Hass

Des Menschen spirituelle Entwicklung

von S. Levent Oezkan

Spirituelle Entwicklung - ewigeweisheit.de

Auch wenn uns die modernen Medien mit immer neuen Schreckensmeldungen bedrängen, sei darüber trotzdem eine wichtige Kernaussage gestellt: In unserer Welt bilden Liebe und Weisheit die höchsten Gesetze des Lebens. Sie formen ein spirituelles Fundament, auf dem alles Werden seinen Lauf nimmt: sowohl in den Lebenskreisläufen von uns Menschen, als auch in den großen Zyklen unseres Kosmos.

Ihre Prinzipien lenken die Sterne und unser Zentralgestirn Sonne, das als Leben und Helligkeit spendendes Wesen jeden Morgen zu uns wiederkehrt. Und so wie ihr Licht und ihre Wärme gemeinsam ein Exempel von Zuneigung, Wertschätzung und Weisheit zeichnen, so steht die Abwesenheit der Sonne für das Dunkel von Unwissenheit, Egoismus und Ignoranz.

Ein Leuchtendes Vorbild

Unseren Möglichkeiten zur spirituellen Weiterentwicklung aber, sind damit keine Grenzen gesetzt. Die Sonne in ihrer Rolle als kosmisches Vorbild für die symbolischen Wahrheiten des Lichts, der Liebe und der Weisheit, könnte der Erkennende versuchen nachzuahmen. Denn wenn auch nur wenige normalsterblicher Menschen in ihrer gegenwärtigen Lebensspanne ein solch erhabenes Ziel zu vollkommener Entfaltung brächten, zählte es dennoch zu den wohl erhabensten Vorsätzen die sich jemand setzen kann.

Unter unseren Vorfahren bewegten sich Menschen auf diesem Weg des Strebens nach einem guten Leben, schon seit sehr, sehr langer Zeit – und das wird auch niemals enden. Selbst dann, wenn sich ein Großteil der Menschheit in Aufruhr befindet und es überall Kriege, Hass, Unterdrückung und Ausbeutung gibt – was uns die Nachrichten zeigen –, bleiben die Maxime von Liebe und Weisheit dennoch auf ewig bestehen, bleiben etwas, an das man sich halten kann. Und wenn uns diese beiden höchst-erhabenen Gesetze des Lebens bewusst und wichtig geworden sind: ist es da nicht gut sich immer wieder daran zu erinnern, dass die Sonne, als kosmisch-manifestierter Inbegriff dieser Gesetze, auch morgen wieder aufgeht?

Menschliche Evolution

Gewiss mag das dem rational geprägten Gemüt zu romantisch erscheinen. Doch der Mensch ist eben mehr als nur sein Körper, sein Fühlen und sein Denken. Selbst wenn sich der Mensch in seiner evolutionären Entwicklung tatsächlich auf einen Affen als Vorfahren berufen müsste, was ja nur eine unter anderen Theorien bleibt, befindet er sich auch heute noch in einem Entwicklungsprozess.

Wenn die moderne Wissenschaft nur eine Ebene der menschlichen Existenz kennt, die körperlich-organische eben, worin auch das Seelenleben, die psychische Befindlichkeit, Geist und Denken, auf rein hormonal-nervliche Zusammenhänge zurückgeführt werden, bedeutet Evolution nicht, wie man heute meinen mag, nur auf technischem Fortschritt. Der moderne Mensch aber tendiert dazu die Weiterentwicklung unserer Spezies allein auf die angeblichen Errungenschaften immer neuer Technologien beschränken zu wollen.

Wir sind mehr als unser Körper, unsere Gefühle und Gedanken

Die Ewige Weisheit, oder nennen wir es das »Weistum der Alten«, lehrt uns weit mehr als nur von einem rein materiellen Dasein des Menschen. Da geht es, je nach geistiger Tradition, um sechs oder sieben, verschieden-stoffliche Körper, die ein erwachter Mensch, bewusst durch sein Leben zu führen vermag. Manchen sind diese feinstofflichen Körper mehr, anderen weniger oder gar nicht bewusst. Der Wissenschaft aber geht es buchstäblich nur um einen Bruchteil dessen, was wirklich ist und nur diesen erklärt sie einzig als gültig (natürlich will ich nicht allen Wissenschaftlern absprechen, dass ihnen durchaus bewusst ist, dass der Menschen neben seiner physischen Existenz auch noch in höheren, spirituellen Formen des Seins existiert).

Es ist dabei sehr interessant zu beobachten, dass die moderne Wissenschaft eigentlich nur einen Bruchteil dessen kennt, was sie in ihren Schulbüchern zu generalisieren versucht. Warum? Nun, man weiß heute, dass das Universum, das unser Planetensystem umgibt, zu 96% aus sogenannter Dunkler Materie und Dunkler Energie besteht. Hiervon natürlich gehen ganz wesentliche Kraftwirkungen aus, die das Sein in unserem Kosmos mit formen. Doch darüber weiß die moderne Wissenschaft bislang nur sehr, sehr wenig. Kein Physiker aber würde abstreiten, dass die gewaltige Masse an Dunkler Materie, eben auch eine besondere Gravitationswirkung auf ihre Umgebung ausübt. Was aber unsichtbar ist, lässt sich nicht messen. Doch die Welt in ihrer Ganzheit, lässt sich eben nicht nur durch den Augen-Blick erfassen.

Es ist wohl unsere Gewohnheit zu glauben, dass Wahrheit sich über das Beobachtbare erkennen ließe. Doch auf eine rein sinnlich erfahrbare Welt »bestehen zu wollen«, um es einmal so zu formulieren, bleibt die Schwäche unseres Egos, das immer auf seine Befriedigung aus ist. Symbol dafür ist der Spiegel – worin man sein Aussehen sieht und dabei vielleicht bedauert oder bewundert. Jeder aber weiß, das nur er selbst sich so im Spiegelbild sehen kann, während alle anderen Menschen ihn so sehen, wie er »wirklich« aussieht.

Eine Sage aus dem griechischen Altertum, die sich auf diese Art des Menschseins anwenden lässt, ist der Narziss-Mythos. Narziss war der schöne Sohn des gewalttätigen Flussgottes Kephissos. Wegen seiner ungeheuren Schönheit umwarben ihn gleichermaßen Mädchen und Jünglinge. Herzlos aber wies er die Liebe anderer zurück. Eines Tages jedoch begab er sich an einen See und setzte sich dort ans Ufer. Da sah er sein Spiegelbild auf der stillen Wasseroberfläche und fand sich so schön, dass er sich in das Bild seiner eigenen Reflexion verliebte. So empfand dieser Jüngling ein etwas ungewöhnlich ausgeprägtes Selbstwertgefühl, das ihm aber zum Verhängnis werden sollte. Denn er wollte sein eigenes Abbild umarmen, doch fiel dabei und ertrank, gefangen in den tiefen Wassern des Sees.

Dieser alte Mythos ist eine Allegorie auf die geistige Natur des Menschen, denn wie Narziss schauten auch wir Menschen einst, aus den erhabenen Höhen unserer ursprünglichen, spirituellen Wohnstatt, in den Kosmos hinab, in die materielle Schöpfung, in der wir uns sehr wahrscheinlich auch morgen noch befinden. Dort nämlich sah unser geistiges Selbst sein eigenes Ebenbild, worin sich auch unsere Begierden spiegeln, die uns unsere geglaubte Schönheit vorgeben. Es ist das Abbild in dem wir die Schönheit unseres Geistes erkennen, wie er sich uns im Kosmos, in der äußeren Welt der Manifestationen zeigt.

Es gibt aber nichts im Außen, was nicht auch schon in uns latent vorhanden ist. Wenn wir also in die Welt des Außen blicken und dort etwas entdecken, wonach wir uns sehnen, ganz gleich wie das auch geartet sein möge, wollen wir uns da etwas zu eigen machen, das eben eine Projektion irgendeines Teiles in uns ist. Und damit fällt, wie einst Narziss ins tiefe Wasser, auch unser spirituelles Bewusstsein in eine nach außen gewandte Haltung, gefangen im Kosmos, gefesselt von der manifestierten Welt der sinnlichen Erscheinungen.

Sowohl in der westlichen wie auch in der östlichen Tradition, ist da dann die Rede der Fleischwerdung des Geistes (Inkarnation), wo die Bande der Körperlichkeit unseren Geist umschlingen. Wer aber als spiritueller Mensch nach und nach erkennt, dass sich dieses Inkarnationsereignis einst begeben haben muss, wird sich vielleicht danach sehen, zu seinem ursprünglichen Sein zurückzukehren: einem Zustand jenseits aller Körperlichkeit, außerhalb jeglicher Begrenzungen und Sorgen.

Alles ist im Fluss

Erst durch die Fähigkeit sich über die Begrenzungen der sichtbaren Welt zu erheben, wird man sich der unbegrenzten Möglichkeiten des eigenen menschlichen Vermögens bewusst. Auch unsere Sorgen und Ängste, die alle ihre Berechtigung zu haben scheinen, hängen zusammen mit dieser Anhaftung an die sichtbare, hörbare und fühlbare Welt der Erscheinungen.

Auch wenn in der Welt die Prinzipien der Entsprechung gelten (auch: Hermetische Gesetze) – im Innen und Außen, im Oberen und Unteren, im Großen und Kleinen –, bleibt in der Welt des Göttlichen nichts davon bestehen. Dies zu erkennen kann uns ruhig Anlass dazu geben, unser vielleicht verloren gegangenes Glück neu entdecken zu wollen, da wir wissen, das nichts bleibt, aber alles in ständigem Fluss ist und seine Gezeiten hat. Nur der Tod bleibt ewig. Doch wenn ein Mensch stirbt, entschläft, verendet da »nur« der physische Körper. Wie uns aber alle spirituellen und religiösen Traditionen der Erde lehren, lebt schließlich ein anderer Teil davon fort (beziehungsweise Teile davon), zu einem Lichtreich hinstrebend, worin vollkommene Glückseligkeit herrscht (Paradies) – dann wenn sich die Seele aus dem irdischen Seinszyklus tatsächlich gelöst hat.

Wie anders soll diese ultimative Trennung aber gelingen, als dass man bereits jetzt damit beginnt, in diesem Augenblick, ein Bewusstsein zu entwickeln, das die eigene Wahrnehmung von der sichtbaren, materiellen Welt im Außen allmählich abwendet und stattdessen nach innen schaut, auf den eigentlich geistigen Kern eines spirituellen Seins?

Denken und Sein

Gewiss zählt zu alle dem der Wunsch ein richtiges Denken zu entwickeln. Denn nur mit einem klaren, reinen Geist, lässt sich höheres Sein erringen. Das »Denken« als Aktivität jedoch, unterscheidet sich von dem, was man allgemein unter »Gedanken« versteht, sind sie doch eher zufällig aneinander folgende Einbildungen, die vom astralen, triebbezogenen Dasein her, unseren Geist durchströmen und dabei Erinnerungen aufwirbeln. Bewusstes Denken aber hat einen Anfang und ein Ziel, wobei sich an das Ziel ein nächster Anfang anschließen kann. Wer also ein Wirbeln unangenehmer Gedanken unterbrechen möchte, kann sich die Welt im Geiste erklären, das was er sieht, sich selbst im Geiste sprechend beschreiben, als eben das, was gerade vor seinem inneren oder äußeren Auge erscheint.

Die menschliche Fähigkeit zu Denken wird sich vielleicht schon in den folgenden Jahrzehnten, sicher aber in den kommenden Jahrhunderten erheben, über die gegenwärtige Form einer rein äußeren Kommunikation, durch die Medien von Schall und Licht. In ferner Zukunft werden die Menschen vielleicht wieder die Fähigkeit entwickeln, zu kommunizieren auf einer höheren, geistigen Ebene, etwas das man auch Telepathie nennt. Manche unter uns, haben sich aber gewiss bereits auf diesen Weg begeben.

 

 

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Das Selbst und die geheimen Zeichen des Glücks

Das Selbst und die geheimen Zeichen des Glücks

Schlüssel jeder spirituellen Fortentwicklung ist persönliches Gewahrsein. Das heißt, wer seine Achtsamkeit steigert, erweitert dabei den Raum seiner bewussten Wahrnehmung. Und so wie sich das Bewusstsein damit vergrößern und entfalten lässt, wird es auch befähigt, sich allmählich zu erheben, hinweg über die vielen Ebenen der Wahrnehmung.

Solch erweiterte Bewusstheit eröffnet einem Menschen Möglichkeiten in der Welt, die über die im Alltag angeeigneten Fähigkeiten hinausgehen. So jemand erkennt dann seine Lebenswelt als großes Ganzes, was ihn ermächtigt die Begrenzungen seiner Persönlichkeit allmählich abzulegen und sich, seiner Berufung gemäß, frei in seinem Leben zu bewegen.

Unsere Persönlichkeit: Eine Maske unseres wahren Selbst

Als Kinder entwickelten wir das, was man das Ego, das Ich oder das beobachtende Selbst nennt. Es ist die physische Bewusstseinsebene des Menschen, mit der sich seine Wahrnehmung zunächst vertraut macht – mit dem Körper und seinen Sinnesorganen als solche – wie auch mit dem, was er über eine Sinne im Außen wahrnimmt.

Die meisten Menschen identifzieren sich mit diesen sinnlichen Fähigkeiten, ahnen aber nur selten, dass es eine höhere Wahrnehmung gibt, die man als Mensch entwickeln kann. Ihr beobachtendes Selbst bleibt damit aber gebunden, an die Körperfunktion des physischen Leibs.

Wer nun erkennt, dass das beobachtende Selbst zu viel mehr befähigt ist, könnte damit beginnen, allmählich jene Beschränkungen zu beseitigen, die sich ihm auf dem Weg zu einer höheren Bewusstheit in den Weg stellen. All die Äußerlichkeiten im Leben an denen wir hängen, sie bilden die Barrieren auf diesem Weg. Wer aber gelernt hat zu verzichten, wird sich auch leichter über höhere Hürden hinwegsetzen können, die ihn sonst an seinem Fortkommen gehindert hätten.

Das Spiegelbild

In Wirklichkeit ist das, was wir als unsere Persönlichkeit im Spiegelbild sehen, und das was wir unser Selbst nennen, nicht das Selbe. Eher gleicht die Persönlichkeit einer Maske hinter der sich unser wahres Selbst verbirgt, eine seelische Entität, die Namen, Geburtsort und Geburtsdatum bezeichnen, damit sie ihre Rolle in der Welt spielen kann. Nur wenige aber ahnen, welche Rolle auf der Bühne ihres Lebens sie eigentlich spielen sollten. Metaphorisch gesprochen: Häufig gibt man sich in dieser Rolle nicht wirklich zum Besten, sondern hüllt sich in etwas, das einem gar nicht entspricht oder übernimmt sogar die Rolle eines anderen Menschen. Manchen aber wird das irgendwann zur Last, selbst wenn sie den Grund dieser Bürde keineswegs kennen.

Die Darsteller im antiken griechischen Theater benutzten in ihren Rollen Masken, um ihrem Schauspiel einen besonderen Ausdruck zu verleihen: Sie nannten sie die »Persona« – der Ursprung der deutschen Wörter Person, Persönlichkeit, Personifikation, Personal, usw.

Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung (1875-1961) übertrug diesen Begriff auf die menschliche Psychologie und schrieb über die Persona:

(Sie) ist aber, wie ihr Name sagt, nur eine Maske der Kollektivpsyche, eine Maske, die Individualität vortäuscht, die andere und einen selber glauben macht, man sei individuell, während es doch nur eine gespielte Rolle ist, in der die Kollektivpsyche spricht. [...] Sie ist ein Kompromiss zwischen Individuum und Gesellschaft über das, als was einer erscheint.

Es wäre also einen Versuch wert, sich zu erheben, über die Identifikation mit dieser Maske unserer Persönlichkeit. Nur so nämlich, ließe sich eine Verbindung zu dem herstellen, was man in der Esoterik das »Höhere Selbst« nennt.

Sich über Beschränkungen erheben

Der erste Schritt dazu, wäre sich zuerst einmal bewusst zu machen, dass sich die Persona zusammenfügt, aus unserer äußeren Erscheinung, unserem Namen, unserem Geburtsort, unserem Geburtsdatum und unserer persönlichen Geschichte – kurz: als das, als was wir auch allen anderen erscheinen können. Dessen bewusst, kann man dann ein höheres Selbst voraussetzen, dass, in dieses existenzielle Konglomerat eingefügt, existiert.

Als Nächstes gilt es zu versuchen, wie von einer höheren Warte aus betrachtet, die eigentliche Persönlichkeit in ihrem Handeln zu beobachten. Doch nur beobachten und nicht beurteilen! Dann nämlich kann sich das beobachtende Selbst auf ein höheres Niveau als die Persönlichkeit begeben, da es sich zu lösen beginnt aus allem Gut und Schlecht, aus den Verstrickungen in vergangene Erinnerungen, aus Befürchtungen vor Zukünftigem, aus den Verhaftungen mit einem Ich oder einer Abgren- zung zum Du. Zusammengefasst könnte man sagen, dass ein so bewusst gewordenes Selbst, sich letztendlich ja über seine Todesangst erhoben hat, um sich dem Wesen seines Seelenkerns zu nähern.

Ein Beispiel: Sie machen einen kleinen Spaziergang und stellen sich dabei vor, wie ihr Höheres Selbst ihren Körper »ausführt«, statt sich mit dem laufenden Leib zu identifizieren. Ihr physischer Körper ist (nur) das Fahrzeug, das ihr Höheres Selbst steuert. Es gehört nicht zu ihrem Körper, sondern der Körper ist Besitz des höheren, beobachtenden Selbst, ist sein Diener. Das bedeutet, dass man nach und nach lernt, das beobachtende Selbst, nicht mehr mit dem sich abgefundenen Ich des Körperlichen zu identifizieren. Eher geht es in der Entfaltung eines höheren Bewusstseins darum, allmählich von Stufe zu Stufe immer weiter zu wachsen – vorausgesetzt, man löst sich von äußeren Dingen und von der Angst vor dem Tod.

Wir haben Gedanken, doch wir sind nicht unsere Gedanken

Der englische Religionsphilosoph Alan Watts (1915-1973) schrieb über diesen Aufstieg des beobachtenden Selbst Folgendes:

Es ist sowohl die Fähigkeit unser normales Alltagsbewusstsein zu bewahren, als es dabei auch gleichzeitig loszulassen. Sprich, man beginnt, ganz unbefangen, den Gedankenfluss im Auge zu behalten, all die Eindrücke, Gefühle und Erfahrungen geistig zu erfassen, die unentwegt unser Bewusstsein zu durchströmen versuchen. Statt aber die Gedanken zu kontrollieren und in den Gedankenstrom einzugreifen, lässt man sie so fließen, wie es einem gefällt. Normalerweise wird das Bewusstsein von diesem Gedankenstrom mitgerissen. Darum wäre es wichtig zu lernen, über diesen Gedankenstrom zu wachen, ohne dass er das Bewusstsein erfasst.

Vier Ebenen des Bewusstseins

Um die Wende zum 20. Jahrhundert begründete der griechisch-armenische Esoteriker und Abenteurer Georges I. Gurdjieff (1866-1949) ein spirituelles System, das Menschen helfen sollte eine »innere Evolution« anzustoßen. Gurdjieff sprach hier von einem »Vierten Weg« der einem Menschen helfen sollte diese innere Entwicklung des Bewusstseins anzustoßen. Dabei ging es ihm um vier Bewusstseinszustände:

  1. Der niedrigste Zustand dieser vier Entwicklungsstufen war für Gurdjieff der Schlaf.
  2. Den normalen Wachzustand, von dem die meisten Menschen glauben, er sei freies Bewusstsein, war für Gurdjie nichts weiter, als nur ein anderer Zustand des Schlafs. Denn was einen da wach hält, sind die in der Tiefe der menschlichen Psyche brausende Leidenschaften, vielleicht etwa mit dem vergleichbar, was der österreichische Psychologe Sigmund Freud (1856-1939) als das »Es« bezeichnete.
  3. Manche Menschen aber sind fähig, wahre Bewusstheit zu erfahren. Doch meist nur in kurzen Augenblicken. Das passiert wenn die verkrusteten Schichten der Persona (Maske der Persönlichkeit), an manchen Stellen abzuplatzen beginnen. In diesem Zustand erfährt man eine Art Erinnerung an das, was man das »Wahre Selbst« nennen könnte. Doch damit gehen auch Gefahren einher, da nicht jeder diesem »erwachten Gewahrsein« gewachsen ist.
  4. Der höchste Zustand ist vollkommene Erleuchtung, wo der »Erwachte« sich und die Dinge so sieht, wie sie tatsächlich sind. Es ist, was die Buddhisten den Samadhi-Zustand nennen, wo das beobachtende Selbst mit dem Atman, dem jedem Menschen innewohnenden göttlichen Funken, vereint wahrnimmt. Jeder Wunsch über Dinge oder andere Personen zu Urteilen verschwindet damit und wird überflüssig.

Um diese letzte Stufe zu erreichen, müsste ein Übender, so Gurdjieff, zuerst ein Bewusstsein in der 3. Stufe entwickeln. Das ist sicherlich ein längerer Weg. Denn man muss sich mit den Bewusstseinskräften, die in diesem Zustand wirken, erst vertraut machen, da sie zum »normalen Wachzustand« der 2. Stufe, eigentlich keine direkte Verbindung haben. Menschen die entweder sehr sensibel sind oder zu eifrig versuchen sich auf diese Stufe zu erheben, laufen durchaus Gefahr den Verstand zu verlieren.

Befreiung des Emotionskörpers

Fest steht, dass die meisten Menschen auf unserem Planeten, da sie vielleicht auch nie von diesen höheren Zuständen des Bewusstseins hörten, nur ganz gelegentlich, vielleicht in besonders schwierigen Lebenssituationen, eine solche höhere Bewusstheit plötzlich in sich aufsteigen fühlen.

Wer sein beobachtendes Bewusstsein diszipliniert, wird allmählich dazu befähigt, seine Gefühle zu kontrollieren und sich dabei eines feinstofflichen Leibes bewusst zu werden, der sich aus seinen Emotionen und Empfindungen zusammensetzt. Das ist der Emotionskörper.

Selbstbetrachtung ist ein sehr geeignetes Werkzeug, sich seine höheren Daseinsformen bewusst zu machen und die inneren und äußeren Muster zu erkennen, die einen Menschen seinem wirklichen Daseinsgrund näher bringen.

Darum geht es: Die Erfüllung unseres wahren Seins auf diesem Planeten zu verwirklichen. Wenn nicht in dieser, dann vielleicht in unserer kommenden Inkarnation – wo und was immer das sein wird.

Wichtigste Voraussetzung aber, um solch höheres Gewahrsein überhaupt zu erlangen, sind eine positive Lebenseinstellung und die Fähigkeit Mitgefühl zu entwickeln, für alles Leben in dieser Welt. Dabei ist es wichtig immer wenn man wütend über etwas ist, sich nicht mit den dabei aufsteigenden, negativen Emotionen zu identifizieren, noch sich von ihnen mitreißen zu lassen. Die Kunst ist es, solche Gefühlsbewegungen von einer anderen Warte aus zu beobachten. So kann es sogar gelingen sich von solchen Emotionen zu lösen und sie nicht weiter anzufeuern, noch bevor sie überhandnehmen.

Ärger, Sorgen, Hass und Wut entstehen aus den Problemen der Persönlichkeit eines Menschen. Sie als solche zu entlarven heißt, sich seinen Emotionskörper bewusst zu machen, ihn mit Hilfe des beobachtenden Selbst zu erkennen, doch sich nicht mit ihm zu identifizieren. Wem das gelingt, der kann Negativität durch selbst erzeugte Hochgefühle ausgleichen, innere Blockaden überwinden und sich dabei über bisher unbewusste Schranken erheben. Er befähigt sich damit, seinen Emotionskörper in Balance zu bringen und so auch zu heilen. Wie von selbst wird er damit die inneren und äußeren Widersacher seiner Persönlichkeit bezwingen und für mehr Glücksempfinden in seinem Leben sorgen.

Immer also wenn einen belastende Empfindungen und negative Gefühle plagen, kann man sich sagen:

Ich empfinde diese Emotionen, doch ich bin mehr als meine Emotionen: Ich bin grenzenloses Bewusstsein, ewig und frei.