Caduceus

Esoterische Bedeutung des Ankh

Esoterische Bedeutung des Ankh

Ankh - ewigeweisheit.de

Spätestens seit der Zeit des alten Ägypten, verwendete man im Westen ein Symbol, das heute unter dem Namen »Ankh« geläufig ist: Das Kreuz des Lebens. Seiner esoterischen Bedeutung nach, steht dieses einfache Symbol für die Ganzheit allen Seins. Dabei stellt sich natürlich die Frage, woraus sich diese Ganzheit zusammensetzt und wie ihre Teile zueinander in Beziehung stehen.

Insbesondere das Verhältnis von Einheit (Unität) und Zweiheit (Dualität) sind dabei von grundlegender Relevanz, bilden sie doch den logischen Ursprung der existentiellen Realität in der wir leben.

Symbol der Einheit ist der Punkt oder der Kreis. Ein Kreis hat weder Anfang noch Ende und ist in sich abgeschlossen, ungeteilt und ganz. All das sind Attribute, die sich gewöhnlich mit dem Wort Gott assoziieren lassen.

Gott ist wie ein Kreis,
Dessen Mittelpunkt sich überall und
Dessen Umfang sich nirgendwo befindet.

Der Kreis also steht für die Vollkommenheit und Ganzheit allen Seins.

Die horizontale Linie unterhalb des Kreises, deren beiden Enden in die Unendlichkeit weisen, symbolisiert die Begrenzung, die das Vollkommene vom Erschaffenen trennt. Wobei das Erschaffene letztendlich die manifestierte, physische Welt unseres Universums ist.

Eine Begrenzung des unendlich Vollkommenen also, führt zur Erschaffung, zur Schöpfung dessen, was räumlich und zeitlich manifestiert ist und darum begrenzt sein muss. Das ist die Welt der Dualität, das kosmische Reich der Gegensätze und Pole. Hierfür steht die senkrechte Linie im Ankh, die durch die Waagrechte vom Kreis der Ganzheit getrennt ist. Sie emanierte im Augenblick der Schöpfung, gleich einem Strahl der Kraft, aus der Grenzenlosigkeit (symbolisiert durch den Kreis), hin durch all die Welten und Äonen unseres Kosmos, bis sie in der materiellen Ebene wie ein Kristall, in Vollkommenheit verfestigte.

Als senkrechte Linie im Ankh-Kreuz, symbolisiert sie die Trennung der Polaritäten in unserer Welt: Rechts und Links, Licht und Finsternis, weiß und schwarz, heiß und kalt, gut und böse, erfreulich und unliebsam, aufregend und langweilig, und so weiter.

Der Caduceus - ewigeweisheit.de

Der Caduceus, der Schlangenstab des Götterboten Hermes, ist seinem Symbolcharakter nach verwandt mit dem Ankh. Natürlich könnte man hier noch weitere Assoziationen durchführen, ist doch der Schlangenstab ein Symbol, dem wir auch in der biblischen Tora und im Neuen Testament begegnen: Einmal als der Stab des Moses, der gleichzeitig eine Schlange ist (Exodus 4:2f), und wo Moses an einer Stange eine eherne Schlange aufrichtet (Numeri 21:6-9), die jedem der sie dort erblickt, Heilung bringt. Jene Symbolik wiederholt sich in den christlichen Evangelien, wo es heißt: »Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.« (Johannes 3:14-15) Damit also bewegen sich die inneren Bedeutungen der Symbol-Konzepte von Ankh, Hermesstab, Mosesstab und gekreuzigtem Christus, in der selben spirituellen Matrix von Sein und Erlösung. Mehr zum Thema auch hier.

Aufstieg entlang des Mittleren Pfades

So wie diese Senkrechte blitzartig in die Welt der Polaritäten hinabfiel, so auch fand einst, nicht lange nach unserer Zeugung, ein göttlicher Funke seinen Weg aus dem Göttlichen ins Irdische, worum sich dann unser Körper formte. Das zumindest glauben Menschen der spirituellen Traditionen in West und Ost: Die Seele ist himmlischen, göttlichen Ursprungs.

Die Dinge der irdischen Welt aber, befinden sich immer in einem Spannungsfeld der Polarität, zwischen Werden und Vergehen, Aufstieg und Abstieg, Leben und Sterben, Sein und Nicht-Sein. Jeder Mensch weiß das, da er mit seinem Körper, seinen Gefühlen und Gedanken, immer Teil dieser polaren Gegensätze ist. Denn nichts bleibt, alles verändert sich vom Positiven zum Negativem und wieder vom Negativen zum Positiven, in einem lebenslangen Kreislauf.

In der manifestierten Welt begegnet die menschliche Seele immer wieder dem Zwist der Polaritäten, einem nicht endendem Wechselspiel der Gegensätze im irdischen Dasein. Davon ist unser gesamtes Leben bestimmt, jeden Augenblick. Wir atmen ein und wir atmen aus. Unser Herz strömt Blut durch die Arterien, dass durch die Venen zurückkehrt. Wir schlafen ein und wachen auf. Wir nehmen auf und scheiden aus.

Solange sich darum unser Bewusstsein, allein nur mit dieser manifestierten (oder inkarnierten) Existenz identifiziert, mit den darin erscheinenden Dingen der Wahrnehmung, über die es nachdenkt, die es bedauert oder bewundert, verharrt es auf der Ebene seines Egos. Und dabei erfährt es ständig Konflikte, empfindet das Leben nicht spielerisch sondern als anscheinend nicht endenden Kampf. Denn was man wahrnimmt, ist eben jene Reibung der Gegensätze, die in der Welt der Polaritäten konkurrieren. Wem jedoch gelingt, sich entlang des Mittleren Pfades an die Grenzen der Alleinigkeit emporzuführen, wird dort höchste Harmonie finden, wo alle gegensätzlichen Kräfte zu ultimativer Versöhnung gekommen sind.

Im indischen Tantra ist da die Rede vom sogenannten »Kundalini-Prozess«. Die Kundalini ist eine Schlange, die dort am untersten Punkt der Senkrechten im Ankh-Kreuz schläft, jedoch erweckt werden kann. Als ätherisches, feinstoffliches Wesen steigt sie dann entlang dieser Senkrechten auf, bis sie jene Waagrechte im Ankh-Kreuz mit ihren Lippen berührt. Das aber gelingt ihr nur, wenn sie alle Polarität überwindet, weder Freude noch Trauer empfindet, Angst und Mut ihre Bedeutung verloren haben und sie weder Gutes noch Böses beeinflussen.

Auf diesem Mittleren Pfad bewegen sich alle, die die Kraft zum Gleichmut entwickelt haben. Ihnen ist gewährt, sich entlang jener kosmischen Senkrechten, hinauf zur Grenze der großen Alleinigkeit zu bewegen (symbolisiert durch den Kreis).

Wenn wir ein Bewusstsein entwickeln, diesen Pfad aufzusteigen und jenen Grenzbereich zu berühren (im Ankh als die Waagrechte symbolisiert), verlassen wir die duale Welt der Gegensätze und erleben die große göttliche Einheit, die uns mit unendlicher Kraft und Weisheit erfüllt. Alles was sich widersprach kommt hier zur Ausgleichung und verliert seine Relevanz.

Bei alle dem sollten wir aber nicht vergessen, das diese beiden Modi des Bewusstseins – in der kosmischen Einheit und der kosmischen Zweiheit (Dualität) – voneinander getrennt bleiben. Nachdem aber eine menschliche Seele in der Welt der Gegensätze inkarnierte, kann sie irgendwann damit beginnen, diesen Mittleren Pfad aufzusuchen. Hat sie ihn gefunden, wird sie durch allmähliche Veränderung ihres Bewusstseins eine Reife entwickeln, die es ihr ermöglicht, sich entlang dieses Mittleren Pfades hinaufzubewegen, entlang jener Vertikalen, bis sie zum Gebiet der großen Einheit vordringt, um dort schließlich ihre Erlösung zu finden.

 


 

Was ist der Stein der Weisen?

Was ist der Stein der Weisen?

Der Stein der Weisen - ewigeweisheit.de

Paris im Jahr 1659: Der legendäre Alchemist Basilius Valentinus veröffentlicht ein geheimnisvolles Buch, mit dem eigenartigen Titel »L'Azoth des Philosophes«, auf deutsch: »Das Azoth der Philosophen«. Was beutet das?

Das Wort Azoth an sich schon ist ein Geheimnis, denn es deutet hin auf jenes »Einige Ding«, von dem in der wundersamen Smaragdtafel des Hermes Trismegistos (Tabula Smaragdina Hermetis) die Rede ist:

Das was oben ist, entspricht dem was unten ist. Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

- Tabula Smaragdina II

Die ersten beiden Buchstaben A und Z im Namen Azoth, beziehen sich auf den Anfang und das Ende aller Dinge – bei dem das »Einige Ding« am immer es selbst bleibt.

Alchemisten und Magier suchten nach einer einzigartigen, rein-geistigen Substanz. Sie glaubten darin sowohl das Chaos vom Uranfang des Universums zu finden, wie auch jenes vollkommen vollendete Werk, dass sie als den perfekten Stein der Weisen bezeichnen. In der Vereinigung dieser beiden universalen Urformen des Kosmos, sah man in uralter Zeit das, was die Smaradtafel das »Einiges Ding« nennt.

Die Etymologie des Wortes Azoth aber ist arabischen Ursprungs und bedeutet schlicht Quecksilber (arab. الزَّاوُوق‎ Az-Zawuq). Für Alchemisten gilt Quecksilber, genannt Mercurius, als Seele aller Metalle. Dem deutschen Arzt Paracelsus (1493-1541) war Mercurius sogar der Inbegriff einer Universalmedizin. Kaum aber meinte er damit das giftige Metall, als vielmehr ein rein-geistiges, heilendes Prinzip, dass dem Unwissenden jedoch für immer unzugänglich bleibt.

Azoth - ewigeweisheit.de

Illustration im Buch Azoth des Basilius Valentinus: Es veranschaulicht das gesamte Wesen von der siebenstufigen Veredelung des Selbst im Leben eines Menschen.
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Ein alchemistisches Emblem

Im Zentrum dieser außergewöhnlichen Illustration, sieht man das Gesicht eines alten, bärtigen Mannes. Er ist im Begriff sein Werk zu beginnen, indem er die Kräfte des Oberen und des Unteren in sich und in der Welt eint. Das ist das Ziel seiner hermetischen Arbeit.

Wer darum das Bild des Azoth versteht, kann es durchaus als Bild für die Kontemplation verwenden. Dann ist es so, als schaue der Meditierende in einem Spiegel ein Mandala, worin er die Transmutation seines eigenen Lebens zu etwas höherem, erkennen kann.

Der große innere Kreis des Emblems überlagert ein Dreieck, dessen drei Ecken unter ihm hervorragen und die Formen höheren Lebens andeute:

  • Spiritus – Der Geist
  • Anima – Die Seele
  • Corpus – Der Körper

Gemeinsam symbolisieren sie drei archetypische Urkräfte, die den Alchemisten bekannt sind als Sulphur, Mercurius und Sal – die drei philosophischen Prinzipien. Sie bilden eine Heilige Dreiheit im Universum. Als solche wirken sie in allem, was in der manifestierten Welt existiert: materiell oder imateriell. Alles im Kosmos unterliegt ihrer Wirkung: unser Geist, unsere Emotionen, unser Körper, die Planeten des Himmels, die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere. Auch in nicht-physische Wesen und Geistern sind diese drei Wirkprinzipien präsent.

Das Siebenfältige Werk

Jenen großen Kreis in der Mitte des Bildes, unterteilen sieben Strahlen eines großen Sterns. Das ist ein Symbol für die siebenfältigkeit von Mikrokosmos und Makrokosmos. Daher enthält jeder der Strahlen das Symbol eines der sieben klassischen Planeten (Makrokosmos), dass gleichzeitig einem klassischen Metall (Mikrokosmos) zugeordnet ist.

Paracelsus nannte dieses Symbol den Stern im Menschen, der die geheimen alchemistischen Prozesse in allen Seelen repräsentiert. Sie entsprechen gleichzeitig den Vorgängen in der universalen Weltseele des gesamten Kosmos.

Die Ziffern 1 bis 7 im Bild weisen hin auf die sieben Arbeitsgänge bei der Bereitung des Steins der Weisen und der Herstellung des Lebenselixiers:

  1. Die Calcinatio – die Kalzinierung oder Veraschung,
  2. die Solutio – die Auflösung,
  3. die Separatio – die Trennung oder Filterung,
  4. die Conjunctio – die Vermählung oder das Schwängern,
  5. die Fermentatio – die Fermentierung,
  6. die Destillatio – die Destillierung und
  7. die Coagulatio – die Gerinnung, die, durch die in der Destillatio erhaltene Substanz, schließlich zur Verfestigung beziehungsweise Manifestierung des erzielten Zustands führt.

Dem aufmerksamen Lesen dürfte auffallen, dass sich zu diesen sieben Stufen, gewiss auch Parallelen ziehen ließen, zum Siebentagewerk im ersten Kapitel der biblischen Genesis.

Die Reihenfolge der sieben hier benannten Arbeitsschritte jedenfalls, sollte der Alchemist bei der Schaffung des Steins der Weisen einhalten. Was in den einzelnen Arbeitsschritten geschieht, erläutern außerdem die Vignetten, die sich zwischen den Strahlen des Siebensterns befinden. Sie enthalten besondere, dem Uhrzeigersinn  folgende Bilder, die wie folgt beschrieben werden:

  1. Vignette: Ein schwarze Krähe sitzt auf einem Totenkopf. Dieses Bild steht für die Nigredo, den Vorgang der Schwärzung, dem Anfangszustand des alchemistischen Prozesses.
  2. Vignette: Hier beobachtet die Krähe, wie sie sich selbst auflöst und sich vor ihr die reineren, weißen Bestandteile ihres Seins zeigen. Was also zurückbleibt war zuvor im Innern verborgen und wird nun sichtbar.
  3. Vignette: Hier sieht man zwei weiße Vögel die an der auf dem Boden liegenden Krähe zerren und sie in Stücke reißen. Dieses Bild steht für die Trennung beziehungsweise Isolierung der Essenz, die zuvor aus der Materie ausgelöst wurde.
  4. Vignette: Zwei weiße Vögel fliegen gen Himmel und erhöhen mit ihren Schnäbeln dabei eine goldene Krone. Dies symbolisiert die Läuterung, der die gewonnene Essenz unterzogen wird. Dabei werden ihr himmlisch-göttliche Kräfte zugeführt und sie damit veredelt.
  5. Vignette: Man sieht hier die beiden Vögel die auf einem Baum in ihrem Nest brüten. Hiermit beginnen die geheimnisvollen Prozesse im Werk des Alchemisten. Denn was dort ausgebrütet wird ist zwar noch verborgen, doch wird sich schon sehr bald offenbaren.
  6. Vignette: Vor einem Rosenbusch liegt ein weißes Einhorn. Nie konnte ein Jäger dieses legendäre Wundertier gefangen. Doch es wird ganz zahm, wenn sich ihm eine Jungfrau nähert. Sie nämlich symbolisiert die vollkommen geläuterte Materie, die sich bereits in greifbarer Nähe befindet. Sie ist der Inbegriff vollkommener Reinheit und Unschuld. Das nämlich sind die maßgeblichen Voraussetzungen, um den Stein der Weisen entgegennehmen zu dürfen.
  7. Vignette: Hier sieht man einen jungen Menschen, der aus einem Grab aufersteht. Jetzt wurde der Stein der Weisen gefunden und das Große Werk der Alchemie vollbracht. Denn jene Auferstehung steht für das ewige Leben, in das der Besitzer jenes geheimnisvollen Steins erwacht. Es wird dieser Stein manchmal auch »der Gral« genannt. Ihn hat der Sucher nun in sich entdeckt.

Sol und Luna: Die Königlichen Himmelsleuchten

Der schematisch dargestellte Körper des Alchemisten, ist der Sprössling der hervorgeht aus der Vermählung der Archetypen des Sonnenkönigs (Sol) und der Mondkönigin (Luna). Sol reitet zu seiner Rechten auf einem Löwen, während Luna zu seiner Linken auf einem Fisch das Meer durchquert.

Auf der Smaragdtafel lesen wir:

Sein Vater ist die Sonne, Seine Mutter der Mond

- Tabula Smaragdina IV

Bei genauem Hinsehen, erkennt man, dass der Sonnenkönig lächelt. Das ist ein Hinweis auf seine extravertierte Art. Er hält in seiner Linken ein Schild und in seiner Rechten ein Szepter: Sinnbilder für seine Macht über Vernunft und die sichtbare Welt.

Der Löwe auf dem er sitzt ruht selbst auf einem Felsen, in dem sich eine Höhle befindet. Daraus erscheint ein feuerspeiender Drache. Er weist hin auf des Sonnenkönigs verborgene, unbewusste Triebe. Denn aus dem extravertierten, immer frohen König, wird manchmal ein arroganter Despot. Damit aber besiegelt er bereits sein Ende, denn der feurige Drachenhauch aus dem Urgrund seines Bewusstseins, wird ihn in seinen Leidenschaften verbrennen.

Die Mondkönigin macht einen eher melancholischen Eindruck. Sie aber hält in ihren Zügeln einen riesigen Fisch, der ihre Macht über das Unbewusste symbolisiert. So hat die Mondkönigin die Vorgänge in ihrem Unterbewusstsein vollkommen unter Kontrolle, etwas also das dem Sonnenkönig fehlt. In ihrer Linken wiegt sie Pfeil und Bogen. Sie stehen für die Hinnahme von Kummer und Leid, dass die Mondkönigin als Teil des Lebens anerkennt.

»Die Chymische Hochzeit«

Sonnenkönig und Mondkönigin stehen für die Ausgangsubstanzen, mit denen der Alchemist sein Werk beginnt. Sie verkörpern seine Erfahrungen, Gefühle und Gedanken, die für seine Arbeit von Bedeutung sind. Er nämlich ist der Erschaffer des Steins der Weisen.

Der Sonnenkönig repräsentiert die Macht des Geistes über das Denken, was im Makrokosmos dem Weltgeist (Spiritus Mundi) entspricht. Die Mondkönigin dagegen repräsentiert die menschlichen Gefühle und Emotionen, die auf makrokosmischer Ebene der Weltseele (Anima Mundi) entsprechen. In der Kabbala ließen sich diese Wirkformen, mit den Sefiroth Binah (göttliche Intelligenz) und Chokmah (göttliche Weisheit) vergleichen. Der Weltgeist ergießt sich als göttliche Intelligenz und ordnende Instanz, in das in der Weltseele wütende, magische Urchaos.

Es scheint nun naheliegend, dass daher beide Prinzipien auf gegenseitige Ergänzung drängen und sich die Ordnung mit dem Chaos vermählen will, der Geist mit der Seelensubstanz, der Intellekt mit der Weisheit. Damit käme es zur sogenannten Heiligen Hochzeit (Hieros Gamos) von Sonnenkönig und Mondkönigin. Auf den Menschen übertragen bedeutete das einen Bewusstseinszustand, in dem ihm gelingt sein Denken mit seinem Fühlen zu verbinden, in sich quasi eine emotionale Intelligenz zu schaffen. Dieser Zustand aber, kann geläutert und erhöht werden, was den Alchemisten in die Lage einer perfekten Intuition versetzt. Damit aber gelingt ihm die vollkommene Erkenntnis über das innerste Wesen der Realität. In der Tabula Smaragdina heißt es dazu:

Alle Finsternis wird von Dir weichen.

- Tabula Smaragdina IX

Womit gemeint sind, die:

Vollendungen der ganzen Welt

- Tabula Smaragdina VI

Ziel des großen Werks

Alle Alchemisten suchten nach diesem Zustand, vollkommener ungetrübter, edelster Weisheit. Man könnte sagen, dass sie versuchten jenen Moment der Erleuchtung, im gesuchten und letztendlich geschaffenen Stein der Weisen zu gewinnen und darin zu bewahren.

Es wäre aber falsch hier nur an ein physisches Mineral oder eine perfekten Edelstein, wie etwa den Smaragd zu denken. Vielmehr handelt es sich beim Stein der Weisen um einen Bewusstseinszustand vollkommener, geistig-seelischer Ordnung. Diese spirituelle Struktur erschafft der wahre Alchemist durch die heilige Vermählung der Gegensätze in ihm – das was C. G. Jung als den Animus und die Anima bezeichnete.

Der Leib des Alchemisten

In der vorliegenden Illustration des Azoth, stehen die vier Gliedmaßen des Alchemisten, für die vier alchemistischen Elemente:

  • sein rechtes Bein steht auf dem Land (Erde),
  • sein linkes Bein steht im Meer (Wasser),
  • seine rechte Hand hält eine brennende Fackel (Feuer) und
  • seine linke Hand greift nach einer Feder (Luft).

Sein Haupt aber steht für das verborgene fünfte, geistige Element: den Äther. Es ist die unsichtbare Quintessenz, durch die sich das im Geist Ausgemalte, in der Realität manifestiert. In der Smaragdtafel heißt es dazu:

Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

- Tabula Smaragdina VII

Zwischen seinen Beinen baumelt ein Würfel, den sechs Sterne umgeben. Dieses Symbol, dass das Wort »Corpus« – der Körper – kennzeichnet, steht für die sechs Richtungen der materiellen Welt: oben, unten, links, rechts, hinten und vorn.

Was aber ist über seinem Haupt zu sehen? Eigentlich sollte sich ja dort der Kopf des Alchemisten befinden. Doch der scheint ins Herz verrückt zu sein. Was man hier aber sieht, ist ein kleines Gebilde, dass zwei lange Flügel tragen: ist damit etwa das dritte Auge gemeint – jene lichtempfindliche Drüse im Zentrum des menschlichen Gehirns?

Geflügelte Sonne - ewigeweisheit.de

Die geflügelte Sonnenscheibe: ein häufiges Symbol im Alten Ägypten, das links und rechts eine Uräus-Schlange ziert. Eigentlich ist dieses Bild auf dem gesamten Erdball verbreitet. Man denke etwa an die Ähnlichkeit des zoroastrischen Faravahar-Symbols.

Womöglich entwickelte sich diese Symbolik aus der geflügelten Sonnenscheibe des Echnaton. Dieses uralte Emblem krönt den magischen, schlangenumwundenen Stab des Hermes: den Caduceus. Er ist das, was im Allgemeinen unter der Bezeichnung »Zauberstab« verstanden wird. Die beiden Schlangen nämlich, die sich daran emporwinden, stehen für zwei geheimnisvolle Kräfte im Körper.

Somit ist der Caduceus an sich ein Symbol für die oben näher erläuterte Heilige Hochzeit des mikrokosmischen Spiritus und der Anima im Menschen, wie ebenso Weltgeist und Weltseele im Makrokosmos.

Was in Basilius Valentinus Emblem also zwischen den beiden Flügeln in der Mitte zu sehen ist, symbolisiert die aufgestiegene Seelenessenz desjenigen, der sie in seinem Körper auf die höchste Stufe des Gehirns brachte. Denn von diesem zerebralen Zentrum aus, kann sich menschliches Bewusstsein, dass diesen Grad der Vollendung erreichte, vom Körper lösen und sich in andere Gefilde des Seins begeben.

In den alt-ägyptischen Mysterien, weihte man die Adepten ein, in diesen Zustand ultimativen Gewahrseins. Man führte ihren Körper an die Todesgrenze, so dass sie ihn als Leiche empfanden, doch gleichzeitig bei vollem Bewusstsein blieben.

Es ist also die Krone des Caduceus, die hier hinter der großen, siebengeteilten Scheibe emporragt. Links brennt ein Feuer, worin sich ein Salamander befindet. Und so wie der Salamander die Wärme des Sonnenlichts benötigt, so benötigt auch die Seele (Anima) das Licht des Geistes.

Auf der rechen Seite der geflügelten Caduceus-Krone aber befindet sich ein Adler, der für den Geist (Spiritus) steht. So wie die kühlende Nacht den Geist beruhigt und ihm zur Reflexion verhilft, so gleitet am Abend der Adler in sein mondbeschienenes Nest.

Vitriol-Formel-Emblem in den Geheimen Figuren der Rosenkreuzer - ewigeweisheit.de

Eine Illustration der berühmten Vitriol-Formel, die ursprünglich in Valentinus' Buch Azoth erschien, jedoch vielfach kopiert wurde. Diese Version stammt aus dem sogenannten "Dritten und letzten Heft" der Geheimen Figuren der Rosenkreuzer.
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Smaragdgrüner Stein der Weisen

In alter Zeit nannte man das smaragdgrüne Eisensalz der Schwefelsäure »Vitriol«. Den Alchemisten aber ist es außerdem der verschlüsselte Name für die prima materia, die Ausgangssubstanz bei der Bereitung des Steins der Weisen. Es handelt sich also nicht um das gewöhnlichesbuchstaben Eisenvitriol, sondern eher um ein geistiges Ausgangsprinzip.

Schauen wir uns noch einmal die Basilius Valentinus' Illustration an: in den Zwischenräumen, umgeben von den sieben Strahlen des Sterns, lesen wir sieben Worte. Ihre Anfangsbuchstaben bilden ein Akronym: Vitriol!

Die innere Bedeutung des Namens Vitriol also ergibt der Satz, den diese sieben Worte im Urhzeigersinn gelesen ergeben:

Visita Interiora Terrae Rectificando Invenies Occultum Lapidem.
Besuche das Innere der Erde, inmitten der du dich läuterst, und du wirst finden den geheimen Stein.

Mit jenem visita, dem Besuch, ist der Beginn einer Reise gemeint, die der Alchemist in den interiora, den innersten Empfindungen seines Körpers auf der terrae, der Erde, einer rectificando, einer Läuterung unterziehen muss. Ist das aber vollzogen, wird er finden, invenies, den Stein der Weisen: occultum lapidem.

Hermetik: Hohe Wissenschaft im Alten Ägypten

von S. Levent Oezkan

Von den Mysterien der alten Ägypter geht für viele Menschen unvermindert eine große Faszination aus. Ägyptische Magier sollen Gold aus schwarzer Erde hergestellt, Geister für ihre Zwecke gebannt und Tote lebendig gemacht haben.

Auf solche und andere Legenden stoßen wir, wenn wir uns in das Gebiet der Hermetik wagen.

Wer war Hermes Trismegistos?

Vor ungefähr 2.000 Jahren gewann eine sagenhafte Figur in Ägypten Bedeutung. Hermes Trismegistos nannte man ihn - der "dreimal größte Hermes".
Sein Name steht für drei große Wissensfelder der Esoterik:

  • Alchemie ist die Wissenschaft von den Arbeitsabläufen bei der Bereitung des Steins der Weisen. Es ist die heilige Kunst, mit der auf der Erde die Kräfte der Planeten und der Sonne wirksam gemacht werden.
  • Astrologie ist die alte Wissenschaft von den Sternen.
  • Theologie und Theurgie die Wissenschaften über das Wesen und Wirken des Göttlichen.

Man kann nicht behaupten dass Hermes Trismegistos ein gewöhnlicher Mensch war. Eher wäre die Bezeichnung "aufgestiegener Meister" zutreffend. Er soll mehr als 20.000 Bücher verfasst haben, was einem Normalsterblichen wohl kaum gelingen dürfte. Vielleicht war Hermes Trismegistos eher ein geistiges Wesen, das den alten Gelehrten Weisheit und geheimes Wissen übermittelte. Durch ihn kam das "Wissen der Götter" zu den Menschen.
Laut einer Legende wurden einst 42 der hermetischen Bücher in der legendären Bibliothek von Alexandria aufbewahrt, bis sie eine gewaltige Feuersbrunst zerstörte. Fast die gesamte Bibliothek fiel dem durch die Römer verursachten Brand zum Opfer. Nur einige Papyri sind erhalten geblieben. Diese wurden in jüngerer Zeit im sogenannten "Corpus Hermeticum" zusammengestellt.

Hermes Trismegistos - ewigeweisheit.de

Hermes Trismegistos - "Der dreimal größte Hermes"

Hermes Trismegistos gilt als Urvater der Mathematik, Geometrie, Alchemie, Philosophie, Medizin und Magie. Mehrere Gottheiten der Antike verschmelzen in ihm zu einer Gestalt. Um 300 v. Chr. vermischte sich der ägyptische Toth - Gott der Weisheit, des Lernens und der Kommunikation - mit dem griechischen Hermes - dem geflügelten Götterboten. Auch der Engel Metathron, der ägyptische Pharao Echnaton (1353 bis 1336 v. Chr.) und der Prophet Moses ähnelnin vieler Hinsicht der universalen Götterfigur des Hermes Trismegistos. Aus dieser Warte betrachtet, scheint er gewissermaßen den Ursprung aller (westlichen) Religionen zu bilden.

Sein bekanntestes Attribut ist der Caduceus - der Schlangenstab. Dieser Stab, der später als Zauberstab profaniert wurde, ist einerseits Symbol für die Verbindung gegensätzlicher Kräfte, andererseits ein Sinnbild für die Fruchtbarkeit und den Phallus.
Zwei Schlangen umwinden den Stab und stehen für die starken Kräfte in der Natur. Sie sind Symbole für die fließende Energie der elektrischen und magnetischen Kraft, aber auch für alles Auf- und Absteigende, für das männliche und weibliche, das positive und negative, das himmlische und irdische Prinzip usw.

Heute wird das Caduceus-Symbol von Händlern, wie auch von Apothekern und Medizinern verwendet.

Der ägyptische Gott Thoth - ewigeweisheit.de

Der ägyptische Gott Thoth (auch: Tehuti)

Ursprung des Wortes "Hermetik"

Das Wissen der Alchemisten und Hermetiker wurde streng gehütet. Nur diejenigen die für die Lehre bereit waren, wurden in ihre Geheimnisse eingeweiht. Daher wird das Adjektiv "hermetisch", zur Beschreibung von etwas Abgeschlossenem, Versiegelten oder Geheimen verwendet. Da die Alchemisten solche "Operationen" in völlig abgeschlossenen Retorten und Kesseln durchführten, bekam der Begriff irgendwann einen sprichwörtlichen Charakter. Daher die Redewendung, dass etwas "hermetisch abgeriegelt" sei.

Die Hermetische Philosophie

Verschiedene philosophisch-theologische Strömungen fließen in der Hermetik zusammen. Darunter der griechische Paganismus, die Kabbala, die alt-sumerische Religion, die Astronomie der Chaldäer und die Weisheiten des persischen Propheten Zoroaster (Zarathustra). Doch auch Spuren der griechischen Philosophie lassen sich in hermetischem Gedankengut finden. Darunter die Lehren der Pythagoreer, der Stoiker, der Platoniker und der Neuplatoniker.

Hermetik ist eine der ältesten religiös-philosophischen Traditionen der westlichen Welt. Sie wurde um 300 v. Chr. in Ägypten von den Magiern und Hohepriestern der ptolemäischen Herrscherdynastie als heilige Wissenschaft eingeführt. Bei der Hermetik der Ptolemäer handelte es sich aber weniger um eine religiöse Bewegung, als um ein philosophisches System.
Man kann sagen, dass die Hermetik die Wurzel vieler anderer religiösen Traditionen bildet. Manche davon existieren bis zum heutigen Tag!

Der Caduceus - ewigeweisheit.de

Der Caduceus - Stab des Hermes

Manche sagen über den Hermetismus, er sei die "prisca theologia" - die einzige und wahre "Ur-Theologie". Hermetik ist gewissermaßen der "rote Faden" der sich durch alle westlichen Religionen zieht. Hermetiker glauben nämlich wie auch Juden, Christen und Muslime an "Den Einen", dessen Essenz die geistige Einheit aller Äonen, Engel und anderer Lebewesen, einschließlich Pflanzen, Tieren und Menschen bildet. Diese universale Einheit ist insbesondere in der Philosophie der Gnosis von zentraler Bedeutung.

Die Zerstörung hermetischen Gedankenguts

In der ersten 500 Jahren n. Chr. geht vieles hermetisches Gedankengut nach und nach verloren. Durch das Verschwinden hellenistischer und das Aufkommen römischer Einflüsse, versanken die in griechischer Sprache verfassten, hermetischen Schriften im Dunkel der Zeit. Im Jahr 296 n. Chr. wurden im römischen Imperium (unter Kaiser Diocletian), alle Bücher über Hermetik und Alchemie verbrannt. Nach dem Niedergang Alexandrias wurde das hermetische Wissen aber bei den Arabern weiter gelehrt. Die Kunst der Goldmacherei nannte man im alten Arabien "Al-Chimia" - daher der Name "Alchemie".
Erst später gelangte es, speziell über das maurische Spanien - um das 11. Jhd. in den abendländischen Kulturbereich. 

Insbesondere zur Wende ins 20. Jhd. stieg dieses alte Gedankengut allmählich wieder in das Bewusstsein vieler Gelehrter. Es war eine Renaissance, die mit der Gründung verschiedener okkulter Gesellschaften (Freimaurer, Rosenkreuzer, Golden Dawn, Theosophische Gesellschaft), der Hermetik zu neuem Leben verhalf. Alles was aus diesen hermetisch geprägten Gesellschaften an die Öffentlichkeit kam, sollte Ende des 20. Jhd. dann zu dem werden, was im allgemeinen als die "New-Age-Bewegung" bekannt ist.

 

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