Einführung in die Fama Fraternitatis

von S. Levent Oezkan

Zentrale Figur der Fama Fraternitatis ist Bruder oder Vater C. R., den der Verfasser später im Text mit C. R. C. benennt. Obwohl jene Initialen offensichtlig den Namen des sagenhaften Gründers der Rosenkreuzer abkürzen, wird er als solcher in der Fama nicht erwähnt. Erst die 1616 erschienenen Schrift der Chymischen Hochzeit, könnten darauf hindeuten, welchen Namen die beiden Anfangsbuchstaben meinen: Christian Rosenkreuz.

Es geht in der Fama Fraternitatis zuerst um die Reise des jungen C. R. in die arabische Welt, wo er in Berührung kommt mit den esoterischen Weisheiten des Ostens und von Eingeweihten Männern, die ihn einführten in altes Geheimwissen über Physik, Mathematik, Magie und Kabbala. Manche sagen, der junge Christian Rosenkreuz kam damals in Kontakt mit den geheimnisvollen Brüdern der Reinheit, einer philosophischen Geheimgesellschaft, die wahrscheinlich im 10. Jhd. im irakischen Basra gegründet wurde. Ihre Mitglieder verfügten über umfassendes Wissen auf den Feldern der Theurgie und Esoterik. Wo er mit dier Gruppe in Kontakt gekommen sein könnte ist jedoch nicht eindeutig.

Auf seiner Reise aber kam Christian Rosenkreuz nach Syrien, reiste durch Ägypten, über das Mittelmeer ins marrokanische Fès und verbrachte auch Zeit mit spanischen Illuminati. Manche sehen in dieser besonderen Reise des jungen Christian Rosenkreuz einen Einweihungsweg und eine besondere Pilgerschaft, die gewiss an die Transmutation im Großen Werk der Alchemie erinnert.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, gründet C. R. mit anderen Genossen eine Geheimbruderschaft, aus der dann der Orden der Rosenkreuzer hervorging. Jene Brüder dieses Ordens gingen in die Welt, um ihre geheime Mission unter den Menschen zu verbreiten - insbesondere aber durch Hilfe ihrer esoterischen Weisheiten, heilten sie kranke Menschen, ohne dafür etwas zu verlangen.
Sie versuchten aber unerkannt zu bleiben und trugen deshalb auch keine besondere Tracht oder Kleidung, mit der sie sich wiederzuerkennen gäben. 
Einmal jährlich hielten sie ein geheimes Treffen ab im "Haus des Heiligen Geistes".

Eine Übereinkunft aus sechs Artikeln, galten der Bruderschaft C. R. als geheimer Bund zwischen ihren Mitgliedern:

1. Dass sich keiner von ihnen zu etwas anderem bekenne, als Kranke zu heilen, ohne dafür Lohn zu verlangen.
2. Keiner ihrer Nachkommen durfte gezwungen werden, bestimmte, kultische Gepflogenheiten einhalten zu müssen, sondern verpflichtete sich vielmehr den Bräuchen des Landes zu folgen.
3. Jedes Jahr am Tag C. trafen sich die Brüder des Rosenkreuzes im Haus des Heiligen Geistes oder teilten schriftlich mit, wieso sie nicht teilnehmen konnten.
4. Jeder der Brüder sollte jemanden finden, der es wert war ihn nach seinem Tode zu vertreten.
5. Das Wort C. R. sollte für ihr Los, Zeichen und für ihre Rolle stehen.
6. Die Bruderschaft sollte für einhundert Jahre im Verborgenen bleiben, bis sie sich zu erkennen gäbe.

Ursprünge der Fama Fraternitatis

Die Fama Fraternitatis wurde im Jahre 1614 anonym in Kassel veröffentlicht. Ihr Inhalt gab ein politisches Programm wieder, das auf die Institutionalisierung neuzeitlicher Wissenschaft und Kunst abzielte. Jene Schrift aber besaß insbesondere eine hermetische Konnotation.
Zu damaliger Zeit waren die Gelehrten in Europa zerstritten, wozu jene Weisen einen Kontrast bildeten, die Christian Rosenkreuz antraf, auf seiner Reise durch den Orient, Nordafrika und Spanien.
Man kann heute davon ausgehen, dass die Fama vermutlich in Tübingen entstand. Auf ihr Entstehen nahm der württembergische Mathematiker und lutherische Theologe Johann Valentin Andreae (1586-1654) einen erheblichen Einfluss aus. Das erste Manuskript sollte ursprünglich eigentlich nur in privaten Kreisen zirkulieren. Mit der Veröffentlichung aber, entwickelte die Fama Fraternitatis ein Eigenleben.

Es kursieren jedoch auch eher mysteriöse Theorien über den wahren Ursprung der Fama, zumindest aber über die Entstehung der Legende um C. R. und die ursprüngliche Bruderschaft der Rosenkreuzer. Für den deutschen Theosophen und Freimaurer Franz Hartmann (1838-1912) etwa, wurde in der Fama hingedeutet auf einen Geheimbund von Übermenschen, die über Wunderkräfte verfügten, die Zukunft voraussagen konnte und die tiefsten Geheimnisse der Natur kannte, um damit etwa die Transmutation von Blei auf Gold zu erzielen. Ein Rosenkreuzer war für Hartmann ein spirituell Erwachter, das heißt jemand, der ein praktisches Wissen über die geheime Bedeutung von Rose und Kreuz erlangt hat.

Der Fama Fraternitatis folgte ein Jahr später, im Jahr 1615, die Veröffentlichung der Confessio Fraternitatis. Beide Werke werden offiziell Johann Valentin Andrae zugeschrieben. Man kann jedoch nicht sicher sagen, ob dass auch tatsächlich der Fall war. Dem schließt sich die Frage an, ob die Verfasser der Fama und der Confessio, ihr Werk tatsächlich ernst nahmen oder ob es eine rein polemische Abhandlungen war, über jene geheimnisvolle Bruderschaft der Rosenkreuzer. Und diese Annahme ist berechtigt, zumal die echte Rosenkreuzerei eigentlich immer nur auf mündlichen Überlieferungen bestand, deren Inhalte nur jene weitergaben, die sich zur Geheimhaltung verpflichtet hatten. Wer die Fama gelesen hat, weiß, das er darin nichts Erhebliches findet, zumindest nicht, was die esoterischen Elemente der wahren Rosenkreuzerei eigentlich sind.

 

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