Mystik

Das ewige Leben und die Rose

Die Blätter der Rose entsprechen dem äußeren Menschen. Ihre Knospe dem Inneren. Der äußere Mensch ist was sich in der Welt verstrickt, mit all den Irreleitungen, Krankheiten und der Eifersucht, dem Streben nach Macht und nach Habsucht. Das ist der alte Mensch - der Mensch der altert. Im Inneren ist der junge Mensch, der reine - der edle.

So wie eine Rose ihre Blätter zur vollen Blüte bringt und ihren Duft verströmt, so zeigt sich manchmal auch ein Mensch im Außen und breitet durch seine Wohltaten ein gutes Gefühl aus - etwas das den Menschen im Herzen Gefallen bringt. Allmählich aber welken die Blütenblätter, werden alt und fallen ab. 

Und an der Stelle wo einst die Rose blühte, da wächst dann eine Frucht - die Hagebutte - am Ende der Blütezeit, am Ende des Sommers, wenn sich die Sonnenbahn wieder nach Süden neigt und die Tage kürzer werden und die Dunkelheit allmählich wiederkehrt.

Zuletzt bleibt nur der Strauch selbst, der Stengel. Er wächst weiter. Und dann im Frühling, schießt an jener Stelle eine neue Knospe hervor und einmal mehr blüht dort dann eine Rose.

So ist es mit dem inneren und dem äußeren Menschen, der sich immer wieder, von innen heraus, neu in dieser Welt inkarniert, als neues Seelenwesen.

Das Lied von der Perle

Das Lied von der Perle

Der ursprüngliche Titel dieses wunderschönen Gedichts ist uns heute leider nicht mehr bekannt. Der alternative Titel »Die Hymne der Seele« deutet bereits an was der Inhalt dieses alten Textes ist. Als »Das Lied von der Erlösung« gab es der deutsche Philologe und Theologe Erwin Preuschen (1867-1920) heraus, während es der englische Theosoph George R. S. Mead (1863-1933) »Die Hymne des Gloriengewands« nannte.

Perle, Seele, Erlösung und Gloriengewand - das sind Begriffe die auf den Kern unseres Daseins hindeuten, seine Bestandteile und den Weg der werdenden Seele bis zu ihrer Erlösung aus dem Zyklus der Wiedergeburten. 

Zentrales Objekt dieses Gedichts ist die Perle - ein Symbol für die Gnosis - der religiösen Geheimlehre, in deren Umfeld sich im 3. Jhd. n. Chr. verschiedene Gruppierungen bildeten. Ich habe mich in dieser Fassung darum für den Titel »Das Lied von der Perle« entschieden. Denn die Perle erhebt sich wegen ihrer Schönheit aus dem Wirrwarr des profanen Erdenlebens. Dieser Titel wurde auch übernommen von Max Bonnet, der im Jahr 1903 den Originaltext in Rom entdeckte und später in denen von ihm gesammelten »Thomasakten« veröffentlichte. Das Perlenlied gehört also zum gnostischen Text-Corpus des heiligen Thomas, wie auch die ihm zugeschriebenen 114 Verse des Thomas-Evangeliums.

Der Zwilling

Thomas war einer der drei Jünger, die neben seinem Bruder Jakob (dem Gerechten) und Maria Magdalena, Jesus am nächsten standen. In den Texten der Gnosis werden Thomas und Maria Magdalena immer wieder angegeben, als wichtigste Apostel. So wie der Heilige Petrus für den Katholizismus eine zentrale Rolle spielt, so ist der heilige Apostel Thomas von Bedeutung für die Gnosis. Er gilt als der wichtigste Apostel, denn er war es, der die Lehre Jesu, in ihrer innersten Wahrheit verstanden hatte.

Thomas wurde später ein großer Lehrer, dem viele nachfolgten. Er begab sich auf eine Reise nach Indien. Noch heute leben dort die Nachfahren seiner Jünger – die sich »Thomaschristen« bezeichen – im Bundessaat Kerala, damals Malabar genannt. Die indischen Christen sehen sich auch als die ersten Christen überhaupt, noch lange bevor andere Christengemeinden in Europa entstanden (durch Paulus in Griechenland oder Petrus in Rom). Sie waren also die ersten Christen außerhalb Palästinas.

In manchen Überlieferungen wird Thomas als Jesu Zwillingsbruder bezeichnet. Daher der griechische Beiname »Didymus« der »Zwilling«. Bereits aber der Name »Thomas«, ist aramäischen Ursprungs und auch »Thomas« bedeutet »Zwilling«.

Das Gedicht

Das in alt-syrischer Sprache verfasste Manuskript, geht auf die gnostische Schule der Bardesanisten zurück, die als Gruppe von Dichtern Anfang des 3. Jhd. n. Chr. in Mesopotamien, westlich des Euphrat siedelte. Der Name dieser gnostischen Gruppierung geht auf ihren Gründer Bardaisan (154-222) zurück. Er gilt als Verfasser des Perlenlieds, dass er wahrscheinlich in Edessa niederschrieb. Er stammte aus reichem Elternhaus und wurde am Hof in Edessa, gemeinsam mit dem Kronprinzen der Abgaren aufgezogen. Er selbst, zuerst Heide, konvertierte später zum gnostischen Christentum und versuchte den Thronfolger davon zu überzeugen, das gnostische Christentum als Staatsreligion einzuführen.

Bardaisan war erfüllt von einem Verlangen, die Geheimnisse der Gnosis zu durchdriungen. Er schloss sich einer Handels-Karawane an, die ins ägyptische Alexandria reiste. Auf dieser Reise kam er in Kontakt mit einem Landesgenossen, der sich ebenso auf der Suche nach den Geheimnissen der Gnosis befand. Der warnte Bardaisan vor den Pseudo-Sekten und Charlatanen, die sich als Gnostiker ausgaben. Doch leider fiel er in Ägypten in die Hände skrupelloser Magier, die ihn vergessen ließen, weshalb er sich auf seine spirituelle Reise begab. Erst später, als er sich aus den Fängen dieser falschen Gnostiker befreien konnte, wurde er initiiert, im inneren Kreis der valentinischen Gnosis. Wenn man das Gedicht liest, scheint es, als wären Teile dieser persönlichen Geschichte Bardaisans, teils in die geheimnisvolle Poesie seines Perlenliedes eingeflossen.

Bardaisans Gedicht ist eine wirkliche Inspiration für alle »Sucher der Erkenntnis«.

Zu vielen Begriffen und Symbolen im Text gibt es am Ende dieser Seite Fußnoten mit Interpretation und Erklärungen (klicken Sie auf die Begriffe im Text, die sie direkt zur Fußnote führen; am Ende jeder Fußnote finden sie einen Link  um zum Vers zurückzukehren).

 

Einleitung

Als der heilige Apostel Thomas sich auf seiner Reise nach Indien befand, nahm man ihn gefangen und warf ihn ins Gefängnis. Dort sprach er ein Gebet. Und als er gebetet hatte, setzte er sich und sang diese Hymne:

I.

Als ich ein kleines Kind war und in meinem Königreiche, in meinem Vaterhause wohnte, und mich erfreute am Reichtum und an der Pracht meiner Ernährer, entsandten mich meine Eltern vom Morgenland, unserer Heimat, nachdem sie mich ausgerüstet hatten. Und aus dem Reichtum unseres Schatzhauses schnürten sie mir eine Last zusammen, groß und doch leicht, so dass ich sie selbst tragen konnte.

II.

Gold aus Beth-Ellaya und Silber von Gazak dem Großen, Rubine aus Indien und Achate aus Beth-Kashan. Und sie umgürteten mich mit dem Diamant, der Eisen ritzt, und sie zogen mir das glänzende Gewand aus, das sie mir in ihrer Liebe gemacht hatten, und die purpurne Toga, die nach dem Maße meiner Gestalt gewebt war.

III.

Und sie schlossen mit mir einen Pakt und schrieben ihn mir in mein Herz, das ich ihn nicht vergessen möge:

»Wenn du nach Ägypten hinabsteigst und die eine Perle bringst, die in der Mitte des Meeres ist, das der laut atmende Drachen umschließt, dann sollst du dich wiederum in dein glänzendes Gewand und in deine Toga kleiden, die darauf liegt, und sollst mit deinem Bruder, unserem Zweiten –, Erbe in unserem Reiche sein.«

IV.

Ich brach auf vom Morgenland und stieg hinab, geleitet von zwei Wächtern, denn der Weg war gefährlich und schwierig und ich war zu jung, ihn (allein) zu gehen. Ich durchschritt das Gebiet von Maischan, dem östlichen Treffpunkt der Kaufleute, und kam zum Lande Babylon und betrat die Mauern von Sarbug. Ich stieg hinab nach Ägypten und meine Gefährten (Wächter) verließen mich.

V.

Ohne Umweg ging ich zu dem Drachen, nahm Wohnung nahe seiner Stätte, bis er schlummern und schlafen würde und ich meine Perle ihm entwenden könnte. Und da ich völlig allein und den Mitbewohnern meiner Herberge ein Fremder war, erblickte ich dort einen Mann meines Stammes, einen Edelmann aus dem Morgenland, einen jungen Mann, schön und von Anmut, einen Sohn von höchstem Adel; und er kam und hing mir an.

VI.

Ich machte ihn zu meinem Freund und meinem Gefährten und ließ ihn teilhaben an meinem Handel. Ich warnte ihn vor den Ägyptern und vor den Beziehungen zu den Unreinen. Ich aber bekleidete mich mit ihren Gewändern, damit sie nicht gegen mich Verdacht schöpften, ich sei von auswärts gekommen, um die Perle zu nehmen, und damit sie nicht den Drachen gegen mich aufscheuchten.

VII.

Aus irgendeinem Grunde aber bemerkten sie, dass ich in ihrem Land ein Fremder war. Und sie näherten sich mir mit List und gaben mir zu essen ihre Speise. Ich vergaß, dass ich ein Königssohn war, und diente ihrem König als Sklave. Und alles was die Perle betraf vergaß ich, um derentwillen mich meine Eltern entsandt hatten; und durch die Schwere ihrer Speisen versank ich in tiefen Schlaf.

VIII.

All dies, was sich aber mit mir begab, ward meinen Eltern kund und sie sorgten sich meinetwegen. Und in unserem Königreiche wurde verkündet, dass ein jeder komme zum Tore (unseres Reiches): Die Könige und Häupter von Parthien und alle noblen Prinzen des Morgenlands; und meinetwegen fassten sie einen Entschluss, dass man mich nicht in Ägypten lassen solle. Und sie schrieben einen Brief an mich, und jeder Große unterzeichnete ihn mit seinem Namen:

IX.

»Von deinem Vater, dem König der Könige, und deiner Mutter, der Königin des Morgenlands, und von unserem Zweiten, deinem Bruder, dir senden wir, unserem Sohne in Ägypten, Gruß. Auf, erhebe dich von deinem Schlaf und höre die Worte unseres Briefes. Erinnere dich, dass du ein Königssohn bist. Siehe wem du als Sklave dienst! Erinnere dich an die Perle, derentwegen du nach Ägypten reistest!«

X.

»Erinnere dich deines glänzenden Gewandes und gedenke deiner prächtigen Toga, die du tragen sollst und mit der du geschmückt sein sollst, dass im Buche der Tapferen dein Name gelesen werde! Und mit deinem Bruder, unserem Erben, zusammen sollst du Thronfolger in unserem Reich sein!«

Der Brief war ein Sendung, die der König mit seiner Rechten versiegelt hatte, ihn zu verschonen vor den Bösen, den Kindern von Babylon und den tyrannischen Dämonen von Sarbug.

XI.

Er flog wie ein Adler, dem König aller Vögel. Er flog und ließ sich neben mir nieder, wurde ganz und gar zum Wort. Bei seiner Stimme, dem Geräusch seines Rauschens, erwachte ich und erhob mich aus meinem Schlaf; ich nahm ihn auf und küsste ihn und löste sein Siegel und las. Ganz so wie in meinem Herzen aufgezeichnet, waren geschrieben die Worte meines Briefes.

XII.

Ich entsann mich, dass ich ein Königssohn sei und ich entdeckte meine noble Abstammung. Ich erinnerte mich an die Perle, um derentwillen ich nach Ägypten gesandt worden war, und ich begann ihn zu beschwören, den grauenhaft schnaubenden Drachen. Ich versenkte ihn in Schlummer und Schlaf, da ich den Namen meines Vaters über ihm aussprach und den Namen unseres Zweiten und den meiner Mutter, der Königin des Morgenlands.

XIII.

Und ich entriss ihm die Perle und wandte mich um, zurückzukehren in meines Vaters Haus. Und ihr schmutziges und unsauberes Gewand zog ich aus und ließ es in ihren Landen. Und ich nahm den Weg auf zum Licht unseres Landes, zum Morgenland. Und meinen Brief, meinen Erwecker, fand ich vor mir auf dem Wege; wie er mich durch seine Stimme geweckt hatte, so führte er mich nun mit seinem Licht.

XIV.

Auf seidenem Stoff mit roter Farbe geschrieben, mit seinem Aussehen vor mir strahlend, mit der Stimme seiner Führung gab er mir Mut und spornte mich an mit seiner Liebe. Ich zog weiter und durchquerte Sarbug. Ich ließ Babylon zu meiner Linken und gelangte zum großen Maischan, zum Hafen der Kaufleute, der sich am Ufer des Meeres befindet.

XV.

Und das glänzende Gewand, das ich abgelegt hatte, und meine Toga, die es umhüllte, hatten meine Eltern von den Höhen Hyrkaniens durch ihre Schatzmeister hierher gesandt, die wegen ihrer Treue damit betraut wurden. Und da ich mich nicht seiner Art und Weise entsann – denn ich hatte doch mein Vaterhaus in meiner Kindheit verlassen, so wurde plötzlich das glänzende Gewand, als ich es mir gegenüber sah, mir gleich wie mein eigen Spiegelbild.

XVI.

Ich sah es als ein Ganzes und ich sah mich ganz in ihm mir gegenüber, denn wir waren zwei in Verschiedenheit und doch wiederum eins in einer Gleichheit. Und auch die Schatzmeister, die es mir gebracht hatten, sah ich in gleicher Weise: Sie waren zwei und waren doch gleich an Gestalt, denn ein Siegel des Königs befand sich auf ihnen, dessen, der mir mein Vertrauen und meinen Reichtum durch sie zurückgab.

XVII.

Mein glänzendes Gewand war geziert mit herrlichen Farben, mit Gold und mit Beryllen, mit Rubinen und Achaten und mit verschiedenfarbigen Sardonen. Es war in seiner Erhabenheit angefertigt worden, mit Diamantsteinen waren alle seine Nähte befestigt, und das Bild des Königs der Könige war in voller Größe überall aufgemalt. Und Saphiren gleich waren seine Farben bunt gewirkt.

XVIII.

Ich sah, dass in seinem ganzen Umfang die Bewegungen der Erkenntnis sichtbar wurden. Und ich sah weiter, dass es sich zum Sprechen bereitete. Ich hörte den Klang seiner Musik, die es bei seinem Herabkommen flüsterte:

»Siehe, ich gehöre zum flinkesten Diener, den sie für ihn vor meinem Vater großgezogen haben. Ich habe in mir gespürt, dass meine Gestalt mit seinen Werken wuchs.«

XIX.

Und mit seinen königlichen Bewegungen, ergoss es sich vollkommen über mir und auf der Hand seiner Überbringer, damit ich es empfinge. Und auch mich trieb meine Liebe an, ihm entgegenzueilen und es zu empfangen; und ich streckte mich hin, um es zu empfangen. Mit der Pracht seiner Farben schmückte ich mich und hüllte mich ganz in meine glänzend farbige Toga.

XX.

Ich kleidete mich in sie und stieg auf, zum Tor des Grußes und der Demut. Ich beugte mein Haupt und verehrte die Herrlichkeit meines Vaters, der es mir gesandt hatte, dessen Gebote ich befolgt hatte, so wie auch er erfüllte, was er verheißen hatte; und am Tore seiner Satrapen mischte ich mich unter seine Edelmänner, denn er hatte mich mit Wohlgefallen aufgenommen und ich war mit ihm in seinem Königreich.

XXI.

Ihm singen all seine Diener, mit süß klingenden Stimmen Lobpreisungen. Und er verkündete, dass ich zum Tore des Königs der Könige gehen solle und mit der Opfergabe meiner Perle mit ihm zusammen vor unserem König erscheinen solle.

Die Hymne des Judas Thomas des Apostels, die er in seiner Kerkerzelle sprach, endet hier.

 

Interpretation

Der Heilige Thomas sprach zu seinen Jüngern in kurzen Erzählungen und Parabeln, ähnlich wie das vor ihm Jesus tat. Zu den wichtigsten dieser Lehrparabeln, gilt dieser Hymnus. Das »Lied von der Perle« soll uns an unsere eigene Göttlichkeit erinnern und uns von den Verblendungen befreien, der unsere Menschenseelen ausgesetzt sind. Es gilt aber die Perle zu finden und aus den Fängen des Demiurgen, des Weltenbaumeisters, zu befreien. Im »Lied von der Perle« wird der Demiurg als »Drache« (Satan) bezeichnet. Die Perle, von der hier die Rede ist, über sie schrieb auch der Evangelist Matthäus:

[...] eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

- Matthäus 7:6

Die gnostische Interpretation dieses Verses, versteht unter den »Säuen« die Dämonen des Demiurgen. Vor ihnen soll man das höhere Selbst, den göttlich Funken, den jeder in sich trägt, bewahren. Es ist dieser »Licht-Funke« das Christus-Bewusstsein im Menschen. Somit ist die Perle ein Symbol für das im Menschen verborgene Geheimnis, dass in seinem Körper »begraben« liegt. Im Land der Ägypter sah Bardaisan die materielle Welt, den menschlichen Körper.

Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

- Matthäus 13:45-46

In diesem Gleichnis steht die Perle für den Höchstwert dessen, was der Finder besitzen wird. Wenn er klug genug ist, es zu erwerben, bekommt er einen Platz im kommenen "Königreich". Dieses Gleichnis ist quasi ein Echo auf das Lied der Perle.

Symbole im Text


Kleines Kind: der göttliche Funke im Menschen. Es ist auch ein Hinweis auf die Stufe der Initiation, wo der (untere) Mensch seine spirituelle Natur in sich erkennt und aus sich hervor bringt.

König: Gott.

Königin: der Heilige Geist.

Prinz: die Seele, welche im Paradies lebte und ausgeschickt wurde in die Welt (Ägypten). Der Prinz vergisst die Perle, welche über die Seele kommt, wenn sie in den Körper (Gewänder der Ägypter) eingekerkert ist.

Bruder des Prinzen: die »Zwillingsseele« des Menschen. Die »duale Sohnschaft«, die im Symbol des Prinzenbruders ausgedrückt ist, war ein weit verbreitetes Symbol bei den Gnostikern. Der Prinz und sein Bruder stehen für die beiden »Söhne«: einer der verbleibt und einer der weitergeht - d. h. der, der fortbesteht, ist der Christus. In Vers III lesen wir »deinem Bruder, unserem Zweiten«: dieser »Zweite« ist der Menschensohn, der überirdische Mensch. Und der Herabgestiegene, der Prinz, gewinnt die »Perle vom Bewusstsein des Höheren Selbst«, wird schließlich erhöht und auf die Stufe mit dem Menschensohn gebracht, so ist der Prinz gleichzeitig auch der Christus - Christus und der Menschesohn sind eins, so wie die inkarnierte Seele eins ist mit dem Höheren Selbst.

Zwei Wächter: wie der Bruder des Prinzen, gehören die beiden Wächter zum Symbol der Zwillinge. In antiken Legenden war der Zwilling ein Symbol für die Initiation. Als eine Art Zwilling kann man auch die beiden Diebe ansehen, die neben Christus am Kreuz hingen. Auch in der »Verklärung des Herrn«, wo auf Berg Tabor Jesus in gleißendem Licht erscheint (Lukas 9:28-36), sehen ihn drei Jünger begleit von zwei »Wächtern« - Moses und Elija. Im Kontext der Hermetik, sind es die beiden Schlangen, die sich im den Caduceus winden. Andererseits stehen die beiden Wächter auch für das Vater-Mutter-Androgyn der Seele, das zur Welt kommen will und mit der weltlichen Geburt in das Diesseits, mit dem ersten Atemzug, qausi die erste Initiation ins weltliche Menschsein erfährt. Es sind also die Kräfte, die zur Wiedergeburt zwingen.

Kaufleute: die Grenzen der materiellen Welt.

König der Ägypter: der Teufel.

Drachen (oder Schlange): der Demiurg, das heftige Verlangen. Er ist der Typhon, der Verschlinger, der Widersacher, der Herr der Leidenschaften. Auch ist der Drachen ein Symbol für die elementare, tierische Essenz der Materie.

Satrap: ein Stadthalter im alten Persien.


Vaterhaus: das Zuhause des Höheren Selbst.

Ägypten: der Kosmos in dem der Fleischkörper des Menschen »gefangen« ist. Es ist die materielle, irdische Welt, die vom Demiurgen erschaffen wurde, eine Welt die verführerisch den Menschen in Abhängigkeiten gefangen hält, darum auch »Unterwelt«. In dieser Welt schläft der Prinz, ist sich also unbewusst seiner wahren, himmlischen Herkunft.

Maischan: die äußerste Grenze zwischen der himmlischen Welt (Überwelt), dem Äther, und der irdischen Welt. Es ist dies in etwa zu vergleichen mit der Nachtreise des Propheten Mohammed, in der er sich zur äußersten Grenze des siebten Himmels begab (Sure 53:14-15) am Rande des Paradieses.

Babylon und Sarbug: die Gefahren auf dem Weg. Es sind die falschen Religionen und falschen Versprechungen, die den Menschen davon abhalten sich dem wahrhaft Göttlichen anzunähern.

Königreich: das Reich das im Morgenland liegt, im Osten, so wie das Paradies (Genesis 2:8), wo der Prinz in Reichtum und Wonne lebte.

Morgenland: die himmlische Lichtwelt, das Elysium im Osten. Es ist damit das Pleroma (Glanz- und Lichtmeer der Gnostiker) gemeint, wie auch die sogenannte Ogdoade - die Achtheit - eine Bezeichnung für die sieben Himmel (ptolemäische Planetensphären) und die "Achte Sphäre" (Fixsternhimmel) - somit also die geistigen Königreiche der Welt.

Meer: der »Ozean« der Genesis, das Meer der groben wie der feinen Materie. Das Meer ist das Manifestierte, in dem der Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt stattfindet.

In den Landen zurücklassen: der Prinz ließ seinen Körper während der Initiation in Verzückung zurück.

Hyrkanien: der Götterberg (Moriah, Meru), die »Überwelt«, das Pleroma (Glanz- und Lichtmeer der Gnostiker). Hyrkanien ist aber auch eine tatsächliche Gebirgslanfschaft im Süden des Kaspischen Meeres (heutiger Iran / Turkmenistan).


Reichtum: die Instinkte und Sinne des spirituellen Geistes.

Perle: das himmlische Königreich im Sinne der Gnosis, repräsentiert durch das höhere Selbst und den Gnostizismus an sich.

Glänzendes Gewand: der Lichtkörper, das Lichtgewand der Seele - eine kosmische Struktur (Gewebe) des Lichts und des Lebens. In diesem strahlenden Lichtgewand zeigte sich Jesus seinen Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus (»Taborlicht«, Lukas 9:28-36).

Purpurne Toga: das heilige Wissen des Menschen, seine innere Festigkeit. Purpur ist die Farbe der Könige, denn Bardaisan singt von der königlichen Seele.

Gewänder der Ägypter: der menschliche Körper. Die Gewänder der Ägypter müssen scharf abgegrenzt werden vom himmlischen Kleid, dem "Glänzenden Gewand". Die Aussage in Genesis 3:21, dass Gott Adam und Eva in "Kleider von Haut" machte", kann als diese Leiblichkeit interpretiert werden. Das Logion 56 des Thomas-Evangeliums dazu: "Wer auch immer kam um die Welt zu erkennen, fand nichts als eine Leiche. Und wer auch immer eine Leiche fand, der ist der Welt überlegen." 

Speisen der Ägypter: die weltlichen Freuden.

Brief: die Weisheit, verkörpert durch die Heilige Sophia.

Worte des Briefes: der Christus-Logos, der durch die Heilige Sophia zu dem Prinzen spricht und ihm hilft sich an seine wahre Herkunft zu erinnern.

Herz: die innerste Substanz der menschlichen Natur, in der das spirituelle Blut, die Lebenssubstanz des Menschen fließt. Der Pakt (Verpflichtung) der geschlossen wurde, wurde nicht in den Geist, sondern ins Herz geschrieben, wo er nicht vergessen werden kann - kurz: nicht Wissen, sondern mystische Erfahrung der Einweihung.

Namen: die Kräfte.

Adler: der höchste Einweihungsgrad, der z. B. in den Mithras-Mysterien dem »Grad des Vaters« entspricht.

Niederlassen des Vogels: das Niedersteigen des Heiligen Geistes bzw. des geistigen Bewusstseins.

Linke: der Prinz geht zur Rechten, wie alle die in den Mysterien eingeweiht werden.

Spüren: das Werk des Kausalkörpers, der Kausalhülle, die das höhere Ich bildet.

Spiegelbild: der himmlische Doppelgänger der Seele, der Schutzengel als himmlisches Ebenbild (Abbild) des Menschen. Dieser Schutzengel existierte schon vor dem Menschen, war sogar vor der Grundlegung der Welt entstanden (Genesis 1:26).

Der Heilige Franziskus von Assisi

von S. Levent Oezkan

Der Heilige Franziskus - Antônio Firmino Monteiro - ewigeweisheit.de

Ende des 12. Jhd. veränderte sich das kulturelle Leben in Europa. Die Bilder die durch die Kreuzfahrer aus dem Orient kamen, inspirierten die Fantasie vieler Künstler. Es entstand eine Mystik und Minnedichtung, die in Opposition zur damals vorherrschenden Kreuzfahrermentalität stand. Die wahre Lehre Christi war seit langer Zeit in Vergessenheit geraten.

Troubardoure und Minnesänger versuchten mit ihren Dichtungen und Gesängen den christlichen Urgedanken wieder in das Bewusstsein der damaligen Zeit zu bringen. Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Robert de Boron oder Chretien de Troyes - sie alle brachten mit ihrer besonderen Liebespoesie dieses verlorengegangene Gut zurück in die Herzen der Menschen.
Sie alle waren Zeitgenossen des heiligen Franziskus, der wie auch sie an die große Wahrheit der Nächstenliebe und die Heilung der Welt erinnern wollte.

Franziskus wurde als Sohn eines wohlhabenden Händlers 1181 im italienischen Assisi geboren. Bevor sich Franziskus dem Mönchsein ergab, hatte er als junger Mann ein Leben jenseits jeder Askese gelebt. Er feierte mit anderen wohlhabenden Freunden ausschweifende Feste und war ein kühner Schwertkämpfer. Im Alter von 20 Jahren wurde Franziskus als Soldat eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Im Krieg aber sollte sein unbekümmertes Leben in Frage gestellt werden. Zutiefst erschüttert über die im Krieg erfahrenen Grausamkeiten, erkrankte er nach seiner Freilassung. In einem Fiebertraum erhielt er von Gott den Auftrag sich von den weltlichen Herrschern loszusagen und sich in den Dienst Christi zu stellen.
Nach seiner Genesung löste er sich von allen gesellschaftlichen Bindungen und begab sich als Mönch auf Pilgerschaft.

Heilige Liebesmystik

Die Liebesmystik des heiligen Franziskus von Assisi bezog sich auf die Natur. Für ihn waren Menschen, Tiere und Pflanzen, Wesen höchster Vollkommenheit. Zentrales Symbol des ewigen Zyklus von Leben, Tod und Geburt war für Franziskus die Sonne.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Die christlichen Ideale wie Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, kehrte durch Franziskus' Wirken allmählich wieder zurück in die Herzen der Menschen.
Franziskus’ Lehre verbreitete sich schnell über ganz Europa. Vermutlich lassen sich darauf auch die Annäherungen der Muslime und Christen während des 5. und 6. Kreuzzuges zurückführen.
Franziskus begab sich auf eine Pilgerreise ins gelobte Land. Dort traf er zum ersten mal Muslime - unter ihnen der große Sultan Al-Malik Al-Kamil von Ägypten. Sultan Al-Malik war von Franziskus’ liebvoller Art derart eingenommen, dass er ihn mit Geschenken geradezu überhäufte.
Wie es scheint hatte diese besondere Begegnung positive Auswirkungen auf das Verhältnis der Kreuzfahrer und der Muslime. Es ist bestimmt kein Zufall, dass in dieser Zeit der Stauferkaiser Friedrich II. mit den Arabern in diplomatische Beziehungen trat, was im Jahr 1229 zum "Frieden von Jaffo" führen sollte.

Giotto: Vogelprediger St. Franziskus von Assisi

Fresko in der Basilika von Giotto di Bondone: Franziskus der Vogelprediger

Die franziskanische Bewegung wurde zur widerstrebenden Kraft gegen den zerstörerischen Wahn der Kreuzzüge. Wegen der schnellen Ausbreitung seiner Lehren sollte es zu einem Wendepunkt im europäischen Christentum kommen. Nach seiner Rückkehr nach Italien geriet Franziskus in Uneinigkeit mit seinen Ordensbrüdern. Für ihn war es wichtig alleine die Botschaft Jesu zu leben. Franz wollte für sich und seine Brüder keine Ordensregeln. Alleine die Botschaft Jesu genügte ihm: »Willst Du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe was du hast, und gib es den Armen«.
Seine Ordensbrüder waren mit dieser Lebensauffassung leider nicht einverstanden, was zu einem Streit über die Regeln innerhalb des Ordens führte. Schließlich trat Franziskus als Ordensleiter zurück.
Er begab sich 1224 in die Einsamkeit auf dem toskanischen Berg La Verna, um dort 40 Tage zu fasten, wo er ihm in einer besonderen Vision ein gekreuzigter Engel erschien.

Man fand Franziskus später mit Wundmalen an Händen und Füßen gekennzeichnet und einer Lanzenwunde in seiner Brust. Es waren die Wundmale des gekreuzigten Jesus Christus.
Zwei Jahre später verstarb der heilige Franziskus. Für seine Anhänger waren die Stigmata Zeichen seiner irdische Nachfolge Christi. Doch dieser Glaube, der sich schnell verbreitete, sollte seine Nachfolger auf den Scheiterhaufen der heiligen Inquisition bringen.

Eigenartigerweise wurde Franziskus von Assisi aber bereits zwei Jahre nach seinem Tod 1228 durch Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

Sei gelobt, mein Herr,
für unsern Bruder Tod,
den herben,
dem kein Lebender
entrinnen kann.

Weh, ach denen,
die Sterben
In Todsünden

Selig Jene,
die sich gefunden
in deinem heiligsten Willen,
denn ihnen
kann der zweite Tod
nicht an
[...]

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.
[...]

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und trägt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Franziskus hatte die Vision einer neuen Kirche, die nicht nur den Menschen anspricht, sondern das Heil der gesamten Schöpfung als Aufgabe sieht. Seine Spiritualität war geprägt von einem tiefen Respekt vor der Natur und der Schöpfung. Auch die Verpflichtung der Friedfertigkeit und Toleranz bildeten einen zentralen Bestandteil seines Glaubens.

Darum stellt Franziskus im christlichen Kontext, den Schutzpatron der Umweltschützer dar, was dereinst von der modernen Umweltbewegung aufgegriffen werden sollte.
Auch seine Verpflichtung zur Friedfertigkeit, weist eindeutig die spätere Friedensbewegungen hin, die von der nach ihm benannten kalifornischen Stadt »San Francisco« ausging. Dort wurden die sogenannten "Rainbow-Gatherings" gefeiert, als Symbol für die Naturverbundenheit und Friedfertigkeit. Es war die Geburt der Hippiebewegung.

Einige seiner elementaren Lebensinformationen genügen, um den Heiligen Franziskus besonders schätzen zu lernen. Seine Exzentrizität hat immer wieder viele Menschen angeregt, sich mit seinen Lehren zu beschäftigen. Darunter sind nicht nur religiöse Menschen. Auch viele Künstler und Schriftsteller haben sich von seinem Lebenswerk inspirieren lassen.
Da es auch zahlreiche Übereinstimmungen zu den Lebensgeschichten hinduistischer Heiliger gibt, ist er in Indien der bekannteste christliche Heilige. Denn seine spirituellen Vorstellungen haben viele Berührungspunkte mit der Gesinnung hinduistischer und buddhistischer Wandermönche, die frei von Besitz, sich in der Suche nach Gott auf Wanderschaft begeben haben.
Sie alle teilen ein besonderes Grundrecht, dass dem heiligen Franziskus in seinem Vornamen mit auf den Weg gegeben wurde: Freiheit.

Zitate entnommen aus dem Buch: Der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, Joseph Bernhart (Hrsg. / Übers.), Gral Verlag Aloys Graef, Heidelberg, 1947

Den vollständigen Text des Sonnengesangs finden Sie hier >>

 

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Das Thomas-Evangelium

Das Thomas-Evangelium

Dies sind die geheimen Sprüche die Jesus der Lebendige sprach und die Didymos Judas Thomas niederschrieb.

1. Und er sprach: "Wer auch immer die Auslegung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken."

2. Jesus sprach: "Der der sucht, soll weitersuchen bis er findet. Sobald er findet, wird er aufgewühlt sein. Und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird herrschen über das All."

3. Jesus sprach: "Wenn jene die euch führen sagen 'Siehe, das Königreich ist im Himmel', dann werden euch die Vögel vorausgehen. Wenn sie euch sagen, 'es ist im Meer', so werden euch die Fische vorausgehen. Doch eher ist das Königreich in euch, und es ist außerhalb von euch.
Wenn ihr kommt euch zu erkennen, dann werdet ihr erkannt werden, und so wird euch gewahr, dass ihr die Kinder des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennt, so seid ihr in Armut und ihr selbst seid diese Armut."

4. Jesus sprach: "Ein betagter Mensch wird nicht zögern ein Kleinkind von sieben Tagen nach dem Ort des Lebens zu fragen, und er wird leben. Denn viele die die ersten waren, werden die letzten sein, und sie werden sein ein All-Einiger."

5. Jesus sprach: "Erkenne was vor deinem Angesicht ist und das was verborgen ist, dass wird sich dir enthüllen. Denn es gibt nichts Verborgenes, was nicht zum Vorschein kommen wird."

6. Seine Jünger fragten ihn und sagten zu ihm: "Willst du das wir fasten? Wie sollen wir beten? Sollen wir Almosen geben? Und von welcher Speise sollen wir uns fern halten?"
Jesus sprach: "Erzählt keine Lügen und tut nicht was ihr hasst, denn alles ist offenbar im Angesicht des Himmels. Denn es ist nichts Verborgenes, dass nicht offenbar werden wird und nichts Verhülltes wird bleiben, ohne enthüllt zu werden."

7. Jesus sprach: "Ein Seliger ist der Löwe, den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch sein. Und verflucht ist der Mensch, den der Löwe frisst und der Löwe wird Mensch sein."

8. Und er sprach, "Das Königreich gleicht einem weisen Fischer, der sein Netz im Meer auswirft und vom Grund des Meeres viele kleine Fische heraufzieht. Darunter fand der Fischer einen großen, schönen Fisch. Er warf alle kleinen Fische zurück ins Meer und behielt sorglos den großen Fisch. Wer Ohren hat zu hören, der höre."

9. Jesus sprach: "Siehe, der Sämann ging hinaus, nahm eine Hand voll (Samen) und warf. Manche fielen auf den Weg, die Vögel kamen und sammelten sie auf. Andere fielen auf den Felsen, so dass sie in der Erde keine Wurzeln schlugen und keine Ähren hervorbrachten. Und andere fielen in die Dornen, so dass die Saat erstickten und Würmer sie fraßen. Und andere fielen auf gute Erde und brachten gute Frucht hervor: sie brachte sechzig Maß und hundertundzwanzig Maß."

10. Jesus sprach: "Ich habe Feuer auf die Welt (gesetzliche Staatsordnung) geworfen, und siehe, ich bewache es bis es brennt."

11. Jesus sprach: "Dieser Himmel wird vergehen, und der darüber wird vergehen. Die Toten sind nicht lebendig, und die Lebendigen werden nicht sterben. In den Tagen als ihr von dem aßt was tot ist, machtet ihr daraus was lebendig ist. Wenn ihr kommen solltet, im Licht zu weilen, was ist's das ihr tun werdet? Am Tage da ihr eins ward, wurdet ihr zwei. Doch wenn ihr zwei werdet, was werdet ihr tun?"

12. Die Jünger sprachen zu Jesus, "Wir wissen, das wir dich nicht bei uns halten können. Wer ist es, der groß über uns werden soll?"
Jesus sprach zu ihnen, "Wo auch immer ihr seid, gehet zu Jakobus dem Gerechten, dessentwegen Himmel und Erde entstanden sind."

13. Jesus sprach zu seinen Jüngern: "Vergleicht mich und sagt mir wem ich gleiche."
Simon Petrus sprach zu ihm: "Du gleichst einem gerechten Engel."
Matthäus sprach zu ihm: "Du gleichst einem weisen Philosophen."
Thomas sprach zu ihm: "Meister, mein Mund ist vollkommen unfähig zu sagen wem du gleichst."
Jesus sprach: "Ich bin nicht euer Meister. Denn ihr trankt, wurdet trunken von der sprudelnden Quelle, die ich vermessen habe."
Und er nahm ihn (Thomas) und zog sich zurück und sagte ihm drei Dinge. Als Thomas zu seinen Gefährten zurückkehrte, fragten sie ihn: "Was hat dir Jesus gesagt?"
Thomas sprach zu ihnen: "Wenn ich euch eines der Worte sage, die er zu mir sprach, werdet ihr Steine nehmen und nach mir werfen und ein Feuer wird aus den Steinen kommen und werden euch verbrennen."

14. Jesus sprach zu ihnen, "Wenn ihr fastet, werdet ihr euch versündigen; und wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr eurem Lebensgeist schaden. Wenn ihr in irgend ein Land geht und in den Gebieten wandelt, wenn man euch aufnimmt, so esst was man euch vorsetzt und heilt die Kranken unter ihnen.
Denn was in eueren Mund geht, wird euch nicht schaden. Eher das was aus euerem Munde herauskommt, ist was euch schaden wird."

15. Jesus sprach: "Wenn ihr einen seht, der nicht in einer Frau gezeugt wurde (und nicht von ihr geboren wurde), werft euch auf euer Antlitz und verehrt ihn. Jener ist euer Vater."

16. Jesus sprach: "Vielleicht denken die Menschen, ich sei gekommen um Frieden auf die Welt zu bringen. Sie wissen nicht das ich kam Zwietracht über die Erde zu bringen, Feuer, Schwert und Krieg. Denn es werden fünf in einem Hause sein: drei werden gegen zwei, und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater sein. Und sie werden dastehen, werden alleine sein."

17. Jesus sprach: "Ich werde euch geben was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und was keine Hand berührt und was niemals im Herz des Menschen aufstieg."

18. Die Jünger sprachen zu Jesus, "Erzähl uns auf welche Weise wird sich unser Ende ereignen."
Jesus sprach: "Habt ihr enthüllt den Anfang, so dass ihr suchen werdet nach dem Ende? Denn an der Stelle wo der Anfang ist, dorthin wird das Ende kommen. Selig ist jener der am Anfang stehen wird;
er wird das Ende kennen und den Tod nicht schmecken."

19. Jesus sprach: "Selig der, der wurde bevor er wurde. Wenn ihr meine Jünger werdet und meinen Worten lauscht, werden euch diese Steine Diener sein. Denn fünf Bäume stehen für euch im Paradies, die Sommers wie Winters unbeschadet bleiben und deren Blätter nicht abfallen. Wer auch immer sie erkennt, wird den Tod nicht schmecken."

20. Die Jünger sprachen zu Jesus: "Sag uns wem das Himmelreich gleicht."
Er sprach zu ihnen: "Es ist wie ein Senfkorn, das kleinste aller Samen. Wenn es aber auf gepflügten Ackerboden fällt, wächst daraus eine großer Zweig, der zum Schutz der Vögel des Himmels wird."

21. Maria sprach zu Jesus: "Wem gleichen deine Jünger?"
Er sprach, "Sie gleichen kleinen Kindern die sich auf einem Feld niedergelassen haben, das ihnen nicht gehört. Wenn die Eigentümer des Feldes kommen werden sie sagen, 'Gebt uns unser Feld zurück'. Sie entkleiden sich vor ihnen, es ihnen zu überlassen und ihnen ihr Feld zurück zu geben. Darum sage ich: Wenn der Herr des Hauses weiß, dass ein Dieb kommen wird, wird er es bewachen, bevor er kommt und wird ihn nicht in das Haus seines Königreiches lassen, damit er seine Güter wegnimmt. Ihr aber, seid auf der Hut angesichts der Welt. Gürtet euch mit großer Stärke, damit die Räuber keinen Weg finden zu euch zu kommen, denn was ihr im Außen erwartet das wird (sicherlich) auch eintreten. Möge unter euch ein ein weiser Mensch sein. Wenn das Getreide reif ist, kommt er mit der Sichel in seiner Hand und mäht es. Wer auch immer Ohren hat zu hören, der höre."

22. Jesus sah Kleine, die gesäugt wurden.
Er sprach zu seinen Jüngern: "Diese Kleinen die gesäugt werden, sind wie jene die ins Königreich eingehen."
Sie sprachen zu ihm, "Werden wir als Kleine ins Königreich eingehen?"
Jesus sprach zu ihnen, "Wenn ihr aus zweien eins macht, und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht, und das Obere wie das Untere, und wenn ihr aus Männlichem und Weiblichem ein und das selbe macht, so dass das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist; und wenn ihr Augen anstelle eines Auges macht, und eine Hand anstelle einer Hand, und einen Fuß anstelle eines Fußes, und ein Ebenbild anstelle eines Ebenbildes, so werdet ihr (in das Königreich) eingehen."

23. Jesus sprach: "Ich will euch erwählen, einen aus tausend, und zwei aus zehntausend, und sie werden als ein Einziger dastehen."

24. Seine Jünger sprachen zu ihm: "Zeige uns den Ort (Punkt) an dem du bist, denn es ist für uns notwendig danach zu suchen."
Er sprach zu ihnen: "Wer auch immer Ohren hat, lass ihn hören. Da ist Licht im Innern des Lichtmenschen, und er wird zum Licht der ganzen Welt. Wenn er nicht scheint, so ist er Finsternis."

25. Jesus sprach: "Liebe deinen Bruder wie deine Seele (Psyche), hüte ihn wie die Pupille deines Auges."

26. Jesus sprach: "Ihr seht den Splitter im Auge eures Bruders, doch den Balken in eurem eigenen Auge seht ihr nicht. Wenn ihr den Balken aus eurem eigenen Auge zieht, dann werdet ihr sehen können, um den Splitter aus dem Auge eures Bruders zu ziehen."

27. Jesus sprach: "Wenn ihr euch nicht der Welt enthaltet, werdet ihr das Königreich nicht finden. Wenn ihr den Sabbat nicht haltet wie einen Sabbat, so werdet ihr den Vater nicht sehen."

28. Jesus sprach: "Ich stand an dem Ort in der Mitte der Welt, und
erschien ihnen im Fleisch. Sie alle fand ich trunken; niemand unter ihnen durstete. Und meine Seele war traurig über die Menschenkinder, denn sie sind blind in ihren Herzen und sehen nicht; denn leer kamen sie in die Welt und leer werden sie sie verlassen."

29. Jesus sprach: "Wenn das Fleisch durch den Geist entstand,
ist es ein Wunder. Wenn aber der Geist durch den Körper entstand, ist es ein Wunder der Wunder. Doch erstaunt bin ich, wie dieser große Reichtum, Wohnung in dieser Armut nahm."

30. Jesus sprach: "Wo drei Götter sind, sind sie in Gott. Wo zwei oder einer ist, mit ihm lebe ich."

31. Jesus sprach: "Kein Prophet wird in seinem eigenen Dorf akzeptiert; Kein Arzt heilt jene, die ihn kennen."

32. Jesus sprach: "Eine Stadt die auf einem hohen Berg gebaut und befestigt ist, wird nicht fallen, noch kann sie verborgen werden."

33. Jesus sprach: "Was ihr in euerm Ohr hört, verkündet es den anderen Ohren von euern Dächern. Denn keiner entzündet eine Lampe und stellt sie unter einen Scheffel, noch stellt er sie an einen verborgenen Ort, eher aber setzt er sie auf einen Leuchter, damit jeder der eintritt und hinausgeht das Licht schauen darf."

34. Jesus sprach: "Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in eine Grube."

35. Jesus sprach: "Niemandem ist möglich in das Haus eines Starken einzudringen und es gewaltsam einzunehmen, es sei denn er fessele ihn; dann wird er sein Haus plündern."

36. Jesus sprach: "Sorgt euch nicht von morgens bis abends und vom Abend bis zum Morgen darüber, was ihr tragen werdet."

37. Seine Jünger sprachen: "Wann wirst du dich uns enthüllen und wann werden wir dich sehen?"
Jesus sprach: "Wenn ihr euch ohne Scham entkleidet und eure Kleider nehmt und unter eure Füße legt, wie die kleinen Kinder und auf sie tretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen (sehen) und ihr werdet euch nicht fürchten."

38. Jesus sprach: "Oftmals wünschtet ihr diese Worte zu hören, die ich zu euch spreche, und ihr habt niemand anderen, sie von ihm zu hören. Es werden Tage kommen da werdet ihr nach mir suchen und werdet mich nicht finden."

39. Jesus sprach: "Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Erkenntnis (Gnosis) genommen und haben sie versteckt. Sie selbst sind nicht eingetreten, noch haben sie es denen gestattet die eintreten wollen. Ihr jedoch seid weise wie die Schlangen und unschuldig wie die (weißen) Tauben."

40. Jesus sprach: "Ein Weinstock wurde außerhalb des Vaters gepflanzt, da er aber nicht befestigt ist, wird er an der Wurzel ausgerissen werden und verderben."

41. Jesus sprach: "Wer in seinen Händen hält, dem wird gegeben, und wer nichts hat, dem wird sogar sein Weniges genommen."

42. Jesus sprach: "Werdet in dem ihr dahinscheidet."

43. Sein Jünger sprachen zu ihm: "Wer seid ihr, dass ihr diese Dinge zu uns sagt?"
Jesus sprach: "Ihr versteht nicht wer ich bin daran was ich zu euch sage, ihr aber seid geworden wie die Judäer, die den Baum entweder lieben und seine Früchte hassen oder die Früchte lieben und den Baum hassen."

44. Jesus sprach: "Wer auch immer wider den Vater lästert, dem wird vergeben. Wer auch immer wider den Sohn lästert, dem wird vergeben. Wer jedoch wider den Heiligen Geist lästert, dem wird weder auf Erden noch im Himmel vergeben werden."

45. Jesus sprach: "Trauben werden nicht aus Dornensträuchern geerntet, noch Feigen aus Disteln, da sie keine Frucht geben. Ein edler Mensch bringt Gutes aus seinem Schatz hervor; Ein böser Mensch bringt Böses aus dem Schatz seines Herzens hervor, und spricht Übles, da er aus der Überfülle seines Herzens üble Dinge hervorbringt."

46. Jesus sprach: "Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den von Frauen Geborenen, keinen höheren als Johannes den Täufer, das seine Augen (vor ihm) nicht niedergeschlagen werden sollen. Doch ich habe gesagt: Wer auch immer von euch wird werden ein Kleiner, der wird das Königreich erkennen und wird größer werden als Johannes."

47. Jesus sprach: "Es ist einem Menschen nicht möglich, dass er zwei Pferde besteigt oder das er zwei Bogen spannt. Und es ist unmöglich für einen Diener zwei Herren zu dienen; sonst wird er den einen verehren und den anderen geringschätzen. Niemand trinkt alten Wein und will sofort neuen Wein trinken. Und neuer Wein wird nicht in alte Weinschläuche gefüllt, da diese sonst platzten; noch wird alter Wein in neue Weinschläuche gefüllt, damit sie ihn nicht verderben. Man näht nicht alte Flicken auf ein neues Gewand, da sonst ein Riss entstünde."

48. Jesus sprach: "Wenn zwei miteinander Frieden schließen, in diesem einen Haus, werden sie sagen zu dem Berg: 'bewege dich fort' und er wird sich fort bewegen."

49. Jesus sprach: "Selig sind die Einsamen und Erwählten, denn ihr werdet finden das Königreich. Denn von dort kamt ihr, und dort hin werdet ihr zurückkehren."

50. Jesus sprach: "Wenn sie zu euch sagen, 'Wo kamt ihr her?',
sagt ihnen, 'Wir kamen aus dem Licht, dem Ort wo das Licht von selbst entstand, (sich selbst) begründete und sich in ihrem Bilde offenbarte.' Wenn sie zu euch sagen, 'Ihr seid es?', sagt, 'Wir sind seine Kinder und wir sind die Erwählten des lebendigen Vaters.' Wenn sie euch fragen, 'Was ist das Zeichen eures Vaters in euch?', sagt ihnen, 'Es ist Bewegung und Ruhe.'"

51. Seine Jünger sprachen zu ihm: "Wann wird sich die Ruhe der Toten ereignen, und wann wird die neue Welt kommen?"
Er sprach zu ihnen: "Was ihr erwartet, ist bereits gekommen, doch ihr erkennt es nicht."

52. Seine Jünger sprachen zu ihm: "Vierundzwanzig Propheten sprachen in Israel, und alle sprachen in dir."
Er sprach zu ihnen: "Ihr habt ausgelassen den Lebendigen, der vor euch ist und habt (nur) von den Toten gesprochen."

53. Sie sprachen zu ihm: "Ist die Beschneidung von Nutzen oder nicht?"
Er sprach zu ihnen: "Wenn es von Nutzen wäre, hätte der Vater sie in ihrer Mutter bereits beschnitten gezeugt. Eher hatte die wahre Beschneidung des Geistes vollen Nutzen gehabt."

54. Jesus sprach: "Selig sind die Armen, denn euer ist das Himmelreich."

55. Jesus sprach: "Wer nicht seinen Vater und seine Mutter hasst, kann nicht mein Jünger werden. Und wer nicht seine Brüder und Schwestern hasst und nicht das Kreuz nimmt wie ich, wird meiner nicht wert sein."

56. Jesus sprach: "Wer auch immer kam um die Welt zu erkennen, fand nichts als (nur) eine Leiche. Und wer auch immer eine Leiche fand, der ist der Welt überlegen."

57. Jesus sprach: "Das Königreich des Vaters gleicht einem Menschen der (gute) Saat hatte. Sein Feind kam des Nachts und säte Unkraut unter die gute Saat. Der Mensch erlaubte den Arbeitern nicht, das Unkraut auszureißen; er sprach zu ihnen: 'Ich fürchte ihr wollt das Unkraut jäten und reißt auch das Getreide heraus.' Denn am Tag der Ernte wird das Unkraut deutlich sichtbar werden, und es wird ausgerissen und verbrannt werden."

58. Jesus sprach: "Selig ist wer gelitten hat. Er hat das Leben gefunden."

59. Jesus sprach: "Achtet auf den Lebendigen, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterbt und euch bemüht, ihn zu sehen, und unfähig werdet sehen zu können."

60. (Er sah) einen Samariter der ein Lamm auf seinem Weg nach Judäa trug. Er sprach zu seinen Jüngern: "Dieser ist um das Lamm"
Sie sprachen zu ihm: "So dass er es schlachte und esse."
Er sprach zu ihnen: "Solange es lebt, wird er es nicht essen, sondern nur, wenn er es geschlachtet hat und es eine Leiche geworden ist."
Sie sprachen zu ihm: "Er kann nicht anders tun."
Er sprach zu ihnen: "Auch ihr sucht nach einem Ort, wo ihr Ruhe findet, damit ihr keine Leiche und nicht gegessen werdet."

61. Jesus sprach: "Zwei werden sich auf einem Bett ausruhen: der eine wird sterben und der andere wird leben."
Salome sprach zu ihm: "Wer bist du Mensch, obwohl vom Einen, kamst du auf mein Bett und aßest von meinem Tisch?"
Jesus sprach zu ihr: "Ich bin er, der vom Ganzen (Ungeteilten) herkommt. Mir wurde von den Dingen meines Vaters gegeben."
(Salome sprach:) "Ich bin deine Jüngerin."
(Jesus sprach zu ihr:) "Darum sage ich, wenn er (ganz) sein wird, wird er vom Licht erfüllt sein, wenn er aber geteilt ist, wird er von Finsternis erfüllt sein."

62. Jesus sprach: "Ich spreche von meinen Geheimnissen, zu denen die der Geheimnisse Wert sind. Lasse nicht deine Linke wissen, was deine Rechte tut."

63. Jesus sprach: "Da war ein reicher Mann, der viel Geld hatte. Er sprach: 'Ich sollte mein Geld verwenden, um sähen, ernten, pflanzen, und meine Speicher mit Erzeugnissen füllen, damit mir an nichts fehlt. So dachte er, doch in jener Nacht starb er. Wer Ohren hat, möge hören."

64. Jesus sprach: "Ein Mann empfing Gäste. Und als er das Mahl angerichtet hatte, sandte er nach seinem Diener Gäste einzuladen. Er ging zum ersten und sagte zu ihm: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sprach: 'Ich habe Forderungen gegenüber einiger Händler (einzuholen). Sie kommen heute Abend zu mir. Ich werde gehen und ihnen Anweisungen erteilen. Ich entschuldige mich für das Mahl.' Er ging zu einem anderen und sprach: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sprach zu ihm: 'Ich habe gerade ein Haus gekauft und werde den Tag über gebraucht. Ich werde keine Zeit haben.' Er ging zu einem anderen und sagte: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sprach zu ihm: 'Mein Freund wird heiraten und ich werde das Mahl zubereiten. Ich kann nicht kommen. Ich entschuldige mich für das Mahl.' Er ging zu einem anderen und sprach: 'Mein Herr lädt dich ein.' Er sprach zu ihm: 'Ich habe einen Gutshof gekauft, und bin auf dem Weg die Pacht einzuholen. Ich werde nicht kommen können. Ich bitte um Entschuldigung.' Der Diener ging zurück und sprach zu seinem Herrn: 'Die du zum Mahl geladen hast, baten um Entschuldigung.' Der Herr sprach zu seinem Diener, 'Geh hinaus auf die Straßen und bringe wen du findest, damit sie speisen dürfen.' Geschäftsleute und Händler werden die Orte meines Vaters nicht betreten."

65. Er sprach: "Da war ein guter Mann, der besaß einen Weinberg. Er verpachtete ihn an Winzer, damit sie ihn beackern mögen und er die Frucht von ihnen erhielte. Er schickte seinen Diener, damit die Pächter ihm die Erzeugnisse des Weinberges gäben. Sie vergriffen sich an seinem Diener und schlugen ihn - hätten ihn fast erschlagen. Der Diener kehrte zu seinem Herrn zurück und sagte es ihm. Sein Herr sprach: 'Vielleicht hat er sie nicht erkannt.' Er sandte einen anderen Diener. Die Pächter schlugen auch ihn. Dann sandte der Eigentümer seinen Sohn und sagte: 'Vielleicht werden sie meinen Sohn respektieren.' Da aber die Pächter erkannten, dass es der Erbe des Weinberges war, ergriffen sie ihn und schlugen ihn tot. Wer Ohren hat, möge hören."

66. Jesus sprach: "Zeig mir die Steine, die die Bauleute verworfen haben: Das ist der Eckstein."

67. Jesus sprach: "Jene die alles erkennen, jedoch sich selbst gegenüber verfehlen, verfehlen vollkommen."

68. Jesus sprach: "Selig seid ihr wenn ihr gehasst und verfolgt werdet. Wo auch immer sie euch verfolgt haben, werden sie den Ort nicht finden."

69. Jesus sprach: "Selig sind jene, die in ihren Herzen verfolgt wurden. Sie sind es, die den Vater wahrhaftig erkannt haben.
Selig sind die Hungrigen, denn der Magen der verlangt wird gefüllt."

70. Jesus sprach: "Wenn ihr das hervorbringt, was in euch ist, wird euch retten was ihr habt. Wenn ihr nicht das hervorbringt, was in euch ist, wird euch das was ihr nicht hervorbringt töten."

71. Jesus sprach: "Ich werde dieses Haus niederreißen, und keiner wird fähig sein es wieder aufzubauen."

72. Ein Mann sprach zu ihm: "Sage meinen Brüdern, dass sie die Güter meines Vaters mit mir teilen sollen."
Er sprach zu ihm: "Oh Mann, wer machte mich zu einem Teiler?"
Er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach: "Ich bin kein Teiler - bin ich einer?"

73. Jesus sprach: "Die Ernte ist groß, doch der Arbeiter sind wenige.
Darum bittet den Herrn, das er Arbeiter für die Ernte sende."

74. Er sprach: "Oh Herr, viele sind um die Trinkmulde, doch nichts ist in der Zisterne."

75. Jesus sprach: "Viele stehen an der Tür, doch es sind die Einsamen, die ins Brautgemach eintreten werden."

76. Jesus sprach: "Das Königreich des Vaters gleicht einem Händler der Waren hatte und der eine Perle entdeckte.
Dieser Händler war klug. Er verkaufte die Ware und kaufte sich allein die Perle. Auch ihr solltet nach dem unfehlbaren und beständigen Schatz suchen, woran keine Motte kommt zu nagen und kein Wurm um zu zerstören."

77. Jesus sprach: "Ich bin das Licht dass über allen ist. Ich bin das All. Aus mir ist das All hervorgegangen, und bis an mich dehnt es sich aus. Spalte ein Stück Holz und ich bin da. Hebt den Stein auf und ihr werdet mich dort finden."

78. Jesus sprach: "Warum seid ihr in die Wüste hinaus gegangen? Um ein Schilf im Winde schwanken zu sehen? Und einen Menschen zu sehen, der in weiche Gewänder gekleidet ist, wie eure Könige und ehrenwerten Männer? Unter ihnen sind die feinen Gewänder und sie sind unfähig die Wahrheit zu erkennen."

79. Eine Frau aus der Menge sprach zu ihm: "Gesegnet sei der Schoß der dich zur Welt brachte und die Brüste die dich säugten."
Er sprach zu ihr: "Selig sind jene, die das Wort des Vaters vernahmen und es wahrhaftig bewahrten. Denn es werden Tage kommen an denen ihr sagen werdet: Gesegnet sei der Schoß der nicht empfangen hat und die Brüste die keine Milch gaben."

80. Jesus sprach: "Er der die Welt erkannt hat, hat den ganzen Körper gefunden. Er aber der den ganzen Körper gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig."

81. Jesus sprach: "Wer reich geworden ist, soll König sein und wer die Macht besitzt, soll sie aufgeben."

82. Jesus sprach: "Er der mir nahe steht, ist dem Feuer nahe, und wer mir fern ist, ist fern des Königreichs."

83. Jesus sprach: "Die Abbilder sind den Menschen sichtbar, doch das Licht in ihnen bleibt im Abbild des Lichtes des Vaters verborgen. Er wird offenbar werden, doch dieses Abbild wird durch sein Licht verborgen bleiben."

84. Jesus sprach: "Wenn ihr eure Ähnlichkeit erblickt, jubelt ihr. Wenn ihr aber eure Abbilder seht, die vor euch entstanden, und die weder sterben noch sich offenbaren, wieviel müsst ihr dann ertragen!"

85. Jesus sprach: "Adam wurde geschaffen aus einer großen Macht und großem Reichtum, doch er wurde eurer nicht würdig. Denn wäre er würdig gewesen, hätte er den Tod nicht geschmeckt."

86. Jesus sprach: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, doch der Menschensohn hat keinen Ort, sein Haupt niederzulegen und auszuruhen."

87. Jesus sprach: "Bemitleidenswert ist der Leib, der von einem Leibe abhängig ist, und bemitleidenswert ist die Seele die abhängig ist von diesen beiden."

88. Jesus sprach: "Die Engel und die Propheten werden zu euch kommen und euch geben was (bereits) euch gehört. Und auch ihr gebt ihnen Dinge die ihr habt, und sagt unter euch: Wann werden sie kommen und das ihre empfangen?"

89. Jesus sprach: "Warum wascht ihr die Außenseite des Bechers? Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, der Selbe ist, der das Äußere gemacht hat?"

90. Jesus sprach: "Kommt zu mir, denn leicht ist mein Joch und meine Herrschaft ist mild, und ihr werdet für euch selbst Ruhe finden."

91. Sie sprachen zu ihm: "Sag uns wer du bist, damit wir an dich glauben können."
Er sprach zu ihnen: "Ihr lest das Antlitz des Himmels und der Erde, doch habt ihr nicht den erkannt, der vor euch ist, und ihr wisst nicht zu prüfen diesen Augenblick."

92. Jesus sprach: "Sucht, und ihr werdet finden. Doch worüber ihr mich einst fragtet und was ich euch nicht sagte, will ich euch jetzt sagen, ihr aber fragt nicht danach."

93. Jesus sprach: "Gebt nicht was Hunden heilig ist, damit sie es nicht auf den Misthaufen werfen. Werft nicht die Perlen vor die Schweine, damit sie sie nicht [...]."

94. Jesus sprach: "Wer sucht der wird finden, wer anklopft, dem wird aufgetan."

95. Jesus sprach: "Wenn ihr Geld habt, verleiht es nicht mit Zinsen, sondern gebt (es) jemandem, von dem ihr es nicht zurück bekommt."

96. Jesus sprach: "Das Königreich des Vaters gleicht einer Frau. Sie nahm etwas Sauerteig, (verbarg) es im Teig, und machte daraus große Laibe. Wer Ohren hat, möge hören."

97. Jesus sprach: "Das Königreich des (Vaters) gleicht einer Frau, die einen Krug voller Mehl trug. Während sie auf fernem Wege ging, brach der Henkel des Kruges und das Mehl verstreute sich hinter ihr auf dem Weg. Sie bemerkte es nicht; sie bemerkte den Unfall nicht. Als sie ihr Haus erreichte, stellte sie den Krug ab und fand ihn leer."

98. Jesus sprach: "Das Königreich des Vaters ist wie ein Mann der einen Mächtigen töten wollte. In seinem eigenen Haus zog er das Schwert, schlug es in die Wand, um herauszufinden, ob seine Hand stark genug wäre. Dann erschlug er den Mächtigen."

99. Die Jünger sprachen zu ihm: "Eure Brüder und eure Mutter stehen draußen."
Er sprach zu ihnen: "Jene hier, die den Willen meines Vaters tun, sind meine Brüder und meine Mutter. Sie sind es die ins Königreich meines Vaters eingehen werden."

100. Sie zeigten Jesus eine Goldmünze und sprachen zu ihm: "Die Männer Cäsars verlangen Steuern von uns."
Er sprach zu ihnen: "Gebt Cäsar, was Cäsar gehört, gebt Gott was Gott gehört, und gebt mir was mein ist."

101. Jesus sprach: "Wer seinen Vater nicht hasst und seine Mutter, so wie ich es tue, kann nicht mein Jünger werden. Und wer immer seinen Vater (nicht) liebt und seine Mutter, so wie ich es tue, kann nicht mein Jünger werden. Denn meine Mutter [...], aber (meine) wahre (Mutter) gab mir das Leben."

102. Jesus sprach: "Wehe den Pharisäern, die sind wie ein Hund der in der Krippe des Ochsen schläft. Denn weder frisst er, noch lässt er die Ochsen fressen."

103. Jesus sprach: "Glücklich ist der Mensch, der weiß wo die Räuber einsteigen werden, damit er aufstehe, so dass er seinen Besitz einsammle und sich bewaffnet bevor sie einfallen."

104. Sie sprachen zu Jesus: "Komm, lass uns heute beten und lass uns heute fasten."
Jesus sprach: "Was ist die Sünde die ich begangen habe oder worin bin ich besiegt worden? Wenn aber der Bräutigam das Brautgemach verlässt, dann lasst sie fasten und beten."

105. Jesus sprach: "Er der Vater und Mutter kennt, wird Sohn der Hure genannt werden."

106. Jesus sprach: "Wenn ihr zwei zu einem macht, werdet ihr Menschensöhne werden, und wenn ihr sagt: 'Berg, bewege dich fort,' wird er sich hinweg bewegen."

107. Jesus sprach: "Das Königreich gleicht einem Schäfer der hundert Schafe besaß. Eines davon, das größte, verirrte sich. Er ließ die neunundneunzig Schafe und suchte nach dem einen, bis er es fand. Nachdem er soviel Ärger damit hatte, sprach er zu dem Schaf: 'Ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.'"

108. Jesus sprach: "Wer trinkt von meinem Mund, wird werden wie ich. Ich selbst werde werden wie er, und die Dinge im Verborgenen werden ihm enthüllt werden."

109. Jesus sprach: "Das Königreich ist wie ein Mensch der auf seinem Acker einen (verborgenen) Schatz hatte, von dem er nichts wusste. Und (nachdem) er verstarb, überließ er ihn seinem Sohn. Der Sohn wusste nicht (von dem Schatz). Er erbte den Acker und verkaufte (ihn). Und der ihn kaufte, pflügte den Acker und fand den Schatz. Er begann Geld gegen Zinsen zu verleihen, wem er auch wollte."

110. Jesus sprach: "Wer immer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, der soll die Welt aufgeben."

111. Jesus sprach: "Der Himmel und die Erde werden in eurer Gegenwart aufgerollt werden. Und einer der vom Lebendigen Einen lebt, wird den Tod nicht schmecken. Sagt nicht Jesus: Wer immer sich selbst findet, dessen ist die Welt nicht würdig?"

112. Jesus sprach: "Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängt; wehe der Seele die vom Fleisch abhängt."

113. Seine Jünger sprachen zu ihm: "Wann wird das Königreich kommen?"
Jesus sprach: "Es wird nicht kommen, wenn es erwartet. Niemand wird sagen, hier ist es, oder dort ist es. Eher ist das Königreich des Vaters auf der Erde ausgebreitet, und die Menschen sehen es nicht."

114. Simon Petrus sprach zu ihm: "Maria (Magdalena) soll von uns gehen, denn Frauen sind des Lebens nicht wert."
Jesus sprach: "Ich selbst werde sie führen, um sie männlich zu machen, so dass auch sie ein lebendiger Geist (Pneuma) wird, der euch Männern gleicht. Denn jede Frau die sich selbst männlich macht, wird in das Königreich des Himmels eingehen."

Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi

Ein Sonnenstrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen.

Du höchster,
Allmächtiger,
Einzig-guter,

Dein ist der Lobpreis
Und Ruhm
Die Ehre
und jegliches Benedeien
Dir allein, höchster
Gebühren sie
Und keiner der Menschen
ist wert,
Dich im Munde zu führen.

Sei gelobt, mein Herr,
Mit all deinen Kreaturen.
Sonderlich
Mit der hohen Frau,
Unserer Schwester, der Sonne
Die den Tag macht
Und mit ihrem Licht
Uns leuchtet.

Wie schön in den Höhn
Und prächtig
In mächtigem Glanze
Bedeutet sie,
Herrlicher,
Dich.

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Mond
Und die Sterne,
Die du am Himmel geformt
In köstlich funkelnder Ferne.

José Benlliure y Gil: San Francisco sube a la gloria en compañía de sus discípulos y devotos.

Gemälde des Heiligen Franziskus von José Benlliure y Gil

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Wind
Und für Luft und Gewölk
Und heitres
Und jegliches Wetter,
Wodurch du belebst
Die Kreaturen,
Dass sie sind.

Sei gelobt, mein Herr,
Für die Schwester Quelle
Die so nützlich ist,
Gering und köstlich
Und keusch und helle.
 

Sei gelobt, mein Herr,
Für Bruder Feuer,
Durch den du erleuchtest
Die Nacht
Sein Sprühn ist kühn,
Heiter ist er,
Schön
Und gewaltig stark.

Sei gelobt, mein Herr,
Durch unsre Schwester,
Die Mutter Erde,
Die uns versorgt
Und nährt
Und zeitigt allerlei Früchte
Und farbige Blumen
Und Gras.

Sei gelobt, mein Herr,
Für Jene,
Die verzeihen
Aus Liebe zu Dir
Und Elend tragen
Und Mühsal.

Selig jene,
Die Dulden in Frieden,
Weil sie von Dir,
O höchster,
Die Krone empfangen.

Sei gelobt, mein Herr,
Für unsern Bruder Tod,
Den herben,
Dem kein Lebender
Entrinnen kann.

Weh, ach denen,
Die sterben
In Todsünden.

Selig jene,
Die sich gefunden
In Deinem Heiligsten Willen,
Denn ihnen
Kann der zweite Tod
Nicht an.

Lobet und preiset
Meinen Herrn
Voll Dankbarkeit
Und dienet ihm
In aller Niedrigkeit!

Quelle: Der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, Prof. Dr. Joseph Bernhart (Übers.), Gral Verlag Aloys Graef, Heidelberg, 1947

Was ist die Ewige Weisheit?

Denn die Weisheit ist schön und unvergänglich, und lässt sich gern sehen von denen, die sie lieb haben, und lässt sich finden von denen, die sie suchen. Ja, sie begegnet und gibt sich selbst zu erkennen denen, die sie gerne haben. Wer sie gern bald hätte, bedarf nicht viel Mühe; er findet sie vor seiner Tür auf ihn warten.

- Weisheit Salomos 6:13-15

In ihren exoterischen Formen unterscheiden sich die Religionen, traditionellen Riten und Weisheitslehren unserer Welt. Doch im Kern besitzen alle geistigen Wege und Schulrichtungen einen gemeinsamen, geheimen Ursprung, der so alt ist wie die Menschheit selbst.

Dafür steht der Begriff der Ewigen Weisheit. Es ist eine zeitlose, universale Philosophie über das Wesen all der vielen Weisheitstraditionen der Menschen unseres Planeten. Sophia Perennis ist der griechische Name für diese Schulrichtung der Philosophie und Religionswissenschaften, und allen damit verbundenen Traditionen in ihren geistigen und praktischen Ausrichtungen.

Nicht aber beharrt die Sophia Perennis etwa darauf über Wissen absoluter Wahrheit zu verfügen. Eher will sie dazu anregen nach echten Parallelen in den verschiedenen Traditionen in West und Ost zu forschen und dabei zu zeigen, dass im Wesentlichen alle Traditionen einen gemeinsamen Kern haben.

In der Tradition der Sophia Perennis existiert auch eine esoterische Doktrin, verkörpert im Bild der Agia Sophia - der personifizierten, heiligen Weisheit. Sie kündet vom Wesen der göttlichen Vernunft und ihrer Schöpfung, in ihren universalen Manifestationen, als Urgeist, Welt und Seele.

Himmel (Mikrokosmos), Mensch (Mesokosmos) und Erde (Makrokosmos) sind drei, jeweils in sich vollkommene Welten. Darin vermittelt die Agia Sophia als Weisheitsprinzip, das Wesen eines höheren Geistes, der jedoch erhaben ist über alle Traditionslinien in Philosophie und Religion.

Warum der Paradiesbaum ein Gleichnis auf die Welt ist

von S. Levent Oezkan

Die Welt ließe sich mit einem Baum vergleichen, der in einem Paradiesgarten wächst.

Nun ist die Erde mit ihrer nährstoffhaltigen Feuchte bestrebt, dass der Baum wächst, welcher seinerseits Früchte hervorbringen will.

Wenn nun der Baum nur wenige und madige Früchte trägt, so liegt das an den astralen Kräften die im Erdreich walten.

Je älter der Baum, desto süßer seine Früchte. Und wenn seine Äste alt werden und verdörren, so treiben kleine Zweige aus seinem Stamm und aus der Wurzel, solange bis der ganze Stamm dürre und schließlich gefällt wird.

All das was der Baum ist, ist ein Gleichnis auf die Welt. Der Acker in dem er wächst ist die Natur. Der Stamm deutet in die Sterne, während die Äste ein Sinnbild für die Elemente sind. Die Früchte auf dem Baum sind wie die Menschen in der Welt - der Pflanzensaft der in den Ästen quillt, das ist die reine Gottheit. Die Natur von der die Rede war, hat nun aber zwei Qualitäten: eine heilige und eine üble.

Wenn der Mensch, der die Frucht dieses Weltenbaumes ist, sich der Gottheit zuwendet, so beginnt in ihm der Heilige Geist zu wirken. Und gleichwie Frost und übermäßige Hitze die Früchte auf dem Baum verderben, so wird der Mensch verdorben, der nicht vermeidet, dass das Gift des Bösen in ihm zu wirken beginnt - weil der Mensch eben beide Qualitäten in sich hat. Aber nur eine muss er überwinden, während er der anderen sein Leben widmen sollte.
 

Inspiration: "Aurora Morgenröte im Aufgang", Jakob Böhme

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Das Vaterunser im Christentum

Griechischer
Urtext

Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς.
Ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου.
ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου.
γενηθήτω τὸ θέλημά σου,
ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς.
Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον.
καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν,
ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν.
καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν,
ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ.

Lateinische
Vulgata-Fassung

Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.

Deutsche Einheitsübersetzung

Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel,
So auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Paradies und Sündenfall

Das nachfolgende Märchen versucht die verschiedenen Wahrheiten religiöser und gnostischer Schriften miteinander in Einklang zu bringen. Bewusst wird es als Märchen bezeichnet, da die Abhandlungen darin zwar aus dem Kanon der Bibel, dem heiligen Koran und Hadith, den apokryphen Schriften, dem Nag Hammadi Codex, sowie aus dem Gilgamesch Epos entnommen wurden, der Text aber seiner eigenen Chronologie folgt.

Es lassen sich Auszüge aus den heiligen Schriften in der Tat zu einer Gesamtheit ergänzen, da es teilweise deckungsgleiche Übereinstimmungen gibt, die sich geradewegs wie ein Puzzle nach Ergänzung "sehnen". Ein Warum wird in der alleinigen Genesis-Abhandlung nicht beantwortet, es sei denn man kenne die Bibel als Ganzes. Doch selbst dann bleibt die Vermutung bestehen, dass man weder eine Antwort auf dieses Warum bekommt, noch dass man versteht, wieso es zum Sündenfall kam und was der Zweck dessen war.
Alle Inhalte können über die verwendeten Fußnoten aus den heiligen Büchern entsprechend recherchiert und abgeleitet werden.

Ein Märchen aus dem Paradies

Gott schuf die Sonne, den Mond und den Tierkreis 1. Er setzte alle Sterne als Lichter an den Himmel, damit alles Irdische dem siderischen Umlauf der Gestirne folgen möge 2. Dann schuf er alle Engel und alle lebendigen Wesen, die im Feuer, in der Luft, im Wasser und aus der Erde geboren wurden 3.
Noch vor dem Menschen schuf er Lichtwesen aus rauchlosen Feuerflammen 4 und erst danach bereitete er dem Menschen einen Paradiesgarten in dieser geschaffenen Welt, über welchem die Wesen des Feuers schwebten um Gott und den Menschen zu dienen 5. Diese Welt trennte das himmlische vom irdischen Paradies und die Tore zum Himmel wurden durch den Lichtfürsten bewacht 6. Darunter befand sich der Garten Eden in welchem dann der Mensch sein Zuhause haben sollte.

Der irdische Paradiesgarten wurde durch vier Flüsse bewässert: Pischon war der Fluss der das Land des Goldes umringte, Gihon, der das ganze Land Kusch umfloss, Tigris war der im Osten gelegene dritte Fluss, welcher Aschur umfloss. Der vierte Strom hieß Euphrat 7. Und inmitten dieses paradiesischen Gartens, wuchsen zwei Bäume 8.
Beide Bäume wurzelten im Acker des Paradieses und waren alleine dem Menschen bestimmt. Die Früchte vom Baum des Lebens enthielten das Elixier des ewigen Jungbrunnens 9. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse war den Menschen aber verboten, weil der Genuss seiner Frucht den Tod bringen sollte 10. Aßen die Menschen aber nur vom Baum des Lebens, so blieben sie unsterblich.

Also formte Gott in seinem Abbild Mann und Frau 11 aus Erde, Wasser und Luft, denen er den Lebensgeist einhauchte 12, gleich dem aus dem Körper kommenden Windhauch, so man beim ausrufen des Amen vernimmt. Am Tag formte er den Mann aus Lehm und nannte ihn Adam. In der Nacht schuf er die Frau 13 und machte sie lebendig in der Luft. Daraufhin rief Gott alle Engel zu sich, auch den Torwächter des Paradieses, den er zu dieser Zeit noch von allen Feuerwesen am liebsten hatte, und darum einer der Erzengel war.

Und Gott ließ den Adam in den oberen Garten Eden emporsteigen 14 und sprach zu den Engeln: »Seht was ich geschaffen habe: den Menschen in meinem Abbild. Werft euch nieder vor ihm und betet ihn an«. Alle Erzengel und Engel warfen sich vor Adam nieder außer dem Lichtfürsten, welcher eine große Aufruhr machte und sprach: »Ihn hast Du nur aus Lehm geschaffen, mich aber aus Feuer. Ich bin ein höheres Wesen als er und mich gab es lange Zeit vor ihm«. Weil er aber dem Herrn widersprach, verbannte dieser ihn aus dem Paradies des Himmels 15. Er wurde vom heiligen Erzengel Michael in den finsteren Teil unterhalb des irdischen Paradieses gestürzt 16. Und so wurde er vom fürstlichen Thron des Lichtkönigs gestoßen, wurde zum Lichtbringer und zum Fürsten der Finsternis degradiert, dem Teufel auf Erden.

Auch die Frau war eifersüchtig auf Adam, denn sie war von gleicher Kraft und Schönheit, fühlte sich von Gott aber weniger geliebt. Sie war von hohem Geist und besaß große Klugheit, mit der sie den geheimen Namen Gottes entdeckte, den erst Jahrtausende später beim Auszug aus Ägypten, dem Moses am Sinai in einem brennenden Rosenbusch 17 verkündet werden sollte, denn im Geheimnis dieses Namens lagen die Schlüssel, mit der sich die Türen zu aller Weisheit öffnen ließen. Damit war sie gegen die Einflüsterungen des Teufels gefeit, wurde selbst zur Schöpferin und fühlte Sie sich Gott ebenbürtig, was aber wegen ihrer irdischen Herkunft die Unwahrheit war. Darum brachte Gott sie in die Wüste, wo sie dann unter den Wesen des Feuers als Nachtwind leben sollte 18.

Als all das geschehen war, brachte Gott den Adam wieder hinab in den unteren Garten Eden. Er sah aber, dass Adam alleine und traurig war. Also ließ er den Adam in einen tiefen Schlaf fallen, nahm eine seiner Rippen und verschloss seine geöffnete linke Brustseite mit Fleisch. Aus der Rippe baute Gott seine Frau und nannte sie Eva 19. Da sie aber von seinem Körper genommen, ein Teil von Adam wurde und schwächer war als er, trug der Mann auch ihre Bürde.

Aber in dieser Zeit schämten sich Adam und Eva nicht voreinander, denn sie erkannten ihr Geschlecht noch nicht 20. Der Teufel aber beneidete den Adam wegen seiner Vollkommenheit und er wollte ihm und seiner Frau schaden 21. Dazu drang er in die Schlange ein und lehrte ihr das Sprechen, wie einer, der einem Vogel die Sprache lehrt, einen grossen Spiegel zwischen ihn und sich selbst stellt, und anfängt mit ihm zu reden, so bringt er den Vogel, sobald er diese Stimme hört, dazu sich zu ihm umzuwenden, wo er dann im Spiegel seine eigene Gestalt sieht und darüber so sehr in Freude gerät, denn er glaubt im Spiegelbild einen Gefährten gefunden zu haben. Und so neigte die Schlange in Ruhe ihr Ohr und hörte die Worte dessen, der auf diese Weise mit ihr redete, horchte auf und lernte sprechen 22. So brachte der Teufel die Schlange zur Sprache, wohnte in ihr und kroch hinauf zum Wipfel des verbotenen Baumes.

Er beobachtete die Eva und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, bis sie allein war und rief sie dann durch die Schlange mit einer süßlich, flüsternden Stimme bei ihrem Namen, so dass sie zu dem verbotenen Baum kam. Und als sie zu ihr sprach, da wandte sie sich um und sah in der Schlange, ihr eigenes Bild, so wie sich einst die Schlange an ihrem Spiegelbild erfreute 23.

Die Schlange sprach zu Eva: »Hat euch Gott gesagt, ihr sollt nicht essen von dem einen der beiden Bäume mitten im Garten?«, sie antwortete, das Gott gesagt hatte die Früchte des einen Baumes weder zu berühren noch davon zu essen, denn sonst sollten sie beide sterben und in ihr erstes Kind würde der mordende Tod fahren 24.

Da sprach die Schlange zur Frau: »Gott weiß, sobald ihr von der Frucht der Gebotsübertretung esst, werden euch eure Augen aufgetan, dann werdet ihr sehen und selbst sein wie Gott und wissen, was gut und was böse ist« 25. Eva gefiel was sie gehört hatte, denn der Baum machte klug und war ein Augenschmaus 26, durch den sie von der verbotenen Frucht zu kosten trachtete. Und sie aß und ihr wurden die Augen aufgetan und sie erkannte ihr Geschlecht, wofür sie sich schämte und sich darum mit dem Apfel unter dem anderen Baum verbarg 27. Sie rief Adam, der zu ihr kam, dass er auch von der Frucht esse. Und als er davon aß, da erkannte auch er sein Geschlecht und das seiner Frau. Und als sie sich geliebt hatten, da versteckten sich beide und bedeckten ihre Geschlechter mit einem Feigenblatt 28, denn sie schämten sich vor Gott für was sie taten.

Gott suchte nach ihnen rufend »Wo seid ihr?«. Und Adam antwortete: »wir fürchteten uns vor dir, denn wir sind nackt«. Damit zeigte sich was geschah, denn sie hatten von dem verbotenen Baum gegessen und erkannten einander. Adam beschuldigte die Eva ihn überredet zu haben und die Eva beschuldigte die Schlange 29. Und Gott verfluchte die Schlange für ihre Tat, schloss die Füße in ihren Bauch ein und zwang sie den Staub der Erde zu fressen 30. Sie war von nun an der Feind der Frau und solange die Schlange an den Boden gebunden war 31, waren die Nachkommen der Schlange, die Feinde der Nachkommen des Menschen 32.

Und weil sie sich für ihre Nacktheit schämten machte Gott ihnen königliche Seidengewänder aus der zarten Rinde des Lebensbaumes. Diese Kleider bildeten einen Schutz für den Körper des Schmerzes 33.

Nun aber da sie Gott eingekleidet hatte, Adam und Eva aber ihre Unsterblichkeit durch die Nahrung vom Baum des Lebens entzogen werden musste, sollten sie nicht weiter im Paradies leben, denn sonst hätte der Teufel in seiner Eifersucht das Paradies durch die Menschen zerstören können und hätte so die Menschheit ausgelöscht 34.

Also wies Gott den Menschen aus dem Garten Eden, damit Adam die Ackererde bebaue, aus der ihn Gott einst geschaffen hatte, womit sein Leben auf der Erde eine Frist bekam 35. Und so wie einst der Lichtfürst aus dem Himmelsparadies verstoßen wurde und hinabgefallen war ins Erdreich, so trieb der Erzengel Michael die Menschen in ein Lager, welches sich etwas unterhalb des Gartens befand. Die Pforte zum irdischen Paradies, die den Weg zum Baum des Lebens verschloss, ließ er durch den heiligen Erzengel Gabriel mit dem flammenden Schwert bewachen 36.

Nachdem sie in Trauer aus dem irdischen Paradies gingen, sprach Gott zu Adam:

»Gräme dich nicht, denn nach der Erfüllung eurer Lebenszeit auf Erden und derer eurer Nachkommen, werde ich ein Kind senden und es wird durch den heiligen Geist auf die Erde herabkommen und von einer Jungfrau namens Maria geboren werden. Durch ihren Sohn wird deine Erlösung und Rückkehr vollbracht sein, denn er wird sterben für eure Sünden am Kreuz. Dort auf der Schädelstätte, werden die Söhne Deiner Nachkommen, nämlich Sem, der Sohn des Noah und Melchisedek der König von Salem, deinen Leichnahm begraben, dort wo Dein Nachkomme Abraham das Lamm statt seines Sohnes Isaak opfern wird, dort wo man dann am Abend des ersten Frühlingsmondes das Lichterfest begeht, dort in der Stadt des heiligen Sterns, wo die Menschen das Licht der Welt erblicken. 37«

Fußnoten

1 Genesis 1:14-17

2 Sure 55:5

3 Genesis 1:12, 20-21, 24-25

4 Sure 55:15, Sure 66:6

5 Sure 51:56

6 Hadith Buch 39, Nr. 6754, 6754, Nag Hammadi VI-8, 82-83

7 Genesis 2:10-14, Sure 18:31

8 Genesis 2:9

9 Offenbarung 2:7

10 Genesis 2:17

11 Genesis 1:27

12 Genesis 2:7, Apokryphen Schatzhöhle 2:8

13 Gilgamesch Epos, Tafel 12, Der Huluppu Baum

14 Apokryphen Schatzhöhle 3:8

15 Sure 38:74-77, Apokryphen Schatzhöhle 3:2-6

16 Offenbarung 12:7-8, Sure 38:94-95

17 Exodus 3:2-5, 14-15

18 Jesaja 34:14

19 Genesis 2:21-24

20 Genesis 2:25

21 Apokryphen Schatzhöhle 4:4

22 Apokryphen Schatzhöhle 4:8-13

23 Apokryphen Schatzhöhle 4:13

24 Genesis 3:3, Sure 7:18, Genesis 4:8

25 Genesis 3:5, Sure 7:19

26 Genesis 3:6

27 Apokryphen Schatzhöhle 4:16

28 Genesis 3:7, Sure 7:21

29 Genesis 3:9-14

30 Genesis 3:14; Apokryphen Schatzhöhle 5:5

31 Exodus 4:3; Numeri 21:8-9

32 Genesis 3:15

33 Apokryphen Schatzhöhle 4:23

34 Ezechiel 36:34-37

35 Genesis 3:17; Genesis 3:23; Sure 38:80

36 Genesis 3:24

37 Apokryphen Schatzhöhle 5:3-12,23:15-23; Genesis 14:18-20; Hebräer 7,1; Genesis 22:13; Matthäus 1:18-20; Matthäus 5:14; Johannes 8:12; Johannes 19:17

Die 10 Erzengel in der Kabbala

Das Wort Erzengel bedeutet "Herrscher der Boten" (griech. ἄρχω άγγελος, Archo Angelos). Diese obersten Boten sind Lichtwesen, welche in den Sephiroth des kabbalistischen Lebensbaumes ihr Zuhause haben.

Als Verkörperung der geistigen Kräfte, sind sie mit bestimmten Funktionen bekleidet, welche sie in der göttlichen und in der physischen Welt ausüben. Jedem der 10 Erzengel der Kabbalah, darunter Metathron, Raziel, Zaphkiel, Zadkiel, Kamael, Michael,

Raphael, Ariel und Gabriel, haben jeweils acht Dienstengel; der Erzengel Sandalphon ist der Herr der Seelen auf Erden.

In den heiligen Schriften wie dem Koran, der Bibel und dem Tanach werden vor allem die drei Erzengel Michael (isl. Mikail), Raphael (isl. Israfil) und Gabriel (isl. Dschibril) aufgeführt. Alle anderen Erzengel waren nur den eingeweihten Mystikern, sowie den Gelehrten verschiedener esoterischer Schulen bekannt.

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