Rosenkreuzer

Rudolf Steiners Vision

Rudolf Steiners Vision

Im Jahr 1899 veröffentlichte Rudolf Steiner in einem Magazin für Literatur einen Artikel mit dem Titel »Goethes geheime Offenbarung«. Hierin ging er ein auf die esoterische Bedeutung von Goethes »Mährchen von der Grünen Schlange und der Schönen Lilie«. Wegen seiner Auslegung dieses recht außergewöhnlichen Kunstmärchens erhielt er eine Einladung des Theosophen und späteren Anthroposophen Cay Lorenz Graf von Brockdorff.

Rudolf Steiner mit Annie Besant - ewigeweisheit.de

Rudolf Steiner mit Annie Besant im Jahr 1907, während der Münchener Konferenz der Theosophischen Gesellschaft Adyar.

Im Hause seines Gastgebers sollte er vor einer Versammlung von Theosophen einen Vortrag zum Thema Friedrich Nietzsche halten.

In Folge dieser Veranstaltung durfte er sich über weitere Einladungen freuen, in denen er, wenn man so will, seine ersten »Esoterischen Vorlesungen« hielt, die sich, wiederum auf einer okkulten Ebene, mit dem gerade erwähntem Märchen Goethes befassten. Trotz das Rudolf Steiner bis dahin der Theosophischen Gesellschaft eher ablehnend gegenübergestanden hatte, hielt er seit dieser Zeit wiederholt vor ihren Mitglieder Vorträge. Dieser Kreis von Zuhörern sollte sogar sein wichtigstes Publikum werden. Mit dieser Vortragstätigkeit konnte er sogar einen Lebensunterhalt bestreiten.

Schließlich wählte man Rudolf Steiner 1902 zum Vorsitzenden der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Adyar. In den kommenden Jahren wuchs die Deutsche Sektion ganz rapide an, was die Gesellschaft der Vortragstätigkeit Steiners zu verdanken hatte. Gemeinsam mit seiner Frau Marie von Sievers-Steiner gründete er in Berlin dann das Hauptquartier der Theosophischen Gesellschaft, einem Ort der zum wichtigsten Zentrum der Theosophie im damaligen Deutschen Reich werden sollte.

Ab 1904 ernannte die englische Theosophin Annie Besant (1847-1933) Rudolf Steiner zum Vorsitzenden der Esoterischen Schule der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland und Österreich. Steiner jedoch bestand darauf in seiner Arbeit und dem Wirken der Schule, sich insbesondere auf eine westliche Spiritualität zu konzentrieren.

1907 verstarb der ehemalige Gründer und damalige Präsident der Theosophischen Gesellschaft Adyar, Henry Steel Olcott. Ihm sollte dann Annie Besant in ihrer Rolle als neue internationale Präsidentin der Gesellschaft folgen. Nachdem sie aber noch im selben Jahr am internationalen Kongress der Theosophischen Gesellschaft in München teilnahm, die Rudolf Steiner mit seiner Frau veranstaltet hatten, kam es allmählich zu Differenzen zwischen Steiner und Besant. Dafür gab es einige Gründe. Einer dafür war die von Steiners Frau Marie für die Konferenz choreografierte Inszenierung und Aufführung eines modernen Mysteriendramas nach Eduard Schuré. Diese Neuorientierung störte viele der Teilnehmer.

Ein großer Teil der alten Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft aus England, Frankreich, namentlich aus Holland waren innerlich unzufrieden mit den Erneuerungen, die ihnen mit dem Münchner Kongress gebracht worden sind. — Was gut gewesen wäre, zu verstehen, was aber damals von den wenigsten ins Auge gefasst wurde, war, dass mit der anthroposophischen Strömung etwas von einer ganz andern inneren Haltung gegeben war, als sie die bisherige Theosophische Gesellschaft hatte. In dieser inneren Haltung lag der wahre Grund, warum die anthroposophische Gesellschaft nicht als ein Teil der theosophischen weiterbestehen konnte. Die meisten legten aber den Hauptwert auf die Absurditäten, die im Laufe der Zeit in der Theosophischen Gesellschaft sich herausgebildet haben und die zu endlosen Zänkereien geführt haben.

- Rudolf Steiner in seiner Autobiografie »Mein Lebensgang«, über den Kongress der Theosophischen Gesellschaft 1907 in München

Unabhängig von diesen Meinungsverschiedenheiten aber weitete sich Rudolf Steiners Popularität in Kreisen der Theosophen immer weiter aus, was bald weit über die Grenzen Deutschlands reichte. Annie Besant schien das weniger zu gefallen. Bangte sie womöglich um ihre Position als Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft?

Die damals entstandenen Zänkereien in der Theosophischen Gesellschaft ließen auf jeden Fall nicht nach. Insbesondere als der junge, jedoch außergewöhnliche Inder Jiddu Krishnamurti unverschuldet in die Kampfzone zwischen Steiner und Besant geriet, schien das Fass endgültig überzulaufen. Gemeinsam mit ihrem Vertrauten, dem Okkultisten und Theosophen Charles Webster Leadbeater (1854-1934) – einer recht umstrittenen Figur in der Geschichte der Gesellschaft –, schrieben sie Krishnamurti eine messianische Erscheinung zu und wollten in ihm gar die Inkarnation des Maitreya oder den Nachfolger Jesu Christi erkannt haben. Rudolf Steiner und ein Großteil der deutschsprachigen Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft empörten sich über diese Entwicklung in Adyar. Er und andere kehrten von da ab der Theosophischen Gesellschaft Adyar den Rücken. Es soll dabei aber nicht unbemerkt bleiben, dass Besants Ernennung Krishnamurtis als neuen Weltlehrer, auch die Gemüter vieler anderer Theosophen erhitzte. Später sollte Krishnamurti den um ihn gegründeten Sternorden (eigentlich »Order of the Star in the East«) selbst auflösen, was die Theosophische Gesellschaft Adyar in eine weitere Krise stürzte.

Im weiteren Verlauf kam es schließlich zur Loslösung Steiners von der Theosophischen Gesellschaft. 800 Steiner-Anhänger trafen sich im August 1911, um über eine eigene Gesellschaft zu beraten, worauf man ab Dezember des selben Jahren eine Trennung von Adyar in Erwägung zog. Nach weiteren, teils absurden Streitereien um den kommenden Weltlehrer, schloss Annie Besant die Anhänger Rudolf Steiners im März 1913 aus der Theosophischen Gesellschaft Adyar aus. Damit war die faktische Trennung vollzogen, worauf sich die Deutsche Theosophische Gesellschaft umbenannte in Anthroposophische Gesellschaft.

Die Christus-Thematik in Steiners Werk

Auch wenn man das Wort Anthroposophie heute noch mit Rudolf Steiner assoziiert, begann diese Richtung der Geisteswissenschaften keineswegs erst mit ihm. Bereits in der frühen Neuzeit stand das Wort Anthroposophie für die Erkenntnisfähigkeit der menschlichen Natur. Man fasste den Begriff als eine Fähigkeit des Menschen auf, der in sich, in einem mystischen Vorgang, zu Gott und Welt durch geistige Einsicht fand.

Steiner verwendete den Begriff 1902 in einer Vortragsserie mit dem Titel: »Von Zarathustra bis Nietzsche – Entwicklungsgeschichte der Menschheit anhand der Weltanschauungen von den ältesten orientalischen Zeiten bis zur Gegenwart, oder Anthroposophie«. Die Bezeichnung Anthroposophie als eine erweiterte Sinneslehre, benutzte Steiner erst 1909.

Besonders an Steiners Anthroposophie, ist seine Konzentration auf die christliche Mystik und das Rosenkreuzertum. Nicht ohne Grund kam es durch Rudolf Steiner während der Abspaltung von Adyar, zur Gründung eines Bundes zur Pflege rosenkreuzerischer Geisteswissenschaft, wo eine Christus-Symbolik im Zentrum stand.

Jiddu Krishnamurti - ewigeweisheit.de

Der junge Jiddu Krishnamurti (1895-1986): Der später durch die Theosophin Annie Besant ausgerufene »Neue Weltlehrer und Nachfolger Christi«.

Ein esoterisches Christentum

Wie bereits erwähnt war der junge Steiner durchaus als Freigeist hervorgetreten, der sich in seinen Arbeiten auch nicht scheute auf solch skandalumwobene Philosophen wie Friedrich Nietzsche einzugehen. Wohl von Nietzsches Buch »Der Antichrist« inspiriert, erschien ihm das zeitgenössische Christentum einfach nur als pathologisch veränderte Religion. Damit meinte er insbesondere die kirchlichen Dogmen der katholischen Scholastiker, die das Christentum auf wissenschaftliche Weise analysierten und in ebenso grotesker Weise zu erklären versuchten.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert aber vollzog Steiner einen radikalen Wandel. Seine ursprüngliche Ablehnung schien sich vollkommen zu verkehren. Von da an fand er in den Lehren des Christus Jesus eine universale Mystik, die sogar zum zentralen Thema seiner zukünftigen Arbeit werden sollte. Für ihn war das Auftreten dieses Messias mit einem grundsätzlichen Wandel für die gesamte Menschheit verbunden. Mit dem Erscheinen Christi auf Erden begann für Steiner eine universale Evolution des Geistes. Für ihn war Christus außerdem bereits in einem geistigen Kraftfeld anwesend, bevor er sich auf Erden verkörperte als Jesus von Nazareth.

In einem Vortrag Steiners über Christus, aus dem Jahr 1909, kam er zu sprechen auf die Hohepriester in Atlantischer Zeit. Sie kündeten angeblich von einem solaren Geist, der sich einst als der Christus auf Erden verkörpern sollte. Steiner setzte ihn in die Linie der großen in der Welt erschienenen Sonneneingeweihten, worauf zuvor auch der persische Zarathustra oder der alt-ägyptischen Hermes (Trismegistos) erschienen.

Aber auch schon in unserer jetzigen Menschheitszivilisation (Nachatlantische Menschheit) sprach man schon lange vor seinem Erscheinen, vom kommenden Christus, was jedoch nur jene wissen konnten, die die Fähigkeit der »geistigen Sicht« bereits entwickelt hatten. So zumindest versuchte es Rudolf Steiner zu erklären. Jene aber wussten schon immer dass Christus dereinst der große Weltlehrer sein werde.

Drüben geschah es nun weltgeschichtlich, dass jenes hohe Sonnenwesen, das man nachher als den Christus bezeichnete, die Sonne verließ. Das war eine Art Sterben für den Christus. Christus ging fort von der Sonne, wie wir Menschen im Sterben fortgehen von der Erde. Also Christus ging fort von der Sonne, wie ein Mensch, der stirbt, fortgeht von der Erde. Und wie bei einem Menschen, der stirbt, indem er von der Erde fortgeht, für den okkulten Beschauer der ätherische Leib schaubar ist, den er nach drei Tagen ablegt und er den physischen Leib zurücklässt, so ließ Christus in der Sonne zurück dasjenige, was Sie in meiner »Theosophie« beschrieben finden am Menschen als den Geistesmenschen, als das siebente Glied der menschlichen Wesenheit.

- Aus Rudolf Steiners Vortragsreihe »Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge«

Das traf auf alle Kulturepochen zu: von der urindischen Kultur bis in die Wende zur griechisch-lateinischen Zeit. Immer schon ahnten die Weisen dass der Christus aus der Sonnensphäre herabsteigen würde, um sich auf Erden zu verkörpern.

Eigen in Rudolf Steiners Christus-Lehre aber ist, dass er über ihn als Geistesmenschen schrieb, der von der Sonne auf die Erde kam. In der solaren Sphäre starb er, um auf der terrestrischen Sphäre unseres Planeten geboren zu werden. Dabei gingen sein »Ich« und sein »Geistselbst«, wie es Steiner nannte, in den irdischen Leib des Jesus von Nazareth ein, der dann auf Golgatha, der Menschheit geopfert, jenem solaren Urgeist verhelfen sollte sich über dem Erdball auszubreiten und dabei die Religion des Christentums quasi zu bewirken.

So also stand im Mittelpunkt des Erfahrens von Rudolf Steiner eine christliche Realität, die in seinem Leben, Wirken und Lehren eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Insbesondere seine Arbeiten über die Mysterien der Rosenkreuzer, die teils eng mit dieser Christus-Realität verbunden sind, geben einen tieferen Aufschluss darüber, was einen wichtigen Beitrag zur europäischen Geisteskultur der Gegenwart liefern sollte.

Im Spannungsfeld zwischen Bewunderung und Kritik

Ab dem Jahr 1911 wandte sich Steiner immer stärker den Künsten zu. Er pflegte Kontakte zu dem russischen Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) oder auch zu dem deutschen Dichter Christian Morgenstern (1871-1914), der damals über ihn schrieb:

Die eigentliche, im höchsten Menschensinne schöpferische Tätigkeit Rudolf Steiners wird erst der Historiker enthüllen, der die Geschichte dieses erhabenen Lebens zu schreiben berufen sein wird. Dann wird mit Erstaunen wahrgenommen werden, was da in der Stille für den Menschen als solchen überhaupt geschieht und geschehen ist, und welchen unersetzlichen Rückhalt und Stützpunkt ihm die Lebensarbeit dieses Geistes gegeben hat. während das Jahrhundert noch immer weiter in die furchtbare Wüste des Materialismus hineineilt.

Besonders für den deutschen Aktionskünstler Joseph Beuys (1921-1986) sollte Rudolf Steiner später einmal zum wichtigsten Impulsgeber werden. In seiner Arbeit zu den schönen Künsten, zur Dichtkunst und den Theaterwissenschaften, wies Steiner nämlich hin auf das was er als »Spirituelle Visionen« bezeichnete, etwas woraus der Künstler für sich immer wieder neue Inspirationen beziehen könne.

Nach dem Ersten Weltkrieg widmete sich Steiner ganz und gar mit der praktischen Anwendung seiner spirituellen Arbeit der vergangenen Jahre. Er versuchte zu veranschaulichen, wie sich, aus seinen Erkenntnissen über das Wesen des Menschen, direkte Handlungsbezüge ableiten ließen. Daraus sollten sich sehr fruchtbare Beobachtungen ergeben, aus denen er verschiedene Konzepte entwarf, die dann zu dem wurden was sich aus einer praktischen Anthroposophie direkt für ein ganzheitliches Handeln ableiten lässt – sowohl für die Erziehungswissenschaften, für die landwirtschaftliche Praxis, doch sich ebenso im Feld der Medizin und der Therapie einsetzen lässt.

Auch seine Arbeiten zu einer organischen Architektur sollten für zukünftige Bauwerke eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Erste Ideen für einen solchen Bau im Umfeld der späteren Anthroposophischen Gesellschaft wurden bereits im Jahr 1907 entworfen. Zwischen 1908 und 1909 arbeitete der spätere Waldorflehrer Ernst August Karl Stockmeyer einen Vorentwurf aus, nach dem das Tagungsgebäude der Anthroposophischen Gesellschaft erbaut werden sollte: das Goetheanum – für Steiner sicherlich so etwas wie der »Bau des Neuen Tempels«. 1913 schließlich begannen im schweizerischen Dornach die Bauarbeiten. Doch noch bevor der Bau vollends abgeschlossen war, wurde das Goethenaum 1922 durch Brandstiftung zerstört. Wer dafür verantwortlich war konnte niemals geklärt werden. Dieses Unglück in der Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft kommentierte Rudolf Steiner 1923 in einem Vortrag wie folgt:

Gerade gelegentlich des schrecklichen Brandunglücks kam es wiederum zutage, welche abenteuerlichen Vorstellungen sich in der Welt knüpfen an alles das, was mit diesem Goetheanum in Dornach gemeint war, und was in ihm getrieben werden sollte. Es wird gesprochen von dem schrecklichsten Aberglauben, der dort verbreitet werden soll.

Schon zu seinen Lebzeiten hatte Steiner mit schwerwiegenden Anfeindungen zu tun. Diese Haltung mancher scheint auch bis heute, nicht nur aus Sicht eher wissenschaftlich orientierter Menschen, weiterhin zu bestehen. Was Steiner aber in den letzten Jahren seines Lebens an Feindseligkeit ertragen musste, war ganz und gar wider seine Absichten. Adolf Hitler etwa bezichtigte ihn ein Werkzeug der Juden zu sein. Daher vermuten heute manche dass der Brand des Goethenaums erste Nazigruppierungen gelegt hätten.

Dessen ungeachtet ließ sich Steiner durch seine Gegner nicht einschüchtern und versuchte sich auch nicht auf irgendwelche Schuldzuweisungen einzulassen, sondern betrachtete all das Vorgehen gegen ihn und seine Unterstützer als ein Resultat ihres gemeinsamen Karmas. Aus heutiger Sicht wirkt so eine Darstellung wohl recht sonderbar, versucht man sich jedoch die Vehemenz deutlich zu machen, mit der gegen Steiner und seine Anthroposophie vorgegangen wurde, verhielt er sich in dieser drastischen Situation wahrhaft erhaben, vielleicht auch eben genau deshalb, da er dazu fähig war die Situation auf spiritueller Ebene zu relativieren.

Gewiss könnte man Steiner nachsagen dass er ab einem gewissen Punkt in seinem Leben etwas zu verbissen gewesen war, in seinem Streben eine universale Lehre zu entwerfen. Schien ihm in der Tat doch daran gelegen zu sein, esoterische Erkenntnisse als Gesetze für alle Bereiche des Lebens formulieren zu wollen. Auch sein Wunsch und seine anscheinenden Fähigkeiten karmische Vorgänge in seinem und dem Leben anderer, sehen zu können, dürfte bei manchen nur ein Lächeln bemühen. Hermann Hesse schrieb einmal über Rudolf Steiner:

Anthroposophische, Steinersche Quellen habe ich nie benützt, sie sind für mich ungenießbar, die Welt und Literatur ist reich an echten, sauberen, guten und authentischen Quellen, es bedarf für den, der Mut und Geduld hat, selber zu suchen, der ‚okkulten‘ und dabei meist elend getrübten Quellen nicht. Ich kenne sehr liebe Leute, die Steinerverehrer sind, aber für mich hat dieser krampfhafte Magier und überanstrengte Willensmensch nie einen Moment etwas vom Begnadeten gehabt, im Gegenteil.

Das zweite Goetheanum in Dornach.jpg - ewigeweisheit.de

Das zweite Goethenaum im schweizerischen Dornach (Foto: Wladyslaw; Quelle: Wikimedia; Lizenz CC BY-SA 3.0).

Antworten auf die Menschheitsfragen der Gegenwart

Seit der Ereignisse im schweizerischen Dornach erhöhte Rudolf Steiner die Frequenz seines öffentlichen Auftretens. Er gab mehrmals täglich Ansprachen und hielt oft bis zu vier Vorträge am Tag. Meist widmete er seine Reden thematisch der Waldorfpädagogik. Doch auch andere praktische Anwendungen anthroposophischer Weisheiten waren Thema.

Schob ab dem Jahr 1919 warb Rudolf Steiner für die Dreigliederung eines »sozialen Organismus«, einem Leitbild für eine gesellschaftliche Ordnung und Weiterentwicklung. Ziel war ihm dabei eine Grundstruktur zu liefern, wo die Koordination der Vorgänge einer Gesellschaft nicht zentral von einer staatlichen Führung erfolgen sollte, sondern wo sich Geistesleben, Jura und Politik, wie auch die Wirtschaft, autonom selbst verwalten sollten. Hiermit versuchte er eine wirksame Alternative zu schaffen zu dem (auch heute noch bestehenden) vollkommen archaischen, zentral verwalteten System des Einheitsstaates. Er sah die Zukunft in einem von Menschen geschaffenen Organismus, wo Verantwortliche aus den drei eigenständigen Bereichen Wirtschaft, Recht und Politik, und Geistesleben, ohne übergeordnete Instanz zusammenarbeiten konnten. Er versuchte damit eine Parallele zu ziehen zum dreifältigen System Mensch.

Die Vermächtnisse eines Idealisten

Nach Rudolf Steiners Tod im Jahr 1925 breiteten sich seine Lehren und die Nachwirkungen seiner Vorträge und Vorstellungen weiter aus. Sicher wäre es nicht dazu gekommen, hätte Steiner seinen Kritikern von einst nachgegeben. In dieser Entschiedenheit lag wohl Steiners große Vorbildfunktion, die seine Verehrer anscheinend so sehr motivieren sollte, dass direkt nach seinem Tod der Neubau eines zweiten Goethenaums begann. Um die hundert Menschen wirkten an der Errichtung des neuen Bauwerkes mit. Doch es wurden noch mehr, die sich beim Bau einbringen wollten.

Durch diesen Enthusiasmus gefördert entstanden ab 1939 insgesamt sieben anthroposophische Schulen in Deutschland und weitere in der Schweiz, in England, in Ungarn, in Norwegen und in den Vereinigten Staaten. Zwar verboten die Nazis im Dritten Reich alle Anthroposophischen Schulen, doch bald nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder eröffnet. Seit damals gewann auch die Waldorfpädagogik Steiners weiter an Bedeutung. Bis ins Jahr 2000 entstanden überall auf der Welt mehr als 700 Waldorfschulen.

Gedanken werden Dinge

Rudolf Steiner war ein Verfechter der Vorstellung, dass jeder menschliche Gedanke eine spirituelle Kraft sei. Der Grund dass das hier noch einmal hervorgehoben werden soll ist einfach: denn was einer heute denkt wird seine Realität von morgen. In jedem Gedanken liegt eine Triebkraft, durch die sogar auch die Weiterentwicklung der Gemeinschaft vorangetrieben werden kann. Steiner sah in dieser recht einfachen Feststellung eine Chance zur Fortsetzung seines Werks durch andere. Er wollte Menschen bei ihrer Befreiung helfen und sie damit letztendlich auch heilen. Dabei lag ihm viel daran zu betonen, wie wichtig Meditation und richtiges, kreatives Denken ist. Kreativität braucht Raum, damit sich darin Grundideen und Vorstellungen ausbreiten und auch künstlerisch entfalten können.

Zu Steiners Lebzeiten aber war es noch nicht wirklich möglich seine Herangehensweisen und Bestrebungen einem entsprechenden Publikum dauerhaft zu vermitteln. Es bestand eben noch nicht das dazu nötige Bewusstsein, dass sich anscheinend erst nach seinem Tod zu dem entfalten konnte, was es heute ist. Als er im Rahmen seiner neu gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft jedoch erste Schüler gewinnen konnte, sollten unter jenen dann doch auch manche den Weg zu einer praktischen Anwendung theosophischer Weisheit finden. Das gelang Steiner zuerst durch die Einführung der schönen Künste in die Praxis seiner modernen Anthroposophie. An sich aber blieb das eine Wissenschaft, die aus seinem Talent für die Beobachtung der Welt und des Menschen entstand. Diese Wissenschaft ging hervor aus der Erforschung vom inneren Wesen der Dinge – sowohl auf esoterischer Betrachtungen des Diesseits, wie auch des Jenseits: eine innere Erforschung der wahren Gründe für die Vorgänge im Menschen, auf der Erde und in der Ganzheit des gesamten Kosmos.

Rudolf Steiner legte die Wegmarken für eine ganzheitliche Arbeit am Menschen und an der Gesellschaft. Er schuf neue Möglichkeiten, sich in der Welt auf allen Ebenen der Existenz fortzubewegen und sich dabei gleichzeitig auf eine Weise zu entwickeln, die insbesondere dem Nutzen der Gemeinschaft zugute kommen sollte.

 

Das Erbe der Rosenkreuzer

von S. Levent Oezkan

Titelseite von Summum Bonum (Robert Fludd) - ewigeweisheit.de

Anfang des 17. Jahrhunderts veröffentlichen Unbekannte in Kassel und Straßburg drei Schriften mit den Titeln Fama Fraternitatis, Confessio Fraternitatis und Chymische Hochzeit. Sie sollten dereinst die Fundamente einer Geheimbruderschaft bilden, die über ein Wissen verfügte, das anscheinend weit über dem stand, was man damals an den Universitäten Europas lehrte.

Aus dem Verborgenen richteten sich damit die Mitglieder eines geheimen Zirkels an die Gelehrten und Oberen der damaligen Gesellschaft Europas. Ihr anscheinend überlegenes Wissen bezog sich auf zwei sonderbare Bücher: das Liber Mundi und das Liber Theos.

Im Liber Mundi, auch Liber M genannt, finden sich Beschreibungen über besondere Geheimnisse in der Welt. Es ist das »Buch der Natur«, worin Wissen über das Wesen der Mineralien, Pflanzen und Tiere zu finden ist – ein Buch der Naturwissenschaften also. Gewissermaßen ähnelt es der mythischen Smaragdtafel des Thoth-Hermes, die im Akasha existiert, als ein vom Weltengeist eingeprägtes Schriftwerk.

Das andere Buch ist das Liber Theos, das man auch als Liber T kennt. Wie der Name »Theos« bereits vermuten lässt, ist das das »Buch Gottes«. Daraus offenbaren sich dem Eingeweihten Erkenntnis und Inspiration, die aus der geistigen Welt kommend, anregend wirken auf seine Fähigkeit zu erfahren.

Wo befinden sich die Bücher M und T?

120 Jahre nach dem Tod des geheimnisvollen Christian Rosenkreuz, fanden Ordensbrüder sein Grab. Darin entdeckten sie auch die beiden Bücher Liber M und Liber T. So wie Christian Rosenkreuz dort lag, als nicht verwester Leichnam, hielt er letzteres Buch in Händen. Weniger aber war es ein tatsächlich physisches Buch, als vielmehr das, was man als sein geistiges Vermächtnis bezeichnen könnte. Das Liber T bildet die Grundlage des Rosenkreuzer-Schulungsweges.

Weniger geht es in den beiden Büchern um Wissenschaft an sich, als das darin vielmehr eine Gnosis beschrieben wird, aus der sich die inneren Vorgänge des Universums beschreiben lassen. Außerdem heißt es, dass in jener Bruderschaft der Rosenkreuzer, Alchemisten zugegen waren, die tatsächlich unedle Metalle zu transmutieren vermochten in lauteres Gold. Heute aber klingt so etwas wohl recht fragwürdig, ja es mag manche gar an Satire erinnern, wenn das Wort »Alchemie« fällt. Eigentlich aber ging es jenen Eingeweihten weniger darum, tatsächlich Gold herzustellen. Das erschien ihnen eher nebensächlich, zumal sich die Mitglieder dieser Bruderschaft, um solch weltliche Dinge nur wenig kümmerten.

Die Alchemisten unter den Rosenkreuzern waren Mediziner. Sie heilten und halfen Menschen sich von ihren Leiden zu erholen. Jene unter den Rosenkreuzern aber waren auch »Ärzte der Natur«. Sie wussten, dass sich die gesamte weltliche Schöpfung in einem Exil befindet, wo alles Leben leidend seines Daseins fristet. Die Natur aber, und damit auch das Leben, wartet darauf aus den Zwängen des Materialismus erlöst zu werden.

Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.

- Paulus' Brief an die Römer 8:19-22

Vorstellungen von einer Neuen Welt

Die Verfasser der drei eingangs erwähnten Manifeste vom Orden der Rosenkreuzer, ließen in ihren Schriften das Wissen aus verschiedenen subtilen Wissenschaften zusammenfließen. Man findet darin esoterisches Wissen aus der Alchemie, Astrologie, Numerologie, Kabbala und Hermetik. Doch auch politische und religiöse Bestrebungen finden sich darin. Daneben scheinen die Rosenkreuzer-Schriften aber auch anti-imperialistische, anti-katholische Tendenzen zu enthalten. Das 17. Jahrhundert prägten solche Entwicklungen. Nur zwei Jahre nach Erscheinen der Chymischen Hochzeit etwa, brach der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) aus, der als eben solcher Konflikt in einem Spannungsfeld ausgetragen wurde, zwischen dem Katholizismus im Süden und dem Protestantismus im Norden Europas.

Gut möglich, dass sich in den Manifesten der Bruderschaft vom Rosenkreuz eine Hoffnung verbarg, die auf den Anbruch einer Zeit der Toleranz hindeutete, auf einen »Neuen Protestantismus«, der sich auch auf hermetisch-kabbalistische Vorstellungen berief.

Ursprüngliche Ziele der Bruderschaft

Zwar waren die Schriften der Rosenkreuzer im Umlauf, doch ihre Leser begegneten nie einem ihrer Verfasser persönlich. Und wer die Schriften der Rosenkreuzer gelesen hat, der weiß, dass darin keine großen Geheimnisse verraten werden. Und doch führte ihre Veröffentlichung bald schon zu einer Manie, in Gelehrtenkreisen Europas. Unzählige Kommentare waren darüber im Umlauf, so dass man das damalige Rosenkreuzertum, durchaus als europäisches Phänomen bezeichnen könnte. In den drei Jahren nach ihrer Veröffentlichung, wurde allein die Fama Fraternitatis siebenmal neu aufgelegt und auch viele Abschriften davon angefertigt.
Stellt sich die Frage: gab es vielleicht eine geheime Absicht, die die Rosenkreuzer mit der Veröffentlichung der Fama, der Confessio und der Chymischen Hochzeit, zwischen 1614 und 1616 erfüllen wollten?

Zumindest wäre da erst einmal darauf hinzuweisen, dass das Rosenkreuzertum sich anfangs in Deutschland und in Frankreich ausbreitete. Die Lehren die die Rosenkreuzer in dieser Zeit herausgaben, konzentrieren sich sowohl auf eine physisch-experimentelle, als auch auf eine spirituelle Alchemie. Unter dem Terminus Alchemie darf man also nicht etwa nur ein Vorläufer der heutigen Chemie verstehen. Im 17. Jahrhundert sahen sich Alchemisten als jene, die eine interdisziplinäre Wissenschaft schufen, deren Vorgänge sich sowohl auf spiritueller, intellektueller und materieller Ebene vollzogen. Gewiss könnte man darum sagen, dass sie heutigen Chemikern gewissermaßen überlegen waren. Schon immer basieren die Kenntnisse über Alchemie und Hermetik auf universalen Gesetzmäßigkeiten, die zu jedem Problem mit Antworten parieren, so als seien sie ein Allheilmittel.

Johann Valentin Andreae - ewigeweisheit.de

Johann Valentin Andreae (1586-1642). Gemälde eines unbekannten Künstlers (unbekanntes Datum).

Wer war der Gründer der Rosenkreuzer?

Laut dem englischen Freimaurer Elias Ashmole (1617-1692), lebten die Brüder vom Rosenkreuz in einem Kloster, dass sich etwa 11 Kilometer von Straßburg befindet. Ashmole selbst, wollte sich dieser Bruderschaft anschließen, wie wohl unzählige andere auch. Doch in Wirklichkeit gab es nirgendwo eine Bruderschaft vom Rosenkreuz, mit der man hätte Verbindung aufnehmen können. Die Veröffentlichung der Rosenkreuzer-Manifeste gaben den Lesern ihres Zeitalters also ein Rätsel auf. Es war als hätte jemand einen Stein in ein großes Becken voller Geheimnisse geworfen, was jede Menge Wellen schlug im Bewusstsein der Menschen des 17. Jahrhunderts. Die Auswirkungen dessen, waren so stark, dass sich ihre Tendenzen bis heute in den Kreisen esoterischer Zirkel finden.

Das Werk der »Chymischen Hochzeit Christiani Rosenkreuz Anno 1459« war in den Jahren vor ihrem ersten Druck bereits als Handschrift im Umlauf und erschien 1616 zunächst anonym. Als ihr Autor gilt der 1586 im württembergischen Herrenberg geborene Schriftsteller und Theologe Johann Valentin Andreae. Im Alter von gerade mal 19 Jahren, schrieb er dieses alchemistische Werk auf. Doch wie bei den beiden anderen Manifesten der Rosenkreuzer, stand hinter dem äußeren Sinn dieser Veröffentlichung, eine esoterische Bedeutung. Zwar wurde sie dem Verfasser aus der Geistigen Welt eingegeben, doch er selbst verstand noch nicht worum es darin ging. Er diente quasi als Werkzeug der geistigen Welt, doch schrieb im Namen des geistigen Urhebers Christian Rosenkreuz.

Andreae stammte aus einer illustren protestantischen Theologenfamilie. Sein Großvater Jakob Andreae war einer der Verfasser der Formula Concordiae, der Eintrachtsformel der lutherischen Kirche, die auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen entstand. Sein Vater Johannes Andreae, einst Pastor in Tübingen und später Abt des Klosters Königsbronn, verstarb als sein Sohn 15 Jahre alt war. Seine Familie aber hinterließ er in Armut. Alles Geld nämlich hatte er in seine alchemistischen Experimente investiert, mit dem Ziel Gold herzustellen. Vor diesem Hintergrund aber ist wohl auch anzunehmen, dass Johann Valentin Andreae nicht nur über theoretisches Wissen in der Alchemie verfügte.

Andreae begann ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, ab 1602, sein Studium der »Freien Künste« an der Universität Tübingen. Dieses Studium schloss er 1605 mit einem Magister ab. Ab 1606 studierte er dann Theologie und Mathematik.

Über die Alchemie kam Andreae in Kontakt mit dem Tübinger Theosophen und Mediziner Tobias Heß (1558-1614). Er war ein Bewunderer von Paracelsus, jenem sagenhaften Arzt, der einst in die medizinische Heilkunde auch die Wissenschaft der Alchemie integrierte. Doch jeder der sich damals mit Paracelsus befasste gefährdete sich, stand der berühmte Arzt doch in der Tradition der verrufenen Hermetiker. Da die Schriften des Paracelsus aber großen Einfluss auf Heß ausübten, befasste er sich auch mit Alchemie und Hermetik. Über seine Neugier für diese Geheimwissenschaft, lernte er auch Andreaes Vater kennen. Mit ihm entwickelte er verschiedene alchemistische Rezepte, die alle jeweils mit dem Satz enden:

Ihm, Jesus Christus, dem unsterblichen Chymisten, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, in Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist, dem auf ewig Ruhm und Ehre sei zu den wunderbaren großen Werken hier. Amen, amen, amen.

Heß glaubte an ein kommendes Goldenes Zeitalter, das zur Wiederkehr Jesu Christi führen sollte. Johann Valentin Andreae sah in Heß einen weisen Seher und Wissenden, der wusste was die Zeichen der Welt und der Zeit bedeuteten. Schon als Junge hatte Heß eine Vision vom Untergang der römisch-katholischen Kirche.

Der Tübinger Kreis

Im Jahr 1608 gründete Tobias Heß in Tübingen einen Freundeskreis, dem 12 Mitglieder angehörten. Unter ihnen befand sich auch der junge Andreae, der über den Tübinger Kreis schrieb, es sei ein »intimum amoris foedus«, ein »inniger Bund der Liebe«. Ebenfalls Andreaes jüngerer Bruder Johann Ludwig war Mitglied dieses Freundeskreises, dem auch der Künstler Abraham Hölzel von Sternstein und der erimitierte Pfarrer Johann Vischer angehörten. Wohl nur diese vier Mitglieder wussten wer der eigentliche Verfasser der Fama und der Confessio war.

Heß und die Mitglieder seines Kreises, beschäftigten sich mit paracelsischem und alchemistischem Gedankengut, mit Traum- und Zukunftsdeutung und spekulierten über die bevorstehende Apokalypse. Aber auch die christliche Frömmigkeit und die Reformgedanken innerhalb der Kirche, spielten eine zentrale Rolle. Dieser Kreis von Intellektuellen und Sehern, inspirierte Andreae wohl auch zu seinem späteren Werk »Christianopolis«, der Utopie einer idealen Gesellschaft. Keine Frage war Johann Valentin Andreae eines der wichtigsten Mitgliedern des Tübinger Kreises. Er war von seinem Einfluss doch vollkommen vereinnahmt. Was er aus den Treffen des Kreises thematisch zusammenfasste, darauf auch basierte die Idee einer reformerischen Bruderschaft, einer großen geistigen Bewegung, die sich in langer Vorbereitung im Verborgenen gründen sollte.

Dass es ihm anscheinend auch darum ging, so eine Geheimgesellschaft zu gründen, darauf deuten drei seiner Werke hin:

  • 1619 Christianopolis: Eine christlichen Utopie, aus der Perspektive eines Schiffbrüchigen geschrieben. Der strandet auf der Insel Caphar Salama, findet die sagenhafte Stadt Christianopolis und berichtet über das Leben der Menschen dort. Gewiss erinnert das an das 1626 erschienene utopische Werk Nova Atlantis (»Neu-Atlantis«) von Sir Francis Bacon (1561-1626).
  • 1619 Turris Babel: Hierin verkündete Andreae seinen Rückzug aus einer chaotisch gewordenen »Rosencreutzerey«, wie er sie nennt. Gut möglich aber, dass er das mit der Absicht tat, seine eigene Bedeutung als wichtiges Mitglied in diesem Geheimorden zu vernebeln. Doch nicht etwa um sich damit in eine vermeintliche Sicherheit zu bringen, sondern eher um zu einer weiteren Mystifizierung der legendären Rosenkreuzer beizutragen.
  • 1620 Christianae Societatis Imago: Über die Vorstellungen einer elitären, religiös-gelehrten Gesellschaft.

Anscheinend ging es Andreae ab einem gewissen Zeitpunkt darum, auf die Gründung einer Gesellschaft hinzuarbeiten, die über den bisher stehenden Wissenschaften und Religionsvorstellungen stand. Auf seinen häufigen Reisen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, in Italien und Österreich, dürfte er sehr wohl andere Gelehrte in seine Vision eingeweiht haben: Die lange geplante Gründung einer Gesellschaft zur Neuordnung seines Zeitalters. Darauf verweist eben die Gleichzeitigkeit vom Erscheinen seiner Werke und den Gerüchten einer neu gegründeten Geheimbruderschaft der Rosenkreuzer.

Spiritualität, die allein im Außen, in den grauen Gemäuern von Kirchen gesucht wird, erschien Johann Valentin Andreae als unzureichend. Damit stimmte er mit den Auffassungen von Heß überein, wie auch mit jenen des Paracelsus, hundert Jahre zuvor. So gab es für Andreae eine »Geistige Kirche«, die im Innern des Mikrokosmos Mensch gegenwärtig ist. Doch gleichzeitig basierte Andreaes äußeres Wirken nicht etwa nur auf Spekulationen, sondern er lieferte tatsächlich brauchbare Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschungen – sowohl als Theologe, wie auch als Mathematiker. Er trug außerdem ganz wesentlich zu einer Reform der Erziehungswissenschaften bei, denn seine Arbeiten sollten auch einen seiner Freunde ganz wesentlich beeinflussen: den berühmten Philosophen und Pädagogen Johann Amos Comenius (1592-1670). In seinem 1623 erschienenen Buch »Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens«, einem Klassiker der tschechischen Literatur, schreibt Comenius über seine Hoffnungen, die er in das Rosenkreuzertum setzt. Es ist das Werk eines idealistischen Geistes. Doch wie auch die utopischen Erwartungen Andreaes, wurden auch Comenius' Erwartungen durch den Beginn des Dreißigjährigen Krieges zerstört.

 

Nach seinem Schlussexamen im Jahre 1614, wurde Andreae zum Diakon in Vaihingen berufen, wo er auch heiratete. Später beförderte man ihn zum Superintendenten in Calw. 1638 wurde er in Stuttgart Hofprediger und Konsistorialrat. Ab dieser Zeit trat er ein für eine grundlegende Kirchenreform und promovierte danach an der Universität Tübingen zum Doktor der Philosophie. Seine Karriere beendete er schließlich als Abt in der evangelischen Klostergemeinde Adelberg, wo er dann im Jahre 1654 nach langer Krankheit verstarb.

Johann Valentin Andreae hinterließ ein wirklich beeindruckendes Werk. Er verfasste zwei Komödien über Esther and Hyacinth, und auch schon in dieser Zeit die erste Version der Chymischen Hochzeit, dessen Protagonist vielleicht erst später, mit der Veröffentlichung des Werkes umbenannt wurde in Christian Rosenkreuz. Doch da das erste Manuskript zur Chymischen Hochzeit nicht mehr existiert, besteht über diese Annahme Unsicherheit. Fest steht, dass die Symbole von Rose und Kreuz in der Chymischen Hochzeit eine ganz und gar nebensächliche Rolle spielen.

Warum Rose und Kreuz?

Wenn wir uns einmal das Wappen der Familie Andreae ansehen, so zeigt das Heroldsbild auf dessen Schild-Element ein rotes, schräggestelltes Kreuz (Andreaskreuz) mit vier roten Rosen. Doch jene Bruderschaft, die diese Bildelemente als Namen führt, das heißt also die »Rosenkreuzer«, verweisen auf eine esoterische Bedeutung der Bilder von Rose und Kreuz. Ob das aber nur eine äußere Erklärung von etwas ist, das den Uneingeweihten unzugänglich bleiben soll, sei einmal dahingestellt.

Doch mit dem, was wir oben bereits andeuteten, erscheint es recht wahrscheinlich, das Johann Valentin Andreae der eigentliche Gründer der Rosenkreuzer-Bruderschaft war, selbst wenn er sich von den Rosenkreuzer-Manifesten nachträglich distanzierte. Der Grund dafür ist klar: Es sollte ein Geheimbund bleiben, dessen Ziele er wohl gefährdet hätte, wäre seine Stellungnahme dazu positiv ausgefallen. Die Bruderschaft der Rosenkreuzer schien aber auch zu wissen, dass, wenn sie durch ihr Werk wirklich ein neues Zeitalter einleiten wollten, sie ihre Existenz in einen Mythos kleiden mussten. Und das war die Legende von Christian Rosenkreuz, die diesem esoterischen Zirkel die Form eines großen Geheimnisses verlieh – einem der wohl wirkungsvollsten Mittel, um die Aufmerksamkeit von Menschen zu ergattern. Es scheint darum kein Zufall, wenn damals die deutsche Obrigkeit, etwas nach dem Erscheinen der Chymischen Hochzeit, Andreae einen Fanatiker nannte, der mit dieser Schrift doch nur die Prophezeiungen des Paracelsus verkünden wolle. Der französische Autor Louis Figuier (1819-1894) schrieb dazu in seinem 1854 erschienenen Werk L'alchimie et les alchimistes (»Die Alchemie und die Alchemisten«):

Valentin Andreae möchte mit dieser philosophischen Assoziation eine Prophezeiung verkünden, die aus den Werken des Paracelsus spricht. Als fanatischer Anhänger der Lehren dieses berühmten Mannes, hatte Andreae beschlossen, einer der Aussagen dieses Meisters besondere Bedeutung zuzuschreiben. Tatsächlich schrieb Paracelsus im 8. Kapitel seines Buches der Metalle: 'Gott wird uns erlauben, eine Entdeckung von größerer Bedeutung zu machen, die bis zur Ankunft des Elias Artista verborgen bleiben muss'.

Entwückung des Proheten Elias - ewigeweisheit.de

Aufstieg des Propheten Elias und Szenen seines Lebens. Griechisch-Orthodoxe Ikone des Künstlers Theorodos Poulakis (1620-1692), ausgestellt im Byzantinischen Museum Athen.

In der Bibel finden sich Andeutungen darüber, dass Elias in der Endzeit gemeinsam mit Jesu Christi (der ihm folgt) wiederkehren werde.
Was Paracelsus prophezeite, war Elias' baldige Wiederkehr, nämlich vor der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), die damit ja gewiss als eine »Endzeit betrachtet« werden kann. Sehr wahrscheinlich, dass es sich hier um eine astrologische Berechnung Paracelsus' handelte, womit er ein prägnante Lichterscheinung am Nachthimmel meinte, die sich während einer Konjunktion von Saturn, Jupiter und Mars im Sternbild Schütze, im Jahr 1603 ergeben sollte. Astrologisch gesehen, ließe sich diese Art Konjunktion durchaus als Zeichen für eine Zeit der Erleuchtung deuten.
Ist es darum nicht eigenartig, dass Tobias Heß den Anbruch seines vermuteten Goldenen Zeitalters eben auf das selbe Jahr 1603 datierte?

War das etwas, worauf Johann Valentin Andrae vorbereiten wollte? Spielte dabei auch der Tübinger Kreis eine wichtige Rolle und erfolgte die Gründung der Geheimbruderschaft vom Rosenkreuz, um ihre Mitglieder auf die Ankunft dieses Elias Artista einzustimmen?

Für Paracelsus auf jeden Fall stand Elias Artista stellvertretend für den entrückten Propheten Elias im Alten Testament. Er war für ihn das Ideal eines Gesandten, durch dessen Ankunft auf Erden, kommende Generationen Erleuchtung und Glückseligkeit erfahren werden. Paracelsus sah in Elias den vollkommenen Adepten, der mit seiner Wiederkehr den Menschen Anteil haben lassen wird, an bisher nicht dagewesenem Wohlergehen.

Mit diesem Elias Artista aber, muss Paracelsus gar kein menschliches Individuum gemeint haben, sondern er verstand darin vielleicht eher eine Gruppe oder Vereinigung von Weisen, wie eben jene, die sich später dann in Tübingen, um Tobias Heß sammeln sollten. Gut möglich deshalb, dass Andreae den Orden ins Leben rief, um diese Prophezeiungen des Paracelsus tatsächlich zu erfüllen und in diesem Sinne die Paracelsische Tradition im Orden der Rosenkreuzer fortzuführen, in Vorbereitung auf die Wiederkehr des entrückten Propheten.

Eine universale Reform der Gesellschaft

Die Zustände im damaligen Deutschland und in Europa waren recht chaotisch. Eine Reform des religiösen Zusammenlebens stand unmittelbar bevor, wenn sie auch gewalttätig herbeigeführt werden sollte.

Der junge Andreae aber hoffte, dass diese Veränderungen auf friedliche Weise erfolgen würden. Sein Vorbild war Luther, dessen Erinnerungen in Deutschland noch immer jung und gegenwärtig waren. Wir hatten bereits die Vermutung angestellt, dass er, um diese Bestrebungen auch tatsächlich in eine sinnvolle Form zu führen, jene Gründung der Rosenkreuzer herbeiführen wollte.

Und trotzdem kann heute keiner behaupten zu wissen, in welchem Verhältnis Johann Valentin Andreae zur Bruderschaft der Rosenkreuzer stand oder ob er sie tatsächlich selbst gründete. Man bewegt sich da in einem Bereich vollkommener Unschärfe, zwischen einer eher geistigen, unsichtbaren Bruderschaft und dem Tübinger Kreis um Heß. Fest steht jedoch, dass Andreae mit seiner Chymischen Hochzeit zu dem, was als die ersten beiden Manifeste der Rosenkreuzer gilt, etwas beitrug, das man als die Gesinnung für ein neues Zeitalter beschreiben könnte. Es war eine umfassende Sichtweise, die sowohl philosophische, religiöse, künstlerische wie auch wissenschaftliche Ansätze zum Verständnis von Geist und Natur, auf ganzheitliche Weise zu erklären versuchte. Alle, die dieses Wissen erlangten, sollten sich dadurch selbst in ein kommendes, neues Zeitalter eingliedern können. Wie uns die Geschichte aber zeigt, erfolgte das ganz und gar nicht harmonisch, sondern im Grauen des Dreißigjährigen Krieges.

Niemand wusste damals, wer die Urheber der Rosenkreuzer-Manifeste gewesen sind. Unzählige Gelehrte jener Zeit, die auch auf die politischen Geschicke Einfluss nahmen, versuchten sich zu erklären, wer hinter diesen anonym erschienenen Schriften stand. Kaum verwunderlich, wenn die Fama, Confessio und Chymische Hochzeit, so großes Aufsehen erregten. Also versuchten manche mit den Rosenkreuzern in Verbindung zu treten. Andere verfassten Schmähschriften gegen sie. Wieder andere behaupteten selbst zu dieser Bruderschaft zu gehören.

Doch es gab einen Grund dafür, dass die Rosenkreuzer keine Adresse in ihren Schriften hinterließen: Sie wollten nicht als neue Obrigkeit Wissender, andere unterweisen müssen, wie dieses erhoffte, neue Goldene Zeitalter einzuleiten sei. Jeder sollte diesen universalen Vorgang in sich selbst durchführen, um damit jene, oben angedeutete »Geistige Kirche« zu gründen. Auf dieser Basis, sollte jeder für sich die utopische Vision einer Gesellschaft entwickeln, die zum Wohle aller entstehe und zu der er, als Wissender seinen Beitrag leiste.

 

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Einführung in die Confessio Fraternitatis

Einführung in die Confessio Fraternitatis

Confessio Fraternitats - ewigeweisheit.de

Die Confessio oder Bekenntnis der Gesellschaft und Bruderschaft des Rosenkreuzes, oder einfach - Confessio Fraternitatis - wurde im Jahr 1615, wie auch zuvor die Fama, anonym veröffentlicht. Es ist das zweite von drei Rosenkreuzer-Manifesten. Die Confessio weist erneut hin auf die Existenz einer geheimen Bruderschaft von Alchemisten und Weisen, die im Verborgenen an einer politischen und intellektuellen Umgestaltung Europas arbeitetet. 

Es geht in der Confessio um die sogenannte "Wahre Philosophie", durch die das erste, 1614 erschienene Manifest der Fama Fraternitatis sozusagen gerechtfertigt wurde. Sie ist eine Bekenntnis der Bruderschaft vom Rosenkreuz zu ihrer wichtigen Aufgabe, trotz dass die Rosenkreuzer bereits konfrontiert wurden mit vielen feindlich gesinnten Anschuldigungen.

Wir müssen demnach hier wohl anmerken und jedermann zu verstehen geben, dass Gott gewiss und eigentlich beschlossen hat, der Welt vor ihrem Untergang, welcher sich bald hernach ereignen wird, noch rechtzeitig eine solche Wahrheit, Licht, Leben und Herrlichkeit widerfahren zu lassen und zu geben, da doch der erste Mensch, nämlich Adam, das Paradies verloren und verscherzt hat und hernach seine Nachkommen mit ihm ins Elend verstoßen und vertrieben wurden. Alle Knechtschaft, Falschheit, Lügen und Finsternis werden also weichen und aufhören müssen, welche sich nach und nach mit den Umwälzungen der Weltkugel in allen Künsten, Werken und Regierungen der Menschen eingeschlichen und dies Leben zum größten Teil verdunkelt haben. Denn dadurch ist eine riesige Menge falscher Meinungen und irriger Glaubenslehren entstanden, welche auch den allerweisesten Menschen die Entscheidung und Wahl schwer gemacht haben, so dass nicht leicht unterschieden werden konnte, weil sie auf der einen Seite durch das Ansehen der Philosophen und gelehrter Leute, auf der anderen Seite aber durch die Wahrheit des Experimentes und der Erfahrung aufgehalten und irre gemacht wurden. All diese Irrtümer aber werden dereinst aufgehoben sein und wir erkennen dann, dass statt dessen eine richtige und gewisse Regel eingeführt wurde. So wird zwar denen, die sich darum bemühten, Dank gebühren, das ganze Werk als solches aber, wird der Glückseligkeit unseres Jahrhunderts zugeschrieben werden müssen.

Was die Fama Fraternitatis als die Reformation der Menschheit ankündigte, ergänzt die Confessio folgendermaßen:

Geradeso, wie wir nun gerne bekennen, dass viele vortreffliche Leute der zukünftigen Reformation mit Schriften nicht geringen Vorschub leisten, so begehren wir doch gar nicht, uns selbst diese Ehre zuzuschreiben, als wenn ein solches Werk uns alleine befohlen und auferlegt worden wäre. Vielmehr bekennen und bezeugen wir öffentlich mit dem Herrn Christus, dass sich eher die Steine erheben werden und ihren Dienst anbieten, als dass es an Ausführenden und Vollstreckern des göttlichen Rats mangeln wird. Zwar hat Gott schon etliche Botschaften vorhergesandt, die seinen Willen bezeugten, wie zum Beispiel etliche neue Sterne, die am Himmel in den Sternbildern der Schlange und des Schwans entstanden sind. Sie geben als hohe und wichtige Sache und durch kräftige Zeichen zu erkennen, wie allen Dingen, die von Menschen erfunden werden, die heimlich-verborgenen Schriften und Strukturen dienlich sind. Sie bezeugen, dass, obwohl das große Buch der Natur allen Menschen offen steht, dennoch nur sehr wenige vorhanden sind, die dasselbe lesen und verstehen können. Denn, gleich wie den Menschen zum Gehör zwei Organe, desgleichen auch zum Sehen zwei und zum Riechen zwei, aber nur eins zum Reden gegeben worden ist, und man die Sprache von den Ohren, die Unterscheidung aber der Stimmen und der Töne vergeblich von den Augen erwartet, so auch sind Epochen oder Zeiten gewesen, die gesehen haben. Es gab auch Zeiten, die gehört, gerochen und geschmeckt haben. Nun bleibt noch übrig, dass, mit der verbliebenen Zeit, auch der Zunge ihre Ehre gegeben werde, damit durch dieselbe das, was man vor Zeiten gesehen, gehört und gerochen hat, nun endlich einmal ausgesprochen werde. Dann nämlich wird, wenn die Welt von ihrem schweren Schlaf aufwachen und der neu aufgehenden Sonne mit geöffnetem Herzen, dem entblößtem Haupt und nackten Füßen fröhlich und freudig entgegen gehen.

Sicher lohnt sich bestimmt auch zu erwägen, dass die Confessio zu jenen Schriften gehört, die viel Aufregung in der gelehrten Welt Europas entfachte, was sicher nicht unbedeutend blieb für den nur vier Jahre später ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg.

Manche wollten um jeden Preis mit dieser wundersamen Gruppe der Rosenkreuzer Kontakt aufnehmen, um sich ihnen bekennend anzuschließen. Wohl deshalb kam es auch dazu, dass man die Confessio in verschiedene Sprachen übersetzte und mehrfach nachdruckte.

Damit wurde der Aufruf der Fama an die europäische Geisteswelt, die Verfasser zu kontaktieren, mit der Confessio wiederholt. Besonders tritt der Angriff gegen den Papst hervor, gleichzeitig wurde aber ganz deutlich auf das Lesen der Bibel verwiesen. Denn durch die dabei gewonnenen Erkenntnisse, solle sich dem Rosenkreuzer der wesentliche Zugang zur Geisteswelt eröffnen.
So waren die Rosenkreuzer also ganz im Gegenteil zu den Anschuldingungen iher Feinde, ganz und gar Christen, ja sahen sich für die Vertreter einer neuen, zeitgnössischen Christenheit überhaupt.

Text der Confessio Fraternitatis ...

Einführung in die Fama Fraternitatis

Einführung in die Fama Fraternitatis

Fama Fraternitatis - ewigeweisheit.de

Zentrale Figur der Fama Fraternitatis ist Bruder oder Vater C. R., den der Verfasser später im Text mit C. R. C. benennt. Obwohl jene Initialen offensichtlig den Namen des sagenhaften Gründers der Rosenkreuzer abkürzen, wird er als solcher in der Fama nicht erwähnt. Erst die 1616 erschienenen Schrift der Chymischen Hochzeit, könnten darauf hindeuten, welchen Namen die beiden Anfangsbuchstaben meinen: Christian Rosenkreuz.

Es geht in der Fama Fraternitatis zuerst um die Reise des jungen C. R. in die arabische Welt, wo er in Berührung kommt mit den esoterischen Weisheiten des Ostens und von Eingeweihten Männern, die ihn einführten in altes Geheimwissen über Physik, Mathematik, Magie und Kabbala. Manche sagen, der junge Christian Rosenkreuz kam damals in Kontakt mit den geheimnisvollen Brüdern der Reinheit, einer philosophischen Geheimgesellschaft, die wahrscheinlich im 10. Jhd. im irakischen Basra gegründet wurde. Ihre Mitglieder verfügten über umfassendes Wissen auf den Feldern der Theurgie und Esoterik. Wo er mit dier Gruppe in Kontakt gekommen sein könnte ist jedoch nicht eindeutig.

Auf seiner Reise aber kam Christian Rosenkreuz nach Syrien, reiste durch Ägypten, über das Mittelmeer ins marrokanische Fès und verbrachte auch Zeit mit spanischen Illuminati. Manche sehen in dieser besonderen Reise des jungen Christian Rosenkreuz einen Einweihungsweg und eine besondere Pilgerschaft, die gewiss an die Transmutation im Großen Werk der Alchemie erinnert.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, gründet C. R. mit anderen Genossen eine Geheimbruderschaft, aus der dann der Orden der Rosenkreuzer hervorging. Jene Brüder dieses Ordens gingen in die Welt, um ihre geheime Mission unter den Menschen zu verbreiten - insbesondere aber durch Hilfe ihrer esoterischen Weisheiten, heilten sie kranke Menschen, ohne dafür etwas zu verlangen.
Sie versuchten aber unerkannt zu bleiben und trugen deshalb auch keine besondere Tracht oder Kleidung, mit der sie sich wiederzuerkennen gäben. 
Einmal jährlich hielten sie ein geheimes Treffen ab im "Haus des Heiligen Geistes".

Eine Übereinkunft aus sechs Artikeln, galten der Bruderschaft C. R. als geheimer Bund zwischen ihren Mitgliedern:

1. Dass sich keiner von ihnen zu etwas anderem bekenne, als Kranke zu heilen, ohne dafür Lohn zu verlangen.
2. Keiner ihrer Nachkommen durfte gezwungen werden, bestimmte, kultische Gepflogenheiten einhalten zu müssen, sondern verpflichtete sich vielmehr den Bräuchen des Landes zu folgen.
3. Jedes Jahr am Tag C. trafen sich die Brüder des Rosenkreuzes im Haus des Heiligen Geistes oder teilten schriftlich mit, wieso sie nicht teilnehmen konnten.
4. Jeder der Brüder sollte jemanden finden, der es wert war ihn nach seinem Tode zu vertreten.
5. Das Wort C. R. sollte für ihr Los, Zeichen und für ihre Rolle stehen.
6. Die Bruderschaft sollte für einhundert Jahre im Verborgenen bleiben, bis sie sich zu erkennen gäbe.

Ursprünge der Fama Fraternitatis

Die Fama Fraternitatis wurde im Jahre 1614 anonym in Kassel veröffentlicht. Ihr Inhalt gab ein politisches Programm wieder, das auf die Institutionalisierung neuzeitlicher Wissenschaft und Kunst abzielte. Jene Schrift aber besaß insbesondere eine hermetische Konnotation.
Zu damaliger Zeit waren die Gelehrten in Europa zerstritten, wozu jene Weisen einen Kontrast bildeten, die Christian Rosenkreuz antraf, auf seiner Reise durch den Orient, Nordafrika und Spanien.
Man kann heute davon ausgehen, dass die Fama vermutlich in Tübingen entstand. Auf ihr Entstehen nahm der württembergische Mathematiker und lutherische Theologe Johann Valentin Andreae (1586-1654) einen erheblichen Einfluss aus. Das erste Manuskript sollte ursprünglich eigentlich nur in privaten Kreisen zirkulieren. Mit der Veröffentlichung aber, entwickelte die Fama Fraternitatis ein Eigenleben.

Es kursieren jedoch auch eher mysteriöse Theorien über den wahren Ursprung der Fama, zumindest aber über die Entstehung der Legende um C. R. und die ursprüngliche Bruderschaft der Rosenkreuzer. Für den deutschen Theosophen und Freimaurer Franz Hartmann (1838-1912) etwa, wurde in der Fama hingedeutet auf einen Geheimbund von Übermenschen, die über Wunderkräfte verfügten, die Zukunft voraussagen konnte und die tiefsten Geheimnisse der Natur kannte, um damit etwa die Transmutation von Blei auf Gold zu erzielen. Ein Rosenkreuzer war für Hartmann ein spirituell Erwachter, das heißt jemand, der ein praktisches Wissen über die geheime Bedeutung von Rose und Kreuz erlangt hat.

Der Fama Fraternitatis folgte ein Jahr später, im Jahr 1615, die Veröffentlichung der Confessio Fraternitatis. Beide Werke werden offiziell Johann Valentin Andrae zugeschrieben. Man kann jedoch nicht sicher sagen, ob dass auch tatsächlich der Fall war. Dem schließt sich die Frage an, ob die Verfasser der Fama und der Confessio, ihr Werk tatsächlich ernst nahmen oder ob es eine rein polemische Abhandlungen war, über jene geheimnisvolle Bruderschaft der Rosenkreuzer. Und diese Annahme ist berechtigt, zumal die echte Rosenkreuzerei eigentlich immer nur auf mündlichen Überlieferungen bestand, deren Inhalte nur jene weitergaben, die sich zur Geheimhaltung verpflichtet hatten. Wer die Fama gelesen hat, weiß, das er darin nichts Erhebliches findet, zumindest nicht, was die esoterischen Elemente der wahren Rosenkreuzerei eigentlich sind.

Text der Fama Fraternitatis ...

Wer war Christian Rosenkreuz?

Wer war Christian Rosenkreuz?

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Wenn man über Christian Rosenkreuz spricht, geht es nicht in erster Linie um jemanden der ausschließlich in einem physischen Körper lebte. Es geht außerdem um eine Individualität die aus dem Verborgenen, auch ohne physischen Körper, durch ihre Ausstrahlung auch heute auf die Entwicklung der Menschheit wirkt - so zumindest glauben es zu wissen die Mitglieder der Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Neben seinem physischen Körper besitzt jeder Mensch auch einen feinstofflichen Körper, den man den Ätherleib nennt. Beide, physischer und ätherischer Körper, sind zu Lebzeiten eines Menschen miteinander verbunden. Im Augenblick des Todes aber löst sich der ätherische Körper vom physischen, wobei sich letzterer ja durch organische Prozesse allmählich auflöst. Auch der Ätherkörper entschwindet nach einer gewissen Zeit. Immer aber bleibt ein Teil dieses ätherischen Wesens als äußerst feine Substanz auf der Erde zurück. Besonders bei hohen Eingeweihten, wie etwa den Propheten und Heiligen, wirkt dieser Ätherleib aber weiterhin auf die Entwicklung der Menschheit.

So auch ging vom Ätherleib des des sagenhaften Christian Rosenkreuz, den wir im Folgenden C. R. nennen, eine große Wirkung aus, die tatsächlich bis heute auf unser Geistesleben einwirken könnte. Im Bestreben der Bruderschaft der Rosenkreuzer gilt es diese verborgenen Kraftwirkungen der Individualität des C. R. kennenzulernen und darüber das ewige, aus alter Zeit stammende Wissen wahrzunehmen. Die daraus strömende Weisheit wollen die Rosenkreuzer zugänglich machen - zum Nutzen des heutigen Menschen.

Was man heute die Bruderschaft vom Rosenkreuz nennt, nahm wahrscheinlich Mitte des 13. Jhd. seinen Anfang. C. R. aber deutete in seinem Werk an, dass sich in jedem Jahrhundert der Kraftstrom seines Wirkens, den gegebenen Umständen der Zivilisation anpasst. Das heißt, dass es in jedem Jahrhundert eine Thematik gibt, in der die geheime Lehre der ursprünglichen Rosenkreuzer, auf neue Art zum Ausdruck kommt.

Christian Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Bildnis des Christian Rosenkreuz

Vom Ursprung der Rosenkreuzer-Strömung

Das Bewusstsein der Menschen die im 13. Jhd. lebten war völlig anders geartert als unser heutiges. Bereits damals aber war die Fähigkeit zur Hellsicht sehr verkümmert, etwas das eigentlich jeder Mensch besitzt und von Geburt als geistiges Potential in sich trägt. Doch es kam zum vollkommenen Verschwinden dieser eigentlich urtypischen menschlichen Fähigkeit. Damit begaben sich die Menschen in eine tiefe Finsternis der Unwissenheit. Selbst hohen Eingeweihten fehlte der Zugang zu den spirituellen Welten. Statt also zu sehen, erinnerte man sich an das was man wusste. Nur so traf man eine Aussage über etwas das eintreten könnte – sei es physischer oder geistiger Art.

Es soll hier aber nicht der Eindruck entstehen, dass diese Entwicklung nur negativ war. Wie alles höhere Spirituelle, hatte auch sich dies als Teil des kosmischen Plans erfüllt. Denn erst durch dieses Ereignis konnte sich die intellektuelle und wissenschaftliche Kultur der Gegenwart ausprägen - eine Kultur, in der der Verstand die zentrale Rolle spielt. Die moderne Theosophie spricht hier von der fünften nachatlantischen Kulturepoche, in der sich die gegenwärtige Menschheit befindet.

Vorläufer der heutigen, war die griechisch-lateinische Weltkultur. Das sehen wir etwa an den noch immer verwendeten alten Begriffen, die sich insbesondere in den romanischen und angelsächsischen Sprachfamilien zeigen. Und da die Völker jener Sprachen begannen, sich seit dem Mittelalter über ihre Reichsgrenzen hinweg zu bewegen – teils durch Handel, doch leider auch durch Kolonialisierung – kann man heute in der Tat von geistigen Ausläufern sprechen, die sich um den gesamten Erdball hinaus bewegt haben, ihren Ursprung aber in der alten griechisch-lateinischen Kulturepoche haben.

In der alten griechischen Kultur existierte aber noch nicht das heutige verstandesmäßige Denken. Was sich jedoch aus der rationalen, verstandesbestimmten Kultur entwickelte, ist das, was man heute unter visionärem Denken versteht. Denn in der griechisch-lateinischen Kulturzeit fantasierte man nicht, als eher direkt in bewusster Verbindung zu stehen mit dem was gefühlt oder gesehen wurde.

Heute aber ist die Fähigkeit sich Dinge auszumalen, zu fantasieren und Visionen zu erzeugen, wohl unabdingbar geworden. Allmählich könnte darum auch die Fähigkeit des Hellsehens, langsam wieder in unsere Kultur zurückkehren, gewissermaßen als eine Fortentwicklung der Fähigkeit zur Vision.

Zur Entwicklung dieser hohen Fähigkeiten und dem Verstehen des innersten Wesens unserer Welt, begann aus dem Verborgenen eine Bruderschaft ihre besondere spirituelle Arbeit.

Ein katharischer Mönch in Thüringen

Im 13. Jhd. gründete sich im Verborgenen die Bruderschaft der Rosenkreuzer. Aus dem Kreis der häretischen Glaubensbewegung der Katharer, ging ein Weiser hervor, den wir oben als C. R. einführten. Er kam im thüringischen Germelshausen zur Welt, als Nachfahre eines verarmten Adelsgeschlechts. Jener Geburtsort des C. R. existiert heute nicht mehr auf der Landkarte, sondern verschwand angeblich über Nacht von der Erdoberfläche. Einige Legenden ranken sich um diesen Ort.

Die Eltern des C. R. aber waren einige der wenigen Initiierten, die die geheimnisvollen Lehren der Katharer bewahrten. Sie glaubten an die Wiedergeburt und die Befreiung von der selben, zur Erretung der Seele. Dies erfolgte durch das katharische Consolamentum, einer Geisttaufe die durch Auflegen der Hände erfolgt.

Es gibt jedoch keine genauen Daten oder Schriftstücke, die belegen könnten was im Folgenden gesagt wird. Denn was über die Herkunft des C. R. bekannt ist, wurde eigentlich nur mündlich weitergegeben, was kaum verwunderlich sein dürfte. Wie hätte etwas jemals anders erhalten bleiben können, das so vehement von der Kirche unterdrückt wurde? Zweihundert Katharer verbrannten 1244 in den Palisaden der Burg Montségur in Südfrankreich. So rabiat ging die katholische Inquisition gegen die Katharer vor. Auch die Gebäude der Katharer zerstörte man und verbrannte ihre heiligen Schriften.

Wer von ihnen also überleben wollte, verbarg sich und hüllte sein Wissen in tiefes Schweigen. Darum ist es heute nicht einfach, Beweise über das hier Gesagte vorzulegen. Was sich nach dem Untergang der Katharer später von ihrem esoterischen Wissen erhielt, wurde im Stillen, von Mund zu Ohr weitergegeben. Sicher aber sind die bis heute überlieferten Geheimnisse und Lehrer der Katharer nichts Erfundenes – hätten sich oberflächliche Geisteskonzepte doch niemals so lange erhalten können.

Ziemlich sicher entkamen einige der Katharer aus Südfrankreich, bevor sie der Inquisition der katholischen Kirche zum Opfer fielen. Einer von ihnen nun, sollte sich als Mönch in der Kapelle jener Adelsfamilie von Germelshausen versteckt haben. Doch auch hier dauerte es nicht lange, bis auch diese Familie wegen ihres häretischen Glaubens umgebracht wurde. Nur ihr jüngster Sohn konnte durch die Hilfe eben jenes Katharer-Mönchs, mit diesem in ein nahegelegenes Kloster fliehen. Dort nun wurde er aufgezogen und bereits als Kind eingeweiht in die Mysterien der Katharer.

Man könnte sagen, dass C. R., wie auch Jesus oder der Buddha, eine reale Person gewesen ist – auch wenn jene großen Individualitäten eine viel höhere sakrale Aufgabe auf Erden erfüllten. Dennoch ist auch ihre wahre Existenz kaum zu belegen und nicht durch eindeutige historische Daten gesichert. An ihrer Existenz und ihrem Wirken jedoch besteht kein Zweifel. Wie und aus welchem Grund auch, hätte jemand die bemerkenswerten und heiligen Hinterlassenschaften ihres Wirkens, in Form ihres riesigen spirituellen Weisheitskorpus, einfach nur erfinden sollen? Selbst wenn Jesus Christus oder der Buddha keine Einzelpersonen gewesen sind, hätte doch eine riesige Gruppe Eingeweihter an jenem durch sie entstandenen Werk arbeiten müssen, was, ohne die Führung eines zentralen Organs, hätte nie stattfinden können! Was vor Allem wäre der Grund für solch eine spirituelle Bewegung gewesen, zu der man gewiss ja auch die Rosenkreuzer zählen kann?

Ziel der Bruderschaft des Rosenkreuzes war ein neues Zeitalter einzuleuten, um den Menschen zu helfen sich aus der Finsternis der Unwissenheit zu befreien. Und in diesem Sinne musste etwas geschaffen werden, das diese Vision durch einen Mythos verhüllte. Man wusste eben, dass nur damit Aufmerksamkeit erregt werden konnte, was sich als Legende verbreitete - als etwas das in ein tiefes Geheimnis gehüllt war.

Die Erzieher des C. R.

An einem geheimen Ort in Deutschland, bildete sich eine Loge hoher, geistiger Individuen von zwölf Männern. Sie besaßen die Weisheiten der alten atlantischen Zeit, wie auch die uralten Weisheiten jener Völker, die die nachsintflutliche Kultur über Jahrtausende hinweg prägten. Sie vereinigten sich mit dem Ziel den Fortschritt der Menschheitsentwicklung zu fördern.

Sieben dieser großen Geister waren Reinkarnationen jener heiligen Rishis, durch die nach der Sintflut die Lehren aus der alten atlantischen Weltzivilisation überliefert wurden. Zu diesen sieben Weisen aber gesellten sich noch vier weitere Individuen, die zuvor als Hohepriester inkarniert, in den vier großen Zeitepochen unserer Menschheitsvergangenheit lebten. Einer von ihnen blickte zurück auf die alte indische Zeit des fernen Osten, ein anderer auf die alte persische Zeitepoche, der dritte auf die Zeit der alt-ägyptischen, alt-assyrischen und alt-babylonischen Epoche und der vierte auf die griechisch-lateinische Zeit, die ja unserer heutigen Kultur vorausging.

Gemeinsam vereinigten sie sich dann im 13. Jhd. zu einem auserwählten Kollegium. Zu dem aber trat noch ein zwölfter Weiser hinzu. Er war der, der das innerste Wesen der gegenwärtigen Kulturepoche kannte, in der, wie oben bereits angedeutet, der menschliche Geist wissenschaftlich und verstandesmäßig geprägt war. Ob es hier eine Verbindung zum Stauferfürsten Friedrich II. gab, sei dahin gestellt. Sicher jedoch das jene Mentalität die dieser Zwölfte besaß, noch bis in die Gegenwart hineinstrahlt und die Schwelle berührt zu einem neu anbrechenden Zeitalter.

So also trat damals dieses Kollegium zwölf großer Eingeweihter zusammen, um aber einen 13. in ihre Mitte aufzunehmen und ihn in ihre Weisheiten zu initiieren. Und eben dieser war der junge C. R., den der Katharermönch aus den Fängen der Inquisition errettet hatte.

Im Kreis der zwölf Weisen

C. R. wuchs in der Erziehung dieser zwölf Eingeweihten auf. Jedem der Zwölf galt es als Pflicht C. R. - dem 13. - die Essenz ihrer gesamten Weisheit, aus all den vorhergehenden und gegenwärtigen Zeitepochen zu übertragen. Jedoch geschah das abgesondert von der Welt im Verborgenen jenes Klosters. So konnte niemand anderes Einfluss auf den jungen C. R. ausüben, als nur das auserwählte Kollegium dieser zwölf Erleuchteten.

Auch wenn man sie als Christen bezeichnen kann, waren sie dennoch davon überzeugt, dass das damals gegenwärtige Christentum in Wirklichkeit nur die entstellte Wiedergabe einer wahren Christenheit war. Aus diesem Grund auch, hielten sie sich im Verborgenen auf. Ihre Anschauung des Christentums nämlich wäre der Kirche nur ein gefährliches Feindbild geworden. Doch die Kraft der darin vermittelten christlichen Weisheit hätte sich wegen seiner Wirksamkeit wohl ebenso schnell verbreitet, wie das, was die Katharer lehrten. Was aber mit jenen Eingeweihten geschah, durfte sich nicht wiederholen und musste sich darum im Verborgenen entwickeln.

Was der junge Mann in dieser Zeit im Kreise der zwölf Weisen erlebte, führte sein gesamtes Dasein in ein vollkommen anderes Leben. Er war in seinem alten Leben gestorben, und erfuhr seine eigentliche Aufgabe als christlicher Botschafter jener vor- und nachatlantischen Weisheiten, die ihm von den zwölf heiligen Männern zuströmten. Seine Lehrer erkannten, dass durch ihr Wirken, C. R. eine ebenso transformierende Lebenserfahrung machte, wie einst der Apostel Paulus von Tarsus, als er in Damaskus dem auferstandenen Christus begegnet war. Nicht nur absorbierte C. R. das Geheimwissen der zwölf Weisen, sondern es sollte sich daraus später das entwickeln, was man heute als das esoterische Christentum der Rosenkreuzer bezeichnet. Damit hatte der Junge nicht nur das Wissen jener zwölf Lehrer aufgenommen, sondern in sich umgewandelt in eine noch höhere Form der Weisheit: einem wahren Christentum, das sich vollkommen unterschied von jenem der Epoche, in der es sich bildete.

Im Wirken des C. R. und des Kollegiums der zwölf Weisen, wurde zusammengetragen wofür die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Welt stande. Aus den okkulten Weisheiten der Zwölf, reduzierte in einem symbolischen Tod jener 13. sein Wissen zu einer Essenz, aus der sich ein vollkommen neues, esoterisches Christentum bilden konnte. Was C. R. damit den Zwölfen aus ihrer Mitte her geoffenbart hatte, zeichneten diese auf, um es später auf geheimen Wegen unter jene zu bringen, die dafür bestimmt waren, es als ihre Nachfahren in den kommenden Jahrhunderten der Menschheit zu offenbaren.

Die Reisen des C. R.

Als C. R. fünfzehn Jahre alt war, brach er auf zu einer großen Reise. Ihn begleitete einer der Mönche jenes Klosters, in dem er damals Zuflucht vor der Inquisition fand. Ihn nennen die Rosenkreuzer den Bruder P. A. L. Angeblicher Grund für ihre Reise war der Besuch des Heiligen Grabes Christi in Jerusalem. In Wirklichkeit aber waren sie auf dem Weg zu einem Einweihungszentrum, von dem sie bereits wussten, wo es sich befand. Ihr Weg dorthin aber war nicht ungefährlich. Jeder der sich zu damaliger Zeit auf lange Reisen in ferne Länder begab, musste sich mit zum Teil negativen Eventualitäten abzufinden wissen.

Und so kam es leider auch, das in Zypern der Bruder P. A. L. verstarb. Doch C. R. blieb nichts als seine Reise fortzusetzen ins syrische Damaskus - jenes Ziel, dass er bereits bei seiner Abreise ansteuerte. Von seinem einstigen Retter in Germelshausen, wusste er, das diese Stadt sich auf dem Pfad der Einweihung befindet.

Zu dieser Zeit, die man auch das Goldene Zeitalter des Islam nennen könnte, war Damaskus eine Hochburg der Gelehrsamkeit. Viele Weise und Gelehrte aus dem alten Persien suchten in dieser Stadt Zuflucht vor den Reiterhorden der Mongolen, die damals aus Zentralasien nach Persien und immer weiter in den Nahen Osten vordrangen.

So fand der junge C. R. in Damaskus die Weisheiten des jüdischen Maimonides, erfuhr von der spirituellen Alchemie des Al-Ghazali und lernte durch die Schriften Al-Mazudis, die alte Geschichte der Welt kennen. Er meditierte wohl über Dschalladin Rumis Masnavi, jenem heiligen Buch der Sufis, worin er wohl auch den mystischen Pantheismus wieder fand, wie ihn auch seine katharischen Vorväter kannten.

Von hier setzte er seine Reise fort ins arabische Damkar. Verwunderlich war, dass man hier C. R. bereits erwartete. Man weihte ihn dort ein, in der geheimen Stadt der Königin von Saba, in die Geheimnisse einer Bruderschaft, die möglicherweise auch in Verbindung stand mit jenen Adepten, aus denen später die Bruderschaften der modernen Freimaurerei hervorgingen. Hier in Damkar fand C. R. das Liber Mundi (auch: Liber M) - das Buch der Welt - worin er das Wissen vom Wesen der Mineralien, Pflanzen und Tiere verzeichnet fand.

Für einige Jahre blieb er bei diesen arabischen Weisen, bevor er seine Reise nach Ägypten fortsetzte. Im Tempel zu Luxor empfing er wahrscheinlich eine Initiation in die Mysterien des Thoth, die vor etwa 3500 Jahren, dort im alten Theben durch den Priesterkönig Tutmosis III. eingeführt wurden. Nach seinem Aufenthalt in Ägypten aber reiste er zu Schiffe über das Mittelmeer in den Westen nach Fessanum - das marokkanische Fès. Es war ein Hort vieler Sterndeuter und Magier, wo C. R. wohl die Kunst der astrologischen Divination erlernte und in Berührung kam mit dem Wissen über die geheimen Naturkräfte.

Von Marokko aus setzte er über Gibraltar nach Spanien über, von wo aus er nach einiger Zeit schließlich nach Deutschland zurückkehrte.

Philosophisches Siegel der Gesellschaft der Rosenkreuzer - ewigeweisheit.de

Philosophisches Siegel der Gesellschaft der Rosenkreuzer

Die Gründung des Geheimordens der Rosenkreuzer

Sieben Jahre reiste C. R. durch die ganze damals bekannte Welt. Was er in diesen Jahren des Reisens lernte waren die gesamten Weisheiten der alten Welt. Als er dann nach Europa zurückkehrte, begann durch sein Wirken die eigentliche Arbeit der geheimen Bruderschaft vom Rosenkreuz.

C. R. aber war klar, dass seine akkumulierten Weisheiten und sein tieferes Wissen über die Mysterien, den Herzen der Menschen nur ganz langsam zugeführt werden durfte. Was geschieht, wenn solches Wissen auf einmal geoffenbart wird, führte schließlich zu den Greueltaten, die an den Eingeweihten der Katharer begangen wurden. Drum also erwählt er einen Kreis von Menschen, die ihm würdig erschienen in seine Weihseiten eingeweiht zu werden. Diese okkulte Bruderschaft war aber verpflichtet über die von C. R. erfahrenen Geheimnisse zu schweigen.

Er nahm derohalben aus seinem ersten Kloster, zu welchem er eine besondere Zuneigung trug, drei seiner Mitbrüder: G. V., Frater I. A. und Frater I. O., die mehr Kenntnis in den Künsten hatten, als viele ihrer Zeit. Diese drei verpflichtete er, recht zuverlässig, fleissig und verschwiegen zu sein, auch all das, wozu er sie anleitete, mit grosser Gewissenhaftigkeit zu Papier zu bringen, damit die Nachwelt, der die Offenbarung bestimmt war, durch keine einzige Silbe oder Buchstabe betrogen würde.

- Fama Fraternitatis

So also begann mit vier Personen das Wirken der Rosenkreuzer in Europa. Aus dieser ursprünglichen Gruppe entstand jene Bruderschaft, die dann über eine Zeit von drei Jahrhunderten im Verborgenen arbeitete. Auch nach dem Tod des C. R. setzte die Bruderschaft ihre Arbeit fort. Sie blieb dabei verbunden mit dem vollständig erhaltenen Ätherkörper ihres Gründers.

In ihrer Arbeit und der Erforschung des Wesens unserer Welt, veröffentlichten sie ihre Erkenntnisse in der folgenden Zeit. Erst Anfang des 17. Jhd. trat die Bruderschaft der Rosenkreuzer zum ersten mal an die Öffentlichkeit:

  • In 1614 erschien die Fama Fraternitatis (Ruhm der Bruderschaft), aus der man über die Lebensgeschichte des legendären Frater C. R. erfährt.
  • Ein Jahr später erschien die Confessio Fraternitatis (Bekenntnis der Bruderschaft) - das Eingeständnis ihres öffentlichen Wirkens - erschienen als »Confession oder Bekandnuß der Societet und Brüderschaft R. C. an die Gelehrten Europae«.
  • Im Jahre 1616 dann wurde die Die Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 veröffentlicht, worin in Form eines alchemistischen Romans, die Einweihung des C. R. und die Begründung des Rosenkreuzer-Schulungsweges beschrieben steht.

Fama und Confessio fanden in Europa gewaltigen Anklang. Seit der Veröffentlichung der Fama 1614, erschienen hunderte Drucke, worin die jeweiligen Verfasser mit der Bruderschaft vom Rosenkreuz Kontakt aufnehmen wollten. Andere wehrten sich vehement gegen diese Veröffentlichung, während wieder andere behaupteten selbst die Initiaten dieser geheimen Bruderschaft zu sein. Man könnte die Veröffentlichung der Fama darum zu Recht bezeichnen, als erste multi-nationale Geschichte eines geheimen Komplotts.

Ihre eigentlichen Geheimnisse hielten die Rosenkreuzer aber weiterhin vor dem profanen Geist ihrer Zeit verborgen. Erst weitere hundert Jahre später, sollte ihr esoterisches Wissen der Welt offenbart und in entsprechender Weise darüber gesprochen werden. So also kam es 1785 zur Veröffentlichung der Geheimen Figuren der Rosenkreuzer in Altona. Sie enthielten die gesammelten esoterischen Offenbarungen der Bruderschaft.

In den folgenden Jahrhunderten bildeten sich weltweit Gruppen, Bruderschaften und Kollegien, die im Sinne des C. R. ihre Arbeit am großen Weltprozess erfüllen sollten.

Das Rosenkreuz - ewigeweisheit.de

Die Rose und das Kreuz

Das Wirken des Ätherkörpers des C. R.

Durch die Arbeit der Rosenkreuzer blieb der Ätherleib des C. R. bis in die heutige Zeit hinein erhalten. Hiervon bezogen auch alle seine Schüler Kraft. Da sich seine ätherische Existenz in der Welt jedoch niemals aufgelöst hatte, inkarnierte C. R. in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder. Was die moderne Theosophie und Anthroposophie verkündete, wurde ebenfalls durch die Kräfte des Ätherleibs des C. R. unterstützt - so zumindest will es die Bruderschaft vom Rosenkreuz.

Ziel jener, die im Sinne dieser Gehemímbruderschaft arbeiten, ist jenen Ätherleib des C. R. zu energetisieren und daraus einen Einweihungskörper zu bilden, der für alle Menschen zugänglich ist. Wer aber die wahre Bruderschaft vom Rosenkreuz gegenwärtig bildet, darüber kann an dieser Stelle keine Aussage getroffen werden. Denn es ist wichtig zu wissen, dass in jedem Jahrhundert die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, dass die wahren Träger der geistigen Eingebungen des C. R., niemals öffentlich genannt werden. Nur die höchsten Eingeweihten unter ihnen wissen davon. Alles worüber wir heute sprechen können, ist das, was bereits hundert Jahre in der Vergangenheit liegt.

Doch woran liegt das?

Es ist ganz einfach: würden nämlich jene, die im Sinne der ursprünglichen Zwölf heute im Verborgenen agieren, ihre Existenz bekannt geben, wäre die Versuchung viel zu groß solchen Autoritäten eine begeisterte Heiligenverehrung entgegenzubringen. So etwas aber würde nur die Eitelkeit der Betroffenen reizen, was ihre eigentliche Arbeit jedoch zunichtemachten würde.

Ein zweiter, mindestens ebenso wichtiger Grund für die Verschwiegenheit jener zwölf weisen Häupter, ist sich gegen die okkulten astralen Attacken zu schützen, die fortwährend auf solche Individualitäten gerichtet sein würden. Daher also die Bedingung, dass erst hundert Jahre nach der Erkenntnis wichtiger esoterischer Fakten, davon auch gesprochen und darüber geschrieben werden darf.

So glauben also die Rosenkreuzer, dass die Ausstrahlungen des ätherischen Fortbestehens des C. R. auch in Zukunft noch dem Wohle der Menschheit dienen können. Je eher sich nach ihrer Lehre, die Menschen von jeglichem Autoritätsglauben lösen, desto eher werden sie den Ätherleib des C. R. erkennen können. Und je mehr sie sich dabei dieser großen Geist-Individualität nähern, desto mehr Kraft werden sie von ihr für ihre Arbeit empfangen können - zum Wohle aller Menschen.

Was bedeutet das Symbol von Rose und Kreuz?

Was bedeutet das Symbol von Rose und Kreuz?

Rose und Kreuz sind die symbolischen Erkennungszeichen des Kabbalisten und Alchemisten Frater Christianus Rosencreutz (1378-1484). Er gilt als der höchste christlichen Eingeweihte und ist laut Legende, Begründer des mystischen Ordens der Rosenkreuzer. Der Titel "Rosenkreuzer" bezeichnet das esoterische Christentum.

Zwar war Christian Rosenkreuz nicht der Verfasser, wird aber in den drei wichtigsten, aus dem 17. Jhd. stammenden, rosenkreuzerischen Schriften erwähnt: im Rosenkreuzer-Manifest Fama Fraternitatis (1614), in der Confessio Fraternitatis (1615) und in der Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz (1616).

Damit wir aber unseren geliebten Vater Frater Christian Rosenkreuz nicht vergessen, ist der selbe nach vielen müheseligen Reisen und übel angelegten treuen Informationen, wiederum nach Deutschland gezogen, welches er herzlich lieb hatte, all da, ob wohl er mit seiner Kunst, besonders aber der transmutatione metallorum (Umwandlung der Metalle) wohl hätte können prahlen, ließ er ihm doch den Himmel und dessen Bürger, den Menschen viel höher angelegen sein

- Aus der Fama Fraternitatis

Die Legende sagt, Christian Rosenkreuz erfuhr von den esoterischen Weisheiten des Mittleren Ostens, der Türkei, Arabiens und aus dem alten Persien. Dort begegnete er großen Meistern, die wahrscheinlich Sufis waren, bestimmt auch zoroastrische Hohepriester. Seine Reisen unternahm er vielleicht Anfang des 15. Jhd. Als er nach Europa zurückkehrte, gründete er die Bruderschaft des Rosenkreuzes.

Christian Rosenkreuz ließ einen Tempel errichten, den er das Haus des Heiligen Geistes (Templum Sanctus Spiritus) nannte. 120 Jahre nach seinem Tod, soll ein Mitbruder des Rosenkreuzer-Ordens, dort den vollständig erhaltenen Leichnahm gefunden haben. Er befand sich in einem heptagonalen Raum, der von Christian Rosenkreuz selbst als Studienzimmer errichtet wurde.

In der Crypta des Sarkophags fand er einen geheimnisvoller Satz eingraviert:

Jesus mihi omnia, nequaquam vacuum, libertas evangelii, dei intacta gloria, legis jugum
Jesus bedeutet mir alles, niemals leer, die Freiheit des Evangeliums, die unberührte Herrlichkeit Gottes, Joch des Gesetzes

Das war wohl als Hinweis gemeint, dass der Erbauer des Raumes ein Christ gewesen war. Dieser Raum soll sich im Innern der Erde befinden, was gewiss auch an das Motto der Alchemisten erinnert:

Visita Interiora Terrae Rectificando Invenies Occultum Lapidem
Siehe in das Innere der geläuterten Erde, und du wirst den geheimen Stein finden, die wahre Medizin.

Johann Valentin Andrae – ewigeweisheit.de

Johann Valentin Andreae (1586-1654).

Symbol des Rosenkreuzes

Das Rosenkreuzertum ist wahrscheinlich älter als das Christentum und hatte seinen Ursprung womöglich schon im alten Ägypten.

Oft wird das Kreuz mit dem menschlichen Körper assoziiert. Die Rose steht für die persönliche Entfaltung eines höheren Bewusstseins. Meist aber stehen die Lehren des esoterischen Christentums im Vordergrund. Als wichtigste Schrift seien hier wohl zu nennen, die "Geheimen Figuren der Rosenkreuzer".

Ursprünglich zeigt dieses Symbol ein hölzernes, manchmal ein schwarzes oder auch ein goldenes Kreuz, an dem sich eine weiße oder eine rote Rose befindet. Dieses Symbol steht für die Lehren der esoterischen Traditionen des Westens, deren zentralen Grundsätze auf den Lehren des Christentum basieren.
Andere sagen, die Rose stehe für die Stille, während das Kreuz ein Symbol für die Erlösung ist. Diese Befreiung aus den irdischen Kreisläufen zu entrinnen, dem widmeten sich die Rosenkreuzer. Sie lehrten und lehren der Menschheit, die Liebe Gottes, wie auch die edle Gesinnung ihrer Bruderschaft.

Wieder anderen galt das Rosenkreuz als Symbol menschlicher Fortpflanzung, die aber nicht auf irdisch-materieller, sondern auf geistiger Ebene erfolgt: da ist die Rose weiblich, das Kreuz aber männlich. Und da Wiedergeburt der Schlüssel zur geistigen Existenz ist, führte das zum Symbolismus von Rose und Kreuz. Beide Symbole stehen zusammen für die Erlösung des Menschen durch die Vereinigung seiner niederen, zeitlich begrenzten Erscheinung und der höheren, ewigen Natur.

Robert Fludd: Dat Rosa Mel Apibus – ewigeweisheit.de

Dat Rosa Mel Apibus – Die Rose gibt den Bienen Honig. Zeichnung von Robert Fludd (1574-1637).

Ursprung des Geheimordens von Rose und Kreuz

Die Legende der Rosenkreuzer geht zurück auf den Theologen und Sozialreformator Johann Valentin Andreae (1586-1654). Aus seiner Feder stammte wohl auch die "Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz". Doch die darin gewiss angekündigte Reformation ist nicht tatsächlich als Programm zu verstehen.

Der eigentliche Geheimorden der Rosenkreuzer wurde aber bereits im 14. Jhd. gegründet, als ein Collegium mystischer Heiliger. Ursprünglich erwuchs der Geheimbund aus den esoterischen Traditionen des Westens. Für diese aus dem Verborgenen wirkenden Bruderschaft, steht der symbolische Name "Christian Rosenkreuz". Seine Erscheinung im Mittelalter, sollte eine neue Phase des Christentums einleiten. Schließlich entwickelten sich Kultur und Menschheit weiter - was für die Rosenkreuzer darum auch in der christlichen Religion zu einem Wechsel führen sollte. Zwar gibt es keine offensichtlichen Verbindungen zu Martin Luther oder Huldrych Zwingli, dennoch aber scheint dieser christliche Zeitgeist zur Reformation der Kirche, wenn auch indirekt, beigetragen zu haben.

Was meinet ihr nun, liebe Leute, und wie ist euch zumute, nachdem ihr nun versteht
und wisst, dass wir uns zu Christo rein und lauter bekennen, den Papst verdammen, der
wahren Philosophie zugetan sind, ein christlich Leben führen und zu unserer Gesellschaft
noch viele andere, denen eben dieses Licht von Gott auch erschienen, täglich berufen,
einladen und anbieten?

- Confessio Fraternitatis XIII

Es heißt, der Orden der Rosenkreuzer agierte seit Anfang der Renaissance aus dem Verborgenen. Unter ihnen waren einige Genies aus der westlichen Welt, von denen manche auch Verbindungen zu den Freimaurern pflegten. Jene edlen Geister waren Literaten, Kulturschaffende, Politiker, Religionsoberhäupter und bekannte Wissenschaftler.

Der berühmte Arzt Paracelsus (1493-1541), den man auch den "Luther der Medizin" nannte, bezeichnete die Rosenkreuzer als von Gott "verzückt" und so "begeistert" in den Himmel erhoben wurden, wo sich Christian Rosenkreuz angeblich bis zum heutigen Tag aufhält. Kein Irdischer wusste was aus ihm wurde - und doch sah man ihn auch auf Erden wandeln.

Ende des 18. Jhd. sagte der deutsche Mystiker Karl von Eckartshausen (1752-1803) folgendes, über die Adepten des Rosenkreuzes:

Diese kleine Gruppe Heiliger, sind Kinder des Lichts, die den Kräften der Finsternis entgegen stehen. Sie mögen keine Mystifizierung und Geheimnistuerei. Sie sind offen und direkt. Nichts haben sie zu schaffen mit Geheimgesellschaften und irgendwelchen äußeren Zeremonien. Sie haben einen spirituellen Tempel, worin Gott gegenwärtig ist.

Geschichte des Tarot

Geschichte des Tarot

Die aus alter Zeit stammenden Bilder des Tarot sind voller Andeutungen und Geheimnisse. Es sind esoterische Symbol-Schlüssel, mit denen sich dem Suchenden die esoterischen Wissenschaften der Numerologie, Kabbala, Astrologie und Hermetik eröffnen. Der vielgestaltige Symbolgehalt des Tarot und die geistreiche Zusammensetzung seiner Abbildungen, machen aus ihm eines der besten Werkzeuge für die Selbsteinweihung in die okkulte Tradition.

Woher aber stammen diese Bilderschlüssel des Tarot? Was weiß man über ihre Geschichte und Bedeutung? Was ist ihr innerstes Mysterium?

Archetypen der menschlichen Psyche

Manchmal begegnet man an eigentümlichen Orten besonderen Figuren: in alten Kapellen, Gräbern, Höhlen, geheimen Gängen, in Grotten oder an wilden, unbewohnten Orten, lassen uns geheimnisvolle Bilder und Symbole aufmerken. Solche Symbole, wie man sie auch im Tarot findet, ähneln den archetypischen Bildern die uns nachts in unseren Träumen begegnen. Es sind Zeichen und Wegweiser auf den verborgenen Pfaden unserer Seele. Die Figuren des Tarot übersetzen solche Symbole für den Uneingeweihten. Durch ihre universale Bildsprache befördern sie eine für alle verständliche Ausdrucksform.

Für ein besseres Verständnis der Kartensymbole bietet die mystische Kabbala viele Hinweise. Beim Studium des kabbalistischen Lebensbaumes erkennen wir nach und nach auch die esoterischen Zusammenhänge der 78 Karten besser. Seine 22 Zweige korrespondieren mit den 22 Großen Arkana. Darum empfiehlt es sich diese Grafik eingehend zu studieren und über die darin abgebildeten Zusammenhänge zu meditieren.

Die Liebenden - ewigeweisheit.de

VI - Die Liebenden - im Rider-Waite-Tarot.

Die 78 Urbilder des Tarot sind Teil des kollektiven Unbewussten (ein Begriff den der schweizerische Psychologe C. G. Jung einführte). Sie sind der Teil der Psyche, der seine Existenz nicht persönlichen Erfahrungen verdankt, sondern sich im Wesentlichen aus Motiven und Traumbildern zusammensetzt, die ihren Ursprung in der Kulturgeschichte der Menschheit haben. Es sind Bilder die in allen Märchen, Mythen und Legenden, in allen Kulturen wiederkehren. Die Symbole und Bilder des Tarot bilden eine psychische Grundlage aller Menschen. Insbesondere die Bilder der Großen Arkana - wie die Hohepriesterin, der Herrscher (auch: Kaiser), die Herrscherin, die Liebenden, der Stern, der Mond, die Sonne, die Welt, um einige zu nennen - sind Archetypen die jedem Menschen irgendwann bekannt sind.

All diese Bilder in unserer Psyche fügen sich als verschiedene Seelen-Aspekte zu einer inneren Einheit. Wie bei einer divinatorischen Tarotlegung treten in der Seele einer Person jeweils andere dieser Aspekte in den Vordergrund. Der eine hat mehr von dem Einen, der andere mehr von dem Anderen.

Die vielen archetypischen Grundwesenszüge aus denen sich unsere Seelenwelt zusammensetzt, lassen sich in den Weisheitsbildnissen auf den Tarotkarten entdecken. So ist das Tarot ein universales System zur Selbsterkenntnis.

Tarocchi-Spieler - ewigeweisheit.de

"Die Tarocchi-Spieler" - Fresco im Casa Borromeo (Milan, Italien) aus dem Jahre 1440.

Geschichte des modernen Tarot

Neben seinem spirituell-initiatorischen Aussagewert hat das Tarot vor allem auch Bekanntheit erlangt als Zukunftsorakel. Seinen wahren Ursprung verdunkeln aber die Schleier der Geschichte. Man kann letztendlich nicht genau sagen, ob die Karten morgenländischen oder abendländischen Ursprungs sind. Ebenso geheimnisvoll ist die Etymologie seines Namens. Es gibt viele Theorien darüber, woher die Begriffe Tarot, Tarosh, Tarock oder Tarocchi stammen.

Immer wieder gab es Versuche den Namen des Spiels mit Orten in Verbindung zu bringen. So sollen die Karten erstmals in der Nähe des norditalienischen Flusses Taro aufgetaucht sein. Dem widersprechen aber andere Historiker, die den Ursprungs des Tarot in der marokkanischen Gelehrtenstadt Fez sehen wollen. Auch dem burmesischen Dorf mit dem Namen Taro wurde bereits die Ehre zuteil, für den Ursprungsort des Kartenspiels gehalten zu werden. Es folgen der See Tarok Tso im Hochland von Tibet, während andere altkluge Forscher den Ursprung der Karten bei den präkolumbianischen Maya ausmachen wollen.
Auch soll das Tarot ein Erbe des altchinesischen Spiels Chaturunga sein, auf das auch die Entstehung des Schachspiels zurückgeht. Da man für die Karten der großen Arkana oft die Bezeichnung »Trumpf« (von ital. Trionfi) verwendet, lautet wieder eine andere Theorie, dass das Tarotspiel eine bildliche Darstellung der mittelalterlichen Triumphzüge und christlichen Karnevalsmärsche sei. Für die Kirche allerdings waren Spielkarten einfach nur ein Werk des Teufels. Man sah in Kartenspielen Überbleibsel eines zu verachtenden Heidentums, das nur der teuflischen Belustigung dienen konnte, durchtrieben von schwarzer Magie und Hexerei.

Manche Tarot-Karten hinterlassen beim Betrachter tatsächlich einen ziemlich finsteren Eindruck, wie etwa der Tod, der Teufel oder der Turm, oder die Schwertkarten der kleinen Arkana im Rider-Waite-Tarot. Sicher hat das zu missgünstigen Ansichten geführt, so das das Tarot-Spiel der Öffentlichkeit vorenthalten blieb. Wenn es nicht von vornherein nur ästhetischen Ansprüchen genügen sollte, wie etwa das Kartendeck von Visconti, diente die exoterische Variante des Tarotspiels allein der Unterhaltung.

Ardhanari - ewigeweisheit.de

Ardhanarishvara (ardha = halb, nari = Frau, ishvara = Herr, „der Herr, der halb Frau ist“) ist eine Mischgestalt des Gottes Shiva mit seiner Gemahlin Parvati.

Die vier Farben des Tarot-Spiels

Um 1435 entstand in Norditalien das Tarocchi. Wie das heutige Tarot setzt sich das Tarocchi aus 78 Karten zusammen. Damals erhielten die Farbenkarten der kleinen Arkana ihre Symbole: Stäbe, Schwerter, Münzen und Kelche. Auf den ersten Blick scheint es sich um christliche Symbole zu handeln, die sich mit Jesus von Nazareth (Stab: Lanze des Longinus; Kelch: Abendmahlskelch) und Johannes dem Täufer (Schwert des Henkers; Scheibe: Teller der Salomé) in Verbindung bringen ließen. Wahrscheinlich aber sind diese vier Symbole Insignien einer noch viel älteren Zeit, da die Vierheit von Stäben, Kelchen, Schwertern und Münzen, in ähnlicher Form auch in alt-irischen Sagen als Knüppel, Schwert, Kessel und Stein vorkommt.
Sogar im fernen Tibet bilden die vier Symbole von Vajra (eine Art Donnerkeil), Schwert, Glocke und Lotus (manchmal auch das Rad), wichtige Symbole bei der Initiation im Vajrayana-Buddhismus. Es sind heilige Symbole universalen Charakters, die die vier Weltrichtungen andeuten, wie auch die vier Sonnenstationen im Jahr.

Aus den vier Farben des alten Tarot entstanden außerdem die vier Farben der heutigen 52 Karten des französischen und des deutschen Blatts:

  • Kelche: Herz - Rot
  • Schwerter: Pik - Schippe
  • Münzen: Karo - Schellen
  • Stäbe: Kreuz - Eichel

Über den Ursprung der Spielkarten

Nach heutigem Kenntnisstand kamen die ersten Kartenspiele aus Fernost nach Europa. Die Idee Spielkarten zu drucken war vermutlich inspiriert vom Papiergeld-Druck, den es in China seit der Tang-Dynastie im 7. Jhd. gibt. Auch Spielkarten aus China und Korea, lassen sich bis ins 11. Jhd. zurückdatieren. Zwar gibt es keine Hinweise, doch es ist möglich, dass sich die Hersteller europäischer Kartenspiele von ihren chinesischen Zeitgenossen inspirieren ließen. Wahrscheinlich brachten heimkehrende Kaufleute die Spielkarten aus Fernost nach Europa. Denn im Frühmittelalter kam aus China auch die Idee des Papiergeldes auf den Handelsruten zu uns.

Der Tod - ewigeweisheit.de

XIII - Der Tod - aus dem Tarot-Unikat von Jacquemin Gringonneur.

Es gibt auch eine indische Legende über den Ursprung des Kartenspiels. Die Frau eines Maharadschas soll für ihren Mann das Kartenspiel erfunden haben. Damit wollte sie ihm helfen, sich von seinen schlechten Angewohnheiten abzulenken. Als Vorlage für die vier Kartenfarben verwendete sie die Symbole der vierarmigen Hindugottheit Ardhanari, einer androgynen Gestalt, zur einen Hälfte Shiva (männlich) und zur anderen Hälfte Devi (weiblich). In ihren Händen hält Ardhanarishvara einen Dreizack (Stäbe), eine Trommel (Kelche), ein Schwert (Schwerer) und einen Ring (Münzen; als Bhairava-Shiva hält der Gott statt eines Ringes eine Schädeldecke). Manchmal wird auch der indische Affengott Hanuman mit ähnlichen Symbolen abgebildet.

Kartenfarben und das indische Kastensystem

Dem Mythos nach flohen die Gypsies (Roma, Sinti) im ausgehenden 14. Jhd. aus ihrer kriegsgebeutelten, zentralindischen Heimat und begaben sich nach Europa. Da sie aber seitens der Inquisition durch den Ruf der Gottlosigkeit diskreditiert wurden, wanderten sie von Land zu Land, um ihren Verfolgern zu entrinnen. Durch sie verbreiteten sich möglicherweise alt-indische Weisheiten im damaligen Europa und sie sollen es auch gewesen sein, die das vierfarbige Kartenspiel mitbrachten.

Die auf den Karten abgebildeten Tarotsymbole sollen von einer geheimnisvollen, verborgenen Schrifttafel stammen, die bis heute streng gehütet wird. Mit ihrem Ursprung werden oft die Farben des Tarot assoziiert, da sie den vier Varnas entsprechen: den vier Kasten, von denen sich die Vorfahren der Gypsies möglicherweise einst trennten (als die Dalit, die »Unberührbaren«).

Wenn die vier Tarotfarben tatsächlich auf das indische Kastensystem verweisen, ließe sich vielleicht folgende Zuordnung machen:

  • Priesterklasse der Brahmanen - Kelche,
  • Kriegerkaste der Kshatriyas - Schwerter,
  • Kaufleute der Vaishyas - Münzen,
  • Handwerker der Shudras - Stäbe.
Siebenerreihen des Tarot - ewigeweisheit.de

Drei Siebener-Reihen des Tarot (zusammengestellt aus dem Tarot de Marseilles).
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Die Arkana des Tarot

Von den 22 großen Arkana sagt man sie kämen aus Ägypten. Diese Theorie stammt ursprünglich von dem Theologen und Freimaurer Antoine Court de Gébelin (1719-1784). Diese Vortstellung verbreitete sich seit etwa 1781 in Europa.

Für den französischen Okkultisten Éliphas Lévi (1810-1875) stammten die 22 Tarot-Trümpfe aus der Geheimlehre der Kabbala, gibt es doch ebenso viele hebräische Buchstaben, von denen jeder einzelne, magische Eigenschaften hat. Er sprach von einer umfassenden Wissenschaft der Hieroglypen, denen die 22 Buchstaben zu Grunde lagen. Hinter jedem dieser Buchstaben stand eine göttliche Vorstellung, denen als Grundlage wiederum die Zahlen als perfekte Symbole dienten.

Der okkultistische Autor Arthur Edward Waite (1857-1942) suchte den Ursprung der Bilder der 22 Großen Arkana bei den Albigensern (Katharer), den jener Überlebende vom Montségur, Ende des 13. Jhd. in seinem sagenhaften Schatz gerettet haben könnte.

Gemeinsam mit den vielleicht aus Asien stammenden 56 kleinen Arkana auf jeden Fall, wurden sie zu den uns heute bekannten 78 Tarotkarten. Es könnte gut sein, dass das Tarot also erst in Europa seine bis heute erhaltene Form angenommen hat. Ziemlich wahrscheinlich wurden die Karten schon bei ihrem ersten Auftreten im 14. Jhd. zum Wahrsagen und als Schlüssel zur Entwicklung eines magischen Weltbilds verwendet. 

Eine erste schriftliche Erwähnung des Kartenspiels gibt es aus dem Jahre 1377: ein Mönch eines schweizerischen Dominikanerklosters in Brefeld, beschrieb die Karten als »genaue Abbilder der Weltordnung«. 1378 tauchen die Karten dann auch in Regensburg auf, wurden aber bald verboten. In Belgien werden im Jahre 1379 die Karten von Johanna Herzogin von Brabant gekauft. 1380 werden die Karten in Nürnberg wieder erlaubt, während man sie im französischen Marseilles, ein Jahr später als Teufelswerk wieder verbietet. In Florenz erscheint 1393 eine Liste von Spielen, unter denen die Karten als erlaubt aufgeführt werden. Es ist kaum anzunehmen, dass die Parallelität der historischen Phänomene der Ankunft »indischer Fahrender« (Gypsies, Zigeuner) und die rasante Verbreitung des Tarot, sowie anderen okkulten Gedankengutes in Europa, reiner Zufall waren.

Die Liebenden - ewigeweisheit.de

VI - Die Liebenden - aus dem Visconti Sforza Tarot von Bonifacio Bembo (1420–1477).

Um 1423 werden die Karten von St. Bernadin von Siena verurteilt und erneut verboten.

Trotzdem setzte sich im Volk die Nachfrage nach Spielkarten gegen den religiösen Widerstand durch. Gegen Mitte des 15. Jhd. gediehen Kartenmanufakturen in Italien, Frankreich, Deutschland und Belgien. Im Hinblick auf die Vielfalt der neuen Spiele und Spielkarten, die seit dieser Zeit entwickelt wurden, ist es erstaunlich, wie sich durch die Jahrhunderte hindurch, die komplexen und rätselhaften Darstellungen der Tarotkartenbilder, bis in die heutige Zeit hinein erhalten haben.

Im Auftrag Karls VI. von Frankreich gestaltete der Maler Jacquemin Gringonneur im Jahre 1392 drei vergoldete Kartenspiele, zum Zeitvertreib des Fürsten. 1392 war auch das Jahr, als Karl VI. leider seinen Verstand verlor!
Über Gringonneur heißt es, er hätte in Paris mit dem berüchtigten Alchemisten und Goldmacher Nicolas Flamel in Verbindung gestanden. So Gestalten wie Flamel, verfügten natürlich über ein ganz tief reichendes, esoterisches Wissen. Wer sich mit so jemandem traf, der muss eine wohl ebenso geheimnisvolle Person gewesen sein.

Gringonneurs Tarotset könnte sehr gut die Vorlage für spätere Spiele gewesen sein - wie z. B. das Visconti-Sforza-Tarot von Bonifacio Bembo, einem der ältesten erhaltenen Tarotspiele Europas. Das Visconti-Tarot besteht allerdings nur aus den 22 Symbolen der großen Arkana. Die italienischen Tarotkünstler des 15. Jhd. nannten die 22 großen Arkana - trionfi -, Trümpfe. Später hießen die Karten einfach »Tarocchi«, was das Spiel mit den 78 Karten bezeichnet. Aus Tarocchi leitet sich wahrscheinlich das französische, englische und deutsche Lehnswort »Tarot« ab.

Sol - ewigeweisheit.de

Sol - die Sonne - aus dem Tarot de Mantegna von Andrea Mantegna (1431-1506).

Ebenfalls Vorläufercharakter hat das Tarocchi di Mategna (um 1470). Es enthält belehrenden und erbaulichen Inhalt und wurde wahrscheinlich vom italienischen Kupferstecher Andrea Mantegna (1431-1506) geschaffen. Auch wenn es kein eigentliches Tarotspiel ist, lassen sich seine Bilder mit den Darstellungen der großen Arkana vergleichen. Albrecht Dürer (1471-1528) nahm die Mantegna-Karten als Vorbild für seine 21 Federzeichnungen, die heute bekannt sind als das »Albrecht-Dürer-Tarot«.

Ende des 15. Jhd. entsteht das Tarot des Marseilles, dessen Bilder sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen. Neben dem Rider-Waite-Tarot ist das Tarot de Marseilles zu einem Standard-Tarotset geworden, von dem es zahllose Varianten gibt.

Tarot und Freimaurerei

Immer wieder wurde die besondere Symbolik des Spiels Gegenstand intensiver Studien seitens spiritueller Logen. Man glaubte in den Karten Verbindungen zu den ältesten philosophischen Systemen der Menschheit zu finden. Da die Sichtweisen und Meinungen über den wahren Ursprung in den vergangenen 700 Jahren jedoch stark differierten, lieferten sich Esoteriker erbitterte Debatten über die wahre Bedeutungen der Tarot-Bilder. Eine Theorie besagt, dass das ursprüngliche Tarot, das kleine Arkanum bildet. Andere ließen nur die 22 großen Arkana als echtes Tarot gelten, während wieder andere behaupten, dass nur mit allen 78 Karten ein Tarotspiel »richtig« sei. Auch wenn sich letztere Variante durchgesetzt hat, unterscheidet man zwischen 22 großen und 56 kleinen Arkana (lat. arcanum: Geheimnis).

Der Magier - ewigeweisheit.de

I - Der Magier - aus einem Tarot-de-Marseilles-Deck des Künstlers Jean Dodal (Lyon).

Im 18. Jhd. interpretierte man das Tarot völlig neu. Mit der damals aufkommenden, jahrzehnte dauernden Okkultismuswelle, gab es eine regelrechte Flut an Neugründungen geheimwissenschaftlicher Bünde und Bruderschaften. Der Theologe und Alchemist Samuel Richter gründete 1710 den Orden des Gold- und Rosenkreuzes. 1767 organisierte sich um den Franzosen Martinès de Pasqually (1727–1774) der freimaurerische Martinistenorden. 1776 wurde in Ingolstadt der Illuminatenorden von Adam Weishaupt gegründet. Es war auch die Zeit der legendären Grafen Cagliostro (1743-1795) und Saint-Germain (1710-1784).

An anderer Stelle haben wir bereits über Antoine Court de Gébelin gesprochen. Er gilt als Vater des esoterischen Tarot. Für Gébelin waren die Tarot-Bilder Nachbildungen des geheimnisvollen Buches Thoth (Thoth, auch Toth oder Tehuti, war der alt-ägyptische Gott der Magie, der Schreiber und der Wissenschaften). Damit traf Gébelin den Nerv der Zeit, denn damals wurde dem Land der alten Ägypter eine wachsende Aufmerksamkeit entgegengebracht.
Jeder wollte die Bilder dieses außergewöhnlichen und kostbaren Buches kennenlernen. So wurde Gébelins Theorie populär und fand zahlreiche Unterstützer. Für Gébelin bewahrten die Tarotbilder die uralten Weisheiten der alt-ägyptischen Kultur. Sie warteten nur darauf, so Gébelin, eingeweihten Augen ihre Geheimnisse preiszugeben. In seinem 1781 erschienen Werk »Le Monde Primitif« schrieb er:

Das Tarot ist rein ägyptischen Ursprungs. Seine 22 großen Arkana aber können nur Eingeweihte deuten.

Etteilla - ewigeweisheit.de

Etteilla: Pseudonym des Franzosen Jean-François Alliette (1738-1791).

Das erste Tarot-Buch

Jean-François Alliette (1738-1791), ein Pariser Barbier und Perückenmacher, war der erste Autor, der 1783 zu den Bildern des Tarot ein Buch mit Erklärungen verfasste. Unter dem Pseudonym »Etteila« (der Name Aliette, rückwärts geschrieben) veröffentlichte er bis 1787 verschiedene Bücher und Tarotspiele oder versah sie mit einigen Neuerungen. In einem seiner Bücher behauptet er, dass er angeblich die genauen Entstehungsjahre des Buches Thoth kenne: 1828 Jahre nach der Erschaffung der Welt und 171 Jahre nach der Sintflut. Diese und andere seiner Geheimlehren waren über Jahre in der französischen Okkultszene sehr populär. Alliette war außerdem der erste professionelle Kartenleger Frankreichs.

Das Tarot im 19. und 20. Jahrhundert

Alphonse Louis Constant (1810-1875), besser bekannt unter dem Namen Eliphas Levi, war ein französischer Diakon, Schriftsteller und Zeremonialmagier. Er gilt als Wegbereiter des modernen Okkultismus. In seinem 1854 erschienen Buch »Dogme et Rituel de la Haute Magie« (Dogma und Ritual der Hohen Magie) bezeichnet er das Tarot als wichtigste Informationsquelle zur Erklärung esoterischer Geheimnisse. Laut Levi sollte ein Gefangener der nichts als ein Tarot besäße, mit dem er sich ausgiebig beschäftigt, die Möglichkeit haben ein Kenner seiner selbst, der Welt und der Götter zu werden. Er fand zudem, dass die Tarotkarten sehr eng mit dem System der Kabbala zusammenhängen. Die 22 großen Arkana waren mit den 22 hebräischen Buchstaben, die vier Farben der kleinen Arkana mit den vier alchemistischen Elementen und den vier Buchstaben des göttlichen Namens JHVH verknüpft. Mit seinem Wissen über das Tarot, die Kabbala und die Magie, beeinflusste Levi ganz maßgeblich die Entwicklung der New Thought Bewegung im 19. und 20. Jhd. Seine Einflüsse finden sich in den Schriften Helena Blavatskys, seine Lehren durchdringen die Schulen des französischen Okkultismus (Papus) und durch die Übersetzung seiner Schriften ins Englische, gelangte er auch in die Kreise des Golden Dawn.

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Das Ass der Kelche im Rider-Waite-Smith-Tarot.

Levis Schriften beeinflussten die Arbeiten des schottischen Freimaurers Samuel Liddell Mathers und Dr. Wynn Wescott. Auch der amerikanische Freimaurer Albert Pike zitiert in seinem Buch »Morals and Dogma« passagenweise aus dem »Dogme et Rituel de la Haute Magie« von Eliphas Levi. Das Golden-Dawn-Tarot Mathers' unterschied sich allerdings von dem Levis', schon alleine deshalb, weil er die Karte »Der Narr« nicht als 22. Karte nummerierte. Stattdessen setzte er sie an den Anfang der Folge mit der Ziffer 0, was später von Edward Arthur Waite und Aleister Crowley übernommen werden sollte.

Im Jahre 1910 veröffentlichte Waite, einstiges Mitglied des Golden Dawn, sein berühmtes Rider-Waite-Tarot. Die Illustrationen der 78 Karten malte die englisch-jamaikanische Künstlerin Pamela Colman Smith. Dieses Set bildet heute das weltweit gängigste Tarotspiel. Es ist das erste Tarot, das die bildliche Darstellung kunstvoll ausgearbeiteter Szenen, auch auf die kleinen Arkana ausdehnte. Damit erweitereten Waite und Coleman Smith die ursprünglich einfache, formale Anordnung der Farbenzeichen, wie sie etwa im Tarot de Marseilles dargestellt wurden.

Zu den originellsten und ungewöhnlichsten Tarotspielen gehört das von Aleister Crowley und Lady Frida Harris entworfene »Book of Thoth«. Crowley trat 1898 dem Golden Dawn bei, geriet später jedoch mit Mathers aneinander und gründete daraufhin im Jahre 1905 den Orden des Silbernen Sterns. Sein Tarotspiel wurde 1944 in London gedruckt. Zwar basiert es auf den Zuordnungen des Golden Dawn, die Abbildungen und Namen modifizierte Crowley aber nach seinem eigenen System. Das die Kartendecks des Rider-Waite-Tarot oder des Tarot de Marseilles, heute populärer sind als Thoth-Tarot, mag möglicherweise daran liegen, dass Crowleys teils extreme Ideen von anderen Okkultisten abgelehnt wurden.

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Pamela Colman Smith (1878-1951): Die Illustratorin des Rider-Waite-Tarot.

Crowley führte in seinem Tarot-System eine Neuerung ein: Da jede der 22 großen Arkana jeweils einem hebräischen Buchstaben entspricht, können die einzelnen Karten in die 22 Pfade des kabbalistischen Lebensbaumes integriert werden. Damit ist Crowleys Kartenspiel nicht nur ein divinatorisches Werkzeug, sondern bildet ein Einweihungssystem und eine Methode zur Selbsterkenntnis.

Die Smaragdene Tafel von Thoth dem Atlanter

Zusammenfassend ließe sich sagen, dass wahrscheinlich indische, ägyptische und jüdische Geheimlehren zur Entwicklung der Tarotkarten beitrugen. Trotzdem lässt sich die tatsächliche Herkunft des Tarot nicht eindeutig einem Ort auf der Erde zuordnen. Vielleicht existiert der Ort seines Entstehens heute nicht mehr auf der Erde. Laut mancher Legenden soll das Land wo einst die Bilder des Tarot entstanden, mit der Sintflut verschwunden sein. Der geheimnisvollen Akasha-Chronik können manche Medien entnehmen, dass die Priester von Atlantis kurz vor dem Untergang des Kontinents, all ihr Wissen in Form von Bildern festhielten. Wollten sie diese Bilder vor dem Vergessen bewahren?

In grauer Vorzeit, so heißt es, erfand der ibisköpfige Gott Thoth die Schrift und gravierte sie in die Smaragdene Tafel (Tabula Smaragdina). Damit gab Thoth den Menschen alles Wissen , dieser Welt. Die Eingeweihten sollten dieses Wissen bewahren und bewachen. Die auf Papyri gemalten Symbole und Zeichen bilden das »Buch des Thoth«. Schon Apollonius von Tyana, wie später auch Raymondus Lullus, nahmen in ihren Schriften Bezug auf dieses uralte Buch.

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Aleister Crowley (1875-1947): Erschaffer des Thoth-Tarot (1935).

Jenes sagenhafte Werk des altägyptischen Schreibergottes Thoth bezeichnete Antoine de Gébelin als esoterisches Unterweltsbuch. Darin sei eine Landkarte der Unterwelt wiedergegeben, auf der sich sieben Tore befinden, die von sieben Torhütern bewacht werden, die der Jenseitsreisende (verkörpert in der Karte »Der Narr«) durch sieben Losungsworte passieren darf. So kann er das sagenhafte Totenreich der Göttin Amentet betreten und daraus auch wieder ins Diesseits zurückkehren. Im Totenreich kostet er von der Milch sieben heiliger Kühe, überwindet zweimal sieben Hügel und durchschreitet dreimal sieben Pforten, um in der Unterwelt, zur strahlenden Sonne des Osiris zu kommen.

Diese Siebener-Reihen (7, 14, 21) waren für Gébelin ganz eindeutig dreimal sieben Einweihungsstufen, die der Neophyt auf dem Weg zur Meisterschaft durchschreiten muss. Jede dieser Stufen repräsentiert eine der Karten des Großen Arkanums.
Auf der 21. Stufe (im Tarot die Karte »Die Welt«) erhielt er schließlich ein allumfassendes Bewusstsein, mit dem er als Erleuchteter in die diesseitige Welt zurückkehrte.

Ewige Weisheit aus Kabbala und Vedanta

Sieh in allen Dingen nur eines, denn das Zweite führt dich in die Irre.

- Kabir

Hinter dem Wesen unserer Seele befindet sich etwas, das mit der Wirklichkeit des Göttlichen identisch ist. Eine Bestimmung des menschlichen Lebens mag sein dies zu erkennen. Alles was in dieser Welt und in der unsichtbaren, jenseitigen Welt existiert, besitzt ein Zentrum und ist doch zugleich grenzenlos. Gott transzendiert alles Menschsein und ist ihm doch immanent.

Je mehr Er in den Dingen ist, desto mehr ist Er außerhalb von ihnen; je mehr Er im Inneren ist, desto mehr ist Er draußen.

- Meister Eckhart

Immer wieder ließe sich über solch anscheinenden Widerspruch nachgrübeln. Wie nämlich kann etwas das Sein überflügeln und zugleich in ihm lebendig sein? Nach dem Verständnis der Sophia Perennis liegt der Grund für diese Paradoxie allein am Urteil und dem Wunsch des Menschen zu unterscheiden.

Das Studium der Sophia Perennis kann ganz gleich aus welcher Richtung begonnen werden. Manche finden zur Sophia Perennis über die praktischen Wege, über Moralvorstellungen wie sie uns etwa Bibel, Koran oder auch die Veden liefern. Das ist der Zugang der sich dem Suchenden von oben her öffnet - der vordergründige und oberflächliche Weg. Der Zugang "von unten" ist der Weg der Philosophen, jenen, die dazu berufen sind über Gott, den Menschen und die Welt nachzusinnen. Den mittleren Weg gehen nur die Mystiker. Es ist der Weg, der den Suchenden zur wahren Erkenntnis der Ewigen Weisheit führt.

Sufis, Kabbalisten, Rosenkreuzer, die Yogis des Vedanta, die Sant (indische Heilige), die Zen-Buddhisten und viele andere Geistesschulen, üben sich in kontemplativer Praxis, um ihre Aufmerksamkeit auf den Kernpunkt ihres wahren Selbst zu richten. Es geht ihnen nicht nur um das wissenschaftliche, psychologische Verstehen des Ich, sondern um die Erkenntnis des ewigen Selbst, das ein Teil des göttlichen Urgrunds, ja mit ihm sogar identisch ist.

Diese Suche nach Selbsterkenntis in der Sophia Perennis, kommt am treffendsten mit dem Satz "Das bist Du" zum Ausdruck - auf Sanskrit "tat twam asi".
Das ewige, immanente Selbst des Menschen, das im Sanskrit als Atman bezeichnet wird, ist eins mit dem Brahman, dem göttlichen Selbst. Diese geheime Tatsache zu entdecken, ist wohl eine Bestimmung aller Mystiker.

Die Erkenntis wer der Mensch und was das Selbst eigentlich ist, erübrigt alle Dogmen, moralische Regelwerke und Gebote. Denn derjenige der weiß, dass sein Wesenskern ebenso ein Teil der universalen Einheit des Göttlichen ist, für den wäre es absurd zu glauben, dass er getrennt von seinem Nächsten sei.
Er erkennt in allen Dingen jenes übernatürliche Wesen, das mit seiner großen, unbeschreiblichen transzendenten Mächtigkeit alles durchdringt.

Über das Empfangen der Geheimlehren

Moses empfing die Tora am Sinai und übergab sie Joshua, Joshua den Ältesten, die Ältesten den Propheten, und die Propheten übergaben sie den Männern der großen Versammlung

- Aus der Mischna, Sprüche der Väter

In den Geheimlehren des Westens, steht das Wort Kabbala (קבל) für dieses »Empfangen«. Es ist die älteste philosophische Schulrichtung der Buchreligionen des Westens.

Vedanta (वेदान्त) ist ein Wort im Sanskrit und bezeichnet die bekannteste Schulrichtung der indischen Philosophie. Wörtlich übersetzt bedeutet es »Erweiterung zum Wissen« und bildet ein Appendix zu den heiligen Veden (von sanskr. »Veda«, Wissen). Es handelt sich dabei um geheimwissenschaftliche Abhandlungen, deren Texte die Belehrungen eines religiösen Meisters, eines Gurus schildern.

In beiden philosophisch-religiösen Schulen, der Kabbala im Westen und dem Vedanta im Osten, wurzeln die Weisheiten des Judentums, Christentums, des Islams, des Hinduismus und auch des Buddhismus. Kabbala und Vedanta verweisen also auf einen weiten Bedeutungshorizont, aus dem für einen Eingeweihten die geheimen und mystischen Überlieferungen aufsteigen. In eigentlich allen geheimwissenschaftlichen Schulrichtungen finden wir viele Berührungspunkte, die auf grundlegenden Gemeinsamkeiten in allen Religionen, Philosophien und spirituellen Traditionen hindeuten.

Menschen in der Tradition der Sophia Perennis wissen, dass es unzählige Analogien religiös-esoterischer Überlieferungen der Kulturen in West und Ost gibt. Sie versuchen die in allen Traditionen unseres Globus existierende ewige, innere Weisheit zu betonen, die sich als kulturelle Urtradition bis in unsere heutige Zeit hinein erhalten hat und auch in Zukunft fortbesteht. Die Sophia Perennis fasst in sich die unveränderlichen Wahrheiten, Formen und Prinzipien zusammen, die wir in Philosophie, Religion, Mystik und Metaphysik als universale Weisheitsdoktrin finden.

Von solch absoluter Wahrhaftigkeit erfüllt ist es Agia Sophias Glück, sich an allen spirituell-esoterischen Weisheiten zu erfreuen, seien sie aus dem Christentum, Islam oder Judentum, Hinduismus, Sikhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus, Paganismus, Druidentum oder Schamanismus. Die Ewige Weisheit gleicht, sinnbildlich gesprochen, der Süße jener Äpfel, die auf den mythischen Bäumen aller spirituellen Weisheiten reiften, und uns bis heute in den Kulturen der Menschheit erhalten geblieben sind. Agia Sophia führt uns in diesen heiligen Apfelhain und will dort ihre Früchte mit uns teilen.

Wie Anfangs angedeutet geht wahre Spiritualität aus von einem gleichzeitig immanenten und transzendenten Geist. Indem sich der Mensch auf eine innere Suche begibt, gelangt er durch diesen Geist auf den Pfad zur Freiheit, der aus der Dualität der Gegensätze in die Einheit (zurück)führt. Auf diese Weise kann das Individuum diesen ewigen Geist (Gott, Brahman, Tao, Allah, Elohim, Manitu, usw.) in seinem Innern empfinden und sich allmählich aus den Verstrickungen des Leids befreien. So wird einer zu einem mitfühlenden Menschen, der zum Wohle aller Lebewesen auf unserem Planeten Erde denkt, spricht und handelt.