Achtsamkeit

Anapanasati oder: Achtsames Atmen

Anapanasati oder: Achtsames Atmen

Im Buddhismus kommt man in Berührung mit dem, was man das achtsame Atmen nennt. Es ist eine uralte Praxis die ursprünglich durch den Buddha Gautama seinen Schülern gelehrt wurde: Sie sollten den Wirkungen in ihrem Körper nachspüren, die ihr Atem in seiner Bewegung darin verursacht.

Heute zählt diese buddhistische Vorbereitungspraxis des Anapanadati zu den wohl am weitest verbreiteten Techniken zur achtsamen Zuwendung, der durch den Atem ausgelösten inneren Vorgänge. Dabei schaut der Übende zuerst auf die Vorgänge in seinem Körper, betrachtet darauf seine Gefühle, seine Wahrnehmung und schließlich das, was in seinem Geist vor sich geht.

In seiner Erörterung dieser Praxis, dem Anapanasati Sutta, bat der Buddha seine Schüler zum Beispiel in einen Wald zu gehen und sich dort eine ruhige Stelle zu suchen, unter einem Baum.

Da ist der Fall, wo ein Bhikkhu (buddhistischer Mönch der von Almosen lebt), nachdem er in die Wildnis gegangen ist, im Schatten eines Baumes oder in einer leeren Hütte sich hinsetzt, seine Beine überkreuzend, seinen Körper aufrecht haltend, und Achtsamkeit in den Vordergrund bringend. Stets achtsam atmet er ein; achtsam atmet er aus.

- Auszug aus einer Lehrrede des Buddha aus dem Pali-Kanon (Übersetzung: Thanissaro Bhikkhu)

So in Ruhe sitzend, soll der Meditierende ganz einfach seinen Atem beobachten. War der Atem lang, sollte er sich bewusst machen, dass der Atem eben lang ist. War der Atem kurz, so konnte er einfach feststellen, dass sein Atem kurz ist.

Diese vom Buddha aufgetragene Übung diente dem Schüler

  • sich in Achtsamkeit zu üben, den Körper, Gefühle und mentale Prozesse zu beobachten,
  • sich zu konzentrieren auf das Wesen aller eigentlichen Unbeständigkeit, sich dabei von Leidenschaften zu lösen, mit dem Zweck auf diese Weise
  • den Geist zu stabilisieren und damit Gedanken loszulassen, zur Erlangung einer ultimativen Zufriedenheit.

Die Praxis des Anapanasati

Es lässt sich die im Anapanasati geübte Achtsamkeit sowohl im Sitzen, im Stehen, im Liegen oder auch beim Gehen üben. Dabei nimmt man in Gelassenheit den Atem wahr, wie er durch die Nasenlöcher in den Körper, als kühler Luftstrom empfindbar, einströmt und sich beim Ausatmen langsam über die Oberlippe, etwas erwärmt, wieder austritt.

Als nächstes soll sich der Übende einen kleinen Bereich unter dem Nabels (chinesisch »Xia Dantian«; zu deutsch: »Zinnoberfeld«; im Abstand von Zeige- und Mittelfinger unterhalb des Bauchnabels), unter der Haut bewusst machen, um auch dort die Atembewegung zu empfinden. Dabei kann der Übende beim Einatmen ganz langsam auf 10 zählen. Nach dem Ausatmen beginnt man von vorne (eine Zählung beim Ausatmen ist nicht notwendig).

Das heißt also, dass man sich zuerst

  1. den Atemstrom bewusst macht, der durch die Nase geht,
  2. dann den Xia-Dantian-Punkt in seiner Auf- und Abbewegung erlebt und schließlich
  3. den Atemvorgang einzählt.

Er erkennt lang einatmend: Ich atme lang ein; oder lang ausatmend erkennt er: Ich atme lang aus. Oder kurz einatmend erkennt er: Ich atme kurz ein; oder kurz ausatmend erkennt er: Ich atme kurz aus. […]
Ich werde empfindsam für Verzückung einatmen. […]
Ich werde empfindsam für Verzückung ausatmen. […]
Ich werde empfindsam für den Geist einatmen. […]
Ich werde empfindsam für den Geist ausatmen. […]
Ich werde den Geist zufriedenstellend einatmen. […]
Ich werde auf Unbeständigkeit fokussierend einatmen. […]
Ich werde auf Unbeständigkeit fokussierend ausatmen.

- Auszüge aus einer Lehrrede des Buddha aus dem Pali-Kanon (Übersetzung: Thanissaro Bhikkhu)

Der Atem an sich aber verändert sich dabei nicht. Es wird so geatmet wie immer: natürlich, ohne bestimmte Regeln oder Haltungen. Je gewöhnlicher, desto besser. Denn Ziel ist letztendlich ja dem Geist keinen Gedanken mehr zu lassen, mit dem er sich befassen könnte.

Nachdem man diese drei Abschnitte für einige Zeit übte, kann man sich aber davon lösen und nur noch auf den Atem achten. Aber weniger fokussierend, als eher in einer Losgelöstheit von allem Konzentrieren. Lenkt einen etwas ab, ein Gedanke, ein Geräusch oder etwas anderes, bringt man seine Aufmerksamkeit einfach wieder zurück auf den Atem.

Eigentlich sogar ist das der wichtige Moment, in dem der Praktizierende wirklich erlernt zu meditieren: sich immer wieder erneut in den bewussten, doch natürlichen Atem versenkend – ein Atem der »einfach passiert« und sozusagen »freiwillig bleibt« – und er so seine Mitte findet. Alles andere wäre gänzlich widersinnig. Denn wenn es oft heißt, man solle sich auf seinen Atem konzentrieren, versuchen Menschen meist, fast schon verbissen, ihre Atembewegung zu lenken. Genau das ist es aber nicht.

Es geht um ein Erleben, dass jenseits aller Geistesformen besteht, das, was man als absolute Achtsamkeit bezeichnen könnte, wenn man sich nicht mehr der Dinge im Raum gewusst wird, sondern der Leere dazwischen. Auch die Punkte wo das Einatmen ins Ausatmen und das Ausatmen ins Einatmen wechselt, ist das, was der Anapanasati-Methode ihren Sinn verleiht: Es ist mehr eine Möglichkeit, als ein vorgeschriebener Weg. Darum ist es auch vollkommen ausreichend, wenn man diese Übung nur für einige Minuten täglich praktiziert.

 

Was ist mir bestimmt?

Was ist mir bestimmt?

Jeder der seine eigentliche Lebensaufgabe finden will, muss sich dafür selbst auf den Weg machen. Niemand sonst kann diesen Weg antreten, führt er doch jeden von uns zu seiner höheren Bewusstheit – etwas, das sich nicht außerhalb unseres Seins befindet, sondern auf diesem Weg, in uns gefunden und beschritten werden will.

Auf diesen Pfad begibt sich einer, der von der Existenz eines Höheren Selbst ausgeht und glaubt, dass die Seele an ihre weltliche Inkarnation gebunden ist. Es ist dieser Pfad, der das Geistige und das Seelische verbindet.

Am Wichtigsten dabei aber ist, dass wir mit Gelassenheit vorgehen, um geduldig diesen Pfad zu erfinden – denn es gibt ihn noch nicht. Das Finden ist die Suche. Darum können wir darauf nur Schritt für Schritt wandeln. Wir bilden ihn durch unser Voranschreiten, in mehreren Etappen und Phasen dieses Lebensweges.

Niemand anderes kann für uns diesen Weg antreten. Denn er entsteht allein durch unser Fortkommen. Nur wir erschaffen ihn, da nur wir ihn beschreiten können. Wer also versucht dem Weg eines anderen Menschen zu folgen, verschwendet einfach nur seine Zeit!

Und doch gibt es Vorbilder, religiös oder weltlich, die auf die Schwellen unseres Fortschreitens hindeuten können, wie auch die Kreuzungspunkte an denen wir Anderen begegnen, die uns während einer Etappe unseres Lebensweges begleiten. Wenn es also zuvor hieß, dass wir nur selbst unseren Lebensweg gehen können, bedeutet das nicht, dass wir ihn nicht auch mit anderen teilen. Niemand in der Welt kann leben ohne seine Mitmenschen. Wir brauchen einander. Doch wir sollten uns nicht voneinander abhängig machen.

Leider aber gibt es da all die vielen Möchtegern-Gurus, die behaupten den wahren Weg zur Erleuchtung zu kennen. Doch statt ihre Jünger auf ihren inneren, rechten Pfad zu führen, lassen sie sie in die Irre laufen. Wohl, weil sie jenen Pfad nicht einmal für sich gefunden, geschweige denn gegangen waren.

Der kalifornische Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti sagte einst dazu: »Die Wahrheit ist ein pfadloses Land«.

Dem eigenen Lebensweg folgen

Auch wenn man das manchen Religionsführern ankreiden könnte, sollte man dennoch aufpassen, dass man Empfehlungen und Hinweise auf einen rechten Pfad, nicht verwechselt mit einem Befehl etwas tun zu müssen.

Alle Weisheiten, Philosophien und religiösen Vorstellungen könnten hingegen als Inspirationsquellen gesehen werden, die unsere Fantasie beflügeln. Was wir aus unserer Fantasie an Aktivitäten ableiten, bleibt uns selbst überlassen und niemand ist berechtigt, uns welche aufzuoktroyieren. Wer jedoch diese, seinem Wesen entsprechenden Handlungen für sich entschieden hat, der sollte sie auch tatsächlich ausüben, so gut als nur möglich.

Manche dieser Handlungen sind aber vielleicht gar nicht jene, die uns leicht fallen. Der Grund aber, dass uns solche Aktivitäten und Handlungen inspirieren, die uns zu Anfangs noch schwer fallen, liegt aber eigentlich auf der Hand: Wir sollen sie erlernen, da wir sie wohl für unsere Entwicklung benötigen.

Jeder der seinem Pfad folgt, verspürt eine dabei aufkommende Freude in sich. Man sollte also stets seinem Glück folgen, dem was einen glücklich, was einen selig macht.

Alles was man im Leben unternimmt, sollte sich darum auf diesem Weg des Glücks befinden. Alles was einen unglücklich macht oder zum eigenen Unglück beiträgt, sollte tunlichst unterlassen werden. Sicherlich ist es darum ratsam, sich mit Menschen und Sachen zu umgeben, die einem gut tun.

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen und manchmal benötigt es etwas Zeit, bis wir den ersten Schritt dieser inneren Reise antreten können.

Doch sich mit Negativthemen zu befassen, die einem Sicherheitsgefühle vortäuschen, da man etwa andere Menschen in Angst sieht, wie beispielsweise in Krimi-Filmen, ist einfach schädlich für unser Glücksempfinden. Und was für solche Filme zutrifft, das ist erst recht wahr für die Nachrichten im Fernsehen. Zeitungen sind da eine echt gute Alternative. Es liegt an Ihnen.

Glauben Sie mir: Selbst wenn Sie eine Woche keine Nachrichten schauen und zum Beispiel Ihre Kollegen oder Partner am Mittagstisch fragen, ob irgend etwas drastisches passiert sei, werden sie sehr wahrscheinlich erst einmal schweigen, bevor sie ihnen mitteilen »eigentlich nicht, das Übliche halt«.

Auch wenn wir glauben, dass wir uns selbst in Sicherheit wähnen, während im Außen (zum Beispiel im Bildschirm Ihres Fernsehers) andere Menschen leiden, selbst wenn auch nur geschauspielert, erleben wir deren Bedrängnis und damit wird das, wenn auch nur vorübergehend, ein Teil unseres Lebens. Auf diese Weise häufen wir Negativ-Emotionen an, die uns irgendwann auch belasten und die Sicht auf unser Glück letztendlich verstellen.

Glück und Zufall

Einen Rat den ich jedem geben würde, wäre seinen Lebensweg achtsam zu beschreiten. Achtsamkeit heißt, die sinnliche Welt als solche bewusst wahrzunehmen. Dazu gehört etwa bewusstes Atmen, dass man spürt und nach dem man auch lauschen kann.

Wer achtsam ist bemerkt auch sehr gut, welche Dinge im Leben ihm zufallen. Das heißt natürlich nicht, dass wir alles das uns vor die Füße fällt überbewerten sollten. Doch es lohnt sich allemal, jene Zufälle zu erkennen, die uns inspirieren und manchmal sogar Antworten auf unsere wichtigsten Fragen liefern. Es sind Wegweiser, die uns darauf hinweisen an welcher Stelle wir einen neuen Weg einschlagen sollten.

Besonders ergeben sich Schwierigkeiten und Probleme im Leben, wenn wir an eine neue Abzweigung auf unserem Weg kommen. Wenn auch unbewusst, sind wir dann gezwungen unser Leben auf einen neuen Pfad zu lenken. Das kann teilweise schmerzhaft sein, doch immer zu unserem Besten.

Heldinnen und Helden

Achtsamkeit bedeutet auch, dass man lernt Ausschau zu halten nach jenen Persönlichkeiten, deren Leben uns auch zu unserem eigenen Glück inspiriert.

Stellt sich die Frage: Auf welche Weise will man sich inspirieren lassen, ohne vom eigenen Weg abzukommen?

Und: Was an einer bewundernswerten Person bringt uns auf unserem Lebensweg voran, hilft uns als Antreiber oder gibt uns günstige Impulse?

Selbst wenn es keinen solchen »Helden« oder keine solche »Heldin« in unserem Leben gibt: Hätten wir einen Wunsch frei, wie würde dieser lauten?

Doch Vorsicht! Wünsche wie »Ich will reich sein« oder »ich will nie wieder arbeiten müssen« oder »ich will beliebt sein« und so weiter, sind gefährlich.

Es ist immer wahrscheinlich, dass sich unsere Wünsche auch tatsächlich erfüllen – und da spreche ich aus Erfahrung – doch die meisten unserer Wünsche erfüllen sich auf eine Weise, wie wir sie uns eben nicht erträumten. Sich etwa finanziellen Reichtum zu wünschen, ist schön und gut. Doch dann sollte man sich ebenso fragen, wo das ganze Geld dann herkommen soll? Wer hat dafür bezahlt? Diese selben Fragen, ließen sich ebenso für alle anderen Wünsche stellen.

Begabung als Bestimmung

Viel wichtiger in der persönlichen Wunschfreiheit wäre nicht »was« man sein will, sondern »wer« man sein will. Denn kann man doch nur als solcher auf seinem Weg fortschreiten, zu etwas Besserem, Vollkommenerem. Diesen Weg zu beschreiten heißt, unserem innersten Wesenskern zu folgen. Ihn erschaffen wir, indem wir unsere besonderen Begabungen und Fähigkeiten leben.

Was sind Ihre wahren Begabungen?

Manches das Ihnen besonders leicht fällt, erscheint Ihnen vielleicht gar nicht als Begabung, sondern wird als alltäglich und normal empfunden. Meist liegt darin aber eine wertvolle Fähigkeit, sehr wahrscheinlich sogar Ihre wahre Aufgabe auf diesem Planeten. Es ist die Art, wie Sie sich durch die Welt bewegen und auf Ihrem Lebensweg auch andere Menschen daran teilhaben lassen: Indem Sie erkennen, wie Ihre Begabungen einen Wert für andere Menschen bieten – ist es doch immer ein Geben und Nehmen, dass uns zu jenem Glück verhilft, wonach wir uns sehnen, wonach sich unsere innigsten Wünschen sehnen, es endlich zum Ausdruck kommen zu sehen.

Dazu ist es niemals zu spät.

 

Achtsamkeit - Auf dem Weg zu Wachstum und Veränderung

von S. Levent Oezkan

Bodhidarma - ewigeweisheit.de

Achtsamkeit ist einer der zentralen Begriffe der buddhistischen Tradition. So heißt es dort, dass wer Achtsamkeit praktiziert, aus sich selbst heraus Selbsterkenntnis und Weisheit erfährt. Stets achtsam, lebt man ein Leben im Hier und Jetzt - beobachtet nur den gegenwärtigen Augenblick.

Wer achtsam meditierend, seine Wahrnehmung veredelt, soll sich, so die Lehren der Buddhisten, irgendwann vollständig aus dem schmerzvollen Kreislauf des Leids erlösen können.

Achtsam sein bedeutet aber nicht etwa alles zu beurteilen, Dinge oder Vorgänge zu bewerten. Der Begriff Achtsamkeits-Meditation meint eher die Praxis, jeden Augenblick aufmerksam zu sein und in die Welt zu blicken, ohne an irgend etwas oder an irgend jemandes persönlicher Erscheinung zu haften. Wem gelingt, wirklich zu sehen, ohne dass sich Vorstellungen, Annahmen und Meinungen aus der Vergangenheit, in den gegenwärtigen Augenblick der Betrachtung einmischen, der kann seine mentalen Kräfte am effektivsten einsetzen.

Der westliche Durchschnittmensch aber schwelgt stets in Erinnerungen. Er hängt sich Fotos von sich, seinen Verwandten und Freunden auf, von Orten an denen man Urlaub gemacht hat. Eigentlich lässt sich daran nichts aussetzen. Erinnerungen sind aber nicht immer positiv und lösen dann vielleicht auch einen Nachgeschmack aus, der weniger zuträglich ist - mit anderen Worten: Denken kreist dann um Probleme, die man mit der Welt, mit seinen Mitmenschen und mit sich selbst hatte, die aber schon längst der Vergangenheit angehören. Auch wenn aus dieser Art Gedanken zum Glück auch Hoffnungen werden, haften an solchen Erinnerungen leider auch Ängste davor, wieder enttäuscht zu werden, alleine zu sein, krank zu werden und so weiter.

Menschliches Denken neigt manchmal auch zu zwanghaften Vorstellungen, insbesondere über Situationen, die man einst mit einem anderen Menschen erlebte. Man hätte vielleicht gerne etwas anderes erfahren und gibt sich darum der Illusion hin, man könne in der Erinnerung an ein gemeinsames Erlebnis, daran nochmal etwas ändern, zumindest aber sich daran noch einmal laben. So aber hält man sein Denken in einem ewigen Gestern. 

Wer Achtsamkeit übt, kann aus solchen Gedankenkreisläufen entrinnen. Zufällige, gewöhnliche Gedanken nerven dann nicht mehr. Denn wer in seinem Denken in der Gegenwart bleibt, kann sich tatsächlich aus alten Mustern befreien: schließlich handelt er aus der Gegenwart und nicht mehr aus den Erinnerungen daran, was vielleicht einst schief gelaufen war. Mit anderen Worten: wer im Jetzt handelt, wird für seine Taten gerecht belohnt.

Handle in deinem Leben so, als wäre es deines Lebens letzte Tat.

- Marcus Aurelius

Eine einfache Übung in Achtsamkeit

Benutzen Sie Pausen zwischen Ihren Handlungen. Das heißt, bevor Sie etwas tun, nehmen Sie sich ein, zwei Sekunden Zeit. Sie können zum Beispiel in Gedanken den Satz sprechen, der die anstehende Handlung beschreibt: "ich werde jetzt essen", "ich werde jetzt das Haus verlassen", "ich werde jetzt aufstehen", "ich werde mich jetzt setzen."

Lernen Sie vor jeder Tätigkeit kurz innezuhalten und sich zur folgenden Tat, voll zu "bekennen". Das mag etwas übertrieben klingen, doch wenn sie so, jede ihrer Handlungen und Taten ausüben (auch die niedrigsten), bleibt Ihnen garnichts anderes übrig, als achtsam zu sein. Denn die "Bekenntnis" zu dem was folgt, lässt sie voll bewusst handeln. Sie beobachten dann was sie tun, ohne Urteil, ohne Wertung.

Gut möglich, dass Ihnen das zu Anfangs etwas künstlich vorkommt - und das ist auch gut so, damit nämlich vermeiden sie Ihren gewohnten Automatismus, den Sie vielleicht neben Ihrem ununterbrochenen Nachdenken ausüben.

Dann, nach diesem kurzen Innehalten, geben sie den darauf folgenden Handlung nach. Doch lassen Sie sich Zeit und übertreiben Sie es nicht. Achtsamkeit lässt sich nicht erzwingen.

Achtsamkeit ist aufmerksames Beobachten, ein Gewahrsein, völlig frei von Motiven oder Wünschen - ein Beobachten ohne jegliche Interpretation oder Verzerrung.

- Jiddu Krishnamurti

Was der Buddha über Achtsamkeit lehrte

Alle Gelehrten sind sich einig: im Kern stammen die Lehren über Achtsamkeitsübungen vom Buddha selbst. Nicht aber ist Achtsamkeit etwas, dass nur von buddhistischen Mönchen oder Nonnen praktiziert wird. Es sei jedem empfohlen, sich in Achtsamkeit zu üben. Die erste Stufe zu einem bewussten Leben im Jetzt, ist die Beobachtung des Atems. Es gibt viele Einzelheiten, die man am Atemvorgang beobachten kann:

  • Beim Einatmen hebt sich die Bauchdecke,
  • beim Ausatmen senkt sie sich. Man kann diesen Vorgang bewusster wahrnehmen, indem man sich mit der Hand leicht den Bauch hält und nachspürt.
  • Bewusst wahrnehmen lässt sich auch der Wechsel vom Einatmen zum Ausatmen.
  • Ebenso umgekehrt: kurz nachdem wir ausgeatmet haben, können wir bewusst das Einatmen des nächsten Atemzugs beobachten - liebevoll, in klarem Gemüt.
  • Durch das Atmen findet in unserem Gesicht eine leichte Temperaturänderung statt, vorausgesetzt wir sitzen in einem windstillen Raum: beim Einatmen kühlt sich der Gesichtsbereich um die Nase etwas ab, beim Ausatmen erwärmt er sich leicht.

Doch es geht hier nicht darum den Atemvorgang, in irgend einer Form zu analysieren oder aus den Bewegungen etwas zu diagnostizieren. Eher soll man sich selbst durch bewusstes Atmen näher kommen, den Gedankenstrom dabei entspannen und stattdessen die Atembewegung anschauen, als ruhte unser Blick liebevoll auf einem Freund oder Menschen den wir mögen.

Bewusstes Atmen und Körperwahrnehmung

Alles beginnt mit der bewussten Betrachtung des Atems. Es hilft beim Atmen bewusst zu bleiben, wenn wir jeden Atemzug zählen, etwas an dem wir uns festhalten können, denn sicherlich drängen sich in der Atemmeditation, immer wieder irgendwelche Gedanken und Erinnerungen auf.

Das Zählen der Atemzüge dient als roter Faden:

  • einatmen - eins,
  • ausatmen - zwei,
  • einatmen - drei,
  • ausatmen - vier,
  • ... und so fort bis zehn.

Wenn wir ausversehen auf elf oder zwölf oder weiter zählen: beginnen wir einfach wieder mit dem nächsten Einatmen bei Eins.

Voll bewusst atmend, ohne über diese Übung nachzudenken, können wir dazu übergehen, als nächstes unsere Achtsamkeit auf die Umwelt und unseren Körper zu richten:

  • man hört auf Geräusche in der Umgebung, hört auf den Luftstrom des Atems,
  • nimmt wahr, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt,
  • fühlt Augen, Ohren, Lippen und Kinn,
  • bringt die Aufmerksamkeit am Hals hinab bis auf Brusthöhe,
  • spürt seine Arme, Hände, Finger und Fingerspitzen,
  • bringt die Wahrnehmung von dort in den Beckenbereich, in die Beine, Füße, Zehen und Zehenspitzen.

Dem folgt die meditative Beobachtung der Gefühle und schließlich der Gedanken.

Immer aber erinnern wir uns daran: "Ich habe Zeit".

Lösen der Anspannung

Schritt für Schritt kommen wir dem näher, dass uns befreit von Sorgen und Ängsten. Geduldig erlangen wir Klarheit und Festigkeit in unserem Handeln, Fühlen und Denken. Ziel ist, dabei entspannt zu bleiben, ganz gleich was sich in uns oder um uns ereignet. Es gilt, allmählich den Wunsch abzulegen auf etwas zu reagieren. Dieser Wunsch ist oft besonders ausgeprägt in unserem Denken, wo wir uns, wie oben bereits angedeutet, vergangene Ereignisse noch einmal vergegenwärtigen wollen. Das ist eigentlich in Ordnung, solange es nur die schönen Momente im Leben sind. Viel zu oft aber ärgern wir uns erneut, über uns selbst oder über einen anderen Menschen. Auf so etwas nicht mehr reagieren zu wollen, ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu wahrer Meditation und Geistesstille.

Sobald sich uns ein unerwünschter Gedanke in den Weg stellt, kämpfen wir nicht dagegen an, wie etwa "ich darf daran jetzt nicht denken" oder "ich will damit nichts mehr zu tun haben" oder "ich muss still werden". Vielmehr lassen wir Ihn gehen, so wie er kam, denn schließlich haben wir ihn selbst durch unser Denken angezogen. Ebenso einfach können wir ihn weiterziehen lassen. Unsere Gedanken schweben in unserem Bewusstsein, wie die Wolken am Himmel. Wir betrachten sie, doch bewerten nicht.

Wahrnehmung ohne Wertung

Anders als manch moderne Meditationstechnik, verfolgt die Achtsamkeitsmeditation kein besonderes Ziel - bis auf das Erreichen, vollkommener Achtsamkeit. Was bedeutet das?

Der Buddha lehrte, dass der Wunsch etwas in der Welt zu erreichen oder zu verändern, immer zu Leid führt. Doch Vorsicht! Das bedeutet keineswegs, dass man keine Ziele haben sollte! Nein, hier ist etwas anderes gemeint. Achtsamkeit an sich benötigt kein Ziel. Man ist entweder achtsam oder wird von seinem persönlichen Denker dazu angehalten, ununterbrochen Urteile zu fällen. Ein Urteil fällt man jedoch immer nur über ein Ereignis aus der Vergangenheit, denn es folgt immer dem was bereits eingetreten, was schon geschehen war. Aus einem Bewusstsein der Vergangenheit, um es einmal so zu nennen, ergeben sich jedoch Befürchtungen vor den Ungewissheiten der Zukunft. Man hat dann vielleicht auch Angst, dass sich ein negatives Ereignis wiederholen könnte.

Achtsamkeit bedeutet bewusst im Jetzt zu leben und zu erfahren, was sich in den Sekunden jedes Augen-Blicks, in uns und um uns ereignet. Es besteht also keine Absicht etwas zu verändern, bewirken oder beeinflussen zu wollen. Einziger Wunsch ist aufmerksam zu sein und zu beobachten: wie sich unser Atem bewegt, was wir sehen, hören und was wir fühlen - ohne Wertung, ohne Lob und ohne Tadel.

Es gibt keine genauen Regeln, wie man Achtsamkeit übt. Man kann immer achtsam sein. Der Buddha lehrte, in den Stunden des Wachseins, stets achtsam zu sein. Auch wenn das zu Anfangs schwer fällt, können wir lernen, jeden Atemzug bewusst zu nehmen und ebenso bewusst wieder los zu lassen. Auch auf die Körperposition zu achten, auf den Wechsel von einer Haltung in eine andere: all das lässt sich bewusst wahrnehmen - wenn man es will!

Im Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen - im Sprechen und im Schweigen - sei einer bei klarem Bewusstsein. Auf diese Weise erreicht einer Achtsamkeit und reines Verstehen.

- Der Buddha

Jain-Mönch in Meditation – ewigeweisheit.de

Meditierender Jain-Mönch in Palitana, Gujarat, Indien (1928).

Wie man Achtsamkeit übt

Die Grundzüge der Achtsamkeitsübungen sind vielleicht von Schulrichtung zu Schulrichtung verschieden. Was aber für andere Lehren und Meditationspraktiken gilt, trifft auch zu für die Verbesserung der Achtsamkeit: jeder sollte einen für sich passenden Weg finden, achtsamer zu werden.

Achtsamkeitsübungen und -meditationen, können alle Menschen in ihrem Leben unterstützen - in ihrer Arbeit mit anderen und an sich selbst. Wer unter Panikattaken oder Aufmerksamkeitsmangel, an Depressionen oder Ängsten leidet: allen kann es helfen, sich ernsthaft mit Meditation und Achtsamkeit zu beschäftigen. Das scheinen auch immer mehr Psychotherapeuten und Psychiater im Westen zu verstehen, weshalb sie Achtsamkeitsübungen als Hilfsmittel, in ihre Arbeit mit ihren Patienten integrieren.

Wer achtsam lebt, kann seine dabei gemachten Erfahrungen dazu verwenden, seine innere, emotionale Intelligenz zu verbessern. Das heißt, ihm gelingt ein Selbstbewusstsein zu entwickeln dafür, mit Stress, Sorgen, Ängsten und Ärger besser umzugehen. Was für das Innen zutriff, gilt auch für das Leben im Umgang mit anderen: wer achtsam lebt, verfügt über ausreichend Empathie, um die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen - was natürlich die besten Voraussetzungen für einen Menschen sein sollten, der zum Beispiel die Mitarbeiter eines Unternehmens führen möchte.

Achtsamkeitsübungen sind gute Ergänzungen zur Körpergymnastik und Hatha-Yoga. Sie tragen bei zu physischem und psychischem Gleichgewicht. Wer sich darum in Achtsamkeit üben möchte, sollte seine Aufgeschlossenheit bewahren und dran bleiben. Doch all das ist nur möglich, wenn man auch zulässt, dass man manchmal eben unentspannt ist, dass man eben manchmal ängstlich, manchmal zornig ist. Achtsam sein ist weder Gebot, noch verbietet es einem, sich so oder anders zu verhalten.

Einer ist viel weniger besorgt, wenn er sich nicht verbietet ängstlich zu sein - das Selbe gilt für Schuldgefühle.

- Alan Watts

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