Das Buch Kohelet - Neuntes Kapitel

von Prediger Salomo (Übersetzung: S. Levent Oezkan)

Denn ich habe alles mir zu Herzen genommen, alles zu erforschen, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Werke in Gottes Hand liegen. Kein Mensch kennt die Liebe noch den Hass der ihm bevorsteht.

Es begegnet dasselbe dem einen wie dem anderen, dem Gerechten wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem, der opfert, wie dem, der nicht opfert. Wie es dem Guten geht, so geht es auch dem Sünder. Wie dem der schwört, so geht es auch dem, der den Eid fürchtet.

Das ist das Schlimme an allem, was unter der Sonne geschieht: Dass es einem geht wie dem anderen. Daher wird auch das Herz der Menschen voll des Unguten, und Verblendung ist in ihrem Herzen, so lange sie leben und danach müssen sie sterben.

Denn bei allen Lebenden ist, was man wünscht: Zuversicht. Denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe.

Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden. Die Toten aber wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen.

Man liebt sie nicht mehr, noch hasst, noch neidet man ihnen, und sie haben keinen Teil mehr an allem auf dieser Welt, was unter der Sonne geschieht.

So gehe hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut. Denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.

Lass deine Kleider immer sauber sein und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.

Genieße das Leben mit der Frau, die du lieb hast, alle die Tage deines vergänglichen Lebens, das dir Gott gegeben hat unter der Sonne, solange dein vergängliches Leben währt.

Denn das ist dein Teil im Leben und in deiner Arbeit, die du tust unter der Sonne. Drum: Alles, was deine Hand zu tun vermag, das tue. Denn weder Tun, noch Rechnen, noch Erkenntnis, noch Weisheit gibt es in der Unterwelt, wohin dein Leib gehen wird.

Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass es den Wettlauf zu gewinnen nicht hilft schnell zu sein, im Streiten nicht hilft tapfer zu sein, noch auch die Weisen über das Brot verfügen, noch zum Reichtum hilft klug zu sein, noch nur die Verständigen über die Gunst verfügen. Sondern alles liegt an Zeit und Glück.

Auch kennt der Mensch nicht seine Zeit, sondern, wie die Fische gefangen werden in einem Netz das sie ins Verderben bringt, und wie die Vögel mit einem Strick gefangen werden, so werden auch die Menschen berückt zur Zeit des Unglücks, wenn es sie plötzlich überfällt.

Ich wurde unter der Sonne auch folgender Weisheit gewahr, und bedeutsam erschien sie mir: Da war eine kleine Stadt und wenig Leute darin, und es kam ein großer König und belagerte sie und baute hohe Bollwerke darum.

Es fand sich aber in ihr ein armer, weiser Mann, der dieselbe Stadt errettete durch seine Weisheit. Und kein Mensch gedachte desselben armen Mannes.

Da dachte ich mir: Weisheit ist ja besser als Macht. Doch verachtet man des Armen Weisheit und seinen Worten schenkt keiner Beachtung.

Doch die Worte des Weisen, die man in Stille vernimmt, sind besser als das Geschrei eines Herrschers unter den Narren.

Weisheit ist besser als Waffen, aber ein einziger Sünder verdirbt viel Gutes.