Die Salbung Salomons, Gemälde von Cornelis de Vos - ewigeweisheit.de

Über die Symbolik der englischen Krönungszeremonie

Am 6. Mai 2023 wurde Charles III. zum König des Vereinigten Königreichs gekrönt. Welche sinnbildhafte Bedeutung hinter dieser Krönung steht, dem wollen wir uns im Folgenden annähern.

Die Ursprünge des Krönungsgottesdienstes in der Abtei zu Westminster in London wurzeln tief in den uralten Überlieferungen der Bibel, worin man ließt über die großen Könige des Alten Testament, darunter Saul, David oder Salomo. Aus den darin beschriebenen Geschichten über die Hochkönig Jerusalems entnahm man auch die Zeremonie der Salbung der englischen Könige – einen Ritus den man vor dem Empfangen der Krone vollzieht. Der sogenannte »Königsmacher«, der Richter und Prophet Samuel, salbte König Saul und König David (den Urheber der Psalmen). Der Hohepriester Zadok salbte den Sohn Davids: König Salomo.

Heilige Salbung des Königs

In der Tora wir die Herstellung des Salböls beschrieben (Buch Exodus 30:22-33), wie auch das hohe Gebot damit niemanden, als eben nur den zur Krönung ernannten König zu salben. Ja, es herrschte bei den Israeliten einst sogar ein sehr strenges Verbot darüber:

Auf keinen menschlichen Körper darf es gegossen werden und ihr dürft auch keines in der gleichen Mischung herstellen; denn heilig ist es, heilig soll es euch sein. Wer eine solche Mischung herstellt oder damit einen Unbefugten salbt, soll aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.

– Exodus 30:32-33

Entsprechend war die Herstellung des Heiligen Salböls ausschließlich der Priesterschaft vorbehalten, die es nach folgendem Rezept in ihrem sakralen Bereich bereiteten. Hierfür brachte man zwei Teile Myrrhe, einen Teil Zimt, einen Teil Cannabis (vermutlich, denn eigentlich wird hier als Zutat »aromatisches Schilfrohr« angegeben, das jedoch bis heute nicht eindeutig identifiziert werden kann) und einen Teil Kassia in Olivenöl, welches die entsprechenden Duft- und Wirkstoffe der genannten vier Pflanzen annahm. Dies heilige Öl galt symbolisch als jenes, dass vom paradiesischen Lebensbaum stammte.

Der Lebensbaum war eines der Symbole der Weisheit, verkörpert in der himmlischen Mutterfigur im alten Tempel zu Jerusalem: Die verborgene, ewige Frau, die dann zur Jungfrau Maria der Christenheit wurde. Es war dieser Baum aber mehr eine geistige Struktur, denn ein Gewächs des Waldes, der quasi als solche über dem ungeformten Zustand vor der Schöpfung schwebte: Als Geistiges Abbild dessen was entstehen kann und schließlich auch entsteht (die jüdische Kabbala liefert hierzu ganz ausführliche Beschreibungen dieses sakralen Vorgangs).

Wenn eben da die Rede war von den Symbolen der Weisheit, deuteten diese auf den Verstand des Menschen, als:

  • kluger Rat eines Anderen,
  • die Macht eines Herrschers,
  • des Menschen Erkenntnisfähigkeit und nicht zuletzt
  • seine Gottesfurcht.

Diese heiligen Attribute aber gehen in der Salbung auf den König über, der damit zu einem »Immanuel« (hebr. für »Gott mit uns«) wird und sich damit ein weltlicher Fürst in einen »Gotterhabenen« verwandelt. Als solch »Gesalbter« nämlich wurde aus ihm ein Abbild des unsichtbaren Gottes auf Erden.

Nach Ordnung des Melchisedek

Seit sehr langer Zeit schon drehte sich das Thema der englischen Hymne, die man während des Salbungsrituals sang, um den oben genannten Hohepriester Zadok, der den edlen König Salomo salbte. Entsprechend verwendet der englische Krönungsritus noch heute die Zadok-Hymne.

Die Psalmen nun besangen einen von Gott gegebenen Herrscher und beteten für ihn. Die Propheten zeichneten ein Ideal des Königtums auf, das eines Tages ein großer König kommen würde, wie in den Psalmen gepriesen.

Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.

– Psalm 110:4

Und eben nach dieser Ordnung des Hohepriesters Melchisedek von Salem bekleideten die Könige des Jüdischen Testaments auch zugleich das Amt eines »Kohen«, eines Hohepriesters im Kreise der Gläubigen. In dieser uralten Tradition stand auch der Christus Jesus, als Gesalbter Messias.

Aus dem Schoß der Morgenröte habe ich dich geboren wie den Tau.

– Psalm 110:3

Dieser »Tau« nun meint das Heilige Salböl, dass die Bibel auch an anderer Stelle als Tau beschreibt. Es soll auch zur Auferstehung des Christus Jesus geführt haben.

Der Altarraum in der Abtei zu Westminster: Ein Abbild des Kosmos?

Nach dieser Salbung auf jeden Fall setzte sich der neue König auf einen »Thron des Herrn«, um darauf gekrönt zu werden. In der selben Tradition war das bereits auch der Fall bei den biblischen Fürsten, wie etwa König David und König Salomo. Sie waren die Gegenwart des Herrn in menschlicher Verkörperung auf Erden.

Ein durch den König wirkender heiliger Geist ging mit seiner Präsenz somit auch auf sein Volkes über, zu seinem Wohlergehen, wie gar auf das Wesen der gesamten irdischen Schöpfung. Und es ist das bis heute, streng genommen, auch in der Tradition der englischen Könige der Fall, die ja nicht nur fürstliche Repräsentanten ihres Volkes sind, sondern gleichzeitig auch die ehrenhafte Rolle des Obersten Gouverneurs der Kirche von England einnehmen (denn nachdem der Erzbischof die Salbung und Krönung vollzog, kniet er vor dem neuen König nieder).

Der königliche Thron war auch ein Symbol für die himmlische Mutter des Königs. In christlichen Hymnen wurde Maria später selbst als himmlischer Thronwagen beschrieben, als der sie ihren Sohn Jesus auf die Erde brachte.

Mosaik und Altarbild in der Abtei zu Westminster

Nun befindet sich heute in der Abtei zu Westminster in London als Abbild das, was der Thronplatz im einstigen Tempel Salomos war. Damit sollten dort, nach biblischer Weltsicht, die englischen Könige gekrönt werden, nachdem man sie in der selben Weise salbte, wie einst der Hohepriester Zadok den Weisen König Salomo.

Imperial State Crown - ewigeweisheit.de

Die Imperial State Crown: Die Königskrone des Vereinigten Königreichs.

Hinter dem Hochalter der Abtei befindet sich nun etwas sehr Interessantes: Ein altes Altarbild, wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert. Es zeigt die Jungfrau Maria und den Heiligen Johannes mit goldenen Palmenzweigen in den Händen. Dabei ist der Palmenzweig ein geheimes Zeichen für das esoterische Wissen der alten Hohepriesterschaft. Und in diesem Rahmen steht auch der Glaube, dass der König ein »Sohn Gottes« sei.

Ein anderer Hinweis auf diese Gottkönigschaft ist das Mosaik, dass den Boden des Altarraums der Abtei zu Westminster ziert: Das sogenannte »Kosmaten-Mosaik« (benannt nach seinen römischen Erschaffern). Es stellt ein esoterisches Sinnbild des Kosmos dar, worin sich die Menschenwelt als Mikrokosmos um die zentrale Rolle des Königs, als um einen heiligen Pol dreht, wie alles im Universum als Makrokosmos um Gott. Das Mosaik zeigt in seinem Zentrum einen kugelförmigen Globus den direkt vier Formen umgeben, die die vier alchemistischen Elemente repräsentieren: Feuer, Luft, Wasser und Erde – und damit die vier Jahreszeiten im kosmologischen Tierkreis. Demnach symbolisiert dieses sagenhafte Steinpflaster auf dem Altarboden der Abtei zu Westminster also das Universum. Und im Zentrum dessen steht dann auch der Thron des Königs den er »be-sitzt« während der Krönungszeremonie.

Die Jungfrau Maria und der Heilige Johannes, die auf dem ursprünglichen Altarbild die goldenen Palmenzweige halten, weisen hin auf die esoterische Bedeutung des Kosmaten-Mosaiks mit dem Thron im Zentrum. Es steht dieser Thron ein heiliges Zeichen dar, das bei der Krönung des Königs die Mitte der Welt markiert. Und das trifft auf die englische Monarchie auch real zu. Denn der englische König ist ja auch König der Mitglieder des British Commonwealth, in dem auch die Religionen der Welt zuhause sind, was besonders während der Krönungszeremonie Königs Charles III. ganz deutlich wurde. Denn im besagten Altarraum nahmen an der Zeremonie der Überreichung der heiligen Insignien (Schwert, Zepter, Reichsapfel) sowohl orthodoxe, katholische und evangelische Priester beteiligt, wie auch ein muslimischer, ein hinduistischer und buddhistischer Adliger.

 

1 Kommentar
  1. Erinnere mich, dass ein Rabbi
    Erinnere mich, dass ein Rabbi aus Israel ein winziges Fläschen hochhielt mit dem Salböl, wie es bei König David verwedet wurde. Es sollte aus einem Distelbusch durch Pressen erhalten worden sein.

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