Eros

Metaphysik des Eros

Metaphysik des Eros

Gehen wir in der Zeit noch einmal einige Jahre zurück. Da ist die Rede von einem Trinkgelage im Hause des Tragödiendichters Agathon, von einem Gastmahl, worüber Platon in seinem »Symposion« schrieb. Sein Gastgeber, der in der Erzählung als junger Schriftsteller auftritt, hatte tags zuvor einen Dichter-Wettbewerb gewonnen. Dies wollte er mit seinen Freunden feiern, die er zu diesem Gastmahl einlud. Auch Sokrates zählte zu den Gästen, der in Platons Symposion die Hauptfigur ist.

In diesem Text lässt Platon den Bildhauer Apollodoros erzählen, über die da gehaltenen Reden, Dialoge und das allgemeine Geschehen dieser Zusammenkunft. Als Gäste sind, neben anderen, außerdem anwesend Aristodemos, einer der eifrigsten Anhänger des Sokrates, der Arzt Phaidros, der in Platons gleichnamigen Werk ein fiktives philosophisches Gespräch mit Sokrates führte, wie auch der Komödiendichter Aristophanes. Als einzige Frau anwesend ist die von Zeus geehrte, weise Frau aus Mantineia in Arkadien: Diotima – eine Kunstfigur, die Platon im Gastmahl nicht direkt auftreten lässt. Denn Sokrates erzählt im Symposion davon, wie er durch sie belehrt wurde über die Bedeutung des Eros.

Wie auch sonst sollte Sokrates, auch in diesem Treffen, mit seinen Schülern und Freunden, das Thema des Abends bestimmen – weniger aber durch besondere Argumentationen, als vielmehr durch eine, sagen wir, seelische Schönheit, die die Bewunderung seiner Zuhörer auf sich zog – ja sogar ihre Liebe zu ihm befeuerte. Sokrates' Vorbildfunktion dabei, als idealer Philosoph, hat eine so starke Wirkung auf seine Schüler, dass sie ihn gar erotisch attraktiv erscheinen lässt, ganz gleich ob Sokrates nun körperlich dem Schönheitsideal seiner Zeit entsprach oder nicht.

Sokrates schlug im Symposion vor, dass jeder eine Rede in der Tradition der Aphrodite halten könne. Und diese Aphrodite, welche die Römer Venus nannten, war die schaumgeborene Göttin der Liebe. Doch Aphrodite ist mehr als das. Es scheint nämlich eigentlich zwei Figuren zu geben, die ihren Namen tragen:

Die eine ist ja die ältere und mutterlose, die Tochter des Uranos, welche wir deshalb bekanntlich auch die »himmlische« nennen; die jüngere aber ist die Tochter des Zeus und der Dione, welche wir ja als die »irdische« bezeichnen. Notwendigerweise muss nun danach der Eros, welcher der Gehilfe der letzteren ist, auch der »irdische« heißen, der andere aber der »himmlische«.

- Aus Platons Symposion

Und dieser Uranos des griechischen Sagenkreises, der vergöttlichte Himmel, wurde zum Vater der Aphrodite. Sein Sohn Kronos schnitt ihm mit der Sichel das Glied vom Leibe, das sodann vom Himmel ins Meer fiel. Aus dem da so aufbrausenden Schaum erstand nun die Aphrodite, die man seither »die Schaumgeborene« nennt.

Dieser Schaum meint jedoch mehr, als was man sich im Mythos angedeutet, darunter vielleicht vorstellt: Seine Erscheinung ist eine Metapher für zwei, die gemeinsam den Liebesakt erleben, wo, wie man sagt, das Blut beginnt aufzuschäumen. Doch auch der Redefluss der Teilnehmer dieses Gastmahls war aufschäumend, wenn sie eifrig tranken, begeistert im Rausch über die Lüste diskutieren und übereinander scherzten. All das findet in der Horizontalen, auf Bastmatrazen statt, wo man isst und säuft. Und nicht etwa nur wird da über die Leidenschaften gesprochen, die einer mit Frauen hat. Auch sich mit Männern leidenschaftlich zu vergnügen, war den griechischen Philosophen nicht fremd. Eros ist eben eine Kraft die viel bewirkt: Gutes – doch viel zu oft auch Schlechtes. So wie ja auch der Gott Eros aus Himmel und Erde geboren, als Schlange aus dem göttlichen Ur-Ei entweicht, als jene Kraft, die seither verzweifelt versucht, den Urzustand der Ganzheit wiederherzustellen, der vor der Trennung in Himmel und Erde gewesen ist. Doch es scheint da, in allem was seither sich zu vereinigen sehnt, eine Urahnung lebendig zu sein, die diesen Grundzustand der Weltentstehung wieder herstellen will – doch gleichzeitig ahnend, dass dies sich nur augenblicklich erfüllen lässt: im Impuls höchster Erregtheit.

Als nun so ihr Körper in zwei Teile zerschnitten war, da trat jede Hälfte mit sehnsüchtigem Verlangen an ihre andere Hälfte heran, und sie schlangen die Arme umeinander und hielten sich eng umschlungen und waren voller Begierde wieder zusammenzuwachsen […]. Und wenn etwa die eine von beiden Hälften starb und die andere noch übrig blieb, dann suchte diese sich eine andere und umschlang diese, mochte sie dabei nun auf die Hälfte eines ganzen Weibes, also das, was wir jetzt Weib nennen, oder eines ganzen Mannes treffen, und so gingen sie zugrunde.

Da erbarmte sich Zeus und erfand einen andern Ausweg, indem er ihnen die Geschlechtsglieder nach vorne versetzte; […] So verlegte er sie also nach vorne und bewirkte dadurch die Erzeugung ineinander, nämlich in dem Weiblichen durch das Männliche, zu dem Zwecke, dass, wenn dabei ein Mann auf ein Weib träfe, sie in der Umarmung zugleich erzeugten und so die Gattung fortgepflanzt würde; […] Seit so langer Zeit ist demnach die Liebe zu einander den Menschen eingeboren und sucht die alte Natur zurückzuführen und aus zweien eins zu machen und die menschliche Schwäche zu heilen.

Jeder von uns ist demnach nur eine Halbmarke von einem Menschen, weil wir zerschnitten, wie die Schollen, zwei aus einem geworden sind. Daher sucht denn jeder beständig seine andere Hälfte.

- Aus Platons Symposion

Seitdem also sind wir Menschen auf der Suche nach dem Anderen, sehnen uns geliebt zu werden und wünschen uns zärtliche Zuneigung. Unser Ziel nämlich ist, diesen ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.

Was mit dem Titel auf eine Metaphysik des Eros hindeutet, behandelte Platon in seinem Symposion, aus dem wir soeben das Zitat lasen. In diesem Werk behandelt er die Themen der Liebe, der Erotik und zuletzt auch was man Wahrheit, woraus sich im Grunde das Ideal der Liebe kristallisiert.

Wenn hier aber die Rede ist von »Eros«, so meint dieser Name den griechischen Gott der Liebe, einen wohltätigen und großen Gott, der so vielen Dichtern zu all den Lobliedern auf die Liebe verhalf.

Die Kraft des Eros gebiert jedoch sowohl das Eine wie das Andere, bringt sowohl himmlische wie auch irdische Ekstase zur Welt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eros als nur schön und würdig empfunden wird. Insbesondere im Übermaß resultiert aus sinnlicher Liebe nur Verzweiflung, denn da kann sie nicht mehr befriedigt werden und wird zur Sucht, führt zu Abhängigkeit. Es ist damit wie mit allen Lüsten die, wurde von ihnen zu viel gekostet, nur zum Gegenteil beitragen – sei es der Genuss guten Essens, die Freude am Rausch oder die erotischen Leidenschaften. Alle die nicht genug kriegen können, werden an den Rand des physischen und psychischen Kollapses gedrängt.

Einer der berühmten Sprüche im Orakel-Tempel zu Delphi ermahnt: Gnothi seauton – Nichts im Übermaß. In der Mäßigkeit liegt der Schlüssel zu wahrem Glück.

Auch wenn die Teilnehmer des Gastmahls keine Kinder von Traurigkeit waren und um die ungeheuere Kraft des Begehrens wussten, war ihnen dennoch klar, wie wichtig es ist gesund zu bleiben. Wer darum in seinem Leben länger von den Genüssen der Welt kosten will, muss sie eben in vernünftigem, mäßigem Rahmen genießen. Das Bild das uns Platon über die Eltern des Eros gibt, Poros – der Gott des Reichtums – und Penia – die Göttin der Armut –, deutet an was man als einen Weg der Mitte bezeichnen könnte:

Als nämlich Aphrodite geboren war, hielten die Götter einen Schmaus, und mit den anderen auch Poros, der Sohn der Metis. Als sie aber gespeist hatten, da kam Penia, um sich etwas zu erbetteln, da es ja festlich herging, und stand an der Türe. Poros nun begab sich, trunken vom Nektar, denn Wein gab es damals noch nicht, in den Garten des Zeus und schlief in schwerem Rausche ein. Da macht Penia ihrer Bedürftigkeit wegen den Anschlag, ein Kind vom Poros zu bekommen: sie legt sich also zu ihm hin und empfing den Eros.

Deshalb ist Eros der Begleiter und Diener der Aphrodite, weil er an ihrem Geburtsfeste erzeugt ward und zugleich von Natur ein Liebhaber des Schönen ist, da ja auch Aphrodite schön ist. Als Sohn des Poros und der Penia nun ist dem Eros folgendes Los zuteil geworden: Erstens ist er beständig arm, und viel fehlt daran, dass er zart und schön wäre, wie die meisten glauben, sondern er ist rau und nachlässig im Äußern, barfuß und obdachlos, und ohne Decken schläft er auf der bloßen Erde, indem er vor den Türen und auf den Straßen unter freiem Himmel übernachtet, gemäß der Natur seiner Mutter stets der Dürftigkeit Genosse.

Von seinem Vater her aber stellt er wiederum dem Schönen und Guten nach, ist mannhaft, verwegen und beharrlich, ein gewaltiger Jäger und unaufhörlicher Ränkeschmied, der stets nach der Wahrheit trachtet und sie sich auch zu erwerben versteht, ein Philosoph sein ganzes Leben hindurch, ein gewaltiger Zauberer, Giftmischer und Sophist; und weder wie ein Unsterblicher ist er geartet noch wie ein Sterblicher, sondern an demselben Tage bald blüht er und gedeiht, wenn er die Fülle des Erstrebten erlangt hat, bald stirbt er dahin; immer aber erwacht er wieder zum Leben vermöge der Natur seines Vaters; das Gewonnene jedoch rinnt ihm immer wieder von dannen, so dass Eros weder Mangel leidet noch auch Reichtum besitzt und also vielmehr zwischen Weisheit und Unwissenheit in der Mitte steht.

- Aus Platons Symposion

Eros also vereint in sich zwei Extreme. Was in diesem Zusammenhang aber Armut meint, ist, dass jemand bedürftig nach Liebe, zu wenig davon hat. Sein oder ihr Reichtum ist der Liebe teilhaftig zu werden, die sie oder er für jemanden empfindet, der sie wiederum erwidert. Eros' Reichtum ist unermesslich reich, denn er bereichert alle Menschen. Aber ist er auch, wie der Gott Hermes, ein Mittler zwischen Himmlischem und Irdischem, zwischen Gott und Mensch. Und als solchen nannte man ihn im alten Griechenland einen Daimon1. Was das ist sehen wir uns später noch genauer an.

Was Eros als solch Daimon in den Menschen durch seine Kraft zu entfachen vermag, galt den alten Griechen als Gefühl einer Zeitlosigkeit und Unendlichkeit, wo sich unser seelisches Empfinden aus allen empfundenen Beschränkungen befreit und unsere körperliche Endlichkeit transzendiert.

Eros gibt dem Menschen die Möglichkeit die göttliche Ebene zu schauen, wenn zu Lebzeiten auch nur für die Dauer von Augenblicken. Aus aller Ignoranz und Unwissenheit entstiegen, erkennt er damit aber was Unendlichkeit bedeutet: das was die Seele im Tod vernehmen wird. Das Erlebnis des sexuellen Orgasmus jedoch, als »Kleiner Tod«, nimmt diese Erfahrung quasi vorweg – zumindest als ein Schmecken der Todeserfahrung. Ist das aber nicht ein Grund aufzumerken, wo der Orgasmus doch die Voraussetzung für neues Leben ist?

Diotima: Die weise Prophetin

Die innig-seelische Verschmelzung zweier Menschen, doch auch eines Menschen in seiner Liebe zu Gott, dass nennt man im Griechischen »Agape«. »Philia« ist die Freundschaft, die Zuneigung die man für andere Menschen oder auch für Dinge empfindet. Eros ist alles was jemand empfindet der sich in jemanden ver-liebt, ihm körperlich nahe sein will, ihn begehrt aus Lust und im Wunsch zur Verführung. Und genau die Liebe des Eros, war in diesem Gastmahl Sokrates Kern der Argumentation. Diotima nun, die Sokrates von der rechten Steuerung des erotischen Drangs erfahren lässt, spricht durch ihn auf dem Gastmahl als Daimon, über die Weisheit des Eros. Nicht aber, dass sie sich etwa seines Körpers bedient hätte, als vielmehr Sokrates mit seinen Freunden teilte, was Diotima ihn lehrte. Sie lässt ihn für sich sprechen lässt.

Doch, fuhr Sokrates fort, ich höre jetzt auf zu fragen, und teile euch ein Gespräch mit, das ich einst mit der Prophetin Diotima über Liebe gehalten habe. Ihr kennet dieses Weib, die nicht in der Philosophie der Liebe bloß, sondern überhaupt in allen Stücken große Einsichten hatte. […] Sie ist es, der auch ich meinen Unterricht in der Philosophie der Liebe danke. […] auch ich äußerte mich ihr gegenüber ungefähr auf ähnliche Weise, wie eben Agathon mir gegenüber, dass Eros nämlich ein großer Gott wäre und zu den Schönen gehöre […] sie (aber) widerlegte mich wiederum mit eben denselben Gründen, wie ich ihn, dahin, dass Eros […] weder schön noch gut sei. Ich aber hielt ihr entgegen: »Was soll das heißen, Diotima? Ist also Eros häßlich und schlecht?«

Diotima: »Ein wenig ehrerbietiger, wenn ich bitten darf! Meinst du, was nicht schön sei, das müsse notwendig hässlich sein?«

- Aus Platons Symposion

Sokrates geht also zu Anfangs davon aus, dass Eros ein Gott überirdischer Schönheit und nur so der Inbegriff der Liebe sein könne. Doch wie obiges Zitat zeigt, widerlegte Diotima seine Meinung und fügt hinzu:

[…] jeder Daimon macht ein Mittelwesen zwischen der Gottheit und dem Menschen aus.

- Aus Platons Symposion

Denn allein dafür ja existiert ein Daimon: Himmlisches an Irdisches weiterzugeben, Göttliche Offenbarung an den Menschen zu übermitteln.

Sie sind Dolmetscher und Unterhändler zwischen den Göttern und Menschen. Jenen überbringen sie die Bitten und Opfer der Letzteren; diesen aber die Befehle von den Ersteren und ihre Antworten auf die Opfer. Als Mittelwesen zwischen beiden, machen sie gleichsam das Band, durch welches das Universum zusammenhängt.

- Aus Platons Symposion

Kann Eros aber überhaupt ein Gott sein, als solch Mittelwesen? Zumindest zählt er nicht zu den Sterblichen, wie sich der alt-griechischen Theologie entnehmen lässt. Wenn er nun aber aus der Hierarchie des Göttlichen in die Menschenwelt vermittelt, kann es sich bei seiner Liebe keineswegs nur um Lust, Leidenschaft und körperliche Befriedigung handeln.

Doch um was dann?

Begehrt man einen Menschen nicht allein wegen der Schönheit seines Körpers, sondern hauptsächlich wegen seiner seelischen, tugendhaften Anmut, trifft man da auf das Edelste der erotischen Anziehungskraft. Da geht es dann um die rechte Lenkung des erotischen Dranges, eine »philosophische Steuerung« der Leidenschaft und demnach das, was man die Platonische Liebe nennt. Der Liebende sieht dann das Schöne in den Handlungen seines begehrten Gegenübers, dass sich in unzähligen besonderen Begebenheiten zeigt.

Der göttliche Eros ähnelt seinem Vaters Poros, einem der für alles Schöne und Gute leidenschaftlich kämpft, doch eben nicht ergeben oder untertänig, sondern:

[…] tapfer, kühn, beharrlich, (als) ein gewaltiger Jäger, ein unaufhörlicher Ränkeschmied, der stets nach der Wahrheit trachtet, erfinderisch im Besiegen einer Schwierigkeit; Philosoph sein ganzes Leben hindurch; ein gefährlicher Zauberer, Giftmischer […] und weder wie ein Unsterblicher ist er geartet noch wie ein Sterblicher, sondern an demselben Tage bald blüht er und gedeiht, wenn er die Fülle des Erstrebten erlangt hat, bald stirbt er dahin; immer aber erwacht er wieder zum Leben […]

- Aus Platons Symposion

Wenn Sokrates nun aber, durch Diotima beeinflusst, im Gastmahl behauptet, dass Eros also in Wirklichkeit gar kein Gott ist, sondern einem Engel gleicht, erschien das den Bürgern Athens wohl sicherlich als ungeheuerliche Behauptung. Eros war da doch ein Gott, den man nur zu gerne zur Rechtfertigung für die eigene Unfehlbarkeit zur Verantwortung zog. Jeglicher Ehebruch wurde wegen seines Wirkens legitimiert, schließlich hatte einen Eros überkommen, hatte einen listig heimgesucht. Für jeden Ehebruch musste er herhalten. Bei diesem Glauben dürfte man sich kaum wundern, dass sich einige für seine Heimsuchung sogar im Tempel bedankten. Und da nun kam dieser Sokrates daher und behauptete, dass dieser vollkommenste Gott des Schönen, in Wirklichkeit nur Medium dessen ist, worüber ein Mensch zur Mäßigung findet – etwas, dass man ihm, neben anderem, wie wir noch sehen werden, zu Lasten legte und ihn dafür aufs Unbarmherzigste verurteilte.

Sokrates führte seine Zeitgenossen damit also zu der Einsicht, dass menschliches Begehren in Wirklichkeit in der Verantwortung dessen liegt, der durch seine Leidenschaften getriebenen handelt. Eros erwuchs damit nicht von Außen oder vom Himmel auf den von Lüsternheit Überwältigten, sondern entstehe in ihm selbst, so dass er dieses Begehren auch zurückhalten kann. Denn wäre Eros vollkommen, also ein Gott, wäre ihm alles Streben fremd, da er ja bereits als solcher alles besäße und vollkommen reich wäre. Erotisches Begehren ist aber eher das genaue Gegenteil von Reichtum. Zu glauben man könne wie Reichtum auch erotische Befriedigung anhäufen: gleicht das nicht einer Illusion?

Niemand liebt was er bereits hat

Diotima lässt Sokrates wissen, dass Eros ein Freund der Weisheit ist, wenn sie sagt:

Unter den schönen Gegenständen ist Weisheit einer der vorzüglichsten. Eros ist ein Freund des Schönen; er muss folglich auch ein Philosoph sein. Als solch ein Freund der Weisheit aber muss er zwischen dem Weisen und dem Toren in der Mitte stehen. Ursache auch hiervon ist ihm seine Geburt: weil er nämlich einen weisen und reichen Vater, aber eine dürftige und unweise Mutter hatte. Dies ist also die Natur dieses Daimons.

- Aus Platons Symposion

Wer liebt, der besitzt nicht, sondern hat zum Geliebten ein Verhältnis, berührt es allemal. Verfügte man aber über das Geliebte, was in aller Welt bliebe da noch zu begehren?

Es geht um die Mäßigkeit, um den Mittelweg, um das was Eros uns eben als Mittler lehrt: uns zwischen Schönem und Unschönem, zwischen Begehrtem und Unerwünschtem, zwischen Erreichbarem und Unerreichbarem zu bewegen. So ist es doch auch mit denen die wir mögen, die wir lieben oder sogar begehren: Nach ihnen verlangt uns nur so lange, als dass wir sie nicht andauernd um uns haben. Und was hierfür gilt, dass trifft auch für die Weisheit zu: Sie lässt sich lieben, doch lässt sich nicht besitzen. Sobald wir sie in unserer Welt integrieren wollen, entflieht sie uns, denn die Weisheit lässt sich nicht festhalten und berührt nie den Boden unseres irdischen Daseins. Wir wollen sie erlangen, wollen nach ihr streben und uns ihr annähern. Doch wie töricht erschiene einer, der sie sein Eigen nennt?

Sokrates, ja eigentlich Diotima, ging es darum, bei der geistigen Liebe auf den Gedanken einer einzigen reinen Vorstellung zu achten, nämlich der Idee des Schönen.

Wenn also jemand [...] nun das Urschöne selbst zu erblicken beginnt, dann dürfte er seinem Ziele ziemlich nahe gekommen sein. Denn dies ist die richtige Weise sich den Liebesdingen zuzuwenden oder von einem anderen dort hingeführt zu werden, wenn man um dieses Urschönen willen von jenem vielen Schönen ausgeht und so stufenweise innerhalb desselben immer weiter aufsteigt, als ob man eine Stufenleiter verwendete: von einem schönen Körper zu zweien und von zweien zu allen, und von den schönen Körpern zu den schönen Bestrebungen, und von den schönen Bestrebungen zu den schönen Erkenntnissen, bis man innerhalb der Erkenntnisse zu schließlich jener Erkenntnis kommt, die von nichts anderem als von jenem Urschönen selber die Erkenntnis ist, und so schließlich das allein wesenhafte Schöne erkennt.

- Aus Platons Symposion

Die höchste Stufe dieses Aufstiegs erreicht jener, der das ultimativ Schöne schaut. Nicht aber etwa wie es ihm in Gestalt einer schönen Frau oder eines schönen Mannes entgegentritt, oder anders geartetem Schönen, sondern als Urprinzip, das in allem Schönen wirksam ist. Wem so widerfährt, der wird das Schöne in seiner reinsten Form anbeten wollen.

Für Sokrates drückte sich in der Liebe das Verlangen des Menschen nach Unsterblichkeit aus. Verbrächte einer sein Leben vollkommen allein, ohne je mit anderen Menschen in Kontakt zu sein, wäre er einer, den man durchaus als »Weltverlorenen« bezeichnen könnte. Vom ungeheueren Reichtum des Lebens aber, dass er im Zusammensein mit den anderen erlebt, würde er niemals erfahren.

Eros dabei steht für die unerschöpfliche, ununterbrochen zischende Energiequelle, aus der der Strom von Leben und Liebe hervorsprudelt. Wer aus ihr zu schöpfen vermag, der wird zum wahren Schöpfer, der im Stande ist das Schöne zu erschaffen, zu erzeugen.

Alle Menschen nämlich tragen Zeugungsstoff in sich, körperlichen sowie geistigen, und wenn wir zu einem gewissen Alter gelangt sind, so strebt unsere Natur zu erzeugen.

- Aus Platons Symposion

 

Die verschiedenen Aspekte des Liebens

von S. Levent Oezkan

Welches Wort unserer Sprache wurde so oft interpretiert wie das Wort Liebe? Und wohl kaum ein anderes ist Quelle so vieler Missverständnisse. Dieses kleine Wort ist in sich schon ein Widerspruch: mal ist es ein Heilmittel - ein andermal schmerzende Sehnsucht!

Liebe erstreckt sich sogar noch über sehr viel mehr Ebenen unserer emotionalen Existenz. Sie ist sogar noch mehr als eine Emotion.
Liebe ist eine Eigenschaft göttlichen Bewusstseins, der die alten Griechen drei Namen gaben: Agape - die geistige Liebe, Philia - freundschaftliche Liebe der Seele und Eros - die körperliche Begierde.

Höchste Form der Liebe ist Agape. Was im deutschen Sprachgebrauch üblicherweise mit dem Begriff Liebe verbunden wird, hat mit Agape aber nichts zu tun. Agape übertrifft die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Sie ist eine Liebe Gottes wie sie etwa durch Jesus Christus zu den Menschen kam. Wenn wir uns auf metaphysischer, spiritueller Ebene mit unseren Mitmenschen verbinden, so wirkt die Agape. Sie ist eine nicht fordernde, selbstlose Liebe.
Agape war was Jesus forderte mit den Worten: "Liebet eure Feinde".

Die Liebe (Agape) ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird.

- "Hohelied der Liebe", 1. Korinther 13:4-8

Philia ist eine Liebe gegenseitigen, freundschaftlichen Interesses. Je nachdem wie unser Gegenüber auf uns reagiert, lieben wir einen Freund, eine Freundin.
Wer seinem Lebenspartner gibt, der bekommt auch zurück. Philia hängt davon ab, was der Partner einem geben kann und was sich aus beiderseitigem Vergnügen und Anerkennung ergibt. Doch wie wohl jeder weis, hat auch dieses Geben seine Grenzen. Die Reaktionen eines Liebespartners nehmen allmählich ab - man gewöhnt sich aneinander. Geliebt wird solange man etwas vom Partner bekommt: Sex, Schönheit, Versorgung, Treue, usw. Wenn eine Partnerschaft fortbestehen will, muss in der Neigung zu Lieben, in Philia, die Agape wachgerufen werden.

Eros nun hebt sich von Agape und Philia stark ab. Wenn Agape die bedingungslose, gebende, reine Liebe ist und Philia die Liebe gegenseitigen Gebens, so ist im Eros heißes Verlangen. Wie ein Dämon nimmt Eros Besitz vom Menschen.
Bei den Orphikern war Eros eine kosmische Macht, die während der Trennung von Himmel und Erde entstand. Im Chaos bildete sich das Ur-Ei, was sich hernach in eine untere und eine obere Hälfte spaltete:

  • Gaia die Erde und
  • Uranos der Himmel.

Während dieser Trennung entwich als leuchtende Schlange der brennende Eros (auch Phanes oder Dionysos genannt), der seither versucht die beiden Urglieder Erde und Himmel wieder zu einen - was eine Allegorie ist auf die Vereinigung von Frau und Mann.
So ist Eros auch die kosmische Gewalt die im Menschen-, Tier- und Pflanzenreich herrscht. Für die alten Griechen bewirkte alleine Eros das Weiterleben in der Natur. Damit lagen sie wohl auch nicht falsch.

Orphisches Ei - ewigeweisheit.de

Das Orphische Ei

Altgriechische Dichter empfanden den Eros als übermenschlich - mal göttlich, mal dämonisch. Sie betrachteten ihn unter zwei Gesichtspunkten:

  • Als kosmische Macht die an der Weltentstehung beteiligt war.
  • Als göttliche Macht die auf das menschliche Gemüt einwirkt.

In seinem dämonische Aspekt ergreift Eros den Menschen, beraubt ihn seiner Vernunft, seiner Besonnenheit und Selbstbeherrschung. Selbst den unerschütterlichen Gleichmut eines Weisen lässt Eros erbeben. So kann auch ein vernünftiger Menschen plötzlich irrational handeln.
Genau wegen dieser Eigenschaft, fordert Eros von den Menschen Respekt. Wer stets Eros' dämonische Macht ignoriert, verfällt seinem erotischen Wahn, während sein Körper degeneriert.

Agape, Philia und Eros deuten auf die Liebesenergie, die zwischen polaren Gegensätzen wirkt: zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott, zwischen Frau und Mann, usw.

Wahrheit

Liebe lässt sich aber auch abstrakter definieren. So ist die Neigung zur Wahrheit auch eine Form der Liebe. Manchmal besitzt Wahrheit die Kraft, seelische Wunden zu heilen. In ihr zeigt sich dann die Zuneigung Gottes. Gott ist ein Synonym für Liebe. Doch da im Namen Gottes schon so viel Unglück auf die Welt kam, glauben viele zu meinen das sei nicht wahr. Doch es war der Unglückbringer nicht Gott, sondern der Name der missbraucht wurde!

Ähnlich hält es sich mit dem Wort "Wahrheit". Es steht für eine Serie von Realitäten, in denen all die vielen Aspekte des Göttlichen repräsentiert werden.
Diese Aspekte kreuzen unsere Wege wenn wir uns mit den übermächtigen Wahrheiten der Göttergestalten im alten Ägypten, Griechenland und Rom befassen. In vielen Mythen und Legenden alter Völker geht es um Konflikte, die sehr unseren persönlichen Lebenskonflikten ähneln. Sie zeigen, dass der Mensch nur durch die Schwierigkeiten im Leben über sein Menschsein hinauswachsen kann.
Wer Konfrontationen mit anderen aus dem Weg geht, kann nicht verstehen was Liebe wirklich ist. Nur wer sich sozialen und psychischen Problemen stellt, kann überhaupt erst herausfinden was Mitgefühl bedeutet. Wer das versteht, für den ist wahre Liebe möglich. Nur wer Ignoranz durch Toleranz ersetzt, der erkennt die Bedeutung dieser Wahrheit, da er bereit ist jedem für sein vermeintliches Fehlverhalten einen Grund einzuräumen.

Wahrheit erfüllt für Menschen einen Zweck: Wege zur Erlösung zu finden. Doch was Wahrheit tatsächlich ist, lässt sich ebenso schwer beschreiben wie das, was das Wort Gott zu sein meint.
So kann Wahrheit oft eine Quelle von Widersprüchen und Schnittstelle unzähliger Meinungen und Kritikpunkte sein. Was für den einen stimmt, dass muss für einen anderen gar nicht wahr sein. Selbst die notwendigsten, unausweichlichen Wahrheiten befinden sich jenseits dessen, was Menschen akzeptieren können. Es gibt eben so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt - und wahrscheinlich eben so viele Götter! Und doch sind all das nur Namen. Auch der Liebe wurde ein Name gegeben. Fragte man einen jüdischen Menschen ob er an Allah glaubt, würde er wohl verneinen. Trotzdem glauben die Juden an das was mit Allah gemeint ist; es ist nämlich die arabische Variante des Singulars "El", aus dessen Plural "Elohim", das hebräische Wort für Gott gebildet wird. Mit diesem Wort beginnt die Bibelgeschichte:

Und Elohim (Gott) sprach: Es werde Licht!

- Genesis 1:3

Isa und Maryam - ewigeweisheit.de

Isa und Maryam - Darstellung in einer persischen Miniatur

Sind Wahrheit und Liebe nur Konzepte?
Fragte man einen gebildeten Muslim ob er an Jesus Christus glaube, verneinte er vielleicht. Fragte man ihn hingegen nach Isa ibn Maryam (Jesus der Sohn der Maria), würde er bestätigen, dass Jesus als Gesandter Gottes von der Jungfrau Maria zur Welt gebracht wurde.

Wahrlich, der Christus Jesus, Sohn der Maria, ist Allahs Gesandter und sein Wort, das er Maria entboten hat, und Geist von ihm.

- Sure 4:171

Namen also - nichts als Namen für ein und den selben Gott. Und was für die Namen gilt, das gilt auch für die Symbole - doch das ist ein anderes Thema.

Letztendlich können wir sagen, dass das Wort Wahrheit von den meisten Menschen ähnlich definiert wird. Als wahr gilt die gesehene Realität - das was sich vor unseren Augen abspielt und wir gemeinsam wahrnehmen - all das wird generell für wahr gehalten. Wenn zwei Menschen unabhängig voneinander ein verliebtes Paar sehen, dürfte beiden die Lage klar sein. Ist Liebe vielleicht auch die Wahrheit im gemeinsam Erkannten?

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger [...]

- Genesis 4:1

Weisheit

Weisheit ist eine weitere Ebene auf der sich Liebe und Wahrheit bewegen. In ihr sind sie gleichermaßen enthalten. Weise Menschen werden geliebt, da sie zum Wohle ihrer Mitmenschen sprechen und handeln. Durch ihr Wirken können die Wege zur Wahrheit gefunden und erreicht werden.

Dankbarkeit

Eine weitere Form der Liebe ist die Dankbarkeit. Alles was uns an guten Dingen und wahren Ereignissen widerfährt, dafür können wir - und sollten wir - dankbar sein.
Liebevolle Dankbarkeit empfinden wir für jene Menschen, die in unserem Namen oder uns zu gute handeln. Das können gute Freunde, Lehrer, Priester, Psychologen, aber auch Arbeitskollegen oder Fremde Menschen auf der Straße sein. Dankbarkeit ist Teil der Liebe und kann manchmal als einfaches, kurzes Glücksgefühl empfunden werden.

Glaube, Liebe und Hoffnung - ewigeweisheit.de

Drei Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung - farbige Zeichnung von Julius Schnorr von Carolsfeld (1911)

Tugendhaftigkeit

Auf höchster Stufe seiner Existenz versucht der weise Mensch ein tugendhaftes Leben zu erringen. In seiner Liebe erkennt er das Gute, dient dem Schönen und verehrt das Ewige im Einen: das ist Gott. Diese drei Ebenen fügen sich zu einer Triade tugendhafter Attribute der Liebe.

Liebe in der Familie

Im Zusammenleben ist Liebe lebensnotwendig und basiert auf gegenseitiger Zuneigung und Rücksicht. Im alten China sprach man deswegen auch von Treue. In dieser Form der Liebe stehen die liebenden Familienmitglieder unter einer höheren Führung.
Familienliebe ist Basis aller menschlichen Beziehungen in dieser Welt. Solange wir dieser Liebe Wert beimessen, haben unsere Zuneigungen moralischen Wert. Und da Liebe eine Emotion ist die auf Zuneigung zu einer Person basiert, ist die Liebe in der Familie eine Liebe der Eltern zu den Kindern und der Kinder zu den Eltern. Diese Art Liebe dehnt sich auch auf die Besucher des Familienumfeldes aus. Dazu gehören Onkel, Tanten, Großeltern und die Freunde der Eltern. Damit kann sich Liebe immer auf mehrere Personen beziehen, woraus sich auch eine Liebe der Menschheit entwickeln kann.

Doch Liebe in der Familie ist nicht gleich Liebe in der Familie. Leider ist es oft eine gezwungene, zweckmäßige, von den Verhältnissen geforderte Liebe. All die Schwächen der Mitglieder einer Familie, insbesondere jene der Eltern - wo man doch Kleinkindern keine Schwächen beimessen kann - sind oft alles andere als liebevoll. Teils aus Angst vor Verlust oder aus unverarbeiteten Aggressionen gegen andere - etwas dass sich leider auch als Gewalt in der Familie äußert. Was dann als Liebe in der Familie bezeichnet wird, bedeutet reine Zweckmäßigkeit. Da wahre Liebe aber niemals einen Zweck erfüllen kann, kann sie unter solchen Umständen auch nicht entstehen. Leider wird das oft ignoriert oder vielleicht niemals als so etwas erkannt. Was Liebe eigentlich bedeutet, bleibt auch dann unklar, wenn ein Elternglied dominant ist, während das andere stets eine Nebenrolle einnimmt - ganz gleich ob selbst gewollt oder unfreiwillig. Aus solch unsicheren Konstellationen des Familienlebens, geht eine große Gefährdung aus. Nicht nur für die Nachkommen, sondern für die Zukunft eines ganzes Volkes! Wo Gewalt an Kindern und Missbrauch hingenommen werden, kann keine Grundlage für Liebe entstehen, sondern eher eine Brutstätte des Elends.

Familien sind niemals autonom, sondern immer von den Werten einer Gesellschaft abhängig. Den ersten Kontakt zu dieser Gesellschaft erhält ein Kind über die Familie. Dort wird ihm ein grundlegendes Weltbild vermittelt. Doch das daraus entstehende Denken und Handeln des Kindes, wird ganz wesentlich vom gesellschaftlichen Umfeld mitgeprägt.
Ganz gleich ob ein Kind nun also besonders geliebt oder ignoriert wird, übernimmt es wie selbstverständlich diese Prägungen in sein eigenes Verhalten. Hier entstehen Veranlagungen und Sichtweisen, wie mit Zuneigung und Ablehnung, Liebe und Missachtung umgegangen wird.

Die Familienstrukturen in unserer Gesellschaft haben sich immer wieder verändert. Ein einheitliche Familienmodell gibt es heute überhaupt nicht mehr, denn die Formen des Zusammenlebens sind vielfältiger geworden, die traditionelle Familie mit mehreren Kindern eher eine Ausnahme. Darum änderte sich auch die Art der Liebe unter Familienmitgliedern, die oft auch außerhalb der Familie gefunden wird.

Die Familie, Gemälde von Charles W. Hawthorne - ewigeweisheit.de

Die Familie - Gemälde von Charles W. Hawthorne.

Liebe unter Freunden

Freundschaft ist manchmal die stärkste Form der Zuneigung. Liebe zwischen Verwandten hat nur selten die Kraft, die in der Liebe zwischen guten Freunden besteht. Freundesliebe ist eine aufrichtigere Liebe. Sie ist die stärkste Verbindung die wir mit anderen Menschen haben können - stärker als jede Form der Brüderlichkeit.
Leider wird Freundschaft manchmal aber falsch verstanden und zwar dann, wenn wir Menschen für den Nutzen lieben, den sie uns liefern können und weniger dafür, was wir ihnen geben könnten.

Liebe zum Vaterland

Vaterlandsliebe oder Patriotismus waren mir immer fremd. Meine Vorfahren stammten aus Preußen, Mähren, Turkmenistan und Anatolien - alles Länder und Regionen, die heute entweder anders heißen oder von größeren Staaten einverleibt wurden. Und da ich selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, fühlte ich mich zwar immer als Deutscher - da ich ja in dieser Sprache denke und hier schreibe - doch einen Patriotismus konnte ich nie entwickeln. Vielleicht wäre es anders, trüge ich einen deutschen Namen.
Doch selbst wenn erklärtermaßen alle Einwohner Deutschlands einen deutschen Namen trügen, könnte Liebe zum Vaterland dennoch nicht genau definiert werden. Vielleicht ist es eine Ausnahme wenn die Fußball-Nationalelf tritt zur Meisterschaft antritt.

Alles was man mögen kann ist vielleicht die Struktur der Bevölkerung. Doch diese ändert sich ständig. In 50 Jahren bedeutet Vaterlandsliebe für die Deutschen vor allem Mitgefühl mit den Rentnern (um 2060 kommt auf einen Steuerzahler ungefähr ein Rentner).

Kulturelle Einflüsse anderer Staaten spielen auch eine wichtige Rolle. Das haben wir in der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte gesehen. Die gesamte Kultur, was und wie man aß, wo Ferien verbracht, wie Feste gefeiert, welche Wörter für dies und jenes verwendet wurden: all das war in Ost- und Westdeutschland teils ganz verschieden. Selbst wenn die deutsche Wiedervereinigung mehr als 20 Jahre her ist, wird es noch mindestens zwei oder drei Generationen benötigen, bis sich die kulturellen Risse der Vergangenheit schließen und Deutschland zu einer gemeinsamen Kultur zusammengewachsen ist. Das wäre schön.

Vielleicht werden sich die Staatengefüge insofern aber immer weiter auflösen, da die Strukturen großer Konzerne den Menschen aufgezwungen werden (Stichwort Freihandelsabkommen). Weniger als Despotismus, als eine alltägliche, fast unmerkliche Steuerung menschlicher Emotionen durch das, was man als digitale Medien bezeichnet. Nehmen Sie einem Jugendlichen das Smartphone weg und verbieten sie ihm eine Woche WhatsApp und Facebook: seine Nationalität ist ihm dann wohl eher egal.
Noch vor 100 Jahren hätte sich niemand überlegen gefühlt, weil er im Besitz einer besonderen Technologie war. Das ist in unserer heutigen "Wer-Hat"-Mentalität ganz anders. Konzerne sind die gegenwärtigen Meinungsbildner. Nur wenige fühlen sich von ihrer Landesregierung repräsentiert.

Also: Liebe zum Vaterland? Was bedeutet "Vaterland"? Wäre es nicht Zeit das Mutterland wieder zu finden? Was ist mit der Muttersprache die wir lieben könnten oder der Sprache die in diesem Land gesprochen wird? All die Poeten und Denker, die in dieser Sprache geschrieben und gedichtet haben wie Goethe, Hölderlin, Rilke, Heidegger, Sloterdijk, ... - pflegten sie nicht auch eine Muttersprache?
Vaterlandsliebe ist gar nicht so einfach zu definieren.

Tierliebe

Haustiere tragen sehr viel zu unserer eigenen Integrität bei. In der Not sind sie für uns da. In der menschlichen Kulturentwicklung spielte vor allem der Hund eine wichtige Rolle. Dieser Verwandte von Wolf und Kojote, ist seit sehr langer Zeit des Menschen Freund. Er hat ihn in seiner Entwicklung begleitet, ihm Schutz, Liebe und Treue geschenkt. Man denke etwa an den Schäferhund, der die Herde beisammenhält und so in älterer Zeit einen ganz integralen Teil menschlichen Zusammenlebens darstellte. Es mag ein Zufall sein, dass der so bedeutende "Hundsstern" Sirius, überall auf der Nordhalbkugel kulturell verehrt wurde, doch was der Sirius in der astralen Welt darstellte, wurde der Hund für den Menschen auf der Erde.

Auch im Umgang mit Kindern, können Haustiere wie Hunde oder Katzen intuitiv eine wesentliche pädagogische Rolle einnehmen.
Eine der bekanntesten Legenden über dieses Verhältnis, finden wir in der Gründungssage der italienischen Stadt Rom. Die Stadtgründer Romulus und Remus wurden nach ihrer Geburt als Säuglinge ausgesetzt. Das Schreien der Kinder lockte eine Wölfin an, die sie in ihre Höhle brachte und dort säugte. Ein Specht brachte den Zwillingen zusätzliche Nahrung.

Die alten Ägypter verehrten die Katzengöttin Bastet als Symbol der Liebe.

Liebe zum Schönen

Die Liebe zur Schönheit ist vor allem die Liebe zur Kunst. Musik, Malerei, Bildhauerei, Tanz und Theater sind auf Ebene der Ästhetik alles Formen der Schönheit. Um die Liebe zu Gott und übernatürlichen Gesetzen auszudrücken, gab es in den Kulturen des Westes und Ostens immer Künstler, die die Manifestationen des Göttlichen in ihren Kreationen ausdrückten. Wie kaum eine andere, wurde die Göttin der Liebe als Inbegriff der Schönheit, in unzähligen Kunstwerken gezeigt. Mal heißt sie Aphrodite, ein andermal Venus oder Freya.
Liebe kann aber auch für Werte empfunden werden, die weder sichtbar noch definierbar sind.

Für all jene die in der Gesellschaft ihren Platz gefunden haben, ist Schönheit Gegenstand der Anziehung. Sie lieben das Schöne das sie im Leben umgibt. Es ist jedoch eine unpersönliche Art der Liebe, da sie sich ja auf etwas außerhalb von uns bezieht. Somit kann Liebe auch etwas Unpersönliches sein und bedarf keines persönlichen Objekts.
Zwar war in alter Zeit, verglichen mit heute, die ursprüngliche Auffassung von Schönheit nur sehr dürftig, es war den alten Menschen aber wichtig etwas schön zu finden das man erst erringen musste.

Natürlich ist auch Naturverehrung eine Form der Liebe zum Schönen. Wer die Natur und ihre Vorgänge verehrt, weiß ihre Gesetze und Formen zu würdigen. Maler (z. B. Caspar David Friedrich) haben das in ihren Gemälden, Musiker (z. B. Antonio Vivaldi) in ihren Kompositionen zum Ausdruck gebracht.

Liebe und Opferbereitschaft

Wir hatten oben ausführlich beschrieben, das die höchste Form der Zuneigung, die metaphysische Liebe Agape ist. Natürlich ist der christliche "Sohn Gottes", der brutal ans Kreuz geschlagen wird, das Symbol für das Opfer, dass er zur Vergebung der Sünden der Menschheit erbrachte.
Solch kosmisches Ereignis zeigt welcher Art Opfer es bedarf, um für die Menschheit den Misszustand der Ignoranz durch Liebe aufzuwiegen.

Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen;
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.

- Johann Wolfgang von Goethe

Das Opfer und Liebe zusammengehören, werden sicherliche auch alle Liebes- und Ehepaare bestätigen. In der Liebe zwischen Partnern geht es nicht nur um den Ausgleich im Nehmen und Geben, sondern auch ums das erbrachte Opfer. Wenn aber ein Teil der Partnerschaft auf Dauer nichts dafür zurück bekommt, könnte er den Eindruck gewinnen nicht geliebt zu werden. Selbst wenn man alles für den neu gewonnenen Liebespartner tun könnte und auch würde: nach spätestens drei Monaten nimmt diese Opferbereitschaft langsam ab. Jetzt geht es um den Zweck einer Partnerschaft, die sich nicht allein auf körperlicher Ebene erhalten lässt. Auf Dauer muss darum ein Ausgleich kommen, sonst verliert die Beziehung ihre Motivation.
Sicherlich gibt es an meiner Stellungnahme viele Kritikpunkte und ich hoffe dass Sie diese äußern!

Quanyin - ewigeweisheit.de

Quanyin - die Göttin des Mitgefühls

Göttliche Verkörperungen des Mitgefühls

In Ostasien ist Quanyin (auch: "Kuan Yin" oder "Guanyin") Göttin des unendlichen Mitgefühls für alle Lebewesen. Sie ist die chinesische Variante des Boddhisattva Avalokiteshvara aus dem Mahayana-Buddhismus - dem gnadenvollen Buddha der von Gläubigen durch die Formel "Om Mani Padme Hung" angerufen wird.

Quanyin verschrieb ihre Existenz dem Dienst an der Menschheit. Solange sie nicht jedes andere Lebewesen erlösen und mit sich von dieser Welt nehmen konnte, solange konnten die lebenden Wesen nicht aus dem Kreislauf des Leidens erlöst werden. Wer darum im Sinne Quanyins handelt, der wird seinen Frieden anderen Menschen zu Liebe aufopfern. Eigentlich ist das der Punkt im dem wahre Liebe beginnt - auf der Ebene bedingungsloser Hingabe.

Wenn Liebe kommt, teilt sie uns mit was zu tun ist. Erfüllung und Glück finden wir im Dienste höherer Werte. Solange wir diese höheren Werte der Liebe nicht erfahren, verstehen wir auch nicht was Liebe wirklich bedeutet.

Eine andere wichtige Gestalt ist der erwartete große Weltlehrer Buddha Maitreya. Sein Name stammt aus dem Sanskrit (maitri) und steht für die universale Liebe, Güte und Freundschaft zu den Wesen des Seins.
Buddhistischen Quellen zufolge soll Maitreya um das Jahr 3.500 auf der Erde erscheinen. Dieses Datum entspricht in etwa dem Datum das auch Rudolf Steiner für den Beginn der sechsten nachatlantische Kulturepoche genannt hat. Dann soll das Böse zugrunde gerichtet und der Egoismus endgültig überwunden werden.

Buddha Maitreya - ewigeweisheit.de

Der in Fernost erwartete Buddha Maitreya

Auf Liebe beharren

Wenn es um das Konzept einer kosmischen Liebe geht, denken wir im Westen vielleicht an den Christus der sich in einem kosmischen Zusammenhang verkörpert. Was damit gemeint ist, darauf gibt uns das Johannes-Evangelium Auskunft:

Welcher nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe (Agape), die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebt. So jemand spricht: "Ich liebe Gott", und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

- 1. Johannes 4:15-21

Sollten wir uns also nicht durch Zuneigung und Liebe zu den Menschen führen lassen? Schließlich existieren wir alle wegen dieser einen Liebe. Nur befindet sich ihr Geheimnis jenseits unseres Verstehens.

Wir bringen Kinder auf die Welt um sie zu lieben, ihnen dabei zu helfen ihre Ziele zu erreichen, zu wachsen und ihre Bestimmung zu erfüllen. Kinder sind nicht unser Besitz, den wir unseren Wünschen gemäß formen. Unsere Kinder sind Menschen die es zu beschützen gilt, bevor wir sie hinaus gehen lassen in die Welt.
Wir entlassen unsere Kinder ins Leben zur Erfüllung ihres Selbst. Alles sollte darum getan werden, das ihr Leben so reich und vornehm wie möglich gestaltet wird, bevor sie sich auf ihre individuelle Lebensreise begeben.
Wenn aber diese wertvollen Eigenschaften von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, warum wird das Wort Liebe dann so oft falsch verstanden?

Vielleicht überschattet der Eigennutz des modernen Menschen viele seiner Emotionen. Jeder versucht sich gegen jene zu schützen, die sich boshaft gegen ihn wenden. Er neigt dazu Übles mit Üblem zu vergelten. Wie soll so aber die Unfreundlichkeit gegenüber anderen jemals ein Ende nehmen?
Diesem Teufelsreislauf kann nur entrinnen, wer die Sicht auf die Dinge ändert und sich immer wieder fragt, wie er seine Emotionen besser kontrollieren kann.

Wichtig ist welche unserer Emotionen als Mittel zur Verständigung mit anderen dienen. Wer das herausgefunden hat, der wird die Bedeutung wahrer Zuneigung und Liebe erkennen.

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