Prediger Salomo

Das Buch Kohelet - Zwölftes Kapitel

Gedenke an deinen Schöpfer in deinen Jugendjahren, ehe denn die Tage des Krankseins kommen und die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht.

Ehe die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne sich verfinstern und nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: An dem Tag wo die Hüter des Hauses zittern, und sich die Starken krümmen, und die Müller müßig stehen, weil ihrer Arbeit so wenig geworden ist, und es dunkel wird bei denen, die durch die Fenster sehen, und die Türen zur Straße hin geschlossen werden, wenn die Stimme der Mühle verstummt, und man erwacht, wenn der Vogel singt, und der Gesang aller Töchter verklingt, wenn man sich selbst vor Höhen fürchtet und sich scheut auf dem Weg, wenn der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke beladen sich schleppt, und aus der Kaper nichts wird.

Dann geht der Mensch hin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse, - ehe noch die Silberschnur zerreißt, und die goldene Schale bricht, und der Krug zerschmettert an der Quelle, und das Rad am Brunnen zerbrochen wird.

Denn der Staub muss wieder in die Erde zurückkehren, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Es ist doch alles vergeblich, sprach der Prediger, ganz vergeblich. Der selbe Prediger aber war nicht nur weise, sondern lehrte auch das Volk gute Lehre und merkte und forschte und brachte ihm viele Sprichwörter.

Er suchte, um angenehme Worte zu finden, und schrieb aufrichtig die Worte der Wahrheit nieder.

Worte von Gelehrten sind wie Stacheln, Sprüche aus Sammlungen aber sitzen wie eingetriebene Nägel - sind die Gabe eines einzigen Hirten.

Hüte dich, mein Kind, lass dich warnen: Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und viel studieren macht den Leib müde.

Das Endwort des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und achte seine Gebote. Das allein soll allen Menschen wichtig sein. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, sei es gut oder böse.

Das Buch Kohelet - Elftes Kapitel

Lass dein Brot auf der Wasserfläche schwimmen, denn du wirst es nach langer Zeit wieder finden.

Teile dein Kapital auf sieben oder gar acht, da du nicht weißt, was für Unglück auf Erden sein wird.

Wenn die Wolken sich mit Regen füllen, so leeren sie ihn auf die Erde aus, und wenn der Baum im Süden oder im Norden fällt: Dort wo er fällt da bleibt er liegen.

Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.

So wie du nicht den Weg des Windes weißt oder wie die Gebeine im Mutterleib entstehen, so auch kennst du das Werk Gottes nicht, das alles tut. Säe deinen Samen früh am Morgen und lass deine Hand auch gegen Abend noch nicht ruhen.

Denn du weißt nicht, ob dies oder das Erfolg haben oder ob beides zusammen gut geraten wird.

Süß ist das Licht, und den Augen wohltuend, die Sonne zu sehen. Denn wenn ein Mensch viele Jahre lebt, soll er sich in ihnen allen freuen und der finsteren Tage gedenken: Auch sie werden viele sein. Alles, was kommt, ist vergänglich.

So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen Jünglingstagen. Tue, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um dies alles vor Gericht führen wird.

Entlasse den Unmut aus deinem Herzen und halte deinen Leib vom Übel fern. Denn Kindheit und Jugend sind vergänglich.

Das Buch Kohelet - Zehntes Kapitel

In den guten Salben der Schönheitspflege verdorbene Fliegen, lassen sie gären und stinken. Ein wenig Torheit wiegt schwerer als Weisheit und Ehre.

Des Weisen Herz ist zu seiner Rechten. Doch das Herz des Narren ist zu seiner Linken.

Der Narr aber, ganz gleich auf welchem Wege er auch geht, ihm fehlt der Verstand, doch hält er selbst jedermann für einen Narren.

Wenn eines Mächtigen Zorn gegen dich sich richtet, so verlass deinen Posten nicht, denn Gelassenheit schlägt große Sünden nieder.

Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, gleich einem Versehen, das vom Mächtigen ausgeht: Die Narrheit wird auf große Höhen gestellt, und Reiche müssen unten sitzen.

Ich sah Knechte auf Rossen, und Fürsten wie Knechte zu Fuß gehen.

Wer aber eine Grube gräbt, der kann selbst hineinfallen, und wer ein Gemäuer niederreißt, den kann die Schlange beißen.

Wer Steine bricht, der wird sich dabei verletzen, und wer Holz spaltet, der wird sich dadurch gefährden.

Wenn eine Axt stumpf wird und an der Schneide ungeschliffen bleibt, muss sie ihr Benutzer mit viel Kraft wieder schärfen. Darum folgt auch Weisheit dem Fleiß.

Der Schlangenbeschwörer hat keinen Vorteil, wenn die Schlange beißt, bevor er sie beschworen hat.

Worte aus dem Mund eines Weisen sind lieblich. Doch die Lippen des Narren verderben ihn. Denn der Anfang seiner Worte ist Narrheit, und das Ende seiner Rede schlimme Verblendung.

Und der Dumme redet ohne Ende. Aber der Mensch erkennt nicht, was gewesen ist, und wer will ihm sagen, was noch kommen wird?

Die Arbeit erschöpft die Dummen: Keiner hat es verstanden, in die Stadt zu ziehen.

Weh dir, Land, dessen König ein Kind ist, und dessen Fürsten in der Frühe speisen!

Wohl dir, Land, dessen König edel ist, und dessen Fürsten zu rechter Zeit tafeln, beherrscht und nicht wie die Zecher!

Denn durch Faulheit sinken die Balken, und durch schlaffe Hände dringt der Regen ins Haus.

Zur Belustigung schlemmt man und will lachen, und Wein erfreut die Lebenden, und das Geld macht es möglich.

Nicht einmal in Gedanken schimpfe auf den König. Nicht einmal in deinem Schlafzimmer verfluche den Reichen. Denn die Vögel des Himmels führen die Stimme fort, und die die Flügel haben, verraten es weiter.

Das Buch Kohelet - Neuntes Kapitel

Denn ich habe alles mir zu Herzen genommen, alles zu erforschen, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Werke in Gottes Hand liegen. Kein Mensch kennt die Liebe noch den Hass der ihm bevorsteht.

Es begegnet dasselbe dem einen wie dem anderen, dem Gerechten wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem, der opfert, wie dem, der nicht opfert. Wie es dem Guten geht, so geht es auch dem Sünder. Wie dem der schwört, so geht es auch dem, der den Eid fürchtet.

Das ist das Schlimme an allem, was unter der Sonne geschieht: Dass es einem geht wie dem anderen. Daher wird auch das Herz der Menschen voll des Unguten, und Verblendung ist in ihrem Herzen, so lange sie leben und danach müssen sie sterben.

Denn bei allen Lebenden ist, was man wünscht: Zuversicht. Denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe.

Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden. Die Toten aber wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen.

Man liebt sie nicht mehr, noch hasst, noch neidet man ihnen, und sie haben keinen Teil mehr an allem auf dieser Welt, was unter der Sonne geschieht.

So gehe hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut. Denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.

Lass deine Kleider immer sauber sein und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.

Genieße das Leben mit der Frau, die du lieb hast, alle die Tage deines vergänglichen Lebens, das dir Gott gegeben hat unter der Sonne, solange dein vergängliches Leben währt.

Denn das ist dein Teil im Leben und in deiner Arbeit, die du tust unter der Sonne. Drum: Alles, was deine Hand zu tun vermag, das tue. Denn weder Tun, noch Rechnen, noch Erkenntnis, noch Weisheit gibt es in der Unterwelt, wohin dein Leib gehen wird.

Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass es den Wettlauf zu gewinnen nicht hilft schnell zu sein, im Streiten nicht hilft tapfer zu sein, noch auch die Weisen über das Brot verfügen, noch zum Reichtum hilft klug zu sein, noch nur die Verständigen über die Gunst verfügen. Sondern alles liegt an Zeit und Glück.

Auch kennt der Mensch nicht seine Zeit, sondern, wie die Fische gefangen werden in einem Netz das sie ins Verderben bringt, und wie die Vögel mit einem Strick gefangen werden, so werden auch die Menschen berückt zur Zeit des Unglücks, wenn es sie plötzlich überfällt.

Ich wurde unter der Sonne auch folgender Weisheit gewahr, und bedeutsam erschien sie mir: Da war eine kleine Stadt und wenig Leute darin, und es kam ein großer König und belagerte sie und baute hohe Bollwerke darum.

Es fand sich aber in ihr ein armer, weiser Mann, der dieselbe Stadt errettete durch seine Weisheit. Und kein Mensch gedachte desselben armen Mannes.

Da dachte ich mir: Weisheit ist ja besser als Macht. Doch verachtet man des Armen Weisheit und seinen Worten schenkt keiner Beachtung.

Doch die Worte des Weisen, die man in Stille vernimmt, sind besser als das Geschrei eines Herrschers unter den Narren.

Weisheit ist besser als Waffen, aber ein einziger Sünder verdirbt viel Gutes.

Das Buch Kohelet - Achtes Kapitel

Wer ist wie der Weise, und wer kann die Dinge auslegen? Die Weisheit eines Menschen macht sein Angesicht leuchten, und die Rohheit seines Angesichts wird umgewandelt.

Ich sage: Achte das Gebot des Königs, da du ihm bei Gott einen Eid geschworen hast.

Eile nicht wegzugehen aus seiner Gegenwart und versteife dich nicht auf eine Sache. Denn er tut, was er will.

Des Königs Wort ist mächtig und wer darf zu ihm sagen: Was machst du?

Wer das Gebot hält, der wird nichts Böses erfahren. Aber eines Weisen Herz kennt die rechte Zeit.

Denn für jegliches Unterfangen gibt es Zeit und Gericht. Denn das Böse des Menschen lastet schwer auf ihm. Denn er weiß nicht, was geschehen wird, und wer soll ihm sagen, wie es werden soll?

Ein Mensch hat nicht Macht über den Wind, den Wind zurückzuhalten, und hat nicht Macht über den Tag des Todes, und keiner wird im Krieg entlassen. Selbst ein Gesetzesbruch kann die Gesetzesbrecher nicht retten.

Das habe ich alles gesehen, und richtete mein Herz auf alle Werke, die unter der Sonne geschehen, wo ein Mensch seine Macht über den andern Menschen dazu benutzte, diesem zu schaden. Dabei habe ich beobachtet, wie Menschen, die das Gesetz übertreten hatten, ein Begräbnis erhielten. Aber der da recht getan hatte, musste von dem heiligen Orte fortziehen und wurde in der Stadt vergessen. Auch das scheint sinnlos.

Denn: Wo keine Strafe verhängt wird, ist die Bosheit schnell am Werk. So erwächst im Herzen der Menschen der Wunsch, Böses zu tun.

Ob ein Frevler hundertmal Böses tut: trotzdem kann er lange leben. Freilich kenne ich das Wort: Denen, die Gott mit Ehrfurcht begegnen, wird es gut gehen, weil sie ihm mit  Ehrfurcht begegnen.

Aber dem Frevler wird es nicht wohl ergehen. Gleich dem Schatten wird er nicht lange leben, weil er sich vor Gott nicht fürchtet.

Es ist eine Eitelkeit, die auf Erden geschieht, dass es Gerechte gibt, denen es so ergeht, als hätten sie Werke der Frevler begangen, und es sind Frevler, denen geht es als hätten sie Werke der Gerechten getan. Ich sprach: Das ist auch sinnlos.

Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne als essen und trinken und fröhlich sein. Und das begleite ihn bei seiner Mühe während der Tage seines Lebens, die ihm Gott gegeben hat unter der Sonne.

Ich gab mein Herz, die Weisheit zu wissen und zu schauen die Mühe, die auf Erden geschieht, dass auch einer weder Tag noch Nacht den Schlaf sieht mit seinen Augen.

Und ich sah alle Werke Gottes, dass ein Mensch das Werk nicht finden kann, das unter der Sonne geschieht. Und wenn der Mensch sich dabei abmüht zu suchen, so findet er doch nicht. Selbst wenn der Weise behauptet, er erkenne, kann er es doch nicht ergründen.

Das Buch Kohelet - Siebentes Kapitel

Besser ein guter Name, als gutes Salböl, und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt.

Es ist besser in das Trauerhaus zu gehen, als in ein Haus wo man trinkt. In jenem ist das Ende aller Menschen, und der Lebendige nimmt es zu Herzen.

Es ist Trauern besser als Lachen, denn bei trauriger Miene wird das Herz heiter. Denn das Herz der Weisen ist im Trauerhaus, und das Herz der Narren im Haus der Freude.

Es ist besser die Mahnrede eines Weisen zu hören, als den Gesang eines Narren. Denn das Lachen der Narren ist wie das Knistern der Dornen unter dem Topf. Und auch das ist vergänglich.

Erpressung verblendet den Gebildeten und Bestechung verdirbt das Herz.

Das Ende eines Dinges ist besser als sein Anfang. Ein geduldiger ist besser als ein stürmischer Geist.

Übereile dich nicht in deinem Geist zu zürnen, denn im Herzen der Narren ruht Ärger.

Sprich nicht: Wie kommt es, dass die früheren Zeiten besser waren, als die jetzigen? Denn deine Frage zeugt nicht von Weisheit.

Weisheit ist so viel wert wie Besitz und ein Vorteil für jene, die sich der Sonne erfreuen.

Denn die Weisheit beschirmt, wie auch das Geld. Aber die Weisheit gibt das Leben dem, der sie hat.

Schaue dir an die Werke Gottes, denn wer kann gerade machen, was er krümmt?

Sei guter Dinge an gutem Tage, und den bösen Tag nimm auch für gut. Denn diesen schafft Gott neben jenem, dass der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.

Allerlei habe ich gesehen in den Tagen meiner Eitelkeit. Manch ein Gerechter geht in seiner Gerechtigkeit zu Grunde, und manch Gottloser lebt lange in seiner Boshaftigkeit.

Sei nicht übergerecht, und gib dich nicht all zu weise, denn: Warum willst du scheitern?

Sei nicht allzu gottlos und sei kein Narr, denn: Warum willst du sterben, ehe es Zeit für dich ist?

Es ist gut, dass du an diesem festhältst und auch von jenem nicht deine Hand lässt. Denn wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten.

Die Weisheit stärkt den Weisen mehr als zehn Machthaber, die in der Stadt sind.

Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige.

Gib auch nicht acht auf alles, was man sagt, damit du auch nicht über dich schimpfen hören musst einen Untergebenen. Denn dein Herz weiß, dass auch du sehr oft über andere geschimpft hast.

Solches alles habe ich versucht mit Weisheit. Ich sprach zu mir: Ich will Weisheit erlangen. Sie aber blieb mir fern.

Fern ist alles, was geschehen ist, und tief, ja tief versunken. Wer könnte es wieder finden?

So habe ich mein Herz umgekehrt, zu erfahren und zu erforschen und zu suchen Weisheit und Kunst, zu erfahren der Gottlosen Torheit und den Irrtum der Tollen.

Und ich fand, dass bitterer als der Tod eine solche Frau sei, deren Herz Netz und Strick und deren Hände Fesseln sind. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen. Aber der Sünder bleibt durch sie gefangen.

Schau, das habe ich gefunden, spricht der Prediger, eins nach dem andern, dass ich Erkenntnis fände.

Was ich fortwährend suchte, aber nicht fand, ist dies: Unter tausend habe ich einen Menschen gefunden. Aber unter all jenen fand ich keine Frau.

Nur dies, siehe, habe ich gefunden: Dass Gott den Menschen aufrichtig gemacht hat. Aber sie suchen viele Künste.

Das Buch Kohelet - Sechstes Kapitel

Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne und das schwer lastet auf dem Menschen: Gott schenkt einem Menschen so viel Reichtum, Wohlstand und Geltung, dass ihm nichts fehlt von allem, was er sich wünschen könnte.

Und doch ermächtigt Gott ihn nicht, es zu genießen, sondern ein anderer verzehrt es. Das ist nichtig und schlimmes Leid.

Wenn einer gleich hundert Kinder zeugte und hätte langes Leben, dass er viele Jahre überlebte, und seine Seele sättigte sich des Guten nicht, und bliebe ohne Grab, sage ich, eine Fehlgeburt hätte es besser als er. Denn in Nichtigkeit kommt sie, und in Finsternis fährt sie dahin, und ihr Name bleibt in Finsternis bedeckt.

Auch hat sie die Sonne nicht gesehen noch gekannt. Also hat sie mehr Ruhe als jener.

Ob er auch zweitausend Jahre lebte, und genösse keines Guten: Gehen nicht beide zu ein und demselben Ort?

Alle Arbeit des Menschen ist für seinen Mund. Aber doch lässt sich die Begier der Seele davon nicht stillen.

Was hat ein Weiser mehr als ein Narr? Was hilft es dem Armen, dass er weiß zu wandeln vor den Lebendigen?

Besser ist das Sehen mit Augen, als das Schweifen der Begier. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Was auch immer jemand war, er hat vorher schon seinen Namen bekommen. Und er kann nicht wetteifern mit dem, der ihm zu mächtig ist.

Gibt es gleich viel Worte, welche die Eitelkeit mehren – was hat der Mensch davon?

Denn wer weiß, was dem Menschen nütze ist im Leben, welches dahinfährt wie ein Schatten, solange er in seiner Eitelkeit lebt? Denn wer verrät dem Menschen, was nach ihm sein wird unter der Sonne?

Das Buch Kohelet - Fünfstes Kapitel

Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und komme, dass du hörst. Das ist besser als der Narren Opfer. Denn sie wissen nicht, was sie Böses tun.

Sei nicht vorschnell mit dem Munde und lass dein Herz nicht eilen, ein Wort vor Gott auszusprechen. Denn Gott ist im Himmel, und du auf Erden. Darum lass deiner Worte wenig sein.

Denn wo viel Sorgen ist, da kommen Träume und wo viel Worte sind, da hört man den Narren.

Wenn du Gott ein Gelübde machst, so zögere nicht, es zu halten. Denn er hat kein Gefallen an den Narren. Was du versprichst, das halte.

Es ist besser, wenn du nichts versprichst, als dass du nicht hältst, was du versprichst.

Verbiete deinem Mund, deinen Leib in Schuld zu bringen, und sage nicht vor dem Boten Gottes: Es war ein Versehen. Warum soll Gott zürnen über dein Gerede und das Werk deiner Hände verderben?

Wo viel Träume sind, da ist Vergängliches und viel Worte. Du aber fürchte Gott.

Wenn du Bedrückung des Armen und Entziehung von Recht und Gerechtigkeit in der Landschaft siehst, wundere dich über die Sache nicht, denn es ist ein hoher Hüter über den Hohen und sind noch Höhere über beiden.

Aber ein Vorzug für ein Land ist allewege ein dem Ackerbau ergebener König.

Wer Geld liebt, bekommt vom Geld nie genug und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Auch das ist absurd. Denn mehrt sich das Vermögen, sind da viele, die es verzehren.

Was für ein Erfolg aber bleibt dem Besitzer? Er darf dabei zusehen.

Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, ob er wenig oder viel zu essen hat. Dem Reichen aber raubt sein voller Bauch die Ruhe des Schlafs.

Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, behalten zum Schaden dem, der ihn hat.

Denn geht dieser Reichtum durch einen schlimmen Fall verloren, und hat er einen Sohn gezeugt, so bleibt nichts in dessen Hand.

Wie er aus seiner Mutter Leibe hervorgegangen ist, so wird er nackt wieder dahin gehen, wie er gekommen ist. Und er wird nichts davon tragen für seine Mühe, das er mitnehme in seiner Hand.

Das ist ein böses Übel, dass er hinfährt, wie er gekommen ist. Was hilft es ihm denn, dass er in den Wind gearbeitet hat?

Auch wird er während seines ganzen restlichen Lebens sein Essen im Finstern einnehmen. Er wird sich häufig ärgern und Krankheit und Unmut werden ihn plagen.

Dies ist etwas, was ich eingesehen habe: Das vollkommene Glück besteht darin, dass man isst und trinkt und guten Mutes ist in aller Arbeit, die man tut unter der Sonne sein Leben lang, das Gott einem gibt. Denn das ist sein Teil.

Denn welchem Menschen Gott Reichtum und Güter gibt und die Gewalt, dass er davon isst und trinkt für seinen Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit: Das ist eine Gabe Gottes.

Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott sein Herz erfreut.

Das Buch Kohelet - Viertes Kapitel

Ich wandte mich um und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne. Und siehe, da waren die Tränen derer, die Unrecht erlitten und keinen Tröster hatten.

Und von der Hand ihrer Bedrücker erfahren sie Gewalttat, aber es gibt keinen Tröster für sie.

Da pries ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben hatten, und besser als alle beide ist, der noch nicht ist und des Bösen nicht innewird, das unter der Sonne getan wird.

Und ich sah alle Mühe und alle Geschicklichkeit im Tun. Da neidet einer den andern. Auch das ist sinnlos und ein Haschen nach Wind.

Ein Narr legt die Hände in den Schoß und hat doch sein Fleisch zum Essen.

Es ist besser eine Handvoll mit Ruhe, als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.

Ich wandte mich um und sah die Vergeblichkeit unter der Sonne. Es kommt vor, dass jemand allein steht und weder Sohn noch Bruder bei sich hat. Doch ist seines Arbeitens kein Ende, und seine Augen werden des Reichtums nicht satt. Aber für wen mühe ich mich denn und spare mir Gutes ab und warum gönne ich mir kein Glück? Auch das ist absurd und eine unliebsame Mühe.

Besser daran sind ihrer zwei als einer, weil sie guten Lohn haben für ihre Mühe.

Fällt ihrer einer so hilft einer dem anderen auf. Wehe dem, der allein ist! Wenn er fällt, so ist keiner da, der ihm aufhelfe.

Auch wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich. Einer allein: Wie kann er warm werden?

Einer mag überwältigt werden, aber zwei mögen widerstehen. Und eine dreifältige Schnur reißt nicht so schnell.

Ein armes Kind, das weise ist, ist besser als ein alter König, der ein Narr ist und sich nicht zu hüten weiß.

Der junge Mann wurde aus dem Gefängnis befreit und wurde König, obwohl er, während der andere schon regierte, arm zur Welt gekommen war.

Und ich sah, dass alle Lebendigen unter der Sonne wandelten bei dem andern, dem jungen Mann, der an jenes Stelle treten sollte.

Die Volksmenge nimmt kein Ende, gleichgültig, wer an ihre Spitze getreten ist. Gleichwohl freuen sich die Nachkommen seiner nicht. Denn auch das ist vergänglich und Haschen nach Wind!

Das Buch Kohelet - Drittes Kapitel

Alles hat seine Zeit und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.

Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist.

Töten und heilen hat seine Zeit, niederreißen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen. Steine werfen hat seine Zeit und Steine sammeln, umarmen und die Umarmung lösen.

Suchen und verlieren hat seine Zeit, behalten und wegwerfen, zerreißen und zusammennähen, schweigen und reden, lieben und hassen.

Eine Zeit für Streit und eine Zeit für Frieden.

Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?

Ich sah die Mühe, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie darin geplagt werden.

Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und lässt ihr Herz sich ängstigen, wie es gehen solle in der Welt. Denn der Mensch kann das Werk, das Gott tut, nicht vom Anfang bis zum Ende erfassen.

Darum merkte ich, dass nichts Besseres darin ist als fröhlich zu sein und so verschaffe man sich Glück in seinem Leben.

Denn jeder Mensch, der da isst und trinkt und in aller seiner Arbeit guten Mutes ist: Das ist eine Gabe Gottes. Ich merkte, dass alles, was Gott tut, für immer besteht: Dazu ist nichts hinzuzufügen und davon nichts wegzunehmen.

Und solches tut Gott, um einem Ehrfurcht zu gebieten.

Was geschieht, das ist zuvor geschehen, und was geschehen wird, ist auch zuvor geschehen. Und Gott sucht wieder auf, was vergangen ist.

Und weiter sah ich unter der Sonne: An der Stätte des Rechts, da war das Unrecht, und an der Stätte der Gerechtigkeit, da war das Unrecht.

Da dachte ich bei mir: Gott muss richten den Gerechten und den Gottlosen, also eine bestimmte Zeit für jedes Geschehen und für jedes Tun gibt es dort.

Ich dachte mir: Es geschieht wegen der Menschenkinder, auf dass Gott sie prüfe und sie sehen, dass sie an sich selbst sind wie die Tiere.

Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: Wie dies stirbt, so stirbt auch er. Und haben alle einerlei Atem, und der Mensch hat nichts mehr als das Vieh. Denn es ist alles vergänglich.

Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub gemacht und beide kehren zum Staub zurück.

Wer weiß, ob der Odem der Menschen aufwärts steigt und der Odem der Tiere abwärts ins Erdreich hinabsinkt?

So sah ich also, dass nichts Besseres ist, als dass ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit. Denn das ist sein Teil. Denn wer will ihn dahin bringen, dass er sehe, was nach ihm sein wird?

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