Liebe

Was der Vorteil am Nachteil ist

Was der Vorteil am Nachteil ist

The Possibilities of the Broadway Cable Car (1893) - ewigeweisheit.de

Sobald sich einem eine schwierige Situation im Leben aufdrängt, schaut man sich am besten an, was da gerade vor sich geht. Gelassen. Besonders wenn's echt an die Substanz geht und einen wirklich schwere Probleme bedrücken, ist das nicht einfach.

Dennoch hilft es nichts, wenn man noch mehr Pferde aufscheucht. Es ist was es ist, ganz gleich wie grauenhaft es einem im Moment nun auch erscheinen mag.

Wer klug ist atmet ruhig, nimmt sich einen Augenblick Zeit, um so gelassen wie möglich zu betrachten, was sich da im eigenen Leben gerade als anscheinend unüberwindbares Problem zeigt.

Mit diesem Blick auf das was ist, lassen sich drei kleine Fragen stellen:

  1. Was ist das Beste an dieser miserablen Situation?
  2. Was versuchen mir diese Schwierigkeiten in Wirklichkeit zu geben?
  3. Wohin versucht mich dieser Konflikt oder dieses Problem zu führen?

Erste Regel um darauf Antworten zu finden ist ...

... unbeugsamer Optimismus!

Zur Einstimmung auf die möglichen Antworten auf die Fragen (1. bis 3.) könnte man dann schon einmal freundlicher sein, mit mehr Offenheit an die Dinge herangehen, sich mehr verbinden oder andererseits auch mal loslassen.

Um überhaupt die Sache anzugehen ist die Bereitschaft die eigene Person verändern zu wollen, eigentlich wichtigste Voraussetzung. Das ist natürlich leichter geschrieben und noch leichter gelesen, als es letztendlich durchgeführt wird. Doch was ist ein Problem, als eben ein ganz und gar wichtiger Hinweis darauf, dass da etwas ist, dass einem nicht mehr gut tut und man vielleicht, wenn auch unbewusst, schon viel zu lange gewartet hat?

Aus dieser Warte aber wäre das Problem doch eigentlich ein Vorteil. Oder?

Nein?

Alles hat seine Pole und Gezeiten

Nur hoffnungsfroh kann man stets davon ausgehen, das ein Konflikt oder ein Problem oder eine Schwierigkeit, einen an sich in eine durchaus positivere Situation befördern will, in einen guten Zustand vielleicht, in dem man nicht einmal war, bevor da plötzlich Ärger und Probleme einen zu erdrücken drohten.

Jeder Konflikt lässt sich mit seinen eigenen Waffen schlagen!

Schwierigkeiten zeigen einem unterschwellig Chancen. Sie warten eigentlich auf einen. Sie wollen erkannt, verwirklicht und gelebt werden!
Was heißt das aber genau?

Die erste Antwort auf diese Frage gibt uns eines der sieben hermetischen Prinzipien:

Alles ist zweifach, alles hat Pole, alles hat seine Paare von Gegensätzen, gleich und ungleich sind dasselbe. Gegensätze sind von Natur aus identisch, jedoch verschieden im Grad. Extreme berühren sich. Alle Wahrheiten sind nur Halbwahrheiten. Alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden.

- Aus dem Kybalion

Was sich ganz unangenehm anfühlt, ist, wenn auch nicht gleich spürbar, mit einem angenehmeren Teil verbunden.

Denken sie an eine finstere Nacht im Wald, mit all ihren Ungewissheiten. In der Frühe dann kündigt das Morgenrot die Sonne an, die dem Tag Licht und Wärme bringt. An einem schönen Tag geht man dann womöglich gerne im Grünen spazieren. In den heißen Sommermonaten aber kommt, vielleicht gerade umgekehrt, mit dem Abendrot die lang ersehnte Abkühlung ganz gelegen.

Und so ist es eigentlich mit Allem: Es gibt nicht nur schwarz und weiß, nicht nur schlecht und gut, nicht nur ungünstig und erfreulich. Nein. Immer gibt es da etwas das Beides miteinander verbindet, wie die Brücke die zwei Seiten eines tiefen Abgrunds. Diese Brücke gilt es zu finden.

Sie können wir überqueren und dabei bestimmt auch das, was dann war, in etwas anderes umwandeln, das nun sein soll und vielleicht genau das Gegenteil von dem ist, was uns nicht (mehr) gut tut.

In diesem Wissen kann man sich nun fragen:
Wie lässt sich das Eine umwandeln in das Andere?
Wo liegt des Einen Starke und Schöne, was des Anderen Schwache und Unangenehme ist?

Worauf hier angespielt wird, sollen folgende Sätze erläutern:

  • Hindernisse sind auch Möglichkeiten.
  • Barrieren brauchen Brücken, um sich überwinden zu lassen.
  • Blockaden brauchen Tore, die man durchschreiten kann.
  • Angst ist das Gegenteil von Vertrauen und Zuversicht.
  • Wut lässt sich mit Liebe besänftigen.
  • Schmerz heilt Freude.
  • Einen erbitterten Kampf beendet der Frieden.

Wenn man weiß, dass das Problem das man vielleicht hat, einem in Wirklichkeit erlaubt die damit verbundenen Möglichkeiten zu verwirklichen, der sollte sich nicht weiter in seinen Schwierigkeiten und Konflikten gedanklich einsperren, sondern sich vielleicht aus Selbstmitleid entfesseln und sich dabei öffnen, für das, was immer einen positiven Ausgang hat.

Man erlaube also einem neuen Selbstempfinden sich zu zeigen, damit neue Gefühle und Emotionen aufsteigen können, neue Sichtweisen, neue Gedanken entstehen können. Und sobald damit erreichte Erfolge erscheinen, zeigt sich da bereits die ersehnte Veränderung.

Doch wie man auch jene, oben angedeutete allegorische Brücke, nur Schritt für Schritt passieren kann, so sollte man auch beim Lösen seiner Probleme auf seine Schritte achten und sich fragen:
Was ist der nächste Schritt?

 

Eine Nacht mit Aphrodite - im Reich wilder Ekstase?

von S. Levent Oezkan

Aphrodite - ewigeweisheit.de

Wer sich mit der Liebesgöttin Aphrodite befasst, der griechischen Venus, betritt ein Territorium voller Widersprüche. Ihre sumerische Vorfahrin Inanna etwa war Göttin der Liebe und des Krieges. Im Herrschaftsgebiet jener aus dem Meerschaum Geborenen, finden sich Seite an Seite Licht und Dunkelheit, Gutes und Böses.

Aphrodite vereinigte in ihrem Wesen Urbilder des Weiblichen: sie war Jungfrau und heilige Hure, grauenvolle Männerfresserin und fürsorgliche Mutter zugleich. Besonders zu jenem Mutterarchetyp, meinen manche Psychologen, dränge den Mann eine verborgene Sehnsucht, die aus den Tiefen seines Unbewussten aufsteigt. Es ist eine latente Hoffnung die sein Handeln in der Welt bestimmt und dem unbewussten Wunsch folgt, in den finsteren, doch warmen und pflegenden Schoß seiner Gebärerin zurückzukehren, in seine ursprüngliche Heimat.

Aphrodite steht also ebenso für die archetypische Liebe mütterlicher Obhut, wie auch für die jungfräuliche Lüsternheit. Ein Mann aber will mit dem ihm wohl heiligsten seiner Körperteile, wenn auch nur spickend, potentiell den Ort der Geborgenheit erkunden, der dem ähneln könnte, was ihm durch seine Geburt in die Welt leider verloren ging.

Mit solchen Annahmen natürlich, bewegen wir uns mitten in die Gefilde Freudscher Tiefenpsychologie. Gewiss aber will das Gesagte etwas unterstellen. Wie es auch Sigmund Freud (1856-1939) zu wissen glaubte, versucht der von seinen Trieben gesteuerte Mensch, nur alles Erdenkliche auszukosten, um sein Leben wieder mit seinem Ursprung in Verkehr zu bringen. Denn dieses urtümlichste Empfinden, täuscht ihn über die Nötigung hinweg, sich nur als Teil einer zerbrochenen Einheit empfinden zu müssen.

Freud aber erntete für seine Triebtheorie heftige Kritik, sprach er doch öffentlich aus, was ganz und gar tabu war: Störungen menschlichen Geschlechtslebens sollten die Ursache für Geisteskrankheiten sein. Womöglich aber ist daran etwas Wahres, wenn wir den Eros des Menschen, im Kontext gegenwärtigen Sexualverhaltens anschauen - gilt das 20. Jahrhundert doch als das Jahrhundert der sexuellen Revolutionen.

In der griechischen Antike war dagegen Erotik ein zentrales Element der Volksfrömmigkeit. Nur zu Ehren der Liebesgöttinnen und ihrer heiligen Gefährten, hielt man imposante Gedenkfeiern ab, die teils aber wahnhafte, dramatische Züge annehmen konnten. In der indischen Tempelanlage von Khajuraho, verewigten Steinmetze diese sakrale Erotik sogar als Felsskulpturen.

Kosten von der verbotenen Frucht 

Es wäre also unangebracht, sich nur auf die psychologischen Konzepte der Freudianer versteifen zu wollen. Zwar sind die Themen Sinnlichkeit und Spiritualität auch auf viel höherer Ebene angesiedelt, es ist jedoch nicht zu leugnen, dass sie doch zusammengehören könnten. Wenn wir darum im Folgenden von einem spirituellen Konzept sprechen, dass das Wesen einer alten Göttin der Liebe skizzieren will, scheinen zwei Dinge sehr nah beieinander zu liegen: der Wunsch nach und das Ausüben von körperlicher Liebe, sowie alles nach dem höher Geistigen Ausgerichtete. Nicht zufällig spielten sexualmagische Praktiken eine bedeutende Rolle auch in antiken Geheimkulten. Man denke etwa an das alte Beltane-Fest, die Walpurgisnacht, die in Goethe's Faust aus der menschlichen Sexualität ein schwergewichtiges Thema macht.

Faust:
Doch droben möcht ich lieber sein! (auf dem Gipfel des Blocksbergs)
Schon seh ich Glut und Wirbelrauch.
Dort strömt die Menge zu dem Bösen;
Da muss sich manches Rätsel lösen.

Mephistopheles:
Doch manches Rätsel knüpft sich auch.
Lass du die große Welt nur sausen,
Wir wollen hier im stillen hausen.
Es ist doch lange hergebracht,
Dass in der großen Welt man kleine Welten macht.
Da seh ich junge Hexchen, nackt und bloß,
Und alte, die sich klug verhüllen.
Seid freundlich, nur um meinetwillen;
Die Müh ist klein, der Spaß ist groß.
Ich höre was von Instrumenten tönen!
Verflucht Geschnarr! Man muß sich dran gewöhnen.
Komm mit! Komm mit! Es kann nicht anders sein,
Ich tret heran und führe dich herein,
Und ich verbinde dich aufs neue.
[...]

Aus Goethe Faust I, "Walpurgisnacht"

Böses, Versuchung, Sünde und Erkenntnis scheinen konsequent auf etwas hinzudeuten, das sich eigentlich überhaupt nicht von einander trennen lässt. Denn durch was als eben das Böse, wird ein Mensch gezwungen sein Leben zum Guten zu ändern? Genau darum schrieb Goethe als Antwort auf Faust's Frage, wer der Teufel denn nun sei:

Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Aus Goethe Faust I, "Studierzimmer"

Sicher knüpft sich ein Mysterium an diese Aussage, doch die Gleichung scheint einfach zu sein: Wer nur das Eine will, wird das Andere nicht vermeiden können. Ein erzwungenes Gebot verführt gewiss dazu es auch zu brechen, sofern sich kein Ausweg bietet. Darauf verweisen auch jene vielzitierten Verse aus der Genesis:

[...] Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.[...] Sobald ihr (aber) davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten [...]

- Genesis 2:16f, 3:5ff

Erkennen der Einheit im Erleben höchst-sinnlicher Erfahrungen

Im Anfang war die Finsternis und daraus war das Licht geboren. Finster wird auch am Ende wieder alles sein. Wenn die Morgensonne am Horizont hervorbricht, überquert sie den Himmel und erhellt dabei den Tag. Doch dann versinkt sie erneut in der Nacht - der ewig fortdauernden Finsternis - dem Urzustand des Alls. Dem Ungeborenen ist allein das bekannt. Nur wer zur Welt kam, erlebt den Wechsel von täglichem Licht und nächtlicher Finsternis. Doch eben nur für begrenzte Zeit.

Um sich als Mensch seiner selbst gewahr zu werden, kann man zwei Dinge tun: alles in sich aufnehmen oder aber versuchen, sich selbst in der umgebenden Existenz aufzulösen. Das heißt, man versucht mit der Welt eins zu werden, sich mit ihr zu einigen und zu versöhnen: namentlich durch Ver-Einigung mit einem anderen Menschen. Sind's Mann und Frau und wird ein neuer Mensch gezeugt, erfährt er dieses Mysterium in seiner vorgeburtlichen Einheit mit der Mutter. Das Reich der Gegensätze, die polare Welt mit ihren guten und bösen Eigenschaften, empfindet das Kind in seiner mütterlichen Brutstätte zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Erst durch die Geburt und die Trennung aus dem Mutterleib, wird das Neugeborene schockartig mit den Kontrasten von Licht und Finsternis konfrontiert. Doch erst im Erleben dieser Polarität ist man wirklich Mensch geworden.

Geburt und Sündenfall

Die menschliche Sexualität scheint in der biblischen Genesis direkt zusammenzuhängen mit dem ursprünglichen Sündenfall: man setzte sich hinweg über das himmlische Verbot, kostete und erkannte sich in einer polaren Welt von Gutem und Bösem. Doch in diesem Erkennen erfolgte natürlich auch die Identifikation mit der eigenen und der Geschlechtlichkeit des Anderen. Umso wichtiger war dann die erkannte Fähigkeit, sich genau damit vereinigen zu können und hierbei neues Leben zu erschaffen:

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger [...]

- Genesis 4:1

Die Fülle die ihm aber im paradiesischen Eden gegeben war, verlor der Mensch in diesem Erkennen. Er erkannte damit zwar seine eigentliche Befreiung aus jener paradiesischen, hermetischen Beschränktheit. Alles Ungeborene verharrt jedoch in der Finsternis, bis es die Umstände zwingen ans Licht geboren zu werden.

So wie nun die scheinbar ersten Menschen durch ihre Erkenntnis, Eden über die Tore ihrer Sexualität verließen, so verlässt, wenn auch ebenso unfreiwillig, jedes Neugeborene das Paradies des mütterlichen Schoßes. Adam und Eva blieb damit also ihre in Eden gefundene Erkenntnisfähigkeit, die sie zur Unterscheidung dessen anzuwenden vermochten, was ihre Nachfahren im Geburtsereignis zum ersten mal erleben.

Aphrodite: das ewig Weibliche

Die Bedeutung dieser Licht- und Schattenaspekte in der Welt, meinen manche, habe der viel ältere phönizische Astarte-Kult, jener aphrodisischen Religion vererbt - zumindest strukturell. Eigentlich aber ist auch dieser Kult noch älteren, mesopotamischen Ursprungs. Astartes Vorgängerin war die Ischtar: Göttin des Krieges und der sexuellen Lust.

Im alten Sumer verehrte man die Inanna, deren Wesenzüge in jenen der Ischtar verschmolzen, zur Astarte und von ihr zur griechischen Aphrodite wurden. Die Hellenen verehrten in ihr die natürlichen Vorgänge der Fortpflanzung. Sie galten damals als Atrribute vollkommener Heiligkeit. Wohl nicht ganz zufällig spricht die Anatomie vom "Sacrum", dem "heiligen Bein", der lateinischen Bezeichnung jener Körperregion, in der sich die menschlichen Geschlechtsorgane befinden.

Astarte - ewigeweisheit.de

Astarte: die Gemahlin des Gottes Baal. 

Astarte auf jeden Fall verkörperte die lunaren Mächte der Dunkelheit. Darauf verweisen ihre wichtigsten Attribute: Schwarze Augen und das von einer Mondsichel gekrönte Haupt. Interessant ist auch eine andere Deutung der Sichelthematik: der Planet Venus nämlich ist von der Erde aus betrachtet, immer nur als Sichel zu sehen. Auch heute noch nennen die Griechen diesen Planeten "Aphrodite". Wussten die Alten vielleicht bereits von dieser astronomischen Eigenheit des Morgensterns?

Ihr himmlischer Gemahl auf jeden Fall, wie könnte es anders sein, war die kosmische Verkörperung eines universalen Lichtgottes, den die Semiten als Baal verehrten. Im alten Ägypten stand dafür der Lichtbringer Horus, dessen rechtes, solares Auge, wohl eines der bekanntesten Symbole der ägyptischen Mythologie und Hieroglyphenkunst ist.

Das Licht des Gottes Horus befruchtete die dunkle Erde. Einmal im Jahr aber starb er, doch wurde darauf wieder neu geboren. Auch hier ließen sich Assoziationsketten knüpfen zu dem viel jüngeren Christentum, sitzt doch Jesus, als das neue "Licht der Welt", auf dem Schoß seiner Mutter Maria, die in christlicher Kunst ja auf einer Mondsichel stehend dargestellt wird. Natürlich deutet diese explizite Position der Symbole, hin auf die Überwindung älterer Kutle. Doch das steht auf einem anderen Blatt.

Göttin des Anfangs - Göttin der Finsternis

Finsternis war sicherlich das Ursprüngliche unserer Welt. Diese Vorstellung bestätigen die Heiligen Schriften im Westen und Osten, die biblische Genesis, die älteren Mythen Griechenlands und Mesopotamiens. Doch auch zu Beginn des Manusmriti, dem alt-indischen Gesetzbuch des Manu, ist die Rede von einer stillen Finsternis, aus der eine selbst erschaffende Urkraft hervortrat, was ja ganz ähnlich der biblischen Beschreibung jenes Urgeists ist, der über der finsteren Tiefe schwebte. Gut möglich, dass sich aus diesen alten Vorstellungen später die Urknalltheorie der modernen Kosmologie entwickelte.

Wir hatten nun gesagt, dass Aphrodite eine jüngere Form der semitischen Astarte war. Darum ist es kaum verwunderlich, wenn auch Aphrodite, wie ihre Vorgängerin, eine eigentliche Finsternisgottheit war. Und in diesem Kontext natürlich bleibt sie selbst ewig. Sie besitzt jedoch die Fähigkeit aufzunehmen und aus sich selbst hervorzubringen. Als jene gebiert sie den Eros, als Isis den Horus; manche wollen diese göttliche Geburt sogar im christlichen Heiland identifiziert sehen.

Aphrodite aber taucht hinab in die Regionen tiefster Finsternis, um den Lichtbringer wieder in die Welt des Lebens zu führen. Sie ist selbst das Leben, jener aber der lebendige Gott, der wie ein grüner Trieb aus der dunklen, schwarzen Erde Aphrodites hervorsprießt. Sie ist das Geheimnis des Lebens an sich, aus dem alles geboren wird und in das alles nach dem Tod zurückkehrt. Da mag an dieser Stelle manchem sofort in den Sinn kommen, die von Freud zuerst formulierte Dialektik vom Todestrieb und Lebenstrieb des Menschen. Das Schmerz und Lust nahe beieinander liegen, zeigt ja bereits der dabei eingenommene Gesichtsausdruck eines Menschen. Eros natürlich ist auch die Kraft, durch die der Mensch den "kleinen Tod" erfährt, durch den überhaupt neues Leben gezeugt wird.

Eros ist Gegenspieler des Todes und die vergöttlichte Form des Lebenstriebes. Er setzt alles daran, das Lebensdrama in Gang zu setzen und zu verlängern. Eros also ist jene Kraft, die diese Tragödie von Geburt, Leben und Sterben in die ewige Wiederkehr zwingt, mit all ihren erfreulichen, doch ebenso qualvollen Aspekten.

Aus der Spannung der so entstandenen Polarität, tritt das notwendige Temperament hervor, mit dem überhaupt erst etwas Neues entstehen kann. Es geht also um die gegenseitige Ergänzung zweier Pole. Bei genauerem Hinsehen aber, scheint Aphrodite bereits in sich selbst so vollkommen und bar jeden Bedürfnisses zu sein, als dass sie sich mit irgend etwas ergänzen müsste. Doch kann so eigentlich überhaupt etwas Neues entstehen? Oder vereint Aphrodite in sich sogar jene beiden Pole, die zur Zeugung des Neuen nötig sind?

Die bärtige Frau

Männer näherten sich den heiligen Stätten der Aphrodite nur in Frauenkleidern, Frauen nur in Männerkleidern. Nicht zufällig geben antike Darstellungen Anlass zur Vermutung, Aphrodite sei faktisch ein Hermaphrodit. In ihrer späteren, römischen Form kannte man sie auch als Venus Barbata - die bärtige Venus. Für unser heutiges Schönheitsideal wohl weniger zutreffend, galt diese Zwittrigkeit in der Antike jedoch als Ausdruck der Vollkommenheit. Zwar besaß Venus Barbata kein eigentliches Geschlecht, doch war gleichzeitig vollkommenes Sinnbild von Geschlechtligkeit und Sexualität.

Ihre Verehrerinnen und Verehrer verhüllten im Tempelbezirk der Aphrodite ihre Erscheinung, um weder als Frau noch als Mann erkannt zu werden. Aus Ehrfurcht und vollkommener Hingabe erwies man damit der Göttin seine Ehrerbietungen. Wer in Gegenwart der universalen Gottheit sein wahres Geschlecht verhüllte, so heißt es, empfing von ihr große Kräfte. Doch welcher Art äußerte sich das?

Im Anfang war das Ei

Wenn ein Mensch das Stadium erreicht, wo er weder männlich, noch weiblich ist, nähert er sich der eigentlichen Wesensnatur dessen, wofür die Liebesgöttin Aphrodite steht: die höchste Einheit der Natur und der schöpferischen Kräfte des Lebens. Denn ursprünglich gab es nur ein Geschlecht, dass dann jedoch in die beiden, uns allen bekannten Pole von Männlichem und Weiblichem zerbrach. Seither sehnen sich diese beiden Teile wieder zu einen. Es ähnelt in etwa dem aus dem Chaos geborenen "Ei des Orpheus": es zebrach in eine goldene, himmlisch-solare und eine silberne, irdisch-lunare Hälfte. Was beide Hälften zur Einheit verbunden hatte, war nun entschwunden, als lichtvoller Liebesgott Eros. Den treibt seither ein Begehren an, diese beiden Teile wieder zur Einheit zu führen. Damit steht er auch für eben jene Kraft, die man als Mensch aufwenden muss, um auch zerbrochene Freundschaften oder Familienbande wieder zu einen. 

Auf kosmischer Ebene aber, lässt sich in der hier vorgestellten Trinität von Uranos, Gaia und Eros ein Hinweis erkennen, auf die Anschauung einer anderen griechischen Mythologie. Da nämlich sind es Gaia, Eros und die finstere Tiefe des Erebos. Als der Mensch in die Welt kam, zwang ihn diese Trinität in ein Spannungsfeld: Seine Begierde (Eros) drängt ihn selbst neue Wesen zu erschaffen, in der ihn umgebenden materiellen Welt (Gaia). Bewusst oder unbewusst, leitet er dabei jene astralen Sternenkräfte aus der eigentlichen himmlischen Finsternis (Erebos) in eine neu erschaffene Existenz auf Erden. Das ist ein Vorgang den man in östlichen Weisheitslehren ja bekanntlich als Inkarnation bezeichnet.

Es geht hier jedoch um eine höhere Wahrheit, heute wie damals, nur ganz wenigen Seelen zugänglich. Der Großteil der aphroditischen Verehrer im alten Griechenland, erkannte diese höheren Wahrheiten nicht. Man wusste sich in seinem Glauben an die Liebesgöttin nur aufgehoben, wenn man ihr in den aphrodisischen Tempeln Opfer darbringen durfte. Bereits also die Anhänger dieses alten Kults waren recht naiv, was ihr Verständnis von wahren Bedeutung der finsteren Liebesgöttin anbelangte. Man wusste eigentlich überhaupt nicht, wofür Aphrodite in Wirklichkeit stand. Erinnert das nicht auch ein wenig an Gottesgläubige der Gegenwart und auf der anderen Seite sogar an jene, die besonderen Wert auf sexuelle Freizügigkeit legen?

Aphrodite-Anhänger alter Zeit, traten im Tempel vor das Bildnis der Göttin, wie hilflose Kinder vor ihre Mutter. Alles was sie in den Tempeln empfanden, war dort die eigene Sexualität vollständig auszukosten. Ihre Herzen sehnten sich zu verlieben, ihre Leiber nach wilder Ekstase. Ja, dieses Verlangen war sogar so stark, dass ihre Begierden, in hemmungslose Orgien umschlugen.

Die Schwarze Göttin

Wir befassten uns bereits mit dem Bild der Finsternis-Gottheit Astarte, jener phönizischen Vorgängerin Aphrodites. Es verwundert darum wohl kaum, wenn man sie im alten Griechenland, später auch als schwarze Melainis verehrte. Im Kontext der zuvor beschriebenen Mutter-Aspekte dieser Göttin, ließe sich durchaus eine Verbindung zur Schwarzen Madonna des Christentums ziehen.

Der griechische Autor Pausanias (115-180 n. Chr.) verwendete den Namen Melainis in Bezug auf die Schwärze der Nacht. Und es ist ja dieser dunkle Teil des Tages, in dem sich Menschen in Leidenschaft vereinen - nicht etwa wie die Tiere, die dafür den Tag haben. In Verbindung mit dem Aspekt einer chtonischen Muttergöttin, deutete man Aphrodite daher vielleicht auch als Herrscherin über die schwarze Erde. Gewiss bestünde damit wiederum ein Bezug zur ägyptischen Isis. Ihr Stern war der geheimnisvolle Sirius, der einmal im Jahr, kurz vor Sonnenaufgang am Ost-Horizont aufleuchtet. Auch damals setzte mit seinem Erscheinen die Nilflut ein, dem Augenblick wenn der fruchtbare, schwarze Flussschlamm die Äcker überschwemmte.

Gewiss ließe sich die schwarze Aphrodite auch als eine Göttin der Gräber interpretieren, wo sie dann als ganz und gar unheilige Göttin auftritt. Als solche nämlich ist sie die mordende Männerfresserin.

Zu den schwarzen Göttinnen zählte man in der Antike, neben der Isis, eben auch die anatolische Kybele, wie auch die Astarte und Ischtar. Sie ähneln gewiss auch den Schwarzen Madonnen, die im Mittelalter Einzug nahmen in die christliche Sakralkunst.

Astarte - ewigeweisheit.de

Peter Paul Rubens: Der Tod des Adonis (1614). Zwischen seinen Beinen ein blutiges Tuch und ihn umgebend: Venus (Aphrodite), die drei Grazien und Cupido (Amor). Hatte er sich aus Liebe zur Göttin (links) etwa selbst entmannt?

Heilige Kastration

Aphrodite kam nicht als Sprössling eines Götterpaares auf die Welt, wie das für die anderen Himmlischen des griechischen Pantheon gilt. Blutiges Götter-Sperma des Allerhöchsten fiel ins Meer, und schäumte es auf. Ein recht schauriges Ereignis führte zu diesem Vorfall. Und was wir oben bereits als krönende Sichel der Astarte andeuteten, sollte ein Werkzeug des Grauens werden.

Die Entmannung des Himmels

Der Titan Kronos wurde von seiner Mutter Gaia dazu angestiftet, Uranos seiner zeugenden Macht zu berauben. Sie gebar aus sich dazu eine stählerne Sichel, mit der der junge Titan seinen Erschaffer, den vergöttlichten Himmel entmannen sollte. So geschah es also, dass jener Gott des Goldenen Zeitalters als Sensemann auftrat und seinen Vater, den personifizierten Himmel Uranos entmannte. Aus dem abgetrennten Glied seines Vaters, drang jedoch die zeugende, göttliche Kraft der Fruchtbarkeit. Als sie das Meer zum Schäumen brachte, erschien darin jene Göttin der Schönheit Aphrodite in kupfernem Strahlen, die dann in Zypern vom Meer an Land stieg.

So also kam Aphrodite zu ihrem Namen: aphros - der Meerschaum. Der zweite Teil ihres Namens lässt sich auf verschiedene Arten interpretieren. So wäre "odite" die Wanderin, doch "dite" die "Helle" beziehungsweise die "aphor" stark "dhei" Scheinende. Doch auch das Wort "Blindwut" - "Aphrathia" - ließe sich erwägen, wird die Göttin in der alt-griechischen Literatur als jene beschrieben, die Götter als auch Menschen ihres Verstandes "Phrenes" beraubt und die sich dann, in ekstatischen Wahn Verletzungen zufügten.

Ein blutiges Fest

Im alten Griechenland gab es besondere Lustgärten außerhalb der Städte. Dort fand man die Tempel der Aphrodite. Doch es waren nicht etwa Orte ehrwürdiger Heiligkeit, wie man sie sich vielleicht vorstellt im Kontext hoher Sakralität und Reinheit. Vielmehr waren es Orte der Ekstase, von bisweilen wahnartiger Ausprägung. Man opferte sein Geschlecht der Göttin, schnitt es ab und warf es gegen ihre bereits blutbeschmierte Statue im Tempel.

Manch Mann fand hierher aus Neugierde. Doch als des Nachts die heiligen Zeremonien begannen, geriet die dort anwesende Gesellschaft in rasenden Wahn. Mit pochenden Adern und brennendem Auge, riss man sich die Kleider vom Leib und beschnitt sich in wildem Geschrei selbst, kastrierte sich als Mann.

So jemand spürte dabei aber einfach garnichts mehr und rann nackt, Blut tropfend umher. Seine abgeschnittenen Glieder hielt er in den Händen seiner kreisenden Arme. Schließlich kam er an ein Gebäude, worein er seine blutigen Genitalien warf. Die darin Anwesenden waren dazu verpflichtet, jene "einstigen" Männer, daraufhin in Frauengewänder zu kleiden. Darin kehrten sie zurück an jenen Tempel, wo sie unabänderlich als Eunuchen den Rest ihres Lebens der Göttin Aphrodite dienten.

Am folgenden Morgen begrüßte man die aufgehende Sonne mit ehrerbietendem Frohsinn. Nun verließen die Aphrodite-Jünger diesen Ort, der in jener nächtlichen Orgie einen wohl eher schaurig-lüsternen Charakter besaß. Die Priesterinnen und Priester des Tempels wuschen die blutverschmierte Statue der Göttin und zierten sie mit Rosen. Nun war es wieder ein Ort des Friedens und der Liebe, das ekstatische Blutbad war vergessen und alles kehrte zurück in einen Zustand vollkommener Harmonie. Der Mensch war wieder er selbst.

Gibt es sakrale Liebe in unserer heutigen Zeit?

In der Antike bestimmte die Aphrodite-Verehrung das soziale Zusammenleben, war fester Bestandteil kultischen Brauchtums. Heute empfände man die oben geschilderte blutige Orgie wohl als grausame Widerwärtigkeit. Was da vor sich ging überschreitet ja ganz klar die Grenzen unseres gegenwärtigen Gesellschaftssystems. Das bedeutet jedoch nicht, dass Ähnliches nicht dennoch an finsteren Orten in unserer Welt stattfindet. Doch dann wohl nicht zu Ehren einer überweltlichen Liebesgöttin, sondern allein um vollkommen morbide Sehnsüchte zu befriedigen, die bereits ins Feld forensischer Psychiatrie klaffen.

Das Wesen jener antiken Liebesgöttin aber, wird heute immer mehr zu etwas Odinärem degradiert. Was Menschen im alten Griechenland als Sexualität lebten, hatte weniger mit reiner Sehnsucht nach Lustbefriedigung zu tun. Vielmehr war den alten Menschen ihr Geschlechtsleben heilig und etwas ganz anderes, als das, was man es sich heute unter sexuellen Gebräuchen vorstellt. Ob es etwas dieser Art überhaupt noch gibt?

Den Sinn, den Menschen mit dem Wort Erotik verbinden auf jeden Fall, scheint im Westen leider zu einem Konsumprodukt entartet zu sein, als das, worauf sein ursprünglicher Name hindeutete: etwas, dass das Liebesleben betont.

Jene antiken Sex- und Fruchtbarkeitskulte verstehen zu lernen, könnte dem heutigen Menschen vielleicht dabei helfen zu erkennen, wem die eigentlich sozialen Zwecke unserer sexuellen Freizügigkeit in Wirklichkeit dienen. Gleicht es nicht einem großen Schwindel zu glauben, man könne lebendige Freiheit erfahren, indem man ein liberales Sexualleben führt? 

Sexualität scheint heute nicht mehr ausschließlich einem inneren Drang zu folgen, sondern äußeren Stimulanzen, die ganz und gar banal und alltäglich, sich einem überall durch die Massenmedien aufdrängen.

Mitte des 20. Jhd. war es noch verpönt, über Sex in der Öffentlichkeit zu sprechen. Sexualität war den meisten Menschen damals einfach zu wichtig, als dass man im Alltag mit jedem über Sex sprach, geschweige denn diese Sache bestimmten Fernsehsendungen als Moderationsgrundlage diente.

Das eigentliche Wesen dieses real heiligen Akts, scheint heute immer mehr zu zerbrechen. Unsere Gesellschaft entfernt sich gerade von jenem Kern der alten aphrodisischen Geheimnisse - was gleichzeitig aber nicht bedeuten muss, das die ungelösten Rätsel menschlichen Liebeslebens nicht trotzdem wieder an Bedeutung gewinnen könnten.

Dann wohl erhöben sich jene romantischen Aspekte des Liebens, bewahrten dabei ihre erhabene Würde und könnten den Sucher ins Licht echter sexueller Erfüllung führen.

 

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Die verschiedenen Aspekte des Liebens

von S. Levent Oezkan

Welches Wort unserer Sprache wurde so oft interpretiert wie das Wort Liebe? Und wohl kaum ein anderes ist Quelle so vieler Missverständnisse. Dieses kleine Wort ist in sich schon ein Widerspruch: mal ist es ein Heilmittel - ein andermal schmerzende Sehnsucht!

Liebe erstreckt sich sogar noch über sehr viel mehr Ebenen unserer emotionalen Existenz. Sie ist sogar noch mehr als eine Emotion.
Liebe ist eine Eigenschaft göttlichen Bewusstseins, der die alten Griechen drei Namen gaben: Agape - die geistige Liebe, Philia - freundschaftliche Liebe der Seele und Eros - die körperliche Begierde.

Höchste Form der Liebe ist Agape. Was im deutschen Sprachgebrauch üblicherweise mit dem Begriff Liebe verbunden wird, hat mit Agape aber nichts zu tun. Agape übertrifft die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Sie ist eine Liebe Gottes wie sie etwa durch Jesus Christus zu den Menschen kam. Wenn wir uns auf metaphysischer, spiritueller Ebene mit unseren Mitmenschen verbinden, so wirkt die Agape. Sie ist eine nicht fordernde, selbstlose Liebe.
Agape war was Jesus forderte mit den Worten: "Liebet eure Feinde".

Die Liebe (Agape) ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird.

- "Hohelied der Liebe", 1. Korinther 13:4-8

Philia ist eine Liebe gegenseitigen, freundschaftlichen Interesses. Je nachdem wie unser Gegenüber auf uns reagiert, lieben wir einen Freund, eine Freundin.
Wer seinem Lebenspartner gibt, der bekommt auch zurück. Philia hängt davon ab, was der Partner einem geben kann und was sich aus beiderseitigem Vergnügen und Anerkennung ergibt. Doch wie wohl jeder weis, hat auch dieses Geben seine Grenzen. Die Reaktionen eines Liebespartners nehmen allmählich ab - man gewöhnt sich aneinander. Geliebt wird solange man etwas vom Partner bekommt: Sex, Schönheit, Versorgung, Treue, usw. Wenn eine Partnerschaft fortbestehen will, muss in der Neigung zu Lieben, in Philia, die Agape wachgerufen werden.

Eros nun hebt sich von Agape und Philia stark ab. Wenn Agape die bedingungslose, gebende, reine Liebe ist und Philia die Liebe gegenseitigen Gebens, so ist im Eros heißes Verlangen. Wie ein Dämon nimmt Eros Besitz vom Menschen.
Bei den Orphikern war Eros eine kosmische Macht, die während der Trennung von Himmel und Erde entstand. Im Chaos bildete sich das Ur-Ei, was sich hernach in eine untere und eine obere Hälfte spaltete:

  • Gaia die Erde und
  • Uranos der Himmel.

Während dieser Trennung entwich als leuchtende Schlange der brennende Eros (auch Phanes oder Dionysos genannt), der seither versucht die beiden Urglieder Erde und Himmel wieder zu einen - was eine Allegorie ist auf die Vereinigung von Frau und Mann.
So ist Eros auch die kosmische Gewalt die im Menschen-, Tier- und Pflanzenreich herrscht. Für die alten Griechen bewirkte alleine Eros das Weiterleben in der Natur. Damit lagen sie wohl auch nicht falsch.

Orphisches Ei - ewigeweisheit.de

Das Orphische Ei

Altgriechische Dichter empfanden den Eros als übermenschlich - mal göttlich, mal dämonisch. Sie betrachteten ihn unter zwei Gesichtspunkten:

  • Als kosmische Macht die an der Weltentstehung beteiligt war.
  • Als göttliche Macht die auf das menschliche Gemüt einwirkt.

In seinem dämonische Aspekt ergreift Eros den Menschen, beraubt ihn seiner Vernunft, seiner Besonnenheit und Selbstbeherrschung. Selbst den unerschütterlichen Gleichmut eines Weisen lässt Eros erbeben. So kann auch ein vernünftiger Menschen plötzlich irrational handeln.
Genau wegen dieser Eigenschaft, fordert Eros von den Menschen Respekt. Wer stets Eros' dämonische Macht ignoriert, verfällt seinem erotischen Wahn, während sein Körper degeneriert.

Agape, Philia und Eros deuten auf die Liebesenergie, die zwischen polaren Gegensätzen wirkt: zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott, zwischen Frau und Mann, usw.

Wahrheit

Liebe lässt sich aber auch abstrakter definieren. So ist die Neigung zur Wahrheit auch eine Form der Liebe. Manchmal besitzt Wahrheit die Kraft, seelische Wunden zu heilen. In ihr zeigt sich dann die Zuneigung Gottes. Gott ist ein Synonym für Liebe. Doch da im Namen Gottes schon so viel Unglück auf die Welt kam, glauben viele zu meinen das sei nicht wahr. Doch es war der Unglückbringer nicht Gott, sondern der Name der missbraucht wurde!

Ähnlich hält es sich mit dem Wort "Wahrheit". Es steht für eine Serie von Realitäten, in denen all die vielen Aspekte des Göttlichen repräsentiert werden.
Diese Aspekte kreuzen unsere Wege wenn wir uns mit den übermächtigen Wahrheiten der Göttergestalten im alten Ägypten, Griechenland und Rom befassen. In vielen Mythen und Legenden alter Völker geht es um Konflikte, die sehr unseren persönlichen Lebenskonflikten ähneln. Sie zeigen, dass der Mensch nur durch die Schwierigkeiten im Leben über sein Menschsein hinauswachsen kann.
Wer Konfrontationen mit anderen aus dem Weg geht, kann nicht verstehen was Liebe wirklich ist. Nur wer sich sozialen und psychischen Problemen stellt, kann überhaupt erst herausfinden was Mitgefühl bedeutet. Wer das versteht, für den ist wahre Liebe möglich. Nur wer Ignoranz durch Toleranz ersetzt, der erkennt die Bedeutung dieser Wahrheit, da er bereit ist jedem für sein vermeintliches Fehlverhalten einen Grund einzuräumen.

Wahrheit erfüllt für Menschen einen Zweck: Wege zur Erlösung zu finden. Doch was Wahrheit tatsächlich ist, lässt sich ebenso schwer beschreiben wie das, was das Wort Gott zu sein meint.
So kann Wahrheit oft eine Quelle von Widersprüchen und Schnittstelle unzähliger Meinungen und Kritikpunkte sein. Was für den einen stimmt, dass muss für einen anderen gar nicht wahr sein. Selbst die notwendigsten, unausweichlichen Wahrheiten befinden sich jenseits dessen, was Menschen akzeptieren können. Es gibt eben so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt - und wahrscheinlich eben so viele Götter! Und doch sind all das nur Namen. Auch der Liebe wurde ein Name gegeben. Fragte man einen jüdischen Menschen ob er an Allah glaubt, würde er wohl verneinen. Trotzdem glauben die Juden an das was mit Allah gemeint ist; es ist nämlich die arabische Variante des Singulars "El", aus dessen Plural "Elohim", das hebräische Wort für Gott gebildet wird. Mit diesem Wort beginnt die Bibelgeschichte:

Und Elohim (Gott) sprach: Es werde Licht!

- Genesis 1:3

Isa und Maryam - ewigeweisheit.de

Isa und Maryam - Darstellung in einer persischen Miniatur

Sind Wahrheit und Liebe nur Konzepte?
Fragte man einen gebildeten Muslim ob er an Jesus Christus glaube, verneinte er vielleicht. Fragte man ihn hingegen nach Isa ibn Maryam (Jesus der Sohn der Maria), würde er bestätigen, dass Jesus als Gesandter Gottes von der Jungfrau Maria zur Welt gebracht wurde.

Wahrlich, der Christus Jesus, Sohn der Maria, ist Allahs Gesandter und sein Wort, das er Maria entboten hat, und Geist von ihm.

- Sure 4:171

Namen also - nichts als Namen für ein und den selben Gott. Und was für die Namen gilt, das gilt auch für die Symbole - doch das ist ein anderes Thema.

Letztendlich können wir sagen, dass das Wort Wahrheit von den meisten Menschen ähnlich definiert wird. Als wahr gilt die gesehene Realität - das was sich vor unseren Augen abspielt und wir gemeinsam wahrnehmen - all das wird generell für wahr gehalten. Wenn zwei Menschen unabhängig voneinander ein verliebtes Paar sehen, dürfte beiden die Lage klar sein. Ist Liebe vielleicht auch die Wahrheit im gemeinsam Erkannten?

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger [...]

- Genesis 4:1

Weisheit

Weisheit ist eine weitere Ebene auf der sich Liebe und Wahrheit bewegen. In ihr sind sie gleichermaßen enthalten. Weise Menschen werden geliebt, da sie zum Wohle ihrer Mitmenschen sprechen und handeln. Durch ihr Wirken können die Wege zur Wahrheit gefunden und erreicht werden.

Dankbarkeit

Eine weitere Form der Liebe ist die Dankbarkeit. Alles was uns an guten Dingen und wahren Ereignissen widerfährt, dafür können wir - und sollten wir - dankbar sein.
Liebevolle Dankbarkeit empfinden wir für jene Menschen, die in unserem Namen oder uns zu gute handeln. Das können gute Freunde, Lehrer, Priester, Psychologen, aber auch Arbeitskollegen oder Fremde Menschen auf der Straße sein. Dankbarkeit ist Teil der Liebe und kann manchmal als einfaches, kurzes Glücksgefühl empfunden werden.

Glaube, Liebe und Hoffnung - ewigeweisheit.de

Drei Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung - farbige Zeichnung von Julius Schnorr von Carolsfeld (1911)

Tugendhaftigkeit

Auf höchster Stufe seiner Existenz versucht der weise Mensch ein tugendhaftes Leben zu erringen. In seiner Liebe erkennt er das Gute, dient dem Schönen und verehrt das Ewige im Einen: das ist Gott. Diese drei Ebenen fügen sich zu einer Triade tugendhafter Attribute der Liebe.

Liebe in der Familie

Im Zusammenleben ist Liebe lebensnotwendig und basiert auf gegenseitiger Zuneigung und Rücksicht. Im alten China sprach man deswegen auch von Treue. In dieser Form der Liebe stehen die liebenden Familienmitglieder unter einer höheren Führung.
Familienliebe ist Basis aller menschlichen Beziehungen in dieser Welt. Solange wir dieser Liebe Wert beimessen, haben unsere Zuneigungen moralischen Wert. Und da Liebe eine Emotion ist die auf Zuneigung zu einer Person basiert, ist die Liebe in der Familie eine Liebe der Eltern zu den Kindern und der Kinder zu den Eltern. Diese Art Liebe dehnt sich auch auf die Besucher des Familienumfeldes aus. Dazu gehören Onkel, Tanten, Großeltern und die Freunde der Eltern. Damit kann sich Liebe immer auf mehrere Personen beziehen, woraus sich auch eine Liebe der Menschheit entwickeln kann.

Doch Liebe in der Familie ist nicht gleich Liebe in der Familie. Leider ist es oft eine gezwungene, zweckmäßige, von den Verhältnissen geforderte Liebe. All die Schwächen der Mitglieder einer Familie, insbesondere jene der Eltern - wo man doch Kleinkindern keine Schwächen beimessen kann - sind oft alles andere als liebevoll. Teils aus Angst vor Verlust oder aus unverarbeiteten Aggressionen gegen andere - etwas dass sich leider auch als Gewalt in der Familie äußert. Was dann als Liebe in der Familie bezeichnet wird, bedeutet reine Zweckmäßigkeit. Da wahre Liebe aber niemals einen Zweck erfüllen kann, kann sie unter solchen Umständen auch nicht entstehen. Leider wird das oft ignoriert oder vielleicht niemals als so etwas erkannt. Was Liebe eigentlich bedeutet, bleibt auch dann unklar, wenn ein Elternglied dominant ist, während das andere stets eine Nebenrolle einnimmt - ganz gleich ob selbst gewollt oder unfreiwillig. Aus solch unsicheren Konstellationen des Familienlebens, geht eine große Gefährdung aus. Nicht nur für die Nachkommen, sondern für die Zukunft eines ganzes Volkes! Wo Gewalt an Kindern und Missbrauch hingenommen werden, kann keine Grundlage für Liebe entstehen, sondern eher eine Brutstätte des Elends.

Familien sind niemals autonom, sondern immer von den Werten einer Gesellschaft abhängig. Den ersten Kontakt zu dieser Gesellschaft erhält ein Kind über die Familie. Dort wird ihm ein grundlegendes Weltbild vermittelt. Doch das daraus entstehende Denken und Handeln des Kindes, wird ganz wesentlich vom gesellschaftlichen Umfeld mitgeprägt.
Ganz gleich ob ein Kind nun also besonders geliebt oder ignoriert wird, übernimmt es wie selbstverständlich diese Prägungen in sein eigenes Verhalten. Hier entstehen Veranlagungen und Sichtweisen, wie mit Zuneigung und Ablehnung, Liebe und Missachtung umgegangen wird.

Die Familienstrukturen in unserer Gesellschaft haben sich immer wieder verändert. Ein einheitliche Familienmodell gibt es heute überhaupt nicht mehr, denn die Formen des Zusammenlebens sind vielfältiger geworden, die traditionelle Familie mit mehreren Kindern eher eine Ausnahme. Darum änderte sich auch die Art der Liebe unter Familienmitgliedern, die oft auch außerhalb der Familie gefunden wird.

Die Familie, Gemälde von Charles W. Hawthorne - ewigeweisheit.de

Die Familie - Gemälde von Charles W. Hawthorne.

Liebe unter Freunden

Freundschaft ist manchmal die stärkste Form der Zuneigung. Liebe zwischen Verwandten hat nur selten die Kraft, die in der Liebe zwischen guten Freunden besteht. Freundesliebe ist eine aufrichtigere Liebe. Sie ist die stärkste Verbindung die wir mit anderen Menschen haben können - stärker als jede Form der Brüderlichkeit.
Leider wird Freundschaft manchmal aber falsch verstanden und zwar dann, wenn wir Menschen für den Nutzen lieben, den sie uns liefern können und weniger dafür, was wir ihnen geben könnten.

Liebe zum Vaterland

Vaterlandsliebe oder Patriotismus waren mir immer fremd. Meine Vorfahren stammten aus Preußen, Mähren, Turkmenistan und Anatolien - alles Länder und Regionen, die heute entweder anders heißen oder von größeren Staaten einverleibt wurden. Und da ich selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, fühlte ich mich zwar immer als Deutscher - da ich ja in dieser Sprache denke und hier schreibe - doch einen Patriotismus konnte ich nie entwickeln. Vielleicht wäre es anders, trüge ich einen deutschen Namen.
Doch selbst wenn erklärtermaßen alle Einwohner Deutschlands einen deutschen Namen trügen, könnte Liebe zum Vaterland dennoch nicht genau definiert werden. Vielleicht ist es eine Ausnahme wenn die Fußball-Nationalelf tritt zur Meisterschaft antritt.

Alles was man mögen kann ist vielleicht die Struktur der Bevölkerung. Doch diese ändert sich ständig. In 50 Jahren bedeutet Vaterlandsliebe für die Deutschen vor allem Mitgefühl mit den Rentnern (um 2060 kommt auf einen Steuerzahler ungefähr ein Rentner).

Kulturelle Einflüsse anderer Staaten spielen auch eine wichtige Rolle. Das haben wir in der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte gesehen. Die gesamte Kultur, was und wie man aß, wo Ferien verbracht, wie Feste gefeiert, welche Wörter für dies und jenes verwendet wurden: all das war in Ost- und Westdeutschland teils ganz verschieden. Selbst wenn die deutsche Wiedervereinigung mehr als 20 Jahre her ist, wird es noch mindestens zwei oder drei Generationen benötigen, bis sich die kulturellen Risse der Vergangenheit schließen und Deutschland zu einer gemeinsamen Kultur zusammengewachsen ist. Das wäre schön.

Vielleicht werden sich die Staatengefüge insofern aber immer weiter auflösen, da die Strukturen großer Konzerne den Menschen aufgezwungen werden (Stichwort Freihandelsabkommen). Weniger als Despotismus, als eine alltägliche, fast unmerkliche Steuerung menschlicher Emotionen durch das, was man als digitale Medien bezeichnet. Nehmen Sie einem Jugendlichen das Smartphone weg und verbieten sie ihm eine Woche WhatsApp und Facebook: seine Nationalität ist ihm dann wohl eher egal.
Noch vor 100 Jahren hätte sich niemand überlegen gefühlt, weil er im Besitz einer besonderen Technologie war. Das ist in unserer heutigen "Wer-Hat"-Mentalität ganz anders. Konzerne sind die gegenwärtigen Meinungsbildner. Nur wenige fühlen sich von ihrer Landesregierung repräsentiert.

Also: Liebe zum Vaterland? Was bedeutet "Vaterland"? Wäre es nicht Zeit das Mutterland wieder zu finden? Was ist mit der Muttersprache die wir lieben könnten oder der Sprache die in diesem Land gesprochen wird? All die Poeten und Denker, die in dieser Sprache geschrieben und gedichtet haben wie Goethe, Hölderlin, Rilke, Heidegger, Sloterdijk, ... - pflegten sie nicht auch eine Muttersprache?
Vaterlandsliebe ist gar nicht so einfach zu definieren.

Tierliebe

Haustiere tragen sehr viel zu unserer eigenen Integrität bei. In der Not sind sie für uns da. In der menschlichen Kulturentwicklung spielte vor allem der Hund eine wichtige Rolle. Dieser Verwandte von Wolf und Kojote, ist seit sehr langer Zeit des Menschen Freund. Er hat ihn in seiner Entwicklung begleitet, ihm Schutz, Liebe und Treue geschenkt. Man denke etwa an den Schäferhund, der die Herde beisammenhält und so in älterer Zeit einen ganz integralen Teil menschlichen Zusammenlebens darstellte. Es mag ein Zufall sein, dass der so bedeutende "Hundsstern" Sirius, überall auf der Nordhalbkugel kulturell verehrt wurde, doch was der Sirius in der astralen Welt darstellte, wurde der Hund für den Menschen auf der Erde.

Auch im Umgang mit Kindern, können Haustiere wie Hunde oder Katzen intuitiv eine wesentliche pädagogische Rolle einnehmen.
Eine der bekanntesten Legenden über dieses Verhältnis, finden wir in der Gründungssage der italienischen Stadt Rom. Die Stadtgründer Romulus und Remus wurden nach ihrer Geburt als Säuglinge ausgesetzt. Das Schreien der Kinder lockte eine Wölfin an, die sie in ihre Höhle brachte und dort säugte. Ein Specht brachte den Zwillingen zusätzliche Nahrung.

Die alten Ägypter verehrten die Katzengöttin Bastet als Symbol der Liebe.

Liebe zum Schönen

Die Liebe zur Schönheit ist vor allem die Liebe zur Kunst. Musik, Malerei, Bildhauerei, Tanz und Theater sind auf Ebene der Ästhetik alles Formen der Schönheit. Um die Liebe zu Gott und übernatürlichen Gesetzen auszudrücken, gab es in den Kulturen des Westes und Ostens immer Künstler, die die Manifestationen des Göttlichen in ihren Kreationen ausdrückten. Wie kaum eine andere, wurde die Göttin der Liebe als Inbegriff der Schönheit, in unzähligen Kunstwerken gezeigt. Mal heißt sie Aphrodite, ein andermal Venus oder Freya.
Liebe kann aber auch für Werte empfunden werden, die weder sichtbar noch definierbar sind.

Für all jene die in der Gesellschaft ihren Platz gefunden haben, ist Schönheit Gegenstand der Anziehung. Sie lieben das Schöne das sie im Leben umgibt. Es ist jedoch eine unpersönliche Art der Liebe, da sie sich ja auf etwas außerhalb von uns bezieht. Somit kann Liebe auch etwas Unpersönliches sein und bedarf keines persönlichen Objekts.
Zwar war in alter Zeit, verglichen mit heute, die ursprüngliche Auffassung von Schönheit nur sehr dürftig, es war den alten Menschen aber wichtig etwas schön zu finden das man erst erringen musste.

Natürlich ist auch Naturverehrung eine Form der Liebe zum Schönen. Wer die Natur und ihre Vorgänge verehrt, weiß ihre Gesetze und Formen zu würdigen. Maler (z. B. Caspar David Friedrich) haben das in ihren Gemälden, Musiker (z. B. Antonio Vivaldi) in ihren Kompositionen zum Ausdruck gebracht.

Liebe und Opferbereitschaft

Wir hatten oben ausführlich beschrieben, das die höchste Form der Zuneigung, die metaphysische Liebe Agape ist. Natürlich ist der christliche "Sohn Gottes", der brutal ans Kreuz geschlagen wird, das Symbol für das Opfer, dass er zur Vergebung der Sünden der Menschheit erbrachte.
Solch kosmisches Ereignis zeigt welcher Art Opfer es bedarf, um für die Menschheit den Misszustand der Ignoranz durch Liebe aufzuwiegen.

Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen;
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.

- Johann Wolfgang von Goethe

Das Opfer und Liebe zusammengehören, werden sicherliche auch alle Liebes- und Ehepaare bestätigen. In der Liebe zwischen Partnern geht es nicht nur um den Ausgleich im Nehmen und Geben, sondern auch ums das erbrachte Opfer. Wenn aber ein Teil der Partnerschaft auf Dauer nichts dafür zurück bekommt, könnte er den Eindruck gewinnen nicht geliebt zu werden. Selbst wenn man alles für den neu gewonnenen Liebespartner tun könnte und auch würde: nach spätestens drei Monaten nimmt diese Opferbereitschaft langsam ab. Jetzt geht es um den Zweck einer Partnerschaft, die sich nicht allein auf körperlicher Ebene erhalten lässt. Auf Dauer muss darum ein Ausgleich kommen, sonst verliert die Beziehung ihre Motivation.
Sicherlich gibt es an meiner Stellungnahme viele Kritikpunkte und ich hoffe dass Sie diese äußern!

Quanyin - ewigeweisheit.de

Quanyin - die Göttin des Mitgefühls

Göttliche Verkörperungen des Mitgefühls

In Ostasien ist Quanyin (auch: "Kuan Yin" oder "Guanyin") Göttin des unendlichen Mitgefühls für alle Lebewesen. Sie ist die chinesische Variante des Boddhisattva Avalokiteshvara aus dem Mahayana-Buddhismus - dem gnadenvollen Buddha der von Gläubigen durch die Formel "Om Mani Padme Hung" angerufen wird.

Quanyin verschrieb ihre Existenz dem Dienst an der Menschheit. Solange sie nicht jedes andere Lebewesen erlösen und mit sich von dieser Welt nehmen konnte, solange konnten die lebenden Wesen nicht aus dem Kreislauf des Leidens erlöst werden. Wer darum im Sinne Quanyins handelt, der wird seinen Frieden anderen Menschen zu Liebe aufopfern. Eigentlich ist das der Punkt im dem wahre Liebe beginnt - auf der Ebene bedingungsloser Hingabe.

Wenn Liebe kommt, teilt sie uns mit was zu tun ist. Erfüllung und Glück finden wir im Dienste höherer Werte. Solange wir diese höheren Werte der Liebe nicht erfahren, verstehen wir auch nicht was Liebe wirklich bedeutet.

Eine andere wichtige Gestalt ist der erwartete große Weltlehrer Buddha Maitreya. Sein Name stammt aus dem Sanskrit (maitri) und steht für die universale Liebe, Güte und Freundschaft zu den Wesen des Seins.
Buddhistischen Quellen zufolge soll Maitreya um das Jahr 3.500 auf der Erde erscheinen. Dieses Datum entspricht in etwa dem Datum das auch Rudolf Steiner für den Beginn der sechsten nachatlantische Kulturepoche genannt hat. Dann soll das Böse zugrunde gerichtet und der Egoismus endgültig überwunden werden.

Buddha Maitreya - ewigeweisheit.de

Der in Fernost erwartete Buddha Maitreya

Auf Liebe beharren

Wenn es um das Konzept einer kosmischen Liebe geht, denken wir im Westen vielleicht an den Christus der sich in einem kosmischen Zusammenhang verkörpert. Was damit gemeint ist, darauf gibt uns das Johannes-Evangelium Auskunft:

Welcher nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe (Agape), die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebt. So jemand spricht: "Ich liebe Gott", und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

- 1. Johannes 4:15-21

Sollten wir uns also nicht durch Zuneigung und Liebe zu den Menschen führen lassen? Schließlich existieren wir alle wegen dieser einen Liebe. Nur befindet sich ihr Geheimnis jenseits unseres Verstehens.

Wir bringen Kinder auf die Welt um sie zu lieben, ihnen dabei zu helfen ihre Ziele zu erreichen, zu wachsen und ihre Bestimmung zu erfüllen. Kinder sind nicht unser Besitz, den wir unseren Wünschen gemäß formen. Unsere Kinder sind Menschen die es zu beschützen gilt, bevor wir sie hinaus gehen lassen in die Welt.
Wir entlassen unsere Kinder ins Leben zur Erfüllung ihres Selbst. Alles sollte darum getan werden, das ihr Leben so reich und vornehm wie möglich gestaltet wird, bevor sie sich auf ihre individuelle Lebensreise begeben.
Wenn aber diese wertvollen Eigenschaften von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, warum wird das Wort Liebe dann so oft falsch verstanden?

Vielleicht überschattet der Eigennutz des modernen Menschen viele seiner Emotionen. Jeder versucht sich gegen jene zu schützen, die sich boshaft gegen ihn wenden. Er neigt dazu Übles mit Üblem zu vergelten. Wie soll so aber die Unfreundlichkeit gegenüber anderen jemals ein Ende nehmen?
Diesem Teufelsreislauf kann nur entrinnen, wer die Sicht auf die Dinge ändert und sich immer wieder fragt, wie er seine Emotionen besser kontrollieren kann.

Wichtig ist welche unserer Emotionen als Mittel zur Verständigung mit anderen dienen. Wer das herausgefunden hat, der wird die Bedeutung wahrer Zuneigung und Liebe erkennen.

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Die Goldenen Verse des Pythagoras

Bete zuerst zu den unsterblichen Göttern, denn sie wurden erschaffen und bestimmt nach göttlicher Ordnung.

2. Ehre den Schwur und dann den Helden, erfüllt von Güte und Licht.

3. Ehre ebenso die unterirdischen Geistwesen, indem Du ihnen opferst, wie es die Ordnung verlangt.

4. Ehre ebenso Deine Eltern und jene, die Deiner Familie angehören.

5. Unter allen anderen der Menschheit, befreunde Dich mit denen, die sich selbst als Tugendhafte zu erkennen geben.

6. Folge immer den sanften Mahnrufen des Einen und nimm Dir ein Beispiel an seinem rechtschaffenen und beispielhaften Tun.

7. Vermeide um jeden Preis, Deine Freunde wegen kleiner Vergehen zu hassen.

8. Willenskraft und Notwendigkeit liegen nahe beieinander.

9. Bedenke, dass alle Dinge so sind, wie ich Dir mitgeteilt; und übe Dich darin die Leidenschaften zu überwinden und Deine fehlerhaften Veranlagungen zu besiegen.

10. Davon in erster Linie Fresssucht, Faulheit, Wut und Sinnenlust.

11. Tue kein Übles, weder in Gegenwart anderer, noch insgeheim mit Dir.

12. Vor allem aber, respektiere Dich selbst.

13. Als nächstes sollst Du Dich selbst beobachten, im Deinem Tun und Reden Gerechtigkeit walten lassen.

14. All Deine Tun soll vernünftig diesen Vorschriften folgen.

15. Refektiere über dies immer wieder, denn es ist vom Schicksal einem jeden beschieden einmal zu sterben.

16. Und so wie die Güter des Glücks erworben werden, gehen sie auch wieder verloren.

17. So erleiden die Menschen das gottgesandte Schicksal.

18. Doch nimm Dein Los gelassen hin, sei niemals mürrisch, was immer auch kommen möge.

19. Aber bemühe Dich, soweit Du vermagst, der Nöte abzuhelfen,

20. Und bedenke Folgendes: Das Schicksal lädt nicht dem guten Menschen die größte Bürde und Unglück auf.

21. Viele verschiedene Arten der Urteilskraft findet man unter den Menschen, gut wie schlecht.

22. Doch sollst Du nicht davor erschrecken oder Dich ihnen verweigern.

23. Wenn Dir aber Falschheiten begegnen, so nimm sie auf mit Sanftmut, und rüste Dich allein mit Gelassenheit.

24. Erfülle aber alles getreu, was ich Dir jetzt sagen werde:

25. Lass niemals zu, dass Dich die Worte oder Taten eines anderen verführen.

26. Noch lasse Dich dazu verleiten, etwas zu tun oder zu sagen, was von Nachteil für Dich sein könnte.

27. Hole Rat ein und überlege genau, bevor Du handelst, damit nicht Törichtes daraus entstehe.

28. Denn man erkennt den Toren an seinem nutzlosen und unreflektierten Handeln und Reden.

29. Tue aber das, was Dich nachträglich nicht belastet, oder Dich zur Reue verpflichtet.

30. Tue niemals etwas, das Du nicht verstehst.

31. Lerne aber alle Dinge die Du nicht verstehst und Du wirst ein sehr erfreuliches Leben haben.

32. Sei nicht nachlässig wenn es um die Gesundheit Deines Körpers geht;

33. Sondern trinke und esse nach Maß, und übe Körper und Geist.

34. Ich sage Dir: halte Maß, auf das es Dich nicht erschöpfe.

35. Gewöhne Dich an eine reine und ordentliche Lebensweise ohne Luxus.

36. Vermeide alles, was anderen Anlass gibt, neidisch zu sein.

37. Sei auch nicht verschwenderisch, auch wenn Du glaubst, noch nicht zu wissen, was Ordnung und Ehrenhaftigkeit bedeuten.

38. Noch sei habgierig oder geizig; denn in allen Dingen das Ma. zu halten, ist das Allerbeste.

39. Tue nur Dinge, die Dir nicht schaden, doch erwäge was am angemessensten ist, bevor Du zur Tat schreitest.

40. Auch sollst Du nicht mit müden Augen zu Bett gehen,

41. Bevor Du nicht sorgfältig und mit Vernunft noch einmal alles in Gedanken nachgeprüft hast, was Du am Tag getan und was Du unterlassen hast.

42. Habe ich unrecht gehandelt? Was habe ich mit Liebe vollbracht? Was habe ich unterlassen, was ich eigentlich hätte tun sollen?

43. Wenn Du, mit dem Wichtigsten beginnend, hierbei fändest, dass Du Ungutes getan, so ziehe Dich selbst dafür zur Rechenschaft;

44. Und wenn Du Gutes vollbracht hast, so sei glücklich darüber und erfreue Dich.

45. Übe Dich sorgfältig darin – meditiere über all diese Dinge; Du solltest sie in Deinem Herzen beheimaten und lieben.

46. So wirst Du auf den Weg zur Göttlichen Tugend kommen.

47. Das schwöre ich bei dem, der unseren Seelen die Heilige Vierheit der Tetraktys eingepflanzt hat, der Quelle der Natur, deren Ursache ewig ist.

48. Niemals aber beginne mit der Arbeit, bevor Du nicht ein Gebet an die Götter gerichtet hast, mit der Bitte Dir zu helfen Dein Werk vollbringen zu können.

49. Wenn Dir dies zu einem Brauch geworden ist,

50. Wirst Du die Gestalt der unsterblichen Götter sowie die der Menschen erkennen.

51. Ganz gleich wie weit sich die verschiedenen Wesenheiten erstrecken, und durch was sie erhalten oder verbunden werden.

52. Du sollst ebenfalls wissen, das, entsprechend göttlicher Ordnung, die Beschaffenheit des Universums in allem gleichen Wesens ist und sich entspricht.

53. Sodass Du weder erhoffst, was Du nicht erhoffen solltest, noch Dir irgendetwas in dieser Welt verborgen bleiben soll.

54. Du wirst erkennen, dass die Menschen für ihr Unglück selbst zu Schulden kamen, durch ihren eigenen freien Willen.

55. Wie unglücklich sind jene, die weder sehen noch verstehen, dass sich das Gute in ihrer Nähe befindet.

56. Nur wenige wissen wie sie sich aus ihrem eigenen Unglück befreien können.

57. Das ist das Verhängnis dessen Schleier die Sinne der Menschen verwirrt.

58. Sie gleichen riesigen Felsen die hin und her rollen, unter der Last ihrer vielen Gebrechen.

59. Denn ein tödlicher, scheinbar unbemerkte Begleiter, der Streit, schleudert sie hoch und runter, ins Verderben.

60. Doch anstatt die Zwietracht anzuschirren, muss man sie vermeiden, ihr entfliehen.

61. Wahrhaftig! Zeus, unser Vater! Du würdest all jene von diesen Übeln erlösen,

62. Würdest du sie nur alle sehen lassen, von welchem Geist (Daimon) sie ihr Leben leiten lassen.

63. Doch sei guten Mutes; Die Menschen sind göttlicher Abstammung.

64. Die heilige Natur enthüllt ihnen die verborgensten Geheimnisse.

65. Wenn sie Dir gewährt ihre Geheimnisse zu schauen, so wirst Du alle Dinge mit Leichtigkeit vollbringen können, in die ich Dich zuvor eingeweiht habe.

66. Und durch die Heilung Deiner Seele, wirst Du sie von allen Übeln und von allem Leid befreien.

67. Aber enthalte Dich von alle dem, das wir Dir in den Reinigungen zur Erlösung der Seele verboten haben.

68. Unterscheide recht zwischen allen zuvor genannten Dingen, und prüfe sie auf das Genaueste.

69. Bedenke dies alles, wenn du wählst, und lasse Dich durch die beste Erkenntnis von oben durchs Leben führen.

70. Und wenn Du schließlich eines Tages Deinen sterblichen Körper verlässt, so möge Deine Seele frei den reinen Äther durchmessen.

71. Du wirst ein unsterblicher Gott sein – keiner kann Dir etwas anhaben – nicht einmal der Tod.

Pythagoreer zelebrieren Sonnenaufgang - ewigeweisheit.de

Pythagoreer zelebrieren den Aufgang der Sonne - Gemälde von Fyodor Bronnikov