. Er meinte sogar, dass im Namen Christi zu töten, keine Sünde sei.

Vielleicht wäre ihm zuerst lieber gewesen, dass sich durch seine Predigten mehr Menschen einem christlichen Klosterleben verschrieben hätten, doch naheliegender schien ihm in dieser Zeit, jene Vereinigung von Mönch- und Rittertum, was er in seiner Mahnrede an den Orden der Templer addressierte:

Aber wenn beide Menschen (Mönch und Ritter) in einer Person, ein jeder sich kraftvoll mit dem Schwert umgürten […], wer würde einen solchen nicht aller Bewunderung für höchst würdig erachten, zumal es sich ja um Außergewöhnliches handelt? Ein solcher ist jedenfalls ein unerschrockener Ritter, allenthalben gefeit; er umgibt seinen Leib mit der Rüstung aus Eisen, seine Seele aber mit der des Glaubens. Da er nun durch beiderlei Waffen geschützt ist, fürchtet er weder Teufel noch Menschen. Nicht einmal vor dem Tode fürchtet sich der, der sich zu sterben sehnt. Denn was könnte der im Leben oder im Tode fürchten, dem Christus Leben und Sterben Gewinn ist? […] Schreitet also sicher voran, ihr Ritter, und vertreibt unerschrocken die Feinde des Kreuzes Christi in der Gewissheit, dass weder Tod noch Leben euch von der Liebe Gottes trennen kann, die sich in Christus Jesus offenbart. In jeder Gefahr wiederholt für euch das Wort: 'Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn (Römer 14:8)'

- Aus dem Buch an die Tempelritter von Bernhard an Clairvaux

Unter der Führung Bernhards von Clairvaux fand am 13. Januar 1129 die Synode von Troyes statt, bei der auch Hugo von Payens und Andreas von Montbard anwesend waren. Hierbei erhielt der Templerorden seine offizielle Anerkennung durch die Katholische Kirche und bekam feste Ordensregeln. Zu diesen Regeln lieferte Bernhard einen ganz wesentlichen Beitrag. In der damit verfassten Urkunde wurde auch explizit auf die Anwesenheit von Payens und Montbard hingewiesen.

Nach dem Aufruf zum Zweiten Kreuzzug durch Papst Eugen III. begann dann nach 1145 Bernhards kirchenpolitische Vermittlertätigkeit. Dank seiner Unterstützung bei der Rekrutierung neuer Mitglieder, wurde aus dem erst winzigen Templerorden von gerade mal neun Mitgliedern, in nur kurzer Zeit eine ganze Armee! Es dürfte darum kaum verwundern, dass das großes Gefallen fand – sowohl im Vatikan als auch im europäischen Adel.

Ein versiegeltes Geheimnis

Mit dem bisher Gesagten, scheint Bernhard weit mehr als nur Mönch gewesen zu sein. Fast könnte man ihn als Vorboten eines neuen Zeitalters bezeichnen. Dann aber war er sicher eine Doppelgestalt – ein Prophet sowohl des Lichts wie auch der Finsternis.

Diese chimärenhafte Erscheinung Bernhards und sein Einfluss auf den Templerorden, führte in zeitgenössischer Literatur auf eine Unmenge an Verschwörungstheorien. Doch zu solchen Vermutungen kommt ohnehin sehr schnell, wer von den vielen Querverbindungen zu Kirche, Adel und Mysteriengeschichte erfährt, die einem gemeinsam mit dem Namen »Templer« begegnen.

Das liegt wohl daran, dass der Einfluss der Templer über zwei Jahrhunderte eine ganz wesentliche Rolle spielte, in der spirituellen und politischen Entwicklung der damals bekannten Welt. Auch die vielen Widersprüche, für die der Templerorden steht, gab manchem Anlass viel über die Geheimnisse dieser Bruderschaft zu spekulieren.

Eines der wichtigsten Themen die einem bei der Recherche immer wieder begegnet, ist die Frage, ob die Kreuzzüge, neben ihrem offiziellen Grund, auch eine okkulte Bedeutung hatten. Weit verbreitet ist eine Annahme, dass diese »Arme Ritterschaft Christi« Ausgrabungen im Tempelberg durchführte, um nach etwas zu suchen, dass sich einst unter dem Salomonische Tempel befunden haben soll. Worum es sich dabei handelte ist nicht endgültig klar.

Wie uns aus den Büchern der hebräischen Bibel überliefert wurde, stand im Heiligtum des Salomonischen Tempels eine heilige Lade, worin sich besondere Gegenstände befanden. Sie soll die Israeliten einst mit großer Macht ausgestattet haben. Damit nämlich teilten sie das im Buch Exodus beschriebene Schilfmeer und ließen mit der Kraft die aus dieser Lade strömte, die Mauern von Jerichon einstürzen.

Von Jerusalem aus, so wollen es manche Schriftsteller, sollte die Lade dann von Hugo von Payens nach Chartres in Frankreich gebracht worden sein, wo sie im Fundament der dortigen, neu gebauten gotischen Kathedrale integriert wurde. Dazu sandte sie angeblich Bernhard von Clairvaux aus, um das heilige Reliquium aus dem Heiligen Land nach Frankreich zu bringen. Sicher aber sollten die Templer im Heiligen Land von den Muslimen überhaupt die Bildung erhalten, solch umfangreichen Unternehmens überhaupt fähig zu sein.

Das die Templer tatsächlich sehr mächtig waren, bleibt unbezweifelt. Schließlich gründet sich auf ihrem bargeldlosen Zahlungsverkehr das moderne Bankenwesen. Das machte sie zur reichsten Organisation der gesamten damals bekannten Welt. Ihr Einfluss und ihr Vermögen war so groß, dass manch Monarch ihren Besitz neidisch beäugte. Da sie außerdem im Geheimen Rituale praktizierten, die nicht dem Regelwerk der katholischen Kirche entsprach, sollte das jenen Neidern dienen, sie dereinst wegen ketzerischer Machenschaften zu überführen. In Wirklichkeit aber waren diese nur auf den Besitz der Templer aus.

Seltsam nun, dass dieser Order ja überhaupt nur entstand, da die Katholische Kirche ihren Gläubigen einen Pilgerweg ins heilige Land schaffen wollte, worauf sie von den Mitgliedern der Templer beschützt wurden.

Einer der Hauptgründe für spätere Ahndungen gegen den Orden, war ihre Verehrung für einen Kopf mir zwei Gesichtern: das Janushaupt. In diesem Symbol blicken zwei Gesichter sinnbildlich in die Vergangenheit und in die Zukunft. Daher auch der Name des Monats Januar, der ja mit dem neuen Jahr beginnt, wo um den Jahreswechsel, Menschen quasi gleichzeitig auf das vergangene und auf das neue Jahr schauen.

Das Janushaupt nannten die Templer anscheinend auch Baphomet – ein Name, mit dem heute eine ganz und gar zwielichtige, teuflische Gestalt assoziiert wird. Baphomet entspricht »dem Tier« aus der Offenbarung Johanni, einer Chimäre aus gehörntem Engel, Mensch, Ziege oder Steinbock. Anscheinend galt den Templern dieses Wesen, wie auch das Janushaupt, als esoterisches Symbol für den Dualismus aller Dinge in der Welt, die immer als gemeinsames Ganzes betrachtet werden sollten. Wohl nicht zufällig, ist der Ziegenfisch, den die moderne Astrologie den »Steinbock« nennt, jenes Tierkreiszeichen, durch das sich die Sonne eben genau durch den Jahreswechsel zwischen Ende Dezember und Anfang Januar bewegt.

Nun ist auch bekannt, dass sich mit weißer und schwarzer Magie auch König Salomon befasste – jener König und Prophet, dessen Hohelied ja auch den Bernhard von Clairvaux in seinen Predigten verzückte. Wie die »Arme Ritterschaft vom salomonischen Tempel«, war auch Salomon laut Bibelurkunde, der reichste Mann seiner Zeit. Darüber lesen wir in der Bibel, im Ersten Buch der Könige. Darin ist die Rede von Salomos Goldbesitz der durch eine eigenartige Zahl beziffert wird (1. Könige 10:14), auf die auch das Buch der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 13:18) hinweist, wo sie sowohl die »Zahl eines Menschen«, wie auch die »Zahl eines Tieres« ist. Und dieses Tier eben scheint eigenartiger Weise, jenem, oben erwähnten Ziegenfisch verblüffend zu ähneln (Offenbarung 13:1).

Das solche Geheimnisse zu damaliger Zeit aber gegen die Templer verwendet wurden, wissen alle, die sich mit dem Ende dieser einstigen Mönchsritter befassen. Denn wie konnte es sein, dass ein Katholischer Ritterorden Christi, sich mit solchen Dingen beschäftigt? Nach außen hin waren sie die frommen Ritter Christi, doch im inneren Kreise vollzogen sie anscheinend genau das Gegenteil. Liegt hinter solchem Handeln ein höherer, okkulter Sinn?

Es scheint als wussten die Mitglieder des Templerordens ein Geheimnis in der Welt, dass den Gläubigen der weltlichen Christenheit nicht bekannt war. Sicher war es kein Zufall, wieso sich, schon in ihrer Erscheinung in der Geschichte, etwas abzeichnete, dass offensichtlich widersprüchlich war. Mindestens so widersprüchlich wie die Erscheinung Bernhards von Clairvaux – der als Abt die Liebe zu Gott predigte, dem Ritterorden der Templer aber überhaupt erst ermöglichte, so viele neue Mitglieder zu gewinnen, die auf einem neuen Kreuzzug im Namen Jesu Christi, vermeintlich Ungläubige im Heiligen Land töten sollten.

Anscheinend zeichnete sich der Templerorden aber eben genau durch solche Widersprüchlichkeiten aus. Denn um in den Orden aufgenommen zu werden, musste ein Ritter zuerst ein Armutsgelübde ablegen, doch schloss sich damit einem Orden an, der wegen seines immensen Reichtums berühmt war. Die Templer waren nach außen hin mit weltlichen Belangen beschäftigt, pflegten im Geheimen aber okkulte, diabolische Rituale. Sie waren zum einen asketische Mönche, zum anderen gehörten sie zu den gefürchtetsten Rittern ihrer Zeit.

Bernhard und auch die Tempelritter wussten anscheinend um Dinge, die dem Normalsterblichen nur schwer verdaulich sind. Nichteingeweihten bleiben sie bis heute ein Rätsel. Es wäre darum sehr unvorsichtig, vorschnell die Person des Bernhard von Clairvaux oder die Templer zu verurteilen – solange noch der eigene Wissenseifer, das Siegel Salomos verschlossen hält.

 

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Auf der Suche nach der Heiligen Bundeslade

von Johan von Kirschner

Zu den wahrscheinlich geheimnisvollsten Gegenständen des Altertums zählt die Bundeslade der Israeliten. Sie ist ein sonderbarer goldener Kasten, worin man einst die heiligsten Gegenstände des Judentums aufbewahrte – darunter die beiden Gebotstafeln vom Berg Sinai. Wer aber kennt ihren derzeitigen Aufbewahrungsort?

Mit dem Auszug aus Ägypten beginnt die sonderbare Geschichte eines Volkes, das mit dem Gott JHVH einen Bund schloss. Dies besiegelte das heiligste Relikt des Judentums: die Bundeslade.

Diese wundersame Truhe trugen die Israeliten 40 Jahre mit sich, während ihrer Wanderung über die Halbinsel Sinai. Die Bundeslade galt den Israeliten als Garant für die Gegenwart Gottes. Das klingt ja bereits an in ihrem Namen: er ist ein Hinweis auf den Bund, den Gott einst mit seinem »auserwählten Volk« geschlossen hatte. In der hebräischen Bibel lesen wir von Gottes Auftrag an sein Volk, dieses, wohl wichtigste Heiligtum des Judentums herzustellen:

Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer (Israels) Mitte wohnen.

- Exodus 25:8

Der angesehene Kunsthandwerker Bezalel fertigte aus Akazienholz die Bundeslade, als längliches, quaderförmiges Behältnis. Innen wie außen überzog er sie mit reinem Gold. An diesem kostbaren Behältnis, waren zwei vergoldete Tragestangen befestigt. Den Inhalt der Bundeslade verschloss eine besondere Platte, die die Israeliten den »Gnadenstuhl« nannten. Auf ihm befanden sich zwei goldene Cherubime (Engel), deren Blick sich auf den Inhalt der Lade richtete.

In dieser heiligen Lade befanden sich die beiden steinernen Gebotstafeln, der grünende Stab des Aaron und eine goldene Schale mit der heiligen Manna-Speise. All das waren, wie die Bibel schreibt, geheimnisvolle, übernatürliche Dinge, die die Israeliten von ihrem Herrn JHVH empfangen hatten – zu ihrem Schutz, zu ihrer Heilung.

Als das Volk Israel die Wüsten des Sinai verließ kam es in das verheißene Land Kanaan – ein vom Gott JHVH versprochener Ort »wo Milch und Honig fließen«. 

In diesem weiten Land kannten die Israeliten eine heilige Stelle, wo der Prophet Jakob einst lag und träumte. Er erhielt vom Erzengel Gabriel den Namen »Israel« und wurde damit zum Stammvater der Israeliten.

Da hatte er (Jakob) einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist, […] dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden und von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben.

- Genesis 28:11,22

Erwacht errichtete Jakob an dieser Stelle ein Felsmal, goß heiliges Öl darüber und nannte es »Beth El«: das Haus Gottes. An diesem Ort sollte dereinst die Bundeslade stehen, umgeben, von dem nur für ihren Zweck errichteten Jerusalemer Tempel. Dieses sakrale Bauwerk wurde dereinst vom berühmten König Salomo, dem Sohn Davids errichtet.

Und David, der König, stand auf und sprach: Höret mir zu, meine Brüder und mein Volk! Ich hatte mir vorgenommen, ein Haus (Tempel) zu bauen, da ruhen sollte die Bundeslade des Herrn (JHVH) und der Schemel seiner Füße unseres Gottes, und hatte mich geschickt, zu bauen.

- 1. Chronik 28:2

Der Salomonische Tempel zu Jerusalem

Der Jerusalemer Tempels fungierte als Aufbewahrungsort für die heilige Bundeslade. Mit Hilfe des phönizischen Königs Hiram von Tyros und des legendären Baumeisters Hiram Abiff, wurde das monumentale Bauwerk, wahrscheinlich im Jahre 957 v. Chr. auf dem Jerusalemer Berg Moriah (auch: Berg Zion) errichtet. Vorlage war das Mischkan, jene Stiftshütte, die auf dem Exodus durch den Sinai, den Israeliten als bewegliches Zeltheiligtum (Tabernakel) diente. Wie dieses Zeltheiligtum, war auch der Tempel in drei Bereiche aufgeteilt: Einen Vorhof, das innere Heiligtum und das darin befindliche, kubische gebaute Allerheiligste. Diese sakrale Architektur des Gotteshauses, diente dereinst auch als Vorbild beim Bau christlicher Kirchen. Man findet es noch heute, bei der Raumaufteilung christlich-orthodoxer Kirchen.

Das Allerheiligste des Jerusalemer Tempels befand sich wahrscheinlich genau an dem von Jakob (Israel) benannten Ort, Beth El. Hier musste die Bundeslade gestanden haben, auf jenem heiligen Fels, an dem er in seinem Traum die Himmelsleiter sah, woran die Engel auf- und niederstiegen (Genesis 28:11).

Nur den Kohanim (sing. Kohen), den israelitischen Hohepriestern, war gestattet sich im Allerheiligsten des Tempel, der heiligen Bundeslade zu nähern. Gemäß biblischer Legenden, ging von diesem Objekt eine besondere Kraft aus und gewiss besaß es eine Schutzfunktion. So lesen wir über die Bundeslade im dritten Kapitel des Buches Josua, das priesterliche Träger mit der Bundeslade den Jordan teilten, damit ihn das Volk im Trockenen durchqueren konnte. Doch niemand als die Hohepriester waren befugt die Lade zu berühren. Wer es dennoch tat, starb (2. Samuel 6).

Josua führte die Bundeslade später zur Jebusiter-Stadt, wo durch ihre Gewalt und das Stoßen der Schofarhörner (Trompeten), die Mauern Jerichos einstürzten. Auch im Krieg gegen die Philister führte das israelitische Heer die Lade mit sich.

Auch wenn der Gott JHVH unter dem Volk Israel, in diesem Objekt gegenwärtig war, und es durch seinen Anwesenheit schütze, blieb dennoch ihr Aufbewahrungsort, der Salomonische Tempel zu Jerusalem, nicht verschont. Ende des 6. Jhd. v. Chr. plünderten Krieger des Nebukadnezzar den Tempel, zerstörten ihn, verwüsteten ganz Jerusalem und deportierten die Juden nach Babylon. Seither gilt die Bundeslade als verschollen. Brachten die Babylonier die Bundeslade vielleicht fort, als Beute, um sie in einem ihrer sagenhaften Türme aufzustellen?

Bis heute herrscht Uneinigkeit darüber, wo sie tatsächlich aufbewahrt wird oder ob sie überhaupt noch existiert. Wie wir später aber noch sehen werden, gibt es viele Millionen Menschen, bei denen über den Verbleib dieses heiligen, magischen Artefakts, überhaupt kein Zweifel besteht.

Moses und Josua vor der Bundeslade - ewigeweisheit.de

Moses und Josua beten an der Bundeslade. Gemälde von James Jacques Joseph Tissot (1836-1902).

Der zweite Tempel und der Schrein Qubbat As-Sachra

Nach 72-jähriger babylonischer Gefangenschaft, kehrten die Israeliten zurück in ihr Land. Dort errichtete Serubbabel, ein Vorfahre des Jesus von Nazareth, in Jerusalem einen neuen, zweiten Tempel, auf dem Fundament des alten Tempels. Im diesem neu errichteten Sakralbau, der später vom griechischen König Herodes großzügig erweitert wurde, stand im Allerheiligsten nur ein Altar, worauf sich ein Leuchter befand an dem ein ewiges Licht brannte.

70 n. Chr. wurde auch dieser Tempel, im Jüdischen Krieg von den Römern zerstört. Was blieb war die westliche Mauer: die heutige Klagemauer der Juden.

638 n. Chr. zog Kalif Umar ibn al-Chattab in das von den Muslimen eroberte Jerusalem ein. Er führte im selben Jahr die islamische Zeitrechnung ein. 56 Jahre später, im Jahr 72 islamischer Zeitrechnung, errichtete Kalif Abd al-Malik ibn Marwan, auf dem Jerusalemer Tempelberg den Felsendom – arabisch Qubbat As-Sachra (»Kuppel über dem Felsen«) – direkt über jenem Felsen, an dem Jakob einst seine Traumvision von der Engelsleiter hatte. Von diesem Stein aus machte der islamische Prophet Mohammed (a. s.) in einer Traumvision, seine nächtliche Himmelsreise (Al-Miradsch) entlang einer Engelsleiter:

Gepriesen sei der, der bei Nacht seinen Diener von der heiligen Moschee (Mekka) zu der fernen Moschee (Jerusalem), deren Umgebung wir gesegnet haben, hinführte, auf dass wir ihm einige unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, er ist der Allhörende, der Allsehende. [...] sie ist von Allah, der über die Himmelsleiter verfügt. Die Engel und Gabriel steigen zu ihm auf in einem Tage, dessen Ausmaß fünfzigtausend Jahre beträgt.

Suren 17:1, 70:3-4

Über 400 Jahre hüteten muslimische Herrscher den heiligen Schrein (Felsendom) auf dem Gipfel des Berges Moriah. Mit dem Jahr 1099 sollte sich alles ändern. Papst Urban II. rief auf zum Kreuzzug nach Jerusalem und die Stadt fiel an christliche Eroberer. Das junge christliche Königreich Jerusalem, nahm aber einen schrecklichen Anfang: Bei der Eroberung des Tempelberges mordeten Kreuzritter unzählige Menschen, ganz gleich ob Jude, Christ oder Muslim – angeblich im Namen Jesu Christi. Schutzsuchende, die sich im Felsendom versteckten wurden regelrecht abgeschlachtet. Knietief, so die Legende, standen die Schlächter im Blut ihrer Opfer, dass auch über jenen heiligen Felsen floss, wo einst die Bundeslade stand.

Pilgerfahrten nach Jerusalem

Jetzt glaubte man, sei der Weg ins heilige Land von den angeblich »ungläubigen« Muslimen befreit, um die Pilgerscharen christlicher Adliger und Kleriker nach Jerusalem bringen zu können. In der Tat bestand seit dem 12. Jhd. in europäischen Städten eine große Nachfrage. Das Pilgerwesen war im Mittelalter eines der bedeutenden Phänomene, schließlich ermutigte die Kirche ihre Gläubigen dazu immer wieder.

Eine Pilgerreise nach Jerusalem dauerte aber oft viele Monate und war mit Strapazen verbunden, auch dann, wenn man den letzten Abschnitt der Reise, auf einem Schiff verbrachte. Außerdem waren solche Reisen immer gefährlich. Keiner war sich sicher, ob er seine Verwandten und Freunde jemals wiedersehen würde. Auf den Landrouten lauerten Räuber, Wegelagerer und gefährliche Tiere.

Trotzdem stieg die Nachfrage, so dass sich neue Ritter-Gesellschaften gründeten, die sich zum Geleit der Reisenden anboten. Sie gewährleisteten Pilgern eine sichere Reise ins Gelobte Land. Einer der ersten und wichtigsten dieser Orden, waren die Ritter des Heiligen Johannes. Später, im Hochmittelalter (11. bis 13. Jhd.), verwandelte sich eine der Ritter-Organisationen, in ein regelrechtes Reiseunternehmen, mit einem eigens dafür geschaffenen Bank- und Handelswesen: die Templer. Ursprünglich hatte sich der Templerorden aber einem erhabeneren Ziel verschrieben, als nur Pilger nach Jerusalem zu bringen.

Hugo von Payns - ewigeweisheit.de

Hugo von Payns (1070-1136): Gründungsmitglied und erster Großmeister der Templer.

Die arme Ritterschaft des Salomonischen Tempels

1104 unternahm der französische Adlige Hugo von Payns eine Pilgerreise nach Jerusalem. Eine weitere Reise folgte in 1119, auf der ihn acht Rittergenossen begleiteten. Auf seiner ersten Reise muss Hugo von Payns wohl mit König Balduin I. von Jerusalem zusammengetroffen sein, denn er gab später den neun Rittern großzügig Unterkunft, in einem Palast, an der Südseite des Felsendoms. Den Felsendom beanspruchte Balduin im Übrigen für sich als Wohnsitz.

Im Wunsch die Geheimnisse dieses Ortes zu ergründen, kamen die neun bescheidenen Adligen zu ihrem Namen: »Die arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem«.

Fast sieben Jahre lebten und arbeiteten die französischen Edelmänner an diesem einzigartigen Ort. In dieser Zeit verließen sie den Ort wohl kaum ein einziges mal. Auch jedem Fremden verweigerten sie den Zugang. Hatten sie etwas zu verheimlichen?

In den 1980er Jahren fand ein Forscherteam, um den Archäologen Meir Ben-Dov, bei Ausgrabungen auf der Südseite des Tempelberges, einen unterirdischen Tunnel. Das war unterhalb jenes Ortes, wo sich die Residenz der Templer befand. Über diesen Gang, konnten die Templer Jerusalem wahrscheinlich unbemerkt verlassen. Was bei den Ausgrabungen jedoch ausblieb, war die Feststellung, wohin unter dem Tempelberg der Tunnel letztendlich führte, da der unterirdische Gang, ab einem bestimmten Abschnitt, Geröllblöcke versperren.

Gemäß der israelischen Archäologen aber stand fest: Templer gruben und befestigten diesen Tunnel. Anscheinend wussten sie, dass sich im Tempelberg einst etwas befand, dass für die Israeliten, insbesondere König Salomon, von allerhöchster Bedeutung war. Woher aber wussten sie davon?

Der Grundstein des Tempels

Wir hatten bereits über den Felsblock gesprochen, der sich im Zentrum des Felsendoms befindet. Die Juden nennen ihn den »Grundstein« (hebr. Even ha-Shetiyyah). An dieser Stelle soll sich nun ja das Allerheiligste des Salomonischen Tempels befunden haben, der Platz an dem die Bundeslade stand. Vermutlich glaubten Hugo von Payns und seine Begleiter, die Bundeslade wäre noch immer dort, nur versteckt, in einer geheimen Gruft im Tempelberg. Doch suchten die Templer vielleicht noch nach etwas anderem? Oder gründete Hugo von Payns den Templerorden überhaupt nur, um die Bundeslade aufzufinden und durch ihren Besitzt Macht und Ruhm zu erlangen? Wohl kaum hätte sich der Aufwand gelohnt, ein solch all zu weltliches Verlangen zu befriedigen.

Fest steht: weder von Payns, noch seine Nachfolger, hatten jemals die Bundeslade gefunden. So zumindest hat es den Anschein, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Waren er und seine Begleiter also gescheitert? Es bleibt auf jeden Fall ungeklärt, ob sie bei ihren Grabungen im Tempelberg, nicht auf andere, höchst wertvolle Dinge stießen – Dinge, aus denen sie vielleicht ihr einzigartiges Wissen bezogen.

Ausdehnung des Templerordens

Ab 1126 öffneten die Gründungsmitglieder des Templerordens ihre Tore für neue Mitglieder. Wären die Templer in Jerusalem tatsächlich gescheitert, wieso dann dehnte sich der Orden, nur fünf Jahre nach seiner Gründung, immer weiter aus? Anwärter aus ganz Europa, aus adligem europäischem Hause, strömten dem Kern der Bruderschaft zu. Man beschenkte den Orden mit Geld, Gütern und prachtvollen Gebäuden, was seinen Einflussbereich natürlich immer weiter ausdehnte. Wie ein Magnet schien der Orden zu wirken, auf die Reichtümer von Klerus und Adel. Papst Innozenz II. verlieh ihnen später sogar das Privileg, in Europa eigene Kirchen zu bauen. Ganz erfolglos schien das Werk von Hugo von Payns, auch wenn er die Bundeslade nicht fand, also anscheinend doch nicht geblieben zu sein.

Mit dem Jahr 1150 beendeten die Templer ihren Dienst als Begleiter der Pilger. Stattdessen führten die »armen Ritter Christi« ein ausgeklügeltes Bankenwesen ein. Pilger konnten nun in einer der europäischen Templer-Niederlassungen Geld einzahlen, erhielten dafür einen Kreditbrief, den sie in Jerusalem einlösten, um dann in der Ferne über ihr Geld zu verfügen. Dieses Finanzsystem, der Vorläufer des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, machte die Tempelherren unglaublich reich. Von den enormen Einnahmen, die sie auf diese Weise erzielten, finanzierten die Templer den Bau von Kirchen und Festungen. In Europa waren ganze Stadtgebiete im Besitz der Templer – man denke etwa an den Tempel-Bezirk, in der City of London oder den Berliner Tempelhof.

Geheimwissen der Templer

Um Kirchen und Festungen zu bauen, benötigt man besondere handwerklich-technische Fähigkeiten und ein ausgezeichnetes architektonisches Wissen. Sicherlich hatten die Templer keine Architekten beauftragt, die außerhalb ihres Ordens standen. So jemanden hätte man außerdem erst einmal finden müssen, da die hohen Kenntnisse der Templer zu damaliger Zeit wirklich einzigartig waren. Fanden Hugo von Payns und seine Begleiter, bei ihren Grabungen im Jerusalemer Tempelberg, womöglich alte Dokumente, woraus sie ihr außergewöhnliches Wissen bezogen? Sicher wurden Bauwerke, wie etwa die Kathedrale von Chartres in Nordfrankreich, nicht von gewöhnlichen Architekten erbaut. Gut möglich, dass diese Kirche von den Templern erbaut wurde.

Unbestritten ist, dass die Templer über ein Spezialwissen in höherer Geometrie verfügten. Nur so konnten sie ihre architektonischen Meisterleistungen verwirklichen. Das zeigen uns die von ihnen erbauten Kirchen und Festungen in Europa und dem Nahen Osten. Ihre Kenntnisse und mysteriösen Riten, scheinen außerdem übergegangen zu sein, auf die im 15. Jhd. gegründeten Logen (Bauhütten-Organisationen) von Baumeistern und Steinmetzen. Diese alten Logen-Bruderschaften waren die Urväter jener, die heute unter einem geheimnisumwobenen Namen zusammengefasst werden: die Freimaurer.

Bis heute bewahren Freimaurer-Bruderschaften ein besonderes Geheimnis, das, so heißt es, aus sehr alter Zeit stammen soll. In der freimaurerischen Legende vom Bau des Salomonischen Tempels, ist in diesem Zusammenhang eine Person von zentraler Bedeutung: Hiram Abiff. Er spielt im heutigen dritten Grad des Freimaurersystems, dem Meistergrad, seine besondere Rolle. 

Hiram Abiff war ein Nachkomme aus dem Geschlecht Kains. Er war der mythische Meister-Architekt des ersten Jerusalemer Tempels. Man nennt ihn auch den »Sohn der Witwe«, ein Titel den er anscheinend aus viel älterer Zeit erbte, wohl vom ägyptischen Lichtgott Horus. Es sollte diesem geheimnisvollen Baumeister aber ein sehr bedauerliches Schicksal ereilen. In ihren listigen, dunklen Machenschaften, wollten ihm drei Maurergesellen gewaltsam ein Geheimnis entreißen. Gewiss ähnelt diese Geschichte von Hiram Abiff, dem alt-ägyptischen Mythos um den Gott Osiris. Aus ähnlichem Grund wurde er von Seth, dem alt-ägyptischen Gott der Finsternis, durch eine Tücke ermordet. Damit steht Hiram Abiff in der Tradition einer noch viel älteren Meisterkunst, die aus jener Zeit stammt, wo man die große Pyramide von Gizeh erbaute – dem Ur-Archetyp aller Tempelbauten.

Die Königin von Saba - ewigeweisheit.de

Die Königin von Saba - Wandgemälde aus der äthiopischen Königsstadt Lalibela.

Salomon und die Königin von Saba

In der Legende vom Tempelbau, war nun also Hiram Abiff Baumeister unter König Salomo. Dieser baute für ihn den ersten Tempel zu Jerusalem.

Und der König Salomo sandte hin und ließ holen Hiram von Tyrus, einer Witwe Sohn [...] der war ein Meister im Erz, voll Weisheit, Verstand und Kunst, zu arbeiten allerlei Erzwerk. Da er zum König Salomo kam, machte er alle seine Werke.

- 1. Könige 7:13-14

Diese Legende ist Grundlage der Freimaurerei. Sie spricht von einer sagenhaften Fürstin, die einst Jerusalem besuchte. Das ereignete sich eben zu jener Zeit, wo Salomon den ersten Tempel erbaute. In der hebräischen Bibel nennt man sie die Königin von Saba. In ihrer äthiopischen Heimat erfuhr sie von Salomons großer Weisheit. Sie wollte ihm darum selbst begegnen und reiste mit ihrem Hofstaat und vielen kostbaren Geschenken nach Jerusalem. Wie außerbiblische Legenden beschreiben, verliebten sich die beiden Fürsten ineinander. Das ist für unsere nachfolgenden Betrachtungen von Bedeutung.

Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. Süßer als Wein ist deine Liebe. Köstlich ist der Duft deiner Salben, dein Name hingegossenes Salböl; darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen! Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein. Dich liebt man zu Recht. Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, wie Salomos Decken.

- Hoheslied Salomos 1:2-5

Mit der hier erwähnten »schönen Schwarzen«, kann der Verfasser des Hoheliedes, der Überlieferung nach Salomon selbst, durchaus auf jene sagenhafte Königin angespielt haben. Vielleicht war es Salomons weise Poesie, wie auch seine Herrscherqualitäten, die die Königin anzogen. Darauf zumindest verweist, in manchen Teilen, die hebräische Bibel. Es schien für die sabäische Fürstin aber Grund genug gewesen zu sein, eine Reise nach Jerusalem zu wagen. Dort wäre sie wohl ganz und gar der Liebe König Salomons verfallen, wäre ihr nicht der wundersame Baumeister des Jerusalemer Tempels begegnet – so zumindest will es der freimaurerische Mythos.

Die Tempellegende der Freimaurer

Als die Königin eines Tages die Baustätte des Tempels besuchte, war sie tief von diesem imposanten Bauwerk beeindruckt. Unbedingt wollte sie seinen geheimnisvollen Architekten kennenlernen. Zögernd gewährte ihr Salomon den Wunsch. Sie sah Hiram Abiff auf einem behauenen Quader stehen, als er ein geheimnisvolles Symbol in die Luft zeichnete, worauf all seine Arbeiter zu ihm gelaufen kamen. Das beeindruckte die Fürstin und als Hiram ihren suchenden Blick erwiderte, erbebte ihr Inneres. König Salomon glühte vor Eifersucht und ersann sich einen Plan, wie er seinen Nebenbuhler aus dem Weg schaffen könnte und ließ ihn, durch drei seiner Maurer-Gesellen ermorden.

Diese drei Gesellen aber waren sehr eitel und eigentlich auf das Geheimnis aus, dass Hiram Abiff offensichtlich bei sich trug: ein Meisterwort. Wer es kannte, so hofften sie, könne mit einem höheren Werklohn rechnen. Gemäß anglo-amerikanischer Freimaurerei aber, sollte ihnen Hiram Abiff wegen ihrer Unreife, das besondere Geheimnis niemals verraten.

Anders im schottischen Freimaurer-Ritus: Nach der Ermordung des Baumeisters, ordnete König Salomon an, den Leichnahm Hiram Abiffs in einer Kammer unter dem Tempel zu begraben. Sein Geheimnis aber sollten seine Freimaurergenossen in seinen Grabstein meißeln. Demgemäß war das verloren geglaubte Geheimnis im Tempelberg verborgen und so vielleicht für die Nachwelt erhalten. Wenn die Legende dieses Ritus nun auf Tatsachen beruht, stellt sich die Frage, ob es dieses Geheimnis war, wonach Hugo von Payns und seine Gefährten im Innern des Tempelberges gruben.

Die verlorene Bundeslade

Wenn der Salomonische Tempel gebaut wurde, um die Bundeslade aufzubewahren, was geschah dann mit dem Heiligtum nach der Zerstörung des Tempels?

Sicher ist, dass die Israeliten nach der Zerstörung Jerusalems, dort nicht bleiben konnten. Viel weniger noch, hätten sie die Bundeslade mit ins babylonische Exil nehmen können. Das zweite Buch der Makkabäer allerdings, verweist ganz deutlich auf ihren Verbleib:

So stand das auch in derselben Schrift, dass der Prophet nach göttlichem Befehl sie geheißen habe, dass sie die Hütte des Zeugnisses und die Bundeslade sollten mitnehmen. Als sie nun an den Berg kamen, darauf Mose gewesen war, und des Herrn Erbland gesehen hatte, fand Jeremia eine Höhle; darein versteckte er das Stiftszelt (Tabernakel) und die Bundeslade und den Altar des Räucheropfers, und verschloss das Loch. Aber etliche, die auch mitgingen, wollten sich das Loch merken und zeichnen, sie konnten es aber nicht finden. Da das Jeremia erfuhr, strafte er sie und sprach: Diese Stätte soll kein Mensch finden, noch wissen, bis der Herr sein Volk wieder zuhauf bringen und ihnen gnädig sein wird. Dann wird es ihnen der Herr wohl offenbaren; und man wird dann des Herrn Herrlichkeit sehen in einer Wolke, wie er zu Zeiten des Moses erschien, und wie Salomo bat, dass er die Stätte wollte heiligen.

- 2. Makkabäer 2:4-8

Da die beiden Bücher der Makkabäer aber nicht Teil des hebräischen Bibelkanons sind, wird diese Geschichte von orthodoxen Juden nicht als authentische Quelle anerkannt. Anders katholische und orthodoxe Christen (nicht jedoch Protestanten): sie sehen in den Makkabäer-Büchern authentische Schriften. Demnach ist die Bundeslade im Berg Nebo versteckt. Das war jenes Gebirge, von wo aus Moses einst das gelobte Land Kanaan erblickte, doch dort auch verstarb.

Der Ruhm der Könige Äthiopiens

Es gibt eine andere, sehr faszinierende Auslegung der heiligen Schriften, wie wir sie in einem Buch der äthiopisch-orthodoxen Christen finden. Dieses Buch, dass im Jahre 1225 in koptischer Sprache verfasst wurde, trägt den Titel »Kebra Negest« – zu deutsch: »der Ruhm der Könige«. Äthiopische Christen sehen darin eine authentische Darstellung von der Begegnung der Königin von Saba und König Salomon. Sie sollten laut diesem Buch, einen gemeinsamen Sohn gehabt haben, dessen Schicksal eng mit dem der heiligen Bundeslade verbunden ist – so will es das Kebra Negest.

Im Kebra Negest fließt die Weisheit verschiedener alter Schriften zusammen, wozu unter die beiden biblischen Testamente zählen, rabbinische Überlieferungen, das äthiopische Henochbuch, wie auch die apokryphe Schrift der Schatzhöhle (verfasst im 4. Jhd. n. Chr. von Ephrem von Edessa).

Es war von Gott vorherbestimmt, dass die Herrschaft des judäischen Herrschergeschlechts (David, Salomo) einst auf Äthiopien übergehen solle. So zumindest will es das Kebra Negest. Doch auch die Psalmen Davids deuten darauf hin:

Äthiopien wird seine Hände ausstrecken zu Gott.

- Psalm 68:32

Während sich ältere Überlieferungen aus Bibel und Koran (Lukas 11:31, Sure 27:22-44, 1. Könige 10:1-13) nur auf einige Verse beschränken, beschreibt das Kebra Negest in mehreren Kapitel, ausführlich über die Zusammenkunft der sabäischen Königin mit König Salomon. Außerdem ist darin, wie bereits angedeutet, die Rede von einem gemeinsamen Sohn, die Königin später in Äthiopien zur Welt brachte: Menelik. Er sollte zum Stammvater des äthiopischen Königsgeschlechts werden, dass man wegen seines Ursprungs die Salomonische Dynastie nennt. Diese Fürstenfamilie stellte von 1270 bis 1974 die Kaiser Äthiopiens. Ihr letzter Kaiser war Haile Selassie.

Im Kebra Negest liest man, anders als etwa im Buch der Makkabäer, dass die Bundeslade nicht im Reich der Israeliten blieb, sondern durch Menelik einen neuen Aufbewahrungsort fand, im äthiopischen Aksum. Hierzu liefert uns das Kebra Negest einige sehr wichtige Einzelheiten, auf die wir im Folgenden eingehen wollen.

Haile Selassie - ewigeweisheit.de

Haile Selassie (1892-1975) war bis 1974 Kaiser von Äthiopien. Er war außerdem Ritter des hochedlen Ordens vom Hosenbande in England. Die jamaikanischen Rastafari sahen in ihm den neuen Messias, was Kaiser Selassie als frommer Christ jedoch ablehnte.

Salomons Sohn

Laut äthiopischer Überlieferung nahm die Salomonische Dynastie ihren Anfang in Aksum (auch: Axum, amharisch für »des Häuptlings Wasser«), der äthiopischen Königsstadt, in der nördlichen Gebirgsregion von Tigray. Die Königin von Saba, die die Äthiopier »Makeda« nennen, stammte, so will es die Überlieferung, aus dieser ältesten Stadt Äthiopiens. Hierher kehrte die schwangere Makeda heim und brachte neun Monate später ihren Sohn Menelik zur Welt – dessen Name sich vermutlich vom hebräischen »Ben Melek« ableitet: der Sohn des Königs.

Als der junge Menelik 12 Jahre alt war, befragte er seine Erzieher über die Herkunft seines Vaters. Sie verrieten ihm, sein Vater sei König Salomon. Darauf bat er seine Mutter um Bestätigung, die sich aber weigerte. Vielleicht ahnte sie, ihr Sohn könnte sich von ihr trennen. Mit 22 Jahren aber sollte ihn nichts mehr aufhalten. Er machte sich auf den Weg nach Jerusalem, an den Hof seines Vaters. Salomon hatte der Königin damals aber seinen Siegelring übergegeben. Ihn sollte Menelik erhalten, wenn er einst nach Jerusalem reise, damit Salomon daran seinen Sohn erkenne.

Vom Raub der Bundeslade

In Begleitung des großen Tamrin, des Vorstehers der Kaufleute, reiste Menelik also nach Jerusalem, um dort zum ersten mal seinen Vater König Salomon zu treffen. Er lebte für einige Jahre bei ihm. Schließlich kam der Tag, da ihn Salomon zum König über Äthiopien weihte.

'Es ist billig und gerecht, dass dein Reich Äthiopien vom Flusse Ägyptens (Nil) bis zum Sonnenuntergange (Westen) reiche – gesegnet sei dein Same auf Erden!' […] Darauf segnete ihn sein Vater (Salomon) und sprach zu ihm (Menelik): 'Der Segen des Himmels und der Erde sei dein Segen!' Und das versammelte Israel sprach 'Amen.'

- Aus Kebra Negest, Kap. 39

Das Kebra Negest spricht in den folgenden Kapiteln nun an Stelle von Menelik, von König David:

Dann ging er heraus aus dem Tempel des Herrn, und sie nannten seinen Namen David; denn ihm kam mit Recht der Name eines Königs zu.

- Aus Kebra Negest, Kap. 39

Gemäß Kebra Negest, begab sich Menelik in den heiligen Tempel zu Jerusalem, um dort zu beten. Die Bundeslade hatte eine besondere Eigenschaft, so will es diese heilige Schrift der Äthiopier: Wenn ein Rechtschaffener, wirklich Frommer bei ihr bete, so würde sie sich vom Erdboden erheben, was in Meneliks Gegenwart auch tatsächlich geschah. Das wissend, sah er darin ein Zeichen Gottes und sah sich darin berufen, dieses Wunderding mit in sein Land zu nehmen, wo er ja dereinst König sein werde. So ließ er also von einigen königlichen Arbeitern eine Kopie des Geräts herstellen. Das Duplikat der Bundeslade stellten sie dann an ihrer Stelle, in das Allerheiligste des Tempels. Die eigentliche Bundeslade aber nahmen seine Diener weg – in Gegenwart des in Ketten gelegten Hohepriesters Sadoq.

Vor seiner Abreise nun, kam Menelik, der neue König David, zu Salomon und erbat sich seinen Segen.

Er (Salomon) aber hob ihn auf, segnete ihn, ergriff sein Haupt und sprach: 'Der gesegnete Herr, mein Gott […] segne deine Nachkommen […] ebenso möge Dir Segen zu teil werden […] Und Führer sei dir meine Herrin, die heilige himmlische Zion, die Gesetzeslade Gottes (Bundeslade), immerdar und an jedem Ort, an den du in deinem Sinne denkst und wohin du doch mit deinen Fingern deutend wendest'

- Aus Kebra Negest, Kap. 49

Den Schluss dieser Segnung, schien der junge Menelik ja wirklich ernst genommen zu haben. In der Nacht vor ihrer Abreise, versteckten die Diener Meneliks die Bundeslade unter dem Reisegut. Zuvor hatte Azarjas, der Sohn des Hohepriesters Sadoq einen Traum, worin im der Allmächtige erschien, ihm befehlend die Bundeslade aus dem Allerheiligsten zu entwenden.

Als nun der Königssohn mit der Bundeslade nach Aksum, in seine äthiopische Heimat kam, empfingen ihn dort seine Mutter inmitten des jubelnden Volkes. Seine Rückkehr mit dem »Heiligtum der Heiligtümer«, der Bundeslade, nahm die Königin von Saba zum Anlass abzudanken. Fortan war Menelik König über Äthiopien – Nachfolger des Salomo, aus dem Hause David.

Das erfahren wir über den Verbleib der Bundeslade, aus dem äthiopischen Kebra Negest.

Im Tempel der Königin von Saba

Wenn wir nun dieser äthiopischen Überlieferung Glauben schenken, wäre interessant zu wissen, wann die Bundeslade eigentlich nach Äthiopien gekommen sein könnte. In Jerusalem baute man ihr zum Schutz einen großen Tempel. Benötigte sie aber nicht auch in Aksum einen angemessenen Raum für ihre Aufbewahrung?

Ein solches Gebäude scheinen deutsche Archäologen 2008 gefunden zu haben. Bei Ausgrabungen in Aksum stießen sie auf Überreste eines antiken Gebäudes: der Palast der Königin von Saba. Der Leiter der Ausgrabung, Prof. Dr. Helmut Ziegert (1934-2013), ging davon aus, dass sich in diesem Gebäude, zeitweise auch die Bundeslade befand. Die Forscher stellten außerdem fest, dass das einstige Bauwerk auf den heliakischen Sirius-Aufgang ausgerichtet war. Das war in der Antike ein astronomischer Zeitpunkt, an dem, kurz vor Sonnenaufgang, der Stern Sirius am Horizont aufleuchtete, um kurz darauf vom Licht der Sonne überstrahlt zu werden.

Für die gesamte Nil-Region Ost-Afrikas, war dieses Ereignis ein Anzeiger für den Beginn der jährlichen Fluss-Schwemme. Dann trat der Nil über seine Ufer und bedeckte die Felder mit fruchtbarem Schlamm: nur verständlich, dass dies für die Ackerbauern der Nilregion ein heilges Ereignis war. Schließlich lieferten ihre Felder am Nil, die Ernährungsgrundlage eines ganzen Volkes. So erklärt sich, wieso das Erscheinen des Sterns Sirius, im Zentrum kultischer Weihen stand und man Sakralbauten geografisch auf dieses Ereignis ausrichtete. Insbesondere die alten Ägypter verehrten Sirius als Symbol der Himmelsgöttin Sothis. Wahrscheinlich brachten diesen Kult einst semitische und hamitische Stämme (Juden, Nachfahren der Söhne Noahs: Sem und Ham) nach Äthiopien. Da entspringt einer der Haupt-Nebenflüsse des großen afrikanischen Stroms: der Blaue Nil.

Was die deutschen Archäologen in Aksum fanden, waren sehr wahrscheinlich Überbleibsel eines alt-äthiopischen Sothis-Kults. Die dortigen Tempelmauern stammen wohl aus dem ersten, vorchristlichen Jahrtausend – einer Zeit also, die zusammenfällt mit den oben geschilderten Legenden und Bibelüberlieferungen vom Tempelbau. Und – wie wir bereits gesagt haben – müsste das ja auch die Zeit gewesen sein, als Menelik heimlich die Bundeslade entwendete. Nicht aber spricht das Buch über ihren Verbleib in Äthiopien. Zwar müssen wir uns an diesem Punkt mit den Ergebnissen der Archäologen zufrieden geben, werden unsere Vermutung später aber noch durch weitere Einzelheiten erhärten.

Wappen von Äthiopien - ewigeweisheit.de

Im alten Ägypten war das Pentagramm ein geheimes Symbol für den strahlenden Stern Sirius. Auch das Bundeswappen Äthiopiens zeigt einen strahlendes Pentagramm; eine Anspielung auf ein uraltes ägyptisches Erbe?

Ein Neues Jerusalem

Seit Alters her sprechen manche dem äthiopischen Kaiserreich Heilsbedeutung zu. Vielleicht erwuchs daraus die Legende von der Überführung der Bundeslade nach Äthiopien. Aus dieser Haltung könnte vielleicht sogar das Bestreben zur Gründung eines »Neuen Jerusalem« erwachsen sein. Dort sollten dereinst nämlich alter und neuer Glaube, Judentum und Christentum ineinander verschmelzen. Besonders das äthiopisch-orthodoxe Christentum, beinhaltet ganz zentrale Glaubenselemente jüdischer Spiritualität. Darauf weisen auch Symbole hin, die das Wappen des alten Kaiserreichs Äthiopien zeigt: der judäische Löwe Zions, das Siegel Salomons (Davidstern), wie auch das Kreuz der Templer.

In der Liturgie der äthiopisch-orthodoxen Kirche befindet sich auf dem Altar, für alle Betenden sichtbar, eine Nachbildung der Bundeslade. Der jüdische Sabbat, der Samstag, ist neben Sonntag ein religiöser Feiertag. Während des Gottesdienstes, werden die frommen Chorsänger von Flöten und Trommeln begleitet – eben so wie in der Zeit des Psalmisten König Davids. Auch beschneiden äthiopische Christen ihre Jungen, halten Speisevorschriften, essen kein Schweinefleisch.
Alles das sind Regeln wie sie die hebräische Bibel vorschreibt.

Man sagt über die Christen Äthiopiens darum, sie seien »Judenchristen«, die nicht wie andere Christen überall auf der Welt, zuvor »Heiden« waren. Es waren Juden, die sich christianisierten, wahrscheinlich bereits im Jahr 316 – mehr als 60 Jahre bevor Rom das Christentum zur Staatsreligion erhob. Damit wäre Äthiopien der älteste christliche Staat der Erde.

Würde sich nun der Mythos über den Verbleib der Bundeslade tatsächlich in Äthiopien lösen, könnte man damit vielleicht die Heiligung dieses Landes erklären. Darum vielleicht schreiben manche, dass Äthiopien in zukünftigen, religiösen Ereignissen, eine besondere Rolle spielen wird.

Die Felsenkirchen von Lalibela

Zwischen Ende des 12. und Anfang des 13. Jhd. herrschte in Äthiopien Kaiser Gebra Maskal Lalibela. Bis heute verehrt ihn die äthiopische Kirche als Heiligen.

Als Junger Mann floh Lalibela vor seinem Onkel ins Exil nach Jerusalem, wo er wahrscheinlich von 1160 bis 1185 lebte. Manche behaupten, er hätte damals Kontakt gehabt zum Orden der Templer. In 1185 kehrte er nach Äthiopien zurück, wo man ihn in Aksum zum Kaiser krönte. Als dieser regierte er Äthiopien bis 1221.

Zwei Jahre nach Lalibelas Einsetzung als äthiopischer Kaiser, eroberte die Armee Sultan Saladins Jerusalem. Die heilige Stadt fiel damit wieder an die Muslime. Wohl als Antwort auf die Eroberung Jerusalems, baute Kaiser Lalibela in Äthiopien, die nach ihm benannte Kirchenstadt. Dort ließ er elf mehrstöckige Kirchen aus rotem Basalt meißeln. Gestaltung und Namen der Kirchen sollten eine symbolische Abbildung der Stadt Jerusalem sein. Bis heute weiß niemand, wie und von wem, dieses bautechnische Wunder letztendlich vollbracht wurde. Hatte Lalibela sein Geheimwissen von den Templern erhalten? Waren es Hugo von Payns geborgene Kenntnisse aus den unterirdischen Gruften von Zions?

Andere behaupten, man hätte die Arbeit mit Hilfe des mythischen Shamir vollbracht, einer Art steinernem Rieseninsekt. Dieser »Steinwurm« soll bereits König Salomon beim Jerusalemer Tempelbau geholfen haben, schnitt Felsen, Holz und Metall. Denn herkömmliche Schneidewerkzeuge, die auch jemanden töten konnten (Hammer, Meißel), waren für diese sakrale Arbeit unangebracht – so die jüdische Legende. Den sagenhaften Shamir erhielt Salomon vom Asmodäus – dem König der Dämonen. Ob nun aber die Tempelritter ausgerechnet dieses Wurmwesen unter dem Tempelberg fanden: man weiß es nicht.

Der Bau der Kirchen von Lalibela bleibt äußerst rätselhaft. Dennoch verwirklichte der äthiopische Kaiser, durch den Bau dieser Wunderstadt, das alte, israelitische Erbe auf äthiopischem Boden. Bis heute ist der Ort wichtigste Pilgerstätte Äthiopiens.

Befindet sich die Bundeslade in Äthiopien?

Im letzten Vers des 11. Kapitels der Johannes-Offenbarung, finden wir eine geheimnisvolle Beschreibung über den Aufenthaltsort der Bundeslade. Dort heißt es:

Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan, und die Bundeslade wurde in seinem Tempel sichtbar; und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel.

- Offenbarung 11:19

Dieser gewaltigen Beschreibung folgen weitere Verse, die umso interessanter erscheinen, wenn man sie auf Offenbarung 11:19 bezieht:

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone aus zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. […] Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.

- Offenbarung 12:1-2,5

Nichts liegt näher, als die hier beschriebene Frau mit der Mutter Maria gleichzusetzen. Das Bild der Bundeslade in Offenbarung 11:19, auf Maria angewandt, die, nach christlicher Auffassung von Gottes Sohn erfüllt ist, verkörpert die »lebendige Lade eines neuen Bundes« zwischen Gott und der (christlichen) Menschheit.

Denket nicht, dass ich gekommen, das Gesetz (10 Gebote, Tora) oder die Propheten aufzulösen; nicht aufzulösen bin ich gekommen, sondern zu erfüllen.

- Matthäus 5:17

So wie die heilige Bundeslade der Israeliten, die Tafeln des Gesetzes (10 Gebote, Tora), Mosesstab und heilige Mannaschale enthielt, so trug später die Jungfrau Maria den Erlöser Jesus Christus in ihrem Leib – wurde selbst, wie einst die israelitische Bundeslade, zum Behältnis des Allerheiligsten:

Maria, in der der Herr selbst Wohnung nimmt, ist in Person die Tochter Zion, die Bundeslade und der Ort, wo die Herrlichkeit des Herrn thront.

- Aus dem katholischen Katechismus, Vers 2676

Wenn die hebräische Bibel die Bundeslade als Wohnstatt Gottes unter seinem Volk definiert, so könnte man, gemäß christlichem Dogma, Maria als Wohnstatt des inkarnierten Gottes sehen. In der Bundeslade befand sich die Tora, das Gesetz, wo das Wort Gottes in Stein geschrieben stand – in Marias Leib aber war das Wort Gottes nun Fleisch geworden:

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

- Johannes 1:14

In der Bundeslade befand sich eine goldene Schale mit dem himmlischen Brot (Manna), dass die Israeliten in der Not ernährte – im Leib Marias wuchs das himmlische Brot des Lebens – etwas, das Unsterblichkeit bringt:

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

- Johannes 6:35

Diese Gegenüberstellung von israelitischer Bundeslade und der christlichen »Gottesmutter«, bringt uns noch ein Stück näher an die besondere Bedeutung des äthiopisch-orthodoxen Christentums, das ja sowohl die Gesetze der hebräischen Bibel, wie die des Neuen Testaments anerkennt. Das äthiopische Kebra Negest verwendet die Namen »Zion« und »Bundeslade« (darin als Gesetzeslade bezeichnet), darum wohl auch synonym:

Und Führer sei dir (Menelik) meine (Salomons) Herrin, die heilige himmlische Zion, die Gesetzeslade Gottes

- Aus Kebra Negest, Kap. 50

Wenn das Kebra Negest die Bundeslade nun schlicht »heilige himmlische Zion« nennt, liegt nahe, warum man der wichtigsten Kirche Äthiopiens, den Namen St. Maria von Zion gab. Es scheinen sich im äthiopischen Christentum die Symbole der Bundeslade Zions und Mutter Marias zu einen.

St. Maria von Zion

St. Maria von Zion ist die wichtigste Kirche Äthiopiens. Über Jahrhunderte krönte man dort die Kaiser. Das ursprüngliche Gebäude erbaute Kaiser Ezana, um 325 n. Chr. – in einer Zeit als sich Äthiopien christianisierte. Damit ist St. Maria von Zion die älteste Kirche der Welt.

80 Mio. äthiopische Christen glauben, dass sich die Bundeslade der Israeliten, in einer Kapelle befindet, die zur Gemeinde der St. Maria von Zion gehört. In diesem recht unscheinbaren Gebäude sollen die beiden Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten ruhen, die Gott dem Moses auf dem Berg Sinai gab. Das zumindest weiß die äthiopisch-orthodoxe Priesterschaft von Aksum.

Die Kapelle St. Maria von Zion steht auf einem Gelände, das feste Eisengitter umzäunen. In diesem winzigen Areal, bewacht ein mit dieser Aufgabe betrauter und auf Lebenszeit dort eingesetzter Priester. Er ist verpflichtet den Rest seines Lebens an diesem Ort zu verbringen. Nur er kennt den geheimen Zugang in die Kapellenwand, worin die Bundeslade eingemauert sein soll. Bevor man den Wächter dereinst zu seiner letzten Ruhestätte trägt, verrät er seinem erwählten Nachfolger, diesen geheimen Zugang.

Die Lade, so einer der äthiopisch-orthodoxen Priester von Aksum, soll Wunder vollbringen, da sie ja selbst ein Wunder ist, das Wirklichkeit wurde. Gott soll die heilige Bundeslade dem äthiopischen Volk gegeben haben, da es dafür bestimmt war – auserwählt, die Bundeslade im Geheimen zu hüten.

Die Rückkehr der Bundeslade nach Jerusalem

Natürlich besteht darüber Skepsis, ob sich die Bundeslade tatsächlich in dieser kleinen, äthiopischen Kapelle befindet. Sicher bezweifeln das fromme, nichtäthiopische Christen und Juden, wenn sie überhaupt davon wissen. Ganz gleich aber, ob sich die Bundeslade in Äthiopien, in Israel oder sonst wo befindet: es wäre verheerend, würde der tatsächliche Aufenthaltsort der Bundeslade heute bekannt werden. Ihr Auftauchen könnte die derzeitige Weltpolitik ziemlich ins Wanken bringen. Dann nämlich hätten religiöse Fanatiker ein wichtiges Argument, den von Ezechiel prophezeiten, dritten Tempel in Jerusalem zu errichten (Ezechiel 40-47) – denn wofür sonst, wenn nicht für die Bundeslade, sollte man ihn bauen?

Dieser goldene Kasten, wo immer er sich befindet, enthält die heiligsten Insignien der Israeliten. Es war aber vor allem eine heilige Apparatur, zum Schutz des Volkes. Diese Schutzfunktion wurde gemäß der heiligen Schrift später ausgeweitet, zu einem Konzept martialischer Macht. Das bezeugen, wie wir zeigten, die verschiedenen Berichte der hebräischen Bibel (Philister-Krieg, Kampf um Jericho). Doch sobald diese Art Gegenstand seinen Zweck erfüllt hat, verschwindet er mit der selben zerstörerischen Kraft, wie er einst selbst zur Zerstörung eingesetzt wurde.

Frieden und Reichtum

Man baute für die Bundeslade den Salomonischen Tempel, als sich Israel in einer Hochphase befand. Nicht zufällig beschreibt die Bibel Salomons üppige Reichtümer. Er benötigte sie. Wie sonst hätte er den ersten Tempel bauen können. Es scheint eine einzigartige Periode in der jüdischen Geschichte gewesen zu sein, die sich im selben Ausmaß nicht wiederholte.

In einem einzigen Jahr wurden König Salomo 666 Zentner Gold geliefert. Dazu kam noch das Gold, das er als Steuer von den Großkaufleuten und Händlern und als Abgabe von seinen Provinzverwaltern und den arabischen Königen erhielt.

- 1. Könige 10:14-15

Glaubt man also den alt-hebräischen Schriften, scheint es den Israeliten während der Salomonischen Herrschaft, sehr gut gegangen zu sein. Man genoss Frieden und Reichtum und lebte in Verhältnissen, die sich nach Salomons Tod nicht wiederholen sollten. Gut möglich, dass nicht all zu lange nach Salomons Tod, die Bedeutung der Bundeslade für die Juden vorübergehend verblasste. Besonders nachdem sie im 6. Jhd. v. Chr. verschwand.

In den Jahrhunderten nach Salomons Herrschaft, nahm auch das Funkeln der prächtigen Königsdynastien schließlich immer weiter ab. Irgendwann wandte sich die martialische Kraft der Bundeslade, wie es scheint, gegen sich selbst und gegen das Volk Israel. Dort wo sie einst auf dem Berge Moriah stand, kam es immer wieder zu kriegerischer Gewalt und Zerstörung. Das bestätigen uns leider auch immer wieder, jüngere Ereignisse auf dem Jerusalemer Tempelberg.

Würde die Bundeslade heute also auftauchen, was wären die Folgen? Bestenfalls wäre damit der Frieden im Heiligen Land gesichert – oder aber das Kommen des gefürchteten »Jüngsten Tages« endgültig besiegelt.

In der letzten Zeit (Endzeit) aber wird der Berg mit dem Tempel des Herrn fest gegründet stehen als der höchste unter den Bergen und über die Hügel erhaben sein, und alle Heiden werden zu ihm strömen

- Jesaja 2:2

Muslimische Theologen würden diesen Vers wahrscheinlich zu ihren Gunsten interpretieren. Bis zu diesem Zeitpunkt aber, werden sich wahrscheinlich noch einige Dinge ändern: für Juden, Christen und Muslime.

Das äthiopische Kebra Negest schreibt, dass eine Rückkehr der Bundeslade nach Jerusalem unmöglich ist. Angeblich entscheidet dieses göttliche Instrument selbst, wann es seinen irdischen Aufenthaltsort wechselt. Wann dieser Zeitpunkt aber eintreffen könnte: niemand weiß es. Auch von den Hohepriestern im äthiopischen Aksum, fehlt dazu jeder Kommentar. Sie sind und bleiben dazu verpflichtet, über die wahre Bedeutung und den eigentlichen Aufenthaltsort der Bundeslade zu schweigen.

Du könntest sie (die Bundeslade) sicher nicht nach Jerusalem zurückbringen, wenn du auch wolltest, und auch dein Vater sie nicht fortnehmen, wenn er wollte; denn sie selbst geht, wohin sie will, und sie kann von ihrem Wohnsitz nicht weggenommen werden, wenn sie nicht will.

- Aus Kebra Negest, Kap. 53

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