Qi

Mysterien des Atems

Mysterien des Atems

Atem, Atem und Leben, Atem und Geist. Weniges wohl im Leben ist so unscheinbar wie der Atem. Doch wer sich mit den Mysterien dieser Welt beschäftigt, der dürfte wohl bald ahnen, dass zumeist gerade die alltäglichsten Dinge und die unauffälligsten die tiefsten Geheimnisse bergen, nicht aber das Laute und Reißerische. Einige dieser Mysterien des Atems sollen im folgenden Artikel vorgestellt werden.

Die Bedeutung des Atems

Atemübungen stellen in vielen spirituellen Traditionen einen wesentlichen und unverzichtbaren Grundpfeiler der eigentlichen Praxis dar. Im indischen Yoga sind sie bekannt unter dem Namen Pranayama, in China spricht man von Qi Gong und auch die westlichen Mysterientraditionen kennen eine Vielzahl entsprechender Übungen. Der Grund für die Wichtigkeit des Atems in der spirituellen Praxis soll im nächsten Kapitel beleuchtet werden. Zunächst aber folgt noch ein kurzer Blick auf das sprachliche Umfeld des Atembegriffs.

Die alten Sprachen, welchen häufig ein besonderes, intuitives oder überliefertes Verständnis der Welt zugrunde liegt, deuten auf weitreichende Zusammenhänge zwischen Atem, Geist, Seele und Leben hin. Beispiele hierfür sind das altgriechische Pneuma (τὸ πνεῦμα), was sich beispielsweise als Atem, Odem, Leben, Geist und Seele übersetzen lässt. Des Weiteren die hebräische Ruach (רוח), übersetzbar u.a. als Hauch, Atem, Wind, Lebensprinzip, Seele, Geist, Sinn und Gemüt. Auch der lateinische Spiritus (spiritus) umfasst ein Bedeutungsfeld, welches von Luft und Hauch über Atem, Leben, Seele und Geist bis hin zu Mut und dichterischem Schaffen reicht.

Bereits hier zeigt sich deutlich, dass der Atem in engem Zusammenhang mit Geist, Leben und Seele steht: Er begleitet den Menschen wahrhaftig vom ersten bis zum letzten Atemzug, er verbindet das Reich von Menschen und Tieren mit dem Reich der Pflanzen in einem wunderbaren Kreislauf der Natur und er bildet einen wichtigen Schlüssel zu vielen Mysterien des Lebens. Die vier folgenden, besonderen Mysterien des Atems möchte ich in diesem Artikel vorstellen:

  1. Der Atem als Träger der Lebenskraft;
  2. Der Atem im Zusammenhang mit dem Rhythmus des universalen Lebens;
  3. Der Atem als Bindeglied zwischen "Oben und Unten";
  4. Der Atem als Symbol für die Freiheit des Menschen.

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Der Körper in der Traditionellen Chinesischen Medizin

von S. Levent Oezkan

Vor bereits mehr als 2200 Jahren entstand in Fernost eine umfassende Heilkunde: Die Traditionelle Chinesische Medizin - kurz: TCM. Ihre Lehren beschreiben die Vorgänge dynamischer Harmonisierung von Yin und Yang. Sind sie im Gleichgewicht, ist ein Mensch gesund.

Älteste Schrift über chinesische Medizin ist das Huangdi Neijing aus dem 3. Jhd. v. Chr. Dieses umfassende Medizinische Lehrwerk enthält die theoretischen Konzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin und bildet bis heute die praktische Grundlage aller chinesischen Heilkunde.

Hierzu schufen chinesische Mediziner zwischen dem 3. und 16. Jhd. riesige Enzyklopädien und kommentierten ausführlich die klassischen Werke der TCM.

Die Urkräfte Yin und Yang

Zentrale Größen der chinesischen Weisheitslehre des Tao, bilden die polaren Urkräfte des passiven Yin und des aktiven Yang. Sie durchfließen atomare Strukturen ebenso, wie den menschlichen Körper, als auch den gesamten Kosmos. 

Die Organe des menschlichen Körpers werden entweder dem Yin- oder dem Yang zugeordnet. Yin-Organe stehen für Weiblichkeit, Ergebenheit, Verdichtung, Kälte und Dunkelheit. Yang-Organe stehen für Männlichkeit, Ausdehnung, Bewegung, Hitze und Licht.

Vereint bilden Yin und Yang eine Quelle göttlicher, heilender Energie, die den Fluss der Lebenskräfte begünstigt. Einer Person geht es gut, wenn Yin und Yang in ihrem Körper im Gleichgewicht sind. Störungen dieses Gleichgewichts führen zu Krankheiten.

Grundlagen chinesischer Heilkunst

Wer sich mit Traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigt, lernt den Umgang mit Heilpflanzen, lernt verschiedene geistige und körperliche Übungen, wie etwa Akupunktur und Tai-Chi. Mit diesen Methoden lässt sich der Fluss von Yin und Yang im menschlichen Körper harmonisieren, lassen sich Krankheiten heilen, doch auch Menschen vor Gesundheitsproblemen schützen.

Chinesische Heilpflanzenkunde

Der chinesische Heiler greift hierbei zurück auf eine gigantische Sammlung traditioneller Heilmittel, die vielfältig kombiniert werden. Darunter sind insbesondere pflanzliche, doch auch mineralische und tierische Heilmittel (z. B. getrocknete Schlangen, Skorpione).

Von den Pflanzenheilmitteln werden Blätter, Wurzeln, Stengel und Samen verwendet. Die aus Blättern gewonnenen Mittel werden oft zu besonderen Heiltees gemischt, oder zu Kapseln, Flüssigextrakten und Pulvern weiterverarbeitet.

Akupunktur

In dieser chinesischen Heilmethode geht es um eine ganze Gruppe verschiedener Verfahren, die den Körper über die Haut, an bestimmten Punkten behandelt. Hierzu werden besondere Nadeln verwendet, die in die Oberhaut gesteckt werden oder aber Wärmequellen, die in der Nähe dieser Punkte abgebrannt werden. Auch können diese Akupunkturpunkte durch Fingerdruck stimuliert werden. Man spricht dann von Akupressur.

Qi-Gong

Diese uralte Geistes- und Körperübung erstrebt durch besondere Bewegungen und Atmung, eine Fokussierung des Geistes. Die dabei eingenommenen Posen wirken entspannend auf den Körper und beruhigend auf den Geist.

Heilpraxis der Chinesen

In der TCM sucht man nach Krankheiten und Disharmonien eines Klienten, ganz anders als in der westlichen Medizin. Ein chinesischer Heiler riecht, hört die Atmung seines Klienten und die Art seiner Sprache, er betastet die Haut, er sieht sich Form und Farbe der Zunge an und erfühlt mit seinen Fingern die Qualität des Pulses.

Außerdem macht er Gebrauch vom Konzept der fünf Wandlungsphasen (Wuxing). Dabei schaut er sich das Verhalten des Körpers an, in Bezug auf die natürlichen Gesetze, sowie ihre unzähligen, sichtbaren wie unsichtbaren Korrespondenzen. Die inneren Organe stehen unter direktem Einfluss von fünf elementaren Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie werden auch als die taoistischen Elemente bezeichnet. Mit ihnen werden wir uns später noch ausführlich beschäftigen.

Funktionelle Instanzen in der TCM

Es gibt fünf Instanzen, die für den chinesischen Heiler von Bedeutung sind:

  • die universelle Lebenskraft – Qi,
  • das Blut – Yue,
  • die Essenz – Jing,
  • die Elementarphasen – Zang-Fu und
  • die Meridiane – Jing-Luo.

Wir hatten oben gesagt, dass in jedem Körperorgan die Urkräfte Yin und Yang wirken. Außerdem sind diese Organe untereinander gepaart. Das bedeutet, dass sie ihre Kraft über das Blut austauschen, woraus sie wiederum Qi speichern, um damit bestimmte Vorgänge auszuführen. Sie jedoch stehen in Zusammenhang mit ihrem entgegengesetzten Yin- bzw. Yang-Organ. Die Meridiane bilden dabei das verbindende funktionale System und durchstreben den gesamten Körper.

Wir wollen nun genauer eingehen auf die Elemente dieses fünffältigen Modells des Körpers in der TCM.

Qi

Es gibt viele Formen von Qi – der kosmischen Lebenskraft. Grundlegend werden fünf Funktionen in der TCM unterschieden:

  • Das Aktivierungs-Qi wirkt auf den Körperkreislauf von Blut, Lymphen und Körpersäften, die in den Zang-Organen (Leber, Herz, Milz, Lungen, Nieren), den Fu-Organen (Gallenblase, Dünndarm, Magen, Dickdarm, Harnblase, Dreifacher Erwärmer) und durch die Meridiane strömen.

  • Wärmendes Qi gibt Körper und Gliedmaßen die benötigte Temperatur.

  • Abwehrendes Qi schützt den Körper vor äußeren, krankheitserregenden Einflüssen.

  • Bewahrendes Qi behält die Körperflüssigkeiten zurück, das Blut in den Adern, den Schweiß in den Drüsen und bewahrt vor exzessiver Ausschüttung.

  • Das Transformations-Qi bewirkt die Umwandlung von Essen, Getränken in Blut und in Wärme.

Das Qi im Körper entsteht aus der aufgenommenen Nahrung, dem getrunkenen Wasser und der Atemluft. Ein weiterer Teil des Qi wird uns aber auch von unseren Eltern vererbt, sowie aufgenommen im Austausch mit unseren Mitmenschen. Manche geben uns, andere nehmen uns Qi.

Einen ausführlichen Artikel über die Lebenskraft Qi finden Sie hier.

Xue – Blut

Im Gegensatz zu den überwiegend funktionellen Instanzen, entspricht Xue vor allem der Physis und damit dem Yin des Körpers. Denn über das Xue werden alle Körperbestandteile (Gewebe, Feuchtigkeit) mit den von ihnen benötigten Stoffen versorgt.

Ein Mangel an Xue führt zu Blassheit, Taubheitsgefühl, Schwindelgefühlen, doch andererseits auch zu Herzrasen, Schlaflosigkeit, schwachem Puls.

Jing – Essenzen

Wie auch das Xue bestimmen die Yin-Kräfte die Jing. Sie sind verantwortlich für die Nährung und die Zufuhr von Feuchtigkeit, worüber sie das Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper regeln. Über die Jing kommt es außerdem zur Ausscheidung von Exkrementen.

Wie auch das Xue, extrahiert der Körper das Jing aus Essen und Trinken. Aus den groberen Bestandteilen wird Xue. Doch auch umgekehrt kann Jing aus Xue entstehen. Materiell entstehen aus den Jing Tränen, Speichel, Magensäure, Schweiß, Urin und Sperma.

Jing-luo – Meridiane

Die Meridiane der TCM sind feinstoffliche Kanäle, über die den Gliedern und Gelenken, Qi und Xue aus den inneren Yin- und Yang-Organen zufließen.

Sechs Yin- und sechs Yang-Organe bilden gemeinsam die 12 Hauptmeridiane. Außerdem gibt es acht Sondermeridiane, die dem Ausgleich der Hauptmeridiane dienen.

Das Energienetz der Meridiane verbinden Organe, Gewebe, Venen, Nerven, Zellen, bis auf atomarer Ebene, wie auch auf Ebene menschlichen Bewusstseins.

Meridiane - ewigeweisheit.de

Darstellung der Meridiane in einer japanischen Handschrift (Anfang 18. Jhd.)

Zang-fu – Die elementaren Organfunktionen

Das zentrale System der Körperfunktionen in der TCM, ist das Zang-Fu. Zang-Fu steht in enger Verbindung mit den 12 Hauptmeridianen im Körper. Jeder Yin-Meridian ist mit dem Zang verbunden, jeder Yang-Meridian mit dem Fu. Wie die Schreibweise bereits vermuten lässt, bildet sich der Begriff aus zwei Wörtern:

  • Zang weist hin auf die fünf Yin-Organe: Herz, Leber, Milz, Lungen und Nieren.
  • Fu steht für die sechs Yang-Organe: Dünndarm, Dickdarm, Galle, Harnblase, Magen und Dreifacher Erwärmer.

Der Dreifache Erwärmer ist eine Besonderheit in der TCM. Er bezeichnet die Art und Weise wie das Bindegewebe zwischen den drei Bereichen von Brustraum, Unterleib und Becken, diese voneinander abgrenzt.

Hautaufgabe des Zang ist die Herstellung und Speicherung von Qi und Xue (Blut). Mit ihnen werden Atmung, der Wasser-Stoffwechsel und die Verdauung geregelt. Doch sie wirken auch mit im Alterungsprozess, in emotionalen Vorgängen, stabilisieren die Sinneswahrnehmung und Geistestätigkeit des Gehirns. Aufgabe der Fu Organe ist die Beförderung der Stoffe im Körper, ihre Verdauung und Ausscheidung.

Im Folgenden wollen wir uns die funktionalen Aspekte der fünf elementaren Wandlungsphasen (taoistische Elemente) ansehen.

Fünf Wandlungsphasen im Überblick

  木 Holz 火 Feuer 土 Erde 金 Metall 水 Wasser
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Umwandlungen Zeugung Wachstum Reife Ernte Aufbewahrung
Geometrie Zylinder Pyramide Quader Kuppel irregulär
Planeten Jupiter Mars Saturn Venus Merkur
Yin-Organe Leber Herz Milz Lunge Niere
Yang-Organe Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase

Organe des Holzes

Die kreativen Kräfte des Holz-Elements regulieren das Körperwachstum. Diesem Element zugeordnete Organe sind Leber und Gallenblase.

Yin: Die Leber ist ein Yin-Organ steuert auf Zellebene den Energiefluss im Körper. Sie hat einen starken Einfluss auf die Effizienz und Wirksamkeit des Immunsystems. In der Leber speichert der Körper Blut, das als physische Manifestation des Selbst gilt. Somit wirkt das Holz-Element der Leber auch auf unseren seelischen Haushalt und steuert das Wesen des Selbst.

Zustand: Ungleichgewichte der Leber können Launenhaftigkeit, Ärger, Schmerz und mangelndes Selbstwertgefühl hervorrufen. Auf körperlicher Ebene kann ein disharmonisches Holz-Element der Leber zu Muskelkrämpfen führen, aber auch zu Taubheit, Zittern, Bluthochdruck oder Arthritis.

Meridian: Der Lebermeridian beginnt am großen Zeh. Von dort aus verläuft er entlang des inneren Beins über die Genitalien und endet auf der Brust.

Yang: Die Gallenblase als holzkontrolliertes Yang-Organ, bestimmt die Entscheidungsfähigkeit eines Menschen.

Zustand: Hat ein Mensch Ungleichgewichte im Gallenblasensystem, kann das auf emotionaler Ebene dazu führen, dass ein Mensch unentschlossen ist. Auf physischer Ebene führt eine entsprechende Disharmonie zu Fettleibigkeit.

Meridian: Der Gallenblasenmeridian beginnt am äußeren Rand des Auges, verläuft entlang der Kopfseite, über den Rumpf und das Bein, bis er an der Außenseite des vierten Zehs endet.

Organe des Feuers

Des Feuers Kraft steht für Transformation und entspricht der Macht des Göttlichen. Herz und Dünndarm werden vom Feuer reguliert.

Yin: Als Yin-Organ steuert das Herz den Puls und manifestiert sich im Gesicht und in der Zunge. Auf spiritueller Ebene steht es für die geheime Verbindung zwischen Mensch und Himmel.

Zustand: Ist die Funktionsfähigkeit des Herzens gestört, führt das zu Schlaflosigkeit, zur Störung des Geistes und zu unregelmäßigem Puls.

Meridian: Der Herzmeridian beginnt in der Brust, bewegt sich über die innere Seite des Arms bis zur Handfläche und endet im kleinen Finger.

Yang: Der Dünndarm als Yang-Organ, trennt Reines von Unreinem im Körper. Die reinen Körperessenzen gehen zur Milz, während die unreinen Essenzen in die Blase und den Dickdarm abgegeben werden.

Zustand: Eine Dysfunktion des Dünndarms führt zu Problemen mit der Körperhülle. Auf emotionaler Ebene wirkt eine Disharmonie in diesem Bereich zu Gefühlen des Misstrauens, auch hinsichtlich des eigenen Selbstwertgefühls.

Meridian: Der Dünndarmmeridian beginnt am kleinen Finger, bewegt sich an der Unterseite des Arms bis zur Oberseite des Schulterblatts, dann entlang des Halses bis an die Vorderseite des Ohres.

Organe der Erde

Erde ist das Element der Weiblichkeit und der Fruchtbarkeit. Es regiert die Milz und den Magen.

Yin: Die Milz ist ein Yin-Organ, das Verdauung und Stoffwechsel reguliert. Es hält Muskeln und Organe zusammen. Außerdem reguliert es die aufsteigenden Flüsse von Körpersäften und Essenzen. Mental hilft die Milz bei der Konzentration.

Zustand: Befindet sich die Milz im Ungleichgewicht, kommt es zu einem Mangel an Qi im Körper. Das führt zu Kopfschmerzen doch kann ebenso zu Durchfall und Organvorfällen führen.

Meridian: Ein Ende des Milzmeridians befindet sich am großen Zeh, bewegt sich über die Innenseite des Beins, bis zur Vorderseite des Torsos und endet an der Seite des Rumpfes.

Yang: Der Magen ist das aktivste Yang-Organ. Durch seine Energie wird bekanntermaßen Nahrung zerlegt. Er reguliert den absteigenden Fluss von Qi im Körper.

Zustand: Ein Ungleichgewicht des Magen-Yangs führt zu Aufstoßen oder sogar zu Erbrechen.

Meridian: Der Magenmeridian beginnt unterhalb des Auges, verläuft auf der Vorderseite des Gesichts über den Torso bis zum äußeren Teil des Beins und endet am dritten Zeh.

Organe des Metalls

Metall ist das Element der Reinheit und der Männlichkeit. Es reguliert die Lunge und den Dickdarm.

Yin: Die Lunge ist ein Yin-Organ. Mit dem Einatmen sammelt man über die Lunge neues Qi im Körper. Mit dem Ausatmen werden die schweren, unreinen Anteile des Atems aus dem Körper entfernt. Die Lungen sind also für die Verteilung des Qi im Körper verantwortlich und bereichern damit die Flüssigkeiten im Körper. Auch der Geruchssinn wird von der Lunge reguliert.

Zustand: Funktionsstörungen der Lunge führen zu Erkältungen, Grippe, Schleim und Asthma.

Meridian: Der Lungenmeridian beginnt bei der Brust und bewegt sich entlang des inneren Arms über die Handfläche und endet am Daumen.

Yang: Der Dickdarm ist ein Yang-Organ. Er ist für die Ausscheidung fester Abfallprodukte verantwortlich. In Zusammenhang mit der Fähigkeit zur Ausscheidung, stehen aber auch emotionale Themen, die mit Loslassen und Lösen zu tun haben.

Zustand: Ungleichgewichte im Dickdarm führen entweder zu Verstopfung oder zu Durchfall.

Meridian: Der Dickdarmmeridian beginnt am Zeigefinger und verläuft am Armrücken über die Schulter, den Nacken und die Wange und endet neben dem gegenüberliegenden Nasenloch.

Organe des Wassers

Wasser steht in der TCM synonym für Leben und Tod. Es reguliert den Wasserhaushalt von Nieren und Blase.

Yin: Die Nieren sind Yin-Organe. Sie steuern das endokrine System und erhalten außerdem Luft in den Lungen.

Zustand: Eine Nierenfunktionsstörung führt zu einem Mangel an Yin oder Yang. Es führt auch zu unausgewogenen Hormonen, schwächt den Knochenbau und stört den Sexualtrieb. Eine gestörte Verteilung von Yin und Yang in den Nieren ruft auch Schwindelgefühle im Menschen hervor. Zuviel vom Wasserelement kann außerdem depressive Episoden hervorrufen.

Meridian: Der Nierenmeridian beginnt an der Sohle, bewegt sich entlang das inneren Beins in die Leistengegend, den Rumpf hinauf und endet unter dem Schlüsselbein.

Yang: Die Blase speichert und entfernt Flüssigkeit aus dem Körper, durch das von ihr aufgenommene Nieren-Qi.

Zustand: Ungleichgewichte der Blase führen zu häufigem oder unkontrolliertem Urinieren.

Meridian: Der Blasenmeridian beginnt im Augenwinkel, bewegt sich den Rücken entlang nach unten und endet in der Kniekehle. Die Blase hat auch eine andere Linie, die neben der vorherigen Linie beginnt, sich bis zum äußeren Fußrand bewegt und am kleinen Zeh endet.

Yin und Yang im Gesamtsystem Mensch

Durch die Meridiane fließt die Lebensenergie Qi. Sie hilft dem Körper seine Yin- und Yang-Kräfte zu harmonisieren. Sind Yin und Yang nicht im Gleichgewicht, wird ein Mensch krank. Auf diesem einfachen Prinzip beruhen die Heilkünste der TCM.

Während sich westliche Medizin auch stark um die anatomischen Strukturen des menschlichen Körpers kümmert, widmet sich die TCM insbesondere den funktionellen Prozessen im Körper, der Verdauung, der Atmung, der Art des Pulses und der Temperatur. Weniger geht es also um die körperlichen Strukturen, als vielmehr um die dynamische Aktivität im Gesamtsystem Mensch. Das heißt, dass Körperfunktionen, Emotionen, Sinneswahrnehmungen und geistige Aktivität nicht getrennt voneinander untersucht werden, sondern als funktionelle Einheiten verstanden. Diese stehen also eher für dynamische Konzepte als weniger für biochemische Vorgänge oder anatomische Eigenschaften. Damit also ist die TCM eine ganzheitliche Heilkunde, die versucht, statt Symptome zu behandeln, das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang im Körper wieder herzustellen oder zu erhalten.

 

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Über Wesen und Wirken der kosmischen Lebenskraft Qi

von S. Levent Oezkan

Qi Lebenskraft - ewigeweisheit.de

Qi ist Lebensenergie. Sie erfüllt das gesamte Universum. Aus dieser ätherischen Substanz, so die alten chinesischen Weisen, setzen sich alle Dinge im Kosmos zusammen. Auch ein Mensch lebt, da in ihm diese elementare Lebenskraft fließt.

Vielleicht könnte man sich Qi als etwas vorstellen, was in der modernen Wissenschaft unter Quantenfeldern verstanden wird: subatomaren Energiepotentialen, die sich zu Licht und Materie verdichten.

Die eigentliche Idee von der kosmischen Qi-Kraft jedoch, ist bereits sehr alt. Im alten China stand der Begriff Qi für eine kosmische Kraft, die alles in Makrokosmos, wie auch im Mikrokosmos in Bewegung hält. Manchmal ist auch die Rede von Ki, wie etwa im Kunstwort Reiki: "geistig-seelische Lebensenergie", oder Chi, wie in Tai-Chi: der Lehre von den "großen Gegensätzen". Immer aber ist das gemeint, was wir auch im Folgenden mit dem Begriff Qi bezeichnen: der kosmische Atem.

Auf der philosophischen Vorstellung einer solchen, allgegenwärtigen und universalen Kraft, basiert auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Qi: spirituelles Konzept der chinesischen Philosophie des Tao

Im alt-chinesischen Tao, wird das wahrnehmbare Universum, als ein Zustand zirkulierenden Strömens beschrieben, worin ununterbrochen Umwandlungsprozesse stattfinden. Aus diesem universalen Fluss ergaben und ergeben sich bis heute, all die Myriaden von Formen und Arten des Seins, manifestieren sich und lösen sich wieder auf, entstehen, bestehen und verschwinden schließlich wieder. All diese Prozessen geschehen durch das Strömen des kosmischen Qi-Flusses.

Die frühen Philosophen und Alchemisten des Tao, sahen im Qi eine lebendige Kraft, mit der auch der Fluss des Atems und den Körperflüssigkeiten zusammenhängen. Nur bei dem die Qi-Kraft im Körper im Fluss ist, der wird ein gutes Leben führen, hohes Alter und große spirituelle Fähigkeiten erlangen.

Die Lehre vom Qi ist ein grundlegendes Konzept der philosophischen Tradition des Tao. Tao bedeutet wortgemäß "Rechter Weg". Die wahre Bedeutung des Konzepts des Tao, geht allerdings weit hinaus, über die Bedeutung des Tao-Begriffs. Darum haften den Erklärungen über das Wesen des Tao, immer auch Paradoxien an. Es sind eben nur Beschreibungen dessen, was in Wirklichkeit aber unbeschreiblich bleibt. Die Worte eines großen chinesischen Weisen, fassen das Konzept des Tao sehr schön zusammen:

Worte sind da, um Gedanken zu vermitteln; wir wollen die Gedanken behalten und die Worte vergessen.

- Zhuangzi (370-287 v. Chr.), chinesischer Philosoph

Zhuangzi – ewigeweisheit.de

Der Weise Zhuangzi träumt von einem Schmetterling. Illustration aus der Ming-Dynastie (1368–1644).

Über den Ursprung des Qi

Eines der klassischen Werke des Taoismus, ist das Huainanzi: der "Meister von Huainan". In dieser umfassenden Schrift, geht es auch um die Entstehung des Universums und die daraus geborenen Qi-Kräfte und wie sich durch sie, die vielfältigen Wirkungen im Kosmos manifestieren.

Der Himmel sank als das Formlose - flüchtig, schwingend, durchdringend und amorph. Daher nennt man es auch den Höchsten Lichtkörper. Der Tao begann mit der Aufhellung der Leerheit. Dabei entstand das Universum. Das Universum ließ das Qi entstehen. Qi aber war begrenzt. Aus der himmlisch-ätherischen Klarheit - dem Yang - formte sich der Himmel. Das Schwere und Trübe, verhärtete sich als Yin und begrenzte das, was die Erde formte. Die Verbindungen zum klaren Yang, waren fließend und leicht. Die Verbindungen zum schweren und trüben Yin, waren voller Spannung. So bildete sich der Himmel und später verfestigte sich daraus die Erde. Als Essenzen von Himmel und Erde also, entstanden Yin und Yang. Aus der geballten Essenz von Yin und Yang, entstanden die vier Jahreszeiten. Aus der verstreuten Essenz der vier Jahreszeiten, entstanden die Myriaden von Wesen. Das heiße Qi des Yang ließ das Feuer entstehen. Aus der Essenz des Feuer-Qi, entstand die Sonne. Das kalte Ki des Yin sammelte sich als Wasser. Aus der Essenz des Wasser-Qi, entstand der Mond. Wegen ihrer Essenzen hielten Sonne und Mond himmlische Hochzeit, woraus Sterne und Sternzeichen entstanden.

- Aus dem Buch Huainanzi

Qi als kosmisches Energienetz

Wer auf dem Tao-Weg beginnt Meditation zu üben, der benötigt dieses universale Verständnis vom wahren Wesen des Qi. Man könnte das grundsätzliche Wesen des Qi auch als nichtmanifestiertes Potential beschreiben, als ein in sich selbst veranlagter Zustand kinetischer Bewusstheit.

Qi durchdringt den Kosmos und alles was sich darin befindet: Galaxien, Sonnen, Planeten. Auch auf unsere Erde, so wie alles was auf ihr als Minerale, Pflanzen, Tiere und Menschen lebt, wird vom Strom des Qi durchdrungen und belebt. Im Menschen gehört die Qi-Energie zur Luft, zum Atem, zum Blutfluss und den elektrischen Impulsen, die die Nervenbahnen leiten. Qi ist die wesentliche Lebenskraft, die das Wesen unseres Seins bestimmt. Es bildet ein Potential, dass in uns verborgen liegt und gewissermaßen darauf wartet, aktiviert zu werden.

Man könnte Qi gewiss auch gleichsetzen mit dem Prana der indischen Tradition. Prana liegt gemäß der Chakra-Lehre, als potentielle Energie in der spirituellen Körperwurzel (Muladhara). Das Qi, das Blutfluss und Nervenimpulse antreibt, ähnelt gewiss dem, was man in der indischen Tradition die Kundalini oder Schlangenkraft nennt. Im tibetischen Tantrismus spricht man von der "Psychischen Wärme".

Der chinesische Weise und Philosoph Chang Chieh-Pin (1563-1640), erklärte Qi folgendermaßen:

Die Qi-Energie gibt dem Kosmos seine Struktur. Ganz gleich ob ein neuer Zustand eintritt oder sich etwas umwandelt: aller Wandel basiert auf Qi und es gibt kein Wesen im Kosmos, dass nicht aus Qi entstanden wäre. Damit umfasst Qi den gesamten Kosmos, durchdringt und bewegt alles was sich darin befindet. Wie sonst als mit der Kraft des Qi scheinen Sonne, Mond, Planeten und Fixsterne, können Donner grollen und Regen, Wind und Wolken geformt werden, können alle Wesen wachsen, reifen, Früchte tragen und sich zurückziehen im Lauf der vier Jahreszeiten? Es ist Qi, dass die menschliche Existenz bedingt!

Die drei kosmischen Kräfte

Wichtigstes Ziel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, als auch in taoistischer Meditationspraxis, ist die Beeinflussung des Qi-Flusses im Körper. Ein Taoist kann alle Formen von Qi-Energie wahrnehmen. Sie durchdringt den Atem, die Lebendigkeit und kontrolliert das menschliche Leistungsvermögen.

Die alten chinesischen Meister sprachen von den drei "San Cai" - drei kosmischen Kräften:

  • Tian - himmlisches Qi,
  • Di - irdisches Qi, und
  • Ren - menschliches Qi.

Das himmlische Qi (Tian) ist die wichtigste kosmische Kraft. Sie wird ausgesendet von den Himmelskörpern, in Form der Sonnenstrahlen (Tageslicht und Wärme), vom Mondlicht, von der Gravitation der Sonne und des Mondes, sowie von den feineren Energien (Licht, Gravitation) der Planeten und des Tierkreises.

Wetter, Klima und auch Naturgewalten, werden von himmlischem Qi gesteuert. Da nun jedes Qi-Energiefeld nach Gleichgewicht strebt, trifft das auch zu auf das himmlische Qi: durch Wind, Regen, ja sogar durch heftige Stürme, bringt es sich ins Gleichgewicht.

Das irdische Qi (Di) wird von himmlischem Qi beherrscht. Wenn zu viel Regen fällt, führt das zu Hochwasser in den Flüssen, so dass sie über die Ufer treten, im Extremfall sogar ihren Lauf ändern. Ohne Regen jedoch, ist kein Leben möglich.

Die alten chinesischen Weisen lehrten, dass das irdische Qi durch besondere Kraftlinien und Energiemuster gebildet wird, deren Ströme und Kräftebündelungen, eng verwoben sind mit dem irdischen Magnetfeld und der magmatischen, unterirdischen Hitze. Auch diese Kräfte müssen im Gleichgewicht bleiben. Ungleichgewichte des irdischen Qi führen schlimmstenfalls zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Befindet sich das irdische Qi jedoch in harmonischem Gleichgewicht, gedeiht die darauf lebende Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt.

Unser menschliches Qi beeinflussen die natürlichen Zyklen von himmlischem und irdischem Qi. Daher der Wunsch, durch bestimmte körperlich-spirituelle Praxis (wie etwa Qigong oder Tai-Chi), den Kreislauf des menschlichen, körperlich-geistigen Qi, mit den energetischen Kreisläufen des himmlischen und irdischen Qi in Einklang zu bringen.

Das Wesen des Qi im Menschen, studierten die alten Chinesischen Weisen bereits vor 4.000 Jahren. Himmlisches und irdisches Qi bestimmen unser Schicksal. Im Wissen um die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen der Natur und dem Menschen, schlussfolgerten die alten Weisen, dass Qi auch von Bedeutung ist in menschlichen Beziehungen (chin. "Ren Shi").

Ein wahrer Kenner der Zusammenhänge der Qi-Ströme, vermag sogar Voraussagen zu treffen. Er sieht, ob sich eintretende gesellschaftliche Veränderungen ereignen werden, in Bezug auf die Wünsche und Veränderungen des Temperaments einer Person.

Am wichtigsten aber bleibt das Wissen um die Zusammenhänge vom Gleichgewicht des Qi im Menschen und die damit zusammenhängenden Aspekte menschlicher Gesundheit und Langlebigkeit.

Wer also weiß, dass Qi die Quelle allen Lebens ist und weiß wie es auf Körper, Seele und Geist wirkt, wie man es reguliert und positiv beeinflusst, der wird ein langes und gesundes Leben führen. So einer ist im Einklang mit der Natur und beschreitet den Pfad des Tao, in Harmonie mit Yin und Yang.

Yin und Yang – ewigeweisheit.de

Die zwei Hauptessenzen des Kosmos: Yin (schwarz) und Yang (weiß). Das Yin-und-Yang-Kosmogramm zeigt den ständigen Kreislauf der beiden Uressenzen, die sich ergänzen und jeweils ineinander enthalten sind.

Qi-Wissenschaft und ihre praktische Anwendung

Seit Jahrtausenden forschten die Weisen Chinas, über die vielen verschiedenen Aspekte des menschlichen Qi. Dies umfasste auch die Anwendung dieses Wissens auf bestimmte Massagetechniken, auf die Pflanzenheilkunde, die Meditationstechniken, wie auch auf Akupunktur und die Praxis des Qigong und Tai-Chi. 

Meditation und Qigong werden geübt, um die Gesundheit zu verbessern, sowie bestimmte Krankheiten zu heilen. Der Königsweg des Qigong führt den Taositen zur Erleuchtung. Man könnte sagen, dass im Begriff des Qigong, das Studium der kosmischen Kräfte des Himmels-Qi, Erd-Qi und menschlichen Qi zusammengefasst sind.

Über Qi sagen die Chinesen, es repräsentiere die Kräfte von Elektrizität, Magnetismus, Wärme und Licht. Elektrische Energie nennt man das Dian Qi. Wärme wird durch Re Qi erzeugt. Das Wetter, wie oben bereits angedeutet, wird durch das Tian Qi gesteuert. Bei einem lebenden Menschen ist es, wie gesagt, das Ren Qi, das in seinem Körper zirkuliert.

Grundsätzlich wird die Qi-Kraft in Zusammenhang mit allem Lebendigen verwendet. Was lebt, besitzt Huo Qi - lebendiges Qi. Besitzt ein Mensch die spirituelle Kraft Gutes zu vollbringen, besitzt er außerdem Zheng Qi - das Qi der Rechtschaffenen. Was aber tot ist, das unterliegt dem Si Qi. Spirituelle Wesen, Dämonen und Geister existieren wegen des Gui Qi.

All diese Formen des Qi, sind insbesondere von Bedeutung für die Traditionelle Chinesische Medizin, das Qigong und das Feng Shui.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Im alten chinesischen Schriftwerk Huangdi Neijing - der "Klassischen Medizin des Gelben Kaisers" (aus dem 2. Jhd. v. Chr.) werden erstmalig die feinstofflichen Leitbahnen des Körpers erwähnt: die sogenannten Meridiane. Sie ähneln den Nadis der indischen Tradition. Durch sie fließt Qi und zirkuliert im menschlichen Körper. Wenn dieser Qi-Energiefluss in den Meridianen unterbrochen oder blockiert wird, oder unharmonisch fließt, zeigt sich das in verschiedenen Symptomen, wie Unwohlsein oder Krankheit.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin nun, unterscheidet man zwischen zwei Funktionskreisen, die den Qi-Fluss im Körper befördern: Zang und Fu.

Die Organe des Zang-Funktionskreises, übernehmen Speicherfunktionen und werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin dem Yin zugeordnet. Zu diesen Organen gehören:

  1. Die Leber, Gan, in der das Blut "gespeichert" (gereinigt) wird,
  2. das Herz, Xin, das die Blutgefäße kontrolliert,
  3. die Milz, Pi, kontrolliert die Verteilung von Flüssigkeiten im Körper, sowie die Verdauung.
  4. die Lungen, Fei, lenkt die Atmung und kontrolliert das Qi (wo ja die Atemluft auf materieller Ebene dem Qi entspricht), sowie
  5. die Nieren, Shen, die den Wasserfluss im Körper kontrollieren und über die das aufgenommene Qi im Körper verteilt wird.

Die Organe des Fu-Funktionskreises übernehmen Durchgangsfunktionen und werden dem Yang zugeordnet:

  1. Die Gallenblase, Dan, ist mit Leber verknüpft.
  2. Der Dünndarm, Xiao, ist verknüpft mit dem Herzen.
  3. Der Magen, Wei, ist verknüpft mit der Milz.
  4. Der Dickdarm, Da Chang, ist verknüpft mit der Lunge.
  5. Die Harnblase, Pang Guang, ist verknüpft mit den Nieren.
  6. Der sogenannte Dreifacher Erwärmer, San Jiao, unterteilt sich in:
    • den oberen Erwärmer, Shan Jiao, der die Funktionen von Herz und Lunge umfasst,
    • den mittleren Erwärmer, Zhong Jiao, der die Funktionen von Milz und Magen umfasst und
    • den unteren Erwärmer, Xia Jiao, der die Funktionen von Leber, Niere, Dickdarm und Harnblase umfasst.

Über diese elf Funktionskreise werden also die Körperfunktionen gesteuert. Wenn in einem oder mehreren bestimmten Funktionkreisen ein Ungleichgewicht an Qi herrscht, führt das zu Unwohlsein und körperlichen, wie geistig-seelischen Beschwerden.

Die Traditionelle Chinesische Medizin aber versucht diese Disharmonien in den Zang- und Fu-Organen auszugleichen, wie etwa durch chinesische Kräuterheilkunde, Ernährungsumstellung, besondere Körperübungen (Qigong, Tai-Chi-Chuan), durch Akupunktur oder Moxibustion.

In der Akupunktur werden besonders feine Nadeln in die Hautoberfläche des menschlichen Körpers gesteckt. Insgesamt werden 160 Punkte beschrieben, die auf den Akupunktur-Meridianen liegen. An diesen Körperstellen können sich Stauungen von Qi bilden, was zu Unwohlsein und Krankheit führt. Nadelstiche in diese Punkte, wie auch ihre Erhitzung, durch die sogenannte Moxibustion (Verbrennen von getrocknetem Beifuß in der Nähe dieser Hautstellen), können energetische Blockaden lösen und im Körper den Fluss von Qi wieder harmonisieren.

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin – ewigeweisheit.de

Akupunktur-Punkte in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Illustration aus der Ming Dynastie (1368–1644).

Qigong

Der Begriff des Qigong steht für die Arbeit am Qi, seine Harmonisierung im Körper und die Kultivierung eines balancierten Qi im täglichen Leben. Im Qigong wird eine sanft-rhythmische, bewusste Atmung geübt, die dann von besonderen, langsamen Bewegungen, begleitet wird. Dabei visualisiert sich der Übende den allgegenwärtigen Fluss der Lebenskraft Qi im Makrokosmos (Himmel, Erde) und im Mikrokosmos (Mensch).

Feng shui

Irdisches Qi bildet sich, wie bereits angedeutet, durch ein besonderes Energienetz, dass den gesamten Erdball umfasst. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern "Wind", Feng, und Wasser, Shui.

Qi wird vom Wind zerstreut und stoppt an der Grenze des Wassers.

- Guo Po (276 – 324 n. Chr.), taoistischer Okkultist

Feng Shui ist die Geomantie der chinesischen Tradition. Sie beschäftigt sich mit dem Energiefluss von Qi an bestimmten Plätzen und Orten auf der Erde, sowie in Gebäuden und Räumen. Bei der Bestimmung der geomantischen Verhältnisse des Qi, werden die Wechselwirkungen zwischen den fünf Elementen, zwischen den Yin- und Yang-Wirkungen und anderen Faktoren berücksichtigt. Die Speicherung und Verteilung von Qi an einem bestimmten Ort, wie beispielsweise in Wohnräumen, wirkt sich auf die Gesundheit, doch ebenso auf das Glück und Wohlhaben eines Insassen aus.

Jeder Gegenstand in einem Raum, wirkt sich auf den Fluss dortiger Qi-Kräfte aus, die darin entweder abgebremst, umgeleitet oder beschleunigt werden. Das hat Einfluss auf das Qi des Bewohners. Auch kann sich die Beschaffenheit des Qi über einen gewissen Zeitraum hinweg verändern, kann seine Wirksamkeit zu- oder abnehmen.

Das chinesische Zeichen für das Qi – ewigeweisheit.de

Chinesisches Schriftzeichen für Qi. Die Universalität dieses Zeichen, erstreckt sich über folgende Bedeutungen: Luft, Gas, Geruch, Geist, Stimmung, Lebensenergie, physische Energie, Klang, Atmosphäre, Atem, Atmung oder Hauch.

Menschliches Qi im Fluss halten

Die alten Weisen wussten, dass dumme, plumpe oder gewalttätige Handlungen einen Qi-Fluss erzeugen, der wiederum Dummheit, Ruppigkeit und Gewalt begünstigt. Elegantes und freundliches Verhalten, wirkt hingegen einladend und erzeugt angenehme Qi-Ströme. Darum sollte man alle Bewegungen und sein Verhalten, durch einen Sinn für Leichtigkeit und Freude begünstigen. Wer sich so verhält, wird in den Genuss wahren Wohlbefindens kommen. Den Qi-Fluss verstärkt auch derjenige, der mehr Gelassenheit in seinem täglichen Leben walten lässt.

Wer sich mit Tai-Chi oder Qigong befasst, übt seine Achtsamkeit für besondere Bewegungsabläufe. So ein bewusstes Wahrnehmen der Lebensbewegungen, kann man auch jederzeit im Alltag üben. Zweck solcher Übungen ist Geist und Körper gemeinsam wahrzunehmen und im bewussten Fühlen, die Kräfte des Oben und des Unten zu harmonisieren - sein irdisches Bewusstsein auf das kosmische Bewusstsein einzustimmen.

Besonders der Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten, aber auch Körperhaltungenen, ist etwas, dass man bewusst vollziehen sollte, um voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Wer sich in den Zwischenphasen befindet, von einer in die andere Bewegung, und den Wechsel von einer Position in die andere achtsam wahrnimmt, der schafft einen kontinuierlichen Fluss von Qi-Energie. Dieser Qi-Kraftstrom steigert das allgemeine Wohlbefinden und den empfundenen Nutzen jener täglichen Handlungen, die für uns von Bedeutung sind. Wenn wir zum Beispiel nach dem Sitzen aufstehen oder von einem Ort zum anderen gehen, wenn wir uns abends ins Bett legen: bei all diesen Veränderungen unserer Position, Haltung und Lage, sollten wir uns voll bewusst sein, bei dem was wir gerade ändern.

Der menschliche Körper ist ein Empfänger von Qi. Wer vollbewusst in seinem Leben handelt, wird auch empfänglicher für kosmisches Qi und hält sein Handeln im Fluss mit den Kreisläufen des Kosmos. Dann nimmt er sich als Teil etwas viel Größerem wahr.

Qi folgt dem Weg des geringsten Widerstands. Wer aber Qi harmonisiert und den natürlichen Fluss dieser Lebensenergie unterstützt, wird alle seine Tätigkeiten mit viel mehr Leichtigkeit ausführen können, zu seinem eigenen und auch zum Nutzen anderer.

 

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Der Atem und die Freiheit

Der Atem und die Freiheit

Noch einen letzten Gedanken möchte ich zu den Mysterien des Atems zur Sprache bringen. Der Atem ist nämlich zugleich eine vollkommene Analogie auf das Wesen der menschlichen Freiheit. Dies also ist das Thema des letzten Kapitels: Atem und Freiheit.

Ist der Mensch frei? Ja und Nein. Irgendwie schon, denn als Mensch kann ich z.B. blinzeln, immer wenn ich es will. Ich kann mich, wenn ich nicht gerade gefesselt bin, im Kreise drehen, so oft ich es will, gehen, wohin ich will, machen, was ich will... Aber, so ganz stimmt das doch auch wieder nicht: Fliegen kann ich nicht mit meinem irdischen Körper einfach so. Ich kann mir auch nicht kaufen, was ich will, wenn ich kein Geld dafür habe. Wenn ich im Gefängnis sitze, dann kann ich nicht einmal gehen, wohin ich will.

Es schein also einerseits einen gewissen Grad der Freiheit zu geben und andererseits einen gewissen Grad der Einschränkung, des Zwangs. Nun, ebenso verhält es sich auch mit dem Atem. Klar, ich kann einatmen und ausatmen, wann und wie ich will, aber wenn ich einmal versuche, fünf Minuten lang nur auszuatmen, dann dürfte ich wohl schnell feststellen, dass es aus mir selbst heraus - genau genommen vom unteren Bewusstsein her kommend - einen Zwang gibt, der mich dazu bringt und mich dazu zwingt, nun doch wieder einzuatmen. Die Willkür des Menschen, sein oberes Bewusstsein also, hat demnach einen gewissen Spielraum. Überschreitet es allerdings bestimmte Grenzen, so kommt der Zwang, das untere Bewusstsein, ins Spiel und korrigiert gewissermaßen diese Grenzüberschreitung.

Beim Atmen kommt der Zwang immer dann ins Spiel, wenn der Mensch auf eine Weise atmen wollen würde, welche unnatürlich ist und das Leben gefährdet. Fünf Minuten lang nur auszuatmen ist ein Beispiel dafür. Ebenso ist es aber nicht nur im menschlichen Körper, sondern auch in der Welt. Denn dem Analogiegesetz folgend lässt sich das Leben des einzelnen Menschen als Abbild des universellen Lebens des Kosmos verstehen. Der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos.

Was bedeutet dies nun konkret? Es bedeutet, dass in jedweder Beziehung, in welcher ein Mensch unfrei und gezwungen ist, eine Korrektur durch das universelle Leben stattfindet, welche tatsächlich heilsam und förderlich für die Seele des entsprechenden Menschen ist, auch wenn die Persönlichkeit dies vielleicht nicht anerkennen will.

Es gibt natürlich viele grausame Extremfälle auf Erden, in welchen ein solcher Zusammenhang kaum nachvollziehbar oder irgendwie gerechtfertigt erscheint. Die Auseinandersetzung auch mit diesen dunkelsten Seiten des Lebens ist natürlich wichtig für den spirituell und philosophisch Suchenden. Dennoch soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden, da nur eine lange und ausführliche Untersuchung diesen Phänomenen gerecht werden kann. Es geht mir jetzt vielmehr darum, diesen Gedanken für den Alltag praktisch anwendbar zu machen.

Dies ist ein Experiment, welches von jedem Menschen unternommen werden kann: Immer dann nämlich, wenn ich einerseits etwas wünsche und danach strebe, andererseits aber bemerke, dass ich immer wieder durch äußere, vielleicht zufällig anmutende Zwänge und Einflüsse davon abgehalten werden, sollte ich mir zumindest die Zeit nehmen, einmal in Ruhe über diesen Wunsch nachzudenken oder zu meditieren: Ist dies wirklich förderlich für meine Seele und mein Leben? - Vielleicht werde ich dabei herausfinden, dass das, was ich zuvor noch als einen unnötigen, störenden Zwang und Zufall empfunden hatte, eigentlich eine helfende oder rettende Maßnahme des universellen Lebens war... Ein Beinbruch, eine verpasste Zugfahrt, eine plötzliche Erkrankung, ein Streit - all dies können Hilfsmaßen des Lebens sein, die den Menschen davon abhalten, seine Freiheit zu missbrauchen.

Das Leben, Gott, der Kosmos, liebt den Menschen über alle Vorstellung und manchmal muss die Persönlichkeit leiden oder der Körper Schaden nehmen, um die Gesundheit der Seele zu bewahren und/oder wiederherzustellen. Wer gesund atmet, den wird der Atem niemals zwingen, und wer seine Freiheit in gesundem Maße gebracht, den wird das Leben niemals zwingen. Wen der Zwang im Leben drängt, dem sei hiermit empfohlen, sich intensiv und ernsthaft mit den eigenen Wünschen und Absichten auseinanderzusetzen.

Schlussgedanken

Nach dieser kleinen Reise durch die Mysterien des Atems hat sich ein Eindruck hoffentlich tief in die Seele eingeprägt: Das Unscheinbare, das Alltägliche, das Allgegenwertige, dies ist zumeist der Schlüssel zu vielen großen und tiefen Mysterien. Der Atem verbindet den Menschen mit der ganzen Schöpfung, mit dem universellen Leben im Kosmos, dem Rhythmus des Lebens, der philosophischen Frage nach der Freiheit, den Fähigkeiten der praktischen Magie und vielen weiteren Aspekten, die in diesem Artikel nicht alle angeführt werden konnten.

Alles, was im Kosmos ist, das ist auch irgendwo im Menschen, und wenn der Mensch beginnt sich selbst zu erforschen, so beginnt er auch, das Weltganze zu erforschen und zu verstehen. Das ist das "Gnothi seauton" (γνῶθι σεαυτόν), das "Erkenne Dich selbst!", des Delphischen Orakels und dafür braucht der Mensch weder Computer noch Raumschiffe noch Geld noch Teilchenbeschleuniger, sondern einzig und allein seinen eigenen Körper, seinen Geist, seine Seele und sein gegebenes Lebensumfeld. Der Atem ist ein Aspekt des Menschen und durch seine Erforschung lässt sich ein Aspekt des Ganzen erfahren und ein Aspekt der ewigen, göttlichen Wesenheit. Forsche, hier und jetzt, Du selbst, bei Dir selbst und durch Dich selbst! Atem. Atem und Leben. Atem und Geist.

Der Atem als Bindeglied

Der Atem als Bindeglied

Die Alten sahen oben den Himmel und unten die Erde. Zwischen ihnen und in stetiger Bewegung wehten Wind und Wetter. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Atem als Bindeglied zwischen 'Oben und Unten'.

Ein wesentlicher Aspekt aller Mysterientraditionen ist die Verbindung zweier verschiedener Formen des Bewusstseins. Diese beiden Pole tragen in den verschiedenen Traditionen die unterschiedlichsten Namen. Ich möchte im Folgenden einfach von einem oberen Bewusstsein und einem unteren Bewusstsein sprechen, um die Bedeutung zunächst möglichst intuitiv und offen zu halten. 'Oben und unten' ist dabei bitte völlig wertungsfrei zu verstehen. Erst einmal gilt es, sich ein ungefähres Bild von diesen beiden Polen zu machen, welches durchaus eine Vereinfachung sein wird, aber für den hier behandelten Sachverhalt völlig genügt.

Das obere Bewusstsein ist im Kopfbereich und im Hirn beheimatet. Hierin gründen die willkürlichen und bewussten Prozesse: Sehen, Hören, Sprechen, bewusste Motorik, Denken... Im Bauchbereich wiederum befindet sich der Sitz des unteren Bewusstseins, worin generell die unbewussten und unwillkürlichen Prozesse gründen: Wachsen, Verdauen, Galle ausscheiden, Magensäure produzieren, Affekte, Leidenschaften... Die Funktionen des unteren Bewusstseins werden üblicherweise nicht bewusst bewirkt, sondern geschehen einfach. So zumindest aus Sicht des oberen Bewusstseins, mit welchem sich viele Menschen identifizieren.

Im unteren Bewussten ruhen jedoch unglaubliche Fähigkeiten und Kenntnisse, die der Mensch beispielsweise dann erfährt, wenn er etwas 'aus dem Bauch heraus' erfolgreich tut und es ihm ohne viel Nachdenken einfach gelingt. Ein Koch z.B., der die Zutaten nicht mit der Feinwaage abmisst, sondern gerade so in das Essen hineingibt, wie es sich für ihn stimmig anfühlt. Der Bauch des Menschen hat ganz andere Kenntnisse und Fähigkeiten als der Kopf und leider ist es doch häufig so anzutreffen, dass diese beiden, Kopf und Bauch, gegeneinander ankämpfen.

Der Atem nun ist ein besonderes Mittel der Wahl, wenn es um Praktiken geht, durch welche der Mensch diese beiden Pole miteinander verbindet und harmonisiert. Der Atem nämlich lässt sich leicht als das Mittelglied zwischen oberem und unterem Bewusstsein ausmachen: Denn die menschliche Atmung ist zumeist ein unwillkürlicher und unbewusster Prozess. Egal ob der Mensch schläft, ob er beschäftigt ist, ob er spricht, der Atem fließt, ohne dass es nötig wäre, einen Gedanken darauf zu verwenden. Er scheint also in diesem Sinne zum unteren Bewusstsein zu gehören, wie auch die Verdauung und der Wachstumsprozess. Aber, im Gegensatz zu diesen den beiden letztgenannten, kann der Mensch auch völlig willkürlichen Einfluss auf seine Atmung nehmen. Er kann sich denken: "Jetzt atme ich aus." Und dann kann er ausatmen, seiner Willkür gemäß.

Da der Atem also eine Verbindung zum oberen wie zum unteren Bewusstsein des Menschen hat, lassen sich beide Pole durch entsprechende Atemübungen miteinander verbinden und in Einklang bringen, und die verschiedensten Traditionen haben eine Vielzahl von Übungen zu genau diesem Zwecke entwickelt. Wer sich mit bewusster Atemtechnik in der Praxis beschäftig, der wird früher oder später mit solcherlei Techniken zu tun haben und lernen, die pranischen Energien der beiden Zentren (Kopf und Bauch) durch Pranayama gezielt fließen zu lassen und untereinander auszutauschen. In der westlichen Esoterik wird dieser Austausch häufig mit einem geschlossenen Stromkreislauf vergleichen, welcher zu einem starken Anstieg der verfügbaren Energien führt.

In der Kabbalah werden den drei angesprochenen Zentren im Menschen, dem oberen, dem unteren und dem mittleren, übrigens auch die drei Mutterbuchstaben Aleph, Schin und Mem symbolisch zugeordnet, welche ihrerseits wiederum mit bestimmten Elementen korrespondieren. Zudem ist diesen drei Zentren auch jeweils ein entsprechender Seelenteil analog, wobei der mittlere Seelenteil Ruach heißt, was, wie eingangs gesagt, auch Atem bedeutet. Wer hier weiter forscht, dem offenbaren sich eine Menge sehr aufschlussreicher Analogie. Hier nochmal die entsprechende Übersicht: (Dabei ist es äußerst wichtig zu verstehen, dass es sich in dieser Übersicht um Entsprechungen und nicht um Gleichsetzungen handelt! Das obere Bewusstsein entspricht Neschamah, aber es ist nicht Neschamah!)

  1. Oberes Bewusstsein - Kopfbereich - Schin (ש) - Feuer - Seele: Neschamah (נשמה),
  2. Mittleres Bewusstsein - Brustbereich - Aleph (א) - Luft - Seele: Ruach (רוח),
  3. Unteres Bewusstsein - Bauchbereich - Mem (מ) - Wasser - Seele: Nephesch (נפש).

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Genesis 1.4, wo es wörtlich heißt: Und die Ruach (Geist, Seele, Atem; im hebräischen feminin!) von Elohim (vereinfacht oft mit Gott übersetzt. Eigentlich aber ein Wortspiel mit der Bedeutung: Das göttliche Wesen, welches männlich, weiblich, einer und viele zugleich ist.), eine Schwebende über den Wassern. So also wie beim Menschen die Brust, der Atem, die Ruach, über dem Bauch, dem Wasser, liegt, ebenso ist es auch am ersten Schöpfungstag bei Elohim: Die Ruach schwebt über den Wassern. Eine sehr interessante und vielsagende Analogie.

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Der Rhythmus des Lebens

Der Rhythmus des Lebens

Nun möchte ich zu Betrachtung verschiedener Analogien übergehen, welche mit der Atmung unmittelbar zusammenhängen. In dieses Kapitel sollen in diesem Zusammenhang auch das Assoziative Denken und das Analogiegesetz angesprochen werden.

Ich möchte den Atem jetzt also unter einem ganz anderen Gesichtspunkt betrachten, obwohl natürlich alle hier angesprochenen Gedanken tatsächlich miteinander in Beziehung stehen. Die Praxis des Atmens lehrt uns - und auch hier wird erneut erkennbar, dass die Praxis für das Verständnis unverzichtbar ist - , dass es vier Phasen im Atemprozess gibt:

  1. Einatmen,
  2. Voll-Sein,
  3. Ausatmen,
  4. Leer-Sein.

Im Sanskrit, der heiligen Sprache Indiens, derer sich der Yoga bedient, heißen diese vier Phasen wie folgt:

  1. Puraka,
  2. Antara-Kumbhaka,
  3. Rechaka,
  4. Bahya-Kumbhaka.

Werden diese vier Phasen abstrahiert betrachtet, können sie folgendermaßen benannt werden:

  1. Bewegung,
  2. erreichen Zustand,
  3. Gegenbewegung,
  4. erreichter Gegenzustand.

Dies kann man sich auch nach dem Bilde eines Pendels vorstellen:

  1. Das Pendel schlägt nach rechts aus.
  2. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags rechts.
  3. Das Pendel schlägt nach links aus.
  4. Das Pendel erreicht den Höhepunkt seines Ausschlags links.

Diesen Rhythmus nun gilt es sich gut einzuprägen, was natürlich besonders effektiv durch bewusste Atemübungen erreicht werden kann. Nun folgt der nächst Schritt. Es geht um einen absoluten Grundbaustein aller Mysterien: Das Assoziative Denken. Das Assoziative Denken ist ein Denken in Entsprechungen und Analogien, also in der Form "Wie dieses, so auch jenes". Damit steht es im Kontrast zum allgemein bekannten Kausaldenken: "Weil dieses, deshalb jenes". Das Assoziative Denken gründet auf dem sogenannten Analogiegesetz, welches u.a. seine Niederschrift in der bekannten tabula smaragdina fand und häufig vereinfacht wie folgt zusammengefasst wird: Wie oben, so unten. Wie unten, so oben. ("Quod est inferius, est sicut quod est superius, et quod est superius, est sicut quod est inferius..." - tabula smaragdina)

Ich möchte im Folgenden dieses Gesetz zur Anwendung bringen und nach Analogie zur Atmung suchen: So wie sich der Atem "unten" im Menschen verhält, ebenso sollte es sich dem Analogiegesetz zufolge auch oben, beispielsweise im Himmel, verhalten. Ein erstes gutes Beispiel dafür ist der Sonnenlauf. Wichtig ist, zu beachten, dass bei der Anwendung des Analogiegesetztes die phänomenologische Erlebnisperspektive des Menschen beibehalten werden kann, in welcher sich z.B. die Sonne sichtbar um die Erde bewegt:

  1. Die Sonne geht auf.
  2. Die Sonne steht im Zenit (höchster Sonnenstand).
  3. Die Sonne geht unter.
  4. Die Sonne steht im Nadir (tiefster Sonnenstand), bzw. die Sonne ist weg.

Aber nicht nur die Sonne, sondern beispielsweise auch der Mond fügt sich ganz natürlich in diesen vierteiligen Rhythmus des Lebens ein:

  1. Der Mond nimmt zu.
  2. Der Mond ist voll - Vollmond.
  3. Der Mond nimmt ab.
  4. Der Mond ist leer - Neumond.
Vollmond - ewigeweisheit.de

Vollmond: Antara-Kumbhaka des Mondes (Bildquelle).

Natürlich können solche gefundenen Assoziationen auch für praktische Übungen verwendet werden. So kann z.B. die entsprechende Mondphase während der Atmung bei geschlossenen Augen imaginiert werden. Diese Übung findet sich beispielsweise unter der Bezeichnung Mondatmung bei Katja Wolff in ihrem durchaus lesenswerten Buch mit dem schlichten Titel 'Magie' (vgl.: Wolff, Katja: Magie. Kunst des Wollens - Macht des Willens. München: 1992, S. 184 ff). Der Phantasie und Kreativität, die verschiedensten sinnvollen Assoziationen mit der Atmung zu verbinden, sind dabei keine Grenzen gesetzt. Hier eine kurze Übungsbeschreibung in tabellarischer Form:

  1. Einatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter zu.
  2. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Vollmond.
  3. Ausatmen - vier Zählzeiten - Imagination: Der Mond nimmt immer weiter ab.
  4. Atem anhalten - zwei Zählzeiten - Imagination: Neumond.

Beim Anhalten des Atems ist es äußerst wichtig, dies durch das Zwerchfell zu bewerkstelligen und niemals durch ein krampfhaftes Verschließen von Nasen- und Rachenraum! Es darf dabei grundsätzlich kein Druck oder Unterdruck in der Lunge entstehen. Als nächstes möchte ich gerne den Jahreskreis betrachtet, in welchem sich ebenfalls der Rhythmus des universellen Lebens finden lässt:

  1. Frühling: Es wird wärmer.
  2. Sommer: Es ist warm.
  3. Herbst: Er wird kälter.
  4. Winter: Es ist kalt.

Diesem Kreislauf folgt natürlich auch der Kreislauf der Vegetation, wie sich an den Bäum gut beobachten lässt:

  1. Der Baum treibt Blätter und Blüten.
  2. Der Baum steht in voller Blüte.
  3. Die Blätter und Blüten fallen ab.
  4. Der Baum steht kahl.

Es lassen sich noch eine ganze Menge anderer Analogien finden und ich möchte es an dieser Stelle gerne den Leserinnen und Lesern selbst überlassen, nach weiteren Entsprechungen zu suchen. Eine solche Analogie selbst zu entdecken und zu erfahren ist nämlich noch wesentlich beeindruckender, als irgendwo davon zu lesen! Ich meine allerdings, dass die bislang angeführten Beispiele genügen sollten, um einen Gedanken erkennbar zum Ausdruck zu bringen: Die vermeintlich einfachsten Dinge des Lebens, wie beispielsweise der Atem, spiegeln sich überall in der Natur und im Kosmos wieder. Wer dies erkennt und im Herzen begreift, in dem entsteht ein Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist, und des tieferen Sinns in allen Phänomenen. Im Leben des Menschen pulsiert derselbe Rhythmus, der auch im Baum, im Jahr, in der Sonne und im Mond pulsiert. Dieser Rhythmus ist das universelle Leben, ist Gott oder besser gesagt einer seiner Aspekte.

Die alten Kulturen schauten diese Wahrheit auf eine selbstverständliche, zum Teil fast kindlich einfache Weise, als sie Leben, Atem, Seele und Geist in ein und dasselbe Wort brachten. Und auch einer der wichtigsten, heiligen Gottesnamen der hebräischen Tradition, der Kabbalah, das sogenannte Tetragrammaton (τετραγράμματον: wörtlich heißt dies 'Vierbuchstabe'), scheint diesen Rhythmus in seinen vier Buchstaben geradezu unmissverständlich auszudrücken: Jehovah (יהוה - zu lesen von rechts nach links):

  1. י - Die Bewegung,
  2. ה - Der Zustand,
  3. ו - Die Gegenbewegung,
  4. ה - Der Gegenzustand.

Der Mensch ist durch Analogien verbunden mit der ganzen Welt und der Atem ist ein wunderbares Beispiel dafür. Zuletzt möchte ich noch zwei besonders interessante Facetten dieser Analogie ansprechen. Die erste ist das Bild des atmenden Brahma in der indischen Philosophie. Brahma, so heißt es, atme ein und aus, und so entstehe und vergehe immer wieder die ganze Welt in einem gewaltigen Zyklus. In diesem Bilde findet sich ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des Verhältnisses von Zeit und Ewigkeit. Eine Fragestellung, die auch den Neoplatoniker Plotinus im dritten Buch der Eneaden und den christlichen, lateinischen Kirchenlehrer Augustinus von Hippo im elften Buch seiner Confessiones stark beschäftigte. Das indische Bild vom atmenden Brahma bringt dieses Verhältnis auf den Punkt. Brahma atmet in Ewigkeit, in seinem Atem entsteht und vergeht die Welt und damit auch die Zeit:

  1. Brahma atmet aus: Die Welt und die Zeit entstehen.
  2. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren.
  3. Brahma atmet ein: Die Welt und die Zeit vergehen.
  4. Brahma hält den Atem an: Die Welt und die Zeit existieren nicht.

Das zweite besonderes Bild, was ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, betrifft die Reinkarnation des Menschen. Bereits in der Illias von Homer findet sich im sogenannten Blättergleichnis (Homer: Illias VI, 146 - 149) der Vergleich zwischen den Menschengeschlechtern und den Blättern der Bäume. Wer erkennt, dass die ganze Natur vom Kreislauf des Lebens geprägt ist - Atem, Sonnenlauf, Jahreslauf, Mond ... -, dem wird es immer schwerer fallen, zu glauben, dass das menschliche Leben sich wie eine mathematische Strecke verhalt soll, mit Anfang und Ende. Die folgenden Entsprechungen sollen diesen Umstand verdeutlichen:

  1. Frühling: Die knospenden Bäume treiben die Blätter. - Der menschliche Körper wird geboren. - Die Seele inkarniert.
  2. Sommer: Die Bäume stehen in voller Pracht. - Der menschliche Körper ist voll entwickelt. - Die Seele lebt im Körper.
  3. Herbst: Die Blätter fallen als Laub zu Boden. - Der menschliche Körper stirbt. - Die Seele trennt sich vom Körper.
  4. Winter: Die Bäume stehen kahl. - Der Körper löst sich auf, bzw. ist aufgelöst. - Die Seele lebt außerhalb der materiellen Welt.

Ebenso also, wie der Baum sich jedes Jahr neue Blätter schafft, so schafft sich auch die Seele jedes Erdenleben einen neuen Körper. Der Rhythmus des Lebens, welcher zugleich der Rhythmus des Atems ist, gewährt dem Menschen unter Anwendung des Analogiegesetzes tiefste Einblicke in die Mysterien des ewigen Lebens. Erforsche Deinen Atem, erforsche die Welt, erforsche das Leben, erforsche Dich selbst!

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Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Der Atem und die Lebenskraft: Prana - Qi - Od

Dieses Kapitel ist der Lebenskraft gewidmet. Dabei möchte ich einige der verschiedenen Begriffe für diese Kraft benennen, auf die besondere Verbindung von Lebenskraft und Atem eingehen und zudem die Wirkung und das Wesen dieser Kraft ansprechen. Des Weiteren soll auch die Frage danach nicht unbeachtet bleiben, ob diese Lebenskraft überhaupt tatsächlich existiert.

Wird der Atem aus einer modernen, naturwissenschaftlichen Perspektive heraus betrachtet, so offenbart er sich als ein Austausch von Gasen. Dies ist sicherlich richtig und auch interessant, aber da die meisten Leserinnen und Leser über diese Prozesse wohl ausreichend informiert sein dürften, verzichte ich darauf, diese Vorgänge genauer zu beleuchten.

Wichtig aber ist nun das Folgende: Die Naturwissenschaften arbeiten mit ganz bestimmten Methoden und kommen dadurch zu bestimmten Ergebnissen. Andere Künste und Wissenschaften können jedoch zu anderen Ergebnissen gelangen, indem sie andere Wege beschreiten. Das Wort 'Methode' nämlich kommt aus dem Alt-Griechischen von ἡ ὁδός (= der Weg) und der Präposition μετά (= mit/mittels/gemäß) und bezeichnet einen bestimmten Weg, eine feste Herangehensweise, gemäß welcher verfahren wird. Die Ergebnisse, welche aus den verschiedenen Herangehensweisen resultieren, können einander somit ergänzen und müssen nicht als Widersprüche aufgefasst werden.

Ebenso verhält es sich in Bezug auf den Atem. Verschiedene Mysterientraditionen aus den unterschiedlichen Kulturen der Welt sehen noch etwas anderes im Atem als den bloßen Austausch von Gasen. Etwas Unwägbares, bislang Unmessbares, so behaupten diese Traditionen, liege der Atmung zugrunde: Die Lebenskraft. Im fernen Asien heißt diese üblicherweise Qi, im Sanskrit und somit im Yoga spricht man vom Prana und in den westlichen Mysterienschulen trägt sie zumeist den Namen Od. Diese Lebenskraft - Od, Prana, Qi - so heißt es, liege allen Lebensäußerungen zugrunde.

Ying Yang - ewigeweisheit.de

Ying und Yang als Symbol für das Qi im Daoismus, welches beide Polaritäten in sich vereint (cc).

Das Prana - ich verwende die Ausdrücke im Folgenden synonym - bildet das Zwischenglied zwischen Geist und Materie. Es ermöglicht die gegenseitige Wechselwirkung und somit alles, was der Mensch als Leben bezeichnet. Es lässt sich durch die verschiedensten praktische Übungen kontrollieren, ansammeln und ausströmen und bildet das Medium für die unterschiedlichsten spirituellen und magischen Praktiken: Durch das Prana können Menschen heilen (auch das Reiki beruht in seiner Wirkung auf dem Prana), besondere Bewusstseinszustände erlangen, die ungewöhnlichsten körperlichen Leistungen vollbringen (besonders eindrucksvoll im Qi Gong und Kung Fu), Energien z.B. von der Sonne, dem Mond oder der Natur aufnehmen und magische Phänomene bewirken.

Das Thema Lebenskraft hat gewiss eine eigene, umfassende Untersuchung verdient, doch in diesem Artikel möchte ich es bei dem Gedanken belassen, dass es überhaupt eine Lebenskraft gibt und dass der Atem ein besonderes Medium darstellt, um mit dieser Kraft in Kontakt zu treten und zu interagieren. Eine Frage allerdings soll noch behandelt werden: Gibt es diese Lebenskraft, Qi, Prana, Od, denn tatsächlich oder handelt es sich dabei doch eher um ein Gespinst von spirituellen Romantikern und verqueren Esoterikern?

Nun, beantworten möchte ich diese sich nicht ganz einfache Frage durch eine persönliche Anekdote: Gegen Ende meiner Schulzeit wohnte ich in München. Damals übte ich mich über etwa vier Jahre im Shaolin Kung Fu (Wushu) an der WuYuan Schule bei Meister Sun Jianguo. Stets war ich sehr beeindruckt von den körperlichen Fähigkeiten, der Schnelligkeit, der Gewandtheit und der Aufmerksamkeit meines Meisters. Zur gleichen Zeit absolvierte ich gerade mein Abitur am naturwissenschaftlichen Zweig eines Gymnasiums im Münchner Landkreis.

Nun kam es gelegentlich vor, dass der Meister vom Qi sprach, welches man fließen lassen könne und welches für die richtigen Bewegungen wichtig sei. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich damals innerlich fragte: "Vom Qi habe ich niemals etwas in der Schule gehört, weder in Biologie noch in Physik oder Chemie. Was soll dieses Qi also sein?" Für mich ließ dieser Umstand nur die zwei folgenden Schlüsse zu: Entweder ist diese Kraft den Naturwissenschaften und meinen Lehrern nicht bekannt, oder der Meister, den ich, wie bereits gesagt, in vielerlei Hinsicht für seine praktischen Fähigkeiten bewunderte, dieser Mann - mit Verlaub - glaubt wohl an Märchen, was dieses Qi betrifft. Und so traurig es auch klingen mag, so nachvollziehbar ist es irgendwie: Damals hielt ich die zweite Variante für die deutlich wahrscheinlichere Antwort und fand mich damit ab, dass das sogenannte Qi wohl eher ein chinesisches Märchen sei und für meine praktische Übung nicht relevant...

Was möchte ich mit dieser Geschichte sagen? Zum einen, dass der westliche, rationale Mensch häufig ein sehr großes Vertrauen in die alleinige Wahrheit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis legt. Dies grenzt zuweilen an einen Dogmatismus, der genau genommen alles andere als rational ist: Der unbegründete Glaube an dasjenige Weltbild, in welchem ich aufgewachsen bin. Zum anderen, dass sich die Frage nach der tatsächlichen Existenz der Lebenskraft zumindest bislang nur auf eine subjektive, empirische und praktische Weise ergründen lässt - durch eigene Versuche, Forschungen und Erfahrungen.

Viele Jahre später kam ich mit Yoga und westlicher Magie in Berührung. Ich experimentierte selbst mit Atemübungen, Pranayama und anderen Techniken, um 'das Qi fließen zu lassen'. Irgendwann gehörte es für mich fast schon zu den Selbstverständlichkeiten, dass ich spürte, wie das Qi fließt. Und heute bin ich persönlich von dessen Existenz genauso überzeugt, wie von der Existenz meines eigenen Herzschlags. Aber die Leserinnen und Leser dieses Artikels werden es auch nicht unbedingt glauben müssen oder können, nur weil ich von meiner persönlichen Erfahrung berichte. Die eigene Erfahrung ist unverzichtbar - und dies gilt wohl auch für alle anderen Bereiche der Magie, der Mystik und der Spiritualität.

Der Quantenphysiker Werner Heisenberg erwähnte einst die interessante und sinnvolle Unterscheidung zwischen Realität und Wirklichkeit (vgl.: Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. München: 1988, S. 23): Realität, von der lateinischen res (die Sache) herkommend, umfasst für ihn die wahrnehmbaren Gegenstände, wie etwa einen Stuhl oder einen Tisch. Zur Wirklichkeit wiederum gehört für ihn alles, was eine Wirkung hat. So z.B. die Elektronen, welche dem Menschen zwar nicht als Sache entgegentreten, deren Wirkung und Wirklichkeit sich allerdings während der Lektüre dieses Textes auf einem elektronischen Bildschirm schwer verleugnen lässt.

Das Od ist eine Wirklichkeit, auch wenn es nicht Teil der Realität ist. Es ist keine sinnlich wahrnehmbare Sache, aber wer sich in der Praxis damit auseinandersetzt, der wird früher oder später kaum verneinen können, dass es spürbar auf ihn wirkt. Wer die Lebenskraft erkennen will, der muss sich praktisch mit ihr beschäftigen. Da hilft leider kein Bücherlesen... Einige sehr schöne und empfehlenswerte Gedanken zum Verhältnis von Bücherwissen und erlerntem/erfahrenen Wissen finden sich übrigens auch im platonischen Mythos von der Erfindung der Schrift (Platon: Phaidros 274e1 - 275b2).

Vielleicht hat die oder der eine oder andere nun bereits Lust bekommen selbst einige Experimente mit Atemübungen zu versuchen. Dies ist natürlich sehr zu begrüßen. An dieser Stelle ist allerdings der folgende Hinweis angebracht und unbedingt zu beachten: Atemübungen sind aus verschiedenen Gründen durchaus nicht ungefährlich. Wer sich also an die Praxis heranwagen möchte, dem sei hiermit wärmstens empfohlen, sich zuvor mindestens einmal gründlich zu informieren und nach Möglichkeit gerade am Anfang unter der Anleitung und Aufsicht eines erfahrenen Lehrers zu praktizieren! Ein empfehlenswertes Buch zur Vertiefung dieser Thematik ist: Licht auf Pranayama von B.K.S. Iyengar.

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