Tierkreis

Das Schicksal der Seelen im Jenseits

von S. Levent Oezkan

Seele - ewigeweisheit.de

Platons Hauptwerk »Der Staat« schließt mit einem recht ungewöhnlichen Diskurs. Es geht da um das Leben der Seelen im Kosmos nach dem Tod. Über viele Jahrhunderte hinweg, sollte die darin beschriebene, außergewöhnliche Fabel das religiöse und philosophische Denken im Westen beeinflussen.

Es ist ein Dialog des Philosophen Sokrates mit seinem Schüler Glaukon, einem älteren Bruder des Platon. In dieser beeindruckenden Erzählung erfahren wir von einem Mann namens »Er« (griechischer Genitiv von »Heros«, der Held), der anscheinend in einer Schlacht zu Tode kommt. Als man die Leichen der Gefallenen jedoch einsammelt, war die des Er noch nicht verwest und nach zwei Tagen erstand er, wie durch ein Wunder, zu neuem Leben auf. Hierauf erzählte er jenen die ihn trafen, von seiner zwölftägig erlebten Reise durch das Jenseits.

Zwischen Himmel und Erde

Worüber Er da sprach, war seine zwölftägige Vision im Jenseits – ja also die seiner Seele –, wo er in seinem Astralleib durch die himmlischen Sphären reiste, auf dem Weg zu eben dieser, seiner Wiedergeburt. Und das hatte einen Grund. Er nämlich erfuhr so, wofür die Menschen, die ein rechtschaffenes Leben führten, belohnt und jene schlecht oder unmoralisch handelnden, nach dem Tode bestraft wurden:

Nachdem seine Seele aus ihm gefahren, sei er mit vielen anderen gewandelt, und sie seien an einen wunderbaren Ort gekommen, wo in der Erde zwei nahe an einander stoßende Öffnungen gewesen seien, und am Himmel gleichfalls oberhalb zwei andere ihnen gegenüber.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Zwischen diesen Öffnungen saßen himmlische Richter, die den Seelen befahlen diesem Weg zu folgen: Die guten Seelen führte man von dort gen Himmel, jene aber an denen Sünde und Frevel haftete, sie kamen unter die Erde, wo über sie erneut gerichtet wurde.

Als sich nun aber Er den Richtern näherte, sagte man ihm, er solle innehalten, um diesem und weiteren sagenhaften Ereignissen beizuwohnen, damit er dereinst seinen Mitmenschen über diese Erfahrungen berichte.

So kam es also, dass sich vor seinem Angesicht ganz sonderbare Dinge abspielten. Die geläuterten Seelen reiner Gemüter kamen da aus der einen Himmelsöffnung herab und erzählten ihm von der paradiesischen Pracht derer sie ansichtig werden durften. Sie alle ließen ihn Anteil haben an wahrhaft ehrfurchtgebietenden Vorahnungen.

Als er aber jene sah, die da ganz besudelt aus irdischem Untergrund hervorkrochen, erschrak er: Sie waren vollkommen erschöpft, verstört und weinten jämmerlich, während sie zitternd verlauten ließen von dem Schrecken, der ihnen dort widerfahren war. Jede von ihnen, so erfuhr Er, hatte einen zehnfachen Preis dafür zu bezahlen, was sie an bösen Taten in ihrem Menschenkörper der Vergessenheit zu Lebzeiten begangen hatten. Andere davon sogar waren dazu verdammt, in jenen höllischen Tiefe des Untergrunds zurückzubleiben. Zu ihnen zählten alle Mörder, doch auch die schrecklichen Tyrannen und auch andere Kriminelle die zu Lebzeiten Menschen schlimmes Leid angetan hatten.

Er und jene anderen dort angekommenen Seelen aber waren an diesem sagenhaften Ort über sieben Tage und mussten, wie man im 10. Buch der platonischen Politeia, »Der Staat«, weiterliest

sich an dem achten (Tag) aufmachen und von hier an weiterwandern, und da wären sie dann am vierten Tage in eine Region gekommen, wo man von oben herab einen durch den ganzen Himmelsraum über die Erde hin ausgebreiteten geraden Lichtstrom gesehen habe, wie eine Säule, ganz dem Regenbogen vergleichbar, aber heller und reiner.

Diese Säule hieß »Spindel der Notwendigkeit«, in deren Nähe sich mehrere Frauen aufhielten: Annanke – die Personifizierung des blinden Zufalls im Leben, jene oberste Macht, der selbst die Götter gehorchen –, sowie ihre drei Töchter Lachesis, Klotho und Atropos und die sagenhaften Sirenen (deren Name anscheinend sinnverwandt ist mit dem Namen des Fixsterns Sirius, der im Alten Ägypten zwar heilig, den Griechen aber anscheinend als unheilbringend galt).

Die Seelen – mit Ausnahme der des Er – ordnete sie reihenweise und aus dem Schoß der Schicksalsgöttin Lachesis, nahm einer Lose, auf denen viele verschiedene Grundrisse für Lebensweisen verzeichnet standen. Von diesen Losen gab es mehr, als Seelen anwesend waren. Jede von ihnen erhielt davon, ihrer Reihenfolge nach, also ein ganz einmaliges Los. Daraufhin bat man sie den Grad ihrer Tugend für ihre nächste Inkarnation auszuwählen.
Ihre Wahl brachte dabei einen vollkommenen Wechsel der Lebensverhältnisse der folgenden Inkarnation mit sich, im Vergleich zu ihrem früheren Leben.

Als Er da sprach, erinnerte er sich dabei an die ersten Seelen, die sich für ein neues Leben entschieden hatte. Darunter war ein Mann, der weder die Schrecken des Untergrunds kannte, noch irgendwelche Mühsal, doch für seine Tugenden im Himmel reichlich belohnt worden war. Der entschied sich mal eben schnell dafür ein mächtiger Diktator zu werden, ohne zu realisieren, welche Bedeutung das für seine Existenz, im für ihn darauf folgenden Jenseits für Konsequenzen hatte. Leichtsinnig wählte er somit die falsche Lebensform. Denn bei weiterer Betrachtung stellte er plötzlich fest, dass er unter anderem zu Grausamkeiten bestimmt war, wie dass er seine eigenen Kinder fressen werde. So vernommen erkannte diese Seele dann ratlos, dass es schon zu spät war noch umzukehren.

Die Seelen, die dagegen in der Unterwelt bestraft wurden, waren mit der Mühsal vertraut und wählten daher nicht übereilt, eine bessere Inkarnation. Viele bevorzugten da ein Leben, das sich von ihren früheren Erfahrungen vollkommen unterschied. Tiere wählten Menschenleben, während Menschen oft das scheinbar einfachere Leben von Tieren wählten.

Nachdem diese Wahl nun erfolgt war, beobachtete Er, wie jeder Seele ein Schutzgeist zugewiesen wurde, der ihr durchs Leben helfen sollte. Sie passierten unterhalb des Thrones der Annanke und reisten hernach weiter in eine Ebene, wo die Lethe rauschte – der Fluss des Vergessens.

Notwendig müssten nun freilich alle ein gewisses Maß von diesem Wasser (der Lethe) trinken; die aber durch Vernunft sich nicht wahren ließen, tränken über jenes Maß, und wer immerfort davon tränke, der vergesse alles.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Während sie tranken, konnte sich ihre Seele also an nichts mehr erinnern, was ihr da im jenseitigen Zwischenreich widerfahren war, noch an das, was sie in früherem Leben war. All das erlebte Er jedoch nicht selbst, sondern schaute wieder nur dabei zu, wie sich all das vor seiner Seele abspielte. Des Nachts im Schlaf wurde dann jede Seele zu ihrer Wiedergeburt in verschiedene Richtungen gehoben, um ihre Reise abzuschließen.

Als aber Er, das heißt also seine Seele, in seinen Körper zurückkehrte, da öffnete er die Augen und fand sich des Morgens, zusammen mit den anderen verstorbenen Leibern, auf einem Scheiterhaufen. Er aber lebte, denn er sollte sich an seine Reise, die ihn durch das Leben nach dem Tod führte, erinnern, um das dort Erfahrene mit den lebenden Menschen zu teilen.

Die Bedeutung des Beschriebenen

In seinem Dialog mit Glaukon lehrte ihm Sokrates, dass die Seele unsterblich sein muss und nicht zerstört werden kann. Was Glaukon daraus vor allen Dingen erkannte, war, dass die Entscheidungen, die er im Leben traf, und der Charakter, den er um seine inkarnierte Seele entwickelte, für diese, nach seinem Tod, Konsequenzen haben müsse. Was Sokrates nämlich mit seinem »Mythos des Er« beschreiben wollte, war, wie die wahren Charaktere der Seelenträger, nach dem Tod des Körpers, an die Oberfläche kommen, so als wären sie plötzlich aus einer verborgenen Lebensmitschrift aufgetaucht und verwandelt worden, in tiefgreifende Gerichtsurteile, die man in einem Tribunal der Seele vor göttlichen Richtern fällte (man vergleiche etwa die Rolle des Schreibergottes Thoth des ägyptischen Mythos vom Seelen-Gericht, der Notiz führte, über jede Handlung, jedes Gefühl und jeden Gedanken der Seele während ihrer Inkarnation).

Jene Seelen heuchlerischer Frömmler aber, sowie derjenigen, die ein habgieriges oder materialistisch geprägtes Leben führten, wurden dort zwar gebeten das Los eines anderen Lebens zu wählen, entschieden sich aber dennoch für die Inkarnation in das Leben eines Tyrannen.

Andere, die in ihrem früheren Leben ein glückliches, aber mittelmäßiges Leben geführt hatten, wählten meist dasselbe für ihr zukünftiges Leben. Nicht aber aus Weisheit, sondern schlicht ihrer Gewohnheit nach.

Alle Seelen aber, die man während ihrer letzten Inkarnation mit unendlicher Ungerechtigkeit behandelt hatte, zweifelten an der Möglichkeit eines guten menschlichen Lebens. In ihrer Resignation wählten sie dann als Tiere wiedergeboren zu werden.

Das Leben des Philosophen aber ermöglicht es gute Entscheidungen zu treffen, wenn es, so Sokrates, zu dieser Wahl einer neuen Inkarnation kommt. Solch »philosophisches Leben« nämlich identifiziert ein Lebensgefühl, das geprägt ist durch erfahrene Welterkenntnis. Während hingegen Erfolg, Ruhm und Macht zwar vorübergehende himmlische Belohnungen oder hingegen höllische Strafen bringen, wirken sich philosophische Tugenden immer zum eigenen Vorteil aus.

Die Spindel der Notwendigkeit

Schema von der ptolemäischen Unterteilung des Himmels - ewigeweisheit.de

Das Schema der Himmelssphären nach Petrus Apianus (1539):

11. Feuerhimmel, Wohnstatt Gottes und aller Auserwählten
10. Himmel der ersten Ursache
9. Kristallhimmel
8. Das Himmelsfirmament
7. Himmel Saturns
6. Himmel Jupiters
5. Himmel des Mars
4. Himmel der Sonne
3. Himmel der Venus
2. Himmel Merkurs
1. Himmel des Mondes

Im Zentrum die Erde.

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Richten wir unseren Blick nun aber noch einmal auf den weiteren Verlauf des Dialoges zwischen Sokrates und Glaukon. Da war ja die Rede von einem Lichtstrom, der sich über die Erde hin ausbreitet. Wahrscheinlich wurde damit angespielt auf ein aus dem Feuerkern des Erdinnern aufsteigendes Strahlen. Mitten in diesem Licht hatte Er beobachtet

wie die äußersten Enden der Himmelsbänder am Himmel angebracht seien; denn nichts anderes als jener Lichtstreif sei das Land des Himmelsgewölbes, wie etwa die verbindenden Querbänke an den Dreiruderern, und halte so den ganzen Himmelskreis zusammen; an jenen Enden aber sei die Spindel der Notwendigkeit angebracht, durch welche alle möglichen Sphären bewegt würden; daran seien nun Stange und Haken aus Stahl, der Wirtel aber (d. h. der Quirl, der alles in seiner Drehbewegung hält) habe aus einer Mischung aus Stahl und anderen Metallarten bestanden.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Jene »Spindel der Notwendigkeit«, von der oben bereits die Rede war, und die sich auch als kosmische Lichtsäule betrachten ließe, wird im Schoße der Göttin Annake, von ihren drei Töchtern und den Sirenen, in kreisförmiger Bewegung gehalten.

eine jede auf einem Throne, nämlich die Töchter der Notwendigkeit, die Parzen (griechisch »Moiren«), in weißen Gewändern und mit Kränzen auf dem Haupte: Lachesis, Klotho und Atropos, und sängen zu der Harmonie der Sirenen; Lachesis besänge die Vergangenheit, Klotho die Gegenwart, Atropos die Zukunft. Und Klotho berühre von Zeit zu Zeit mit ihrer rechten Hand den äußeren Umkreis der Spindel und drehe sie mit, Atropos ebenso die inneren Umkreise mit der linken, Lachesis aber berühre abwechselnd die inneren und äußeren mit beiden Händen.

- Aus dem 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Hiermit, und im weiteren Verlauf »Des Staats«, lesen wir wie Sokrates dem Glaukon den Umlauf der Himmelskörper um die Erde erklärt, wo also im Zentrum sich unentwegt die Spindel der Notwendigkeit dreht.

Auf dem Wirbel dieser »Himmelsspindel« aber befinden sich acht »Umlaufbahnen«, von denen jede einen perfekten Kreis bildet. Platon beschreibt Sokates' Schilderungen dazu, als eine bestimmte Farbe tragend, was sich jedoch als die Himmelsbahnen der Fixsterne und der sieben klassischen Planeten identifizieren lässt:

  1. In der Farbe des Regenbogens erscheinen da die Sterne des Tierkreises,
  2. die Umlaufbahn des Saturn ist gelblich,
  3. ganz weiß die des Jupiter,
  4. rötlich die Umlaufbahn des Mars,
  5. gelblicher die des Merkur,
  6. ein leichteres Weiß trägt jene der Venus,
  7. am glänzendsten aber ist die der Sonne, und
  8. die silbrige Umlaufbahn des Mondes beleuchtet die Sonne.

In dieser Topographie des Weltalls, beschreibt Platon damit also quasi das System, über das die Seelen in eine weitere irdische Inkarnation zurückkehren, da diese ja eben an der Spindel der Notwendigkeit, in ein weiteres Menschenleben eintreten. Die Spindel aber gleicht einem ganzen Strom von Seelen, die die Annake aus ihrem Schoß in ein neues Leben, in den Tierkreis entlässt. Über die »Stufenleiter« der sieben klassischen Himmelskörper, kommen diese Seelen von dort zu einem bestimmten Zeitpunkt auf die Erde, einen neuen Körper annehmend.

Was jenen Seelen aber widerfährt, die, wie Sokrates meinte, aus einem philosophischen Leben dorthin zurückkehrten, könnte einer Errettung gleichen:

wir werden dann glücklich über den Fluss Lethe setzen und uns an unserer Seele nicht besudeln. Wenn wir daher meiner Meinung folgen, so wollen wir daran festhalten, dass die Seele unsterblich ist und alle möglichen Übel überlebt und alles Gute bekommen könne, wollen immer den Weg nach oben im Auge haben, wollen mit vernünftiger Einsicht auf allen unseren Wegen Gerechtigkeit üben. Und so werden wir mit uns selbst und den Göttern lieb sein, sowohl in diesem jetzigen Leben als auch dann, wenn wir den Kampfpreis dafür davontragen, und ihn wie die Sieger ringsum einsammeln, und werden sowohl hienieden als auch in der von uns beschriebenen tausendjährigen Wanderung glücklich sein.

- Schluss des 10. Buch der Politeia, »Der Staat«

Werden sie danach überhaupt je wiederkehren müssen?

 

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Christus und das Sternbild der Fische

von S. Levent Oezkan

Ausschnitt aus der Sternkarte Planisphæri cœleste von Frederik de Wit

In den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende, entstand, wie es scheint, im ägyptischen Alexandria das christliche Symbol des Fisches, das zu den ältesten Allegorien des Christentums zählt. Vermutlich ergab sich dieses Gleichnis aus den Anfangsbuchstaben des heiligen Anagramm »Ichthys«.

Es bildet sich aus dem griechischen Titel ησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ, in lateinischer Umschrift geschrieben: Iesous Christos Theou Yios Soter, das eben bedeutet »Jesus Christus Gottes Sohn Erretter«. Das griechische Wort »Ichthys« steht für den Fisch im Wasser, wie aber auch für das Sternzeichen der Fische, das die Römer »Pisces« nannten. Doch es liegt nahe, dass im christlichen Fische-Symbol, sich eine noch weit vielfältigere Bedeutung verbirgt. Denn obige Wortfolge, aus der sich das fünfbuchstabige Anagramm zusammensetzt, wählte man in dieser Reihenfolge vermutlich absichtlich.
Sollte das Sinnbild des Fisches, in diesem Zusammenhang, vielleicht eine verborgene Symbolik mit dem Namen des Christus Jesus verknüpfen? Es scheint als gäbe es auf diese Frage verschiedene Antworten.

Da wäre zum einen das damalige Taufbad, dass die Römer schon früh als »Piscina« bezeichneten: den »Fischteich«. Taufte man einen darin, wurde er als Christ selbst zum »gläubigen Fisch«. Es scheint, als verweise darauf auch das Neue Testament, wenn darin Jesus dem Petrus, dem Andreas und an anderer Stelle dem Simon versichert:

Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

- Matthäus 4:19

Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.

- Lukas 5:10

Insbesondere Petrus, der bekanntlich ein Fischer war, sollte ja dereinst eine zentrale Rolle im Christentum spielen, denn kaum ein Zufall, dass der Dom im Vatikan seinen Namen trägt. Jesus Christus hatte Fischer zu Jüngern und wollte sie zu Menschenfischern machen. Tausende speiste der Heiland mit Fischen, dessen getaufte Anhänger selbst zu »christlichen Fischen« geworden waren.

Was aber ist da der Grund, das ausgerechnet das Symbol des Fisches für den Christus gewählt wurde? Hätte es nicht auch die Schale eines Sämanns sein können?

Magier aus dem Orient

Zu Beginn des 2. Kapitels im Matthäus-Evangelium, ist die Rede von den »Magoi«, den Magiern aus dem Morgenland. Sie hatten eine markante Konstellation am Nachthimmel entdeckt, die sie als deutliches Zeichen für die Geburt eines gotterwählten Kindes deuteten. Diese auch in der Bibel überlieferte Episode, sollte wohl dazu führen, dass man schon zu Zeiten als die Evangelien entstanden, das Wesen des Christus auch auf astrologische Gesichspunkte hin beleuchtete. Hieraus entwickelte man das, was heute in der Astrotheologie das »Fischezeitalter« genannt wird und sich über eine Dauer von ungefähr zwei Jahrtausenden erstreckt.

Dieser Zeitraum bemisst das, was man in der Astronomie die »Präzession der Erde« nennt. Damit wird auf ein astronomisches Phänomen hingewiesen, aus dem sich die ganz allmähliche Richtungsänderung der Erdachse ablesen lässt, die diese über einen Zeitraum von etwa 26.000 Jahren vollzieht. Man nennt die Dauer dieses Zyklus auch das »Platonische Jahr«. Über diese lange Zeit hinweg, ereignet sich der Sonnenaufgang zur Frühlingstagundnachtgleiche, in jedem Winkel des gesamten Tierkreises, wobei sich die Position dieses Frühlingspunktes, nicht wie im astrologischen Jahreskreis gegen, sondern im Uhrzeigersinn bewegt. Hieraus ergibt sich der sogenannte »Platonische Monat« von etwa 2.160 Jahren (≈ 26.000 Jahre : 12).

Heute ereignet sich der Sonnenaufgang zu Frühlingsanfangs in etwa zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann, warum manche auch vom Anbruch des Wassermann-Zeitalters sprechen, den manche im Jahr 1997 vermuteten, wieder andere im Jahr 2012 oder auch erst im Jahr 2154, sowie an noch einigen anderen Jahreszahlen. Zu Zeiten Jesu aber, ereignete sich da der Übergang vom Zeitalter des Widders, in das der Fische.

Das sich die ersten Christen damals selbst als Fische bezeichneten, war nicht allein Mittel zur Ehrerbietung ihres Messias, sondern wohl bestimmt auch eine Möglichkeit inkognito zu bleiben, zumal man Angehörige des jungen Christentums verfolgt hatte. Wenn die Wahl dieses Symbols nun aber nicht zufällig erfolgte, stellt man sich vielleicht die Frage, ob nicht auch andere Symbole den selben Zweck erfüllt hätten, was anscheinend zuerst auch der Fall war, wo der Christus mal als Löwe, mal als Adler und eben auch als Fisch symbolisiert wurde.

Wie aber bereits angedeutet, scheint der astrotheologische Bezug relevant gewesen zu sein, denn schon damals besaßen Gelehrte präzise Kenntnisse über die Sternbewegungen. Neben dem Fische-Symbol, kommt hier noch die Symbolik des Lammes ins Spiel, als das der Christus ja der Menschheit geopfert wurde. Der alte Brauch des Opferlammes stammte damals (und auch heute noch) vom jüdischen Pessachfest. Jedem Astrologie-Kundigem war damals klar, dass Jesus als erster Fisch des Fischezeitalters wiederauferstehen sollte, während er als letztes Lamm, als quasi letztes Kind des abtretenden Widder-Zeitalters, am Kreuze sterben musste. Wieso diese Symbolik so bemerkenswert ist, dürfte zumindest den Astrologie-Kenner bereits aufmerken lassen: beide Sternzeichen, Fische und Widder, liegen ja direkt nebeneinander, wie auch die christliche Symbolik vom Osterlamm, die im Kirchenjahr von Bedeutung ist, wo sich die Sonne durch das Tierkreiszeichen Widder bewegt.

Planisphaeri Coeleste von Frederik de Wit - ewigeweisheit.de

»Planisphaeri Coeleste« von Frederik de Wit: Eine Himmelskarte der Sternbilder.
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Sternbild Pisces: Die Fische im Zodiak

Wenn wir uns nach der Symbolik erkundigen, die man in jener Zeit findet, als der Christus Jesus in Erscheinung trat, so dürfen wir dabei nicht ignorieren, dass damit auch eine Schatten-Thematik einherging. Wenn der Christus sich als »Licht der Welt« (Johannes 8:12) personifizierte, so klingt in dieser Botschaft auch eine polare Gegensätzlichkeit mit an, zumal ja »das Licht (nur) scheinet in der Finsternis« (Johannes 1:5). Man braucht darum nicht zu erschrecken, wenn manche Namen und Symbole, beide Seiten miteinander teilen: die Welt des Lichts und die der Finsternis. Dabei spielt eine negative oder positive Wertung zunächst einmal gar keine Rolle, auch wenn im letzten Satz auf die doppeldeutige Gestalt Lucifers angespielt wurde. Denn jenen Titel verwendeten die Römer zur Bezeichnung des Morgensterns, so dass sie in den ersten Jahrunderten n. Chr. diesen, als Herold des Tages, zu Christus in Beziehung setzten. Diese Doppeldeutigkeit aber hat noch eine weitere Lesart, die auf einen tieferen Zusammenhang anspielt, den wir uns im Folgenden genauer ansehen wollen.

Horus und Jesus

Schauen wir hierzu zunächst einmal weit in die mythische Vergangenheit des Alten Ägypten. Da begegnen wir dem Lichtgott Horus, der auf die Menschenwelt schaute, mit seinen göttlichen Augen: Sonne und Mond. Als Sohn der lunaren Göttin Isis, teilt er Attribute die man auch bei Jesus wiederfindet. Mit der christlichen Mutter Maria teilt Isis nämlich das Attribut einer lunar Erleuchteten, zumal letztere in katholischer Ikonografie oft auf einer Mondsichel stehend abgebildet wird. Rudolf Steiner (1861-1925) brachte gekonnt auf den Punkt, worauf unsere Aussage hier anspielt:

die hervorbringende Frau, die Frau mit dem Kinde, die da jungfräulich ist, die Göttin, die in jener lemurischen Zeit eine Genossin der Menschen war, und die mittlerweile dem Blick der Menschheit entschwunden ist. Die nannte man die heilige Isis im alten Ägypten.

Sie bringt den Horus nicht durch Empfängnis zur Welt, sondern es kommt zur »unbefleckten Geburt« des Gottes, durch einen Lichtstrahl, der sie berührt, aufscheinend von ihrem verstorbenen Gatten Osiris. Horus aber, sollte laut mancher Mythen einen rätselhaften Brudergenossen haben: Seth – den finsteren Gott, der zum einen den Tod, doch in alt-ägyptischer Mythologie ebenso das Böse selbst symbolisierte. In alter Hieroglyphenschrift wird Seth da oft als Mensch mit Eselskopf dargestellt. Es ist eine Symbolik, die auch in Zusammenhang steht mit dem »schwarzen Stern« Saturn. Dieser Planet, der in alter Astrologie den äußersten der siebenfältigen Wandelsterne bildete, galt der mittelalterlichen Astrologie als Sitz des Teufels. Das lässt sich zum Beispiel entnehmen, dem 1899 in Paris erschienen Buch »L’astrologie grecque« (deutsch: »Griechische Astrologie«), einem Werk des französischen Religionshistorikers Auguste Bouché-Leclercq (1842-1923). Darin heißt es:

Drachen, Schlangen, Skorpione, Vipern, Füchse, Katzen und Mäuse, nachtaktive Vögel und andere verschlagene Brut sind das Los des Saturn.

Diese Attribute Saturns ähneln also jenen des finsteren Seth, wohl auch in seiner Rolle als Widersacher alles Lichtvollen. Auch sein Name scheint das anzudeuten, scheinen die Namen Seth, Saturn oder Satan doch eine etymologische Wurzel zu teilen (set oder sat). Auch die Tatsache, dass man im Altertum Saturn, als den äußersten und letzten Planeten des Sonnensystems wahrnahm, scheint hier eine weitere Parallele zu geben zur griechischen Mythologie, wo der Lichtgott Horus, wie die Sonne im Zentrum stand, während Seth abgedrängt, sich an die Peripherie aufhielt, wie eben verkörpert durch den Planeten Saturn.

Zwillingssymbolik in der christlichen Gnosis

Wenden wir unseren Blick nun einmal auf die judeo-christlichen Ursprünge des Gnostizismus, der ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung. Dem im ägyptischen Alexandria geborenen Valentinus (100-160 n. Chr.), schreibt man die Autorenschaft zu, einer in der christlichen Gnosis wichtigen Handschrift: die Legende der »Pistis Sophia«. Daraus lässt sich etwas entnehmen, was in gewisser Weise mit dem zuvor beschriebenen Doppelaspekt einer Symbolik von Licht und Finsternis (Horus und Seth) in Erscheinung tritt. Es wird in der Pistis Sophia ein Dialog wiedergegeben, zwischen der Mutter Maria und Jesus:

Da Du klein warst, bevor der Geist über Dich gekommen war, kam, während Du Dich mit Joseph in einem Weingarten befandest, der Geist aus der Höhe und kam zu mir in mein Haus, Dir gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, dass Du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist: »Wo ist Jesus, mein Bruder, damit ich ihm begegne?« Und als er mir dieses gesagt hatte, war ich in Verlegenheit und dachte, es wäre ein Gespenst, um mich zu versuchen. Ich nahm ihn aber und band ihn an den Fuß des Bettes, das in meinem Hause, bis dass ich zu euch, zu Dir und Joseph, auf das Feld hinausginge und euch im Weinberge fände, indem Joseph den Weinberg bepfählte. Es geschah nun, als Du mich das Wort zu Joseph sprechen hörtest, begriffst Du das Wort, freutest Dich und sprachst: »Wo ist er, auf dass ich ihn sehe, sonst erwarte ich ihn an diesem Orte.« Es geschah aber, als Joseph Dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, und wir gingen zugleich hinauf, traten in das Haus und fanden den Geist an das Bett gebunden. Und wir schauten Dich und ihn an und fanden Dich ihm gleichend; und es wurde der an das Bett Gebundene befreit, er umarmte Dich und küsste Dich, und auch Du küsstest ihn, und ihr wurdet eins.

Einer Symbolik von eins gewordenen Zwillingsbrüdern, begegnet man auch im Symbol des Fische-Sternzeichens, wo ja zwei Fische, die sich gegenübersehen, ein Band im Schnabel miteinander verbindet (daher ja auch das astrologische Symbol    – wobei der verbindende, horizontale Strich auf das schmale Band kleiner Sterne hinweist, dass die am Nachthimmel erscheinenden Sternbilder des nördlichen und des südlichen Fisches miteinander verbindet). So scheint also Jesus bei den christlichen Gnostikern, als eine Doppelpersönlichkeit aufgefasst worden zu sein, die zum einen Teil aus dem Heiligen Geist (dem Pneuma) auf Erden inkarnierte und anderenteils aus der stofflichen Welt (der Hyle) emporsprießte, die die Figur des »Zwillingserlösers« formen.

welches das Zwillings-Mysterium ist vom Einzigen, Unaussprechlichen […] und indem Ich König bin über das Kind der Kinder, dem Zwillingserlöser […] dann werden alle Menschen, die die Mysterien vom Unaussprechlichen empfangen, mit Mir Mitkönige sein und zu meiner Rechten und zu meiner Linken in meinem Reich sitzen.

- Aus der Pistis Sophia

Christus und Bar Abbas

Für die Astrologen unter den Gnostikern, muss dieser mythische Doppelaspekt (»zu meiner Rechten und zu meiner Linken«) eines Christus-Antichristus plausibel erschienen sein, wenn sie die Symbolik der zwei Fische, im gleichnamigen Tierkreiszeichen betrachteten und dabei einem Aufdämmern des Fischezeitalters entgegen sahen. Ist es da nicht bezeichnend, wenn die evangelischen Berichte jene Episode beschreiben, wo ein Pontius Pilatus dem versammelten Volke die Wahl lässt zu entscheiden, zwischen einem berüchtigten Gefängnisinsassen namens Jesus Barabbas – und eben dem Jesus Christus:

Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?

- Matthäus 27:16f

Wenn sich der Name »Barabbas« nun ableitet, vom hebräischen »bar abbas«, was übersetzt heißt »Sohn unseres Herrn« und der Eingangs erwähnte »Jesus Christus Gottes Sohn« ist, ergibt sich hier eine regelrecht »psychologische Anspannung«. Schaut man sich nämlich die Symbolik der beiden Fische an, wie sie etwa in der Sternkarte von Frederik de Wit (1610-1698) dargestellt sind (siehe Abbildung): dann sieht man darauf die beiden Sternsymbole der Fische nicht am Schnabel, sondern am Schwanz mit einem roten Band verbunden. Der erste Fisch (links) schaut darin zum Nordpol hin, während der zweite seinen Kopf nach Westen neigt, in Richtung Sonnenuntergang also, zur Nacht hin. Die Darstellung der Himmelskonstellation Fische bei de Wit, entspricht dabei der natürlichen Position der Sterne dieses Tierkreiszeichens, die als nördlicher und südlicher Fisch, fast rechtwinklig zueinander, ein Kreuz bilden.

Vorausahnung eines christlichen Fische-Zeitalters

Es ist bei dem Gesagten also durchaus angebracht, dass diese »in den Himmel geschriebene« Projektion, schon längst sichtbar gewesen war, als mit dem Auftreten des christlichen Erlösers, dieses neue Weltalter eingeleitet wurde. Die Wassersymbolik des Fisches aber, ist ja auch gegeben durch die Jahreszeit, während der er auch schon vor mehr als 2.000 Jahren gegenwärtigen Regenzeit Palästinas.

Kommen wir in diesem Zusammenhang aber noch einmal zu sprechen auf die gnostische Pistis Sophia. Dort heißt es im 21. Kapitel:

Es antwortete aber Jesus und sprach zu Maria: »Wenn die Nativitätssteller (Astrologen oder Weise, die den Stand der Gestirne bei der Geburt eines Menschen bestimmen) die Heimarmene (Schicksal) und die Sphaera (Kreisbahn der Plneten) nach links gewendet finden, gemäß ihrer ersten Ausbreitung, so treffen ihre Worte ein, und sie werden das sagen, was geschehen muss. Wenn sie die Heimarmene oder die Sphaera nach rechts gewendet begegnen, pflegen sie nichts Wahres zu sagen, weil ich ihre Einflüsse und ihre Vierecke und ihre Dreiecke und ihre Achtfigur gewendet habe […]

In gewissen Kreisen unter den christlichen Gnostikern schien die Astrologie eine gängige Sache gewesen zu sein, wenn sie, wie hier in der Pistis Sophia, selbst Jesus über jene »Nativitätssteller« reden lässt. So scheint die Fische-Symbolik des Neuen Testaments, eine gewisse Vorausahnung anzudeuten. Dabei steht der Christus Jesus als einer der beiden, als der vertikal nach Norden gerichtete Fisch, was einer zeitunabhängigen, ewigen und hierarchischen Sinnbildlichkeit entspricht; assoziiert man andererseits Vorstellungen von einem Damals und Morgen, einem Vergehen und Werden, mit dem, was durch den Ausschnitt einer Horizontalen gegeben ist, deren beiden Enden (oder Pole) sich vor diesem Hintergrund mit der Entscheidung zwischen Gut und Böse assoziieren ließen, könnte man daraus die Erwartungshaltung deuten, gegenüber eines Erscheinens des Antichristen in der Endzeit.

 

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Die Parzivalsage des Wolfram von Eschenbach heute

Die Parzivalsage des Wolfram von Eschenbach heute

Im Folgenden wird die Parzivalgeschichte in einen astrolotheologischen Kontext gebracht. Parzival ist die zentrale Figur im Gralszyklus des deutschen Minnesängers und Dichters Wolfram von Eschenbach.

Schütze

Parzival wird im Mutterleib gezeugt. Seine Voraussetzungen für einen spirituellen Pfad sind durch seine früheren Inkarnationen bereits auf einem hohen Stand, was die Reinheit seines Herzens und seiner Motive betrifft. Seine Beschaffenheit bei dieser Reinkarnation ist in ihm angelegt, ist in "Mark und Bein" verankert und zielt aufs Höchste, ohne das ihm das in seinen früheren Lebensjahren bewusst ist.

Steinbock

Die Seele Parzivals taucht in der frühen Schwangerschaft seiner Mutter in seinen materiellen Embryo ein, taucht sozusagen in den Kerker der Materie.

Wassermann

Das keimende Leben bleibt noch geschützt und sich entwickelnd im Mutterschoß, wie die sich vorbereitende Pflanze im winterlichen Erdenschoß.

Fische

Die Entwicklung der Seele von Inkarnation zu Inkarnation. Die Persönlichkeit, die sich da entwickelt, ermöglicht die Wiedergeburt im Stoff für die Seele.

Die Seele, die da eintaucht in den Stoff, erlebt es wie ein Sterben, wie ein ins Dunkle eintauchen.

Erwartung der Wiedergeburt für einen Lebenslauf in der Sinneswelt.

Widder

Der Widder steht für die biologische Geburt. Er ist das Sinnbild des Lebensanfangs und jeder Geburt.

Mit angestrengter Seelenfeuerkraft drängt das neue biologische Wesen ans Licht gegen den Widerstand von Mutterschoß bzw. Erdboden (Pflanze) ankämpfend.

Stier

Er steht für das geschützte, naturverbundene Heranwachsen Parzivals, unberührt von früher Konditionierung von der Gesellschaft; geliebt und behütet von seiner Mutter und von einfachen Menschen.

Zwillinge

In diesem Zeichen wird der Beginn der Geschlechtsreife, der Pubertät mit der der Wunsch sich zu bewähren markiert (Rittertum). Erste Begegnungen mit der Welt und erste Widerstände, Irrtümer, Illusionen.

Parzival bekommt Ahnung von der Zweifachheit der Menschen:

- Willensnatur

- Seelenhaftigkeit

Hier geht es also auch um das Erwachen der Seele durch die Liebe.

Krebs

Begegnung mit Gurnemanz, der ihn zum ritterlichen Verhalten und Kämpfen erzieht.

Erfahrung der Zweiheit und Sexualität in liebender Zuwendung, also in Reinheit. Vereinigung zweier Seelen zu Einheit.

Verinnerlichung des Erlebens und Auftauchen aus dem Wahn des materiellen Erlebens. Hochzeit mit Kondriwamur.

Löwe

In Parzival erwacht Ruhmeswunsch, Streben nach Ehre im Kampf. Er steht in der Vollblüte der Kraft seiner Persönlichkeit. Im Krebs hatte er die Erfahrung der Einheit von Geist und Seele in der Liebe zu Kondriwamur kennengelernt, das gibt ihm Kraft und Mut, "sein Schwert zu schmieden" im Kampf gegen die dunklen Mächte.

Jungfrau

Die bewusste Schmiedung des Schwertes (des Willens - "Herr, Dein Wille geschehe") durch Reinigung der Gedanken und Vorstellungen (Vorurteile, Imaginationen) ist eine ungeheure Leistung auf dem Pfad, wobei Hilfe vom Gral kommt, wenn man es zulässt (Reinigung) und wenn man es erbittet (Hilf mir in meiner Schwachheit).

Helfende, personifizierte Kräfte sind für Parzival z. B. Kundrie (Verbindung zum Gral, indem man unangenehme Dinge akzeptiert) und Sigune (Erinnerung an helfende, sich opfernde Kräfte).

Waage

Parzival kämpft schon mit ziemlicher Reinheit und mit guter Absicht, aber er kämpft noch ohne Weisheit "mit seinen fünf Sinnen", mit der begrenzten Einsicht seines irdischen Verstandes.

Weil er demütig (dienmütig) ist, führt ihn die Aventüre (Einweihung) in die Gralsburg, wo er beim ersten großen Kontakt schon mal Selbsterkenntnis erfährt.

Die Herzensverbindung an Kondriwamur wurd stark wirksam als Trost in dieser Krise (Blutstropfen im Schnee) und lässt ihn unbewusst Kämpfe bestehen.

In dieser Situation beginnt bewusst Gawan (die Herz-Wirksamkeit) für ihn eine Rolle zu spielen.

Wolfram von Eschenbach formulierte das so: "Oh du kühnes Herz, das langsam nur weise wird! So grüße ich dich, meinen Helden."

Skorpion

Parzival überblickt immer mehr das Versagen seiner fünf Sinne.

Zwischendurch hat er mit Gott gehadert, weil er ihm anscheinend nicht hilft. Der alte Eremit Trevrizent fühlt mit, mit seinem Gefühl des Versagens, deckt es aber auch nicht zu mit Schönreden. Parzival wird bewusst, wie Gott (der ja im Gral lebendig ist) ihm hilft, und die Dankbarkeit frischt die Liebe zum Gral auf. Sein altes Ich wird immer mehr von Parzival durchschaut und stirbt dadurch.

Der große Kampf mit seinem Herzen (Gawan) und der große Kampf mit seinem Bruder (Feirefiz) enden mit Erkennung, Versöhnung und Bewusstheit.

Nicht das formale Lippenbekenntnis "Was wirret euch, Oheim" bringt die Lösung, sondern das eigene Erleben der Spaltung zwischen Herz und Denkfähigkeit und das eigene Erleben der Spaltung zwischen Bruder und Bruder.

Ist die Liebesfähigkeit des Herzens über das alte Ich hinausgewachsen mit Hilfe der Kraft des Grals, ist Versöhnung möglich. Bruder erkennt Bruder und die Menschheit ist in ihrer Vielfalt durch die Einfalt Parzivals (Denken, Fühlen und Wollen eine Drei-Einheit und auf den führenden Willen der Christushierarchie gerichtet) geeint.