Gott

Das Wesen der Liebe

Das Wesen der Liebe

Der Mensch, so heisst es, hält in allen Dingen die Mitte. Er ist weder der Stärkste, noch der Schwächste; er kann weder in dichter Finsternis, noch in zu hellem Lichte sehen; er kann weder die übergroße, hochverdoppelte Zahl, noch das ganz kleine, nicht mehr teilbare Atom erfassen.

Der Mensch kann von der Zeit nur eine Spanne erkennen und selbst die Astrologen wagen zwar aus Konjunktionen, die in je 20, je 240 oder in je 960 Jahren stattfinden, die Geschichte vorherzusagen – was ja auch schon genug wäre, könnten sie bereits dies – aus den Konjunktionen, die in je 3840 oder gar in je 7000 Jahren einmal stattfinden die Schicksale zu bestimmen – da ließen sie ihre Nase davon.

Auch die menschliche Vernunft erfasst nur die Objekte zwischen voller Klarheit und voller Verborgenheit. Den Schöpfer in seinem eigentlichen Wesen kann der Mensch wegen der all zu hellen Weisheit nicht erfassen und die Gestalt des Alls erfasst er ebenfalls nicht, wegen der Allgrösse. Auch sind die reinen, stofflosen Formen nicht fassbar, wegen der all zu großen Reinheit und Klarheit.

Zu verborgen ist dagegen das Wesen des Embryo im Mutterschoß, des Hühnchens im Ei, des Korns in der Fruchthülse, der Frucht im Blütenkelch. Denn die sinnliche Wahrnehmung erfasst selbiger (d. h. der Mensch), als fertige, jedoch nicht in der Zeit ihres Entstehens.

Will man aber die Frage, wie die Welt entstand, beantworten, dann komme man erst mit diesen Dingen ins Klare.

Trotz dieser Schranke, will man das All ordnen, und da gibt es eine Handhabe in Teilding und Allding. Alldinge sind jene neun Stufen: Gott, Vernunft, Seele, Urmaterie, Stoff, Welt, Natur, Elemente, Produkte; Teildinge aber sind alle Einzelerscheinungen, wie und wo sie immer uns begegnen. Bei den Alldingen ist die Ordnung von der Einheit bis zur Vielheit, bei den Teildingen hingegen von der Vielheit zur Einheit. Einen Ausgang gibt es und einen Heimgang – Ausgang von der Eins aus – und Heimgang zur Eins zurück, daher die Doppelordnung.

Mit diesem neoplatonischen Grundzug, wird der theologisch-mohammedanische identifiziert. Diese niedere Welt ist die Dauer der Seele mit dem Körper. Zunächst die Verbindung der Weltseele mit dem Weltkörper, sodann die Vereinigung der Menschenseele mit dem Menschenkörper. Untergang und Tod ist das Abstehen der Seele vom Gebrauch des Körpers. Die andre Welt ist das zweite Hervorgehen nach dem Tode oder die Dauer der Seele nach der Trennung.

Paradies ist die Welt der Geister, die frei vom Körper in reiner Form besteht. Hölle ist diese Welt der Leiber in dem sich wandelnden Stoff. Heimsuchung ist die Erweckung der Seele vom Schlaf der Torheit. Auferstehung aber das Aufstehen der Seele aus ihrem Grab im Leibe. Abrechnung ist die Übereinkunft der Allseele mit der Teilseele über das was sie tat, als sie sich im Körper befand.

Der gerade Pfad ist der Weg des Menschen zu Gott, dem Ursprung. Beim Einfall des Samentropfens vereinte sich eine Teilseele mit dem Neugebilde – sie ward als ein Strahl von der Allseele durch ihre Verbindung mit dem Embryo selbstständig, um als eine vollendetere zur Allseele zurückzukehren und für das Gute Lohn, für das Böse Strafe zu erhalten. Also ist der Verkehr der Teilseele mit der Allseele auf ihrer höchsten Stufe, das ist die Stufe des Menschseins.

Was auf dieser Stufe an Philosophischem und Theologischem klar ist, findet nun aber auch in den anderen Bereichen der Natur statt.

Dies Mineral bildet die erste Wesenszone, welche die Teilseele durchschreitet. Dem folgen dann die Pflanzen, dann die Menschen. Darauf findet der Eintritt in die Scharen der Engel und Himmelsbewohner statt.

Das Leben der Pflanzen-, der Tier-, der Menschenseele, alles ist nur ein Spiel im Kreise der Natur, die als eine von den Kräften der Allseele, in den niederen Sphären, der wandelbaren Welt, ihr Wesen treibt und den ersten Zauberring des Lebens bildet. Aber nur bis zur Grenze des Himmels reicht ihre Macht, bis zur Mittelstufe d. h. bis zur Menschenstufe, die das Mittelglied zwischen der Niederreihe und der Hochreihe der Wesen bildet und deshalb vermöge des freien Willens gottähnlicher zu werden streben kann, oft aber auch von Gott entfremdeter unter das Tier herabsinkt.

Dass dem so sei, beweist das Band der Liebe.

Was ist Liebe?

Die Einen sagen: Liebe sei Zuneigung zu einer Person derselben Art.

Andere: Liebe sei ein übermächtiges Begehren nach einer ähnlichen Naturanlage im Körper oder einer Form, die uns in der Gattung ähnlich ist.

Die Dritten: Liebe sei die gewaltige Sehnsucht nach der Einswerdung.

Die Einswerdung ist das wahre Wesen der Liebe, sie ist etwas Seelenartiges und eine geistige Einwirkung. Nun zerfallen die Seelen in drei Arten:

1. Die pflanzenartige begehrliche Seele; ihre Liebe geht auf Speise, Trank und Begattung. Wenn im Augenblick der Entstehung, der Mond, die Venus und Saturn vorherrschte, hat die Pflanzenseele Gewalt.

2. Die zornfähige tierische Seele. Ihre Liebe geht auf Überwindung, Rache, Herrschaft. Mars, Venus und Merkur walten bei der Entstehung vor und treiben die Seele des entstehenden Menschen dieser Richtung zu.

3. Die vernünftige Seele geht auf die Erwerbung von Erkenntnis und Vortrefflichkeit. Die Sonne, Merkur und Jupiter treiben der Seele dieser Richtung zu. Nur bei der dritten Richtung ist die Liebe Einswerdung. Denn die Einswerdung ist die spezielle Eigenschaft der Geistesdinge und der Seelenzustände, wogegen bei den körperlichen Dingen keine Einswerdung, sondern nur eine Nachbarschaft, eine Vermischung und Berührung, aber nichts anderes möglich ist.

Es gehört zum Wesen der Seele, dass sie bei der Darstellung ihrer Werke und Charaktere, der Mischung des Leibes und Körperglieder Rechnung trägt, denn die Glieder sind für die Seele, wie Werkzeug und Ausrüstung für den Werkmeister, da er durch sie seine Werke schafft.

Aus diesem Grund verstärkt sich im Lauf der Tage die Liebe und Zuneigung zwischen den Liebenden, sie wächst und nimmt zu.

Bei einer jeden anderen Sehnsucht, tritt nach der Erreichung des Ziels Überdruss und Trennung ein, nur bei der Liebe zu Gott und dem Nahen zu ihm, tritt die Mehrung derselben ein.

Denn die Anschauung Gottes ist über alle körperliche Eigenschaft erhaben, sie ist eine Anschauung von Licht durch Licht.

Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist wie eine Blende, darin ist eine Leuchte und diese in einem Glas. Das Glas scheint dann wie ein leuchtender Stern. Sie wird entzündet vom Öl eines gesegneten Baums.

- Sure 24:35

Warum wurde die Liebe zum Körper in die Seele gelegt?

Sie sehnt sich den verschiedenen Geliebten zu, um von den leiblichen Dingen zu den geistigen, vom Schmuck des Leibes zum Schmuck des Geistes zu gelangen. Die Seele soll durch die Liebe zur Erkenntnis ihrer Substanz, zur Erhabenheit ihrer Grundelemente, zur Schönheit ihrer Welt und Heimat hingelangen. Alles Schöne, jeder Schmuck ist eben nur Färbung und Zeichnung ähnlich dem, was die Allseele dem Urstoff einzeichnete und womit sie die Körperfläche schmückte, damit, wenn die Teilseelen darauf blickten sie sich danach sehnen.

Wenn dann auch die Bezeugung der Schönheit durch die Sinne aufhört, so bleiben die dem Wesen der Seele eingeprägten Grundzüge und Formen in den Teilseelen als reine, geistige und begehrte, mit ihnen zu Eins gewordene Formen. Nimmer ist Trennung und Änderung dann zu fürchten, wie ja auch stets das Bild des Geliebten rein und klar der Seele des Liebenden verbleibt, wenn auch die Schönheit desselben längst geschwunden ist. Der Schöpfer ist der Urgeliebte. Der Allhimmel kreist in Sehnsucht nach dem Schöpfer, ferner aber aus Liebe (Neigung) ewig zu bestehen und schließlich aus Freude an dem vollkommensten Endziel. Die Allseele treibt die Sphären und lässt die Sterne laufen in ihrer Sehnsucht, die Schönheiten und die Vorzüge in der Welt der Geister zu schauen.

Alle diese Schönheiten und Vorzüge kommen nur vom Erguss des Schöpfers, von der Ausstrahlung seines Lichts auf die Allvernunft, von dieser auf die Allseele und von dieser auf die Urmaterie.

Das sind nun die Formen, welche die Teilseelen in der Körperwelt an den Substanzen der Individuen und Körper, von der umgebenden Mondsphäre bis zum Erdmittelpunkt hin sehen.

Diese Lichter und Schönheiten dringen vom Anfang bis zum Ende, so wie die Lichtstrahlen in der Vollmondnacht, vom Körper des Mondes ausgehen. Sie kommen dem

Mond von der Sonne her zu. Das Licht der Sonne und der Sterne aber rührt von den Strahlen der Allseele her, die Strahlen, welche auf die Allseele fallen, kommen von der Allvernunft, die Strahlen aber, welche auf die Allvernunft fallen, rühren vom Erguss des Schöpfers und seinen Strahlen her. Hierdurch ist jener Ausspruch erklärt, dass sich alles Vorhandene sehne nach Gott als dem Urgeliebten, dass alles ihm zustrebe, da in ihm die Existenz, der Bestand und die Vollendung allen Seins beruht.

Ursprünge von Karneval und Fastnacht

Ursprünge von Karneval und Fastnacht

Karneval in Venedig - ewigeweisheit.de

Venezianische Karnevalskostüme in einem Gemälde von Pietro Longhi (1701-1785).

Schon vor 5000 Jahren feierten Menschen Karneval. Der alte babylonische Priesterkönig Gudea, ließ nach Neujahr ein siebentägiges Fest abhalten, zu Ehren des Stadtgottes Ningirsu. Von dem was man damals bereits feierte, wurden Bräuche überliefert, die bis in unsere heutige Zeit erhalten geblieben sind. 

Damals war es verboten in der Karnevalszeit Getreide zu mahlen. Sklaven waren ihren Herren gleichgestellt, Mächtige galten so viel wie die Niederen des Volkes.
Auch im Alten Ägypten feierte man ein ausgelassenes Fest zu Ehren der Muttergöttin Isis. In Griechenland wurde ein großes Dionysos-Fest veranstaltet: das Apokries.

Im alten Rom feierte man bereits Mitte Dezember die Saturnalien zu Ehren des großen Gottes Saturnus. Es war ein maßloses Gelage, wo ebenfalls Herrscher und Sklaven ihre Rollen tauschten und nebeneinander zu Tische saßen, tranken und aßen. Wegen der Saturnalien verschob man sogar Hinrichtungen. 
Diener und Herrscher überschütteten sich mit kleinen Rosen, was vermutlich dem Rosenmontag seinen Titel gab. Auch die farbenprächtigen Umzüge, gehen auf diese Zeit zurück.

Viele Masken, Figuren und Bräuche deuten auch hin auf vorchristliche, keltische Riten. Man feierte den Wechsel von der Kältezeit an der Schwelle zum neuen Frühling. Um den kalten Winter zu vertreiben, verkleideten sich die Menschen als Geister und unheimliche Wesen. Man schlug mit Besen und ließ Rasseln schnarren, um den tosenden Kampf zwischen den Finsternis- und Lichtkräften anzudeuten.

Karneval im Mittelalter

Die Kirchen in Europa, begannen im Mittelalter, sich die alten Karnevalsbräuche immer mehr einzuverleiben. Kleriker unterer Ränge übernahmen temporär die Privilegien der Bischöfe und man parodierte kirchliche Bräuche. Selbst der Papst wurde zeitweise ausgetauscht, gegen einen Laien. Sogar saßen Kinder auf dem Thron des Kirchenfürsten.

Man nannte die mittelalterliche Fastnacht auch civitas diaboli - den Staat des Teufels. Der Kirche diente das wild ausgelassene Spektakel, quasi als didaktisches Beispiel. Man wollte dem Volk zeigen, dass jener Staat des Teufels wie auch das Menschenleben vergänglich sind. Am Ende nämlich siegt Gott. So wurde der Aschermittwoch zum Tag jenes Endes, was die unausweichliche Rückkehr zum Gottesglauben verdeutlicht. Wer nach diesem Tag weiterfeierte, wurde streng bestraft.

Der Karneval aber ist ein katholisches Fest, stellte der Protestantismus die vorösterliche Fastenzeit doch in Frage. Darum gingen in reformierten Gegenden, viele alte Fastnachtsbräuche verloren. Das schweizerische Basel jedoch macht da eine Ausnahme: trotz des dort seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus, feiert man auch heute noch die alte, traditionelle Fastnacht.

Was aber bedeutet das Wort Fastnacht?

Der Name bildet sich aus dem althochdeutschen fasta - die Fastenzeit - und naht - die Nacht, beziehungsweise der Vorabend. Denn ursprünglich bezeichnete man damit den Tag vor Beginn der christlichen Fastenzeit.
Auch das Wort Karneval deutet auf eine Zeit der Enthaltung: carne levare heißt "Fleisch wegnehmen". Der Karneval also eine "Fleischwegzeit"?

Die sogenannte Narrenzeit jedoch, beginnt ja bereits Mitte November - am 11.11. um 11:11 Uhr. Inmitten der astrologischen Zeit des Sternbildes Skorpion ertönt der Faschingsruf. Es ist aber auch die Jahresperiode, in der wir das Sterben in der Natur erleben. Daher ja auch die verschiedenen Toten-Gedenktage, wie etwa der Totensonntag Ende November.

Am Ende der 12-wöchigen festlichen und auch sehr ausgelassenen Periode des Jahres, zwischen Sankt Martin und Mariä Lichtmess, beginnt im liturgischen Kalender eine Zeit höchster Besinnlichkeit, des Fastens, der Zurückhaltung und der Ruhe.

Die fünfte Jahreszeit

Nach den 12 heiligen Nächten (zwischen 24.12. und 6.1.), sollen sich die Gläubigen wieder auf die stoffliche Welt besinnen. Ein organischer Dämmerzustand des Bewusstseins tritt ein. Jetzt haben die Kräfte der Finsternis Zugang zum Menschen, der sich ganz und gar der Materie hingeben darf, die schließlich im Februar, während der civitas diaboli, ihren Höhepunkt erreicht. Zeitweise also, dürfen all die mühsamen Sitten ruhen, was den Gläubigen eine ungemeine Entlastung bringt. Man begibt sich in ein "Sodom auf Zeit", springt ins Feuer seiner urtümlichsten Menschennatur. Jetzt darf man seinen Urmenschen entdecken und sich verbinden mit den närrischen Mächten der Unterwelt.

Schon im alten Germanien beschwor man in diesen Tagen die Unterweltsgöttin Hel, in die Welt aufzufahren.
Stammt daher vielleicht der Narrenruf "Hell au(f)"?

 

Was ist Gott und was sind wir?

von S. Levent Oezkan

Gott ist eine Essenz ohne Dualität, doch nicht ohne Beziehungen. Er ist die absolute, ungeteilte Gegenwart, an der alles Leben teilhat. Er ist die Essenz des Guten, Wahren und Weisen, die sich auf zwei Arten offenbart: als Seiendes und Werdendes. Gott bleibt ewig und unsterblich. Er verkörpert sich in weltlichen Geschöpfen, die aber sterblich sind.

Diese Arten göttlichen Erscheinens, bilden eine allumfassende Ganzheit. Sie wirkt sich direkt und indirekt auf die Welt und die in ihr lebenden Wesen aus: Z. B. einmal als das Grollen des Donners, ein andermal als das sanfte Gefühl des eigenen Herzschlags. Im Hinduismus steht dafür das »Schabda-Schabda«: Schabda ist der Grundton der Welt, wie auch der hörbare Lebensstrom eines jeden lebendigen Wesens. Schabda-Schabda ist der Klang des Urklangs, die lebendige Essenz der Essenzen. Das bezeichnet im indischen Vedanta das Wort »Advaita« - die ewige Einheit, an der alles in der Welt Anteil hat - jedes lebendige Wesen. In Advaita sind Seiendes und Werdendes eins.

Um den Sinn dieser göttlichen Einheit zu begreifen, bedarf es zunächst eines Wesens, das diesen Sinn überhaupt begreifen will. Und da Gott nicht ohne das von ihm geschaffene Leben existiert, ergeben sich unzählige Beziehungen zu all seinen Lebewesen. Im lebenspendende Atem von Mensch, Tier und Pflanze, ist Gott gegenwärtig. Das Wort »Atem« ist verwandt mit dem indischen »Atman«: das Selbst. Nicht zufällig üben alle Meditationsformen die Entwicklung eines Selbst bewussten Atmens. Wer vollbewusst seinen Atem »erkennt« und gleichzeitig sich vom Strom der Gedanken löst, der nähert sich der oben erwähnten Einheit Gottes. Wer immer die Einheit auf diese Weise unmittelbar erfahren hat, d. h. den in ihr innewohnenden Eigenschaften schon einmal gewahr wurde, beginnt die Aspekte des Göttlichen zu verstehen. So jemand kann sich jenseits des Bereichs der normalen Sinneswahrnehmung begeben und sich ganz von den äußeren Reizen lösen. Er überschreitet die Grenzen der endlichen Erfahrungswelt seiner Sinne, Gefühle und Gedanken – begibt sich jenseits des normalen Wahrnehmungshorizonts – kurz: er ist in der Lage die Grenzen seines Egos zu übersteigen. Erst dann wird der Prozess der Erkenntnis überhaupt in Gang gesetzt. Es ist die Erkenntnis, dass die mikrokosmische Person die in unserem Herzen wohnt, einer makrokosmischen Person entspricht, die im Herzen der Sonne wohnt. Das ist ein Bild dafür, was im Vedanta mit Atman und Brahman bezeichnet wird: dem individuellen Selbst und der kosmischen Weltseele.

Gott Brahma - ewigeweisheit.de

Der Gott Brahma: Lehrer der Götter und der Menschen.

So können wir sagen, dass Gott nicht von irgendwo herkommt, noch zu irgendetwas wird, sondern sich allen möglichen Arten der Existenz, als lebenspendendes Wesen anbietet – was ja auch die Sonne gegenüber den Lebewesen auf der Erde tut. Den »Besitzern des Atman«, also den Menschen, ist selbst überlassen, ob sie dieses Angebot annehmen oder ablehnen, daran teilhaben oder es ignorieren.

Namen der Einheit

All die vielen Namen dessen, war wir hier zu definieren versuchen, sind nur Bezeichnungen eines selben, ewiglichen Seins und Werdens, das man Elohim, ein andermal Jahwe, JHVH, Christus, Deiwos, Zeus, Guda, Manitu, Tyr, Odin, Wodan, Isis, Gaia, Ymir, Aton, Ra, Brahma oder Allah nennt. Ein Gott oder eine Göttin verkörpern sich eben in der Form, wie sie von ihren Verehrern vorgestellt wird. Mal ist Gott ein alter Wolkenmann mit langem Bart, ein andermal der Gekreuzigte. Der Islam verbietet, sich überhaupt ein Bild vom göttlichen Namen zu machen. Wieder andere denken sich ihn als die »Emanationen aus den Schwingen des kosmischen Adlers«. All diese Namen und Verkörperungen dessen, was wir hier der Einfachheit halber aber weiterhin »Gott« nennen wollen, dafür steht in Indien die heilige Silbe »Om«. In etwas abgewandelter Form sprechen die Schamanen Zentralasiens »Ommen«, was natürlich dem im Westen gebräuchlichen »Amen« entspricht. Die heilige Silbe Om wird in der vedischen Tradition die »Essenz der Essenzen« genannt.

Die Essenz aller Lebewesen ist die Erde,
Die Essenz der Erde ist das Wasser
(denn sonst wäre sie nur Staub),
Die Essenz des Wassers sind die Pflanzen
(den sie wachsen nur dort, wo es Wasser gibt),
Die Essenz der Pflanzen ist der Mensch
(da er sich von pflanzlicher Nahrung ernährt),
Die Essenz des Menschen ist die Sprache
(denn durch sie unterscheidet er sich von anderen Lebewesen),
Die Essenz der Sprache ist der Rigveda
(der älteste Teil der indischen Veden),
Die Essenz des Rigveda ist der Samaveda
(der melodische Gesang der Verse des Rigveda),
Die Essenz des Samaveda ist der Udgitha
(das ist die heilige Silbe Om die in der Lithurgie gesunden wird).
Dieser Udgitha (Om) ist die beste aller Essenzen, ist die Höchste, die die höchste Stufe verdient, die Achte
(denn sie ist die achte Essenz all der hier aufgeführten Essenzen).

- Chandogya Upanischaden 1:1:1-3

Diese heiligen Verse aus den Upanischaden zeigen, was allen spirituellen Vorstellungen über Gott gemein ist: So wie der Pflanzensaft durch die Äste eines Baumes, gleichgeartete Früchte an seinen vielen Zweigen nährt, ebenso haben die vielen Gläubigen auf dieser Erde Anteil an einer ewigen, ungeteilten und werdenden Essenz, der sie nur ihre individuellen Namen, Formen und Symbole geben.

Der, die, das Eine

All die Formen in der Vorstellung eines Gläubigen, sind nur Mittel, sich dem Formlosen anzunähern. Der Mensch verwendet gesehene Bilder, um sich das Unsichtbare zu visualisieren, verwendet das Gehörte, um sich das Ungehörte vorzustellen. Ganz gleich ob wir ihn als männliches, weibliches oder neutrales Hauptwort bezeichnen, als die »Große Mutter«, »Allah«, »Sonne«, »Den Einen« oder sonst wie: sie alle vereinigen sich in der hier immer wieder erwähnten Essenz. Um an der lebenspendenden Essenz dieser universalen, spirituellen Einheit teilzuhaben, sollten wir uns aber allmählich von den vielen Vorstellungen darüber lösen.

Pilger beim Bad im heiligen Fluss Ganges (1880) - ewigeweisheit.de

Pilger beim Bad im heiligen Fluss Ganges (1880).

In den Fußstapfen unserer Vorgänger

Ist es nicht so, das wir alle irgendwelchen Vorgängern nachlaufen, die dieser Essenz, der göttlichen Einheit, nur unterschiedliche Namen gaben? Wir folgen ihren Fußstapfen, auf der Suche nach unserem eigenen spirituellen Weg. Doch in der »Welt der Wahrheit«, gibt es keine Wege, keine verborgenen Pfade die man auffinden könnte. Wir müssen den Mut haben, dieses »Land der Begriffslosigkeiten« selbst, ohne einen Führer zu betreten. Es ist, wie als würden wir einen Fluss durchwaten hinauf zur Quelle. Jeder weiß, dass auf dem Grund des Flusses alles fort gespült wird, woran man sich orientieren könnte. Ganz gleich wie breit dieser Fluss auch sein mag: gehen wir nicht bereits in die richtige Richtung, wenn wir uns gegen den Strom bewegen?

So wie das Wasser der vielen Seitenarme in den Flussdeltas von Ganges (Indien) und Nil (Ägypten) ins Meer fließen, so strömt sinnbildlich die Essenz der göttlichen Weltseele, in das Meer aller Menschenseelen.

Der Nil (NASA Bild aus dem Weltall) - ewigeweisheit.de

Der Nil (NASA Bild aus dem Weltall).

Panta rhei - Alles fließt

Die alten Ägypter verehrten den Nil als göttlichen Vater-Mutter-Androgyn – als männlich-weiblichen Gott. Der Nil ähnelt einer fließenden Lebensachse, von Süden nach Norden – auf dessen beiden Ufern Bauern ihre Äcker bestellen. Hierin wird auf die anfangs erwähnte Nicht-Dualität Gottes hingewiesen. Zwar hat jeder Fluss zwei Ufer, er selbst kann sie aber nur als ein Fluss trennen. Somit verkörpert er ein Symbol der Befreiung von den Gegensätzen.

Wer sich immer zwischen den Polen von Rechtem und Schlechtem bewegt, wird brüchig, bis er gänzlich in der Hilflosigkeit der äußeren Lebensumstände erstarrt. Leben aber heißt Fließen.

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.
Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben,
Wir sind es und wir sind es nicht.

- Aus Fragmenten der Vorsokratiker

Der Mensch muss lernen sich über die Gegensätze zu erheben, über das was war und das was sein könnte. Gutes und Böses, Angenehmes und Widerliches, Glück und Unglück sollten wir mit dem selben Gleichmut hinnehmen, als ob gar kein Unterschied bestünde. So nähern wir uns dem, was der alte chinesische Meister Laotze »Tao« nannte. Tao ist der eine Weg, auf dem jene gehen, denen die Vereinigung der Gegensätze gelingt –, symbolisiert durch das Yin-und-Yang. Wer diesem Weg folgt, wird Gott ähnlich. Tao wurde von den alten Chinesen auch als »Tau Gi«, der »Große Firstbalken« bezeichnet. Dieser Balken bildet in einem Haus das Gerippe, das die Sparren des Dachstuhls zusammenhält. Dieser Balken ist auch der Kiel, der das Unterste vom Balkenwerk des Schiffsbauches bildet (jenem Schiff, dass sich auf dem Lebensfluss auf die Quelle des Lebens zubewegt). Auch die menschliche Wirbelsäule entspricht diesem Einen, woraus die Rippen ebenso hervorgehen, wie die Rippen aus dem Kiel des Schiffsbauches. Im indischen Kundalini-Yoga trägt die Wirbelsäule den Namen »Meru«, da der Körper zur Wirbelsäule im selben Verhältnis steht, wie der Kosmos zum Weltenberg Meru (den die Juden »Moriah« nannten).

In diesem Tao – dem mittleren Weg – dem Dachkiel und Mittelpfosten unseres spirituellen Himmelsgebäudes, finden wir die Essenz der göttlichen Einheit. Nach ihr sollten wir suchen – sie sollten wir zu erkennen trachten.

Auch wenn wir uns gleichzeitig immer nur auf einem, dann auf einem anderen Pfad bewegen können, beabsichtigen letztendlich alle spirituellen Wege, den Menschen näher an die Essenz seiner lebendigen Seele heranzuführen. Dies erfolgt solange, bis eines Tages alle Seelen den letzten Schritt in ihrem Werdeprozess auf Erden gegangen sind. Dann verlassen sie den langen Inkarnationszyklus der Erde, um die unendlichen Weiten des Universums zu durchmessen. Ihnen bleibt auch nichts anderes übrig, denn dereinst, in einigen Milliarden Jahren, wird die Sonne mit der Erde und den anderen Planeten, wieder zu einer großen Einheit verschmelzen.

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Ewige Weisheit aus Kabbala und Vedanta

Sieh in allen Dingen nur eines, denn das Zweite führt dich in die Irre.

- Kabir

Unsere Seele ist im Wesentlichen etwas, das mit der Wirklichkeit des Göttlichen identisch ist. Eine Bestimmung des menschlichen Lebens dabei mag sein, dies auch zu erkennen und zu würdigen. Alles was in dieser Welt und in der unsichtbaren, jenseitigen Welt existiert, besitzt ein Zentrum und ist doch zugleich grenzenlos. Gott transzendiert alles Menschsein und ist ihm doch immanent.

Je mehr Er in den Dingen ist, desto mehr ist Er außerhalb von ihnen; je mehr Er im Inneren ist, desto mehr ist Er draußen.

- Meister Eckhart

Immer wieder ließe sich über solch anscheinenden Widerspruch nachgrübeln. Wie nämlich kann etwas das Sein überflügeln und zugleich in ihm lebendig sein? Nach dem Verständnis der Sophia Perennis liegt der Grund für diese Paradoxie allein am Urteil und dem Wunsch des Menschen zu unterscheiden.

Das Studium der Sophia Perennis kann ganz gleich aus welcher Richtung begonnen werden. Manche finden zur Sophia Perennis über die praktischen Wege, über Moralvorstellungen wie sie uns etwa Bibel, Koran oder auch die Veden liefern. Das ist der Zugang der sich dem Suchenden von oben her öffnet - der vordergründige und oberflächliche Weg. Der Zugang "von unten" ist der Weg der Philosophen, jenen, die dazu berufen sind über Gott, den Menschen und die Welt nachzusinnen. Den mittleren Weg gehen nur die Mystiker. Es ist der Weg, der den Suchenden zur wahren Erkenntnis der Ewigen Weisheit führt.

Sufis, Kabbalisten, Rosenkreuzer, die Yogis des Vedanta, die Sant (indische Heilige), die Zen-Buddhisten und viele andere Geistesschulen, üben sich in kontemplativer Praxis, um ihre Aufmerksamkeit auf den Kernpunkt ihres wahren Selbst zu richten. Es geht ihnen nicht nur um das wissenschaftliche, psychologische Verstehen des Ich, sondern um die Erkenntnis des ewigen Selbst, das ein Teil des göttlichen Urgrunds, ja mit ihm sogar identisch ist.

Diese Suche nach Selbsterkenntis in der Sophia Perennis, kommt am treffendsten mit dem Satz "Das bist Du" zum Ausdruck - auf Sanskrit "tat twam asi".
Das ewige, immanente Selbst des Menschen, das im Sanskrit als Atman bezeichnet wird, ist eins mit dem Brahman, dem göttlichen Selbst. Diese geheime Tatsache zu entdecken, ist wohl eine Bestimmung aller Mystiker.

Die Erkenntis wer der Mensch und was das Selbst eigentlich ist, erübrigt alle Dogmen, moralische Regelwerke und Gebote. Denn derjenige der weiß, dass sein Wesenskern ebenso ein Teil der universalen Einheit des Göttlichen ist, für den wäre es absurd zu glauben, dass er getrennt von seinem Nächsten sei.
Er erkennt in allen Dingen jenes übernatürliche Wesen, das mit seiner großen, unbeschreiblichen transzendenten Mächtigkeit alles durchdringt.

Über das Empfangen der Geheimlehren

Moses empfing die Tora am Sinai und übergab sie Joshua, Joshua den Ältesten, die Ältesten den Propheten, und die Propheten übergaben sie den Männern der großen Versammlung

- Aus der Mischna, Sprüche der Väter

In den Geheimlehren des Westens, steht das Wort Kabbala (קבל) für dieses »Empfangen«. Es ist die älteste philosophische Schulrichtung der Buchreligionen des Westens.

Vedanta (वेदान्त) ist ein Wort im Sanskrit und bezeichnet die bekannteste Schulrichtung der indischen Philosophie. Wörtlich übersetzt bedeutet es »Erweiterung zum Wissen« und bildet ein Appendix zu den heiligen Veden (von sanskr. »Veda«, Wissen). Es handelt sich dabei um geheimwissenschaftliche Abhandlungen, deren Texte die Belehrungen eines religiösen Meisters, eines Gurus schildern.

In beiden philosophisch-religiösen Schulen, der Kabbala im Westen und dem Vedanta im Osten, wurzeln die Weisheiten des Judentums, Christentums, des Islams, des Hinduismus und auch des Buddhismus. Kabbala und Vedanta verweisen auf einen weiten Bedeutungshorizont, aus dem, für einen Eingeweihten, geheime und mystische Überlieferungen aufsteigen. In eigentlich allen geheimwissenschaftlichen Schulrichtungen finden wir viele Berührungspunkte zwischen diesen beiden Urtraditionen, aus denen sich durchaus ableiten ließe, dass eigentlich allen Religionen, Philosophien und spirituellen Traditionen, ganz wesentliche Gemeinsamkeiten zu Grunde liegen.

Menschen in der Tradition der Sophia Perennis wissen, dass es unzählige Analogien religiös-esoterischer Überlieferungen der Kulturen in West und Ost gibt. Sie versuchen die in allen Traditionen unseres Globus existierende ewige, innere Weisheit zu betonen, die sich als kulturelle Urtradition bis in unsere heutige Zeit hinein erhalten hat und auch in Zukunft fortbesteht. Die Sophia Perennis fasst in sich die unveränderlichen Wahrheiten, Formen und Prinzipien zusammen, die wir in Philosophie, Religion, Mystik und Metaphysik als universale Weisheitsdoktrin finden.

Von solch absoluter Wahrhaftigkeit erfüllt ist es Agia Sophias Glück, sich an allen spirituell-esoterischen Weisheiten zu erfreuen, seien sie aus dem Christentum, Islam oder Judentum, Hinduismus, Sikhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus, Paganismus, Druidentum oder Schamanismus. Die Ewige Weisheit gleicht, sinnbildlich gesprochen, der Süße jener Äpfel, die auf den mythischen Bäumen aller spirituellen Weisheiten reiften, und uns bis heute in den Kulturen der Menschheit erhalten geblieben sind. Agia Sophia führt uns in diesen heiligen Apfelhain und will dort ihre Früchte mit uns teilen.

Wie Anfangs angedeutet geht wahre Spiritualität aus von einem gleichzeitig immanenten und transzendenten Geist. Indem sich der Mensch auf eine innere Suche begibt, gelangt er durch diesen Geist auf den Pfad zur Freiheit, der aus der Dualität der Gegensätze in die Einheit (zurück)führt. Auf diese Weise kann das Individuum diesen ewigen Geist (Gott, Brahman, Tao, Allah, Elohim, Manitu, usw.) in seinem Innern empfinden und sich allmählich aus den Verstrickungen des Leids befreien. So wird einer zu einem mitfühlenden Menschen, der zum Wohle aller Lebewesen auf unserem Planeten Erde denkt, spricht und handelt.