Melchisedek

Esoterik des Zinseszins

von S. Levent Oezkan

Ein Gedankenmodell: Angenommen Joseph von Nazareth hätte bei der Geburt Jesu 1 € auf ein Sparkonto eingezahlt, bei einer Verzinsung von 5%: Was wäre heute, im Jahr 2020, aus diesem Geld geworden, hätte es niemals jemand von dieser hypothetischen Bank abgehoben?

Schaut man auf den winzigen Betrag von 1 € und die gewöhnliche Laufzeit dessen, was man vor einigen Jahrzehnten noch als Sparkonto kannte, dann dürfte einem der Plan Josephs wirklich kurios erscheinen.

Was aber, Joseph hätte sein Sparkonto, zum selben Zinssatz, einem Erben hinterlassen, der es seinerseits jemandem vermacht hätte, der wiederum diesen Plan fortgeführt hätte, ohne jemals einen Cent abzuheben?

Was wäre aus dem 1 € nach 10 Jahren, nach mehr als 100 Jahren, was nach 500 Jahren, ja was eigentlich nach mehr als 1000 Jahren geworden? Welcher Wert hätte sich da angehäuft, wäre dieses Konto sogar bestehen geblieben bis zum heutigen Tage im Jahre 2020?

Solche Fragen dürften alle samt ziemlich eigenartig erscheinen. Doch der britische Philosoph und Geistliche Richard Price (1723-1791) stellte sie schon vor etwa 250 Jahren in seiner Schrift »Ein Aufruf an die Öffentlichkeit zum Thema Staatsverschuldung«. Price wollte damit veranschaulichen, wie widersprüchlich und unvereinbar Zinseszinsen auf verliehenes Geld eigentlich sind.

Bevor wir genauer darauf eingehen, soll aber zuerst einmal die eigentliche Voraussetzung für Zinserhebung geklärt werden: Und das ist die Existenz des Geldes an sich.

Entstehung des Geldes und des abstrakten Denkens

Auch wenn wir alle tagtäglich mit Geld zu tun haben, bedeutet das nicht, dass wir die damit einhergehenden Zusammenhänge völlig selbstverständlich nachvollziehen können, die in der Bedeutung des Wortes »Geld« zusammenlaufen.

Fest steht, dass Geld heute das materielle Befinden bestimmt, was natürlich auf unsere Gefühle und unsere Gedanken, auf unsere Hoffnungen und auf unsere Ängste wirkt – sei es im gesellschaftlichen, beruflichen wie auch im privaten Leben.

Da wir Geld alle völlig selbstverständlich verwenden, wird seine Bedeutung, seine Herkunft und sein wirklicher Einfluss auf das Leben der Menschen, gar nicht mehr hinterfragt. Denn wie ginge jemand damit um, hätte er einmal genug davon? Kann man überhaupt genug Geld haben und wieviel davon entspräche dann einer materiellen Zufriedenheit?

Eigentlich ist Geld ein Tabuthema. Vielleicht, da sein eigentliches Wesen gar nicht so leicht zu beschreiben ist, denn mit der Erfindung des Geldes, begannen die Menschen ihr Denken zu abstrahieren. Nicht mehr wurden soundsoviele Gegenstände oder Waren gegen andere ausgetauscht, nicht mehr vermochte man zu erwägen, wieviel das, was man zu bieten hat, eigentlich wirklich wert ist. Man begann stattdessen den Wert einer Sache oder eines Dienstes, an Stundensätzen, Preisen, Gehältern und Gebühren zu bemessen.

Wenn man im alten Tauschgeschäft Naturgüter handelte, unterlag diese Tätigkeit den Naturgesetzen. Seit Einführung des Geldes hat sich das jedoch verändert. Geld wächst eben nicht auf dem Felde und auch nicht an Bäumen.

Einst nahmen wir Menschen unmittelbar das, was uns die Natur gab. Heute scheint sich der Zwischenschritt der Gabe und Annahme von Geld durchweg dazwischen geschoben zu haben. Und das begann, als die Menschen sesshaft wurden, vor vielleicht 13.000 Jahren. Seit dieser Zeit gewann auch Eigentum an Bedeutung. Wem ein Feld oder ein Apfelhain gehörte, wollte ihn alleine beernten und verwehrte anderen den Zugriff. Mit der Festlegung von Landbesitz wurde auch die Grundlage für Kriege geschaffen.

Was aber berechtigte den Menschen dazu Besitzanspruch auf Teile unseres Planeten zu hegen? Was eigentlich ermächtigt jemanden Land zu besitzen, wo eben einer einfach auf etwas »sitzt« und es darum sein eigen nennt?

Als die Menschen noch ausschließlich als Nomaden über die Erde wanderten, gab es vielleicht auch schon heilige Orte. Man besaß diese Orte jedoch nicht, sondern traf sich dort ein, um gemeinsam besondere Rituale zu feiern. Danach aber zog man weiter.

Gut haben.

In alter Zeit lebten die Menschen in kleinen Gruppen, arbeiteten zusammen, handelten gemeinsam. Jeder trug zum Ganzen auf ähnliche Weise zur Gemeinschaft bei. Wer etwas vom anderen haben wollte, musste dafür etwas geben oder etwas für den Geber tun. Das war die Grundlage allen Tauschs und das Entstehen der dazu verwendeten Mittel.

Wohin sich jedoch die heutige Weltgesellschaft entwickelt, das ist keinem klar. Viele haben einfach vergessen was zu tun ist, um ein autarkes Leben in einer kleinen Gemeinschaft zu führen. Wofür auch? Heute kümmert sich da der eine um die Lebensmittel, ein anderer erbringt Dienstleistungen oder bietet seine Hilfe an als Handwerker, als Arzt, als Gärtner, Landwirt und so weiter. Wenn Menschen einst gemeinsam handelten, geht es heute um ein Handeln des Einzelnen, insbesondere beim Handel mit Waren. Als die Menschen noch in kleinen Gruppen zusammenlebten, war jedem klar worauf es ankam, da er es von Kindesbeinen an erlernt hatte. Viele Versuche sich wieder in diese alten Formen des Zusammenlebens zurückzubegeben, scheiterten oft kläglich und es gelang nur sehr wenigen, wenn überhaupt, hieraus in einer Art Parallelmodell zum Großgesellschaftlichen Zusammenleben zu finden. Darin aber spielen Waren und der Handel damit, eine ganz zentrale Rolle.

Nun stellt sich die Frage, welche Eigenschaften solche Waren erfüllen müssen, um sich als Tauschmittel zu eignen? Wären nämlich grüne Blätter in unseren Breiten ein Tauschmittel, könnte jeder immer wieder eins pflücken, um damit bei einem Handel einen Gegenwert zu geben. In der Polarregion aber sähe das ganz anders aus, da es dort eben nur sehr wenig Grünes gibt. Noch deutlicher ist das beim Wasser: Es ist wohl nur dann ein wirkliches Tauschmittel, wenn es auch getrunken werden kann, also zum Beispiel aus einer Quelle oder einem Brunnen. Auch Knappheit von Wasser in trockenen Gebieten unserer Erde, machen aus ihm ein kostbares Gut, verleihen ihm einen Wert.

Wer nun dafür sorgt, dass Trinkwasser verfügbar ist, der wendet Arbeit auf, stellt die physischen Mittel zur Verfügung (zum Beispiel Wasserleitungen und Behältnisse) und reserviert einen Teil seiner Lebenszeit für diese Tätigkeit. Wer von so jemandem dann Wasser haben möchte (ein anderes Produkt oder eine Dienstleistung, dass er zur Verfügung stellt), erwartet von seinem Abnehmer dafür eine Gegenleistung.

Menge - Münze - Mahnung

Ware und Gegenwert aber sind nicht nur der Sache wegen verbunden, sondern auch durch ihre Qualität. Je nach dem wo ein Bauer sein Getreide lagert, ist es von besserer oder geringerer Güte. Auch die Teilbarkeit der Ware spielt eine besondere Rolle. Weizen oder Wasser kann ich leicht in kleinere oder größere Mengen teilen. Auch wenn ein Baum erst einmal gefällt wurde, lässt er sich in handliche Stücke zersägen. Anders sieht das aus mit einem Fisch, der erst tot gehandelt werden kann und das auch nur für eine bestimmte Zeit.

Um solche Mengen zu kennzeichnen, entwickelten Menschen zuerst Symbole, die dann irgendwann zu den Zahlen wurden, die wir heute alle kennen. Daraus folgte, dass Menschen symbolische Gegenstände verwendeten, um diesen durch Zahlen definierten Teilwerten einen Tauschwert zuzuordnen. Das waren meist seltene, hochgeschätzte Objekte, die vielleicht keinen Nutzwert besaßen, doch wegen ihrer Schönheit begehrt waren: Edelsteine, Edelmetalle und andere. Sie waren die Urform des Geldes, dass man einem Händler, wenn er diese als Tauschmittel anerkannte, als Gegenwert bei einem Kauf geben konnte. Besonders die Edelmetalle wurden dabei immer wichtiger und so kam es zu ersten Münzprägungen. Interessant dabei ist, wenn man sich den Ursprung des Wortes »Münze« anschaut, dass von der römischen Moneta stammt: Der Göttin der Mahnung, der Erinnerung an eine Verpflichtung! Der Wert der Münzen war und ist bis heute gegeben, da sie eben nur begrenzt, ja sogar selten vorkommen, doch sehr begehrt sind und ihre Schaffung einen gewissen Aufwand voraussetzt.

Durch diese Abstraktion von Tauschwerten ging es nun nicht mehr nur darum Waren aufzubewahren, sondern auch um die verwendeten Tauschmittel, insbesondere Münzen. So entstand die Bankenzunft. Kam einer um seine Münzen aufbewahren zu lassen, erhielt er dafür eine Quittung: die Banknote, als Dokument, für den Anspruch auf einer Bank hinterlegten Wertmenge. So kam es, dass irgendwann einfach nur noch Banknoten genügten, um Tausch auszuführen, das heißt, um Waren zu kaufen. Das sollte den Städtern ersparen säckeweise Münzen transportieren zu müssen.

Das Schatzhaus der Athener – ewigeweisheit.de

Der Thesauros: Das Schatzhaus der Athener im Tempelbezirk von Delphi (Griechenland). Dieses antike Gebäude erfüllte den Zweck einer Depotbank, in der man die kostbarsten Votivgaben der Fürsten der alten griechischen Welt aufbewahrte.

Wichtigste Voraussetzung für jeden Handel aber ist, dass Waren knapp bemessen sind. Gibt es zuviel davon und finden sich keine Abnehmer, sind sie wertlos. Angenommen ein Bauer verkauft nun dem einen Sack Getreide, der der Gemeinschaft selbst einen Mehrwert geschaffen hat und das auch belegen kann, so etwa durch den Besitz eines entsprechenden Dokuments (zum Beispiel als Banknote), dann hat so jemand mit seiner Arbeit oder seinem produzierten Gut, selbst einen Anspruch auf eine Gegenleistung erwirtschaftet. Sie kann er gegenüber der Gemeinschaft geltend machen. Und ist dieser Anspruch durch ein Dokument belegbar, dann spricht man von Geld. Auf diese Weise erfüllt es seine wesentliche Funktion.

Nun muss man aber unterscheiden zwischen Beschaffenheit und Menge, zwischen Wert und Zahl, aus denen sich der jeweilige Anspruch gegenüber der Gesellschaft ergibt. Hierbei spielt Geld eigentlich auch noch keine Rolle, da zuerst eine Gleichheit ermittelt wird, zwischen ganz unterschiedlichen Waren oder Dienstleistungen. Wie setzt man dann zum Beispiel den Wert von Äpfeln mit dem von Weizensäcken, den Wert einer Kuh mit dem von Wasserbecken, den Wert einstündiger Arbeit eines Schusters mit dem Wert von soundsoviel Säcken Äpfeln zueinander in Relation?

Vom Ermessen des Werts

Diese Frage eindeutig zu beantworten ist unmöglich, da die Werte von Dingen oder Leistungen, nicht objektiv bemessen werden können. Man denke etwa an den Ort wo bestimmte Güter gehandelt werden: der kulturelle Hintergrund von Gebendem und Abnehmer ist da ganz relevant. Ein einfaches Beispiel: Was nützt einem Schiffbrüchigen eine Tonne Gold? Aber auch in mindernden Verhältnissen wäre es schwer eine zentrale Instanz zu ernennen, die unzähligen Relationen zwischen Wert und Gegenwert einheitlich festlegen wollte. Für einen Durstenden in der Wüste ist ein Diamant wertlos gegen einen Kübel Wasser. Selbst Geld würde da nur zu einer Ware. Was nützten einem Säcke voller Geldscheine, wenn er kurz davor wäre aus Wassermangel zu sterben? Hier hätte der Wert des Geldes inflationär zugenommen, da es da eben seine Bedeutung verlor.

Es liegt an dem Ort beziehungsweise dem Wirkbereich von Geld, wie hoch sein Wert ist. Ist zu viel Geld im Umlauf, spricht man von einer Inflation, wenn ein bestimmter Wert nicht mehr eintauschbar ist. Hier bereits sei schon einmal auf das hingedeutet, was wir ganz zu Anfangs mit dem Thema »Zins« ansprachen. Denn der Zins schließlich vermehrt ja einen Relativwert, der quasi aus dem Nichts entsteht. Dass das aber eigentlich widersprüchlich ist, wollen wir uns gleich genauer ansehen.

Keine Sache hat von sich aus einen Wert, sondern eben nur so viel wie ein anderer bereit ist dafür zu geben. Geld dient dabei als Symbol für ein gegenseitiges Vertrauen, dass die Menschen einer Gesellschaft einander erbringen müssen um zu handeln. Dabei muss immer eine Balance zwischen Geben und Nehmen bestehen – eine Balance die in unserem existierenden System aber auch als Druckmittel eingesetzt wird, das die Mitglieder dieser Gesellschaft zwingt, ihren Beitrag zum Gesamtwohl zu leisten. Das aber ist nur die Sicht aus Warte des Menschen in einer Gemeinschaft, zumal doch die meisten anderen Lebewesen auf unserer Erde ja ganz ohne Geld zurecht kommen.

Stellt sich dann aber nicht die Frage, wie eine Welt ohne Geld aussehen könnte? Was würde sich da ändern, für jeden von uns, wenn jeder immer das täte, was er schon immer getan hat? Ließe sich organisieren, dass sich Geld an sich erübrigt und jemand seine erbrachten Leistungen oder bereitgestellten und verkauften Waren direkt mit dem verrechnet, was er zum Leben braucht? Kann es dann überhaupt noch von einander abgegrenztes Eigentum geben und bedürfte es dann noch Banken, die anderen, zu einem bestimmten Zinssatz, Geld verleihen?

Den Zehnten von allem

Das Wort »Zins« hat seinen Ursprung ziemlich wahrscheinlich im proto-indoeuropäischen »Kems«, was soviel wie »ordnen« bedeutet, denn seit alter Zeit musste das zuerst mit den zehn Fingern der Hände vollbracht werden – entweder zählend oder handelnd. Auch das Wort »Zehnt«, das selbst wiederum vom proto-indoeuropäischen »Komt« abstammt, entspricht seinem etymologischen Sinn gemäß wahrscheinlich dem Wort »Zins«. Dabei war der Zehnt seit uralter Zeit eine Form der Steuer, die jemandem zustand, der einem anderen einen Wert zur Verfügung stellte. Das war im Mittelalter vielleicht ein Acker oder was ein Kriegsherr auf einem Raubzug erbeutet hatte. Schon im biblischen Testament ist davon die Rede, als nämlich Abraham dem sagenhaften Priesterkönig Melchisedek den »Zehnten von allem« gab:

Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des Höchsten Gottes. Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.

- Genesis 14:18–20

Ist da nun der Zehnt oder Zins aber vielleicht auch eine spirituelle Angelegenheit?

Das Schatzhaus der Athener – ewigeweisheit.de

Goldnuggets aus Kalifornien (oben) und Australien (unten).

Heiliges Metall Gold

Es war wohl immer so, dass jene, die selbst nicht in irgendwelche Formen des Handels involviert werden sollten, durften oder konnten, und sich am »schmutzigen Geschäft«, wie viele meinen, nicht die Finger dreckig machen wollten, damit einen Weg fanden zu ihrem Unterhalt zu kommen: dem Handel mit Gold. Das die Worte »Geld« und »Gold« so nahe beieinanderliegen, dürfte darum auch kein Zufall sein.

Mit dem Zinssystem nun wurde etwas geschaffen, dass auf einen Widerspruch hinausläuft, denn schließlich kann man aus etwas, das einen bestimmten Wert hat, nicht mehr machen als es wert ist. Genau das aber macht der Zins. Besonders deutlich wird das bei so abstrakten Werten wie unserem lieben Geld, dass seit langer Zeit schon eine bestimmte Deckung mit barem Gold benötigt, damit es die Regierung eines Landes in ihrem nationalen Bankwesen überhaupt in Umlauf bringen darf.

Das Gold seit uralter Zeit als schönstes aller Metalle im Leben der Menschen eine Rolle wichtige spielte, darauf verweist bereits das Buch Genesis, in dem es im zweiten Kapitel heißt:

Und Gott der Herr bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele. Und Gott der Herr pflanzte im Osten einen Garten in Eden, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. […] und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilte er sich und wurde zu vier Flüssen. Der Name des ersten ist Pison; dieser ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo das Gold ist; und das Gold dieses Landes ist gut

- Genesis 2:7-12

Metall der Sonne

Es scheint also, als hätte man alles Kostbare schon sehr lange mit Gold verglichen, wo Gold seinen Wert angezeigt. Besonders König Salomon ließ es aus dem sagenhaften Land Ophir nach Jerusalem bringen. Mit diesem Gold schmückte er auch seinen Tempel. Und in diesem Zusammenhang taucht da in der Bibel immer wieder eine eigenartige Zahl auf:

Und es war das Gewicht des Goldes, das Salomo in einem Jahr gebracht wurde, 666 Zentner […] Und der König machte einen großen elfenbeinernen Thron und überzog ihn mit lauterem Gold. Und der Thron hatte sechs Stufen und einen goldenen Fußschemel am Thron […]. Und zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen zu beiden Seiten. […] Und alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren aus Gold, und alle Gefäße des Libanon-Waldhauses waren aus lauterem Gold

- 2. Buch der Chroniken 9:13,17-20

Nun muss man wissen, dass das, was man in der Zahlenmystik als »magisches Sonnenquadrat bezeichnet und in sechs mal sechs Feldern die Zahlen eins bis sechsunddreißig auf besondere ordnet, in jeder Reihe als Summe die Zahl 111 ergibt (siehe hier). Das es zwischen der Zahl Sechs und der Sonne einen esoterischen Zusammenhang gibt, das wussten bereits die weisen Chaldäer (abgeleitet von den sogenannten »Planetenstunden«). Wenn das Gold nun aber der Sonne zugeordnet ist, so wie das Silber dem Mond, so scheint es einen tieferer Zusammenhang zu gegeben, wenn in obigem Zitat jene eigenartige Zahl 666 auftaucht, von der ja auch im Buch der Offenbarung des Neuen Testaments die Rede ist.

In diesem Buch ist die Zahl zwar »eines Menschen Zahl«, das Gold aber wiederum ist die metallische Substanz, aus der, dem Mythos nach, das himmlische Jerusalem gebaut wurde.

Unermessliche Mengen Goldes

Der Teufel sitzt im Detail, wie es heißt. Und wenn es um den Zinseszins geht, so könnte man sich mokieren, dass der Leibhaftige darin wahrlich sein Gefallen findet. Denn Zinsen auf Geld zu erheben, setzt einen eigenen Zyklus in Gang, der mit dem eigentlich dahinterstehenden und deckenden Geld- oder Goldwert eigentlich nichts mehr zu tun hat. Werden, wie in unserem Beispiel, 5% Zinsen erhoben, schafft das einen Wert den es eigentlich überhaupt nicht gibt – zumindest nicht in dem Sinne, als dass ihm ein physischer Wert entspräche. Hier setzt die Inflation ein, denn das Geld wird abgewertet durch die Erhebung von Zinsen. Da wird dann alles  immer teuerer und die Kaufkraft der Währung verliert an Stärke. Zu unserem Beispiel des Josephspfennig zurückkehrend, wollen wir uns ansehen, was das bedeutet.

Zahlt jemand nämlich Zinsen für eine Geldschuld, so muss er eigentlich aufkommen für den vorübergehenden Verzicht des Gläubigers auf sein Geld. In der Regel werden Zinsen pro Jahr berechnet. Wenn der Schuldner sein Geld aber erst nach einem Zeitraum von über einem Jahr zurückzahlt, kommt da ein Zinseszins ins Spiel: Zinsen die anfallen für die bereits zuvor angefallenen Zinsen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die ganze Sache absurde Züge an, denn nun verdient da ein Gläubiger Geld, ohne dass er dafür eine Gegenleistung erbringt, was ja in etwa noch durch den Verzicht gewährleistet gewesen wäre, denn er muss vielleicht ja durch Aufwand oder Arbeit entsprechende Werte erzeugen, die ihm durch sein Verleihen vorerst nicht zur Verfügung stehen. So könnte man den Zins auch als etwas betrachten, der dem Schuldner eine gewisse Last aufbürdet, damit er seine Schuld so schnell als möglich begleicht.

Doch die Prinzipien die mit einem Zinseszins wirken – mit Zinsen also, die man auf bereits angefallene Zinsen berechnet – sind eigentlich grotesk. Das soll folgendes Rechenbeispiel beweisen.

Der Josephspfennig

Wir hatten gesagt, dass Joseph von Nazareth auf sein hypothetisches Sparkonto 1 € einzahlte. Wäre er nach 10 Jahren zu seiner Bank gegangen, wären es gerade einmal 1,63 € gewesen, die er seit seiner Einzahlung mit 5% Verzinsung hätte sozusagen geltend machen können.

Nach 80 Jahren – einer Dauer die etwa der heutigen Lebenserwartung entspricht –, wären es dann schon immerhin ca. 50 € gewesen. Das heißt also, dass sich, wie aus dem Nichts, der anfängliche Geldbetrag verfünfzigfacht hätte! Die Bank hätte also zum Beispiel einen Mitarbeiter »unbezahlte Überstunden« machen lassen müssen, oder Ähnliches. Zugegebenermaßen ist das Beispiel recht albern, denn bei 80 Jahren wäre das ja nicht ins Gewicht gefallen.

Doch diese Angelegenheit sieht ganz und gar anders aus, wenn wir das Gedankenspiel mit dem Zinseszins fortführen!

Nach 142 Jahren nämlich wären da bereits mehr als 1.000 € (!) auf dem alten Konto Josephs zusammengekommen. Sein eingezahlter Geldbetrag hätte sich also vertausendfacht. Hier kann man bereits sehen, dass es sich beim Zinseszins um eine exponentielle Vermehrung des Geldbetrags handelt, womit der tatsächliche Wert des Geldes an sich ja aber abnimmt.

Da könnten wir nun die Frage stellen: Wie soll eine exponentielle Mehrung von Geldbeträgen auf einem endlichen Planeten Erde durchführbar bleiben? Denn Geld benötigt ja schließlich einen Deckungswert, da es ja stellvertretend für andere Werte eintauschbar bleiben muss. Doch wie wir gleich sehen werden, ist das schlichtweg unmöglich.

Denn im Jahr 236 n. Chr. wären die Zinsen sogar schon mehr als 100.000 € gewesen, was etwa dem Wert eines ganzen Goldbarren entspräche (Goldpreis März 2020). Das wären also 99.999 € mehr, als zu Anfangs, also vor 236 Jahren auf das Sparkonto eingezahlt wurde.

Nach 500 Jahren hätte ein Erbe Josephs auf sage und schreibe entsprechend 70.245 Goldbarren (entsprechend mehr als 7 Milliarden €!) Anspruch gehabt.

Das gesamte auf der Erde vorkommende Gold (ca. 200.000 Tonnen) aber, hätte unsere hypothetische Bank bereits nach 805 Jahren dem Erben des Sparers geschuldet.

Im Jahr 1415 wäre der entsprechende Geldwert dann soviel gewesen, als schulde man ihm das Volumen unseres gesamten Planeten Erde, ausgefüllt mit reinem Gold.

Im Jahre 1900 wäre das ein noch fantastischerer Wert gewesen, denn die Bank hätte ihm die groteske Menge von 19 Milliarden Erdkugeln aus reinem Gold geschuldet.

Zu heutigem Datum 2020 aber, hätte sich dieser Wertbetrag zu mehr als 6 Billionen Erdkugeln aus reinem Gold aufaddiert, was etwa dem Volumen einer Goldkugel entspräche, deren Durchmesser 5 Millionen mal größer wäre als das unserer Sonne!

Punkt.

Wie man ganz deutlich sehen kann, wäre es der Bank wohl bereits nach 500 Jahren nicht mehr möglich gewesen, jenem Sparer-Erben nur den winzigsten Bruchteil eines Bruchteils dessen auszahlen zu können, was ihm bei einer Verzinsung von nur 5% zugestanden hätte!

Bei dieser Rechnung wäre durchaus die Frage angebracht, inwieweit das Konzept des Zinseszins dann überhaupt noch Sinn macht, wenn der ab einem gewissen Grad überhaupt nicht mehr zurückgezahlt werden kann?

Wofür die Menschen Zinsen erfanden

Die Sache mit dem Zins war immer auch eine Religiöse, wie wir oben sehen konnten. Man verbot Zinsen zu erheben und führte den Zins auch wieder ein. Ursprünglich stammt das Zinskonzept von den Sumerern, aus einer Zeit vor etwa 4.400 Jahren. Sie nannten es »Maš«, das »Kalb«, denn es galt ihnen als ein Naturlohn, was man heute als Sachzuwendung bezeichnen würde.

Im Reich der Babylonier, vor etwa 3.800 Jahren, kannte man den sogenannten Marktzins, der schon damals für den Schuldner ein Risiko bildete, denn konnte er diesen Zins nicht zahlen, lief er Gefahr von seinem Gläubiger versklavt zu werden.

Vor 3.000 Jahren gab es dann bei den Juden das Sefer ha-Berit, das »Bundesbuch«, indem man das Verbot fand, Zinsen bei Krediten an arme Menschen zu erheben.

Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Gläubiger benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern.

- Exodus 22:24

In einem anderen der fünf Bücher Moses heißt es zudem

Du sollst von Deinen Volksgenossen keinen Zins nehmen, weder Zins für Geld, noch Zins für Speise, noch Zins für irgendetwas, was man leihen kann

- Deuteronomium 23:30

Ob das nur für die angesprochenen Mitglieder des Volkes Israel galt, sei einmal dahingestellt. Dass Zinserhebung einem Volk jedoch schade, davon war auch der griechische Philosoph Platon überzeugt. Bei den Römern dann, etwa zur selben Zeit Platons, handhabte man das mit der Verzinsung entsprechend der Art des Schuldnertums, wo der mündlichen Zusage auf einen bestimmten Zinssatz, per Handschlag zugestimmt wurde, oder man an Verwandte Darlehen auch zinslos als Gefälligkeit gab.

Erst mit dem Aufkommen des Christentums bewegte sich die Erhebung von Zinsen in einen Bereich heftiger Kritik. Die Kirche verlangte, dass in Not geratenen, bedürftigen Personen, zinslose Darlehen gegeben werden mussten, und beriefen sich dabei auf das mosaische Buch Levitikus und wie auch das Lukas-Evangelium des Neuen Testaments:

Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

- Lukas 6:35

Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können. Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben. Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, um euch Kanaan zu geben und euer Gott zu sein. Wenn ein Bruder bei dir verarmt und sich dir verkauft, darfst du ihm keine Sklavenarbeit auferlegen

- Levitikus 25:36


Ein Verstoß gegen das daraus resultierende Zinsverbot hatte für einen Christen schwerwiegende Folgen. Wer Zinsen erhob dem drohte der Ausschluss aus der christlichen Gemeinde. So einer erhielt damit auch kein kirchliches Begräbnis. Kaiser Karl der Große löste im Jahr 789 dann dieses Zinsverbot aus dem kirchlichen Gesetzeszusammenhang und erklärte es sogar zum weltlichen Verbot.

Doch auch der Islam hatte bereits mehr als 150 Jahre zuvor, das christliche Zinsverbot übernommen und forderte nach 622 n. Chr. dazu auf, keinen Zins – arabisch »Riba« – zu nehmen. Wie man der Sure 2:275 entnehmen kann, darf der Schuldner dem Gläubiger nur das Kapital zurückzuerstatten.

Diejenigen, die Zins nehmen, werden nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist. Dies dafür, dass sie sagen: »Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.« Aber Gott hat das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.

Das Prinzip vom Verleihen von Geld, als Vorstellung eines Verzichts auf Möglichkeiten darzustellen, scheint damit an sich in Frage gestellt. Allerdings ist da aus heutiger Sicht eine recht schwierige Angelegenheit, zumal alle Geldbeträge, der Inflation wegen, ja ihre Kaufkraft allmählich verlieren – wegen eben des Zinseszins.

Kaum verwunderlich, wenn man im Mittelalter als Synonym für den Zinseszins, ganz einfach das Wort »Schaden« verwendete.

 

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Die Universelle Weiße Bruderschaft: Spirituelle Gemeinschaft im Zeitalter des Wassermanns

von S. Levent Oezkan

Universelle Weiße Bruderschaft - ewigeweisheit.de

Schon immer war die Balkanhalbinsel ein Gebiet der Begegnung, zwischen den spirituellen Weisheits-Kulturen des Abendlandes und des Morgenlandes. Im Osten des Balkan siedelte einst das Volk der Thraker, über das seinerzeit König Oiagros herrschte: Vater des mythischen Sängers Orpheus. Homer nannte Thrakien »das goldene Reich des Orpheus«, wo der legendäre Sänger seine Tradition zu Wege brachte.

Die orphische Tradition nämlich sollte dereinst den Kern einer neuen Kultur bilden. Und da man auch Apollon zu Ehren, dem Gott des Lichts, der Weissagung, der Heilung und der Künste, hier vor mehr als 3000 Jahren heilige Riten abhielt, wird Thrakien auch ein »Land des Lichts« genannt. Damit sollte in Thrakien eine der ältesten Kulturlandschaften Europas entstehen.

Es ist bei alle dem aber nicht allein Mythologie, denn im Balkan des südlichen Bulgarien, wo sich die thrakische Tiefebene erstreckt, fanden Archäologen die Reste einer uralten Hochkultur, die dort ihren Königen Megalith-Bauten (Dolmen) und Hügelgräber errichteten. Nahe des bulgarischen Dorfes Tatul erhebt sich ein thrakisches Felsengrab, das heute gar als Ruhestätte Orpheus' gilt. Es gehört zu einem riesigen Komplex anderer Megalith-Bauten, in denen man erst heidnische, später auch christliche Kulthandlungen durchführte.

Der griechische Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandria verglich den Orpheus sogar mit Jesus, dessen Abstieg in die Unterwelt, gewiss dem Abstieg Christi in die Totenwelt entspricht.

Orpheus also ein mythischer Vorgänger Jesu Christi?

Zumindest scheint diese Symbolik möglicherweise die Theologie der Bogomilen mit inspiriert zu haben. Auch sie nämlich kamen vom bulgarischen Balkan und waren eine christliche Sekte die sich ab dem 10. Jahrhundert hier gegründet hatte. Sie nannten sich die »Gottesfreunde« (von slaw. bog, »Gott“ und mil, »lieb«) und waren eine asketisch lebende Gemeinschaft, in der man an eine dualistisch geprägte Weltordnung glaubte und man alles Materielle dem Bösen, alles Geistige dem Guten zuschrieb. Wie auch die Katharer Südfrankreichs, hielten die Bogomilen ihren Glauben für die wahre Lehre Christi.

Durchaus besaßen ihre Lehren einen universellen Charakter, der dem Glauben der Katharer sogar sehr ähnelte. Ihre Religion verkündete ein ganz einfaches, reines und heiliges Leben, dass auf Liebe, Gemeinschaft und Gleichheit basierte. Dabei aber sahen sie sich als die Überbringer vollkommen neuer Vorstellungen über die Bedeutung eines wahren Christentums.

Beinsa Douno - ewigeweisheit.de

Gründer der Universellen Weißen Bruderschaft: Petar Danow – »Beinsa Douno«.

Ein Bulgarischer Weiser

Anfang des 20. Jahrhunderts sollte sich in diesem alten Land der Bogomilen erneut eine okkultistisch-religiöse Bewegung gründen: Die Universelle Weiße Bruderschaft.

Gründer dieser Gruppe war der Theologe, Philosoph und spirituelle Lehrer Petar Konstantinow Danow (1864-1944; andere Versionen des Nachnamens: Deunov, Dănov). Er studierte Ende des 19. Jahrhunderts Theologie in den Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit stand er in Kontakt mit dort ansässigen Vertretern der Theosophischen Gesellschaft und der modernen Rosenkreuzer-Bewegung.

1896 erschien sein erstes Buch mit dem Titel »Wissenschaft und Erziehung«. Im Jahr darauf erfuhr er seine mystische Initiation und nannte sich seitdem »Beinsa Douno«.

Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien wirkte er dort ab 1897 als spiritueller Lehrer und gründete eine Gesellschaft, die sich der Erhebung des religiösen Geistes des bulgarischen Volkes verschrieben hatte. Er sprach da von den Zusammenkünften der »Synarchischen Kette«, an denen drei seiner ersten Schüler teilnahmen: Penio Kirov, Todor Stoimenov und Dr. Georgi Mirkovic. Seit 1900 hielt er im Rahmen dieser Gesellschaft Treffen ab. »Synarchisch« wohl darum, da der Glaube dieser von ihm geführten Gemeinschaft (griech. »archia«, Führung) in sich verschiedene spirituelle Systeme zu einem neuen Glauben synthetisierte.

Schon damals begann er Material zusammenzustellen, womit er dann, im Jahr der Gründung seiner Bruderschaft, seinen Schülern eine umfassende Einführung in den Okkultismus zur Verfügung stellen konnte. In seinem Werk – darunter die Titel »Sieben Gespräche mit dem Geist Gottes« und »Die Drei Dinge« – waren Erkenntnisse enthalten, die er in Meditation empfing.

Im Jahr 1922 ging aus der »Synarchischen Kette« dann die Universelle Weiße Bruderschaft hervor. Danow wollte durch die Gründung dieser Bruderschaft eine Mission erfüllen: Ein neues spirituelles Zeitalter sollte von ihm eingeleitet werden, zur Verkündigung der Wahrheiten des Wassermanns. Es heißt, dass Danow versuchte den uralten und unvergänglichen Weisheiten der Menschheit, damit zu einer neuen Geburt zu verhelfen.

Der Anker des Wassermanns

Im Emblem der Universellen Weißen Bruderschaft kommt dieses Ansinnen zum Ausdruck. Es zeigt einen Anker, der für einen Glauben steht, der an solaren, hohen Idealen festhält, was auf die Bedeutung der Sonne für unseren Planeten anspielt, deren Licht ja die Quelle allen Lebens auf Erden ist. Der Anker galt Danow daher als Symbol aller, die den Ozean des Lebens bereisen und sich bei jedem Ankerwurf mit der Welt des Göttlichen zu verbinden hoffen.

Die Symbolik des Wassers platzierte er in besagtem Emblem als Sinnbild der Quelle des Klaren und Reinen, als ein Brunnen unerschöpflicher Kraft, etwas das notwendig ist damit Leben überhaupt entstehen kann.

Die Hände, die sinnbildlich das Wasser aus der Mündung dieser Quelle führen, gehören Aquarius, dem Wassermann, dessen Zeitalter bei der Gründung der Universellen Weißen Bruderschaft aufdämmerte. Da Aquarius aber astrologisch ein Luft-Zeichen ist, wird damit ein Wasser feinstofflicher, ätherischer Beschaffenheit angedeutet, etwas, von dem man in alter Zeit glaubte, dass daraus der Heilige Geist beschaffen sei. Im Evangelium des Johannes steht diese Symbolik von Wasser und Geist für die Wiedergeburt eines Menschen in ein neues Leben, was natürlich ein Hinweis ist darauf, dass ein Mensch die geistige Fähigkeit besitzt, immer aus seinem bisherigen, in ein neues Leben hervorzutreten.

Es sei denn dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. […] was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

- Johannes 3:5f

In diesem Sinne wollte auch Petar Danow seine Schüler zur Erkenntnis führen und dabei ihre Herzen erheben. Das sollte geschehen, damit einer diese eben definierte Gnade des Heiligen Geistes, dereinst in sich erfahren und das vollkommene Licht der Wahrheit empfangen solle. Danows Schüler aber wussten dabei immer, dass man über diese Themen viel sagen und noch mehr darüber schreiben kann. Das hier Angedeutete jedoch muss von jedem Einzelnen selbst erfahren und gelebt werden, so dass einer in seinem Erleben Liebe und Weisheit erlange.

Und dieses Erleben versuchte er, durch sein Vermitteln der ursprünglichen Weisheitslehren Jesu Christi, in jedem seiner Schüler zu inspirieren, eben genau so, wie es wahrscheinlich vor 2000 Jahren vermittelt wurde.

Die Schüler der Universellen Weißen Bruderschaft sahen in Danow den Verkünder einer wahren, einzigartigen Philosophie, die sich direkt im Leben anwenden lässt, um einen Menschen zu befähigen in Gott zu weilen. Er wusste »das lebendige Wort« auf eine verständliche, vielleicht sogar empfindsame Weise zu vermitteln. In Kreisen der Universellen Weißen Bruderschaft heißt es sogar, dass Papst Johannes XXIII. (1881-1963) Petar Danow »den größten auf Erden lebenden Philosophen« nannte.

Ziele der Universellen Weißen Bruderschaft

Für die von ihm gegründete Bruderschaft synthetisierte Danow Ideen und Philosophien anderer religiöser Weisheitssysteme zu einem neuen Weltbild. Die Gemeinschaft seiner Anhänger lernten aus Danows Vorträgen, Gebeten und Liedern aber insbesondere die esoterischen Lehren aus der jüdisch-christlichen Tradition, die gewisse Ähnlichkeiten aufweisen mit den Schulen der Rosenkreuzer und der Anthroposophie Rudolf Steiners.

Es ging Danow aber auch darum die Kreativität seiner Schüler zu fördern. Alle Menschen galten ihm von Natur aus als Künstler. Weniger aber versuchte er direkt ein Kunstschaffen zu vermitteln, als seinen Anhängern beizubringen dass Kunst etwas sei, das allein vom Göttlichen her stamme und auch durch Gotteserfahrung direkt dem Menschen zur Verfügung stehe.

Jeder sei vollkommen ausgestattet mit der Fähigkeit zu erschaffen. Davon war Danow fest überzeugt. Was manchen jedoch fehlte, war seiner Meinung nach der Zugang zu diesem Bereich des Seins. Danow wollte seinen Schülern darum durch sein Wirken behilflich sein, durch seine inspirierenden Reden und seine Musik, diesen inneren Teil in ihnen anzuregen, so dass ihn aber jeder durch sein eigenes Wirken entfalten konnte.

Solche inneren Prozesse anzuregen, sollte der Schüler erreichen, durch eine besondere Ernährung, durch Atemübungen, Meditation und bestimmte Gebete.

Er wollte dass die Mitglieder der Bruderschaft erkannten, dass es nicht allein helfe sich nur um sein eigenes Leben zu kümmern. Vielmehr wollte Danow mit seiner Bewegung erreichen, dass sich die Menschen, als Kinder eines einzigen Schöpfers zusammentun, um damit die Probleme der Menschheit zu lösen.

Zugegebenermaßen mögen solch erhabene Ziele dem einen oder anderen recht romantisierend, ja gar sentimental erscheinen. Eigentlich aber ist es doch genau das, was die gegenwärtige Zivilisation unseres Planeten so nötig hat.

Herr, unser Gott, unser freundlicher himmlischer Vater,
Der uns ein Leben schenkte und Gesundheit,
Um in Dir zu frohlocken, drum beten wir zu Dir.

Sende uns Deinen Geist,
Bewahre und beschütze uns vor dem Bösen
Und vor trügerischen Gedanken.

Lehre uns Deinem Willen nach zu handeln,
Deinen Namen heilig zu halten
Und Dich immer zu ehren.

Segne unseren Seelen,
Erleuchte unsere Herzen und unseren Geist,
Auf dass wir Deine Gebote und Regeln einhalten.

Inspiriere in uns mit Deiner Gegenwart,
Deinen reinen Gedanken,
Und führe uns Dir mit Freuden zu dienen.

Unser Leben, dass wir Dir widmen,
Dem Guten für unsere Brüder und Nachbarn willen –
Wir preisen Dich Herr.

Hilf uns und unterstütze uns,
Damit wir wachsen in Wissen und Weisheit allseits,
Von Deinem Wort zu lernen und in Deiner Wahrheit zu verweilen.

Führe uns in allem was wir denken
Und in Deinem Namen tun,
Im siegreichen Heil Deines Reiches auf Erden bestehend.

Nähre unsere Seelen mit Deinem himmlischen Brot,
Und stärke uns mit Deiner Kraft,
So dass wir in unserem Leben vorankommen.

Wie Du uns all Deinen Segen verleihst,
So vermehre in uns Deine Liebe,
Um uns ein ewiges Gesetz zu bleiben.

Denn Dir ist das Königreich
Und die Macht und die Herrlichkeit
Für immer und in Ewigkeit.

Amen.

- Petar Danow, Gebet der Güte

Lichtsymbolik und Sonnengeheimnis

Herr des Lichts vollkommener Fülle und Güte,
Der über den mein Lehrer zu mir sprach,
Offenbare Dich mir wie es Dir gefällt.

Ich bin darauf vorbereitet Deinen Willen zu erfüllen,
Ohne zu zögern, entschlossen
Und ohne von Deinem Willen abzuweichen.

Ich will Dir Herr treu und ehrlich dienen,
Eben so wie Du auch treu und ehrlich bist,
Im Namen meines Lehrer, durch den Du zu mir sprachst.

Und lass mich, oh Herr, sein wie die kleinen Kinder Deines Königreichs –
Gehorsam, gewissenhaft, geduldig, fest und zufrieden in Deiner grenzenlosen Liebe,
Die sich aus Dir allen Schwachen und Müden offenbart,
Die den von Deinem Licht erfüllten Pfad suchen, worin Du weilst.

Ich bete zu Dir Herr,
Dass Du mich erleuchten mögest
Und sich Dein Geist nicht entferne
Von meiner Seele, von meinem Herzen, von meinem Geiste, von meinem Willen.

Lass mich, Herr, ein Überbringer Deines Wortes sein,
Ein Botschafter Deiner Wahrheit
Und ein Diener Deiner Rechtschaffenheit;
Möge Dein Geist in meiner Seele inkarnieren und lass mich frohlocken in der Gegenwart Deines Wortes, im Namen meines Lehrers, durch den Du der Welt bekannt wurdest.

Amen.

- Petar Danow, Lichtgebet

So wie auch in anderen esoterischen Traditionen, spielt in diesem Gebet Petar Danows, eine zentrale Rolle das Licht. Es ist das, womit die Welt zu sein begann – sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus religiöser Sicht. Die berühmten Zitate aus der biblischen Schöpfungsgeschichte und dem Johannes-Evangelium deuten das an:

Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis.

- Genesis 1:3f

In ihm (im Wort Gottes, aus dem alles geworden ist) war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen.

- Johannes 1:4f

Besonders im hier erwähnten Zitat aus dem Johannes-Evangelium, ist das Licht im »Wort Gottes«, ist im »Logos«, dem Wort, das an dieser Stelle, im alt-griechischen Original des Evangeliums verwendet wird. Logos ist allerdings ein Wort mit einem ausgesprochen weiten Bedeutungsspielraum. Bei Johannes steht es aber für das Wort im Sinne einer Existenz des Lichts. Vielleicht aber zunächst weniger jenes Lichts das die Augen sehen, als einem Licht etwas kraftvoll Seiendem, das als Vorstufe aller sinnlich wahrnehmbaren Elemente auch in diesem Augenblick aus dem Verborgenen her wirkt.

und der Logos (das Wort) war bei Gott, und Gott war der Logos (das Wort).

- Johannes 1:1

Aus diesem Logos, aus diesem besonderen Wort, das vielleicht schon immer vorhanden war, als Synonym eines ordnenden, formgebenden Prinzips, entstand das Manifeste, wobei Licht eine Zwischenstufe bildet. Das Licht steht über der Finsternis der manifestierten Welt. Denn was wäre diese, würde kein Licht auf sie fallen: Sie bliebe unsichtbar und kein Leben könnte sich je daraus entfalten.

Auf unserem Planeten Erde aber ist dieses Licht im Zentralgestirn Sonne allgegenwärtig.

St. Michael

Wie uns die Lehren der modernen Theosophie und auch der Anthroposophie wissen lassen, manifestiert sich der solare Logos, das lichthafte Wort der Sonne, in der Erscheinung des Erzengels Michael – der Name jenes größten Erzengels dessen Name die Frage stellt »Wer ist wie Gott?«

Auch im Lebensbaum der Kabbala, wo die sechste Sefirah Tiphereth mit dem Gestirn Sonne assoziiert wird, daraus wirkt die Kraft des Erzengels Michael. Dieser Erzengel ist also ein Geist der in der Sonne lebte. Michael war auch der Engel der den Baum des Lebens bewachte und der Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, da sie vom Baum der Erkenntnis aßen. Von diesem Baum aber schnitt St. Michael einen Zweig und reichte ihn Seth, dem dritten Sohn Adams.

Nun schrieb später der Prophet Daniel über diesen Erzengel Michael:

Zu jener Zeit wird Michael auftreten, der große Engelsfürst, der für dein Volk einsteht.

- Daniel 12:1

Wenn er hier sagt »Zu jener Zeit«, deutet er damit auf ein zukünftiges Ereignis hin. Da nämlich soll der Siegesengel und Beschützer der Menschheit in Erscheinung treten. Im Osten, wo die Sonne jeden Morgen aufsteigt, soll Michael seine himmlischen Heerscharen vor dem Thron Gottes versammeln und von dort aus kommen, um dereinst den Teufel und seine Dämonen vom Himmel zu stürzen (Offenbarung 12:7-9). Sie werden dann, von seinem überirdischen Licht geblendet in die Hölle stürzen.

In unserer heutigen Zeit aber scheint sich etwas zu bilden, worauf das hindeutet, was eben Johannes' Offenbarung prophezeit. Wir werden später erneut darauf zu sprechen kommen, wenn es um die »große Zeitenwende« geht, wo also die hohen Fürsten des Himmels in Erscheinung treten sollen.

Omraam Mikhaël Aïvanhov - ewigeweisheit.de

Omraam Mikhaël Aïvanhov (Bildquelle: Prosveta)

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Im Jahr 1919 kam in den Kreis um Petar Danow der junge Mikhaël Aïvanhov (1900-1986). Schon als Teenager war der junge Mann ein begeisterter Leser spiritueller Literatur, begann schon sehr früh zu meditieren, machte besondere Atemübungen und fastete regelmäßig.

Später beschrieb Aïvanhov in seinem Buch »Die Neue Religion« ein Erlebnis, das er als Sechzehnjähriger hatte. Es war eine Erfahrung die alles veränderte und letztendlich sein spirituelles Erwachen bewirken sollte:

Die Sphärenmusik, die ich gehört habe, war der Gipfel all meiner Forschungen, all meiner Arbeiten, all meiner Übungen, bei denen ich aus meinem Körper ausgetreten bin. Sie ist seither in mir geblieben als Kriterium, als Muster, als Modell, ein Anhaltspunkt, um alles zu verstehen und alles einzuordnen.

- Aus »Die Neue Religion« von Omraam Mikhaël Aïvanhov

Doch die Zeit aus der Aïvanhov hier berichtet, verbrachte er in bitterer Armut. Auch als er sich der Bruderschaft Danows angeschlossen hatte, sollte sich daran zunächst nicht viel ändern. Immer aber widmete er sich dem Studium der okkulten Wissenschaften und nahm an den Meditationsübungen seines Meisters teil.

Als sein Meister Petar Danow, nach einer etwa einjährigen Exilhaft, im Jahr 1919 entlassen wurde und in den Kreis seiner Anhänger zurückkehrte, faszinierte ihn insbesondere der junge Aïvanhov. Der wurde sein wahrscheinlich ergebenster Schüler. Als Danow mit seiner Bruderschaft später in die bulgarische Hauptstadt Sophia umzog, folgte ihm Aïvanhov nach.

Durch seinen Meister angeregt schrieb sich Aïvanhov dann an der Universität von Sophia ein, um dort zwischen 1923 und 1931 Naturwissenschaften zu studieren. In dieser Zeit besuchte er auch Kurse in Philosophie und Psychologie. Ab 1932 arbeitete Aïvanhov als Lehrer an einer Schule, von der er später auch Direktor wurde.

Der französische Zweig der Weißen Bruderschaft

Als kurz vor dem Zweiten Weltkriegs unruhige Zeiten aufdämmerten, beauftrage Petar Danow den damals 37-jährigen Aïvanhov damit, einen Zweig seiner okkulten Schule in Frankreich zu gründen, wo er die Lehren der bulgarischen Bruderschaft bekanntmachen sollte.

1937 reiste Mikhaël Aïvanhov mit einem einfachen Touristenvisum nach Paris, wo er Kontakt aufnahm zu Menschen, die mit der Universellen Weißen Bruderschaft sympathisierten. Unter ihnen befand sich Stella Bellemin, eine Frau in ihren Fünfzigern, die eine der treuesten Schülerinnen Aïvanhovs werden sollte. Sie hatte Bulgarien bereist, wo sie auch Petar Danow begegnet war. Mit ihrer Hilfe perfektionierte Aïvanhov sein Französisch und begann schon im Jahr darauf erste Vorlesung an der Sarbonne in Paris zu halten. In dieser Zeit schlossen sich ihm immer mehr Menschen an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Aïvanhovs Bruderschaft ein Haus in einem Vorort von Paris, in Sèvres. Nachdem dort notwendige Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren, gründeten er und seine Anhänger Ende 1947 einen Verein mit dem Titel »Fraternité blanche universelle« (deutsch: »Universelle Weiße Bruderschaft«) die dann Anfang 1948 offiziell in das französische Vereinsregister eingetragen wurde. 1953 dann entstand ein weiteres internationales Zentrum der Bruderschaft in der Nähe des südfranzösischen Fréjus, dem sie den Namen gaben »Le Bonfin«.

Begegnungen mit einem indischen Guru

Aïvanhovs reiste 1959 nach Indien und traf dort den Hindu-Guru Neem Karoli Baba (1900-1973) – den seine Schüler »Babaji« nannten, »Verehrter Vater«. Dieser Babaji war ein Meister des Bhakti-Yoga, einem spiritueller Weg im Hinduismus, der sich der Entwicklung liebender Hingabe an Gott widmet. Neem Karoli Baba war auch der Lehrer des amerikanischen Gurus Ram Dass.

Von diesem Guru Neem Karoli Baba auf jeden Fall, erhielt Aïvanhov den Titel »Omraam«, ein Name der sich zusammensetzt aus zwei Sanskrit-Mantras: Om und Ram. »Om« natürlich ist das heiligste Mantra der Hindus, dass für das absolut Göttliche steht. Die Silbe »Ram« steht für das heilige Feuerelement.

Wie es zu dieser Namensgebung kam, versuchte Aïvanhov seinen Schüler durch folgende Allegorie zu veranschaulichen: »Omraam« entsprach dem alchemistischen »solve et coagula« (deutsch: »löse und binde«), wo das »Om« als »solve« alle Dinge auflöst und dabei verfeinert, um sie im »Ram«, dem »coagula«, neu zu materialisieren, wo eine gewonnene Vorstellung quasi zu einer konkreten Tatsache »gerinnt«. Sein neuer Titel stand damit natürlich für das, was er seinen Schülern durch seine Arbeit geben wollte: Hilfe bei der allegorischen Transmutation, bei der Verwandlung ihres bisherigen, in ein höheres, edleres Dasein.

Vor seiner Reise nach Indien hatte sich Aïvanhov, den seine Anhänger »Bruder Michael« nannten, bis dahin immer geweigert, dass man ihn als »Meister« ansprach. Schließlich sah er sich mit ihnen, als Mitschüler seines Lehrers Petar Danow. Doch nach seiner Reise nach Indien und seiner dortigen Begegnung mit dem Guru Babaji, sollte sich jetzt alles ändern.

Was einen Guru ausmacht

Ein Mensch den andere als ihren spirituellen Meister oder Guru bezeichnen, ist jemand der über seine Handlungen, seine Gefühle und über seine Gedanken vollkommene Kontrolle erlangt hat. Meister zu sein bedeutet darum zuerst Meisterschaft über sich selbst zu erlangen. Wer das erreicht und die wesentlichen Probleme des Lebens im Griff hat, der ist frei, besitzt einen äußerst starken Willen und ist jemand der gleichzeitig erfüllt ist von Milde, Liebe und Freundlichkeit.

Es bedeutet wirklichen Aufwand und bedarf beharrlicher Ausdauer, um Meisterschaft über das Selbst zu erlangen. Wem das jedoch gelingt, der ist jemand, der alle Widersprüche in sich aufgelöst hat und bei dem all sein Handeln, Fühlen und Denken mit seiner Lebensphilosophie in Einklang sind. Das macht ihn zum lebendigen Beispiel für das was er anderen mitteilen möchte.

Den Zustand eines sanften und gleichzeitig entschlossenen Bewusstseins zu erreichen, dafür übte einer, den andere dann einen Guru nennen, diszipliniert unter Anwendung besonderer Methoden. Aber auch ein Wissen über die grobstoffliche und feinstoffliche Konstitution des Menschen ist hierbei von Nöten, sowie ihre Wechselwirkung mit den Reichen der Natur und den höheren esoterischen Zusammenhägen im Kosmos.

Wem gelingt, so einer zu werden, der wird eine Quelle der Weisheit und des Lebens, die auf andere Menschen einen Magnetismus ausübt, ohne dabei selbst aktiv auf sie zugehen zu müssen. Man erkennt einen spirituellen Meister deshalb daran, dass er umgeben ist von Jüngern.

So kam es, dass auch Aïvanhovs Jünger wünschten, ihm nach 22 Jahren, in ihrer Anrede gebührenden Respekt zu zollen. Schließlich akzeptierte er als ihr Meister angesprochen zu werden. Seine Begabung mit seinen Schülern eine brüderliche Beziehung zu führen aber änderte sich nie.

Der Melchisedek-Orden

Aïvanhov lud jeden seiner Schüler dazu ein, einen noch größeren Meister wiederzufinden: Melchisedek – König von Salem, Meister aller Meister. Seinem Orden gehörten der Prophet Abraham, später König David und schließlich auch Jesus Christus an. Sie alle nämlich hatten in sich die Prinzipien des Sonnenlogos verwirklicht. Von diesem Orden beziehungsweise einer »Ordnung« des Melchisedeks kündet die Bibel:

Du ist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

- Psalm 110:4

Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.

- Hebräer 5:6

Dieser Melchisedek wird auch »König der Gerechtigkeit« und »Priester des höchsten Gottes« genannt, wobei der Zusatz »Salem« in seinem Namen, aus ihm auch einen Friedensfürsten macht, einer Eigenschaft die der biblische König Salomon nach ihm verwirklichen sollte, als Erbauer des ersten Tempels auf dem Zionsberg in Jerusalem.

Die gnostische Schrift Pistis Sophia nennt Melchisedek den großen Empfänger des Lichts, der die Seelen in ihrem Aufstieg besiegelt und sie, so wörtlich, »zum Lichtschatze« führt. Dieser Priesterkönig Melchisedek ist der Anführer der Paralemptoren, der Empfänger des göttlichen Lichts. Als solcher aber ist er auch der, der die großen Eingeweihten leitete, wie etwa den Hermes Trismegistos, den Orpheus, den Propheten Moses, Zarathustra, König Salomon und Jesus den Christus. Sie alle hatten nur ein wahres Bedürfnis: im Licht Gottes zu handeln, von ihm erfüllt für das Licht Gottes zu arbeiten, damit es sich in der Welt und in jedem Menschen manifestiere.

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

- Johannes 8:12

Yoga des Lichts

Aus diesen und anderen Geheimlehren hatte Aïvanhov seine universelle Lichtmetaphorik entwickelt, auf deren Grundlage er die Mitglieder seiner Gemeinschaft in einen Yoga der Sonne initiierte: den Surya-Yoga. Er leitete sie an, zwischen den Frühlings- und Herbstäquinoktien, immer während des Sonnenaufgangs zu meditieren. Dieses morgendliche Ereignis nämlich bildet jeden Tag eine Zeit, wo sich das Sein des Menschen wieder aufbaut, wo die Sonnenstrahlen dazu beitragen den Meditierenden zu verwandeln und zu erneuern.

In dieser Meditation konzentriert der Praktizierende seine Gedanken auf die Sonne, was die Verbindung zu seinem Geist stärkt. Jeder Mensch nämlich trägt auch in sich ein solares Zentrum, so dass sich der Meditierende damit verbinden kann, wenn er auf die Sonne als Zentrum unseres Planetensystems meditiert. Auf diese Weise stellt der Praktizierende eine Verbindung her zu seinem höheren Selbst.

Ein Symbol für den Sieg über das Niedere Selbst

In seinem Buch »Die Früchte des Lebensbaums« beschreibt Omraam Mikhaël Aïvanhov die besondere Rolle des Erzengels Michael für unsere Erde und alles was auf ihr lebt. Dieser Engel ist die Wesenheit, die die Erde durch ihren himmlischen Geist reinigt. Das heißt, im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte, bis heute, überschwemmten dämonische Kräfte unseren Planeten. In ihrer zerstörerischen Gesamtheit fügten sie sich zu dem zusammen, was Aïvanhov als den allegorischen Drachen beschrieb, der auf Erden sein Unwesen treibt und den dereinst St. Michael stürzen soll.

Wie obiges Zitat aus dem Buch Daniel andeutete, bleibt das in unserer Zeit aber ein zukünftiges Ereignis. Gegenwärtig drängt das Finstere der Welt, das Lichtvolle immer weiter zurück. Es gab aber immer Menschen die im Kampf gegen das Finstere all ihre Kräfte aufboten, um das was im biblischen Kontext das Symbol des Drachen widerspiegelt, zu überwinden. Keinem von ihnen aber gelang bisher, diesen üblen Egregor, diesen dämonischen Gruppengeist zu stürzen. Er nämlich giert nach allem das Furcht einflösst, labt sich am Hass und der Verwirrung aller Menschen, was sich zu eben jenem Geist verdichtete, dessen Seelengefährt jener siebenköpfige Drache aus der Offenbarung des Johannes sein wird.

Und ich sah ein anderes Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner gleichwie ein Lamm und redete wie ein Drache.

- Offenbarung 13:11

Erzengel Michael - ewigeweisheit.de

Der Erzengel Michael dargestellt auf einer byzantinischen Ikone eines unbekannten Meisters (um 1390).

Auf dem Weg in ein neues Goldenes Zeitalter

In dieser Symbolik kommt auch zum Vorschein das, was im Hinduismus als unsere Gegenwart im Eisernen Zeitalter beschrieben wird: das Kali-Yuga – das Zeitalter des Streites und des Niedergangs, mit dem ein großer Zyklus enden wird. Am Ende des Kali-Yuga aber soll auf Erden erscheinen, entsprechend dem Erzengel Michael der abrahamitischen Tradition, der zukünftige Buddha Maitreya oder der Kalki-Avatar der Hindus. Sie alle scheinen die selben Prinzipien zu verkörpern eines göttlichen Erretters, der das Böse der Finsternis vernichten und ein neues Goldenes Zeitalter einleiten wird.

So verkörpern der Avatar Kalki, wie auch der Erzengel Michael, ein Prinzip der Hoffnung und der Zuversicht, dass das Licht über die Finsternis in der Welt dereinst obsiege.

Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satanas heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.

- Offenbarung 12:7

Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war [...]

- Offenbarung 19:11ff

Und so wie die Offenbarung Johanni jenen Erretter als auf einem weißen Pfern reitend das Böse vernichten wird, so wird auch in einer heiligen Schrift der Hindus, den Bhagavatapuranas, das Erscheinen des Kalki Avatars beschrieben:

Im Dorfe Shambhala wird der Gott Kalki erscheinen in der Heimat der großen Seele, der gerühmten Herrlichkeit des Gottes Vishnu. Sein schnelles weißes Pferd Devadatta besteigend, wird der Herr des Universums, mit Schwerte ausgestattet, mit überirdischen Fähigkeiten und acht Siddhis (übernatürlichen Kräften), die Verkommenen unterwerfen. Geschwind auf seinem Pferd über die Erde laufend, wird er mit unübertroffener Herrlichkeit die als Könige verkleideten Diebe niedermetzeln.

- Bhagavatapurana 12:2:18ff

Es ist also nur der Name, der in den Kulturen in West und Ost verschieden ist. Die Himmelsgesandten aber übernehmen immer die selbe Rolle. Mal auch als Maitreya oder Imam Mahdi. Das Wesen aber, der zuvor beschriebene Egregor, der in sich alles Leid konzentriert, ja eigentlich die Essenz alles Abscheulichen ist, den nennen die Geheimlehren den Grund für alles Übel auf Erden.

Nur jener himmlische, göttliche Avatara, jener auf Erden erscheinende Abgesandte Vishnus oder Gottes, kann dieses Monster stürzen und dabei die wegen ihm bestehenden Probleme der Menschen beenden und endlich auflösen. Wenn die Zeit dafür reif ist, wird er auf unserem Planeten erscheinen, den Drachen Satan stürzen, damit schließlich in unserer Welt ein neues irdisches Paradies erblühe. Das ist eine religiöse Hoffnung von der alle spirituellen Traditionen künden.

Dann werden St. Michaels Heerscharen die Gebete der Menschen beantworten, die sie seit Jahrhunderten an den Herrn der Welten richteten. Aus diesem Grund legte Aïvanhov seinen Anhängern nahe, solle man sich eben diesem Erzengel Michael zuwenden, sich mit ihm verbinden.

Wer so tut, der solle ihn um Schutz bitten, damit sich jeder Einzelne in diesem Sinne mit seinen Gefährten auf diesem Weg verbinde, einem Weg auf dem St. Michael dereinst mit seinem Licht, die Kräfte der Finsternis zerstreuen wird. So steht es geschrieben im Buch der Offenbarung.

Lohnt es sich deshalb nicht, einen Teil von unserem eigenen Licht, diesem erhabenen Ansinnen zuströmen zu lassen?

Willst Du leben, wahrhaftig leben? Gib Deinem höheren Selbst die Mittel, um über Dein niederes Selbst zu obsiegen.
Aus Perspektive der Einweihungslehren finden Gedanken, Gefühle und Machenschaften, die das höhere Selbst nicht begeistern, einfach nur den Tod, da sie von der Seele und dem höheren Geist nicht berührt wurden.

Dennoch solltest Du nicht versuchen Dein niederes Gemüt zu zerstören. Denn einerseits wirst Du damit erfolglos bleiben – denn Du selbst wirst zerstört, denn es ist ja sehr mächtig, da es ein Teil von Dir ist.
Drum sollte Dein Ziel sein es beherrschen zu lernen, es gefügsam zu machen, damit Dir seine eigentliche Lebendigkeit und Fülle zugutekomme.

Das hier Beschriebene wurde auch in der Offenbarung des Johannes veranschaulicht, wo Erzengel Michael den Drachen niederstreckt. Der Erzengel aber tötet den Drachen nicht; er überwältigt ihn.
Auf diese Weise sollen auch die Schüler den Drachen ihres niederen Selbst überwältigen. Das Symbol des Drachen zu durchschauen, schwächt ihn bereits (und entsprechend das niedere Selbst). Meditiere über dieses Bild und Du wirst vom Tod ins Leben schreiten, aus der Finsternis ins Licht, aus den Begrenzungen in die Grenzenlosigkeit, aus der Sklaverei in die Freiheit, aus dem Chaos in die Harmonie.

- Meditation nach Omraam Mikhaël Aïvanhov

Sein, Entwerden und Werden

Wie andere vor ihnen, versuchten Omraam Mikhaël Aïvanhov und Petar Danow den Menschen in ihrem Umfeld, ein Bewusstsein für den Kern ihres wahren Seins zu vermitteln. Wichtigstes Sinnbild für dieses Bewusstsein war immer das Licht, wie es der Erzengel Michael als Logos der Sonne verkörpert oder das Gestirn selbst, wo die Sonne doch schließlich die Quelle allen Lebens auf Erden ist. Denn durch ihre Wärme und ihr Licht entstanden all die unzähligen Lebensformen auf unserem Planeten.

Auf seinem Einweihungsweg muss der spirituell Suchende sich als Ziel setzen die Sonne zu erreichen, das heißt, er muss sich der mit ihr zusammenhängenden Symbolik nähern und nach dem Kern ihres Wesens streben. Die Sonne wird symbolisch zu seiner höchsten Gottheit, da er durch sie zu neuem Leben gelangt. Auf dem Sonnenwagen fahrend begibt er sich als Initiant, auf diese Weise zur Unsterblichkeit.

Wer diesen Sonnenwagen aber besteigen will, wird lernen müssen in seinem gegenwärtigen Leben zu sterben. Denn wie es die Alten sahen, versank ja auch die Sonne bei Sonnenuntergang ins Reich der Toten, in die Finsternis der Unterwelt. Wer sich darum mit einem solaren Bewusstsein durchs Leben bewegen möchte, sollte sich vertraut machen mit diesem Sein, Entwerden und Werden, dem ewigen Wechsel von solve et coagula, vom Lösen des Alten und neuer Zusammenfügung, von Loslassen und neu inspiriertem Handeln. All das zeigt ihm die Sonne Tag für Tag, in ihrem Gehen und ihrer Wiederkehr, als Licht der Welt.

 

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Melchisedek - König von Salem

Melchisedek - König von Salem

Als Abram nach dem Sieg über Kedor-Laomer und die mit ihm verbündeten Könige zurückkam, zog ihm der König von Sodom ins Schawetal entgegen, das jetzt Tal des Königs heißt. Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester des Höchsten Gottes. Und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat. Und demselben gab Abram den Zehnten von allem.

- Genesis 14:17ff

Melchisedek bringt Brot und Wein heraus - ewigeweisheit.de

Wie aus dem Nichts tritt im 14. Kapitel der Genesis ein sagenhafter König auf: Melchisedek von Salem. Von seinem rätselhaften Erscheinen spricht auch der Apostel Paulus in einem seiner Briefe an die Hebräer. Darin aber erklärt er die christliche Natur dieses Königs und seine himmlische Aufgabe auf Erden, der auf Geheiß der Ordnung des Melchisedek auch Jesus folgen sollte.

Was hier angedeutet wird, beschreiben folgende Verse des fünften Paulus-Briefes:

Denn jeder Hohepriester, der von den Menschen genommen wird, der wird eingesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden. Er kann mitfühlen mit denen, die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt. Darum muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden. Und niemand nimmt sich selbst diese Würde, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron. So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat 'Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.' Wie er auch an anderer Stelle spricht: 'Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.' Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden, von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

- Hebräer 5:1-10

Es geht also um die Erfüllung eines Priesteramtes, dessen Erfüllung seinem Inhaber nur darum gelingt, da er wegen seiner eigenen, menschlichen Schwächen, auch dazu im Stande ist Mitgefühl zu entwickeln. Doch er trägt auch die hohe Würde, die ihm nach Ordnung des Melchisedek verliehen wurde. Das machte auch den Jesus zum Christus, zum Gottgesalbten Messias, einen der höchsten Eingeweihten der Menschheitsgeschichte. Umso geheimnisvoller darum, wer oder was dieser Melchisedek von Salem eigentlich ist.

Auch König David wurde die Segnung des Priesterkönigs verliehen, worauf der 110. Psalm hinweist:

Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege. Das Zepter deiner Macht streckt der Herr aus vom Zion her: Herrsche inmitten deiner Feinde! Dich umgibt Herrschaft am Tag deiner Macht, im Glanz des Heiligtums. Ich habe dich aus dem Schoß gezeugt vor dem Morgenstern. Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

- Psalm 110:1-4

Wer nun aber war Melchisedek?

Aus den weltlichen Lehren des Christentums erfahren wir über seine wahre Existenz wenig. Seine Identität bleibt darum zunächst ein Rätsel.

Steht der Name Melchisedek eher für ein geistiges Prinzip höchster Vollkommenheit und göttlichen Rechts, oder war er auch tatsächlich ein von Gott eingesetzter, irdischer Herrscher?

Höchstes Geistesamt der Welt

Melchisedek wird in der Bibel bezeichnet als rechtschaffener König, Friedensfürst, ewiger König des höchsten Gottes, einer, »der den Tod niemals schmecken wird«. Sein Name deutet hin auf einen »König von Jerusalem« oder auch auf einen »König des Friedens«, denn der Name »Salem« ist etymologisch verwandt mit dem hebräischen »Schalom«, der Frieden.

Der Name Melchisedek setzt sich zusammen aus zwei Wörtern: »Melchi« oder »Malik«, der König, und »Sedek« oder »Zadik«, der Gerechte. Somit steht sein Name für den Gerechten König des Friedens. Chassiden verwenden das Wort »Zadik« außerdem zur Bezeichung eines heiligen, eines religiösen Würdenträgers moralischer Vollkommenheit. Damit ist der Melchisedek von Salem auch ein Priesterkönig des Friedens, der in dieser Rolle auch das verkörpert, wofür einst der Prophet König Salomon stand. Ihn mit Melchisedek jedoch gleichsetzen zu wollen wäre falsch.

Ist darum Melchisedek allein geistiges Vorbild, dessen Leitgedanken sich auf ein irdisch geborenes Wesen, in Gottes Auftrag übertragen?

Zunächst einmal scheint jener in Genesis 14 auftretende Priesterkönig ein leiblicher Mensch gewesen zu sein, da er dem Abraham als Person begegnet. Es wäre eher fantastisch anzunehmen, dass sich der Heilige Geist oder ein Engel (etwa Gabriel) in Form eines Menschen auf Erden manifestierte oder dem Abraham gar als Geist entgegenkam.

Gleichzeitig aber heißt es in den Apokryphen, Melchisedek sei ohne Vater und Mutter auf die Erde gekommen, wurde weder geboren, noch solle er jemals sterben. Das allerdings macht die Sache kompliziert. Denn wenn er nun kein Geist und auch kein geborener Mensch ist, dürfte uns damit seine Erscheinung noch geheimnisvoller vorkommen.

Was aber, wenn er beides zugleich ist?

Die Aufgabe des Priesterkönigs von Salem

Einer der Nachkommen Seths, dem dritten Sohn von Adam und Eva, war in zehnter Generation der Urvater Noah. Lamech, der Vater Noahs, gebot seinem Sohn den heiligen Leichnam Adams an einen besonderen Ort zu bringen, der gemäß Überlieferung als »Nabel der Welt« bezeichnet wird. Und diesen Ort nennt die biblische Legende Salem – der Name des heutigen Jerusalem.

Was sich Lamech außerdem von Noahs Verantwortung versprach, war, dass er einen seiner direkten Nachfahren mit der Bewachung des heiligen Leichnams Adams in Salem verpflichte. Und dieser Nachfahre des adamitischen Geschlechts, war wohl der Sohn Noahs: Sem – Namensgeber der Semiten, einer der Urväter der Juden.

Die eingangs zitierten Verse aus dem 14. Kapitel der Genesis, finden sich, in leicht abgewandelter Form, auch in den Überlieferungen des Talmud beziehungsweise Midrasch. Es gibt außerdem eine Version dieser Geschichte, die der Schriftsteller Joseph bin Gurion in seinen »Sagen der Juden« erzählt:

Als Abram von der Schlacht mit den Königen zurückging und an dem Tale Siddim vorbeikam, woselbst die Könige miteinander gestritten hatten, kam ihm Bera, der König von Sodom, entgegen und mit ihm die anderen Leute, die in die Lehmgruben gefallen waren. Auch Adoni-Sedek (vergl. Josua 10:1), der König von Jerusalem, dies war Sem, der Sohn Noahs, kam zu ihm heraus und trug Brot und Wein hervor, und sie standen dort alle im Tal der Könige. Und Adoni-Sedek segnete Abram, und Abram gab ihm den Zehnten von dem, was er von den Feinden erbeutet hatte, denn Adoni-Sedek war Priester vor dem Herrn.

- Die Sagen der Juden, Band II, S. 165, Joseph bin Gurion

Dies scheint eine alternative Fassung zu sein, der in Genesis 14 erwähnten Erzählung von Abrahams Segnung im Tal der Könige.

In der biblischen Fassung lesen wir von Melchi-Sedek der dem Abraham mit Brot und Wein entgegenkommt, in Bin Gurions Midrasch heißt dieser aber Adoni-Sedek. Diese Namen aber sind sich eigentlich ähnlich, weisen sie beidesmal doch auf einen Herrschaftstitel hin, wofür ja »Adoni«, hebräisch für »der Herr« (im Sinne eines Regenten), wie auch synonym »Melchi«, der König hinweisen. Das hebräische »Sedek«, die Gerechtigkeit, jedoch ist sowohl Teil des Namens Adoni-Sedek wie auch Mechisedek. Und damit ist mit dem zuvor gesagten hier ein Priesterkönig gemeint, der in heiliger Kommunion den Propheten »Abram« segnet, der dann einmal Abraham heißen wird. Sowohl also in der Bibel, wie auch im Midrasch, wird in dieser mystischen Begegnung hingewiesen auf die Verwandlung eine Königs, Abram, in einen Propheten vor dem Herrn (Adon).

Golgata auf dem Zion

Was diese verschiedenen Überlieferungen zu Melchisedek aber miteinander verbindet ist, dass er teils als Mensch, teils als Verkörperung einer höheren, geistigen Ordnung auftritt.

Zwar bleibt eine abschließende, genaue Erläuterung seiner Herkunft ungewiss, doch ist es vielleicht gar nicht so wichtig, über seine wahre Herkunft zu wissen, als eher seine Rolle zu erkennen, die jenem irdischen Wesen, in diesem Falle dem Sem, geboten war einzunehmen. Und so wie Sem »ein Melchisedek« war, so sollten es auch Abraham, David und schließlich Jesus Christus sein.

Der Heilige Ephrem von Syrien (306-373) schreibt in seiner apokryphen Schrift »Die Schatzhöhle«, dass nach dem Tod Noahs, durch seinen Sohn Sem der Leichnam Adams einem Melchisedek übergeben wurde. Dieser sollte ihn dann auf der Schädelstätte zu Golgata bestatten, auf dem Berg Zion. Laut Ephrem opferte hier Abraham den Widder statt seinem Sohn Isaak, womit die Einsetzung des Pessach erfolgte - jenem Fest, an dem man später das »Lamm Gottes« an dieser Stelle als gekreuzigten Christus aufrichtete. Wenn nun Melchisedek dem Abraham Brot und Wein gab und ihn segnte, erfolgte das vor 2000 Jahren zu Pessach durch den Leib Christi der, wie es heißt, für die Menschheit starb und dessen Blut für sie vergossen wurde:

dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

- Markus 14:22ff

Das Himmlische Jerusalem

Golgata ist jener Ort, über dem sich dereinst das neue, himmlische Jerusalem manifestieren wird, dessen König aber wohl bereits jetzt Melchisedek von Salem ist. Denn nachdem er den Adam hier beigesetzt hatte, lebt er seither dort als Priesterkönig des höchsten Gottes.

Grabeskirche Jerusalem - ewigeweisheit.de

Auf dem Golgata befindet sich heute die Jerusalemer Grabeskirche (Fotografie um 1900).

Laut dem griechischen Schriftgelehrten Suidas (Ende 10. Jhd.) aber, bewachte Melchisedek nicht nur das Grab Adams, sondern gilt sogar als Erbauer Jerusalems:

Melchisedek, Priester Gottes, König von Kanaan, erbaute eine Stadt auf einem Berg namens Zion. Ihr gab er den Namen Salem. Sie nennt man auch »Eirenopolis« – die Stadt des Friedens. Nach 113-jähriger Regentschaft aber starb er dort, rechtschaffen und ledig. […] Nichtsdestotrotz war Salem, wovon er der König gewesen, das berühmte Jerusalem, dass jedoch damals noch nicht den Namen »Hierusalem« trug. Erst später erhielt Salem die Vorsilbe »hieru«. Und da man ihm (Melchisedek) keine Abstammung zuschrieb heißt es, er war ohne Vater und Mutter.

Menschensohn und Gottessohn

Wie später Jesus Christus, nannte man Melchisedek einen Sohn Gottes. In fleischlicher Erscheinung als Messias, erschien er auf Erden in Gottes Auftrag.

Melchisedek ist symbolisch und mystisch gekennzeichnet als fleischgewordene Verkörperung des Heiligen Geistes. Einst wurde in den geistigen Himmelssphären ein mystischer Orden gegründet, von dem aus den Menschen auf Erden ein besonderes Bewusstsein übertragen wurde – zuerst durch den besagten Priesterkönig, später nach der Ordnung des Selben auch durch Jesus Christus.

Der Erste, der diese Einsetzung als Prophet der Menschheit erfuhr war Abraham, nachdem ihn Melchisedek in der bereits angedeuteten eucharistischen Initiation mit Brot und Wein segnete und ihn damit als ersten Propheten einsetzte.

Erst durch Abraham ergab sich das, was man später als Prophetentum bezeichnete. Wie er, wurden sie zu den gottgesandten Hohepriestern, in denen die Menschen die göttlichen Ideale erkennen konnten. Darauf weißt nun also jene zu Eingangs zitierte Bibel-Episode hin, in der Abraham seinen Segen erhielt.

Von dieser heiligen Begegnung Abrahams und Melchisedeks, erfuhren wir aus den zwei Fassungen, denen beiden aber dennoch der wahre Zweck dieses mystischen Vorgangs fehlt.

Die um 630 n. Chr. entstandene oströmische Weltchronik mit dem Titel Chronicon Constantinopolitanum, liefert eine recht erhellende Ergänzung zu dem, was wir hier bereits darstellten. Darin nämlich wird Melchisedek nicht gleichgesetzt mit Sem, sondern wird als Nachfahre des jüngsten Noah-Sohnes Ham beschrieben. Dennoch wird der Zweck der Begegnung Abrahams mit Melchisedek, und deren Ähnlichkeit mit dem Christus-Mysterium, auf besondere Weise vorgestellt:

Melchisedek war ein Mann aus dem Stamm des Ham. Gott mochte ihn, war er doch ein heiliger Nachkomme aus jenem Stamme. So bat ihn Gott in das Land jenseits des Jordan, so wie er auch den Abraham aus dem Land der Chaldäer rief. Und eben wie dieser Mann heilig und gerecht war, wurde er zum Priester des allerhöchsten Gottes, der Brot und Wein darbot, sowie die heiligen Gebete des allerhöchsten Gottes. Er betete für seine Sippe, indem er sprach: 'Herr, du erwähltest mich aus dem Kreise meines eigenen Volkes und hattest mit mir Gnade. Habe drum auch mit meinem Volke Gnade.' Doch Gott antwortete ihm und sagte: 'Ich will sie erretten, sobald ich meinen Sohn aus Ägypten her rufe.' Dieses Versprechen erhielt Melchisedek von Gott. […]

Während dieser Zeit geschah es, dass man Lot gefangen nahm und aus Sodom fortbrachte bei denen, die zum Volk Gothologomos gehörten, jene die Abraham verfolgte und zerstörte, und er befreite alle Gefangenen (vergl. Genesis 14:12). Und auch Lot, den Sohn seines Bruders Aram, befreite er aus ihren Fängen. So sprach dann Abraham bei sich: 'Herr, in meinen Tagen sende deinen Engel auf Erden, gewähre mir diesen Tag zu erleben!' Der Herr sprach: 'Das kann nicht geschehen, doch ich will dir an diesem Tag eine Person erscheinen lassen. Gehe hinab und überquere den Jordan-Fluss und du sollst sie erblicken.'

Darum überquerte Abraham den Jordan mit seinen Männern, und da trat Melchisedek auf sie zu, um ihn zu treffen, gerufen durch den Heiligen Geist, in seinen Händen das Brot der Eucharistie haltend und den Wein der Danksagung. Abraham aber sah Melchisedek nicht, bevor er den Jordan überquerte. Das aber war ein Symbol der Taufe.

Als Abraham nun den Melchisedek sah, der da kam um ihn zu treffen mit dem Brot der Eucharistie und dem Kelch der Danksagung, warf er sich mit dem Gesichte zur Erde hin, um ihn anzubeten, sah er doch den Tag des Herrn, und freute sich.

Insbesondere die Taufe im Jordan, ist eben jener fortführende Hinweis auf das, was man im neuen Testament als das Christus-Ereignis bezeichnen könnte. Denn Jesus wurde ja in diesem Fluss von Johannes getauft, damit er jenen Segen empfange, der ihn »nach Ordnung des Melchisedek« ermächtige, seinen himmlischen Auftrag auf Erden zu vollbringen.

Der Grund seines Erscheinens

Vor dem Hintergrund des bisher Gesagten, glich Melchisedek keinem normalen Menschen. Das Reich in dem er König ist, scheint wohl eher eine Welt zu sein, die jenseits der Welt der Sterblichen liegt. Eher gleicht sie dem, was in der Offenbarung des Johannes, als das »Neue Jerusalem« bezeichnet wird: eine himmlische Stadt in deren Mitte das Geisteslicht Gottes strahlt.

Da führte mich im Geist hin auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam. Sie hatte die Herrlichkeit Gottes.

- Offenbarung 21:10f

Es ist ein Ort vollkommener Gerechtigkeit, wo, wie es heißt:

nichts Unreines wird hineinkommen und keiner, der Gräuel tut und Lüge

- Offenbarung 21:27

An diesem Ort erwartet dereinst Abraham in seinem Schoße die Seelen der Gerechten, bevor der Messias die Tore zu jener heiligen, himmlischen Stadt eröffnet.

Melchisedeks Rolle auf Erden nun, war mit der Einsetzung Abrahams, als ersten Propheten, den Weg der Erlösung der Seelen aus ihrer irdischen Existenz vorzubereiten, in die Gefilde des himmlischen Jerusalems. Denn wenn Abraham über Könige siegte, deren Länder, ja besonders Sodom und Gomorrha, Reiche des Frevels und der Bosheit waren, trat ihm Melchisedek segnend entgegen, um den dafür notwendigen Tribut zu empfangen – in Genesis 14 der »Zehnte von Allem«.

Wenn er dann auch David segnete, in der Gerechtigkeit seines himmlischen Ordens, dürfte dieser geistige Einfluss auch Davids Psalmen beeinflusst haben. Als König schrieb er sie für sein Volk, ihnen Erleichterung und Gebete zu entbieten, als Führung auf dem Weg der Gerechten.

Gerechtigkeit in einer Welt des Verfalls

wir sind ein Theater geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.

- 1. Korinther 4:9

Der Grund des Erscheinens des Melchisedek und all derjenigen, die im Namen seines Ordens auftraten, war wegen dem im obigen Zitat erwähnten »Theater«, dass ja allgegenwärtig, ja sich besonders heute ereignet, in einer Welt, die in den heiligen Schriften als eine »Gefallene Welt« bezeichnet wird.

Doch dieser Fall ereignete sich ja bereits am Anfang der Welt: im Sündenfall Adams. Da riss er nicht nur sich, sondern mit dem besagten Ereignis und als Vater der Menschheit, gar alle Menschen nach sich mit in den Abgrund jenseits des himmlischen Paradieses. Das ist die physische Erde. Dort sollte er im Schweiße seines Angesichts den Acker bestellen, dessen Weizen dereinst aber in fermentiert-vergeistigter Form als Brot der Eucharistie diente, was im Übrigen ja auch für den Traubensaft gilt.

Unsere Erde aber schein gegenwärtig einem Schlachtfeld zu gleichen, wo die Mächte der Rechtschaffenen gegen die Mächte der Sünde ankämpfen. Kein Wunder also, wenn dem Abraham der Melchisedek ausgerechnet dann erschien, als er die Könige im Siddimtal schlug. Sie symbolisieren in der Genesis das Böse. Mit dem Erscheinen Melchisedeks, wird damit die Welt bewahrt vor der Ausbreitung des Bösen über den gesamten Erdball.

Aus dem Kreise einer himmlischen Bruderschaft

In der esoterischen Philosophie ist die Rede von einem mystischen Orden, den man auch die »Weiße Bruderschaft« nennt. Sie soll seit jeher ihres heiligen Amtes walten, schon seit die ersten Menschen auf diesem Planeten lebten. Einem Sterblichem aber bleibt auf ewig verschlossen, seit wann diese Bruderschaft existiert.

Als Gruppe überweltlicher Wesen besitzen ihr Mitglieder weder Vorfahren, noch altern sie, noch sterben sie. Sie leben an keinem besonderen Ort auf der Erde. Was ihr Glaube ist, basiert weder auf von Menschen erdachten Ritualen oder Überzeugungen. Sie sind gänzlich frei von Autorität, denn ihnen fehlt jeder Wunsch zu kritisieren oder zu überzeugen.

Die Macht der Mitglieder dieser Bruderschaft ist göttlichen Ursprungs, nichts also, das sie sich angeeignet hätten. Ja eigentlich bilden sie an sich die Struktur, aus deren Grund sie aus dem Himmlischen ins Irdische hineinwirken – sind die geistig-spirituellen Muster dessen, was sie selbst repräsentieren.

Sicherlich aber ist diese Bruderschaft, zu der auch der Priesterkönig Melchisedek zählt, eine Gemeinschaft unzähliger anderer, ihm ähnelnden Wesenheiten. Er aber ist zum Wohle der Menschen auf diesem Planeten eingesetzt. So wollen es auch die beiden biblischen Testamente, zumindest was die westliche-spirituelle Tradition anbelangt. Melchisedek ähnelt damit vielleicht ein wenig dem Sanat Kumara der östlichen Tradition.

Melchisedek ist ein Eingeweihter in das große Sonnenmysterium. Er erschien dem Abraham auf der Erde zwar als leiblicher Mensch, doch er war in ein heiliges, ätherisches Gewand gekleidet, das er auf seinen Initianten übertrug.

Damit der Priesterkönig Melchisedek von Salem seine irdische Aufgabe erfüllen konnte, wurde der Noah-Sohn Sem von Gott verpflichtet, seine Lichterscheinung als Gottessohnschaft in sich aufzunehmen und darauf seinen göttlichen Auftrag zu erfüllen. So zumindest ließen sich die verschiedenen zuvor geschilderten Episoden seines Erscheinens zusammenfassen. Damit erschien Melchisedek also gleichermaßen als Mensch und als Gott.

Das in seinem Auftreten gegenüber Abraham wirksame Geistesprinzip gleicht dem, was auch die weiße Lilie symbolisiert, die der Erzengel Gabriel bei Mariä Verkündigung in Händen hält, beziehungsweise jene Weiße Taube, die in der Jordantaufe, als Sinnbild des Heiligen Geistes zu Häupten Jesus landet.

So also steht der Name Melchisedek für ein Lichtwesen, das »Göttliches Licht« empfangen kann und als solches in die Welt getragen, eine spezifische Rolle erfüllt. In der gnostischen Schrift »Pistis Sophia«, zählt Melchisedek daher zu den Paralemptai – den »Empfängern des Lichts«. Diese Empfänger des Lichts, die eigentlich identisch sind mit der zuvor beschriebenen Weißen Bruderschaft, nennt man auch »Söhne des Lichts« oder einfach Gottessöhne. Sie wurden ausgesendet vom Höchsten Sein, dem, was sich dem Moses auf dem Sinai in einer Flamme offenbart als der »Ich bin« (hebr. Ehje) – ein Name des Höchsten Gottes beziehungsweise des ursprünglichsten Gottesprinzips. Dies geschah nun aber zum Wohle und Schutze der Menschheit. So könnte man die Weiße Bruderschaft auch als »Bruderschaft der Menschheit« bezeichnen, die jedoch keine verkörperlichten Wesen sind, die auf unserem Planeten wandeln, als eher einem Prinzip gegenseitigen Brüderlichkeit ähneln, etwas, das aber auch in jedem von uns Erdenbewohnern veranlagt ist.

Was aber durch das Wirken Melchisedeks erfolgt, ist die Schlechtigkeit des Menschen zu überwinden und das Gute in ihm zu heiligen. Das heißt, den göttlichen Funken in ihm, im höchstem Licht Gottes zu veredeln. Sein Beistand hilft allen und trägt zu einem großen spirituellen Fortkommen der Menschheit bei.

Alle hohen Eingeweihten auf Erden, besitzen jenes Licht, dass ihnen vom Rat der Weißen Bruderschaft Melchisedeks verliehen wird – ein ewig-heiliges Priesteramt, wirksam jenseits aller weltlichen Formen.