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Zeitempfinden, Zeitersparnis und die »Optimierung des Menschen«

von S. Levent Oezkan

WWW 2021 - ewigeweisheit.de

Der Philosoph Heraklit, der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebte, studierte das Verhältnis der Gegensätze. Ihm lag viel daran, aus den Erwägungen eines polaren Seins Erkenntnisse zu gewinnen, wo er sich zu finden suchte zwischen Wachsein und Schlafzustand, Licht und Finsternis, Eintracht und Zwietracht.

Für ihn standen solche und andere Polaritäten und Gegensätze, in einer spannungsgeladenen Einheit. Und wenn bei ihm die Rede von Spannung war, waren darin auch einbezogen die Schrecken des Krieges.

Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.

- Heraklit

Bleibt bei diesem drastischen Urteil aber nicht eine wichtige Frage offen? Zumal ja alles was entsteht in einem Zusammenwirken in die Welt kommt: Was ist die Mutter aller Dinge? Ist es etwa die Physis unseres Planeten Erde, aus dem da Bodenschätze geschürft werden, die in Metalle verwandelt Technologie ermöglichen? Denn was wäre Krieg geblieben, hätte man nicht bereits vor Jahrtausenden schon die Herstellung von Stählen gekannt?

Auch die Nutzung des Kupfers (und seiner Legierungen Bronze und Messing) ist bereits sehr alt und war insbesondere seit dem 19. Jahrhundert die metallische Grundlage für die Übertragung elektrischer Energie und für das Entstehen der modernen Nachrichtentechnik. Sie nahm ihren Anfang wohl als die ersten Telegrafen und Telefone, die im zivilen Leben der Menschen seit dieser Zeit immer wichtiger wurden. Diese Technologien aber, wurden noch direkt über besondere Leitungen übertragen. Mit der Erfindung des Funks und Hörfunks – im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert –, waren in einem Zug die Voraussetzungen geschaffen, um ein weltumfassendes Informationsnetz zu entwickeln.

Nach 1918: Radios

Im Ersten Weltkrieg entstand eine Hörfunk-Technologie, die, nach seinem Ende, Journalisten für zivile Zwecke zur Verfügung stand, zur Übertragung ihrer Nachrichten.

Nach 1945: Fernseher

Diese Technologie erhielt noch eine Verbesserung, nämlich damit, dass man die Radio-Wellen auch zur Bildübertragung nutzte. Und daraus eben wurde das Fern-Sehen möglich.

Nach 1989: Internet

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg der politischen Teilung der Welt (in die Mitglieder der NATO-Staaten im Westen und jener des Warschauer Vertrages im Osten), die einherging mit dem sogenannten »Kalten Krieg«, entstand im Verborgenen die Technologie für das heute gebräuchliche Internet. So wie zuvor Radio- und Fernsehtechnologie, wurde nach dem Fall des »Eisernen Vorhangs« (Herbstrevolution von 1989), dieses weltweite Netzwerk zum digitalen Informationsaustausch, öffentliches Gut.

WWW – 23 23 23

Fast jeder Mensch der in den Industrieländern geboren wurde, benutzt heute, ab einem gewissen Alter, das Internet. Und das, trotz das niemand weiß, welche Auswirkungen die ständigen Neuerungen (sogenannte »Updates«) der darin verwendeten digitalen Systeme, auf das soziale Leben des Einzelnen haben.

Sicher: Das Internet ist ein wertvolles Gut, um damit etwa tägliche Aufgaben zu erledigen. Es scheint aber auch, als wäre es überhaupt nicht mehr wegzudenken. Der Mensch neigt tendenziell eben zur Faulheit – was tatsächlich auch kein Grund für geringere Effizienz seines Daseins bilden muss. Vorausgesetzt einer weiß eben die Quellen des WWW zum Vorteil anderer so zu nutzen, während er darin seine Freude am Selbstausdrucks gefunden hat.

Entstehung der Vorstellung einer linearen Zeit

In den ersten beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts versuchte man die Kommunikation im Außen zu perfektionieren. In 2021 aber bewegen wir uns scheinbar in einer Phase des Industriezeitalters, wo es um den Ausbau innererkörperlicher Umgestaltungen geht, mittels Nanotechnologie, die eine bessere Kontrolle über die auf Molekularebene biologisch-physiologischen Funktionen unseres Körpers, zu unserem Wohlergehen gewährleisten sollen.

Hierzu leistete die Menschheit natürlich entsprechende Vorarbeit. Man denke etwa an die Zeitmessung: Ohne sie wäre unsere gegenwärtige, in der Moderne entstandene Internet-Kultur gar nicht denkbar, zumal ja weltweit alle Internet-Server-Systeme die Zahl der Sekunden messen, die seit Mitternacht des 1. Januar 1970 vergangen sind.

Sonnenuhr: Messsystem zyklischer Zeit

Vor sehr langer Zeit aber waren Zeitmesssysteme, ja ganz einfache Technologien, die mit Hilfe der Sonnenbewegung und der damit einhergehenden Schattenbildung auf der Erde, bestimmte Tagesrhythmen andeuteten, mit den sogenannten Sonnenuhren. Sie erfüllten in erster Linie ihren Zweck als Orientierungshilfen für rituelle Handlungen sakraler Qualität.

Die damit festgelegten Zeitpunkte, waren jedoch recht abstrakt, die man noch nicht direkt als Technologie bezeichnen könnte.

Uhrwerk und Himmelslauf

Die sogenannten Astrolabien (scheibenförmige astronomische Rechengeräte) halfen seit dem 1. Jahrtausend den Frommen der Klöster, ihre Gebetszeiten auf die Bewegungen der Himmelskörper genau abzustimmen. Später sollten das mechanische Uhrwerke erübrigen, die man da in Klöstern installierte. Ein Glockenschlag markierte da etwa täglich, über das ganze Jahr hinweg die Stunden, die die Sonnenpositionen auf die vier Sonnenstände der eigentlichen Tagundnachtgleichen markierten (6 Uhr morgens den Sonnenaufgang, 12 Uhr den Zenit, 6 Uhr abends den Sonnenuntergang, 12 Uhr nachts den Nadir).

Daraus entwickelten sich dann die ersten Uhren, die auch in den Klöstern für alle sichtbar angebracht waren. Später sollten solche Technologien schließlich auch an den Türmen von Kirchen und Rathäusern im Zentrum der Städte angebracht werden.

Als man dem Tag 24 Stunden überstülpte

Damals entstand da ein Vorstellung, die nicht mehr einen zyklischen Kreislauf der Gestirne (insbesondere Sonne und Mond) als Zeitempfinden suggerierte, sondern nun zu einer linearen Zeit wurde, die messbar festgelegt, immer den Gegensatz von Beginn und Ende, als eindimensionale Größe festlegte.

So wurde die Vorstellung vom 24-Stunden-Tag überall angenommen und entsprechend gerieten allgemeine Erfahrungswerte kosmischer Jahres-, Monats- und Tageszyklen nach und nach in Vergessenheit – da die Menschen damit auch zunehmend in Innenräumen verbrachten.

Natürlich wurde das irgendwann zu dem, was als Stand- und Wanduhren in den Häusern und Wohnzimmern, mit lautem Ticken und Gongschlag immer die richtige Zeit angab. Schließlich entwickelte sich die Technologie so weit, dass man mit Uhren (seit der Industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts) an einem Armband, nun immer und überall diese abmessbare Zeit zur Verfügung hatte.

Mit dem Entstehen der digitalen Kristallanzeigen von Armbanduhren, erhielt auch der Wunsch nach genauer Zeit seinen Einzug ins menschliche Denken – Stichwort »Atomuhr« (Oktober 1967). Bis in die 1980er Jahre machte der Wunsch auch noch die ganz genaue Zeit zu wissen, die »119« zur meistgewählten Telefonnummer in Deutschland.

Erfahrbare Zeit

Hieraus etablierte sich schließlich der Sinn für eine »Innere Uhr«, die einen im Laufe des Lebens genau schätzen lässt, welche Zeit wohl gerade ist. Ist solch eine, an Uhren abmessbare Zeit aber nicht etwas ganz anderes, als erfahrene Zeit?

Angenommen man ließe das Maß weg: Bliebe da nicht nur ein recht abstrakter Zeitbegriff übrig?

Ohne Uhr beschreibt immer unser Empfinden gemachter Erfahrungen, wie sich Zeit tatsächlich anfühlt. Sie beginnt mit einem Ereignis, das diese Erfahrung auslöst, bis sie schließlich, ab einem gewissen Moment endet. So erfahren wir Zeit durchaus verschieden schnell oder langsam, je nachdem welche Erfahrung wir gerade machen.

Langeweile etwa, lässt uns auch nur wenige Minuten ewig erscheinen. Während uns eine Zeit konzentrierten Schaffens eine durchaus andere Qualität suggeriert.

Zeitersparnis: Wie lässt sich sparen, was ewig ist?

Zeit ist eine Dimension der Ewigkeit. Zeit ist. Und: Zeit vergeht. Wie wollte man Zeit jemals sparen?

Unser messbares Zeitempfinden jedoch führte uns bis heute in eine Erwartungshaltung, die einen Wunsch erwachsen ließ, unseren Tageslauf zu optimieren. Damit mag der eine oder andere sogar verzichten auf die Einhaltung bestimmter Regeln – wie einem morgendlichen Piepen des Weckers. Wer weiß: Ist das dereinst für niemanden mehr nötig? Sind da dann vielleicht Mechanismen, die aus jedem von uns heraus wirken und wo die ursprünglich von Uhren erwartete Erinnerung, sich in uns noch viel genauer auslösen lassen könnten?

Letztendlich hieße das, dass wir heute alle ein stückweit daran beteiligt sind, dass nicht nur die Vorstellung von dem was Zeit ist, sondern auch die, sie genau reproduzierende Technologie, wegen unserer Erwartungshaltung, immer mehr in unsere Körper einzudringen scheint.

Doch wofür? Damit wir endlich die Rolle eines »Optimierten Menschen« spielen dürfen?

Solch Technologie im Menschen soll uns dann – angeblich – das Leben immer mehr erleichtern, damit wir uns Herausforderungen (zum Beispiel zum Schutz vor Krankheiten) gegenüber besser gewappnet fühlen.

Doch was bedeutete das für unser Schicksal?

Vergäßen wir damit nicht, was von dem das wir tun, zum Guten unserer Mitmenschen beiträgt, durch unser rechtes Denken, Sprechen und Handeln?

Natürlich lässt sich das Leben immer mehr erleichtern durch bestimmte Hilfsmittel, die ihm durch äußere Einflussnahme zur Verfügung gestellt werden. Wo aber bleiben dann all die Kräfte, die tatsächlich aus uns und durch unser Denken in die Tat umgesetzt in der Welt wirken?

»Schicksal als Chance«

Wie ich, und sicher auch Sie, in unserem bisherigen Leben erfuhren, waren es doch die Schwierigkeiten, die uns, nachdem wir sie überwunden hatten, stärker machten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse konnten wir sogar unseren Nächsten mitteilen, oft zu ihrer Hilfe, wenn sie uns vielleicht darum baten.

Was, es ginge allein um das Ausprobieren, wo man bewusst die Möglichkeit von Misserfolgen in Kauf nimmt, damit man durch Versuch und Irrtum seinem Ziel, seiner Erfüllung näher kommt?

Jeder von uns kann nur für sich selbst das Optimum für seinen Lebenswandel entdecken, indem er eben fortwirkt und keinem Automaten (zum Beispiel einer Künstlichen Intelligenz) seine Lebensgestaltung überlässt – zumindest aber mehr auf sein eigenes Erfahren vertraut, auch wenn ihm das nicht immer Erfolge, sondern auch Misserfolge einbringt.

Wie sollte man sonst seine wahren Stärken erkennen, wenn man nicht auch den Schwächen begegnete?

Am Ende sogar, kämen durch unsere Schwächen vielleicht jene Schlüssel ans Licht, mit denen sich die Tore eröffnen ließen, zu unseren bisher verborgenen, aber wahren Talenten und Begabungen. Doch das eben nur dann, wenn wir damit verbundene Erfahrungen auch machen und sie nicht, aus reiner Bequemlichkeit, nur simuliert und zur Berieselung unserer Sinne konsumieren.

 

Titelfoto: Visualization of the world wide web common crawl 2012 von Sebastian Schelter (CC BY-SA 3.0).

 

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Fortschritt und Tradition

von S. Levent Oezkan

Hätten Sie gedacht, dass etwas mehr als 25 Jahre nach Einführung des WWW, überall auf den Straßen, Menschen mit gebeugtem Kopf und runzliger Stirn, mit etwas in ihrer Hand auf der Suche sind? Was haben sie in dieser Welt verloren? Welch dauerhafter Wert lässt sich auf diese Weise finden?

In den Industrieländern besitzen 2016 fast 1 Milliarde Menschen ein Smartphone. Monatlich nutzen fast 2 Milliarden Menschen digitale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp, Instagram usw. Allein in den vergangenen drei Jahren, kamen mehr als 300 Millionen neue Internet-Nutzer hinzu. In den kommenden 5-10 Jahren wird sich der Kreis der Teilnehmer noch einmal, um etwa 3-4 Milliarden Menschen aus Schwellen- und Entwicklungsländern erweitern. Soweit der Zustand unserer digitalisierten Welt.

Global betrachtet, scheint sich die Menschheit in eine riesige Generation von Cyber-Drohnen zu verwandeln, die in einem elektronisch-vernetzen Bienenstock emsig Geld produzieren. Nur weiß es kaum einer. Die Zahl derer, die wissen, dass ihre Inhalte und Fotos indirekte Werbemittel sind, ist gering. Doch damit machte Facebook im Jahr 2015 ca. 18 Milliarden US-Dollar Umsatz – 44% mehr als noch 2014.

Vorteile für jeden

Natürlich sind Computer, Smartphones, Internet und Soziale Netzwerke, längst fester Bestandteil unseres kulturellen Lebens. Sie bieten ja auch wirklich Vorteile: Man kann mit Freunden und Familie in der Ferne einfacher in Kontakt bleiben oder neue Menschen mit gleichen Interessen kennenlernen. Auch Geld lässt sich mit dem Internet vielseitiger verdienen.

In Zukunft wird das Internet weiter dazu beitragen, das weniger Kinder vermisst, Wirtschaft und Politik noch transparenter werden, das Redefreiheit und Bürgerbeteiligung wachsen, öffentliche Dienste effizienter genutzt werden können, der Zugang zu Bildung noch einfacher wird und wegen der wirtschaftlichen Teilhabe aller, es zu einer immer stärkeren Demokratisierung kommt.

Transparenz für alle

Mehr Transparenz erfordert mehr Sicherheit. Denn mit steigender Transparenz wächst auch das Ausmaß von Überwachung und Manipulation. Ebenso problematisch ist der wachsende Identitätsdiebstahl. Gesichtserkennung und moderne Cyberbrillen (in denen z. B. personenbezogene Daten sich sofort in das Gesichtsfeld ihres Trägers einblenden lassen), werden die individuelle Privatsphäre immer mehr aufweichen, was natürlich zu allen möglichen Formen von Online-Mobbing führen wird, zu Polarisierung und Diskriminierung. Virtuell geschaffene Räume (unterstützt durch 3D-Brillen, elektronisch optimierte und intelligente Kleidung) sorgen für immer mehr Ablenkung und Realitätsflucht aus dem wirklichen Leben.

Krieg ist der Vater aller Dinge

Alle kulturellen Errungenschaften der modernen Welt, wie Radio, Fernsehen und Internet, wurden, bevor man sie zivil nutzte, für militärische Zwecke entwickelt. Der griechische Philosoph Heraklit sagte einmal:

Krieg ist der Vater aller Dinge, König aller Dinge. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.

Das ist eine ganz wertfreie Feststellung über das Wesen der Zivilisation an sich. In Zeiten des Krieges wollen beteiligte Regierungen bestenfalls ihre Bevölkerung gegen Angriffe schützen. Was noch vor 100 Jahren ein Grenzschutz leisten konnte, das sind heute außerdem digitale Schranken, die man im Fachjargon als »Firewalls« bezeichnet. Sie werden in Computersystemen installiert, zum Schutz von Privatleuten, Unternehmen und Regierungen gegen Angriffe auf ihre Daten.

Die Grauzonen zwischen Legalität und Illegalität, zwischen Verbündeten und wirtschaftlicher Wettbewerbsfreiheit, scheinen sich ausgedehnt zu haben. Wie immer erfordert die Nachfrage das Angebot, denn jeder von uns, wenn auch nur passiv, möchte die Vorteile der technologischen Entwicklung nutzen. Und es gibt sie, diese Vorteile!

Noch mehr Vorteile

In 10 Jahren werden immer mehr Elektro-Fahrzeuge (z. B. Tesla-Motors) auf den Straßen fahren, verbesserte Recycling-Verfahren zu einer saubereren Umwelt beitragen, Solarenergie effizienter genutzt und damit weniger fossile Rohstoffe verbrannt werden. Das alles trägt zur Gesundung unseres Lebensraumes bei: weniger Smog, weniger Lärm, weniger Müll.

Die hierfür notwendige technologische Infrastruktur erfordert auch immer intelligentere Computer. Viele Prozesse im Leben werden durch diese Strukturen optimiert, fordern den Menschen dazu auf, sein Leben diesen Optimierungs-Vorgängen anzugleichen. Wir können heute jedoch nicht sagen, ob das dazu führt das der Mensch unbewusster wird, was seine wahre Herkunft und die Bedeutung der Natur anbelangt. Es scheint aber, dass durch diese Optimierungen der Lebensabläufe, weniger Zeit für den Broterwerb aufgewendet werden muss, stattdessen mehr Zeit zur Verfügung steht für Bildung.

Wenn aus jedem Menschen in Zukunft ein Produzent schöner, brauchbarer Dinge und Ideen würde, und er sich so aus der Konsumhaltung befreite, wären all die Cyber-Technologien eher unproblematisch. Wir sollten die Konsum-Mentalität des 20. Jahrhunderts ablegen. Wer nur konsumiert, wird in Zukunft immer einfacher steuerbar und ohne es zu merken, zu einem immer effizienteren »Verbraucher« erzogen. Doch nicht allein von Personen, sondern immer mehr auch durch KI – Künstliche Intelligenz (AI, Artificial Intelligence).

Im WWW werden unsere Daten für uns unsichtbar, ständig optimiert, um besser auf uns zurück zu wirken – besonders durch Werbung. Zum Glück aber gibt es jede Menge Software, die all die unzähligen Werbeeinblendungen unterbindet – genannt Ad-Blocker. Trotzdem wird unsere Suche im Internet ständig optimiert und auf Produktangebote angeglichen. Selbst wenn direkte Manipulationen der Suchergebnisse wegfielen, so inkludieren Suchroboter in die Suchergebnisliste immer auch kommerzielle Inhalte. Das liegt im Wesen der Dinge.

Big Brother in einer Schönen Neuen Welt

Experten aus Wirtschaft und Industrie erwarten in den kommenden Jahren gigantische Techno-Tsunamis, wegen denen ganze Industriezweige und wesentliche Bestandteile unserer gesellschaftlichen Infrastruktur weggerissen werden. Schon bald werden wir uns mit neuen Spielregeln beschäftigen müssen. Der Übergang von der »Alten Welt«, in das, was nach dieser »Vierten Industrielle Revolution« kommt, wird die digitalisierte Menschheit vor immer komplexere Aufgaben stellen. Immer mehr Künstliche Intelligenz wird eine Rolle spielen. Wo aber Verläuft die Grenze zwischen Nutzen und Sinn? Läuft all das nicht auch darauf hinaus, das sich der Mensch, durch Überoptimierung seiner Umwelt, irgendwie selbst abschafft?

Schon in naher Zukunft drängen kommerziell verfügbare Geräte auf den Markt, die in den menschlichen Körper eindringen. Herzschrittmacher und Cochlea-Implantate waren nur der Anfang – man könnte fast sagen: harmlos. Ins Gehirn implantierte Telefonie und Internet sind längst in der Entwicklung. Brillen werden mit dem Internet verbunden sein, so dass zu vielen Objekten in unserer Umgebung sofort weitere Informationen abgerufen werden können (z. B. »Google Glass«). Was einst geheim war, weiß sofort jeder über jeden. Wer ein Facebook-Konto besitzt und schon einmal auf einem Foto von einem Freund mit Namen zugeordnet wurde, den können andere mit oben genannter Technologie überall identifizieren.

All das ist kein Pessimismus und auch keine Antiutopie. Es sind reine Fakten.

Die Digitale Maske

Zunehmend verschmelzen physisch-biologische mit digitalen Systemen. Viele sehen darin nur Vorteile. Andere wenige aber sehen darin eine immer enger werdende Fessel. Die meisten Internet-Nutzer wissen leider nicht, wenn sie schlafen, mit ihrem Partner im Bett liegen, im Bad sind oder irgendeiner anderen Aufgabe nachgehen die nichts mit dem Internet zu tun hat, ihre digitale Persona im Internet unterwegs ist und durch Google, Facebook, Amazon und andere Firmen ununterbrochen optimiert wird. Diese Persona wirkt auf jeden von uns zurück. Sie ist unser digitales Doppel. Durch sie blicken wir ins Internet und je mehr wir das tun, desto mehr identifizieren wir uns mit ihr und desto optimaler gestaltet sie sich aus. Selbst wenn wir das nur als Vorteil empfinden, wirkt diese Persona auf unsere Interessen zurück, insbesondere auf unser Kaufverhalten.

Zunehmende Komplexität

Die Komplexität in der Welt nimmt beständig zu. Leben im 21. Jahrhundert heißt: ständig dazu lernen, ständig sein Leben verändern. Wer aber keiner spirituellen Tradition folgt und sein Leben ständig dem Diktat der digitalen Techno-Welt unterordnet, aus dem wird schon bald ein Android, der gar kein eigenes Leben mehr hat, sondern sich gemäß dem digitalen Diktat ständig verbessert – Stichwort »Selbstoptimierung«. Der Glaube an eine anscheinend ultimative Freiheit, die das Internet und mobile Digitaltechnologie bieten, ist gefährlich. Smartphones fördern unseren Narzissmus. Noch mehr Aufmerksamkeit will mit ihrer Nutzung befriedigt werden und langsam entleert sich unser inneres Leben nach Außen.

Sicherheit vs. Religion und Terror

Wir sollten nicht allen Drohszenarien trauen, die sich uns durch Internet, TV und Presse aufdrängen. Vieles sind schön ausgeschmückte Intrigen. Es liegt halt im Wesen der Sache: fast alle von uns lieben Skandale. Danach suchen Journalisten für uns. Die Nachfrage bestimmt die Medienlandschaft. Manipulation wird weniger, wenn der Konsumdrang nachlässt.

Das terrorgetränkte Weltgeschehen soll sich, laut Medien, allein in der Arena der Religionen abspielen. Im Westen will man den Muslimen an allem die Schuld geben. In Wirklichkeit aber werden die vermeintlichen Feinde unserer Zivilisation, von teils bekannten, teils unbekannten Quellen gefördert – die lediglich Teil eines großen Technologie-Komplotts sind. Nur sehr, sehr wenige Menschen verstehen, was in der Technologie-Branche eigentlich gerade passiert. Auf viele Bereiche unseres Alltags werden sich die disruptiven Technologien schon bald auswirken. Disruptive Technologien sind Innovationen, die bestehende Produkte, Technologien oder Dienstleistungen, vollständig verdrängen. In wenigen Jahren wird die Weltgesellschaft Zeuge eines schlagartigen Zerbrechens, ja, einer regelrechten Zerstörung alter Systeme. Das wird sich auswirken auf die Wirtschaft, das Wesen der Arbeit, auf die Art der Produkte und ihre Vermarktung, auf Firmenstrukturen, ja auch auf ganze Staaten und die Art der globalen Zusammenarbeit. Da der Mensch aber in Zeiten großer Not dazu neigt, sich an höhere Mächte zu wenden, beginnen jetzt die Führer der Religionsgemeinschaften, Menschen wie Schäfchen auf ihre Weiden zu locken, mit der vermeintlichen Absicht, das Individuum aus den Klauen der großen Daten- und Fernsehbilderkrake zu reißen.

Börse, Daten und unser Geld

Alte Formen des Handwerks werden heute durch neue, stark anwachsende und »innovative« Technologien gestört. Politik und Wirtschaft werden nicht alleine durch Menschen bestimmt, sondern immer deutlicher drängt sich den Entscheidern das »Diktat des Siliciums« auf – um es einmal so zu nennen. D. h.: die Halbleiter-Schaltkreise all der unzähligen Computerchips in Servern und Computern weltweit (die ja auf dem Halbmetall Silicium basieren), optimieren sich gegenseitig, ohne das je ein Mensch darauf Einfluss nimmt, geschweige denn en détail verfolgen könnte, was eigentlich passiert. Viele wissen nicht einmal, wie Computer, geschweige denn das Internet funktioniert! Ignorant trägt fast jeder so ein »Datenmonster« in seiner Hosen- oder Handtasche.

Überall dort, wo moderne Medien und Technologien präsent sind, ist das »Blut« dieses globalen, elektro-digitalen Organismus, das Giralgeld – das Geld der Geschäftsbanken, das von Girokonto zu Girokonto fließt, von Aktienwert zu Aktienwert übertragen wird. Es fließt ungesehen durch Glasfaserkabel durch den Atlantik und über die Datenleitungen der Kontinente. Wir alle rühren in der finanziellen Datensuppe mit, wenn auch nur mit unserem kleinen Smartphone oder unserem so unschuldigen Internetzugang. Jede Handlung im Internet wirkt sich direkt oder indirekt auf das finanzielle Weltgeschehen aus. Die Zahlen dazu laufen auf den Bildschirmen von Agenten, Maklern und Brokern an der Börse. Irgendwelchen Oligarchen und Wirtschaftsmagnaten mag das heute noch nützen. Doch nur ihnen die Schuld an der gegenwärtigen Weltkrise zu geben: ist das realistisch? Für die meisten Menschen ist das Internet einfach wie ein großer Selbstbedienungsladen und keinen interessiert noch, wo das eigentlich alles herkommt.

Gold, Geld und Zinseszins

Der Großteil derer, die im Internet mit Werbung und Handel Geld verdienen, müssen irgendjemandem Zinsen zahlen. Und nicht nur das: sie zahlen auch Zinsen auf ihre Zinsen. Das ist ein wichtiges Problem der Weltwirtschaft. Wie die meisten wohl wissen, muss die Währungsordnung von Geldbeträgen, einen Umtauschkurs zu Gold garantieren. Wie aber soll Geld, dass sich als Zinseszins im Geldsystem von selbst vermehrt, mit Gold gedeckt werden? Je mehr sich Schulden in einer bestimmten Währung durch Zinsen vergrößern, desto mehr driftet ein Staat oder eine Währungsunion (z. B. die Europäische Union) in die Krise. Es scheint das jedes Geldsystem ein System auf Zeit ist. Wenn die Werte nicht mehr mit Gold umgetauscht werden können, fordern Gläubiger bekanntlich Naturgüter oder andere Waren und Dienstleistungen. Wenn ein Staat sehr hoch verschuldet ist und weder seine Kredite bezahlen kann noch seine Zinsen, droht ein Krieg. Da sich aber durch den internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen, die Grenzen zwischen Staaten immer mehr aufweichen, ist die Situation etwas komplizierter geworden. Manche befürchten zwar einen Dritten Weltkrieg, doch die mit dem Geldsystem verbandelte Technologie-Entwicklung, geht wohl ihre eigenen Wege.

Die Computer-Branche wirkt auf noch viel höherer Potenz auf das Geschehen unserer Weltgesellschaft zurück. Wie Geld, verliert auch Software beständig an Wert. Ständig gibt es Software-Aktualisierungen, die auch durchgeführt werden müssen, da Anwendungen sonst fehleranfällig und unsicher werden. Zwar ist das ein Vorgang, den man auch an physischen Strukturen feststellen kann, nur sind die Zeitzyklen in der digitalen Welt sehr, sehr viel kürzer.

Was irgendwie nicht passt: Internet und Gott

Die gegenwärtige technologische Revolution, die auch eine industrielle und gesellschaftliche Revolution ist, hat begonnen. Die Menschen sind zu sehr mit ihrer Angst beschäftigt, nach der sie sich offenbar sehnen: jeden morgen beim Frühstück läuft bei vielen schon was auf der Mattscheibe (z. B. »Frühstücksfernsehen«).

Schon lange prophezeien Moral-Apostel vieler Geistesschulen und Religionen, ein aufdämmerndes, gesellschaftliches Desaster. Das Problem: die Führer der Glaubensgemeinschaften innerhalb ihrer Institutionen sind zerrüttet. Innere Kräfte wenden sich gegen sie. Man schaue nur in den Vatikan. Die islamische Welt ist ebenso gespalten. Radikalisierte Gruppen behaupten über die Häupter der Gläubigen hinweg, den Dschihad (»Heiliger Krieg«) im Außen durchführen zu müssen. Andererseits waren es aber nicht die gläubigen Rabbiner, die 2014 in Panzern durch den Gazastreifen rollten. Jahrhunderte lang lebten Juden, Christen und Muslime friedlich miteinander im heiligen Land. Erst nach dem Holocaust und dem Völkermord in Europa, kam es zur Staatsgründung Israels. Das aber die Technologie-Verwirrung, all die vielen Konflikte anschirrt, liegt auf der Hand - wenn es auch kaum einer weiß. Man denke an all die Smartphone-Filme, die von Nachrichtensendern, für ihre Berichterstattung verwendet werden. Ist das alles glaubwürdig?

Gretchenfrage und Ignoranz

Wenn Menschen aufhören an etwas zu glauben, dann glauben sie an jeden Unsinn – wie uns die Wellness-Esoterik-Szene beweist. Anfang des 20. Jhd. befanden sich die Menschen in Europa in ähnlicher Verfassung. Das führte zum deutschen Nazismus und zum sowjetischen Kommunismus. Was bei den einen die Rasse-Reinheit galt, forderten die Anderen mit erzwungener Gleichheit.

Leben wir heute nicht in ähnlichen Verhältnissen? Wieviele Menschen belächeln, wenn jemand sagt: »Ich glaube an Jesus Christus.« Auch damals glaubte keiner mehr so richtig an irgendetwas, hatte sich schon lange vom Glauben an einen Gott abgewandt, sich über die Religionen lustig gemacht. Alternativreligion war der Sozialismus – der nationale, wie der kommunistische. Den »Einen Gott« ersetzte ein Führer: Hitler oder Stalin.

Das Eine Ding

Vielleicht wäre es gut, mehr Menschen zögen in Erwägung, ihr Handeln auf eine Sache hin zu konzentrieren, etwas das ihnen Zuversicht und Stärke vermittelt – etwas worauf man sein Bewusstsein ausrichten kann. Etwas Verlässliches sollte es sein, eine Art Ritus der einen erdet, wo man Ruhe findet, etwas auf das man sich konzentrieren kann. Es ist schwierig sich einfach nur das Allerbeste aus allen Religionen herauspicken und zu versuchen, nur die schönsten und praktischsten Riten und Gebräuche ins Leben zu integrieren. Aus einfachem Grund: wer sich längere Zeit mit den traditionellen Geistesschulen und Religionsformen beschäftigt, erkennt zwar ihren gemeinsamen Kern, doch unterscheiden sich die Formen ihrer spirituellen Praxis. Genau aber die regelmäßige, spirituelle Praxis ist es, die uns hilft, Halt in einer Welt zunehmender Komplexität zu finden. Sich auf eine Tradition festzulegen, sich einem Glauben anzuschließen, heißt nicht, alle anderen spirituellen Wege abzulehnen oder ignorieren zu sollen. Sich zu einer spirituellen Praxis bekennen bedeutet, dass man sich wenigstens einmal im Leben mit etwas wirklich beschäftigt hat! – und eben nicht nur eine neue Gebrauchsanweisung verinnerlicht, die in einem Jahr schon wieder überflüssig geworden ist.

Tradition heißt nicht, die Asche bewahren, sondern das Feuer weitertragen.

- Ricarda Huch, deutsche Philosophin und Historikerin

Die materielle Welt ist heute sehr komplex und wird immer komplizierter. Umso wichtiger wird ein konkreter, einfacher Kern der Spiritualität, den man praktisch lebt, auf den man sich jeder Zeit hin ausrichten kann, sich dorthin wenden kann, wenn die Welt im Außen zu turbulent wird und nervt.

In die Mitte kommen heißt: die Mitte kennen.

Natürlich versuchen alle spirituellen Schulen neue Mitglieder zu rekrutieren und bekämpfen darum andere Schulrichtungen, ja es scheint als wäre es nie schlimmer gewesen. Immer aber gab es mystische Strömungen in den Traditionen in West und Ost (Schamanismus, Kabbala, Sufismus, Gnosis, Rosenkreuzertum, Voodoo, Bön, Vajrayana, Vedanta), deren Anhänger den wahren Kern aller Religionen kannten. Doch sie waren es immer auch, die sich auf gefährlichem Wege durch die Weltgesellschaft bewegten. Mystiker wurden wegen ihrer universellen Weltsicht, von ihren Glaubensbrüdern oft heftigst angefeindet. Aber gäbe es heute keine Mystiker, fände wohl überhaupt keine Verständigung mit anderen Glaubensrichtungen statt. Sie sind es, die das Wesen der Ewigen Weisheit (Sophia Perennis) kennen.

Kreativität ist so wichtig

Sind wir nicht alle dazu angehalten, in dieser Zeit des großen Weltwandels, zur Verständigung zwischen Menschen beizutragen und dem Verständnis für die Umstände anderer, mehr Raum zu geben? Wer dieser Aufforderung folgen will, benötigt die Fähigkeit kreativ zu denken und zu handeln.

Heraus aus der Konsumhaltung, hinein in die Kreativität!

Wir müssen uns von den Barrieren der modernen Welt befreien, müssen Brücken bauen zu den alten Werten unserer Zivilisation. Zuerst in uns, dann im Außen. Ersteres ist ein Lebensprozess, begleitet von der Arbeit mit den Menschen.

Bei allem was wir tun, sollten wir zuerst nach innen gehen. Ebenso weit wie sich alles ins unendliche Weltall ausdehnt, ebenso tief können wir uns auf eine innere Reise begeben. Es lohnt sich die Substanzen unseres ganzen Daseins zu entdecken. Nur so kann Integration stattfinden.

Es ist sicherlich eine schwierige Aufgabe, denn in dieser Welt werden die Menschen erzogen nur im Außen Veränderungen zu erreichen. Doch damit entstehen immer wieder neue Meinungen, die mit der Bildung immer neuer Seelenanteile einhergehen. Und diese Seelenanteile werden zu ganz eigenwilligen Psycho-Entitäten, die Spuren in unser Unterbewusstsein zeichnen. Diesen Spuren folgen wir unbewusst. Wer das Innere seiner Seelenwelt aber allmählich entlarvt, klärt das Verhältnis zu den Menschen die ihm täglich begegnen. Alles gewinnt an Wert, sobald man seine eigene Wichtigkeit auflöst. Was uns davon abhält sind die neuen Medien. Sie produzieren Feindbilder im Außen. Schließlich kostet es nichts Kritik zu üben. Wahres Urteil fällt aber nur, der ohne Meinungen ist. Wer kennt es nicht: in einer Diskussion zog man den kürzeren und später spielt man die Situation noch einmal durch, um in einem inneren Dialog mit einem Phantom des Opponenten, am Schluss Recht zu gewinnen. Das lässt uns in einem ewigen Gestern festsitzen. Etwas zu zerstören ist sehr einfach. Aufbau ist mit wirklicher Arbeit verbunden und der Fähigkeit zur Kreation. Wer sich ignorant dieser Arbeit verweigert, der wird immer Sklave äußerer Umstände bleiben, im Glauben Freunde dort zu finden, wo neue Feindbilder entstehen. Es ist so einfach Feindbilder zu generieren. Doch es hilft niemandem. Nur wieso empfindet es der Mensch als Erleichterung, wenn er sich über Probleme auslässt, Feindbilder pflegt und sich, schlimmsten Falls, mit Untergangsszenarien, seiner eigenen kleinen Welt oder des gesamten Planeten befasst? Es gibt ein physikalisches Gesetz, das man den »zweiten Hauptsatz der Thermodynamik« nennt. Dieser Satz besagt, das alles was entstanden ist, irgendwann wieder zerfällt. Alle Materie ist an die Zeit gebunden. Wer sich über die Welt beschwert und destruktiv kritisiert, hat sein Leben überhaupt nicht im Griff, sondern ist Sklave dieses Zerfallsprozesses. Sich gegenüber den Details der eigenen Seelenhierarchie zu verantworten, bedeutet, sich bedingungslos dem Schicksal zu stellen. Alles was einem geschieht, alle Ungerechtigkeiten, alle Krankheiten und alles Leid, müssen zuerst angenommen werden, um sie aufzulösen!

Wer seine inneren Gegner überwunden hat und nicht mehr versucht seine Mitmenschen zu ändern und den Mut hat, klug genug zu sein an Wunder zu glauben, der wird sich nach und nach aus der selbst geschaffenen, engen »Schlangenhaut«, zu einem neuen Leben heraus winden. All die materiellen Dinge an denen wir hängen, die gepflegt und gewartet werden wollen, sind ebenso ein Ballast, wie die vielen Meinungen die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben. Es ist unser »Meinungskörper«, an den sich ständig neue Meinungen heften. Es sind unsere vielen Absichten, von denen wir glauben, dass sie uns ausmachen. Sind es aber nicht die selben, die uns daran hindern Neues zu erfahren? Was von all den vielen Meinungen die wir mit uns herumtragen, sind in Wahrheit Unwahrheiten? Mit der Meinung ist es wie mit einer Münze: sie hat zwei Seiten – doch auch ihr Rand ist geprägt, worauf eigentlich niemand achtet. Es scheint, als würde das was die Widersprüche verbindet, gerne ignoriert.

Arbeit und Tradition

Das eigene Leben zu verändern und gleichzeitig wieder in der alten Umwelt weiter zu leben, ist sehr schwierig. Wer große Schritte gemacht hat, für den ist die Rückkehr in die alte Welt nicht einfach - oft unmöglich! Neue Lebenseinstellungen lassen sich nicht einfach integrieren und an alte Beziehungen anpassen. Doch wir müssen uns verändern.

Wer den Weg der Selbsterkenntnis geht, der muss zur Quelle vordringen. Doch bekanntlich muss man sich dabei gegen den Strom bewegen. Wir können nur so gewinnen: unser Leben verändern. Diese Aufforderung ist gegenwärtig noch viel bedeutender als früher. Flexibilität wird immer wichtiger. Wer aber keinen festen Halt in seinem Leben hat, der ist ständig neu entstehenden Aufgaben hilflos ausgeliefert. Flexibel bleiben kann, wer im Leben Halt gefunden hat. Dafür steht die traditionelle, spirituelle Praxis. Mit ihr verbinden wir uns mit dem Roten Faden der überlieferten Tradition. Hierauf kann man sich festlegen.

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