Alchemie

Emblem der Edition Ewige Weisheit: Die Heilige Sophia

Im Emblem zur Webseite der Edition Ewige Weisheit, sieht man eine Frau, die Agia Sophia (Aγία Σοφία): die personifizierte Heilige Weisheit. Sophias Geist ist allgegenwärtig in allen Weisheitstraditionen der Welt. Doch nie inkarnierte sie in einem physischen Körper auf Erden.

Sie wird in der christlichen Ikonografie dargestellt als ein geflügelte Frau mit rotem Haar und roten Flügeln, mit denen sie sich fliegend durch die Äonen bewegt. Ihre Füße aber stehen immer auf einem Schemel und verweisen darauf, dass sie die irdische Welt niemals betreten wird. Griechisch- und russisch-orthodoxe Ikonen zeigen sie meist auch mit roter Haut und roter Robe. Meist sieht man sie da auch zusammen mit der Heiligen Mutter Maria und dem Täufer Johannes.

Das Rot ihrer Erscheinung steht für das Feuer, für die Macht, die Liebe und für den Lebensaft - das Blut. Rot ist die Farbe der Weisheit und der höchsten Vollkommenheit. Den geheimnisvollen "Stein der Weisen" findet derjenige, der die Rötung (Rubedo) im Großen Werk (Opus Magnum) der Alchemie erzielt.
In den Kontext der Feuersymbolik der Farbe Rot gehört auch Prometheus, ein Titan der im griechischen Mythos den Menschen das Feuer brachte. Durch seine im Feuer enthaltene Weisheit kam der Mensch zur Entwicklung der Kulturtechniken auf Erden.

Ikone der Hlg. Sophia 16. Jhd., Sophia-Kathedral, Novgorod, Russland
Sophia-Ikone aus dem 16. Jhd.
 

Die Heilige Sophia ist die weibliche Personifikation des Heiligen Geistes und der Theosophie. Nach ihr ist die große Hagia Sophia benannt - einstige Krönungskathedrale der byzantinischen Kaiser, lange Zeit die wichtigste Moschee im Osmanischen Reich und heute ein Museum in Istanbul. Nicht zufällig besitzt ihr historisches Gemäuer einen roten Anstrich (siehe Abb.).

Hagia Sophia
Die Hagia Sophia in Istanbul mit ihrem roten Anstrich.
 

Im Hintergrund des Emblems der Edition Ewige Weisheit sieht man Bäume, die von einem Dämmerlicht umgeben erscheinen und auf die Morgendämmerung und damit auf den Morgenstern Venus verweisen. Die Bäume sind eine Allegorie darauf, dass der Mensch wahre Weisheit keineswegs nur in Büchern, sondern insbesondere in natürlich erlangter Erfahrung findet.

Das esoterische Symbol der Venus

Der Stern den die Heilige Sophia an ihrer Stirn im Halbmond trägt, das ist das okkulte Zeichen der Venus - das "Gestirn der goldenen Morgenröte" - jener Planet der während der Morgendämmerung, innerhalb acht Jahren an fünf Himmelspositionen zu sehen ist.


 

Über diesen Zeitraum zeichnet die Venus, in Form des hier gezeigten, in sich verschlungenen Sterns, ein Pentagramm am Horizont der Morgenröte. Das Pentagramm steht für die esoterische, geistige Verbindung der Erde mit der Venus - ihrem Alta Ego: ♁⛥♀

Shakyamuni Buddha saß sieben Tage unter dem Boddhi-Baum (in der chaldäischen Reihe entspricht die Venus der Zahl Sieben). Als er am siebten Tag vor Sonnenaufgang im Osten den Morgenstern erblickte, da gelangte er zur Erleuchtung.

Der Venus als Morgenstern begegnen wir auch in den Büchern des Neuen Testaments:

[...] dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

- 2. Petrus 1:19

Ich (Jesus Christus) bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, ein strahlender Morgenstern.

- Offenbarung 22:16

Auffällig im astronomischen Venus-Pentagramm ist, dass eine Ecke ein wenig offen ist (in der Grafik bei 06.06.12) und sich im weiteren Verlauf der folgenden Venuspositionen am Himmel, als solches Pentagramm immer weiter im Uhrzeigersinn dreht.

Position der Venus bei der unteren Konjunktion in den Jahren 2004-2012. Von CWitte. Quelle: Wikipedia
Das Venus-Pentagramm (Bild: CWitte, Own work, CC-BY-SA-3.0)

Zu dieser astronomischen Eigenheit der Venus, gibt es einen interessanten Hinweis in Goethes Faust: 

MEPHISTOPHELES.
Gesteh ichs nur!
Daß ich hinausspaziere,
Verbietet mir ein kleines Hindernis:
Der Drudenfuß auf Eurer Schwelle -

FAUST.
Das Pentagramma macht dir Pein?
Ei, sage mir, du Sohn der Hölle:
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
Wie ward ein solcher Geist betrogen?

MEPHISTOPHELES.
Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach außenzu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen.

– Goethe - Faust, der Tragödie erster Teil, Studierzimmer

Es ist sicher kein Zufall dass das Pentagramm oft auch auf Kirchengemäuern zu finden ist, da der sogenannte "Drudenfuß" im alten Volksglauben als Bannzeichen gegen das Böse verwendet wurde.

In der vedischen Astrologie wird der Planet Venus durch die Göttin Lakshmi repräsentiert, die ebenso wie die Heilige Sophia ein rotes Gewand trägt.

Die Göttin Lakshmi - vedische Venus
Lakshmi - die Venus der vedischen Astrologie

Ewige Weisheit - Sophia Perennis

Im Buddhismus entspricht die Venus als westlicher Abendstern, dem Buddha Amitabha. Der Name "Amitabha" bedeutet "Unermessliches Licht" (sansk. अमिताभ, zusammengesetzt aus "amita", unbegrenzt, unendlich, und "abha", Licht, Schönheit; Wortwurzel von "abha" ist "bha", im Sanskrit ein Name der Venus).

Amitabha lebt im "Reinen Land" von Suhkhavati - dem Paradies im westlichen Himmel. In diesem Reinen Land leben alle Lebewesen ohne Leid. Wie auch bei Lakshmi und der Heilige Sophia, ist Rot die Farbe des Buddha Amitabha (siehe Abb.).

Buddha Amitabha in Tibetan Buddhism, traditional Thangka painting.
Buddha Amitabha

Doch sehen wir uns noch einmal das Pentagramm an: Die Linien die zwischen je zwei Spitzen des Pentagramms verlaufen, durchtrennen zwei andere Linien im Verhältnis des Goldenen Schnitts - dem Maß perfekter Harmonie. Nicht zufällig lässt sich das "Goldene Maß" in der Architektur vieler Bauwerken der Antike finden.

Dieses "Goldene Mittel" aber ist vor allem ein wichtiges Verhältnis in der Natur: sei es im Gesicht oder den Fingergliedern des Menschen, oder auch in den Spiralformen vieler Pflanzen. Überall lässt sich das Goldene Verhältnis finden. Die Blütenblätter einer Rose ordnen sich um ihre Knospe ebenfalls nach diesem Maß (Goldener Winkel Ψ ≈ 222,5° : ψ ≈ 137,5°). Auch in einem quer halbierten Apfel zeigt sich das Kerngehäuse als ausgewogenes Pentagramm.
Das Pentagramm ist auch ein Symbol des Menschen, der seine Glieder von sich streckt. In der Anthroposophie Rudolf Steiners heißt es, dass entlang der Linien des Pentagramms die ätherischen Kraftströme von der Stirnmitte zum rechten Fuß, von dort in die linke Hand, danach in die rechte Hand, von dort in den linken Fuß, um schließlich wieder zur Stirnmitte zurück zu verlaufen.


Die Rose - Ein Symbol der Mystik
 

Die mythologische Venus (griech. Aphrodite) steht für die kreative Kraft und Zeugungsfähigkeit des Menschen in der Natur. Doch nicht alleine Zeugung durch den Körper, sondern durch den aus der Weisheit (Sophia) geborenen Verstand. Weisheit entspricht dem empfangenden, weiblichen Prinzip.

Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli) - ewigeweisheit.de
Die Geburt der Venus (Sandro Boticelli)
 

Göttinnen des Mondes

Der Venusstern ist im Emblem von einer Mondsichel umgeben. Diese Mondsichel symbolisiert auf himmlischer, irdischer und unterweltlicher Ebene das lunare Prinzip im menschlichen Bewusstsein. In der Alchemie steht das Lunare für das gerinnende, erstarrende und formgebende Prinzip.
Die drei Mondphasen Vollmond, Halbmond und Neumond entsprechen den drei griechischen Mondgöttinnen. Selene ist die Personifikation des himmlischen Mondes und Verleiherin der Fähigkeit zur Reflexion. Artemis ist die Repräsentantin des Lunaren auf Erden, allem also das mit den Gezeiten, der Geburt, dem Fluss der Lebenskräfte und dem Tod zusammenhängt. Hekate ist die Göttin der Nacht, der Zauberei, der Magie und Geomantie. Sie ist Hüterin der Schlüssel mit denen die Pforten zur Unterwelt aufgeschlossen werden. Damit ist sie die Göttin der Einweihung in die Heiligen Mysterien. Sie entspricht in der ägyptischen Mythologie der Isis.

Das Kreuz im Kreis - Symbol der Gnosis

Das goldene Sonnenrad das die Heilige Sophia vor ihrem Herzen hält steht für den ewigen Kreislauf allen Lebens - für das Ein- und Ausatmen des menschlichen Körpers, das Wachstum und Sterben in der Natur, das Drehen der Gestirne im astralen Räderwerk des Himmels.
Neben dem astrologischen Symbol für die Erde, ist das Kreuz im Kreis ein Zeichen für den ewigen Zyklus des wiederkehrenden, himmlischen Lichts. Es ist ein Zeichen für das Licht das von der Sonne während der Wintersonnenwende, dem Frühlingspunkt, der Sommersonnenwende und dem Herbstpunkt auf die Erde strahlt. Es werden in diesem Symbol die vier Lebensphasen des Menschen angedeutet: Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter.

Das Kreuz im Kreis - ewigeweisheit.de

Das Kreuz im Kreis ist ein Symbol der Gnosis, und im Fall meines Emblems ein Zeichen für das zyklische Zusammenwirken der Phasen von Licht, Finsternis und Zwielicht - von Geburt, Tod und Wiedergeburt eines ewigen Lebens.

 

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Die drei Philosophischen Prinzipien in der Hermetik

Die drei Philosophischen Prinzipien in der Hermetik

Die drei philosophischen Elemente, die man auch als die Tria Principia - "Drei Prinzipien", bezeichnet, wurden von Pracelsus in ihre heutige Form gebracht. Es sind drei substantielle Prinzipien:

  1. Sulphur: das brennbare Prinzip des Feuers und der Luft
  2. Mercurius: das flüchtig-flüssige Prinzip des Wassers
  3. Sal: das feste, formgebende Prinzip der Erde

Alle Stoffe und Metalle entstehen in der Alchemie durch das Zusammenwirken dieser drei philosophischen Prinzipien. Auch die Prozesse die bei Krankheit und Heilung wirken, wurden von Pracelsus in diesen drei philosophischen Prinzipien erkannt.

Hermetik und Alchemie des Basilius Valentinus

Basilius Valentinus war ein deutschsprachiger Benediktinermönch im Peterskloster zu Erfurt und Autor alchemististischer Schriften. Seine Werke wurden erst ein paar Jahrhunderte nach seinem Tode in Drucken und in Handschriften seit 1599 überliefert und mehrfach gedruckt, kommentiert und in die verschiedene Sprachen übersetzt.

Wahrscheinlich aber handelte es sich bei seinem Namen um ein Pseudonym, da er im Bezug auf die geheimnisvolle Verwandlung der Metalle (Basilius, königlich, und Valentinus von Valere, kräftig sein)

Basilius Valentinus - ewigeweisheit.de

Basilius Valentinus - lebte um 1599.

und die Thematik der Alchemie womöglich mit seinem wirklichen Namen auch Feinde und Verfolger wachgerufen hätte. Angenommen wird jedoch, dass Valentinus am Oberrhein geboren wurde und zu Lebzeiten viel durch Europa, darunter England und Holland reiste. Noch vor Paracelsus, fand er die Drei-Prinzipien-Lehre (Mercurius, Sulphur und Sal) auf die sich Paracelsus teilweise in seiner Arbeit berief.

Seine Studien betrafen mit dem unverdrossensten Eifer in erster Linie die Chemie und die Wissenschaft um die Verwandlung unedler Metalle in edle. Es wurde erzählt, daß er das Geheimnis entdeckt und den Stein der Weisen an zwei verschiedenen Orten des Petersklosters verborgen habe. Interessant ist auch, dass der Name des Klosters, also Peter, ja eine andere Form von Petrus ist und dieser Name ja in seiner ursprünglichen Bedeutung von dem griechischen Wort Petros, dem Stein, abstammt.

Er beschäftigte sich mit der medizinischen Anwendung des Halbmetalls Antimon, welches er so genau erforschte, daß jahrhundertelang seinen Resultaten und chemischen Forschungsergebnissen nichts Wesentliches hinzugefügt werden konnte. Des Weiteren entdeckte er die Salzsäure, den Ammoniak, den Goldoxydammoniak (auch Knallgold, wegen seiner explosionsfähigkeit in trockenem Zustand) und den Bleizucker. Ebenso bildete er die ersten Methoden der qualitativen Analyse aus.

In einem seiner Werke, den 1677 entstandenen "Chymischen Schriften", ist die Rede von 12 Schlüsseln die sie hier aus dem Mittelhochdeutschen übertragen finden.

Lebendiges Wasser und das Mysterium des heiligen Grals

Lange schon interessierte mich wie sich die Mysterien des Heiligen Grals in Europa während der vergangenen Jahrhunderte so rasch verbreiten konnten. Wer damit in Berührung kam, der wusste bald auf uraltes, teils geheimes Wissen zuzugreifen. Über das Thema des Gralsmythos und jener Legenden, die über den sagenhaften König Artus erzählen, sprach ich mit der Berliner Autorin Usch Henze.

S. Levent Oezkan: Um die Legende vom Heiligen Gral rankt sich ein regelrechter Mysterienkosmos. Hilft die Sage auch jemand Ahnungslosem auf seinem Weg zur Erkenntnis solch alter Mysterien?

Usch Henze: Es ist bis heute nicht gelungen, dem Gral eine einzige Gestalt zu geben, der Gral hat viele Gesichter und Bedeutungen. Da erhebt sich zunächst die Frage, ob der Gral ein Kelch ist - also ein Gefäß -, ob er nur ein Symbol darstellt hinter dem sich andere Geheimnisse verbergen, oder ob es um die Suche nach dem Gral geht?

Der Heilige Gral wurde in den Überlieferungen verschiedener Zeitepochen und Glaubensvorstellungen interpretiert; und bei der Vielfalt dessen, was man darunter verstehen kann, bedarf es einer Differenzierung. Hierbei muss man bedenken, dass über Jahrhunderte tradierte Sagen und Legenden eine Kurzfassung sind, deren subtiler, symbolischer Charakter oft schwer verständlich ist. Ein Ahnungsloser wird zumindest ergründen müssen, was der Kern dieser Sagen und was unter ’Einweihung’ im Sinne einer sehr alten Tradition zu verstehen ist.

S. Levent Oezkan: Die Legende vom Gral wurde vielfach erwähnt, da sie einen prinzipiellen Gang des Menschen durch die Wandlungsstufen im Leben beschreibt. So auch in Bezug auf das letzte Abendmahl in den Evangelien des Neuen Testaments.

Usch Henze: Es ist zu bedenken, dass die Legenden auf eine sehr alte Zeit zurückgehen, in der Einweihungswege zur Bildung, vor allem von Priesterschaften, Herrschern von Völkern und Führern von Stammesgruppen gehörten. Es gab über die Zeiten hinweg verschiedene Wege, ’den Gral zu suchen’. Wir kennen unterschiedliche Formen und Stufen, die abhängig von Stammesriten, kulturellen Überlieferungen oder anderen spirituellen Vorstellungen durchgeführt wurden. Die Texte der Gralssagen werden daher nicht zu Unrecht als Fragmente eines einst zusammenhängenden heidnischen Ursprungs angesehen.

Im keltischen Druidentum in Europa war es die traditionelle ’Hohe Queste’. Ein Teil der darin enthaltenen Einweihungselemente wurden später mit dem Christentum verknüpft, erst daraus entstanden in viel späterer Zeit die mittelalterlichen Gralslegenden, in denen von der ’Suche nach dem Heiligen Gral’ die Rede ist. Darin sind aber die ursprünglichen, höchst anspruchsvollen Einweihungselemente nur noch als Fragmente zu finden.

Die Hohe Queste oder die Suche nach dem Gral war einst verbunden mit bewusst herbeigeführten Herausforderungen und Prüfungen, die auf dem Fundament einer großen Weisheitslehre zur Erkenntnis und damit zur Wandlung der Persönlichkeit im Sinne einer sowohl intellektuellen als auch geistigen Reife führen sollten. Dazu war auf einer sehr hohen spirituellen Ebene die Überwindung der scheinbaren Wirklichkeit der irdischen Ebene erforderlich. Wer die Hohe Queste bestanden oder die letzte Stufe der Einweihung zum Heiligen Gral erreicht hatte, triumphierte über das irdisch-menschliche Bewusstsein.

Keineswegs ist der Gral einzig als der Kelch Jesu beim letzten Abendmahl zu sehen, es sei denn man würde darin symbolisch den Weg Jesu mit einem Einweihungsweg verbinden, wovon heute viele Menschen überzeugt sind, denn auch in der jüdischen Tradition gab es hohe Einweihungen.

Fest steht, dass der Heilige Gral niemals einer einzigen Heilslehre gedient hat. Für das Christentum mussten bestimmte Elemente eingefügt werden, sonst wäre der Gralsheld ganz ohne die Hilfe der neuen Religion zum ’Heil’ gelangt. Das Abendmahl hat in der christlichen Liturgie den Stellenwert einer Wandlung übernommen. In einem Kelch wird Wein gereicht, als ’das Blut Jesu’, wie es dieser bei dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern zelebriert haben soll.

S. Levent Oezkan: Leider wurde die Legende vom Heiligen Gral auch schon missbraucht.

Usch Henze: Auf jeder spirituellen oder religiösen Ebene finden wir Missbrauch, auch innerhalb sogenannter ’Mysterien-Schulungen’, sei es durch Anmaßung, die zu einem Machtmissbrauch führen kann, oder durch mangelnde Kenntnis und Weisheit. Dem wird sich ein in die universellen, hermetischen Gesetze ’Eingeweihter’ entziehen, weil er weiß, dass das auf ihn zurückfällt.

S. Levent Oezkan: Kann man im Gralsmysterium Dinge auch falsch interpretieren?

Usch Henze: Selbstverständlich, man kann sich aus jeder Weisheitslehre bestimmte Dinge herausziehen und, ohne den umfassenderen Hintergrund, so oder so zum Verständnis bringen; man kann sie auch ’zurechtbiegen’, so dass sie in ein bestimmtes Konzept passen. Die Geschichte ist voll davon!

Zu bedenken ist aber auch, dass die ursprünglichen ’Gralslegenden’ aus der Zeit um 500-600 n.Chr. stammen, zu dieser Zeit haben die authentischen ’Gralskönige’ gelebt, deren spirituelle Welt noch sehr geprägt war von vor-christlichen Glaubensvorstellungen. Darauf gehen die im 12. und 13. Jahrhundert ’neu aufgelegten’ Texte zurück. Nach so langer Zeit muss man sich nicht über Fehlinterpretationen wundern, auch nicht über die an den ’Zeitgeist’ oder an die christliche Religion angepasste, inzwischen meist abgeflachte und oft fundamentalistisch anmutende Interpretation einer alten Lehre.

Darüber hinaus ist die Suche nach dem Gral ein Mysterium, das jeder individuellen Erfahrung offensteht, die die eine oder andere Interpretation zulässt, weil sich auf dem Wege einer spirituellen Entwicklung viele unterschiedliche Erkenntnisse ergeben.

Chalice Well - Photo: S. Levent Oezkan

S. Levent Oezkan: Die heilige Quelle Chalice Well am Fuße des Glastonbury Hügels in der englischen Grafschaft Somerset, gilt als der Brunnen, an dem König Artus einst den Gralskelch versteckt haben soll.

Usch Henze: Diese Fragestellung gleicht einem Rätsel und bedarf einer etwas ausführlicheren Beantwortung, denn hier überlagern sich verschiedene Vorstellungen und Überlieferungen die zu Irrtümern geführt haben.

Wir müssen hier wiederum unterscheiden zwischen dem weitverbreiteten Symbol eines Kelches für den Heiligen Gral und dem Kelch als Gefäß, in dem, nach christlicher Lehre, während der Kreuzigung das ’Blut Christi’ aufgefangen wurde, den man später ebenfalls ’Gralskelch’ nannte.

Welchen Kelch soll nun Artus an der Quelle verborgen haben? Um welchen Kelch es sich handeln könnte, vermischt sich auch in den Sagen um Artus, die in Glastonbury und anderswo erzählt werden. Die meisten davon sind Interpretationen aus dem Artus-Kult, der erst im 12./13. Jh. entstand, daher glauben viele, dass ’König Artus’ in dieser Zeit gelebt habe. Die bildlichen Darstellungen der Gralsritter an der Tafelrunde sind viel später entstanden und allenfalls allegorisch zu sehen; hin und wieder steht auf dem Tisch der Artus-Runde ein Kelch, meistens wird eine andere Symbolik angeboten.

Der historische Artus hat im 6. Jh. nach Christus gelebt, das würde bedeuten, wenn ein Gefäß aus der Zeit Jesu – wo auch immer - über diesen langen Zeitraum aufbewahrt wurde, es in seine Hände gelangt war. Das wäre eines der größten und am besten gehüteten Geheimnisse der Geschichte gewesen.

Realistischer spricht man in Glastonbury in diesem Zusammenhang von Joseph von Arimathäa (nach dem NT war es der Mann, der Jesus vom Kreuz genommen hat), der einige Jahre später das »Blut Jesu« nach Glastonbury gebracht habe. Die gleiche Ausdrucksweise finden wir in den Legenden um Maria Magdalena, einer Gefährtin Jesu, die um die gleiche Zeit das »Blut Jesu« nach Frankreich gebracht habe. Dem ist aus aktuellen Nachforschungen nichts anderes zu entnehmen, als dass sie ihre Heimat Israel verlassen hatten und in diesen beiden Ländern begannen, das Christentum zu verbreiten.

S. Levent Oezkan: Was hat es mit Glastonbury auf sich?

Usch Henze: Nach der Überlieferung von Glastonbury wurden Joseph von Arimathäa und zwölf seiner Gefolgsleute dort im keltischen Avalon ein Stück Land zur Verfügung gestellt. Das Land lag auf dem Areal einer sehr alten druidischen Einrichtung von größter Bedeutung. Es war das sagenumwobene Avalon, ’die heilige Insel’, ein spiritueller Kernpunkt des keltischen Königreiches, mit dem die Herrscher und das Druidentum seit undenklichen Zeiten tief verbunden waren.

Zu diesem Areal gehört der Glastonbury-Tor, ein mystischer, sagenumwobener Hügel der sich weithin sichtbar über das Land erhebt, und ein Bereich, auf dem später die Glastonbury Abbey und ein christlicher Klosterbezirk entstand. Nicht weit davon entspringt die heilige Quelle, Chalice Well. Das Wasser der Quelle ist hochgradig eisenhaltig, was dazu führte, dass die Steine im Quellbereich rötlich-braun gefärbt sind, deshalb wird Chalice Well auch Blutquelle genannt.

Vor diesem Hintergrund haben sich im Laufe der Zeit viele Legenden gebildet. Eine Legende will sogar wissen, wo dort genau Artus den Gralskelch verborgen habe.

Über der Quelle, die durch einen Brunnenschacht aus der Tiefe nach oben sprudelt, wurde eine Kammer aus monolithischen Steinblöcken errichtet. Ein einziger riesiger Felsblock bildet drei Seiten der Quelleneinfassung und das Mauerwerk ist mit der größten Genauigkeit eingepasst. Niemand weiß mehr, wann diese unglaubliche Anlage eingerichtet wurde, einiges deutet auf die vor-keltische Zeit.

Wenn am Mittsommertag die Sonne über die Kuppe des Tor-Hill steigt, fällt ein Lichtstrahl genau in die innere Brunnenkammer. In einer Wand dieser Kammer befindet sich eine Art von Schleusenöffnung, die es möglich macht, das Wasser abzulassen, so dass man die innere Kammer betreten kann.

Sobald die Schleuse geschlossen ist, füllt sich die Kammer schnell wieder mit Wasser. Diese Einrichtung hat zu manchen Spekulationen geführt, ob sie ein geeignetes Versteck für den Artus-Kelch gewesen wäre, sei dahingestellt.

Viel mehr sehe ich die Auflösung Ihrer Frage in der Tatsache, dass Glastonbury einst ein großes Schulungs- und Einweihungszentrum gewesen ist. Es war ein legendärer Kraftort aus keltischer und vor-keltischer Zeit, mit einem hohen Schwingungspotential an dem die Hohe Queste und später, zur Zeit der Gralsritter, die Suche nach dem Heiligen Gral ihre Erfüllung finden konnte.

Das heißt nichts anderes als einen hochgradigen Einweihungsweg bis zum Ende gegangen zu sein, bei dem der Einzuweihende nach einem langen Wege das Mysterium der letzten Dinge erfuhr und die höhere Weihe entgegennehmen durfte.

 

Diese höchste Auszeichnung wurde später so interpretiert, dass der Gral dort verborgen war.

In den mittelalterlichen Gralserzählungen war es jeweils ein Gralstempel, von denen es einige gab. Sie alle standen an mystischen, energetisch hochaufgeladenen Kraftplätzen, und hatten eine dementsprechende, für die letzte Einweihung geeignete Innenausstattung. Dort stand der »gefährliche Sitz«, auf dem der Ritter Platz nehmen sollte, der »Stein des Schicksals« oder am Ende der »Sitz der Ehre«.
Nicht jedem wurde diese hohe Ehre zuteil. Vorher musste er seine Prüfung an der »gefährlichen Quelle« bestehen, die wild kocht und von »drei Löwen« bewacht wird. Der Ritter muss die Löwen erschlagen, um die Quelle zur Ruhe zu bringen. Auch das ist ein »codierter«, allegorisch verschlüsselter Text aus den Gralsmysterien, der zu Ihrer nächsten Frage überleitet.

S. Levent Oezkan: Unter vielen Erwähnungen in der mystischen Tradition des Westens, taucht der Rote Drache als Figur in der Offenbarung des Johannes auf. Ebenso ist er ein zentrales Symbol der Alchemie. Dort steht er in Verbindung mit dem Vitriol - dem Wandlungsprozess bei der Bereitung des Steines der Weisen. Darin ist die Rede von der Suche nach dem »Unteren der Erde«, welche es zu vervollkommnen gilt um den Quell des Lebens finden zu können.

Usch Henze: Grundsätzlich war und ist die Suche des Alchimisten nach dem Stein der Weisen nichts anderes als ein Einweihungsweg. Ein Kapitelauszug aus meinem Merowinger-Buch mag Ihre Frage erhellen:
Im Mittelalter kannte man die »Alchemie des Essigs«, den Namen verwendete man für ein Mittel gegen die Pest, es war aber auch ein Deckname unter dem sich die »Die drei Löwen« verbargen. »Die Große Zeremonie« der Gralsritter, wenn sie am Ende ihrer Suche im Gralstempel angekommen waren, war die »Einweihung in die Drei Löwen«.

Der Grüne Löwe, der Rote Löwe und der Weiße Löwe waren die … drei Dinge, die zur Meisterschaft führten.

Der Weiße Löwe stand für die Vereinigung mit dem »Göttlichen Sein«. Dafür kannte man verschiedene Substanzen, die dem Menschen zu höchsten Bewusstseinsstufen verhalfen, wie bestimmte ätherische, hochkonzentrierte Essenzen (z.B. Weihrauch). Eine seit undenklichen Zeiten als »Brot« bezeichnete Substanz ist in der heutigen Zeit wieder bekannt geworden als white powder gold, es war wertvoller als Gold und scheint dem Weißen Löwen zu entsprechen.

Der Rote Löwe war bei den Alchemisten das »Große Rote Wasser«, ein Getränk, dem eine Supraleitfähigkeit auf höheren Schwingungsebenen zugeschrieben wurde, der Alchemieforscher Fulcanelli nannte es »Morgentau«.

Die Essenz des Grünen Löwen war als »Vitriol der Weisen« bekannt und führte zu einer Metamorphose des Geistes. Als »Grüner Drache« wurden auch Mittel bezeichnet, die Gold lösen konnten. Derartige Flüssigkeiten standen am Anfang des »Großen Werkes« bei der Herstellung des »Steins der Weisen«.

Im Mittelalter gab es das Aurum Potabile, das Trinkgold der Alchemisten, es war nicht nur als Heilmittel angesehen. Alle Eingeweihten wussten, dass Gold auch in fester Form als Metall »Licht-Energie« zuführt, die die natürliche Schwingung von Körper, Geist und Seele erhöht, mit anderen Worten unterstützt es die Entwicklung des Bewusstseins.
In den verschiedenen Legenden wird der Heilige Gral in anderen Formen beschrieben. Auch als ein kleiner Stein (lapis), dem große spirituelle Kraft zugeschrieben wird, und auch die »Heilige Lanze« der Merowinger gehörte zu den Gralsgegenständen, nur mit ihr ist der heldenhafte Gralsritter imstande, den erkrankten Fischerkönig zu heilen. Wenn die Heilung vollbracht ist, wird das zerstörte, unfruchtbare Land wieder zu einem Paradies erblühen.

S. Levent Oezkan: Sind Wandlungsprozesse in uns nötig, damit wir uns weiterentwickeln können? Müssen wir uns ständig verändern, um gesund und lebendig zu bleiben?

Usch Henze: Diese Frage könnte ich mit einem einfachen Ja beantworten, doch das wird hier nicht genügen. Im Grunde werden wir »in der Schule des Lebens« nicht danach gefragt, ob wir Wandlungsprozesse für nötig halten. Alles Leben entwickelt sich im Fluss von Veränderungen und beinhaltet Wachstum in verschiedenen Stufen, auf verschiedenen materiellen und geistigen Ebenen in einem höheren, niemals endgültigen Plan der Schöpfung.
In den Einweihungslehren der alten Völker wurde diese Erkenntnis als Grundpfeiler einer geistigen Entwicklung angesehen und die Wahrnehmung dafür in größtem Maße gefördert. Auf diesem Prinzip beruhte die geistige Entfaltung des Menschen. Dies erforderte jedoch Weisheit und die Beachtung ewig gültiger universeller Gesetzmäßigkeiten, deren Kenntnis erworben werden musste. Gott und die Schöpfung waren nicht etwas Seiendes, sondern etwas Werdendes, und dieses Werden umfasste die Welt. Diese Gottesauffassung enthielt aber auch den ständigen Appell an das Sein im Sinne von Bemühung und Tatkraft, sowohl für den einzelnen als auch für die Gemeinschaft, zum Werden beizutragen.
Diese Einstellung ist frei von »muss ich« oder »ist es nötig«, sondern es war eine selbstverständliche Herausforderung, die in der Alten Welt auf einem holistischen Weltbild von »Ganzheitlichkeit« beruhte, d.h. auf der Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist und was das bedeutet.
Dieses Weltbild und die daraus folgende Einstellung zum Lebens ist uns verlorengegangen, diese Werte werden heute von keiner äußeren Instanz vertreten, jeder wird mehr oder weniger gezwungen, sie für sich selbst zu erringen. Das ist ein Grund dafür, dass viele Menschen heute ein Bedürfnis nach den alten Weisheitslehren haben, nach einem Weg der Erkenntnis, der sich im einfachsten Falle einstellen mag aus dem Nachdenken über Sinn und Inhalt des Lebens, über das eigene Schicksal, um Werte und Inhalte zu finden für eine neue Zielrichtung.
Ob Menschen körperlich oder geistig gesund oder krank sind, sollte man in diese Frage nicht verallgemeinernd einbeziehen. Das darf kein Gradmesser sein, es lässt sich nicht im Einzelfall ermessen, wodurch eine Krankheit hervorgerufen wird. Ohne Frage haben wir heute in unserer Welt und Umwelt krankmachende Faktoren, seien es Stress und Überbelastung, oder auch die Vergiftung unserer Umwelt. Dem entkommen auch spirituell entwickelte Menschen nicht. Darüber hinaus können Krankheit oder Behinderungen auch auf dem Weg einer geistig-seelischen Entwicklung vorgegeben sein. Es wäre also falsch, an einen spirituellen Weg die Hoffnung oder das Versprechen von Gesundheit zu knüpfen.

S. Levent Oezkan: Das Tarot ist eines der ältesten Wahrsagesysteme. Vor allem aber zeigen uns die Archetypen, die wir auf den 22 Trumpf-Karten abgebildet finden, einen Einweihungsweg in die Mysterien von Leben, Tod und Liebe. Gibt es solche archetypischen Symbole auch in der Gralslegende?

Usch Henze: Symbole aus der Gralslegende gibt es einige, ich kenne aber keine, die in diesem Sinne in einem weitführenden und geordneten Spektrum, wie im Tarot, überliefert sind. Das heißt jedoch nicht, dass man bestimmte Archetypen in späterer Zeit mit einer vergessenen, wenn nicht mit einer Pseudo-Gralssymbolik verbunden und solche Kartendecks angeboten hat. Kartendecks mit Symbolen, die aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, gibt es heute unzählige.
Man sollte bei Ihrer Frage nicht vergessen, dass das Tarot nicht nur einem Einweihungsweg dienen kann, sondern auch ein Wahrsagesystem, besser gesagt eine Divinationstechnik ist. Die Gralslegenden haben sich vorwiegend in einer Zeit verbreitet, in der in einer aufstrebenden christlichen Kirche alles verpönt und verboten war, was im weitesten Sinne mit Einweihung, mit der Ergründung der Seele oder gar mit heidnischen Symbolen zu tun hatte. Das Ziel im Christentum war allein die »Erlösung« durch die Kraft des Glaubens.
Die Christen waren der Ansicht, daß Divination an sich ein Übel und Gotteslästerung sei. Diese Einstellung bezog sich auf alle ursprünglichen Divinationsmethoden mit tiefenpsychologischem Charakter, oder auf alles was auf andere Weise ein umfassenderes Verständnis des Lebens herbeiführte, wie das jahrtausendealte chinesische I Ging, Astrologie, sogar auf Brettspiele, die in griechischer und römischer Zeit im ähnlichen Sinne genutzt wurden.

S. Levent Oezkan: Die kleinen Arkana mancher Tarot-Decks bilden bestimmte Symbole ab: lebendiges Holz, »Das Schwert«, einen Kelch und die Münzen auf denen ein Pentakel abgebildet ist. Besteht hier vielleicht eine Verbindung zum sakralen Königtum der Merowinger?

Usch Henze: Zum Königtum der Merowinger insofern, als alles was Sie hier erwähnen, auch in der sakralen Welt des keltischen Druidentums und in germanischer Zeit eine Rolle gespielt hat, womit insbesondere die frühen Merowinger zutiefst verbunden waren.
Das »lebendige Holz« kam in der keltischen Taufzeremonie vor. Das Pentakel hatte einen hohen Stellenwert und wurde »Druidenfuß« genannt, es ist eines der Symbole aus der Heiligen Geometrie. Das Heilige Schwert spielte sowohl in keltischer auch als germanischer Zeit und noch bei den Merowingern eine große Rolle. In der Alten Welt war es ein Symbol militärischer Tugend. Es symbolisiert männliche Kraft und Tapferkeit, als schneidendes Instrument ist es aber ebenfalls ein Symbol der Entscheidung, der Trennung von Gut und Böse und damit ein Sinnbild der Gerechtigkeit. Im Artus-Mythos ist es das magische Schwert Excalibur.
Bei der Einführung der christlichen Religion während der Merowingerzeit fand eine Assimilierung statt, bei der – wie immer in einem Übergang – viele Elemente und Symbole aus der alten spirituellen Tradition übernommen und mit christlichen Inhalten verschmolzen wurden. Hierbei spielte auch der Kelch eine Rolle, der häufig als Symbol des Grals angesehen wurde. Beschrieben wurde der Gral jedoch auch als Schale, als Kessel oder als Füllhorn mit unversiegbarem Inhalt, oder einfach als strahlende Lichtquelle.
Wenn man nach einer älteren Symbolik sucht, ist eine davon der keltische »Kessel der Erneuerung« oder auch »Kessel der Wiedergeburt«. Diese traditionelle Symbolik trägt sehr, sehr alte schamanische Aspekte in sich, in dem Sinne, dass auf einem Einweihungsweg die ganze Persönlichkeit hinterfragt, sozusagen in Stücke geschnitten wird, um nach einem Prozess der Wandlung, der den Menschen zu einem neuen Bewusstsein geführt hat, aus dem Kessel der Erneuerung in Gesundheit und Schönheit wieder hervorzugehen.

 

Mehr zu Usch Henze und Ihrer Arbeit finden Sie unter:
www.uschhenze.info

Die Tabula Smaragdina Hermetis - die Smaragdene Tafel des Hermes Trismegistos

Die Tabula Smaragdina - die smaragdene Tafel - wird ihrem geistigen Kern nach dem Hermes Trismegistos zugeschrieben, von dem es heißt, die alt-ägyptische Kultur gegründet zu haben. Der in ihr dargestellte Text, bildet die philosophische Basis der Hermetik und gilt als Grundlagentext der Alchemie.

Die Verse der Tabula Smaragdina gelten als Schlüssel zur Bereitung des Steins der Weisen. In ihren dunklen, allegorischen Sätzen, spiegeln sich die Zusammenhänge von Mikrokosmos und Makrokosmos. 

Es gibt verschiedene Legenden, wie, wo und von wem die Tabula Smaragdina ursprünglich gefunden wurde. Eine Überlieferung erwähnt Sarah, die Frau des Propheten Abraham, die die Tafel im Grab des Hermes Trismegistos bei Hebron gefunden haben will. Eine andere Legende schreibt den Fund dem Eroberer Alexander von Makedonien zu. Er soll die Smaragdtafel in der Cheops-Pyramide in Gizeh gefunden haben. Der im 17. Jhr. lebende Universalgelehrte Athanasius Kircher war allerdings der Auffassung, dass der Text auf der Tafel, als eine Zusammenstellung aus einem Dialog des Corpus Hermeticum entnommen wurde - das heißt, aus einer Sammlung von Traktaten über die Entstehung der Welt und die Gestalt des Kosmos.

Von wem auch immer dieser Text gefunden wurde, spielt eher eine nebensächliche Rolle. Wichtig ist ihr bemerkenswerter Inhalt!

Denn der Text birgt trotz seiner wenigen Zeilen sehr tiefliegende Aussagen, die beim ersten Lesen nicht sofort verinnerlicht werden.

Es handelt sich um eine Allegorie auf die gesamte Geheimwissenschaft der Alchemie, der Wanderung der Seele, sowie auf die kosmischen Zusammenhänge unserer Welt - im großen Universum, wie auch im Diesseits der kleinen Welt der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien.

Zum ersten Mal wurde der Text um 1150 in Spanien aus dem Phönizischen ins Lateinische übersetzt, durch den Theologen Gerhard von Cremona. Erst später folgten Übersetzungen der Smaragdtafel in andere Sprachen.
Heute werden von den Geheimnissen dieser Tafel, viele esoterische Lehren abgeleitet oder beziehen sich darauf, in unzähligen philosophischen Abhandlungen.

Tabula Smaragdina

Die Verfassung der geheimen Künste des Hermes Trismegistos

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist.
Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt, so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl.
So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen.
Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft, denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst, so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos, der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

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