Was ist mir bestimmt?

von S. Levent Oezkan

Jeder der seine eigentliche Lebensaufgabe finden will, muss sich dafür selbst auf den Weg machen. Niemand sonst kann diesen Weg antreten, führt er doch jeden von uns zu seiner höheren Bewusstheit – etwas, das sich nicht außerhalb unseres Seins befindet, sondern auf diesem Weg, in uns gefunden und beschritten werden will.

Auf diesen Pfad begibt sich einer, der von der Existenz eines Höheren Selbst ausgeht und glaubt, dass die Seele an ihre weltliche Inkarnation gebunden ist. Es ist dieser Pfad, der das Geistige und das Seelische verbindet.

Am Wichtigsten dabei aber ist, dass wir mit Gelassenheit vorgehen, um geduldig diesen Pfad zu erfinden – denn es gibt ihn noch nicht. Das Finden ist die Suche. Darum können wir darauf nur Schritt für Schritt wandeln. Wir bilden ihn durch unser Voranschreiten, in mehreren Etappen und Phasen dieses Lebensweges.

Niemand anderes kann für uns diesen Weg antreten. Denn er entsteht allein durch unser Fortkommen. Nur wir erschaffen ihn, da nur wir ihn beschreiten können. Wer also versucht dem Weg eines anderen Menschen zu folgen, verschwendet einfach nur seine Zeit!

Und doch gibt es Vorbilder, religiös oder weltlich, die auf die Schwellen unseres Fortschreitens hindeuten können, wie auch die Kreuzungspunkte an denen wir Anderen begegnen, die uns während einer Etappe unseres Lebensweges begleiten. Wenn es also zuvor hieß, dass wir nur selbst unseren Lebensweg gehen können, bedeutet das nicht, dass wir ihn nicht auch mit anderen teilen. Niemand in der Welt kann leben ohne seine Mitmenschen. Wir brauchen einander. Doch wir sollten uns nicht voneinander abhängig machen.

Leider aber gibt es da all die vielen Möchtegern-Gurus, die behaupten den wahren Weg zur Erleuchtung zu kennen. Doch statt ihre Jünger auf ihren inneren, rechten Pfad zu führen, lassen sie sie in die Irre laufen. Wohl, weil sie jenen Pfad nicht einmal für sich gefunden, geschweige denn gegangen waren.

Der kalifornische Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti sagte einst dazu: »Die Wahrheit ist ein pfadloses Land«.

Dem eigenen Lebensweg folgen

Auch wenn man das manchen Religionsführern ankreiden könnte, sollte man dennoch aufpassen, dass man Empfehlungen und Hinweise auf einen rechten Pfad, nicht verwechselt mit einem Befehl etwas tun zu müssen.

Alle Weisheiten, Philosophien und religiösen Vorstellungen könnten hingegen als Inspirationsquellen gesehen werden, die unsere Fantasie beflügeln. Was wir aus unserer Fantasie an Aktivitäten ableiten, bleibt uns selbst überlassen und niemand ist berechtigt, uns welche aufzuoktroyieren. Wer jedoch diese, seinem Wesen entsprechenden Handlungen für sich entschieden hat, der sollte sie auch tatsächlich ausüben, so gut als nur möglich.

Manche dieser Handlungen sind aber vielleicht gar nicht jene, die uns leicht fallen. Der Grund aber, dass uns solche Aktivitäten und Handlungen inspirieren, die uns zu Anfangs noch schwer fallen, liegt aber eigentlich auf der Hand: Wir sollen sie erlernen, da wir sie wohl für unsere Entwicklung benötigen.

Jeder der seinem Pfad folgt, verspürt eine dabei aufkommende Freude in sich. Man sollte also stets seinem Glück folgen, dem was einen glücklich, was einen selig macht.

Alles was man im Leben unternimmt, sollte sich darum auf diesem Weg des Glücks befinden. Alles was einen unglücklich macht oder zum eigenen Unglück beiträgt, sollte tunlichst unterlassen werden. Sicherlich ist es darum ratsam, sich mit Menschen und Sachen zu umgeben, die einem gut tun.

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen und manchmal benötigt es etwas Zeit, bis wir den ersten Schritt dieser inneren Reise antreten können.

Doch sich mit Negativthemen zu befassen, die einem Sicherheitsgefühle vortäuschen, da man etwa andere Menschen in Angst sieht, wie beispielsweise in Krimi-Filmen, ist einfach schädlich für unser Glücksempfinden. Und was für solche Filme zutrifft, das ist erst recht wahr für die Nachrichten im Fernsehen. Zeitungen sind da eine echt gute Alternative. Es liegt an Ihnen.

Glauben Sie mir: Selbst wenn Sie eine Woche keine Nachrichten schauen und zum Beispiel Ihre Kollegen oder Partner am Mittagstisch fragen, ob irgend etwas drastisches passiert sei, werden sie sehr wahrscheinlich erst einmal schweigen, bevor sie ihnen mitteilen »eigentlich nicht, das Übliche halt«.

Auch wenn wir glauben, dass wir uns selbst in Sicherheit wähnen, während im Außen (zum Beispiel im Bildschirm Ihres Fernsehers) andere Menschen leiden, selbst wenn auch nur geschauspielert, erleben wir deren Bedrängnis und damit wird das, wenn auch nur vorübergehend, ein Teil unseres Lebens. Auf diese Weise häufen wir Negativ-Emotionen an, die uns irgendwann auch belasten und die Sicht auf unser Glück letztendlich verstellen.

Glück und Zufall

Einen Rat den ich jedem geben würde, wäre seinen Lebensweg achtsam zu beschreiten. Achtsamkeit heißt, die sinnliche Welt als solche bewusst wahrzunehmen. Dazu gehört etwa bewusstes Atmen, dass man spürt und nach dem man auch lauschen kann.

Wer achtsam ist bemerkt auch sehr gut, welche Dinge im Leben ihm zufallen. Das heißt natürlich nicht, dass wir alles das uns vor die Füße fällt überbewerten sollten. Doch es lohnt sich allemal, jene Zufälle zu erkennen, die uns inspirieren und manchmal sogar Antworten auf unsere wichtigsten Fragen liefern. Es sind Wegweiser, die uns darauf hinweisen an welcher Stelle wir einen neuen Weg einschlagen sollten.

Besonders ergeben sich Schwierigkeiten und Probleme im Leben, wenn wir an eine neue Abzweigung auf unserem Weg kommen. Wenn auch unbewusst, sind wir dann gezwungen unser Leben auf einen neuen Pfad zu lenken. Das kann teilweise schmerzhaft sein, doch immer zu unserem Besten.

Heldinnen und Helden

Achtsamkeit bedeutet auch, dass man lernt Ausschau zu halten nach jenen Persönlichkeiten, deren Leben uns auch zu unserem eigenen Glück inspiriert.

Stellt sich die Frage: Auf welche Weise will man sich inspirieren lassen, ohne vom eigenen Weg abzukommen?

Und: Was an einer bewundernswerten Person bringt uns auf unserem Lebensweg voran, hilft uns als Antreiber oder gibt uns günstige Impulse?

Selbst wenn es keinen solchen »Helden« oder keine solche »Heldin« in unserem Leben gibt: Hätten wir einen Wunsch frei, wie würde dieser lauten?

Doch Vorsicht! Wünsche wie »Ich will reich sein« oder »ich will nie wieder arbeiten müssen« oder »ich will beliebt sein« und so weiter, sind gefährlich.

Es ist immer wahrscheinlich, dass sich unsere Wünsche auch tatsächlich erfüllen – und da spreche ich aus Erfahrung – doch die meisten unserer Wünsche erfüllen sich auf eine Weise, wie wir sie uns eben nicht erträumten. Sich etwa finanziellen Reichtum zu wünschen, ist schön und gut. Doch dann sollte man sich ebenso fragen, wo das ganze Geld dann herkommen soll? Wer hat dafür bezahlt? Diese selben Fragen, ließen sich ebenso für alle anderen Wünsche stellen.

Begabung als Bestimmung

Viel wichtiger in der persönlichen Wunschfreiheit wäre nicht »was« man sein will, sondern »wer« man sein will. Denn kann man doch nur als solcher auf seinem Weg fortschreiten, zu etwas Besserem, Vollkommenerem. Diesen Weg zu beschreiten heißt, unserem innersten Wesenskern zu folgen. Ihn erschaffen wir, indem wir unsere besonderen Begabungen und Fähigkeiten leben.

Was sind Ihre wahren Begabungen?

Manches das Ihnen besonders leicht fällt, erscheint Ihnen vielleicht gar nicht als Begabung, sondern wird als alltäglich und normal empfunden. Meist liegt darin aber eine wertvolle Fähigkeit, sehr wahrscheinlich sogar Ihre wahre Aufgabe auf diesem Planeten. Es ist die Art, wie Sie sich durch die Welt bewegen und auf Ihrem Lebensweg auch andere Menschen daran teilhaben lassen: Indem Sie erkennen, wie Ihre Begabungen einen Wert für andere Menschen bieten – ist es doch immer ein Geben und Nehmen, dass uns zu jenem Glück verhilft, wonach wir uns sehnen, wonach sich unsere innigsten Wünschen sehnen, es endlich zum Ausdruck kommen zu sehen.

Dazu ist es niemals zu spät.