Zodiak

Eine kleine Esoterik des Lichts

Eine kleine Esoterik des Lichts

Lichtspektrum - ewigeweisheit.de

Licht enthüllt die Herrlichkeiten der äußeren Welt. So etwa verleiht das Licht den Dingen Schönheit, enthüllt Schönheit, doch vermag auch deren Gegensätze zu offenbaren. Licht zeigt sich und die Dinge eben so, wie sie sind.

All die unerreichbar weiten Entfernungen des Weltalls, durchfließen seine unendlichen Ströme. Denn das Licht ferner Sterne etwa, brauchte Jahre, Jahrtausende, Jahrmillionen und noch viel länger manchmal, um die Weiten des Universums zu durchmessen, bis es dereinst auf der Erde ein Auge wahrnimmt.

Der niederländische Brillenmacher Hans Lipperhey (1570-1619) entwickelte Anfang des 17. Jahrhunderts das moderne Teleskop, dass seitdem der Astronomie verhilft, eben jene weit entfernten Lichter zu erkunden, ihre Farben, Formen und Ausmaße zu entdecken. Auch Mikroskope entstanden in dieser Zeit in den Niederlanden, um all das zu erforschen, was für das bloße Auge zu klein ist, um es zu sehen.

Die feinen Kräfte des Lichts, Bewegungen und Formen seines Erscheinens, sind wunderbar und sanft. Doch gleichzeitig hat das Licht die Kraft zu durchdringen, in seiner Stärke manchmal gar zu verbrennen, zu vernichten.

Es ist aber vor allem sein vitalisierender Einfluss, der auf der Erde Leben überhaupt erst möglich macht. Pflanzen können unter freiem Himmel nur durch das Licht der Sonne ihren Stoffwechsel vollziehen. Und es sind die Pflanzen von denen sich die Tiere und auch wir uns ernähren. Ohne dieses Licht verschwände sofort alles Leben von der Erdoberfläche.

Farblicht als Heilmittel

Wir tun gut daran, die Potenziale und Prinzipien der Schönheit des Lichts, in all ihren Erscheinungsformen als solche wertzuschätzen. Alle Farben sehen wir eben wegen des Lichts und je genauer wir die Gesetzmäßigkeiten dahinter erkannt haben, desto mehr wird es sich uns als wunderbare Kraftquelle zeigen, die unser irdisches Menschsein belebt und auch heilt.

Besonders die heiltätigen Kräfte die mit dem Licht der Sonne auf die Erde kommen, wie auch seine farbigen Ausprägungen in der Welt, machen diese Form der Energie zu einer therapeutischen Substanz. Bei der sogenannten Farblichttherapie handelt es sich um eine Behandlungsform, die sich Wirkungen der Farben auf die menschliche Seele zu Nutzen macht. Aber auch den leiblichen Organismus kann Licht heilen. Das weiß man seit sehr alter Zeit, wo man schon Menschen dem Licht der Sonne zu therapeutischen Zwecken aussetzte, um damit ihre innere und äußerliche Wohlbefindlichkeit zu verbessern. Bis heute bringt man Infrarot und Ultraviolett, in der sogenannten Phototherapie zur Anwendung .

Die von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) entwickelte Farbenlehre lieferte hierfür ein wichtiges Grundlagenwerk. Der deutsche Biologe Ernst Ludwig Krause (1839-1903), der unter Pseudonym »Carus Sterne« veröffentlichte, lieferte dazu 1895 einen Kommentar in seinem Aufsatz »Der Farbenreiz bei Mensch und Tier«. Darin erläuterte er die Heilwirkungen von Licht und Farbe.

Im selben Jahr 1895 schrieb einen ganz wesentlichen Beitrag zur Farblicht-Therapie der amerikanische Arzt Edwin Dwight Babbitt (1829-1905), in seinem Buch »The Principles of Light and Color« (deutsch: »Die Prinzipien von Licht und Farbe«). Auch Rudolf Steiner (1861-1925) entwickelte später mit dem Neurologen Felix Peipers (1873-1944) im Jahre 1908 eine eigene anthroposophische Farbenlehre, die sowohl therapeutisch wie auch künstlerisch zur Anwendung kommt. Darin unterscheidet man zwischen sogenannten »Bildfarben« und »Glanzfarben«. Die vier Bildfarben haben immer etwas Schattenhaftes und sie zeigen nicht ihr eigenes Wesen, sondern bilden etwas anderes ab:

  • Schwarz ist das geistige Bild des Toten.
  • Weiß ist das seelische Bild des Geistes.
  • Grün ist das tote Bild des Lebens.
  • Pfirsichblüt ist das lebendige Bild des Seelischen.

Die drei Glanzfarben sind folgende:

  • Gelb steht für den ausstrahlenden Glanz des Geistes,
  • Blau den Glanz des Seelischen, einem »Sich-innerlich-Zusammennehmen«, einem »Sich-Stauen«, »Sich-innerlich-Erhalten« und
  • Rot der Glanz des Lebendigen, der ein gleichmäßiges Erfülltsein des Raumes bildet und den Ausgleich zwischen Gelb und Blau darstellt.

Licht, jenseits aller Sichtbarkeit

Licht ist die grundlegende Manifestation des Lebens und taucht die gesamte Schöpfung in seinen Glanz. Daher ist es interessant, einmal seine subtile Natur näher kennenzulernen. Aus physikalischer Perspektive betrachtet, ist das was man Licht nennt, die Schwingung eines sich ausbreitenden, elektromagnetischen Feldes, das bestimmte Reize auf den Sehnerv im Auge des Menschen auslöst, um dann im Gehirn als entsprechende Licht- und Farbwirkung erkannt zu werden. Doch leider ist diese Feststellung oft die Einzige, womit man den Begriff des Lichts allein auf die Sinneswahrnehmungen beschränkt.

Es gibt allerdings viel mehr Licht, als man je gesehen hat. Auch unbekannte Formen des Lichts existieren, die kein optisches Gerät je registrieren wird. Unzählige Farben existieren, die man nicht sehen kann, ebenso wie Klänge, die man nicht hören kann, Gerüche, die man nicht riechen und Geschmäcker die man nicht schmecken kann, und Dinge, die sich ebensowenig erfühlen lassen. Damit scheint der rein auf seine Sinne bezogene Mensch wohl umgeben zu sein von einem übersinnlichen Universum, von dem er scheinbar kaum etwas weiß, weil die Zentren der Sinneswahrnehmung in ihm, nicht ausreichend entwickelt sind, um subtilere Schwingungen zu bemerken.

Die Farben als Repräsentanten kosmischer Größen

Die Meder bauten jene Stadt, die heute Ekbatana heißt, deren Mauern von großem Ausmaß und Stärke sind und sich kreisförmig ineinander erheben. […] Die Anzahl der Kreise beträgt sieben, wobei der Königspalast und die Schatzkammern innerhalb des letzten Kreises liegen. […] Auf dieser Mauer sind die Zinnen weiß, auf der nächsten schwarz, auf der dritten scharlachrot, auf der vierten blau, auf der fünften orange. […] Bei den letzten beiden sind die Zinnen mit Silber beziehungsweise Gold beschichtet.

So beschrieb der griechische Geschichtsschreiber Herodot (490-420 v. Chr.) diese antike Stadt Ekbatana (heute im Iran), deren sieben Mauern angestrichen waren, mit eben diesen sieben genannten Farben, welche Attribute der ihnen entsprechenden Planetengötter bildeten.

Solche sieben Gottheiten verehrte man, da man in ihnen die kosmische Verkörperungen sieben schöpferischer Eigenschaften erkannte. Jene personifizierten Planetengottheiten dachte man sich im Körper der Sonne wohnend, wo die Sonne doch ihr weißes Licht ausstrahlend, wie eine Saat aller Ton- und Farbpotenzen, diese in der Welt zur Manifestation bringt.

Die berühmte Zikkurat (gestufter Tempelturm) des Gottes Nebo, in der antiken babylonischen Stadt Borsippa, besaß sieben große Stadien beziehungsweise Stufen, die auf sie hinaufführten und die jeweils in der Hauptfarbe eines der sieben klassischen Planeten bemalt waren. Scheinbar war man bereits im Alten Babylon mit dem Konzept des Spektrums in seiner Beziehung zu den sieben schöpferischen Göttern oder Mächten vertraut.

Ordnet man die Farben den zwölf Tierkreiszeichen zu, sind sie wie die Speichen eines Regenbogen-Rades angeordnet:

  • Dem Widder entspricht das reine Rot,
  • dem Stier ein Rot-Orange,
  • den Zwillingen reines Orange,
  • dem Krebs Orange-Gelb,
  • dem Löwen reines Gelb,
  • der Jungfrau Gelb-Grün,
  • der Waage reines Grün,
  • dem Skorpion Grün-Blau,
  • dem Schützen reines Blau,
  • dem Steinbock Blau-Violett,
  • dem Wassermann reines Violett und
  • den Fischen Violett-Rot.

In seinem Dialog Menon beschreibt der griechische Philosoph Platon (428-347 v. Chr.) die Farben als Ausströmungen von Formen, die der Mensch sehend empfinden kann. Auch in seinem Dialog Theaitetos kommt er auf dieses Thema zu sprechen:

Führen wir den soeben behaupteten Grundsatz aus, dass nichts aus sich selbst heraus existiert, dann werden wir sehen, dass jede Farbe, weiß, schwarz und jede andere Farbe, aus dem Zusammentreffen des Auges mit der entsprechenden Bewegung entsteht, und dass das, was wir die Substanz jeder Farbe nennen, weder das aktive noch das passive Element ist, sondern etwas, das sie durchdringt und jedem Wahrnehmenden eigen ist. Bist du sicher, dass die verschiedenen Farben jedem Tier – sagen wir einem Hund – so erscheinen, wie sie dir erscheinen?

Auch in der modernen Theosophie einer Helena P. Blavatsky (1831-1891) wird auf solcherart sakrale Siebenheit der Farben eingegangen, wo eben eine siebenfältige Konstitution des Menschen darüberhinaus mit sieben Zuständen der Materie korrespondiert:

Farbe Seinsform Aggregatzustände
Violett Chaya, das Ätherische Doppel Feinstoffliches
Indigo Höhere Manas, die Spirituelle Intelligenz Luft
Blau Die Aura-Hülle Dampf oder Dunst
Grün Niedere Manas, die Animalische Seele Übergangsebene
Gelb Buddhi, die Spirituelle Seele Wasser
Orange Prana, das Lebensprinzip Übergangsebene
Rot Kama Rupa, der Begierdenkörper Eis

Wie wir sehen konnten also, rührt solcherart siebenfältige Unterteilung der Farben her von dem, wie die ihnen entsprechenden kosmischen Zyklen der sieben Kräfte des Himmels (klassische Planeten) auf Erden wirken.

Aber es gibt auch Entsprechungen dieser Makrokosmischen Größen, mit dem, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrzunehmen vermag im Bereich akustischer Reize. Daher ist es kaum verwunderlich, wenn es eben sieben Töne der Tonleiter sind (C, D, E, F, G, A und H), auf denen die gesamte Harmonielehre basiert. So nämlich wie die Farben auf Ebene der hohen Lichtfrequenzen mit den planetarischen Zyklen korrespondieren, entsprechend auch stimmen sie überein mit den sieben Tönen der klassischen Tonleiter.

 

Christus und das Sternbild der Fische

von S. Levent Oezkan

Ausschnitt aus der Sternkarte Planisphæri cœleste von Frederik de Wit

In den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende, entstand, wie es scheint, im ägyptischen Alexandria das christliche Symbol des Fisches, das zu den ältesten Allegorien des Christentums zählt. Vermutlich ergab sich dieses Gleichnis aus den Anfangsbuchstaben des heiligen Anagramm »Ichthys«.

Es bildet sich aus dem griechischen Titel ησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ, in lateinischer Umschrift geschrieben: Iesous Christos Theou Yios Soter, das eben bedeutet »Jesus Christus Gottes Sohn Erretter«. Das griechische Wort »Ichthys« steht für den Fisch im Wasser, wie aber auch für das Sternzeichen der Fische, das die Römer »Pisces« nannten. Doch es liegt nahe, dass im christlichen Fische-Symbol, sich eine noch weit vielfältigere Bedeutung verbirgt. Denn obige Wortfolge, aus der sich das fünfbuchstabige Anagramm zusammensetzt, wählte man in dieser Reihenfolge vermutlich absichtlich.
Sollte das Sinnbild des Fisches, in diesem Zusammenhang, vielleicht eine verborgene Symbolik mit dem Namen des Christus Jesus verknüpfen? Es scheint als gäbe es auf diese Frage verschiedene Antworten.

Da wäre zum einen das damalige Taufbad, dass die Römer schon früh als »Piscina« bezeichneten: den »Fischteich«. Taufte man einen darin, wurde er als Christ selbst zum »gläubigen Fisch«. Es scheint, als verweise darauf auch das Neue Testament, wenn darin Jesus dem Petrus, dem Andreas und an anderer Stelle dem Simon versichert:

Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

- Matthäus 4:19

Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.

- Lukas 5:10

Insbesondere Petrus, der bekanntlich ein Fischer war, sollte ja dereinst eine zentrale Rolle im Christentum spielen, denn kaum ein Zufall, dass der Dom im Vatikan seinen Namen trägt. Jesus Christus hatte Fischer zu Jüngern und wollte sie zu Menschenfischern machen. Tausende speiste der Heiland mit Fischen, dessen getaufte Anhänger selbst zu »christlichen Fischen« geworden waren.

Was aber ist da der Grund, das ausgerechnet das Symbol des Fisches für den Christus gewählt wurde? Hätte es nicht auch die Schale eines Sämanns sein können?

Magier aus dem Orient

Zu Beginn des 2. Kapitels im Matthäus-Evangelium, ist die Rede von den »Magoi«, den Magiern aus dem Morgenland. Sie hatten eine markante Konstellation am Nachthimmel entdeckt, die sie als deutliches Zeichen für die Geburt eines gotterwählten Kindes deuteten. Diese auch in der Bibel überlieferte Episode, sollte wohl dazu führen, dass man schon zu Zeiten als die Evangelien entstanden, das Wesen des Christus auch auf astrologische Gesichspunkte hin beleuchtete. Hieraus entwickelte man das, was heute in der Astrotheologie das »Fischezeitalter« genannt wird und sich über eine Dauer von ungefähr zwei Jahrtausenden erstreckt.

Dieser Zeitraum bemisst das, was man in der Astronomie die »Präzession der Erde« nennt. Damit wird auf ein astronomisches Phänomen hingewiesen, aus dem sich die ganz allmähliche Richtungsänderung der Erdachse ablesen lässt, die diese über einen Zeitraum von etwa 26.000 Jahren vollzieht. Man nennt die Dauer dieses Zyklus auch das »Platonische Jahr«. Über diese lange Zeit hinweg, ereignet sich der Sonnenaufgang zur Frühlingstagundnachtgleiche, in jedem Winkel des gesamten Tierkreises, wobei sich die Position dieses Frühlingspunktes, nicht wie im astrologischen Jahreskreis gegen, sondern im Uhrzeigersinn bewegt. Hieraus ergibt sich der sogenannte »Platonische Monat« von etwa 2.160 Jahren (≈ 26.000 Jahre : 12).

Heute ereignet sich der Sonnenaufgang zu Frühlingsanfangs in etwa zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann, warum manche auch vom Anbruch des Wassermann-Zeitalters sprechen, den manche im Jahr 1997 vermuteten, wieder andere im Jahr 2012 oder auch erst im Jahr 2154, sowie an noch einigen anderen Jahreszahlen. Zu Zeiten Jesu aber, ereignete sich da der Übergang vom Zeitalter des Widders, in das der Fische.

Das sich die ersten Christen damals selbst als Fische bezeichneten, war nicht allein Mittel zur Ehrerbietung ihres Messias, sondern wohl bestimmt auch eine Möglichkeit inkognito zu bleiben, zumal man Angehörige des jungen Christentums verfolgt hatte. Wenn die Wahl dieses Symbols nun aber nicht zufällig erfolgte, stellt man sich vielleicht die Frage, ob nicht auch andere Symbole den selben Zweck erfüllt hätten, was anscheinend zuerst auch der Fall war, wo der Christus mal als Löwe, mal als Adler und eben auch als Fisch symbolisiert wurde.

Wie aber bereits angedeutet, scheint der astrotheologische Bezug relevant gewesen zu sein, denn schon damals besaßen Gelehrte präzise Kenntnisse über die Sternbewegungen. Neben dem Fische-Symbol, kommt hier noch die Symbolik des Lammes ins Spiel, als das der Christus ja der Menschheit geopfert wurde. Der alte Brauch des Opferlammes stammte damals (und auch heute noch) vom jüdischen Pessachfest. Jedem Astrologie-Kundigem war damals klar, dass Jesus als erster Fisch des Fischezeitalters wiederauferstehen sollte, während er als letztes Lamm, als quasi letztes Kind des abtretenden Widder-Zeitalters, am Kreuze sterben musste. Wieso diese Symbolik so bemerkenswert ist, dürfte zumindest den Astrologie-Kenner bereits aufmerken lassen: beide Sternzeichen, Fische und Widder, liegen ja direkt nebeneinander, wie auch die christliche Symbolik vom Osterlamm, die im Kirchenjahr von Bedeutung ist, wo sich die Sonne durch das Tierkreiszeichen Widder bewegt.

Planisphaeri Coeleste von Frederik de Wit - ewigeweisheit.de

»Planisphaeri Coeleste« von Frederik de Wit: Eine Himmelskarte der Sternbilder.
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Sternbild Pisces: Die Fische im Zodiak

Wenn wir uns nach der Symbolik erkundigen, die man in jener Zeit findet, als der Christus Jesus in Erscheinung trat, so dürfen wir dabei nicht ignorieren, dass damit auch eine Schatten-Thematik einherging. Wenn der Christus sich als »Licht der Welt« (Johannes 8:12) personifizierte, so klingt in dieser Botschaft auch eine polare Gegensätzlichkeit mit an, zumal ja »das Licht (nur) scheinet in der Finsternis« (Johannes 1:5). Man braucht darum nicht zu erschrecken, wenn manche Namen und Symbole, beide Seiten miteinander teilen: die Welt des Lichts und die der Finsternis. Dabei spielt eine negative oder positive Wertung zunächst einmal gar keine Rolle, auch wenn im letzten Satz auf die doppeldeutige Gestalt Lucifers angespielt wurde. Denn jenen Titel verwendeten die Römer zur Bezeichnung des Morgensterns, so dass sie in den ersten Jahrunderten n. Chr. diesen, als Herold des Tages, zu Christus in Beziehung setzten. Diese Doppeldeutigkeit aber hat noch eine weitere Lesart, die auf einen tieferen Zusammenhang anspielt, den wir uns im Folgenden genauer ansehen wollen.

Horus und Jesus

Schauen wir hierzu zunächst einmal weit in die mythische Vergangenheit des Alten Ägypten. Da begegnen wir dem Lichtgott Horus, der auf die Menschenwelt schaute, mit seinen göttlichen Augen: Sonne und Mond. Als Sohn der lunaren Göttin Isis, teilt er Attribute die man auch bei Jesus wiederfindet. Mit der christlichen Mutter Maria teilt Isis nämlich das Attribut einer lunar Erleuchteten, zumal letztere in katholischer Ikonografie oft auf einer Mondsichel stehend abgebildet wird. Rudolf Steiner (1861-1925) brachte gekonnt auf den Punkt, worauf unsere Aussage hier anspielt:

die hervorbringende Frau, die Frau mit dem Kinde, die da jungfräulich ist, die Göttin, die in jener lemurischen Zeit eine Genossin der Menschen war, und die mittlerweile dem Blick der Menschheit entschwunden ist. Die nannte man die heilige Isis im alten Ägypten.

Sie bringt den Horus nicht durch Empfängnis zur Welt, sondern es kommt zur »unbefleckten Geburt« des Gottes, durch einen Lichtstrahl, der sie berührt, aufscheinend von ihrem verstorbenen Gatten Osiris. Horus aber, sollte laut mancher Mythen einen rätselhaften Brudergenossen haben: Seth – den finsteren Gott, der zum einen den Tod, doch in alt-ägyptischer Mythologie ebenso das Böse selbst symbolisierte. In alter Hieroglyphenschrift wird Seth da oft als Mensch mit Eselskopf dargestellt. Es ist eine Symbolik, die auch in Zusammenhang steht mit dem »schwarzen Stern« Saturn. Dieser Planet, der in alter Astrologie den äußersten der siebenfältigen Wandelsterne bildete, galt der mittelalterlichen Astrologie als Sitz des Teufels. Das lässt sich zum Beispiel entnehmen, dem 1899 in Paris erschienen Buch »L’astrologie grecque« (deutsch: »Griechische Astrologie«), einem Werk des französischen Religionshistorikers Auguste Bouché-Leclercq (1842-1923). Darin heißt es:

Drachen, Schlangen, Skorpione, Vipern, Füchse, Katzen und Mäuse, nachtaktive Vögel und andere verschlagene Brut sind das Los des Saturn.

Diese Attribute Saturns ähneln also jenen des finsteren Seth, wohl auch in seiner Rolle als Widersacher alles Lichtvollen. Auch sein Name scheint das anzudeuten, scheinen die Namen Seth, Saturn oder Satan doch eine etymologische Wurzel zu teilen (set oder sat). Auch die Tatsache, dass man im Altertum Saturn, als den äußersten und letzten Planeten des Sonnensystems wahrnahm, scheint hier eine weitere Parallele zu geben zur griechischen Mythologie, wo der Lichtgott Horus, wie die Sonne im Zentrum stand, während Seth abgedrängt, sich an die Peripherie aufhielt, wie eben verkörpert durch den Planeten Saturn.

Zwillingssymbolik in der christlichen Gnosis

Wenden wir unseren Blick nun einmal auf die judeo-christlichen Ursprünge des Gnostizismus, der ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung. Dem im ägyptischen Alexandria geborenen Valentinus (100-160 n. Chr.), schreibt man die Autorenschaft zu, einer in der christlichen Gnosis wichtigen Handschrift: die Legende der »Pistis Sophia«. Daraus lässt sich etwas entnehmen, was in gewisser Weise mit dem zuvor beschriebenen Doppelaspekt einer Symbolik von Licht und Finsternis (Horus und Seth) in Erscheinung tritt. Es wird in der Pistis Sophia ein Dialog wiedergegeben, zwischen der Mutter Maria und Jesus:

Da Du klein warst, bevor der Geist über Dich gekommen war, kam, während Du Dich mit Joseph in einem Weingarten befandest, der Geist aus der Höhe und kam zu mir in mein Haus, Dir gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, dass Du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist: »Wo ist Jesus, mein Bruder, damit ich ihm begegne?« Und als er mir dieses gesagt hatte, war ich in Verlegenheit und dachte, es wäre ein Gespenst, um mich zu versuchen. Ich nahm ihn aber und band ihn an den Fuß des Bettes, das in meinem Hause, bis dass ich zu euch, zu Dir und Joseph, auf das Feld hinausginge und euch im Weinberge fände, indem Joseph den Weinberg bepfählte. Es geschah nun, als Du mich das Wort zu Joseph sprechen hörtest, begriffst Du das Wort, freutest Dich und sprachst: »Wo ist er, auf dass ich ihn sehe, sonst erwarte ich ihn an diesem Orte.« Es geschah aber, als Joseph Dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, und wir gingen zugleich hinauf, traten in das Haus und fanden den Geist an das Bett gebunden. Und wir schauten Dich und ihn an und fanden Dich ihm gleichend; und es wurde der an das Bett Gebundene befreit, er umarmte Dich und küsste Dich, und auch Du küsstest ihn, und ihr wurdet eins.

Einer Symbolik von eins gewordenen Zwillingsbrüdern, begegnet man auch im Symbol des Fische-Sternzeichens, wo ja zwei Fische, die sich gegenübersehen, ein Band im Schnabel miteinander verbindet (daher ja auch das astrologische Symbol    – wobei der verbindende, horizontale Strich auf das schmale Band kleiner Sterne hinweist, dass die am Nachthimmel erscheinenden Sternbilder des nördlichen und des südlichen Fisches miteinander verbindet). So scheint also Jesus bei den christlichen Gnostikern, als eine Doppelpersönlichkeit aufgefasst worden zu sein, die zum einen Teil aus dem Heiligen Geist (dem Pneuma) auf Erden inkarnierte und anderenteils aus der stofflichen Welt (der Hyle) emporsprießte, die die Figur des »Zwillingserlösers« formen.

welches das Zwillings-Mysterium ist vom Einzigen, Unaussprechlichen […] und indem Ich König bin über das Kind der Kinder, dem Zwillingserlöser […] dann werden alle Menschen, die die Mysterien vom Unaussprechlichen empfangen, mit Mir Mitkönige sein und zu meiner Rechten und zu meiner Linken in meinem Reich sitzen.

- Aus der Pistis Sophia

Christus und Bar Abbas

Für die Astrologen unter den Gnostikern, muss dieser mythische Doppelaspekt (»zu meiner Rechten und zu meiner Linken«) eines Christus-Antichristus plausibel erschienen sein, wenn sie die Symbolik der zwei Fische, im gleichnamigen Tierkreiszeichen betrachteten und dabei einem Aufdämmern des Fischezeitalters entgegen sahen. Ist es da nicht bezeichnend, wenn die evangelischen Berichte jene Episode beschreiben, wo ein Pontius Pilatus dem versammelten Volke die Wahl lässt zu entscheiden, zwischen einem berüchtigten Gefängnisinsassen namens Jesus Barabbas – und eben dem Jesus Christus:

Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?

- Matthäus 27:16f

Wenn sich der Name »Barabbas« nun ableitet, vom hebräischen »bar abbas«, was übersetzt heißt »Sohn unseres Herrn« und der Eingangs erwähnte »Jesus Christus Gottes Sohn« ist, ergibt sich hier eine regelrecht »psychologische Anspannung«. Schaut man sich nämlich die Symbolik der beiden Fische an, wie sie etwa in der Sternkarte von Frederik de Wit (1610-1698) dargestellt sind (siehe Abbildung): dann sieht man darauf die beiden Sternsymbole der Fische nicht am Schnabel, sondern am Schwanz mit einem roten Band verbunden. Der erste Fisch (links) schaut darin zum Nordpol hin, während der zweite seinen Kopf nach Westen neigt, in Richtung Sonnenuntergang also, zur Nacht hin. Die Darstellung der Himmelskonstellation Fische bei de Wit, entspricht dabei der natürlichen Position der Sterne dieses Tierkreiszeichens, die als nördlicher und südlicher Fisch, fast rechtwinklig zueinander, ein Kreuz bilden.

Vorausahnung eines christlichen Fische-Zeitalters

Es ist bei dem Gesagten also durchaus angebracht, dass diese »in den Himmel geschriebene« Projektion, schon längst sichtbar gewesen war, als mit dem Auftreten des christlichen Erlösers, dieses neue Weltalter eingeleitet wurde. Die Wassersymbolik des Fisches aber, ist ja auch gegeben durch die Jahreszeit, während der er auch schon vor mehr als 2.000 Jahren gegenwärtigen Regenzeit Palästinas.

Kommen wir in diesem Zusammenhang aber noch einmal zu sprechen auf die gnostische Pistis Sophia. Dort heißt es im 21. Kapitel:

Es antwortete aber Jesus und sprach zu Maria: »Wenn die Nativitätssteller (Astrologen oder Weise, die den Stand der Gestirne bei der Geburt eines Menschen bestimmen) die Heimarmene (Schicksal) und die Sphaera (Kreisbahn der Plneten) nach links gewendet finden, gemäß ihrer ersten Ausbreitung, so treffen ihre Worte ein, und sie werden das sagen, was geschehen muss. Wenn sie die Heimarmene oder die Sphaera nach rechts gewendet begegnen, pflegen sie nichts Wahres zu sagen, weil ich ihre Einflüsse und ihre Vierecke und ihre Dreiecke und ihre Achtfigur gewendet habe […]

In gewissen Kreisen unter den christlichen Gnostikern schien die Astrologie eine gängige Sache gewesen zu sein, wenn sie, wie hier in der Pistis Sophia, selbst Jesus über jene »Nativitätssteller« reden lässt. So scheint die Fische-Symbolik des Neuen Testaments, eine gewisse Vorausahnung anzudeuten. Dabei steht der Christus Jesus als einer der beiden, als der vertikal nach Norden gerichtete Fisch, was einer zeitunabhängigen, ewigen und hierarchischen Sinnbildlichkeit entspricht; assoziiert man andererseits Vorstellungen von einem Damals und Morgen, einem Vergehen und Werden, mit dem, was durch den Ausschnitt einer Horizontalen gegeben ist, deren beiden Enden (oder Pole) sich vor diesem Hintergrund mit der Entscheidung zwischen Gut und Böse assoziieren ließen, könnte man daraus die Erwartungshaltung deuten, gegenüber eines Erscheinens des Antichristen in der Endzeit.

 

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