Theosophie

Esoterische Wissenschaften als Mittel und Erfahrung

von Johan von Kirschner

Rudolf Steiner - ewigeweisheit.de

Die Lehre von der Siebenfältigkeit des Menschen ist alt. Im 19. Jahrhundert aber kamen Theosophen zu dem Schluss, dass das Individuum sein Bewusstsein in diesem Spektrum, je nach Entwicklungsstadium, sogar selbst gestalten kann. Doch das gelänge nur jenen die erkannt hätten, dass Bewusstsein nur die Bilder des Seins enthalten kann und darum das Sein zuerst erfahren werden muss.

Wie aber soll so eine Vergegenwärtigung menschlichen Seins erfolgen?

Diese Frage stellte sich auch Rudolf Steiner, der Begründer der Schule der Anthroposophie. Er suchte nach Möglichkeiten, um aus den Weisheitstraditionen und den esoterischen Wissenschaften einen praktischen Nutzen zu vermitteln. Für ihn galt es unmöglich sich dem wahren menschlichen Sein im Kosmos nur allein durch eine Bewusstwerdung zu nähern, ohne auch eine praktische Anwendung dafür im Leben realisiert zu haben.

Die alten Menschheitsfragen nach dem Wesen des Seins, seinem Ursprung und seiner Entwicklung: darauf versuchte Rudolf Steiner Antworten zu geben.

Schon früh war er sich darüber im Klaren, dass die Herangehensweise mancher Philosophen, das Wesen des Seins ergründen zu wollen, einfach scheitern musste. Immer nämlich fungiert unser Bewusstsein nur als Spiegelbild der Wirklichkeit. Das Sein ist die einzig wirkliche Realität. Natürlich kann man sagen, dass Bewusstsein aus unserem Gehirn hervorgebracht wird. Doch selbst wenn es anders entstünde und man auch den Grund dafür wüsste, gäbe es doch letztendlich keine eindeutige Antwort darauf was Bewusstsein letztendlich ist. Vorausgesetzt aber unser Denken ist eine Gehirntätigkeit, wäre es dennoch schwer herauszufinden wie sich unser Bewusstsein in die natürliche Ordnung der Welt einfügt.

Solchen philosophischen Herausforderungen stellte sich Rudolf Steiner. Durch seinen theosophisch geprägten Hintergrund aber verfügte er, anders als die Philosophen der frühen Aufklärung (allen voran Immanuel Kant), über eine universalere Sichtweise. Er versuchte also die Welt als kosmische Ganzheit zu erkennen, bevor er Fragen nach dem Bewusstsein eines auf Erden lebenden Menschen stellte. Denn für Steiner befand sich unser gegenwärtiges, menschliches Wachbewusstsein, lediglich auf einer bestimmten Bewusstseinsstufe, die sich erst über sehr lange Zeit zu dem entwickelte, was sie heute ist.

Hier nun kommt der anthroposophische Begriff der Weltentwicklungsstufe ins Spiel. Denn laut Steiner gibt es sieben große Phasen einer Evolutionskette, deren Glieder mit der Entwicklung des planetarischen Kosmos zusammenhängen.

Über den Fortgang der Menschheitsentwicklung

Jede planetarische Entwicklungsphase, wie sie Rudolf Steiner beschrieb, verläuft innerhalb eines besonderen Weltzeitalters. Zuerst verdichtete sich aus einer geistigen die physische Welt, konzentrierte sich als äußere Erscheinung zu dichter Materie. Man kann sagen dass der Begriff der Inkarnation, im Sinne einer Verkörperung, nicht nur für uns Menschen als Einzelwesen gilt, sondern auch für ganze Welten. Laut Rudolf Steiner verkörperte sich auch unser Sonnensystem nach und nach über sieben planetarische Phasen einer kosmischen Entwicklung. Dafür erfand Steiner eigene Name, die er für diese sieben interplanetare Phasen gebrauchte:

  1. Der »alte Saturn«,
  2. die »alte Sonne«,
  3. der »alte Mond«,
  4. die Erde,
  5. der »neue Jupiter«,
  6. die »neue Venus« und
  7. die letzte Verkörperung unseres Planetensystems nannte er »Vulkan«.

In Visionen will Steiner die Erkenntnis über diese planetarischen Verkörperungen empfangen haben. Wer aber mit diesen Betitelungen zum ersten Mal in Berührung kommt ist vielleicht irritiert. Doch wenn hier die Rede ist vom alten Saturn, so ist damit keineswegs der heutige Planet Saturn gemeint. Vielmehr glaubte Steiner in die Ferne Vergangenheit blicken zu können, als sich unser Planetensystem (Sonnensystem) noch in einer gänzlich anderen Entwicklungsphase befand. Es muss hier dazugesagt werden, dass seine Visionen hierzu vielleicht etwas sehr fantastisch anmuten, gleichzeitig aber weiß man aus Erkenntnissen der modernen Kosmologie, dass sich unser Planetensystem, in sehr ferner Vergangenheit, tatsächlich noch in einem ganz anderen Zustand befand als heute.

Steiners »alter Saturn« bezeichnete also weniger den bekannten Gasplaneten mit den Ringen, der er heute ist. Für Steiner bestand dieser Urplanet aus einer gigantischen, glühenden Sphäre, die sich aus dem Bereich der heutigen Sonne bis in die Umlaufbahn des heutigen Saturn erstreckte. Damit war der alte Saturn also weniger ein Planet, als vielmehr eine sphärische Entwicklungsphase unseres Sonnensystems, was sich jedoch über ungeheuere Ausmaße hinweg geschah.

In obiger Aufzählung (alter Saturn, alte Sonne, alter Mond, Erde, neuer Jupiter, neue Venus und Vulkan) sah Steiner darum keine nebeneinander existierenden Himmelskörper, sondern gleichsam kosmische Perioden aus denen sich unser heutiges Sonnensystem, über sehr lange Zeiträume hinweg entfaltete.

All das nun begann, laut Steiner, mit der gigantischen Wärmesphäre des alten Saturn. Die Betitelung dieser planetarischen Entwicklungsstufen, leitete Rudolf Steiner wahrscheinlich ab von den Gottheiten alter Mythologie, nach denen die Planeten unseres Sonnensystems benannt sind.

Auch »Vulkan«, über den Steiner schrieb, bezeichnet keinen eigentlichen, bisher unbekannten Planeten, sondern steht, wie bereits angedeutet, für die letzte Phase der Entwicklung unseres Planetensystems in sehr ferner Zukunft.

Ein Protoplanet - ewigeweisheit.de

Künstlerische Darstellung unseres Sonnensystem bevor er seine heutige Form annahm (Quelle: NASA).

Sieben Entwicklungsstufen

Wie gesagt bildeten für Rudolf Steiner die oben aufgelisteten sieben Stufen eine kosmisch-planetarische Evolution. Darüber hinaus aber leitete er aus dieser spirituellen Grundlage auch die Phasen ab, aus der sich jede andere makro- und mikrokosmische Entwicklung ergab.

Wer sich mit der Theosophie Helena P. Blavatskys beschäftigte, dem dürften diese Konzepte teilweise bekannt vorkommen. Nur erweiterte Rudolf Steiner diese siebenfältige Entwicklung des Kosmos, um die eben dargestellten planetarischen Entwicklungsebenen.

Über die Entwicklung und Entfaltung menschlichen Bewusstseins

Für Rudolf Steiner bestand der Mensch schon lange bevor unser heutiges Sonnensystem existierte. Natürlich nicht als das anatomische Wesen, dass wir aus den Beschreibungen der modernen Biologie kennen (unabhängig davon hat sich die Definition des Wortes »Mensch« im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert). Steiner meinte vielmehr eine an sich bestehende Form des Bewusstseins, die uns heute lebenden Menschen in anderer Gestalt weitergegeben wurde.

Das Wort »Mensch« kommt aus dem sanskritischen »Manushya«, das seiner Bedeutung nach aber eigentlich die »Menschheit« an sich meint. Gemäß der alten Puranas (wichtige heilige Schriften des Hinduismus) steht Manushya für das körperliche Sein in Leid und Leidenschaft, durch das es als Mensch Erkenntnis und schließlich Weisheit erlangt. Menschsein bedeutet also Erfahrungen zu machen, als fleischgewordenes Wesen. Bevor wir Menschen aber mit unseren biologischen Verwandten, den Tieren, auf diesem festen Planeten Erde inkarnierten, gab es lange vor der Existenz unseres Heimatplaneten, in diesem Sonnensystem bereits eine höhere Absicht, wo sich menschliches Sein zuerst als »höheres Bewusstsein« entwickeln sollte, bevor er dereinst in fleischlichen Körpern inkarnierte.

Die erste Phase dieser Entwicklung beschrieb Rudolf Steiner als das Trancebewusstsein. Das existierte schon als sich noch der alte Saturn weit über das Feld unseres heutigen Sonnensystems ausgebreitet hatte. In der Zeit der alten Sonne entstand des Menschen Tiefschlafbewusstsein, was sich in der darauffolgenden Entwicklungsphase des alten Mondes in ein Bilderbewusstsein transformierte. Erst damit entstand zur Zeit der Erdentwicklungsphase das Wachbewusstsein, mit dem jeder von uns ausgestattet ist.

Wenn Steiner nun fortfährt mit dem neuen Jupiter, ist das ein Hinweis auf die gegenwärtige Herausforderung menschlicher Wahrnehmung, wo wir ein psychisches Bewusstsein entwickeln werden, dass sich über das alltägliche Wahrnehmungsbewusstsein im Wachzustand erhebt. Ein überpsychisches Bewusstsein aber wird in ferner Zukunft mit der neuen Venus entstehen und schließlich mit einem spirituellen Allbewusstsein, während der Entwicklungsphase des Vulkan, schließlich zu seiner Vervollkommnung finden.

Die Gestaltung der elementarischen Reiche

Und so wie diese Bewusstseinsentwicklung des Menschen einher geht mit einer Entwicklung auf planetarisch-makrokosmischer Ebene, verkörpert sich immer zugleich auf mikrokosmischer Ebene das, was auf sieben Stufen etwa auch zur Entwicklung unseres menschlichen Leibes führte:

  1. Im ersten Elementarreich war die Welt noch formlos, worin jedoch »Gedankenkeime«, die Veranlagungen zur Formbildung lieferten.
  2. Im zweiten Elementarreich wurden Töne und Klänge (Schwingungen) durch die Gesetze der Numerologie geordnet.
  3. Das drittes Elementarreich war der Ursprung des Feuers und des Lichts (Farben).
  4. Das Mineralreich bildete dann kristalline Substanzen aus, sowohl in Form chemischer Elemente wie Diamant (Kohlenstoff-Modifikation), Gold, Silber, Schwefel, Silicium, etc., als auch natürlicher Mineralien wie Quarzen, Feldspaten und anderen Kristallen.
  5. Im Pflanzenreich entstanden daraus alle Lebensformen der Flora.
  6. Das Tierreich brachte die Lebensformen der Fauna hervor.
  7. Und schließlich formte sich im Menschenreich die Welt unserer Spezies.

Diese letzte Stufe des Menschseins in der Welt enthält wiederum eine siebenfältig gegliederte Evolutionskette, worin sich der Mensch in der fernen Vergangenheit auf der Erde, aus einem vollkommen geistigen Wesen, zu dem heutigen Menschen entwickelte. Doch die Evolution ist damit keineswegs abgeschlossen, sondern wird sich, gemäß anthroposophischer Lehren, noch in höherer Form weiterentwickeln.

Auf sieben Ebenen menschlicher Evolution entstanden während verschiedener Zeitabschnitte der Erdentwicklung, verschiedene Formen menschlicher Existenz auf unserem Planeten. In der sogenannten Polarischen Zeit lebten die Menschen als noch gänzlich körperlose, astralische Wesen. Das war ein Zustand der gewiss auf etwas hindeutet, worüber vor sehr langer Zeit bereits die Priester des alten Chaldäa hinwiesen. Jener Mensch war noch nicht das, wofür das Wort zu seiner Bezeichnung heute verwendet wird. Doch im theosophischen Gebrauch wird das Konzept vom Menschsein eben viel weiter gefasst, als das, wie es etwa die moderne Biologie in ihrer uns allen bekannten Weise darstellt.

Der Polarischen folgte die Hyperboräische Zeit. Da verdichtete sich der Körper des ursprünglich rein geistigen Menschen, in eine ätherische Form, einem »Lebensleib« der wie aus Fasern feinster elektrischer Ladungen zusammengesetzt war, jedoch noch ohne Geschlecht blieb. So entstand der Ätherleib.

In der Lemurischen Zeit begann die Seele in einem irdischen Körper zu inkarnieren, der durch den in vorheriger Zeit gebildeten, ätherischen Körper belebt wurde, doch außerdem mit einer Blutzirkulation ausgestattet war. Es war jene Entwicklungsphase der Menschen, als sie begannen ihren nächsten Verwandten auf der Erde, den Affen, zu ähneln (vergleiche etwa das lateinische Wort »Lemures«, das eine Teilordnung der Primaten bezeichnet). Allerdings unterschieden sie sich von jenen wegen ihres aufrechten Ganges. Damals aber verfügten Menschen noch nicht über ein Bewusstsein für Sprache. Man kommunizierte aber bereits durch gegenseitigem Gedankenaustausch.

Dann schließlich, in der Atlantischen Zeit, begannen die Menschen sich miteinander durch Worte zu verständigen. Im Gegensatz zu heute verfügte diese alte Menschenrasse aber noch über ein natürliches Hellsehen. Der Körper war noch weich und knorpelig und der Äther-Körper strahlte noch weit über die Grenzen des physischen Leibes hinaus.

Heute leben wir laut Steiners Anthroposophie (was es natürlich aus den Theosophie Blavatskys übernommen hatte) in der sogenannten Nachatlantischen Zeit. Wir Menschen haben jetzt durch die Entwicklung unserer Sprache und unseren vielfältigen Umgang mit der irdischen, materiellen Welt, unsere vorerst dichteste Körperlichkeit entwickelt. Da ist unsere Seele ganz fest von einem Leib umgeben. Ein Bewusstsein für die Existenz einer Seele zu entwickeln, fällt den meisten Menschen darum schwer.

In der sogenannten »sechsten Wurzelrasse« werden sich die Geister der Menschen scheiden, in eine gute und eine böse Menschheit, wo, in einem Krieg aller gegen alle, die nachatlantische Epoche, das heißt also unsere jetzige Welt, zu Grunde gehen wird. In der Offenbarung des Johannes (Neues Testament) ist die Rede vom »Sechsten Siegel«, wo der »Himmel auf die Erde stürzt«, laut Steiner sich die Erde wieder mit dem Mond vereinigt und sich die Menschheit aus ihrem körperlichen in einen ätherischen Zustand zurückentwickelt. Hier muss hinzugefügt werden, dass Steiners Sicht auf diesen sechsten Zustand der Menschheitsentwicklung gewiss recht eigen ist, doch, mit seinem Bezug auf die neutestamentarische Offenbarung Johanni, gewiss einen interessanten, vor seiner Zeit nicht dagewesenen Aspekt beleuchtet.

Mit der Siebten Wurzelrasse dann soll schließlich auch unsere Welt ein Ende finden, wo nämlich die Erde (wieder) in die Sonne eintritt und sich damit die Existenz irgendgearteter Menschenkörper auflöst.

Wie bereits angedeutet, hatte Rudolf Steiner seine ganz eigene Version dieser Entwicklungsstufen und besprach sie auf einer viel weiteren Ebene, als etwa die Moderne Theosophie. Es geht bei ihm auch um den engen Zusammenhang mit dem planetarischen Wandel unseres Sonnensystems, der, wie eben dargestellt, mit der Entwicklung des Menschen eng verwoben ist. Zwar gibt es bei Steiner eine genauere Zeitliche Einordnung, wo bereits im Jahr 7893 n. Chr. der Mond in die Erde eintreten soll, was aus gegenwärtig astronomischer Einschätzung aber wohl gänzlich unmöglich erscheinen dürfte.

Es sollte darum in Steiners System der Menschheitsentwicklung wohl auch ein ausgeprägt symbolischer Faktor mitberücksichtigt werden. Auch die noch feinere zeitliche Gliederung der Menschheit in sieben Kulturepochen (Urindisch, Urpersisch, Äyptisch-Chaldäisch, Griechisch-Lateinisch, Germanisch-Angelsächsisch, Slawisch, Amerikanisch), ist ein intellektuelles Gebilde Rudolf Steiners Anthroposophie, das anscheinend ein Schema liefern sollte für eine chronologische Abfolge kosmischer Entwicklungsstadien, was er auch auf die menschliche Kulturentwicklung übertragen wollte.

Wesensglieder des Menschen - ewigeweisheit.de

Die Wesensglieder des Menschen (Bild: Quelle Anthrowiki, Lizenz CC BY-SA 3.0).

Praktische Anwendung esoterischen Wissens

Es scheint als hätte Rudolf Steiner mit seinen ausführlichen Systemen, wie den eben dargestellten, versucht eine universale Organisationsstruktur für sowohl für eine Esoterik des Makrokosmos als auch des Mikrokosmos zu liefern. Und auf solch einem zusammenhängenden Gebilde errichtete er die praktische Anwendung seiner anthroposophischen Lehren, die aber bis heute noch ihren besonderen Zweck wirksam erfüllen. Dazu später mehr.

Wenn auch im übertragenen Sinne war für Steiner eine gesunde, organische Entwicklung des Menschen nur dann möglich, wenn er in seinen Wunsch, die Welt rein intellektuell-wissenschaftlich zu verstehen, noch die emotionale Ebene, die »Herz-Ebene« integrierte. Nur so würde laut Rudolf Steiner die Grundlage entstehen, aus der sich eine für die Menschheit positive Zukunft entwickeln kann.

In der Anthroposophie geht es jedoch nicht wie in der Philosophie nur um die geistige Fortentwicklung allein. Rudolf Steiner versuchte aus dieser Entwicklung außerdem einen praktischen Nutzen abzuleiten, der der Menschheit tatsächlich zu ihrem Wohlbefinden in der Zukunft verhelfen sollte.

Was durch die Arbeit der Theosophischen Gesellschaft um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert vorbereitet wurde, sollte durch die Anthroposophie auch einem praktischen Zweck zugeführt werden. Nur so, glaubte Steiner, wäre esoterisches Wissen tatsächlich für den Einzelnen von Vorteil. Damit allein hätte er die Möglichkeit sich und sein Leben in der Welt frei und unabhängig zu gestalten.

Entwicklung höherer Seelenfähigkeiten

In diesem Streben aber setzte Rudolf Steiner seinen Lesern und Schülern nicht etwa nur Behauptungen vor, die er, einem Seher gleich, in Visionen als absolute Wahrheiten voraussetzte. Eher wollte er seinen Mitmenschen bei der Entwicklung dieser Fähigkeit auch behilflich sein, das heißt Anleitungen liefern, anhand derer esoterisches, inneres Geheimwissen, praktisch im äußeren Leben wirksam integriert werden kann.

Er setzte voraus dass jeder Mensch dazu in der Lage sei auch selbst eine »übersinnliche Welterkenntnis« zu entwickeln und damit auch den Grund dafür zu erkennen, wer er ist und wozu er sein Leben weiterentwickeln muss, damit er dem eigentlichen Seelenauftrag seiner Inkarnation auf Erden gerecht werde. Ein vielleicht etwas überdimensioniertes Ziel, sicher aber mit dem Nebeneffekt, manchen bereits höher entwickelten Geistern in ihrem Fortschreiten zu unterstützen.

Ab 1904 begann er seine Lehre ausführlich für seine Leser darzulegen. Steiner setzte dabei voraus, dass jeder Mensch die Fähigkeit besäße, über das normale physiologisch-biologisch veranlagte Sinnesbewusstsein auch »höhere Sinne« zu entwickeln, über die er selbst die Seelenwelt und die Welt der Spiritualität, schauend wahrnehmen und erforschen könne.

Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln.

- Aus dem Buch »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?«

Eine Anleitung hierzu entwickelte Steiner 1905 in seinem Buch »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?«. In dieser Sammlung anthroposophischer Aufsätze führt er den Leser in praktische Übungen ein, womit ihm die Ausbildung höherer Sinneswerkzeuge gelingen soll.

In einer vorbereitenden Phase soll der Geistesschüler dabei ein Gewahrsein entwickeln, eine Achtsamkeit, für das was um ihn geschieht. In einer weiteren Phase dann soll er das Selbe tun für jene Erscheinungen die sich ihm aus seiner inneren Seelen- und Gedankenwelt zu erkennen geben. Doch Rudolf Steiner weist auch ausdrücklich darauf hin, dass es nicht darum geht sich endlos in Details zu versenken und dabei dem Wesentlichen verlustig zu gehen.

Zu betonen ist, dass der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen.

- Aus dem Buch »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?«

Mit diesen Anleitungen wollte er dem Individuum helfen, das Wesen der esoterischen Wissenschaften praktisch zu erfahren. Seine Leser sollten lernen auf ihre Gedanken und Gefühle ebenso zu achten, wie sie das eben intuitiv auch als Kleinkinder taten, als sie die ersten Schritte über den Boden unserer irdischen Welt alleine wagten.

So wie der Mensch als Kind die Gesetze der physischen Welt erlernt, so wird der Schüler der Geheimwissenschaft den höheren Welten näher gebracht, um sich darin ebenso frei bewegen zu können, wie sich sein Körper in der physischen Welt zu bewegen vermag.

In seiner Arbeit ging es Rudolf Steiner eben darum die Menschen an ihr innerstes Wesen heranzuführen, damit sie bemerken, dass in ihnen besondere Veranlagungen schlummern, die sich regelrecht danach sehnen endlich erweckt zu werden. Das sind Teile der menschlichen Existenz als Ganzes und nicht nur das, wovon die Wissenschaft ausgeht, in ihrer Zweiteilung in Geistiges und Körperliches. Eher erlangt jemand, der die Meisterschaft dieser Entwicklung vollbringt, auch Fähigkeiten höher geartete Anteile seines Seins, wie auch niedrigere Wesensanteile seiner Selbst, zu erkennen und dann auch aus dieser Bewusstwerdung heraus in die Welt zu schauen.

Wichtig bei solchen Übungen aber bleibt eine gewisse Vorsicht einzuhalten. Auch darauf verwies Rudolf Steiner ganz deutlich. Viel zu oft nämlich eröffnen sich dem Anfänger auf dem geistigen Weg gleichzeitig viele Wege, die ihn dazu verleiten alles auf einmal auf sich einwirken lassen zu wollen. Das die Geheimlehren aber stets nur im Verborgenen besprochen wurden hat einen Grund:

Es ist notwendig, dass der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muss im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muss der Geheimschüler dafür sorgen, dass er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müsste zu gefährlichen Ergebnissen führen.

- Aus dem Buch »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?«

 

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Die wahren Adepten der Theosophischen Gesellschaft

Die wahren Adepten der Theosophischen Gesellschaft

Ein Mahatma, wörtlich »Große Seele«, ist ein Adept höchsten Ranges. Mahatmas sind aufgestiegene Wesen, die die Triebe ihrer niederen Seelenanteile vollkommen geläutert haben und damit nicht mehr den »Versuchungen des Fleisches« unterliegen. Sie verfügen über ein höheres Wissen und Kräfte, entsprechend der hochentwickelten spirituellen Ebene, auf denen sie handeln. Man nennt sie »Arhats«, Adepten die alle Gier, Hass und Verblendung vollständig abgelegt haben.

Helena Blavatsky, sowie andere Mitglieder der von ihr gegründeten Theosophischen Gesellschaft, standen mit solchen Arhats in Verbindung. Die einen zählten zu einer Bruderschaft von Tibet, die andere gehörten der ägyptischen Bruderschaft von Luxor an. Über die Mahatmas dieser Bruderschaften erfahren wir im Laufe dieses Textes aber noch mehr.

Von den Mahatmas auf jeden Fall, erhielten sie und andere Theosophen letztendlich die Weisungen, die ihr gesamtes Handeln bestimmen sollten. Auch ihre Reisen habe Blavatsky aus einem bestimmten Grund angetreten: Sie wurde angewiesen von einem Mahatma mit dem Namen »Morya«. Von ihm erhielt sie wahrscheinlich im Frühling 1851 ihren besonderen Auftrag.

Als sie damals mit einer Freundin die Weltausstellung in London besuchen wollte, begegnete sie diesem eigentümlichen Menschen auf einem Spaziergang. Das geschah zu ihrem großen Erstaunen, denn sie erkannte diesen indischen Edelmann wieder. Er war ihr in ihren Visionen als junges Mädchen erschienen und stand nun vor ihr, umgeben von anderen indischen Adligen. Sogleich wollte sie auf ihn zugehen, doch er gab ihr einen Wink, dass das nicht der richtige Zeitpunkt sei.

Am kommenden Taglavatsky durch die verschlungenen Wege im Londoner Hyde Park. Da erschien ihr der Prinz auf einmal wieder. Er schien sich zu freuen sie wieder zu sehen und das hatte einen Grund: er nämlich wollte ihr den Auftrag erteilen, damit sie ihn in einer höheren Mission unterstütze. Das sollte schließlich zur Gründung der Theosophischen Gesellschaft führen, mit dem Ziel im Westen ein spirituelles Erwachen auf den Weg zu bringen.

Von ihrem Meister erfuhr sie nun also was ihre nächsten Schritte seien. Morya forderte sie auf für einige Zeit nach Tibet zu reisen – seine Heimat. In diesem fernen Hochland in Zentralasien, sollte sie besondere Erfahrungen machen, man könnte sagen eine Initiation in die Mysterien durchleben.

Helena Blavatsky und Henry Olcott – ewigeweisheit.de

Die Gründer der Theosophischen Gesellschaft: Helena P. Blavatsky und Colonel Henry Steel Olcott im Jahr 1888.

Die Entschleierte Isis

Seit dieser Begegnung, bis in die 1870er Jahre, verbrachte Helena Blavatsky damit, all das viele Wissen und die zahlreich gemachten Erfahrungen zu sammeln, die schließlich die Grundlage für ihr 1877 in New York zuerst veröffentlichtes Buch werden sollten: »Entschleierte Isis – ein Meisterschlüssel zu den Mysterien der alten sowie modernen Wissenschaft und Theologie« (englischer Originaltitel: »Isis Unveiled – A Master Key to the Mysteries of Ancient and Modern Science and Theology«). Dieses Buch gilt als Blavatskys kritische Antwort auf einen wachsenden Materialismus, sowohl in der Wissenschaft wie auch in religiösen Institutionen, und versucht die Grundlagen einer modernen Theosophie darzustellen.

Dieses Buch ist unterteilt in zwei Bände:

  • Band I: »Unfehlbarkeit der modernen Wissenschaft«. Hierin bespricht Blavatsky die okkulten Wissenschaften und verborgene und unbekannte Naturkräfte, wozu etwa Elementale, spiritistische Phänomene, und die inneren und äußeren Geheimnisse des Menschsein gehören.
  • Band II: »Theologie«. Im zweiten Band versucht Blavatsky Ähnlichkeiten hervorzuheben von orientalisch-religiösen Schriften (aus Buddhismus, Hinduismus, den Veden und Zorastrismus) und den Christlichen Lehren. Dabei folgt es einer aus der Renaissance stammenden Vorstellung von einer Prisca Thologia, die davon ausgeht, dass alle Religionen der Erde eine gemeinsame Wurzel haben.

Nachdem die Entschleierte Isis Ende September 1877 veröffentlicht wurde, war das Buch bereits nach zehn Tagen vergriffen. Heute wurde es wahrscheinlich mehr als eine halbe Million mal verkauft.

Als Inspirationsquelle dieses Buch aber überhaupt zu schreiben, nannte Blavatsky ihren sagenhafter Guru: Meister Morya.

Gehüllt in einen Mantel des Schweigens

Nie sprach Blavatsky viel über ihre Reisen und verriet auch keine genauen Details über Aufenthaltsorte oder die Personen, die ihr auf ihren Expeditionen begegneten. Worüber sie nicht mit anderen sprach, schien sie jedoch, zumindest teilweise, in ihren Büchern zu »entschleiern«. Das mag auch der Grund sein, dass es bis heute in Kreisen der Theosophischen Gesellschaft üblich ist, über die Verwendung der Initialen H. P. B. auch über Helena Petrovna Blavatsky zu sprechen, was im Übrigen ja auch für die Mahatmas gilt, die selbst ja ihre Briefe, auf die wir später noch genauer eingehen wollen, stets mit ihren Initialen unterzeichneten. Doch auch zeitgenössische theosophische Autoren tendieren dazu, Initialen statt ihren vollen Namen zu verwenden.

Der Grund das Blavatsky diese Kürzel verwendete oder auch Orte geheim hielt, war einfach: Sie wollte vermeiden, dass sich andere in die Nähe jener Regionen begeben, um dort ihren Mahatmas nachzustellen.

Blavatskys Auftrag, den sie von den Mahatmas erhielt, lag alleine darin, jene esoterische Bruderschaft zu gründen, die eine moderne Theosophie auf den Weg bringen und in besonderen Logen interessierte Menschen unterrichten sollte.

Kritiker aber unterstellen Blavatsky gerne, dass all das nur ihre Erfindungen gewesen sind und sie nur deshalb nicht über die Orte sprechen wollte, die sie auf ihren Reisen besuchte, weil sie dort niemals gewesen ist. Auch die Menschen, deren Namen sie meist mit einem Buchstaben abkürzte (wie etwa der mysteriöse Mr. K.), waren laut ihrer Kritiker, nichts als Erdichtungen ihrer ausgeprägten Fantasie. Bei alle dem steht trotzdem fest: Blavatsky hatte sich einem Treueschwur der Verschwiegenheit verpflichtet. Und das bedeutete, dass sie dafür bewusst Namen, Daten und Orte verschlüsseln oder abkürzen musste. Nicht aber, um etwas vor ihren Lesern zwanghaft zu verbergen, als vielmehr zu vermeiden, das die Quellen des Unbeschreiblichen ungeschützt von jenen aufgesucht wurden, die nicht darauf vorbereitet waren und denen möglicherweise die nötige Verantwortung felhte, für einen gebührenden Umgang damit.

Die Gründung der Theosophischen Gesellschaft

Meister Morya beauftragte Ende Juni 1873 Helena Blavatsky nach New York zu reisen. Noch im selben Jahr machte sie sich auf den Weg. Als ihre Schiff im Hafen der Stadt landete, war sie jedoch fast mittellos. Ihr Vater, der sie über die Jahre ihrer Wanderschaft unterstützt hatte, war nicht lange zuvor verstorben.

Blavatsky aber war ihrer mediumistischen Fähigkeiten gewahr und entschied nun, über diesen Weg auch an Geld zu kommen, zumindest aber mit Leuten Kontakt aufzunehmen, über die sie ihre Grundversorgung sicherstellen konnte. So kam sie zu einem gewissen Colonel Olcott, einem wichtigen Fachmann, der über solche Themen wie Spiritismus und Hellseherei in amerikanischen Zeitungen schrieb.

Henry Steel Olcott (1832-1907) war eigentlich Rechtsanwalt, den man wegen seines im Sezessionskrieg erworbenen militärischen Titels, einfach nur Colonel Olcott nannte. Er war bekennender Buddhist – zu damaliger Zeit in den Vereinigten Staaten eher ungewöhnlich.

Als nun Blavatsky nach New York kam, befand sich Olcott gerade in Chittenden, etwa 400 km nördlich der Stadt. Er schrieb dort über die »Eddy Brothers« (William und Horatio Eddy), die in den 1870er Jahren in Amerika als spiritistische Medien berühmt wurden. Im August 1874 erschienen seine Forschungsergebnisse in einem Artikel der »New York Sun« und in »The Daily Graphic«. Diese Veröffentlichungen gelesen, wollte ihn Helena Blavatsky unbedingt kennenlernen. Sie fuhr also nach Chittenden, um dort Colonel Olcott zu treffen.

Er war damals ein alleinstehender Mann, etwa ein Jahr jünger als sie. Sie schloss sich ihm mit etwas affektierter Schüchternheit an. Über ihre angeblichen medialen Fähigkeiten aber, amüsierte sich Olcott insgeheim. Das aber geschah aus reiner Sympathie. So freundeten sich die beiden in den folgenden Monaten an und schon bald veröffentlichte auch Blavatsky in den Vereinigten Staaten ihre ersten Schriften.

Später besuchte sie ein Freund Olcotts in New York: William Quan Judge (1851-1896). Auch er war Rechtsanwalt, der aber wegen seiner Neugierde für Geheimlehren, schon sehr früh Kontakt hatte zu freimaurerischen Kreisen – was im Übrigen auch für Olcott galt. Als Judge nun im August 1875 Olcott und Blavatsky in New York besuchte, freundeten sie sich an. Er sollte später Blavatsky den Anstoß dazu geben, eine Gesellschaft zu gründen, die sich allein dem Studium der Geheimwissenschaften widmet. Judge sollte zu ihren größten Bewunderern werden, so dass die beiden bald auch eine tiefe Freundschaft verband.

Über Blavatsky erfuhr er auch von den Mahatmas. Die Theosophie Blavatskys war nichts das etwa nur aus ihrem eigenen Geiste kam, sondern bezog sich auf das, was ihr von den Mahatmas vermittelt und sie von ihnen als Auftrag erhalten hatte. Nicht also war es Blavatsky, sondern es waren die Mahatmas, die die moderne Theosophische Bewegung in Gang brachten. Sie sollten Blavatsky, Olcott und Judge, als ihre getreuen Gefolgsleute, dann auch zur Gründung der Theosophischen Gesellschaft in New York bewegen.

Der Begriff »Theosophie« ist natürlich älter als die danach benannte Gesellschaft. Aber erst durch Blavatskys Schriften wurde dieses Wort wieder ins Gedächtnis der Menschen gerufen, die mit damit ein vorgegebenes Fundament schuf, aus dem dann das entstand, was man heute als die »Moderne Theosophie« bezeichnet.

An sich aber steht das Wort »Theosophie« für die Göttliche Weisheit »Theo Sophia«, die als Geistesdisziplin mitunter im Neuplatonismus des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurzelt. Letztendlich ließen sich die Ursprünge dieser spirituellen Geisteswissenschaft, wohl in einer Zeit vermuten, als die Menschen noch gar keine Bücher besaßen, wo Weisheit allein mündlich von Meister zum Schüler weitergegeben wurde. Damit liegen die Ursprünge der Theosophischen Tradition in grauer Vorzeit und seit dem Menschen auf diesem Planeten wandeln.

Siegel der Theosophischen Gesellschaft Adyar – ewigeweisheit.de

Das Siegel der Theosophischen Gesellschaft Adyar mit der Maxime: Keine Religion höher als die Wahrheit. Zur Symbolik: Der Kreis ist Symbol des Unendlichen, Weltenei der Kosmogonie. Die Swastika (Sonnenrad) im Kreis stellt die Kräfte in der Natur während des Evolutionsprozesses dar. Die Uroboros-Schlange symbolisiert den zyklischen Prozess der Manifestation des ewigen Lebens. Innen sieht man zwei Dreiecke die sich im sechseckigen Stern der Vollkommenheit einen: das schwarze steht für die Materie, das weiße für den Geist. Darin befindet sich das alt-ägyptische Ankh, dass sich aus einem Kreis (absoult Göttliches) und einem Kreis (irdisch-materielles) zusammensetzt. Das Aum-Symbol endlich, dass das Siegel krönt, steht für den Logos: das kosmische Wort.

Ziel der Mahatmas, der Meister, wie sie auch genannt werden, war eine Neubelebung der uralten Weisheiten der Menschheit, in der Dämmerung eines neuen Zeitalters (etwa jenem Konzept, über das man in entsprechenden Kreisen der New-Age-Bewegung, als »Zeitalter des Wassermanns« spricht). Das zentrale Konzept dieser Bestrebungen war die Vorstellung eines einigen, göttlichen Absoluten, aus dem sich einst das Universum bildete. Die Theosophie der Mahatmas lehrt, dass die Aufgabe der Menschen auf Erden darin besteht, eine spirituelle Emanzipation zu vollziehen – einer durch wiederholte Reinkarnation erfolgende Veredelung der menschlichen Seele, gemäß den Gesetzen des Karma – dem fernöstlich-spirituellen Konzept der Vorsehung.

Wichtig für die moderne Theosophie sind aber auch der Glaube an eine universale Verbrüderung, was letztendlich zur Verbesserung der Gesellschaftlichen Verhältnisse führen soll – auch wenn in der Theosophischen Gesellschaft dazu niemals ethische Gebote festgelegt wurden.

In solch einem spirituell-geistigen Umfeld, formulierten Blavatsky, Olcott und Judge, die Statuten einer neuen Gesellschaft, die mit den folgenden drei Hauptziele aufgestellt werden sollten:

  1. Den Kern einer universellen Bruderschaft der Menschheit zu bilden, ohne Unterschied von Herkunft, Glaube, Geschlecht und Hautfarbe,
  2. zum Studium der vergleichenden Religionswissenschaft, Philosophie und Naturwissenschaften anzuregen und
  3. ungeklärte Naturgesetze und im Menschen verborgene Kräfte zu erforschen.

Am 17. November 1875 wurde die Theosophische Gesellschaft offiziell in New York gegründet. Blavatsky aber wollte dabei auf jeden Fall vermeiden, dass die neu gegründete Gesellschaft in irgend einer Form mit einer Religion verwechselt werden könnte. Die Mitglieder, ganz gleich welchen Standes oder Glaubens sie waren, brauchten also keinen neuen, allgemeingültigen Dogmen zustimmen, noch irgendwelche Glaubensbekenntnisse formulieren oder gar verbreiten. Sie wollte damit eben vermeiden, dass die Theosophische Gesellschaft eine sektenähnliche Bewegung würde, auch wenn Blavatsky das bis heute, durch das Verhalten mancher Mitglieder der Gesellschaft, anscheinend nicht ganz vermeiden konnte.

Es ging Blavatsky und ihren Anhängern eher darum eine Organisation zu gründen, deren Statuten sich an der demokratischen Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika orientierte, worauf ja gewiss das erste Hauptziel der Theosophischen Gesellschaft hindeutet. Ihr war irgendwie auch klar, dass sie Colonel Olcott nicht zufällig begegnet war, repräsentierte er doch das, was die Grundlagen einer verfassungskonformen Führung von Menschen bedeutet. So kam Olcott schließlich auch zu seinem Amt als erster Präsident der Theosophischen Gesellschaft. Schließlich war er als Jurist vertraut mit dem Rechtssystem des Landes, in dem die Gesellschaft gegründet wurde. Doch auch seine Verbindungen zu Freimaurerischen Kreisen, sollten dabei eine gewisse Rolle spielen.

Helena Blavatskys Aufgabe war ihren Mitmenschen eine zeitgenössische Theosophie zu überliefern. Durch Henry Olcott kam es zur formalen Gründung der Gesellschaft, war Blavatsky doch alles andere als ein Organisationstalent. Sie verkörperte die theosophische Lehre an sich, dass was sie später in ihren Hauptwerken ihren Mitmenschen entbot: die »Entschleierte Isis« (1877) und die »Geheimlehre« (1888). Hiermit wollte sie alte Weisheitslehren so aufbereiten, dass sie auch dem modernen Gemüt zur Verfügung standen.

Blavatskys Arbeit als Schriftstellerin war gewiss eine ganz eigene Art literarischen Schaffens. Mit ihren beiden, eben erwähnten Hauptwerken schuf sie quasi eine Zusammenfassung dessen, was an klassischem Wissen der Spiritualität, Mythologie, Magie, Mystik, Religion und Philosophie, jemals niedergeschrieben wurde. Bei alle dem aber, darf man sich unter der damaligen Theosophischen Gesellschaft nicht etwa einen gewöhnlichen Verein vorstellen. Durch ihre enge Verbindung zu den Lehren der Bruderschaft von Luxor, ließ sich die Gesellschaft in ihren Anfängen, sehr gut als »Ägyptische Schule für Okkultismus« bezeichnen. Nicht zufällig schlug Olcott vor der Gründung vor, die Organisation »Ägyptologische Gesellschaft« zu taufen.

Das war damals das Ergebnis und der Inhalt unserer Lehre, was zeigt, wie unglaublich weit H. P. B. und ich davon entfernt waren an so etwas wie Reinkarnation zu glauben.

-Oclott 1893 in der Zeitschrift »The Theosohist«

Wegbereiterin einer Modernen Spiritualität

von Johan von Kirschner

Helena P. Blavatsky - ewigeweisheit.de

Wer zum ersten Mal mit dem Werk der Theosophin Helena P. Blavatsky in Berührung kommt, den dürfte die Fülle der von ihr hervorgebrachten Themen zur Esoterik tatsächlich verblüffen. Kaum einer vor ihr hat zu so vielen verschiedenen okkulten Wissensgebieten geforscht und noch weniger haben ihre Ergebnisse dann auch als schriftliches Gesamtkompendium herausgebracht.

Bei alle dem ist es aber nicht leicht die Bücher Blavatskys zu lesen und auch zu verstehen. In Anbetracht der Tatsache des gewaltigen Umfangs an Inhalten, reicht es den meisten modernen Theosophen darum aus, sich allein mit dem Werk Helena Blavatskys zu befassen. Vielen Esoterikern gelten ihre Bücher als wahre Inspirationquelle. Heute existieren zudem viele Arbeiten, die Blavatskys Hauptwerk »Die Geheimlehre« zu kategorisieren versuchen, und dem darin enthaltene esoterischen Wissen eine gewisse Ordnung zu verleihen. Für einen heutigen Leser eine sicherlich praktische Herangehensweise – speziell für jene, die Blavatskys esoterische Literatur auch wirklich begreifen möchten. Zu jenen Autoren zählen sicherlich Annie Beasent, Ernest Wood, Gottfried von Purucker oder Geoffrey Baborka.

Gewiss lebten sie alle, und streng genommen auch Helena Blavatsky selbst, in einem Zeitalter, wo das Denken der Epoche Ratio und technischer Fortschritt bestimmten. Zu Zeiten Blavatskys erlebten die Naturwissenschaften eine bis dahin nicht dagewesenen Glanzzeit. Was aber damals der Durchschnitt als Aberglauben belächelte – kurz: Die Okkulten Wissenschaften – erlebte ebenfalls eine neue Blüte, ja sie nahmen sogar einen noch wichtigeren Platz ein, im Denken einer aufstrebenden Moderne.

Die alte esoterische Lehre der jüdischen Kabbala wurde für viele wieder ebenso interessant, wie sich auch ganz neue Forschungsgruppen den alten Mysterien widmeten, die sich in Buddhismus, Vedanta und anderen orientalischen Philosophien entdecken lassen. Man studierte die Eigenschaften des Spirituellen, wandte sich der Untersuchung von Telepathie zu, erprobte Geistheilung und versuchte Licht ins Dunkel anderer übersinnlicher Phänomene zu bringen. Man könnte gewiss behaupten, dass sich in dieser Zeit eine geistige Bewegung im Westen entwickelte, die in der New-Age-Bewegung am Ende des 20. Jahrhunderts ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen sollte.

Das war die Zeit, als in okkulten Zirkeln plötzlich über eine Frau gesprochen wurde, deren Namen auf beiden Seiten des Atlantik von sich reden machte: Madame Blavatsky.

Die Reisen einer jungen, wissbegierigen Frau

Am 12. August 1831 kam in Jekaterinoslaw, im Russischen Zarenreich (heute Ukraine), ein sonderbares Mädchen zur Welt: Helena Petrovna von Hahn-Rottenstein. Ihre Kindheit verbrachte sie viel allein. Aus Sicht eines Spiritisten aber war die junge Helena Petrovna aber ganz und gar nicht einsam. Sie spielte nämlich nicht mit Kindern, sondern, so die Legende, mit Wassergeistern und anderen Naturdämonen. Sicherlich trug zu ihrem merkwürdigen Verhalten als Kind, der frühe Tod ihrer Mutter bei, die sie im Alter von 11 Jahren verloren hatte. Laut dem englischen Schriftsteller Alfred Percy Sinnett (1840-1921), besuchte sie bereits damals jene »Mahatmas« aus dem fernen Tibet, die in der Theosophischen Gesellschaft schlicht als die »Meister« beschrieben werden. Mehr über diese Adepten später.

1849 heiratete sie den sehr viel älteren General Nikifor Vladimirovich Blavatsky (*1810), lebte aber nur etwa drei Monate mit ihm zusammen und das keineswegs als Ehefrau. Helena Blavatsky drängte der Wunsch nach einem großen Abenteuer. Sie wollte auszureißen, ihre gewöhnliche Umgebung hinter sich lassen und sich auf eine Reise zu den Quellen der spirituellen Kulturen begeben, wo sie mit den Weisheiten in West und Ost in Berührung kam.

Als es im Juli 1849 zu Handgreiflichkeiten zwischen ihr und ihrem Ehemann kam, ergriff sie die Flucht und begab sich, nachdem sie kurze Zeit bei Freunden Unterschlupf gefunden hatte, auf eine abenteuerliche Expedition. Erste wichtige Station darauf war Istanbul, damals Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Die Metropole am Bosporus erreichte sie über das Schwarze Meer. Von dort aus setzte sie ihre Forschungsreise in den kommenden neun Jahre fort, kam nach Ägypten, nach Griechenland und später auch an andere Orte Ost-Europas.

Unterwegs lernte sie die Gräfin Sofia Kiselyova kennen – eine Adlige über die allerdings nichts weiter bekannt ist. Sie aber sollte für das damals gerade mal 18-jährige Mädchen, zu einer engen Vertrauten und Freundin werden. Mit ihr nämlich setzte die junge Mademoiselle Blavatsky ihre Reisen fort. All das tat sie mit dem Geld ihres Vaters, mit dem sie insgeheim weiter Kontakt hielt, während ihre restlichen Verwandten nichts von ihren Unternehmungen wussten. Es sollten zehn Jahre vergehen, bis sie die dann schon erwachsene Helena, wiedersehen sollten.

Die Hermetische Bruderschaft von Luxor

1850 kam die junge Blavatsky mit ihrer Begleiterin nach Ägypten, wo sie lange Zeit damit verbrachte nach Orten zu suchen, wo sich Gelehrte aufhalten, die über okkultes Wissen verfügen. Im Kairoer Stadtteil Bulaq traf sie einen alten koptischen Gelehrten, ein recht wohlhabender Ägypter mit griechischen Wurzeln: Paulos Metamon. Man munkelte er sei ein Meister der Magie, dem ganz unglaubliche Fähigkeiten nachgesagt wurden. Anscheinend glaubte er in Blavatsky eine Schülerin gefunden zu haben. Empfänglich nahm sie das Wissen ihres neuen Lehrers ganz in sich auf. Sie schloss sich seiner Geheimschule an und traf ihn auch  in späteren Jahren immer wieder. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass Metamon auf die junge Dame aus Russland einen ganz wesentlichen Einfluss ausübte, wobei aber sicherlich noch andere, geheimnisvollere Kräfte mitwirkten.

Ein gebürtiger Jude polnischer Herkunft, namens Max Théon, war selbst zuvor ein Schüler des Kopten Metamon. Nach Reisen durch Europa gründete Théon (1848-1927) in London die Hermetische Bruderschaft von Luxor – einem esoterischen Orden, der später ganz erheblichen Einfluss ausüber sollte, auf die Geheimlehren des westlichen Okkultismus. Insbesondere die praktischen Komponenten seiner Lehren, sollte für die westliche Mysterien-Tradition von großer Bedeutung werden. Es heißt, Max Théon sei auch Helena Blavatsky begegnet. Angeblich weihte er sie seinerzeit ein, in die Geheimlehren seiner Bruderschaft.

Auf Grundlage seiner Lehre, sollte Blavatsky später in Kairo wahrscheinlich die »Société Spirite« gegründet haben: eine Gesellschaft zur Untersuchung übersinnlicher Erscheinungen. Auch das Emblem der Theosophischen Gesellschaft, ähnelt in gewisser Weise jenem der Hermetischen Bruderschaft von Luxor (vergleiche Abb.).

Sich ähnelnde Embleme: Burderschaft von Luxor, Helena P. Blavatsky, Theosophische Gesellschaft – ewigeweisheit.de

Sich ähnelnde Symbole: Links das alte Emblem der Hermetischen Bruderschaft von Luxor, in der Mitte das Emblem Helena P. Blavatskys und rechts das bis heute verwendete Emblem der Theosophischen Gesellschaft (in Deutschland darf die Gesellschaft das darin enthaltene Swastika allerdings nicht abbilden).

Blavatskys Eifer zu reisen riss hier aber nicht ab. Denn schon im folgenden Jahr 1851, nach ihrer Zeit in Ägypten, setzte sie ihre Reisen fort und kam nach Paris – einer Stadt die sich noch zur wichtigsten Weltmetropole entwickeln sollte. Sie traf dort auf verschiedene berühmte Literaten ihrer Zeit. Damals identifizierte sie außerdem ihre übersinnlichen Fähigkeiten. Aber auch wenn sie dort vielleicht Gleichgesinnte traf, sollte es sie nicht davon abhalten nun doch auch nach London weiter zu reisen.

Hier traf sie zum ersten mal jenen geheimnisvollen Inder, der ihr in ihren Kindheitsvisionen immer wieder begegnet war: Meister Morya. Er sollte sie mit einem besonderen Auftrag vertraut machen, den sie jedoch nur antreten könne, wenn sie ihre Reise in Tibet fortsetze. Im Herbst des selben Jahres 1851 dann kam Helena Blavatsky nach Kanada, um in Quebec auf dort lebende Indianer zu treffen. Von dort aus setzte sie ihre Reise fort nach New York, kam später nach New Orleans, um dort Voodoo-Magiern zu begegnen. Schließlich erreichte sie dann den Süden der Vereinigten Staaten, von wo aus sie 1852 weiterreiste nach Mexiko und Südamerika. Mit dem Schiff fuhr sie noch im selben Jahr auf der nach Ceylon (heute: Sri Lanka) und kam von dort schließlich nach Indien – auf jenen Subkontinent, wo dereinst in der Nähe von Madras (Chennai) das internationale Hauptquartier der Theosophischen Gesellschaft eröffnet werden sollte. Damals versuchte sie von Nordindien aus, in das abgeschottete Tibet zu gelangen. Das aber missglückte ihr leider, denn als Frau verweigerte man ihr an der Grenze die Einreise.

So trat sie also 1854 ihre Rückkehr nach Europa an. Diese Reise jedoch, entpuppte sich als echtes Abenteuer, denn ihr Schiff nach England wäre am Kap der Guten Hoffnung (Südspitze Afrikas) fast gesunken. In England schließlich angekommen, fand sie sich wegen ihrer russischen Herkunft mit Anfeindungen konfrontiert. Damals herrschte Krieg zwischen der britischen und der russischen Armee um die Halbinsel Krim (Schwarzes Meer).

Ob das nun der Grund war, dass sie England wieder verließ? Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen, denn schon bald darauf begab sie sich als Mitreisende auf einem Segler in die Vereinigten Staaten nach New York. Von dort aus reiste sie weiter, quer durch Amerika, nach Chicago, Salt Lake City und San Francisco, bevor sie ihre Reise mit dem Schiff nach Japan fortsetzte. Ihr Endziel war wieder Indien. Hier begab sie sich zunächst nach Kaschmir, im Norden des Landes, darauf ins dort gelegene Ladakh.

Im heiligen Tibet

Blavatsky versuchte später erneut nach Tibet zu kommen. 1856 traf sie auf dem Weg einen tartarischen Schamanen in der Stadt Leh, nördlich Kaschmirs. Er sollte sie tatsächlich nach Tibet bringen, denn auch er wollte in das Land, um von dort aber nach Sibirien weiterzureisen. Und da Blavatsky nun eben Russisch sprach, sollte sie ihm dabei als Gegenleistung behilflich sein. Der Schamane verkleidete sie als Mann und so gelang es ihr wirklich die Grenze zwischen Kaschmir und Tibet zu überschreiten, vorbei an der Grenzkontrolle der Britischen Kolonialbeamten. Es war wohl aber auch etwas Magie im Spiel. Der Schamane trug unter seinem linken Arm einen besonderen Totem-Stein. Es mag eigenartig klingen, doch wie auch aus druidischen Quellen im Westen bekannt ist, war es einer dieser »sprechenden Steine«, mit denen er die Kontrolleure vielleicht abgelenken konnte.

Es war ein eigenartiger Mensch, dieser Tartare. Er sprach kein Englisch, nur einige Fetzen Russisch. Trotz dessen aber war er in der Lage recht informative Konversationen zu führen. Außerdem erlebte sie mit ihm wahrlich Seltsame Sachen, die sie wohl niemals geschehen wären, hätte sie ihre Reise alleine fortgesetzt. Es sollte aber einer der kritischsten Momente ihres bisherigen Lebens werden. Als sie den Schamanen später darum bat, ihr das Geheimnis des sagenhaften Steins zu enthüllen, wurde sie Augenzeugin ganz furchteinflößender Ereignisse, die sie Glauben machten, ihren Begleiter hätten alle Lebensgeister verlassen! Doch wenn jemand lebte, dann dieser Schamane!

Abgesehen von diesen Zwischenfällen, muss man ja wissen, dass eine solche Reise damals (wahrscheinlich aber auch heute noch) ein wirklich gefährliches Abenteuer sein konnte. Blavatsky wusste nicht was ihr in der nächsten Stunden passieren konnte, dort im Nirgendwo des tibetischen Hochlands. Nicht etwa war Tibet damals ein Land, wo man ausschließlich meditierende Mönche traf. Wer die Berichte des schwedischen Reiseschriftstellers Sven Hedin kennt (»Wildes heiliges Tibet«), weiß, dass es zu damaliger Zeit ganz und gar nicht friedlich zuging und man im Hochland Tibets stets damit rechnen musste überfallen zu werden. Blavatskys einziger Beschützer in der tristen Einöde des tibetischen Hochlands, war der tartarische Schamane. Es war aber, wie bereits angedeutet, ein Nehmen und Geben, denn durch Blavatsky und die anderen russischen Mitreisenden, fühlte sich der Schamane in seiner Hoffnung sicher auch zurück in seine sibirische Heimat zu kommen – von wo aus er einst, aus nicht geklärten Gründen, vor 20 Jahren geflohen war.

Ein Augenzeuge magischer Beschwörungen

Auf dem Weg nach Tibet nun, kamen sie an einen großen See, dessen weitläufige Ufer dunkler Schlamm bedeckte. Für einige Tage rasteten sie dort in einem kleinen Dorf. Blavatsky verbrachte die Nächte in einer Jurte (traditionelles Zelt der Tartaren). Wie sie über den Schamanen erfuhren, befand sich in der Nähe ein Buddhistisches Kloster (sanskr. »Vihara«). Wie sie erfuhren, hielt sich dort gerade ein buddhistischer Lama auf der einen Exorzismus vornehmen sollte, bei einer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie, die den negativen Wirkungen eines »Tschutgur« ausgesetzt war (Besetzung durch einen Elemental-Dämon). An einem Nachmittag begaben sich Blavatsky und andere Mitreisende in dieses Kloster, dass sich ganz in der Nähe befand.

Dort aber sollten sie Zeugen außergewöhnlicher Ereignisse werden. Es waren auch tibetische Mönche dorthin auf dem Weg, die sich auf Pilgerschaft in das Kloster begaben, das aber eher einem vorübergehenden Gebäude glich und sich in einer großen Höhle befand. Einer der Lamas nun, sollte laut des Schamanen, ein echter Zauberer gewesen sein, der ganz kuriose Dinge vollbringen konnte.

Mit Blavatsky reiste außerdem ein sonderbarer »Mr. K.«, über dessen wirklichen Namen und Herkunft nichts weiter bekannt ist. Er aber machte sich auf, um mit den tibetischen Wandermönchen Kontakt aufzunehmen. So kam es sogar dazu, dass sich die beiden Lager über die Tage untereinander anfreundeten. Doch was diese seltsamen Menschen nun tun sollten, war alles andere als etwas, das sich Blavatsky in ihren kühnsten Erwartungen hätte ausmalen können.

Ein Kleinkind, von gerade mal drei bis vier Monaten, wurde von seiner ärmlichen Mutter den Mönchen übergeben, um eine klösterliche Erziehung zu erhalten. Einige Tage vergingen, bis die Kontaktperson, jener ominöse Mr. K., den Mönchen schwören musste, mit niemandem über die folgenden Ereignisse zu sprechen.

Ladakh – ewigeweisheit.de

Ladakh: Indiens »Klein-Tibet«, bekannt für die Schönheit seiner Berge und den dort verbreiteten Buddhismus (Foto: Russavia; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 2.0).

Nun saßen Blavatsky und die anderen Begleiter dort am Eingang des kleinen Höhlenklosters. Man brachte das Kind hinein und legte es auf eine Art weichen Teppich. Die Lamas setzten sich auf den Boden daneben. Plötzlich brach ein helles Licht hervor aus der offenen Klostertür, als der Oberste der Lamas in einen tranceartigen Zustand verfiel. Es wurde still. Die anderen Mönche schienen wie versteinert. Alles was man hörte war das entzückte Jauchzen des Babies. Zu unserem bloßen Entsetzen aber, kam das Kleinkind plötzlich in Sitzhaltung, als hätte es eine dämonische Kraft aufgerichtet. Kurz darauf zuckte es wieder, wie von unsichtbaren Drähten gezogen und stand plötzlich auf den Beinen – ein vier Monate altes Baby!

Auf einmal starrte das Kleinkind die Anwesenden an, mit einem Blick vollkommen klarer Gewissheit, eben so wie einer schaut, den man als ausgesprochen intelligent bezeichnen könnte. Doch das wirkte einfach nur grauenhaft und furchterregend auf Mr. K. und die Anwesenden. Ein kalter Schauer fuhr ihm über den Rücken. Während die Lamas sich in gutem Abstand von dem Kind befanden, saß Mr. K. direkt neben ihm. Er biss sich auf die Lippe und kniff sich in die Hand, bis er fast blutete – nur um zu wissen: das war kein Traum!

Die wundersame Kreatur, die mit dem Baby eins zu sein schien, setzte sich vor ihn hin und redete auf Tibetisch auf ihn ein:

Ich bin Buddha. Ich bin der alte Lama. Ich bin der Geist inkarniert in neuem Körper.

-Zitiert aus Blavatskys »Entschleiert Isis«, Band II

Ihm schien als gerinne ihm das Blut in den Adern. Die Haare stellten sich ihm auf. Was er da erlebte war wohl, was ihm einst beschrieben wurde als Inkarnation, als Fleischwerdung eines Buddha (hier muss hinzugefügt werden, dass »Buddha« kein Name für eine Person, sondern ein Titel zur Beschreibung des Göttlichen ist: im Sanskrit steht der Titel für den »Erwachten«, so wie man den 563 v. Chr. geborenen Siddharta Gautama später nannte). Alles was Mr. K. erlebte war keine Einbildung. Die Lippen des Kindes bewegten sich tatsächlich und die leuchtenden Augen starrten ihn an, als spähten sie in ihm nach seiner Seele. Mr. K. empfand all das, als wären es die Augen des Lama-Oberhaupts, der da wie gelähmt auf dem Felsboden lag, doch ihn durch die Augen des Kleinkinds direkt anblickte, so als wäre sein Geist in das Baby gefahren.

Es wurde ihm schwindelig, denn da kam das Kind auf ihn zu und legte die kleine Hand auf seine. Heiß wie Kohle brannte sie auf seiner Haut. All das empfand er als kaltes Grauen und es war ihm so unerträglich, dass er seine Hände auf sein Gesicht legte und zu schreien begann. Doch von jetzt auf nachher verwandelte sich der Schauplatz, den Mr. K. wohl als wahre Hölle empfand, wieder zurück in das, was sich ihm bei seiner Ankunft dort gezeigt hatte. Der Lama war erwacht und setzte die zuvor unterbrochene Konversation fort. Das musste dem Erfahrenen als ganz und gar aberwitziges Verhalten vorgekommen sein, dachte er eben doch noch, er müsse sterben.

Nun fragte Mr. K. was denn gewesen wäre, wenn er wie vom Teufel besessen und von totaler Panik getrieben, dass Kind aus Versehen verletzt oder sogar getötet hätte? »So hättest Du auch mir physischen Schaden zugefügt, hättest mich getötet«, antwortete der Lama.

Blavatskys Abreise

Das war nur eines von vielen sonderbaren Ereignissen, die in diesem Artikel, wegen ihrer Länge, leider nicht alle wiedergegeben werden können. Mit dieser Schilderung aber sollte die Stimmung vermittelt werden, mit denen sich Blavatsky während ihres Aufenthalts in Tibet, wohl immer wieder konfrontiert sah.

Nach einiger Zeit aber verließ Blavatsky das geheimnisvolle Tibet wieder und ein Führer brachte sie zurück zur indischen Grenze. Die Wege und Bergpässe, denen Blavatsky ihrem Führer folgte, blieben ihr aber fremd. Sie verließen Tibet also auf einem anderen Weg, als sie der Tartare eingeführt hatte. Was aus ihm wurde, wissen wir leider nicht. Etwas später reiste sie dann über das südindische Madras per Schiff nach Java und von dort zurück nach Europa, wohin sie schließlich im Jahr 1858 zurückkehrte.

Nach Madras aber sollte sie ein ander Mal wieder zurückkehren.

 

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Der Mensch - ein kleines Universum auf dem Wege das große in sich zu entdecken

von Eva Jahn

Der Mensch als kleiner Kosmos - ewigeweisheit.de

Der Mensch ist ein kleines Universum, ist ein Spiegelbild des großen Universums und lebt in den Räumen des Raumes. Er lebt in einem wahrhaft wunderbaren Weltall, doch wie wenig weiß der Mensch von ihm – selbst von unserer Mutter Erde! Wie ist es entstanden? Was war es in der Vergangenheit? Was ist das Wesen seines inneren und für die meisten von uns unsichtbaren Aufbaues? Was ist seine Bestimmung? Und was ist die Bestimmung seines Kindes, des Menschen?

(Aus dem Buch "Mensch im Kosmos" von Gottfried von Purucker)

Heute, wie zu allen Zeiten, suchen die Menschen nach Antworten, nach Antworten auf die Fragen:

  • Wer bin ich?
  • Wo komme ich her?
  • Wo werde ich hingehen?
  • Was wird mit mir geschehen?

Es gibt eine Antwort auf diese Fragen, eine Erklärung, die den höhergeistigen Teil unserer Natur wie auch unseren Verstand voll und ganz befriedigt. Diese Erklärung der Tatsachen des Seins ist durchaus wahr und gründet sich nicht auf die wechselnden Anschauungen von Männern, die, wie schätzenswert und ernst sie auch sein mögen, doch immer nur Forscher sind und bedachtsam nur Schritt für Schritt vorgehen können bei ihren höchst anerkennenswerten Bemühungen, mehr über die Geheimnisse der Natur zu erfahren. Es handelt sich vielmehr um eine Erklärung, die aus unvordenklichen Zeiten überliefert ist und von großen Sehern, Menschen mit einer umfassenden und tiefen höhergeistigen Schau, einer Schau, die hinter die zahlreichen Schleier des äußeren oder phänomenalen Universums gedrungen sind, die ihren Geist und ihr Bewusstsein tief in den Schoß des Seins versenkten und bewusst Aufzeichnungen über die Beschaffenheit jenes Teiles des Universums zurückbrachten, der hinter den Schleiern des äußeren Scheins verborgen liegt. Diese ihre Aufzeichnungen und Erkenntnisse überlieferten sie durch lange Zeitalter ihren Schülern, ernsten und nach Wahrheit suchenden Menschen, welche die Wahrheit um jeden Preis erkennen wollten.

Diese überlieferte Wahrheit, diese geordnete Erklärung der Dinge wird der Welt heute unter dem Namen Theosophie gegeben. Sie beruht nicht auf dogmatischen Behauptungen; sie verlangt von niemandem ein unbesehenes Festhalten an irgendwelchen Erklärungen, die jemand heute oder in der Vergangenheit gemacht hat. Aber sie lädt jedermann ein, das zu studieren, was er hört oder liest, und daraus zum Besten seiner eigenen Entwicklung und seines eigenen Verständnisses, wie auch zum Besten der Entwicklung und des Verständnisses seiner Mitmenschen, jene Wahrheiten sich anzueignen, welche über menschliche Durchschnittsintelligenz Hinausgeschrittene nach eigener Aussage in diesen Lehren gefunden und durch Erfahrung bestätigt gesehen haben.

Ein jeder möge diese Lehren selbst prüfen und dann an den ehrlichen Folgerungen festhalten, die er aus diesem Studium zieht. Wir sagen dies vor allem aus einem Grund: Wer auf diese Weise seine inneren Fähigkeiten des Willens, des Urteils und der intuitiven Erkenntnis betätigt, öffnet in sich selbst das Tor, durch welches die strahlende Wahrheit in seine Seele eindringen kann, weil er nach der Wahrheit sucht. Dies ist eine spirituelle Übung edelster Art.

Wer Irrpfaden folgen will, wer sich lieber zur linken Hand wenden will anstatt zu rechten, wer seine Intuition töten will, der möge annehmen, was andere als dogmatische Wahrheit lehren. Aber kein wahrer, spiritueller Lehrer hat jemals so gelehrt. Immer wendet er sich an die Seele und die Intuition des Zuhörers. Dies ist einer der Prüfsteine, mit dem man die Religion von einer Religion, die Wahrheit vom unfruchtbaren Dogma unterscheiden kann.

Es ist Wahrheit im Weltall

Was ist diese Wahrheit? Sie ist das Weltall selbst oder vielmehr die Natur des Weltalls, wie sie sich in der Tätigkeit dieses Weltalls offenbart, das sich auf diese Weise selbst zum Ausdruck bringt. Seine Gesetze sind nichts anderes als die verschiedenen Arten seiner Tätigkeit, die in kosmischen Beziehungen in Erscheinung treten; und wahre Philosophie, wahre Religion sowie wahre Wissenschaft versuchen diese Grundbeziehungen in gedanklicher Formulierung zu deuten. Der erleuchtete Menschenverstand kann diese grundlegenden Beziehungen deuten, weil wir als Kinder des Universums alle Fähigkeiten und Kräfte latent in uns besitzen, die das Universum hat und die in uns als unsere eigenen Kräfte und Fähigkeiten zum Ausdruck kommen. Wir haben also die nötigen Organe, um das Universum zu verstehen, und dieses Verständnis erlangen wir durch das Beiseiteziehen der Schleier, in die unsere Natur gehüllt ist.

Die Fähigkeiten des Verstehens oder Begreifens ist etwas, was wir entwickeln können. Damit ist nicht gesagt, dass wir erst ein Organ des Begreifens aufbauen müssten. Unser Verstehen liegt in uns, nicht außerhalb von uns, und diese Fähigkeit des Verstehens und Begreifens wächst und wird immer klarer, weil auch unser Bewusstsein wächst. Daher hat jeder Lehrer gesagt: Blicke in dich folge dem Pfad, der nach innen führt! Du kannst in alle Ewigkeit nach innen gehen mit ständig wachsendem Licht und reicheres, höhergeistiges und intellektuelles Leben erlangen und so nebenbei auch ständig wachsende Freude gewinnen, die sich vertieft zur Glückseligkeit.

Denn das Weltall ist Harmonie; seine Tätigkeit gründet sich auf eine ethische Ordnung. Es wirkt nach den Gesetzen der Harmonie, die ihm nicht von außen her auferlegt wurden, sondern aus ihm selbst geboren, seine Natur sind; Gesetze, welche die Folgerichtigkeit und Beständigkeit des Tätigkeitsablaufes verbürgen, den wir im Weltall sehen – seine sogenannten Naturgesetze.

Erkenne diese Gesetze – dann wirst du die Wahrheit erkennen.

Jeder von uns wird auf diese Weise selbst zum Weg zur Wahrheit, weil das Verstehen in uns liegt; und auch all das, was verstanden werden muss liegt in uns selber. Jeder von uns ist für sich ein Schlüssel zu allen Pforten des Universums. Wer dem Pfad folgt, der sich von seinem Herzen und Verstand in Richtung seines spirituellen Wesens immer weiter nach innen erstreckt, kommt jenem erhabenen Ziel immer näher, das infolge des sich weitenden Bewusstseins immer größer und ausgedehnter wird und zu immer höherer und erhabener Wahrheit zurückweicht – bis zu jenem universalen Leben, in welchem jedes Menschenwesen wurzelt: mitten im Herzen des Universums.

Aus dem Buch "Mensch im Kosmos" von Gottfried von Purucker

Helena Petrovna Blavatsky - ewigeweisheit.de

Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891) - Begründerin der modernen Theosophie

Vielleicht sollten wir uns noch einmal vergegenwärtigen was Natur für den Studierenden der Theosophie bedeutet.

Wenn ein Theosoph Natur sagt, ohne weitere Spezifizierungen vorzunehmen, dann begrenzt er dieses Wort nicht auf die physische Welt allein. Er bezieht sich dann auf die Gesamtheit des Universums. Das schließt die göttliche, spirituelle, intellektuelle, physische und astrale Natur mit ein; er bezieht sich auf all die spirituellen und feinstofflichen Bereiche, Sphären, Welten und Ebenen, die zusammen den Geist, die Seele den Körper des Universums bilden, wie die großen Denker des Westens und des Ostens es ausdrückten.

Das lehrte sie, das lehrte H. P. B. (Helena Petrovna Blavatsky)

Das lehrten die großen Weisen und Seher: eine offene und eine innere, verborgene Lehre; eine exoterische Lehre für die Öffentlichkeit, und eine esoterischen Lehre für diejenigen, die sich selbst als fähig erwiesen hatten, sie zu begreifen und daher auch bereit waren, sie Geheim zuhalten und als heilig zu betrachten. Denn wenn es angebracht wäre, diese esoterischen Lehren der Öffentlichkeit mitzuteilen, würde dies geschehen. Erinnern sie sich, dass die archaische Weisheitsreligion der Zeitalter das natürliche Erbe der Menschen ist. Sie gehört ihnen rechtmäßig. Aber als Einzelne haben wir kein Anrecht darauf, ehe wir nicht erwachsen sind ehe nicht unser Verstand gereift ist, und wir nicht länger in spiritueller und intellektueller Hinsicht wie Kinder sind, bereit, das zu missbrauchen, was uns zwar rechtmäßig gehört, aber den irrenden Menschen von der Natur, den Göttern und den Meistern des Mitleid, Liebe und Weisheit so lange vorenthalten wird, bis die Menschen gelernt haben, sich selber zu beherrschen. Dann werden sie auch imstande sein, das, was ihnen aufgrund des natürlichen Rechtes zusteht, in der richtigen Weise anzuwenden. Dann wird auch keine Gefahr mehr für eine falsche Anwendung und für einen Missbrauch bestehen.

Aus dem Buch "Wind des Geistes" von Gottfried von Purucker

Hier sollten wir uns noch einmal den diesem Absatz vorangehenden Text in Erinnerung rufen, er lautete:

Wer dem Pfad folgt, der sich von seinem Herzen und Verstand in Richtung seines spirituellen Wesens immer weiter nach innen erstreckt, kommt jenem erhabenen Ziel immer näher, das infolge des sich weitenden Bewusstseins immer größer und ausgedehnter wird und zu immer höherer und erhabener Wahrheit zurückweicht – bis zu jenem universalen Leben, in welchem jedes Menschenwesen wurzelt: mitten im Herzen des Universums.

Gottfried von Purucker

Versuchen wir dem Pfad der Wahrheit zu folgen, versuchen wir den Schlüssel in der richtigen selbstlosen Weise anzuwenden damit wir durch einen Missbrauch von uns selbst nicht einen einzigen Menschen von diesem Wachstum ausschließen!

Mehr als 100 Jahre haben die Mahâtmas nach einem menschlichen Wesen gesucht, das in der Lage war auch die okkulten Dinge zu verstehen und bereit war das rechtmäßige Erbe der Menschheit, was ihr vor etwa 2000 Jahren genommen worden war, nach dem Wissen der Meister der Weisheit niederzuschreiben, damit die Menschheit ihr Erbe nun antreten kann. Einer dieser großen Selbste ist der Meister M. der Lehrer H. P. B.'s.

Der andere Meister ist K. H., der sich bereit erklärte in einer Korrespondenz mit A. P. Sinnet und A. Hume zu treten, um auf schriftliche Anfragen schriftliche aufklärende Antworten zu geben.

Diese Fragen und Antworten sind in den Mahatma Briefen veröffentlicht.

Diesen hohen Wesen haben wir aus tiefstem Herzen und tiefster Seele für dieses immense Wissen, dass von H. P. B. niedergeschrieben worden ist, zu danken. Ebenso unserer großen Lehrerin H. P. Blavatsky für all ihre Mühen!Doch weiter in dem Gedanken an den Menschen als dem kleinen Universum [...] von dem wir ja gerade hörten, dass er das ganze Universum in sich trägt, als ein Spiegelbild dieses großen uns umgebenden Universums.

Wenn nun wirklich der Mensch ein kleines Universum ist und das große als natürliches Wissen in ihm steckt, werden wir versuchen danach zu suchen.

Was ist das Offensichtlichste in der uns umgebenden Natur – der Wechsel von Tag und Nacht – der Wechsel der Jahreszeiten oder die Art von Wechseln wie Tod und Leben, oder von noch größeren Zyklen. Tag und Nacht ist ein sich wechselnder Zyklus, der sich stets wiederholt. Leben und Tod sind es ebenfalls, denn Leben – physisches Leben endet irgendwann durch den sogenannten Tod, durch den unsere göttlich-spirituelle Monade ihre Bindung an die physische Hülle verliert, und wieder frei wird und ihre spirituelle Heimat besuchen kann.

Betrachten wir das kleine Universum "Mensch". Ist er nicht wirklich ein geschlossenes System mit Organen, die das ganze Leben hindurch ihre Arbeit tun und die Physis am Leben erhalten?

Und, wie wir durch die Theosophie lernten, ist der Mensch eine zusammengesetzte Wesenheit, ein Bündel von Energien, die als Prinzipien bezeichnet werden und die durch verschiedenste Aufgaben als Kräfte im Menschen wirken.

Esoterische Bedeutung der Physis - Die Organe im Menschen

Die wichtigsten Organe des Menschen sind das Herz, das Gehirn und für die Verdauung die Leber und Milz.

  • Das Gehirn ist das Zentrum des intellektuellen Bewusstseins und das Herz präsentiert die höhere Triade – Atma, Buddhi und Manas, während Leber und Milz den Quaternio als ein Ganzes genommen repräsentieren, die sterblich Vierheit.
  • Das Herz ist die Wohnstätte des spirituellen Menschen, wohingegen der psycho-intellektuelle Mensch im Kopf mit seinen sieben Toren wohnt (entsprechend den sieben Prinzipien). Das Herz ist, wie in der Herzenslehre gesagt, der verborgene und nicht sichtbare Teil, der geheime Teil im Menschen.
  • Die Zirbeldrüse selbst (unser einziges karmisches Organ), wenn erleuchtet, entspricht dem göttlichen Denken.

Gibt es nicht einen Vergleich für diese Aussage?

Oft hört man die Rede oder Worte: von „der Sonne“ im Herzen, wenn ein Mensch voller Liebe, heiter, freundlich hilfsbereit und selbstlos ist? Und wenn wir uns im Gebet der Sonne zuwenden, beten wir nicht die sichtbare Sonne, sondern die dahinter stehende, die verborgene Sonne oder den göttlich-spirituellen Aspekt der Sonne an. Genau das kommt in dem Gesang oder dem Gebet in der Gâyatrî so recht zum Ausdruck:

O, Du goldene Sonne von herrlichstem Glanze,
Erleuchte Du unsere Herzen und erfülle unser Gemüt,
Auf das wir unser Einssein mit dem Göttlichen,
Dem Herzen des Universums, erkennen,
Den Pfad zu unseren Füßen schauen und ihn wandeln
zu jenem fernen Ziele der Vollkommenheit,
Angespornt von Deinem eigenen strahlenden Licht.

Dies ist hier nur eine von den vielen Übersetzungen, die sich zwar alle ähneln aber doch in den unterschiedlichsten Worten zum Ausdruck kommen – der Sinn jedoch ist immer derselbe: Die Entwicklung des Menschen hin zu seiner inneren Göttlichkeit, die die unsichtbare Sonne, die hinter der sichtbaren Sonne steht, versinnbildlicht. So, wie unser Herz das sichtbare – das unsichtbare, die göttlich-spirituelle Monade versinnbildlicht.

Der Anatomische Mensch im Tierkreis - ewigeweisheit.de

Der Mensch im Kosmos. Ein Gemälde der Brüder von Limburg. Mann und Frau werden in einer Vesica gezeigt, wo je einem Organ eines der 12 Tierkreiszeichen zugeordnet wird.

Der Mensch als kleines Universum

Der Mensch ist ein kleines Universum, der aber das große Universum in sich trägt, wie die vorgenannten Beispiele von Dr. von Purucker gezeigt haben.

H. P. B. lässt uns in der Geheimlehre, als sie die Sonne betrachtete und beschrieb, dass man, wen es eine Sonnenfleckenperiode gibt, in das Innere der Sonne schauen kann und das, was man sieht ist eigentlich nur Dunkelheit ... Das für uns unsichtbare Herz der Sonne!

Haben Sie schon einmal eine Röntgenaufnahme oder eine Aufnahme per Computer ihres Herzens gesehen? Sie können die Bewegung der Herzklappen sehen, und das Pulsieren des Herzen in den Formen des Zusammenziehens und der Ausdehnung, aber das Innere bleibt genau wie bei der Sonne dunkel und verborgen.

Die Theosophie lehrt, diese dunklen Flecken sind sogenannte Layazentren, in denen Geist und Stoff homogen ist. Sie werden in der Theosophie auch als Durchgangsstellen von einer Bewusstseinsebene zu einer anderen bezeichnet.

Von der Wissenschaft werden sie als die schwarzen Löcher im Universums angesehen, die alles verschlingen, um es vermutlich in einem anderen Universum wieder erscheinen zu lassen.

Damit stellen sie ebenfalls ein Durchgangszentrum dar, ein Layazentrum zwischen anderen Ebenen.

In diesem Zusammenhang wird uns etwas sehr wichtiges gezeigt, nämlich das Gesetz der Analogie, das in den Gleichnissen gipfelt: wie Oben so Unten, wie Außen so Innen, bekannt als die hermetischen Gesetze.

Der Mensch trägt kosmisches Wissen und kosmische Bewegung in sich - diese kosmischen Eigenschaften kann er zum Ausdruck bringen

Erinnern Sie sich an die Zeitperioden, von denen die Rede ist, wenn der Mensch sich entwickeln soll, aus dem Geistigen hinab in die Materie? Durch die verschieden Zeiten und verschiedenen Formen menschlichen Lebens?

  • Den Beginn macht stets das Goldene Zeitalter das Krita von 1.728.000 Jahren,
  • das Silberne Zeitalter das Tretâ von 1.296.000 Jahren
  • das Eiserne / Kupferne das Dvâpara von 864.000 Jahren
  • und zu guter Letzt das Schwarze/dunkle das Kali Yuga von 432.000 Jahren in dem wir uns ja zur Zeit befinden.

Kosmische und menschliche Zyklen

Es gibt während der manvantarischen Sonnenperiode oder Lebenszeit einen regelmäßigen Kreislauf des Lebensfluidums durch unser ganzes System, dessen Herz die Sonne ist – so wie der Kreislauf des Blutes im menschlichen Körper. Die Sonne zieht sich ebenso rhythmisch zusammen, wie es das menschliche Herz bei jeder Rückkehr des Blutes tut. Nur braucht das Blut der Sonne, anstatt die Runde in einer Sekunde oder dergleichen zu vollenden, zehn Sonnenjahre zu seinem Kreislauf und ein volles Jahr zu seinem Durchgang durch die Aurikel – die Vorhöfe – und die Ventrikel - die Herzkammern, bevor es die Lungen wäscht und von da aus in die großen Arterien und Venen des Systems zurückkehrt. [...] und 72 menschliche Jahre, um einen Grad eines Tierkreises zu durchlaufen

Die Geheimlehre von Helena P. Blavatsky, Kapitel: Die Sonnentheorie

In Zusammenhang mit dem aus der Geheimlehre zitierten Absatz geht hervor, dass das, was in der Kosmologie als Herzzyklus des Herzens der Sonne bekannt ist, als ein Spiegelbild der zyklischen Hauptphasen die auf kosmischer Stufe tätig sind, auch im Kleinen, im Menschen, gezeigt werden kann.

Das Goldene Zeitalter - ewigeweisheit.de

Auschnitt aus dem Gemälde "Das Goldene Zeitalter" (um 1530) von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553)

Zyklen - Zahlen - Rhythmen - Beschreibungen

Physikalische Einheitenzeichen

Der Übersichtlichkeit halber, verwenden wir im folgenden die physikalischen Einheitenzeichen für die Zeit. Diese sind:

  • Sekunde: s
  • Minute: min
  • Stunde: h
  • Jahr: a

Fachbegriffe

Einleitend sollen einige Erklärungen der Fachbegriffe hier verwendete Fachbegriffe gegeben werden. 

  • Die Vorhöfe des Herzsystems nennt man Aurikeln,
  • Herzkammern werden Ventrikeln genannt.

Der Herzrhythmus besteht aus:

  • Der Zusammenziehung - der Systole und
  • der Erweiterung - der Diastole.

Diese Phasen der Zusammenziehung und Erweiterung des Herzen gehen ineinander über und werden innerhalb eines Durchschnitts von 0,8 s vollendet. Diese 0,8 s sind folgendermaßen aufzuteilen:

Aurikulare Systole 0,1 s
Ventrikulare Systole 0,3 s
Aurikulare Diastole 0,7 s
Ventrikulare Diastole 0,5 s
Ruhezeit des ganzen Herzens 0,4 s

Die aurikulare Systole und Diastole ergeben zusammen also 0,8 s und die ventrikulare Systole und Diastole ebenfalls zusammen 0,8 s.

Wenn wir nun die Zeitperioden betrachten, die die verschiedenen Herzphasen im Maßstab einer Stunde (= 60 • 60 = 3.600 s) ausmachen, kommen wir zu folgendem Schluss:

Erinnern wir uns an die 432 -, die durchschnittlichen 72 Schläge des Herzen / min (oder pro 60 s); mal 60 min ergeben 4.320 Herzschläge, dann sieht das aus wie folgt:

Herzphase
pro h
Zeit Yuga
Aurikale
Systole:
0,1 s • 72 • 60
= 432 s Kali-Yuga:
432.000 a
Ventrikulare
Systole: 
0,3 s • 72 • 60
= 432 s • 3  = 1.296 s
Tretâ-Yuga:
1.296.000 a
Herzruhezeit:
0,4 s • 72 • 60
= 432 s • 4 = 1.728 s
Krita-Yuga:
1.728.000 a
Aurikulare
Diastole:
0,7 s • 72 • 60
= 432 s • 7 = 3.024 s
Ventrikulare
Diastole:
0,5 s • 72 • 60
= 432 s • 5 = 2.160 s1
 

1 Messianischer Zyklus von 2.160 a = 1/12 des Präzessionszyklus von 25.920 a.

Der Unterschied zwischen den Perioden der beiden Diastolen von 0,7 s und 0,5 s beträgt 0,2 s. Er stellt die Zeit dar, in der es nur eine Art Diastole gibt, nämlich die aurikulare Diastole bevor die ventrikulare Diastole wieder einsetzt.

Diese Zeitperiode ist die fehlende Zahl - das fehlende Zeitalter:

0,2 s • 72 • 60 = 432 s • 2 = 864 s
Dvâpara-Yuga:
864.000 a

Addieren wir die beiden Systolen 432 (000) und 1 296 (000) ergeben zusammen 1 728 (000) und damit noch einmal das Krita oder Satya Yuga (oder Goldene Zeitalter).

Die aurikulare Systole 0,1 s und die Ruhezeit 0,4 s ergeben zusammen 0,5 s und machen innerhalb einer Stunde 2.160 s aus, die wiederum die Ziffern des Messianischen Zyklus sind: 0,5 • 72 • 60 = 2.160

Wir, liebe Weggefährtinnen und Weggefährten – liebe Schwestern und Brüder, befinden uns jetzt im Kali Yuga, das eine Dauer von 432.000 Jahren hat. In der Geheimlehre Band I, Seite 725 – Beginn des Kali Yuga, legt Frau Blavatsky ganz konkret das genaue Datum auf den:

16. Februar 3.102 v. Chr. fest und zeigt uns dass alle Sterne / Planeten nacheinander hinter der Sonne hervor kamen: zuerst Saturn, hierauf Mars, dann Jupiter und Merkur – und diese Planeten zeigten sich auf einem sehr kleinen Raum vereinigt. Obwohl Venus nicht erschien, so ließ doch der Hang zum Wunderbaren, in jene Zeit, eine allgemeine Konjunktion sämtlicher Planeten versetzen. Auch der Mond der als Mondfinsternis hinter der Sonne stand, sei nicht vergessen.

Das Zeugnis der Brahmanen ist hier in Übereinstimmung mit dem unserer Tafeln; und dieses Zeugnis, das aus einer Überlieferung hervorgeht, muss auf einer wirklichen Beobachtung begründet sein.

Die Geheimlehre von Helena P. Blavatsky

Im Rhythmus des menschlichen Herzens spielen sich also kosmische Zyklen, genannt Yugas von unterschiedlicher Länge, im Kleinen ab – so ist der Mensch ein kleines Universum, lebt in einem Sonnensystem – einem wunderbaren, größeren Universum, und dieses wiederum in einer Galaxis, die wir Milchstraße nennen und die göttliche Monade unseres Herzens, kann eine Reise bis in das Zentrum dieser Milchstraße antreten, wenn sie nach dem was wir Tod nennen frei wird.

In diesen Beispielen werden wir mit einem weiteren großen Gesetz bekannt gemacht - dem Gesetz der Analogie, wie Oben so Unten, wie Innen so Außen, wie im Großen so im Kleinen.

Das Menschliche Herz als der Teil der göttlich-spirituellen Monade

Der Mensch ein kleines Universum auf dem Wege, das große in sich zu entdecken.

Das Herz ist der Sitz der Göttlich-Spirituellen Monade und das bedeutet, dass hier das Zentrum des Bewusstseins ist. Da nun das Bewusstsein im ganz kleinen wie auch im ganz großen existiert und den ganzen Raum / Universum ausfüllt, so sind wir seine Kinder, seine sich entwickelnden Abkömmlinge.

Werden wir nicht oft genug von unseren großen Lehrern aufgefordert: werdet mitmenschlicher, denk selbstloser, seid selbstvergessener und denkt universell? Hierin liegt eine Aufforderung die uns bewusst werden sollte, wenn wir über das Herz als von der göttlich-spirituellen Monade sprechen.

Wir spüren eine Art von Begrenzung in der Richtung bei unser Gehirntätigkeit, weil unser Gehirn selbst ein begrenzter Teil der physischen Materie ist. Aber jeder denkende Mensch muss, wenn er sich sorgfältig prüft und seine eigenen Erfahrungen studiert, erkennen, dass es im Menschen etwas gibt, das grenzenlos ist, etwas, das ihm immer zuruft:

Komm höher herauf. Geh weiter aufwärts. Dringe weiter und immer weiter vor bis in das, was jenseits liegt. Wirf alles was Grenzen hat, beiseite, denn in diesem Fall gehört es nicht zu deinem höheren Selbst.

Gottfried von Purucker

Dieses Bewusstsein, so sagen wir, ist die Tätigkeit des spirituellen Selbstes im Menschen, die Wirkung dessen was wir die spirituelle Monade nennen; diese spirituelle Monade ist der Mittelpunkt seines / unseres Wesens und kennt in sich keine Grenzen, keine Schranken, keine Beschränkungen, denn sie ist reines Bewusstsein; und damit grenzenlos!

Diese Monade ist es, die mit jeder neuen Inkarnation des Menschen versucht in ihm die höheren Kräfte und Energien zur Geltung, zum Ausdruck zu bringen, um ihn zu Höherem, zu höherem Bewusstsein zu verhelfen und damit die Evolution zu mehr Spiritualität, zu spirituellem Wachstum zu aktivieren.

Oder wie Manfred Kyber in seinem Gedicht mit dem Titel "Ewigkeit" beschreibt:

Immer wieder und wieder
steigst du hernieder
in der Erde wechselnden Schoß,
bis du gelernt im Lichte zu lesen
dass Leben und Sterben eins gewesen
und alle Zeiten zeitenlos.
Bis sich die mühsame Kette der Dinge
zum immer ruhenden Ring
in deinem Willen ist Weltenwille,
Stille ist in dir – Stille -
und Ewigkeit.

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