Vier Jahreszeiten

Der magische Jahreskreis im Wicca

von S. Levent Oezkan

Pan und Diana - ewigeweisheit.de

Der Wicca-Jahreszyklus ist in acht Abschnitte gegliedert, deren Übergänge als sakrale Feste des Lebens gefeiert werden. Es ist der Wechsel des Sonnenstandes der den Jahreszeiten folgt. Gemäß der geheimen Gesetze von Sonne, Mond und Erde, besäten, pflegten, jäteten und beernteten, schon in alter Zeit Kelten und Germanen ihre Äcker und Haine.

Die aktiven und ruhenden Vegetationsphasen im Jahreslauf, hängen zusammen, wie jeder weiß, mit der Gegenwart und Abwesenheit des Lichts und der Wärme der Sonnenstrahlen. Von der Aussaat zur Reife bis zur Ernte – also vom Winter, Frühling, Sommer bis in den Herbst – gebiert unsere Mutter Erde in sozusagen neun Monaten unsere Nahrung. In den folgenden drei Monaten welkt das Stroh auf den Feldern, Bäume werfen ihr Laub ab. So stehen sich gegenüber: neun Monate Leben und drei Monate Sterben.

Im Jahreskreis markieren Sonnenwenden (Solstitien) und Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) vier Punkte, von denen sich je zwei gegenüber liegen. Sie markieren die Mitten der vier Jahreszeiten. Seit alters her feierten Menschen zu diesen Zeitpunkten gemeinschaftlich große Feste.
Jene Tradition ist also schon sehr alt und begann vielleicht vor etwas weniger als 12.000 Jahren (es könnte sein, dass vor dieser Zeit, die Achslage der Erde, eine andere Neigung hatte, etwas, dass sich natürlich auf die Jahreszeiten auswirkt).

Am Anfang jener oben angedeuteten dreimonatigen Ruhephase jedoch, feierte man in alter Zeit, nach den Erntefesten die großen Mysterien. Da wurden die Aspiranten eingeweiht in das Geheimnis des Todes. Jener uralte Ritus lebt heute in der freimaurerischen Tradition fort.
Es heißt, dass nach neun Monaten im Mutterleib (Leben) und drei Monaten im Tempel (Sterben), der wahre Mensch geboren wird.

Genau zwischen diesen vier jahreszeitlichen Festen, feiern jüngere, synkretistische Religionen, wie etwa die Wicca-Hexenreligion, außerdem noch weitere vier Feste. Sie bilden gemeinsam mit den vier Sonnenfesten, den oben bereits angedeuteten, achtfältigen Jahreskreis. Für jene, sich daraus ergebenden acht Jahresfeste, stehen die acht Speichen des sogenannten Sonnenrades – einem universalen Symbol, woraus der Eingeweihte Gesetz, Recht und seine ethisch-religiösen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft abzulesen vermag.

In der Religion des Wicca jedoch, beschreibt jeder Abschnitt, der durch eine dieser acht Speichen des Sonnenrad begrenzt wird, die Liebschaften eines heiligen Paares – repräsentiert durch die Mondgöttin Diana - und Pan, den gehörnten Gott der wilden Erde.

Die acht Hexensabbate

Wenn Angehörige des Wicca über diese acht großen Jahresfeste sprechen, ist die Rede von den Sabbaten – einem Begriff jüdischen Ursprungs (Schabbat: Ruhetag). Das Wesen der Wicca-Feste jedoch, worüber wir im Folgenden sprechen wollen, sind durchtränkt von antiken, solaren und lunaren Mythen und Symbolen. Mit den alten abrahamitischen Kulten haben sie nur wenig gemeinsam. Und doch: Titel, Zeitpunkte und Gebräuche dieser Feste, weisen zum Teil hin auf den eigentlich heidnischen Ursprung, heute gefeirter christlicher Hochfeste.

Jene Mythen, die im Wicca von Bedeutung sind, weisen hin auf das »Leben« von Sonne und Mond – das heißt, auf ihre astronomischen Bewegungen im Jahreslauf. Auch der Mond hat, ähnlich der Vierheit der solaren Jahreszeiten, ebenso vier Hauptphasen: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond. Die acht Hexensabbate des Wicca nun, sind in diesen, jeweils vier solaren und lunaren Lichtphasen, untereinander verbunden.

Insbesondere wichtig für Anhänger der Wicca-Tradition aber ist, ob sie sich auf der nördlichen oder auf der südlichen Hemisphäre der Erde befinden. Denn je nach entsprechendem Aufenthaltsort, spielen sich die Jahreszeiten dort jeweils entgegengesetzt ab. Darum feiert man auf der Südhalbkugel jene acht Jahresfeste in umgekehrter Reihenfolge.

Neben den acht Hauptfesten, gibt es aber noch weitere 13 Hexensabbate, die bei Vollmond oder manchmal auch bei Neumond gefeiert werden. Sie gelten als besonders wirksame, magische Arbeitstage. 
Wir wollen uns im Folgenden jedoch insbesondere mit den acht Hauptfesten beschäftigen.

Große Sabbate: Feuer- und Mondfeste

Die vier Lichtfeste zu Ehren der Mondgöttin – Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh – sind im Wicca von übergeordneter Bedeutung.
Sie finden genau in der Mitte, zwischen je zwei solaren Festen statt, weshalb man sie auch Kreuz-Viertel-Tage nennt. Für die genau Bestimmung dieser Tage, verwenden die Wicca-Priesterinnen und -Priester aber tatsächlich unterschiedliche Methoden. Normalerweise aber gelten kalendarische Daten, die sich aus solaren und lunaren Lichtphasen ergeben – im Zusammenwirken von Jahreszeit und Mondphase.

Außerdem werden diese vier großen Wicca-Feste, von bestimmten astrologischen Qualitäten bestimmt, die den vier Fixzeichen entsprechen: Skorpion, Wassermann, Stier und Löwe.

Kleine Sabbate: Sonnenfeste

Die vier solaren Feste zu Ehren des Sonnengottes – Jul, Ostara, Litha und Mabon – bestimmen die vier astronomischen Positionen der Sonne im Wechsel der Jahreszeiten: Wintersonnenwende, Frühjahrstagundnachtgleiche, Sommersonnenwende und Herbsttagundnachtgleiche.

Die Sonnenwenden ereignen sich, wenn die Sonne am höchsten steht: im Winter auf der Südhalbkugel und im Sommer auf der Nordhalbkugel.

Man spricht auch von den Solstitien, da sie den »Stillstand der Sonne« beschreiben (sol: Sonne; sistere: Stillstand). Doch welcher Stillstand ist damit gemeint?
Vom 21.12. beginnend, vollzieht die Sonne bis zum 24.12. dreimal genau die selbe Bahn. Daher Stillstand, da sich der Sonnenzenit im Tagesbogen um nicht einmal 1° verändert. Auf der Nordhalbkugel, sind das die drei kürzesten Tage im Jahr, entsprechend die längsten Tage auf der Südhalbkugel. Zwischen dem 21.6. und dem 24.6. dann, findet die Sommersonnenwende statt, mit den drei kürzesten Nächten im Jahr auf der Nordhalbkugel und den drei längsten Nächten auf der Südhalbkugel der Erde.

Die beiden Tagundnachtgleichen – die Äquinoktien (aequus: gleich; nox: Nacht) – finden statt, wenn sich die Schräge der Erdachse weder zur Sonne hinneigt, noch sich von ihr entfernt. Dann sind Erdäquator und Sonnenzentrum auf selber Ebene, Tag und Nacht dauern gleich lang. 
Datumsmäßig findet die Frühlingstagundnachtgleiche zwischen dem 19., 20. oder 21. März statt; die Herbsttagundnachtgleiche fällt auf einen der Tage des 22., 23. oder 24. September.

Die vier Kardinalzeichen Steinbock, Widder, Krebs und Waage, bestimmen die astrologischen Qualitäten der vier kleinen Sabbate.

Name des Festes Datum Astrologisches Zeichen
Samhain

 

Nacht auf den 1. November

 

Skorpion

 

Jul

 

21. - 23. Dezember (Wintersonnenwende)

 

Steinbock

 

Imbolc

 

1. Februar

 

Wassermann

 

Ostara

 

20 - 23. März (Frühlingstagundnachtgleiche)

 

Widder

 

Beltane

 

Nacht auf den 1. Mai

 

Stier

 

Litha

 

21. Juni (Sommersonnenwende)

 

Fische

 

Lughnasadh

 

1. August

 

Löwe

 

Mabon

 

21. - 24. September (Herbsttagundnachtgleiche)

 

Waage

 

Das Buch der Schatten

Zu jedem der acht Hexensabbate, gehören besondere Rituale. Sie werden im »Buch der Schatten« beschrieben. Das Buch geht zurück auf einen der Pioniere der neu-heidnischen Wicca-Religion: Gerald Brosseau Gardner (1884-1964).

Gardner schrieb die Texte seines Buches, einem antiken, geheimen Hexenkult zu, in den man ihn einweihte, wie er behauptete. Darin erhielt er altes keltisches Wissen, dass er vermengte mit dem System henochischer Magie des großen John Dee. Auch Elemente der Thelema-Religion und des Golden Dawn, sind in seinem Buch verankert.

Man kann sagen, dass es sich beim Buch der Schatten, um den wichtigsten Text der Wicca-Religion dreht, auch wenn es eigentlich kein offizielles Buch der Schatten gibt. Vielmehr existiert es in verschiedenen Varianten. Normalerweise besitzt darum jeder Hexenzirkel eine handgeschriebene Kopie vom Buch der Schatten, die dann aber mit geheimen, ordenseigenen Zeichen kodiert sind, allein verständlich für die Angehörigen eines bestimmten Wicca-Zirkels.

Heute verwenden Gardners Buch aber auch andere Wicca-Gruppen, wie die Alexandrianisten und die Mohsianisten.

Für alle Hexen und Hexer, gilt das Buch der Schatten allerdings als Bibel des Wicca. Das Buch entstand mit Hilfe der Hohepriesterin Doreen Valiente (1922-1999), wurde aber im Laufe der Jahre, um einige hilfreiche Aspekte erweitert oder entstand sogar ganz und gar unabhängig von Gardners Original.

Das Buch an sich erzählt jedoch nicht über die Geschichte des Wicca, sondern stellt genaue Anweisungen für die rituelle Zeremonienarbeit zur Verfügung.

Es werden in diesem Buch die Einweihungszeremonien in den Wicca-Kult beschrieben, die Rituale zu den acht Hexensabbaten, Zaubersprüche und das Wesen übersinnlicher Mächte. Damit ist das Buch für all jene ein Muss, die die Hexensabbate in heiliger Zeremonie feiern wollen.

Samhain

Nacht auf den 1. November

Im Wicca markiert das Samhain-Fest den Jahresanfang. Es ist eine Feier zu Ehren der Ahnen. Zu ihnen gehören die eigenen, verstorbenen Vorfahren und guten Freunde ebenso, wie jene Weisen durch die die alte Tradition überliefert wurde. Manchmal werden auch Ahnengeister eingeladen, der heiligen Samhain-Zeremonie beizuwohnen.

Samhain ist ein Fest der Dunkelheit und des Todes, das im Wicca-Jahreskreis gegenüber Beltane steht – dem Fest des Lichts und der Fruchtbarkeit. In seinem Buch »The Golden Bow«, bezeichnete Sir James Frazer (1854-1941) die Samhain-Nacht als »Halloween«.

Jene Hohepriesterinnen und Magi des Wicca wissen, dass in der Nacht zum 1. November, sich die Schleier in die Welt des Jenseits öffnen. Einem wahren Magus öffnen sich dann geheime Tore, über die er in Kontakt tritt mit den Seelen Verstorbener, aber auch jenen der großer Ahnen.
Sicher kein Zufall, wenn der 1. November bei den Katholiken als »Allerheiligen« gefeiert wird, jenen christlichen Ahnen, die man als Heilige verehrt.

Jul (Wintersonnenwende)

21. bis 23. Dezember

Der Zeitpunkt des Mittwinters, das Julfest, gilt bereits seit der Steinzeit, als wichtigster Punkt im Jahreslauf. Darauf weisen alte Megalithbauten hin, wie jene von Newgrange (Irland) und Stonehenge (England). Sie waren genau ausgerichtet auf Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu den Sonnenwenden.

Nach der Wintersonnenwende, neigt sich der Höchststand der Sonne, allmählich wieder nach Norden. Das markierte für die Alten die Neugeburt des Sonnengottes und damit die garantierte Wiederkehr der fruchtbaren Jahreszeit. Für die alten Germanen, wie auch die Römer, markierten diese Tage das höchste Fest des Jahres. Es dürfte also kein Zufall sein, dass der 24.12. im Christentum von so hoher Bedeutung ist, nennt man ihn doch die »Geburt des Lichts«, was ja in der Tat der Fall ist: ab diesem Tag nämlich, nehmen die Sonnenstunden wieder zu.

Opfergaben, Fasten und das Überreichen von Geschenken sind wichtige Elemente des alten Julfestes. Tannenzweige und -kränze gehörten seit jeher zu den wichtigsten Schmuckelementen des Julfestes – steht das Grün der Tanne doch für das ewige Leben. Daher auch die Tradition sich zu Weihnachten einen Tannenbaum im Haus aufzustellen oder einen Adventskranz mit brennenden Kerzen zu beleuchten.

Feuerrad aus Stroh - ewigeweisheit.de

Ein brennendes Sonnenrad aus Stroh als Symbol für die Wintersonnenwende.

Imbolc

1. Februar

Die ersten Frühlingsregungen feiert das Imbolc-Fest. Ab dieser Zeit reinigt sich die Natur, während der Mensch sich auf das baldige Frühlingserwachen freut.

Im alten Rom markierte dieser Zeitpunkt einen wichtigen Feiertag für die Schäfer. Auch den Kelten war dieser Tag heilig, beginnen da doch die Mutterschafe Milch zu bilden, bevor sie dann etwas später ihre Jungen zur Welt bringen. Imbolc war den alten Kelten außerdem wichtig, war es doch der heilige Tag der Göttin Brigida – Tochter des guten Dagda, einem Gott des mythischen Volkes der Tuatha Dé Danann.

Allen Hexen und Hexern ist dieser Tag wichtig, um Schwüre zu halten und sich Neuem zu widmen.

Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche)

20. bis 23. März

Im Jahreskreis markiert Ostara das Fest der Frühlingstagundnachtgleiche. Ostara war die alt-germanische Göttin der Fruchtbarkeit. Dafür stehen die Symbole Ei und Hase. Seinen Ursprung hat der Name der Göttin im Proto-Indoarischen, wo nämlich das Wort »austro«, das »Scheinen« bezeichnet.

In der Wicca-Religion bedeutet die Tagundnachtgleiche, dass das Licht nun die Dunkelheit überholt, die Göttin erwacht und Fruchtbarkeit über die Erde bringt. Damit ist Ostara also auch eine Lichtgöttin. Kein Wunder, dass in der Phase zwischen Ostara und dem später folgenden Litha-Fest, die Natur ihre ganze Kraft gibt, um soviel wie möglich neue Früchte und darin Samen hervorzubringen. In der Phase ab Ostara, finden die größten Bewegungen des Grundwassers statt.

So ist Ostara ein Fest des Neuanfangs. Drum reinigen viele in dieser Zeit ihre Wohnräume, halten Diät oder enthalten sich bestimmter schlechter Gewohnheiten. Auch hier erinnert das an den christlichen Brauch vor Ostern (natürlich dem Namen Ostara entlehnt) zu fasten.

Festprozession zu Imbolc - ewigeweisheit.de

Darstellung der germanischen Frühlingsgöttin Ostara.

Beltane

Nacht auf den 1.5.

Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, gilt als die Nacht der Hexen, die sich dann auf dem Blocksberg versammeln – dem Brocken im Harz. Doch natürlich nicht allein nur hier. Auch an anderen erhöhten Orten (etwa auf dem Tor-Hügel im englischen Glastonbury), halten die Verehrerinnen der Muttergöttin ihre großen Feste ab. Meist werden dort riesige Holzscheite entzündet, um die manche der Teilnehmer in ausgelassenem Tanz kreisen. Mit den dafür entfachten Feuern, sollen die bösen Geister vertrieben werden, um Raum für das junge neue Leben freizugeben.

In Heidelberg ziehen jährlich zur Walpurgisnacht tausende Menschen auf die Thingstätte, auf dem Gipfel des Heiligenberges. Bis heute ist das Fest die größte, inoffizielle Feier Heidelbergs.

Zu den wilden Walpurgisnacht- und Beltanefesten, kam es immer auch zu rituellen Liebesakten auf den Feldern, die in vorchristlicher Zeit, die menschliche Fruchtbarkeit auf den Ackerboden übertragen sollten.

In Irland wird der 1. Mai als erster Sommertag gefeiert. Im alten Rom feierte man am 1. Mai ein Fest zu Ehren der Flora – der Göttin der Blumen.

Auch in verschiedenen bäuerlichen Maibräuchen, leben heute noch viele alte Beltane- und Walpurgisriten fort. So vertrieben die Bauern böse Mächte von ihren Gehöften, durch knallen ihrer Peitschen, legten Besen aus und besondere Maibüsche.

Besonders aber das Aufstellen des traditionellen Maibaums, meist der Stamm einer großen Birke, ist Sinnbild der Fruchtbarkeit (Phallus) und stellt gleichzeitig den Weltenbaum dar. Der Maibaum ist eben ein Symbol der neu geborenen Fruchtbarkeit der Natur. Mit dem Maibaum wird sie symbolisch aus dem Wald in den Ort gebracht.

Früher tanzte man um den in der Dorfmitte stehenden Maibaum, später feierte man darunter Feste. Diese alte Tradition wird in manchen Ländern bis heute fortgeführt. Auch werden Bänder am Maibaum befestigt, deren lange Enden junge Mädchen in der Hand halten, langsam um den Baum gehen, bis der Stamm bunt umkränzt ist.

Auch kommt es immer wieder vor, dass in verfeindeten Dörfern, Maibäume auf dem Dorfplatz von böswilligen Angehörigen des Nachbardorfes, einfach gefällt werden.

Maibäume fällte man zu Walpurgis auch, um sie der Liebsten ans Fenster zu stellen (mehr zum Thema Beltane, finden Sie in diesem Artikel).

Litha (Sommersonnenwende)

21. Juni

Das Mittsommerfest Litha ist eines der vier solaren Festivitäten im Wicca – ein Wendepunkt des Lichts. Denn nach diesem längsten Tag und dieser kürzesten Nacht des Jahres, beginnt sich der Zenit der Sonne, allmählich wieder zu senken. Die Helligkeit nimmt langsam ab, die Stunden der Dunkelheit werden wieder länger.

Der Name Litha ist angelsächsischen Ursprungs und bezeichnet einen von zwölf Monatsnamen, der in etwa auf den Zeitraum des Monats Juni fällt (gregorianischer Kalender). Litha an sich, bedeutet »einfühlsam«, denn dieser Eigenschaft entsprechend sind auch die leichten Brisen im Mittsommer.

Relevant ist dieses Fest aber insbesondere in nordischen Ländern, wie Island, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland oder Lithauen – wie sonst auch in anderen nördlichen Regionen unserer Erde. Denn um diese Zeit geht dort die Sonne überhaupt nicht unter. Vielmehr dreht sie sich einmal um den gesamten Horizont.

Lughnasadh

1. August

Neben Samhain und Mabon, ist Lughnasadh das erste der drei Erntefeste im Wicca. Als Fest der Mitte, zwischen Sommersonnenwende und Herbsttagundnachtgleiche, durchläuft die astrologische Sonne um diese Zeit das Sternzeichen Löwe.

In der Mythologie des alten Irland, war Lugh einer der vier großen Götter der sagenhaften Tuatha Dé Danann. Sein Name bedeutet »leuchtender Krieger«.

Lughnasadh erinnert an den Tod dieses eigentlichen Getreidegottes. Als Keimling wird es geboren und ernährt den Menschen durch seinen »Tod«, mit dem dabei geernteten Getreide. Der alt-irische Name Lughnasadh bedeutet eben: der Tod des Lugh. Manche Anhänger des Wicca, backen an diesem heiligen Tag darum ein Brot in Form dieses Erntegottes und essen es, um damit die Heiligkeit und Wichtigkeit des Festes zu betonen.

Zu Lughnasadh schloss man sogenannte Probe-Ehen. Wenn durch solche Vermählung auf Zeit aber keine Kinder gezeugt wurden, schied man das Paar im Frühjahr wieder.

Mabon (Herbsttagundnachtgleiche)

21. bis 24. September

Was das Erntefest Lughnasadh einleitete, wird mit Mabon beendet: der Abschluss der Ernte und der feierliche Abschied vom Sommer. Mabon ist also das heidnische Dankesfest für die eingetragene Ernte. Man dankt Mutter Erde für ihre Gaben. Es entspricht außerdem jener Jahreszeit, in der man auch das christliche Erntedankfest begeht – normalerweise am ersten Sonntag nach Michaeli (29. September).

Mit Sonnenuntergang nach der Herbsttagundnachtgleiche, an dem die Sonne in das Tierkreiszeichen Waage eintritt, beginnt das heilige Mabon. An diesem Tag bereiten sich die Wicca-Anhänger innerlich vor, auf den nun bald beginnenden Winter. Es ist auch ein Fest der Reflexion über das vergangene Jahr, bildet Mabon doch den Abschluss des Jahreskreises. In einem üppigen Gemeinschaftsmahl, dankt man für eine reiche Ernte.
Es ist auch üblich zu diesem Fest die letzte Getreidegarbe zusammengebunden auf dem Acker stehen zu lassen.

Nicht zufällig wurde dem Fest der Name Mabon gegeben, ist er doch der Gottessohn der walisisch-keltischen Muttergottheit Modron. Mabon gilt als die Inkarnation des Herbstlichts, das eben nach der Tagundnachtgleiche von Modron geboren wird.

Ursprünge des Wicca-Kalenders

All das zeigt, dass schon seit Alters her, die vergöttlichten Himmelslichter die jahreszeitlichen Ritualbräuche, sowie genauere Datumsberechnungen, eng mit dem Stand von Sonne und Mond zusammenhängen – wurden sie doch als die beiden Hauptgötter verehrt: Vater Sonne und Mutter Mond.

Wie aber zu Anfangs hingewiesen, spielt dabei die heilige Erde eine bedeutende Rolle. Das heißt, das jene beiden Himmelslichter immer im Zusammenhang mit der auf der Erde stattfindenden Vegetation gesehen werden müssen. Diesen Lebensaspekt verkörpern im Wicca zwei alte Götter: Diana als Mondgöttin bewirkt den Fluss der Fruchtbarkeitssäfte allen irdischen und unterirdischen Lebens, während der gehörnte Gott Pan, auf den Charakter allen Lebens hinweist, dass ja zur Sonne hinstrebt. Denn ihr Licht und ihre Wärme sind doch ebenso lebensnotwendig, wie das Wasser und die physische Nahrung aller Lebewesen.

Es liegt damit nahe, dass die Erfindung des Kalenders, untrennbar verbunden ist, mit den sakralen Riten unserer Vorfahren. Vielleicht auch daher, wurden viele dieser Tage in die christlichen Kalender des liturgischen Jahres übernommen. Ihre Bedeutungen aber ersetzt man, durch ihnen entsprechende Heilige, Propheten und Engel. Eine Fortschreibung heidnischer Religion in christlichem Gewand? Mehr zum Thema findet sich in diesem Artikel.

Fest steht, dass das System der Wicca-Jahresfeste, erst in jüngerer Zeit entstand. Das oben beschriebene Jahresrad, dessen acht Speichen stellvertretend für die vier Feuerfeste und die vier Sonnenfeste stehen, bilden eine Achtheit, die älteren heidnischen Traditionen des Westens jedoch unbekannt waren.

Erst durch Gerald Gardner und andere, wurden die Feste älterer Traditionen durch die Wicca-Religion in dieser achtfachen Form verwirklicht.

Die vier, oben beschriebenen Hochfeste, Samhain, Lughnasadh, Imbolc und Beltane, nehmen ihren Ursprung sehr wahrscheinlich im Keltentum Alt-Britanniens und Irlands. Dafür stehen wohl die alten Megalithbauten und Steinkreise im heutigen Großbritannien und Irland. Jene kleineren Hexen-Sabbate, Jul, Ostara, Litha und Mabon, sind aber germanischen Ursprungs. Sie zelebrierte man im hohen Norden, wohl schon in der Bronzezeit.

Diana und Pan

Das göttliche Paar Diana und Pan sind bereits sehr alt. Gott den Vater dachte man sich in alter Zeit verkörpert durch die Sonne. Die Muttergottheit wurde stets mit dem Mond, aber auch mit der Erde assoziiert - je nach Betrachtung ihrer lichtvollen oder dunklen Aspekte.
Als Nachkomme von Diana und Pan, gilt im neu-heidnischen Kontext, der Sohn des Sonnengottes, als lebender Repräsentant auf Erden.

Der Gehörnte Gott und seine Muttergöttin

Bei alle dem, ist von zentraler Bedeutung in der Religion des Wicca, die Heilige Hochzeit des Gottes Pan und der Göttin Diana. Die Wicca-Jahresfeste, stehen damit auch stellvertretend für den ewigen Kreislauf von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt.

Jener Wicca-Gott Pan kommt durch die Wicca-Göttin Diana an Jul zur Welt. Wie die Macht der Göttin, in ihrem jungfräulichen Aspekt, wächst auch jene des Wicca-Gottes zu Ostara. Er schwängert seinerseits die Göttin zu Beltane und entfaltet sich zu glänzendster Erscheinung an Litha. Mit Lughnasadh nimmt die Kraft des Gottes langsam ab, bis sie an Samhain in die Unterwelt abgleitet. Dabei nimmt der Gott Pan die Fruchtbarkeitsaspekte der Erdgöttin Diana mit sich, die sich nun zum Alten Weib verwandelte, sich aber im Laufe der Jahreszeiten wieder verjüngt.
Mit Jul schließlich, beginnt der Zyklus wieder von Neuem. Immer aber begleitet der junge, gehörnte Gott die Muttergottheit, von der er selbst geboren wurde.

Vor diesem weiten Horizont der Wicca-Religion, ist das Studium des Jahreskreises sicher sinnvoll für all diejenigen, die im Einklang mit der irdischen Vegetation leben wollen.

Wäre so ein Bestreben nicht besonders wichtig, in unserer heutigen, durchrationalisierten, technisierten und digitalisierten Welt?

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Die Vier Jahreszeiten: Eine Schule des Lebens

von Johan von Kirschner

Giuseppe Arcimboldo: Vier Jahreszeiten - ewigeweisheit.de

Jedes Jahr zu Frühling bekommt der Mensch die Gelegenheit sich zu regenerieren. Dafür steht seit alter Zeit die Wiederauferstehung des Sonnengottes zur Tagundnachtgleiche - dem 21. März. Sobald die Sonnenstunden wieder überwiegen, drängt aus der dunklen Erde das junge Grün ans Licht - so wie auch der solare Heros aus der Unterwelt zu neuem Leben aufersteht.

In vielen verschiedenen Legenden, Mythen und Religionen unserer Welt, hat der Sonnenheros einen besonderen Namen: mal wird er der Messias, mal Christus, mal Krishna oder Mithras genannt; die Römer nannten ihn Sol Invictus, im Norden hieß er Baldur, Horus bei den alten Ägyptern, Apollon bei den Hellenen oder Quetzalcoatl bei den amerikanischen Tolteken. Sie alle zeigten durch ihre lichtvolle Verkörperung Gottes auf Erden, dass auch jeder Mensch einen göttlichen Lichtsamen in sich trägt, der das körperliche, emotionale und geistige Wachstum inspiriert.

Die jährliche Vegetation auf der Erde ähnelt dem menschlichen Leben. Die vier Phasen der Sonne in den vier Jahreszeiten zeigen uns wie wir unserem Leben immer wieder zu neuer Blüte verhelfen können. Den ersten Abschnitt ihrer Lebensreise beschreitet die menschliche Seele von der Empfängnis bis zur Geburt. Jugend und Reife folgen, bis das Leben mit dem Tod schließlich vollendet ist. Was stirbt ist der Körper, die Seele aber schlummert, um dereinst wieder zu erwachen.
So ist es auch mit dem individuellen Leben. Wenn uns Sorgen, Ärger und Traurigkeit plagen und die Übel in der Welt unser Leben erschweren, können wir in stiller Kontemplation trotzdem erkennen, dass es in uns einen göttlichen Funken, einen unsterblichen, heiligen Lichtsamen gibt. Wenn wir uns voll bewusst in Richtung Wahrheit begeben, sprießen aus diesem lichthaften Samenkorn die inneren Lebenskräfte hervor, so wie im Frühling das Grün aus dem Boden drängt. Aus diesem Grün wachsen immer wieder neue Pflanzen und Bäume, die auch noch Früchte tragen.

Von diesem natürlichen Vorbild war schon immer eingenommen das ganze Wesen der Religionen, der Philosophie und der Geheimwissenschaften. In vielen Traditionen stellte man sich das göttliche Leben auf Erden wie einen Apfelbaum vor, der in einem Lustgarten wächst. Mal ist es der Lebensbaum im Garten Eden - ein ander mal der nordische Weltenbaum Yggdrasil. Das Symbol ist aber immer das Selbe:
Der Baum steht gleichermaßen für das Leben im Mikro- und Makrokosmos. Die Erde, worin der Baum wurzelt, arbeitet an ihm mit dem Saft die sie ihm gibt. In dieser Erde stehend breitet er seine Äste aus und daran wachsen seine Früchte. Und wie die Welt so an ihm arbeitet, so versucht auch der Baum aus ganzem Vermögen gute Früchte hervorzubringen. Je älter der Baum ist, desto mehr Früchte trägt er, die süßer sind als in den Jahren zuvor. So wie der Baum ist, so sind auch seine Früchte. Bringt er schlechte Frucht, so liegt das nicht am Baum, sondern an der Umwelt in der er sich befindet.

Der Garten dieses Baumes bedeutet die Welt, der Acker die Natur, der Stamm des Baumes die Sterne, die Äste die Elemente, die Früchte, so auf diesem Baum wachsen, bedeuten die Menschen, der Saft in dem Baum bedeutet die klare Gottheit (Sonnengott). Nun sind die Menschen aus der Natur, Sternen und Elementen gemacht worden. Gott der Schöpfer aber herrscht in allen, gleichwie der Saft in dem ganzen Baum.

- Aus "Aurora oder Morgenröte im Aufgang" von Jakob Böhme

Im Gegensatz zum Baum, steht dem Menschen frei was er tun will. Er wurzelt nicht wie der Baum an einem festen Ort, sondern kann von sich aus hier und dort hin gehen. Es scheint aber als bezahle er dafür mit seinen Begierden und Leidenschaften, die ein Baum ja nicht hat. Denn der Baum folgt einzig und allein dem Gesetz des Wachstums, entfaltet jedes Blatt, und an der Stelle wo er blüht, dort wachsen später seine Früchte.

Alles Leben auf der Erde orientiert sich am Licht der Sonne. Der Baum wächst immer in Richtung des Lichts und öffnet seine Blüten ganz leidenschaftslos dem keuschen Sonnenstrahl. Die Erde nährt den Baum, das Sonnenlicht beseelt, "inspiriert" ihn. Ebenso aber benötigt der Mensch Inspirationen, durch die er zu neuen Erkenntnissen kommt, die ihn sein Leben anders erfahren lassen.

Pushkin at Ai-Petri peak during sunrise. Ivan Aivazovsky (1817–1900)

Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Ai-Petri - Gemälde von Ivan Aivazovsky (1817–1900).

Was wir aus den alten Traditionen lernen können

Wie ein Felsen in der Sandwüste, so steht die Tradition in der Moderne. Je nach Windrichtung wird der Sand einmal hier, einmal dorthin geblasen. Der Felsen aber steht fest an seinem Ort für sehr lange Zeit.
Tradition ist das gute und wertvolle Erbe, das uns Vorfahren vermacht haben. Sie waren ja bereits durch alle möglichen Lebenserfahrungen gegangen und haben die großen Schwierigkeiten durchstanden, die das irdische Dasein mit sich bringt. Davon können wir lernen.

Tradition versucht nicht für jeden einzigartigen Sachverhalt eine Antwort zu liefern oder Lösungen für spezifische Probleme zu geben. Sie vermittelt eher was möglich ist und zeigt was generell vermieden werden sollte. Wer den traditionalen Leitlinien folgt, bewegt sich durch den Alltag ebenso sicher, wie sich die Sonne durch die vier Jahreszeiten über den Himmel bewegt. Tradition ist unveränderlich - wie die Sonnenbahn.

Felsen in der Sinai-Wüste, Ägypten

Felsen in der Sinai-Wüste, Ägypten

Die Sonnenreligionen der Urzeit

In der Zeit zwischen der Pflanzung und der Zeit der Ernte, muss der Bauer sein Gut beschützen. In dieser Phase des Sonnenjahres muss er fleißig arbeiten, um einen guten Ertrag zu erzielen. Es ist auch die Zeit, wo wir an unseren Lebensaufgaben arbeiten und keine Mühen scheuen sollten, die "ausgesäten" Ideen sorgfältig zu pflegen und die erstrebten Lebensziele von allem Unkraut fremder Ziele zu befreien.

Wir sollten uns immer wieder auf die Ernte der Jahre vorbereiten. Diejenigen die mit etwas neuem anfangen, müssen auf die Zukunft bauen, ohne in der Vergangenheit zu verharren. Alles was der Mensch hierzu braucht, zeigt ihm die Tradition. Sie bildet den Rahmen in dem er handeln kann. Diesen Rahmen geben spirituelle Traditionen aus Religion und den Schulen der Weisheit.

Die zeitgenössischen Religionen des Westens - insbesondere Judentum, Christentum und Islam - sind keine Erfindungen die sich irgendwelche Propheten bis noch vor 1.400 Jahren ausgedacht haben. Stattdessen wurde immer wieder versucht, religiöse Tradition den Bedürfnissen der Menschen anzugleichen.
Die ursprünglichen, schamanisch geprägten Religionen, haben aber wenig mit dem zu tun, was heute unter Religion verstanden wird. All die vielen Regeln und Formalitäten waren in alter Zeit nicht nötig, da der Mensch wandernd und nicht in Siedlungen lebte.

Aborigines, Beduinen und die sibirischen Nomaden

Noch heute versuchen die Nachkommen der Ureinwohner Australiens, Afrikas und Asiens, eine mehr als 40.000 Jahre alte Religion zu leben. Die Aborigines brachten ihren Kult einst aus dem Norden auf den australischen Kontinent. Auch viele Beduinen Nordafrikas, Asiens und die sibirischen Nomaden Jakutiens, versuchen noch ihre alte Tradition zu leben, die ganz klar mit dem Lauf der Sonne verbunden ist. Denn wer über die Erde wandert, muss den Lauf der Sonne verstehen.

Ilmarinen schmieddet die Achse der Himmelmühle

Der sagenhafte Ilmarinen - Held der finnischen Mythologie - schmiedet die Sampo (Stütze der Himmelsmühle).
Teil aus einem Gemälde von Berndt Abraham Godenhjelm (1799–1881).

Die Sonne verzehrt alles was auf der Strecke bleibt. Bedauern und Schuldgefühle waren und sind den wandernden Völkern darum fremd. Und da man sich im Nomadenleben immer wieder an andere Orte begibt, schaut man nicht zurück auf das was einmal war. Daran erkennen wir, wie sehr Ort und Zeit miteinander verknüpft sind. Wer bleibt wo und wie er ist, verliert sich oft in einem Zeitfenster der Erinnerungen und Hoffnungen, bleibt abhängig von dem was war und andere ihm geben. Wer sich hingegen immer wieder ändert, der handelt den Umständen gemäß und bewegt sich fort.

In den alten Religionen herrschte Frohsinn und Begeisterung für das Leben. Die Menschen der alten Religionen glaubten ganz fest an eine gute Realität. Selbst tragische Ereignisse wurden als Notwendigkeit akzeptiert.
Der moderne Mensch im Westen sucht die Verantwortung der Lebensereignisse nicht bei sich, sondern zieht lieber andere zur Rechenschaft. Jeder ignoriert ganz gerne seine kleinen Fehler im Leben. Doch die Fehler aller Menschen verdichten sich thematisch in einem großen Feld der Ignoranz, dass auf jeden von uns irgendwann zurückwirkt: als Depression, Wirtschaftskrise oder Krieg.

In den Urreligionen lehnte man nicht ab, was einem widerfuhr. Alles wurde angenommen als Teil des Lebens. Für die alten Menschen gab es das Böse nur, um das Gute im Menschen zu testen, ihn dabei aber zu stärken. Die Widrigkeiten im Leben, machen uns stärker.

Manchmal gleicht unser Leben dem glühenden Stahl in der Schmiede, der immer wieder gefaltet und durch unzählige Hammerschläge gehärtet wird, bis daraus ein wertvolles Werkzeug entsteht. Der Allegorie der "Lebensschmiede" begegnen wir in einer finnische Sage, wo der Schmied Ilmarinen die Stütze der Himmelsmühle verfertigt. Und so wie er diese Stütze aus glühenden Stahl herstellt, sie mit vielen harten Hammerschlägen bearbeitet, so werden Menschen die schweres Leid durchgestanden haben, auch zu Stützen anderer Menschen.

Die Sonne zeigt uns jedes Jahr aufs Neue, wie wir unser Leben verändern können

Dem jährlichen Kreislauf der Sonne ähneln die Lebenszyklen des Menschen. Jedes Jahr aufs Neue, bekommen wir durch drei astrale Hauptphasen der Sonne das große Mysterium des Lebens vorgezeigt.

  • Geburt: Die Dunkelphase um die Wintersonnenwende, ist die Zeit wo sich die Sonne vollständig zurückgezogen hat (21. bis 24.12.) und in der Tiefe der Erde als unsichtbare, schwarze Sonne strahlt.
  • Leben: Die Lichtphase um die Sommersonnenwende (21. bis 24.6.) ist erreicht, wenn die Nächte am kürzesten und die Tage am längsten sind. Dann hat die hellweiße Sonne ihren nördlichsten Punkt erreicht hat.
  • Tod und Wiedergeburt: Die Phase des Übergangs während der Herbst- (21.9.) und Frühlingstagundnachtgleiche (21.3.) symbolisiert die glühend, rote Sonne, die bei ihrem Unter- und Wiederaufgang, jeweils genau zwischen Mitternacht und Mittag liegt.

Diese drei Phasen teilen den Kreis des Sonnenzyklus in vier Abschnitte, entsprechend der vier astrologischen Kardinalzeichen:

  • Zunehmendes Sonnenlicht: Mit dem Widder bricht der Frühling hervor, die Natur wird neu geboren. Junge Blätter und Pflanzenkeime sprießen.
  • Maximales Sonnenlicht: Die Sonne im Krebs verleiht dem Korn auf den Feldern im Sommer seine Kraft.
  • Abnehmendes Sonnenlicht: Im Herbst beginnt sich die Sonne allmählich ins Sternbild Waage zurück zu ziehen, die Blätter welken.
  • Minimales Sonnenlicht: Mit dem Eintreten in den Steinbock, beendet die Wintersonne schließlich ihren Jahreslauf. Die Blätter sind abgefallen, alles Leben auf der Erde ruht.

Wer diesen Sonnenverlauf und die damit einhergehenden Veränderungen in der Natur beobachtet, kann daraus ablesen, welche Bemühungen in seinem Leben wichtig sind.
Während dieser Arbeit am Selbst ist es wichtig, uns mit drei eigenständigen Teilen unseres Daseins zu beschäftigen:

  • Dem Körper, der in seinem Innern die Seele verbirgt, so wie der Krebs im Sommer in seiner Schale seine Weichteile schützt oder der Weizen in seiner Hülle die Stärke.
  • Das Herz, das das Blut durch den Körper pumpt und dessen Rot von dem in ihm enthaltenen Eisen stammt - dem Metall also, dass in der Alchemie dem Mars zugeordnet ist. Mars ist der planetarische Herrscher über den Widder.
    Das Herz hält das Verhältnis von Körperempfinden und Denken kohärent. Die Scheidewand im Herzen, bewegt sich wie das Zünglein an der Waage.
  • Unsere Gedanken, die ständig abschweifen, oft sehr störrisch und nur sehr schwer festzuhalten sind, werden sehr gut durch ein Fabelwesen repräsentiert, dass seit alter Zeit für das Sternzeichen Steinbock verwendet wird: eine Ziege mit dem Unterleib eines Fisches. Weder Ziege noch Fisch lassen sich einfach greifen.
Mittelalterliche Vorstellung einer runden Erde, Hildegard von Bingen

Die vier Jahreszeiten nach einer mittelalterlichen Ikone von Hildegard von Bingen (1098-1179).

Körperbeherrschung

Jeder soll sich um seinen Körper sorgen, wie es ihm geziemt. Um die Schwierigkeiten des Körpers zu bewältigen, müssen wir lernen seine triebhaften Anteile im Zaum zu halten. Es geht nicht darum den Körper zu quälen; ist er doch die Verbindung mit der Welt der Erfahrungen. Ohne den Körper kann die Lebensreise nicht bestritten werden. Eher erziehen wir unseren Körper durch Abstinenz und den Verzicht auf Luxus. So wird aus ihm nach und nach ein brauchbares und einsatzfähiges Instrument.

Emotionales Gleichgewicht

Sobald der Körper dem Willen folgt, beginnt man mit der Klärung seiner Emotionen und der Läuterung des Herzens. Es geht dabei um die Entwicklung eines ausgewogenen Gefühlslebens, das uns durch die Reinigung unserer triebhaften Neigungen gelingt. So wird der Hunger nach Sinneseindrücken gestillt. Jeder sollte seine Triebe auf der Emotionalebene unter Kontrolle bringen. Wem das gelingt, der kann nach einiger Zeit damit beginnen konstruktive, positive Emotionen zu generieren, mit denen belastende Negativfantasien und falsche Vorstellungen aufgelöst werden.

Stille im Denken

Ein wichtiger Schritt um das Denken zu läutern, ist zuerst einmal Kritik und Vorwürfe gegenüber anderen einzustellen. Sobald man damit Fortschritte macht, bemerkt man, wie sich viele anstrengende Gedankenbündel langsam auflösen. Dann entlarven wir unsere Kritik und sehen, dass sie sich wie ein Mantel um unseren Hochmut gelegt hat. Zudem Kritik bindet einen eigentlich noch fester an die Kritisierten. Sobald man aufhört anderen Vorwürfe zu machen - sprechend und denkend - kommen neue Menschen ins Leben. Wer Kritik übt verschließt sich Neuem - wer aufgeschlossen bleibt, ist für Neues offen.

Wer Körper, Emotionen und Denken beherrscht, schafft alltägliche Lebensprobleme viel leichter aus dem Weg. Doch die Erfüllung ist nicht so einfach, wie man es hier schnell gelesen hat!
Nur durch wirkliche, harte Arbeit am Selbst, erreichen wir das Ziel in die Freiheit.

Der moderne Mensch

Schade dass sich die Mehrheit der Menschen nicht für diese esoterischen Geheimnisse interessiert, geschweige denn sie versteht. Der moderne Mensch hat genug mit den ständig wechselnden Launen des Fortschritts zu tun. Fortschritt kümmert sich nicht um die hier vorgestellten kosmischen Zyklen, sondern sucht immer nur nach dem "Next Big Thing".
Natürlich helfen fortschrittliche Technologien, verursachte Umweltschäden wieder zu beheben. Moderne Maschinen bereiten Abwasser so auf, dass man es trinken kann, riesige Filteranlagen helfen das Meer von Plastikpartikeln zu reinigen. Und in Zukunft wird ein Großteil unserer Energieversorgung mit Hilfe von Solaranlagen gesichert sein.

Fortschritt greift aber immer unsere Integrität an. Denn unser Leben ist am technologischen Fortschritt ausgerichtet - doch nicht der Fortschritt am menschlichen Leben. Menschliches Wachstum, körperlich, seelisch und geistig, verläuft zyklisch - technologisches Wachstum verläuft heute exponentiell!
Im Fortschritt steht das Erreichen des Ziels im Vordergrund, weniger das Beschreiten des Weges zum Ziel. Das heißt, wer fortschrittlich handelt, will seine Ziele so schnell wie möglich erreichen, ganz gleich welche Konsequenzen das für sein eigenes und das Leben anderer hat.

Eigentlich wurde die Seele mit einen Körper bekleidet, damit der Mensch ihn zur Verbesserung der Natur verwendet. Stattdessen beuten wir die Natur aber immer noch aus, um die teils krankhaften Leidenschaften all unserer Menschenkörper zu stillen.
Mittlerweile sind wir Diener aller möglichen Technologien geworden, glauben aber immer noch, dass wir sie zu unserem Vorteil kontrollieren. Die vielen Mobilgeräte mit all ihren universellen Funktionalitäten, sind eben wunderbare Schmeichler unseres Egos. Wer aber über sein niedriges Dasein hinauswachsen will, sollte seinem Ego nicht schmeicheln, sondern es nach und nach abbauen. Das interessiert aber anscheinend kaum noch jemanden.

Es geht zur Zeit eben weniger um die Stärkung des emotionalen Charakters und um das Erlangen von Weisheit. Stattdessen wird auf "erneuerbares Wissen" verwiesen, wofür die meisten Menschen heute auch bereit sind viel Geld zu bezahlen. Doch das ist rein informelles Wissen, das schon nach kurzer Zeit seinen teuer bezahlten Wert verloren hat. Jeder der moderne Technologie nutzt, und das tun wir ja fast alle, weiß was hier angedeutet wird. Entsprechend oberflächlich wird das eigentliche Potential unseres Gehirns tangiert. Aus den nur 10% die wir angeblich von unserem geistigen Potential nutzen, werden so schon bald nur noch 5% und weniger. Man sollte verstehen, dass sich Neuronenstränge im Großhirn vor allem wegen wichtiger Kerngedanken ausbilden. Je relevanter diese Kerngedanken sind, desto intelligenter wird ein Mensch. Wer sich aber ständig nur mit informativen Banalitäten befasst, wie etwa den komplexen Optionen eines Smartphonevertrages, dessen Gehirn wird nach und nach zu einer eiweißhaltigen Brachlandschaft der Ignoranz verkommen.

Den Wert einer Sache bestimmt heute vor allem der Preis und schon lange nicht mehr was man davon eigentlich hält. Ständige Updates von Software und neuere, bessere Technologie wollen auch bezahlt sein. Es scheint als hätte sich die Welt in der wir leben, in ein riesiges Warenhaus verwandelt. Nur verlieren diese Waren immer schneller ihren Wert. Vor 20 Jahren war es eine Ausnahme, dass jemand über eine mobiles Telefon verfügt. Vor 10 Jahren konnte man mit den ersten Handys miserable Fotos aufnehmen. Doch schon bald kann jeder mit Smartphones in Fernsehqualität Videos machen. Was kommt als nächstes? Foto-Kontaktlinsen mit virtueller 3D-Tastatur und Internetverbindung über Satellit? Hurra!

Wir haben Berge von überflüssigem Bedarf angehäuft. Ständig müssen wir kaufen, wegwerfen, kaufen ... Es ist unser Leben, das wir verschwenden. Denn wenn wir etwas kaufen, bezahlen wir nicht mit Geld - wir bezahlen mit unserer Lebenszeit, die wir aufwenden mussten, um dieses Geld zu verdienen.

- José Mujica, ehemaliger Präsident von Uruguay

Die Geburt des Lichts

Ab dem 21.12. durchläuft die Sonne für drei Tage exakt die gleiche Bahn - der Zenit bleibt also stehen. Daher der lateinische Name "Solstitium" für die Sonnenwende, was "Stillstand der Sonne" heißt.
Zwischen 24. und 25.12. steigt die Sonnenbahn allmählich wieder in Richtung Norden: das ist Heiligabend. Der Brauch an Weihnachten Kerzen zu entzünden, stammt noch aus der Römerzeit, wo man am 25.12. dem Sol invictus (lat. unbesiegter Sonnengott) huldigte. Es war der Geburtstag des römischen Sonnengottes. In den ersten Jahrhunderten n. Chr., waren unter den Teilnehmern dieser Festlichkeiten aber auch sehr viele Christen. Als das die Kirchenväter sahen, legten sie im Jahre 336 den 25.12. als Geburtsdatum Christ fest, um die Angehörigen des christlichen Glaubens von diesem heidnischen Fest fernzuhalten. Zuvor feierte man Christi Geburt im März, im Mai und in anderen Monaten.

Solange Menschen über die Erde wandeln, wird das Sonnenjahr menschliches Sein beeinflussen.
Jedes Jahr bekommen wir aufs Neue gezeigt, was im Leben notwendig ist, wie wir unseren Körper, unsere Gefühle und unser Denken zu etwas Besserem wandeln können. Das zeigt uns die Sonne in der Natur. Sie ist die große Lehrerin jedes Einzelnen von uns. Wer das erkennt, wird sich an das wahre Wissen erinnern, dass er bei seiner Geburt mit auf die Welt gebracht hat.
Wer von den materiellen Bindungen der äußeren Welt Abstand nimmt, der wird in seinem Innern sein wahres Selbst finden. Nach und nach erkennt er im Jahreszyklus des ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen, auch die Reise seiner Seele, die durch all die vielen Inkarnationen wandert. So werden Erinnerungen an frühere Leben allmählich erwachen, damit der Mensch den Zweck seines Daseins finden und verstehen kann.

Wer auf seine Umwelt einen günstigen Einfluss ausüben möchte, der nehme sich die Sonne zum Vorbild. Sie ist ein strahlendes Wesen das jeden einzelnen beeinflusst und uns eine gute Gesinnung gegenüber Anderen verleiht. Das Sonnenlicht können wir aufnehmen und an unsere Mitmenschen weitergeben.

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