Hermes Trismegistos

Geheimnisse der Großen Pyramide von Gizeh

von S. Levent Oezkan

Große Pyramide von Gizeh - ewigeweisheit.de

Traditionell leitet sich das Wort Pyramide von dem griechischen Wort für das Feuer ab: Pyr. Darin dachten sich die Menschen der Antike eine göttliche Flamme brennend, als Sinnbild für das Leben aller Geschöpfe. Die Eingeweihten alter Zeit sahen auch darum im Symbol der Pyramide eine ideale, heilige Form.

Aus ihrer geometrischen Gestalt glaubten die Initiierten eine geheime Lehre ablesen zu können. So wie die heiligen Berge der Erde, die man in verschiedenen Kulten rund um den Globus bis heute ehrt, so bildeten einst die Pyramiden Gegenbilder zu jenen hohen Stätten Gottes.

Die Gipfel heiliger Berge, wie auch die Spitzen der Pyramiden, galten einst und gelten auch heute noch, als spirituelle Pole der Erde. So wie die griechische Mythologie uns von einem Berg Olymp erzählt, wo ein mythische Unterweltsfluss Hades fließt, so führen geheime Wege auch durch die unterirdischen Gänge der Großen Pyramide im ägyptischen Gizeh.

Vier Seiten – drei Räume

Immer war diese Pyramide ein Gebäude der Weisheit, deren Erscheinung ganz fest in der Natur stehend, auf die unveränderlichen Gesetze der Welt hinweist. So etwa orientieren sich die vier Seiten der Großen Pyramide von Gizeh, exakt nach den vier Himmelsrichtungen, wobei sich in ihren vier dreieckigen Flächen jeweils zwei Extreme ablesen lassen:

  • Süden gegenüber Norden: Hitze und Kälte (zu Mittag und zu Mitternacht) und
  • Osten gegenüber Westen: Licht und Dunkelheit (zu Sonnenaufgang und zu Sonnenuntergang).

Die Basis der Pyramide stellt die vier materiellen Elemente dar, aus denen sich der Körper des Menschen zusammensetzt. Die zwölf Winkel ihrer vier Dreiecke aber, sie stehen für die zwölf astrologischen Zeichen des himmlischen Tierkreises. Von den Spitzen läuft zur Mitte hin die Kraft der vier fixen Astralzeichen: Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann – symbolisiert als die vier biblischen Cherubim, die vier Engel – mit dem Haupt eines Stiers, eines Löwens, eines Adlers und eines Menschen (Hesekiel 1:4-10).

Die Große Pyramide in Gizeh besaß ein System aus drei großen Kammern:

  • die Felsenkammer befand sich ausgehöhlt im Grundgestein, auf dem man die Pyramide errichtete,
  • die Königinnenkammer war etwas höher im Kerngemäuer des Bauwerks gelegen und
  • die Königskammer darüber, worin sich ein Sarkophag befand, war vielleicht der Ort, wo man den König (Pharao) zur letzten Ruhe gesetzt hatte – als irdischen Repräsentanten des Lichtgottes Horus (dem Sohn des Osiris und der Isis).

Jene drei Kammern aber standen für eine Metaphysik, die Herz, Gehirn und das generative System im Menschen symbolisch verband, woraus sich auf höherer Ebene, symbolische Allegorien ergaben, als Abbilder für die geistigen Zentren der menschlichen Konstitution.

Diese Kammern waren im Innern der Pyramide, während sie eine Spitze krönte, in der man einen sakralen Teil des Monumentalbaues sah, worüber sich die himmlischen Kraftströme der Götter, auf die Erde ergießen konnten. Die Eingeweihten schauten auf die Pyramide, so als wäre sie das Emblem eines umgedrehten Baumes, dessen Wurzeln an der Spitze liegen und dessen Äste ins Fundament übergehen. So kommt die göttliche Weisheit zur Verbreitung auf Erden, indem sie an den auseinanderstrebenden Seiten herabfließend, in die ganze Welt hin ausstrahlt. Nur, was davon ist uns heute geblieben?

Der Goldene Schlussstein der Großen Pyramide von Gizeh – ewigeweisheit.de

Der Schlussstein

Der Großen Pyramide von Gizeh fehlt der Deckstein – und das schon seit sehr langer Zeit. Gut möglich, dass sich dort einst eine entsprechend kleinere, aber goldene Pyramide befunden hat, die die Große Pyramide als ihre Krönung vollendete. Nur leider kann niemand sagen, ob sich dieser goldene Deckstein dort auch tatsächlich befunden hat. Hatte man ihn absichtlich ausgelassen?

Unter den Erbauern sakraler Bauwerke, tendieren merkwürdiger Weise auch andere dazu, ihre Schöpfungen unvollendet zu lassen. Wohl wollen sie damit signalisieren, dass Gott allein vollständig ist. Der Schlussstein der Großen Pyramide aber – wenn es ihn denn gäbe, wäre wohl selbst eine Miniaturpyramide, deren Spitze wiederum einen kleineren Block ähnlicher Form bedecken würde, und so weiter bis ins Unendliche. So würde dieser eigentümliche Deckstein damit also den Inbegriff des gesamten Bauwerks bilden, da er eine Krönung bildet dessen, was in seiner geometrischen Urform ja bereits selbst vorhanden ist.

Wenn dem nun aber so wäre: Welchen Zweck dann sollte das erfüllen?

Die Pyramide ist ein Symbol für das Universum, der Schlussstein kann mit dem Menschen verglichen werden. Folgt man einer daraus abgeleiteten Kette von Analogien, so entspräche dem menschlichen Verstand ein weiterer, kleinerer Schlussstein. Der Geist würde den Schlussstein des Verstandes bilden – und Gott, als der Inbegriff des Universalen, den Schlussstein des Geistes.

Aus dieser Allegorie entstand das Bild des Menschen als roher und unbehauener Block, den man aus einem Steinbruch los machte, um ihn dann durch die geheimen Riten der Mysterien, allmählich in einen geglätteten und vollkommenen pyramidenförmigen Schlussstein zu verwandeln. Erst wenn der Eingeweihte da selbst zur lebendigen Spitze des Sakralbaues wurde, war dieser vollendet und die Wirkungen des Göttlichen erstreckte sich ab da, auf die darunter liegende, auseinanderstrebende Struktur der Pyramide – als Symbol für den Menschen, wie auch für den Sakralbau, ja letztendlich gar für das gesamte Universum.

So verehrte man im Alten Ägypten die Große Pyramide als heiligsten Sakralbau, in dem die höchste Gottheit unsichtbar gegenwärtig ist. Die Pyramide war der erste Tempel der Mysterien, das erste Bauwerk, das man als Aufbewahrungsort für jene geheimen Wahrheiten errichtet hatte, die die sichere Grundlage aller Künste und Wissenschaften bilden.

Darum auch assoziierte man mit der Pyramide den Weisen Hermes Trismegistos, den die Ägypter »Thoth« nannten: Gott der Weisheit, der Schrift und der Magie. Ihn verehrte man über den Planeten Merkur und sah in ihm den vom größten Gott gesandten Meister – einen, der den Menschen zur Erleuchtung führt. Was da geschah, war, dass der Initiierte durch Thoth erfuhr, dass die Große Pyramide ein Wahrzeichen von Mikrokosmos und Makrokosmos war, worin sich, nach den alten Geheimlehren Ägyptens, das Grab des Osiris befand: Des schwarzen Gottes der Fruchtbarkeit des Nil. In Osiris aber tritt in Erscheinung eine bestimmte Kraftwirkung der Sonne. Die Große Pyramide, als sein Haus und als sein Grab, ist ein Sinnbild für das Universum, in dessen quadratisch-kreuzförmiger Struktur er beigesetzt ist.

Löwengesichtiger Hierophant – ewigeweisheit.de

Alt-Ägyptische solare Löwengottheit Sechmet.

In Gedenken an das Goldene Zeitalter des Löwen

In alter Zeit bewegten sich die Eingeweihten durch die geheimnisvollen Gänge und Kammern der Großen Pyramide. Irgendwo in den Tiefen ihrer sakralen Architektur wohnte ein heiliger Meister, der der Außenwelt unbekannt war, der aber die Einzuweihenden dort in seiner Unterwelt empfing. Es war der »löwengesichtige Hierophant«, der niemals diesen Ort verließ, weshalb ihn niemals einer sah, der nicht die Tore der Vorbereitung und Läuterung durchschritten hatte. Als Unwissende begaben sich die Neophyten durch eine verborgene Pforte ins Innere der Großen Pyramide, um dort zu erfahren. Als Wissende traten sie daraus wieder hervor, als Erfahrene.

So wie Gott in den Herzen der Menschen gegenwärtig ist, so sollte daraufhin auch Weisheit im Initiierten wohnen, als einem, der aus dem »Schoß der Mysterien« in die Welt hinaustrat. Damit bildete die Große Pyramide einen Ort, wo der Initiand seinen mystischen Tod erfuhr, um darauf in seiner »zweiten Geburt« wiederaufzuerstehen, in ein neues Leben – dem Einen geweiht.

Wer aber war dieser löwengesichtige Hierophant, der Meister der Mysterien, der anscheinend (oder nur angeblich) im Innern der mächtigen Pyramide lebte?

Wer war dieser Mensch mit dem Haupt eines Löwen, zu dem sich die Ahnungslosen begaben, durch all die vielen Räume, im Innern dieses monumentalen Baus?

Nie erblickte der doch andere, außer den »Wiedergeborenen«, an die er dort herantrat, um ihnen ins Ohr zu flüstern, von einem siebenfältigen Geheimnis.

Im Zweifel gestorben, dem Einen geweiht

Durch die Einweihung, wurde dem Initiierten die Macht offenbart, seinen Schutzgeist zu erkennen. Ab da verstand er, was es bedarf den materiellen Körper von seinen göttlichen Träger zu lösen. In diesem »Großen Werk«, wie man es auch aus der Alchemie kennt (Opus Magnum), wurde dem Neophyten der geheime und unaussprechliche Name des Höchsten Gottes offenbart und sein Geist damit veredelt. Wer das erfahren hatte, gelangte an ein Bewusstsein, wo er sich in Gott, selbst bewusst erfuhr. Mit der Übergabe dieses heiligen, unsagbaren Namens, erfuhr der neu Eingeweihte in sich eine Kraft, die aus der Erkenntnis der Geheimnisse der Pyramide hevorstrahlte – so wie unzählige anderen Initiierte, die ebenfalls dort einst spirituelle Erleuchtung erlangen durften.

Da hatte sich in ihm etwas abgespielt, das die Mysterien-Tradition das »Drama des zweiten Todes« nennt. In der Großen Pyramide fand zu dieser Erfahrung der Neophyt in die Königskammer, ein dem Lichtgott Horus geweihter Raum. Wohl erfuhr er da die Ambivalenz der Mächte des Lichts und der Finsternis, als er da in die Augen des Lichtgottes blickte:

  • Im linken Auge des Horus, glaubte er ein Mondlicht schimmern zu sehen und
  • in seinem rechten Auge, den Strahl der mystischen Sonne.

Nachdem man dann den Initianden die Kreuzeserfahrung im zentralen Schnittpunkt der beiden solaren Solstitien (Sonnenwenden) und Äquilibrien (Tagundnachtgleichen) machen ließ – ein »initiatische Sterben« – setzte man ihn bei, in einem Sarkophag. Wie dieser Vorgang letztendlich erfolgte, dass ist bis heute ein streng gehütetes Geheimnis. Wohl aber herrschte an diesem sagenhaften Ort eine eigentümliche, todesähnliche Kälte, die in diesem Ritual bis ins Mark der Knochen des Neophyten gedrungen sein dürfte.

Der Seelenvogel Ba – ewigeweisheit.de

Alt-Ägyptische Darstellung eines bestimmten seelischen Aspekts der Seele: Der Ba-Vogel (hier in einer Abbildung aus dem Ägyptischen Totenbuch), bildert mit dem Ka (den Tod überdauernder Seelenanteil) und dem Ach (Ahnengeist) eine seelische Dreiheit. Trotz seiner engen Bindung an den Körper, kann sich die Exkursions-Seele des Ba von diesem aber lösen und von ihm entfernen. Nach dem physischen Tod eines Menschen, fliegt der Ba als Falke mit Menschenhaupt zum Himmel auf, um sich dort wieder zu verwandeln in sein entsprechendes Tierzeichen.

Der Raum dieser Königskammer in der Großen Pyramide, bildete da ein Tor von der materiellen Welt in die transzendentalen Sphären einer kosmischen Natur. Während der Körper des Neophyten in dem Sarg lag, schwebte sein Seelenvogel über ihm – sein »Ba«, wie es die Ägypter nannten: ein seelischer Aspekt, der sich trotz seiner engen Bindung an den Körper von diesem lösen und auch entfernen kann.

Wie ein Falke mit menschlichem Kopf flog er dann durch die sieben himmlischen Reiche, um selbst und unmittelbar, die Ewigkeit des Lebens, des Lichts und der Wahrheit zu erfahren, sowie die Illusion des Todes, der Dunkelheit und der Sünde zu überwinden. Wer das erlebt hatte, der erfuhr die eigentliche Einheit allen Lichts und aller Dunkelheit in sich, woraufhin sich alles ursprüngliche Ent-Scheiden erübrigen sollte.

Immer bildete für die Eingeweihten damit die Große Pyramide von Gizeh ein mystisches Tor, durch das die alten Priester einige wenige zur Erlangung ihrer individuellen Vollendung passieren ließen, um ihnen dabei den höchsten Grad der Mysterien zu verleihen.

Über das Ende der Mysterien-Tradition

Einst aber sollte der Löwengesichtige den Weg der Weisen verlassen. Denn heute ist dieses »Haus der Einweihung« leer. Die Lobgesänge hallen nicht mehr in gedämpften Tönen durch die Räume. Kein Neophyt mehr wandelt durch die Gänge dort und verweilt in den Kammern der sieben Sterne. Nicht mehr erhört der Initiand die »Worte des Lebens« von den Lippen des Ewigen. Nichts scheint übrig geblieben zu sein von dem, was das Auge des Menschen einst dort erkennen konnte, als nur eine leere Hülle, die wie der äußere Schatten einer inneren Wahrheit, heute un(be)greifbar an ihm vorüberzieht. Was einst ein Haus Gottes war, wurde schließlich zur Gruft einer immer mehr verblassenden Erinnerung.

Auferstehung des Phoenix

Heute, in unserer modernen Welt, mag all das Gesagte vielleicht klingen, als hätte es jemand in einem Märchenbuch gefunden. In Wirklichkeit aber, haben die meisten von uns diese alten Riten längst vergessen, geschweige denn davon jemals erfahren. Wissenschaftler wie Theologen gleichermaßen, blicken ratlos auf das so heilig Anmutende der Großen Pyramide von Gizeh und fragen sich: Welcher grundlegende Drang wohl, hat die Errichtung dieses monumentalen Bauwerks inspiriert?

Leider gaben, bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, viele Forscher zu schnell auf. Hätten sie einen Augenblick mehr darüber nachgedacht, vielleicht wäre ihnen die Erkenntnis zugefallen, dass in der Seele des Menschen ein geheimes Drängen darauf wartet, ausgelöst zu werden, um damit einen inneren Impuls der Inspiration freizusetzen. Dieser nämlich führt zu dem jähen Erfahren der eigentlichen Enge, die mit der körperlichen Sterblichkeit des Menschseins einhergeht. Doch noch viel mehr: In solch Erleben nämlich, würde sich einer bewusst, dass er diese Enge gegen eine viel größere Weite göttlicher Erleuchtung einzutauschen vermag, um so die Erfüllung eines ewigen, doch unbewussten Wunsches zu erfahren, der ihn verstehen, der ihn begreifen lässt und damit zu einem »Wissenden« macht, der weit mehr vermag, als einer der nur viel weiß.

Kein Wunder, wenn aber jene unter solchen, die Große Pyramide als das vollkommenste Bauwerk der Welt bezeichneten, als einen Ort der Initiation und ein Tor das sich ins Ewige hin zu öffnen vermag.

Auch wenn wir heute, in unserer modernen Welt eine Million angeblicher Geheimnisse kennen, kannte die initiierten Menschen der Antike nur ein einziges, jedoch wahrhaftiges Geheimnis. Und dieses Eine war größer als die Millionen, die als scheinbar gelüftete Geheimnisse, nur das Ego in immer neue, ungelöste Rätsel verstricken. Denn über all die vielen Merkwürdigkeiten der Welt erfahren zu wollen, entspringt doch nur einem selbstsüchtigen Wissensdurst, der sich als solcher jedoch niemals stillen lässt und den Wissbegierigen letztendlich in ein Chaos führt. Das eine große Geheimnis, dem man die Neophyten dort in der Großen Pyramide weihte, aber schenkte Leben, spendete ein Licht der Weisheit und die Erkenntnis der wahren Ursachen menschlichen Seins.

Es wird wohl wieder eine Zeit kommen, in der jene angedeutete geheime Weisheit, im Mittelpunkt religiöser und philosophischer Anschauungen stehen wird. Manche glauben gar, dass der Tag unmittelbar bevorstehe, der einen Untergang der Dogmen der Gegenwart einläutet.

Nicht aus großen Felsen, sondern aus Lehmziegeln und Schleimmörtel, errichtete man einst den großen theologischen Turm zu Babel, worauf sich die biblische Legende der Sprachverwirrung ereignete. Das Wissen jenes Einen aber, war damit gebrochen und zerstreute sich in unzählige, immer feinerer Glieder einer Ahnungslosigkeit. Wie Staub bedeckte sie Jahrtausende lang das Wissen um eben jene eine Weisheit, von der hier immer wieder die Rede ist. Doch es wird da eine Zeit anbrechen, wo aus dieser erkalteten Asche lebloser Glaubensbekenntnisse, sich phoenixartig die alten Mysterien zu neuer Lebendigkeit erheben werden.

Die Pyramide: Ein Symbol der Einigkeit

Die Entwicklung spiritueller Fähigkeiten stand in alter Zeit im Mittelpunkt der geistigen Arbeit des Menschen, ja war einst sogar eine Wissenschaft, der man einen mindestens so hohen Stellenwert zumaß, wie etwa der Astronomie, der Medizin oder den Rechtswissenschaften. Das auch war der ursprüngliche Grund, dass sich Religionen gründeten, aus denen letztendlich ja die Wissenschaften, wie Philosophie wie auch die Logik hervorgingen. Der Wunsch die genauen Positionen der sieben klassischen Planeten voraussagen zu können, hatte primär religiöse Gründe, zumal sich mit dieser Kenntnis die entsprechenden Feiertage festlegen ließen, an denen man die ihnen entsprechende, ewige Gottheit verehrte.

Ein nur anscheinend verstorbener Gott, wird dereinst in der Erkenntnis seines unendlichen Seins, in den Herzen der Ungläubigen in neuem Licht wiederauferstehen. Wie auch hätte er sterben können, wurde er doch niemals geboren!

Die geheimen Kammern im Haus der verborgenen Orte, werden dann wiederentdeckt werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist, dass Menschen in der Pyramide wieder ein Sinnbild erkennen, worin sich die wahre Natur allen Verbundenseins zeigt, wie ebenso des Zusammenhalts, sowie des Sterbens und der Regeneration.

Während der Sand der Zeit eine Zivilisation nach der anderen unter ihrem Gewicht begrub, blieb die Große Pyramide dort bestehen, spiegelte sich in ihr doch das, was als die Ewige Weisheit in der Welt fortdauert.

Gut möglich, dass uns eine Zeit bevorsteht, in der man wieder den Gesängen jener Eingeweihten lauscht, wie sie auch schon einst in Säulengängen der Großen Pyramide zu hören waren. Dann wird da der Meister des verborgenen Hauses auf das Kommen jenes Menschen warten, der den Irrtum eines Glaubens aus dem Weg schaffen wird, einem Glauben der auf rein materiellen Vorstellungen basiert. Er wird wieder zum heiligen Trank der Erkenntnis führen, den er den Menschen zur Erfahrung des Licht und des ewigen Lebens gereicht.

 

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Spagyrik oder: Die Alchemie des Paracelsus

von Johan von Kirschner

Paracelsus - ewigeweisheit.de

Die Ursprünge der Alchemie, sowie die Kunst der Spagyrik, reichen weit zurück in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte. Zwei Prinzipien der Veredelung standen dabei immer im Mittelpunkt des Werkes eines Alchemisten: Solve et Coagula – Löse und Binde.

Aus diesem Solve et Coagula leitet sich auch das Wort »Spagyrik« ab, dass sich ja entsprechend zusammensetzt aus den griechischen Wörtern »spao« und »ageiro«, die wörtlich bedeuten: »trennen« und wieder »vereinigen«.

Während die Alchemie aus der Mysterien-Tradition des Hermes Trisgmegistos hervorging, bildete die Spagyrik als naturheilkundliche Wissenschaft davon eine Teildisziplin. Nach den Gesetzen der Alchemie stellt man da aus Pflanzen, Giftpilzen und Mineralien Heilmittel her. Auf den dabei verwendeten, zwei oben genannten Prinzipien, basierten bereits im Alten Ägyptens die Arbeitsweisen bei der Herstellung solcher Naturheilmittel.

Was wir heute als Spagyrik (also Heilmittel-Alchemie) kennen, geht auf den schweizerischen Arzt Theophrastus von Hohenheim (1493-1541) zurück, genannt Paracelsus:

Darum so lerne Alchemie, sie sonst Spagyria heißt, die lehrt das Falsche scheiden von dem Gerechten

- Paracelsus in seinem »Opus paramirum«

In jenem Trennen oder Herauslösen einer edlen Substanz aus einer unedlen und der darauf folgenden Wiederverbindung beider, beabsichtigte Paracelsus eine Wirkungssteigerung der so behandelten pharmazeutischen Droge (das Wort »Droge« stammt vom niederländischen »droog«, dem Trocknen, womit man Pflanzenteile entsprechend haltbar macht). Damit hob sich Paracelsus ab von der Arzneimittelherstellung des Galenus (128-216 n. Chr.), nach dessen Lehre ein Mensch nur dann erkrankte, wenn das Gleichgewicht seiner vier Körpersäfte (Schleim, schwarze Galle, gelbe Galle und Blut) gestört war. Nach Galenus bereitete man dafür entsprechende pflanzliche Vielstoffgemische, um sie hernach als therapeutische Substanzen zu verwenden. Jene von Paracelsus angewendete Umwandlungsprinzipien zur Wirkungssteigerung fehlten dabei jedoch gänzlich.

Ursachen von Krankheit

Der Mensch bildete für Paracelsus einen Mikrokosmos – eine Welt des Kleinen –, der so im Zentrum der gesamten Schöpfung eines Makrokosmos stand – in einer Welt des Großen. Aus dieser Sichtweise auf das menschliche Sein leitete Paracelsus Zusammenhänge ab, die für ihn auch zwischen Krankheit und Medikament bestanden.

Gott brachte den Menschen zwar die Krankheiten in die Welt, so Paracelsus, doch mit ihnen auch die Heilungsformen. So wie alles in Mikrokosmos und Makrokosmos aus den selben Substanzen besteht, so entstünde nach Paracelsus auch Krankheit, nämlich dann, wenn durch eine äußere Substanz ein entsprechender »Zwilling« im Körper, entzündet zum Ausbruch kommt. Aus diesem Grund versuchte er seine Arzneien im Einklang mit himmlischen Konstellationen herzustellen, da er eben wusste, dass die Vorgänge im Makrokosmos mit denen im Mikrokosmos, und damit auch im Menschen korrespondieren. Am Stand der Sterne und Planeten las er die gleichen Prinzipien ab, mittels derer ein Mensch krank und auch wieder gesund werden konnte:

So nun der Mensch in seiner ganzen Zusammensetzung begriffen werden soll durch einen jeden Arzt, so wisset jetzt, dass die Astronomie (worin die Astrologie enthalten ist) der zweite Grund ist und die obere Sphäre der Philosophie darstellt.

Paracelsus’ Behandlungsmethode bestand jetzt darin, aus der verursachenden Substanz ein Heilmittel herzustellen und es dem Hilfesuchenden zu verabreichen (man denke zum Beispiel an die Verabreichung von Schlangengift bei einem Schlangenbiss). Die Herstellung solch reinen Heilmittels erfolgte mittels der paracelsischen Spagyrik. Durch »Sublimation« und »Destillation« versuchte Paracelsus die im Geheimen wirkenden Substanzen – »Arcana«, wie er sie nannte – von unreinen »Schlacken« zu befreien, und so aus den heilsamen Wirkstoffen Essenzen herzustellen.

Signaturenlehre Paracelsus - ewigeweisheit.de

Illustration zur Signaturenlehre Paracelsus'. Darstellung der Sympathien zwischen Pflanzen und Tieren nach Giambattista della Porta (16. Jahrhundert), aus: Hans Biedermanns Medicina Magica, Metaphysische Heilmethoden in spätantiken und mittelalterlichen Handschriften.

Signaturenlehre

Diese Arcana könne ein weiser Arzt als Heilkräfte erkennen, so Paracelsus, sind sie doch allen Heilpflanzen und Heilmineralien in ihrer Erscheinungsform eingegeben. Schon im Alten Ägypten wusste man von der Wirksamkeit der sich daraus ergebenden Ähnlichkeitsprinzipien. Erst aber Paracelsus erforschte sie eingehend und entwickelte daraus seine Signaturenlehre: Jede Heilpflanze und jedes Heilmineral trägt ein besonderes Kennzeichen, dass einem klugen Alchemisten mitteilt, welche Krankheiten sich damit heilen lassen. Das daraus gewonnene Arcanum (lat. Singular von Arcana, also »Geheimnis«) konnte aber nicht allein den Körper, sondern auch den Geist eines Hilfesuchenden heilen.

Fünf Einflüsse

Mit Hilfe seiner Lebenserfahrung kann der Mensch die Ursachen der Krankheiten finden und dem entsprechend Heilmittel hervorbringen. Dies aber nur, sofern er eben mit den von Paracelsus definierten fünf Krankheitseinflüssen vertraut ist, den sogenannten »Fünf Entia« (von lat. Ens, »Sein« oder »Ursache«):

  • Ens Astrorum: Die Einflüsse der Gestirne.
  • Ens Veneni: Durch den Körper aufgenommene Gifte.
  • Ens Naturale: Die vorherbestimmte Konstitution eines Menschen (wie etwa durch Vererbung).
  • Ens Spirituale: Die Geistigen Einflüsse (etwa vergleichbar mit Psychosomatik, zu Paracelsus Zeiten jedoch vorgestellt als »Geister«).
  • Ens Dei: Der unmittelbare Einfluss Gottes.

Jede Krankheit also, ließ sich laut Paracelsus auf eine oder mehrere dieser Ursachen zurückführen. Hatte ein Mensch zum Beispiel eine schwache Konstitution (Ens Naturale), so erkannte Paracelsus daran, dass die Wirkung eines Giftes (Ens Veneni) auf ihn verstärkt war.

Für die paracelsische Medizin gilt darum die fünf Entia bei der Diagnose einer Krankheit mitzuberücksichtigen, um damit entsprechende Heilmittel herzustellen und Heilverfahren anwenden zu können.

Die fünf Entia bewirken nach Paracelsus ein Ungleichgewicht der drei von ihm genannten fundamentalen, den Körper ausmachenden Grundsubstanzen (Tria Principia): Sulphur, Mercurius und Sal (siehe Erläuterungen dazu unten). Durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts dieser Tria Principia, kann dann Heilung erfolgen, beispielsweise durch die Verabreichung entsprechender Mittel. Und eben darum spielen die Dosierungen jener Tria Principia bei der Bereitung eines Heilmittels ihre zentrale Rolle, wo ein Gift durchaus als Heilmittel zur Anwendung gebracht werden kann – wo Gift und Gegengift einander entsprechen. Gemäß Paracelsus waren Arzneimittel nur dann wirksam, wenn sie denselben Ursprung wie die Krankheit selbst hatten.

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.

- Paracelsus in seiner »Dritten Defension wegen des Schreibens der neuen Rezepte«

Die Tria Principia im Zusammenhang mit den vier alchemistischen Elementen - ewigeweisheit.de

Schaubild: Die Tria Principia im Zusammenhang mit den vier alchemistischen Elementen.
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Mit Hilfe aufwändiger Veredlungsprozesse extrahierte Paracelsus bestimmte Substanzen aus Heilpflanzen und vereinigte sie daraufhin wieder, nachdem er die ursprünglichen Bestandteile besonderen Umwandlungsprozessen unterzogen hatte. Was das im Einzelnen ist, wollen wir uns später noch genauer ansehen. Damit auf jeden Fall gewann er die sogenannten »Essenzen«, die er als besondere Heilmittel anwendete.

Paracelsus kam es hier darauf an, die in Pflanzen, Mineralien und Metallen wirksamen Prinzipien zu finden und daraus zu gewinnen, die er dann durch alchemistische Prozesse zu verstärken versuchte. Er hatte dabei die in den Stoffen Quecksilber, Schwefel und Salz wirkenden »philosophischen Prinzipien« erkannt (Tria Principia, siehe Abb. rechts), die er als Mercurius, Sulphur und Sal bezeichnete.

Bezogen auf den Menschen galt Paracelsus:

  • der Sulphur ist das Prinzip der Seele,
  • der Geist ist Prinzip des Mercurius und
  • das Sal entspricht  dem Körper.

Die Inneren Wirkungsweisen des Menschen

Der Mensch in seinem ganzen Dasein gleicht einem Zusammenspiel aller seiner Bestandteile – sowohl physischer, emotionaler wie auch geistiger. Und so wie die Dinge in der natürlichen Welt mit der Welt der Archetypen korrespondieren, so auch die im Folgenden dargestellten Bestandteile des menschlichen Seins. Was der Mensch etwa an Emotionen in sich trägt, lässt sich mittels der paracelsischen Signaturenlehre ableiten auch aus den natürlichen Formen der Welt der Pflanzen, der Tiere und Mineralien. In dieser Lehre der Korrespondenzen beschrieb Paracelsus Entsprechungen, aus denen er die Existenz vierer innerer Wirkungsweisen im Menschen ableitete.

1. Spiritus Rector: Der Ätherleib

Hiermit ist die Urkraft gemeint, die den Organismus aller Lebewesen individuell beherrscht. Dieser Spiritus Rector galt Paracelsus als das geistige Prinzip, das alle Dinge zusammenhält, als des Menschen innerer Doppelkörper, der in allen Leibesgliedern wirkt, ihnen ihr spezifisches Wesen verleiht und sie bis zum Tod zusammenhält, beginnen diese doch zu zerfallen, sobald einen Menschen die Lebenskraft verlassen hat.

2. Mumia: Die Lebenskraft

Sie ist eine überaus feine, geistige Wirkung, die in allen Körperteilen (Blut, Gewebe und Ausscheidungen) präsent ist. Selbst wenn ein Mensch verstarb, verbleibt diese Kraft noch eine Zeit lang im Körper. Es handelt sich um eine Art Magnetismus, der sich auch auf einen Körper übertragen lässt, was etwa, von Paracelsus inspiriert, später durch den Wiener Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815), in Form sogenannter »Magnetischer Kuren« zur therapeutischen Anwendung kam.

3. Virtutes: Die Naturkräfte

Laut Paracelsus wohnen allen Mineralien und Pflanzen (sowie auch Tieren) bestimmte Wirkungen inne, die sich pharmazeutisch nutzen lassen. Solche wirksamen Kräfte kann ein Arzt an ihren sogenannten »Signa« ablesen, also jenen oben bereits erwähnten Signaturen, wo eben ähnlich aussehende Pflanzen auch ähnliche Wirkungen haben.

4. Tartarus: Die Grobstofflichkeit

Als Tartarus bezeichnete Paracelsus den sogenannten »Weinstein« (chemisch: Kaliumhydrogentartrat, Kaliumsalz der Weinsäure), der sich als kristalliner Bodensatz in Weinfässern bildet. Alchemisten meinten darin ein Bild für die grobstoffliche Materie zu erkennen. Entsprechend dieses eher chemischen Phänomens leitete Paracelsus ab, dass entsprechend, bei sogenannten »tartarischen Erkrankungen«, feste Ablagerungen eben zu entsprechenden Krankheitssymptomen führen (wie zum Beispiel Gallen-, Blasen- und Nierensteine, Gicht, Arthrose, Gewebeverhärtungen, Hautflechten oder Lungenerkrankungen).

Alchemie der Heilkunst

Die Herstellung therapeutisch wirksamer Substanzen kannte man seit alters her. Auch Paracelsus schöpfte aus diesen alten Wissensquellen, doch wusste außerdem, wie er die inneren Wirkkräfte von Pflanzen, Mineralien oder Metallen therapeutisch nutzbar machen konnte, durch ein Herauslösen der Prinzipien von Sulphur, Mercurius und Sal.

Auch heute geht ein Spagyriker hierfür schrittweise vor: Zuerst bereitet er den Ausgangsstoff (die »Prima Materia«). Daraufhin verändert er diese Substanz in mehreren Schritten, wozu insbesondere die Gärung, die Destillation und die sogenannte Veraschung zählen. Alle diese alchemistischen Vorgänge erfolgen in Abstimmung auf makrokosmische Prozesse, die der Alchemist da mittels astrologischer Beobachtung am Stand von Sonne, Mond und Planeten abliest.

1. Fermentatio: Gärung

Wer Geistiges aus dem Materiellen (er)lösen will, muss Letzteres zerstören. Ist der Ausgangsstoff pflanzlich, so erfolgt das durch Verwesung, Verfaulung oder Gärung. Hierbei wird das Material einem organischen Auflösungsprozess unterworfen, wobei Alkohol entsteht, den Paracelsus als Träger des »merkurialischen Prinzips« der Pflanze ansah. Nur so können die drei Prinzipien von Sal (Körper), Sulphur (Seele, Wesen) und Mercurius (Geist) gleichzeitig gewonnen werden. Alle drei Prinzipien behalten dabei ihre Wirkung.

Alembik - ewigeweisheit.de

Abbildung eines Alembik (Destillierhelm) in einer mittelalterlichen Handschrift.

2. Distillatio: Herabtröpfeln

Die aus dem ersten Schritt der Fermentatio hervorgegangene Masse kann wird im nächsten Schritt destilliert. Man setzt dazu meist die schonende Wasserdampfdestillation ein (Wasser verdampft bei 100 °C, während die meisten ätherischen Öle zwischen 40 bis 90 °C verdampfen, Alkohol bei etwa 79 °C). Was dabei als Rückstand bleibt ist

  • ein »fixer« Sulphur und
  • das Destillat eines gereinigten Mercurius und »flüchtigen« Sulphurs.

In diesem Schritt werden also flüchtige Stoffe gewonnen (Alkohol, ätherische Öle). Was als Rest im Destillierkolben zurückbleibt wird danach getrocknet.

3. Calcinatio: Veraschung

Die Trocknung und anschließende Veraschung des Destillier-Rückstands, bei hoher Temperatur, liefert das Sal. Es besteht aus den in der Pflanze vorhandenen, anorganischen Bestandteilen (Asche besteht vor allem aus Oxiden und Karbonaten verschiedener Metalle und Halbmetalle, wie etwa Kalium, Calcium, Eisen, Magnesium, Mangan, Silicium, Natrium). Durch anschließendes Herausspülen aus der Asche (Lösung) werden diese Mineralstoffe und Spurenelemente gewonnen.

4. Coniunctio: Vereinigung

Mit dem letzten Schritt erfolgt die Herstellung der spagyrischen Tinktur: hierfür werden Destillat und Asche miteinander vereinigt. Im daraus entstandenen spagyrischen Präparat wirken die Kräfte einer sogenannten »Chymischen Hochzeit«, deren Symbolik sich etwa abbilden ließe, in der Darstellung einer Vereinigung von Sonne und Mond (makrokosmisch) beziehungsweise Mann und Frau (mikrokosmisch).

Die Spagyrische Essenz

Um aus einer spagyrischen Tinktur eine sogenannte Essenz herzustellen, muss die Tinktur einem mehrmaligen Zirkulationsprozess unterzogen werden. Dafür wird sie innerhalb eines Jahres, bei mäßigen Temperaturen, destilliert. Dieser lange Destillationsvorgang führt zur vollständigen Reinigung der Prinzipien Sulfur und Mercurius, während die Materie des Sal dabei in »Licht« verwandelt und aus dem stofflichen Körper ein »Energiekörper« wird. Bei alle dem werden auch astrologische Zyklen mitberücksichtigt, damit dieser lange Zirkulationsprozess zum »Großen Werk« wird – dem Opus Magnum, was in der Alchemie die erfolgreiche Veredelung des Ausgangsstoffes anzeigt.

 

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Die Hermetik: Eine Religion der Antike

von Johan von Kirschner

Hermes Trismegistos - ewigeweisheit.de

Nur die wenigsten unter uns haben jemals von der alten Stadt Harran gehört. Es scheint als sei dieser Name in Vergessenheit geraten, trotz dass es an diesem Ort einst eine Glaubensgemeinschaft gab, die insbesondere für die Hermetik von zentraler Bedeutung ist.

Und was ist die Hermetik? Wer darüber spricht, was manche auch als den »Hermetismus« bezeichnen, meint damit eine seit der Antike existierende Offenbarungslehre. Ihre religiös-philosophischen Weltanschauungen beeinflussten das Denken der Gelehrtenwelt, insbesondere in der europäischen Renaissance. Der Name »Hermetik« aber stammt von dem mythischen Wissensspender Hermes Trismegistos (dem »Dreifach Größten Hermes«). Ihm werden die Verse der berühmten Smaragdtafel (Tabula Smaragdina) zugeschrieben, die durch ihn, so die Legende, einst von Atlantis nach Ägypten kam. Von dort aus breitete sich die hermetische Offenbarungslehre dann in der ganzen antiken Welt aus, zwischen Zweistromland und dem Land der alten Hellenen Griechenlands.

Wieso die Hermetik nun aber insbesondere für das oben genannte Harran so wichtig war und wieso das auch für unsere weiteren Betrachtungen von Belang ist, das wollen wir uns im Folgenden ansehen.

Eine uralte Siedlung in Mesopotamien

Die Stadt Harran befindet sich heute in der Türkei, etwa 20 km nördlich der syrischen Grenze, gelegen zwischen Euphrat und Tigris. Die Gefilde der Ebene von Harran beherbergen die ältesten archäologischen Fundstätten der Erde. Dazu zählt die 11.500 Jahre alte Tempelanlage von Göbekli Tepe oder die 1993 in Şanlıurfa gefundene Statue des sogenannten Urfa-Mannes, dessen Alter manche bis ins 14. Jahrtausend zurück datieren.

Die Großstadt Şanlıurfa, das antike Edessa, beherbergte einst den Urmonotheisten Abraham. Hiermit kommt das alte Harran ins Spiel, das etwa 40 km südlich von Şanlıurfa gelegen ist und der Universität dieser Großstadt sogar ihren Namen verlieh. Nun, Harran wird im Buch Genesis erwähnt, als Heimatstadt des Terach (Genesis 11:32f) – dem Vater des Patriarchen Abraham. Manche glauben dass die antike Stadt Harran ihren Namen sogar von dem gleichnamigen Bruder Abrahams erhalten hatte (Genesis 11:26). Interessant ist auch, dass der Patriarch Jakob (Urvater der Zwölf Stämme Israels), ein Enkel Abrahams, einst von der heute israelischen Stadt Beer Scheva  (deutsch: »Brunnen der Sieben«) nach Harran reiste (Genesis 28:10-19). Auf dieser Reise hatte Jakob den aus der Bibel berühmten Traum von der sogenannten »Jakobsleiter« – einem Ereignis das ja insbesondere in der Kabbala-Tradition von zentraler Bedeutung ist.

Heute bedeckt den Hügel, auf dem einst das alte Harran lag, ein riesiges Trümmerfeld, auf dem man nur noch einzelne Mauersteine verstreut sieht. Lediglich erhalten sind Abschnitte der alten Stadtmauer, sowie Gebäudereste der alten Universität von Harran. Der dort einst befindliche Tempel der Sabier, wurde 1262 mit dem Einfall mongolischer Horden zerstört.

Großer Smaragd - ewigeweisheit.de

Der 14.000 Jahre alte Urfa-Mann (Museum der Stadt Şanlıurfa).

Wer die Sabier waren und welche Bedeutung sie für unsere Betrachtungen haben, dazu mehr in den nachfolgenden Ausführungen.

Die Sternenreligion der Sabier

Sowohl jüdische als auch islamische Quellen behaupten, dass Abraham ein Sternenverehrer gewesen war. Harran, der Ort in dem Abraham zeitweise gelebt haben soll, war eine von sieben Städten, von denen jede einem der sieben Planeten gewidmet war. Ihre antiken Strukturen sollen gebaut worden sein, auf der Grundlage sehr feiner astronomischer Berechnungen der Gestirnbewegungen, insbesondere jener der zwölf Sternbilder und der sieben klassischen Planeten. Drei dieser sieben hatten sie übernommen von ihren griechischen Vorvätern, darunter Helios (Sonne), Ares (Mars) und Kronos (Saturn). Zwei akkadische Götter kamen hinzu, nämlich der Mondgott Sin und Merkur, sowie zwei aramäische Sternengottheiten: Bal (Jupiter) und Balti (Venus). Die Sabier verwendeten damit die auch bei uns bis heute verwendete Zuordnung der sieben Planeten zu den Wochentagen.

Insbesondere in ihren Riten verehrten die Sabier diese planetarischen Gottheiten, um sich mit dem Lauf der Dinge ihrer Gemeinschaft, auf die kosmischen Zyklen abzustimmen. Man opferte da im Namen dieser Wandelsterne dem alleinigen Schöpfer der Welt. Hieraus entwickelte sich der Glaube an die Planeten als Vermittler zwischen den Menschen und Gott. Man sah die Planeten da als körperliche Erscheinungen an, denen göttliche Geistwesenheiten innewohnten und diese regierten (entsprechend eben genannten, den Wochentagen zugeordneten sieben Götter: Kronos, Helios, Sin, Ares, Merkur, Bal und Balti).

Alles in der Natur gestaltete sich und bildete sich fort durch die Einwirkung der Planeten. Die Gesamtheit des Seins war ihrem Einfluss unterworfen. Nichts in der Natur konnte sich bewegen oder entwickeln, so glaubten die Sabier, ohne den Einfluss jener geistigen Potenzen der sieben planetarischen Kräfte.

Der Schöpfer der Welt, so die Sabier, vermochte wegen seiner essenziellen, ursprünglichen Einfachheit, sich in den sieben leitenden Planeten zu vervielfältigen und zu personifizieren. Sie wirkten und wirken auch heute noch, laut der sabischen Lehre, in die irdischen Körper der Wissenden (Eingeweihten) hinein. Bei alle dem aber bliebe die Einheit des Wesens Gottes davon unberührt. Nur sein Handeln kommt in den sieben Sphären zur Wirkung, wobei er darüber auf das Menschsein wirkt und darin zur Erscheinung kommt.

Vermittelst unserer Zungen spricht Gott, vermittelst unserer Augen sieht er, vermittelst unserer Ohren hört, vermittelst unserer Hände greift er, vermittelst unserer Füße kommt und geht er und vermittelst unserer Glieder handelt er.

Es ist nun schwer zu sagen ob entweder der Polytheismus die ursprüngliche Form der Gottesverehrung war oder der Monotheismus. Diese Frage aber dürfte sich vielleicht erübrigen, wenn man eben jene, aus der abrahamitischen Tradition wahrgenommene eine Gottheit, eben als einen Gott der Götter, einen Herrn der Herren, einen Schöpfer alles Erschaffenen ansieht. Gut möglich dass sich aus dieser Vorstellung von einst, dann eine Art von Monotheismus entwickelte. Dabei dürfte es selbsterklärend sein, dass so ein höchstes, göttliches Wesen, in der Vielfältigkeit seiner Erscheinung, später von den abrahamitischen Religionen verschiedenartig aufgefasst wurde.

Aber nicht allein im Abrahametismus existierte die monotheistische Vorstellung des Göttlichen. Auch der griechische Philosoph Platon (428-347 v. Chr.) erwähnte in seinem Werk an verschiedenen Stellen ein höchstes Wesen, als den Vater aller Dinge, den Schöpfer der Götter. Hierauf ging auch der Neuplatoniker Porphyrius (395-420 n. Chr.) ein, in seiner Geschichte der Philosophie. Darin nämlich beschreibt er diesen »einzigen Gott Platons«, als einen »dem kein Name und nichts Menschliches zukommt«. Porphyrius hielt darum auch für unangebracht, diesem höchsten Wesen etwas Materielles zu opfern. Vielmehr durfte man ihn nur durch reines Schweigen und reine Gedanken verehren.

Wie wir später noch sehen werden, stand im Mittelpunkt des sabischen Glaubens ja der sagenhafte Hermes Trismegistos. Wie sich den ihm zugeschriebenen Schriften entnehmen lässt, sprach auch er über diese Einheit des Göttlichen, wo ihm alle Dinge der Welt als Glieder Gottes galten. In dem hermetischen Text Poimandres ließt man dazu:

So wie Himmel, Erde, Wasser und Luft die Glieder der Welt sind, so sind auch Leben, Unsterblichkeit, Kraft, Geist, Notwendigkeit, Natur, Seele, Verstand, dieser Aller Fortdauer und das sogenannte Gute Gottes Glieder. Weil Gott aber Alles vorstellbar macht, so ist er auch durch Alles in Allem [...] der Himmel regiert die intellektuelle Substanz, das heißt die Gottheit. Der Himmel, die Götter, die denselben untergeordneten Daimonen und die Menschen sind alle Teile Gottes.

- Aus dem hermetischen Poimandres Kapitel 12

Astral-Heiligtümer Harrans

In Harran befanden sich einst sieben Tempel, entsprechend den sieben klassischen Himmelskörpern Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter und Venus. Ein hexagonaler Tempel des Saturn stand dort zusammen mit jeweils einem trigonalen Tempel des Jupiters und Merkurs. Die Architektur Mars-Tempels war rechteckig, jener der Sonne aber quadratisch. Der Sin-Tempel, dem Mond geweiht, besaß eine achteckige Struktur. Dieser dem Mondgott Sin geweihte Tempel wurde sehr wahrscheinlich im Neusumerischen Reich erbaut, wohl um 2.000 v. Chr. Der Tempel zu Ehren der Göttin Venus war, wie der der Sonne, als Quadrat geformt, das in sich jedoch einen trigolanen Bau einfasste. Die Idole in den Tempeln der Sabier waren meist aus den ihnen vorstehenden Planetengottheiten verfertigt. Im Sonnentempel fand man goldene Statuen und Idole, im Mondtempel entsprechend aus silber gehauene Standbilder.

Im Mittelpunkt des Sternenkultes der Sabier aber stand der Mondgott Sin.

Lehmbauten in Harran - ewigeweisheit.de

Lehmbauten in der heutigen Altstadt Harrans.

Sabische Geistesgrößen

Wichtige Geistesgrößen des frühen Mittelalters lebten und wirkten in Harran, wie etwa der im iranischen Tus geborene Jabir ibn Hayyan (721-812), der unter dem Namen »Geber« in die Geschichte der Alchemie eingehen sollte. Doch vor allem die Schriften des in Harran geborenen Magiers und Astrologen Thabit ibn Qurra (826-901), sollten später einmal großen Einfluss haben auf die Gelehrsamkeit jener europäischer Weiser, die zwischen der Zeit des Mittelalters bis in die Renaissance lebten.

Ibn Qurras, im 16. Jahrhundert aus dem Arabischen ins Lateinische übersetztes Werk zur Hermetik, »De Imaginibus« (zu deutsch »Über Bilder«), sollte in der Renaissance zum wichtigsten Text über astrologische Magie werden (neben dem Buch Picatrix aus dem 13. Jahrhundert). So fanden Ibn Hayyans und Ibn Qurras Schriftwerke auch ihren Weg in die christlichen Klöster Europas.

Hermes Trismegistos

Die Sabier von Harran schöpften ihr Wissen aus vielen Quellen. Was sie über die Astralwelt wussten, scheinen sie von den Neuplatonikern (Schulrichtung die im 3. Jahrhundert n. Chr. entstand) übernommen zu haben. Aber auch Wissen aus dem alten Sternenkult der Chaldäer spielte eine wichtige Rolle für sie.

Die Sabier von Harran waren, zwischen 856 bis 1050, für das Geistesleben und die Vermittlung wissenschaftlicher Bildung, wichtig für Rest der arabischen Welt. Durch sie nämlich erhielten sich über die Jahrhunderte hinweg die Weisheiten aus der griechischen Antike, deren Philosophie und Wissenschaft durch ihr Wirken scheinbar problemlos in islamisches Geistesdenken einfließen konnte.

Besonders hervorgehoben werden aber muss die Tatsache, dass sie Hermes Trismegistos als ihren Propheten verehrten und sein Corpus Hermeticum ihr heiliges Buch war. Darauf verweist die Handschrift des Kitab Ihwan as-Safa (Buch der Brüder der Weisheit), einer arabischen Enzyklopädie des 10. Jahrhunderts, dessen Inhalte nicht unbedeutend sind für Geschichte und Entstehung des Geheimordens der Rosenkreuzer.

Andernorts galt Hermes Trismegistos damals als alter ägyptischer Weiser, den man als Erfinder des Schrifttums ansah und als legendären Autor vieler wissenschaftlicher Bücher über Mathematik, Astrologie, Magie, Alchemie, Ethik und Medizin. In seinem Corpus Hermeticum finden sich Lehren in Form mystischer Visionen.

Man setzte Hermes Trismegistos damals auch gleich mit dem griechischen Gott Hermes und dem ägyptischen Gott Thoth (auch: Tehuti). Dass er den Sabiern als Prophet galt, lag an der Tatsache, dass sie das Corpus Hermeticum als Portrait eben dieses göttlich inspirierten Lehrers betrachteten.

Damals begannen manche muslimische Gelehrte Hermes Trismegistos auch gleichzusetzen mit dem im Koran erwähnten Idris, der im jüdisch-christlichen Kontext der biblischen Gestalt Henochs entspricht.

Die Harraner (Sabier) waren im Nahen Osten die wichtigsten Erben des sogenannten ‘orientalischen Pythagoreismus‘, sowie die Wächter und Verbreiter der Hermetik in der islamischen Welt. Sie praktizierten ‘die Religion der Erben des Propheten Idris’

- Seyyed Hossein Nasr

Seit wann die Sabier ihre Kulte jedoch ausübten, ist bisher nicht geklärt. Sie dürften schon im 6. Jahrhundert v. Chr. bestanden haben, doch sollten bereits zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert n. Chr. untergegangen sein.

Übersetzung des Corpus Hermeticum ins Lateinische

Im Jahr 1460 gelangte eine seltene, arabische Handschrift nach Florenz. Möglicherweise war sie in den fünf Jahrhunderten zuvor von Harran in byzantinische Hände übergegangen. Man beauftragte drei Jahre später den berühmten italienischen Philosophen Marsilio Ficino (1433-1499) damit, den Text ins Lateinische zu übersetzen. Die Fertigstellung seiner Übersetzung im Jahr 1471 könnte durchaus angesehen werden, als eine Geburt der europäischen Hermetik. Man verwendete damals den Namen, aus dem oben bereits zitierten »Poimandres«, um damit den Druck dieser Schrift zu betiteln.

Ficino fasste in seiner Vorrede an den Auftraggeber Cosimo de Medici (1389-1464) die antiken Quellen zu Hermes zusammen und konstruierte eine Tradition ursprünglicher Weisheit. Diese Tradition nämlich hatte laut Ficino sogar wesentliche Elemente des Christentums eingeschlossen. Man geht darum auch davon aus, dass es zu ersten Schriftlegungen des Corpus Hermeticum, zunächst zwischen 100 und 300 n. Chr. gekommen sein könnte. Erst später hatte sich das Wissen um das Schriftwerk des Hermes Trismegistos verdunkelt und zersplittert in verschiedene Disziplinen.

(Hermes) stand [...] in Geistesschärfe und Gelehrsamkeit allen Philosophen voran. Als Priester legte er zudem die Grundlagen für ein Leben in der Art eines Heiligen und er übertraf in der Verehrung des Göttlichen sämtliche Priester. Er übernahm schließlich die Königswürde und verdunkelte durch seine Gesetzgebung und Taten den Ruhm der größten Könige. Daher nannte man ihn zurecht den dreimal Größten (Trismegistos). Als Erster unter den Philosophen wandte er sich von der Naturkunde und der Mathematik der Erkenntnis des Göttlichen zu. Als Erster konferierte er über die Herrlichkeit Gottes voller Weisheit, wie auch über die Ordnung der Dämonen und die Wandlungen der Seele. Daher nennt man ihn den ersten Theologen.

- Marsilio Ficino, in seiner Vorrede an den Auftraggeber Cosimo de Medici

Manche behaupten, dass diese Arbeit so großen Einfluss auf das damalige Geistesdenken hatte, dass der eine oder andere sogar vorschlug das Corpus Hermeticums gar in den Textkorpus der Bibel aufzunehmen.

Schließlich aber ließ das Interesse an dem Text nach. Man stieß auf ein jüngeres, in griechischer Sprache verfasstes Werk, das vom Christentum und Neuplatonismus beeinflusst war. Im Untergrund jedoch sollte sich hermetisches Gedankengut weiter verbreiten. Das aber der gesamte hermetische Textcorpus nicht alleinig sabischen Ursprungs ist, sollten die 1945 im ägyptischen Nag Hammadi entdeckten Handschriften bestätigen, womit sich eher von einer ägyptischen Wurzel des Corpus Hermeticum ausgehen lässt.

Erben eines verlorenen Wissens

Interessant ist, dass die Hermetik als Wissenskult von den Sabiern in Harran, in der besonderen Art ihres religiösen Kultes, aufrechterhalten werden konnte, so dass sich daraus unterschiedliche wissenschaftliche und spirituelle Disziplinen, bis ins Mittelalter hinein entfalten konnten. Das sollte die esoterische Tradition des Hermetismus bis in die heutige Zeit merklich bereichern. Könnten die Sabier darum als Erben eines verlorenen Wissens angesehen werden, das einst auf der ganzen Welt verbreitet wurde?

Sicherlich trug ihr Einfluss dazu bei, dass man in der islamischen Welt des 7. und 8. Jahrhunderts, bereits über die mathematischen Mittel verfügte, um damit die Himmelsbewegungen von Sonne und Mond zu berechnen. Denn die Zeitpunkte für das Fasten im Monat Ramadan, wie auch für die fünf täglichen Gebete der Muslime, waren (und sind) auf diese Gestirnsbewegungen genau abgestimmt.

Gemäß dem arabischen Philosophen Abu Yaqub ibn Ischaq Al-Kindi (800-873), basierte die Lehre der Sabier auf der grundlegenden Ansicht, dass die Welt schon immer existierte, basierend auf der Grundlage des Einen, was jedoch unbeschreiblich bleiben muss, da sich diese Wahrheit jenseits allem daraus Entstandenen befindet. Jene astral-planetarischen Zyklen basierten für die Sabier ebenfalls, auf diesem höchsten einen Sein. Wohl das war auch der Grund, dass sie damals als Religionsgemeinschaft von ihren muslimischen Zeitgenossen als Monotheisten toleriert wurden.

 

 

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Die geheimnisvolle Smaragdtafel aus Atlantis

von Johan von Kirschner

Smaragdtafel - ewigeweisheit.de

Seit uralter Zeit existiert eine Lehre, die man einem großen Meister zuschreibt: Hermes Trismegistos – Urvater der Alchemisten. Sein großes Werk ist zusammengefasst in 14 geheimnisvollen Sprüchen. Einst gravierte man diesen Text in eine Tafel aus reinem Smaragd. Vor etwa 2.300 Jahren im ägyptischen Alexandria übersetzt, sollte daraus einer der am meisten interpretierten Texte der Menschheit werden.

Somit ist die Smaragdtafel des Hermes Trismegistos, eines der bedeutendsten Dokumente der alten Wissenschaft. Sie ist sogar so wichtig, dass man die Geschichte dieser uralten Wissenschaft untergliedern könnte in die Zeit vor dem Auftauchen der Smaragdtafel und die Zeit danach.

Mehr als zwei Jahrtausende haben viele Gelehrte gerätselt, was es mit dem, auf dieser geheimnisvollen Steintafel eingravierten Text, eigentlich auf sich hat.

Beim ersten Lesen des Textes, scheint man zuerst mal kaum etwas zu verstehen. Doch womöglich ist unser Intellekt für das Verständnis dieses Textes einfach nicht geeignet. Eher versteht der Leser die Zeilen der Smaragdtafel intuitiv – »in seinem Herzen«, wie die Eingeweihten sagen würden.

Der Text dieser mysteriösen Steintafel, zwingt den Leser regelrecht dazu ihn zu interpretieren. Die Tatsache, dass dieser Text unzählige Male interpretiert wurde, spricht für sich. Zu jenen Gelehrten die nach ihrer Bedeutung forschten, zählte auch der Physiker Isaac Newton. Als erster übersetzte er den Text ins Englische.

Alchemisten der Vergangenheit, erkannten in den Zeichen und Zeilen der Smaragdtafel ihre Geheimnisse wieder. Auf den 14 Versen der Smaragdtafel gründeten sie die Fundamente ihres Wissens. Entsprechend trägt das 14. Arkanum des Thoth-Tarot (Golden Dawn) den Titel »Kunst« – eine Anspielung auf die hohe Kunst der Alchemie.

Ursprung der Smaragdtafel

Manche sagen die Spuren der Smaragdtafel ließen sich in einer Zeit finden, wo auch die biblische Genesis ihren Anfang nahm.

Laut der hermetischen Geheimlehren soll die Smaragdtafel von der Alten Atlantis nach Ägypten gebracht worden sein. Man rettete sie aus den Fluten der großen Überschwemmung (Sintflut), vor etwa 11.500 Jahren. Thoth der Atlanter soll sie vor dem Verschwinden bewahrt haben. Er ist der selbe, wie Hermes Trismegistos – der »Dreimalgroße Hermes«, »Herrscher der drei Welten«.

Man kann nicht mit absoluter Gewissheit sagen, ob es sich bei Thoth bzw. Hermes Trismegistos, wirklich um eine menschliche Person handelte. Das ihm zugeschriebene Werk umfasst zehntausende Bücher – die wohl ein Mensch, kaum in einem Leben hätte schreiben können. Eher ist es ein übernatürliches Wesen, eine Art »Aufgestiegener Meister«, wie ihn die moderne Theosophie nennen würde.

Thoth auf jeden Fall, war ein alt-ägyptischer Gott, der den Menschen die Sprache, Mathematik, Magie und die Wissenschaften brachte. Alles Substantive, die man in der einen oder anderen Form ja auch in den Zeilen der Smaragdtafel, in konzentrierter Form wiederfindet.

Großer Smaragd - ewigeweisheit.de

Bodenkachel in der Kathedrale zu Siena (Italien) mit einer Abbildung des Hermes Trismegistus (rechts).

Die Entdeckung der Smaragdtafel

Verschiedene Legenden kreisen um den Fund der Smaragdtafel. Als ich mich längere Zeit mit diesem magischen Objekt beschäftigte, fragte ich mich irgendwann, ob es vielleicht mehrere Kopien der selben Tafel gibt, die man später dann in der alten Welt fand. Denn zum einen heißt es, Hermes Trismegistos sei ein Sohn des biblischen Adam gewesen. Als er sich auf einer Reise auf die indische Insel Ceylon begab, soll er dort den Text auf einer smaragdenen Steintafel gefunden haben.

Auch gibt es eine Legende, dass man die Tafel in einer verborgenen Kammer unterhalb der Großen Pyramide von Gizeh fand.

Abrahams Frau Sarah will auf die Tafel in einer Höhle in der Nähe von Hebron gestoßen sein. Dort soll sie sie aus den krallenden Fingern einer Mumie entrissen haben.

Albertus Magnus schrieb den Fund Alexander dem Großen zu, der die Tafel im Grab des Hermes in Phönizien entdeckt haben will.

Was alle Legenden über den Fund der Smaragdtafel jedoch gemeinsam sagen, ist, dass es sich um einen grünfarbigen Stein handelt, in dem nach Art eines Basrelief, alt-phönizische Lettern eingegraben waren - einer Schrift also, von der alle Alphabete abstammen.

Der Text

Die jüngere Geschichte der Smaragdtafel, beginnt um 300 v. Chr. in Ägypten. Da nämlich übersetzte man den Originaltext zum ersten mal ins Griechische. Im ägyptischen Alexandria, sollte die Übersetzung des Textes dazu beitragen einen Streit beizulegen. Denn die dort ansässigen Gelehrten waren uneinig über die wahren Lehren der Alchemie. Jüdische, griechische und auch ägyptische Alchemisten, sie hatte alle ihre eigene Version von der »Hohen Kunst«. Erst als die Smaragdtafel in die damalige Amtssprache Alexandrias, in das Altgriechische übersetzt wurde, begann tatsächlich eine neue Ära für die Alchemie, war dieser Fund doch Ausgangspunkt einer gemeinsamen Weisheitslehre.

Zu damaliger Zeit war Alchemie kein Werk der Scharlatane, zu was es erst verkommen war im europäischen Mittelalter. Vielmehr handelte es sich um eine Wissenschaft, ja eher sogar eine von Gott inspirierte Begabung. Auf der Grundlage ihrer Lehren, so die alten Alchemisten, basieren die Grundlagen aller Religion und Wissenschaft.

Die Lehren und Praktiken der Alchemisten blieben seit alters her geheim. Sie waren nur einer kleinen Gruppe von auserwählten Priestern zugänglich. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Insbesondere im Mittelalter war es gefährlich als Alchemist erkannt zu werden. Für die Kirche waren die Alchemisten Ketzer und Teufelsanbeter, die man lieber gehängt oder auf dem Scheiterhaufen brennen sah, als sie in ihren »Hexenküchen« kochen zu lassen.

So also kam es zu der Verschwiegenheit, die diese Hohe Kunst bis heute umhüllt. Ihre hermetischen Lehren aber blieben erhalten und wurden, in okkulten Zirkeln, über Generationen vom Meister an den Schüler übergeben. Daher auch das Wort »hermetisch«, dass man im deutschen Sprachraum ja oft zur Bezeichnung von etwas Luftdichtem oder Undurchdringlichen verwendet: es ist etwas, dass unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen und praktiziert wird – etwas das eben undurchdringlich ist, für alle Nicht-Eingeweihten verschlossen. Gleichzeitig ist der Begriff »hermetisch« aber auch ein Hinweis darauf, dass die Methoden der Alchemie, sich immer auf ein in sich abgeschlossenes System beziehen – ganz gleich ob dabei Mikrokosmos oder Makrokosmos erforscht werden.

Fest steht, dass der Text der Smaragdtafel, das uralte Wissen der westlichen Zivilisation bewahrt. Zwar ist es ein okkulter und für viele, nur schwer zugänglicher Text, doch findet man im Studium der Smaragdtafel die Grundelemente jener alten Offenbarungslehre, die durch Hermes Trismegistos überliefert wurde.

In den 14 Zeilen der Smaragdtafel steht geschrieben, was später ganz wesentlich das naturwissenschaftliche Weltbild beeinflusste, ebenso aber auch die Religionen und den Okkultismus.

»Philosophie des gesamten Universums«

Auch wenn die Lehre der Smaragdtafel universal ist und die Fundamente bildet, auf denen Religion und Wissenschaft gründen, ist sie keineswegs eine allen zugängliche Lehre.

Niemals plauderten Alchemisten die Geheimnisse der Alchemie aus. Uneingeweihte ging die Geheimlehre der Alchemie einfach nichts an. Nicht etwa aber, um ihnen etwas vorzuenthalten, sondern weil dieses Wissen auch gewisse Gefahren birgt.

Am Anfang trug die Smraragdtafel den lateinischen Namen »Tabula Smaragdina« (tabula = Tafel) – denn genau das war sie: eine Tafel aus grünem Stein.

Später nannte man sie auch die »Hermetische Tafel«, (Tabula Hermetica) – oder, gemäß des Ursprungsortes ihrer Übersetzung, die »Ägyptische Tafel« (Tabula Aegyptia).

Dort in Ägypten fließt der Nil, der jährlich seinen schwarzen Schlamm über die Ufer schwemmt. In diesem Schlamm sah man in alter Zeit, eine magische Substanz, denn seine Fruchtbarkeit brachte den Ägyptern ihre Nahrung. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Vom alt-ägyptischen Namen dieser schwarzen »Substanz«, dem »Khem« oder »Khemet«, stammt der Begriff Alchemie: Die schwarze Schlammerde nannten arabische Alchemisten »Al-Khem«.

Das Alter der Smaragdtafel

Niemand weiß, wo sich heute das Original der Smaragdtafel befindet oder ob es überhaupt noch existiert. Nur drei alte, lateinische Übersetzungen sind geblieben, die man einst in Alexandria aus der griechischen Urübersetzung anfertigte.

Was auch immer mit dem Original geschehen ist: der Text der Smaragdtafel, ist eines der wichtigsten Dokumente in der Geschichte der Menschheit – auch wenn die Original-Übersetzungen heute nicht mehr existieren, geschweige denn kaum einer davon je gehört hat.

In seinem Buch »Amphitheatrum Sapientiae Aeternae« bezeichnet der deutsche Alchemist Heinrich Kunrath, die Smaragdtafel sogar als »Monument für die ganze Menschheit«.

Illustration von Hans Vredeman de Vries: Im Labor des Alchemisten - ewigeweisheit.de

Illustration von Hans Vredeman de Vries: Im Labor des Alchemisten. Abbildung im Buch Heinrich Kunraths "Amphitheatrum sapientiae aeternae".
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Nach der arabischen Eroberung Ägyptens im 7. Jhd., wurde das alte alchemistische Wissen durch islamische Gelehrte fortgeführt – so wie etwa durch Abu Musa Dschabir ibn Hayyan. Das alte Wissen der Smaragdtafel kam dann irgendwann im 8. Jhd. über Marokko nach Spanien, wo die Alchemie einen wichtigen Stellenwert in der Wissenschaft einnahm. Dort sollte Dschabir ibn Hayyan später noch eine wichtige Rolle spielen. Sein Name wurde europäisiert als »Geber Arabicus«, der für die Geschichte der mittelalterlichen Alchemie, wie später auch für die Chemie, eine wichtige Rolle spielen sollte.

So kam der einst in Ägypten übersetzte Text der Tabula Smaragdina, irgendwann nach Europa. Hier entwickelte sich die Alchemie in den kommenden tausend Jahren zu ihrer Hochblüte, bis sie Ende des 18. Jhd. durch die moderne Wissenschaft in den Untergrund abgedrängt wurde.

Trotzdem blieb die Smaragdtafel stets die hermetische Grundlage aller alchemistischen Lehren. Das gilt auch heute noch. Erst in den vergangenen Jahrzehnten, gewannen ihre Weisheitslehren wieder an Bedeutung. Insbesondere die Heilkunst wie auch die schönen Künste, sollten von den Weissprüchen der Smaragdtafel profitieren.

 

Eine kommentierte Fassung des Textes finden Sie hier.

 

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Tabula Smaragdina (Interpretation)

Tabula Smaragdina (Interpretation)

Die Verfassung der geheimen Künste des Hermes Trismegistos

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

Mit dem ersten Absatz wird bereits die Unwahrheit ausgeschlossen. Jeder Irrtum oder ein Versprechen das eine Lüge sein könnte, wird von vornherein unterbunden. Die Sätze der Smaragdtafel haben den selben Anspruch wie Bibel, Koran, Bhagavad Gita und andere heilige Schriften.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist. Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

Mit Sicherheit der bekannteste Teil der Tabula Smaragdina - häufig verkürzt als »Wie unten, so oben«. In der Astrologie zum Beispiel, erkennt man die Schicksalsereignisse im menschlichen Leben in den Bewegungen und Konstellationen der Gestirne am Himmel.

Die verschiedenen Welten des Göttlichen enthalten sich gegenseitig. Die höheren Welten wirken auf die niederen , die niederen Welten auf die höheren. So kann man vom einen auf das andere schließen. Alle natürlichen Vorgänge wiederholen sich auf verschiedenen Ebenen. Formationen fliegender Vögel ähneln z. B. denen der Fischschwärme im Meer.

Das »Wunder des einigen Dinges« ist die praktizierte Analogie, mit der man das Göttliche erkennt und so an seiner Ausbreitung mitwirkt. Es ist das eigentliche Thema, die Sache, welche auf allen Ebenen gleichermaßen stattfindet und als solche, für sich ein »kleines« Wunder darstellt.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt, so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

In der jüdisch-christlichen Kabbala, wie auch in den vedischen Upanischaden, ist die Rede von Urformen, die sich einem empfangenden Prinzip aufwirken. So werden aus Ideen und Urbildern der geistigen Welt Abbilder - erfahrbare Dinge, die sich in der materiellen Welt bilden.
Ein Architekt entwirft einen Bauplan, den er dem Bauherrn vorlegt. Maurer und Zimmerleute beginnen damit den Hausbau. So wird aus dem Plan eine reale Form.
Da sich Formen aber beständig ändern, ist eine Anpassung erforderlich.

Im Johannes Evangelium lesen wir: »Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort«. Die anfängliche Ursache des Wortes, die Sprache der ersten Äußerung Gottes, so wie es auch in Genesis 1:3 zu lesen ist: »Und Gott sprach es werde Licht« - ist eine Sammlung und Meditation auf den hellsten Punkt im göttlichen Selbst. Durch Anpassung an die Evolutionsgesetze sind Formen entstanden, aus denen dieses Licht in einen anfänglichen Urraum hinabstieg. Durch Angleichung manifestierten sich daraus alle Formen des Seins.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

Das väterliche Prinzip im Kosmos wird durch die Sonne als Quelle von Licht und Wahrheit verkörpert. Urmutter des Kosmos ist der Mond. Das männliche Prinzip vereinigt sich mit dem Weiblichen und in dieser Verbindung wird ein neues Wesen gezeugt, welches in der Geistwelt (Luft) seine Form bildet und dann durch die Nährung aus der Erde eine physische Form erhält.
In diesem Satz werden drei kosmische Ebenen symbolisiert: Sonne, Mond und Erde - äquivalent zu Geist, Seele und Körper im Menschen.
Materielle Schöpfungen entstehen aus der geistigen Welt, aus einem heiligen Geist, durch den auch das Jesuskind in der Maria gezeugt wurde. Der Geist wird durch das Luftelement verkörpert und daraus wird mit dem Sonnenfeuer ein Wind entfacht, der die geistige Formung bewirkt. Wind ist ein Medium des Lebens. Erst durch die Luft die Gott dem Adam einhauchte begann er zu Leben.

Tabula Smaragdina Kunrath - ewigeweisheit.de

Die Tabula Smaragdina in einem Stich des deutschen Alchemisten Heinrich Kunrath (1560-1605).
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VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

Das ist ein Hinweis auf den Stein der Weisen. Ihn gilt es zu finden. Aus ihm wurde alles Erdenkliche in absoluter Vollkommenheit erschaffen. Des Vaters zeugende Kraft, entspricht dieser Vollendung.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

Mit der Kraft, ist das Wirken des göttlichen Prinzips im Menschen gemeint. Das deutet auf die Verkörperlichung des Göttlichen hin, welche erst mit der Umwandlung in Erde vollkommen ist. Materielles wird durch Realisierung einer Uridee verdichtet und geformt.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl. So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen. Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

Beim Umgang mit der Materie und den Stoffen der subtiler Dimensionen ist Vorsicht geboten. Grobes und Feines müssen geschickt voneinander getrennt werden. "Grob" bezeichnet das korporale Prinzip der Erde, "fein" das energetische, ätherische Prinzip des Feuers. Diese beiden Aggregatzustände liegen sich in der Hierarchie der vier Elemente gegenüber, so wie Materialismus und Spiritualismus. Der Mensch muss diesen Unterschied in seinem Innersten begreifen und sich damit befähigen, diese beiden Ebenen letztendlich wieder zusammenführen. So können sie sich auf einer höheren Form der Existenz manifestieren. "Löse und binde" - "Solve et Coagula" - das ist die alchemistische Grundregel zur Veredelung des Seins.

Wenn das Wasser aus der Erde verdunstet, steigt es zum Himmel, kondensiert dort zu Wolken und fällt wieder als Regen auf die Erde hinab. So wird aus der Erde furchtbarer Boden. Das Gleiche gilt für den Menschen und seine Seele. Sie stammt aus der göttlichen Einheit, Monade genannt (das ist der göttliche Funke) und kreist in ihren Inkarnationen über den verschiedenen Ebenen des korporalen Seins. Sie steigt allmählich immer höher, bis zum höchsten, göttlichen Geist empor und wird mit ihm Eins. Sie löst sich von ihm schließlich wieder ab, wandert wieder nach unten, um in der physischen Welt Erfahrungen zu sammeln. Dann steigt die Seele wieder empor, um einen neuen Kreislauf zu beginnen. Ihr Wunsch ist Erfahrungen zu sammeln, damit sie immer stärker wird und sie mit der hierbei gewonnenen Kraft, die geistige und materielle Welt immer weiter durchdringt, ihr innerstes Wesen begreift und beherrscht. Es geht um die Erkenntnis der Naturgesetze und des eigenen Wesens. Es geht darum sich seines wahren Selbst bewusst zu werden.

Die Verwirklichung des göttlichen Selbst auf Erden, ist der Dienst am Nächsten. Der Sinn des himmlischen Daseins auf Erden besteht darin, dass der Mensch in seinem Inneren eine reale Kraft vermittelt und damit quasi Gottes Weg zur Menschwerdung selbst beschreitet.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft, denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

Durch die gewonnene Kraft werden alle flüchtigen oder feinen Dinge des Oben gebändigt bzw. ihre Subtilität überwunden. Ebenso kann die hier beschriebene Kraft alles Feste durchdringen, so wie es in den gröberen, unteren Schichten des manifestierten Welt vorkommt. Durch das Entdecken der Vollkommenheit der Natur und das Anerkennen der Naturgesetze, entwickelt der Mensch eine Demut gegenüber der Schöpfung. Durch die geistigen Dimensionen inspiriert, hat sich an dieser Stelle sein Wertesystem bereits verändert, sein energetisches Potenzial erhöht und sich auf der physischen Ebene als wirksame Kraft entfaltet.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst, so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

Die Smaragdtafel beschreibt ein Ursachenprinzip, einen Grund der sich in der Schöpfung abspielt - etwas das sich in der Schöpfung in immer wieder neuen Nachahmungen wiederholt. Sie kann dem Menschen als Leitfaden dienen, sein Leben in der gegenwärtigen Inkarnation zu veredeln.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos (dreimalgrößter Hermes), der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

Der Einfluss der Hermetik auf die moderne Wissenschaft

von Johan von Kirschner

Camille Flammarion's L'atmosphère: météorologie populaire (Paris, 1888) - ewigeweisheit.de

Pythagoras war einer der wichtigsten Vertreter der hermetischen Philosophie in Europa. Auf seinen vielen Reisen sah er was andere nie zu Gesicht bekamen. Während eines langen Aufenthalts in Ägypten soll er von Priestern des Thoth in die hermetische Wissenschaft eingeweiht worden sein. Andere Überlieferungen behaupten, sein Initiator war Hermes Trismegistos selbst.

Die Überlieferungen der Pythagoreer wurden zu einer wichtigen Grundlage für Platons Philosophie. Vielleicht hatte aber auch er zu Füßen ägyptischer Meister gesessen und die Weisheiten der "Hohen Kunst" vernommen.
Die Philosophie seines Schülers Aristoteles sollte bis in die Neuzeit hinein das wissenschaftliche Denken im Westen prägen.
Aristoteles war auch Erzieher Alexanders des Großen - dem Gründer Alexandrias. 700 Jahre lang war diese Stadt das Zentrum der Gelehrsamkeit und weit über die Grenzen Ägyptens hinaus berühmt. Alexandria war ein Schmelztiegel der Weisheiten Griechenlands, Ägyptens, Palästinas, Babylons, Persiens und Indiens.

Alexandrias legendäre Bibliothek machte die Stadt im ganzen Mittelmeerraum bekannt und wurde zu einem Statussymbol der ptolemäischen Herrscher Ägyptens. Doch bereits vor Beginn der christlichen Zeitrechnung gab es in dieser Gegend Privatbibliotheken vieler esoterischer Schulen, die sich mit der Heiligen Wissenschaft der Hermetik befassten. Darunter waren auch Geheimbibliotheken der Therapeuten - einer ägyptischen Sekte der Essener.
Der alexandrinische Geist dieser alten Zeit beförderte hermetisches, neupythagoreisches und neuplatonisches Gedankengut, wie man es auch in den 42 Büchern des Hermes findet.

Im 7. Jhd. entstand eine neue Religion in Arabien: der Islam. Mit seiner schnelle Ausdehnung, verbreitete sich auch viel esoterisches Wissen aus dem Orient, zunächst in Westasien und Afrika, drang später über Marokko ins spanische Europa vor (Andalusien, Cordoba, Granada). Die islamische Wissenschaft erreichte ihren Höhepunkt mit der Gründung des "Hauses der Weisheit" - einer Akademie, die durch den Kalifen Al-Mamun von Bagdad im 9. Jhd. ins Leben gerufen wurde.
Im 11. Jhd. machten sich die Templer mit den islamischen Wissenschaften vertraut. Wegen ihres großen Einflusses (Einführung des europäischen Bankwesens) verbreitete sich islamisches Wissensgut schließlich in ganz Europa. Diese besondere Stellung der islamischen Wissenschaften im Mittelalter, ist noch heute zu erkennen. Namen von Sternen wie Vega, Formalhaut, Algol oder Ras Algethi, als auch Bezeichnungen wie Alchemie, Algebra, Alkohol und Alkali, sind arabischen Ursprungs.

Diese Einflüsse inspirierten im Mittelalter viele Denker, woraus schließlich der Wunsch aufkam, die Grenzen alter, kirchlicher Dogmen und Glaubenszwänge, mit Vernunft, Forscherdrang und Empirie zu überwinden. Dieser Forschergeist sollte in Europa bis in die Renaissance lebendig bleiben. Man gewann neue Inspirationen aus den alten Mythenschätzen der Magie, des Okkultismus und Hermetizismus. Dogmen die die Kirche untermauerten, gerieten immer mehr ins Wanken.
Das bedeutet aber nicht, dass christliche Glaubensvorstellungen von Hermetikern abgelehnt wurden. Vielmehr verschmolzen diese mit älterem, teils paganem Wissensgut, in einer spirituell-wissenschaftlichen Strömung.

Islamische Hermetik in Ägypten und Persien

Für den ägyptische Naturmystiker und Sufi-Heiligen Dhul-Nun Al-Misri (796-859) war die hermetische Tradition der Alchemisten, eine kosmologische Tradition göttlicher Offenbarung. Sein wissenschaftliches Streben stand im Einklang mit der Natur. Er gewann seine Erkenntnisse aus Gleichnissen, die er in seiner Umwelt wahrnahm, während andere versuchten so etwas in den heiligen Schriften zu finden.
Dhul-Nuns poetische Gebete, die dem koranischen Wort treu blieben, beeinflussten auch die Naturschilderungen der Sufi-Mystiker Persiens. Unter diesen mag sich auch Abdullah ibn Sina (980-1037) befunden haben: Arzt, Alchemist, Philosoph und Dichter - in der europäischen Gelehrtenwelt bekannt unter dem Namen "Avicenna". Er entwickelte u. a. verschiedene alchemistische Verfahren, wie etwa die Herstellung ätherischer Öle und Pflanzenauszüge für medizinische Zwecke.
Durch seine große Kenntnis westlicher und östlicher Geisteshaltungen in Naturwissenschaft und Philosophie, galt Avicenna als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident. Seine hermetische Philosophie hatte viele Gemeinsamkeiten mit aristotelischen Weltanschauungen. Darum wurden in Europa die Werke Aristoteles' häufig gemeinsam mit den Schriften Avicennas herausgegeben.

Avicenna (Ibn Sina) - ewigeweisheit.de

Der persische Alchemist Abdullah ibn Sina (Avicenna)

Einer der in der Tradition Avicennas stand, war der persische Philosoph und Mystiker Schihab Al-Din Al-Suhrawardi (1154–1191), den man später den "Meister der Erleuchtung" nannte. Trotz das Suhrawardi in seinem Studium die Lehren Avicennas vollständig verinnerlicht hatte, kritisierte er an dessen Lehrgebäude, die gesamte Welt allein durch logische Schlussfolgerungen begreifen zu wollen. Doch da zu damaliger Zeit die aristotelisch geprägte Weltanschauung Avicennas, in der islamischen Gelehrtenwelt allgegenwärtig war, gelang ihm zunächst nicht, seinen Zeitgenossen den hohen Wert seiner hermetischen Philosophie zu vermitteln.

Suhrawardi beschreibt ein immaterielles Licht (vergl. Genesis 1:3) in dem nichts manifest ist. Dieses Licht entfaltet sich über mehrere Stufen hinab, bis es sich in den dichtesten und dunkelsten Formen der Materie erhärtet. Mit anderen Worten: in Suhrawardis Philosophie besteht das Universum mit all seinen Ebenen der Existenz, aus graduellen Schattierungen von Licht und Finsternis.
Außerdem unterteilte er die körperlichen Formen der irdischen und kosmischen Natur, gemäß ihres Vermögens und Unvermögens, göttliches Licht aufzunehmen. Für diejenigen Menschen die d
ieses Licht aufzunehmen vermochten, war es eine Inspirationsquelle der Erkenntnis.

Diese neue Art Einsichten zu gewinnen, ließen sich nur schwer mit den Lehren Avicennas vereinbaren. Suhrawardi war auf der Suche nach Antworten, die ihm aber niemand geben konnte! Doch eines Nachts erschien ihm im Traum Aristoteles, von dem er seine lang gesuchte Antwort bekam. Mit Hilfe dieser Traumvision schuf er die Grundlagen für seine Erkenntnistheorie der Erleuchtung. Er erkannte: nur durch die Zusammenführung von göttlich inspirierter Intuition und wissenschaftlich-philosophischer Werkzeuge der Vernunft (Aristoteles), kann spirituelles Wissen für jeden verständlich gemacht werden.

Hermetik als Inspirationsquelle der Wissenschaften

Der durch islamische Mystiker (Sufis) überlieferte Wissensschatz der Hermetik, übte großen Einfluss auf das im 17. Jhd. entstehende Rosenkreuzertum aus und bildete eine wichtige Inspirationsquelle für europäische Gelehrte. Unter ihnen befanden sich Persönlichkeiten wie Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Francis Bacon und Isaac Newton. Isaac Newton übersetzte einen der wohl bedeutendsten Texte der Hermetik ins Englische: die Tabula Smaragdina (Smaragdtafel).
Viele zeitgenössische Wissenschaftler verschließen gerne die Augen, wenn es um die okkultistisch-religiös geprägte Geschichte Isaac Newtons geht. Newton war nämlich ein streng gläubiger Mensch und außerdem jemand, der so "ketzerische Wissenschaften" wie Hermetik und Alchemie betrieb. Insbesondere im hermetischen Gedankengut fand er Wissen, das seinen Zeitgenossen unzugänglich blieb. Ohne die Erkenntnisse die er aus dem Hermetismus gewann, hätte er höhere Bereiche der Wissenschaften, wie z. B. die Gravitationsgesetze oder die Gesetze der Optik, niemals erklommen.

Hermetisches Denken war im Zeitalter der Aufklärung für viele Naturwissenschaftler als Werkzeug unablässig. Die Beschreibungen der Natur hatte darum einen entsprechend hermetischen Sinngehalt.
Auch Nikolaus Kopernikus bediente sich hermetischen Vokabulars, um etwa sein heliozentrisches Weltsystem zu beschreiben:

Inmitten des Alls thront die Sonne. Wo sonst im Himmelstempel sollten wir das schöne Gestirn platzieren, damit es alles erleuchte auf seine Weise? Nicht ohne Grund wird sie die Leuchte, die Regentin, der Geist des Universums genannt. Hermes Trismegistos nannte sie den sichtbaren Gott - Elektra (in der Tragödie des Dichters Sophokles) die 'Allsehende'. Auf königlichen Thron sitzend, regiert sie Planeten die um sie kreisen.

Isaac Newton - ewigeweisheit.de

Isaac Newton - Übersetzer der Tabula Smaragdina

Der Stein der Weisen und das Elixier des Lebens

In der Hermetik werden die unsichtbaren Verbindungen der himmlischen Ebenen mit den irdischen Ebenen des Seins untersucht. Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen entwickeln Hermetiker Verfahren, um ihrerseits die verborgenen Verbindungen zwischen den Dingen, den Lebewesen oder den Seelen zu erkennen. So können Naturphänomene und die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Ebenen des Seins erkannt werden. Dies verstehend erzielt der Hermetiker seinen Einfluss auf die Natur. Hermetiker waren daher immer auch Alchemisten. Sie waren auf der Suche nach dem Stein der Weisen, dem "lapis philosophorum" oder "lapis exillis" (Gral) - einem magischen "Elixier des Lebens". Die Bereitung dieses Wundersteins ist aber nicht primär auf die Handhabung mit Substanzen im Außen ausgerichtet. Eher geht es um die allmähliche Vergeistigung eines physischen Körpers, was in drei Phasen erfolgt:

  1. Nigredo, die "Schwärzung" wird durch den Raben symbolisiert. Auf Seelenebene geht es um die Konfrontation mit dem Schattenselbst. Hinsichtlich der alchemistisch zu veredelnden Ausgangssubstanz, werden durch "Verwesung" (lat. putrefactio) verunreinigender Aspekte ausgeschieden.
  2. Albedo, die "Weißung" wo sich der symbolische Rabe in eine weiße Taube verwandelt. Hiermit beginnt die "Vergeistigung" der Ausgangssubstanz, die Reinigung von den Abfällen aus dem Nigredo-Prozess. Auf seelischer Ebene wird sich der Hermetiker jetzt seines gegengeschlechtlichen Anteils bewusst - das was C. G. Jung bei der Frau als Animus, beim Mann als Anima bezeichnet. Alte psychische Konzepte werden in der Albedo verworfen.
  3. Rubedo, die "Rötung" als Symbol für die Rose und das Blut, sowie die Farbe der Weisheit, signalisiert das Ende des Großen Werks (Opus Magnum). In C. G. Jungs Archetypenlehre entspricht die Rubedo dem Selbst in seiner Verschmelzung mit dem Ich (Ego): die "Rote Morgendämmerung des Erwachens". Der Stein der Weisen wurde gefunden.

Dieser Stein, auch "Roter Löwe" genannt, soll rubinfarbig leuchtend, durchsichtig und sehr schwer sein. Wer ihn gefunden hat, soll minderwertige Metalle in Gold transmutieren, Kranke gesund machen und ewige leben können!

Nikolas Flamel - ewigeweisheit.de

Der "Goldmacher" Nikolas Flamel

Quacksalber oder Goldmacher

Avicenna verwies in seinen Schriften auf die zentrale Bedeutung des Merkur (→ Planet Merkur, griech. Hermes), der ja mikrokosmisch dem Metall Quecksilber entspricht (→ Mercurius). Mercurius ist der Mittler zwischen Gott und der Welt, zwischen Himmlischem und Irdischem, zwischen Anfang und Ende.
Nicht zufällig ist dem Wochentag Mittwoch (zwischen Montag und Sonntag) der Planeten Merkur (zwischen Mond und Sonne, laut ptolemäischem Weltbild) zugeordnet!
Mit Hilfe der merkurialen Kräfte des Quecksilbers, soll laut Avicenna die Bereitung des sagenhaften Steins gelingen:

Quecksilber ist kalt und feucht. Mit ihm hat Gott alle Metalle geschaffen. Es ist luftig und wird flüchtig durchs Feuer. Und wenn es dieses Feuer einige Zeit ausgestanden hat, erreicht man mit ihm Wunderwerke.
Der lebendige Geist des Quecksilbers ist von beispielloser Kraft. Man nennt es auch das Weiße oder Rote Elixier - "Ewiges Wasser", das "Wasser des Lebens" oder die "Milch der Jungfrau". Wer immer es zu sich nimmt wird den Tod nicht schmecken (Hinweis: Quecksilber ist ein starkes Nervengift! Ein Widerspruch also? Oder ist hier von einem anderen Quecksilber die Rede?).
Um das weiße und das rote Elixier zu gewinnen, müssen zwei Körper vereinigt werden. Selbst wenn Gold das perfekteste und edelste aller Metalle ist, wird es aufgelöst und durch seine verborgene Hitze geistig und flüchtig wie das Quecksilber. Es ist die sagenhafte Tinktur, das rote Elixier, das auch der "heiße männliche Same" genannt wird. Hingegen hat das weiße Elixier einen kalten und trockenen Charakter. Es gleicht dem aufgelösten Silber und wird darum der "kalte weibliche Same" genannt. Im Stein (der Weisen) sind beide Elixiere vereinigt. Dieser Stein ist eine flüssige Wundermedizin.

Unsterbliche Alchemisten

Es bleibt letztendlich ungeklärt, welchen Personen es gelang den sagenhaften "Roten Löwen" zu finden. Die wohl bekannteste Legende rankt sich um den französischen Alchemisten Nikolas Flamel (1330-1418, offiziell). In einem Traum erschien ihm ein Engel der ihm Hinweise auf ein besonderes Buch gab, das er sich darauf hin für wenig Geld beschaffte. Er fand darin sieben allegorische Bilder, welche die Arbeitsschritte bei der Bereitung des Steins der Weisen enthüllten. Nach langen Nachforschungen traf er auf einer Rückreise von Santiago de Compostela (Spanien) einem Gelehrten namens Maître Canches. Dieser erkannte den jüdischen Ursprung der darin gezeigten Bilder. Er identifizierte sie als Bilder aus dem "Buch Abrahams des Juden". Mit Canches' Hilfe konnte Flamel diese magischen Bilder entschlüsseln:

  1. Calcinatio - die Operation des Feuers.
  2. Solutio - die Operation des Wassers.
  3. Coagulatio - die Operation der Erde.
  4. Sublimatio / Destillatio - die Operation der Luft.
  5. Putrefactio / Fermentatio - der Fäulungsvorgang durch Verwesung.
  6. Separatio - die Destillation, Sublimation und Verdunstung.
  7. Conjunctio - der Höhepunkt des Großen Werks (Opus Magnum).

Am 17. Januar 1382 soll Flamel gemeinsam mit seiner Frau erstmals die Herstellung von Silber aus Quecksilber gelungen sein. Am 25. April desselben Jahres, gelang ihnen dann die Transmutation auf Gold!
Mit Hilfe des sagenhaften Buches, fanden Nikolas Flamel und seine Frau schließlich das "Elixier des ewigen Lebens". Einer Legende zu Folge begegneten die Flamels noch im 18. Jhd. (mehr als 400 Jahre alt!) Leuten in der Türkei. Manche Legenden behaupten sogar, Nikolas Flamel sei einstiger Großmeister der Prieuré de Sion gewesen. In diesem Zuge versuchen ihn Verschwörungstheoretiker auch mit dem Geheimnis von Rennes-le-Chateau und dem verborgenen Schatz der Katharer in Verbindung zu bringen.

Ebenso kursieren Gerüchte über den mysteriösen Graf von Saint-Germain (1710-1784, offiziell) der ebenfalls Unsterblichkeit erlangt haben soll. Der Legende nach soll er als unbekannter, "Ewiger Wanderer" noch weit bis ins 19. Jhd. in Europa gesehen worden sein.
Saint-Germain verzauberte mit seinem magischen Violinspiel seine Zuhörer auf Bühnen in England. In Italien kannte man ihn als fabelhaften Bildhauer, in Deutschland wiederum bewunderte man ihn als genialen Chemiker. Besonders aber in Frankreich kursierten verschiedene Gerüchte über Saint-Germain. Es heißt, er pflegte innige Verbindungen zum französischen Königshaus. König Ludwig XV. und seine Mätresse Madame de Pompadour, behandelten ihn als äußerst respektablen Zeitgenossen. Ludwig hielt ihn für eine Person edelster Abstammung. Er glaubte Saint-Germain kenne das Geheimnis der Transmutation von Metallen in Gold. Doch viele hielten ihn für einen Betrüger und Hochstapler. Die pariser Polizei suchte nach Beweisen, die zeigen sollten, dass Saint-Germain auf ungesetzliche Weise zu seinem Reichtum kam. Doch leider versagte der Versuch irgendeine normale Quelle für seinen Wohlstand ermitteln zu können. Eine andere Legende erzählt, dass eine 45-jährigen Edeldame ein Fläschchen von Saint-Germain bekam. Diese enthielt ein Wunderelixier das die Frau auf einen Zug austrank. Niemand erkannte sie danach, denn sie verjüngte sich, ohne es selbst zu merken, in eine sechzehn jähriges Mädchen!

Graf von St. Germain - ewigeweisheit.de

Der unsterbliche Graf von Saint-Germain

Hermetik, Naturwissenschaft und die Industrielle Revolution

Durch die Erkenntnisse aus der Hermetik gelang die Herauslösung wissenschaftlicher Bestrebungen aus den Zwängen kirchlicher Dogmatik und Glaubensnormen. Damit sich aber die Formen der Wissenschaften weiter kristallisieren konnten, mussten bestimmte hermetische Gesetze erneut verworfen werden. Nur so konnte eine letztendliche Trennung vom Kirchenglauben erfolgen. Der alte Wunsch nach Erleuchtung musste wissenschaftlichem Forschen weichen.
Als Offenbarungslehre diente die Hermetik also der Trennung von Wissen und Glauben - blieb aber gleichzeitig als Bindeglied zwischen diesen beiden Haltungen menschlichen Intellekts erhalten.

Mit der Wissenschaftlichen Revolution gegen Ende des 18. Jhd., kam es zur eigentlichen Trennung von Astrologie und Astronomie, von Alchemie und Chemie, von Hermetik und Naturwissenschaft. Ansichten über die Natur wurden immer mehr in einem mechanistischen Weltbild untergebracht.
1776 wurde die erste einsatzfähige Dampfmaschine nach dem Prinzip von James Watt in England installiert; das war die Geburt des industriellen Zeitalters. Durch die Einführung quantitativer Messmethoden in der Chemie durch den Franzosen Antoine de Lavoisier, wurden materielle Weltanschauung gefestigt. Man wollte nun mit Vernunft und Logik nach wahrem Wissen streben und sich so, ein für alle mal von Religion und Spiritualität trennen.
Gleichzeitig veränderten sich Ende des 18. Jhd. auch die politischen Verhältnisse in der westlichen Welt. Die Macht der Monarchien begann zu schwinden. Geheimgesellschaften wie z. B. der Illuminaten-Orden (gegründet 1776 von Adam Weishaupt in Ingolstadt) gewannen an Einfluss. Amerika deklarierte 1776 seine Unabhängigkeit vom britischen Königshaus und mit der Französischen Revolution von 1789, begann die Zerschlagung des absolutistischen Machtapperats der Monarchie in Frankreich.

Ganzheitliche Wissenschaft im 21. Jahrhundert

Bis Anfang des 20. Jhd. versuchten Wissenschaftler alles Wahrnehmbare mit dem Tatsächlichen gleichzusetzen. Das heißt, wenn man Naturerscheinungen erforschte, glaubte man im Beobachten dieser Erscheinungen, ihre charakteristische Wesensart zu erkennen. Wenn z. B. ein Stern an einer bestimmten Position strahlte, so hielt man diese Position auch für seinen tatsächlichen Aufenthaltsort am Himmel. Doch wie man heute weiß, krümmen schwere Sterne die Raumzeit. Die Positionen vieler Sterne sind darum von der Erde aus betrachtet verschoben. Diese, durch Albert Einsteins Relativitätstheorie vorausgesagte Raumkrümmung, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch Arthur Eddington bestätigt. Am 28. Mai 1919 ereignete sich eine totale Sonnenfinsternis. Um den Rand der Finsternis konnte Eddington Sterne fotografieren, die sich eigentlich hätten hinter der Sonne befinden müssen. Durch die große Masse aber, krümmte die Sonne die Raumzeit so, dass sich der Lichtstrahl des Sterns auf einer gebogenen Linien um die Sonne herumbewegte und so gesehen werden konnte.

John Dalton's neues System der chemischen Philosophie - ewigeweisheit.de

John Dalton's "Neues System der Chemischen Philosophie"

Auch die Atomphysik sollte im 20. Jhd. eine Revolution erfahren. Mehr als 2.500 Jahre lang glaubte man, dass Atome unteilbar seien. Doch 1911 entdeckte Ernest Rutherford (1871-1937), dass sich Atome aus einem "festen" Kern und einer "durchlässigen" Hülle zusammensetzen. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts sollte sich außerdem zeigen, dass die materielle Welt des Mikrokosmos in Wirklichkeit überhaupt nichts Festes enthält!
In den Atomkernen erkannte man noch kleinere Bausteine: die Nukleonen (Protonen und Neutronen). Das Modell einer "Atomhülle" aus Elektronen, wurde zu einem wolkenartigen Orbitalmodell aus "Wahrscheinlichkeitsräumen" erweitert, in dem sich die Elektronen eines Atoms aufhalten können.
Die Nukleonen wiederum setzten sich aus sogenannten Quarks zusammen, Quarks und Elektronen aus den noch kleineren T- und V-Rishons. Neuere Theorien der Quantenphysik sprechen gar von kneuelartigen, mitunter chaotischen Strukturen (sogentannte "Strings"), aus denen diese Quarks zusammengesetzt sind.

Das Alte auflösen um darin das Neue zu verbinden

Im 20. Jhd. sollten die Erkenntnisse aus der Relativitätstheorie und der Quantenphysik, alte physikalische Denkgebäude endgültig zum einstürzen bringen. Materie und Energie waren nicht etwa mehr verschiedene physikalische Zustände, sondern in bestimmten Fällen ein und das Selbe!

Albert Einstein - ewigeweisheit.de

E = m · c² – Energie ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat

Astrophysiker fanden "Schwarze Löcher", deren Schwerkraft so stark war, dass sie eintretendes Licht anscheinend "verschluckten", während in ihrer Nähe die Zeit stehenblieb. Das sind wissenschaftliche Tatsachen, die den menschlichen Verstand bei weitem übersteigen. Auch Experimente im subatomaren Bereich liefern je nach Art der Beobachtung immer andere Ergebnisse. Kurz: man sieht das alles relativ ist - der Betrachter bestimmt den Ausgang eines materiellen Experiments.

Je weiter also unser Blick in den Makrokosmos abschweift und je genauer wir in die Feinheiten des Mikrokosmos zu spähen versuchen, desto mehr verliert menschliche Vernunft an Bedeutung.
​Beobachter und Beobachtetes sind untrennbar miteinander verbunden - das was untersucht wird ist eine Reflexion des Untersuchenden. Was im Universum vor sich geht, das geschieht ebenso in seinem Innern.

Wenn sich der Mensch von alten Vorstellungen löst, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, so sollte er dennoch das überlieferte Wissen nicht vollständig verwerfen. Wir erinnern uns an den Traum des Suhrawardi!
Eines der Ziele der Hermetik war immer, bestehendes aufzulösen und darin neue Erkenntnisse zu verbinden. Darum lautet eines der wichtigsten Axiome der Hermetik:

Solve et Coagula

Diese Formel beschreibt den Prozess der Trennen oder Auflösung (Solve) eines Zustandes und das anschließende Zusammenfügen (Coagula) seiner Komponenten, was zur Erhöhung seines Ausgangszustandes führt.
Fortschritt im Denken der Menschen ist also nur durch ein kontinuierliches Trennen von alten Vorstellungen und einem Verbinden mit neuen Vorstellungen möglich.
Mündlich überlieferte Weisheiten aus dem altägyptischen Paganismus, kristallisierten sich während des jüdischen Exodus im Sinai zu einer Buchreligion. Als sich diese Form der Überlieferung im christlichen Mittelalter verhärteten, kam es schließlich zur Herauslösung wissenschaftlichen Denkens. So konnten sich unabhängig voneinander Intellekt und Spiritualität weiterentwickeln und sich gewissermaßen in einem Opus Magnum der Menschheit, getrennt voneinander zu ihrer höchsten Form veredeln - exoterisch und esoterisch.

Dieses Streben führte auf getrennten Wegen durch die Welt der Erkenntnisse. Im aufdämmernden aquarianischen Zeitalter des 21. Jahrhunderts, werden diese Wege sich aber immer häufiger kreuzen und schließlich wieder zu einem gemeinsamen Weg zusammenlaufen - einem Weg der die Menschheit zurückführt zur Einheit im Göttlichen.

[...] mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

- Tabula Smaragdina

Dieser Artikel ist außerdem erschienen in der Zeitschrift Adyar der Theosophischen Gesellschaft, 71. Jahrgang, Heft 2, Juni 2016

Verwendetes Titelbild: Holzstich "Wanderer am Weltenrand" von Nicolas Camille Flammarion (1842-1925).

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Hermetik: Hohe Wissenschaft im Alten Ägypten

von Johan von Kirschner

Von den Mysterien der alten Ägypter geht für viele Menschen unvermindert eine große Faszination aus. Ägyptische Magier sollen Gold aus schwarzer Erde hergestellt, Geister für ihre Zwecke gebannt und Tote lebendig gemacht haben.

Auf solche und andere Legenden stoßen wir, wenn wir uns in das Gebiet der Hermetik wagen.

Wer war Hermes Trismegistos?

Vor ungefähr 2.000 Jahren gewann eine sagenhafte Figur in Ägypten Bedeutung. Hermes Trismegistos nannte man ihn - der "dreimal größte Hermes".
Sein Name steht für drei große Wissensfelder der Esoterik:

  • Alchemie ist die Wissenschaft von den Arbeitsabläufen bei der Bereitung des Steins der Weisen. Es ist die heilige Kunst, mit der auf der Erde die Kräfte der Planeten und der Sonne wirksam gemacht werden.
  • Astrologie ist die alte Wissenschaft von den Sternen.
  • Theologie und Theurgie die Wissenschaften über das Wesen und Wirken des Göttlichen.

Man kann nicht behaupten dass Hermes Trismegistos ein gewöhnlicher Mensch war. Eher wäre die Bezeichnung "aufgestiegener Meister" zutreffend. Er soll mehr als 20.000 Bücher verfasst haben, was einem Normalsterblichen wohl kaum gelingen dürfte. Vielleicht war Hermes Trismegistos eher ein geistiges Wesen, das den alten Gelehrten Weisheit und geheimes Wissen übermittelte. Durch ihn kam das "Wissen der Götter" zu den Menschen.
Laut einer Legende wurden einst 42 der hermetischen Bücher in der legendären Bibliothek von Alexandria aufbewahrt, bis sie eine gewaltige Feuersbrunst zerstörte. Fast die gesamte Bibliothek fiel dem durch die Römer verursachten Brand zum Opfer. Nur einige Papyri sind erhalten geblieben. Diese wurden in jüngerer Zeit im sogenannten "Corpus Hermeticum" zusammengestellt.

Hermes Trismegistos - ewigeweisheit.de

Hermes Trismegistos - "Der dreimal größte Hermes"

Hermes Trismegistos gilt als Urvater der Mathematik, Geometrie, Alchemie, Philosophie, Medizin und Magie. Mehrere Gottheiten der Antike verschmelzen in ihm zu einer Gestalt. Um 300 v. Chr. vermischte sich der ägyptische Toth - Gott der Weisheit, des Lernens und der Kommunikation - mit dem griechischen Hermes - dem geflügelten Götterboten. Auch der Engel Metathron, der ägyptische Pharao Echnaton (1353 bis 1336 v. Chr.) und der Prophet Moses ähnelnin vieler Hinsicht der universalen Götterfigur des Hermes Trismegistos. Aus dieser Warte betrachtet, scheint er gewissermaßen den Ursprung aller (westlichen) Religionen zu bilden.

Sein bekanntestes Attribut ist der Caduceus - der Schlangenstab. Dieser Stab, der später als Zauberstab profaniert wurde, ist einerseits Symbol für die Verbindung gegensätzlicher Kräfte, andererseits ein Sinnbild für die Fruchtbarkeit und den Phallus.
Zwei Schlangen umwinden den Stab und stehen für die starken Kräfte in der Natur. Sie sind Symbole für die fließende Energie der elektrischen und magnetischen Kraft, aber auch für alles Auf- und Absteigende, für das männliche und weibliche, das positive und negative, das himmlische und irdische Prinzip usw.

Heute wird das Caduceus-Symbol von Händlern, wie auch von Apothekern und Medizinern verwendet.

Der ägyptische Gott Thoth - ewigeweisheit.de

Der ägyptische Gott Thoth (auch: Tehuti)

Ursprung des Wortes "Hermetik"

Das Wissen der Alchemisten und Hermetiker wurde streng gehütet. Nur diejenigen die für die Lehre bereit waren, wurden in ihre Geheimnisse eingeweiht. Daher wird das Adjektiv "hermetisch", zur Beschreibung von etwas Abgeschlossenem, Versiegelten oder Geheimen verwendet. Da die Alchemisten solche "Operationen" in völlig abgeschlossenen Retorten und Kesseln durchführten, bekam der Begriff irgendwann einen sprichwörtlichen Charakter. Daher die Redewendung, dass etwas "hermetisch abgeriegelt" sei.

Die Hermetische Philosophie

Verschiedene philosophisch-theologische Strömungen fließen in der Hermetik zusammen. Darunter der griechische Paganismus, die Kabbala, die alt-sumerische Religion, die Astronomie der Chaldäer und die Weisheiten des persischen Propheten Zoroaster (Zarathustra). Doch auch Spuren der griechischen Philosophie lassen sich in hermetischem Gedankengut finden. Darunter die Lehren der Pythagoreer, der Stoiker, der Platoniker und der Neuplatoniker.

Hermetik ist eine der ältesten religiös-philosophischen Traditionen der westlichen Welt. Sie wurde um 300 v. Chr. in Ägypten von den Magiern und Hohepriestern der ptolemäischen Herrscherdynastie als heilige Wissenschaft eingeführt. Bei der Hermetik der Ptolemäer handelte es sich aber weniger um eine religiöse Bewegung, als um ein philosophisches System.
Man kann sagen, dass die Hermetik die Wurzel vieler anderer religiösen Traditionen bildet. Manche davon existieren bis zum heutigen Tag!

Der Caduceus - ewigeweisheit.de

Der Caduceus - Stab des Hermes

Manche sagen über den Hermetismus, er sei die "prisca theologia" - die einzige und wahre "Ur-Theologie". Hermetik ist gewissermaßen der "rote Faden" der sich durch alle westlichen Religionen zieht. Hermetiker glauben nämlich wie auch Juden, Christen und Muslime an "Den Einen", dessen Essenz die geistige Einheit aller Äonen, Engel und anderer Lebewesen, einschließlich Pflanzen, Tieren und Menschen bildet. Diese universale Einheit ist insbesondere in der Philosophie der Gnosis von zentraler Bedeutung.

Die Zerstörung hermetischen Gedankenguts

In der ersten 500 Jahren n. Chr. geht vieles hermetisches Gedankengut nach und nach verloren. Durch das Verschwinden hellenistischer und das Aufkommen römischer Einflüsse, versanken die in griechischer Sprache verfassten, hermetischen Schriften im Dunkel der Zeit. Im Jahr 296 n. Chr. wurden im römischen Imperium (unter Kaiser Diocletian), alle Bücher über Hermetik und Alchemie verbrannt. Nach dem Niedergang Alexandrias wurde das hermetische Wissen aber bei den Arabern weiter gelehrt. Die Kunst der Goldmacherei nannte man im alten Arabien "Al-Chimia" - daher der Name "Alchemie".
Erst später gelangte es, speziell über das maurische Spanien - um das 11. Jhd. in den abendländischen Kulturbereich. 

Insbesondere zur Wende ins 20. Jhd. stieg dieses alte Gedankengut allmählich wieder in das Bewusstsein vieler Gelehrter. Es war eine Renaissance, die mit der Gründung verschiedener okkulter Gesellschaften (Freimaurer, Rosenkreuzer, Golden Dawn, Theosophische Gesellschaft), der Hermetik zu neuem Leben verhalf. Alles was aus diesen hermetisch geprägten Gesellschaften an die Öffentlichkeit kam, sollte Ende des 20. Jhd. dann zu dem werden, was im allgemeinen als die "New-Age-Bewegung" bekannt ist.

 

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Die Tabula Smaragdina Hermetis - die Smaragdene Tafel des Hermes Trismegistos

Die Tabula Smaragdina - die smaragdene Tafel - wird ihrem geistigen Kern nach dem Hermes Trismegistos zugeschrieben, von dem es heißt, die alt-ägyptische Kultur gegründet zu haben. Der in ihr dargestellte Text, bildet die philosophische Basis der Hermetik und gilt als Grundlagentext der Alchemie.

Die Verse der Tabula Smaragdina gelten als Schlüssel zur Bereitung des Steins der Weisen. In ihren dunklen, allegorischen Sätzen, spiegeln sich die Zusammenhänge von Mikrokosmos und Makrokosmos. 

Es gibt verschiedene Legenden, wie, wo und von wem die Tabula Smaragdina ursprünglich gefunden wurde. Eine Überlieferung erwähnt Sarah, die Frau des Propheten Abraham, die die Tafel im Grab des Hermes Trismegistos bei Hebron gefunden haben will. Eine andere Legende schreibt den Fund dem Eroberer Alexander von Makedonien zu. Er soll die Smaragdtafel in der Cheops-Pyramide in Gizeh gefunden haben. Der im 17. Jhr. lebende Universalgelehrte Athanasius Kircher war allerdings der Auffassung, dass der Text auf der Tafel, als eine Zusammenstellung aus einem Dialog des Corpus Hermeticum entnommen wurde - das heißt, aus einer Sammlung von Traktaten über die Entstehung der Welt und die Gestalt des Kosmos.

Von wem auch immer dieser Text gefunden wurde, spielt eher eine nebensächliche Rolle. Wichtig ist ihr bemerkenswerter Inhalt!

Denn der Text birgt trotz seiner wenigen Zeilen sehr tiefliegende Aussagen, die beim ersten Lesen nicht sofort verinnerlicht werden.

Es handelt sich um eine Allegorie auf die gesamte Geheimwissenschaft der Alchemie, der Wanderung der Seele, sowie auf die kosmischen Zusammenhänge unserer Welt - im großen Universum, wie auch im Diesseits der kleinen Welt der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien.

Zum ersten Mal wurde der Text um 1150 in Spanien aus dem Phönizischen ins Lateinische übersetzt, durch den Theologen Gerhard von Cremona. Erst später folgten Übersetzungen der Smaragdtafel in andere Sprachen.
Heute werden von den Geheimnissen dieser Tafel, viele esoterische Lehren abgeleitet oder beziehen sich darauf, in unzähligen philosophischen Abhandlungen.

Tabula Smaragdina

Die Verfassung der geheimen Künste des Hermes Trismegistos

I. Wahr ist, zweifellos, gewiss wahrhaftig und ohne jede Lüge.

II. Das was oben ist, entspricht dem was unten ist.
Und das was unten ist, gesellt sich wiederum zum Oberen, mit dem Vermögen die Wunderwerke eines einigen Dinges zu vollbringen.

III. Und so wie das ganze Universum aus dem reinen Geist Gottes durch sein Wort entspringt, so wird durch die Nachahmung der Natur alles aus diesem einigen Ding geboren.

IV. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond.

V. Der Wind trägt es in seinem Bauch. Die Erde ist seine Ernährerin.

VI. Dieses Ding ist der Vater aller Vollendungen der ganzen Welt.

VII. Seine Kraft ist am vollkommensten, wenn es sich in die Erde ergießt und sich mit ihr vereint.

VIII. Darum löse das Feuer aus der Erde, und scheide das Feine vom Groben, mit Verstand und liebevollem Feingefühl.
So steigt es von der Erde empor zum Himmel und wiederum zur Erde hinab um sich mit ihr zu vereinigen.
Dabei wird es veredelt, und nimmt die Kräfte der oberen und unteren Welt in sich auf.

IX. Mit ihm wirst Du das Licht und die Herrlichkeit der ganzen Welt erlangen und alle Finsternis wird von dir weichen.

X. Dieses einige Ding ist von allen Kräften die stärkste Kraft, denn es überwindet alles Feine und durchdringt alles Feste.

XI. So wurde im Ebenbild des Einigen die ganze Welt erschaffen.

XII. Und wenn Du auf die mitgeteilte Weise verfährst, so kannst auch Du solch wundersame Nachahmungen bewirken.

XIII. Man nennt mich darum Hermes Trismegistos, der ich die dreifältige Weisheit der ganzen Welt besitze.

XIV. Hiermit sei vollendet, was vom Meisterwerk der Sonne verkündet werden sollte.

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