Vesica Piscis

Was ist »Heilige Geometrie«?

von S. Levent Oezkan

Michael Meier: Atalanta Fugiens - ewigeweisheit.de

Seit alter Zeit suchen Menschen nach den elementaren Strukturen die unserer geschaffenen Welt ihre Gestalt gaben – sowohl im winzig Kleinen, als auch in der Welt des riesig Großen. Wo in dieser kosmischen Ordnung befindet sich der Mensch, um darin in Harmonie mit den natürlichen Kreisläufen auf der Erde und im Himmel zu leben?

Mit Antworten auf diese große Frage, sollte der Mensch die Fähigkeit erwerben, alle jenseitigen Einflüsse in seinem Leben bewusst zu integrieren, auch wenn sie sich seiner Macht praktisch entzogen. Seine Fähigkeit zu messen und abzubilden aber, lehrten ihn die periodischen Aspekte von Werden, Sein und Vergehen in der Natur der Erde zu bestimmen und dabei zu beobachten, wie das im Einklang steht mit dem Verlauf der Himmelslichter.

Er erkannte in den irdischen und himmlischen Kreisläufen besondere Muster, aus denen er ableiteten konnte, wie er sein Verhalten anzupassen hatte, als sesshaft gewordener Mensch. Hieraus entwarf er Pläne, nach denen er zuerst einmal sein Tun ausrichtete, um damit schließlich seine Lebensgrundlage auf Erden zu sichern. Was er dafür aber zu vermessen hatte, verstand er als Teil einer großen Mutter Erde: das Land mit seinen Ebenen und Bergen, mit den darin verlaufenden Flüssen, den Seen, den Wiesen und Wäldern.

Den alten Griechen war die Erde als Mutter »Gaia« darum heilig. Kein Zufall dass man durch die dabei zur Anwendung kommenden Methoden, zur Bezeichnung »Geometrie« fand, ein Ausdruck der wörtlich die »Vermessung Gaias« tituliert. Diese Maß-Nahmen erfolgten direkt – geometrisch – wie auch indirekt – astrometrisch. Was das bedeutet, dem wollen wir uns im Folgenden zuwenden.

Sakralbauten

Seit mindestens 5.000 Jahren vermessen Menschen Land und Himmel – was sowohl an den Ufern des Indus in Fernost geschah, an Euphrat und Tigris Mesopotamiens, am Nil in Afrika oder anderswo auf unserem Planeten.

Schon sehr früh begannen die Ägypter heiliges Maß anzulegen, um ihre monumentalen Bauwerke zu errichten, die ja ganz und gar auf bestimmte Himmelslichter ausgerichtet zu sein scheinen. Was man dort als Tempel oder Pyramide geometrisch abgestimmt gestaltete, waren zuerst Sakralbauten, die an manchen jahreszeitlichen Ereignissen, dem Stand heiliger Sterne entsprachen. Auch die Tolteken Mexikos konstruierten nach solcher Maßgabe ihre Tempel und Pyramiden.

Was an Lichtern vom Nachthimmel auf Erden fiel, dessen Spiegelungen folgte man, im Glauben an die Weisungen einer Gottheit. Das war mal die leuchtende Schwanzfederschlange – der toltekische Quetzalcoatl – der in seiner Brust als Herz den Planeten Venus trug – oder weitab von dort, die ägyptische Göttin Sopdet, die man im funkelnden Stern Sirius verehrte. Beim Bau der Großen Pyramiden Ägyptens berücksichtigte man solch astrometrische Richtmarken, da sie der Priesterschaft erlaubte über die Zeitpunkte sakraler Rituale zu entscheiden.

Gott als Geometer – ewigeweisheit.de

Gott als Erschaffer des Universums: Frontispiz der Bible moralisée in der Bilderhandschrift Codex Vindobonensis (um 1225).

Mit Zirkel und Lineal – sonst nichts?

Wenn wir den Geometrie-Begriff zuvor einführten, als ein Vermessen der Erde, ist damit natürlich nicht nur das Anlegen von Maßstäben gemeint. Das Messen nämlich, als eine Beschreibung von Größen und Verhältnissen mittels Zahlenwerten, ist noch verhältnismäßig jung. Erst um ca. 500 n. Chr. kamen die Zahlen über die Araber aus Indien nach Europa und erst sehr viel später in den deutschsprachigen Raum (im 15. Jahrhundert durch Adam Riese). Vorher maß man anders, sagen wir »intuitiver« – was jedoch nichts mit Ungenauigkeit zu tun hat. Bevor das aus Fernost stammende, sogenannte dezimale Stellenwertsystem der Zahlen Verwendung fand, bediente man sich natürlicher Maße als Einheit, deren Werte man durch gekonnte geometrische Konstruktionen entsprechend anordnete.

Wenn hier von Werten und Maßen die Rede ist, sind damit vor allem so Größen wie Teile, Winkel und Bogenlängen gemeint. Denn alles was die Geometer seit alter Zeit in ihrer Arbeit verwenden, sind Zirkel, Stift und Lineal.

Bereits im antiken Rom kamen Zirkel zum Einsatz, wie archäologische Funde beweisen. Stifte und andere Zeichengeräte, verwenden Menschen seit mindestens 36.000 Jahren, wobei man meist Kohlen oder weiche Mineralien als Farbsubstanz benutzte. Die ersten Lineale waren aus Knochen oder Horn verfertigt, da diese wegen ihrer Härte, auch ihre Form beibehalten. Auch Elfenbein erfüllte diesen Zweck.

Auf jeden Fall hat sich an der Einfachheit dieser drei grundsätzlichen Handwerkszeuge nichts geändert. Seit alter Zeit wissen Geometer, Architekten und Grafiker, wie sich damit jede nur erdenkliche Form zeichnen und geometrische Figuren konstruieren lassen. Was in alter Zeit zuerst auf Stein, auf Holz und dann auch auf Pergament dargestellt wurde, sollte schließlich durch besondere Arten von Papier zur Vollkommenheit gelangen.

Maße jenseits der Vernunft

Aus unserer Fähigkeit Raum zu erleben, erkennen wir normalerweise, durch die in der Architektur zur Anwendung kommenden geometrischen Wissenschaften, was uns an Gestaltungskräften umgibt. Und wenn wir oben von Intuition sprachen, die die Architekten auch beim Bau sakraler Bauwerke verwendeten, war damit insbesondere das gemeint, was die dabei tatsächlich angewendeten Maßverhältnisse anbelangt. Besonders zwei Größen sind hierbei von Belang:

  • die Zahl Pi (griechisch π), zur Bemessung der Bogenlänge und anderer Maße des Kreises, wie
  • die Zahl Phi (griechisch φ), aus der sich das Goldene Maß ableitet, ein überall in der Natur vorkommendes Verhältnis, dass wir normalerweise als harmonisch empfinden, sei es als das Verhältnis der Gesichts- und Körperglieder beim Menschen oder etwa in der Anordnung der Blätter einer Rose.

Schon im alten Ägypten bereite den Hohepriestern die Zahl Pi wohl mit auch Kopfzerbrechen. Ein näherndes Verhältnismaß sollte jedoch ausreichen (wie etwa im Ahmes Papyrus der mit der Formel 4×(8/9)2 als Annäherung an die Kreiszahl Pi arbeitet). Denn Pi ist eine Zahl, wie ebenso Phi, die die Mathematik heute als »irrational« bezeichnet: ein Wert also, der sich dem logischem Denken entzieht.

Beides sind Zahlen, die nicht durch mathematische Brüche darstellbar sind und deren Ziffern nach dem Komma, sich niemals wiederholen, sondern bis in die Unendlichkeit immer wieder in eine andere Ziffer umformen. Wer darüber etwas nachsinnt, dem dürfte einleuchten, wieso sie insbesondere für die Heilige Geometrie von besonderem Belang sind. Sie basieren quasi auf einer Geometrie die göttlich ist, und sich darum ganz und gar dem menschlichen Verstand entzieht. Denn selbst wenn Mathematiker zu den Zahlen Pi und Phi sehr präzise Annäherungen fanden, erhielte man, selbst wenn die klügsten Computer alle Ziffern dieser beiden Zahlen ermitteln wollten, dennoch kein Ergebnis, selbst wenn sie rechneten bis ans Ende der Zeit.

Pi und Phi bilden also keine Verhältnisse und lassen sich darum auch nicht berechnen. Beeindruckend aber ist, dass, wer mit dem Zirkel geometrisch konstruiert, das immer im Verhältnis zu diesen beiden Maßen tut.

Über die Vermessung der Heiligen Bezirke

Wie auch immer man diese Werkzeuge und gefundenen Maße verwendet, dienten sie zuerst einem sakralen Zweck, um damit etwa jene zu Anfangs angedeuteten Jahresfeste genau zu berechnen. Über die Beobachtung und Messung der Himmelsbewegungen, sowie der daraus gewonnenen Erkenntnisse, zeichnete man die ersten geometrischen Formen zur Hilfe dessen, was als Astronomie bekannt ist: die Kultusgesetzte der Sterne. Was sich also dort im Himmel und entsprechen auch auf der Erde an besonderen Formen und Maßen ablesen ließ, ging mehr und mehr über in eine Verwendung der dabei ermittelten Maße für kultische Handlungen.

So ermittelte Daten setzten die Zeitpunkte für sakrale Feierlichkeiten fest, die man an besonderen Orten beging: den Temenoi. Dorthin hatten einst nur jene Zugang, die für ein Volk oder eine Gemeinschaft, eine wichtige religiöser Rolle spielten – sei es etwa als Häuptling eines Stammes, als Priesterschaft oder auch als König eines Reiches. Ein Temenos (Einzahl von Temenoi) ist ein heiliger Bezirk, nach dem sich entsprechend spirituell Gesinnte oder Religionsangehörige in ihren Gebeten ausrichten.

Zu den weltweit bekanntesten Temenoi zählt etwa die Kaaba im arabischen Mekka. Den alten Griechen aber galt die Akropolis in Athen als Temenos, den Juden der Hof des Salomonischen Tempels zu Jerusalem, den Israeliten, auf ihrer Wanderung durch den Sinai, der Gipfel des Mosesberges. Abstrakteste Form dessen, was man Temenos nennt, ist wohl der Berg Kailash in Tibet, zu dem allerdings nur die Götter Zutritt haben, denn ihn zu besteigen ist Menschen bis heute untersagt.

Das Kalachakra-Mandala – ewigeweisheit.de

Kalachakra-Mandala, Tibet, 16. Jahrhundert.

Geometrie, Ritual und Intuition

Die Art und Weise, ja eigentlich die »Kunst«, sakraler Zeremonialhandlungen an solchen Orten, ist ganz und gar ausgerichtet auf eine besonders dafür entwickelte Heilige Geometrie. Denn durch die so, in sakraler Harmonie gezeichneten Formen, kann die Priesterschaft den Gläubigen helfen, auch intuitiv dem rituellen Geschehen zu folgen.

Die keltischen Druiden von Stonehenge oder Avebury zum Beispiel, führten Teilnehmer während ihrer heiligen Zeremonien, entlang der Menhire. Aber auch christliche Kleriker heute, weisen die Mitglieder ihrer Gemeinden im Gottesdienst dazu an, auf besonderen Wegen durch die Kirche zu gehen, an jene Orte darin, wo sich eine rituelle Handlung ereignet. Das kann etwa der Mittelgang einer Kathedrale sein, über den die Gläubigen sich zum Altar bewegen, um dort die Hostie zu empfangen. Heilige Geometrie dabei aber ist auch, was den darin Beteiligten peripher die höheren Wahrheiten des Geschehens suggeriert, scheint doch jedes architektonische Element eines Sakralbaues, seinen dafür vorgesehenen Zweck zu erfüllen.

Wegen der Kenntnis ihrer eigentlich wichtigen Bedeutung für die entsprechenden Kulthandlungen, verwendete man die dafür entwickelten Wegmarker, Symbole und großflächigen geometrischen Strukturen, dann später um jene sakralen Bauwerke zu markieren und darin auch physisch zu fixieren. Nicht zufällig etwa finden sich jene berühmten Formen, wie etwa das Hexagramm, die Vesica Piscis oder die Blume des Lebens, als sakrale Verzierungen in vielen verschiedenen antiken Bauwerken und zwar sowohl bei den Menschheitskulturen des Westens und des Ostens.

Wichtigster Zweck heiliger Geometrie ist, dem Betrachter durch darin verwendete, typische Bilder und Formen, zur Erkenntnis zu verhelfen, über das Wesen des Seins. In solch heiliger Kunst werden die Weisheiten und die sich daraus ergebenden Ritualhandlungen vermittelt.

Mandalas in Tibet

Die wohl berühmteste Ornamentfigur der tibetischen Buddhisten, ist das Kalachakra-Mandala – das Rad der Zeit. Ein Mandala ist ein Symbol für die esoterische Struktur des Universum, dass in Buddhismus und Hinduismus, insbesondere in der Meditation zum Ausdruck kommt. Vor allem für die Praktizierenden im sogenannten Vajrayana, dem Diamantenen-Fahrzeug des tibetischen Buddhismus, spielt das Kalachakra eine bedeutende Rolle. All die vielen Details in diesem charakteristischen Mandala, zeigen sich dem Meditierenden vielleicht zuerst im Außen, doch bilden eigentlich eine Landkarte für das Innere seines Bewusstseins.

Nicht zufällig nun, findet die eigentliche Zeremonie der Kalachakra-Einweihung getrennt statt von dem, was die Mönche da in einem anderen Raum (oder dafür vorgesehenen Ort) aus farbigem Sand als Mandala herstellen. Bereits da aber befinden sich die Mönche in achtsam-meditativer Konzentration. Denn nur so lassen sich die darin enthaltenen Elemente der Tradition entsprechend abbilden. Nach dem äußeren Zeremoniell mit den Teilnehmenden, haben diese dann Zutritt zu dem fertiggestellten Kalachakra-Sand-Mandala. Dieses Abbild eines heiligen Mandala basiert vollständig auf der Harmonie einer sakralen Raumlehre. Seine Bestandteile aber repräsentieren den Palast eines Buddha, durch den sich der Eingeweihte in seinem Innern bewegt.

Das alle Form aber, wie auch die Heilige Geometrie des Kalachakra-Mandala, an Zeit gebunden ist, endet dieses heilige Zeremoniell mit der Zerstörung des dafür hergestellten Bildes. Der farbige Sand wird also zusammengekehrt zu einem kleinen grauen Häufchen, das man daraufhin feierlich in die Fluten eines Flusses kippt.

Auch wir Menschen, deren Körper ja auch auf den Prinzipien der Heiligen Geometrie basieren, werden dereinst wohl zu Staub zerfallen sein, während sich die reinste Substanz unseres Inneren fortbewegt, im kosmischen Fluss der Zeit.

Verhältnis Pi zu Phi – ewigeweisheit.de

Die Breite und Höhe der Vesica Piscis (innen, schwarz), stehen im Verhältnis des Goldenen Maßes (Seiten des Rechtecks, grün).

Heilige Geometrie in der islamischen Kunst

Wegen des Bilderverbots im Glauben der Muslime, spielte insbesondere die Verwendung von geometrischen Mustern, die auf Grundlage sakraler Strukturen entwickelt werden können, schon immer eine ganz zentrale Rolle. Natürlich führte das in der islamischen Kunst zu einer ganz eigenen Kultur optischer Gestaltung.

Die typischen geometrischen Arabesken sind meist zusammengefügt aus sich wiederholenden, und teils in sich verstrebten Quadraten, Kreisen und anderen Formen Heiliger Geometrie. Hieraus ergeben sich komplexe Muster, die den Geist ihrer Betrachter durchaus zu zerstreuen vermögen – allerdings in positivem Sinne. Denn in meditativer Betrachtung lassen sich Gedanken auflösen, während die Blicke des Betenden, über solch geometrische Strukturen in der Moschee schweifen, seine Ohren aber geöffnet bleiben, um den Gesängen seines Imam zu lauschen.

Der englische Künstler Keith Critchlow (1933-2020) meinte gar, dass diese geometrischen Muster ihren Betrachter sogar zu einem tiefen Verständnis der darin befindlichen Realität zu führen vermögen.

Sakrale Kunst der Christen

Die christliche Sakralkunst versucht ihren Religionsmitgliedern eine Vision dessen greifbar zu machen, was durch das Erscheinen, den Leidensweg, den Tod und die Auferstehung Christi gelehrt werden soll. Im Mittelalter war so etwas für all jene von Bedeutung, die nicht lesen konnten, doch durch bildliche Darstellung jener geschilderten Christus-Geheimnisse, intuitiv die damit einhergehenden Wahrheiten erfahren sollten.

Wohl nicht zufällig erscheint der Christus Jesus in vielen sakralen Darstellungen, aus einer Vesica Piscis hervortretend, während ihn die vier Tierwesen umgeben: der Heiland als Repräsentation des Göttlichen Zentrums, aus dem die Frohe Botschaft als Christuslicht in die vier Weltecken strahlt, sichtbar geworden in den Schriften der vier Evangelisten, wo ein Mensch den Matthäus symbolisiert, ein Löwe den Markus, ein Stier Lukas und ein Adler Johannes. Das sind bildhafte Anspielungen auf das, was dem Gläubigen bekannt ist, doch ihm in seinem Betrachten helfen soll (zum Beispiel einer christlichen Ikone), die darin verborgene Mystik intuitiv und als Ganzes zu erfassen.

Was sich darin als Vierheit zeigt, erscheint natürlich wieder in der Form des Kreuzes. Das Kreuz in einen Kreis gefasst aber, wird zum astrologischen Zeichen für die Erde. Im Paganismus etwa nennt man dieses heilige Symbol das »Sonnenrad«. In allen Fällen aber finden wir darin den Hinweis auf ein Zusammenwirken solarer und irdischer Symbolik.

Im Christentum ist das eine Allegorie auf den Messias Jesus als Gottesebenbild des Solaren, der am Kreuz hingerichtet, ein Sinnbild formt, für unsere irdische Katharsis. Wenn da also ein christlicher Leidensweg am viergliedrigen Kreuze endet und ein auferstandener Christus etwa aus der Vesica Piscis hervortritt: suggeriert das nicht auch den Weg, den ein Mensch als eine im irdischen Körper geborene Seele durchlebt und erleidet und ihn endlich mit dem Tod zum Auferstehen aus der Polarität führt, wieder zurück in die Einheit?

Sicherlich sind diese Symbole und auch andere Strukturen der Heiligen Geometrie, immer schon Mittel gewesen, um den Menschen in seinem irdischen Dasein Anhaltspunkte zu geben, die ihm in seinem Leben als Wegmarken dienen können, bis ans Ende seiner Tage.

Ganz im Sinne Gaias

Seit der Antike spricht man von insgesamt fünf exoterischen und esoterischen Schlüsseln. Sie helfen einem Menschen dabei sogenannte »Tore des Bewusstseins« zu öffnen, durch die einer Zugang finden kann, zum seinem wahren Selbst. Diese Schlüssel sind Kenntnisse in Physiologie, Psychologie, Astrologie, aus der Metaphysik und schließlich aus der Heiligen Geometrie. Das Sakrale letzteren Schlüssels, der Geometrie, aber dient der intuitiven Erkenntnis über das Wesen der eigenen Innenwelt – zu der die Verwendungen der anderen Schlüssel natürlich unterstützend beitragen sollen.

Wie sich daraus ableiten lässt, wurzelt die esoterische Wissenschaft der Heiligen Geometrie in der Beobachtung der natürlichen Vorgänge auf der Erde und im Himmel. Die darin wirksamen mathematischen Prinzipien, zeigen sich in unzähligen Strukturen der Natur. Man denke etwa an den Aufbau der Kerne in der Blüte einer Sonnenblume, die in manchen Pflanzen vollkommen akkurate, geometrische Muster hervorbringen.

Die Sonnenblume – ewigeweisheit.de

Die Anordnung der Kerne in der Blüte der Sonnenblume, weist hin auf das Goldene Maß.

Doch auch Tiere finden sich, die solch geordnete, geometrische Strukturen bilden, wie etwa das Schiffsboot, einem Meeresweichtier dessen Muschel aus einer logarithmischen Spirale besteht, wobei ihre Grundform immer die selbe bleibt.

Besonders deutlich sieht man das aber bei den Bienen, mit ihren perfekt geformten Waben, in den sie ihren Honig speichern. Interessant dabei ist, dass die ringförmigen Moleküle der beiden Hauptbestandteile des Honigs, Traubenzucker und Fruchtzucker, sich auch molekularer Ebene jeweils wieder aus solchen Waben zusammensetzen.

Es scheint darum naheliegend, dass, bei der Erkenntnis solcher Zusammenhänge, es immer Denker gab, die daraus besondere, ganz eindeutige Muster abzuleiten wussten, die schließlich zu den charakteristischen Formen der Heiligen Geometrie wurden. Die Vesica Piscis, die Blume des Lebens, das Hexagramm, das Pentagramm oder die Spirale, wie auch die platonischen Körper, spielen eine signifikante Rolle, um natürliche Phänomene zu veranschaulichen, die uns beim Menschen, bei Tieren, Pflanzen und Mineralien begegnen.

In alter Zeit und auch heute noch, sehen darin manche eine Art geometrische Vorlage, aus der die Gottheit das erschuf, was sich dann als geistige Struktur in der Welt manifestieren sollte. Was sich aus solch einem Verständnis über die Ursprünge unseres energetisch-materiellen Universum später entwickelte, ging ein in die sakrale Baukunst der Kirchen, Synagogen und Moscheen, ebenso wie auch in die Architektur der Tempelbauten in Hinduismus und Buddhismus, wie auch in jene Heiligtümer anderer alter Kulturen unserer Welt.
 

Heilige Geometrie ist eine universale Kunst, die versucht in den Erscheinungen der Natur, Muster zu entdecken, und aus den so gewonnenen Erkenntnissen abzuleiten, dass solcher Art Strukturen auf unseren Geist ordnend wirken. Es sind geometrische Muster die ihre Form behalten, unabhängig von Zeit, Raum und Materie. Alle Heilige Geometrie aber liefert feinstoffliche Vorbilder, nach deren Maß sich die Welt gestalten ließe.

So ist es möglich, manche dieser geometrischen Grundstrukturen als »heilig« zu würdigen, da sie durch ihre Ordnung und ihre systematisch konstruierten Formen, an sich unveränderlich bleiben. Wer sich also zu verbinden vermag, mit dieser Art Formen, ist einer, der den Großen Mysterien der Welt einen Schritt näher gekommen ist und dem dabei der große Weltenbau als Ganzes erscheinen dürfte. Er selbst kann sich damit als Teil dessen in Kontakt bringen – ihren Mustern, ihren Formen und Verbindungen, den Gesetzen dieser Heiligen Geometrie – die unseren geschaffenen Kosmos »im Innersten zusammenhält«.

 

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Vom Sechstagewerk zur Blume des Lebens

von S. Levent Oezkan

Lebensblume - ewigeweisheit.de

Aus dem Buch Genesis entnehmen wir, dass die Welt in sieben Tagen entstand. Es waren jedoch sechs Tage der Schöpfung und ein Tag, an dem Gott sein Werk für gut befand und darauf ruhte. Für diesen Zyklus, der mit dem achten Tag von Neuem beginnt, doch auf höherer Ebene, steht als Symbol zuerst der Kreis mit seinem Zentrum .

Und es sind 360 Grade, durch die man den Bogen des Kreises durchläuft. Wenn es darin, laut Bibel, sechs Schöpfungintervalle gab, bezeichnet das im Kreis dann sechs mal 60 Grad, sowie einen zentralen Punkt der Ruhe – woraus sich eine aktive Sechsheit des Kreislaufs und eine passive Siebenheit des Zentrierung ergibt: Einer erschafft im Außen und zieht sich hernach in sich zurück, in sich Ruhe findend.

In der Wahrheit des Sechstagewerks, sind sich die drei westlichen Glaubensrichtungen Judentum, Christentum und Islam einig, auch wenn sie den siebten Tag der Ruhe an je einem anderem Wochentag (jüdischer Samstag, christlicher Sonntag, islamischer Freitag) feiern (sollen).

Jene Siebenheit im Zentrum dessen, was den Kreislauf des Lebens versinnbildlicht, darüber lesen wir in der Bibel von einem himmlische Thron. Von da aus betrachtete Gott ruhend seine Schöpfung:

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum dass er an demselben geruht hatte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte.

- Genesis 2:3

Blume des Lebens – ewigeweisheit.de

Die Blume der Schöpfung: Ein beliebtes Symbol für die in den ersten Kapiteln des biblischen Buches Genesis beschriebene Schöpfung der Welt, wo sechs äußere Kreise für das Sechstagewerk Gottes stehen, während der innere Kreis den siebten Tag darstellt, an dem Gott ruhte und »sah, dass es gut war«.

Was also geschaffen wurde und in Ruhe, in der Stille betrachtet werden kann, dass ist also die Sechsheit: Die Numerologie der manifestierten Welt, zum Sein geformte Materie und Energie.

Blume der Schöpfung

Nicht aber nur im Westen wird auf eine Sechsgliedrigkeit der Weltenschöpfung hingewiesen. Auch im chinesischen »Buch der Wandlungen«, dem I-Ging, begegnet man einer Sechsheit. 64 verschiedene Hexagramme (zum Beispiel ䷀ für den schöpferischen Himmel oder ䷁ für die empfängliche Erde) beschreiben darin den Kreislauf von Werden, Sein, Vergehen und Nichtsein.

Ein anderes Hexagramm gibt es im Judentum, dass daraus als »Davidstern« oder auch »Siegel Salomons« bekannt ist. Doch dieser Sechsstern taucht als Symbol ebenso im Christentum und im Islam auf. Man findet diesen Sechsstern außerdem in der Symbolik der Hermetik und esoterischen Astrologie.

Diese Figur aber ergibt sich auch aus dem Kreis, wenn man ihm sechs weitere Kreise geometrisch angepasst hinzufügt. Dann lässt sich damit ein perfektes Hexagramm, innerhalb des Kreises abbilden. Die Figur, die dabei quasi als Vorlage dient, ist aber an sich schon in ihrer Erscheinung vollkommen, weshalb man sie auch als die »Blume der Schöpfung« bezeichnet. In unserer Betrachtung sind es sieben Kreise, die dieses typische Symbol hervorbringen, dass manchmal auch als »Saat des Lebens« bezeichnet wird.

Aus diesem Urmuster der siebenfachen Blume der Schöpfung, lassen sich von den äußeren Schnittlinien ausgehend, nun weitere gleichgroße Kreise ziehen, aus denen sich ein Symbol ergibt, dem man eigentlich in der Kunst aller Traditionen der Welt begegnet. In jüngerer Zeit ging daraus auch der Begriff der »Blume des Lebens« hervor. Sie enthält noch weitere Kreisbogenelemente, die sich unbegrenzt nach außen hin erweitern lassen.

Blume des Lebens – ewigeweisheit.de

Eine Blume des Lebens aus 13 Kreisen. Den innersten dieser Kreise, nennt man, wegen seiner deutlich floralen Struktur, auch die »Saat des Lebens«.

Gängigste Variante ist die Lebensblume mit 19 Kreisen (Titelbild), eingefasst in einen großen Kreis. Dieses Symbol findet sich überall auf der Welt, in allen Kulturen (China, Indien, Ägypten, Griechenland und so weiter).

Manche sehen in dieser Form der Blume des Lebens eine der wichtigsten geometrischen Strukturen, die sowohl auf den Geist, doch angeblich auch ordnende und damit heilende Wirkung ausübt, auf die ätherische Grundstruktur, die den physisch-zellulären Körper des Menschen mit Energie versorgt.

Symbol der Manifestationen in der materiellen Welt

Die Variante der Blume des Lebens mit 19 Kreisen, gilt als wunderbare Wiedergabe dessen, was man als Grundgerüst aller physischen Realität bezeichnen könnte. Als solch feinstofflich gerasterte Architektur, sehen in ihr manche den geistigen Prototyp überhaupt allen Seins.

Auf Grund des engen Bezugs und der darin ja so vielfältig enthaltenen Formen von Kreis und Sechsheit, ist die sogenannte Blume des Lebens, durchaus ein Sinnbild sowohl für Raum, Zeit und Substanz.

Blume des Lebens – ewigeweisheit.de

Ein angedeuteter Raumwürfel, der sich perfekt in die Struktur der Lebensblume einpasst.

Ihr Aspekt der Räumlichkeit lässt sich zum Beispiel illustrieren, wenn man im Zentrum des Bildes zwölf Linien so zieht, dass daraus zuerst sechs gleichseitige Dreiecke entstehen, von denen je eine Ecke das Zentrum der Blume des Lebens berühren (siehe Abbildung). Zum Zwecke der besserer Veranschaulichen dieser Räumlichkeit, lassen sich drei dieser Linien dann punktiert abbilden, um dem Betrachter den Eindruck einer Würfelform zu suggerieren, was die in der Lebensblume enthaltene Dimension des Raumes sichtbar machen soll.

Der Würfel mit seinen sechs Oberflächen aber ist, wie ja auch das Hexagramm oder die innersten sechs »Blätter« der Lebensblume, ein Hinweis auf die eigentlich kristalline Struktur, auf der unsere materielle Welt basiert. Es lässt sich aus dieser Form nämlich eine der perfektesten Strukturen auf unserem Planeten ableiten: Das Kristall des Diamants – der härtesten Substanz überhaupt. Andererseits bricht sich im geschliffenen Diamanten (»Brillant«) das Licht in die sechs Farben des Regenbogens: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett.

Ein Diamant aber besteht aus reinem Kohlenstoff, der im Periodensystem der Chemischen Elemente, wiederum die Ordnungszahl Sechs hat (besteht er in seiner stabilen Modifikation doch aus sechs Protonen, sechs Neutronen und sechs Elektronen).

Kohlenstoff bildet die chemische Grundlage für alles biologische Leben auf unserem Planeten, sei es als Kohlenhydrate (zum Beispiel im Glukose-Stoffwechsel, in der Stärke der Nahrung oder als Zellulose des Holzes), wie auch in Proteinen (Eiweißstoffe aus denen sich die Körperzellen von Mensch und Tier zusammensetzen).

Die Zahl Sechs in den Zyklen von Mikrokosmos und Makrokosmos

Rohdiamant – ewigeweisheit.de

Ein ungeschliffener Diamant mit typischer Oktaeder-Form (Fundort: Südafrika; Foto: Robert M. Lavinsky; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 3.0)

In der sogenannten »Chaldäischen Reihe« der sieben klassischen Himmelskörper – Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond – entspricht der Sonne die Zahl Sechs, was ja in Hinsicht auf den solaren Zyklus in unserem Sonnensystem, mit dem zuvor Gesagten, durchaus interessant erscheinen dürfte. Denn die Sonne, als unser Zentralgestirn, lässt sich durchaus als Urbild erkennen dessen, was wir zu Anfangs als den sechstägigen Schöpfungskreislauf formulierten. Daher findet man in der esoterischen Astronomie der alten Weisen Chaldäas, auch einen Sechs-Stern (Davidstern), in dessen Zentrum sich das astrologische Symbol der Sonne befindet, worum die Symbole für den Merkur, für Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn angeordnet sind.

Das also das, was man als »zyklische Zeit« bezeichnen könnte, einen direkten Bezug zur Struktur dieser Blume des Lebens hat, könnte mit dem hier Gesagten weiterer Erklärungen entbehren, zumal ja auch die Sekunden und Minuten, wiederum als Vielfache der Zahl Sechs existieren, ebenso wie die 12 Stunden des Tages und die 12 Stunden der Nacht. Auch die Tage des Jahres, stehen ihrem Ursprung nach in Zusammenhang mit dem Teiler Sechs (60 x 6 = 360), denen jedoch noch fünf heilige Tage hinzugefügt wurden. Das man aber etwa in der Buchhaltung immer als Jahresteiler 360 verwendet, scheint hinzudeuten auf diese eigentliche, auf die materielle Welt bezogene Eigenschaft der hier beschriebenen Sechsheit der messbaren Zeit.

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Das Heilige Symbol der Vesica Piscis

von S. Levent Oezkan

Die Christus-Mandorla - ewigeweisheit.de

Überschneidet man zwei Kreise so, dass die Bögen ihrer Radien jeweils durch deren Mittelpunkte verlaufen, erhält man eine markante geometrische Gestalt, die, wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Schwimmblase eines Fisches, der lateinische Name »Vesica Piscis« bezeichnet: die Blase des Fisches.

Zwei ihrer charakteristischen Merkmale machen aus ihr eine Form hoher Relevanz.

Zum einen erscheint die Vesica Piscis als mathematische Figur bei Euklid (im 3. Jahrhundert v. Chr.), dem berühmten griechisch-ägyptischen Mathematiker aus Alexandria. Er verwendete diese Figur zur Konstruktion eines gleichseitigen Dreiecks.

Auch der englische Geistliche John Venn (1834-1923) machte von ihren spezifischen Eigenschaften Gebrauch. Von ihm stamm das, was die Mengenlehre das »Venn-Diagramm« nennt. Für dieses Diagramm wird im Zirkel der Radius beibehalten, den man für die Konstruktion des Vesica Piscis verwendete; die Nadel aber sticht jetzt in einen der beiden Schnittpunkte der Vesica Piscis, worum erneut ein Kreis selber Größe gezogen wird. Hiermit entsteht das markante Bild des Venn-Diagramms (siehe Abbildung).

Zirkel und Winkelmaß: Werkzeuge der Freimaurer

Venn Diagramm der Farben - ewigeweisheit.de

Venn-Diagramm zur Veranschaulichung der Vermischung von Farblicht.

Es dürfte kaum verwundern, dass Zirkel (von lateinisch »Circulus«, die Kreisbahn) wie auch Lineal, seit dem Altertum für die Menschen von Bedeutung waren. Sie nämlich ermöglichen jede nur erdenkliche geometrische Konstruktion durchzuführen. Einzige Neuerung, die in den Bauhütten der Steinmetzbruderschaften eingeführt wurde, sollte der sogenannte »Rechte Winkel« sein. Dass es hier aber eine direkte Verbindung gibt zu den Bruderschaften der Freimaurer, darauf deutet ja bereits deren Emblem: Der Buchstabe »G« zwischen geöffnetem Zirkel und Rechtem Winkel (was es mit dem sibyllinischen »G« auf sich hat, dazu ein andermal mehr).

In der Freimaurerei auf jeden Fall wird die Vesica Piscis auch als Symbol verwendet, insbesondere in Form der Kragen, die von Beamten der freimaurerischen Rituale getragen wurden.

Auch die geheimen Siegel der Freimaurerlogen werden stets mit einer Vesica Piscis umwunden. Schließlich wussten sie als Kirchenbauer von ihrer spirituellen Bedeutung für die christliche Bilderwelt. Denn kaum zufällig spielt die Vesica Piscis in der dort verwendeten Symbolik, Heraldik und Baukunst, eine bedeutende Rolle. Besonders die Kathedrale im französischen Chartres, scheint viele Beispiele für die Verwendung der Vesica Piscis zu geben.

Die christliche Mandorla

In der christlichen Kunst findet man die Vesica Piscis vor allem in Darstellungen des Jesus Christus (siehe auch Titelbild), der meist aus ihr heraussteigt oder manchmal auch darin sitzt oder daraus hervortritt. So etwa enthält auch das berühmte Symbol des Ichthys (Aussprache des griechischen Akronyms »ΙΧΘΥΣ«: Jesus der Gesalbte Gottes Sohn Erlöser), das einen Fisch zeigt (typisches Symbol der Christenheit), die Form der Vesica Piscis.

Vesica Piscis, Chalice Well Brunnen im südenglischen Glastonbury - ewigeweisheit.de

Hier sieht man eine geschmiedete  Vesica Piscis, die sich auf der Innenseite des Deckels befindet, der den Brunnen Chalice Well im südenglischen Glastonbury schließt.

Aus gutem Grund also war dieses Symbol oft Gegenstand mystischer Spekulationen. Schon die Pythagoreer betrachteten die Vesica Piscis als heilige Figur. Sie benannten die Proportionen zwischen der Breite und der Höhe des Vesica-Piscis-Diagramms, in einem Verhältnis von 265: 153, was einer sehr guten Annäherung an die mathematische Quadratwurzel aus 3 entspricht: einem Faktor, der sich ergibt aus der Höhe zwischen der Linie der beiden Kreismittelpunkte (linker und rechter Kreis zur Konstruktion der Vesica Piscis) und dem Schnittpunkt der beiden Kreise.

Interessant dabei ist, dass der Teiler 153, eine bedeutende Zahl in der christlichen Mystik darstellt. Man findet die Zahl 153 zum Beispiel im Evangelium Johanni 21:11:

Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

Diese Zahl jedoch hat noch weitere numerologische Bedeutungen in der christlichen Mystik, auf die an dieser Stelle jedoch nicht eingegangen werden kann (siehe aber im Lehrbuch der Numerologie von Johan von Kirschner).

Als Mandorla bezeichnet (lateinisch für »Mandel«), steht die Vesica Piscis als Symbol für den sichtbaren Ausdruck der Licht- und Heilskraft Christi. Als solche war sie im Mittelalter heiliges Sinnbild für alles Gottes- und Weltverständnis.

Ihrer Form gemäß lässt sich die Vesica Piscis durchaus auch als stilisierte Vulva interpretieren, wo sie quasi als Ursprung allen Lebens gilt (wie insbesondere Mariens Geburt des Heilands).

Im südenglischen Glastonbury (manche nennen den Ort »Avalon«), das ganz bedeutend ist für die Sage um König Artus, Morgan Le Fey und auch die Gralslegende, findet sich eine stilisierte Version der Vesica Piscis: da nämlich ist sie eingearbeitet in den Deckel eines Brunnens mit dem Namen »Chalice Well« (englisch für »Kelchbrunnen«, das heißt also »Brunnen des Grals«).

 

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