Wut

Das Selbst und die geheimen Zeichen des Glücks

Das Selbst und die geheimen Zeichen des Glücks

Schlüssel jeder spirituellen Fortentwicklung ist persönliches Gewahrsein. Das heißt, wer seine Achtsamkeit steigert, erweitert dabei den Raum seiner bewussten Wahrnehmung. Und so wie sich das Bewusstsein damit vergrößern und entfalten lässt, wird es auch befähigt, sich allmählich zu erheben, hinweg über die vielen Ebenen der Wahrnehmung.

Solch erweiterte Bewusstheit eröffnet einem Menschen Möglichkeiten in der Welt, die über die im Alltag angeeigneten Fähigkeiten hinausgehen. So jemand erkennt dann seine Lebenswelt als großes Ganzes, was ihn ermächtigt die Begrenzungen seiner Persönlichkeit allmählich abzulegen und sich, seiner Berufung gemäß, frei in seinem Leben zu bewegen.

Unsere Persönlichkeit: Eine Maske unseres wahren Selbst

Als Kinder entwickelten wir das, was man das Ego, das Ich oder das beobachtende Selbst nennt. Es ist die physische Bewusstseinsebene des Menschen, mit der sich seine Wahrnehmung zunächst vertraut macht – mit dem Körper und seinen Sinnesorganen als solche – wie auch mit dem, was er über eine Sinne im Außen wahrnimmt.

Die meisten Menschen identifzieren sich mit diesen sinnlichen Fähigkeiten, ahnen aber nur selten, dass es eine höhere Wahrnehmung gibt, die man als Mensch entwickeln kann. Ihr beobachtendes Selbst bleibt damit aber gebunden, an die Körperfunktion des physischen Leibs.

Wer nun erkennt, dass das beobachtende Selbst zu viel mehr befähigt ist, könnte damit beginnen, allmählich jene Beschränkungen zu beseitigen, die sich ihm auf dem Weg zu einer höheren Bewusstheit in den Weg stellen. All die Äußerlichkeiten im Leben an denen wir hängen, sie bilden die Barrieren auf diesem Weg. Wer aber gelernt hat zu verzichten, wird sich auch leichter über höhere Hürden hinwegsetzen können, die ihn sonst an seinem Fortkommen gehindert hätten.

Das Spiegelbild

In Wirklichkeit ist das, was wir als unsere Persönlichkeit im Spiegelbild sehen, und das was wir unser Selbst nennen, nicht das Selbe. Eher gleicht die Persönlichkeit einer Maske hinter der sich unser wahres Selbst verbirgt, eine seelische Entität, die Namen, Geburtsort und Geburtsdatum bezeichnen, damit sie ihre Rolle in der Welt spielen kann. Nur wenige aber ahnen, welche Rolle auf der Bühne ihres Lebens sie eigentlich spielen sollten. Metaphorisch gesprochen: Häufig gibt man sich in dieser Rolle nicht wirklich zum Besten, sondern hüllt sich in etwas, das einem gar nicht entspricht oder übernimmt sogar die Rolle eines anderen Menschen. Manchen aber wird das irgendwann zur Last, selbst wenn sie den Grund dieser Bürde keineswegs kennen.

Die Darsteller im antiken griechischen Theater benutzten in ihren Rollen Masken, um ihrem Schauspiel einen besonderen Ausdruck zu verleihen: Sie nannten sie die »Persona« – der Ursprung der deutschen Wörter Person, Persönlichkeit, Personifikation, Personal, usw.

Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung (1875-1961) übertrug diesen Begriff auf die menschliche Psychologie und schrieb über die Persona:

(Sie) ist aber, wie ihr Name sagt, nur eine Maske der Kollektivpsyche, eine Maske, die Individualität vortäuscht, die andere und einen selber glauben macht, man sei individuell, während es doch nur eine gespielte Rolle ist, in der die Kollektivpsyche spricht. [...] Sie ist ein Kompromiss zwischen Individuum und Gesellschaft über das, als was einer erscheint.

Es wäre also einen Versuch wert, sich zu erheben, über die Identifikation mit dieser Maske unserer Persönlichkeit. Nur so nämlich, ließe sich eine Verbindung zu dem herstellen, was man in der Esoterik das »Höhere Selbst« nennt.

Sich über Beschränkungen erheben

Der erste Schritt dazu, wäre sich zuerst einmal bewusst zu machen, dass sich die Persona zusammenfügt, aus unserer äußeren Erscheinung, unserem Namen, unserem Geburtsort, unserem Geburtsdatum und unserer persönlichen Geschichte – kurz: als das, als was wir auch allen anderen erscheinen können. Dessen bewusst, kann man dann ein höheres Selbst voraussetzen, dass, in dieses existenzielle Konglomerat eingefügt, existiert.

Als Nächstes gilt es zu versuchen, wie von einer höheren Warte aus betrachtet, die eigentliche Persönlichkeit in ihrem Handeln zu beobachten. Doch nur beobachten und nicht beurteilen! Dann nämlich kann sich das beobachtende Selbst auf ein höheres Niveau als die Persönlichkeit begeben, da es sich zu lösen beginnt aus allem Gut und Schlecht, aus den Verstrickungen in vergangene Erinnerungen, aus Befürchtungen vor Zukünftigem, aus den Verhaftungen mit einem Ich oder einer Abgren- zung zum Du. Zusammengefasst könnte man sagen, dass ein so bewusst gewordenes Selbst, sich letztendlich ja über seine Todesangst erhoben hat, um sich dem Wesen seines Seelenkerns zu nähern.

Ein Beispiel: Sie machen einen kleinen Spaziergang und stellen sich dabei vor, wie ihr Höheres Selbst ihren Körper »ausführt«, statt sich mit dem laufenden Leib zu identifizieren. Ihr physischer Körper ist (nur) das Fahrzeug, das ihr Höheres Selbst steuert. Es gehört nicht zu ihrem Körper, sondern der Körper ist Besitz des höheren, beobachtenden Selbst, ist sein Diener. Das bedeutet, dass man nach und nach lernt, das beobachtende Selbst, nicht mehr mit dem sich abgefundenen Ich des Körperlichen zu identifizieren. Eher geht es in der Entfaltung eines höheren Bewusstseins darum, allmählich von Stufe zu Stufe immer weiter zu wachsen – vorausgesetzt, man löst sich von äußeren Dingen und von der Angst vor dem Tod.

Wir haben Gedanken, doch wir sind nicht unsere Gedanken

Der englische Religionsphilosoph Alan Watts (1915-1973) schrieb über diesen Aufstieg des beobachtenden Selbst Folgendes:

Es ist sowohl die Fähigkeit unser normales Alltagsbewusstsein zu bewahren, als es dabei auch gleichzeitig loszulassen. Sprich, man beginnt, ganz unbefangen, den Gedankenfluss im Auge zu behalten, all die Eindrücke, Gefühle und Erfahrungen geistig zu erfassen, die unentwegt unser Bewusstsein zu durchströmen versuchen. Statt aber die Gedanken zu kontrollieren und in den Gedankenstrom einzugreifen, lässt man sie so fließen, wie es einem gefällt. Normalerweise wird das Bewusstsein von diesem Gedankenstrom mitgerissen. Darum wäre es wichtig zu lernen, über diesen Gedankenstrom zu wachen, ohne dass er das Bewusstsein erfasst.

Vier Ebenen des Bewusstseins

Um die Wende zum 20. Jahrhundert begründete der griechisch-armenische Esoteriker und Abenteurer Georges I. Gurdjieff (1866-1949) ein spirituelles System, das Menschen helfen sollte eine »innere Evolution« anzustoßen. Gurdjieff sprach hier von einem »Vierten Weg« der einem Menschen helfen sollte diese innere Entwicklung des Bewusstseins anzustoßen. Dabei ging es ihm um vier Bewusstseinszustände:

  1. Der niedrigste Zustand dieser vier Entwicklungsstufen war für Gurdjieff der Schlaf.
  2. Den normalen Wachzustand, von dem die meisten Menschen glauben, er sei freies Bewusstsein, war für Gurdjie nichts weiter, als nur ein anderer Zustand des Schlafs. Denn was einen da wach hält, sind die in der Tiefe der menschlichen Psyche brausende Leidenschaften, vielleicht etwa mit dem vergleichbar, was der österreichische Psychologe Sigmund Freud (1856-1939) als das »Es« bezeichnete.
  3. Manche Menschen aber sind fähig, wahre Bewusstheit zu erfahren. Doch meist nur in kurzen Augenblicken. Das passiert wenn die verkrusteten Schichten der Persona (Maske der Persönlichkeit), an manchen Stellen abzuplatzen beginnen. In diesem Zustand erfährt man eine Art Erinnerung an das, was man das »Wahre Selbst« nennen könnte. Doch damit gehen auch Gefahren einher, da nicht jeder diesem »erwachten Gewahrsein« gewachsen ist.
  4. Der höchste Zustand ist vollkommene Erleuchtung, wo der »Erwachte« sich und die Dinge so sieht, wie sie tatsächlich sind. Es ist, was die Buddhisten den Samadhi-Zustand nennen, wo das beobachtende Selbst mit dem Atman, dem jedem Menschen innewohnenden göttlichen Funken, vereint wahrnimmt. Jeder Wunsch über Dinge oder andere Personen zu Urteilen verschwindet damit und wird überflüssig.

Um diese letzte Stufe zu erreichen, müsste ein Übender, so Gurdjieff, zuerst ein Bewusstsein in der 3. Stufe entwickeln. Das ist sicherlich ein längerer Weg. Denn man muss sich mit den Bewusstseinskräften, die in diesem Zustand wirken, erst vertraut machen, da sie zum »normalen Wachzustand« der 2. Stufe, eigentlich keine direkte Verbindung haben. Menschen die entweder sehr sensibel sind oder zu eifrig versuchen sich auf diese Stufe zu erheben, laufen durchaus Gefahr den Verstand zu verlieren.

Befreiung des Emotionskörpers

Fest steht, dass die meisten Menschen auf unserem Planeten, da sie vielleicht auch nie von diesen höheren Zuständen des Bewusstseins hörten, nur ganz gelegentlich, vielleicht in besonders schwierigen Lebenssituationen, eine solche höhere Bewusstheit plötzlich in sich aufsteigen fühlen.

Wer sein beobachtendes Bewusstsein diszipliniert, wird allmählich dazu befähigt, seine Gefühle zu kontrollieren und sich dabei eines feinstofflichen Leibes bewusst zu werden, der sich aus seinen Emotionen und Empfindungen zusammensetzt. Das ist der Emotionskörper.

Selbstbetrachtung ist ein sehr geeignetes Werkzeug, sich seine höheren Daseinsformen bewusst zu machen und die inneren und äußeren Muster zu erkennen, die einen Menschen seinem wirklichen Daseinsgrund näher bringen.

Darum geht es: Die Erfüllung unseres wahren Seins auf diesem Planeten zu verwirklichen. Wenn nicht in dieser, dann vielleicht in unserer kommenden Inkarnation – wo und was immer das sein wird.

Wichtigste Voraussetzung aber, um solch höheres Gewahrsein überhaupt zu erlangen, sind eine positive Lebenseinstellung und die Fähigkeit Mitgefühl zu entwickeln, für alles Leben in dieser Welt. Dabei ist es wichtig immer wenn man wütend über etwas ist, sich nicht mit den dabei aufsteigenden, negativen Emotionen zu identifizieren, noch sich von ihnen mitreißen zu lassen. Die Kunst ist es, solche Gefühlsbewegungen von einer anderen Warte aus zu beobachten. So kann es sogar gelingen sich von solchen Emotionen zu lösen und sie nicht weiter anzufeuern, noch bevor sie überhandnehmen.

Ärger, Sorgen, Hass und Wut entstehen aus den Problemen der Persönlichkeit eines Menschen. Sie als solche zu entlarven heißt, sich seinen Emotionskörper bewusst zu machen, ihn mit Hilfe des beobachtenden Selbst zu erkennen, doch sich nicht mit ihm zu identifizieren. Wem das gelingt, der kann Negativität durch selbst erzeugte Hochgefühle ausgleichen, innere Blockaden überwinden und sich dabei über bisher unbewusste Schranken erheben. Er befähigt sich damit, seinen Emotionskörper in Balance zu bringen und so auch zu heilen. Wie von selbst wird er damit die inneren und äußeren Widersacher seiner Persönlichkeit bezwingen und für mehr Glücksempfinden in seinem Leben sorgen.

Immer also wenn einen belastende Empfindungen und negative Gefühle plagen, kann man sich sagen:

Ich empfinde diese Emotionen, doch ich bin mehr als meine Emotionen: Ich bin grenzenloses Bewusstsein, ewig und frei.

 

Was der Vorteil ist am Nachteil

Was der Vorteil ist am Nachteil

The Possibilities of the Broadway Cable Car (1893) - ewigeweisheit.de

Sobald sich einem eine schwierige Situation im Leben aufdrängt, schaut man sich am besten an, was da gerade vor sich geht. Gelassen. Besonders wenn's echt an die Substanz geht und einen wirklich schwere Probleme bedrücken, ist das nicht einfach.

Dennoch hilft es nichts, wenn man die Pferde aufscheucht. Es ist was es ist, ganz gleich wie grauenhaft einem im Moment alles auch erscheinen mag.

Wer klug ist, nimmt sich einen Augenblick Zeit, atmet ruhig, um so gelassen wie möglich zu betrachten, was sich da gerade als anscheinend unüberwindbares Problem zeigt.

Mit diesem Blick auf das was ist, lassen sich vier kleine Fragen stellen:

  1. Gibt es etwas, an dieser miserablen Situation, dass vielleicht sogar einen Nutzen hat?
  2. Was von diesen Schwierigkeiten bringt mich weiter?
  3. Wie kann ich diesen Konflikt oder dieses Problem, als Wegweiser benutzen?
  4. Über welche Lösungen, dachte ich bisher noch nicht nach?

Erste Regel um darauf Antworten zu finden ist ...

... unbeugsamer Optimismus!

Zur Einstimmung auf die möglichen Antworten auf die Fragen (1. bis 4.) könnte man dann schon einmal freundlicher sein, mit mehr Offenheit an die Dinge herangehen, sich mehr verbinden oder andererseits auch mal loslassen.

Um überhaupt die Sache anzugehen, ist die Bereitschaft die eigene Person verändern zu wollen, eigentlich wichtigste Voraussetzung. Das ist natürlich leichter geschrieben und noch leichter gelesen, als es letztendlich durchgeführt wird. Doch was ist ein Problem, als eben ein ganz und gar wichtiger Hinweis darauf, dass da etwas ist, dass einem nicht mehr gut tut und man vielleicht, wenn auch unbewusst, schon viel zu lange gewartet hat?

Aus dieser Warte aber wäre das Problem doch eigentlich ein Vorteil. Oder?

Nein?

Alles hat seine Pole und Gezeiten

Nur hoffnungsfroh kann man stets davon ausgehen, das ein Konflikt oder ein Problem oder eine Schwierigkeit, einen an sich in eine durchaus positivere Situation befördern will, in einen guten Zustand vielleicht, in dem man nicht einmal war, bevor da plötzlich Ärger und Probleme einen zu erdrücken drohten.

Jeder Konflikt lässt sich mit seinen eigenen Waffen schlagen!

Schwierigkeiten zeigen einem unterschwellig Chancen, die eigentlich auf einen warten. Sie wollen erkannt, verwirklicht und gelebt werden!
Was heißt das aber genau?

Die erste Antwort auf diese Frage gibt uns eines der sieben hermetischen Prinzipien:

Alles ist zweifach, alles hat Pole, alles hat seine Paare von Gegensätzen, gleich und ungleich sind dasselbe. Gegensätze sind von Natur aus identisch, jedoch verschieden im Grad. Extreme berühren sich. Alle Wahrheiten sind nur Halbwahrheiten. Alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden.

- Aus dem Kybalion

Was sich ganz unangenehm anfühlt, ist, wenn auch nicht gleich spürbar, mit einem angenehmeren Teil verbunden.

Denken sie an eine finstere Nacht im Wald, mit all ihren Ungewissheiten. In der Frühe dann kündigt das Morgenrot die Sonne an, die dem Tag Licht und Wärme bringt. An einem schönen Tag geht man dann womöglich gerne im Grünen spazieren. In den heißen Sommermonaten aber kommt, vielleicht gerade umgekehrt, mit dem Abendrot die lang ersehnte Abkühlung ganz gelegen.

Und so ist es eigentlich mit Allem: Es gibt nicht nur schwarz und weiß, nicht nur schlecht und gut, nicht nur ungünstig und erfreulich. Nein. Immer gibt es da etwas das Beides miteinander verbindet, wie die Brücke die zwei Seiten eines tiefen Abgrunds. Diese Brücke gilt es zu finden.

Sie können wir überqueren und dabei bestimmt auch das, was dann war, in etwas anderes umwandeln, das nun sein soll und vielleicht genau das Gegenteil von dem ist, was uns nicht (mehr) gut tut.

In diesem Wissen kann man sich nun fragen:
Wie lässt sich das Eine umwandeln in das Andere?
Wo liegt des Einen Starke und Schöne, was des Anderen Schwache und Unangenehme ist?

Worauf hier angespielt wird, sollen folgende Sätze erläutern:

  • Hindernisse sind auch Möglichkeiten.
  • Barrieren brauchen Brücken, um sich überwinden zu lassen.
  • Blockaden brauchen Tore, die man durchschreiten kann.
  • Angst ist das Gegenteil von Vertrauen und Zuversicht.
  • Wut lässt sich mit Liebe besänftigen.
  • Schmerz heilt Freude.
  • Einen erbitterten Kampf beendet der Frieden.

Wenn man weiß, dass das Problem das man vielleicht hat, einem in Wirklichkeit erlaubt die damit verbundenen Möglichkeiten zu verwirklichen, der sollte sich nicht weiter in seinen Schwierigkeiten und Konflikten gedanklich einsperren, sondern sich vielleicht aus Selbstmitleid entfesseln und sich dabei öffnen, für das, was immer einen positiven Ausgang hat.

Man erlaube also einem neuen Selbstempfinden sich zu zeigen, damit neue Gefühle und Emotionen aufsteigen können, neue Sichtweisen, neue Gedanken entstehen können. Und sobald damit erreichte Erfolge erscheinen, zeigt sich da bereits die ersehnte Veränderung.

Doch wie man auch jene, oben angedeutete allegorische Brücke, nur Schritt für Schritt passieren kann, so sollte man auch beim Lösen seiner Probleme auf seine Schritte achten und sich fragen:
Was ist der nächste Schritt?