Das ewige Leben und die Rose

Im Alten Griechenland war die Göttin der Liebe – Aphrodite, die griechische Venus – eng verbunden mit dem Symbol der Rose. Für die Griechen besaß das Rosenöl eine besondere Kraft, das Unsterblichkeit zu verleihen vermochte.

Immer war die Rose da auch ein Sinnbild menschlicher Schönheit, wenn sie der Dichter Ibykos (6. Jahrhundert v. Chr.) beschreibt als eben die Blume der Aphrodite, die „inmitten von Rosenblüten“ einen schönen Jüngling aufzog, wie auch Pausanias (115-180 n. Chr.), der berühmte griechische Geograph und Reiseschriftsteller, der die Rose mit dem alten Gott der Blüte und vollkommenen Schönheit verband: Adonis – der Geliebte der Aphrodite.

Aber auch die ägyptische Isis, die Göttin der Wiedergeburt, besaß als Symbol das Bild der Rose. In ihm verehrten die Griechen und Römer, die noch bis ins Christentum hinein in Ägypten lebten, Isis – als die ägyptische Göttin der Schönheit, der Liebe und der erotischen Sehnsucht.

So auch der römische Schriftsteller Apuleus (123-170 n. Chr.), der der Rose in seinem Einweihungsroman mit dem Titel „Der Goldene Esel“ eine besondere Rolle zuschreibt. Im 11. Buch dieses Romans begegnen wir der Isis (der alt-ägyptischen Venus) und dem Protagonisten Lucius. Dieser, von der Neugier getrieben, will in einem Land der Hexerei selbst eine Metamorphose erfahren. Da wird er in einen Esel verwandelt, behält aber seinen menschlichen Verstand. Um dann wieder seine menschliche Gestalt zurückzuerlangen, wird er angewiesen Rosenblätter von einem Rosenkranz zu essen, den ein Priester im Rahmen einer religiösen Prozession trägt.

Die Rose zu Saron im salomonischen Hohelied

Auch im Judentum spielt die Rose eine besondere Rolle, wie etwa im berühmten Hohelied Salomos, worin die Rede ist von der schönen Rose unter Dornnen, was das Volk Israel beschreibt. Auch das wichtige kabbalistische Buch Sohar verwendet eine Rose mit 13 Blättern, die die 13 göttlichen Attribute der Barmherzigkeit symbolisieren (wie genannt im Buch Exodus 34:6-7). In alter Zeit trug auch der jüdische Bräutigam einen Rosenkranz.

Eine Christliche Rosensymbolik

Ein „Rosenkranz“ stellte dann im Christentum die Form eines Andachtsgebetes dar, war doch die Rose ein wichtiges Symbol, das mit der heiligen Mutter Maria in Verbindung stand. Seit dem 15. Jahrhundert verwendeten die Mönche des Ordens des Heiligen Franziskus von Assisi einen Rosenkranz der Sieben Freuden der Heiligen Jungfrau Maria. Auch waren heilige Mysterien im Christentum, wie etwa bei den Kartäuser.Mönchen im 15. Jahrhundert, verbunden mit dem Rosensymbol und Rosengärten.

Die Rose im mystischen Islam

In der lyrischen Gedichtform der Liebesworte der Ghazal, ist es die Schönheit der Rose, die das sehnsüchtige Lied der Nachtigall hervorruft. Das ist ein Bild das in den Gedichten des persischen Dichters Hafez von Schiraz (1315-1390) eine bedeutende Rolle einnimmt.

In der Symbolik die in der Thematik des Liebenden (Mystiker) und Geliebtem (Gott, das heißt also „Allah“) verwendet wird, wurde die Rose wiederum zu einem Sinnbild für die Suche des Sufis nach göttlicher Liebe. Der berühmte Sufi Ibn Arabi (1165-1240) brachte das Rosenbild in Verbindung mit göttlichen Namen und Attributen. Für ihn war die Essenz des Göttlichen verkörpert im Wesen der Rose, wo sich Schönheit, Barmherzigkeit und Majestät in ihren zahllosen Blütenblättern, Farben und Düften verkörpern.

Den Sufi-Meister Jilani (1077-1166) und Gründer des Ordens der Qadiriyya, nennt man die „Rose von Bagdad“. Die Rose begegnet uns auch bei dem Sufi Mahmud Shabistaris (1288-1340) der sie im Titel seines Buches „Der Rosengarten der Geheimnisse“ verwendet. Darin ist sie ein Schlüssel zu den tiefsten Arkana der göttlichen Wahrheit. Denn die Rose öffnet ihre Knospe, womit sie ihre Pracht der Welt zeigt, womit ihr Aufblühen das Symbol des Sichtbarwerdens Gottes in der Schöpfung ist.

So scheint die Rose wegen ihrer besonderen Charakteristik (Farbe, Form, Duft, Dornen) in den verschiedenen Geheimtraditionen immer schon eine Rolle gespielt zu haben, womit man sie allgemein beschreiben könnte als eine „mystische Blume“. Denn die Blätter der Rose ließen sich dem äußeren Menschen zuordnen; ihre Knospe dem Inneren Menschen.

Die universale Mystik des Symbols der Rose

Was hier der „Äußere Mensch“ genannt wurde, ist der, der sich in der Alltagswelt verstrickt, mit all den Irreleitungen, Krankheiten, der Eifersucht, dem Streben nach Macht und Besitz. Das ist der alte Mensch – der Mensch der altert. Im Inneren aber ist der junge, der reine, der edle Mensch.

So wie eine Rose ihre Blätter zur vollen Blüte bringt und ihren Duft verströmt, so zeigt sich manchmal auch ein Mensch im Außen und breitet durch seine Wohltaten ein gutes Gefühl aus – etwas das den Menschen im Herzen Gefallen bringt. Allmählich aber welken die Blütenblätter, werden alt und fallen ab. Und an der Stelle wo einst die Rose blühte, da wächst dann eine Frucht – die Hagebutte – am Ende der Blütezeit, am Ende des Sommers, wenn sich die Sonnenbahn wieder nach Süden neigt und die Tage kürzer werden und die Dunkelheit allmählich wiederkehrt.

Zuletzt bleibt nur der Strauch selbst, der Stengel. Er wächst weiter. Und dann im Frühling, dringt an jener Stelle eine neue Knospe hervor und einmal mehr blüht dort dann eine Rose.

So ist es mit dem inneren und dem äußeren Menschen. Auch er verändert sich Jahr um Jahr immer wieder aufs Neue, bis er eines Tages seine Körperlichkeit verlässt, sein körperliches „Rosenblütenkleid“ abwirft, und dessen Seele, von einem Innen in ein Außen, neu in dieser Welt inkarniert, als neues Menschenwesen – begabt mit der Blüte einer Sehnsucht nach Schönheit uns Selbstausdruck.

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