Wiege der Magie
Als aber Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa in den Tagen des Königs Herodes, siehe da erschienen Magier vom Morgenland in Jerusalem und sagten: wo ist der neugeborene König der Juden? wir haben nämlich seinen Stern gesehen im Osten, und sind gekommen, ihm zu huldigen.
– Matthäus 2:1-2
Magie im alten Alexandria

Das Zwischenreich – eine magische Region
In eigentlich allen Kulturen der Welt gibt es ein existentielles Grundbedürfnis instinktiv handeln zu können. Diesem Grundbedürfnis gleichen sich alle anderen Bedürfnisse an.
Wenn wir mehr Geld verdienen möchten, wünschen wir uns in der materiellen Welt auszudehnen. Die Notwendigkeit unsere Seele zu erweitern ist aber bei weitem wichtiger als mehr Geld auf dem Bankkonto zu haben. Trotzdem aber dehnen wir unser inneres Verlangen immer weiter aus, um Objekte im Außen zu erlangen – ohne wirklich zu wissen, wie viel wir davon tatsächlich gebrauchen können. Und gleichzeitig glauben viele, dass die Dinge im Außen begrenzt sind. Doch in Wirklichkeit gibt es für den magisch arbeitenden Menschen gar keine Begrenzung.
Nicht einmal der Himmel beschränkt die Ausdehnung seiner Seele.
Aus dieser Haltung entwickelte sich die Magie, als Weg unsere innere Natur über die Grenzen unserer Existenz auszudehnen und zu erkennen: wir sind hier und dort ist Gott. Zwischen diesen beiden Ebenen des Bewusstseins begibt sich der Magier in ein Feld direkten Austauschs. Es ist ein Bereich der sich zwischen der individuellen Realität unserer Seele und der unaussprechlichen, äußeren Realität Gottes befindet: Das ist das Zwischenreich.
Die alten Weisen wussten von dieser magischen Region, die sich zwischen der individuellen und der endgültigen, göttlichen Realität befindet. Es ist ein magisches Gebiet, in dem sich geordnete Geistformen hierarchisch strukturieren – ein Reich von Daimonen, Geistführern, Engeln und Gottheiten.
Als wir auf dieser Erde geboren wurden, kam unsere Seele durch diese Region, bevor sie in den Leib unserer Mutter einzog. Durch dieses magische Gebiet kehrt sie nach dem Tod unseres Körpers wieder zurück in den unbegrenzten Ozean aller Seelen.
Dieses Zwischenreich, das durch Magie angesprochen wird, ist unzugänglich auf körperlicher Ebene. Es ist immateriell und kann nur mittels unseres Bewusstseins und unseres Geistes angesprochen werden.

Die uralte Tradition der Magier
Wer kein Ziel hat, bleibt der Sklave der Ziele anderer!

Der Hermetische Orden der Goldenen Morgenröte
Liebe ist das Gesetz. Liebe unter Willen!
– Aleister Crowley
Solche und andere Auffassungen sollten zentrale „Glaubensvorstellungen“ der Mitglieder des Golden Dawn werden. Dieser Glaube wurde später auch von anderen Organisationen wie dem O.T.O. (Ordo Templi Orientis) übernommen – zu deren Mitgliedern auch Aleister Crowley (Begründer der neureligiösen Bewegung Thelema), Rudolf Steiner (Begründer der Anthroposophie), Henry Spencer Lewis (Gründer des A.M.O.R.C., dem Alten mystischen Orden vom Rosenkreuz) oder Franz Hartmann (Theosoph und Übersetzer der Bhagavad Gita und des Dao-De-Ging) zählten.
Magie ist die Kunst und Wissenschaft, die Welt in Übereinstimmung mit dem Willen zu formen.
– Aleister Crowley
Neophyten werden in das System des Golden Dawn durch drei praktische Übungen eingeführt, die wir uns im Folgenden ansehen wollen.

1. Divination
Divination ist im Golden Dawn eine Methode der Weissagung und Prophezeiung mit Hilfe des Tarot, des chinesischen I-Ging, der Geomantie und der Astrologie. All diese Hilfsmittel dienen der Sensibilisierung des Fragers, womit er seine Vorstellungskraft allmählich verfeinert. Es geht um eine innere, imaginative Welt von Bildern, die aus der oben erwähnten Zwischenregion stammen, mit dem Ziel die Gottheiten um Rat zu fragen.

2. Vision
Um die Fähigkeit der Vision zu schulen, verwendet das Golden-Dawn-System die indischen Tattva-Symbole. Sie repräsentieren die Elementarkräfte: Akasha (Äther), Luft, Feuer, Wasser und Erde. Jedes dieser fünf Tattvas hat ein besonderes Symbol, das der Magier visualisiert. Die Erde ist ein goldgelbes Quadrat, das Wasser ein graublauer Halbmond, die Luft ist ein hellblauer Kreis, das Feuer ein rotes Dreieck und das Akasha wird meist in Form einer schwarzblauen Vesica, manchmal als Ei abgebildet.
3. Evokation

Der Magus rezitiert bei seinen Beschwörungen, poetische, teils schwülstige Zauberformeln, um damit ein bestimmtes Wesen anzurufen. Für jede dieser Anrufungen wird der Wesenheit entsprechend ein Räucherwerk entzündet und von den Praktizierenden bestimmte Substanzen eingenommen, Farben getragen, Töne gesungen und Objekte in den Händen geführt. Damit werden alle Sinne auf eine höhere Ebene der Transzendenz erhoben. Die Zusammenstellung von Gerüchen, Geschmäckern, Farben, Tönen und greifbaren Dingen, entnehmen die Magier des Golden Dawn besonderen Zuordnungstabellen. Solche finden sich auch in Aleister Crowley’s Buch „Liber 777“.
Magus und Medium stehen sich in einem dunklen Raum gegenüber. Licht spenden zwei Kerzen, die das Medium in seinen Händen hält. Während der Magus die Evokation durchführt, erscheinen dem Medium in einem Spiegel die angerufenen Wesenheiten und geben Auskunft über die gestellte Frage bzw. das erwünschte Ereignis. Durch die Anrufung dieser Mächte erhält der Magus einen bestimmten Umfang an Informationen und Weisheiten.
Dies sind aber keine Engel oder lichthaften Wesen, sondern sehr alte Bewusstseinsformen, die mit der Erde und mit den Kräften der Natur zu tun haben – manchmal in Form eines Reptils (z. B. Schlangen, Kröten oder „Drachen“), eines Vogels oder eines anderen Tieres, oder Mischwesen wie Satyrn, Greifen, Sphinxen und anderen. Es sind in etwa die archetypischen Charaktere von denen man auch aus Märchen erfährt. Auch in der Bibel, insbesondere in der Offenbarung des Johannes, begegnen uns diese magischen Charaktere.
Wer diese Wesen befragt, bekommt Antworten. Doch welchen Wert haben diese Antworten?
Da es sich hier um sehr eindrucksvolle Vorgänge handelt, inspirieren sie die Vorstellungskraft des Durchführenden. Vor allem die Veränderung des menschlichen Bewusstseins, die in einer solchen Zeremonie bewirkt werden, ist beträchtlich. Doch damit auch sehr, sehr gefährlich. Insbesondere bei einem ängstlichen Menschen, werden Tür und Tor geöffnet, durch die allerhand „ungebetene Gäste“ das Bewusstsein besetzen können!
Die Invokation
Die hier beschriebenen Übungen gehen einher mit dem Lernen des großen Corpus an theoretischem Wissen aus Religion, Kabbala, Astrologie, Geomantie, Mythologie und Heilkunde. All das sind Informationen mit denen sich der Magus zuvor vertraut machen muss.
Nachdem der Schüler der Magie Divination, Vision und Evokation erlernt hat erfolgt das, was als „Invokation“ (lat. invocatio „Hineinrufung“) bezeichnet wird. Die niedrigeren Wesenheiten werden evoziert (von lat. evocare „herausrufen“) – d. h. durch Evokation angerufen – die höheren Wesenheiten invoziert.
Diese durch Invokation angerufenen Wesenheiten, stammen aus einem transzendenten, himmlisch-göttlichen Feld. Es sind Wesen, die in alter Zeit als Götter und Göttinnen bekannt waren.
Der Heilige Schutzengel
Jedes Individuum ist mit einem spirituellen Selbst begabt, dass Teil des Göttlichen ist. Dieses höhere Selbst hat in sich Gottebenbildlichkeit und vermittelt dem Magus ein besonderes Bewusstsein, mit dem er den lebendigen, göttlichen Funken in sich erkennen kann. Es ist die Essenz des Göttlichen und der Weg zur endgültigen Realität Gottes. Es ist dies auch die höchste Form der Zeremonialmagie, die zur Verbindung mit dem höheren Selbst und damit zur Verbindung mit Gott führt.
Höchstes Bestreben der Zeremonialmagie ist die Vereinigung des Magus mit seinem heiligen Schutzengel. Diesen Schutzengel nennt man auch den Geistführer. In der Kabbala gibt es 72 heilige Namen Gottes, von denen jeweils drei, gemeinsam den Namen des heiligen Schutzengels einer Person bezeichnen. Bei der Ermittlung dieses heiligen Namens, muss aber unbedingt beachtet werden, dass der Golden Dawn ein anderes System für die 72 Namen verwendet, als das traditionelle kabbalistische System bereitstellt. Jedem der 72 Namen entspricht nämlich ein astrologisches Sternzeichen. Im Golden-Dawn-System beginnt der erste Name mit dem Tierkreiszeichen Löwe, während in der traditionellen Kabbala der erste Name mit dem Widder beginnt. Das ist ein gravierender Unterschied!
Bevor man also irgendwelche Buchstabenfolgen zusammenstellt, um durch Invokation seinen heiligen Schutzengel anzurufen, sollte man sich erst vollkommen sicher sein, dass dies auch der richtige Name ist. Alles andere wäre nämlich verheerend! Der heilige Schutzengel ist ein sehr machtvolles Wesen, dass dem Individuum auf ganz vertrauliche Art und Weise Macht vermittelt. Jedes Individuum, hat einen Genius, den man den Daimonion nennt (griech. für „persönlicher Schutzgeist“).
Im Golden Dawn verstand man unter diesem individuellen, heiligen Schutzengel, dass, was in der Psychologie als das höhere Selbst bezeichnet wird. Der Magier lernt nach der Vision seines heiligen Schutzengels, diesen immer besser kennen. So kann ein tatsächlicher Austausch mit ihm stattfinden, bis sich die beiden tatsächlich näher kommen und vereinigen. Das ist der magische, aktive und auch kürzere Weg zur Erleuchtung – gleichzeitig aber auch der gefährlichere (siehe oben). Es ist wie beim Besteigen eines Berggipfels: während der Mystiker den langen beschwerlichen Weg auf sich nimmt, klettert der Magier die Steilwand empor – doch immer in der Gefahr zu Tode zu stürzen!

Gut ist das wahrhaftig Lichtvolle
In der magischen Arbeit öffnen sich bestimmte Bewusstseinsfelder. Dem Individuum können daraus große Mengen Energie zuströmen.
Je nach Erwartung und Haltung des Individuums, wird sich in seinem Leben Entsprechendes ereignen.
Magier wie Mystiker berichten von den atemberaubenden Erlebnissen, die einer erfährt, der mit den Wesenheiten des Zwischenreichs in Kontakt tritt. Es geht hier um Ebenen des Bewusstseins, die mit anderen Mitteln nicht erreicht werden können. Was dabei erfahren wird, ist viel lebendiger als das alltägliche, irdische Leben. Darum ereifern sich viele an den Phänomenen, die sich aus der praktischen Arbeit in der Magie ergeben. Magie vermittelt ein Gefühl vom „Leben der Seele“.
Die Magie bietet dem Menschen Mittel, mehr zu werden als er bisher war. Doch es gibt einen Energieerhaltungssatz, der besagt, dass wer nimmt auch geben muss. Wer etwas anderes behauptet, der verrät sich als Lügner.
Wer um jeden Preis mit den Geistformen des Zwischenreichs Verbindung aufnehmen will, muss damit rechnen, dass „gelieferte Dienste“ auch in der physischen, alltäglichen Realität von jenen Wesenheiten eingefordert werden, die man darin „konsultierte“. Und wer Böses verlangt, von dem wird Böses verlangt. Wer allerdings Gutes will, dem wird Gutes widerfahren.
Man hat als Mensch die freie Wahl, sich für den rechten Weg, den Weg der Wahrhaftigkeit zu entscheiden. Dafür steht die ewig gültige Lehre des Propheten Zoroaster, die jedem Menschen rät
- gute Gedanken zu denken,
- gute Worte zu sprechen und
- gute Taten zu vollbringen.
Auf diesem Fundament der Wahrhaftigkeit ist die Welt gegründet. Da der Mensch das einzige Lebewesen ist, welches die Möglichkeit hat, zu unterscheiden, zu führen und zu verändern, muss er stets versuchen das Gute zu bewirken. Welcher Weg dabei gegangen wird – sei es der des Mystikers oder der des Magiers – das sei jedem selbst überlassen – solange er sich nur für das Gute entscheidet!
1 Kommentar
Das Handwerk des Magiers
Das Handwerk des Magiers besteht aus binden und lösen. Dies ist die elementare Basis. Das Sein (Erde) Wollen (Luft) die Handlung (Feuer) das Resultat (Wasser). Die Goetische Magie, hat nach meiner Überzeugung, Behauptungen und Annahmen im Fundament und dadurch wird der Qliphot instabil. Das Geschöpf will den Schöpfer beugen. Man kann mit dem Schöpfer handeln aber Ihn niemals zwingen! Bei schweren Konflikten mit anderen Menschen ist der Qliphot mir nützlich. Aleister Crowley nach schlimmer Kindheit ging er den Weg des Protestes und Wiederstandes und lebte alle provozierend. Mit der Meditation Tempel Salomon hatte ein halbes Jahr Kontakt zu meinem Schutzgeist und Schutzengel. Es hatte mich nicht wirklich überzeugt. Der Moses Dekalog nennt ein Gott und keine Götzen damit fallen bei mir Wesenheiten, Engel, Amulette und Talismane weg. Binden im Sinne von Konzentration, arbeiten mit Wesenheiten als Expansion.
Magie kann auch als das verbindende oder übergreifende Element der esoterischen und exoterischen Wissenschaften sowie Kunst und Religion gesehen werden. In der Kombination anstatt Kompetenz streit. Magie ist kein Blendwerk und auch kein Wunschkonzert. Sie verbindet die spirituellen Gesetze mit den Wissenschaften. Magie als Selbsterfahrung, Bewusstsein erweitern, Gesundheit ständiger Lernprozess es gibt so viele Möglichkeiten. Leider wird das Potential nicht erkannt, noch schlimmer eine gute Sache wird in der Öffentlichkeit nur lächerlich gemacht.