Yin und Yang

Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Dieses Kapitel ist der Lebenskraft gewidmet. Dabei möchte ich einige der verschiedenen Begriffe für diese Kraft benennen, auf die besondere Verbindung von Lebenskraft und Atem eingehen und zudem die Wirkung und das Wesen dieser Kraft ansprechen. Des Weiteren soll auch die Frage danach nicht unbeachtet bleiben, ob diese Lebenskraft überhaupt tatsächlich existiert.

Wird der Atem aus einer modernen, naturwissenschaftlichen Perspektive heraus betrachtet, so offenbart er sich als ein Austausch von Gasen. Dies ist sicherlich richtig und auch interessant, aber da die meisten Leserinnen und Leser über diese Prozesse wohl ausreichend informiert sein dürften, verzichte ich darauf, diese Vorgänge genauer zu beleuchten.

Wichtig aber ist nun das Folgende: Die Naturwissenschaften arbeiten mit ganz bestimmten Methoden und kommen dadurch zu bestimmten Ergebnissen. Andere Künste und Wissenschaften können jedoch zu anderen Ergebnissen gelangen, indem sie andere Wege beschreiten. Das Wort 'Methode' nämlich kommt aus dem Alt-Griechischen von ἡ ὁδός (= der Weg) und der Präposition μετά (= mit/mittels/gemäß) und bezeichnet einen bestimmten Weg, eine feste Herangehensweise, gemäß welcher verfahren wird. Die Ergebnisse, welche aus den verschiedenen Herangehensweisen resultieren, können einander somit ergänzen und müssen nicht als Widersprüche aufgefasst werden.

Ebenso verhält es sich in Bezug auf den Atem. Verschiedene Mysterientraditionen aus den unterschiedlichen Kulturen der Welt sehen noch etwas anderes im Atem als den bloßen Austausch von Gasen. Etwas Unwägbares, bislang Unmessbares, so behaupten diese Traditionen, liege der Atmung zugrunde: Die Lebenskraft. Im fernen Asien heißt diese üblicherweise Qi, im Sanskrit und somit im Yoga spricht man vom Prana und in den westlichen Mysterienschulen trägt sie zumeist den Namen Od. Diese Lebenskraft - Od, Prana, Qi - so heißt es, liege allen Lebensäußerungen zugrunde.

Ying Yang - ewigeweisheit.de

Ying und Yang als Symbol für das Qi im Daoismus, welches beide Polaritäten in sich vereint (cc).

Das Prana - ich verwende die Ausdrücke im Folgenden synonym - bildet das Zwischenglied zwischen Geist und Materie. Es ermöglicht die gegenseitige Wechselwirkung und somit alles, was der Mensch als Leben bezeichnet. Es lässt sich durch die verschiedensten praktische Übungen kontrollieren, ansammeln und ausströmen und bildet das Medium für die unterschiedlichsten spirituellen und magischen Praktiken: Durch das Prana können Menschen heilen (auch das Reiki beruht in seiner Wirkung auf dem Prana), besondere Bewusstseinszustände erlangen, die ungewöhnlichsten körperlichen Leistungen vollbringen (besonders eindrucksvoll im Qi Gong und Kung Fu), Energien z.B. von der Sonne, dem Mond oder der Natur aufnehmen und magische Phänomene bewirken.

Das Thema Lebenskraft hat gewiss eine eigene, umfassende Untersuchung verdient, doch in diesem Artikel möchte ich es bei dem Gedanken belassen, dass es überhaupt eine Lebenskraft gibt und dass der Atem ein besonderes Medium darstellt, um mit dieser Kraft in Kontakt zu treten und zu interagieren. Eine Frage allerdings soll noch behandelt werden: Gibt es diese Lebenskraft, Qi, Prana, Od, denn tatsächlich oder handelt es sich dabei doch eher um ein Gespinst von spirituellen Romantikern und verqueren Esoterikern?

Nun, beantworten möchte ich diese sich nicht ganz einfache Frage durch eine persönliche Anekdote: Gegen Ende meiner Schulzeit wohnte ich in München. Damals übte ich mich über etwa vier Jahre im Shaolin Kung Fu (Wushu) an der WuYuan Schule bei Meister Sun Jianguo. Stets war ich sehr beeindruckt von den körperlichen Fähigkeiten, der Schnelligkeit, der Gewandtheit und der Aufmerksamkeit meines Meisters. Zur gleichen Zeit absolvierte ich gerade mein Abitur am naturwissenschaftlichen Zweig eines Gymnasiums im Münchner Landkreis.

Nun kam es gelegentlich vor, dass der Meister vom Qi sprach, welches man fließen lassen könne und welches für die richtigen Bewegungen wichtig sei. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich damals innerlich fragte: "Vom Qi habe ich niemals etwas in der Schule gehört, weder in Biologie noch in Physik oder Chemie. Was soll dieses Qi also sein?" Für mich ließ dieser Umstand nur die zwei folgenden Schlüsse zu: Entweder ist diese Kraft den Naturwissenschaften und meinen Lehrern nicht bekannt, oder der Meister, den ich, wie bereits gesagt, in vielerlei Hinsicht für seine praktischen Fähigkeiten bewunderte, dieser Mann - mit Verlaub - glaubt wohl an Märchen, was dieses Qi betrifft. Und so traurig es auch klingen mag, so nachvollziehbar ist es irgendwie: Damals hielt ich die zweite Variante für die deutlich wahrscheinlichere Antwort und fand mich damit ab, dass das sogenannte Qi wohl eher ein chinesisches Märchen sei und für meine praktische Übung nicht relevant...

Was möchte ich mit dieser Geschichte sagen? Zum einen, dass der westliche, rationale Mensch häufig ein sehr großes Vertrauen in die alleinige Wahrheit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis legt. Dies grenzt zuweilen an einen Dogmatismus, der genau genommen alles andere als rational ist: Der unbegründete Glaube an dasjenige Weltbild, in welchem ich aufgewachsen bin. Zum anderen, dass sich die Frage nach der tatsächlichen Existenz der Lebenskraft zumindest bislang nur auf eine subjektive, empirische und praktische Weise ergründen lässt - durch eigene Versuche, Forschungen und Erfahrungen.

Viele Jahre später kam ich mit Yoga und westlicher Magie in Berührung. Ich experimentierte selbst mit Atemübungen, Pranayama und anderen Techniken, um 'das Qi fließen zu lassen'. Irgendwann gehörte es für mich fast schon zu den Selbstverständlichkeiten, dass ich spürte, wie das Qi fließt. Und heute bin ich persönlich von dessen Existenz genauso überzeugt, wie von der Existenz meines eigenen Herzschlags. Aber die Leserinnen und Leser dieses Artikels werden es auch nicht unbedingt glauben müssen oder können, nur weil ich von meiner persönlichen Erfahrung berichte. Die eigene Erfahrung ist unverzichtbar - und dies gilt wohl auch für alle anderen Bereiche der Magie, der Mystik und der Spiritualität.

Der Quantenphysiker Werner Heisenberg erwähnte einst die interessante und sinnvolle Unterscheidung zwischen Realität und Wirklichkeit (vgl.: Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. München: 1988, S. 23): Realität, von der lateinischen res (die Sache) herkommend, umfasst für ihn die wahrnehmbaren Gegenstände, wie etwa einen Stuhl oder einen Tisch. Zur Wirklichkeit wiederum gehört für ihn alles, was eine Wirkung hat. So z.B. die Elektronen, welche dem Menschen zwar nicht als Sache entgegentreten, deren Wirkung und Wirklichkeit sich allerdings während der Lektüre dieses Textes auf einem elektronischen Bildschirm schwer verleugnen lässt.

Das Od ist eine Wirklichkeit, auch wenn es nicht Teil der Realität ist. Es ist keine sinnlich wahrnehmbare Sache, aber wer sich in der Praxis damit auseinandersetzt, der wird früher oder später kaum verneinen können, dass es spürbar auf ihn wirkt. Wer die Lebenskraft erkennen will, der muss sich praktisch mit ihr beschäftigen. Da hilft leider kein Bücherlesen... Einige sehr schöne und empfehlenswerte Gedanken zum Verhältnis von Bücherwissen und erlerntem/erfahrenen Wissen finden sich übrigens auch im platonischen Mythos von der Erfindung der Schrift (Platon: Phaidros 274e1 - 275b2).

Vielleicht hat die oder der eine oder andere nun bereits Lust bekommen selbst einige Experimente mit Atemübungen zu versuchen. Dies ist natürlich sehr zu begrüßen. An dieser Stelle ist allerdings der folgende Hinweis angebracht und unbedingt zu beachten: Atemübungen sind aus verschiedenen Gründen durchaus nicht ungefährlich. Wer sich also an die Praxis heranwagen möchte, dem sei hiermit wärmstens empfohlen, sich zuvor mindestens einmal gründlich zu informieren und nach Möglichkeit gerade am Anfang unter der Anleitung und Aufsicht eines erfahrenen Lehrers zu praktizieren! Ein empfehlenswertes Buch zur Vertiefung dieser Thematik ist: Licht auf Pranayama von B.K.S. Iyengar.

Der Körper in der Traditionellen Chinesischen Medizin

von S. Levent Oezkan

Vor bereits mehr als 2200 Jahren entstand in Fernost eine umfassende Heilkunde: Die Traditionelle Chinesische Medizin - kurz: TCM. Ihre Lehren beschreiben die Vorgänge dynamischer Harmonisierung von Yin und Yang. Sind sie im Gleichgewicht, ist ein Mensch gesund.

Älteste Schrift über chinesische Medizin ist das Huangdi Neijing aus dem 3. Jhd. v. Chr. Dieses umfassende Medizinische Lehrwerk enthält die theoretischen Konzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin und bildet bis heute die praktische Grundlage aller chinesischen Heilkunde.

Hierzu schufen chinesische Mediziner zwischen dem 3. und 16. Jhd. riesige Enzyklopädien und kommentierten ausführlich die klassischen Werke der TCM.

Die Urkräfte Yin und Yang

Zentrale Größen der chinesischen Weisheitslehre des Tao, bilden die polaren Urkräfte des passiven Yin und des aktiven Yang. Sie durchfließen atomare Strukturen ebenso, wie den menschlichen Körper, als auch den gesamten Kosmos. 

Die Organe des menschlichen Körpers werden entweder dem Yin- oder dem Yang zugeordnet. Yin-Organe stehen für Weiblichkeit, Ergebenheit, Verdichtung, Kälte und Dunkelheit. Yang-Organe stehen für Männlichkeit, Ausdehnung, Bewegung, Hitze und Licht.

Vereint bilden Yin und Yang eine Quelle göttlicher, heilender Energie, die den Fluss der Lebenskräfte begünstigt. Einer Person geht es gut, wenn Yin und Yang in ihrem Körper im Gleichgewicht sind. Störungen dieses Gleichgewichts führen zu Krankheiten.

Grundlagen chinesischer Heilkunst

Wer sich mit Traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigt, lernt den Umgang mit Heilpflanzen, lernt verschiedene geistige und körperliche Übungen, wie etwa Akupunktur und Tai-Chi. Mit diesen Methoden lässt sich der Fluss von Yin und Yang im menschlichen Körper harmonisieren, lassen sich Krankheiten heilen, doch auch Menschen vor Gesundheitsproblemen schützen.

Chinesische Heilpflanzenkunde

Der chinesische Heiler greift hierbei zurück auf eine gigantische Sammlung traditioneller Heilmittel, die vielfältig kombiniert werden. Darunter sind insbesondere pflanzliche, doch auch mineralische und tierische Heilmittel (z. B. getrocknete Schlangen, Skorpione).

Von den Pflanzenheilmitteln werden Blätter, Wurzeln, Stengel und Samen verwendet. Die aus Blättern gewonnenen Mittel werden oft zu besonderen Heiltees gemischt, oder zu Kapseln, Flüssigextrakten und Pulvern weiterverarbeitet.

Akupunktur

In dieser chinesischen Heilmethode geht es um eine ganze Gruppe verschiedener Verfahren, die den Körper über die Haut, an bestimmten Punkten behandelt. Hierzu werden besondere Nadeln verwendet, die in die Oberhaut gesteckt werden oder aber Wärmequellen, die in der Nähe dieser Punkte abgebrannt werden. Auch können diese Akupunkturpunkte durch Fingerdruck stimuliert werden. Man spricht dann von Akupressur.

Qi-Gong

Diese uralte Geistes- und Körperübung erstrebt durch besondere Bewegungen und Atmung, eine Fokussierung des Geistes. Die dabei eingenommenen Posen wirken entspannend auf den Körper und beruhigend auf den Geist.

Heilpraxis der Chinesen

In der TCM sucht man nach Krankheiten und Disharmonien eines Klienten, ganz anders als in der westlichen Medizin. Ein chinesischer Heiler riecht, hört die Atmung seines Klienten und die Art seiner Sprache, er betastet die Haut, er sieht sich Form und Farbe der Zunge an und erfühlt mit seinen Fingern die Qualität des Pulses.

Außerdem macht er Gebrauch vom Konzept der fünf Wandlungsphasen (Wuxing). Dabei schaut er sich das Verhalten des Körpers an, in Bezug auf die natürlichen Gesetze, sowie ihre unzähligen, sichtbaren wie unsichtbaren Korrespondenzen. Die inneren Organe stehen unter direktem Einfluss von fünf elementaren Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie werden auch als die taoistischen Elemente bezeichnet. Mit ihnen werden wir uns später noch ausführlich beschäftigen.

Funktionelle Instanzen in der TCM

Es gibt fünf Instanzen, die für den chinesischen Heiler von Bedeutung sind:

  • die universelle Lebenskraft – Qi,
  • das Blut – Yue,
  • die Essenz – Jing,
  • die Elementarphasen – Zang-Fu und
  • die Meridiane – Jing-Luo.

Wir hatten oben gesagt, dass in jedem Körperorgan die Urkräfte Yin und Yang wirken. Außerdem sind diese Organe untereinander gepaart. Das bedeutet, dass sie ihre Kraft über das Blut austauschen, woraus sie wiederum Qi speichern, um damit bestimmte Vorgänge auszuführen. Sie jedoch stehen in Zusammenhang mit ihrem entgegengesetzten Yin- bzw. Yang-Organ. Die Meridiane bilden dabei das verbindende funktionale System und durchstreben den gesamten Körper.

Wir wollen nun genauer eingehen auf die Elemente dieses fünffältigen Modells des Körpers in der TCM.

Qi

Es gibt viele Formen von Qi – der kosmischen Lebenskraft. Grundlegend werden fünf Funktionen in der TCM unterschieden:

  • Das Aktivierungs-Qi wirkt auf den Körperkreislauf von Blut, Lymphen und Körpersäften, die in den Zang-Organen (Leber, Herz, Milz, Lungen, Nieren), den Fu-Organen (Gallenblase, Dünndarm, Magen, Dickdarm, Harnblase, Dreifacher Erwärmer) und durch die Meridiane strömen.
  • Wärmendes Qi gibt Körper und Gliedmaßen die benötigte Temperatur.
  • Abwehrendes Qi schützt den Körper vor äußeren, krankheitserregenden Einflüssen.
  • Bewahrendes Qi behält die Körperflüssigkeiten zurück, das Blut in den Adern, den Schweiß in den Drüsen und bewahrt vor exzessiver Ausschüttung.
  • Das Transformations-Qi bewirkt die Umwandlung von Essen, Getränken in Blut und in Wärme.

Das Qi im Körper entsteht aus der aufgenommenen Nahrung, dem getrunkenen Wasser und der Atemluft. Ein weiterer Teil des Qi wird uns aber auch von unseren Eltern vererbt, sowie aufgenommen im Austausch mit unseren Mitmenschen. Manche geben uns, andere nehmen uns Qi.

Einen ausführlichen Artikel über die Lebenskraft Qi finden Sie hier.

Xue – Blut

Im Gegensatz zu den überwiegend funktionellen Instanzen, entspricht Xue vor allem der Physis und damit dem Yin des Körpers. Denn über das Xue werden alle Körperbestandteile (Gewebe, Feuchtigkeit) mit den von ihnen benötigten Stoffen versorgt.

Ein Mangel an Xue führt zu Blassheit, Taubheitsgefühl, Schwindelgefühlen, doch andererseits auch zu Herzrasen, Schlaflosigkeit, schwachem Puls.

Jing – Essenzen

Wie auch das Xue bestimmen die Yin-Kräfte die Jing. Sie sind verantwortlich für die Nährung und die Zufuhr von Feuchtigkeit, worüber sie das Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper regeln. Über die Jing kommt es außerdem zur Ausscheidung von Exkrementen.

Wie auch das Xue, extrahiert der Körper das Jing aus Essen und Trinken. Aus den groberen Bestandteilen wird Xue. Doch auch umgekehrt kann Jing aus Xue entstehen. Materiell entstehen aus den Jing Tränen, Speichel, Magensäure, Schweiß, Urin und Sperma.

Jing-luo – Meridiane

Die Meridiane der TCM sind feinstoffliche Kanäle, über die den Gliedern und Gelenken, Qi und Xue aus den inneren Yin- und Yang-Organen zufließen.

Sechs Yin- und sechs Yang-Organe bilden gemeinsam die 12 Hauptmeridiane. Außerdem gibt es acht Sondermeridiane, die dem Ausgleich der Hauptmeridiane dienen.

Das Energienetz der Meridiane verbinden Organe, Gewebe, Venen, Nerven, Zellen, bis auf atomarer Ebene, wie auch auf Ebene menschlichen Bewusstseins.

Meridiane - ewigeweisheit.de

Darstellung der Meridiane in einer japanischen Handschrift (Anfang 18. Jhd.)

Zang-fu – Die elementaren Organfunktionen

Das zentrale System der Körperfunktionen in der TCM, ist das Zang-Fu. Zang-Fu steht in enger Verbindung mit den 12 Hauptmeridianen im Körper. Jeder Yin-Meridian ist mit dem Zang verbunden, jeder Yang-Meridian mit dem Fu. Wie die Schreibweise bereits vermuten lässt, bildet sich der Begriff aus zwei Wörtern:

  • Zang weist hin auf die fünf Yin-Organe: Herz, Leber, Milz, Lungen und Nieren.
  • Fu steht für die sechs Yang-Organe: Dünndarm, Dickdarm, Galle, Harnblase, Magen und Dreifacher Erwärmer.

Der Dreifache Erwärmer ist eine Besonderheit in der TCM. Er bezeichnet die Art und Weise wie das Bindegewebe zwischen den drei Bereichen von Brustraum, Unterleib und Becken, diese voneinander abgrenzt.

Hautaufgabe des Zang ist die Herstellung und Speicherung von Qi und Xue (Blut). Mit ihnen werden Atmung, der Wasser-Stoffwechsel und die Verdauung geregelt. Doch sie wirken auch mit im Alterungsprozess, in emotionalen Vorgängen, stabilisieren die Sinneswahrnehmung und Geistestätigkeit des Gehirns. Aufgabe der Fu Organe ist die Beförderung der Stoffe im Körper, ihre Verdauung und Ausscheidung.

Im Folgenden wollen wir uns die funktionalen Aspekte der fünf elementaren Wandlungsphasen (taoistische Elemente) ansehen.

Fünf Wandlungsphasen im Überblick

  木 Holz 火 Feuer 土 Erde 金 Metall 水 Wasser
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Umwandlungen Zeugung Wachstum Reife Ernte Aufbewahrung
Geometrie Zylinder Pyramide Quader Kuppel irregulär
Planeten Jupiter Mars Saturn Venus Merkur
Yin-Organe Leber Herz Milz Lunge Niere
Yang-Organe Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase

Organe des Holzes

Die kreativen Kräfte des Holz-Elements regulieren das Körperwachstum. Diesem Element zugeordnete Organe sind Leber und Gallenblase.

Yin: Die Leber ist ein Yin-Organ steuert auf Zellebene den Energiefluss im Körper. Sie hat einen starken Einfluss auf die Effizienz und Wirksamkeit des Immunsystems. In der Leber speichert der Körper Blut, das als physische Manifestation des Selbst gilt. Somit wirkt das Holz-Element der Leber auch auf unseren seelischen Haushalt und steuert das Wesen des Selbst.

Zustand: Ungleichgewichte der Leber können Launenhaftigkeit, Ärger, Schmerz und mangelndes Selbstwertgefühl hervorrufen. Auf körperlicher Ebene kann ein disharmonisches Holz-Element der Leber zu Muskelkrämpfen führen, aber auch zu Taubheit, Zittern, Bluthochdruck oder Arthritis.

Meridian: Der Lebermeridian beginnt am großen Zeh. Von dort aus verläuft er entlang des inneren Beins über die Genitalien und endet auf der Brust.

Yang: Die Gallenblase als holzkontrolliertes Yang-Organ, bestimmt die Entscheidungsfähigkeit eines Menschen.

Zustand: Hat ein Mensch Ungleichgewichte im Gallenblasensystem, kann das auf emotionaler Ebene dazu führen, dass ein Mensch unentschlossen ist. Auf physischer Ebene führt eine entsprechende Disharmonie zu Fettleibigkeit.

Meridian: Der Gallenblasenmeridian beginnt am äußeren Rand des Auges, verläuft entlang der Kopfseite, über den Rumpf und das Bein, bis er an der Außenseite des vierten Zehs endet.

Organe des Feuers

Des Feuers Kraft steht für Transformation und entspricht der Macht des Göttlichen. Herz und Dünndarm werden vom Feuer reguliert.

Yin: Als Yin-Organ steuert das Herz den Puls und manifestiert sich im Gesicht und in der Zunge. Auf spiritueller Ebene steht es für die geheime Verbindung zwischen Mensch und Himmel.

Zustand: Ist die Funktionsfähigkeit des Herzens gestört, führt das zu Schlaflosigkeit, zur Störung des Geistes und zu unregelmäßigem Puls.

Meridian: Der Herzmeridian beginnt in der Brust, bewegt sich über die innere Seite des Arms bis zur Handfläche und endet im kleinen Finger.

Yang: Der Dünndarm als Yang-Organ, trennt Reines von Unreinem im Körper. Die reinen Körperessenzen gehen zur Milz, während die unreinen Essenzen in die Blase und den Dickdarm abgegeben werden.

Zustand: Eine Dysfunktion des Dünndarms führt zu Problemen mit der Körperhülle. Auf emotionaler Ebene wirkt eine Disharmonie in diesem Bereich zu Gefühlen des Misstrauens, auch hinsichtlich des eigenen Selbstwertgefühls.

Meridian: Der Dünndarmmeridian beginnt am kleinen Finger, bewegt sich an der Unterseite des Arms bis zur Oberseite des Schulterblatts, dann entlang des Halses bis an die Vorderseite des Ohres.

Organe der Erde

Erde ist das Element der Weiblichkeit und der Fruchtbarkeit. Es regiert die Milz und den Magen.

Yin: Die Milz ist ein Yin-Organ, das Verdauung und Stoffwechsel reguliert. Es hält Muskeln und Organe zusammen. Außerdem reguliert es die aufsteigenden Flüsse von Körpersäften und Essenzen. Mental hilft die Milz bei der Konzentration.

Zustand: Befindet sich die Milz im Ungleichgewicht, kommt es zu einem Mangel an Qi im Körper. Das führt zu Kopfschmerzen doch kann ebenso zu Durchfall und Organvorfällen führen.

Meridian: Ein Ende des Milzmeridians befindet sich am großen Zeh, bewegt sich über die Innenseite des Beins, bis zur Vorderseite des Torsos und endet an der Seite des Rumpfes.

Yang: Der Magen ist das aktivste Yang-Organ. Durch seine Energie wird bekanntermaßen Nahrung zerlegt. Er reguliert den absteigenden Fluss von Qi im Körper.

Zustand: Ein Ungleichgewicht des Magen-Yangs führt zu Aufstoßen oder sogar zu Erbrechen.

Meridian: Der Magenmeridian beginnt unterhalb des Auges, verläuft auf der Vorderseite des Gesichts über den Torso bis zum äußeren Teil des Beins und endet am dritten Zeh.

Organe des Metalls

Metall ist das Element der Reinheit und der Männlichkeit. Es reguliert die Lunge und den Dickdarm.

Yin: Die Lunge ist ein Yin-Organ. Mit dem Einatmen sammelt man über die Lunge neues Qi im Körper. Mit dem Ausatmen werden die schweren, unreinen Anteile des Atems aus dem Körper entfernt. Die Lungen sind also für die Verteilung des Qi im Körper verantwortlich und bereichern damit die Flüssigkeiten im Körper. Auch der Geruchssinn wird von der Lunge reguliert.

Zustand: Funktionsstörungen der Lunge führen zu Erkältungen, Grippe, Schleim und Asthma.

Meridian: Der Lungenmeridian beginnt bei der Brust und bewegt sich entlang des inneren Arms über die Handfläche und endet am Daumen.

Yang: Der Dickdarm ist ein Yang-Organ. Er ist für die Ausscheidung fester Abfallprodukte verantwortlich. In Zusammenhang mit der Fähigkeit zur Ausscheidung, stehen aber auch emotionale Themen, die mit Loslassen und Lösen zu tun haben.

Zustand: Ungleichgewichte im Dickdarm führen entweder zu Verstopfung oder zu Durchfall.

Meridian: Der Dickdarmmeridian beginnt am Zeigefinger und verläuft am Armrücken über die Schulter, den Nacken und die Wange und endet neben dem gegenüberliegenden Nasenloch.

Organe des Wassers

Wasser steht in der TCM synonym für Leben und Tod. Es reguliert den Wasserhaushalt von Nieren und Blase.

Yin: Die Nieren sind Yin-Organe. Sie steuern das endokrine System und erhalten außerdem Luft in den Lungen.

Zustand: Eine Nierenfunktionsstörung führt zu einem Mangel an Yin oder Yang. Es führt auch zu unausgewogenen Hormonen, schwächt den Knochenbau und stört den Sexualtrieb. Eine gestörte Verteilung von Yin und Yang in den Nieren ruft auch Schwindelgefühle im Menschen hervor. Zuviel vom Wasserelement kann außerdem depressive Episoden hervorrufen.

Meridian: Der Nierenmeridian beginnt an der Sohle, bewegt sich entlang das inneren Beins in die Leistengegend, den Rumpf hinauf und endet unter dem Schlüsselbein.

Yang: Die Blase speichert und entfernt Flüssigkeit aus dem Körper, durch das von ihr aufgenommene Nieren-Qi.

Zustand: Ungleichgewichte der Blase führen zu häufigem oder unkontrolliertem Urinieren.

Meridian: Der Blasenmeridian beginnt im Augenwinkel, bewegt sich den Rücken entlang nach unten und endet in der Kniekehle. Die Blase hat auch eine andere Linie, die neben der vorherigen Linie beginnt, sich bis zum äußeren Fußrand bewegt und am kleinen Zeh endet.

Yin und Yang im Gesamtsystem Mensch

Durch die Meridiane fließt die Lebensenergie Qi. Sie hilft dem Körper seine Yin- und Yang-Kräfte zu harmonisieren. Sind Yin und Yang nicht im Gleichgewicht, wird ein Mensch krank. Auf diesem einfachen Prinzip beruhen die Heilkünste der TCM.

Während sich westliche Medizin auch stark um die anatomischen Strukturen des menschlichen Körpers kümmert, widmet sich die TCM insbesondere den funktionellen Prozessen im Körper, der Verdauung, der Atmung, der Art des Pulses und der Temperatur. Weniger geht es also um die körperlichen Strukturen, als vielmehr um die dynamische Aktivität im Gesamtsystem Mensch. Das heißt, dass Körperfunktionen, Emotionen, Sinneswahrnehmungen und geistige Aktivität nicht getrennt voneinander untersucht werden, sondern als funktionelle Einheiten verstanden. Diese stehen also eher für dynamische Konzepte als weniger für biochemische Vorgänge oder anatomische Eigenschaften. Damit also ist die TCM eine ganzheitliche Heilkunde, die versucht, statt Symptome zu behandeln, das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang im Körper wieder herzustellen oder zu erhalten.

 

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