Meditation

Kraft der heiligen Mantras

von S. Levent Oezkan

Om Tat Sat Mantra - ewigeweisheit.de

Ein spiritueller Trank für die durstige Seele: Das ist Japa-Yoga, wo man besondere Mantras wiederholt – entweder in Gedanken oder sprechend, als heilige Silbe, heiligen Namen oder heiligen Vers. Auf dem Weg zur Verwirklichung gleicht Japa einem geistigen Elixier, das den Übenden dem Göttlichen näher bringt.

Besonders in unserer heutigen Zeit, die sich, laut hinduistischer Kosmologie, im gegenwärtigen Kali-Yuga ereignet, dem »Zeitalter des Streites« (entsprechend »Eisernem Zeitalter« alt-griechischer Kosmologie), dient Japa-Yoga dem Übenden dabei aus sich selbst heraus Frieden zu finden.

An sich besteht Japa darin bestimmte Mantras zu wiederholen, die als »Nama«, dem Namen, und »Rupa«, dem heiligen Objekt unserer Vorstellung, untrennbar miteinander verbunden sind. Entsprechend sind Gedanke und Worte fest miteinander verbunden, wie ebenso Bilder im Geiste mit den konkreten Dingen unserer Welt.

Wann immer wir an den Namen denken, einer uns nahe stehenden Person, erscheint ihre Gestalt vor unserem geistigen Auge. Erscheint indessen dieser Mensch in unseren Gedanken, denken wir entsprechend an seinen Namen. Genauso ist es mit den heiligen Namen, die ein Yogi in seiner Japa-Praxis rezitiert (in Gedanken oder laut), wie etwa »Rama« (den göttlichen Namen der siebten Inkarnation Vishnus, des hinduistischer Gottes der Erhaltung der Welt) oder »Krishna« (der achten Inkarnation Vishnus, Wahrzeichen vervollkommneter göttlicher Hingabe).

Seit uralter Zeit des Alten Veda (Heilige Lehre der Hindus) standen die in den Mantras geheißenen göttlichen Namen für geistige Symbole höchster Göttlichkeit. Sie wurden den Weisen einst offenbart, in den innersten Lehren der göttlichen Gemeinschaft. Solche heiligen Symbole ermöglichen dem Japa-Yogi Zugang zu finden, zu den transzendentalen Bereichen absoluten Erfahrens. Dabei bildet Japa die exakte Wissenschaft spiritueller Praxis, in der sich jedes rezitierte Mantra aus den folgenden sechs Teilen zusammensetzt:

  1. Dem Rishi, das ist ein mystischer Weiser, der Selbstverwirklichung erlangte, da er derjenige war, dem ein besonderes Mantra zum ersten Mal offenbart wurde und durch den dieses Mantra entsprechend in die Welt kam.
  2. Chhandas bildet das Metrum eines Mantra, das den Tonfall der Stimme seines Sprechers vorgibt.
  3. Devata bildet die offenbarte Kraft, die in einem Mantra wirkt: Die dem Mantra vorsitzende Gottheit.
  4. Bija ist die Essenz eines Mantras und bildet dessen geistigen Keim. Das Bija stellt eine bedeutungsvolles Wort oder eine Reihe solcher Wörter dar, die einem Mantra seine besondere Kraft verleihen.
  5. Shakti ist die Energie die durch die Form (Schwingungsform, Klang) eines Mantras erzeugt wird und den Yogi zum Devata führt – zu seiner Schutzgottheit.
  6. Schließlich hat das Mantra einen Kilaka, dem Sanskrit-Wort für einen Stift oder Holzpfropfen. Symbolisch verschließt ein solcher, die in den Namen eines Mantra verborgene reine Essenz (Bija), die für das reine Bewusstsein eines spirituell Erwachten steht. Durch ständiges Wiederholen eines heiligen Namens, wird dieses darin liegende, verborgene reine Bewusstsein allmählich enthüllt.
  7. Der Chaitanya schließlich, bildet den zunächst verborgenen lebendigen Geist des Mantra. Sobald sich der »Stöpsel des Kilaka« durch ständige und anhaltende Wiederholung des Mantras allmählich löst, wird dieses verborgene Chaitanya enthüllt, so dass aus dem Übenden irgendwann ein Gottgeweihter wird, der da mit der Göttlichkeit (sanskr. »Ishtadevata«) zusammentrifft und die sich ihm hierbei zeigt (sanskr. »Darshana«).

Mantras: Klänge und Bilder

Klänge sind Schwingungen, die in der Luft eines Raumes bestimmte Formen bilden. Geht soch Klangform von einem rezitierten heiligen Namen aus, so glauben die Yogis, gestaltet sich dabei ein geheimnisvolles Schallgebilde, das die Kraft hat die Manifestation der Göttlichkeit herbeizuführen, sie darin quasi einzuladen.

Zitiert man demnach ein Mantra auf die richtige Weise (ein Mantra das einer bestimmten Gottheit zugeordnet ist), bilden die dabei erzeugten Schwingungen in höheren Ebenen des Bewusstseins für diesen Moment eine besondere Form, die eine Gottheit verkörpert. Durch Wiederholen des Panchakshara-Mantra – »Om Namah Shivaya« (deutsch: »Om Ehre dem Shiva«) – erzeugt ein Yogi damit also die Form des Gottes Shiva und mit »Om Namo Narayanaya« die Form des Gottes Vishnu.

Götter beten dass Vishnu sich auf Erden inkarnieren möge - ewigeweisheit.de

Die Götter beten, dass Vishnu sich auf Erden inkarnieren möge (Titelcover einer Mahabharata-Ausgabe von Ramanarayanadatta Astri).

Die Herrlichkeit der Göttlichen Namen

Von dem Gesagten ließe sich also schließen, dass ein gesungener oder bewusst rezitierter Name Gottes, eine tatsächlich fühlbare Wirkung zeigen kann. So wie es des Feuers natürliche Grundlage ist zu brennen, so birgt jeder göttliche Name die Kraft, einen Menschen, der sein Mantra singt, zu glückseliger Vereinigung mit der ihm entsprechenden göttlichen Herrlichkeit zu führen. Was dabei jedoch vor sich geht, ereignet sich jenseits allen intellektuellen Verstehens, jenseits aller Vernunft. Nur durch hingebungsvolles Üben als gläubiger Mensch, kann das heilige Wirken der göttlichen Namen letztendlich verwirklicht werden.

In jedem Wort steckt eine Shakti, eine spirituelle Kraft. Spricht einer über Negatives in Gegenwart eines Freundes, der gerade seine Mahlzeit einnimmt, so wird dieser das Ungute darin mitessen. Andererseits ist es ja so, dass wir, wenn wir an eine unserer Leibspeisen nur denken, uns bereits das Wasser im Munde zusammenläuft. Wenn darum die Namen der gewöhnlichen Dinge dieser Welt, eine solche Kraft in uns freizusetzen vermögen, welch ungeheure Energie haben dann erst die Namen Gottes!

Was wir als Gott bezeichnen, meint die Vollendung und Vollkommenheit aller Existenz, und entsprechend ist auch sein Name unübertrefflich und makellos. Somit liegt in den göttlichen Namen – ob es uns nun bewusst ist oder nicht – eine unermessliche Kraft. Drängt sich da nicht die Frage auf, ob einem echten Japa-Yogi dann überhaupt noch etwas bleibt, das unmöglich ist?

Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Mantras der heiligen Namen nicht etwa Menschen erfanden. Sie kommen aus der Geisteswelt des Himmlischen und wurden uns als Mittel gegeben, damit sich Gott selbst in unserem Leben verwirklichen will – wenn auch nur, wie bei allem im Leben, für eine gewisse Dauer.

Wenn der Name einer Sache in dieser Welt das Bewusstsein dieser Sache im Geist erzeugt, so erzeugt der Name Gottes das Gottesbewusstsein im gereinigten Geist, das heißt, dass dabei das gesungene, heilige Mantra zur direkten Ursache der Verwirklichung wird, von eben solch höchster göttlichen Vollkommenheit.

Die verschiedenen Formen des Japa

Unser Verstand braucht Abwechslung. Wenn wir darum Mantra-Rezitation üben, sollten wir solch Mantras mal nur verbal, einige Zeit auch mal nur flüsternd und ein andermal ebenso allein im Geiste wiederholen. Die Yogis sprechen da vom »Manasika-Japa«, der mentalen Mantra-Rezitation. Laute Japa sind »Vaikharis«, die hörbar rezitiert, alle weltlichen Geräusche auszublenden vermögen.

Flüsternde oder summende Wiederholung werden »Upamshu« genannt. Selbst wenn die Wiederholung eines Mantras mal rein »mechanisch« erfolgt, ohne besondere Bewusstheit dafür, reinigt es Herz und Geist mit seiner spirituellen Kraft. Die Wirkung dessen stellt sich zwar erst später ein, doch der Vorgang dieser spirituellen Reinigung erfährt jeder, der regelmäßig Japa übt.

Es gibt aber noch eine weitere Form des Japa: »Likhita«. Hierbei schreibt der Yogi ein besonderes Mantra in ein, allein dafür vorgesehenes Heft, mit einer bestimmten Anzahl an Wiederholungen. Wichtig dabei ist außerdem, dass der Übende dabei einen Vorsatz der Schweigsamkeit einhält – eine Art »spirituelles Schweigen«. Das sanksritische Wort dafür ist »Mauna«. Eigentlich ist Mauna für sich gesehen bereits eine yogische Übung. Japa-Yogis nehmen sich dafür jede Woche Zeit, in der eine Stunde, doch auch einen ganzen Tag lang geübt werden kann. Nicht zufällig begeben sich manche Menschen auf sogenannte Schweige-Retreats, wo sie sogar eine ganze Woche lang schweigen.

Wie dem auch sei, hilft uns der Yoga des Likhita-Japa dabei unsere Konzentrationsfähigkeit weiterzuentwickeln. Es ist jedoch nicht ganz einfach die Vorteile dieses Mantra-Schreibens zu erklären. Eher geht es um die Erfahrung die der übende Yogi dabei macht. Denn das Schreiben von Mantras hilft nicht nur dabei unser Herz und unseren Geist zu reinigen, sondern ist auch eine ganz einfache Geduldsübung. Doch was schon ist Geduld in unserer heutigen, schnelllebigen Lebensart, die nur wenige Menschen noch als echte Stärke erkennen.

Wer jedoch beständig diese Form des Japa übt, wird bald einen friedlichen Geist entwickeln, da er die einem Mantra innewohnende Kraft, die Mantra-Shakti erweckt. So jemand wird allmählich erfahren, wie Göttlichkeit sein ganzes Dasein erfüllt. Weniger relevant dabei ist, ob man nun in Sanskrit einen heiligen Namen oder das Mantra einer anderen Sprache schreibt, als eher die Praxis an sich. Jeder der schreiben kann, ist dazu im Stande.

Vishvamitra, ein alter Hindu-Weiser, in tiefer Meditation. Man sieht ihn vor einem kleinen Feuer Gebetsperlen zählen - ewigeweisheit.de

Vishvamitra, ein alter Hindu-Weiser, in tiefer Meditation. Man sieht ihn vor einem kleinen Feuer Gebetsperlen zählen (Gemälde von Raja Ravi Varma aus dem Jahre 1897).

Japa-Praxis mit dem Rosenkranz der Mala

Wenn wir einem spirituellen Lehrer der östlichen Traditionen folgen – das kein ein Buddhistischer Guru sein, ein Yogi des indischen Vedanta, vielleicht ein christlicher Mönch oder auch ein Sufi-Sheikh der mystischen Tradition im Islam –, dann haben wir von diesem vielleicht ein besonderes Mantra (oder einen Gottesnamen) erhalten. Mittels einer Mala (Gebetskette, Rosenkranz) wiederholen wir dann im Japa dieses Mantra zwischen 108 bis 1.080 Mal täglich (im Sufismus mittels einer Misbaha- Gebetskette entsprechend 99 oder 990 Mal täglich). Besser ist da immer nur ein Mantra zu halten und irgendwann dann ein anderes.

Das von unserem Meister erhaltene Mantra aber behalten wir immer für uns und geben es niemals an andere weiter.

Meister des Vedanta raten in der Morgendämmerung zu beginnen, in der »Stunde Brahmas« (sanskr. Brahma Muhurta: zwischen 03:30 Uhr und 06:30 Uhr morgens) bis zu zwei Stunden lang Japa zu machen. Auch die Zeit der Abenddämmerung eignet sich für Japa und Meditation. Diese Zeit nämlich regiert das sogenannte »Guna Sattva« (deutsch: Kraft der Reinheit). Es ist aber auch möglich Japa etwa mittags oder vor dem Schlafengehen zu machen.

Man dusche oder wasche sich zuvor aber Hände, Mund Gesicht und die Füße, um sich damit für das Japa vorzubereiten. Bevor man mit dem Japa beginnt, rezitiert man ein Gebet (der Tradition entsprechend). Es ist wichtig, bevor man mit Japa beginnt, kurz über die Bedeutung des rezitierten Mantras nachgesonnen zu haben.

Die Japa-Yogis schauen während ihrer Rezitation nach Osten (oder auch Norden), was die Wirksamkeit des Japa erhöhen soll. Sie setzten sich dabei auf einen kleinen Teppich oder eine Wolldecke, damit der Körper frei beweglich bleibt. Grundsätzlich gilt in der Japa-Praxis jedoch eine ruhige Haltung zu behalten. Am besten sitzt man dafür in einem separaten Meditationsraum oder an einen anderen geeigneten Ort, wie etwa in einem Tempel oder aber in der freien Natur, an einem schattigen Plätzchen. Wichtig ist, dass man nicht abgelenkt wird, wie etwa durch ein klingelndes Telefon, Töne eintreffender Nachrichten oder dergleichen.

Man lasse die Mala während des Japa nicht unterhalb des Nabels hängen, sondern halte die zählende Hand mit der Mala, in der Nähe des Herzens. Mittelfinger und Daumen der rechten Hand werden verwendet, um die Perlen der Mala zu rollen (der Zeigefinger unterstützt).

Yogis stellen sich beim Japa vor, als sei der Rosenkranz der Mala das physische Mittel, mit dem sie durch Bewegen einer Perle den Geist immer näher zum Göttlichen hindrängen. Wenn man sein Mantra wiederholt, stelle man sich vor, dass der Name Gottes im eigenen Herzen sitzt und das damit durch den Geist eine reinigende Kraft fließt, die das Herz reinigt, sowie alle Begierden und böse Gedanken zerstreut und damit schließlich auflöst.

Eine Zeit lang macht man Japa nur in Gedanken. Schweift der Geist jedoch ab, mache man für einige Zeit lautes oder geflüstertes Japa – doch kehre alsbald wieder zum mentalen Japa zurück. Während dieser Praxis ist es wichtig, zunächst den Rhythmus der Mantra-Rezitation mit der des Atems zu verbinden. Nach einiger Zeit des Übens dann, beginnt ein erfahrener Yogi den Rezitations-Rhythmus seinem Herzschlag anzugleichen (etwa vergleichbar mit der griechisch-orthodoxen Tradition der Hesychasten, die dem Herzrhythmus folgend das Kyrie Eleyson rezitieren).

Es ist wichtig, dass man nach dem Japa nicht sofort den Ort verlässt und sich unter Leute mischst oder sich gleich danach in weltliche Aktivitäten stürzt. Mindestens zehn Minuten lang sollte man ganz still sitzen bleiben, ein kleines Gebet summen, sich an Gott erinnern und dabei über seine Liebe zum Göttlichen nachsinnen.

Man verbeuge sich nach dem Japa, verlasse den Ort und nehme seine täglichen Pflichten wieder auf. So bleibt die spirituelle Verbindung mit dem Göttlichen erhalten. So kann man allmählich zu einer dauerhaften, spirituellen Freude finden.

Appendix

Viel zieierte Mantras der vedischen und buddhistischen Tradition:

  • Om
  • Om Namah Sivaya
  • Om Mani Padme Hum
  • Om Namo Bhagavate Vasudevaya
  • Om Namo Narayanaya
  • Om Tare Tuttare Ture Svaha
  • Mahamrityunjaya
  • Gayatri
  • Hare Krishna
  • Nam-myoho-renge-kyo
  • Sri Ram Jay Ram Jay Jay Ram
  • Swaminarayan

Titelbild: Das hier in Sanskrit geschriebene Mantra Om Tat Sat steht für das nicht-manifeste, absolute Sein.

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Dialog und Meditation

Dialog und Meditation

Wir sind oft in unseren Gedanken überall, doch es gelingt uns eher selten im Jetzt, im Hier, das zu überdenken, was gerade aktuell bewerkstelligt werden will.

Das heißt, dass wir uns erinnern an Vorgefallenes von gestern, letztem Monat oder aus den letzten Jahren, sinnieren darüber noch einmal nach, wiederholen in Gedanken gewisse Dialoge mit Menschen, die so vielleicht doch niemals stattfanden. Das, um unsere Vorstellungen, wie es besser hätte laufen können, noch einmal zu überdenken.

Was da als innerer Dialog in uns abläuft, hängt aber immer mit anderen Menschen zusammen, mit denen wir ja ebenso in unserem alltäglichen Leben über bestimmte Dinge sprechen.

Doch war das immer so?

Sprachen die Menschen der Vergangenheit, vielleicht fernen Vergangenheit, auch über Alltägliches, über eher Unbedeutendes?

Ist nicht das was man heute als »Smalltalk« bezeichnet, etwas noch sehr Junges, unter Umständen vielleicht gerade einmal 50 Jahre alt?

Nun, als die Menschen mehr und mehr involviert wurden in durch Maschinen vorgegebene Prozesse, was natürlich schon mit der Industriellen Revolution (Ende des 18. Jahrhunderts) begann, waren eben solche kurzen Gedankengänge, kurzen Entscheidungen, die tagtäglich das Leben von einem abverlangte relevant. Doch das hieraus entstandene »kurzatmige Denken« ist anscheinend für viele Menschen zur einzigen Geistestätigkeit verkümmert.

In alter Zeit übten die Menschen ihre Vorstellungen nicht in der selben Form, zumal sie ja ganz andere Lebensumstände prägten, bevor sie auch mit dem begannen, was wir das Denken nennen.

Austausch

In unserer modernen Kultur ähnelt der Innere Dialog sehr dem, was wir an Dialogen mit unseren Mitmenschen führen. Weniger aber geht es dabei um ein Erörtern zur Verbesserung des gegenwärtigen Lebens, als eher Rekapitulation darüber was geschah oder was man vielleicht befürchtet. Natürlich ist Austausch wichtig, da wir damit ja erfahren über die Befindlichkeiten unserer Mitmenschen, unserer Freunde und anderer, wo jemand zum Beispiel Hilfe benötigt oder uns aber selbst einer behilflich sein soll.

Oft aber werden Dinge immer wieder besprochen, einfach nur des Gesprächs willen. Da drängt den Menschen meist jedoch eine Opferhaltung, wo man sich an Ungerechtigkeiten erinnert oder um den eigenen Nachteil sorgt oder was einem das Leben eben nicht mehr bescheren könnte. Letztendlich ist das eine Fortsetzung dessen, was durch diese eher oberflächliche Art der Benutzung des Geistes, in den letzten Jahrhunderten vor sich ging, als Menschen Sprache nicht mehr zur Weitergabe von Wissen verwendeten, als dass sie fast ausschließlich zum Austausch von Informationen diente (Informationen sind Nachrichten oder Botschaften, die ein Sender an einen Empfänger übermittelt, doch letzterer diese Information alsbald wieder vergisst).

Es ist gar nicht viel Sprache notwendig, um Wertvolles zu teilen. Eher geht es in dieser körperlichen Existenz unserer Inkarnation darum, zu handeln – und zwar so, dass es den eigenen Vorstellungen entspricht und nicht etwa fremden Ideen, Vorschlägen, Befehlen oder Weltanschauungen, die uns suggeriert wurden, als einzig mögliche Wege zu einem guten, zu einem besseren Leben.

Daraus nämlich kann sich ein zweckmäßiges Handeln ergeben, womit man gemeinsam etwas Gutes erschafft, und nicht mehr Gegebenes immer von Neuem analysiert, bis es in Bedeutungslosigkeit zerrieben, dem Menschen der handeln muss, zwischen den Fingern verrinnt.

Es geht um Zusammenarbeit, die die Möglichkeit des Dialogs eben direkt in eine Energieform bringt, die Menschen hilft Herausforderungen zu meistern, mit dem Ziel einer Bereicherung.

Ruhig bewusst atmen

Wir sollten lernen diesen Wunsch zu rein oberflächlichem Dialog hinter uns zu lassen und gemeinsam auch mal schweigen zu können. Denn in solchen Pausen entsteht Raum für neue Ideen, für neue Inspirationen, die zu Fruchtbarem führen.

Meditation versucht stets solch leeren Raum der Empfängnis zu erschaffen. Und wenn wir über Meditation sprechen, so sprechen wir auch vom Atmen – etwas, dass die Menschen der Industrienationen scheinbar immer mehr verlernen. Es scheint nämlich, als würde diese kurzlebige Art der Benutzung unseres Geistes – wie wir sie zuvor darstellten – auch tatsächlich mit einem recht oberflächlichen Atem einhergehen, der oft unterbrochen oder angehalten wird, ohne dass es uns überhaupt auffällt. Wieso? Da wir uns eben stets in Gedanken mit solch Inneren Dialogen befassen, die immer wieder ein Innehalten oder aber ein Aufatmen auslösen, unterbricht das die Übung eines ruhigen, gleichmäßigen und vollen Atmens.

So bewusst wie wir uns jeden Augenblick unserer Atembewegung sind, entsprechend schaffen wir eine Auszeit, einen Leerlauf im Geiste, so dass sich darin neue Gedanken verdichten können. Und es sind die neuen Einfälle die wir in der heutigen Zeit überall und ständig brauchen, um unser Leben eigenständig und unabhängig führen zu können – in einer Gemeinschaft, die ein Bewusstsein für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen zu erkennen vermag.

 

Eine einfache, wirksame Atem-Meditation

Eine einfache, wirksame Atem-Meditation

Was wir im Außen erleben hängt zusammen mit unserer inneren Einstellung zum Leben. Besonders in Phasen wo uns das Leben scheinbar Fallen stellt, will man so etwas kaum glauben. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass durch meine innere Haltung, sich auch mein Handeln, mein ganzes Verhalten ändert. Das bekommt meine Umwelt mit und reflektiert mir entsprechend mein Verhalten.

Der Atem nun ist das, was uns Leben lässt. Atem ist Leben. Denn unser Atem richtig sich nach unseren Gedanken. Im Umkehrschluss aber bedeutet das ja, dass durch einen bewussten und ruhigen Atem sich auch unsere Gedanken daran angleichen und wir so unser Wohlsein stillen.

Die folgende Übung soll helfen zu innerer Ruhe zu finden.

  1. Setzen Sie sich aufrecht hin ohne sich anzulehnen und bringen Sie ihre Hände vor Ihrem Herzen zusammen. Ihre linke Hand liegt über Ihrem Herzen und Ihre rechte darüber.
  2. Atmen Sie tief durch die Nase in ihre Brust ein und dann mit geöffnetem Mund ganz langsam wieder aus.
  3. Wiederholen Sie diesen Atemzyklus dreimal.
  4. Atmen Sie nun in ihren Bauch ein, entspannt, und atmen Sie aus, durch Ihre Nase.
  5. Mit jedem weiteren Ausatmen entspannen Sie Ihre Schultern.
  6. Entspannen Sie Ihre Stirn.
  7. Entspannen Sie Ihre Lippen.
  8. Entspannen Sie Ihre Augenbrauen.
  9. Schließen Sie nun mit dem nächsten Ausatmen Ihre Augen.
  10. Hören Sie auf Ihre Atmung.

Beenden Sie jetzt die Übung, indem Sie Ihre Hände langsam auf den Oberschenkeln ablegen.
Spüren Sie mit geschlossenen Augen einen Moment nach.

Öffnen Sie jetzt ihre Augen.

Nehmen Sie sich jeden Tag fünf Minuten Zeit, um diese Übung zu wiederholen.

Ruhe finden, bewahren und aus der Ruhe heraus handeln

Ruhe finden, bewahren und aus der Ruhe heraus handeln

Verstehen - durch Stille. Wirken - aus der Stille. Gewinnen - in der Stille.

- Dag Hammarskjöld

Rembrandt: Philosoph in Meditation

Pausen sind in allen spirituellen Traditionen von Bedeutung: sei es im Islam, im Christentum, im Judentum, sei es in den Traditionen des fernen Orients. Immer wieder treffen wir auf dieses Thema, wenn wir uns mit den Heiligen Schriften der Religionen in West und Ost beschäftigen.

Eine verordnete Auszeit, die auch bei uns erhalten geblieben ist – zumindest in Deutschland – ist Sonntag: Tag der Ruhe, an dem normalerweise alle Geschäfte geschlossen sind und wo ein zeitlicher Freiraum gegeben ist, der dem Menschen ermöglicht sich zurückzuziehen, um zur Ruhe zu kommen.

Nur wäre das zu schön um wahr zu sein. Solche Phasen der Auszeit werden heutzutage nämlich von vielen Menschen unbedingt mit allerlei Tätigkeiten angefüllt, was ja eigentlich auch in Ordnung wäre, erfolgte es nicht in der Mentalität einer besonderen Nützlichkeit, wegen der jede freie Stunde im Leben »sinnvoll eingesetzt« werden muss.

Für diese wichtige, wöchentliche Pause im Laufe der Lebenszeit steht der Sonntag in der Religion der Christen, der Schabbat jüdischer Gläubiger (Samstag) und der Dschumma (Freitag) der Muslime. Dieser heilige siebente Tag geht zurück auf die Schöpfungsgeschichte am Anfang des zweiten Kapitels im Buch Genesis, wo »Gott der Herr« an diesem Tag ruhte, um zufrieden sein Werk zu betrachten.

[...] er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.

- Genesis 2:2f

Wäre es nicht angebracht auch auf unser wöchentliches Werk zurückzublicken, vor unserem inneren Auge noch einmal all das, was wir erreichten, vorüberziehen zu lassen, um überhaupt zu erkennen, was wirklich wichtig ist von alle dem, das in kommender Zeit ansteht?

Fasten heißt beobachten

Auch der Verzicht auf das, was alltäglich verwendet oder eingenommen wird, ist zum Beispiel in den Religionen des Westens ein wichtiger Bestandteil. Im christlichen Glauben ist das die Fastenzeit (etwa zwischen Karneval und Ostern) oder der heilige Fastenmonat Ramadan der Muslime. Man entsagt bewusst allem Alltäglichen, zumindest aber schränkt man sich darin ein. Der Fastenmonat Ramadan fordert von seinen Gläubigen in dieser Zeit, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, sowohl auf Essen, Trinken, sowie auf alle intimen Genüsse zu verzichten.

Es scheinen aber immer weniger Menschen sich auf so etwas einzulassen, da sie entweder nicht darüber in Kenntnis versetzt wurden oder dieses, auf die Gestirne abgestimmte spirituelle Regelwerk, schlicht als unwichtig abwinken. Und in dieser Mentalität scheint auch das Gebot der Sonntagsruhe viel zu oft ignoriert zu werden.

Was unser Leben jedoch, in einer zunehmend komplexen Welt, aus dem Lot zu bringen vermag, sollten wir, bewusst lebend, versuchen zu reduzieren. Dies könnte ja ein, nennen wir es einmal, »vorsätzliches Nichtstun« sein. Und solcher Art erzwungener Müßiggang kann sich sowohl einmal die Woche wiederholen, ja vielleicht aber, je nach persönlicher Biografie, sogar über eine längere Phase erstrecken – wie etwa auf einem Pilgerweg.

Nachdem der brasilianische Schriftsteller Paolo Coelho im Jahr 1987 das Buch über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg veröffentlichte, folgten viele andere Menschen diesem Weg nach, so dass in den vergangenen Jahren daraus mehr als eine Viertelmillion jährlicher Pilger wurden.

Wieso aber begibt sich jemand auf so eine lange Reise und dann auch noch zu Fuß?

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, da ich einige Jahre selbst Pilgerreisen veranstaltete (damals zum Mosesberg auf der ägyptischen Halbinsel Sinai), sind solche Wanderungen auf entlegenen Pfaden oder in der Wüste, heute oft die einzige Möglichkeit, wieder einmal zu sich selbst zu finden und damit wohl auch zu dem, was man im Westen mit dem Wort »Gott« bezeichnet, zumindest als Muslim, Christ oder Mensch jüdischen Glaubens. Auf so einer Pilgerreise schaffen es Menschen, sich eine Zeit lang der alltäglichen und heute so durchdigitalisierten, vernetzten Welt zu entziehen. So können sie sich als Mensch wieder empfinden lernen, um dabei zu sich finden, ihren wahren Wesenskern zu entschleiern.

Besonders geläufig sind uns so Begriffe wie Kontemplation und Selbstfindung allerdings auch, wenn sich einer darauf konzentriert, um durch besondere fernöstliche Meditationspraktiken bestimmte Bewusstseinszustände zu erzeugen, die sie oder ihn zu einem ähnlichen Ergebnis führen.

Bei alle dem aber geht es um die selbe Vorstellung eines Ideals vollkommener Muße, womit sich Räume erschaffen lassen, worin sich ein aus dem alltäglichen Denken gelöster Geist entfalten kann. Der chinesische Philosoph Lao-Tse schrieb dazu:

Aus Ton entstehen Töpfe, aber das Leere in ihnen wirkt das Wesen des Topfes

- 11. Spruch aus Lao-Tses Taote-King

Es ist eher die Leere von Bedeutung, mehr noch als das, worin sie gefasst ist. Denn was nützt einem ein Haus, in dem es keinen Platz gibt? Wie sollte sich die Erde und das Leben auf ihr bewegen, hindere sie da etwas auf ihrem Weg?

Alles Entfalten benötigt Raum, allem guten Werk geht eine Auszeit voraus, in der die dazu notwendigen Handlungen erdacht werden können. Doch auch aus Erdachtem kann nur etwas gedeihen, was sich in Ruhe konzentrieren ließ.

Es dürfte darum nicht überraschen, wenn Meditation  auch direkte spirituelle Erfahrung bewirkt. Genau darum ging es auch den christlichen Mystikern im Mittelalter. Man sah nur in der Erfahrung von Leere, dass da etwas ist, was dem Erfahren von Fülle einfach fehlt. Nicht zufällig zogen sich jene berühmten Geistlichen, wie etwa Meister Eckhart oder Hildegard von Bingen, in die Einsamkeit zurück, in die Stille eines Klosters, um diesem Erfahren in der Leere nachzuspüren. Hieraus empfingen sie das, was sie später dann mit ihren Mitmenschen, zu deren Wohle, teilen sollten. Auch der Buddha zog sich zurück, um unter jenem, sogenannten Baum der Weisheit (Bodhi-Baum) sieben Tage und Nächte zu meditieren, um danach schließlich in vollem Bewusstsein zu erwachen.

Heiliges Nichtstun

Zwischen Muße und Müßiggang jedoch verläuft immer ein schmaler Grat. Denn es geht keineswegs darum, sich aller Verantwortungen im Leben zu entziehen. Eher ist das Ziel, sich jene Zeiten der Muße tatsächlich frei zu halten, sie zuerst auszuloten, später aber sogar daraus besondere Erfahrungen zu schöpfen, die einem höheren Zweck dienen. Siddhartha Gautama – der Buddha – verkörpert diese Vorbildfunktion. Auch der Prophet Mohammed zog sich ebenso zurück, wie Jesus der Christus.

In unserer heutigen, bisherigen Welt der Ökonomen, ist das aber scheinbar unangebracht, wo man stets versucht Zeit in Geld zu verdichten. Ein Workaholic ist da wohl anerkannter als ein sogenannter Faulpelz. Da stellt sich jedoch einem die Frage, wie einer von dem ständig jemand anderes etwas will, selbst Ruhe finden soll, um sich auf seine nächsten Handlungen einzustimmen? Oder weiß man schon gar nicht mehr, wie man mit bewusstem Nichtstun umgehen soll, ja ob so etwas überhaupt angebracht wäre? Und vor allen Dingen: Was will man im Leben eigentlich erreichen, wenn man kaum Zeit dafür findet, jener Selbstentfaltung den nötigen Freiraum zu geben?

Fest steht, dass kein Werk als solches zum Abschluss gebracht werden kann, wenn der Weg dorthin nicht in Abschnitte, die dafür aufgewendete Zeit, nicht durch Pausen dazwischen, die damit verbundene Arbeit aufteilte. Es braucht einen zeitlichen Zwischenraum, um zu erkennen was war und was als Nächstes an der Reihe ist. Ein »Dazwischen« ist nicht nur nütlich, sondern durchaus ökonomisch.

Was also, man verbrächte damit das, was einem vielleicht als Zwangspause auferlegt wurde, tatsächlich als Chance zu erkennen? Im Leben vieler Menschen haben sich Ungleichgewichte eingeschlichen, die sie wissen angehen zu müssen. Nie aber fanden sie die Zeit dazu oder versuchten diese mächtigen Faktoren einfach dadurch zu ignorieren, indem sie sich von vermeintlich Wichtigerem vereinnahmen ließen und sei es das abendliche Schauen in den Fernseher.

Natürliche Kreisläufe – Rückzug in die Natur

Bevor die Räderwerke und Maschinen in unserer Kultur wichtig wurden, waren es immer die natürlichen Lichtzyklen im Kosmos, die unser Zeitempfinden prägten. Man handelte entsprechend der täglichen, monatlichen und jährlichen Sonnenbewegungen, in Zusammenhang mit jenen Zyklen des Mondes. Hieraus entstand erst später das, was man als die zwölf Monate kennt. Sie sollten dereinst wohl auch die Zeiträume dessen bestimmen, was sich übertragen sollte, in ein jeweils morgendliches und ein abendliches Zwölfstundenmaß des Tages.

Als Ende des 18. Jahrhunderts aber die Industrielle Revolution den Menschen aus seiner eigentlich naturbezogenen Kultur immer mehr entfremdete, wurde dieses kosmische Bewusstsein für solare und lunare Kreisläufe, vom Fortschrittsdenken, immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Und dieses Denken ist bis heute zum bestimmenden Maß unserer Weltkultur geworden. Sonnen- und Mondphasen als Zeitmaße wurden durch Uhren abgelöst, die zuerst nur im Außen auf Kirchtürmen zu sehen war, doch, im Laufe der Zeit, immer mehr in unser inneres Bewusstsein vordrangen und zu dem wurden, was wir die »Innere Uhr« nennen.

Was nun aber, wenn dieses, durch Uhren vorgegebene Maß, zunehmenden Druck auf uns ausübt, da jemand vorgegeben hat, wieviel tägliche, in Stunden messbare Arbeit üblich ist, ja sogar die gearbeitete Stunde den Wert des Menschseins zu bestimmen scheint?

Nicht nur arbeiten immer mehr Menschen an Bildschirmen, sondern verbringen, zumindest unter der Woche, auch am Abend noch Zeit vor der Fernseh-Mattscheibe – einmal abgesehen von all den Blicken auf das Smartphone in den Minuten dazwischen. In diesem Verhalten aber entfremden wir Menschen uns zunehmend aus unserem natürlichen Dasein, dass eben doch auf die kosmischen Vorgänge abgestimmt ist. Es ist eine Tatsache, dass unser Melatonin-Haushalt, der den Schlafrhythmus regelt, eigentlich der Blaulichtanteil des Sonnenlichts bestimmen sollte. Durch unsere willkürliche Lichtaufnahme blaulichtgeschwängerter LED-Beleuchtungen von Bildschirmen und auch Raumbeleuchtungen, bringt diesen natürlichen Rhythmus durcheinander. Wir leiden unter Schlafentzug, der neben unregelmäßigen Ruhephasen, einfach nur zu unserem Schaden mehr Stress erzeugt.

Darum wäre es durchaus angebracht, einen Tag in der Woche, zumindest für einige Stunden, uns einer endlosen Verwendung von Bildschirmen zu entziehen und eine Online-Pause einzulegen.

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Fazit: Frei-Zeit

Pause und Auszeit als Neuorientierung, ist heute durchaus angebracht. Der Wunsch sich ständig mit etwas zu beschäftigen, rührt wohl daher, dass die meisten Menschen ihre Gedanken nicht ertragen oder jeder Meditations- oder Achtsamkeitsübung den Schlaf vorziehen. Man bedudelt sich also entweder, oder versucht durch andere Mittel seine Geistestätigkeit zu unterdrücken: das können Sportlichkeitswahn ebenso sein, wie ein übermäßig, körperliches Liebesleben oder ein unverhältnismäßiger Konsum von Rauschmitteln.

Selbst die Ferien werden mit sogenannten Freizeitaktivitäten vollgestopft, statt das man jener, oben beschriebener Leere und Ruhephase, bewusst ihren benötigen Raum zugesteht. Nur da nämlich lassen sich neue Ideen entwickeln, die dem eigenen Wohlbefinden gut tun. Wer auch in seiner Freizeit unbedingt aktiv sein muss, bleibt Sklave einer Erwartungshaltung, die der selben Mentalität entstammt, wie das frühe Aufstehen am Montag um bis spät Abends zu arbeiten.

Wir sollten wieder lernen der Zeit beim Vergehen zuzusehen, statt die Zeit zu vergessen, indem wir sie regelrecht verfüttern, an immer neue Geschäftigkeiten. Unsere Zeit aber ist für so etwas viel zu wertvoll. Doch das ist in unserer »Beschäftigungskultur« leider in Vergessenheit geraten und fällt den meisten erst dann auf, wenn sie bereits ins Rentenalter eingetreten sind. Doch was um alles in der Welt fängt man dann noch an, mit der übrig gebliebenen Lebenszeit, wenn man jahrzehntelang auf Geschäftigkeit trainiert wurde? Kann man da nicht einfach mal aussteigen?

Es sind die Pausen die wirklich wertvoll sind und als entsprechend kostbar geschätzt werden sollten. Nur muss jemand, der zuvor versuchte seine Zeit ständig mit Betätigungen auszufüllen, erst einmal lernen, sich diese Freiräume zu schaffen und sie als solche auch wahrzunehmen. So jemand muss lernen Achtsamkeit zu entwickeln und dabei den wahrscheinlich anfänglich einbrechenden Gedankenstrom, mit immer mehr Leerräumen zu versetzen, so dass allmählich nur noch wertvolle Geistesbilder aus einem Meer innerer Ruhe beginnen aufzusteigen. Sie sind die Rufe denen wir folgen können, um unser Leben zuerst auf unsere Bestimmung hin auszurichten und damit allmählich auch unserer Umwelt das zu geben, was sie wirklich braucht.

Ist es denn nicht das, worauf es im Leben ankommt?

 

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra

Meditation der neun Atemzüge im Tibetischen Tantra - ewigeweisheit.de

Die nachfolgend geschilderte Zusammenfassung dieser uralten tibetischen Meditationstechnik, soll dem Übenden helfen sich emotional zu reinigen.

Ihre Ursprünge hat diese Methode wahrscheinlich im tibetischen Bön oder hat noch ältere schamanistische Wurzeln. Seit alter Zeit aber meditieren die Yogis und Lamas mittels dieser einfachen aber wirksamen Technik, um sich dabei von den folgenden, sogenannten Geistesgiften (negative Emotionen und Gedanken) zu entledigen:

  1. Wut und Abneigung,
  2. Gier und Anhaften,
  3. Zweifel und Unwissenheit.

Diese drei "Gifte", wie sie im Bön und im Buddhismus genannt werden, bilden einen Antagonismus zu den drei Tugenden:

  1. Leerheit und Klarheit,
  2. Weisheit,
  3. Einheit.

Hierüber kann der Übende meditieren, wobei er sich vorstellt, wie er durch die nachfolgend beschriebene Atemtechnik, sich nach und nach der drei Geistesgifte entledigt, um den eigentlichen Urzustand seines Seins in Form der drei Tugenden wiederherzustellen.

Durch Sehen, Visualisieren und Fühlen lernt der Meditierende drei Größen seiner spirituellen Konstitution kennen, die die Tibeter symbolisch folgendermaßen darstellen. Da nämlich gibt es drei Bewusstseins-Kanäle:.

  1. Der rechte Kanal ist weiß. In seinem vollkommenen Zustand steht er für die Leerheit und Klarheit.
  2. Der linke Kanal ist schwarz. Er steht in seinem vollkommenen Zustand für die Weisheit.
  3. Der mittlere Kanal aber ist blau. Sein vollkommener Zustand ist die Einheit.

Mit diesen drei Kanälen können Sie sich von den drei Geistesvergiftungen reinigen, durch bewusstes Atmen:

  • Die Kanäle gleichen jeweils einem Weg, der vom einen Nasenloch in der Körpermitte unterhalb des Bauchnabels vorbei, hinauf in der Körpermitte zum anderen Nasenloch führt.
  • Der Atem gleicht einem Pferd oder Gefährt, worauf sich
  • das Bewusstsein, wie ein Reiter oder Fahrer, bewegt.

Schauen Sie sich im Folgenden diese Atem-Meditation noch etwas genauer an.

Mit dem Atem bewegt sich das Bewusstsein durch die drei Kanäle, also jeweils rechts, links und in der Mitte, wobei die ihnen zugeordnete Thematik bearbeitet wird:

  1. Über die dreimalige Ausatmung über den rechten Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Wut und Abneigung.
  2. Über den linken Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Gier und Anhaftung.
  3. Über den mittleren Kanal entledigen Sie Ihr Bewusstsein von den Giften der Zweifel und Unwissenheit.
Handhaltung in der Meditation - ewigeweisheit.de

Handhaltung in der Meditation

Sitzhaltung und Atemtechnik

Zuerst setzen Sie sich im Schneidersitz so hin, das Ihr linkes vor Ihrem rechten Bein angewinkelt liegt.

Dann sehen Sie Ihre Handflächen an und berühren mit den Daumen jeweils die Ringfinger (unterstes Glied) der jeweiligen Hand (rechter Daumen an rechtem Ringfinger und linker Daumen am linken Ringfinger, siehe Abb.).

In dieser Handhaltung legen Sie dann einander gegenüber die Finger der linken Hand auf die Finger der rechten Hand, so dass Ihre Hände mit den Armen und den beiden Schultern einen Halbkreis bilden. Die beiden Hände liegen dabei in Ihrem Schoß.

Sie sitzen aufrecht und atmen ruhig.

Nun konzentrieren Sie sich auf eine Stille in Ihrem Körper und fühlen wie sich diese Stille ausbreitet in Ihren Füßen, in Ihren Beinen, in Ihrem Bauch, in Ihrer Brust, in Ihrem Kopf, in Armen und Schultern.

Denken Sie nun an Ihren Bauchnabel. Mit dem Einatmen fließt Ihr Atem dorthin hinunter und um den Bauchnabel herum, steigt wieder auf und entweicht schließlich über die Nasenlöcher.

Rechter Kanal: Wut und Abneigung

Nun nehmen Sie Ihre rechte Hand und halten mit dem rechten Ringfinger Ihr linkes Nasenloch zu, während Sie dann tief einatmen.

Dabei strömt über Ihre linke Seite die Luft durch Ihren Körper nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an, während Sie mit dem rechten Ringfinger nun das linke Nasenloch schließen und über das rechte Nasenloch ausatmen.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft damit auf Ihrer rechten Seite nach oben und tritt durch Ihr rechtes Nasenloch aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der rechten Seite (Wut und Abneigung) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Dies wiederholen Sie dreimal.

Linker Kanal: Gier und Anhaftung

Nun nehmen Sie Ihre linke Hand und halten mit dem linken Ringfinger Ihr rechtes Nasenloch zu, während wie dann tief einatmen.

Dabei strömt über Ihre rechte Seite die Luft durch Ihren Körper nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an, während Sie mit dem linken Ringfinger nun das rechte Nasenloch schließen und über das linke Nasenloch ausatmen.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft damit auf Ihrer linken Seite nach oben und tritt durch Ihr linkes Nasenloch aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der linken Seite (Gier und Anhaftung) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Dies wiederholen Sie wieder dreimal.

Mittlerer Kanal: Zweifel und Unwissenheit

Nun liegen wieder beide Hände in Ihrem Schoß, die linke auf der rechten Hand, während die Daumen jeweils die Ringfinger berühren.

Durch beide Nasenlöcher atmen Sie dann tief ein.

Dabei strömt in Ihrer Mitte die Luft nach unten, um den Bauchnabel.

Jetzt halten Sie den Atem kurz an.

Vom Bauchnabel aus strömt die Luft nun wieder nach oben und tritt durch Ihre beiden Nasenlöcher aus.

Während des Ausatmens denken Sie nun an das Pferd (Atem) auf dem sich Ihr Reiter (Bewusstsein) befindet, der all die negativen Emotionen der Mitte (Zweifel und Unwissenheit) im Ausatmen aus Ihrem Dasein hinausbefördert und dabei auflöst.

Auch dies wiederholen Sie wieder dreimal.

 

Danach ist die Meditation beendet.

 

Der Rhythmus des Lebens

Der Rhythmus des Lebens

Nun möchte ich zu Betrachtung verschiedener Analogien übergehen, welche mit der Atmung unmittelbar zusammenhängen. In dieses Kapitel sollen in diesem Zusammenhang auch das Assoziative Denken und das Analogiegesetz angesprochen werden.

Ich möchte den Atem jetzt also unter einem ganz anderen Gesichtspunkt betrachten, obwohl natürlich alle hier angesprochenen Gedanken tatsächlich miteinander in Beziehung stehen. Die Praxis des Atmens lehrt uns - und auch hier wird erneut erkennbar, dass die Praxis für das Verständnis unverzichtbar ist - , dass es vier Phasen im Atemprozess gibt:

  1. Einatmen,
  2. Voll-Sein,
  3. Ausatmen,
  4. Leer-Sein.

Im Sanskrit, der heiligen Sprache Indiens, derer sich der Yoga bedient, heißen diese vier Phasen wie folgt:

  1. Puraka,
  2. Antara-Kumbhaka,
  3. Rechaka,
  4. Bahya-Kumbhaka.

Werden diese vier Phasen abstrahiert betrachtet, können sie folgendermaßen benannt werden:

  1. Bewegung,
  2. erreichen Zustand,
  3. Gegenbewegung,
  4. erreichter Gegenzustand.

Dies kann man sich auch nach dem Bilde eines Pendels vorstellen:

  1. Das Pendel schlägt nach rechts aus.
  2. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags rechts.
  3. Das Pendel schlägt nach links aus.
  4. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags links.

Diesen Rhythmus nun gilt es sich gut einzuprägen, was natürlich besonders effektiv durch bewusste Atemübungen erreicht werden kann. Nun folgt der nächst Schritt. Es geht um einen absoluten Grundbaustein aller Mysterien: Das Assoziative Denken. Das Assoziative Denken ist ein Denken in Entsprechungen und Analogien, also in der Form "Wie dieses, so auch jenes". Damit steht es im Kontrast zum allgemein bekannten Kausaldenken: "Weil dieses, deshalb jenes". Das Assoziative Denken gründet auf dem sogenannten Analogiegesetz, welches u.a. seine Niederschrift in der bekannten tabula smaragdina fand und häufig vereinfacht wie folgt zusammengefasst wird: Wie oben, so unten. Wie unten, so oben. ("Quod est inferius, est sicut quod est superius, et quod est superius, est sicut quod est inferius..." - tabula smaragdina)

Ich möchte im Folgenden dieses Gesetz zur Anwendung bringen und nach Analogie zur Atmung suchen: So wie sich der Atem "unten" im Menschen verhält, ebenso sollte es sich dem Analogiegesetz zufolge auch oben, beispielsweise im Himmel, verhalten. Ein erstes gutes Beispiel dafür ist der Sonnenlauf. Wichtig ist, zu beachten, dass bei der Anwendung des Analogiegesetztes die phänomenologische Erlebnisperspektive des Menschen beibehalten werden kann, in welcher sich z.B. die Sonne sichtbar um die Erde bewegt:

  1. Die Sonne geht auf.
  2. Die Sonne steht im Zenit (höchster Sonnenstand).
  3. Die Sonne geht unter.
  4. Die Sonne steht im Nadir (tiefster Sonnenstand), bzw. die Sonne ist weg.

Aber nicht nur die Sonne, sondern beispielsweise auch der Mond fügt sich ganz natürlich in diesen vierteiligen Rhythmus des Lebens ein:

  1. Der Mond nimmt zu.
  2. Der Mond ist voll - Vollmond.
  3. Der Mond nimmt ab.
  4. Der Mond ist leer - Neumond.
Vollmond - ewigeweisheit.de

Vollmond: Antara-Kumbhaka des Mondes (Bildquelle).

Natürlich können solche gefundenen Assoziationen auch für praktische Übungen verwendet werden. So kann z.B. die entsprechende Mondphase während der Atmung bei geschlossenen Augen imaginiert werden. Diese Übung findet sich beispielsweise unter der Bezeichnung Mondatmung bei Katja Wolff in ihrem durchaus lesenswerten Buch mit dem schlichten Titel 'Magie' (vgl.: Wolff, Katja: Magie. Kunst des Wollens - Macht des Willens. München: 1992, S. 184 ff). Der Phantasie und Kreativität, die verschiedensten sinnvollen Assoziationen mit der Atmung zu verbinden, sind dabei keine Grenzen gesetzt. Hier eine kurze Übungsbeschreibung in tabellarischer Form:

  1. Einatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter zu.
  2. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Vollmond.
  3. Ausatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter ab.
  4. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Neumond.

Beim Anhalten des Atems ist es äußerst wichtig, dies durch das Zwerchfell zu bewerkstelligen und niemals durch ein krampfhaftes Verschließen von Nasen- und Rachenraum! Es darf dabei grundsätzlich kein Druck oder Unterdruck in der Lunge entstehen. Als nächstes möchte ich gerne den Jahreskreis betrachtet, in welchem sich ebenfalls der Rhythmus des universellen Lebens finden lässt:

  1. Frühling: Es wird wärmer.
  2. Sommer: Es ist warm.
  3. Herbst: Er wird kälter.
  4. Winter: Es ist kalt.

Diesem Kreislauf folgt natürlich auch der Kreislauf der Vegetation, wie sich an den Bäum gut beobachten lässt:

  1. Der Baum treibt Blätter und Blüten.
  2. Der Baum steht in voller Blüte.
  3. Die Blätter und Blüten fallen ab.
  4. Der Baum steht kahl.

Es lassen sich noch eine ganze Menge anderer Analogien finden und ich möchte es an dieser Stelle gerne den Leserinnen und Lesern selbst überlassen, nach weiteren Entsprechungen zu suchen. Eine solche Analogie selbst zu entdecken und zu erfahren ist nämlich noch wesentlich beeindruckender, als irgendwo davon zu lesen! Ich meine allerdings, dass die bislang angeführten Beispiele genügen sollten, um einen Gedanken erkennbar zum Ausdruck zu bringen: Die vermeintlich einfachsten Dinge des Lebens, wie beispielsweise der Atem, spiegeln sich überall in der Natur und im Kosmos wieder. Wer dies erkennt und im Herzen begreift, in dem entsteht ein Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist, und des tieferen Sinns in allen Phänomenen. Im Leben des Menschen pulsiert derselbe Rhythmus, der auch im Baum, im Jahr, in der Sonne und im Mond pulsiert. Dieser Rhythmus ist das universelle Leben, ist Gott oder besser gesagt einer seiner Aspekte.

Die alten Kulturen schauten diese Wahrheit auf eine selbstverständliche, zum Teil fast kindlich einfache Weise, als sie Leben, Atem, Seele und Geist in ein und dasselbe Wort brachten. Und auch einer der wichtigsten, heiligen Gottesnamen der hebräischen Tradition, der Kabbalah, das sogenannte Tetragrammaton (τετραγράμματον: wörtlich heißt dies 'Vierbuchstabe'), scheint diesen Rhythmus in seinen vier Buchstaben geradezu unmissverständlich auszudrücken: Jehovah (יהוה - zu lesen von rechts nach links):

  1. י - Die Bewegung,
  2. ה - Der Zustand,
  3. ו - Die Gegenbewegung,
  4. ה - Der Gegenzustand.

Der Mensch ist durch Analogien verbunden mit der ganzen Welt und der Atem ist ein wunderbares Beispiel dafür. Zuletzt möchte ich noch zwei besonders interessante Facetten dieser Analogie ansprechen. Die erste ist das Bild des atmenden Brahma in der indischen Philosophie. Brahma, so heißt es, atme ein und aus, und so entstehe und vergehe immer wieder die ganze Welt in einem gewaltigen Zyklus. In diesem Bilde findet sich ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des Verhältnisses von Zeit und Ewigkeit. Eine Fragestellung, die auch den Neoplatoniker Plotinus im dritten Buch der Eneaden und den christlichen, lateinischen Kirchenlehrer Augustinus von Hippo im elften Buch seiner Confessiones stark beschäftigte. Das indische Bild vom atmenden Brahma bringt dieses Verhältnis auf den Punkt. Brahma atmet in Ewigkeit, in seinem Atem entsteht und vergeht die Welt und damit auch die Zeit:

  1. Brahma atmet aus: Die Welt und die Zeit entstehen.
  2. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren.
  3. Brahma atmet ein: Die Welt und die Zeit vergehen.
  4. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren nicht.

Das zweite besonderes Bild, was ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, betrifft die Reinkarnation des Menschen. Bereits in der Illias von Homer findet sich im sogenannten Blättergleichnis (Homer: Illias VI, 146 - 149) der Vergleich zwischen den Menschengeschlechtern und den Blättern der Bäume. Wer erkennt, dass die ganze Natur vom Kreislauf des Lebens geprägt ist - Atem, Sonnenlauf, Jahreslauf, Mond ... -, dem wird es immer schwerer fallen, zu glauben, dass das menschliche Leben sich wie eine mathematische Strecke verhalt soll, mit Anfang und Ende. Die folgenden Entsprechungen sollen diesen Umstand verdeutlichen:

  1. Frühling: Die knospenden Bäume treiben die Blätter. - Der menschliche Körper wird geboren. - Die Seele inkarniert.
  2. Sommer: Die Bäume stehen in voller Pracht. - Der menschliche Körper ist voll entwickelt. - Die Seele lebt im Körper.
  3. Herbst: Die Blätter fallen als Laub zu Boden. - Der menschliche Körper stirbt. - Die Seele trennt sich vom Körper.
  4. Winter: Die Bäume stehen kahl. - Der Körper löst sich auf, bzw. ist aufgelöst. - Die Seele lebt außerhalb der materiellen Welt.

Ebenso also, wie der Baum sich jedes Jahr neue Blätter schafft, so schafft sich auch die Seele jedes Erdenleben einen neuen Körper. Der Rhythmus des Lebens, welcher zugleich der Rhythmus des Atems ist, gewährt dem Menschen unter Anwendung des Analogiegesetzes tiefste Einblicke in die Mysterien des ewigen Lebens. Erforsche Deinen Atem, erforsche die Welt, erforsche das Leben, erforsche Dich selbst!

Mysterien des Atems

Mysterien des Atems

Atem, Atem und Leben, Atem und Geist. Weniges wohl im Leben ist so unscheinbar wie der Atem. Doch wer sich mit den Mysterien dieser Welt beschäftigt, der dürfte wohl bald ahnen, dass zumeist gerade die alltäglichsten Dinge und die unauffälligsten die tiefsten Geheimnisse bergen, nicht aber das Laute und Reißerische. Einige dieser Mysterien des Atems sollen im folgenden Artikel vorgestellt werden.

Die Bedeutung des Atems

Atemübungen stellen in vielen spirituellen Traditionen einen wesentlichen und unverzichtbaren Grundpfeiler der eigentlichen Praxis dar. Im indischen Yoga sind sie bekannt unter dem Namen Pranayama, in China spricht man von Qi Gong und auch die westlichen Mysterientraditionen kennen eine Vielzahl entsprechender Übungen. Der Grund für die Wichtigkeit des Atems in der spirituellen Praxis soll im nächsten Kapitel beleuchtet werden. Zunächst aber folgt noch ein kurzer Blick auf das sprachliche Umfeld des Atembegriffs.

Die alten Sprachen, welchen häufig ein besonderes, intuitives oder überliefertes Verständnis der Welt zugrunde liegt, deuten auf weitreichende Zusammenhänge zwischen Atem, Geist, Seele und Leben hin. Beispiele hierfür sind das altgriechische Pneuma (τὸ πνεῦμα), was sich beispielsweise als Atem, Odem, Leben, Geist und Seele übersetzen lässt. Des Weiteren die hebräische Ruach (רוח), übersetzbar u.a. als Hauch, Atem, Wind, Lebensprinzip, Seele, Geist, Sinn und Gemüt. Auch der lateinische Spiritus (spiritus) umfasst ein Bedeutungsfeld, welches von Luft und Hauch über Atem, Leben, Seele und Geist bis hin zu Mut und dichterischem Schaffen reicht.

Bereits hier zeigt sich deutlich, dass der Atem in engem Zusammenhang mit Geist, Leben und Seele steht: Er begleitet den Menschen wahrhaftig vom ersten bis zum letzten Atemzug, er verbindet das Reich von Menschen und Tieren mit dem Reich der Pflanzen in einem wunderbaren Kreislauf der Natur und er bildet einen wichtigen Schlüssel zu vielen Mysterien des Lebens. Die vier folgenden, besonderen Mysterien des Atems möchte ich in diesem Artikel vorstellen:

  1. Der Atem als Träger der Lebenskraft;
  2. Der Atem im Zusammenhang mit dem Rhythmus des universalen Lebens;
  3. Der Atem als Bindeglied zwischen "Oben und Unten";
  4. Der Atem als Symbol für die Freiheit des Menschen.

Der Dhikr der Sufis: Auf dem Weg zum Licht Allahs

von S. Levent Oezkan

Tesbih - ewigeweisheit.de

Dhikr ist die zentrale Praxis der Sufi-Derwische. Damit beabsichtigen sie ihr Herz von allen Versehrungen zu reinigen. Ihr Wunsch ist Raum zu schaffen, für die Liebe Allahs und ein Bewusstsein seiner universalen Größe. Der Dhikr, so die Sufis, bringt Frieden und Erfüllung - für einen selbst, wie auch für andere.

Im Dhikr praktizieren die Sufis, neben den fünf täglichen Pflichtgebeten, diese spezielle Form des Gebets. Nicht aber nur zu bestimmten Zeiten, sondern ununterbrochen. Der Gläubige führt im Schweigen ununterbrochen diese Form des stillen Gebets aus. Das ist in etwa mit dem Herz-Jesu-Gebet in der christlichen Tradition vergleichbar. 

Seiner arabischen Bedeutung nach, bedeutet das Wort Dhikr (arab. ذكر, auch "Zikr") "Gottgedenken" (Dhikr Allah). Damit ist die meditative Vergegenwärtigung Allahs gemeint. Wie jedoch dieses Gottgedenken ausgeübt wird, darin unterscheiden sich die verschiedenen sufischen Orden (Tariqas).

Unter den Sufis, die Dhikr praktizieren, gibt es manche die mehr Wert auf einen stillen Dhikr legen – eine Form stiller, meditativer Rezitation heiliger Worte und Verse. Anderen Sufi-Orden ist insbesondere der gemeinschaftliche, laute Dhikr wichtig, der je nach Schulrichtung, wahrhaft ekstatische Züge annehmen kann. Darum auch bedeutet Dhikr, vollkommene Hingabe an Allah.

Dhikr ist eine Empfehlung aus dem Koran, worauf folgende Verse hinweisen:

Siehe, das Gebet hält vom Schändlichen und Verwerflichen ab. Doch das Gedenken (Dhikr) Gottes ist wahrlich bedeutender.

- Sure 29:45

O die ihr glaubt, gedenkt Allahs in häufigem Gedenken (Dhikr) und preist Ihn morgens und abends.

– Sure 33:41f

Über den wachsamen Atem

Meist wird der Dhikr in Harmonie mit der Atembewegung praktiziert. Der Sufi-Schüler beginnt dabei zumeist mit der Formel "Allah Hu" ألله هو - "Allah, Er ist". Mit jedem Einatmen im Geiste wird der Name "Allah" gesprochen – mit jedem Ausatmen das Wort "Hu". Dabei wird, mit jedem Atemzug, das Herz mit göttlicher Energie erfüllt.

Der Ort des so ausgeführten Dhikr liegt aber nicht in den Atemorgan an sich, sondern im Herzen. Immer wird der Dhikr im Herzen ausgeführt. Es gibt dafür einen Grund: gemäß der Sufi-Lehren, geht vom Herzen die größte Wärme im Körper aus. Und nur im Herzen können göttliche Lichterscheinungen empfangen werden.

Darum sollte der Suchende schnell und energisch atmen, um ausreichende Wärme im Herzen und im Blutkreislauf zu erzeugen, um das Blut zu erwärmen, damit es "zu leuchten beginnt".

Im freien Atmen befördert man den Namen "Allah" ins Innere des Herzens und bringt die selbe Bedeutung, in transformierter Form, wieder nach Außen, im Aussprechen des Namens "Hu". Um das sogenannte Herzensdhikr auszuführen, vollziehen die Sufis diese heftige Stoßatmung, die sie verbinden mit Körperbewegungen und geistiger Konzentration. Grundvoraussetzung für einen wirksamen Dhikr, ist die rhythmische Ausführung oben beschriebener Praxis.

Die mentale Konzentration auf das Herz, eine Rezitiation der heiligen Worte, Atmung und Körperbewegung, muss im Dhikr synchron ausgeführt werden. Es nützt nichts, den Namen oder die Atmung gleichzeitig auszuführen, während der Geist umherwandert, sich in Erinnerungen und Sorgen verstrickt.

Der Dhikr als Ergänzung zum islamischen Pflichtgebet

In der spirituellen Praxis der Derwische, die den Dhikr entweder laut gesprochen oder still im Herzen ausführen, können alle möglichen Formen von Segnungen empfangen werden. Dabei rezitiert der Sufi Verse der Suren, Heilige Namen oder andere im Islam relevante Verse (wie etwa das islamische Glaubensbekenntnis).

Ein Detail ist hier besonders interessant, da ja Sprache und Herz im selben Zusammenhang genannt werden: Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), sind die Zungenspitze, als jener Körperteil der Wörter zu Sprache formt, und das menschliche Herz, über einen gemeinsamen Meridian verbunden.

Zweck des Dhikr

Die Sufis glauben, dass wir, als spirituelle Wesen, von Dschinnen umgeben sind: das sind feinstoffliche Lebensformen, die uns zwar sehen, wir sie aber nicht direkt wahrnehmen können. Sie aber verfügen über Kräfte, die am Menschen gewissermaßen zerren und ihn ständig von seinem Weg abbringen wollen. Das hat natürlich auch einen konstruktiven Aspekt, wenn sich jemand diesen Kräften widersetzt und damit quasi eine Art spirituelles Krafttraining ausübt. Für die Sufis besteht diese Übung zum einen durch ihre fromme Ausübung der fünf täglichen Pflichtgebete, die in der restlichen Zeit des Tages, durch einen andauernden Dhikr ergänzt werden. Sie erinnern sich damit also ständig an die göttliche Wahrheit, von der der Mensch, nach sufischer Auffassung, ja ein Teil ist.

Je mehr sich nun der Sufi an Allah erinnert, je mehr kommt er in den Genuss göttlichen Segens. Hierher verweisen folgende Suren des Heiligen Koran:

O ihr Gläubigen, lasset euch durch euer Vermögen und eure Kinder nicht vom Gedenken an Allah abhalten. Und wer das tut, der gehört zu den Verlierenden.

- Sure 63:9

Diejenigen, die überzeugt sind und deren Herzen befriedigt werden im Gedenken an Allah. Wahrlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe.

- Sure 13:28

[…] Allahs viel gedenkende Männer und gedenkende Frauen – ihnen allen wird Allah vergeben, für sie hat er großartigen Lohn bereitet.

- Sure 33:35

Allah hat die schönste Botschaft, ein Buch, herabgesandt, eine sich gleichartig wiederholende Schrift, vor der denen, die ihren Herrn fürchten, die Haut erschauert; dann erweicht sich ihre Haut und ihr Herz zum Gedenken Allahs. […]

- Sure 39:23

[…] Allahs zu gedenken, ist gewiß das Höchste. Und Allah weiß, was ihr begeht. […]

- Sure 29:45

Bei alle dem aber muss betont werden, dass das rituelle Gebet im Islam (Salaat), sowie das Lesen der Koransuren, aber dem Dhikr übergeordnet bleibt.

Trotzdem ist es für einen wahren Sufi von großer Bedeutung den Dhikr auszuüben – sprechend in der Gruppe oder allein, sowie schweigend im Herzen. Keineswegs aber versucht der Islam den Gläubigen zu spiritueller Praxis (Gebet, Dhikr) zu zwingen, noch Anderes, Weltliches wegen der Ausübung zu unterlassen oder zu meiden.

Eher soll die Nähe zu Gott erzielt werden, um damit das Licht Allahs zu empfangen – durch Rezitation und Herzensgebet – auch dann, wenn der Sufi mit alltäglichen Aufgaben beschäftigt ist.

Ein wahrer Sufi wird den Dhikr immer ausüben, unter allen gegebenen Umständen. Ganz gleich, was er gerade tut: während er sich um seine Familie, seine Verwandten kümmert, während er arbeitet oder während er mit anderen Menschen Handel treibt. Er führt in seinem Herzen, ein ständiges Kreisen der heiligen Namen und Verse aus und handelt aus diesem spirituellen Zentrum heraus, um in der Außenwelt Gutes zu vollbringen.

Wahrlich, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages, liegen wahre Zeichen für jene die verständig sind, die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und auf ihren Seiten und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: 'Unser Herr, Du hast dieses nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seist Du, darum hüte uns vor der Strafe des Feuers.'

- Sure 3:190f

In einer alt-islamischen Überlieferung heißt es hierzu:

Der Prophet Mohammed (as) sprach einst zu Ibn Umar, einem seiner Gefährten: 'Wenn ihr an den Paradiesgärten vorrüberschreitet, nutzt diese Gelegenheit.' Da fragte Ibn Umar: 'Was sind die Paradiesgärten, o Gesandter Allahs?', worauf der Prophet Mohammed (as) antwortete: 'Die Versammlungen des Dhikr (eine Gruppe Frommer, die den Dhikr ausüben). Es gibt himmlische Engel, die nach diesen Versammlungen des Dhikr suchen. Sobald sie solch eine Gruppe finden, lassen sie sich dort nieder, um diese Versammlung zu umsäumen.'

- Aus dem Fiqh Us-Sunnah des As-Sayyid Sabiq, Band 4, Kapitel 6

Sufi Dhikr – ewigeweisheit.de

Dhikr ägyptischer Sufis in einem Gemälde des englischen Künstlers Robert Talbot Kelly (1861-1934).

Der heilige Satz "La ilaha illa Allah"

Einer der zentralen Gebetsformeln des Dhikr, ist der erste Satz des islamischen Glaubensbekenntnisses: "La ilaha illa Allah" - "Es gibt keine Gott außer Allah". In den gesammelten Aussprüchen des Propheten Mohammed (as), den sogenannten "Hadithen", heißt es dazu:

Die beste Form sich an Allah zu erinnern, besteht in der Rezitation des Satzes 'La ilaha illa Allah.'

- Aus einem Hadith des Isa At-Tirmidhi (825–892)

Daher das Wort Dhikr: die Erinnerung an Gott. In einem anderen Hadith heißt es, dass der Prophet Mohammed (as), einst zu seinen Gefährten sprach:

'Erneuert euern Glauben', worauf sie fragten: 'Wie können wir unseren Glauben erneuern?' Darauf antwortete er 'sagt immer wieder La ilaha illa Allah.'

- Aus dem Fiqh us-Sunnah, des As-Sayyid Sabiq, Band 4, Kapitel 6

Man könnte darum durchaus sagen, dass man den Dhikr garnicht oft genug ausüben kann. Mohammed (as) sprach dazu in einem anderen Hadith:

Die Stunde (das Jüngste Gericht) wird erst eintreten, wenn keiner mehr 'Allah, Allah' sagen wird.

- Aus der Hadith-Sammlung des Muslim Ibn Al-Hadschadsch (Sahih Muslim)

Politur des Herzens

Für die Sufis ist Gott im menschlichen Herzen gegenwärtig. Der Dhikr aber ist das Mittel, sich diese göttliche Anwesenheit bewusst zu machen. Jenes Herz, von dem hier die Rede ist, ist etwas, dass sich über das organische Herz hinaus erstreckt. Es ist ein spirituelles Organ, dass aber im Dhikr, tatsächlich auf das physische Herz des Praktizierenden zurückwirkt; er kann es spüren.

In diesem spirituellen Herzen nun, sehen die Sufis einen metaphorischen Spiegel, der ihm erlaubt über das göttliche Geheimnis zu reflektieren.

Jeder Mensch verfügt über dieses spirituelle Herz, diesen geheimnisvollen Spiegel. Doch mit der Zeit setzt sich darauf eine, bisweilen starke Schmutzschicht ab. Es sind jene verdunkelnden Gefühle, wie Zorn, Eifersucht, Neid und übermäßiges Verlangen, die die Oberfläche dieses spirituellen Spiegels verdunkeln. Der Dhikr aber dient als Politur, mit deren Hilfe seiner Oberfläche wieder Glanz verliehen wird, damit sich darin die göttliche Vollkommenheit widerspiegeln und den Sufi, von innen heraus, erleuchten kann.

 

هو

 

Der Heilige Name "Hu".

Vom Gottgedenken der Sufis

Der persische Sufi Nedschmettin Al-Kubra (gest. 1221) spricht von einem Feuer, dass entfacht wird, durch das im Dhikr erfolgende Gottgedenken. In seinen Flammen verbrennt alles Dunkle. Was Al-Kubra damit meinte, war aber keineswegs nur sinnbildlich gemeint: wenn dieses Feuer in ein Haus eindringe, so vernehme man "Ich, und kein anderer" (entsprechend dem islamischen Glaubensbekenntnis). Die Flammen aber verzehrten alles dort befindliche Brennholz.

Was aber ist mit dem Feuer, dass, laut muslimischen Glaubens, in der Hölle lodert? Die Sufis sehen darin ein schwelendes, dunkles und langsam loderndes Feuer. Das Feuer aber, dass der Dhikr entfacht, steigt auf und ist rein, hell und schnell lodernd.

Drei Stufen der Versenkung

Al-Kubra nun, unterscheidet drei Stufen der Meditation. Darin kann der Sufi allerdings nicht nur positive Erfahrungen machen, sondern gar an der Todesgrenze schlittern. Aber an genau jenem "letalen Grat", macht ein Mensch die Erfahrung, die man in den Traditionen in Ost und West als "Einweihung" bezeichnet (Buchtipp).

  1. Die Meditation über das Daseins: Al-Kubra beschreibt diese Erfahrung wie die eines Fürsten, der auf einem Feldzug in ein Land eindringt. Dabei hört der Sufi verschiedene Klänge: Posaunen und Pauken erklängen, worauf das Rauschen von Wasser und Wind wahrnommen würden. Was er dabei jedoch erfährt ist äußert heftig: sein Körper kann beginnen zu schmerzen und es bestehe sogar die Gefahr, dass seine Seele den Körper verlässt, die "silberne Schnur" durchreißt und er dabei stirbt.
  2. Die Meditation, die das Herz berührt: in dieser Stufe fällt der Sufi, in seinem Gottgedenken, quasi in sein Herz hinein. Dabei stößt er in eine Stufe der Wahrnehmung hervor, die in einzigartige Visionen erleben lässt.
  3. Die Meditation über das Geheimnis: hier spricht Al-Kubra vom Hineinfallen des Gottgedenkens ins Geheimnis. Damit entschwindet dem Sufi sein aktives Bewusstsein und er geht vollkommen auf, in eben diesem Gottgedenken. Ab dieser Stufe bleibt jenes Gottgedenken beim Sufi – schwirrt in ihm, sozusagen als stille, automatische, lebendige Rezitation.

Formen des Dhikr

Grundsätzlich kann der Dhikr auf drei unterschiedliche Formen ausgeführt werden: praktisch, verbal und still. Damit versucht der Sufi sich in seinem Handeln und Denken, kontinuierlich dem Gedenken an Gott hinzugeben.

Praktischer Dhikr

Den sogenannten "Dhikr-e-Faily", den praktischen Dhikr, führt der Sufi aus in seinem gehorsamen Handeln. Dies umfasst:

  • die göttlichen Gebote im Islam: Das tägliche Gebet, das Fasten zu Ramadan, die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch), die Pflicht Almosen zu geben (Zakat) und im Sinne seiner Mitmenschen, karitativ zu handeln - und
  • die Sitten, Bräuche, Werte und Normen seines Landes einzuhalten und entsprechend der Sunnah (Bräuche) des Propheten Mohammed (as) zu essen, zu trinken, sich zu bewegen, zu sprechen und sich zu kleiden.

Mündlicher Dhikr

Zentraler Gottesname im Dhikr ist das Wort "Allah", auch im lauten, mündlichen Dhikr. Doch auch die Anrufung eines seiner 99 anderen Namen ist üblich (siehe Asma Al-Husna).

Außerdem meditieren die Sufis im lauten Dhikr über folgende Formeln:

  • Subhan Allah سبحان الله – Allah ist erhaben,
  • Al-Hamdulillah الحمد لله – Lobet Allah,
  • Allahu Akbar الله أكبر – Allah ist der Größte,
  • Ya Allah يا ألله – O Allah,
  • Ya Hu يا هو – O Er,
  • Ya Hayy يا حي – O Lebendiger,
  • La ilaha illa llah لا اله الا الله – Es gibt keinen Gott außer Allah, dass dann auch durch den zweiten Satz des islamischen Glaubensbekenntnisses ergänzt wird,
  • Muhammadun rasul ullah محمد رسول الله – Mohammed ist der Gesandte Gottes,
  • Estaghfirullah أستغفرالله‎ – Ich bitte Gott um Vergebung.

Die Anzahl der Wiederholungen der Namen beläuft sich normalerweise auf 11 oder 33. Um diese Anzahl genau abzuzählen, verwendet man die islamische Gebetskette (Tasbih) mit 11, 33 oder auch 99 Perlen, die je in Gruppen von 11 unterteilt sind. Diese Anzahlen gelten auch für den stillen Dhikr.

Der laute Dhikr ist mit einer stoßweisen Ausatmung verbunden. Häufig wechseln dabei die Neigungungen des Kopfes und Oberkörpers zur Seite. Im Stehen wird diese Bewegung durch ein rhythmisches Bewegen der Beine unterstützt, wobei sich der Oberkörper leicht auf und ab bewegt.

Stiller Dhikr

Ziel des stillen Dhikr, ist das, was Al-Kubra als die dritte Stufe des Gottgedenkens bezeichnet: der Sufi strebt an, seine(n) Namen immerwährend zu wiederholen. Auch inmitten aller anderen weltlichen Aktivitäten, fährt er damit in seinem Herzen fort und aus dem Herzen heraus, erfolgt sein Gottgedenken. Die heiligen Silben die er dabei im Herzen rezitiert, entsprechen jenen des lauten Dhikr (siehe oben) und können auch mit den 99 Namen Allahs ausgeführt werden.

Spirituelle Praxis in den verschiedenen Sufi-Orden

Generell lässt sich sagen, dass den Sufi-Weg vier Elemente bestimmen:

  1. Die Einhaltung der Schariah, dem islamischen Gesetz,
  2. die Beachtung der Sunnah, der islamischen Gebräuche,
  3. der Dhikr, das Gedenken an Allah und
  4. ein besonderer Ehrencodex der Liebe.

Da nun aber die verschiedenen Sufi-Schulen (Tariqas) ihre eigenen Formen des Dhikr ausüben, führen eben so viele Wege zu Gott, auf denen sich die Muriden (Sufi-Schüler) bewegen.

Bei den berühmtesten Sufi-Orden, wie der Qadiriyya, Chistiyya und Sohrawardiyya, beginnt der Murid mit dem lauten, mündlichen Dhikr, den er später in den Herzens-Dhikr (Qalbi Dhikr) transformiert und dabei veredelt. Der Orden der Naqshbandiyya allerdings, führt den Muriden direkt zum Herzens-Dhikr.

Vom Segen des Dhikr

Von jeder guten Tat geht ein Segen aus. Und der guten Taten sind viele! Die Sufis aber sagen, dass das Beste, dass ein Murid ausführen kann, der Dhikr ist. Riesig sind die Segnungen die durch die Praxis des Dhikr gewonnen werden können. Wer diese Form der sufischen Meditationspraxis täglich übt, den umgeben bald Gelassenheit und Frieden.

Wer mit der Dhikr-Praxis anfängt, sollte sein Denken auf ein bestimmtes Ziel ausrichten. Welches Ziel das ist, sei jedem selbst überlassen, solange es zum Guten hinstrebt.

Der Dhikr an sich aber, hat eigentlich nur ein wahres Ziel: das Schauen göttlichen Lichts, dass aus dem eigenen, innersten Seelenbrunnen, in schillernsten smaragdgrünen Lichtern hervorstrahlt. Wer dieses erhabene Ziel erreicht hat, der kann sich wahrlich als Erleuchteten bezeichnen. Es ist ein langer Weg dorthin, teils beschwerlich – doch allemal lohnend – für den Sufi selbst, wie für jene, die ihn umgeben. Inshallah (Wenn Allah will)!

 

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Wie meditiert man in der Kabbala über den Namen JHVH?

von Johan von Kirschner

Abraham Abulafia - ewigeweisheit.de

Als Gründer der Schule der ekstatischen Kabbala, verfasste Rabbi Abraham Abulafia einige Anleitungen zur Meditation. Eine davon verwendet den heiligen Namen JHVH. In der Meditation über diese vier urtümlichen Buchstabensymbole, erreichte Abulafia tief-ekstatische Zustände.

Die Buchstaben des hebräischen Alphabets, sind vervollkommnete Fortentwicklungen des phönizischen Alphabets. Sie entstanden aus Bildsymbolen, mit denen man den Anfangslaut des jeweiligen Symbols verband. Sie stammen aus einer Zeit, wo man diese, noch archaischeren Buchstaben, als magische Symbole einsetzte.

Die magische Verwendung dieser Bildsymbole, ist in etwa zu vergleichen mit dem, was in der nordischen Kultur unter Runenmagie verstanden wird.

Wer war der geheimnisvolle Rabbi Abraham Abulafia?

Abraham Abulafia (1240–1291) war einer der wohl bedeutendsten Kabbalisten im mittelalterlichen Spanien. Er bereiste den Orient, Griechenland und Italien. Abulafia war auf der Suche nach alten Geheimnissen der Magie und der ekstatischen Praktiken der Eingeweihten des Altertums.

Im katalonischen Barcelona macht er seine ersten Erfahrungen damit, was später als "prophetische Ekstase" bekannt wurde. So gewann er tiefe Einsichten in die Mysterien des Menschen und des Selbst. Über die Meditation, wie etwa über den heiligen Namen JHVH, sollte jemand auf diesem Pfad der Erkenntnis vorstoßen können, zu seinem wahren Selbst. Drum war die Ekstase für Abulafia, ein Zugang zum innersten Wesen des Menschen.

Besonders eigenartig war seine Wirken auf Papst Nikolaus III. Er stand mit dem Kirchenoberhaupt anscheinend in Kontakt und wollte ihn 1281 treffen, um ihn zum Judentum zu bekehren. Schließlich sah sich Abulafia selbst, als den lang ersehnten Messias der Juden. Doch der Papst verstarb in der Nacht vor Abulafias Ankunft. Abulafia entging nur knapp dem Scheiterhaufen, was er dem Kollegium der Franziskaner zu verdanken hatte. Im Jahr 1291 verstarb er aber - vermutlich in Barcelona.

Einziges Werk Abraham Abulafias, das heute erhalten geblieben ist, ist das "Sefer Ha-Oth" - das Buch des Zeichens (Buchstabens).

Abulafias Methode

Das System Abraham Abulafias, beinhaltet eine recht ungewöhnliche Form der Meditationspraxis. Sie zeichnet sich vor allem aus, durch ihrer Klarheit. Das heißt, auch für einen Anfänger, ist Abulafias System einfach zu verstehen. Außerdem beschreibt Abulafia in seinem Sefer Ha-Oth, warum seine Form der Meditation funktionieren muss. Er beruft sich dabei auf das Werk des jüdischen Philosophen Moses Maimonides (1135-1204), dass er ganz einzigartig in die Praxis der Kabbala-Meditation integrierte.

Abulafias Meditationstechniken zielen direkt darauf ab, auch tatsächlich besondere mystische Erfahrungen zu machen. Sie sind also weniger spekulative Versuche, die englische Welt und den Kosmos zu begreifen, als echte Anleitungen zu mystischer Erfahrung.

Gut möglich, dass sich Abulafias Formen der Meditation, etwas von jenen anderer jüdischer Eingeweihter unterscheiden. Sie gleichen eher den mystischen Traditionen anderer Religionen. So gibt es etwa in der christlichen Mystik Beschreibungen von Meditationen, die in der Ich-Form dargestellt wurden. Das heißt, einer erklärt sowohl das Meditationsrezept, wie auch die dabei gemachte Erfahrung aus der Ich-Perspektive. Gleichermaßen scheint Abulafia auch darauf hinzudeuten.

Manipulation der hebräischen Sprache

Das Besondere an den Übungen Abraham Abulafias ist, dass sie nicht allein bestimmte Bibelzitate oder Wörter verwenden, sondern es vor allem Buchstaben sind, die in seinen Übungen von zentraler Bedeutung sind. Dabei werden die Buchstaben eines heiligen Namens teils umgestellt oder mit anderen Vokalzeichen versehen. Nun muss hier hinzugefügt werden, dass das hebräische Alphabet aus 22 Konsonanten besteht. Vokale als solche, gibt es im Hebräischen eigentlich nicht. Es ist eine reine Konsonantenschrift, wobei aber, der einfacheren Lesbarkeit halber, die Buchstaben mit besonderen Vokalzeichen versehen werden. Diese Methode der Vokalisation, wurde im 8. Jahrhundert eingeführt. Die Vokalzeichen sind in etwa zu vergleichen mit den zwei Punkten auf dem Ä, dem Ö oder dem Ü, des deutschen Alphabets. In Alltagstexten werden die Vokalzeichen aber weggelassen.

Insbesondere in Abulafias Meditationspraxis, spielen die Vokalzeichen eine wichtige Rolle. In der Tora sind alle Wörter mit Vokalzeichen ausgestattet. Abulafia aber nahm nur die Konsonanten bestimmter Wörter und vertauschte darin die Vokalzeichen. Damit konnte er beim Meditieren frei assoziieren und so besondere Bilder im Geist hervorrufen.

Solche Bilder aber bleiben bedeutungslos, solange man nichts von den rezitierten Konsonantenfolgen kennt.

Gematrie: Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben

Wegen ihrer Zahlenwerte, werden die Bedeutungen bestimmter hebräischer Wörter miteinander verglichen. Besonders dann aber, wenn die Gematrie, also quasi die Numerologie ihrer Buchstaben identisch ist, fällt auf diese Wörter ein besonderes Augenmerk.

Für Abulafia war die gematrische Äquivalenz der Begriffe "Israel" יִשְׂרָאֵל (der von Gott an den Propheten Jakob verliehene Name) und "Sechel Ha-Poal" שֵׂכֶל הופֹּ֫עַל eine Besonderheit. "Sechel Ha-Poal" ist die Bezeichnung für den aktiven Intellekt.

Jeder hebräische Buchstabe nun, hat einen bestimmten Zahlenwert. Im Falle der beiden oben genannten Begriffe, ergibt sich als Summe der Zahlenwerte, jeweils 541:

יִשְׂרָאֵל Israel: 10+300+200+1+30 = 541

שֵׂכֶל הופֹּ֫עַל Shekel Ha-Poal: 300+20+30+5+6+80+70+30 = 541

Die Gematrie ergibt sich also aus der Summe der Buchstaben eines Wortes. Dafür gibt es viele weitere Beispiele. So hat etwa das hebräische Wort für die Poesie, "Shirah" שירה, den Zahlenwert 515. Den selben Zahlenwert 515 besitzen auch das Wort "Tiflah" תפלה, das Gebet – "Wa Echatanan" ואתחנן, "ich flehte" – als auch "Yeshara" ישרה, die Aufrichtigkeit. Sicherlich bewegen sich alle diese Begriffe in einem ähnlichen Kontext.

In diesem Zusammenhang seien natürlich auch die 72 Heiligen Namen genannt, wie sie in der praktischen Kabbala von Bedeutung sind (Buchtipp).

Meditation über den heiligen Namen JHVH

Eine der einfachsten Übungen, die in Abulafias Werk genannt werden, ist die Meditation über den heiligen Namen JHVH יהוה (Jod, Heh, Vav, Heh) – auch bekannt als "Tetragrammaton". Dabei werden die einzelnen Buchstaben dieses Namens ausgerufen, während sich der Kopf im Rhythmus des Atems, auf besondere Weise bewegt.

Für diese Meditation sucht man sich einen ruhigen und sauberen Ort, an dem man auf jeden Fall ungestört ist. Die Übung wird für ungefähr 20 Minuten durchgeführt. Schließen Sie dabei ihre Augen.

Beginnen Sie mit dem ersten Buchtaben des Tetragrammaton JHWH – dem J also. Sie sprechen den Konsonanten J mit diesen vier Vokal-Lauten: Oh (kurzes O), A, Ay, E und O (langes O). Jeder dieser fünf Laute wird mit einer entsprechenden Kopfbewegung gesprochen. Der Kopf bewegt sich dabei in Übereinstimmung mit der Atembewegung: mit jedem Einatmen bewegen sie sich in eine der entsprechenden Richtungen (oben, links, rechts, unten, vorn). Mit dem Ausatmen bewegt sich der Kopf wieder zurück in Normalposition. Daraus ergibt sich also folgende Form:

  • Einatmen – Kopf bewegt sich aufwärts
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Joh (kurz) ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach Links
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Ja ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach Rechts
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Jay ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach unten
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück in Ruheposition, während man Je ausspricht.
  • Einatmen – Kopf bewegt sich nach hinten
  • Ausatmen – Kopf bewegt sich wieder zurück, nach vorn in Ruheposition, während man Jo (lang) ausspricht.

Nachdem diese Meditation über den Buchstaben J durchgeführt wurde, setzt man sie für die übrigen drei Buchstaben des Namen JHVH fort. Das heißt also:

  • Hoh, Ha, Hay, He, Ho,
  • Voh, Va, Way, Ve, Vo,
  • Hoh, Ha, Hay, He, Ho.

Diese Übung erzielt Wirkungen auf verschiedenen Ebenen. Da man jeden der vier Konsonanten des heiligen Namens JHVH mit den fünf hebräischen Vokalen ausspricht, hat man dabei irgendwie auch den "unaussprechlichen Namen Gottes" ausgesprochen.

Vor allem aber muss man sich während der Aussprache des Namens vollkommen konzentrieren, auf Atmung und Aussprache. Damit schafft man eben das, was auch die östlichen Traditionen durch Meditation erreichen wollen: die Gedanken an Alltägliches oder Sorgen zu unterbinden.

Wer diese Form der Meditationspraxis nach einiger Zeit vervollkommnet hat, kann sie weiter ausbauen. Man kann sich dann zusätzlich die hebräischen Buchstaben des Namen JHVH, während der Meditation visualisieren:

 

י    Jod


ה    Heh


ו    Vav


ה    Heh

 

Durch diese Kombination von Meditation und Visualisierung, lassen sich bemerkenswerte Ergebnisse erzielen.

Konzentration auf die Stille

Sie sollten unbedingt vermeiden, mit dieser Meditation, zu schnell etwas erreichen zu wollen. Gier kann nur Schaden anrichten. Es ist darum wichtig, dass Sie sich mit dieser kraftvollen Meditation Zeit lassen. Beginnen Sie zum Beispiel zuerst damit, den Kopf entsprechend der obigen Raumrichtungen mit dem Atem abzustimmen. Diese Übung lässt sich täglich für 20 Minuten, über eine Woche ausführen. In der Woche danach, können Sie damit beginnen die Buchstaben leise auszusprechen. Schließlich visualisieren Sie in der Woche darauf die vier heiligen Buchstaben als Bilder.

Meditieren heißt, zur Ruhe kommen und sich auf etwas Einfaches zu konzentrieren, um dabei den Kopf frei zu kriegen. Wer mit den heiligen Namen der Kabbala arbeitet, sollte allerdings wissen, dass er bei dieser Übung, durchaus mächtige Kräfte auslöst. Das eben sind jene mystischen Erfahrungen, die Abulafia jedem versicherte, der diese kabbalistische Übung durchführt.

Doch wie mit allen Dingen im Leben, kann etwas nur zur Vollkommenheit geführt werden, wenn man es richtig übt. Die oben beschriebene Methode also, ein, zwei oder dreimal durchzuführen und zu erwarten eine außerkörperliche Erfahrung zu machen, ist zwecklos.

Wer wirklich mit seiner Meditation weiterkommen möchte, muss täglich üben. So lange bis die Übung vollkommen beherrscht wird.

Sind Sie dazu bereit?

 

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Wie lernt man meditieren?

Wie lernt man meditieren?

Es gibt unzählige Gründe regelmäßig zu meditieren. Was aber die eigentlichen Vorteile des Meditierens sind, das ist nur schwer zu beschreiben. Ohne Frage aber, lebt jemand der täglich meditiert, nicht nur gesünder und ruhiger, er lernt sich selbst auch besser kennen. Meditieren hilft eine bessere Selbstbewusstheit zu entwickeln.

Meditation zu üben, wirkt sich sehr günstig aus auf unser Leben. Zum Einen bedeutet zu meditieren, den Strom der Gedanken zu beruhigen. Damit kann Stress abgemildert werden. Meditieren heißt darum zu entspannen. Wer meditiert, gewinnt andererseits zunehmend die Fähigkeit, eine ruhige Achtsamkeit zu entwickeln. Damit lassen sich bestimmte Verhaltensmuster erkennen und auch ändern. Es ist etwas ganz Großartiges, einen einfachen und langsamen Lebenswandel zu führen. Alle Komplexität, alle Kompliziertheit weicht dem bewussten Handeln in der Einfachheit.

Schon lange weiß man, dass Meditation sich sehr positiv auf die seelisch-geistige Verfassung auswirkt. Das heißt, wer regelmäßig meditiert, verbessert seine Konzentration, sein Erinnerungsvermögen und stärkt seine Selbstkontrolle. Meditation begünstigt den Stoffwechsel, unterstützt den Blutkreislauf und regelt Puls und Atmung.

Wenige Minuten am Tag zu meditieren, wirkt Wunder: selbst wer täglich nur kurze Zeit meditiert, schafft sich Oasen der Ruhe - die in unserer heutigen Zeit scheinbar immer knapper werden.

Meditation als grundlegende Gewohnheit

Wer meditiert beginnt seinen Tag in Ruhe, kann besser mit Stress umgehen und lebt im Jetzt. Nur wenige wissen, dass es sich besonders lohnt diese Gewohnheit zu entwickeln, wenn man andere Gewohnheiten ändern oder beenden will. Vielleicht grübelt man zu viel, malt sich ständig Angstszenarien aus oder sorgt sich um die Zukunft. Meist fällt einem aber garnicht auf, dass solche Vorstellungen sich in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellen. Wer meditiert entwickelt aber ein Gewahrsein, wann solche Gedanken und Vorstellungen einsetzen und damit wird es leichter, die seelisch-geistigen Auswirkungen von Ängsten, Zweifeln und Sorgen abzumildern.

Alles was es bedarf um achtsamer zu werden: üben. Und wie übt man? Durch Meditation.

Schauen wir uns also an, wie Meditation hilft, bestimmte Gewohnheiten und Einstellungen zu ändern. Machen Sie Meditation zu einer neuen Gewohnheit.

Wie Sie täglich meditieren lernen

Meditieren gibt Kraft. Und man muss sich dafür gar nicht anstrengen. Im Gegenteil: es ist ganz leicht sich Meditation anzugewöhnen. Denn man kann immer meditieren und spürt sofort den positiven Effekt. Über wie viele andere Gewohnheiten lässt sich das schon sagen?

Viele glauben "richtig zu meditieren", könne man nur bei einem Meditationsmeister lernen. Doch Meditation können Sie hier beginnen, direkt nachdem sie diesen Satz zu Ende gelesen haben: indem Sie Ihren Atem beobachten. Sie können immer auf ihr Ein- und Ausatmen achten - ganz gleich ob sie im Auto sitzen, am Schreibtisch, während sie duschen oder essen. Probieren sie es mal - jetzt gleich. Es dauert nur ein oder zwei Minuten. Nehmen sie sich die Zeit: der Tag hat 1440 Minuten.

Meditieren lernen ist an sich sehr einfach.

Wie sie ihr Bewusstsein besser kennenlernen

Wer meditiert lebt bewusster. Und wer bewusster lebt kann neue Gewohnheiten entwickeln, die seinem Leben helfen, friedlicher, aufmerksamer und weniger ängstlich zu sein. Und es geht dabei nicht etwa ein Profi zu werden. "Professionell meditieren" - klingt seltsam, oder?

Meditation an sich hilft Denken und Fühlen besser zu verstehen. Bevor ich anfing Meditation zu üben, war mir überhaupt nicht klar, was in meinem Kopf eigentlich stattfand. Mein Denken führte mich mal hier, mal dort hin, folgte mal dem einen, mal dem anderen Gedanken, hielt den inneren Dialog für das Denken an sich. Meditation hilft diesen gewohnten Automatismus zu erkennen. 

Auch heute noch ertappe ich mich dabei, wie sich unentwegt Gedankenschleifen im meinem Kopf bilden. Doch es fällt mir eben auf und es wird mir immer mehr bewusst, was da vor sich geht, wie sich ein Gedankenbündel an das nächste heftet. Früher hätte ich daran einfach weiter teilgenommen - oder besser: es unwissend über mich ergehen lassen. Seit dem ich aber Meditation übe, sehe ich immer klarer und kann frei entscheiden, einen Gedankengang zu unterbrechen. Damit habe ich mir wirklich eine Menge Freiraum geschaffen. Ich bin einfach flexibler, denn ich kann unerwünschte Erinnerungen unterbrechen und etwas schönes, konstruktives denken.

Darum kann ich nur jedem ans Herz legen, Meditieren zu üben. Am Anfang ist es vielleicht nicht so einfach, da sich der Denkfluss nicht gleich als solcher erkennen lässt. Man kann es sich aber schwerer machen als nötig, wenn man zuviel von sich erwartet. Klein anzufangen und sich langsam steigern, ist vollkommen gut. Üben hilft und es geht erst am Anfang nicht darum, Meditationsexperte zu werden.

Wie man regelmäßig Meditieren übt

Eins vorweg: Es geht nicht darum alles auf einmal zu schaffen. Lesen Sie einfach mal alles durch und probieren Sie einige der Tipps aus. Dann schauen Sie immer mal wieder auf dieser Seite vorbei und probieren sie dann weitere Tipps.

Meditieren benötigt nicht viel Zeit. Zwei Minuten sind völlig ausreichend. Alles andere ist Gier - meinte mal der weise Jiddu Krishnamurti. Jeden Tag zwei Minuten sind perfekt für den Anfang. Wenn Sie damit gut klarkommen, können sie nach einer Woche, nochmal eine Minute dranhängen und so weiter. Wenn sie dann in ein paar Monaten auf zehn Minuten gekommen sind, ist das richtig klasse. Doch am Anfang wollen wir klein beginnen.

Zu Beginn

Beginnen Sie den Tag mit Meditation. Warum? Da es sehr einfach ist, die Übung einfach zu vergessen, wenn sie es nicht morgens gleich als erstes tun. Sich den Wecker stellen, um zum Beispiel um 15 Uhr zu meditieren, ist weniger vorteilhaft. Hängen Sie sich also eine Erinnerung auf, kleben Sie sich etwas an den Schrank, dass Sie daran erinnert: zwei Minuten meditieren.

Einfach meditieren

Wie genau man meditieren kann: damit wurden schon Buchbände gefüllt. Meditieren sie also einfach. Viele zerbrechen sich den Kopf darüber wie sie sitzen sollten, auf welchem Kissen oder wo im Raum. Das ist zu Anfangs nicht so wichtig. Es geht eher darum überhaupt erstmal anzufangen. Setzen sie sich vielleicht einfach auf den Bettrand oder auf einen Stuhl oder auf die Couch. Klar, Sie könne sich auch auf den Boden setzen in Schneidersitz. Alles was wichtig ist, ist aufrecht zu sitzen, damit sie nicht wieder einschlafen. Nur zwei Minuten: einfach sitzen - ruhig und bequem. Alles andere dann.

Nehmen Sie sich wahr

Zuerst sollten Sie in sich hineinspüren, um zu sehen wie Sie sich führen. Wie fühlt sich ihr Körper an? Wie sieht Ihr Denken aus? Denken sie aufwühlende Gedanken? Sind Sie traurig? Fühlen Sie sich erschöpft? Sind Sie ängstlich? Was auch immer ist: es ist für diesen Augenblick in Ordnung - so wie es ist.

Achten Sie auf Ihren Atem

Zählen Sie Ihre Atemzüge. Wenn sie sich damit wohl fühlen, richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Fühlen Sie, wie Ihr Atem in Ihre Nase einströmt und sich dabei der innere Gesichtsbereich ganz leicht abkühlt. Nehmen Sie wahr, wie der Luftstrom Ihre Lunge mit reiner Energie anfüllt. Versuchen Sie beim Einatmen, in Gedanken zu sagen "Eins" - und "Zwei" beim Ausatmen. Zählen Sie bis "Zehn" und beginnen Sie danach von vorne. Wenn Sie sich verzählen, beginnen Sie erneut mit "Eins".

Lassen Sie sich Zeit

Wenn Sie sich in Ihren Gedanken verirren, was so gut wie sicher ist, lächeln Sie und kehren Sie dann einfach um, zurück in die Meditation. Beginnen Sie erneut Ihre Atemzüge zu zählen. Es ist absolut kein Problem. Kann schon sein, dass sich das am Anfang etwas frustrierend anfühlt. Es ist aber vollkommen in Ordnung nicht konzentriert zu sein. Das passiert einfach jedem. Meditation ist kein Zwang. Meditation soll entspannen. Sie üben noch und am Anfang werden Sie nur langsam Fortschritte machen. Und doch: Sie erkennen schon bald, wie sich Ihre Wahrnehmung ändert. Also: weiter üben.

Freundlich mit sich selbst umgehen

Entwickeln Sie sich selbst gegenüber eine liebenswürdige Haltung. Wenn in der Meditation Ihre Gefühle aufbrausen, und Sie werden diese Erfahrung ganz bestimmt auch machen, betrachten Sie sie liebevoll. Ihre Gefühle gehören zu Ihnen und sind keine Fremdlinge. Sie sind ein Teil von Ihnen. Seien Sie freundlich zu sich selbst.

Sie tun Ihr bestes so, wie es Ihnen möglich ist

Sicher werden Sie sich etwas ärgern, wenn es nicht gleich so klappt, wie Sie es sich erhofften. Es gibt einfach nicht die "Perfekte Methode", um Meditieren zu lernen. Jeder versucht sein Bestes, auf seine individuelle Weise. Zuerst üben sie einfach achtsam zu atmen und Ihr Inneres und das Äußere wahrnehmen.

Denken ist normal

Viele glauben, in der Meditation ginge es darum, den Kopf klar zu kriegen oder den Gedankenfluss zu unterdrücken. Das aber ist es nicht. Es kann zwar schon vorkommen, dass einem so etwas gelingt, doch es ist nicht erstes Ziel der Meditationsübung.

Wir alle denken. Es ist normal, da unser Gehirn unentwegt neue Gedanken produziert. Es ist normalerweise nicht möglich das Gehirn einfach "abzustellen". Alternativ lohnt es sich aber zu versuchen, ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Ihren Atem zu richten, sobald Ihre Gedanken "ihr eigenes Ding drehen".

Negatives neugierig beobachten

Wenn Gedanken oder Gefühle in Ihnen aufsteigen, lassen Sie es zu. Wir alle versuchen Gefühle und Gedanken an Ärgerliches und an Ängste zu vermeiden. Doch genau da sollten wir aufmerksam sein. Wenn Angst- oder Wutgefühle in uns aufsteigen, können wir darin für einige Augenblicke verweilen und sie neugierig beobachten.

Sich kennenlernen

Es ist Zeit: lernen Sie sich besser kennen. Es geht nicht allein darum Ihre Wahrnehmung zu fokussieren: Es geht darum Ihre Denkweise besser kennen zu lernen:
"Was geht da vor sich in meinem Denken?"

"Ich bin mein Freund"

Freunden Sie sich mit sich an. Sie möchten sich besser kennenlernen? In Ordnung. Aber bitte seien Sie freundlich zu sich und kritisieren Sie sich nicht. Werden Sie zu Ihrem eigenen Freund, den Sie anlächeln und lieben lernen.

Innenwahrnehmung und Körperbewusstsein

Nach einigem Üben, fällt es Ihnen bald leichter Ihren Atem zu beobachten. Als nächstes nehmen Sie Ihren Körper wahr. Fühlen in jeden Teil Ihres Körpers hinein, während jedem Atemzug. Das heißt, dass Sie dabei an jeden einzelnen Körperteil denken: die Kopfhaut, das Gesicht, die Stirn, die Augenbrauen, die Augen, die Augenlieder, die Nase, den Mund, die Wangen, das Kinn, die Ohren, den Hals, die Schultern, die Wirbelsäule, dann an die Oberarme, die Unterarme, die Handgelenke, die Hände, die Finger, die Fingerspitzen, dann an die Brust, den Bauchnabel, den Schamhügel, dann an ihre Oberschenkel, an ihre Knie, an ihre Waden, die Knöchel, die Füße, die Fußsohlen, die Zehen und an die Zehenspitzen und kehren Sie zuletzt ins Zentrum ihres Körpers zurück: denken Sie an Ihren Solarplexus und dann an Ihr Herz.

Außenwahrnehmung

Nachdem Sie nun eine Woche geübt haben, können Sie nun damit beginnen, Geräusche und das Licht in Ihrer Umgebung wahrzunehmen.

Nur 40 Tage

Widmen Sie sich dieser Übung. Es reicht nicht aus zu sagen "Nun gut, ich will es mal für ein paar Tage ausprobieren". Versuchen Sie sich Ihren Meditationsübungen tatsächlich hinzugeben und jeden Morgen zu üben - wenigstens für 40 Tage. 40 ist eine magische Zahl, die einem hilft, sich eine neue Gewohnheit anzuerziehen.

Eine echte Bereicherung für's ganze Leben

Auch wenn Ihnen morgens "etwas dazwischen kommt": Sie können Meditation auch auf der Arbeit, in der Mittagspause oder auf dem Weg zur oder von der Arbeit praktizieren. Denn es geht ja vor allem um eins: bewusst zu Atmen, bewusst wahrzunehmen. Meditation wird irgendwann zum Normalzustand und eine alltägliche Gewohnheit. Doch das wir Ihr gesamtes Leben bereichern. Versprochen.

Wie geht's weiter?

Zu sitzen und den Atem zu beobachten ist eine echt hilfreiche Achtsamkeitsübung. Sie werden damit Ihre Konzentration verbessern. Wenn Sie für einige Zeit an einem ruhigen Ort Meditieren geübt haben, können Sie damit anfangen Ihre Achtsamkeit auszuweiten.

  • Wenn Sie etwas stresst, nehmen Sie sich eine Minute Zeit. Versuchen Sie in dieser Zeitspanne Ihre Aufmerksamkeit auf's Jetzt zu konzentrieren.
  • Bevor Sie darüber grübeln, wie die Zukunft aussehen könnte, gönnen Sie sich immer mal wieder einen Spaziergang. Am besten morgens. Beobachten Sie beim Gehen Ihren Atem, Ihre Körperbefindlichkeit, denken Sie an Ihre Fersen wie sie den Boden berühren und nehmen Sie die Dinge in Ihrer Umgebung wahr, ohne zu werten.
  • Wenn Sie essen, tun Sie es achtsam: spüren Sie wie es sich anfühlt wenn Sie kauen, schlucken und wie es schmeckt.
  • Eine ganz besondere Übung ist die japanische Teezeremonie, die man auch als "Laie" durchführen kann: Sie nehmen jeden Handgriff bei der Teezubereitung vollbewusst wahr. Das heißt, bevor Sie eine Handlung bei der Teezubereitung vornehmen, beabsichtigen Sie es zu tun. Sie meditieren in der Zeit wo der Tee zieht und nehmen ihn voll bewusst zu sich. Schmecken Sie, spüren Sie die Wärme. Tee-Trinken kann ein wunderbares Ritual sein.
  • Auch die Wohnung aufzuräumen, abzuwaschen und den Boden zu wischen: all das kann man in Achtsamkeit tun.

Sie können immer Achtsamkeit üben - jeden Moment: im Umgang mit anderen, bei Ihrer Arbeit. Es gibt noch so unzählige andere Beispiele. Finden Sie sie!

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