Indianer

Das indianische Medizinrad: Symbol der Unversehrtheit

von S. Levent Oezkan

Medizinrad - ewigeweisheit.de

Die Symbolelemente des Medizinrades verbinden die essentiellen Wesensmerkmale von Himmel, Mensch und Erde. Aus den vielschichtigen Bedeutungen dieses heiligen Zeichens, lassen sich die Einflüsse der Himmelsbewegungen ebenso ablesen, wie auch die Effekte ganzheitlicher Heilweisen. So beschreibt das Medizinrad, als Symbol indianischer Religion, die Eigenarten der Stammesrituale und der Lebensführung eines jeden Menschen.

Die makrokosmische Bedeutung dieses Symbols, stellt das religiöse Wesen menschlichen Zusammenlebens dar, im Einklang mit der Natur, Erde und Himmel. In seiner mikrokosmischen Bedeutung, erklärt es die Harmonie der Lebensaspekte im Individuum.

Das Wort "Medizin" im Namen aber, erstreckt sich über einen weiteren Bedeutungshorizont, als wofür wir es in unserer Sprache verwenden. Im Medizinrad nämlich verbirgt sich ein tiefgehendes System, dass im Kontext innerer Spiritualität gesehen werden muss. Das heißt, es hilft nicht allein dem Menschen bei Heilungsvorgängen, sondern führt jemanden zu erleuchtenden Erkenntnissen und Erfahrungen.

Im Folgenden wollen wir uns zuerst mit den äußeren, himmlisch-irdischen Aspekten des Medizinrades befassen, wie später dann mit den in ihm symbolisierten, inneren, menschlichen Aspekten.

Awwakkulé: Die magischen Menschen des Kleinen Volkes

Zu Ehren des Sonnengottes, begingen die amerikanischen Ureinwohner ihre Jahresfeste. Im Mittsommer fand der heilige Sonnentanz statt, an dem neue Initianden in die Geheimnisse der Medizinrades eingeweiht wurden. Das Wissen zur Durchführung dieser Initiationsriten aber, erhielten die Medizinmänner und Häuptlinge von sagenhaften Menschenwesen: den Awwakkulé. So nennt man in der Sprache der Crow, das geheimnisvolle "Kleine Volk". In verschiedenen mündlichen Traditionen werden sie als elfenartige, zwergwüchsige Menschen beschrieben.

Lange bevor die europäischen Invasoren auf den amerikanischen Kontinent kamen, erzählten sich die Arapaho, die Lakota-Sioux, die Cheyenne und die Crow, Legenden von diesem sagenhaften Kleinen Volk. Sie, so heißt es, waren Heiler mit magischen Fähigkeiten, die über eine besondere Medizin verfügten.

Zwergenmumie von San Pedro

Die Zwergmumie von San Pedro: Einst Magierin der Awwakkulé?

Begegnungen mit den Geistzwergen

Ist die Legende von den Awwakkulé aber nichts als nur ein indianisches Märchen?
Archäologische Funde weisen anscheinend auf das Gegenteil hin: 1932 stießen Goldgräber, auf eine sehr gut erhaltene, etwa 40 cm große Mumie einer Frau, die einst Mitglied dieses sagenhaften Volkes war. Man fand den kunstvoll mumifizierten Körper in einer Höhle, in den Bergen von San Pedro, im amerikanischen Bundesstaat Wyoming.

Jenen außergewöhnlichen Menschen, begegneten Anfang des 19. Jhd. aber auch Forscher einer Expedition. Auf ihrer Reise in den Westen der heutigen USA, im Jahre 1804, trafen die Offiziere Meriwether Lewis und William Clark, Angehörige des Kleinen Volkes in der Nähe eines heiligen Ortes: dem Medizinberg. Wie Lewis in seinem Tagebuch vermerkte, waren die Menschen etwa 45 cm groß, trugen riesige Köpfe auf kurzen Hälsen. Ihre kleinen Körper hatten runde Bäuche, doch ihre Arme und Beine waren außergewöhnlich muskulös. Daher die Redewendung der Crow, jemand sei "stark wie ein Zwerg".

Diese eigenartigen Zwerge beobachteten die Eindringlinge sehr genau, waren jene doch auf dem Weg, in eigentlich ihr Territorium, worin sich der heilige Medizinberg befindet. Jeden aber der sich diesem heiligen Ort zu nähern versuchte, töteten sie mit giftigem Pfeil. Das klingt recht märchenhaft, scheint aber weit mehr als eine Legende zu sein. Lewis vermerkte in seinem Tagebuch nämlich, dass die Angehörigen der Stämme der Omaha, Otoe und Lakota-Sioux, das Kleine Volk aus Angst mieden und sich überhaupt nicht erst in die Region des Medizinberges bewegten. So erzählt etwa eine Lakota-Sioux-Legende, wie einst hunderte Krieger wegen des Kleinen Volkes ihr Leben verloren, als sie versuchten sich dem Berg-Heiligtum zu nähern.

In den Volkssagen der Crow sind die Angehörigen des Kleinen Volkes, Menschen mit magischen Heilfähigkeiten. Jedes Jahr brachten darum die Crow, dem Kleinen Volk Opfergaben dar, um sie milde zu stimmen. Man wusste nämlich, dass die Menschen des Kleinen Volkes, Segnungen auf einen Günstling der Crow übertragen und ihn in die Gesetze der spirituellen Welt einweihen konnten. Darum also begaben sich Stammesmitglieder der Crow dennoch in dieses Gebiet, wo sich ein steinernes Medizinrad befindet.

In den Höhlen unterhalb dieses Medizinrades, sollen schon seit mehr als 10.000 Jahren die Angehörigen des magischen Kleinen Volkes gelebt haben. Ihre unterirdische Wohnstatt war angeblich über einen Steinhaufen im Innern des Medizinrades zugänglich.

Vom geheimnisvollen Sinn der indianischen Steinkreise

Einer der ältesten Medizinrad-Steinkreise, befindet sich im kanadischen Majorville und ist archäologischer Schätzungen nach, mehr als 5.000 Jahre alt.
Wie bei diesem befinden sich im Zentrum aller anderen Medizinräder, aufgehäufte Felsbrocken. Diesen Mittelpunkt des Medizinrades umringen Steinkreise, die strahlenförmige Steinlegungen mit dem Zentrum verbinden.

Die alten Medizinräder wurden jedoch immer wieder nachkorrigiert, verschiebt sich der Punkt der Frühlingstagundnachtgleiche doch alle 72 Jahre um 1°. Das heißt, die horizontale Position des Sonnenaufgangs rückt ganz allmählich immer weiter nach Westen.

Auf Grundlage dieser und anderer astronomischer Fakten, erforschte man die Himmelsausrichtungen einiger Medizinräder Kanadas und der USA. Dabei fand man, dass der innere Steinhaufen, der Ausrichtung des Betrachters diente, über dem er den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende beobachten konnte. Die Speichen der Medizinräder halfen dem Betrachter dann, kurz vor Sonnenaufgang, bestimmte Sterne am Horizont zu sehen. Sie waren, wie wir im Folgenden sehen werden, wichtig für die Bestimmung sakral günstiger Zeitpunkte.

Astrotheologische Bedeutung des Medizinrades

Ein verblüffendes Detail liefert das Medizinrad von Bighorn, im amerikanischen Bundesstaat Wyoming. Dieses, wohl aus dem 13. Jhd. stammende Steinmonument, befindet sich nahe eines 3.000 m hohen Gipfels.

Gemäß indianischer Tradition begaben und begeben sich auch heute noch, die Stammesangehörigen zum Medizinberg, um an diesem heiligen Ort zu beten, Visionen zu empfangen und so mit ihren Ahnengeistern Verbindung aufzunehmen. Der Steinhaufen in der Mitte des Medizinrades, diente auch als Opferplatz. So lag dort auch der Totenschädel eines Büffels, in Richtung des Sonnenaufganges.

Medizinrad – ewigeweisheit.de

Alte Fotografie des Medizinrades

Wegen seiner Höhenlage, ist das Bighorn-Medizinrad nur in der Sommerzeit, um die Jahresmitte zugänglich. Das sind die windstillsten Monate mit den längsten Sonnenstunden. Den Rest des Jahres bedecken das Medizinrad Eis und Schnee. Dann ist dieser Ort unzugänglich.

In der warmen Phase des Jahres, konnte man dort, kurz vor Sonnenaufgang, bestimmte Sterne am Horizont aufgehen sehen. Die Ausrichtung der Linien des Medizinrades deuteten damals auf die Positionen von vier Sternen: Formalhaut, Aldebaran, Rigel und Sirius – vier der hellsten Sterne am Himmel.

Was wollten die alten Medizinmänner daran ablesen?

Genau 28 Tage vor der Sommersonnenwende, ereignete sich der heliakische Aufgang des Sternes Formalhaut (den Aufgang eines Sterns nennt man heliakisch, wenn er am Horizont erscheint, kurz bevor er vom Licht des Sonnenaufgangs überstrahlt wird). Sein morgendliches Aufleuchten war ein wichtiges, astronomisches Zeitmaß, denn wenn nach dieser 28-tägigen Periode, kurz vor Sonennaufgang, dann der Stern Aldebaran am Morgenhimmel, über dem Horizont flimmerte, wusste man: in Kürze findet die Sommersonnenwende statt.

Weitere Himmelsmarker waren dann, wiederum 28 Tage später, der heliakische Aufgang des Rigel und weitere 28 Tage später, das heliakische Erscheinen des Hundssterns Sirius. Entsprechend dieser Perioden, die also jeweils 28 Tage dauern, etwa einen lunaren Monat, erbaute man das Bighorn-Medizinrad mit seinen 28 Speichen. Diese Zeitabschnitte von jeweils 28 Tagen, markierten einen sakralen Zeitpunkt, der für die Riten der Crow von Bedeutung war: das Fest des Sonnentanzes.

Skizze des Medizinrades – ewigeweisheit.de

Skizze der Positionen des Medizinrades:
A = Aufgangspunkt Aldebaran, B = Aufgangspunkt Rigel, C = Aufgangspunkt Sirius, D = Aufgangspunkt Formalhaut, E = Standpunkt des Beobachters des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende, F = Beobachtungspunkt der heliakischen Aufgänge der vier Sterne, G = Zentrum des Steinkreises

Der Sonnentanz

Kehren wir noch einmal zurück zu den sagenhaften Awwakkulé. Sie spielten im Glauben der Crow, eine ganz zentrale Rolle. Von ihnen bekamen sie das spirituelle System, dass hinter der Sonnentanz-Zeremonie steht. Und dieser sakrale Tanz, so die indianischen Weisen der Crow, gehört zu den ältesten Zeremonien der Menschheit.

Um den Sonnentanz zu feiern, baute man die sogenannten Sonnenzelte, deren Runddach 28 strahlenförmige Zeltbalken zusammenhielten – ebenso wie die 28 Steinstrahlen des Medizinrades. In dessen Mitte befand sich die zentrale Zeltstütze. Hieran banden sich die Teilnehmer fest. Dieser Stamm in der Mitt des Zeltes war ein Symbol für die Weltachse, über die die Erde mit der Welt des Himmlisch-Göttlichen verbunden ist. Die 28 strahlenförmigen Dachbalken, standen für den Zyklus von Licht und Finsternis, wie ihn der Mond reflektiert. Auch sind sie ein Abbild des heiligen Büffels, dessen Brust 28 Rippen zusammenhalten. Der Büffel bedeutete den Indianer in alter Zeit sehr viel. Er gab Nahrung und Kleidung, man stellte aus seinem Gerippe Werkzeuge und Geräte her. Aus Dankbarkeit dafür verehrte man die Seelen dieser heiligen Tiere, als Geistwesen, da sie den Indianern alles gaben, was sie zum Überleben benötigten.

Heilige Rituale im Sonnenzelt

Die Sonnenzelte nun, baute man zu Ehren der Awwakkulé. Eines der Ratsmitglieder des Sonnentanzes, war selbst Mitglied der sagenhaften Awwakkulé, durch das den Teilnehmern die Visionen und geistigen Einsichten übertragen wurden. Auch wer als bester Tänzer auserkoren wurde, oblag dem Ratsmitglied der Awwakkulé.

Diese Zeremonie aber wurde vor allem zur Sommersonnenwende gefeiert und dauerte 28 Tage lang, die man mit vier sehr intensiven Tagen des Rituals beschloss. Die darin ausgeführten Zeremonien ähnelten auch jenen anderer Stämme und waren begleitet von Tänzen, Gesängen und Trommelmusik. Man betete, meditierte und fastete.

Manche der Teilnehmer empfingen Visionen in das Geheimnis des Todes. Jene Initiationserfahrung aber war nur den Anwärtern der Krieger vorbehalten. Für die anderen Mitglieder bestand die Sonnentanz-Zeremonie überwiegend aus Gebeten, die man für sich oder einen Verwandten ausübte. Auf anderer Ebene, diente das Sonnentanzfest vor Allem der Sippe und der Erde.

Im Glauben der Crow hoffte man durch den Sonnentanz, regenerierende Himmelskräfte auf die Erde zu führen und damit das irdische Treiben, jedes Jahr zur Sommersonnenwende neu zu beleben – war das doch die Phase, in dem die Tage des Jahres wieder kürzer wurden und die Mächte des Todes wieder Einzug in das Leben von Mensch und Natur nehmen.

Indianischer Sonnentanz – ewigeweisheit.de

Indianischer Sonnentanz: ein wichtiger Bestandteil der Tradition des Medizinrades.

Eine äußerst schmerzhafte Einweihungszeremonie

Im Sonnentanz trafen die Stammesangehörigen zusammen, um ihren Glauben zu festigen. Der Sonnentanz hatte also eine spirituelle und auch soziale Bedeutung. Traditionell waren es Männer, die am Sonnentanz teilnahmen. Durch die besonderen Rituale des Sonnentanzes erkannten sie die Wesensbeschaffenheit des Universums und des Übernatürlichen.

Man erbrachte Opfer, teils durch besonders schmerzhafte Selbstkasteiungen, um sich dabei an die Todesgrenze zu führen. In einer so gesteigerten Trance, empfingen die Tänzer besondere Visionen, woraus sie Antworten auf ihre Lebensfragen erhielten. Sie durchstachen dazu ihre Haut an verschiedenen Stellen, durchzogen sie mit Schnüren und ließen sich daran aufhängen. Ziel dieser absichtlich herbeigeführten Schmerzerfahrung, war, das Leid der Frauen während der Geburt zu erleben. Man wollte so das Geheimnis des Blutes und des Schmerzes ergründen, ohne Krieg führen zu müssen.

Medizinrad der Lakota – ewigeweisheit.de

Das Medizinrad der Lakota-Sioux.

Das Medizinrad der Lakota-Sioux

Dieses Medizinrad bildet ein Kreis, der ein Kreuz umringt. Grundlegend stellt dieses Symbol den Erdkreis und die vier Himmelsrichtungen dar: Osten, Norden, Westen und Süden. Zwar stehen sich die Himmelsrichtungen gegenüber, wodurch sich das innere Kreuz bildet, doch seine Enden sind dennoch miteinander verbunden; dafür steht der äußere Kreis. Das also sind die vier Dimensionen des Medizinrades.

Würde man dieses Medizinrad horizontal legen, wiese der Kreuzungspunkte der Ost-West- und der Nord-Süd-Linien, nach oben und nach unten: die fünfte und sechste Dimension. Jene Kreuzung aber ist das Zentrum und bildet damit eine siebte Dimension. Das Medizinrad repräsentiert die Dimensionen, deren harmonisches Zusammenwirken sowohl Lebenszyklen, als auch die menschliche Gesundheit begünstigen:

  • Die vier Himmelsrichtungen,
  • das himmlische Prinzip des Vaters,
  • das irdische Prinzip der Mutter und
  • der Zauberbaum, als Symbol des Weltenpols.

Heilung mit dem Medizinrad: spirituell, psychisch, körperlich, emotional

Im Folgenden nun, wollen wir uns mit den vier ersten Dimensionen des Medizinrades befassen. Ihnen teilte man die vier Farben Gelb, Weiß, Schwarz und Rot zu. Sie stehen für die vier alten Kontinente in der Welt, die einst den Urkontinent Atlantis umgaben und heute bekannt sind unter den Namen Asien, Europa, Afrika und Amerika. Wäre die Welt heute vollkommenen, strebten die Menschen dieser Kontinente danach, sich miteinander zu verbinden. Unglücklicherweise, scheint das gegenwärtig jedoch nur schwer möglich zu sein.

Die Medizinmänner der Lakota-Sioux sagen, dass wir aus den vier Himmelsrichtungen heilige Gaben des großen Geistes (Gott) bekommen - in Form der vier Elemente Feuer, Wind, Wasser und Erde. Da nun jede dieser Himmelsachsen durch den Erdkreis miteinander verbunden sind, führen Ungleichgewichte im Süden (zum Beispiel Abholzung der Regenwälder, Störung des Erdelements) zu Ungleichgewichten im Norden (wie durch Stürme, sich als Störung des Windelements auswirkend). Und was sich im Großen abspielt, ähnelt auch dem, was im Leben eines Menschen vor sich geht: wer unter Depressionen leidet (Süden), dessen Denken (Norden) ist verwirrt.

Anmerkung:
Weiter unten im Text befindet sich eine Tabelle. Darin finden Sie die Zuordnungen der vier Himmelsrichtungen zu verschiedener Ebenen des Medizinrades. Wenn nun hinter einem Begriff oder Konzept, in Klammern eine Himmelsrichtung steht, soll Ihnen dass dabei helfen, in der Zuordnungstabelle Entsprechungen zu finden.

Das Wort Medizin im Namen dieses Symbols, steht für das menschliche Sein. Aus dem Osten strömt dem Menschen seine spirituelle Fähigkeit zu, aus dem Norden sein Intellekt, aus dem West seine Körperlichkeit und aus dem Süden seine Emotionen.

Kommt es zu einem Ungleichgewicht im Medizinrad, wird ein Mensch krank. Bei den Lakota-Sioux helfen die Medizinmänner, diese Disharmonien auszugleichen und beherrschen die große Fähigkeit, alle vier Aspekte im Gesamtzusammenhang zu betrachten und Menschen zu helfen wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Sie "entfernen" keine Krankheiten, wie es in der modernen Medizin der Fall ist, sondern helfen dem Betroffenen, seinen Symptomen entsprechend, sich aus sich selbst heraus zu heilen. So spielt der Kranke seine eigene Rolle im Heilungsprozess.

Noch immer versucht die moderne Medizin, diese verschiedenen Dimensionen menschlichen Daseins, voneinander zu trennen. Der Mensch aber steht eigentlich im Zentrum des Medizinrades und ist für die Wirkungen, die ihm aus den vier Himmelsrichtungen zuströmen, selbst verantwortlich. Dennoch glauben die meisten, dass sich andere um diese göttlichen Gaben kümmern müssen. Sie brauchen dann einen Priester oder Guru, der ihnen ihre Spiritualität (Osten) liefern soll. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht durch einen spirituellen Lehrer schneller ans Ziel kämen, als alleine. Eher soll auf die Passivität vieler Menschen hingewiesen werden, die vollkommen von ihrer spirituellen Kraftquelle abgeschnitten sind und auch nicht glauben, dass Spiritualität zuerst in ihnen selbst empfunden werden kann.
Für psychische Probleme (Norden) ist ein Therapeut wichtig. Natürlich kann er einem helfen, die eigenen Probleme selbst zu lösen. Was aber die westliche Medizin, zumindest mir vermittelt, ist, dass man zu jemandem geht, der einem ein Problem entfernt. Aus diesem Grund wird in der Chirurgie auch viel operiert und herausgeschnitten. Es scheint einfach an Zeit zu fehlen, die Ursachen der Unausgewogenheiten im individuellen Medizinrad zu erkennen. Wem das aber gelingt, kann Mangelerscheinungen durch die eigenen Stärken harmonisieren und ins Gleichgewicht zu bringen. Voraussetzung dafür aber ist die Kenntnis der eigenen Stärken. Heutzutage sind die meisten Menschen jedoch mit allem anderen beschäftigt, haben sich und ihr innerstes Wesen aber anscheinend vergessen.

Wer körperliche Beschwerden hat (Westen) geht einfach zu einem Arzt, der einem zum Beispiel etwas gibt, dass man einnimmt – ein Mittel aus dem Außen, dass das innere Problem beseitigen muss.
Man sollte aber vorsichtig sein, einfach nur die Schulmedizin als negativ abzustempeln, was in der alternativen Heilerszene viel zu häufig geschieht. Chirurgie und Allopathie einfach zu verteufeln, ist sicherlich ein falscher Weg. Denn beide gehören zum physischen Aspekt (Westen) des Medizinrades und erfüllen durchaus ihren Sinn.

Es sind eben alle vier Aspekte des Medizinrades untereinander verbunden und weisen ganz deutlich auf das oben angedeutete Problem: die meisten Menschen fühlen sich als Opfer äußerer Umstände, da sie nicht mehr über die zeitlichen, mentalen oder emotionalen Kapazitäten verfügen, um in sich, nach den Ursachen ihrer Probleme zu suchen.
Denn auch was unsere Emotionen angeht (Süden), dafür scheinen die meisten Menschen, am liebsten ihre Freunde und Familienangehörigen verantwortlich zu machen. Steht man dann nicht vollkommen unter der Kontrolle seiner Außenwelt?

So bleibt jemand unfähig alle vier Aspekte seines Daseins zu kontrollieren. Wie auch sollte er etwas in Griff bekommen, hat er doch für jeden Aspekt andere Menschen, die sich darum kümmern. Wer aber lernt, sich selbst im Zentrum seines individuellen Medizinrades zu sehen, kontrolliert diese vier Aspekte von innen heraus und wirt dabei gleichzeitig auch positiv auf seine Umwelt.

Wer den Glauben verloren hat, findet ihn wieder im Gebet. Wer nervös, verwirrt oder ängstlich ist, dem wird Meditation helfen. Einen kranken Körper und emotionale Probleme können Pflanzen heilen.

Das Medizinrad und die Kreisläufe des Lebens

Viele von uns haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sich geistig-nervliche Belastungen (Norden) negativ auf unser körperliches Befinden (Westen) auswirken, während körperliche Beschwerden auf die Dauer emotionale Depressionen (Süden) begünstigen (zum Beispiel bei Übergewicht). Doch wenn ein Mensch weiß, dass die vier Aspekte seines Daseins alle miteinander verbunden sind, kann er sich selbst helfen und mit einem dieser Aspekte, der am stärksten ausgeprägt ist, zur Harmonisierung der anderen Aspekte beitragen. Somit könnte eine spirituelle Ausrichtung (Osten) zur Harmonisierung des intellektuellen, emotionalen und körperlichen Wohlbefindens beitragen. Das diese Annahme berechtigt ist, zeigt uns etwa die Tatsache, dass Menschen, die sehr krank sind oder im Krankenhaus liegen, sich plötzlich öffnen und nach Rat eines Priesters suchen.

Alle vier Aspekte des Medizinrades sind also miteinander verbunden und wirken aufeinander.

Unsere Werte (Osten) sind der Maßstab für unsere Entscheidungen (Norden). Sie wiederum realisieren wir in unseren Handlungen (Westen), die uns zu bestimmten Reaktionen (Süden) bringen, woraus unsere Emotionen entstehen. Diese wiederum bestätigen oder erübrigen die Bedeutung unserer Werte (Osten). Damit schließt sich der Kreis und beginnt von Neuem. Verwenden wir also die Qualitäten, die uns aus den vier Himmelsrichtungen zuströmen auf diese, kreisläufige Weise, können wir jeder Zeit damit beginnen, unser Leben zu verändern und auch zu etwas Besserem zu führen.

Es scheint also, als wurzelte alles was wir tun, in unserer Spiritualität – dem was im Medizinrad dem Ort der aufgehenden Sonne entspricht: dem Osten. Alle Entscheidungen (Norden) die wir treffen, unsere Handlungen (Westen) und Reaktionen (Süden), entspringen unserem Wertesystem (Osten) – sei es religiös oder säkular, traditionell oder modern. Genau darum sprechen die Stammesältesten der Lakota-Sioux, von der Heiligkeit unseres Lebens und der eigentlichen Spiritualität, der all unsere Handlungen zu Grunde liegen. Sie sagen, dass wir auf unsere Gefühle hören sollten, stets unserer Werte bewusst. Damit stärken wir unsere Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen und ihnen gemäß, rechtschaffen zu handeln. So werden wir in uns selbst und in unserer Umwelt Harmonie vorfinden und zum Wohle allen Lebens beitragen.

  Rot Weiß Gelb Schwarz
Richtung Süden Norden Osten Westen
Kontinent Amerika Europa Asien Afrika
Tageszeit Mittag Mitternacht Morgen Abend
Jahreszeit Sommer Winter Frühling Herbst
Lebenszeit Jugend Alter Geburt Tod
Elemente Erde Wind Feuer Wasser
Krafttier Wolf Bison Adler Bär
Kraftpflanze Mariengras Zeder Tabak Salbei
Symbole Herz Geist Seele Leib
Empfinden Emotional Intellektuell Spirituell Körperlich
Verhalten Reaktionen Entscheidungen Werte Aktionen
Handlung Geben Empfangen Bestimmen Halten
Typus Lehrer Krieger Seher Heiler
Tugend Großzügigkeit Tapferkeit Weisheit Seelenstärke

Die mündliche Geheim-Tradition

Wir hatten uns im Verlauf dieses Textes nun mit den Wissensaspekten beschäftigt, die über das Medizinrad bekannt sind. Das magische Bild, dass die Symbolik des Medizinrades auf makrokosmischer, wie auf mikrokosmischer Ebene projiziert, zeigt ganz deutlich seinen universalen Sinngehalt. Sicher aber finden sich in den mündlichen Traditionen der noch heute lebenden Indianer, viele weitere Aspekte dieses heiligen Symbols, die für uns aber leider verborgen bleiben und vielleicht nur den Eingeweihten von Mund zu Ohr übermittelt werden.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass solch verborgenes Wissen ganz und gar nicht kompliziert sein muss, wie vielleicht manche glauben mögen. Naheliegend erscheint mir deshalb, dass es in einer mündlichen Tradition, um die Vollendung des hier vorgestellten Systems gehen könnte.

Wir sprachen ja über die verschiedenen Ebenen, die sich nach vier Himmelsrichtungen hin ausbreiten (siehe Tabelle). Was sich jedoch ausbreitet, hat einen Ursprung und bildet die Mitte. Sie ist die fünfte Himmelsrichtung im Medizinrad. Es ist eine polare Größe in der Welt: die kosmische Senkrechte. Sie durchstrahlt die unveränderlichen Wesensmittelpunkte von Himmel, Mensch und Erde. Auf der Erde repräsentiert sie die Polachse, um die sich unser Heimatplanet ununterbrochen dreht. Von der Himmelsmitte aus, erstrahlt das Licht ihres astralen Repräsentanten, ausgehend vom Hauptstern der himmlischen Konstellation des Kleinen Bären: Polaris.

Und so wie diese kosmische Senkrechte, als Weltachse Himmel und Erde durchragt, berührt ihr Strahl auch das Herz des Menschen. Dieses große Geheimnis erfahrend, wünscht sich der Initiand sein Leben mit den zyklischen Gesetzen dieser kosmischen Größen in Einklang zu bringen. Damit symbolisiert das Medizinrad den Weg des Herzens, auf dem einer zum ursprünglichen, wahren Menschsein zurückfinden kann.

Die besondere Struktur des Medizinrades ist, wie wir sehen konnten, universal, denn seit jeher verwendeten es die indianischen Weisen als Bestimmungsmittel für sakrale Zeitpunkte, Orte und Begebenheiten – zum Heil der Erde und der auf ihr lebenden Menschen. Daher vielleicht die Aussage mancher indianischer Weiser, dass das Medizinrad durch den Sonnengott vom Himmel auf die Erde kam. Schließlich bilden sich seine Symbolelemente (Kreuz, Pol und Kreis) ja genau dem kosmischen Tanz von Sonne und Erde entsprechend.

Wie wir sehen konnten, ist das Medizinrad ein universales Symbol zur Harmonisierung der Natur, eines Volkes und seiner Menschen. Seit bereits über 10.000 Jahren wird das Symbol darum zu diesen Zwecken verwendet. Wer also den Anweisungen folgt, die sich aus seiner Symbolik ablesen lassen, wird dazu befähigt, sein Leben zu Harmonie und Gleichgewicht zu führen.

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Was bedeutet "New Age"?

Was bedeutet "New Age"?

Anhänger der New-Age-Bewegung glauben an eine gegenwärtige Periode der Veränderungen, nach der die Menschheit in ein neues Zeitalter (engl. New Age) übergeht, wo alle in Frieden und Harmonie, als erleuchtete Menschen leben.

Charakteristisch für die New-Age-Bewegung ist, dass alles möglich ist. Das heißt, in Theorie, Praxis und Ritual werden ältere Formen der Spiritualität ins New Age übernehmen. Jemand der sich zur New-Age-Bewegung zählt, ist alles recht was an Gutem in den Religionen der Erde existiert. Gläubigen "anderer" Religionen, erscheint das darum oft als eine Art "kernlose Best-of-Religion".

Dennoch scheinen sich in der New-Age-Bewegung einige charakteristische Züge abzuzeichnen. Vor allem die Vorstellung, dass mit dem Kommen eines neuen Zeitalters, die Menschheit auf ein höheres Level des Bewusstseins gehoben wird. Damit erfolgt auch eine Verwandlung der Menschen hinsichtlich ihres spirituellen Bewusstseins. In dieser neuen Form der Wahrnehmung und des Denkens, werden Hunger, Krankheit, Rassismus und Kriege beseitigt. Diese Vorstellungen stammen aus den 1970er und 1980er Jahren, wo auch die Friedensbewegung entstand. Generell aber fließen im New-Age verschiedene ältere Vorstellungen zusammen, die beeinflusst sind vom Rosenkreuzertum oder den Lehren der modernen Theosophie. 

Vor allem aber sympathisieren die Anhänger des New Age mit fernöstlichen Weisheitslehren des Hinduismus und Buddhismus, sowie Romantisierungen sehr alter Religionen, wie etwa die der amerikanischen Maya oder Hopi. Tarot- und Wahrsagekarten, die Praxis von Yoga-Übungen und Meditation, Verwendung von alternativen Heilmethoden wie Akupunktur, Phytologie, vegetarische Ernährung und Geistigem Heilen (zum Beispiel Reiki) - all das sind Aspekte dieser spirituellen Bewegung, der es vor Allem auf Wohlsein ankommt. Daher auch die überwiegende Konzentration auf individuelle Freiheit, Relativität aller Dinge und freier spiritueller Entfaltung.

Anhänger der New-Age-Bewegung sehen sich wie gesagt in einer Phase des Übergangs in ein neues Zeitalter. Damit einher gehen Vorstellungen von einem bevorstehenden Ende der Welt, dass sich durch die gegenwärtigen sozialen, politischen und Naturkatastrophen ankündigt. Doch es soll eine bessere Zukunft folgen, als das, was unsere gegenwärtige Zivilisation ausmacht. 

Was die New-Age-Bewegung auch ausmacht, sind die viele Untergruppierungen, die sich mit teils sehr ungewöhnliche Themen beschäftigen, ja sich regelrechte neue Religionen herausbilden. Bestes Beispiel dafür ist die Forschung um die Existenz Außerirdischer auf unserem Planeten, sowie die damit verwandte UFO-Szene. Da glaubt man um das baldige Eintreffen von hochintelligenten Lebewesen aus anderen Sternsystemen (zum Beispiel von Sirius oder Aldebaran). Mit ihrer Ankunft auf dem Planeten Erde wird dann das Neue Zeitalter eingeleitet.

Doch es gibt auch andere Angehörige der Bewegung, die sich eher an Naturreligionen orientieren, wie etwa dem Schamanentum und dem Paganismus. Der Grund ist klar: wir leben in einer Zeit der Umweltverschmutzung und der Naturkatastrophen. Manche sehnen sich daher nach einem einfacheren, eher ländlichen Leben ohne Technik und Elektrizität. 

Auch wenn sich die UFO-Leute von der neue Paläo- oder Naturbewegung unterscheiden, glauben sie dennoch beide an das Kommen einer besseren, friedlicheren Welt.

Es ist ein rechtes Mischmasch verschiedener Vorstellungen und Glaubenssystemen alter Kulturen der Menschheit. Meist aber nur die positiven Aspekte jener Urvölker wie der Inkas, der alten Ägypter, des antiken Indien und der Nordamerikanischen Indianer, sind da wichtig. Der westliche Monotheismus wird eher skeptisch beäugelt. Man glaubt, dass es eine Zeit gab, wo die Menschen auf einem höheren spirituellen Niveau lebten (Stichwort: Atlantiszivilisation), als die heutige eher degenerierte Techno-Kultur, wo der Glaube an ein höheres Bewusstsein, immer mehr dem Glauben an die technologische Optimierung des Menschen zu weichen scheint.

Auch wissenschaftliche Themen spielen im New Age eine bedeutende Rolle. Denn die Erkenntnisse aus Relativitätstheorie und insbesondere der Quantenphysik, bestätigen viele Geheimnisse älterer Kulturen. Von den Erkenntnissen der Quantenphysik profitiert vor allem die Geistheiler-Bewegung.

Stellt sich die Frage, ob diese Form der Spiritualität das moderne Zeitalter überlebt oder ob sie nur eine temporäre Erscheinung war, im Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert.

Weisheit der amerikanischen Ureinwohner

von S. Levent Oezkan

Indianische Kunst - ewigeweisheit.de

In den Erzählungen der Indianer Nordamerikas liegt tiefe Weisheit. Ihr Wissen über das menschliche Leben auf dieser Erde, ist klar, einleuchtend und für jeden zu verstehen. Sie verwenden eine Sprache, die der Zuhörer nicht nur intellektuell begreift: ihre Redeweise wird gleichermaßen auf der Ebene des Herzens erfasst.

Für die Ureinwohner Nordamerikas ist die Erde ein lebendiges Wesen. Tiere, Pflanzen und Berge existierten dort, bevor der Mensch auf die Erde kam. Es scheint also, wir seien Gäste auf diesem Planeten - die aber immer mehr vergessen, wie kostbar die Natur für uns ist und das Leben, das jedes Jahr aufs Neue aus Mutter Erde hervorkommt. Die Natur gibt uns Atemluft, gibt uns Trinkwasser, Nahrung und Heilpflanzen.

Im Kern Ihrer Aussagen, ähneln die Weisheiten der Indianer, durchaus westlichen esoterischen Lehren. Hierzu habe ich für Sie Interviews übersetzt, die 2010 mit vier angesehenen Menschen der Mescalero Apachen, Crow und Hidatsa, Shoshone und der Salish, von Charles Eastman geführt wurden.

Zwar beziehen sich die Aussagen dieser indianischen Oberhäupter und Medizinmänner, in erster Linie auf das Leben der Indianer und die Probleme, denen ihre jüngeren Mitglieder ausgesetzt sind - doch eigentlich, treffen ihre Aussagen auch auf unser Leben zu. Schließlich leben wir doch alle gemeinsam auf diesem einen Planeten Erde.

Inés Talamantez: Lehrerin des Stammes der Mescalero Apachen

Über das Gebet

Der Geist ist wichtigster Teil des menschlichen Lebens. Niemand kann den Geist eines Menschen töten. Der Geist ist im Innern. Alles was zu tun ist, ist sich mit dem Geist zu verbinden - ihn zu ersinnen. Man muss sich garnicht in eine Kirche begeben um zu beten. Man kann überall beten, egal wo man sich gerade befindet. Der Schöpfer wird die Gebete erhören. Ja - es ist wirklich so einfach.

Wenn man sich alleingelassen, traurig und ängstlich fühlt, kann man einfach die Augen schließen und beten. Es müssen nicht einmal Worte sein, mit denen das Gebet durchgeführt wird, sondern es genügt nur in Gedanken zu sehen, was man braucht. Dann kann man sprechen:

Ich brauche Hilfe, oh Schöpfer. Bitte hilf mir, damit was ich tun muss. Zeige mit bitte den rechten Weg. Führe mich.

Man wird diese Führung bekommen. Wenn man wirklich ernsthaft betet, so wird man recht geleitet werden.

Die Mitglieder des Sonnenklans beten, damit am Morgen die Sonne aufgeht. Sie sehen sich in dieser Verantwortung. Sie beten, dass die Sonne aufgeht. Es ist die Kraft ihrer Gebete, ihrer gesprochenen Worte, die die Sonne hinter dem Horizont hervorbringt. Das hat nicht zu tun mit Magie. Es ist schlicht eine Form der Kommunikation des Selbst mit der Sonne. Man muss nicht unbedingt jemand sein, der speziell mit der Sonne arbeitet. Es gibt andere, die mit dem Wind, dem Meer oder einem besonderen Vogel arbeiten. Manchmal sind sie Adler, die frei fliegen wollen. Vielleicht ist es das, was jemand sein möchte. Wenn man frei sein möchte, kann ein Falke oder ein Adler als Vorbild dienen. So soll man also beten und sagen:

Wie bekomme ich diese Stärke, um frei zu sein, wie dieser Adler?

Der Vogel bewirkt gute Dinge, da er ja ein Teil der Natur ist. Und so ist es auch für einen selbst: man ist ja ebenfalls ein Teil der Natur. Wir alle sind Teil dieser Natur! Denn durch den Schöpfer kamen wir an verschiedene Orte in dieser Welt. Es macht keinen Unterschied woher man kommt, denn die gesamte Erde ist ein heiliger Ort.

Die innere Stimme

In der heutigen Welt, tun sich junge Indianer schwer mit der Frage, ob sie dem dem Weg ihrer Ahnen folgen sollen, oder dem, was man ihnen in der Schule beibringt.

Das kann für einen jungen Menschen sehr verwirrend sein. Es ist auch schwierig, dass die Regierungen in Zusammenarbeit mit den Kirchen versuchten, die Indianer von ihrem wahren Erbe abzubringen. Immer wieder, bis heute, sind junge Missionare aufgetaucht, die versuchten den Indianern ihren Glauben auszureden und sie damit von ihren Wurzeln zu entfernen. Man soll dem Durchschnitt angepasst werden, dem, was dem Mainstream entspricht.

Eigentlich aber sagt uns eine innere Stimme:

Du musst wissen, dass Du eigentlich ein wirklicher Indianer bist. Wieso gehst Du also diesen Weg und weichst ab?

Doch da wir auch Amerikaner sind, sind wir ebenso gezwungen auch diesen Weg zu gehen. Das ist eine schwierige Herausforderung - nicht nur für junge Menschen. Auch Indianern mittleren Alters, wie auch Stammesältesten, fällt es darum schwer ihre Tradition weiterzuführen. Es gibt aber eine Menge Leute die geschafft haben, in zwei Welten zu leben und beide Wege gleichzeitig zu gehen, mit dem Ziel die Tradition fortzuführen. Es sind jene, die es geschafft haben, das Wissen über die Sprache und die Kultur, und die Orte an denen sie aufgewachsen sind, zu bewahren und an ihre Nachkommen weiterzugeben. Denn die Tradition hat uns immer wissen lassen, dass das ursprüngliche, wie auch das heutige Amerika ein heiliges Land ist. Seit Jahrhunderten leben Indianer in diesem Land und sie kümmern sich darum.

Gebildete Indianer, Menschen die Richter geworden sind, Ärzte oder Lehrer: sie stellen sich die Frage:

Wie hat sich diese Entwicklung ausgewirkt auf mein Denken, auf meinen Körper und auf meine Spiritualität?

Das sind sehr wichtige Fragen.

Janine Pease: Lehrerin des Stammes der Crow und Hidatsa

Werte indianischer Kultur

Als junger Indianer weiß man, dass es eine Identität gibt, die darauf wartet angenommen zu werden. In der Tradition gab es viele verschiedene Wege und Formen, wie Krieger trainiert wurden, damit sie das darin Erlernte in ihrem Leben verwirklichten. Unter ihnen waren großartige Athleten, mit gesunden Körpern, die wussten wo man gesundes Essen findet und wie man es zubereitet, um sich gesund zu ernähren. Sie waren sehr stark und sehr gut trainiert. Auch kannten sie die wichtigen Orte ihres Landes in dem sie sich aufhielten. Sie wussten, welche Wege sie in ihrem Land gehen mussten, um von einem Ort an den anderen zu gelangen. Aus den Zeichen und Symbolen in der Natur, wussten sie zu lesen und konnten über viele Kilometer hinweg miteinander kommunizieren. Sie waren tief verbunden mit dem Schöpfer durch die Schwitzhüttenzeremonien und die Sonnentänze. Und all das, dieses spirituelle Leben, existiert auch heute noch. Der Weg des Kriegers ist für die jungen Leute in den Indianer-Reservaten immer noch verfügbar.

Es liegt nur an einem selbst, das Wissen, die Talente und Stärken eines Kriegers zu verstehen. Dieses Wissen lässt sich finden. Die Frage ist nur: kann man als so jemand, der diese Dinge gelernt hat, tatsächlich ganz alleine in der Natur überleben? Und sich von den Dingen ernähren, die man sammelt und jagt, ohne in den Supermarkt gehen zu müssen, ohne in die Apotheke gehen zu müssen? In den indianischen Reservaten ist das noch möglich. Das macht die Indianer aus: sie verfügen über das Wissen ihrer Ahnen und Vorfahren. Der Schöpfer gab ihnen Mutter Erde.

Es geht nicht nur darum auf einem Hügel zu stehen und zu beten, sondern man weiß als Indianer, dass Mutter Erde uns ein Leben ermöglicht und uns zeigt, wie man in dieser Welt lebt. Hierzu findet man Menschen in der Gemeinschaft, die einem zeigen können, wo sich essbare und medizinische Pflanzen finden lassen. So kann man sich selbst und der eigenen Familie helfen. Das Selbe gilt für die Musik und den Tanz, denn es gibt viele Arten zu tanzen.

In diesem Wissen wurzeln die Werte der indianischen Kultur, wovon eine große Kraft ausgeht. Die große Fülle an Liedern und Tänzen, die Möglichkeit, sich in der Gemeinschaft spirituell auszudrücken, steht jedem Krieger zur Verfügung. All diese Dinge und Werte der indianischen Art zu leben, macht aus einem Menschen eben genau den Indianer, der er ist.

James Trosper: Medizinmann des Stammes der Shoshone

Über die alten Wege

In Geschichten und Erzählungen werden besondere Werte vermittelt. Sie lehren uns ehrlich zu sein, lehren uns die Wahrheit zu sagen und zu versuchen, immer unsere Leidenschaften zu kontrollieren. Über diese Dinge sprechen alte Geschichten und Legenden. Manchmal ist es so, dass demjenigen, dem schlimme Dinge widerfuhren, falsche Entscheidungen in seinem Leben getroffen hatte oder er falsche Dinge tat, die zu seiner gegenwärtigen Lage führten. Aus den Legenden aber lernen die Indianer, wie man eben nicht sein, wie man eben nicht handeln soll, damit man man nicht in Schwierigkeiten gerät.

Der Wolf zum Beispiel, spielt in vielen dieser Geschichten eine wichtige Rolle. Er verkörpert in den Geschichten die guten Qualitäten eines Menschen. Das trifft auch zu auf den Ochsen. Man erzählt diese Legenden auch in den Zeremonien der Indianer. Durch sie lernen die Menschen.

Der Büffel als heiliges Tier

Wegen seiner Heiligkeit und der Bedeutung die er für das Volk hat, ist der Büffel Teil der rituellen Zeremonie. Als der Schöpfer unserem Volk diese Zeremonie übergab und sie uns lehrte, war der Büffel ein Mittler. Dies erfolgte wegen der Wichtigkeit, die diese Zeremonie in unserer Kultur hat. Der Büffel spielt eine ganz besondere Rolle in unserer Kultur. Jeder Teil des Büffels wurde verwendet und darum taucht der Büffel in vielen Zeremonien auf.

Die Trommeln die man verwendet, werden hergestellt aus Büffelhaut. Auch andere Gegenstände.

Insbesondere im Sonnentanz spielt der Büffel eine wichtige Rolle. Laut Legende, kam mit dem Büffel die gelbe Zeremonialfarbe. Sie wird dem Zeremonienmeister als seine Bemalung aufgetragen, da sie die Kräfte des Büffel repräsentiert. Auch die Gebete und Zeremonien die durchgeführt werden, erinnern an den Büffel. Darum ist der Büffel so wichtig.

John Arlee: Spiritueller Lehrer des Stammes der Salish

Das Wesen des Schöpfers in den Zeremonien

Die Salish feiern den Jahreszeiten entsprechend, bestimmte Zeremonien. Sie folgen dem Weg der Sonne, beobachten wie sie sich bewegt von Nordosten, bis nach Südwesten. Das heißt, zur Sommersonnenwende geht die Sonne im Nordosten auf, zur Wintersonnenwende südwestlich unter. So bewegt sich die Sonne im Jahresverlauf gen Süden. Im Winter bewegt sich die Sonne dann zu ihrem südlichsten Punkt: Das Zeichen des Mittwinters. In dieser Zeit werden die Winterzeremonien begangen.

Unter den Indianern und den Urstämmen, gibt es immer Menschen die beten für das gute Leben der Menschen, für alles was die Menschen zum Leben brauchen: Sie beten für die Ernte, für die Jagd und für die Gesundheit. Jeder tanzt, singt und betet. Und das ist etwas, was die Häuptlinge der Indianer in den Winterzeremonien tun: sie beten für das Gedeihen und gute Gelingen im neuen Jahr. Dabei tragen sie die Bürde ihres Stammes verantwortlich, aber auch ihre eigenen Lasten.

Zwei Tage widmen sie sich ihren Zeremonien. Es gibt verschiedene Indianerstämme, die für jede Jahreszeit einen Ritus abhalten. So hat jeder Stamm seine besondere Aufgabe, zu einer bestimmten Jahreszeit zu beten und dabei andere Indianerstämme in ihre Gebeten mit einzubeziehen, insbesondere die jungen Menschen unter ihnen. Für sie ist es wichtig zu verstehen, dass es Gebete gibt, die die Menschen untereinander verbinden. Dadurch wird das Stammesbewusstsein dieses kulturellen Erbes gestärkt und in der Durchführung dessen, halten sie ihre Verbindung mit dem Schöpfer aufrecht – in Dankbarkeit für alles das sie haben.

Die Ahnen der Indianer lehrten vom Wachstum der Dinge in der Natur. Im Frühling wachsen die ersten Beeren. Wenn man als Sammler eine Beere von einem Busch pflückt, spricht man mit ihr, wie eben zu einem menschlichen Wesen. Man sagt:

Danke das ich hier bin, das ich lebendig bin. Ich wünsche das meine Familie und die Menschen mit denen ich zusammen lebe, ein gutes Leben haben und sich weiterentwickeln. Auf das die bösen Geister fern bleiben. Ich hoffe auch das ich nächstes Jahr noch am Leben bin und dich wiedersehen werde.

Das ist was die Alten den Jungen überliefert haben: alles wurde vom Schöpfer zur Verfügung gestellt. So geht es also darum, all diese Pflanzen und Bäume, die einen umgeben, als solche Lebewesen auch anzuerkennen. Schließlich waren all diese Pflanzen und Lebewesen bereits hier, lange bevor der Mensch auf diesen Planeten kam.

Der Schöpfer schuf die Welt mit den Tieren, als Helfer für die Völker, für die Leute, für den Menschen. Darum schickte man schon immer Kinder auf die Berggipfel, damit sie sich dort mit ihren Totems, den Tiergeistern verbänden. Es können auch Felsen sein oder Seen oder Wälder oder Bäume, wo man dem eigenen Totem, seinem Krafttier begegnet und mit ihm in Verbindung tritt.

Krafttiere sind Beschützer, mit denen ein junger Mensch heranwächst. Und wenn man auf rechte Weise von diesem Krafttier erfährt und von seinem Wesen lernt, dann ist das gut für alle Menschen in der Gruppe, dem Stamm und dem Volk.

Leider aber gehen diese Dinge heute immer mehr verloren, so wie auch die kulturellen Traditionen, Glaube und Spiritualität, immer mehr verloren gehen. Es ist darum wichtig, dass sich junge Menschen erinnern an die Zeit ihrer Ahnen und Vorfahren, dass sie zurückschauen auf die Ursprünge ihrer Herkunft. So können sie sehen, wie die Menschen der indianischen Kultur lebten in alter Zeit. Mit solchem Wissen und Erfahrungen, können sie großartige Anführer und Krieger werden.

Eigentlich hat ja jeder Mensch ein gutes Herz. So würde eine Erinnerung, an die Wurzeln der eigenen Kultur, jedem Menschen helfen, ein gutes Vorbild für die Gemeinschaft zu werden.

Männergruppe der Salish vor ihren Tipis – ewigeweisheit.de

Männergruppe der Salish vor ihren Tipis (1903).

Über das Erbe

Die Indianer haben eine sehr alte Kultur. So wie die Vorfahren der Krieger ihr langes Haar in Zöpfen trugen, so wurde diese Tradition des Haaretragens, von ihren Nachkommen beibehalten.

Um von Generation zu Generation die Gebräuche und guten Eigenschaften eines Menschen weiterzugeben, braucht es Vorbilder. Vorbilder sind Männer und Frauen die aufrichtig sind. Aufrichtig im Sinne des Stolzes, den man seiner Kultur eben schuldet. Denn eigentlich suchen alle jungen Menschen nach einem Vorbild. Und so wie sich das Vorbild durch die Welt bewegt, so folgen die jungen Leute den Spuren dieses Vorbildes, den Spuren die dieses Vorbild hinterlässt.

Das Vorbild das aufrichtig ist, aufrichtig spricht, einen Weg geht der ihm entspricht und ein gutes Herz hat, dem werden die Kinder und Jugendlichen folgen und von diesem Vorbild lernen. Dann werden sie sich ebenso aufrichtig und stark durch die Welt bewegen, denn sie blicken zu jemanden auf. Sie lernen im Beschreiten des Weges, auf dem sie ihrem Vorbild folgen. Darum sollte man selbst immer ein gutes Beispiel sein.

 

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Genehmigung der World Wisdom, Inc., Bloomington, Indiana (USA). Übersetzung der Interviews aus Living in Two Worlds: The American Indian Experience von Charles Eastman (Ohiyesa), Schnitt: Michael Oren Fitzgerald.

www.worldwisdom.com

 

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