Alchemie

Alchemie oder: die Kunst das eigene Leben in Gold zu verwandeln

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Bild aus dem Splendor Solis - Der Rote König - ewigeweisheit.de

Ewiges Leben erlangen - Blei in Gold verwandeln: das sind Ziele, die mit dem Wort "Alchemie" assoziiert werden. Wer nach der wirklichen Bedeutung der Alchemie sucht, stolpert aber über jede Menge Unfug. Doch was ist Alchemie tatsächlich? Ein Mantel des Schweigens ist darüber ausgebreitet - wer wagt ihn zu lüften?

Solange man sich nur oberflächlich mit Alchemie befasst, bleibt die Frage nach ihrer wahren Bedeutung in einem Schwebezustand zwischen Wunderwerk und Quacksalberei. Ihrem geheimnisvollen Wesen nähert man sich durch direktes Erfahren und weniger auf der Suche nach Fakten. Es ist eine okkulte, spirituelle Praxis die nur wenig mit esoterischer Theorie zu schaffen hat.
Die Schriften der Alchemie sind voller Metaphern, die die menschliche Vorstellungskraft aktivieren - mit dem Zweck, den Menschen an eine verborgene Realität heranzuführen, in der, wie es scheint, einfach alles möglich ist - auch Blei in Gold zu verwandeln!

Zwei Formen der Realität

Es gibt eine "Urschöpfung" in der wir uns selbst wiederfinden, sobald wir auf diese Welt kommen. Diese Realität ist aber bereits vollendet - denn wir sind ja schon hier. In der Alchemie lässt sich damit nur wenig anfangen. Doch da ist noch eine andere Realität, die aus einer "zweiten Schöpfung" kommt. Es ist die eigentliche, wahre Schöpfung.
In jedem von uns gibt es etwas, das, wenn es erst einmal aktiviert wurde, die Tore zu dieser verborgenen, zweiten Schöpfung eröffnet. Es ist eine Wirklichkeit die sich stark von der uns bekannten und "vorgefertigten Realität" unterscheidet. Sie ist das Arbeitsfeld des Alchemisten, in der er durch seine Imagination auf die Welt Einfluss nimmt.
Imagination ist die kraftvollste Fähigkeit des menschlichen Geistes. Was man visualisieren kann, das kann man auch tatsächlich bewirken und erschaffen.

Kalachakra thangka painted in Sera Monastery, Tibet - ewigeweisheit.de

Kalachakra-Mandala aus dem Sera Kloster in Tibet

Wie wir unser Leben verändern

Alles bewegt sich. Alles kommt und geht im ewigen Werden und Wandeln - auf griechisch: "Panta Rhei" - "Alles fließt". Nichts bleibt - bis auf den Tod.

Alles fließt – aus und ein;
Alles hat seine Gezeiten;
Alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem;
Der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links;
Rhythmus gleicht aus.

- Aus dem Kybalion

Pendel und Rad sind verwandte Symbole für Schwingung und Zyklus. Beide haben ein Minimum, ein Maximum und ein Äquilibrium. Im Vajrayana-Buddhismus steht dafür das "Kalachakra" - das Rad der Zeit. Es ähnelt einer Mühle, worin alles Entstandene in seine Elemente zerfällt. Um aus diesen Bestandteilen was neues und besseres zu erschaffen, helfen uns Hermetik und Alchemie. Die Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos, gibt uns auf die Möglichkeit Neues zu erschaffen einen wertvollen Hinweis:

Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

- Vers XIV der Tabula Smaragdina

Was bedeutet das?

Der solare Zyklus, den wir jedes Jahr aufs Neue miterleben, zeigt wie aus Vergänglichem etwas Beständiges, aus Totem etwas Lebendiges wird. Am Jahreslauf der Sonne können wir den Zyklus der Vegetation ablesen:

  • Der Tiefpunkt der Sonnenbahn ist auf der Nordhalbkugel der Erde in der finstersten Zeit des Jahres, mitternachts zur Wintersonnenwende erreicht. Dieser Punkt entspricht einem Todpunkt und ist gleichzeitig der Beginn neuen, aber noch unterirdischen Wachstums. Es ist das Ende der ersten Phase auf dem Weg der Neuschöpfung, was in der Alchemie Nigredo (Schwärzung) genannt wird.
  • Der Höchststand der Sonne tritt in der hellsten Zeit des Jahres, mittags zur Sommersonnenwende ein. Dies entspricht dem Ende der zweiten Phase: Albedo (Weißung). An diesem Punkt ist das Wachstum in der Vegetation voll ausgeprägt.
  • Rot ist die Farbe der Sonne im Wechsel von Tag und Nacht. Mit Sonnenuntergang zur Herbsttagundnachtgleiche, wird der Prozess durch das hermetische Einschließen der Prima Materia, der Ausgangssubstanz, in die alchemistische Retorte eingeleitet. Bäume verlieren ihre Blätter, die Gräser welken. Der rote Sonnenaufgang zur Frühlingstagundnachtgleiche bringt dann schließlich die veredelte Substanz zum Vorschein, womit der alchemistische Prozess in der Rubedo (Rötung) vollendet und die edelste aller Substanzen gewonnen wird: der Stein der Weisen.

Wenn der Mensch in Berührung kommen möchte, mit dem, was bei Weitem größer ist als sein bisheriger Zustand, kann er diesem kosmischen Vorbild gemäß handelnd sein Leben stetig veredeln. Dabei dehnt sich seine Handlungsfähigkeit immer weiter aus.
Dieser Prozess der Veredelung des Selbst, beginnt mit der Suche nach Antworten auf zwei sehr wichtige Fragen:

1. Was ist das wahre Wesens meines Selbst?

2. Was ist die Rolle dieses gegenwärtigen Selbst, woher kam es und warum hat es sich ins "Zwielicht der äußeren Welt" begeben - in die Welt in der es jetzt lebt?

Um zum Kern unserer Existenz vorzudringen, müssen wir unser Inneres vollkommen umgestalten. Das geht aber nicht, wenn wir an den oben dargestellten Jahreszyklen einfach nur passiv teilnehmen. Vielmehr müssen wir die drei oben dargestellten Phasen bewusst in der alchemistischen Arbeit hervorrufen, um die ewigen Wiederholungen, den Trott in unserem Leben zu unterbrechen, aufzulösen und zu etwas wertvollerem umzuwandeln.
Wer immer nur der Selbe bleibt, wird nie erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das "Rad der Zeit" gleicht dann einem Hamsterrad, das einen im zyklischen Zeitablauf immer wieder auf die selbe Stelle treten lässt. Man kommt nicht weiter.

Der Keltische Jahreskreis - ewigeweisheit.de

Der Keltische Jahreskreis (Illustration: S. Levent Oezkan)
Diese Grafik zeigt die hermetischen Korrespondenzen zwischen Mikro- und Makrokosmos, sowie die damit zusammenstehenden Jahresfeste der alten Kelten.
Im inneren, roten Kreis befinden sich die Symbole der vier Elemente: Feuer (oben), Erde (rechts), Luft (unten), Wasser (links). Sie ergeben sich aus den Elementarkräften, die mit den Sonnenstationen zusammenhängen, nämlich Widder (Feuer), Krebs (Wasser), Waage (Luft), Steinbock (Erde).

Was ist Zeit?

Das eben dargestellte Modell zyklischer Zeit, das wir auch in der Bewegung der Planeten sehen oder an den Zeigern der Uhr ablesen können, kann in ein Lineares Zeitmodell geändert werden. Die lineare Zeit ist die historische Zeit, die sich auf gerader Linie fortsetzt. Entlang dieser Linie gleicht kein Tag, kein Jahr, kein einziger Moment dem anderen. Jeder Moment ist einzigartig.
Doch wir können uns die Zukunft zwar ausmalen und positiv vorstellen, doch haben eigentlich keine Ahnung wohin uns die Zeit letztendlich führt. Darum gab es in allen Kulturen der Menschheit immer Endzeitvisionen vom Ausgang der Dinge, vom Ende der Welt - der Zeit an sich. Etwas sollte geschehen und das Beil des kosmischen Henkers fallen.

Es gibt aber noch ein drittes, evolutionäres Zeitmodell. Wir können es uns als Spirale denken, in der sich das oben angedeutete zyklische Zeitmuster der Wiederholungen, an einer senkrechten Linie der linearen Zeit allmählich emporschraubt (die ihrerseits natürlich Teil einer anderen, übergeordneten Zeitspirale sein kann - Stichwort: String-Theorie).
Alles was sich im evolutionären Zeitverlauf ändert, ist im Begriff sich umzuwandeln. Leider gibt es hierfür nur wenige Beispiele. Ein Beispiel aber gibt unmissverständlich zu verstehen, worum es hier geht: die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling.

Eine Raupe verpuppt sich und verwandelt sich zu einer formlosen Masse, aus der sie sich auf geheimnisvolle Weise wieder zusammensetzt, um sich schließlich aus der Puppe als geflügelter Schmetterling zu befreien. Dieses natürliche Vorbild war in alter Zeit die essentielle Veranschaulichung des alchemistischen Prozesses der Umwandlung. Zwar weiß die Raupe nicht dass sie eines Tages ein Schmetterling sein wird, doch sie weiß, dass sie sich verpuppen muss. Es ist ihr Instinkt. Ähnlich verhält es sich mit der menschlichen Psyche (im Übrigen: "Psyche" ist ein griechisches Wort und bedeutet: Schmetterling!). Jeder von uns weiß instinktiv, dass er sich weiterentwickeln und verbessern muss, doch wir wissen nicht 100%ig wohin uns die Reise dabei führt.

Unsere Realität kann aber einen substanziellen Umwandlungsprozess durchlaufen. Sie wird dabei zu etwas, was zuvor überhaupt nicht existierte. Es geht also nicht allein um einen evolutionären Wachstumsprozess, sondern um die Entstehung etwas völlig Anderem - einer Realität, die jenseits dessen ist, was wir bisher kannten.
Wem diese Umwandlung gelingt, der wird ein transzendentes und zeitloses Wunder erschaffen können und den Stein der Weisen, das Elixier des ewigen Lebens finden.

Forging of the Sampo, Akseli Gallen-Kallela - ewigeweisheit.de

"Das Schmieden der Zaubermühle Sampo", Gemälde von Akseli Gallen-Kallela

Das Schwarze Land

Die Araber haben viele wunderbare Traktate zur Alchemie verfasst. Durch die Ausbreitung des Islam kam dieses Wissen nach Europa. 
Für die Araber war die Alchemie eindeutig ägyptischen Ursprungs. Daher auch der Name Alchemie, von Al-Khem, dem "schwarzen Land". Khem war die alt-ägyptische Bezeichnung für den schwarzen, fruchtbaren Nilschlamm.

Alchemie wurde aber auch im fernen China betrieben. Anstatt mit Substanzen wie Antimon, Schwefel, Quecksilber und Salz zu hantieren, gab es einen dem menschlichen Körper entsprechenden Symbolismus. Letztendlich ging es auch in China um die Transformation eines niedrigen Zustandes in einen höheren, nur eben mehr auf seelisch-körperlicher Ebene.
Natürlich gehörte auch bei den alten Indern die Alchemie zur hohen Wissenschaft. Sie ähnelte jedoch mehr als die chinesische, der westlichen Tradition.

Möglicherweise lassen sich die Anfänge der Alchemie auch in der Schmiedekunst entdecken. In alter Zeit waren die Schmieden kleine schwarze Häuser in denen vom Ruß geschwärzte Männer arbeiteten. Sie warfen Metallstücke in die heiße Glut und man sah dort bei lautem Getöse, rote und orangefarbene Funken aus dem Schmiedefeuer sprühen. Schwarze Gesichter, rotes Glühen und Dampfwolken, die beim Abkühlen der geschmiedeten Formen im Wasser entstanden: sowas macht auf den Menschen einen enormen Eindruck. Darum waren Schmieden immer Orte des Staunens, wo reine Fakten über Zusammenhänge keine Rolle spielten, sondern die menschliche Imagination angeregt wurde.

Es sind diese Tore der Imagination, die uns helfen in die Welt jener "zweiten Schöpfung" einzutreten, von der wir oben sprachen.
Alchemie kam aus der menschlichen Seele und ließ den Menschen versuchen, zunächst in seiner Vorstellung, dann in der Welt, die Dinge von ihrem ursprünglichen, in einen höheren und edleren Zustand zu überführen. So wie eben der Schmied, der aus Erzen Metalle schmilzt und aus der Schmelze alle möglichen Formen zu Stande bringt.

Die Hohe Kunst der Umwandlung

Auch im Zeitalter der Aufklärung gab es im Westen einige sehr berühmte Alchemisten. Darunter Newton, Voltaire, Goethe oder Benjamin Franklin. 
Alchemie war lange Zeit in der Naturphilosophie von Bedeutung. Durch die Beobachtung der Verwandlungen in der Natur, erkannte man das Wesen ihrer Elemente. Auch Maler mussten damals Alchemisten sein, denn sie stellten ihre Farben selber her. Dieses Wissen sollte dann in der "Schwarzen Kunst" der Buchdrucker an Bedeutung gewinnen.

Trotz dem aber, dass die Alchemie einige tausend Jahre lang als hohe Wissenschaft galt, fand sie während der Aufklärung ihr Ende und versank im Abgrund der Quacksalberei. Doch warum?

Für ihren allmählichen Niedergang sorgte das aufkommende Vernunftdenken. Absolute, reale Fakten zählten mehr als intuitiv gewonnene Erkenntnisse. Wissenschaftler interessierten sich für exakte Informationen mehr, als nach Erfahrungen zu suchen. Für sie war der menschliche Körper etwas, das geboren, vielleicht krank wird und irgendwann stirbt. Mit der Transformation der Alchemisten hat das aber nichts zu tun.
Der Alchemist schaut sich die Welt genauer an. Er nimmt an ihr Teil und erfährt sie in ihrem innersten Zusammenhang. Es geht ihm nicht darum die äußere Welt der körperlichen Dinge zu verändern - sondern den Kern ihres inneren Wesens zu enthüllen. Stößt er bei seiner Suche auf dieses innere Prinzip, wird er den Stein der Weisen gefunden haben. Es ist die Suche nach dem Kern des eigenen Selbst, die eine Transformation der Persönlichkeit einleitet.

Der Alchemist, Gemälde: Pietro Longhi - ewigeweisheit.de

"Der Alchemist", Gemälde von Pietro Longhi

Der Vorgang der Transformation

Um eine Transformation zu erreichen, muss das feste Gefüge der äußeren Welt erst verschwinden. Dieses Gefüge symbolisiert in der Alchemie das Quadrat.
Etwas soll gefunden werden, dass die eigenen Begrenzungen auflöst, damit die Transformation beginnen kann. Auf unser Leben bezogen: Wenn wir uns außergewöhnliche Veränderungen im Leben wünschen, z. B. von einer schweren Krankheit geheilt, finanziellen Ruin in Reichtum, Mittelmäßigkeit in Großartigkeit verwandeln wollen, muss etwas gefunden werden, mit dem sich alle physischen, hinderlichen Begrenzungen auflösen lassen. Dann kann die Heilung, die Umwandlung der Lebenssituation oder die tatsächliche Verwandlung, von dem einen in einen anderen Zustand tatsächlich gelingen!

Wenn unser statisches, persönliches Gefüge zu bröckeln beginnt, dann setzt ein ähnlicher Vorgang ein wie bei der Raupe: sie bildet einen Kokon um sich (synonym zur alchemistischen Retorte) und löst sich darin in eine formlose Masse auf. Diese formlose Masse nennen die Alchemisten die "Prima Materia" - die Urmaterie und Ausgangssubstanz. Sie entspricht dem, dass zu Anbeginn der Zeit war und in der Genesis als "Wüste und Leere", in der griechischen Kosmogonie als "das Chaos" bezeichnet wurde - etwas vollkommen Unbeständigem also, das in sich jedoch alle Möglichkeiten der Manifestation enthält.

Alle gewünschten Formen entstehen aus dem Formlosen der kreativen Matrix. Wenn wir aber Formen auflösen möchten, müssen wir zu dieser formlosen Matrix zurückkehren. Kreativ bleibt nur das Unvollendete!

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

- Oskar Wilde

Der Mensch ist ein unvollkommenes Wesen. Diese unvollkommene Qualität gibt unserer Kreativität aber die Möglichkeit, sich in uns zu einer vollkommenen Qualität zu entwickeln!

Schöpferisches Gestalten

Ein alter alchemistischer Lehrsatz lautet:

Aus einer Frau und einem Mann, aus der Welt, zeichne ein Quadrat, in das Quadrat zeichne einen Kreis, um das Quadrat ein Dreieck und um das Dreieck wieder einen Kreis.

Der Kreis der dem Quadrat folgt, ist die Prima Materia, der Urzustand der alle Möglichkeiten in sich trägt und aus dem alle Formen hervorgehen können. Darin ist das Potential jede Art Form zu erzeugen. Es ist wie mit einem unförmigen Felsen, aus dem ein Steinmetz jede beliebige Form hauen kann - einen Hund, eine Höhle, einen Menschen usw. Aus diesem Zustand kann alles Mögliche erschaffen werden. 
Dieser kreative Schaffensprozess beginnt in der Alchemie in der Phase der Nigredo - der "Schwarzheit". Schwarz steht in der Alchemie für das Vermögen der Natur, Dinge hervorzubringen. Wir erinnern uns an das ägyptische Khem - die schwarze Erde. Sie wird mit der jährlichen Nilflut als schwarzer Schlamm über die Äcker gespült. Hierdurch werden alle möglichen Pflanzen und Insekten hervorgebracht, die anderen Lebewesen als Nahrung dienen.

Aus Micheal Maiers "Atalanta Fugiens" - ewigeweisheit.de

Aus Michael Maiers alchemistischen Werk "Atalanta Fugiens"

Aber auch ein vollkommen finsterer, schwarzer Raum, in den kein Licht einfällt, auch dort tauchen alle möglichen Dinge vor unseren Augen auf. Manches was da erscheint kann schockieren! Sobald aber Licht in den Raum fällt, verändert sich alles.

Das Licht schien in der Finsternis, doch die Finsternis hat's nicht ergriffen

- Johannes 1:5

Bevor wir unser Leben umgestalten können, müssen die Dinge in unserem Leben zuerst vermindert werden - ganz gleich was auch immer das sein mag. Das ist die dunkle, kreative Matrix von der oben die Rede war. Auf unser Leben übertragen: wenn wir in tiefsten, seelischen Abgründen und durch finstere Lebensphasen bewegen, ist das eigentlich der Punkt, an dem es wieder aufwärts geht und neues Licht in unser Leben kommt - solange wir danach Ausschau halten!

Wenn man nach einem wirklich kreativen Einfall sucht, der einem aus einer anscheinend auswegslosen Situation im Leben helfen soll, ist es angebracht, sich erst einmal von all den Meinungen zu befreien, die man gegenwärtig hat: über andere und über sich selbst. Das heißt nicht, dass diese Meinungen notwendigerweise falsch sind. Die starren Muster in unserem Leben werden aber durch diese Meinungen aufrecht erhalten, Meinungen an denen wir hängen und die verhindern, dass sich etwas in unserem Leben ändert. Neue Erkenntnisse erhellen unser Leben, sobald sich alte Meinungen auflösen.

Es geht aber nicht darum alles bisherige in unserem Leben über Bord zu werfen. Vielmehr gilt es die dunklen mit den lichten Anteilen unseres Seins zu vereinigen. Dies symbolisiert die Alchemie durch die Vermählung von Sonne und Mond, von König und Königin. Hiermit kann der Vorgang der Umwandlung ganz langsam gestartet werden - sobald eine dritte Komponente ins Spiel kommt.

Symbol für das Feuer in der Alchemie - ewigeweisheit.de

Symbol für das Feuer in der Alchemie

Die beständige Flamme

Es ist wie mit der Retorte des Alchemisten: durch ein Feuer darunter wird die Umwandlung eingeleitet. Das ist die langsame, beständige Flamme des Alchemisten - nicht zu heiß, nicht zu wenig Hitze. Zwar wird damit auch der tatsächlich, physische Zustand beschrieben, doch es ist in erster Linie ein Symbol für etwas, das jeder in seinem Leben etablieren sollte: eine anhaltende, unnachgiebige Entschlossenheit!
Wer von der Begeisterung verlassen aufgibt, der stürzt ab. Die Aufmerksamkeit des Alchemisten darf also nicht schwanken. Er muss voll dabei, hier und im Jetzt sein - aufmerksam und stets bereit an seinem "Projekt" weiter zu arbeiten, bis der Vorgang beendet ist.
Wer nicht dran bleibt, der wird niemals etwas in seinem Leben verändern können!

Nun haben die alchemistischen Symbole von König und Königin einen besonderen Namen: Der König ist Sulphur (Schwefel), die Königin ist Sal (Salz). Sulphur ist gelb, so wie auch die Sonne gelb ist. Es ist ein "stinkendes Urgold" - ein "Proto-Gold" (wie etwa das Katzengold oder Pyrit, das eine chemische Verbindung von Eisen und Schwefel, Eisensulfid ist). Salz kann Wasser aufnehmen (Kristallwasser), so wie die Königin durch den flüssigen Samen geschwängert wird.

Doch es gibt noch ein drittes Prinzip, das die alchemistische Vereinigung (coniunctio) von Sulphur und Sal als Mittler fördert: der Mercurius. Mit Sulphur und Sal alleine, so die Alchemisten, wird letztendlich kein Werk vollbracht. Erst durch den Geist des Mercurius kann die gegenseitige Beeinflussung beginnen. Mercurius ist ein symbolisches Medium der Vereinigung, sowie eine vollkommene Kombination aus Flüssigkeit und Feststoff. Auf physischer Ebene entspricht dem Mercurius das Quecksilber. Das Wesen dieses Metalls ist charakteristisch: es trennt sich leicht in kleine, kugelförmige Tröpfchen, die sich aber eben so schnell wieder zu einer großen Masse zusammenführen lassen.

Die Schwarze Sonne in der Alchemie - ewigeweisheit.de

"Sol niger" - die Schwarze Sonne der Alchemie: Symbol der Nigredo

Drei Phasen bei der Bereitung des Steins der Weisen

In der Alchemie spielt die Astrologie eine nicht unbedeutende Rolle. Der dem Quecksilber zugeordnete Planet ist der Merkur, der sich viermal im Jahr auf enger Bahn um die Sonne bewegt. Wegen Merkur also Mercurius - dem wichtigsten Agens der Alchemie und Hermetik.
Bei den Griechen entspricht Mercurius dem Gott Hermes - im alten Ägypten hieß er Thoth. All diese Götter haben das Vermögen zusammenzubringen, zu vereinigen. Das oben erwähnte Dreieck steht für die drei Prinzipien von Sulphur, Mercurius und Sal. Mercurius vereinigt in einem langwierigen Prozess Sulphur und Sal, was in drei Phasen abläuft: der Nigredo, der Albedo und der Rubedo.

Nigredo - Die Schwärzung

1. Zuerst erfolgt die calcinatio. Dabei wird die Ausgangssubstanz, symbolisiert durch das zuvor erwähnte Quadrat, durch Brennen und Glühen im Feuer zu Asche zermürbt. Hiermit werden materielle Begrenzungen aufgebrochen. 

2. Die so erhaltene prima materia wird dann in der solutio aufgelöst bzw. verflüssigt. Hier geht es um den Ist-Zustand unserer psychischen Verfassung. Während einer schweren Lebenskrise braucht dieser Zustand nicht erst herbei geführt zu werden, sondern ist bereits präsent.

3. Nun folgt die seperatio: eine Trennung in die antagonistischen Bestandteile - König und Königin werden geschieden. In der alchemistischen Praxis erfolgt in diesem Schritt die Ausfilterung der festen Bestandteile, aus der durch die solutio hergestellten Lösung. Mit der separatio werden die inneren von den äußeren Seelenanteilen getrennt, verborgene Seelenanteile erkannt (vergl. Anima und Animus bei C. G. Jung) und entfaltet. Es geht um das Erkennen verborgener Anteile des Selbst.

4. König und Königin werden in der coniunctio wieder vermählt, sie umarmen und vereinigen sich, verschmelzen miteinander. Gemäß C. G. Jung wird in diesem Prozess der Vereinigung der ursprüngliche Lichtmensch (in der Kabbala: Adam Kadmon) wiederhergestellt. Er ist ein archetypisches Wesen, dass vor der ersten Weltschöpfung existierte. Die bewusst gewordenen Anteile werden in der coniunctio mit dem alten Selbstbild vereint.

5. Miteinander vereinigt, tritt dann in der mortificatio der Tod des Vereinigunsproduktes ein. Hierbei werden die unreinen, dunken Anteile ausgeschieden. Dieser alchemistische Prozess entspricht in der Psychologie dem Zustand der Finsternis, einer absoluten Niederlage im Leben.

Tief in des Dunkels Schoß,
verborgene Stufen längs, vermummt, umdichtet –
Oh wunderseliges Los! –
nachts, jedem Blick vernichtet,
mein Haus in Stille lassend, tiefbeschwichtet!

Geheim, in Zauberringen
der Dunkelheit, wo mich kein Blick erkannte,
wo ich nichts sah von Dingen
und nichts mir Strahlen sandte
als jenes Leitlicht, das im Herzen brannte!

- Heiliger Johannes vom Kreuz: "Die Dunkle Nacht der Seele"

6. Danach kommt es zur Verwesung des getöteten Vereinigungsprodukts: putrefactio. Der reinste Teil steigt auf, der gröbere Teil stirbt und fällt ab, so wie das verwesende Fleisch der Leiche von den Knochen fällt. Psychologisch kann dieser Vorgang am besten durch den Zustand tiefer Depression beschrieben werden. Dieser Vorgang ähnelt auch der im alt-ägyptischen Mythos beschriebenen Zerstückelung des Osiris.

7. Mit der coagulatio beginnt dann die eigentliche Transformation. Die geistigen, aufgestiegenen Anteile kehren zurück und werden in die Lösung eingebunden, woraus sich feste Bestandteile in Form von Kristallen bilden und es allmählich zur Gerinnung kommt. Psychologisch empfindet der Mensch diesen Zustand als neue Zuversicht, da sich in seiner Seele neue Emotionsformen bilden.

Diese sieben Schritte müssen ganz in Ruhe, bei "stetiger Wärme" durchgeführt und ausgebrütet werden. Dann wird sich alles zu dem fügen, wie es für den Vorgang bzw. unser Leben am Besten ist. Damit ist die Phase der Nigredo abgeschlossen, was bei der Bereitung des Steins der Weisen zur Weißung führt.

Albedo - Die Weißung

8. In der sublimatio wird die schwarze Masse in der Retorte, allmählich immer heller, von grau bis weiß, gewinnt immer mehr an Licht. Laut C. G. Jung beginnt hier auch die seelische Transformation. Es dämmert in der Seelennacht ein immer heller werdendes Licht eines neuen Anfangs.

9. Mit der ablutio, der Waschung kehrt Leben in das Geschehen zurück - seelische Probleme haben sich geklärt.

Hiermit ist die Albedo abgeschlossen.

Rubedo - Die Rötung

Das Rot der Rubedo zeigt an, dass der alchemistische Prozess abgeschlossen ist. Der Stein der Weisen wurde gefunden und daraus das rote Elixier des ewigen Lebens gewonnen. Mit dem Entstehen dieses roten Wundersteins, ist alles möglich. Und wenn alles möglich ist, so können auch unedle Metalle wie Blei in Gold verwandelt werden und das Leben eines Menschen verlängert werden. Dieser Stein der Weisen ist identisch mit dem Lapis Exilis des Wolfram von Eschenbach: dem Heiligen Gral.

Die Rote Sonne des Splendor Solis - ewigeweisheit.de

Die Rote Sonne - Symbol des Steins der Weisen

Ziele der Alchemie

In der Alchemie geht es gar nicht darum ein äußeres, wertvolles Produkt wie etwa Gold herzustellen. Vielmehr ist das Hauptziel die Transformation des Ausübenden selbst. Aus einem "normalen Menschen" wird ein "Wundermensch". Sein Tun ist allein durch den Himmel begrenzt - auf Erden aber ist ihm alles möglich. Einen Alchemisten, dem die Herstellung des Steins der Weisen geglückt ist, könnte man darum auch als einen Adepten bezeichnen. Er wird zu einem gottähnlichen, allmächtigen Wesen. 

Wer sich wirklich zu dieser Ebene des Seins aufgeschwungen hat, für den werden alle bisherigen Vorstellungen und Erfahrungen langweilig und uninteressant. Nicht das er jetzt ein größeres Ego entwickelt hätte. Eher kann er jetzt alle unedlen Erfahrungen, Halbwissen, Krankheit und Ignoranz, zu etwas höherwertigem, weisem, heilem und tolerantem umwandeln - d. h. alles, ganz gleich ob grau, klumpig oder wertlos, lässt sich zu strahlendem Gold transmutieren - im übertragenen, wie im tatsächlichen Sinne.

Vielleicht kann die Seele den oben beschriebenen, wundersamen Vorgang der Umwandlung, auf alle möglichen Lebenserfahrungen anwenden. Das bedeutet: Alles was bisher langweilig und schlecht erschien, wird plötzlich zu etwas ganz wunderbarem. Das Leben selbst verwandelt sich in ein einziges großes Wunder - wo immer wir auch hinsehen, da entdecken wir Gold. Was sich im alchemistischen Prozess verwandelt hat, sind wir selbst! Die Suche und das Gewinnen des Steins der Weisen hat uns verändert!

Alle großen Alchemisten wussten, dass metallisches Gold nur ein Nebenprodukt eines viel wichtigeren und viel wertvolleren Geschehens ist, an dem man während seiner Arbeit bei der Bereitung des Steins der Weisen teilhat.
Der Alchemist muss sich also selbst verändern, bevor er die Welt und ihre Erscheinungen verändern und umformen kann. Er betrachtet die Gegenstände in der Welt als eine alchemistische Retorte, in der das Licht der Erkenntnis konserviert und daraus hervorgebracht wird. 
Es geht darum die Weisheit (Sophia) aus den Fängen materieller Sichtweisen und Meinungen zu erlösen. Sophia steht für die Rubedo im großen Werk der Alchemie. Wohl nicht zufällig wird sie in der Ikonographie stets als rothaarige, in rote Roben gekleidete Heilige dargestellt.

Aufgabe des Alchemisten ist also die geheimnisvolle Sophia in ihrer herrlichen Erscheinung aus der Erde zu erlösen, aus den Fesseln materieller Beschränkungen zu entbinden.

Das Geheimnis, Gemälde: Felix Nussbaum - ewigeweisheit.de

"Das Geheimnis", Gemälde von Felix Nussbaum.

Geheimhaltung

Es hat seinen Grund, dass alchemistische Schriften oft nur schwer verständlich und irreführend geschrieben sind. Niemand sollte sich ihrer bemächtigen können, ohne nicht zuvor den Weg der Selbstläuterung gegangen zu sein. Im Übrigen ist das der einzige Grund wieso es überhaupt Geheimnisse gibt. Wer zu schnell an esoterisches Wissen kommt, den kann es überwältigen, was mitunter folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Alchemie ist ein "geheimer Weg der Verwandlung" - ein "geheimer Weg des Lebens", mit dem Weisheit gefunden wird. Das ist das Lebensziel des Menschen im Großen Werk der Alchemie - dem Opus Magnum.

Vielleicht befinden wir uns ja bereits auf diesem Weg ohne davon zu wissen - letztendlich sind wir dazu aber auf die Welt gekommen. Wenn wir uns dessen bewusst werden, werden wir hoffentlich den sagenhaften Stein finden!

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Tabula Smaragdina (Interpretation)...

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Die Verfassung der geheimen Künste des Hermes Trismegistos

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

Mit dem ersten Absatz wird bereits die Unwahrheit ausgeschlossen. Jeder Irrtum oder ein Versprechen das eine Lüge sein könnte, wird von vornherein unterbunden. Die Sätze der Smaragdtafel haben den selben Anspruch wie Bibel, Koran, Bhagavad Gita und andere heilige Schriften.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist. Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

Mit Sicherheit der bekannteste Teil der Tabula Smaragdina - häufig verkürzt als »Wie unten, so oben«. In der Astrologie zum Beispiel, erkennt man die Schicksalsereignisse im menschlichen Leben in den Bewegungen und Konstellationen der Gestirne am Himmel.

Die verschiedenen Welten des Göttlichen enthalten sich gegenseitig. Die höheren Welten wirken auf die niederen , die niederen Welten auf die höheren. So kann man vom einen auf das andere schließen. Alle natürlichen Vorgänge wiederholen sich auf verschiedenen Ebenen. Formationen fliegender Vögel ähneln z. B. denen der Fischschwärme im Meer.

Das »Wunder des einigen Dinges« ist die praktizierte Analogie, mit der man das Göttliche erkennt und so an seiner Ausbreitung mitwirkt. Es ist das eigentliche Thema, die Sache, welche auf allen Ebenen gleichermaßen stattfindet und als solche, für sich ein »kleines« Wunder darstellt.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt, so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

In der jüdisch-christlichen Kabbala, wie auch in den vedischen Upanischaden, ist die Rede von Urformen, die sich einem empfangenden Prinzip aufwirken. So werden aus Ideen und Urbildern der geistigen Welt Abbilder - erfahrbare Dinge, die sich in der materiellen Welt bilden.
Ein Architekt entwirft einen Bauplan, den er dem Bauherrn vorlegt. Maurer und Zimmerleute beginnen damit den Hausbau. So wird aus dem Plan eine reale Form.
Da sich Formen aber beständig ändern, ist eine Anpassung erforderlich.

Im Johannes Evangelium lesen wir: »Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort«. Die anfängliche Ursache des Wortes, die Sprache der ersten Äußerung Gottes, so wie es auch in Genesis 1:3 zu lesen ist: »Und Gott sprach es werde Licht« - ist eine Sammlung und Meditation auf den hellsten Punkt im göttlichen Selbst. Durch Anpassung an die Evolutionsgesetze sind Formen entstanden, aus denen dieses Licht in einen anfänglichen Urraum hinabstieg. Durch Angleichung manifestierten sich daraus alle Formen des Seins.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

Das väterliche Prinzip im Kosmos wird durch die Sonne als Quelle von Licht und Wahrheit verkörpert. Urmutter des Kosmos ist der Mond. Das männliche Prinzip vereinigt sich mit dem Weiblichen und in dieser Verbindung wird ein neues Wesen gezeugt, welches in der Geistwelt (Luft) seine Form bildet und dann durch die Nährung aus der Erde eine physische Form erhält.
In diesem Satz werden drei kosmische Ebenen symbolisiert: Sonne, Mond und Erde - äquivalent zu Geist, Seele und Körper im Menschen.
Materielle Schöpfungen entstehen aus der geistigen Welt, aus einem heiligen Geist, durch den auch das Jesuskind in der Maria gezeugt wurde. Der Geist wird durch das Luftelement verkörpert und daraus wird mit dem Sonnenfeuer ein Wind entfacht, der die geistige Formung bewirkt. Wind ist ein Medium des Lebens. Erst durch die Luft die Gott dem Adam einhauchte begann er zu Leben.

Tabula Smaragdina Kunrath - ewigeweisheit.de

Die Tabula Smaragdina in einem Stich des deutschen Alchemisten Heinrich Kunrath (1560-1605).
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VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

Das ist ein Hinweis auf den Stein der Weisen. Ihn gilt es zu finden. Aus ihm wurde alles Erdenkliche in absoluter Vollkommenheit erschaffen. Des Vaters zeugende Kraft, entspricht dieser Vollendung.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

Mit der Kraft, ist das Wirken des göttlichen Prinzips im Menschen gemeint. Das deutet auf die Verkörperlichung des Göttlichen hin, welche erst mit der Umwandlung in Erde vollkommen ist. Materielles wird durch Realisierung einer Uridee verdichtet und geformt.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl. So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen. Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

Beim Umgang mit der Materie und den Stoffen der subtiler Dimensionen ist Vorsicht geboten. Grobes und Feines müssen geschickt voneinander getrennt werden. "Grob" bezeichnet das korporale Prinzip der Erde, "fein" das energetische, ätherische Prinzip des Feuers. Diese beiden Aggregatzustände liegen sich in der Hierarchie der vier Elemente gegenüber, so wie Materialismus und Spiritualismus. Der Mensch muss diesen Unterschied in seinem Innersten begreifen und sich damit befähigen, diese beiden Ebenen letztendlich wieder zusammenführen. So können sie sich auf einer höheren Form der Existenz manifestieren. "Löse und binde" - "Solve et Coagula" - das ist die alchemistische Grundregel zur Veredelung des Seins.

Wenn das Wasser aus der Erde verdunstet, steigt es zum Himmel, kondensiert dort zu Wolken und fällt wieder als Regen auf die Erde hinab. So wird aus der Erde furchtbarer Boden. Das Gleiche gilt für den Menschen und seine Seele. Sie stammt aus der göttlichen Einheit, Monade genannt (das ist der göttliche Funke) und kreist in ihren Inkarnationen über den verschiedenen Ebenen des korporalen Seins. Sie steigt allmählich immer höher, bis zum höchsten, göttlichen Geist empor und wird mit ihm Eins. Sie löst sich von ihm schließlich wieder ab, wandert wieder nach unten, um in der physischen Welt Erfahrungen zu sammeln. Dann steigt die Seele wieder empor, um einen neuen Kreislauf zu beginnen. Ihr Wunsch ist Erfahrungen zu sammeln, damit sie immer stärker wird und sie mit der hierbei gewonnenen Kraft, die geistige und materielle Welt immer weiter durchdringt, ihr innerstes Wesen begreift und beherrscht. Es geht um die Erkenntnis der Naturgesetze und des eigenen Wesens. Es geht darum sich seines wahren Selbst bewusst zu werden.

Die Verwirklichung des göttlichen Selbst auf Erden, ist der Dienst am Nächsten. Der Sinn des himmlischen Daseins auf Erden besteht darin, dass der Mensch in seinem Inneren eine reale Kraft vermittelt und damit quasi Gottes Weg zur Menschwerdung selbst beschreitet.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft, denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

Durch die gewonnene Kraft werden alle flüchtigen oder feinen Dinge des Oben gebändigt bzw. ihre Subtilität überwunden. Ebenso kann die hier beschriebene Kraft alles Feste durchdringen, so wie es in den gröberen, unteren Schichten des manifestierten Welt vorkommt. Durch das Entdecken der Vollkommenheit der Natur und das Anerkennen der Naturgesetze, entwickelt der Mensch eine Demut gegenüber der Schöpfung. Durch die geistigen Dimensionen inspiriert, hat sich an dieser Stelle sein Wertesystem bereits verändert, sein energetisches Potenzial erhöht und sich auf der physischen Ebene als wirksame Kraft entfaltet.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst, so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

Die Smaragdtafel beschreibt ein Ursachenprinzip, einen Grund der sich in der Schöpfung abspielt - etwas das sich in der Schöpfung in immer wieder neuen Nachahmungen wiederholt. Sie kann dem Menschen als Leitfaden dienen, sein Leben in der gegenwärtigen Inkarnation zu veredeln.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos (dreimalgrößter Hermes), der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

Hermetik: Hohe Wissenschaft im Alten Ägypten

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Von den Mysterien der alten Ägypter geht für viele Menschen unvermindert eine große Faszination aus. Ägyptische Magier sollen Gold aus schwarzer Erde hergestellt, Geister für ihre Zwecke gebannt und Tote lebendig gemacht haben.

Auf solche und andere Legenden stoßen wir, wenn wir uns in das Gebiet der Hermetik wagen.

Wer war Hermes Trismegistos?

Vor ungefähr 2.000 Jahren gewann eine sagenhafte Figur in Ägypten Bedeutung. Hermes Trismegistos nannte man ihn - der "dreimal größte Hermes".
Sein Name steht für drei große Wissensfelder der Esoterik:

  • Alchemie ist die Wissenschaft von den Arbeitsabläufen bei der Bereitung des Steins der Weisen. Es ist die heilige Kunst, mit der auf der Erde die Kräfte der Planeten und der Sonne wirksam gemacht werden.
  • Astrologie ist die alte Wissenschaft von den Sternen.
  • Theologie und Theurgie die Wissenschaften über das Wesen und Wirken des Göttlichen.

Man kann nicht behaupten dass Hermes Trismegistos ein gewöhnlicher Mensch war. Eher wäre die Bezeichnung "aufgestiegener Meister" zutreffend. Er soll mehr als 20.000 Bücher verfasst haben, was einem Normalsterblichen wohl kaum gelingen dürfte. Vielleicht war Hermes Trismegistos eher ein geistiges Wesen, das den alten Gelehrten Weisheit und geheimes Wissen übermittelte. Durch ihn kam das "Wissen der Götter" zu den Menschen.
Laut einer Legende wurden einst 42 der hermetischen Bücher in der legendären Bibliothek von Alexandria aufbewahrt, bis sie eine gewaltige Feuersbrunst zerstörte. Fast die gesamte Bibliothek fiel dem durch die Römer verursachten Brand zum Opfer. Nur einige Papyri sind erhalten geblieben. Diese wurden in jüngerer Zeit im sogenannten "Corpus Hermeticum" zusammengestellt.

Hermes Trismegistos - ewigeweisheit.de

Hermes Trismegistos - "Der dreimal größte Hermes"

Hermes Trismegistos gilt als Urvater der Mathematik, Geometrie, Alchemie, Philosophie, Medizin und Magie. Mehrere Gottheiten der Antike verschmelzen in ihm zu einer Gestalt. Um 300 v. Chr. vermischte sich der ägyptische Toth - Gott der Weisheit, des Lernens und der Kommunikation - mit dem griechischen Hermes - dem geflügelten Götterboten. Auch der Engel Metathron, der ägyptische Pharao Echnaton (1353 bis 1336 v. Chr.) und der Prophet Moses ähnelnin vieler Hinsicht der universalen Götterfigur des Hermes Trismegistos. Aus dieser Warte betrachtet, scheint er gewissermaßen den Ursprung aller (westlichen) Religionen zu bilden.

Sein bekanntestes Attribut ist der Caduceus - der Schlangenstab. Dieser Stab, der später als Zauberstab profaniert wurde, ist einerseits Symbol für die Verbindung gegensätzlicher Kräfte, andererseits ein Sinnbild für die Fruchtbarkeit und den Phallus.
Zwei Schlangen umwinden den Stab und stehen für die starken Kräfte in der Natur. Sie sind Symbole für die fließende Energie der elektrischen und magnetischen Kraft, aber auch für alles Auf- und Absteigende, für das männliche und weibliche, das positive und negative, das himmlische und irdische Prinzip usw.

Heute wird das Caduceus-Symbol von Händlern, wie auch von Apothekern und Medizinern verwendet.

Der ägyptische Gott Thoth - ewigeweisheit.de

Der ägyptische Gott Thoth (auch: Tehuti)

Ursprung des Wortes "Hermetik"

Das Wissen der Alchemisten und Hermetiker wurde streng gehütet. Nur diejenigen die für die Lehre bereit waren, wurden in ihre Geheimnisse eingeweiht. Daher wird das Adjektiv "hermetisch", zur Beschreibung von etwas Abgeschlossenem, Versiegelten oder Geheimen verwendet. Da die Alchemisten solche "Operationen" in völlig abgeschlossenen Retorten und Kesseln durchführten, bekam der Begriff irgendwann einen sprichwörtlichen Charakter. Daher die Redewendung, dass etwas "hermetisch abgeriegelt" sei.

Die Hermetische Philosophie

Verschiedene philosophisch-theologische Strömungen fließen in der Hermetik zusammen. Darunter der griechische Paganismus, die Kabbala, die alt-sumerische Religion, die Astronomie der Chaldäer und die Weisheiten des persischen Propheten Zoroaster (Zarathustra). Doch auch Spuren der griechischen Philosophie lassen sich in hermetischem Gedankengut finden. Darunter die Lehren der Pythagoreer, der Stoiker, der Platoniker und der Neuplatoniker.

Hermetik ist eine der ältesten religiös-philosophischen Traditionen der westlichen Welt. Sie wurde um 300 v. Chr. in Ägypten von den Magiern und Hohepriestern der ptolemäischen Herrscherdynastie als heilige Wissenschaft eingeführt. Bei der Hermetik der Ptolemäer handelte es sich aber weniger um eine religiöse Bewegung, als um ein philosophisches System.
Man kann sagen, dass die Hermetik die Wurzel vieler anderer religiösen Traditionen bildet. Manche davon existieren bis zum heutigen Tag!

Der Caduceus - ewigeweisheit.de

Der Caduceus - Stab des Hermes

Manche sagen über den Hermetismus, er sei die "prisca theologia" - die einzige und wahre "Ur-Theologie". Hermetik ist gewissermaßen der "rote Faden" der sich durch alle westlichen Religionen zieht. Hermetiker glauben nämlich wie auch Juden, Christen und Muslime an "Den Einen", dessen Essenz die geistige Einheit aller Äonen, Engel und anderer Lebewesen, einschließlich Pflanzen, Tieren und Menschen bildet. Diese universale Einheit ist insbesondere in der Philosophie der Gnosis von zentraler Bedeutung.

Die Zerstörung hermetischen Gedankenguts

In der ersten 500 Jahren n. Chr. geht vieles hermetisches Gedankengut nach und nach verloren. Durch das Verschwinden hellenistischer und das Aufkommen römischer Einflüsse, versanken die in griechischer Sprache verfassten, hermetischen Schriften im Dunkel der Zeit. Im Jahr 296 n. Chr. wurden im römischen Imperium (unter Kaiser Diocletian), alle Bücher über Hermetik und Alchemie verbrannt. Nach dem Niedergang Alexandrias wurde das hermetische Wissen aber bei den Arabern weiter gelehrt. Die Kunst der Goldmacherei nannte man im alten Arabien "Al-Chimia" - daher der Name "Alchemie".
Erst später gelangte es, speziell über das maurische Spanien - um das 11. Jhd. in den abendländischen Kulturbereich. 

Insbesondere zur Wende ins 20. Jhd. stieg dieses alte Gedankengut allmählich wieder in das Bewusstsein vieler Gelehrter. Es war eine Renaissance, die mit der Gründung verschiedener okkulter Gesellschaften (Freimaurer, Rosenkreuzer, Golden Dawn, Theosophische Gesellschaft), der Hermetik zu neuem Leben verhalf. Alles was aus diesen hermetisch geprägten Gesellschaften an die Öffentlichkeit kam, sollte Ende des 20. Jhd. dann zu dem werden, was im allgemeinen als die "New-Age-Bewegung" bekannt ist.

 

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Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Das Emblem der Webseite der Edition Ewige Weisheit zeigt eine Frau: Agia Sophia (Aγία Σοφία) – die personifizierte Heilige Weisheit. In allen Weisheitstraditionen der Welt ist Sophias Geist allgegenwärtig . Nie aber inkarnierte sie auf Erden.

Sie wird in der christlichen Ikonografie dargestellt als ein geflügelte Frau mit rotem Haar und roten Flügeln, mit denen sie sich fliegend durch die Äonen bewegt. Ihre Füße aber stehen immer auf einem Schemel und verweisen darauf, dass sie die irdische Welt niemals betreten wird. Griechische und russisch-orthodoxe Ikonen zeigen sie meist mit roter Haut und roter Robe. Oft sieht man sie da auch abgebildet auf einem Trhon sitzend, zwischen der Heiligen Mutter Maria (links) und dem Täufer Johannes (rechts).

Das Rot ihrer Erscheinung steht für das Feuer, für die Macht, die Liebe und für den Lebensaft - das Blut. Rot ist die Farbe der Weisheit und der höchsten Vollkommenheit. Den geheimnisvollen "Stein der Weisen" findet derjenige, der die Rötung (Rubedo) im Großen Werk (Opus Magnum) der Alchemie erzielt.
In den Kontext der Feuersymbolik der Farbe Rot gehört auch Prometheus, ein Titan der im griechischen Mythos den Menschen das Feuer brachte. Durch seine im Feuer enthaltene Weisheit kam der Mensch zur Entwicklung der Kulturtechniken auf Erden.

Ikone der Hlg. Sophia 16. Jhd., Sophia-Kathedral, Novgorod, Russland
Sophia-Ikone aus dem 16. Jhd.
 

Die Heilige Sophia ist die weibliche Personifikation des Heiligen Geistes und der Theosophie. Nach ihr ist die große Hagia Sophia benannt - einstige Krönungskathedrale der byzantinischen Kaiser, lange Zeit die wichtigste Moschee im Osmanischen Reich und heute ein Museum in Istanbul. Nicht zufällig besitzt ihr historisches Gemäuer einen roten Anstrich (siehe Abb.).

Hagia Sophia
Die Hagia Sophia in Istanbul mit ihrem roten Anstrich.
 

Im Hintergrund des Emblems der Edition Ewige Weisheit sieht man Bäume, die von einem Dämmerlicht umgeben erscheinen und auf die Morgendämmerung und damit auf den Morgenstern Venus verweisen. Die Bäume sind eine Allegorie darauf, dass der Mensch wahre Weisheit keineswegs nur in Büchern, sondern insbesondere in natürlich erlangter Erfahrung findet.

Das esoterische Symbol der Venus

Der Stern den die Heilige Sophia an ihrer Stirn im Halbmond trägt, das ist das okkulte Zeichen der Venus - das "Gestirn der goldenen Morgenröte" - jener Planet der während der Morgendämmerung, innerhalb acht Jahren an fünf Himmelspositionen zu sehen ist.


 

Über diesen Zeitraum zeichnet die Venus, in Form des hier gezeigten, in sich verschlungenen Sterns, ein Pentagramm am Horizont der Morgenröte. Das Pentagramm steht für die esoterische, geistige Verbindung der Erde mit der Venus - ihrem Alta Ego: ♁⛥♀

Shakyamuni Buddha saß sieben Tage unter dem Boddhi-Baum (in der chaldäischen Reihe entspricht die Venus der Zahl Sieben). Als er am siebten Tag vor Sonnenaufgang im Osten den Morgenstern erblickte, da gelangte er zur Erleuchtung.

Der Venus als Morgenstern begegnen wir auch in den Büchern des Neuen Testaments:

[...] dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

- 2. Petrus 1:19

Ich (Jesus Christus) bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, ein strahlender Morgenstern.

- Offenbarung 22:16

Auffällig im astronomischen Venus-Pentagramm ist, dass eine Ecke ein wenig offen ist (in der Grafik bei 06.06.12) und sich im weiteren Verlauf der folgenden Venuspositionen am Himmel, als solches Pentagramm immer weiter im Uhrzeigersinn dreht.

Position der Venus bei der unteren Konjunktion in den Jahren 2004-2012. Von CWitte. Quelle: Wikipedia
Das Venus-Pentagramm (Bild: CWitte, Own work, CC-BY-SA-3.0)

Zu dieser astronomischen Eigenheit der Venus, gibt es einen interessanten Hinweis in Goethes Faust: 

MEPHISTOPHELES.
Gesteh ichs nur!
Daß ich hinausspaziere,
Verbietet mir ein kleines Hindernis:
Der Drudenfuß auf Eurer Schwelle -

FAUST.
Das Pentagramma macht dir Pein?
Ei, sage mir, du Sohn der Hölle:
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
Wie ward ein solcher Geist betrogen?

MEPHISTOPHELES.
Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach außenzu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen.

– Goethe - Faust, der Tragödie erster Teil, Studierzimmer

Es ist sicher kein Zufall dass das Pentagramm oft auch auf Kirchengemäuern zu finden ist, da der sogenannte "Drudenfuß" im alten Volksglauben als Bannzeichen gegen das Böse verwendet wurde.

In der vedischen Astrologie wird der Planet Venus durch die Göttin Lakshmi repräsentiert, die ebenso wie die Heilige Sophia ein rotes Gewand trägt.

Die Göttin Lakshmi - vedische Venus
Lakshmi - die Venus der vedischen Astrologie

Ewige Weisheit - Sophia Perennis

Im Buddhismus entspricht die Venus als westlicher Abendstern, dem Buddha Amitabha. Der Name "Amitabha" bedeutet "Unermessliches Licht" (sansk. अमिताभ, zusammengesetzt aus "amita", unbegrenzt, unendlich, und "abha", Licht, Schönheit; Wortwurzel von "abha" ist "bha", im Sanskrit ein Name der Venus).

Amitabha lebt im "Reinen Land" von Suhkhavati - dem Paradies im westlichen Himmel. In diesem Reinen Land leben alle Lebewesen ohne Leid. Wie auch bei Lakshmi und der Heilige Sophia, ist Rot die Farbe des Buddha Amitabha (siehe Abb.).

Buddha Amitabha in Tibetan Buddhism, traditional Thangka painting.
Buddha Amitabha

Doch sehen wir uns noch einmal das Pentagramm an: Die Linien die zwischen je zwei Spitzen des Pentagramms verlaufen, durchtrennen zwei andere Linien im Verhältnis des Goldenen Schnitts - dem Maß perfekter Harmonie. Nicht zufällig lässt sich das "Goldene Maß" in der Architektur vieler Bauwerken der Antike finden.

Dieses "Goldene Mittel" aber ist vor allem ein wichtiges Verhältnis in der Natur: sei es im Gesicht oder den Fingergliedern des Menschen, oder auch in den Spiralformen vieler Pflanzen. Überall lässt sich das Goldene Verhältnis finden. Die Blütenblätter einer Rose ordnen sich um ihre Knospe ebenfalls nach diesem Maß (Goldener Winkel Ψ ≈ 222,5° : ψ ≈ 137,5°). Auch in einem quer halbierten Apfel zeigt sich das Kerngehäuse als ausgewogenes Pentagramm.
Das Pentagramm ist auch ein Symbol des Menschen, der seine Glieder von sich streckt. In der Anthroposophie Rudolf Steiners heißt es, dass entlang der Linien des Pentagramms die ätherischen Kraftströme von der Stirnmitte zum rechten Fuß, von dort in die linke Hand, danach in die rechte Hand, von dort in den linken Fuß, um schließlich wieder zur Stirnmitte zurück zu verlaufen.


Die Rose - Ein Symbol der Mystik
 

Die mythologische Venus (griech. Aphrodite) steht für die kreative Kraft und Zeugungsfähigkeit des Menschen in der Natur. Doch nicht alleine Zeugung durch den Körper, sondern durch den aus der Weisheit (Sophia) geborenen Verstand. Weisheit entspricht dem empfangenden, weiblichen Prinzip.

Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli) - ewigeweisheit.de
Die Geburt der Venus (Sandro Boticelli)
 

Göttinnen des Mondes

Der Venusstern ist im Emblem von einer Mondsichel umgeben. Diese Mondsichel symbolisiert auf himmlischer, irdischer und unterweltlicher Ebene das lunare Prinzip im menschlichen Bewusstsein. In der Alchemie steht das Lunare für das gerinnende, erstarrende und formgebende Prinzip.
Die drei Mondphasen Vollmond, Halbmond und Neumond entsprechen den drei griechischen Mondgöttinnen. Selene ist die Personifikation des himmlischen Mondes und Verleiherin der Fähigkeit zur Reflexion. Artemis ist die Repräsentantin des Lunaren auf Erden, allem also das mit den Gezeiten, der Geburt, dem Fluss der Lebenskräfte und dem Tod zusammenhängt. Hekate ist die Göttin der Nacht, der Zauberei, der Magie und Geomantie. Sie ist Hüterin der Schlüssel mit denen die Pforten zur Unterwelt aufgeschlossen werden. Damit ist sie die Göttin der Einweihung in die Heiligen Mysterien. Sie entspricht in der ägyptischen Mythologie der Isis.

Das Kreuz im Kreis - Symbol der Gnosis

Das goldene Sonnenrad das die Heilige Sophia vor ihrem Herzen hält steht für den ewigen Kreislauf allen Lebens - für das Ein- und Ausatmen des menschlichen Körpers, das Wachstum und Sterben in der Natur, das Drehen der Gestirne im astralen Räderwerk des Himmels.
Neben dem astrologischen Symbol für die Erde, ist das Kreuz im Kreis ein Zeichen für den ewigen Zyklus des wiederkehrenden, himmlischen Lichts. Es ist ein Zeichen für das Licht das von der Sonne während der Wintersonnenwende, dem Frühlingspunkt, der Sommersonnenwende und dem Herbstpunkt auf die Erde strahlt. Es werden in diesem Symbol die vier Lebensphasen des Menschen angedeutet: Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter.

Das Kreuz im Kreis - ewigeweisheit.de

Das Kreuz im Kreis ist ein Symbol der Gnosis, und im Fall meines Emblems ein Zeichen für das zyklische Zusammenwirken der Phasen von Licht, Finsternis und Zwielicht - von Geburt, Tod und Wiedergeburt eines ewigen Lebens.

 

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Die drei Philosophischen Prinzipien in der Hermetik...

 

Die drei philosophischen Elemente, die man auch als die Tria Principia - "Drei Prinzipien", bezeichnet, wurden von Pracelsus in ihre heutige Form gebracht. Es sind drei substantielle Prinzipien:

Die Tria Principia im Zusammenhang mit den vier alchemistischen Elementen - ewigeweisheit.de

Schaubild: Die Tria Principia im Zusammenhang mit den vier alchemistischen Elementen.
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  1. Sulphur: das brennbare Prinzip des Feuers und der Luft
  2. Mercurius: das flüchtig-flüssige Prinzip des Wassers
  3. Sal: das feste, formgebende Prinzip der Erde

Alle Stoffe und Metalle entstehen in der Alchemie durch das Zusammenwirken dieser drei philosophischen Prinzipien. Auch die Prozesse die bei Krankheit und Heilung wirken, wurden von Pracelsus in diesen drei philosophischen Prinzipien erkannt.

Diese drei Prinzipien lassen sich, wie wir oben bereits sahen, in Beziehung setzen zu den vier alchemistischen Elementen. Im Kontext paracelsischer Alchemie (Spagyrik) ergiebt sich daraus folgende Veranschaulichung:

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Basilius Valentinus war ein deutschsprachiger Benediktinermönch im Peterskloster zu Erfurt und Autor alchemististischer Schriften. Seine Werke wurden erst ein paar Jahrhunderte nach seinem Tode in Drucken und in Handschriften seit 1599 überliefert und mehrfach gedruckt, kommentiert und in die verschiedene Sprachen übersetzt.

Wahrscheinlich aber handelte es sich bei seinem Namen um ein Pseudonym, da er im Bezug auf die geheimnisvolle Verwandlung der Metalle (Basilius, königlich, und Valentinus von Valere, kräftig sein)

Basilius Valentinus - ewigeweisheit.de

Basilius Valentinus - lebte um 1599.

und die Thematik der Alchemie womöglich mit seinem wirklichen Namen auch Feinde und Verfolger wachgerufen hätte. Angenommen wird jedoch, dass Valentinus am Oberrhein geboren wurde und zu Lebzeiten viel durch Europa, darunter England und Holland reiste. Noch vor Paracelsus, fand er die Drei-Prinzipien-Lehre (Mercurius, Sulphur und Sal) auf die sich Paracelsus teilweise in seiner Arbeit berief.

Seine Studien betrafen mit dem unverdrossensten Eifer in erster Linie die Chemie und die Wissenschaft um die Verwandlung unedler Metalle in edle. Es wurde erzählt, daß er das Geheimnis entdeckt und den Stein der Weisen an zwei verschiedenen Orten des Petersklosters verborgen habe. Interessant ist auch, dass der Name des Klosters, also Peter, ja eine andere Form von Petrus ist und dieser Name ja in seiner ursprünglichen Bedeutung von dem griechischen Wort Petros, dem Stein, abstammt.

Er beschäftigte sich mit der medizinischen Anwendung des Halbmetalls Antimon, welches er so genau erforschte, daß jahrhundertelang seinen Resultaten und chemischen Forschungsergebnissen nichts Wesentliches hinzugefügt werden konnte. Des Weiteren entdeckte er die Salzsäure, den Ammoniak, den Goldoxydammoniak (auch Knallgold, wegen seiner explosionsfähigkeit in trockenem Zustand) und den Bleizucker. Ebenso bildete er die ersten Methoden der qualitativen Analyse aus.

In einem seiner Werke, den 1677 entstandenen "Chymischen Schriften", ist die Rede von 12 Schlüsseln die sie hier aus dem Mittelhochdeutschen übertragen finden.

Interview mit Usch Henze, Berlin

Lange schon interessierte mich wie sich die Mysterien des Heiligen Grals in Europa während der vergangenen Jahrhunderte so rasch verbreiten konnten. Wer damit in Berührung kam, der wusste bald auf uraltes, teils geheimes Wissen zuzugreifen. Über das Thema des Gralsmythos und jener Legenden, die über den sagenhaften König Artus erzählen, sprach ich mit der Berliner Autorin Usch Henze.

S. Levent Oezkan: Um die Legende vom Heiligen Gral rankt sich ein regelrechter Mysterienkosmos. Hilft die Sage auch jemand Ahnungslosem auf seinem Weg zur Erkenntnis solch alter Mysterien?

Usch Henze: Es ist bis heute nicht gelungen, dem Gral eine einzige Gestalt zu geben, der Gral hat viele Gesichter und Bedeutungen. Da erhebt sich zunächst die Frage, ob der Gral ein Kelch ist - also ein Gefäß -, ob er nur ein Symbol darstellt hinter dem sich andere Geheimnisse verbergen, oder ob es um die Suche nach dem Gral geht?

Der Heilige Gral wurde in den Überlieferungen verschiedener Zeitepochen und Glaubensvorstellungen interpretiert; und bei der Vielfalt dessen, was man darunter verstehen kann, bedarf es einer Differenzierung. Hierbei muss man bedenken, dass über Jahrhunderte tradierte Sagen und Legenden eine Kurzfassung sind, deren subtiler, symbolischer Charakter oft schwer verständlich ist. Ein Ahnungsloser wird zumindest ergründen müssen, was der Kern dieser Sagen und was unter ’Einweihung’ im Sinne einer sehr alten Tradition zu verstehen ist.

S. Levent Oezkan: Die Legende vom Gral wurde vielfach erwähnt, da sie einen prinzipiellen Gang des Menschen durch die Wandlungsstufen im Leben beschreibt. So auch in Bezug auf das letzte Abendmahl in den Evangelien des Neuen Testaments.

Usch Henze: Es ist zu bedenken, dass die Legenden auf eine sehr alte Zeit zurückgehen, in der Einweihungswege zur Bildung, vor allem von Priesterschaften, Herrschern von Völkern und Führern von Stammesgruppen gehörten. Es gab über die Zeiten hinweg verschiedene Wege, ’den Gral zu suchen’. Wir kennen unterschiedliche Formen und Stufen, die abhängig von Stammesriten, kulturellen Überlieferungen oder anderen spirituellen Vorstellungen durchgeführt wurden. Die Texte der Gralssagen werden daher nicht zu Unrecht als Fragmente eines einst zusammenhängenden heidnischen Ursprungs angesehen.

Im keltischen Druidentum in Europa war es die traditionelle ’Hohe Queste’. Ein Teil der darin enthaltenen Einweihungselemente wurden später mit dem Christentum verknüpft, erst daraus entstanden in viel späterer Zeit die mittelalterlichen Gralslegenden, in denen von der ’Suche nach dem Heiligen Gral’ die Rede ist. Darin sind aber die ursprünglichen, höchst anspruchsvollen Einweihungselemente nur noch als Fragmente zu finden.

Die Hohe Queste oder die Suche nach dem Gral war einst verbunden mit bewusst herbeigeführten Herausforderungen und Prüfungen, die auf dem Fundament einer großen Weisheitslehre zur Erkenntnis und damit zur Wandlung der Persönlichkeit im Sinne einer sowohl intellektuellen als auch geistigen Reife führen sollten. Dazu war auf einer sehr hohen spirituellen Ebene die Überwindung der scheinbaren Wirklichkeit der irdischen Ebene erforderlich. Wer die Hohe Queste bestanden oder die letzte Stufe der Einweihung zum Heiligen Gral erreicht hatte, triumphierte über das irdisch-menschliche Bewusstsein.

Keineswegs ist der Gral einzig als der Kelch Jesu beim letzten Abendmahl zu sehen, es sei denn man würde darin symbolisch den Weg Jesu mit einem Einweihungsweg verbinden, wovon heute viele Menschen überzeugt sind, denn auch in der jüdischen Tradition gab es hohe Einweihungen.

Fest steht, dass der Heilige Gral niemals einer einzigen Heilslehre gedient hat. Für das Christentum mussten bestimmte Elemente eingefügt werden, sonst wäre der Gralsheld ganz ohne die Hilfe der neuen Religion zum ’Heil’ gelangt. Das Abendmahl hat in der christlichen Liturgie den Stellenwert einer Wandlung übernommen. In einem Kelch wird Wein gereicht, als ’das Blut Jesu’, wie es dieser bei dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern zelebriert haben soll.

S. Levent Oezkan: Leider wurde die Legende vom Heiligen Gral auch schon missbraucht.

Usch Henze: Auf jeder spirituellen oder religiösen Ebene finden wir Missbrauch, auch innerhalb sogenannter ’Mysterien-Schulungen’, sei es durch Anmaßung, die zu einem Machtmissbrauch führen kann, oder durch mangelnde Kenntnis und Weisheit. Dem wird sich ein in die universellen, hermetischen Gesetze ’Eingeweihter’ entziehen, weil er weiß, dass das auf ihn zurückfällt.

S. Levent Oezkan: Kann man im Gralsmysterium Dinge auch falsch interpretieren?

Usch Henze: Selbstverständlich, man kann sich aus jeder Weisheitslehre bestimmte Dinge herausziehen und, ohne den umfassenderen Hintergrund, so oder so zum Verständnis bringen; man kann sie auch ’zurechtbiegen’, so dass sie in ein bestimmtes Konzept passen. Die Geschichte ist voll davon!

Zu bedenken ist aber auch, dass die ursprünglichen ’Gralslegenden’ aus der Zeit um 500-600 n.Chr. stammen, zu dieser Zeit haben die authentischen ’Gralskönige’ gelebt, deren spirituelle Welt noch sehr geprägt war von vor-christlichen Glaubensvorstellungen. Darauf gehen die im 12. und 13. Jahrhundert ’neu aufgelegten’ Texte zurück. Nach so langer Zeit muss man sich nicht über Fehlinterpretationen wundern, auch nicht über die an den ’Zeitgeist’ oder an die christliche Religion angepasste, inzwischen meist abgeflachte und oft fundamentalistisch anmutende Interpretation einer alten Lehre.

Darüber hinaus ist die Suche nach dem Gral ein Mysterium, das jeder individuellen Erfahrung offensteht, die die eine oder andere Interpretation zulässt, weil sich auf dem Wege einer spirituellen Entwicklung viele unterschiedliche Erkenntnisse ergeben.

Chalice Well - Photo: S. Levent Oezkan

S. Levent Oezkan: Die heilige Quelle Chalice Well am Fuße des Glastonbury Hügels in der englischen Grafschaft Somerset, gilt als der Brunnen, an dem König Artus einst den Gralskelch versteckt haben soll.

Usch Henze: Diese Fragestellung gleicht einem Rätsel und bedarf einer etwas ausführlicheren Beantwortung, denn hier überlagern sich verschiedene Vorstellungen und Überlieferungen die zu Irrtümern geführt haben.

Wir müssen hier wiederum unterscheiden zwischen dem weitverbreiteten Symbol eines Kelches für den Heiligen Gral und dem Kelch als Gefäß, in dem, nach christlicher Lehre, während der Kreuzigung das ’Blut Christi’ aufgefangen wurde, den man später ebenfalls ’Gralskelch’ nannte.

Welchen Kelch soll nun Artus an der Quelle verborgen haben? Um welchen Kelch es sich handeln könnte, vermischt sich auch in den Sagen um Artus, die in Glastonbury und anderswo erzählt werden. Die meisten davon sind Interpretationen aus dem Artus-Kult, der erst im 12./13. Jh. entstand, daher glauben viele, dass ’König Artus’ in dieser Zeit gelebt habe. Die bildlichen Darstellungen der Gralsritter an der Tafelrunde sind viel später entstanden und allenfalls allegorisch zu sehen; hin und wieder steht auf dem Tisch der Artus-Runde ein Kelch, meistens wird eine andere Symbolik angeboten.

Der historische Artus hat im 6. Jh. nach Christus gelebt, das würde bedeuten, wenn ein Gefäß aus der Zeit Jesu – wo auch immer - über diesen langen Zeitraum aufbewahrt wurde, es in seine Hände gelangt war. Das wäre eines der größten und am besten gehüteten Geheimnisse der Geschichte gewesen.

Realistischer spricht man in Glastonbury in diesem Zusammenhang von Joseph von Arimathäa (nach dem NT war es der Mann, der Jesus vom Kreuz genommen hat), der einige Jahre später das »Blut Jesu« nach Glastonbury gebracht habe. Die gleiche Ausdrucksweise finden wir in den Legenden um Maria Magdalena, einer Gefährtin Jesu, die um die gleiche Zeit das »Blut Jesu« nach Frankreich gebracht habe. Dem ist aus aktuellen Nachforschungen nichts anderes zu entnehmen, als dass sie ihre Heimat Israel verlassen hatten und in diesen beiden Ländern begannen, das Christentum zu verbreiten.

S. Levent Oezkan: Was hat es mit Glastonbury auf sich?

Usch Henze: Nach der Überlieferung von Glastonbury wurden Joseph von Arimathäa und zwölf seiner Gefolgsleute dort im keltischen Avalon ein Stück Land zur Verfügung gestellt. Das Land lag auf dem Areal einer sehr alten druidischen Einrichtung von größter Bedeutung. Es war das sagenumwobene Avalon, ’die heilige Insel’, ein spiritueller Kernpunkt des keltischen Königreiches, mit dem die Herrscher und das Druidentum seit undenklichen Zeiten tief verbunden waren.

Zu diesem Areal gehört der Glastonbury-Tor, ein mystischer, sagenumwobener Hügel der sich weithin sichtbar über das Land erhebt, und ein Bereich, auf dem später die Glastonbury Abbey und ein christlicher Klosterbezirk entstand. Nicht weit davon entspringt die heilige Quelle, Chalice Well. Das Wasser der Quelle ist hochgradig eisenhaltig, was dazu führte, dass die Steine im Quellbereich rötlich-braun gefärbt sind, deshalb wird Chalice Well auch Blutquelle genannt.

Vor diesem Hintergrund haben sich im Laufe der Zeit viele Legenden gebildet. Eine Legende will sogar wissen, wo dort genau Artus den Gralskelch verborgen habe.

Über der Quelle, die durch einen Brunnenschacht aus der Tiefe nach oben sprudelt, wurde eine Kammer aus monolithischen Steinblöcken errichtet. Ein einziger riesiger Felsblock bildet drei Seiten der Quelleneinfassung und das Mauerwerk ist mit der größten Genauigkeit eingepasst. Niemand weiß mehr, wann diese unglaubliche Anlage eingerichtet wurde, einiges deutet auf die vor-keltische Zeit.

Wenn am Mittsommertag die Sonne über die Kuppe des Tor-Hill steigt, fällt ein Lichtstrahl genau in die innere Brunnenkammer. In einer Wand dieser Kammer befindet sich eine Art von Schleusenöffnung, die es möglich macht, das Wasser abzulassen, so dass man die innere Kammer betreten kann.

Sobald die Schleuse geschlossen ist, füllt sich die Kammer schnell wieder mit Wasser. Diese Einrichtung hat zu manchen Spekulationen geführt, ob sie ein geeignetes Versteck für den Artus-Kelch gewesen wäre, sei dahingestellt.

Viel mehr sehe ich die Auflösung Ihrer Frage in der Tatsache, dass Glastonbury einst ein großes Schulungs- und Einweihungszentrum gewesen ist. Es war ein legendärer Kraftort aus keltischer und vor-keltischer Zeit, mit einem hohen Schwingungspotential an dem die Hohe Queste und später, zur Zeit der Gralsritter, die Suche nach dem Heiligen Gral ihre Erfüllung finden konnte.

Das heißt nichts anderes als einen hochgradigen Einweihungsweg bis zum Ende gegangen zu sein, bei dem der Einzuweihende nach einem langen Wege das Mysterium der letzten Dinge erfuhr und die höhere Weihe entgegennehmen durfte.

 

Diese höchste Auszeichnung wurde später so interpretiert, dass der Gral dort verborgen war.

In den mittelalterlichen Gralserzählungen war es jeweils ein Gralstempel, von denen es einige gab. Sie alle standen an mystischen, energetisch hochaufgeladenen Kraftplätzen, und hatten eine dementsprechende, für die letzte Einweihung geeignete Innenausstattung. Dort stand der »gefährliche Sitz«, auf dem der Ritter Platz nehmen sollte, der »Stein des Schicksals« oder am Ende der »Sitz der Ehre«.
Nicht jedem wurde diese hohe Ehre zuteil. Vorher musste er seine Prüfung an der »gefährlichen Quelle« bestehen, die wild kocht und von »drei Löwen« bewacht wird. Der Ritter muss die Löwen erschlagen, um die Quelle zur Ruhe zu bringen. Auch das ist ein »codierter«, allegorisch verschlüsselter Text aus den Gralsmysterien, der zu Ihrer nächsten Frage überleitet.

S. Levent Oezkan: Unter vielen Erwähnungen in der mystischen Tradition des Westens, taucht der Rote Drache als Figur in der Offenbarung des Johannes auf. Ebenso ist er ein zentrales Symbol der Alchemie. Dort steht er in Verbindung mit dem Vitriol - dem Wandlungsprozess bei der Bereitung des Steines der Weisen. Darin ist die Rede von der Suche nach dem »Unteren der Erde«, welche es zu vervollkommnen gilt um den Quell des Lebens finden zu können.

Usch Henze: Grundsätzlich war und ist die Suche des Alchimisten nach dem Stein der Weisen nichts anderes als ein Einweihungsweg. Ein Kapitelauszug aus meinem Merowinger-Buch mag Ihre Frage erhellen:
Im Mittelalter kannte man die »Alchemie des Essigs«, den Namen verwendete man für ein Mittel gegen die Pest, es war aber auch ein Deckname unter dem sich die »Die drei Löwen« verbargen. »Die Große Zeremonie« der Gralsritter, wenn sie am Ende ihrer Suche im Gralstempel angekommen waren, war die »Einweihung in die Drei Löwen«.

Der Grüne Löwe, der Rote Löwe und der Weiße Löwe waren die … drei Dinge, die zur Meisterschaft führten.

Der Weiße Löwe stand für die Vereinigung mit dem »Göttlichen Sein«. Dafür kannte man verschiedene Substanzen, die dem Menschen zu höchsten Bewusstseinsstufen verhalfen, wie bestimmte ätherische, hochkonzentrierte Essenzen (z.B. Weihrauch). Eine seit undenklichen Zeiten als »Brot« bezeichnete Substanz ist in der heutigen Zeit wieder bekannt geworden als white powder gold, es war wertvoller als Gold und scheint dem Weißen Löwen zu entsprechen.

Der Rote Löwe war bei den Alchemisten das »Große Rote Wasser«, ein Getränk, dem eine Supraleitfähigkeit auf höheren Schwingungsebenen zugeschrieben wurde, der Alchemieforscher Fulcanelli nannte es »Morgentau«.

Die Essenz des Grünen Löwen war als »Vitriol der Weisen« bekannt und führte zu einer Metamorphose des Geistes. Als »Grüner Drache« wurden auch Mittel bezeichnet, die Gold lösen konnten. Derartige Flüssigkeiten standen am Anfang des »Großen Werkes« bei der Herstellung des »Steins der Weisen«.

Im Mittelalter gab es das Aurum Potabile, das Trinkgold der Alchemisten, es war nicht nur als Heilmittel angesehen. Alle Eingeweihten wussten, dass Gold auch in fester Form als Metall »Licht-Energie« zuführt, die die natürliche Schwingung von Körper, Geist und Seele erhöht, mit anderen Worten unterstützt es die Entwicklung des Bewusstseins.
In den verschiedenen Legenden wird der Heilige Gral in anderen Formen beschrieben. Auch als ein kleiner Stein (lapis), dem große spirituelle Kraft zugeschrieben wird, und auch die »Heilige Lanze« der Merowinger gehörte zu den Gralsgegenständen, nur mit ihr ist der heldenhafte Gralsritter imstande, den erkrankten Fischerkönig zu heilen. Wenn die Heilung vollbracht ist, wird das zerstörte, unfruchtbare Land wieder zu einem Paradies erblühen.

S. Levent Oezkan: Sind Wandlungsprozesse in uns nötig, damit wir uns weiterentwickeln können? Müssen wir uns ständig verändern, um gesund und lebendig zu bleiben?

Usch Henze: Diese Frage könnte ich mit einem einfachen Ja beantworten, doch das wird hier nicht genügen. Im Grunde werden wir »in der Schule des Lebens« nicht danach gefragt, ob wir Wandlungsprozesse für nötig halten. Alles Leben entwickelt sich im Fluss von Veränderungen und beinhaltet Wachstum in verschiedenen Stufen, auf verschiedenen materiellen und geistigen Ebenen in einem höheren, niemals endgültigen Plan der Schöpfung.
In den Einweihungslehren der alten Völker wurde diese Erkenntnis als Grundpfeiler einer geistigen Entwicklung angesehen und die Wahrnehmung dafür in größtem Maße gefördert. Auf diesem Prinzip beruhte die geistige Entfaltung des Menschen. Dies erforderte jedoch Weisheit und die Beachtung ewig gültiger universeller Gesetzmäßigkeiten, deren Kenntnis erworben werden musste. Gott und die Schöpfung waren nicht etwas Seiendes, sondern etwas Werdendes, und dieses Werden umfasste die Welt. Diese Gottesauffassung enthielt aber auch den ständigen Appell an das Sein im Sinne von Bemühung und Tatkraft, sowohl für den einzelnen als auch für die Gemeinschaft, zum Werden beizutragen.
Diese Einstellung ist frei von »muss ich« oder »ist es nötig«, sondern es war eine selbstverständliche Herausforderung, die in der Alten Welt auf einem holistischen Weltbild von »Ganzheitlichkeit« beruhte, d.h. auf der Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist und was das bedeutet.
Dieses Weltbild und die daraus folgende Einstellung zum Lebens ist uns verlorengegangen, diese Werte werden heute von keiner äußeren Instanz vertreten, jeder wird mehr oder weniger gezwungen, sie für sich selbst zu erringen. Das ist ein Grund dafür, dass viele Menschen heute ein Bedürfnis nach den alten Weisheitslehren haben, nach einem Weg der Erkenntnis, der sich im einfachsten Falle einstellen mag aus dem Nachdenken über Sinn und Inhalt des Lebens, über das eigene Schicksal, um Werte und Inhalte zu finden für eine neue Zielrichtung.
Ob Menschen körperlich oder geistig gesund oder krank sind, sollte man in diese Frage nicht verallgemeinernd einbeziehen. Das darf kein Gradmesser sein, es lässt sich nicht im Einzelfall ermessen, wodurch eine Krankheit hervorgerufen wird. Ohne Frage haben wir heute in unserer Welt und Umwelt krankmachende Faktoren, seien es Stress und Überbelastung, oder auch die Vergiftung unserer Umwelt. Dem entkommen auch spirituell entwickelte Menschen nicht. Darüber hinaus können Krankheit oder Behinderungen auch auf dem Weg einer geistig-seelischen Entwicklung vorgegeben sein. Es wäre also falsch, an einen spirituellen Weg die Hoffnung oder das Versprechen von Gesundheit zu knüpfen.

S. Levent Oezkan: Das Tarot ist eines der ältesten Wahrsagesysteme. Vor allem aber zeigen uns die Archetypen, die wir auf den 22 Trumpf-Karten abgebildet finden, einen Einweihungsweg in die Mysterien von Leben, Tod und Liebe. Gibt es solche archetypischen Symbole auch in der Gralslegende?

Usch Henze: Symbole aus der Gralslegende gibt es einige, ich kenne aber keine, die in diesem Sinne in einem weitführenden und geordneten Spektrum, wie im Tarot, überliefert sind. Das heißt jedoch nicht, dass man bestimmte Archetypen in späterer Zeit mit einer vergessenen, wenn nicht mit einer Pseudo-Gralssymbolik verbunden und solche Kartendecks angeboten hat. Kartendecks mit Symbolen, die aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, gibt es heute unzählige.
Man sollte bei Ihrer Frage nicht vergessen, dass das Tarot nicht nur einem Einweihungsweg dienen kann, sondern auch ein Wahrsagesystem, besser gesagt eine Divinationstechnik ist. Die Gralslegenden haben sich vorwiegend in einer Zeit verbreitet, in der in einer aufstrebenden christlichen Kirche alles verpönt und verboten war, was im weitesten Sinne mit Einweihung, mit der Ergründung der Seele oder gar mit heidnischen Symbolen zu tun hatte. Das Ziel im Christentum war allein die »Erlösung« durch die Kraft des Glaubens.
Die Christen waren der Ansicht, daß Divination an sich ein Übel und Gotteslästerung sei. Diese Einstellung bezog sich auf alle ursprünglichen Divinationsmethoden mit tiefenpsychologischem Charakter, oder auf alles was auf andere Weise ein umfassenderes Verständnis des Lebens herbeiführte, wie das jahrtausendealte chinesische I Ging, Astrologie, sogar auf Brettspiele, die in griechischer und römischer Zeit im ähnlichen Sinne genutzt wurden.

S. Levent Oezkan: Die kleinen Arkana mancher Tarot-Decks bilden bestimmte Symbole ab: lebendiges Holz, »Das Schwert«, einen Kelch und die Münzen auf denen ein Pentakel abgebildet ist. Besteht hier vielleicht eine Verbindung zum sakralen Königtum der Merowinger?

Usch Henze: Zum Königtum der Merowinger insofern, als alles was Sie hier erwähnen, auch in der sakralen Welt des keltischen Druidentums und in germanischer Zeit eine Rolle gespielt hat, womit insbesondere die frühen Merowinger zutiefst verbunden waren.
Das »lebendige Holz« kam in der keltischen Taufzeremonie vor. Das Pentakel hatte einen hohen Stellenwert und wurde »Druidenfuß« genannt, es ist eines der Symbole aus der Heiligen Geometrie. Das Heilige Schwert spielte sowohl in keltischer auch als germanischer Zeit und noch bei den Merowingern eine große Rolle. In der Alten Welt war es ein Symbol militärischer Tugend. Es symbolisiert männliche Kraft und Tapferkeit, als schneidendes Instrument ist es aber ebenfalls ein Symbol der Entscheidung, der Trennung von Gut und Böse und damit ein Sinnbild der Gerechtigkeit. Im Artus-Mythos ist es das magische Schwert Excalibur.
Bei der Einführung der christlichen Religion während der Merowingerzeit fand eine Assimilierung statt, bei der – wie immer in einem Übergang – viele Elemente und Symbole aus der alten spirituellen Tradition übernommen und mit christlichen Inhalten verschmolzen wurden. Hierbei spielte auch der Kelch eine Rolle, der häufig als Symbol des Grals angesehen wurde. Beschrieben wurde der Gral jedoch auch als Schale, als Kessel oder als Füllhorn mit unversiegbarem Inhalt, oder einfach als strahlende Lichtquelle.
Wenn man nach einer älteren Symbolik sucht, ist eine davon der keltische »Kessel der Erneuerung« oder auch »Kessel der Wiedergeburt«. Diese traditionelle Symbolik trägt sehr, sehr alte schamanische Aspekte in sich, in dem Sinne, dass auf einem Einweihungsweg die ganze Persönlichkeit hinterfragt, sozusagen in Stücke geschnitten wird, um nach einem Prozess der Wandlung, der den Menschen zu einem neuen Bewusstsein geführt hat, aus dem Kessel der Erneuerung in Gesundheit und Schönheit wieder hervorzugehen.

 

Mehr zu Usch Henze und Ihrer Arbeit finden Sie unter:
www.uschhenze.info

Autor und Mentor S. Levent Oezkan - ewigeweisheit.de

Autor und Mentor

Die Tabula Smaragdina - die smaragdene Tafel - wird ihrem geistigen Kern nach dem Hermes Trismegistos zugeschrieben, von dem es heißt, die alt-ägyptische Kultur gegründet zu haben. Der in ihr dargestellte Text, bildet die philosophische Basis der Hermetik und gilt als Grundlagentext der Alchemie.

Die Verse der Tabula Smaragdina gelten als Schlüssel zur Bereitung des Steins der Weisen. In ihren dunklen, allegorischen Sätzen, spiegeln sich die Zusammenhänge von Mikrokosmos und Makrokosmos. 

Es gibt verschiedene Legenden, wie, wo und von wem die Tabula Smaragdina ursprünglich gefunden wurde. Eine Überlieferung erwähnt Sarah, die Frau des Propheten Abraham, die die Tafel im Grab des Hermes Trismegistos bei Hebron gefunden haben will. Eine andere Legende schreibt den Fund dem Eroberer Alexander von Makedonien zu. Er soll die Smaragdtafel in der Cheops-Pyramide in Gizeh gefunden haben. Der im 17. Jhr. lebende Universalgelehrte Athanasius Kircher war allerdings der Auffassung, dass der Text auf der Tafel, als eine Zusammenstellung aus einem Dialog des Corpus Hermeticum entnommen wurde - das heißt, aus einer Sammlung von Traktaten über die Entstehung der Welt und die Gestalt des Kosmos.

Von wem auch immer dieser Text gefunden wurde, spielt eher eine nebensächliche Rolle. Wichtig ist ihr bemerkenswerter Inhalt!

Denn der Text birgt trotz seiner wenigen Zeilen sehr tiefliegende Aussagen, die beim ersten Lesen nicht sofort verinnerlicht werden.

Es handelt sich um eine Allegorie auf die gesamte Geheimwissenschaft der Alchemie, der Wanderung der Seele, sowie auf die kosmischen Zusammenhänge unserer Welt - im großen Universum, wie auch im Diesseits der kleinen Welt der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien.

Zum ersten Mal wurde der Text um 1150 in Spanien aus dem Phönizischen ins Lateinische übersetzt, durch den Theologen Gerhard von Cremona. Erst später folgten Übersetzungen der Smaragdtafel in andere Sprachen.
Heute werden von den Geheimnissen dieser Tafel, viele esoterische Lehren abgeleitet oder beziehen sich darauf, in unzähligen philosophischen Abhandlungen.

Tabula Smaragdina

Die Verfassung der geheimen Künste des Hermes Trismegistos

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist.
Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt, so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl.
So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen.
Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft, denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst, so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos, der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

Interpretation der Tabula Smaragdina lesen >>

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