Zoroastrismus

Nicht sorgen. Froh sein!

von S. Levent Oezkan

Meher Baba - ewigeweisheit.de

Der indische Mystiker und Guru Meher Baba sagte einst über sich, er sei der Avatar, der sich vor ihm auf Erden inkarnierte – als Rama, Krishna, Zarathustra, Buddha, Jesus und Mohammed. Ob er es wirklich war, darüber wüsste wohl nur selbst ein Avatar zu urteilen.

Wer sich seine Geschichte und die Art seiner Erscheinung genauer ansieht, erkennt schnell, dass es sich bei Meher Baba keineswegs nur um einen Verrückten handelte.

Auch wenn er im deutschsprachigen Raum kaum bekannt ist, spielte er im 20. Jahrhundert, für viele Menschen als universaler Weltlehrer eine bedeutende Rolle. Fast überall auf der Welt hatte er Anhänger, die an seinen Darshans (sanskr. "Zusammentreffen") sich zu Zehntausenden versammelten, um seine Erweckungsverheißungen zu empfangen.

Nach einem Besuch 1932 in den Vereinigten Staaten, schrieben verschiedene Journalisten Artikel über ihn. Selbst im Time Magazine erschienen seine Verkündungen.

Wer war Meher Baba?

All die vielen Gurus von denen man im vergangenen Jahrhundert Nachricht bekam: War Meher Baba nur noch ein weiterer unter ihnen? Oder war er tatsächlich ein wiedergekehrter Heiland, ein herabgestiegener Avatar, der Menschen die Liebe zu Gott lehrte?

Eigenartig dürfte einem vorkommen, dass dieser Guru Meher Baba die längste Zeit seines Lebens nicht sprach! Alle Weisheitslehrer, stellten ihre Aussprachen ja in den Mittelpunkt der Vermittlung ihrer Lehre, was für die oben genannten Avataras ja auch zutraf (wobei der islamische Prophet Mohammed als Analphabet eine gewisse Ausnahmerolle einnimmt). Meher Baba aber sagte, was er zu sagen hatte durch Schweigen.

Wie aber soll das gehen? Schließlich hatte er weltweit mehr als eine Million Verehrer und das erst nachdem er 1925 beschloss, kein einziges Wort mehr zu sprechen. Er schwieg über 44 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Für die Kommunikation verwendete er zuerst eine Buchstabentafel, auf dem er seinem Gegenüber mit dem Zeigefinger Wörter zeigte. Ab 1954 verwendete er eine eigene Gebärdensprache, die durch einen Sprachmittler dann ausgesprochen wurde.

Auf dem Weg

Ursprünglich kam dieser eigenartige und doch ebenso besondere Mensch, aus der indischen Stadt Puna, wo er 1894 in eine zoroastrische Familie als Merwan Sheriar Irani geboren wurde. Er besuchte in Puna die Highschool und später ein College.

Hazrat Babajan – ewigeweisheit.de

Die heilige Hazrat Babajan (um 1800-1931): Eine Qutub – wie die Sufis sagen,- eine Frau die Vollkommenheit erlangte (arab. Al-Insan Al-Kamil).

Eines Tages nun, das war im Jahre 1914 und Merwan war bereits ein junger Mann, fuhr er mit seinem Fahrrad von der Schule nachhause. Da passierte er eine ältere Frau, die da unweit des Fahrradweges saß, unter einem Baum, umgeben von einigen ihrer Schüler. Man nannte sie Hazrat Babajan.

Als sie den jungen Merwan dort auf dem Fahrrad zu ihr hinüberblicken sah, rief sie ihm zu – eine besondere Frau; selbst ein Sufi, von der ihre Verehrer sagen, dass sie 133 Jahre alt geworden wäre (gesichtert ist ein Lebensalter von über 100 Jahren). Sie schien den Jungen erkannt zu haben, als den kommenden Avatara (sankr. für den [vom Himmel] "Herabgestiegenden", etwa synonym mit dem griechischen Wort "Christos" oder dem hebräischen "Meschiach").

Ab diesem Tag besuchte der junge Merwan immer wieder Babajan und wurde ihr Schüler. Eines Tages aber war es an der Zeit: Als Merwan die Hand der Sufi-Meisterin küsste, nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihm auf die Stirn. Ihre Jünger aber ließ sie wissen:

Dies ist mein geliebter Sohn [...] Eines Tages wird er die Welt bewegen, was der gesamten Menschheit zu Gute kommen wird.

Nach dieser letzten Begegnung mit Hazrat Babajan, erfuhr der junge Merwan die vollkommen erfüllende Erfahrung innerer Gotterkenntnis. Nur war mit diesem vollkommen unerwarteten Erlebnis, dem Jungen leider nicht mehr möglich, in seiner bisherigen Welt wie gewohnt zu leben. Er funktionierte von da an mehr als Automat, denn als Mensch und kein Arzt konnte ihm helfen. Über neun Monate hinweg war sein Körper ohne Wahrnehmung und auch seine Umwelt, schien sich seinem Empfinden zu entziehen.

Eines Tages aber verspürte er in sich einen Ruf, der ihm suggerierte sich nun auf die Suche nach einem spirituellen Meister zu machen. Da traf er auf den berühmten Yogi und Fakir Sai Baba von Shirdi (1838-1918). Der erkannte den jungen Merwan, als den kommenden Avatar und sandte ihn zu seinem wichtigsten Schüler, der selbst ein Guru war: Upasni Maharaj von Sakori (1870-1941).

Als der junge Merwan zu diesem kam und Guru Upasni seine eigenartige Orientierungslosigkeit bemerkte, warf er ihm einen Stein an den Kopf, genau an die Stelle, an den ihn zuvor die Sufi-Meisterin Babajan geküsst hatte. Durch dieses, zwar recht brutal erscheinende Ereignis, aber sollte der junge Mann tatsächlich wieder zu seinem Bewusstsein finden. Die folgenden sechs Jahre blieb Merwan bei Guru Upasni, der ihm da half, sein normales Leben wiederzuerlangen.

Als der Erwecker der Menschen

In dieser Zeit aber auch, wurde ihm gewahr, dass er sich in seinem Bewusstsein in einer Welt der Gegensätze befand, worin seine eigene Göttlichkeit und die aller anderen Menschen wirkt. Jeder der ihn auch zuvor schon kannte, verspürte die Verwandlung die Merwan da durchlaufen hatte, die aber auf sie eine magnetische Anziehungskraft ausübte, so dass sie ihm als seine ersten Jünger folgten. Andere kamen durch die Sufi-Meisterin Babajan zu ihm.

Jene die ihm folgten, waren in ihrer religiösen Bekenntnis durchaus verschiedenen Glaubens: darunter Christen, Hindus und Muslime. Sie nannten sich "Mandali" und bildeten den Kreis seiner Jünger (daher auch der Name, abgeleitet aus dem sanskr. "Mandala", der Kreis).

Einer seiner Jünger (Sayyed Saheb) schlug vor, Merwan von nun an als "Meher Baba" anzusprechen: Barmherziger Vater.

Andere nannten ihn auch schlicht den "Erwecker".

Mit seinen ersten Jüngern gründete er – nach 10 Monaten intensiver Arbeit – im indischen Mumbai einen Ashram (1922), den er "Manzil-e-Meem" taufte: "Das Haus des Meisters". Alle die sich damals um ihn begaben, unterzog Meher Baba einer strikten Diät und verschiedenen körperlichen und geistigen Yoga-Übungen. Auch verschiedene Meditationen gehörten zu dem dort täglichen Ablauf.

Aber schon nach diesen 10 Monaten schloss Meher Baba den Ashram wieder, damit er sich mit seinen Jüngern auf eine Reise begab, die sie durch Indien (zu Britisch Indien zählte damals auch das heutige Pakistan) und auch den Osten des Iran führte.

Die Herzen öffnen

Meher Babas Flagge – ewigeweisheit.de

Die Flagge von Meherabad (ähnlich der heute gängigen Regenbogenfahne, die weltweit die Stimmung für Aufbruch, Veränderung und Frieden symbolisiert).

1923 ließen sich Meher Baba und seine Anhänger schließlich nieder im indischen Distrikt Ahmednagar (etwa 200 km östlich von Mumbai), wo sie eine kleine Siedlung gründeten: Meherabad. Fünfhundert Menschen sollten dort dann leben, die aus verschiedenen indischen Kasten und Religionen stammten. Meher Baba arbeitete beim Aufbau der Siedlung selbst mit, kümmerte sich um die Menschen und ihre Kinder dort. Selbst half er regelmäßig die Latrinen zu säubern.

Am 29. Juli 1925 ließ er dann verlautbaren, dass er ab nun nicht mehr sprechen werde. Von da an äußerte er bis zu seinem Lebensende kein einziges Wort mehr. Er signalisierte auch damit seinen Anhängern, dass alles Wahre nur in Stille übergeben und auch empfangen werde. Diese Stille sollte zu Meher Babas universaler Arbeit werden. Zehntausende Verehrer kamen in den folgenden Jahren zu ihm, um von ihm gesegnet zu werden.

Ab 1931 begann er große Reisen, meist inkognito. Über 20 Jahre war er von da an unterwegs, in Afrika, Nordamerika, Europa und dem Mittleren Osten. Da wollte er seine innere Arbeit des Erwachens verbreiten, wobei im Mittelpunkt seiner Lehre die Liebe zu Gott stand.

In der Paramaount Newsreel, einer Londoner Kinowochenschau der 30er-Jahre, ließ er 1932 durch den britischen Autor Charles Benjamin Purdom (1883-1965) verkünden:

Damit, dass ich in den Westen komme, will ich keineswegs erzielen einen neuen Glauben oder eine neue spirituelle Gesellschaften und Organisationen zu gründen. Vielmehr will ich den Menschen ihre Religion näher bringen, in ihrer wahren Bedeutung. Wahre Religion besteht darin, eine Geisteshaltung zu entwickeln, die letztendlich dazu führen sollte, dass im ganzen Universum die Eine Unendliche Existenz herrscht. [...] Die Struktur aller großen und anerkannten Religionen und Glaubensrichtungen der Welt, scheint mir ins Wanken geraten zu sein. [...] Ich beabsichtige, alle Religionen und Glaubenskulte wie Perlen an einer Schnur zusammenzuführen und sie für (jeden Menschen als) individuelle und kollektive Bedürfnisse zu revitalisieren. Das ist meine Mission im Westen.

Meher Baba wollte damit die Menschen dazu führen, ihre Geistigen Herzen zu öffnen, da aller Glaube, alle Gebete und Meditationen nur dann ihren Sinn erzielen. Erst damit könne eine allmähliche Realisierung des Göttlichen erfolgen, in der jeder als seinen Lebenssinn erkennt:

Ich bin eins mit Gott.

Seelentropfen

Diesen Gott verglich Meher Baba mit einem unendlichen Ozean der Macht, des Wissens und unbegrenzter Glückseligkeit. Wenn da nun aber die Rede ist von Gott, als solch Ozean, wusste dieser zu Anfangs nicht, dass er Gott sei. Darin erst sollte etwas als ursprüngliches Verlangen entstehen, damit er sich als Gott erkennen sollte. Hieraus entstanden ein unendlicher Raum und eine unendliche Kraft, die in ihrem Zusammenwirken den Beginn der Schöpfung einleiteten.

Beginn der Schöpfung – ewigeweisheit.de

Dieser unendliche Ozean aber, setzte sich, gemäß Meher Baba, zusammen aus unendlich vielen individuellen Tröpfchen. Hieraus sollten sich dereinst die individuellen Seelen manifestieren und auf die Erde fallen, um in den Herzen der dort geborenen Menschen, erhalten zu bleiben.

Jeder dieser Seelentropfen empfindet sich als getrennt von dem Seelenozean und verschafft sich Geltung, als eben dieser Seelentropfen.

Weniger aber identifizieren sich die Seelen, als ein aus dem unendlichen, göttlichen Ozean stammenden Tropfen. Eher neigen sie dazu sich mit verschiedenen Formen zu identifizieren. Im Laufe ihrer Entwicklung auf dem Planeten Erde, verkörperten sich die Seelen darum. Im Laufe der Evolution aber verfeinerten sie sich. Laut Meher Baba ging damit einher eine Entwicklung des Bewusstseins, wo die Form jedoch dem Bewusstsein folgte (im Gegenteil zur Lehre Charles Darwins, für den da zuerst die materielle Form die Gegebenheiten schuf, aus der sich entsprechend das Bewusstsein bildete).

Diese Evolution unterteilte Meher Baba in diese Entwicklungsschritte:

  • Mineralien (noch vollkommen unbewusst)
  • Metalle
  • Pflanzen
  • Würmer und Kriechtiere
  • Fische
  • Vögel
  • Säugetiere
  • Mensch (voll bewusst)

Sobald sich die Seelen in den Menschen in ihrem Bewusstsein voll entwickelt hatten, reinkarnierten sie immer wieder (auch heute noch), um notwendige Erfahrungen zu machen, die sie eben nur auf dem Planeten Erde erlangen können. Während die Seele nur ein einziges ewiges Leben besitzt, werden ihr immer wieder neue Körper als Fahrzeuge geboren, worin sie ihre notwendigen Erfahrungen macht (wie auch im Buddhismus von Fahrzeugen als den "Yanas" die Rede ist, in den Formen von Hinayana, Mahayana und Vajrayana).

In diesen immer neuen Wiederverkörperungen auf Erden, erweitert sich das Bewusstsein der Seele immer und immer mehr. Solange sich die Seele aber noch mit ihrer Inkarnation identifiziert – und dabei glaubt "Ich bin mein Körper" – geht damit einher eine Vorstellung von Getrenntheit. Sie wird durch das menschliche Ego aufrechterhalten, das seine Ichheit eben als getrennt von den anderen empfindet.

Karma oder: Jede Handlung hat eine Folge

Meher Baba erklärte, dass Karma das spirituelle Gesetz von Ursache und Wirkung ist. Darin schafft die Erfahrung jedweder Wirkung ein Verlangen danach, ihr Gegenteil ebenso zu erfahren.

Grob gesagt gibt es zwei Arten von Karma: Das, welches bindet und das, was zur Emanzipation und Selbstverwirklichung beiträgt. Sowohl gutes, als auch schlechtes Karma bindet, solange noch ein falsches Verständnis den Ego-Verstand nährt. Zu einer Kraft zur Emanzipation wird Karma dann, wenn es aus dem richtigen Verständnis entspringt und so den Ego-Geist erschöpft.

- Aus Meher Babas "Discourses"

Involution

Evolution und Involution – ewigeweisheit.de

Auf der 4. Position, im oberen Teil dieses Schaubildes (INVOLUTION), deutet ein Pfeil auf "Bindeglied", dass sich befindet zwischen den (feinstofflichen) Energien und dem (mental) Intuitiven. Dieses Feld entspricht dem, wovon in der Esoterik gesprochen wird als das "Mystische Herz".

All die vielen Eindrücke in der Welt, die die Erfahrung der Seele während ihrer Evolution prägten, wurden ihr, wenn es darum geht Mensch zu sein, im Laufe kommender Inkarnationen mehr und mehr zur Last. Aus diesem Grund ermüdet das menschliche Individuum, bei all seinen vielen Runden der Wiederkehr, einem scheinbar nicht enden wollenden Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Damit einher aber geht schließlich ein überwältigendes Gefühl von Unzufriedenheit, über ein scheinhaftes Dasein. Sobald dieses Gefühl in einem Menschen aufsteigt, ist das ein Zeichen dafür, dass er bereit ist für den spirituellen Pfad. Hier sprach Meher Baba von der Involution: Der Rückbildung des inkarnierten Daseins, das in seiner Wichtigkeit in den Hintergrund tritt, um dem Seelenselbst in seiner Verwirklichung damit behilflich zu sein. Somit ließe sich das, hier veranschaulichen mit dem Wort "Involution": Ein Aufstieg zurück ins Göttliche.

Durch Gotterkenntnis schließlich, wird dann die Reise des Bewusstseins der Seele abgeschlossen. Jener oben genannte "Tropfen der Seele", kehrt damit zurück zu seinem Ursprung, zurück in den Ozean des Göttlichen, um damit letzten Endes die wahrhaftige Erfahrung des "Ich-Bin-Gott"-Zustandes zu machen.

Jedes menschliche Individuum ist selbst dieser Tropfen aus dem Ozean des Göttlichen. Und dieser Tropfen beinhaltet bereits den Ozean. Solange sich der Seelentropfen dessen nicht bewusst ist und damit kein Bewusstsein für diese Realität hat, bleibt es eben ein Tropfen. Sobald da aber diese Realität erfahren wird, breitet sich aus diesem Seelentropfen ein eigener Ozean des Göttlichen aus.

Überwältigt von der Liebe zu Gott

Im Jahre 1936 begann Meher Baba seine Arbeit mit den im Orient so genannten "Mast". Es sind Personen, die von ihrer Liebe zu Gott so überwältigt sind, das sie im Außen die Orientierung verloren haben. Sie sind in einer Art Liebesrausch. Daher auch das persische Bezeichnung "Mast", was man zur Bezeichnung eines liebestrunkenen Mystikers ebenso verwendet, wie auch wortwörtlich für einen Trunkenbold oder anders berauschten Menschen.

Ursprünglich stammt diese Allegorie des Liebestrunkenen aus dem Wortschatz der Sufis. Es klingt in dem Wort Mast jedoch auch das persische "masti" an, das "überwältigt" bedeutet und auf jene oben beschriebenen Personen ja ganz und gar zutrifft, da sie kein normales Leben ohne fremde Hilfe führen können. Sie sind sich ihrer eigentlichen Körperlichkeit nicht mehr bewusst, da bei ihnen jene beschriebene Involution bereits eingesetzt hat. So also bewegen sich die Mast schon näher am Punkt der Gotterkenntnis, als "normale Menschen".

Meher Baba hatte viel Zeit mit diesen Menschen verbracht, gab ihnen zu Essen und half ihnen bei der Reinigung ihrer Körper oder dabei sich zu rasieren. Nicht ganz einfach einen Mast von einem Wahsinnigen zu unterscheiden. Das Herz eines solchen Menschen jedoch ist erfült von einer leidenschaftlich brennenden Liebe zu Gott.

Absoluter Verzicht

In dieser Zeit aber kümmerte sich Meher Baba auch um Menschen, die an einer schweren Behinderung litten, blind waren oder aber kein Geld hatten und sehr arm waren. Geld an sich spielte in Meher Babas Leben nur eine ganz nebensächliche Rolle. Sobald er es bekam, gab er es an Bedüftige weiter oder eben an die Masts.

Später verkaufte Meher Baba sogar all seine Besitztümer und die seiner Mandali – dem innersten Kreis seiner Jünger. 1949 begab er sich mit einer kleinen Gemeinschaft von 22 Mandali in ein Leben vollkommener Entsagung. Zwar bedeutete das für alle ein Leben in Hilflosigkeit – doch aber waren sie erfüllt von grenzenloser Freundlichkeit. Seine Jünger und Meher Baba vertrauten da einzig auf Gott und wanderten, sich das nötigste erbettelnd, durch ganz Indien, während sie weiterhin im Dienste der Menschen standen, Kranken und anderen Hilfsbedürftigen halfen.

Vollkommene Akzeptanz

Rambha Mastan of Kashmir – ewigeweisheit.de

Rambha Mastan von Kashmir: Einer des Masts, um die sich Meher Baba sorgte.

Gottesliebe, die einhergeht mit einem personalen Gott, gibt den Mystikern Indiens – im Sufismus, Hinduismus und Sikhismus – einen ganz klaren, spirituellen Weg vor. Dafür stand Meher Baba in seinem ganzen Auftreten, wie seine Anhänger beschrieben. Er versuchte damit alle Menschen, die ihm begegneten, ganz und gar so zu akzeptieren wie sie sind: Verkörperte Seelen, die aus dem göttlichen Ozean stammend, sich in irdische Leiber hüllen.

Liebe bedeutet auch, Leiden und Schmerz für sich selbst und ein Glück für andere. Für den Gebenden ist es Leiden ohne Bosheit oder Hass. Für den Empfangenden ist es eine Wohltat, ohne dass er sich damit zu irgendetwas verpflichtet fühlt. Liebe allein weiß, wie man gibt, ohne dabei um Gegenleistung zu feilschen. Es gibt nichts, was die Liebe nicht erreichen kann, und es gibt nichts, was die Liebe nicht opfern kann.

- Aus Meher Babas "Path of Love"

Jeder, der Meher Baba gegenübertrat, bekam durch ihn etwas ganz direkt vermittelt: Er fühlte sich sogleich in Einigkeit und Übereinstimmung mit jedem anderen menschlichen Wesen.

Anderen Menschen begeneten Meher Baba auf eine Weise, so als empfänden sie in ihm ihr eigenes Selbst, ja tiefer noch, als sie ihr eigenes Selbst je in sich empfinden könnten! Immer wieder hörte man von Menschen, die ihre Begegnung mit ihm so beschrieben. Wer diese Erfahrung aber gemacht hatte, den traf das unter Umständen, wie ein Schock.

- Don E. Stevens (1919-2011), Autor und Mandali Meher Babas

Nicht zuletzt wegen dieser außergewöhnlichen Erfahrung, die Menschen erlebten, die Meher Baba persönlich trafen, hielten ihn seine Anhänger tatsächlich auch für den gottgesandten Avatar. Auch die Tatsache, dass er, seit 1925 bis zu seinem Tod 1969, nie mehr ein Wort gesprochen hatte und später sogar allein durch einen Deuter seiner Gebärden (der ihm als Dolmetscher das mitteilte, was er für ihn übersetzt hatte) zu den Menschen sprach: Hunderttausenden Menschen hatte er in ihrem Leben geholfen – und sei es über die Texte, die seine Schüler für ihn aufzeichneten.

Er war, wie er selbst meinte, nur wegen der Liebe zu den Menschen auf Erden inkarniert. Das mag der einen oder dem anderen vielleicht etwas zu rührselig klingen. Dennoch aber wusste Meher Baba und die Menschen die mit ihm lebten, wie auch alle die sich bis heute, intensiver mit seiner einzigartigen Lehre befassen, dass er, wie jene großen Weltlehrer vor ihm, das nur auf seine Weise erfolgen ließ, mit anderem Namen und seiner ganz einzigartigen Form der Kommunikation.

Keine neue Religion!

In seiner ganzen Erscheinung sah sich Meher Baba den Menschen gegenüber verpflichtet, um sie dabei nach und nach von den Fesseln der Illusion zu befreien und ihr Bewusstsein zu erheben, gleich wie aus einer Grube der Unbewusstheit, aus den Abgründen der Ignoranz, ins Licht der Erkenntnis führend.

Und doch: Nie fühlte sich Meher Baba dazu inkarniert, eine neue Religion zu gründen und das auch dann nicht, wenn ihn im 20. Jahrhundert mehr als eine Million Menschen verehrten und auch heute noch verehren. Nicht kam er um die Menschen zu lehren, wie er selbst sagte, sondern um sie zu erwecken, aus ihrem Schlaf der Unwissenheit. Bereits damals wies Meher Baba darauf hin, dass er erscheinen werde in einer Zeit, in der sich in der Welt der Menschen Veränderungen ereignen werden, die nie zuvor dagewesen waren.

Da mag manch einer gleich an die schlimmen Ereignisse des 20. Jahrhunderts denken. Was Meher Baba jedoch vor allem meinte, war, dass neue Formen spiritueller Kräfte verfügbar sein würden, womit das Bewusstsein der Menschen auf eine neue Stufe erhoben werde. Auch deshalb sprach er von einer der Ära einer neuen Menschheit – wo die Menschen ein Gefühl des untereinander Verbundenseins empfinden werden, wo Religion und Wissenschaft nicht mehr wegen ihrer Glaubwürdigkeit konkurrierten, sondern ihre Vertreter beginnen werden zu kooperieren.

Auch lag Meher Baba fern, soetwas wie eine Religion oder Glaubensgemeinschaft zu gründen. Er ermutigte stattdessen seine Anhänger dabei, ihren eigenen Glaubensbekenntnissen zu folgen, entsprechen der Riten ihrer Tradition.

Die eigene Glückseligkeit und das Vertrauen in Gott

Gemäß dem, was Meher Baba seinen Jüngern an innerem Wissen gab, kam jemand zur Erkenntnis des Göttlichen, der in sich zum Erwachen wahrer Liebe fand. So jemand öffnete damit das unbegrenzte Feld dauerhaften und unvergänglichen Glücks.

Das Glück der Gottesverwirklichung ist das Ziel der ganzen Schöpfung. Es bleibt einem Menschen unmöglich, die leiseste Vorstellung von diesem unaussprechlichen Glück zu haben, ohne tatsächlich die Erfahrung der Göttlichkeit gemacht zu haben. Die Vorstellung, die die Weltzugewandten (Menschen) von Leiden oder Glück haben, ist völlig begrenzt. Wahres Glück, das durch die Erkenntnis Gottes entsteht, ist (selbst) alles körperliche und geistige Leiden im Universum wert. Dann (erst) ist alles Leiden so, als wäre es nie dagewesen.

- Aus Meher Babas "Discourses"

Unzweifelhaft klar dürfte mit diesen Aussagen sein, dass so etwas einer Menge Arbeit am Selbst bedarf. Denn nur jene, die sich eben durch verschiedene Herausforderungen und damit einhergehende Schwierigkeiten, auf eine höhere Stufe erheben konnten, können sich wahrhaftig glücklich schätzen. Denn was anderes, als die Erfahrung der Gotterkenntnis, führt einen durch die Hindernisse der fleischlichen Inkarnation zu seinem wahren Selbst?

Diese körperliche Hülle, die ihrerseits noch vermengt ist mit den durch den Geist inspirierten Emotionen, muss erst einmal durchdrungen werden, was sich eben oft nur in Schmerzen – körperlich oder emotional – verwirklichen lässt. Was das für unsere heutige Zeit und unser Leben in der Gegenwart bedeutet, scheint immer mehr an die Oberfläche unseres kollektiven Bewusstseins zu drängen.

Mit dem Gesagten aber: Erscheint es da nicht wichtiger denn je, nicht nur zu unserem eigenen Glück finden zu wollen, sondern dieses Glück mit anderen zu teilen? Unser eigenes Glück hängt eben auch ab davon, wieviele andere Menschen durch uns glücklich, zumindest aber zufriedener geworden sind.

Meher Baba – ewigeweisheit.de

Meher Baba in Toka, Indien (1928)

Wahres Leben besteht darin, andere (Menschen) glücklich zu machen. Drum versuche andere (Menschen) um Dich (herum) glücklich zu machen. Hab keine Angst. Alles wird gut sein. Sorge Dich nicht, mein Nazar (symbolisches Auge, dass vor dem Bösen schützt) ist über Dir.

- Aus "Der Gottsucher", Tagebuch des Meher-Baba-Jüngers Minoo Kharas

Gottesliebe, Nächstenliebe, die Liebe zu dienen und die Liebe der Aufopferung, kurz: Liebe in jeder Gestalt und Form, ist die edelste Form allen Gebens und Nehmens. Letztendlich ist es die Liebe, die zu der so sehr ersehnten Gleichstellung aller menschlichen Wesen auf Erden führt und notwendigerweise dabei auch nicht, die von Natur aus unterschiedlichen Eigenheiten der Menschheit stört.

Es ist (darum) unendlich viel besser, auf das Beste zu hoffen, als das Schlimmste zu befürchten. Die Zeit setzt sich zu gleichen Teilen aus Tag und Nacht zusammen. In ihrem unvermeidlichen Verlauf von Höhen und Tiefen nähert sich die Welt schnell wieder einem glorreichen Morgen.

Euch allen meinen Segen.

- Aus "Listen, Humanity" von Meher Baba, herausgegeben von Don E. Stevens

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Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Vom wahren Wesen der Schutzengel bei den Zoroastriern, den Christen und im Islam

Gleich von der Geburt an begleitet einen jeden ein Schutzgeist, der unbemerkt sein Leben leitet.

- Menandros

Schutzengel - ewigeweisheit.de

Aus den Lehren der esoterischen Wissenschaften wissen wir, dass es hohe Wesenheiten gibt, die als Beschützer walten über Personen, Gruppen von Individuen, über Königreiche und Staaten. Schon immer glaubten Menschen an Schutzengel. Mancher Kabbalist behauptet, man könne im Wissen der Geburtsminute sogar seine persönlichen Schutzengel berechnen.

Die Kirchenväter aber sagen, dass einem Christen sein Schutzengel von Gott erwählt wird, den er mit der Taufe empfängt. Seit dem 5. Jhd. entwickelte sich im Christentum eine regelrechte Schutzengel-Theologie. Gelehrte in Ost und West sagten, dass sich ein Schutzengel andauernd im Gebet befindet - im Namen einer Person und zu ihrem Schutze. Im Islam heißt es, dass einem Neugeborenen die Schutzengel eigenständig zum Geleit durchs Leben zufliegen, und zwar gleich vier - je einer zu jeder Seite (links, rechts, zuvor und hinter ihm).

Insbesondere aber die Religion des Zarathustra besitzt einen ausgeprägten Schutzengelkult. In ihrer Heiligen Schrift - dem zoroastrischen Avesta - widmet sich ein ganzes Kapitel der Bedeutung der Schutzengel eines Menschen.

Die Fravaschis der Zoroastrier

Was erst vor etwa 1600 Jahren im Christentum als Engellehre verfeinert wurde und noch etwas später als solche im Islam entstand, das kannten die Zoroastrier Persiens schon seit sehr alter Zeit. Sie sprachen vom Fravaschi, Faravahar oder Firavarti. Man stellte sich Schutzengel vor als geflügelte, vogelartige Wesen, meist auch abgebildet als geflügelte Scheiben. Auf dem inneren eines Kreisrunds, bildete man meist eine Person ab (siehe Abb. unten).

Jeder Gegenstand den ein Name bezeichnet – gewöhnlich oder außergewöhnlich – steht im Glauben der Zoroastrier unter der Gnade eines Fravaschi. In seiner Form als Firavarti, ist insbesondere die Wortwurzel »var« von Bedeutung: das Auserwählen. So könnte man das Wort Firavarti, beziehungweise Fravaschi, erklären als »einen der für die spirituelle Erhebung auserwählt wurde.« Somit ist der Fravaschi ein höheres Wesen, das zum Schutze eines Menschen erwählt wurde.

Selbst aber der lichtvolle und weise Schöpfergott Ahura Mazda, Vater aller Existenzen – auch er besitzt einen Fravaschi. Seiner natürlich ist der höchster von allen, von ultimativer Größe, Schönheit, Stärke und Weisheit. Doch auch dem Himmel, den Gewässern, Pflanzen und Tieren der Erde ist ein Fravaschi-Schutzengel ergeben.

So also gehorcht allem Seienden – vom höchsten lichterfüllten Gott, bis zur niedrigsten Kreatur auf Erden, ein Fravaschi. In ihm manifestieren sich die göttlich-universalen Kräfte, durch die die Ordnung der gesamten Schöpfung aufrecht erhalten wird. Allein der Gott der Finsternis Ahriman, wie auch seine Dämonen: sie besitzen überhaupt keinen Schutzengel.

Zoroastrischer Fravaschi - ewigeweisheit.de

Felsrelief in Persepolis, mit der Abbildung eines Fravaschis - Schutzengel der Zoroastrier.

Der Fravaschi des Menschen

Ahura Mazda aber gestellt jedem Menschen einen heiligen Schutzengel bei. Ein ganzes Leben lang begleitet eine Person so ein himmlisch-geistiger Hüter des Guten. Im avestischen Yasna heißt es dazu:

Wir verehren nun die Lebenskraft und die Wesenheit und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschi (Schutzengel) der ersten Verkünder und der ersten Hörer der heiligen Lehren, asha-gläubiger Männer und asha-gläubiger Frauen, die zu Gunsten des Asha (wahrhaftige Rechtschaffenheit) den Sieg davon getragen haben.

- Yasna 26:4

Alles Hab und Gut und unsere Leiber und den Knochenbau und die Lebenskräfte und die Körper und die Körperkräfte und das Wahrnehmungsvermögen und die Seele und die Fravaschis (Schutzengel) widmen und weihen wir.

- Yasna 55:1

Als besondere Form höherer Intelligenzen, spielen die Fravaschis eine zentrale Rolle im Glauben der Zoroastrier. Aus der Menschenwelt strömen ihnen höchste Verehrung und spirituelle Opfergaben zu. Man kann in ihnen auch die reinste Wesensform sehen, die schon als Vorgänger der Menschheit die Himmelsgefilde unseres Planeten bewohnten.

Die Fravaschis sind zudem Wesenheiten, die die vom Stern Sirius stammenden Seelen auf die Erde führen, wo sie in Körpern geboren, bis ans Ende ihrer Tage leben. Jener Vorgang der Beseelung erfolgt jedoch gemäß eines höheren, kosmischen Plans. Denn die Seelen der Menschen inkarnieren in der materiellen Welt, um das Böse zu bekämpfen. Verstirbt ein Mensch, so kehrt am Ende des vierten Tages die Seele (Urvan) zurück zu ihrem Fravaschi. Er sammelt die Erfahrungen die die Seele in ihrem irdischen Kampf machte. Die Summe dieser Erfahrungen helfen der kommenden Generation von Seelen, die auf Erden diese Verantwortung übernehmen sollen. Damit könnte man sagen, dass im Glauben der Zoroastrier der Fravaschi als hohes Ideal dient, nach dem die Seele des Menschen streben sollte. Ihn nachzuahmen in seinem guten Handeln, wäre vielleicht ein wahrhaft erhabenes Ziel. Denn wenn sie nach dem Tod dorthin zurückkehrt, könnte sie sich mit dem Fravaschi vereinen.

Ein Hymnus an die Schutzengel

Über diese himmlischen Geistwesen lesen wir ausführlich in den Yascht - den avestischen Opferhymnen. Ein ganzes Kapitel des Yascht ist den Fravaschis gewidmet. Man nennt es den »Hymnus an die Schutzengel«. Darin lesen wir über ein besonders kraftvolles Schutzgebet für jene, die sich in großen Schwierigkeiten befinden:

Ahura Mazda sprach zu Spitama Zaratushtra: Wenn in dieser materiellen Welt, O Spitama Zaratushtra, du dich auf heillosen Wegen bewegst, voller Gefahren und Ängste, O Zaratushtra und wenn du dich um dein Leben fürchtest, dann rezitiere diese Worte, dann rufe diese, jeden bösen Geist zerschlagenden Worte: "Ich lobe, ich beschwöre, ich sinne darüber nach und wir opfern den guten, starken, segensvollen Fravaschis der Gläubigen (Schutzengeln). Wir verehren die Fravaschis der Herren der Häuser, jene Herren der Gemeinden, jene Herren der Städte, jene Herren der Reiche, jene der Zarathustrotemas (den Hohepriestern eines Reiches); den Fravaschis der Seienden, den Fravaschis der Gewesenen, den Fravaschis der Kommenden; Allen Fravaschis aller Nationen und den freundlichsten Fravaschis der freundlichen Nationen;

- Yasht 13:20f

Schutzengel im Christentum

Engel sind die himmlisch bestimmten Mittler zwischen Gott und den Menschen. All ihre Handlungen sind vollkommen und ohne Fehl. Das überhaupt macht sie zu Engeln. Die Verehrung dieser himmlischen Wesen begann schon mit dem Entstehen der christlichen Klostertradition. Anstoß zur Verehrung der Schutzengel gab unter anderem der Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Laut dem Philosophen Thomas von Aquin (1225-1274) gehören die Schutzengel der dritten englischen Hierarchie an: dem Chor der sogenannten »Angeloi«. Über jeden Menschen, gleich ob Christ oder nicht, waltet ein solcher Schutzengel. 

Das Schutzengel im christlichen Glauben eine zentrale Rolle spielen, dass sollen einige Hinweise in der Bibel beweisen. Eine Aufgabe des persönlichen Schutzengels ist, so glauben Christen, die Gebete eines Gläubigen dem Gott zu übermitteln. Auch weisen sie als Führer den Menschen den Weg ins himmlische Königreich. Denn von diesem Weg, so der Glaube, kann aber der Mensch leicht abkommen - denn er ist schmal und auf dem Weg lauern Gefahren. So lange sich der Mensch aber auf edlem Pfade hin zur Heiligkeit bewegt, ist ihm zum Schutz ein Engel zugewiesen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

- Psalm 91:11f

Nach dem Tod eines Menschen, bringt sein Schutzengel die Seele des Verstorbenen vor Gott. Diese Vorstellung erinnert gewiss auch an Abbildungen aus den Alt-Ägyptischen Pyramidentexte. Darin nämlich wird die menschlich verkörperte Seele, vom geflügelten Falkengott Horus dem höchsten Gott Osiris vorgeführt, nachdem die guten und schlechten Taten ihres Trägers abgewogen wurden.

Ein Schutzengel war es, der den Heiligen St. Petrus aus dem Gefängnis befreite:

Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselben Nacht schlief Petrus zwischen zwei Kriegsknechten, gebunden mit zwei Ketten, und die Hüter vor der Tür hüteten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach; und er schlug Petrus an die Seite und weckte ihn und sprach: Stehe sogleich auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und tu deine Schuhe an! Und er tat also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach! Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es deuchte ihn, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut und kamen zu der eisernen Tür, welche zur Stadt führt; die tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen hin eine Gasse lang; und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu sich selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat und mich errettet aus der Hand des Herodes und von allen Warten des jüdischen Volkes.

- Apostelgeschichte 12:6-11

Dieser Geschichte zu Folge kam es, dass Sankt Peters Schutzengel, in der Kunst zur am meisten dargestellen Engelsgestalt wurde – so auch in Raphaels Fresco im römischen Vatikan.

Die Vorstellung eines persönlichen Schutzengels, der jeden Lebendigen behütend durch sein Leben begleitet, war im katholischen Christentum immer von Bedeutung. Als wichtigster Hinweis darauf, gelten die Worte Jesu in Matthäus 18:10:

Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist.

Ein heiliges Fest zu Ehren der Schutzengel pflegten auch die Mönche des Franziskaner-Ordens, seit 1500. Im Jahre 1607 dann, führte Papst Paul V. das Fest zum Gedenken an die Schutzengel ein. Diesen katholischen Festtag begeht man seither am 2. Oktober.

Russische Ikone eines Schutzengels, von V. Meshkov (1904) - ewigeweisheit.de

Russische Ikone eines Schutzengels des Malers V. Meshkov (1904).

Schutzengel im griechisch-orthodoxen Glauben

In den Ostkirchen lehrt man, dass der Schutzengel eines jeden Menschen sich vor dem Angesicht Gottes befindet. Nicht nur ist da ein Schutzengel ein guter Freund des Menschen, sein Beschützer und Bewahrer. Gott selbst scheint in jedem Engel wieder, so dass jeder Schutzengel das Urbild eines jeden Menschen bildet. Damit sind unsere Schutzengel unsere spirituellen Freunde.

Doch nicht allein Menschen, sondern auch die Elemente, Orte, ganze Gesellschaften und Völker sind den hütenden Geistwesenheiten der englischen Himmelsränge von Gott anvertraut. Den Elementen über die sie wachen, strömt die geistige Essenz ihrer heiligen Genialität zu. So soll es möglich sein, mit ihnen Verbindung aufzunehmen, um ihr heiliges Wirken zu empfangen.

Hierfür gibt es im griechisch-orthodoxen Glauben ein Gebet:

O Engel Christi, heiliger Hüter und Beschützer meiner Seele und meines Leibes: vergib mir alle Sünden die ich heute beging. Befreie mich von der List des Gegners (Teufel), so dass ich Gott nicht durch sündhaftes Handeln verärgere. Bete für mich frevlerischen und unwürdigen Diener, dass Du mich würdig darstelltest, der Güte und Gnade der allheiligen Trinität und der Mutter meines Herrn Jesus Christus, wie auch allen Heiligen. Amen.

Die heiligen Schutzengel im Islam

Es gibt in der islamischen Tradition die Vorstellung von den zwei Kiraman Katibin – den ehrwürdigen, englischen Schreibern. Wir werden zwar noch sehen, dass sie gemeinsam mit zwei anderen Engeln über die Bestimmung eines Menschen walten, doch ist ihre Rolle gewiss mit denen der Schutzengel zu vergleichen.

Ihre Namen sind Raqib und Atid. Sie verzeichnen in einer verborgenen Liste alle Taten einer Person, ihre Gedanken und Gefühle. Diese Liste wird dann nach dem Ableben eines Menschen, so die islamische Geheimlehre, dem allmächtigen Allah vorgelegt. Am Tag des Jüngsten Gerichts konfrontieren diese Engel jede Person mit der Liste ihrer Taten. Anhand dessen wird dann entschieden, ob einer nach Dschannah, ins Paradies, oder nach Dschahannam, in die Hölle gesendet wird.

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname - ewigeweisheit.de

Abbildung eines Engels im persischen Königsbuch Schahname aus dem 16. Jhd.

Auch der Koran verweist auf diese beiden Engel:

Wir haben den Menschen ja erschaffen und wissen, was ihm seine Seele alles einflüstert, und wir sind ihm doch näher als seine Halsschlagader, wo die beiden Empfänger (Raqib und Atid) aufzeichnen, zur Rechten und zur Linken sitzend. Kein Wort äußert er, ohne dass bei ihm ein Beobachter bereit wäre.

- Sure 50:16-18

Über euch sind wahrlich Hüter eingesetzt, edle, die aufschreiben und die wissen was ihr tut.

- Sure 82:10-12

So also ist die Aufgabe der Kiraman Katibin, Raqib und Atid, täglich jede Handlung, jeden Gedanken und jedes Gefühl einer Person aufzuzeichnen. Der eine sitzt auf der rechten, der andere auf der linken Schulter. Der rechte Engel zeichnet die guten Taten auf, der linke Engel die schlechten. Am Ende jeden islamischen Gebets aber, grüßt der Gläubige beide Engel, indem er seinen Kopf zu erst nach rechts und dann nach links wendet, wobei er jeweils die Worte spricht:

Salaam aleykum wa rahmetullah.
Friede sei mit Dir und Gottes Segen.

Es heißt nun, dass die schlechten Taten mit einer Zeitverzögerung von sechs Stunden in jene verborgene Listen der beiden Engel eingetragen werden. Wenn ein Muslim darum innerhalb dieser Zeit etwa eine begangene Sünde erkennt und auch bereut, dann landet diese Tat nicht auf seinem Sündenkonto. Außerdem soll es auch möglich sein, jenes Sündenkonto durch gute Taten auszugleichen. Wer aber entscheidet darüber, was gute und was schlechte Taten sind, als nur alleine der allmächtige Allah? Dennoch glaubt man im Islam, dass gute Taten neunfach mehr gewertet werden, als schlechte Taten.

Die beiden Al-Muaqqibat

Neben den Kiraman Katibin, den englischen Schreibern – nach denen sich, wie wir gesehen haben, durch des Menschen Handeln sein Schicksal rechnet – gibt es noch zwei weitere Engel. Sie sind ausschließlich zum Schutze eines Individuums erkoren. Ihr arabischer Name »Al-Muaggibat« heißt wörtlich: »jene, die aufeinander folgen«. Einer nämlich bewegt sich vor einem Menschen her, der andere schützt seinen Rücken.

Er hat Beschützer vor und hinter sich; sie behüten ihn auf Allahs Geheiß […]

- Sure 13:11

Und Er (Allah) ist es, der alle Macht über seine Diener hat, und Er sendet über euch Wächter, bis endlich, wenn der Tod an einen von euch herantritt, Unsere Boten seine Seele dahinnehmen; und sie vernachläßigen nichts.

- Sure 6:61

Jene beiden Engel schützen einen Menschen vor Schaden und den Einflüsterungen des Sheitans und seiner üblen Jinnen. Es heißt gemäß islamischer Tradition, dass jedem Wesen das lebt, schläft, gestorben oder auferstanden, ein Schutzengel zugewiesen ist. Der islamische Prophet Mohammed (as) sagte, jedem Menschen seien von Allah sogar zehn Schutzengel zugewiesen.

Wer war der Prophet Mani?

von Johan von Kirschner

Der Prophet Mani - ewigeweisheit.de

Die Religion der Manichäer beanspruchte für sich, eine abschließende Offenbarung zu sein. Ihr Prophet Mani verkündete in seiner dualistischen Gnosis die Lehre einer kosmischen Koexistenz von Gutem und Bösem. In mythenreicher Sprache verbreitete Mani eine Weisheitslehre, die gleichermaßen von Bedeutung war für Christen, Juden, Zoroastrier und Buddhisten.

Der junge Mani

Wie Buddha oder Christus, so ist Mani der Ehrentitel für einen Menschen, der durch den "Hohen Geist" erleuchtet wurde. Die Person auf die sich dieser Erleuchtungsgeist senkte, hieß nach abendländischen Quellen "Curbicius". Er kam zur Welt am 14. April 216 in der Nähe von Ktesiphon am Tigris (im Reich Babylon, heute Irak), der damaligen Residenz der Perserkönige. Er stammte aus vornehmem Hause. Seine Mutter war von fürstlicher Abkunft (Arsakidin) und bevor sie den Mani zur Welt brachte, offenbarte sich ihr im Traum, die große Bedeutung ihres zukünftigen Sohnes für die Menschheit. Sein Vater Patig (Pattikios) war ein vornehmer Perser aus dem Stamm der Chaskanier, der sich intensiv mit religiösen Fragen beschäftigte. Er war Angehöriger einer gnostischen Täufersekte - den "Elchesaitan". In diesem Umfeld wurde Mani erzogen. Schon im zarten Alter wurde er dort von seinem Vater in die Lehren und Bräuche jener religiösen Gemeinschaft eingeführt. Er sollte sich von einem erst schwächlichen jungen Mann, in den unermüdlichen Apostel einer neuen Erlösungsreligion verwandeln.

Dann trat ich, Mani, in die Glaubensgemeinschaft der Täufer ein, wo man mich großzog. Als mein Leib jung war, wurde ich durch die Kraft der Lichtengel und die so überaus starken Mächte beschützt, die von Jesus beauftragt waren, zu meinem Schutz.

- Aus dem Kölner Mani-Kodex

Es war eine ungemein spirituelle Zeit in die der Mani hineingeboren wurde. Sein Denken wurde in diesem Umfeld schon früh in religiöse Bahnen gelenkt. Schon als Junge soll Mani wie ein Weiser gesprochen haben. Seine religiöse Berufung äußerte sich jedoch in Opposition zur christlichen Theologie, wich vom christlichen Ritus ab. Dennoch bezeichnete sich Mani, als Apostel Christi, denn er räumte Jesus eine hervorragende Rolle ein. Später wandte er sich von den judenchristlichen Gnostikern, bei denen er aufwuchs, ab. Seine eigentliche Sendung erkannte er in zwei Offenbarungen: im Alter von zwölf und 24 Jahren.

Manichäischer Jesus - ewigeweisheit.de

Jesus Christus als manichäischer Prophet. Bildnis aus der Yüen-Dynastie (14. Jhd.). Auf dem Bild kann man den Christus identifizieren, da er ein kleines Goldkreuz in Händen hält.

Die Sendung

Als der Mani zwölf Jahre alt war, teilte ihm ein Engel - der "Taum" (= Gott-Genosse) - eine Botschaft aus dem Lichtreich mit. Er gebot ihm die Gemeinschaft seines Vaters zu verlassen (vergl. Jesus als zwölfjähriger im Tempel, Lukas 2:41f):

Verlasse diesen Kult, denn du bist keiner seiner Anhänger. Dir sind auferlegt Reinheit zu halten und von körperlichen Lüsten Abstand zu nehmen. Noch ist die Zeit aber nicht reif, dass du an die Öffentlichkeit trittst.

In den folgenden 12 Jahren beschäftigte sich Mani mit Philosophie, dem altorientalischen Religionssystem "nach der Tradition der Gelehrten Babylons" und mit den Lehren, der in Südbabylon lebenden Christen. Auch mit den Morallehren des Buddhismus machte er sich in dieser Zeit vertraut. Ferner eignete er sich Sprachkenntnisse an in Persisch, Aramäisch und Griechisch. Als er sein 24. Lebensjahr vollendet hatte, erschien ihm erneut der Taum.

Zu dem Zeitpunkt also, als mein Leib die Vollendung ganz erreicht hatte, flog so gleich jenes höchst wohlgestaltete und machtvolle Spiegelbild meiner Gestalt herab und erschien vor mir [...] 'Friede sei mit dir, o Mani, von mir und vom Herrn (König des Lichtparadieses) der mich zu dir sandte. Er erwählte dich für seine Mission, und gebot dir in deiner Berufung, das Evangelium der Wahrheit zu verkünden, eines aus seiner Gegenwart, und fortzufahren auf dieser Mission mit all deiner Ausdauer.'

An anderer Stelle heißt es:

Nun ist die Zeit für dich gekommen, dich öffentlich kundzutun und laut deine Lehre zu verkünden.

Ausbreitung des Manichäismus

Mani begann sein öffentliches Wirken im damaligen Reich von Belutschistan (Hochland, dass sich heute über den Osten Irans, den Süden Afghanistans und den Südwesten Pakistans ersteckt). Dort gewann er seine ersten Anhänger. Die Mission die er einleitete, stützte sich auf hohe Beziehungen zum Adel und verfügte darum über bedeutende Mittel und besondere Befugnisse.

Manis Hoffnung richtete sich sowohl auf den Westen, wie auf den Osten. Es sollte sich auch tatsächlich erfüllen - wenn auch erst nach seinem Tod - das sich von Fernoast, entlang der Seidenstraße, bis nach Westeuropa, die Religion Manis verbreitete. Mani sollte seine neue Kirche bis an die äußersten Grenzen des einstigen Reiches der alten Perser verbreiten. Solch missionarisches Streben war ein charakteristisches Symptom der ersten Jahrhunderte nach Christus. Auf Grund des inhaltlichen Gewichts seiner Botschaft, versammelte sich rasch eine sehr große Ökumene um Mani. Trotz dass heute kaum ein Mensch davon weiß, erlangte die Religion Manis, wegen der Vielzahl ihrer Anhänger in Europa, Nord-Afrika und Asien, tatsächlich die Bedeutung einer Weltreligion. Viele seiner Jünger lebten in Mesopotamien, Baktrien, Syrien, Ägypten, Karthago, ebenso in Spanien und Südgallien. Die Länder die er selbst bereiste wurden von Mani in seinen "Kephalaia", den "Kapiteln", niedergeschrieben. Die schnelle Ausbreitung dieser Religion stellte aber für die junge christliche Kirche des 4. Jhd. eine ernste Bedrohung dar. So wurde eine Verfolgung der Manichäer durch staatliche Organe geführt und eine Abwehrbewegung eingeleitet. Seit 382 n. Chr. stand im Westen die Todesstrafe für all jene, die sich zum Manichäismus bekannten! Während der islamischen Dynastie der Ummayaden (611-750) hingegen, wurde der Manichäismus in Mesopotamien gedultet und erfreute sich dort sogar einer großen Blüte.

Im 8. Jhd. war die Religion in ganz Zentralasien verbreitet, wie später auch im Reich der Uiguren und in China. 762 wurde unter Bögü Khan der Manichäismus sogar Staatsreligion der Uiguren (heute die größte turksprachige Ethnie in China, im Autonomen Gebiet Xinjiang) und genoss damit Schutz am chinesischen Kaiserhof. Doch ab Mitte des 9. Jhd. wurden die Manichäer auch in China verfolgt, konnten sich dort aber dennoch bis zum 14. Jhd. halten. Erst das Mongolenreich brachte seine endgültige Verdrängung.

Ausbreitung des Manichäismus - ewigeweisheit.de

Schaubild: Ausbreitung des Manichäismus.
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Eine universale Religion

Bis heute sind die großen missionarischen Erfolge des Manichäismus nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich trug die große Anpassungsfähigkeit der Manichäer, an die lokalen Bräuche und Gegebenheiten in Ost und West, dazu bei, dass sich diese Religion mehr als tausend Jahre erhalten hat. Mani hatte eine religiöse Sprache entwickelt, die ebenso den westlichen wie den östlichen Regionen der damaligen Welt vertraut war. Den Wortschatz seiner Lehre war im Osten dem Buddhismus, im Westen dem Christentum angepasst. Immer aber blieb der charakteristische Gehalt und die religiöse Identität seiner Weisheitslehre erhalten. Trotz dieser eher heterogenen religiösen Elemente, bot der Manichäismus eine innere Einheitlichkeit. Es war eine echte Religion, in deren Zentrum eine kraftvolle Weisheitslehre stand.

Wiederum sprach er zu seinen Jünger, als er in der Mitte der Versammlung saß: Wie die Sonne, der große Erleuchter, wenn sie kommt in ihrem Aufgang, zur Zeit, da sie in die Welt strahlt, ihre Strahlen ausbreitet auf der ganzen Erde [...] die Gerechten, die mir in jedem Lande sind, sind gleich den Strahlen der Sonne.

- Aus den Kephalaia

Von 240 bis 243 n. Chr. unternahm Mani seine erste Missionsreise nach Indien. Doch sein Kontakt mit einigen Repräsentanten der indischen Spiritualität sollte Konsequenzen haben: sowohl für für Indien, wie auch für Mani selbst.

Die letzten Tage Manis

Ardashir (Artaxerxes), der Begründer der Sassaniden-Dynastie, war gestorben. Sein Nachfolger war sein Sohn Shapur I. (Regierungszeit 240–270 n. Chr.). Am Tage seiner Krönung, dem 20. März 242, entschied sich Mani für sein öffentliches Auftreten. Begleitet von seinem Vater Patig, predigte er in seiner Geburtsstadt Ktesiphon, dem zu den Feierlichkeiten, zahlreich erschienenen Volk.

Von Äon zu Äon brachten die Apostel Gottes, unaufhörlich die Weisheit und die Werke in die Welt. So kamen sie in einem Zeitalter in die indischen Lande durch den Apostel namens Buddha; in einem anderen Zeitalter kamen sie ins Land der Perser durch Zarathustra; in einem anderen ins Land des Westens durch Jesus. Danach, in diesem letzten Zeitalter, kam die Offenbarung hernieder und die Prophetie kam durch mich selbst - Mani, den Apostel des wahren Gottes, ins Land von Babylon.

- Aus dem Buch Shapur

Shapur erkannte in Mani den Führer einer neuen Religion. Mani und seinen Predigern räumte Shapur in seinem Reich, offizielle Missionsfreiheit ein. Sie sollten im gesamten Sassanidenreich ihre Lehren verbreiten. Nach dem Tod Shapurs übernahm sein Sohn Hormizd die Nachfolge. Doch kaum ein Jahr später verstarb auch er. Damit fiel der Thron an seinen Bruder Bahram. Der war dem Mani weniger gut gesinnt und veranlasste seine Vorladung in den Königspalast. Im Gegensatz zu der günstigen Begegnung mit Shapur, wurde er sofort nach seiner Ankunft, vom Magier Mobed Karter, unter Anklage gestellt. Er wurde beschuldigt die Anhänger des Zarathustra, durch seine Lehren, ihrer wahren Religion abspenstig zu machen. Auch Bahram war ihm weniger zugeneigt, als einst dessen Vater. Er fuhr ihn an:

Wieso wurde die Offenbarung dir gegeben und nicht uns, die wir die Herren dieses Landes sind?

Mani antwortete:

So ist es Gottes Wille.

Mani verteidigte seine Lehre leidenschaftlich und führte sie auf göttliche Offenbarung zurück. Dem König gegenüber betonte er die Übereinstimmung seiner Lehre mit einer viel älteren, jedoch zeitweilig in Vergessenheit geratenen Wahrheit. Davon war Bahram jedoch wenig beeindruckt. Man verurteilte den Mani, legte ihn in Ketten und warf ihn in einen Kerker, wo er aufrecht an den Wänden in Form des Kreuzes gespannt wurde. Darum sprach sein Jüngerkreis, der ihn in seiner Kerkerhaft besuchte, von einer Ähnlichkeit mit der Passion Jesu. Nach langen schrecklichen Leiden, starb Mani am 26. Februar 277 im Alter von 60 Jahren. Man zerstückelte seinen Körper. Sein Kopf wurde am Haupttor der Stadt Gundeshapur ausgestellt, während man die Reste den Hunden zum Fraß vorwarf.

Es kann nicht abschließend gesagt werden, wieso sich Manis Religion nicht bis zum heutigen Tage erhalten konnte. Vielleicht war sie zu kontemplativ, zu ruhebedürftig, um den Kampf aufzunehmen mit dem Profanen. Sie zielte eben nicht in erster Linie auf die Lösung der weltlichen Schicksale der Menschen.

Wir, die wir zur Rasse der Lichtsöhne gezählt werden, lasst und Mani unsere Blüten schenken. Der geliebte Sohn Jesus Christus, legt dir, Mani, voll Freude die Krone aufs Haupt. Denn sein Bau der geschändet wurde, ihn hast du wieder aufgebaut. Seinen Weg der im Verborgenen war, hast Du wieder beleuchtet. Seine Lehre die verdunkelt war, hast du wieder in die Klarheit gebracht. Seine verborgene Weisheit hast du erklärt.

- Aus einem manichäischen Textfragment

Die Lehre des Manichäismus

An der Spitze der göttlichen Himmels-Hierarchie, steht in der Religion Manis der "König des Lichtparadieses". Von dort kam der Taum, Manis himmlischer Zwilling, von dem er seinen prophetischen Auftrag empfing. Der Zwilling ist in etwa das, was im Christentum der Heilige Geist vermittelt. Im Buddhismus steht dafür der Buddha Maitreya - der in Zukunft kommende, messianische Weltlehrer.

Ab dem Zeitpunkt, da dem Mani der himmlische Zwilling als sein "Licht-Selbst" begegnete, fielen alle Beschränkungen von ihm ab, die einen Normalsterblichen im Leben behindern. Von da an war er als engelhaftes Wesen auf Erden gegenwärtig. Von da an war Mani ein Apostel des Lichts.

Ich, Mani, wurde durch die Kraft der Engel und der heiligen Mächte beschützt, die mit meinem Schutz betraut waren. Sie bereicherten mich durch Visionen und Zeichen, die sie mir zeigten, die nur klein und sehr kurz waren, so wie ich sie ertragen konnte. [...]

- Ausspruch des Mani

Mit der zweiten Offenbarung wurde er zum "Mani hajja", dem "lebendigen Mani", der nun im Stande war sein erlösendes Wissen an seine Mitmenschen weiterzugeben.

In Manis Erlösungslehre verschmolzen verschiedene religiöse Philosophien zu einem neuen Weltbild. Mani bekannte sich offen, zu dem von ihm verbreiteten Synkretismus. Er wurde aus dem Lichtreich von seinem himmlischen Zwilling entsandt, um das Erbe von Buddha, Zarathustra, Jesus Christus und all ihren Vorgängern zu verwirklichen. Mani sah sich als das "Siegel aller gekommenen Propheten" (ein Begriff der im Übrigen auch von den Muslimen für den Propheten Mohammed a. s. beansprucht wird). Er sah die Lehre seiner prophetischen Sendung nicht nur endgültig: Sie war für ihn universal.

von Zeit zu Zeit (sind) Boten Gottes gekommen mit der Weisheit und den frommen Werken.

- Ausspruch des Mani

Früher verkündete Religionen waren, nach Manis Dafürhalten, spätestens nach dem Tode ihrer Meister verderbt. Er sah den Grund dafür im Fehlen direkter, schriftlicher Aufzeichungen, seitens der Religionsstifter. Im Gegensatz zu Zarathustra, Buddha oder Jesus, schrieb Mani seine Lehren nieder. So sicherte er sie vor Umdeutungen seiner Lehre und verfälschenden Zufügungen oder Auslassungen. Damit wurde der Manichäismus als ausgesprochene Buchreligion begründet. Mani verfasste sieben Traktate, die den Kanon des Manichäismus darstellen:

  1. Das lebendige Evangelium,
  2. der Schatz des Lebens,
  3. die Pragmateia (= der Traktat),
  4. die Geheimnisse,
  5. das Buch der Gigangten,
  6. die Briefe (Episteln) und
  7. die Psalmen und Gebete.

Die Lehre des Mani und seiner Missionare war für alle Zuhörer, gleich ob Christen, Zoroastrier oder Buddhisten, unmittelbar zu verstehen. Auch wenn er versuchte seine Lehre den Begriffen anderer Religionen anzupassen, nahm sie davon keinen Schaden.

Auch wenn man den Manichäismus als Teil der gnostischen Bewegung bezeichnen kann, ging es seinem Religionsstifter jedoch darum, die Lehren allen zugänglich zu machen. Damit unterschied sich der Manichäismus von anderen gnostische Sekten, deren Lehren ausschließlich Initiierten vorbehalten waren. So war es für die Manichäer selbstverständlich auch zu missionieren.

Der Prediger muss unablässig in der Welt umherirren, indem er die Lehre predigt und die Menschen in die Wahrheit führt.

- Ausspruch des Mani

Der Manichäismus war ein Seelendienst, der sich, wie andere Religionen auch, auf die Erlösung der Seele verschrieb. Jedoch glaubten die Manichäer, dass durch die Erlösung der Seele, der Gott des Lichtreichs selbst, aus den Widerwärtigkeiten der Finsterniswelt erlöst würde. Jesus Christus war für sie das einzig großartige Bild, für die Verdichtung des göttlichen Lichts, wie es in einem menschlichen Körper in der stofflichen Welt, den Menschen als Erlöser erschien (vergl. Johannes 12:46, "Licht der Welt"). Was der erste Korintherbrief in 15:45 als "lebendige Seele" erwähnt, das galt den Manichäern als das "in der Welt leidende Licht Gottes". Dieses Licht findet sich nicht nur im Menschen. Auch Tiere, Pflanzen und Minerale enthalten es. Der "Essende", so die Manichäer, nimmt deshalb eine große Verantwortung auf sich, da das Licht, das durch die Nahrung aufgenommen wird, ein Teil des göttlichen Lebens ist. Es liegt also nahe, dass die Manichäer besondere Speisegebote befolgen mussten. Natürlich bereiteten solche Auffassungen über Licht und Leben der Wesen, den Grund für Spott und Verachtung, von seitens christlicher Kleriker (Augustin). Sie sagten über die Manichäer, sie glaubten Gott "mit dem Gaumen" finden zu können. Man suchte einfach nach Gründen gegen den Manichäismus vorzugehen.

Mani erklärte alle Erscheinungen des Geistes und alle Ideen, als stoffliche Dinge großer Feinheit. Sie alle waren Teil der "Lichtsubstanz". Die existierende Materie war eine Einmischung der Finsterniskräfte ins Lichtreich. Im Makrokosmos waren die Elemente der Lichtwelt in die geschaffene Welt eingegangen und an ihrem Aufbau beteiligt. Von der himmlischen Welt herab, bis hinunter zum Menschen, leben die Seelenglieder aber in Gefangenschaft, was bestätigt, dass Gott selbst in den Kampf gezogen ist und sich immer wieder selbst, durch die von ihm geschaffenen Wesen, zu erlösen versucht. So eine Vorstellung erfordert das dualistisches Weltbild, wo Gut und Böse nebeneinander existieren.

Die Materie in ihrer Gesamtheit, also auch das, was am Menschen der Stofflichkeit angehört, ist nach Manis Lehre leidenschaftlich, leidvoll und darum ungöttlich. Wie aber bereits angedeutet, trägt nach Manis Lehre der Mensch den göttlichen Funken in sich, als Teilchen des göttlichen Lichts. Diesen Funken kann er zur Flamme entfachen, indem er ein "richtiges Denken" entzündet. Dieses richtige Denken besteht darin, das er Klarheit über sein wahres Wesen gewinnt. Der Mensch muss seine Gespaltenheit zwischen Licht und Finsternis, zwischen göttlichem Geist und "teuflischem" Stoff erkennen. Zu dieser Erkenntnis gelangt, wer das Offenbarungswort hört und auch annimmt, das Gott bereits an Adam hat gelangen lassen. Immer wieder wurde es durch die Gesandten und Avataras, wie Buddha, Zarathustra oder Jesus in die Welt gesandt. So sah auch Mani seine göttliche Sendung.

Manichäische Priester - ewigeweisheit.de

Manichäischer Priester beim Schreiben. Gemälde in einem Buch aus Gaochang (Nordchina, Xinjiang) aus dem 8. oder 9. Jhd. n. Chr.

Der dualistische Urzustand

Wie die Lehre Zarathustras, lehrt der Manichäismus eine uranfängliche Existenz, zweier, einander entgegengesetzter Welten: das lichterfüllte Gottesreich und das materielle Reich der Finsternis. Sie äußern sich in der Natur als die Mächte von Gutem und Bösem. Beide existieren parallel, grenzen sich aber haarscharf von einander ab. Diese beiden Welten - die eine entstanden aus dem Urlicht, die andere aus der Urfinsternis - sind unbegrenzt, verhalten sich aber zueinander wie zwei unendlich große Halbkugeln, deren obere die Lichtwelt und deren untere die Welt der Finsternis ist. Den Rahmen der unendlichen Lichthalbkugel bildet der "Vater der Herrlichkeit". Er ist das übersinnliche Urbild, was man sich als das Himmelsgewölbe der Erde denken kann. Ebenso ewig wie der Vater der Herrlichkeit, ist der Lichtäther das Urbild des irdischen Luftraums, und die Lichterde, das übersinnliche Urbild der Erdscheibe. Sie bilden gemeinsam mit dem Vater der Herrlichkeit eine Dreiheit, die rein geistiger Natur, übersinnlich und ewig ist. Diese drei Teile besitzen besondere Attribute:

  • Das Geistige Leben des Vaters der Herrlichkeit ist gekennzeichnet durch Sanftmut, Wissen, Verstand, Geheimnis und Einsicht. Die Attribute seines reinen Geistes sind Liebe, Glaube, Treue, Altruismus und Weisheit.
  • Die Attribute des Lichtäthers sind identisch mit dem geistigen Leben des Vaters der Herrlichkeit.
  • Die Attribute der Lichterde sind der Lufthauch, Windeswehen, Licht, Licht-Wasser und das Himmelsfeuer.

Die Lichterde entspricht dem übersinnlichen Lichtpararadies, dem ein ewiger Lichtgott vorsteht. Er ist von 12 Wesen umgeben - Urbildern der 12 Tierkreiszeichen.

Entsprechend der Dreiheit des Lichtreichs, existiert eine Dreiheit der Finsternis. Darin steht dem Vater der Herrlichkeit gegenüber der "König der Finsternis": Cheschucha.

Der König des Rauches der herausgekommen ist aus der Tiefe der Finsternis, der welcher er ist, der Anführer der gesamten Schlechtigkeit und der Bosheit. Der Anfang der Anzettelung des Krieges geschah durch ihn; alle Kämpfe, die Schlachten, die Gefahren, die Niederlagen, die Ringkämpfe. Jener erregt Gefahren und Kriege zusammen mit seinen Welten und seinen Kräften. Alsdann kämpfte er mit dem Licht.

- Aus dem Kephalaia

Gegenstück zum Lichtreich bildet die Geistesmacht der Finsternis - Humama. Diese Macht ist in etwa vergleichbar mit der babylonischen Tiamat - dem Ungeheuer das aus dem finsteren Urmeer des Chaos entstand.
Schließlich entspricht der Lichterde in der Dunkelwelt, die "Erde der Finsternis" - die "kosmische Hölle". Auch diese Dreiheit hat ihre Attribute:

  • Der König der Finsternis besteht aus Gifthauch, Glutwind, Dunkel, Nebel und Höllenfeuer.
  • Die Attribute der Geistesmacht der Finsternis entsprechen den Attributen ihres Königs.
  • In der Erde der Finsternis brodeln giftige Quellen, dort wehen Rauchwolken und an finsteren Abgründen sind Sümpfe und dort lodern Flammensäulen.

Aus diesen Elementen der Finsternis ging nun als "Urteufel" der Satan hervor.

Was den Archonten, den Führer aller Mächte der Finsternis anbetrifft, so befinden sich fünf Gestalten an seinem Körper entsprechend der Gestalt der Merkmale der fünf Geschöpfe, die sich in den fünf Welten der Finsternis befinden. Sein Kopf hat das Gesicht eines Löwen, der aus der Welt des Feuers entstanden ist, Seine Flügel und seine Schultern haben ein Adlergesicht entsprechend der Gestalt der Söhne des Windes. Seine Hände und seine Füße sind Dämonen entsprechend der Gestalt der Söhne des Windes. Sein Bauch und sein Gesicht eines Drachen entsprechend, der Gestalt der Söhne der Welt der Finsternis. Sein Schwanz hat die Gestalt des Fisches, der gehört zu der Welt der Söhne des Wassers. Diese fünf Gestalten befinden sich an ihm, die, welche entstanden sind aus den fünf Geschöpfen, der fünf Welten der Finsternis.

- Aus dem Kephalaia

Der Satan wagte es bis zu den finstern Lichtbezirken vorzudringen, was zur Erschütterung der Lichterde führte. So sah sich der König des Lichtparadieses veranlasst einen neuen Äon hervorzubringen: die Mutter des Lebens. Unter dem Einfluss der fünf geistigen Attribute (siehe oben) und den 12 Herrlichkeiten, kam durch sie der "Urmensch" in die Welt (der entspricht dem Adam Kadmon der Kabbala). Er wurde zum Kampf gegen den König der Finsternis ausgestattet, mit den fünf Elementen der Lichterde. Nun traf er an der Grenze zwischen Lichtreich und dem Reich der Finsternis, auf den Satan, begleitet von den 12 Archonten (Dämonen). Doch der Satan und die Archonten besiegten ihn, und raubten ihm einen Teil seines Lichts. Doch auf ein siebenmaliges Stoßgebet, sendete ihm der Vater des Lichtreichs die "Lichtfreunde", mit denen gemeinsam er letztlich den Satan besiegte und die Archonten gefangennahm.

Die Söhne des Lichts führten fünf Kriege mit den Söhnen der Finsternis. Die Söhne des Lichts bezwangen die Söhne der Finsternis in ihnen allen. Der erste Krieg ist der des Urmenschen, des Lebendigen, den er geführt hat mit dem König des Reiches der Finsternis und allen Archonten, die aus den fünf Welten hervorgekommen waren. Er stellte ihnen nach mit seinem (Fischer)Netz, welches die Lebendige Seele ist. Er schloss sie ein wie Fische (mit einem Netz).

- Aus dem Kephalaia

Der Demiurg Satan

Die Entstehung der Welt im Manichäismus

Die "Drei Söhne des Lebensgeistes" (Freunde der Lichter) töteten die 12 Archonten. Aus ihren astralen Häuten formte die Mutter des Lebens das Himmelsgewölbe über der Erde, was die 12 Sternbilder wurden. Je mehr Licht einer der Archonten dem Urmenschen entzogen hatte, desto heller leuchten die Sterne, die dem Himmelbereich seiner Haut entsprechen.

Im Kampf vermischten sich nun die fünf Licht-Attribute mit den fünf Attributen des finsteren Satans. Hieraus entstanden fünf materielle Elemente:

  • Lufthauch und Gifthauch ergaben die irdische Luft,
  • Windeswehen und Glutwind den irdischen Wind,
  • Licht und Dunkel zusammen die Metalle,
  • Licht-Wasser und Nebel bildeten das irdische Wasser und
  • Himmelsfeuer und Höllenfeuer vermischten sich zum irdischen Feuer.

Aus ihnen entstanden die nützlichen, wie auch die schädlichen Wirkungen von Himmlischem und Höllischem, von Gutem und Bösem, von Lichtem und Dunklem.

Nun befahl der König des Lichtreichs einem Engel - dem Demiurgen - die Erde zu bilden. Das Licht, das in dieser Welt an die Materie gebunden ist, nannte Mani die "Lichtseele". Sie entspricht dem Leiden unterworfenen Jesus.

Der Ort an den sich die Lichtseele und das Gebet begeben

Zweck des gesamten Weltprozesses ist es nun, das in die Materie eingeschlossene Licht zu befreien. Diesem erhabenen Zweck dienen Gott, die Sonne, der Mond und die 12 Sternbilder. Alle anderen Himmelskörper waren für die Manichäer Dämonen.

Die Lichtseelen, die sich aus der Körperlichkeit entrungen haben, wie auch die Gebete die über die Lippen gesprochen wurden, kehren zu ihrem Ursprung zurück. Den Sternbilderkreis nannte man das "Schöpfrad mit den 12 Eimern", woraus die im Lichtmeer befindlichen Seelen und Gebete, gemäß dem Schicksal ihrer Besitzer, "geschöpft" werden. Diese noch nicht völlig von ihrer Materialität befreiten Licht-Elemente, werden durch die 12 Sternbilder dann zunächst zum Mond gebracht - dem Ort der Lichtjungfrau - der Mutter des Lebens (siehe oben). Vom Mond gelangen diese Elemente zur Sonne - dem Wohnsitz des Lebensgeistes, des Urmenschen und seiner Lichtfreunde. Schließlich werden die Lichtseelen und die gesprochenen Gebete, zum höchsten Licht gebracht (vergl. Zentralsonne). Dort werden die Lichtelemente abgesondert und absorbiert, und die "materiellen Schlacken", werden in den tiefen, um die Welt gezogenen Graben, hinabgeworfen.

Mani sagte, dass es der oben erwähnte Urmensch sei, dem die Haupttätigkeit in diesen Vorgängen zufällt. Er ist der "Vollender der Entsündigung", weshalb ihn die abendländischen Manichäer den "Jesus impatibilis" nannten: den "leidensbaren Jesus". Jesus wird im Übrigen ja auch der "wahre Adam" genannt, womit ein Hinweis auf diesen Ur-Menschen gegeben ist.

Was aber geschieht mit den übrigen Archonten, die sich außerhalb der 12 Tierkreiszeichen befinden? Schließlich raubten auch sie dem Urmenschen das Licht. Hierzu, so Mani, erschien ihnen eine Lichtgöttin, die die Lichtfunken befreite. Das freigelassene Licht konnte nunmehr geläutert werden. Zum gleichen Zweck erschien den weiblichen Archonten ein männlicher Lichtgott.

Die Rolle des Menschen

Die Archonten strebten danach, ihr geraubtes Sternenlicht, das ihnen Einfluss auf die Erdenwelt gab, aber mit allen Mitteln für sich selbst zu behalten. Einer der Archonten - Sindid, der "Gewaltige" - kam zu der Erkenntnis, dass, wenn möglichst viel von diesem Sternenlicht in einem Individuum aufgespeichert sei, man ihm dieses Licht entziehen könnte. Das versuchte er dadurch zu erreichen, dass er sich mit fünf anderen Archonten - der Brunst, der Hast, der Habgier, der Lust und der Sünde - vereinigte, woraus Kinder geboren wurden, die er alsdann verschlang (wie der griechische Kronos). Denn diese Kinder hatten den Archonten eine große Menge Lichts entzogen. Danach paarte er sich mit seiner Frau und es kam ein Wesen zur Welt, das alle Eigenschaften dieser sieben Hauptarchonten in gesteigertem Maße besaß: Adam - der erste Erdenmensch. Sein materieller Körper, von den Elementen der Finsternis stammend, gehört zum Reich der Finsternis. Seine Seele aber gehört dem oberen Lichtreich an - denn sie wurde dem Urmenschen (vergl. Adam Kadmon) einst geraubt. Darum stehen auch im Menschen Licht und Finsternis in absolutem Gegensatz. Der erste Mensch Adam erhielt den größten Teil dieses spirituellen Lichts. Bei ihm überwog der lichte Anteil gegenüber seiner finsteren Körperlichkeit. Das Selbe gilt für das zweite Wesen, das Sindid zeugte: Chawa (Eva). Zwei Archonten wurden von Sindid dafür vorgesehen, dieses erste Menschenpaar zu bewachen.

Die fünf lichten Schutzengel der Erdenwelt sahen nun, dass in den beiden neuen Lebewesen das geistige Licht durch die "Finsternis des Körpers" begrenzt wurde. Sie baten daher die Mächte des Lichtreichs (darunter der Lebensgeist, die Mutter des Lebens), dem in den Banden der Sinnlichkeit schmachtenden Menschenpaar einen Erlöser zu senden. So wurde der Äon Isa gesendet, der die beiden Wächter fesselte und dann den Menschen zeigte, aus was ihr Leib zusammengesetzt ist: Licht und Finsternis. Isa zeigte ihnen wie sie das an ihren Körper gebundene Licht erlösen konnten. Chawa näherte sich ihr Erzeuger Sindid und sie gebar ihm den Kain (diese Überlieferung ähnelt der Tempellegende der Freimaurer), mit dem sie wiederum den lichten Abel und zwei Mädchen zeugte: die "Weltweise" und die "Tochter der Habgier". Letztere wurde selbst zur Frau ihres Vaters Kain, die erstere bekam den Bruder Abel. Sie aber wurde nicht von Abel geschwängert sondern von einem Engel, und gebar die beiden Töchter "Kommzuhilfe" und "Bringehilfe". Als nun Abel den Kain für den Vater der Kinder hielt und dafür kritisierte, tötete ihn Kain und heiratete dann auch noch seine Tochter "Weltweise".

Dieses Inzestmotiv ist alt-orientalischen und vorchristlichen Ursprungs, denn es taucht ebenso auf im jüdischen Midrasch Bereshit Rabba, wo Kain seinen Bruder erschlägt, wegen ihrer beiden Schwester Naëmah.

Die manichäische Erzählung fährt nun damit fort, dass die Chawa mittels eines von Sindid gelernten Zaubers, die Zuneigung Adams gewinnt und ihm den Schathil (= Seth, vergl. Genesis 4:25, dritter Sohn von Adam und Eva) gebiert. Er besitzt mehr Lichtelemente als es von Sindid und Chawa eigentlich geplant war. Sie versuchten darum das Kind zu töten. Adam rettete es aber mit Hilfe eines, aus einem Gebet niedergesanden Licht-Äon. Später trennte sich Adam von Chawa und begab sich mit seinem Sohn Seth in den Osten - "der Welt wo Licht und Weisheit sind". Dort starb er und gelangte alsdann zum Paradies der Lichterde (zwischen diesem Ort und der Erde, soll sich angeblich der Priesterkönig Melchisedek von Salem befinden, als Hüter des vom Guten und Bösen des MakrokosmosAdamgrabes).

Der Mensch steht im Weltprozess auf dem Kampfplatz der Dämonen der Finsternis und den Engeln des Lichtreiches. Manis Lehre zielte hin auf eine Wiederherstellung des ursprünglichen, paradiesischen Zustandes, wo dann das "Böse Prinzip" dem Guten machtlos gegenüberstehen wird. Bei diesem kosmischen Erlösungprozess, kommt dem Menschen eine große Rolle zu: durch seine Vernunft hat er, in einem Erkenntnisakt, die Verstrickungen der Lichtkräfte im finsteren Reich der Materie (Hyle) zu durchschauen. So ist der Mensch beteiligt als Mikrokosmos, im Kampf von Gutem und Bösem im Makrokosmos. Es ist des Menschen Aufgabe dabei die in der Materie eingeschlossenen "Lichtteile" zu befreien. Was dabei erlöst wird ist nach Ansicht der Manichäer Gott selbst, denn für sie war die menschliche Seele substantiell mit Gott gleich und damit ein Teil seines göttlichen Lebenslichtes. Es ist hiermit der himmlische Lichtfunke gemeint, der den menschlichen Körper bewohnt.

Ihr Geheiligten, sorgt euch nicht, so ihr in Einklang seid mit Mani, unserem Vater, dem Paraklet (der "Tröster"). Alle göttlichen Wesen ruhen konzentrisch ineinander, ihr Himmelsmenschen. So achtet darauf, dass ihr keinen Zweifel pflanzt in euer Denken, sondern einzig Friede in eure Tat. Ihr Geheiligten, die ihr dem Gesetz Gottes nahe seid, achtet darauf - in drei Dingen ruht Vollkommenheit: im heiligen Gesetz, in der Weisheit und in der Liebe. In diesen dreien sind alle Menschen, die aus Gott sind, vollkommen.

- Ausspruch des Mani

Gebote und Verbote der Gläubigen

Um diese göttlichen Lichtfunken aus der stofflichen Welt zu erlösen, dafür musste sich ein Angehöriger der Religion Manis verantworten. Sein Handeln in dieser Welt zog besondere Konsequenzen nach sich. So war ihm geboten bestimmte Dinge zu unterlassen, was letztendlich den asketischen Charakter der manichäischen Religion unterstreicht.

Den Manichäern war zwar die Mission der Verbreitung ihres Glaubes eine Pflicht, doch es kam ihnen nicht so sehr darauf an wie viele Anhänger die gewinnen konnten, sondern wie viele gute Gemeindemitglieder sie zählten. Unter ihnen gab es die "Vollkommenen" und die "Hörer". Die Vollkommenen hatten Gebote zu befolgen, die als die "drei Siegel" zusammengefasst sind:

  • Das Siegel des Mundes gebot zur Enthaltung von Fleisch, Blut und Alkohol und untersagte das Fluchen.
  • Das Siegel der Hände verbot jedes gegen die göttliche Lichtwelt gerichtete Handeln.
  • Das Siegel des Busens forderte geschlechtliche Enthaltsamkeit.

Die strikte Befolgung solcher Gebote war natürlich nur als ein Mönch unter den Vollkommenen möglich. Darum gab es neben diesen strengen Geboten auch etwas abgeschwächtere zehn Pflichten, die für die Hörer galten:

  • Verbot des Götzendienstes,
  • Verbot des Lüge,
  • Verbot des Habsucht,
  • Verbot jeglichen Tötens,
  • Verbot der Unzucht,
  • Verbot des Stehlens,
  • Verbot des Betrügens und der Verleitung dazu,
  • Verbot der Zauberei,
  • Verbot der Heuchelei,
  • Verbot religiöser Gleichgültigkeit.

Anders als den Vollkommenen, war den Hörern der Genuß von Fleisch und Wein gestattet. Sie durften Kinder zeugen, Handel und Gewerbe treiben und öffentliche Ämter bekleiden. Man riet ihnen jedoch keine Häuser zu bauen und auch keine Bäume zu pflanzen, weil solches Handeln sie zu sehr an diese Welt und ihr Treiben fesseln würde.


Der Manichäismus lieferte seinen Gläubigen nicht nur Gebot und Moral, sondern auch, und vor allem, ein absolutes Wissen, dass ihnen half totale Erkenntnis (Gnosis) zu erlangen. Dieses Wissen führt, so die Manichäer, unvermeidlich zum Heil eines Gläubigen. Es gleicht einer Bestandsaufnahme und einer Erfragung aller wichtigen Einzelheiten, zur Rolle des Menschen und des in seinem Körper eingeschlossenen göttlichen Lichtfunken. Der Eingeweihte erkennt sein wahres Selbst als diesen göttlichen Lichtfunken - als Lichtteilchen des Allgottes im Lichtreich. So sind Gott und Seele also vom selben Licht. Nur die Unwissenden kennen diese Wahrheit nicht. Darum bleibt bei ihnen dieses Licht im Körper gefangen.

Im religiösen System Manis wurde das Drama der Seele und ihr Aufstieg zum universalen Leben, eingehend und plausibel erklärt. Auch die damals lebenden Menschen konnten es verstehen. Niemand musste ihnen geheimnisvolle Gleichnisse erklären, sondern verstanden die Vorgänge im Kosmos direkt. Sie sahen ihre Absichten, wie auch die der rein geistigen Wesen, als Teil eines großen göttlichen Plans - eines höheren Gesetzes, zu dessen Erfüllung sie beitragen konnten.

Die Freude ist gekommen, der Sommer gibt seinen Duft von sich. Öffnet die Tore, entzündet die Lampen. Das Schiff hat angelegt. Das Schiff ist das Gebot. Lade ein dein Gut. Segle mit frischem Wind. Wir haschen nach jedem Augenblick, doch wir vergeuden jeden Tag, denn wir wissen nicht den Augenblick wo alles still wird. Wo sind nur alle Menschen? Sie haben Abschied genommen. Sie sind fort gegangen. O dieses große Wunder, dieses Staunen, das den Menschen erfasst hat. Sie rennen, sie stürmen voran, doch sie eilen umsonst. Viele von ihnen starren in die Ferne, doch vor uns, in uns, liegt ein allgegnwärtiger Tag. Die Wunder sind gekommen und ziehen vorüber. Die Zeichen erfüllen sich. Lasst die weiße Taube in ihr Leben und setz ihr nicht die Schlange vor. Das Königreich ist Liebe - die weiße Taube.

- Ausspruch des Mani

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