Kabbala

Magie in der Zeit vor der Sintflut

von S. Levent Oezkan

Sohar - ewigeweisheit.de

Im 13. Jahrhundert tauchte in Spanien ein sonderbares Buch auf: Der Sohar – dessen Namen sich wörtlich übersetzen ließe als »Das Buch des strahlenden Glanzes«. Seit jeher gilt es als bedeutendstes Schriftwerk der Kabbala.

Dieses Buch enthält Kommentare zum Schriftwerk der Hebräischen Bibel, sprich, also den fünf Büchern Moses. Besonders das erste Bucht ist von zentraler Bedeutung: Bereshith ראשית, auch griechisch »Genesis«. Bereshith aber bedeutet auf deutsch übersetzt »Im Anfang«, so wie eben das griechische Genesis »Ursprung« bedeutet.

Und viele Seiten des Buches Sohar widmen sich diesem Anfang der Bibel, wobei da die verborgenen Bedeutungen biblischer Wörter auf ihre mystische und magische Bedeutung hin untersucht werden. Jedem dieser Buchstaben des hebräischen Alphabets aber entpsrechen, neben seinem phonetischem und numerologischen Wert, außerdem noch geheime Symbole, die auf besondere Bedeutungen im Menschen und im Kosmos hinweisen.

Damit ist die Bedeutung des Wortes Bereshith ראשית eben nicht nur »Im Anfang«, sondern jeder einzelne Buchstabe erzählt selbst eine kleine Geschichte – was diesem Wort natürlich einen enormen Raum an Bedeutungen zugesteht. Somit ließen sich die im Buch Sohar besprochenen Techniken der mystischen Auslegung von Worten und Namen, auch als eine der Quellen für die numerologische Wissenschaft sehen. Denn auch in der Numerologie, werden verborgene Zahlenwerte hinter jedem Buchstaben eines Namens, ihrer Bedeutung nach analysiert.

Wenn nun die Rabbis das Buch Genesis fast Wort für Wort auf diese Weise interpretierten, fing sein Text quasi an zu atmen, wo in jedem Aushauchen eines Buchstaben quasi auch die Kräfte seiner mystischen Bedeutungen mit ausgelöst wurden. Auch aus beinahe unwichtigen Details der Bibel, eröffnen sich damit vollkommen neue Perspektiven der Interpretation. So scheint jedes Bibelwort und jeder heilige Name in sich, eine besondere Welt zu enthalten. Damit kann der Text der Heiligen Schrift auf vielen verschiedenen Ebenen analysiert werden. Und für so eine dedizierte Herangehensweise mystischer Betrachtung, wurde auch das Wort Kabbala gefunden. Es steht für das Vernehmen einer Geheimlehre, eines okkulten Wissens, hinter der Fassade aller Offensichtlichkeiten.

Dies wissend wurde natürlich auch das Buch Sohar geschrieben. Es unterhalten sich darin verschiedene Charaktere in Dialogform, die gemeinsam nach einer tieferen Auslegung des Bibeltextes forschen. So ist der Sohar gewissermaßen die esoterische Variante zum hebräischen Midrasch, der eine exoterische Auslegung der Bibel darstellt.

Die an diesem Dialog beteiligten Personen, sind Rabbiner. Im Folgenden sollen einige Textstellen aus diesem Schriftwerkes er jüdischer Literatur zitiert werden.

Rabbi Jose sprach:

Wegen seines Ungehorsams gegen Gottes Gebot, verlor der Mensch das Geheimwissen und die okkulten Mächte und Bedeutungen der Buchstaben des Alphabets – außer den beiden letzten Buchstaben ש Shin und ת Tav. Denn obwohl er sündigte, wurde die in ihm bewahrte Güte nicht gänzlich ausgelöscht. Als Zeichen seines Dankes für Gottes entgegenkommen, nannte er seinen (dritten) Sohn Seth שת (Genesis 4:25). Nach seiner Reuebekundung und Versöhnung mit seinem Herrn, eröffneten sich auch wieder die mystischen Geheimnisse und Mächte der Buchstaben. Dementsprechend aber in umgekehrter Reihenfolge ת Tav, ש Shin, ר Resh, ק Qoph, bis zu dem Tage, da die Kinder Israels am Fuße des Berges Sinai standen. Erst da erhielten die Buchstaben wieder ihre natürliche Reihenfolge, wie an dem Tag, da Himmel und Erde erschaffen wurden. Diese Umverteilung der alphabetischen Buchstaben, trug zum dauerhaften Wohl und Bestand der Welt bei.

Rabbi Abba antwortete:

Als sich Adam versündigte, begannen Himmel und Erde zu schaukeln und sehnten sich nach Auflösung in ihre ursprünglichen Elemente. Schließlich war der Bund zwischen Gott und den Menschen gebrochen, der Grund ihrer Existenz. Dazu sagt die Schrift,

Meinen Bund mit dem Tag und der Nacht werde ich niemals brechen, und die Ordnungen von Himmel und Erde lasse ich für alle Zeiten gelten.

- Jeremia 33:25

Wir wissen, dass dieser Bund einst brach durch die Übertretung des Gesetzes durch Adam, wozu die Schrift sagt

Die Israeliten sind mir untreu geworden, schon damals in der Stadt Adama. Und seitdem haben sie immer wieder den Bund gebrochen, den ich einst mit ihnen geschlossen habe

- Hosea 6:7

Hätte der Heilige bei Ankunft Israels am Berge Sinai nicht vorausgesehen, das sein Volk den Bund annehme, wären alle Himmel und die Erde aus ihrer Existenz verschwunden, zurück ins Chaos.

Darauf sprach Rabbi Hezekiah:

Der Heilige erlässt und vergibt jedem der sich zu seinen Sünden und Übeltaten bekennt. Schau da recht hin, als die Welt erschaffen wurde: der Heilige schloss einen Bund über jenen, für den die Welt fortbesteht. Daraus entnehmen wir die Bedeutung des Wortes Bereshith ראשית, das eigentlich so geschrieben werden sollte: bereרא, shith שית. Das bedeutet 'Er schuf das Fundament' oder den Bund, den der Buchstabe Yod י repräsentiert, im Zentrum des Wortes shith שית. Auch wenn es der kleinste aller Buchstaben des Alphabets ist, steht er dennoch für den Bund, durch den allen Menschen Segnungen zukommen. Als ihm ein Sohn geboren wurde, bekannte sich Adam zu seiner Sünde und der Heilige vergab ihm. Und darum nannte er ihn Seth שת, was die selben Konsonanten enthält wie das Wort shith שית, nur eben ohne Yod י, Symbol des Bundes, gegen den er verstieß. Außerdem symbolisiert den Heiligen Bund auch der Buchstabe Bethר, der einverleibt wurde mit ש Shin und ת Tav, als die Kinder Israels am Fuße des Berges Sinai standen und so gründete sich der Sabbath שרת, von dem es heißt,

Alle Israeliten – heute und in allen künftigen Generationen – sollen sich daran halten. Sie sollen den Sabbath feiern als Zeichen des Bundes, den ich mit ihnen geschlossen habe.

- Exodus 31:16

Rabbi Jose bestätigte:

Die beiden Buchstaben ש Shin und ת Tav wurden auf diese Weise assoziiert und als die Kinder Israels den Bund am Berg Sinai entgegennahmen, erwarben sie damit okkulte Geheimnisse und ein Verständnis für die mystische Bedeutung aller Buchstaben des Alphabets, außer ש Shin und ת Tav. Ihre (wahre) Bedeutung aber ging der Menschheit verloren.

Dazu sagte Rabbi Jehuda:

Seit der Geburt des Seth שת bis zur Ankunft der Kinder Israels am Berg Sinai, entfalteten sich allmählich die Geheimnisse der Buchstaben und enthüllten ihre Bedeutungen den Patriarchen. Doch dies geschah nicht vollständig, da sich die Buchstaben damals nicht in ihrer normalen Reihenfolge befanden wie heute.

Rabbi Eleazar sprach:

In den Tagen des Enosch (erster Sohn des Seth), waren die Menschen sehr bewandert in Okkultismus und den magischen Wissenschaften. Sie wussten auf die Naturkräfte Einfluss zu nehmen. Seit den Zeiten Adams, dessen Hauptbeschäftigung darin lag, die Blätter des Baumes der Erkenntnis von Gutem und Bösem genau zu studieren, besaß keiner solch magische Fähigkeiten wie Enosch. Er war es der dies okkulte Wissen lehrte und seinen Zeitgenossen überlieferte. Sie aber sollten es weitergeben an die Menschen vor der Sintflut, den aufdringlichen und verdorbenen Gegnern Noahs. Sie rühmten sich damit, wegen ihrer magischen Kenntnisse das Gericht Gottes abwenden zu können. In der Zeit des Enosch wurden die Menschen eingeweiht in das höhere Leben – davon kündet die Schrift. Dann begannen Menschen den Namen JHVH anzurufen.

Dazu meinte Rabbi Isaak:

Alle Gerechten die nach Enosch lebten, wie Jared, Methusalem und Henoch, taten alles in ihrer Macht Stehende, die Menschen an der Ausübung der magischen Künste zu hindern. Doch ihre Bemühungen sollten nutzlos bleiben. Ihre Gläubigen wurden stattdessen immer stolzer auf ihr Geheimwissen, rebellierten und zeigten dem Herrn Ungehorsam, sprachen

Wer ist Schaddai der Allmächtige, das wir ihm dienen sollten. Welchen Nutzen sollten wir haben, wenn wir ihn bis zum Ende anbeten?

So sprachen sie. Sie glaubten, dass sie mit ihrem Okkultismus und ihrer Magie, dem kommenden Gericht entgehen könnten, das sie vollkommen auslöschen sollte. Als sie ihre üblen Taten und Praktiken ansahen, sorgte der Heilige dafür, das sich die Erde zurückbewege in ihren Ausgangszustand und damit alles in den Fluten der Meere versank.

Nach der Sintflut jedoch, übergab er die Erde erneut der Menschheit. In seiner Gnade versprach er, dass sie niemals wieder auf so verheerende Weise zerstört würde. Dazu heißt es in der Schrift,

Der Herr thront über den Fluten, als König herrscht er für alle Zeit.

- Psalm 39:10

Der Wort für 'Herr' das hier steht, ist JHVH und nicht Elohim: der erste Name steht für die Gnade, letzterer für Härte und das Gericht. In der Zeiten des Enosch, wurden sogar Kinder eingeweiht in die Mysterien und das Wissen einer Geheimlehre.

Rabbi Jose fragte:

Wenn all das wahr ist, warum nur waren sie so unglaublich dämlich und blind, dass sie ungeachtet all ihrer okkulten Wissenschaften, trotzdem nicht die Sintflut vorhersahen, die der Heilige schon vorbereitet hatte?

Rabbi Isaak antwortete:

Sie wussten sehr wohl was geschehen würde. Doch wegen ihrer verdorbenen Herzen sprachen sie

Wir kennen die Engel die über Wasser und Feuer walten. Und unsere magische Wissenschaft wird uns befähigen uns vor ihrer Gewalt zu schützen.

Doch ach, wie dumm waren sie nur! Wussten Sie denn nicht, dass der Heilige über die Welt regiert und das durch ihn Urteil und Strafe über sie kommt? Die Engel verwirklichten seine Gebote. Das schien ihnen nicht bewusst zu sein – bis zu dem Tag der großen Flut und obwohl der Heilige Geist sie warnte, dass

die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr sein.

- Psalm 104:35

Der Heilige blieb ihnen gegenüber nachsichtig und ertrug still ihren Hochmut, so lange Jared Methusalem und Henoch lebten. Nach ihrem Hinscheiden, sollte das Gericht ihrer habhaft werden und sie wurden hinweggerafft wegen ihrer Sünden und Falschheit – so steht es geschrieben:

So vertilgte er alles, was auf dem Erdboden war.

- Genesis 7:23

Weiterlesen ...

Wie meditiert man in der Kabbala über den Namen JHWH?

von S. Levent Oezkan

Abraham Abulafia - ewigeweisheit.de

Als Gründer der Schule der ekstatischen Kabbala, verfasste Rabbi Abraham Abulafia einige Anleitungen zur Meditation. Eine davon verwendet den heiligen Namen JHWH. In der Meditation über diese vier urtümlichen Buchstabensymbole, erreichte Abulafia tief-ekstatische Zustände.

Die Buchstaben des hebräischen Alphabets, sind vervollkommnete Fortentwicklungen des phönizischen Alphabets. Sie entstanden aus Bildsymbolen, mit denen man den Anfangslaut des jeweiligen Symbols verband. Sie stammen aus einer Zeit, wo man diese, noch archaischeren Buchstaben, als magische Symbole einsetzte.

Die magische Verwendung dieser Bildsymbole, ist in etwa zu vergleichen mit dem, was in der nordischen Kultur unter Runenmagie verstanden wird.

Wer war der geheimnisvolle Rabbi Abraham Abulafia?

Abraham Abulafia (1240–1291) war einer der wohl bedeutendsten Kabbalisten im mittelalterlichen Spanien. Er bereiste den Orient, Griechenland und Italien. Abulafia war auf der Suche nach alten Geheimnissen der Magie und der ekstatischen Praktiken der Eingeweihten des Altertums.

Im katalonischen Barcelona macht er seine ersten Erfahrungen damit, was später als "prophetische Ekstase" bekannt wurde. So gewann er tiefe Einsichten in die Mysterien des Menschen und des Selbst. Über die Meditation, wie etwa über den heiligen Namen JHWH, sollte jemand auf diesem Pfad der Erkenntnis vorstoßen können, zu seinem wahren Selbst. Drum war die Ekstase für Abulafia, ein Zugang zum innersten Wesen des Menschen.

Besonders eigenartig war seine Wirken auf Papst Nikolaus III. Er stand mit dem Kirchenoberhaupt anscheinend in Kontakt und wollte ihn 1281 treffen, um ihn zum Judentum zu bekehren. Schließlich sah sich Abulafia selbst, als den lang ersehnten Messias der Juden. Doch der Papst verstarb in der Nacht vor Abulafias Ankunft. Abulafia entging nur knapp dem Scheiterhaufen, was er dem Kollegium der Franziskaner zu verdanken hatte. Im Jahr 1291 verstarb er aber - vermutlich in Barcelona.

Einziges Werk Abraham Abulafias, das heute erhalten geblieben ist, ist das "Sefer Ha-Oth" - das Buch des Zeichens (Buchstabens).

Abulafias Methode

Das System Abraham Abulafias, beinhaltet eine recht ungewöhnliche Form der Meditationspraxis. Sie zeichnet sich vor allem aus, durch ihrer Klarheit. Das heißt, auch für einen Anfänger, ist Abulafias System einfach zu verstehen. Außerdem beschreibt Abulafia in seinem Sefer Ha-Oth, warum seine Form der Meditation funktionieren muss. Er beruft sich dabei auf das Werk des jüdischen Philosophen Moses Maimonides (1135-1204), dass er ganz einzigartig in die Praxis der Kabbala-Meditation integrierte.

Abulafias Meditationstechniken zielen direkt darauf ab, auch tatsächlich besondere mystische Erfahrungen zu machen. Sie sind also weniger spekulative Versuche, die englische Welt und den Kosmos zu begreifen, als echte Anleitungen zu mystischer Erfahrung.

Gut möglich, dass sich Abulafias Formen der Meditation, etwas von jenen anderer jüdischer Eingeweihter unterscheiden. Sie gleichen eher den mystischen Traditionen anderer Religionen. So gibt es etwa in der christlichen Mystik Beschreibungen von Meditationen, die in der Ich-Form dargestellt wurden. Das heißt, einer erklärt sowohl das Meditationsrezept, wie auch die dabei gemachte Erfahrung aus der Ich-Perspektive. Gleichermaßen scheint Abulafia auch darauf hinzudeuten.

Manipulation der hebräischen Sprache

Das Besondere an den Übungen Abraham Abulafias ist, dass sie nicht allein bestimmte Bibelzitate oder Wörter verwenden, sondern es vor allem Buchstaben sind, die in seinen Übungen von zentraler Bedeutung sind. Dabei werden die Buchstaben eines heiligen Namens teils umgestellt oder mit anderen Vokalzeichen versehen. Nun muss hier hinzugefügt werden, dass das hebräische Alphabet aus 22 Konsonanten besteht. Vokale als solche, gibt es im Hebräischen eigentlich nicht. Es ist eine reine Konsonantenschrift, wobei aber, der einfacheren Lesbarkeit halber, die Buchstaben mit besonderen Vokalzeichen versehen werden. Diese Methode der Vokalisation, wurde im 8. Jahrhundert eingeführt. Die Vokalzeichen sind in etwa zu vergleichen mit den zwei Punkten auf dem Ä, dem Ö oder dem Ü, des deutschen Alphabets. In Alltagstexten werden die Vokalzeichen aber weggelassen.

Insbesondere in Abulafias Meditationspraxis, spielen die Vokalzeichen eine wichtige Rolle. In der Tora sind alle Wörter mit Vokalzeichen ausgestattet. Abulafia aber nahm nur die Konsonanten bestimmter Wörter und vertauschte darin die Vokalzeichen. Damit konnte er beim Meditieren frei assoziieren und so besondere Bilder im Geist hervorrufen.

Solche Bilder aber bleiben bedeutungslos, solange man nichts von den rezitierten Konsonantenfolgen kennt.

Gematrie: Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben

Wegen ihrer Zahlenwerte, werden die Bedeutungen bestimmter hebräischer Wörter miteinander verglichen. Besonders dann aber, wenn die Gematrie, also quasi die Numerologie ihrer Buchstaben identisch ist, fällt auf diese Wörter ein besonderes Augenmerk.

Für Abulafia war die gematrische Äquivalenz der Begriffe "Israel" יִשְׂרָאֵל (der von Gott an den Propheten Jakob verliehene Name) und "Sechel Ha-Poal" שֵׂכֶל הופֹּ֫עַל eine Besonderheit. "Sechel Ha-Poal" ist die Bezeichnung für den aktiven Intellekt.

Jeder hebräische Buchstabe nun, hat einen bestimmten Zahlenwert. Im Falle der beiden oben genannten Begriffe, ergibt sich als Summe der Zahlenwerte, jeweils 541:

יִשְׂרָאֵל Israel: 10+300+200+1+30 = 541

שֵׂכֶל הופֹּ֫עַל Shekel Ha-Poal: 300+20+30+5+6+80+70+30 = 541

Die Gematrie ergibt sich also aus der Summe der Buchstaben eines Wortes. Dafür gibt es viele weitere Beispiele. So hat etwa das hebräische Wort für die Poesie, "Shirah" שירה, den Zahlenwert 515. Den selben Zahlenwert 515 besitzen auch das Wort "Tiflah" תפלה, das Gebet – "Wa Echatanan" ואתחנן, "ich flehte" – als auch "Yeshara" ישרה, die Aufrichtigkeit. Sicherlich bewegen sich alle diese Begriffe in einem ähnlichen Kontext.

In diesem Zusammenhang seien natürlich auch die 72 Heiligen Namen genannt, wie sie in der praktischen Kabbala von Bedeutung sind (Buchtipp).

Meditation über den heiligen Namen JHWH

Eine der einfachsten Übungen, die in Abulafias Werk genannt werden, ist die Meditation über den heiligen Namen JHWH יהוה (Jod, Heh, Waw, Heh) – auch bekannt als "Tetragrammaton". Dabei werden die einzelnen Buchstaben dieses Namens ausgerufen, während sich der Kopf im Rhythmus des Atems, auf besondere Weise bewegt.

Für diese Meditation sucht man sich einen ruhigen und sauberen Ort, an dem man auf jeden Fall ungestört ist. Die Übung wird für ungefähr 20 Minuten durchgeführt. Schließen Sie dabei ihre Augen.

Beginnen Sie mit dem ersten Buchtaben des Tetragrammaton JHWH – dem J also. Sie sprechen den Konsonanten J mit diesen vier Vokal-Lauten: Oh (kurzes O), A, Ay, E und O (langes O). Jeder dieser fünf Laute wird mit einer entsprechenden Kopfbewegung gesprochen. Der Kopf bewegt sich dabei in Übereinstimmung mit der Atembewegung: mit jedem Einatmen bewegen sie sich in eine der entsprechenden Richtungen (oben, links, rechts, unten, vorn). Mit dem Ausatmen bewegt sich der Kopf wieder zurück in Normalposition. Daraus ergibt sich also folgende Form:

  • Einatmen – Kopf bewegt sich aufwärts
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Joh (kurz) ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach Links
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Ja ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach Rechts
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Jay ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach unten
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Je ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach hinten
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück, nach vorn in Ruheposition, während man Jo (lang) ausspricht.

Nachdem diese Meditation über den Buchstaben J durchgeführt wurde, setzt man sie für die übrigen drei Buchstaben des Namen JHWH fort. Das heißt also:

  • Hoh, Ha, Hay, He, Ho,
  • Woh, Wa, Way, We, Wo,
  • Hoh, Ha, Hay, He, Ho.

Diese Übung erzielt Wirkungen auf verschiedenen Ebenen. Da man jeden der vier Konsonanten des heiligen Namens JHWH mit den fünf hebräischen Vokalen ausspricht, hat man dabei irgendwie auch den "unaussprechlichen Namen Gottes" ausgesprochen.

Vor allem aber muss man sich während der Aussprache des Namens vollkommen konzentrieren, auf Atmung und Aussprache. Damit schafft man eben das, was auch die östlichen Traditionen durch Meditation erreichen wollen: die Gedanken an Alltägliches oder Sorgen zu unterbinden.

Wer diese Form der Meditationspraxis nach einiger Zeit vervollkommnet hat, kann sie weiter ausbauen. Man kann sich dann zusätzlich die hebräischen Buchstaben des Namen JHWH, während der Meditation visualisieren:

 

י    Jod


ה    Heh


ו    Waw


ה    Heh

 

Durch diese Kombination von Meditation und Visualisierung, lassen sich bemerkenswerte Ergebnisse erzielen.

Konzentration auf die Stille

Sie sollten unbedingt vermeiden, mit dieser Meditation, zu schnell etwas erreichen zu wollen. Gier kann nur Schaden anrichten. Es ist darum wichtig, dass Sie sich mit dieser kraftvollen Meditation Zeit lassen. Beginnen Sie zum Beispiel zuerst damit, den Kopf entsprechend der obigen Raumrichtungen mit dem Atem abzustimmen. Diese Übung lässt sich täglich für 20 Minuten, über eine Woche ausführen. In der Woche danach, können Sie damit beginnen die Buchstaben leise auszusprechen. Schließlich visualisieren Sie in der Woche darauf die vier heiligen Buchstaben als Bilder.

Meditieren heißt, zur Ruhe kommen und sich auf etwas Einfaches zu konzentrieren, um dabei den Kopf frei zu kriegen. Wer mit den heiligen Namen der Kabbala arbeitet, sollte allerdings wissen, dass er bei dieser Übung, durchaus mächtige Kräfte auslöst. Das eben sind jene mystischen Erfahrungen, die Abulafia jedem versicherte, der diese kabbalistische Übung durchführt.

Doch wie mit allen Dingen im Leben, kann etwas nur zur Vollkommenheit geführt werden, wenn man es richtig übt. Die oben beschriebene Methode also, ein, zwei oder dreimal durchzuführen und zu erwarten eine außerkörperliche Erfahrung zu machen, ist zwecklos.

Wer wirklich mit seiner Meditation weiterkommen möchte, muss täglich üben. So lange bis die Übung vollkommen beherrscht wird.

Sind Sie dazu bereit?

 

Weiterlesen ...

ROTA TARO ORAT TORA ATOR

von S. Levent Oezkan

In grauer Vorzeit verewigte eine geheimnisvolle Priesterschaft uralte Bildsymbole auf Steintafeln, um sie während der Katastrophe von Atlantis vor den Meeresfluten zu retten: Das Tarot. Neben anderen Relikten waren die Bilder des Tarot wenige der gebliebenen Urkunden einer Zivilisation, die wahrscheinlich vor 14.000 Jahren im Atlantik versank. Das ist der Mythos über den Ursprung des Tarot, der sich in esoterischen Kreisen bis heute erhalten hat.

Als Kartenspiel tauchte das Tarot im 14. Jhd. wieder auf. Doch nur für kurze Zeit, da der Klerus Spielkarten als Teufelswerk verbot und so versank das Tarot wieder im Untergrund. Erst mit der Aufklärung im 18. Jhd. kamen die Bilder als Kartenspiel in verschiedenen europäischen Städten wieder in Umlauf.
In dieser Zeit lebte in Paris ein Schweizer Theologe und Freimaurer: Antoine Court de Gébelin (1719-1784). Man nennt ihn heute den "Vater des esoterischen Tarot".
Für Gébelin war das Tarot eine Sammlung uralter Symbole, die aus dem ägyptischen Alexandria nach Europa kamen. Dort sollen sie vor ungefähr 2.000 Jahren aus den Regalen der brennenden Bibliothek von Alexandria nur knapp ihrer Vernichtung entgangen sein.

Court de Gébelin - ewigeweisheit.de

Antoine Court de Gébelin - Vater des "Esoterischen Tarot"

Das Buch des Thoth

Für Gébelin war das Tarot eine Nachbildung des geheimnisvollen Buches des Thoth. Im alten Ägypten war Thoth der Gott der Weisheit, der Magie, der Schrift und der Wissenschaften. Sein Buch enthielt gemäß Gébelins Behauptung besondere Bildtafeln der Initiation, die den Hermespriestern gegeben wurden, um sie in die hermetischen Lehren einzuweihen (Hermes, griechisch, und Thoth, ägyptisch, sind identische Götter).
Mit solchen Geschichten traf Gébelin natürlich den Nerv der Zeit, denn jeder wollte die Bilder dieses außergewöhnlichen und kostbaren Buches kennenlernen. Die Neugierde vieler seiner französischen Zeitgenossen galt allem was mit dem antiken Ägypten zu tun hatte.

Gébelin sah die Tarotkarten zum ersten Mal im Hause eines Freundes in Paris. Nachdem er von ihm erfuhr, dass das Spiel mittlerweile in vielen Städten Europas bekannt war, bewog dies Gébelin seine wahre Herkunft zu ergründen. Nach intensiven Recherchen gelangte er zur Auffassung, dass sich in den Tarotbildern die Schlüssel zur Weisheit und den okkulten Kräften der Alten Welt befinden. Diese Theorie fand zahlreiche Unterstützung.

Das Rad des Tarot

Gébelin sah in dem Namen Tarot das altägyptischen Wort Tarosh: "Ta" der König und "Rosh" der Weg - also ein Königsweg der Erkenntnis und Einweihung.
Für solch einen Königsweg steht im großen Arkanum des Tarot die 4. Karte: Der Kaiser (auch: Der Herrscher), der in den kleinen Arkana durch die vier Hofkarten vertreten wird – bei Edward Arthur Waite betitelt als König, Königin, Ritter und Bube, während sie bei Crowley als Ritter, Königin, Prinz und Prinzessin genannt werden.
Jede Hofkarte erscheint in vier Tarotfarben, nämlich den Stäben, den Kelchen, den Schwertern und den Münzen, die ihrerseits wieder einem alchemistischen Element zugeordnet sind: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Da die Tarotsymbolik einen engen Bezug zur Astrologie hat, korrespondieren die vier Tarotfarben mit den vier Kardinalzeichen der Sonnenstationen:

Kreuz im Kreis, Symbol der Erde - ewigeweisheit.de

Das Kreuz im Kreis - Symbol der Erde.

  • Stäbe mit dem Widder der dem Feuerelement zugeordnet ist, während
  • Kelche dem Krebs entsprechend das Wasserelement repräsentieren,
  • Schwerter mit der Waage korrespondierend dem Luftelement entsprechen und
  • Münzen (Pentakel) dem Steinbock und dem Element Erde zugeordnet sind.

Die Sternzeichen bilden im jährlichen Sonnenzyklus vier Punkte, die mit einander verbunden ein Kreuz in den Erdkreis zeichnen und diesen in die vier Jahreszeiten unterteilen. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Sonne in das Sternzeichen Widder eintritt, findet die Frühlingstagundnachtgleiche statt, mit dem Krebs die Sommersonnenwende, mit der Waage die Herbsttagundnachtgleiche und schließlich die Wintersonnenwende mit dem Steinbock. Die Zahl Vier bildet ein astronomisches Verhältnis der Himmelsbewegungen von der Sonne zur Erde. Dieses Gesetz kannte man auch im alten Ägypten. Die Sonnenstationen zeichnen auf der Erde den jährlichen Agrarzyklus: Aussaat, Durchbruch der Sprossen, Reifung und Ernte. Im alten Ägypten war das Einsetzen der Nilflut der Höhepunkt im landwirtschaftlichen Jahreskreis, da sich mit ihr fruchtbarer Ackerschlamm über die Felder ergoss. Die Flut ereignete sich jedes Jahr im Sommer zur Zeit des heliakischen Aufgangs des Sirius, dem die 17. Karte, "Der Stern" entspricht.

Der Stern im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Tarot-Trumpf Nr. 17: Der Stern.

Man sieht auf dieser Karte einen großen Stern, der von 7 kleinen Sternen umgeben ist, unter dem ein Fluss hindurchläuft und ein junges Mädchen Wasser über das Land gießt. Dieses Mädchen ist die Göttin Hathor - die Tochter des ägyptischen Sonnengottes. Hathor nannte man im Ägypten die "Herrin der Sterne". In alten Hieroglyphentexten wurde sie häufig als Kuh dargestellt und war Göttin der Feuchtigkeit. Von Hathor kam der Regen, der die Quellflüsse Weißer und Blauer Nil füllte und so das Ansteigen des Flusspegels in Unterägypten bewirkte (auf der rechten Seite der Tarotkarte "Der Stern" deuten die Rinnsale das Nildelta an).

Als "Himmelsgöttin des Westens" war Hathor die Wächterin am Eingang zur Unterwelt, wodurch die Sonne jeden Abend verschwand. Für die Ägypter war es der Eingang der Seelen, die in einer Nachtmeerfahrt den Geschmack der Körperlosigkeit probierten und schließlich mit der Sonne jeden morgen im Osten zurück kehrten. Für diesen ewigen Kreislauf steht im Tarot das "Rad des Schicksals" (auch: "Glücksrad").

Über die esoterische Bedeutung des Wortes Tarot

Verschiedene Riten und Gebräuche prägten den Staatshaushalt der altägyptischen Agrarkultur bis in die Zeit des Neuen Reichs (16. bis 11. Jh. v. Chr.). Sie wurden zu Ehren lokaler Gottheiten gepflegt. Mit Pharao Tutmosis I. wurde als Sonnen- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Ra eingeführt. Fünf Generationen später schaffte Echnaton (Amenhotep IV.) den Vielgötterglaube ab. Er erhob die Sonnenscheibe Aton zum höchsten und einzigen Gott der Ägypter – das war die Geburt des Monotheismus.

Der Okkultist Edward Arthur Waite, wie auch der Psychiater Sigmund Freud, sahen den jüdischen Monotheismus als das durch Moses vermittelte Erbe der Religion Echnatons. Mit den Nachfahren Moses kam dieser Eingottglaube nach Palästina. Aus dem ägyptischen Gottesnamen "Aton" entwickelte sich vermutlich der jüdische Name "Adon", aus dem wiederum der Gottesname "Adonai" entstand: "Mein Herr" (Adon = Herr).
Der Gottesname Adonai wird seinerseit verwendet um den vierbuchstabigen "unaussprechlichen Namen des Herrn" JHVH (Tetragrammaton) zu benennen (JHVH wir gesprochen "Jod-Heh-Vaw-Heh", hebräisch יהוה), auch bekannt als "Jehova" oder "Jahve". Kabbalistisch entsprechen den vier Buchstaben des JHVH die Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde.

Die Rad des Schicksals im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Tarot-Trumpf Nr. 10: Das Rad des Schicksals. Es weist prinzipielle Ähnlichkeiten mit dem fernöstlichen Kala-Chakra auf - dem Rad der Zeit. Außerdem erkennt man bei genauerem Hinsehen auf dieser Karte auch die vier Buchstaben T-A-R-O, sowie die hebräischen Buchstaben des Tetragrammaton.

Aus der Sonnenzahl Vier erhalten wir durch theosophische Addition die Zahl Zehn, da 1 + 2 + 3 + 4 gleich 10 ist. Zehn "Früchte" wachsen auf dem kabbalistischen Lebensbaum (siehe Abb. am Ende dieses Artikels). Im Tarot heißt die 10. Karte "Rad des Schicksals", auf dem in den vier Ecken die vier Evangelisten Markus, Johannes, Matthäus und Lukas als Tetramorph abgebildet sind. In der Mitte der Karte sieht man ein Rad, das die vier hebräischen Buchstaben י ה ו ה enthält – wie wir oben gesehen haben, ist dies der wichtigste Gottesname im jüdischen Glauben.
In diesem drehenden Lebens- und Sonnenrad platzierte Waite außerdem noch die Buchstaben des Wortes "TAROT". Da der Name mit einem T beginnt und mit einem T endet, kann er in einen Kreis gestellt, auch nur mit einem T geschrieben werden. So ergibt sich das Bild, dass Waite als die vier lateinischen Buchstaben T A R O mit den vier Buchstaben des Gottesnamens י ה ו ה auf der 10. Karte in ein Kreuz im Kreis zeichnen ließ: das hermetische Sonnenkreuz (bei genauem Hinsehen, finden wir darin auch die Symbole der drei philosophischen Elemente Sulphur, Mercurius und Sal, sowie das astrologische Zeichen des Wassermanns). Inspiriert vom französischen Renaissancegelehrten Guillaume Postel, entwickelte Waite in Anlehnung an Gébelins Königsweg, gemäß der fünf Bücher Moses aus TARO ein Anagramm aus fünf Wörtern:

ROTA TARO ORAT TORA ATOR

Daraus leitete Waite für jeden der vierbuchstabigen Worte, ihrer Lautform gemäß, besondere Bedeutungen ab:

  • ROTA auf lateinisch "Das Rad", ein Begriff für das höchste römische Gericht des Papstes, der im Tarot durch die 5. Karte repräsentiert wird "Der Hierophant".
  • Das göttliche Gesetz steht in Zusammenhang mit Fortuna, der römischen Glücksgöttin, die günstige oder ungünstige Ereignisse hervorbringt. Damit entsprechen die vier Buchstaben des TARO dem "Spiel des Glücks", dem Tarot selbst.
  • Das Wort ORAT ist das lateinische Partizip von "oro", das für das "anbeten" oder die Befragung eines Orakels steht: "weissagen".
  • Die TORA ist das heilige Buch des Judentums (hebr. תורה), das "Gebot", die "Weisung".
  • ATOR ist ein Synonym der altägyptischen Fruchtbarkeitsgöttin Hathor, die, wie wir oben gesagt haben, auch die Einweihung in die Mysterien des Todes verkörpert.

Der Satz ROTA TARO ORAT TORA ATOR kann vielfältig gedeutet werden, denn es gibt mehrere Auslegungsmöglichkeiten. Man kann ihn allgemein mit folgendem Wortlaut übersetzten:

"Das Rad des Tarot weissagt das Gebot der Einweihung"

Man könnte diesen Satz auch als Urteil des göttliches Gerichts deuten, das uns durch die Bilder des Tarot in unser eigenes Schicksal einweiht.

Der Magier im Tarot - ewigeweisheit.de

Der solare Ritus im Tarot

Unser Schlaf- und Wachrhythmus, unsere Ernährung, die damit erzeugte Körperwärme, resultieren letzten Endes alle aus dem Wirken des Sonnenlichts. Menschen aßen schon immer die Pflanzen, die der Jahreszeit gemäß wuchsen. In größerer Gemeinschaft lebend, entwickelten sich vor etwa 10.000 Jahren die ersten Ackerbaukulturen (im Übrigen bedeutet das lat. Wort cultura, Ackerbau) und die damit begangenen Feste der Aussaat und Ernte.
Und da das Wachstum der Pflanzen immer mit der Sonnenphase in den Jahreszeiten zusammenhängt, glaubten die alten Menschen, dass dies ein Vorbild auch für das menschliche Seelenleben sei.
Die Sonne wurde deshalb als Stellvertreterin des in unserem Körper befindlichen Seelenfunken angesehen. Dieser Lichtsame in uns stellte für die alten Menschen das inkarnierte Selbst dar, das in unserem geistigen Herzen verborgen liegt –, der mikrokosmischen Sonne unseres Körpers. Alle Adepten, Avatare und Herabgestiegenen waren immer irdische Repräsentanten dieses Sonnengeheimnisses gewesen, die durch ihren eigenen Lebens- und Leidensweg die solaren Seelenfunken des einzelnen Menschen und ganzer Völker aus der Schale des Körpers zu lösen versuchten. So rettete in der indischen Bhagavad Gita der solare Held Ajurna mit Hilfe des erleuchteten Krishna sein Volk. Der solare Prophet Moses führte die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft und Christus als Verkörperung des Sonnenlogos, starb am Kreuz für die Sünden der Menschen.

Der Tarot-Trumpf Nr. 1: Der Magier. Vor ihm liegen die vier Farben des Tarot: Stab, Kelch, Schwert und Münze (Pentakel). Er ist der Repräsentant der hermetischen Mysterien. Die Haltung seiner beiden Hände deuten auf das hermetische Prinzip: "Das was oben ist, entspricht dem was unten ist. Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen." Dieser "Einigkeit" von Mikro- und Makrokosmos schuldend erhielt dieser Tarottrumpf die Zahl Eins.

Die Christen feiern dieses Sonnengeheimnis theoretisch jedes Jahr mit der Geburt des Jesuskindes an Weihnachten, denn ab dem 24.12. nehmen die Sonnenstunden wieder zu, während die Auferstehung des Christus an Ostern das Überwiegen der Sonnenstunden und Unterliegen der Nachtstunden zelebriert - der Sieg der Licht- über die Finsterniskräfte.

Das Heraustreten aus dem Kreislauf der Leiden (Rad der Zeit), wird im Tarot durch die 19. Karte versinnbildlicht "Die Sonne". Es geht darum das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Handeln entspricht im Hebräischen dem Buchstaben Kaph כ, Hand. Dieser Buchstabe entspricht im Sefer Yetzirah auf himmlischer Ebene wiederum der Sonne, im Tarot der 10. Karte "Rad des Schicksals". Nach und nach wird deutlich welche initiatorische Bedeutung die Karten 1, 10, 19 haben.

Der Narr im Tarot - ewigeweisheit.de

Der Narr im Tarot - der eigentliche Held!

Die Null 0 entspricht dem "Narren". Er ist der solare Archetyp des Reisenden, der durch die 21 großen Arkana seinem Schicksal entgegenschreitet. Synonym verbildlicht der Narr die Reise unserer Seele durch die Welt. Er verinnerlicht alle anderen Werte der 21 Tarotkarten, denn eine Zahl die man zur 0 addiert, ergibt immer diese Zahl. Mit der 1. Karte "Der Magier" wird ihm "das Gesetz" gegeben - die zehn Gebote der Tora. Auch Moses war ein in die ägyptischen Mysterien eingeweihter Magier. Da er das göttliche Gesetz befolgte, schien ihm nichts unmöglich zu sein, denn er konnte die unbegrenzten kosmischen Kräfte vom Himmel herableiten, um Wunder auf Erden zu vollbringen (Teilung des Meeres, usw.).

Der Narr durchschreitet neun weitere Arkana, bis er zum Rad des Schicksals kommt – die Zehn. Diese Zahl korrespondiert zum einen mit der Vier (siehe oben) und über ihre Quersumme mit der Eins (1 + 0 = 1).
In seiner Abwärtsbewegung durch den Kreis der 21 Tarot-Trümpfe wir der Narr mit dem Passieren der zehnten Karte (Rad des Schicksals) von den Kräften der Finsternis in die Tiefe gezogen und dabei in die Mysterien der Erde eingeweiht. Während er sich daraus wieder befreit, tritt er mit der 19. Karte - Die Sonne - am Tage heraus - um wiedergeboren zu werden. Auch die 19 bildet als Quersumme die Zehn des Schicksalsrades, sowie die Eins des Magiers - denn 1 + 9 = 10 und 1 + 0 = 1.

Die 21. Karte steht für die von ihm wiederhergestellte "heile Welt", die in sich bereits wieder den Keim für einen neuen Zyklus enthält. So ist es auch mit unserer Seele. In der Kabbala steigt sie über die 10 Lebensfrüchte entlang der 21 Zweige hinab in das "Königreich des Körpers", um durch die Einweihung wieder in entgegengesetzter Richtung aufzusteigen und mit dem Tod zu ihrem göttlichen Ursprung zurückzukehren, um dereinst erneut zu inkarnieren.

Tarot-Baum - ewigeweisheit.de

Der Lebensbaum der Kabbala: Jeder der 22 Pfade zwischen den 10 Sefiroth, entspricht einer der 22 Großen Arkana.

Weiterlesen ...

Die 10 Sefiroth im Kabbala-Lebensbaum

In zweiunddreißig wunderbaren Pfaden der Weisheit zeichnete Jah, JHVH Zabaoth, der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, der ewig lebendige Gott, gnädig, barmherzig und hoch erhaben, lebt er in der Höhe und bewohnt die Ewigkeit, sein Name ist heilig. Er erschuf sein Universum durch drei Zählprinzipien: Zahl, Zähler und Erzähltes.

– Sefer Yetzirah I:1

Der kabbalistische Lebensbaum, der Etz Chaim (hebr. עץ חיים), ist ein zentrales System der Kabbala und beschreibt die Emanationen der göttlichen Schöpfung, wie diese im Buch der Formgebung, dem Sefer Yetzirah (hebr. ספר יצירה), beschrieben werden.Kabbala Lebensbaum nach Selim Oezkan

Der Lebensbaum ist untergliedert in Dreierpaare, welche sich aus den zehn Urziffern, den Sefiroth (sing. Sefira) in bestimmter Weise gruppieren. Über kabbalistische Gesetzmäßigkeiten, die sich aus einem System von 22 Pfaden ergeben, sind diese 10 Urspähren der Sefiroth untereinander auf geheimnisvolle Weise verbunden. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang zum hebräischen Alphabeth und den Karten des großen Arkanums im Tarot.

Das Urlicht, das Ayn Soph (oder En Sof), welches man auch als das unendliche, unbegrenzte, unsichtbare Licht Gottes begreifen könnte, fließt aus einer Welt, die man mit der platonischen Lehre von der Welt der Ideen vergleichen kann. Aus diesem, einem Chaos ähnelndem Zustand, entspringt die erste Motivation der Schöpfung Gottes, seine erste Bewegung, die durch seine Kontraktion und Expansion die 10 Sefiroth aus dem reinen Urlicht entstehen lässt. Diese 10 Sphären des Ur-Seienden entfalten sich in die vier Welten: Assia, die Welt der Handlung, Yetzirah, die Welt der Formung, Briah, die Welt der Kreation (oder Schöpfung), und der Welt Atziluth, die sich in einer übernatürlichen Dreiheit über den diesseitigen, darunterliegenden, seelisch-stofflichen Emanationen, gleich einem geistigen Baldachin schwebt, der mit den unteren Welten über die verborgene Sefirah Da'at verbunden ist.

Zwischen der reinen Bewusstheit und dem Unterbewusstsein, liegt im Baum des Lebens das Denken: links, in Sefira Hod, das analytische Denken, rechts davon in Sefira Netzach das kreative Denken.

Die oberste Sefira Kether, stellt hierbei die Anwesenheit Gottes in der Schöpfung dar, während die unterste Sefira Malkuth, die Materie beschreibt (die Erde, unseren Planeten). Zwischen diesen Beiden Entitäten, liegt das menschliche Bewusstsein, Sefira Tiferet. Zwischen dem Bewusstsein und dem Irdischen, liegt das Unterbewusstsein, welche der Sefira Yesod entspricht.

Die rechte Seite des Etz Chaim, beschreibt daraus folgend, das nehmende, weibliche Prinzip (man stelle sich dies natürlich umgekehrt im menschlichen Körper selbst vor: die linke Seite des Baums, entspricht der rechten Seite des menschlichen Körpers und umgekehrt), welches sich durch die Sefirah Chokmah manifestiert, das gebende, männliche Prinzip, auf der linken Seite, manifestiert durch die Sefira Binah.

Es gibt sieben irdische Sefirot (Malkuth, Yesod, Netzach, Hod, Tiferet, Geburah, Chesed) und drei himmlische oder göttliche Sefirot (Binah, Chokmah, Kether). Diese sind voneinander getrennt und werden über die Erkenntnis (Daat) überbrückt.

In meiner Veranschaulichung finden sich ausserdem, am Fuß der Illustration, die drei Säulen: die Härte (Binah, Geburah und Hod), die Milde (Kether, Tiferet, Yesod und Malkuth) und die Barmherzigkeit (Chokmah, Chesed und Netzach).

Links des Baumes versuche ich die sieben Ebenen dieser Entitäten des menschlichen Seins mit den Chakren aus der fernöstlich-indischen Tradition in Verbindung zu bringen.