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Die Suche nach der Dualseele

Wie findet man sie und wo?

In unseren heutigen New-Age- und Esoterik-Kreisen ist es Mode geworden, dass ein Jeder nach seiner „Dualseele“ sucht; dabei werden die eigenen emotionalen Sehnsüchte in das Bild eines Wunschpartners hineinprojiziert, das sich nur allzu bald als Phantasiebild herausstellt. Nirgendwo sonst ist der Illusion, der Täuschung, der Projektion mehr Tür und Tor geöffnet. Hier hat die Wunschnatur des Menschen, der Begierden-Körper, überhandgenommen, und bei aller emotional befrachteten Sehnsucht ist das Bild der Dualseele doch immer unklar und verschwommen geblieben. In zahlreichen Youtube-Videos werden Rezepte gegeben, wie man seine Dualseele in Nullkommanichts finden kann. Aber welches geistige Wissen steht dahinter?

Unter Dualseelen verstehen wir Zwillingseelen, Schwesterseelen, die von einem gemeinsamen Ursprung herkommen, sich dann getrennt voneinander entwickeln, um zuletzt einer schlussendlichen Wiedervereinigung entgegen zu streben. Denn ihres gemeinsamen Ursprungs eingedenk, haben sie sich nie ganz aus den Augen verloren, sondern bleiben von der großen unstillbaren Sehnsucht erfüllt, ihren verlorenen Seelenteil wiederzufinden. Sie streben danach, die ursprüngliche Einheit wiederherzustellen; denn nur diese letzte vollkommene Einheit bringt Erfüllung; sie ist die glückerfüllte Ganzheit, die wunschlos in sich selbst ruht.

Die Dualseelen sind auch geschlechtlich differenziert. Eines der beiden Duale ist männlich, das andere weiblich. Dies war jedoch nicht immer so. Am Anfang stand der hermaphroditische Urmensch, der noch beide Geschlechter in sich trug. Er befand sich auf einer höheren, geistig-göttlichen Ebene. Mit der zunehmenden Inkarnation in die materiellen Erdenwelten war jedoch die Notwendigkeit der Geschlechtertrennung verbunden.

Auf die Geschlechtertrennung in vorzeitlichen Entwicklungsperioden wird in der Geheimlehre von H. P. Blavatsky hingewiesen, insbesondere in Band 2 mit dem Titel Anthropogenesis. Dort wird ausgeführt, dass sich die Geschlechter der Menschen auf einem untergegangenen Kontinent namens Lemuria getrennt ausdifferenziert hätten; vorher war der Mensch noch ungeschlechtlich oder androgyn wie der Anthropos in der hermetischen Philosophie. Im Corpus Hermeticum, Dialog Poimandres, lesen wir: „Als diese Periode der Schöpfung vollendet war, wurde auf Geheiß Gottes jenes Band, das alle Dinge zusammenhielt, gelöst: Alle Lebewesen, einschließlich des Menschen, die bis dahin mannweiblich waren, wurden aufgesondert, so dass die einen Teile davon männlich wurden, die anderen weiblich.“

Die Urmenschheit war also hermaphroditisch, und eine Erinnerung daran findet sich noch in Platons Mythos vom androgynen Urmenschen, den er in seinem Dialog Symposion erzählt. Die Götter beschließen am Ende, die zweigeschlechtlichen Doppelwesen in zwei Hälften zu spalten: „Da nun das ursprüngliche Wesen entzweigeschnitten war, ging jede Hälfte sehnsüchtig nach der ihren auf die Suche (….). Seither ist die Liebe zueinander den Menschen eingepflanzt: Eros führt zum Urwesen zurück, er will aus zweien eins machen und die Menschennatur heilen.“

Ein wunderschöner, wenngleich phantastisch ausgestalteter Mythos vom androgynen Urmenschen! Diesem Mythos entspricht auf höherer Ebene eine Wahrheit, nämlich die Tatsache der Geschlechtertrennung auf dem lemurischen Urkontinent. Die Dualseele spaltete sich auf, die beiden Seelen, die vordem noch in dieser großen eiförmigen Hülle des androgynen Urwesens darin waren, trennten sich. Die Fortpflanzung erfolgte nun durch Zeugung und Geburt, und damit verbunden war auch die ewige magische Anziehung der Geschlechter, das Werben und das Sich-Verbinden, der unvergleichliche Magnetismus der Liebe, die Eheschließung und die gemeinsame Sorge um den Nachwuchs.

Die Suche nach einem Partner zur gemeinsamen Aufzucht von Kindern ist seitdem etwas ganz Normales und Natürliches. Aber die Suche nah der Dualseele stellt demgegenüber doch etwas ganz anderes dar. Denn das seelische Dual, nach dem man sucht, ist ein Teil des eigenen höheren Selbst. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Denn es war dasselbe Selbst, das sich in dem hermaphroditischen Urmenschen verkörperte, und die nunmehr voneinander losgelösten Teile gehören immer noch demselben unteilbaren Seelen-Selbst an. Deshalb ist die Vereinigung mit der Dualseele der höchste Gipfelpunkt der spirituellen Entwicklung, die höchste Form der Selbst -Verwirklichung. Sie ist die Heilige Hochzeit von Logos und Sophia, und nur wenigen Erleuchteten ist es bisher gelungen, diesen Status zu erreichen. Ich erwähne hier nur Abälard und Heloise, Dante und Beatrice, Novalis und Sophie, Hölderlin und Diotima.

Es ist im Übrigen nicht so, dass die Begegnung mit der Dualseele immer zu einer glücklichen Eheschließung führen muss. Es kann auch vorkommen, dass eines der beiden Duale vorzeitig stirbt, oder noch gar nicht inkarniert ist, oder dass eine Verbindung zwischen ihnen aufgrund von gesellschaftlichen Zwängen nicht möglich ist.

Deshalb sollte man das Konzept der Dualseelen nicht mit allzu vielen persönlichen Hoffnungen und Erwartungen verbinden. Man sollte sich dessen bewusst sein, dass die Suche nach der Dualseele in erster Linie eine spirituelle Suche ist, dass es dabei um die Wiederherstellung einer höheren Ganzheit geht, die sich vor Urzeiten gespalten hat, nun aber ihr göttliches Urbild wiederzugewinnen strebt. Die wahren Ehen werden im Himmel geschlossen. Alles irdische Leben ist nur eine Vorstufe dazu.

YouTube-Vortrag von Manfred Ehmer zum Thema Dualseelen:
https://youtu.be/R2OgMl7UbTA

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