Lebensaufgabe

Was ist mir bestimmt?

Was ist mir bestimmt?

Jeder der seine eigentliche Lebensaufgabe finden will, muss sich dafür selbst auf den Weg machen. Niemand sonst kann diesen Weg antreten, führt er doch jeden von uns zu seiner höheren Bewusstheit – etwas, das sich nicht außerhalb unseres Seins befindet, sondern auf diesem Weg, in uns gefunden und beschritten werden will.

Auf diesen Pfad begibt sich einer, der von der Existenz eines Höheren Selbst ausgeht und glaubt, dass die Seele an ihre weltliche Inkarnation gebunden ist. Es ist dieser Pfad, der das Geistige und das Seelische verbindet.

Am Wichtigsten dabei aber ist, dass wir mit Gelassenheit vorgehen, um geduldig diesen Pfad zu erfinden – denn es gibt ihn noch nicht. Das Finden ist die Suche. Darum können wir darauf nur Schritt für Schritt wandeln. Wir bilden ihn durch unser Voranschreiten, in mehreren Etappen und Phasen dieses Lebensweges.

Niemand anderes kann für uns diesen Weg antreten. Denn er entsteht allein durch unser Fortkommen. Nur wir erschaffen ihn, da nur wir ihn beschreiten können. Wer also versucht dem Weg eines anderen Menschen zu folgen, verschwendet einfach nur seine Zeit!

Und doch gibt es Vorbilder, religiös oder weltlich, die auf die Schwellen unseres Fortschreitens hindeuten können, wie auch die Kreuzungspunkte an denen wir Anderen begegnen, die uns während einer Etappe unseres Lebensweges begleiten. Wenn es also zuvor hieß, dass wir nur selbst unseren Lebensweg gehen können, bedeutet das nicht, dass wir ihn nicht auch mit anderen teilen. Niemand in der Welt kann leben ohne seine Mitmenschen. Wir brauchen einander. Doch wir sollten uns nicht voneinander abhängig machen.

Leider aber gibt es da all die vielen Möchtegern-Gurus, die behaupten den wahren Weg zur Erleuchtung zu kennen. Doch statt ihre Jünger auf ihren inneren, rechten Pfad zu führen, lassen sie sie in die Irre laufen. Wohl, weil sie jenen Pfad nicht einmal für sich gefunden, geschweige denn gegangen waren.

Der kalifornische Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti sagte einst dazu: »Die Wahrheit ist ein pfadloses Land«.

Dem eigenen Lebensweg folgen

Auch wenn man das manchen Religionsführern ankreiden könnte, sollte man dennoch aufpassen, dass man Empfehlungen und Hinweise auf einen rechten Pfad, nicht verwechselt mit einem Befehl etwas tun zu müssen.

Alle Weisheiten, Philosophien und religiösen Vorstellungen könnten hingegen als Inspirationsquellen gesehen werden, die unsere Fantasie beflügeln. Was wir aus unserer Fantasie an Aktivitäten ableiten, bleibt uns selbst überlassen und niemand ist berechtigt, uns welche aufzuoktroyieren. Wer jedoch diese, seinem Wesen entsprechenden Handlungen für sich entschieden hat, der sollte sie auch tatsächlich ausüben, so gut als nur möglich.

Manche dieser Handlungen sind aber vielleicht gar nicht jene, die uns leicht fallen. Der Grund aber, dass uns solche Aktivitäten und Handlungen inspirieren, die uns zu Anfangs noch schwer fallen, liegt aber eigentlich auf der Hand: Wir sollen sie erlernen, da wir sie wohl für unsere Entwicklung benötigen.

Jeder der seinem Pfad folgt, verspürt eine dabei aufkommende Freude in sich. Man sollte also stets seinem Glück folgen, dem was einen glücklich, was einen selig macht.

Alles was man im Leben unternimmt, sollte sich darum auf diesem Weg des Glücks befinden. Alles was einen unglücklich macht oder zum eigenen Unglück beiträgt, sollte tunlichst unterlassen werden. Sicherlich ist es darum ratsam, sich mit Menschen und Sachen zu umgeben, die einem gut tun.

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen und manchmal benötigt es etwas Zeit, bis wir den ersten Schritt dieser inneren Reise antreten können.

Doch sich mit Negativthemen zu befassen, die einem Sicherheitsgefühle vortäuschen, da man etwa andere Menschen in Angst sieht, wie beispielsweise in Krimi-Filmen, ist einfach schädlich für unser Glücksempfinden. Und was für solche Filme zutrifft, das ist erst recht wahr für die Nachrichten im Fernsehen. Zeitungen sind da eine echt gute Alternative. Es liegt an Ihnen.

Glauben Sie mir: Selbst wenn Sie eine Woche keine Nachrichten schauen und zum Beispiel Ihre Kollegen oder Partner am Mittagstisch fragen, ob irgend etwas drastisches passiert sei, werden sie sehr wahrscheinlich erst einmal schweigen, bevor sie ihnen mitteilen »eigentlich nicht, das Übliche halt«.

Auch wenn wir glauben, dass wir uns selbst in Sicherheit wähnen, während im Außen (zum Beispiel im Bildschirm Ihres Fernsehers) andere Menschen leiden, selbst wenn auch nur geschauspielert, erleben wir deren Bedrängnis und damit wird das, wenn auch nur vorübergehend, ein Teil unseres Lebens. Auf diese Weise häufen wir Negativ-Emotionen an, die uns irgendwann auch belasten und die Sicht auf unser Glück letztendlich verstellen.

Glück und Zufall

Einen Rat den ich jedem geben würde, wäre seinen Lebensweg achtsam zu beschreiten. Achtsamkeit heißt, die sinnliche Welt als solche bewusst wahrzunehmen. Dazu gehört etwa bewusstes Atmen, dass man spürt und nach dem man auch lauschen kann.

Wer achtsam ist bemerkt auch sehr gut, welche Dinge im Leben ihm zufallen. Das heißt natürlich nicht, dass wir alles das uns vor die Füße fällt überbewerten sollten. Doch es lohnt sich allemal, jene Zufälle zu erkennen, die uns inspirieren und manchmal sogar Antworten auf unsere wichtigsten Fragen liefern. Es sind Wegweiser, die uns darauf hinweisen an welcher Stelle wir einen neuen Weg einschlagen sollten.

Besonders ergeben sich Schwierigkeiten und Probleme im Leben, wenn wir an eine neue Abzweigung auf unserem Weg kommen. Wenn auch unbewusst, sind wir dann gezwungen unser Leben auf einen neuen Pfad zu lenken. Das kann teilweise schmerzhaft sein, doch immer zu unserem Besten.

Heldinnen und Helden

Achtsamkeit bedeutet auch, dass man lernt Ausschau zu halten nach jenen Persönlichkeiten, deren Leben uns auch zu unserem eigenen Glück inspiriert.

Stellt sich die Frage: Auf welche Weise will man sich inspirieren lassen, ohne vom eigenen Weg abzukommen?

Und: Was an einer bewundernswerten Person bringt uns auf unserem Lebensweg voran, hilft uns als Antreiber oder gibt uns günstige Impulse?

Selbst wenn es keinen solchen »Helden« oder keine solche »Heldin« in unserem Leben gibt: Hätten wir einen Wunsch frei, wie würde dieser lauten?

Doch Vorsicht! Wünsche wie »Ich will reich sein« oder »ich will nie wieder arbeiten müssen« oder »ich will beliebt sein« und so weiter, sind gefährlich.

Es ist immer wahrscheinlich, dass sich unsere Wünsche auch tatsächlich erfüllen – und da spreche ich aus Erfahrung – doch die meisten unserer Wünsche erfüllen sich auf eine Weise, wie wir sie uns eben nicht erträumten. Sich etwa finanziellen Reichtum zu wünschen, ist schön und gut. Doch dann sollte man sich ebenso fragen, wo das ganze Geld dann herkommen soll? Wer hat dafür bezahlt? Diese selben Fragen, ließen sich ebenso für alle anderen Wünsche stellen.

Begabung als Bestimmung

Viel wichtiger in der persönlichen Wunschfreiheit wäre nicht »was« man sein will, sondern »wer« man sein will. Denn kann man doch nur als solcher auf seinem Weg fortschreiten, zu etwas Besserem, Vollkommenerem. Diesen Weg zu beschreiten heißt, unserem innersten Wesenskern zu folgen. Ihn erschaffen wir, indem wir unsere besonderen Begabungen und Fähigkeiten leben.

Was sind Ihre wahren Begabungen?

Manches das Ihnen besonders leicht fällt, erscheint Ihnen vielleicht gar nicht als Begabung, sondern wird als alltäglich und normal empfunden. Meist liegt darin aber eine wertvolle Fähigkeit, sehr wahrscheinlich sogar Ihre wahre Aufgabe auf diesem Planeten. Es ist die Art, wie Sie sich durch die Welt bewegen und auf Ihrem Lebensweg auch andere Menschen daran teilhaben lassen: Indem Sie erkennen, wie Ihre Begabungen einen Wert für andere Menschen bieten – ist es doch immer ein Geben und Nehmen, dass uns zu jenem Glück verhilft, wonach wir uns sehnen, wonach sich unsere innigsten Wünschen sehnen, es endlich zum Ausdruck kommen zu sehen.

Dazu ist es niemals zu spät.

 

Gemeinschaft und Klausur

Gemeinschaft und Klausur

Klausur und Gemeinschaft - ewigeweisheit.de

Wie wir im Gesagten zeigen wollten, scheint der Monomythos und der sich darin bewegende Held, ein universales Instrument zu bilden. Trotzdem kann es nicht als abschließendes, letztgültiges System bezeichnet werden, weshalb diese »Anleitung« in zwölf Schritten, auch kein Nonplusultra zur Findung des eigenen Glücks darstellt. Und das ist auch ganz recht.

Denn Campbells Werk, »Der Heros in Tausend Gestalten«, beziehungsweise das hier vorgestellte Modell Voglers, hatte wohl nie das Ziel Lösungsansätze zu liefern. Vielmehr sind die darin beschriebenen Schlüssel zum Monomythos, Angebote von Mitteln. Eigentlich aber wollen sie die Stationen im ewigen Lebenskreislauf derer veranschaulichen, die in der Menschheitsgeschichte als Gesandte, Propheten oder anders geartete Heldengestalten auftraten, im Dienste an der Menschheit, in ihrer Rolle als perfekte Vorbilder.

In dieser Funktion als Mittler, zwischen Himmlisch-Göttlichem und der Menschheit, erfüllten diese Schlüsselpersonen ihr Werk auf Erden im Übergeben besonderer Weisheiten. Was sie aber weitergaben, dürfte den Einzelnen, je nach kulturellem Standpunkt, immer wieder in anderer Gestalt erschienen sein, woraus sich viele Deutungsmöglichkeiten ergaben.

Als Folge dessen führen sie nicht unbedingt zu direkter Welterkenntnis, als sie eher dem Erleben eines Gruppentraumes gleichen, der jedoch keineswegs nur Illusion ist.

Da fragt sich womöglich, wie sich die in diesen Mythen anklingenden Weisheiten, in ihrer Funktion dem einzelnen Menschen heute erkenntlich zeigen?

Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage, wäre zuerst einmal wichtig anzuerkennen, dass der Monomythos dem Einzelnen schon deshalb nicht als Universalsystem dienen kann, da er immer nur als Teil einer Gemeinschaft seine gesellschaftliche Rolle einnehmen und dabei auch den Weg zu seiner Lebensaufgabe finden muss. Darum gelingt auch der zuvor geschilderte Wegweiser, der auf dem Heldenmythos basiert, immer dann, wenn diese Funktion des Einzelnen in der Gruppe herausgearbeitet wird. Die Rollen, die das Individuum in den Stationen der Heldenreise annimmt, lassen sich in ihm nicht alle vereinigen. Vielmehr geht es darum einen Weg zu finden, der einen Menschen in die Gemeinschaft integriert, als wesentlichen Teil der Mitmenschen seines Umfeldes.

Darum existiert die Totalität, des Menschen Fülle, nicht im einzelnen Mitglied, sondern im Gesamtkörper der Gesellschaft. Das Individuum kann nur eines ihrer Organe sein. Aus der Gruppe der er (der Mensch) zugehört leitet er die Techniken ab, mit denen er sein Leben meistert, die Sprache in der er denkt, die Ideen die ihn Erfolg haben lassen […]

Wenn er glaubt sich davon trennen zu können, gleich ob in Taten oder in Denken und Fühlen, untergräbt er nur seine eigene Existenz.

- Aus Joseph Campbells »Der Heros in Tausend Gestalten«

Die Gruppe bildet wie es scheint also die unsterbliche Einheit eines universal lebendigen Leibes, worin Individuen immer wieder eben ihre Rolle in der Gemeinschaft erfüllen, doch daraus irgendwann auch wieder verschwinden – ein Vorgang der sich immer und immer wiederholt, und das seit Menschen auf Erden leben.

Erkennt man sich selbst in dieser Rolle, mag es recht hart erscheinen und die Frage aufkommen, wieso man dann überhaupt zu etwas beiträgt, woraus man dereinst ja selbst in die Nebel der Geschichte schlichter Bedeutungslosigkeit entschwindet.

Menschliches Sein war eben schon immer etwas, das mit der Erfüllung dieser Rolle in der Gemeinschaft zu tun hatte. Dabei war ganz gleich welchen Zweck man darin nun erfüllte. Es ist unbedeutend ob das Individuum als Handwerker, Kaufmann, Putzfrau, Dieb, Pfarrer, Politiker, Künstler, Mutter, Arzt, Gattin oder Nonne in der Gesellschaft lebte.

Die Unterschiede des Geschlechts, Alters und Berufs sind unserem Wesen äußerlich, bloße Kostüme, die wir auf der Weltbühne für eine Zeit anlegen, die aber nicht mit der Idee des Menschseins verwechselt werden dürfen.

- Aus Joseph Campbells »Der Heros in Tausend Gestalten«

Jeder Mensch nämlich erfüllt seine Lebensaufgabe – einer geschickt, ein anderer weniger glücklich. In allen Riten der Völker aber, wo man die Mitglieder in die Bräuche und Mysterien der Gemeinschaft einweiht, gemeinsam die Feste des Jahreslaufs begeht, wo man sie in den Übergangsriten ins Erwachsensein begleitet, sie zeremoniell verheiratet oder dann eben irgendwann bestattet: immer und in jeder Hinsicht, weisen diese Riten hin auf eine ureigene Einheit von Individuum und Gemeinschaft.

Darin aber befindet sich die Menschenseele als Ebenbild des Kosmos, die im Gebäude eines Miteinanders, auf eine eigentlich metaphysische Harmonie des Individuums im Kosmos verweist. Alle die sich darin auf dem Weg der Heldenreise bewegen, wenn auch zeitweise im Verborgenen, können schließlich zur Vollendung ihrer eigenen Glückseligkeit finden.

Jene aber, die als Asketen, Yogis oder als Einsiedler leben, vermögen durch besondere Praktiken und kontinuierliche Meditation, aus ihrer gesellschaftlichen Rolle den eigentlichen Kern des individuellen Bewusstseins quasi herauszulösen. Da geht es eben nicht mehr um eine Identifikation, sondern wie es einmal der italienische Psychologe Roberto Assagioli nannte, um eine Desidentifikation, die einer in seinem Meditieren allmählich erlangt, wo er Schicht um Schicht seines gesellschaftlich angenommenen Kostüms ablegt, um dabei die wahre Tiefe seines Selbst zu erkennen.

Es wäre jedoch vermessen zu glauben, dass das das Ziel des Leben sei. Beides will da ja vollendet sein: das Leben im Außen der Gemeinschaft und die Erkenntnis, die einer in zurückgezogenem Innewerden gewinnt.

In der heutigen, durch und durch digitalisierten Welt unserer Zivilisation im Westen, sollte man sich jedoch in Acht nehmen, sich mal eben zu vergleichen mit jenen, hier angedeuteten, in Klausur zurückgezogen lebenden Asketen. Denn keineswegs sind das Menschen, die vor dem Einschlafen noch nach neuen Emails oder Kommentaren in den sozialen Medien sehen.

Teil der Gemeinschaft ist man ebenso wenig, wenn man den größten Teil seines Umgangs mit anderen, meist über die eben genannten Kommunikationsmedien hat. Und genau da liegt der entscheidende Punkt: Unsere regelrechte Überindividualisierung, durch jene so häufig und zu stark aufgewertete Freiheit der Wahl, führt weg davon, worauf wir uns zuvor bezogen und was sich mit dieser Frage zusammenfassen lässt:

Welche Rolle die mich mit Glück erfüllt, spiele ich in der Gemeinschaft, und mit welchem Nutzen trage ich hiermit zum Leben aller bei?

Sicher bietet das, was man heute umgangssprachlich einfach »Das Netz« nennt, eine Vielzahl an Möglichkeiten, um sich mit anderen Menschen zu verbinden und Anschluss zu finden. Doch das geht nur, indem man auch in Wirklichkeit, physischen Umgang pflegt. Nur in lebendiger, direkter Gemeinschaft lässt sich Individualität so leben, das sich daraus auch das eigene, wahre Glück verwirklicht.