Philosophie

Zu sterben ist das Natürlichste der Welt

von S. Levent Oezkan

Gevatter Tod - ewigeweisheit.de

Der amerikanische Schriftsteller und Staatsmann Benjamin Franklin (1706-1790) meinte einmal, dass nichts in dieser Welt sicher sei, außer dem Tod. In unserer modernen Gesellschaft aber scheint man diese Wahrheit am liebsten totzuschweigen.

Viele, ja eigentlich die meisten von uns, verlegen ihren Tod in die ferne Zukunft. Sterben tut man angeblich irgendwann einmal, und ich könnte mir darum vorstellen, dass der einen oder dem anderen es bereits hier schon mulmig wird und er zu lesen abbricht.

Besonders auch in der sogenannten "Esoterik-Szene", wenn es etwa um das geht, was man da als "Einweihung" bezeichnet, meinen viele von etwas zu erfahren, dass sie dann automatisch zu einem Wissenden macht. Doch eine "Wissende" oder ein "Wissender" zu sein, ist nicht etwa jemand der viel weiß. Sind Weisheit und Wissen etwa das Selbe? Und was ist Weisheit, als ein tiefgehendes Verstehen, eine intuitive Gewissenheit über das Wesen des Lebens.

Wer aber will das Leben begreifen, der nicht auch seinen Tod akzeptiert? Sterben können wir jeden Augenblick, auch wenn das sehr unwahrscheinlich klingen mag. Doch keiner weiß, was unseren Heimgang in den ewigen Schlaf einleitet. Man kann sich den eigenen Tod nur denken, als einen stetigen Begleiter, der da unsichtbar, rechts neben einem schleicht.

Was die Menschen in den Mysterien-Religionen der Antike als Einweihung erfuhren, dass war eine Vorwegnahme des Todeserlebnisses. Da wurden Menschen eingesperrt oder es geschahen vor ihren Augen so schreckliche Dinge, dass Sie wussten, jetzt geht es auch an meinen eigenen Tod und spürten da im Nacken ein Rufen, dass ihnen deutlich zu wissen gab:

Das ist vielleicht Dein Ende, los, schnell weg hier, Du musst hier raus, oh gewiss wirst Du gleich sterben.

Wenn die Teilnehmer an den Mysterien-Ereignissen unter Todeseid schwören mussten, mit keinem darüber zu sprechen, dann wurde da nicht etwa irgend etwas verheimlicht. Es war schlicht unmöglich, zumal es eine Erfahrung war, in der sich wohl die Seele, wenn auch nur ganz kurz, von ihrem "Montagepunkt" am sterblichen Körper ein wenig entfernte.

In solch Mysterien-Einweihung wurde dem Initianden ganz und gar deutlich, was der Lauf der Dinge, was der Lauf der Natur seiner Inkarnation bedeutet. Er wusste dass er jederzeit sterben kann und weder er, noch irgend jemand sonst davor sicher ist. Gevatter Tod: früher oder später kriegt er jeden. Und das ist auch wichtig.

Sicherlich ist es traurig wenn jemand stirbt, oft sogar sehr tragisch und in den wenigsten Fällen etwas Schönes oder gar Romantisches. Immer aber ist der Tod etwas Alltägliches – so gewöhnlich wie dass die Sonne im Osten untergeht und es danach dunkel wird.
Man stelle sich vor: niemand würde mehr sterben. Wäre das nicht bald eine ganz schlimme Sache? Was bliebe da denn noch als Elend, Leid und schlimme Kriege um das, was da noch für die Lebenden bliebe?

Und trotzdem haben viele Menschen Angst vor dem Tod und verdrängen seine alltägliche Realität konsequent in die Zukunft, trotz dass täglich, ja eigentlich jede Sekunde, irgendwo auf der Welt ein Mensch sein Leben lässt. Gestorben wird einfach immer.

Leben ist Risiko und niemals Sicherheit. Doch das Gegenteil scheint den Menschen heute bewusst zu sein: Für alles Mögliche vermag da einer Versicherungen abzuschließen, seine Selbstbestimmung anderen zu überlassen, wie auch die Verantwortung über das eigene Leben.

Doch es ist eine Illusion zu glauben, dass man sich vor sämtlichen Risiken schützen könnte. Wer es versuchen will: Bitte! Viel Glück! Dann aber, wenn möglich, auch in Eigenverantwortung und nicht auf Kosten anderer. Und: Wer unbedingt sicher sein will, der soll diesen doch recht irrigen Wunsch bitte keinem anderen aufzwingen. Ein Streben nach totaler Sicherheit nämlich, ist einfach nur vollkommen sinnlos, weil es absolute Sicherheit einfach nicht geben kann.

Vertrauen muss man haben, zuerst in sich und dann in die Menschen mit denen man lebt, in seine Familie, in seinen Freundeskreis, in die Gesellschaft. Eine Angst vor dem Tod macht jeden Lebenssinn zunichte. Das eigene Leben verantwortungsvoll zu wagen aber lässt Optimismus gedeihen, was wahre Freiheit bringt und damit Freude und Unbeschwerlichkeit.

 

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Eine kurze Geschichte der Abendländischen Zivilisation

Eine kurze Geschichte der Abendländischen Zivilisation

In einer Zeit, bis vor etwa 40.000 Jahren, die man als die frühe Altsteinzeit bezeichnet, lebte der Mensch in gänzlich archaischen Verhältnissen. Man kannte schon die Nutzung des Feuers. Vielleicht an dem einen oder anderen Ort, galt das Feuer sogar als etwas Sakrales, wo man es bereits zu konservieren wusste und damit das »Wahren einer Heiligen Flamme« pflegte.

Heilig war diese Flamme, da sie dem Überleben und dem damals so wichtigen Zusammenleben diente. Mit Feuer bereitete und konservierte man schließlich Nahrung oder schützte sich nachts damit vor wilden Tieren, da diese die lodernden Flammen mieden.

Es war eine Zeit in der die Menschen unterwegs waren, als Jäger und Sammler, und man in dieser Zeit noch keinen wirklichen Bezug hatte zu Raum und Zeit und auch gar nicht brauchte – denn man bewegte sich ja. Man lebte noch in vollständigem Einklang mit der Natur, mit den Tieren verschwistert, ohne zu werten, was einem da unterwegs begegnete.

Bewusst erlebten die damaligen Menschen eine vollständige Verbundenheit mit dem was sie umgab, ganz gleich ob die Gestirne, seine Mitmenschen oder die Wesen und Gegenstände in der Natur, wie Steine, Pflanzen und Tiere.

Damals pflegten die Menschen einen besonderen Ahnenkult, in dem sie sich verbunden fühlten mit der fernen Vergangenheit und dem Ursprung der Welt. Man hinterfragte nicht, sondern erlebte in dieser Voraussetzung das eigene Dasein auf Erden verwurzelt.

Allmählich wurde sich der Mensch aber auch seiner selbst bewusst, als einzelnes Wesen, wo eine noch rein intuitive, instinktive Wahrnehmung der Umgebung und der anderen Menschen in der eigenen Welt bewusst geworden war.

In der Tradition der Legenden, auf der sich auch die Lehren etwa der Theosophie oder Anthroposophie stützen, war das ungefähr auch die Zeit, als die Menschen noch auf dem mythischen Kontinent von Hyperboräa, »jenseits des Nordwinds« unterwegs waren. Aus heutiger Sicht gewiss ziemlich eigentümlich vorzustellen, doch man könnte durchaus in Erwägung ziehen, dass die heute, über das ganze Jahr hinweg von dicken Eisschichten bedeckten Regionen der Erde, einst vielleicht grün und bewaldet gewesen waren. Ein Beispiel für diese Annahme wäre etwa die dänische Insel Grønland, die ja wörtlich übersetzt »Grünland« heißt.

Wie aber kann es sein, dass es sich da tatsächlich um eine menschenwürdige Umgebung handelte? Nun, man kann sich da nur mit der einen oder anderen Erwägung behelfen. Überlegen wir uns etwa einmal, dass sich die Lage der Erdachse nicht immer in der selben Neigung befand. So gibt es heute auch archäologische Nachweise darüber, dass die Berglandschaften unter dem Eis der Antarktis, dem Südpol, vor sehr langer Zeit der Urgeschichte bewaldet gewesen waren. Angenommen also die Erdachse befand sich in aufrechter und nicht wie heute geneigter Lage, so dürfte es nur im höchsten Norden zu einer Vereisung gekommen sein, jedoch in einem Ausmaß, das weit jenseits dessen liegt, was wir heute vorfinden. Die Polkappen waren dann wohl weitaus dicker und bargen viel mehr Eis, als das heute der Fall ist, zumal es nicht zu jahreszeitlich bedingtem Abtauen kam.

In den Regionen der heute so genannten »Gemäßigten Zone« der Erde, dürften unter solchen Voraussetzungen damals dauerhaft frühlingshafte Verhältnisse vorgeherrscht haben.

Wir wollen auf all das im Folgenden noch einmal eingehen.

Beherrschung des Feuers

Dass der Mensch begann auf die Dinge die ihn umgaben Einfluss nehmen zu wollen, fing wohl ganz langsam an damit, dass man das Bewusstsein für eine gewisse Dimensionalität der Welt entwickelte. Historisch ließe sich das ansiedeln in den Jahrtausenden bis etwa 10.000 v. Chr., das heißt also in der Mittleren bis Jungen Steinzeit

Damals begannen die Menschen das Feuer tatsächlich als Kulturgut handzuhaben, da man Mittel und Wege gefunden hatte selbst Feuerzeuge herzustellen, vor vielleicht 30.000 Jahren, mittels Scharfkantiger Feuersteine (Quarz-Kiesel-Minerale) die man zum Beispiel gegen Pyrit-Kristalle schlug. Auch die ersten verbesserten Werkzeuge kannte man herzustellen, die in der Jagd ihre Verwendung fanden, wie etwa die ersten Wurfspeere.

Wollte man diese Zeit durch ein Tarot-Sinnbild kennzeichnen, eigneten sich dafür wohl die »Stäbe«, die ja sowohl lebendige Holzstöcke, wie auch Knüppel, Speere oder Lanzen symbolisieren, und bekanntlich dem alchemistischen Feuerelement zugeordnet sind.

Es war das auch die Zeit in der solche Weltlehrer die irdische Bühne betraten, wenn man so will, wie der irdische Adam der Bibel, sowie dessen Nachkommen wie Kain, Seth oder später auch Henoch, der in den Himmel entrückt von dort aus bis heute auf die Geschicke der geistigen Welt Einfluss nehmen soll.

Historisch bewegen wir uns nun in der Welt des Cro-Magnon-Menschen, des anatomisch mit dem heutigen Menschen identischen Homo Sapiens, eines nomadisch lebenden Jägers und Sammlers.

Durch die Fähigkeit selbst Feuer herzustellen, gewann natürlich auch die zivilisatorische Entwicklung einen neuen Schub. Man verstand seit dieser Zeit, vor etwa 30.000 Jahren, auch selbst Keramiken herzustellen, wozu natürlich Nutzgegenstände (wie etwa besondere Behältnisse) zählten, doch auch entstanden damals sogenannte heilige Figurinen, wie etwa die berühmte Venus von Willendorf.

In Zusammenhang mit dem daraus sich entwickelnden Mutterkult, pflegte man auch bestimmte Rituale, die sich wohl auf alte Vegetationszyklen bezogen, kurz gesagt, die man zu bestimmten Zeitpunkten pflegte, jedoch noch gänzlich losgelöst von etwaigen himmlischen Beobachtungen, die zur damaligen Zeit noch eine andere Rolle gespielt hatten.

Wie gesagt, besitzen wir heute keine wissenschaftlich belegbaren Fakten, doch dass die damaligen Menschen so lange den Kult einer irdischen Natur pflegten, mag wohl auch daran gelegen haben, dass man in dieser ewigen Frühlingsumgebung lebte, wo eine Beobachtung des Himmels und daraus erfolgende Voraussagen, noch keine für das Überleben relevante Rolle gespielt hatten.

Es war das eine »Magische Zeit«, wo man Götzenanbetung und Verehrung besonderer Idole betrieb, die da im Mittelpunkt ritueller Handlungen standen. Man war noch weit entfernt, von dieser heute im Verstandesdenken verhafteten Geistigkeit. Doch im Gegensatz zu dem Bewusstsein, das die Menschen in jener archaischen Zeit des Paläolithikum besaßen, begann man jetzt eine Dimensionalität in der Welt zu entdecken. Das begann wohl mit der Beobachtung eines Hier und Dort, einer Selbstwahrnehmung und einer Fremdwahrnehmung. Man erkannte das eigene Dasein im Verhältnis zum Sein eines Gegenübers – eines Menschen, eines Tieres oder jeder anders gearteten Sache.

Damit entwickelte sich im Empfinden der Menschen auch das, was man als Emotionalität beschreiben könnte, da man sich als Einzelnen wahrnahm, der getrennt war von dem was ihn umgab. Es dürfte damit einher gegangen sein ein Wundern über die Welt, die sich da um einen herum befand, wovon ein besonderer Zauber ausging.

Ein Zeitalter der Tugend

In dieser Welt-Erkenntnis formte sich wohl auch der Wunsch Orte entstehen zu lassen, wo man seine besondere Naturverehrung rituell zelebrierte. Die alte Kultstätte Göbekli Tepe in Kleinasien, in der heutigen Türkei, die dort vor etwa 11.500 Jahren entstanden war, deutet das an. Es war das die Menschheitsepoche, die sich im Platonischen Jahr dem Zeitalter des Löwen zuordnen lässt, dem, was in der griechischen Legende (gemäß Hesiod) dem Goldenen Zeitalter entspricht und was man in Indien das Satya-Yuga nennt: »Das Zeitalter der wahrhaftigen Tugenden«.

In der Welt der Sagen und Legenden, ist das die Phase der Geschichte gewesen, wo ganz im Westen der damals bekannten Welt, westlich des afrikanischen Atlasgebirges, im atlantischen Meer, sich eine riesige Insel befunden haben soll, wo eine damalige Hochzivilisation lebte: Atlantis. Was uns aus den Schriften des griechischen Philosophen Platon überliefert ist, ist die außergewöhnliche Form dieser Insel, die sich aus mehreren, das Meer unterteilenden Ringen bildete.

Doch, wie jeder weiß, kam es zu einer Katastrophe, in der diese Insel im Meer verschwand und das ist etwa auch die Zeit, wo wir in der griechischen Mythologie von einer »Deukalischen Flut« erfahren, die in der Bibel als die Sintflut beschrieben wird. Natürlich steht in Zusammenhang damit der Patriarch Noah und seine drei Söhne, Sem, Ham und Japeth. Interessant ist die Form jener alten Tempelanlage von Göbekli Tepe, die ja ebenfalls solche Ringform wie die der von Platon beschriebenen Atlantis besaß, was natürlich auch nur reiner Zufall sein könnte.

Vom Gold zum Silber

Nach dieser Zeit aber entstanden die ersten Siedlungen, wie etwa die von Çatalhöyük (in Kleinasien, heutiger Türkei) vor etwa 9.500 Jahren und auch die ersten Gehöfte dort, wo sich das heutige Athen in Griechenland befindet. Hieraus ergaben sich auch erste Machtstrukturen, in denen man begann Besitztum zu pflegen und Warenhandel zu betreiben mit anderen Siedlungen. Die matriarchal geprägte Gesellschaftsstruktur war bis dahin bestehen geblieben, man pflegte eine ausgeprägte Landwirtschaft und den sich daraus ergebenden Handel mittels Tauschwaren, wozu natürlich Edelmetalle wie Gold und Silber zählten.

All das geschah im Übergang vom Satya-Yuga ins Treta-Yuga, was man im Westen etwa mit der Wende vom Goldenen in das Silberne Zeitalter beschreiben könnte. Gemäß der Zeitrechnung des Platonischen Jahres, befinden wir uns da in den Jahrhunderten des Übergangs vom Zeitalter des Löwen ins Zeitalter des Krebses. Es sind dies ja zwei Tierkreiszeichen, wo ersteres astrologisch vom Gestirn der Sonne regiert wird und letzteres vom Gestirn des Mondes. Das Licht von Sonne und Mond aber, ließ gemäß der esoterischen Lehren der babylonischen Sterndeuter von Chaldäa, in der Urzeit die Metalle Gold und Silber im Erdgrund gedeihen. Und es sind ja eben diese zwei Edelmetalle, die den beiden Zeitaltern oben genannter Wendezeit ihren Namen gaben. Weniger aber ist das eine Systematisierung, als eher ein äußerst bemerkenswerter Zufall.

Im Bewusstsein der Menschen auf jeden Fall vollzog sich damit ein großer Wandel. Denn nicht mehr wusste man nur zu verstehen das Verhältnis zwischen einem Hier und Dort, man begann auch eine Räumlichkeit zu entdecken, die allerdings, rein geometrisch, sich nur auf das Land, das heißt also, auf die Fläche bezog, wo man sich in der Zweiten Dimension bewegte. Das war natürlich der Tatsache geschuldet, das man ein Bewusstsein entwickelt hatte für Besitz und Grenzen, was ja einher ging mit dem Entstehen der ersten urbanen Siedlungen.

Auch entstand in dieser Zeit das, was man als »inneres Seelenleben des Menschen« bezeichnen könnte. Heute würde man da vielleicht vom »Traumbewusstsein« sprechen. Das heißt, die auch heute im Traum auftretenden archetypischen Symbole wurden da schon erkannt, als universale Bilder. Man wusste dieses, im Traum empfundene Sehen, noch nicht gänzlich abzugrenzen vom Sehen im Wachzustand, weshalb man aus heutiger Sicht darum von einem irrationalen Empfinden oder Denken sprechen würde. Leider aber wäre diese Bezeichnung zu negativ konnotiert, wobei sie in Wirklichkeit doch eine Fähigkeit beschreibt, die heute nur wenigen Menschen gegeben ist und die sie als solche auch konstruktiv im Leben anzuwenden wissen, da sie erkannt haben, dass das angebliche Wachbewusstsein, im Grunde ebenfalls ein Schlafzustand ist, aus dem man jedoch erwachen kann!

Zwischen Himmel und Erde

Es geht hier um eine Epoche, die man als »Mythischen Zeit« bezeichnen könnte, da die Menschen damals noch alles erkannten, als untereinander verbunden. Wer sich näher mit der griechischen Mythologie beschäftigt, verirrt sich leicht in einem dichten Wald unzähliger Assoziationsmöglichkeiten, zumal ja in all den vielen Legenden darin, die von Göttern, Dämonen und Helden berichten, anscheinend immer Verbindungen bestehen, zu einer großen Zahl anderer Legenden der selben Mythologie.

Es war das auch die Zeit, in den Jahrtausenden vor unserer Zeitrechnung, wo man begann die »Heiligen Mysterien« zu feiern, wo die Menschen eingeweiht wurden in die Geheimnisse ihrer eigenen Sterblichkeit, die sich anscheinend jedes Jahr auch in ihrer Umwelt, in der Natur zu zeigen schienen. Man hatte den Wandel eines großen Zyklus der Jahreszeiten erkannt, die sich in kleineren Zeitabschnitten im Tageszyklus zeigten, wie auch in größeren Zeitabschnitten im eigenen Leben. Himmelsbeobachtungen bekamen aus diesem Grund einen immer wichtigeren Stellenwert, nicht nur praktisch, sondern auch in einer Art »Ur-Theologie«, die den Menschen nicht mehr allein als irdisches Wesen begriff, sondern ihn eingeflochten sah, im Mittelpunkt stehend, zwischen Himmlischem und Irdischem, im ewigen Kreislauf der Gestirne und der Natur, die sich mehr oder weniger zu entsprechen schienen.

Zeitmaß und Tauschwert

Man fing damals an, besondere Kalender zu konstruieren, anhand derer Voraussagen der Zukunft ermöglicht wurden. Das mag anfangs zwar rein agrartechnische Funktionen erfüllt haben, doch führte den Menschen mit seinem Bewusstsein auch in ein theologisches Verständnis, für eine aus der Transzendenz wirkende Kraft. Da entstand der Glaube an ein höheres Wesen, dass aus einem hierarchisch geschichteten Makrokosmos, eines ewigen Kreislaufes zu wirken schien, das heißt: Da begann der Glaube an Gott.

Auch hatte man gelernt, durch immer weiterte Entwicklung der aus der Jungsteinzeit überlieferten Werkzeuge, in das Erdreich vorzudringen, um dort kostbare Erden zu bergen. Im Übergang vom Zeitalter des Krebses ins Zeitalter der Zwillinge fand man Wege, um das in mineralischer und metallischer Form vorliegende Kupfer zu nutzen, zur Herstellung von Werkzeugen. Man verfügte damals schon über eine hochspezialisierte Technik zur Keramikherstellung. Hierfür verwendete man besondere Brennöfen, in denen man sehr hohe Temperaturen zu entwickeln vermochte. Damit war auch die sogenannte »Verhüttung« von Kupfer möglich, die man zur Herstellung erster metallischer Nutzgegenstände verwendete. Hier wieder kann man die Bildsprache der Tarot-Arkana ins Spiel bringen, denn als Zeit der Metallgewinnung entspricht es dem Symbol der Münzen, die ja bekanntlich aus Gold, Silber und Kupfer hergestellt wurden (interessant dabei ist, dass diese drei Metalle alle einen Schmelzpunkt um die 1.000 °C besitzen, so dass man mit der selben antiken Technologie daraus entsprechende Tauschmittel, das heißt also »Geld« herstellen konnte).

Besonders die in der matriarchalen Vinča-Kultur kannte man Techniken, die zu Vorläufern einer damals beginnende Metallzeit wurden. In dieser alten Kultur, die sich im geografischen Gebiet des heutigen Serbien entwickelt hatte, entstand auch, fast 2.000 Jahre bevor man im vorderen Orient die Keilschrift entwickelt hatte, die erste Runenschrift, die nachweislich die Vorläufer unseres heutigen Alphabets bildet, dass sich ja bekanntlich in den Jahrtausenden danach, zur sogenannten Linear-B-Schrift weiterentwickelte, die sich dann später als »Phönizisches Alphabet« durch eben die Phönizier im gesamten Mittelmeerraum verbreitete.

Das Heilige Rind

Im besagten Zeitalter der Zwillinge, also in einer Zeit zwischen etwa 6.300 und 4.200 v. Chr. betraten die Weltbühne der Religionen, auf dem indischen Subkontinent, der Held und Avatara Rama. Im Gebiet der Levante wirkte der Patriarch Abraham. Im Übergang zum Zeitalter des Stiers begann dann das, was man als die »Jüdische Zeitrechnung« bezeichnet, genauer gesagt das Jahr 3761 v. Chr. Das war die Zeit die man im westlichen Kulturkreis als Beginn des Ehernen oder Bronzenen Zeitalters versteht, im Hinduismus dem Dvapara-Yuga entsprechend, einer Zeit, in der nur noch ein geringer Teil des göttlichen Bewusstseins des Menschen lebendig war.

Da trat in Indien der Avatara Krishna auf, der ja in vielen Darstellungen in Begleitung einer heiligen Kuh abgebildet ist. Natürlich nicht zufällig, denn, wie wir sagten, ist das das Zeitalter des Stiers gewesen, wo auch in der Ägyptischen Religion auf einmal Darstellungen der Heiligen Kuh zu sehen sind, die eine Sonnenscheibe auf ihrem Haupt trägt. Auch in dem bekannten Epos des Gilgamesch (2.700 v. Chr.) taucht das Symbol eines himmlischen Stieres auf, wohl als Ebenbild des damals angebeteten Gottes.

Es war das die Zeit als die wichtigen ägyptischen Städte gegründet wurden, etwa im 3. vorchristlichen Jahrtausend. Darunter Memphis, mit dem alten Tempel des Hu-Ka-Ptah, dem Ägypten seinen Namen zu verdanken hat, wie auch die Hafenstadt Alexandria, die in der Geistesgeschichte der westlichen Zivilisation über viele Jahrhunderte hinweg Dreh- und Angelpunkt gewesen war – Stichwort: Die Bibliothek von Alexandria (allerdings erst gegründet Anfang des 3. Jahrhundert v. Chr.). Um 2.500 v. Chr. entstanden die Pyramiden von Gizeh, mehr als zwei Jahrtausende bevor man die Stadt Kairo gründete.

Monotheismus

Wenn wir zuvor sprachen vom Bronzenen Zeitalter, dann ist das auch ganz praktisch zu verstehen, denn man begann damals das gewonnene Kupfer mit Zinn zu legieren, um daraus eben Bronze zu erzeugen, woraus man dann die ersten metallenen Waffen herzustellen begann.

In dieser Zeit auch entstanden, wie etwa in der Minoischen Kultur Kretas, zwischen 2.800 und 1.100 v. Chr., verschiedene sakrale Trinkgefäße, meist aus Keramik, doch wahrscheinlich später auch aus Bronze. Als Zuordnung in die Tarot-Symbolik, fiele in diese Zeit also das Sinnbild für das alchemistische Element Wasser: Die Kelche.

Es war das auch die Zeit der großen Könige und Priester, wozu sicherlich so Namen zählen wie der biblische Fürst David und sein Sohn Salomon. Doch auch der ägyptische Echnaton, der ja die Sonne als einzigen Gott über den bisherigen Polytheismus erhob und damit jenen, den durch den Patriarchen Abraham definierten Monotheismus, auf seine Weise in Ägypten zu festigen versuchte.

In Persien entstand der Zoroastrismus, den der Prophet Zarathustra auf einem Dualismus und ständigem Widerstreit der Kräfte des Guten und des Bösen gründete, den laut seiner Weisheit nur jener überwand, der sich selbst ermächtigen konnte zu rechtem Denken, rechter Rede und rechtem Handeln.

Auch der alt-persische Kult um den Gott Mithra ist belegt, für etwa diese Zeit des 14. vorchristlichen Jahrhunderts. Zwar erst in späterer Zeit pflegte man in Rom einen besonderen Mithraskult, der sich in seiner Symbolik an diese Zeit aber zu erinnern schien, wenn auch in einer Form, die eben den Übergang vom Stier- ins Widder-Zeitalter symbolisierte, worin man in besonderen Bildnissen, in den sogenannten »Mithräen« der Tötung eines Stiers huldigte.

Es war dieses Zeitalter des Widder auch der Beginn der Eisenzeit, was auch insofern interessant ist, zumal ja astrologisch über den Widder der Mars herrscht, dem, nach Lehre der Chaldäer, auf Erden ja das Eisen entspricht.

Mit der Verhüttung von Eisen ging natürlich auch einher die Herstellung verbesserten Werkzeugs für Landwirtschaft und Städtebau, aber ebenso die Herstellung von Waffen, wobei die ersten Stähle in ihrer Härte, den Bronzewaffen weit überlegen waren. Vielleicht ließe sich darum auch historisch, hier der Beginn des Eisernen Zeitalters markieren, der finstersten Epoche der Menschheitsentwicklung, die bis zum heutigen Tage anhält – wir zumindest aber ihre schlimmen Auswirkungen noch immer spüren. Das nämlich was die Inder als das Kali-Yuga bezeichnen, das Zeitalter der Kriege und des Streits der Menschen, das wohl mit dem Beginn der Eisenzeit begann.

Unterscheidungsfähigkeit und die Bildung des Ego

In dieser Zeit gründeten die mythischen, von einer Wölfin großgezogenen Brüder Romulus und Remus, im Jahre 753 v. Chr. die Stadt Rom.

Etwa 200 Jahrhunderte nach dieser Zeit, betraten die Bühne der geschichtlichen Welt die griechischen Philosophen Parmenides und Pythgoras. Besonders jene, auf letzteren Weisheitslehrer zurückgehende Schule der Pythagoreer, sollte eine wichtige Wegmarken zeichnen, in der abendländischen Geistesgeschichte der Philosophie und Spiritualität. Im Westen wurde diese spirituelle Entwicklung auch betont mit dem Auftreten des Patriarchen Moses, sowie nach ihm durch der Propheten Hesekiel, auf den ja das berühmte Symbol des Tetramorph zurückgeht (Vier Symbole im Kreis: Mensch, Adler, Löwe, Stier; später stellvertretend verwendet als christliche Zeichen der vier Evangelisten). Im fernen China lehrte zu etwa dieser Zeit der große Philosoph Lao-Tse.

Es begann da ein Zeitabschnitt in der Weltgeschichte, den man als »Mentale Zeit« bezeichnen könnte, wo die Menschen durch einen Wandel ihrer Bewusstheit auf einmal begannen, eine in den Jahrhunderten zuvor entwickelte Unterscheidungsfähigkeit anzuwenden. Man begann zu urteilen was recht und was unrecht, was gut und was schlecht war – am deutlichsten versinnbildlicht wohl im Zeichen des Schwerts, das im Tarot das alchemistische Element der Luft versinnbildlicht, das Element der Bewusstwerdung des Raumes.

Man entwickelte also eine stärkere Bezogenheit auf den Raum und das Äußere. Damals begann man eben auch den geometrischen Raum zu erkennen, und die ihn bezeichnende Dritte Dimension.

Es scheint, als ob sich darin ein einziger Gott noch besser vorstellen ließ, als in jener Zeit, wo man dieses Raumbewusstsein noch nicht besaß. Man begann seine Betrachtungen der Welt, wohl zum ersten Mal abstrahieren zu können, woraus sich die Fähigkeit zur Reflexion entwickelte. Man erkannte sich selbst in der Welt, hatte unbewusst begonnen ein Ich zu entwickeln – psychologisch betrachtet, sein Ego zu festigen –, was einher ging mit der Herausbildung eines bewussten Lebenswillens (oder eben Unwillens).

Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. sollten die damit entstandenen Sichtweisen auf die Welt, der Geistesentwicklung der Menschen einen weiteren Entwicklungsschub geben. Das erfolgte im Westen insbesondere mit dem Auftreten des Philosophen Sokrates – jenem Denker des Abendlandes, dem man die Entwicklung des Fragens und Hinterfragens zuschreiben kann. Sein wichtigster Schüler Platon war mehr oder minder, der Mann, der das Denken seines Lehrers Sokrates in Schriftform festhielt, so dass, wenn man von einer platonischen spricht, immer auch eine sokratische Philosophie meint.

In Fernost betrat der Buddha Siddharta Gautama die Weltbühne der Spiritualität, der auf seine Weise einen Bezug des Daseins in der materiellen Welt zu abstrahieren vermochte, eine Fähigkeit die seinen Zeitgenossen fehlte und er wohl auch deshalb als dieser Weltlehrer auftrat, um sie an ihr inneres, seelisch-geistiges Dasein zu erinnern. Das war in etwa auch das, was im Abendland Sokrates vermittelt hatte. Denn die oben angedeutete Entwicklung des persönlichen Ego, was zu einer inneren Teilung des Seelenlebens im Menschen geführt hatte, entfremdete ihn von seiner eigentlichen Bestimmung, wodurch er zunehmend begann, sich mit einer rein materiellen Welt zu identifizieren.

In dieser Zeit auch entwickelte der Mensch ein Empfinden für die Zeit, wo man das »Ablaufen des Lebens« nicht mehr nur an den vier Haupt-Tageszeiten ablas, sondern den Tagesablauf in abmessbare Stunden zu unterteilen begann.

Es war das die Zeit, als Vorstellungen eines Weltbildes entstanden, in dem die Erde im Mittelpunkt als kugelförmiger Körper stand und eben nicht mehr nur eine zweidimensionale Scheibe blieb. Detaillierte Studien hierüber betrieb bereits der Platon-Schüler Aristoteles.

Übergang ins Zeitalter der Fische

Wie zuvor bereits angedeutet, kam es im Westen durch die Gründung Roms und die daraus entstandene Römische Republik, am Anfang des 6. vorchristlichen Jahrhunderts, zu einem neuen Schub in der Urbanisierung des Lebens der Menschen, durch das, was zuvor »nur« theoretisiert wurde, wie etwa in Platons »Staat«. Damit einher ging natürlich auch die Ausbildung eines durch und durch organisierten militärischen Organs eines Heeres, das sich seit damaliger Zeit, in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung, nach Westen und Osten hin immer weiter ausdehnte.

Die Zeit des tausendjährigen Römischen Reichs halbierte die Geburt Christi, womit dann ja unsere, bis heute verwendete christliche Zeitrechnung begann. Auch der große jüdische Prophet Johannes der Täufer kam da zur Welt, etwa fünf Jahre vor dem Erscheinen des Messias.

Im 2. nachchristlichen Jahrhundert bestätigte der griechische Philosoph und Astronom Claudius Ptolemäus , die in den Jahrhunderten zuvor angenommene Geozentrik durch seine Himmelsbeobachtungen. Während der beiden Jahrhunderte danach, entstanden die religiösen Lehren des Gnostizismus, die jedoch bald zum theologischen Hauptgegner der damals noch jungen Christenheit werden sollten. Auch die Philosophie der sich damals bildenden Gruppierung der Neuplatoniker, entstand in dieser Zeit und teilweise auch in Konkurrenz mit den Lehren der Gnosis.

Es war das auch die Zeit, zwischen dem ausgehenden 3. bis ins 4. Jahrhundert, als die ersten christlichen Kirchengemeinden entstanden, die Christi Geburt jedoch alle noch an verschiedenen Tagen im Jahr zelebriert hatten.

325 n. Chr. tagte dann das von dem römischen Kaiser Konstantin I. in Nicäa (heute Iznik in der Türkei) einberufene Konzil, womit danach auch das Christentum zur römischen Staatsreligion wurde. 70 Jahre danach kam es zur Reichsteilung in Westrom, wo in der alten Stadt Rom der christliche Katholizismus durch den Papst und Ostrom, das heißt also Konstantinopel (heute Istanbul, Türkei), vom christliche-orthodoxen Patriarchen vertreten wurden. In Westeuropa scheinen in etwa dieser Zeitperiode, die Wurzeln der Sage um den Drachentöter Siegfried zu liegen, die auch dort bereits einen Übergang markiert, von einem germanischen Heidentum in eine eher christliche Spiritualität.

Innerhalb des Platonischen Jahres, bewegen wir uns seit etwa vier Jahrhunderten bereits im Zeitalter der Fische, deren Symbolik ja für die christliche Epoche ganz ausschlaggebend ist.

Dunkles Zeitalter und Heiliger Gral

Den Beginn des Mittelalters prägt auch das Auftreten des arabischen Propheten Mohammed und mit der sogenannten Hidschra, dem Auszug der ersten Muslime aus Mekka, im Jahre 622 n. Chr. die islamische Zeitrechnung. Das ereignete sich auch innerhalb der Epoche, als ein sagenhafter Priesterkönig Johannes in der abendländischen Geschichte auftauchte, scheinbar aber gleichzeitig auch in Nordafrika und Fernost.

Im Dunkel jedoch liegt die ungefähr 500-jährige Periode der westlichen Zivilisation. Während dieser Zeit nämlich ordnet man heute die mythischen Episoden eines christlich-paganischen Fürsten ein: Dem legendären König Artus, der vermutlich in dieser dunklen Epoche der franko-angelsächsischen Geschichte, als ein Brückenbauer wirkte, zwischen der noch heidnisch geprägten Kultur des alten Britannien und Irlands und dem mit den Römern nach England gebrachten Christentums. Es war das auch wohl die Zeit, wo der legendäre Held Parzival, einer der Ritter der arthurischen Tafelrunde, in der Weltgeschichte aufgetreten sein könnte, wo ja insbesondere das Symbol des sagenhaften »Heilige Grals« Einzug nahm in die christliche Sagenwelt des Abendlandes.

Erst im 12. Jahrhundert verfasste der deutsche Dichter Wolfram von Eschenbach seine Verse zu diesem Helden Parzival und dem heiligen Gral, der ja als Trinkgefäß beim letzten Abendmahl Christi dem Jesus und seinen Jüngern als Trinkbecher gedient haben soll und in den dann, nach dem Ableben des Christus am Kreuz, dessen Blut damit aufgefangen wurde, durch den sagenhaften Joseph von Arimathäa. Der soll den heiligen Kelch dann selbst in die englische Stadt Glastonbury gebracht haben (das legendäre Avalon), um dort die erste christliche Gemeinde in Europa zu gründen.

Perspektiven in einer Zeit der Neuordnung

Mit dem Beginn der Renaissance, im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit (15. und 16. Jahrhundert) entwickelte sich etwas, das eine tatsächliche Wegmarke, nicht allein in der Geschichte der Bildenden Kunst markierte: Die Entdeckung der Perspektive, die Künstlern eine Methode gab, um mit mathematischer Exaktheit Verkürzungen in der Raumtiefe abzubilden. Zeichnungen und Gemälde erhielten damit seit dem 15. Jahrhundert eine fast realitätsidentische Wiedergabe optischer Eindrücke, was natürlich im Laufe der Zeit einen erheblichen Wandel im Bewusstsein der Menschen einleitete. Was als dritte Dimension des Raumes angenommen wurde, erhielt damit eine ganz relevante Konkretisierung. Im Menschen entwickelte sich aus diesem Bewusstwerden aber anscheinend auch der Wunsch, Dinge haben zu wollen, da er sie nicht mehr nur örtlich begriff, sondern auch ihr Ausmaß, perspektivisch betrachtend, unterscheiden ließ, zwischen einem mehr und einem weniger.

Das erste Jahrhundert der Neuzeit aber sollte noch weitere, für die Geisteskultur dieser damaligen Epoche, doch insbesondere für alles andere in der Folgezeit Entstehende, ganz wichtige Wegmarken kennzeichnen. Damals nämlich erfand der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg den modernen Buchdruck mit beweglichen Lettern, was eine wahre Revolution bedeutete, für die Art der Verbreitung von Wissen. Was in den Jahrtausenden zuvor mühsam als Handschriften angefertigt wurde, und entsprechend damit nur sehr wenigen Menschen zugänglich war, konnte sich ab Ende des 15. Jahrhunderts viel einfacher als Nachricht oder Wissen verbreiten lassen.

Hätten Martin Luther und andere Reformatoren, ohne die Buchdruck-Technik Gutenbergs die Bibel übersetzt? Vielleicht, doch kaum jemand hätte je davon erfahren. Wenn Luther zuvor zwar nur über die Freiheit des Christenmenschen schrieb, um damit einen jeden über die wahre Religionsgeschichte zu unterrichten, ermahnte er die Menschen aber gleichzeitig dazu, in ihrer ständischen Ordnung zu verharren. Das dies aber nicht lange gehalten werden konnte, zeigt uns die Geschichte, etwa mit dem Deutschen Bauernkrieg von 1524, der sich nur fünf Jahre nach Luthers Thesenanschlag ereignete.

Neben der Übersetzung der Bibel kamen natürlich eine ganze Reihe anderer Schriften in Umlauf, so dass sich dadurch auch neue Überzeugungen bilden konnten, über das Wesen des Seins jenseits religiöser Weltanschauungen. Auch der Beweis für einen eigentlichen Heliozentrismus (um 1650), der die Erde als Mittelpunkt der Welt für immer erübrigen sollte, trug das Seine dazu bei.

Insbesondere ab Ende des 18. Jahrhunderts kam es da zu einem Aufbegehren gegen monarchische Strukturen in Europa. Interessanterweise war das eine Entwicklung nicht nur auf weltlicher Ebene, sondern es schien sich auch etwas im Makrokosmos zu zeigen, dass man vorher noch nicht kannte. Die Entdeckung des Planeten Uranos, im Jahre 1781, ließ den bisherigen Kosmos einer klassischen Astrologie der sieben Gestirne (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn) einstürzen.

Es scheint, als hätte sich so etwas mit noch einer enormeren Sprengkraft auch im Weltlichen ereignet, zumal um das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts sich mehrere Revolutionen ereigneten, die die staatlichen und sozialen Gefüge in ihren Grundfesten erschütterten:

Mit der industriellen Revolution, deren Auswirkungen ab dem Jahr 1760 überall sichtbar werden sollten, gingen natürlich auch politische Umwälzungen der Gesellschaftsstruktur einher. Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang aus rein historischer Sicht, doch es ist interessant, dass in den wenigen Folgejahren des Endes des 18. Jahrhunderts, etwa 1775, die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit vom British Empire erklärten und es 1789 zur Französischen Revolution kam, die zur Abschaffung der Stände führte. Die Konsequenzen all dessen sollten ganz wesentliche Impulse überall in Europa auslösen, die das damalige Königtum fundamental veränderten und auch zu einer baldigen Schwächung des Einflusses der Kirche führten.

Zuvor bildete die Hohe Geistlichkeit den ersten Stand im französischen Staat, der Adel den zweiten und den dritten Stand alle anderen: Die Bauern und die Bürger der Städte. Der dritte Stand kam auf für die Versorgung aller, doch hatte keine Rechte. Zur Abgabe der Zehnt-Steuer an den Klerus war jedoch auch der Adel verpflichtet – ein Brauch, der sich tatsächlich seit der Zeit des Patriarchen Abraham nicht geändert hatte, der ja selbst verpflichtet war dem Priesterkönig Melchisedek von Salem »den Zehnten von Allem« zu geben (Genesis 14:20).

Strahlkraft der Vernunft?

Anscheinend kam da das Eine zum Andern und man begann immer mehr all das in Frage zu stellen, wofür die Könige und der Klerus gestanden hatten, in den Jahrtausenden zuvor. Das aber war auch die Zeit, in der ja der größte Teil der Menschheit in dunkler Unwissenheit lebte, so dass sich die Tendenz entwickelt hatte, mit der Strahlkraft der Vernunft auf-klären zu wollen. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant, der ja in dieser Zeit der großen sozialen Umwälzungen gelebt hatte, schrieb über dieses Zeitalter der Vernunft:

Aufklärung ist der Aufgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

In der Zeit der Aufklärung ging es nun nicht mehr um den Glauben, sondern um Beweise. Wobei das Wort »Glauben«, vielleicht seine ursprüngliche Wortherkunft teilt, mit einem glauben als vermuten. Doch das ist nicht das Selbe. Eher doch ist der Glaube an eine aus der Transzendenz wirkende Kraft, auch ein »sich Einlassen« auf ein spirituelles System, dass der Seele zur Freiheit verhelfen soll und weniger dem Körperlichen dient, noch weiter in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu gelangen. Letzterem, das heißt der Materie, aber begann man insbesondere mit der Aufklärung zu huldigen, da sich die Dinge der physischen Welt ja durch Maß und Technik beschreiben ließen.

Wären Klerus und Adel in den Jahrhunderten bis zur Französischen Revolution aber verantwortungsvoller mit jenen umgegangen, über die sie herrschten und ihnen nicht das Recht abgesprochen hätten ein menschenwürdiges Leben zu führen, sich als freier Mensch in der Welt zu bewegen und auch selbst über Eigentum verfügen zu dürfen: Wäre es da überhaupt zu einer solchen Umwälzung gekommen?

All das auf jeden Fall, ganz gleich ob der Glaube an einen Gott oder die alten Wissenschaften, die man heute in den Bereich des Okkultismus verdrängt hat, schien während der Aufklärung unter der Oberfläche des alltäglichen, vernunftgesteuerten Denkens zu versinken – zumindest aber unterdrückt worden zu sein. Was einst eine spirituelle Praxis der Alchemie bedeutete – wo man ja nicht nur verzweifelt versuchte Gold herzustellen, sondern vielmehr seines inneren Seelenlebens gewahr zu werden – sollte eben in dieser Zeit der Französischen Revolution durch einen Antoine Laurent de Lavoisier zu einer wissenschaftlichen Chemie werden.

Interessant ist, dass sich in dieser Herauslösung des Spirituellen aus den modernen Geisteswissenschaften, auch ergab, dass sich jene, die sich um die Pflege der Esoterik, das heißt der »Inneren Wissenschaften« verpflichtet sahen, nun in den Untergrund, sich ins Verborgene zurückziehen mussten.

Eine Geheimgesellschaft die vielleicht solch innere Wissenschaften betrieben hatte, war wohl der 1776 von dem deutschen Philosophen Adam Weishaupt gegründete Orden der Illuminaten. Interessanterweise aber wird diesem Orden auch unterstellt, dass durch sein Wirken es überhaupt zur Französischen Revolution kam und dem darauf folgenden, in ganz Europa stattfindenden Kampf gegen die katholische Spiritualität. Wandte man da im geheimen Untergrund Jahrtausende altes esoterisches Wissen an, um damit ganz weltliche Veränderungen einzuleiten?

Fest steht, dass es mit diesen Revolutionen am Ende des 18. Jahrhunderts, zu einer Trennung von Offensichtlichem und Geheimem kam, von dem jedoch nur jene wussten, die schon einmal die »beiden Gesichter des Janus« gesehen hatten. Kaum verwunderlich wenn sich bereits zuvor, im Übergang ins 18. Jahrhundert, in Europa die ersten Logen der Freimaurer gründeten.

An der Oberfläche der neu entstehenden Staatengesellschaften kam es aber immer mehr zur Verhärtung eines Materialismus, was die Definition des Begriffs vom »Kapital«, durch den deutschen Philosophen Karl Marx, festigen sollte.

Auf Ebene des Bewusstseins aber entwickelten die Menschen eine wiederum neue Sicht auf die Dinge in der Welt, wurden sich, durch die allmählich gewonnene Fähigkeit zur Abstraktion, einer weiteren, der Vierten Dimension bewusst: Der Zeit. Was man als »Perspektivisches Denken« zuvor voraussetzen konnte, wandelte sich in der auf das Zeitalter der Aufklärung folgenden Moderne, in ein »Aperspektivisches Denken«. Da entstanden solch Künste, wie die durch den Spanier Pablo Picasso geprägte »Abstrakte Kunst« des 20. Jahrhunderts.

Leider aber ereigneten sich in diesem Jahrhundert auch die schlimmsten, durch Menschen verursachten Katastrophen aller Zeiten: Zwei verheerende Weltkriege, der Abwurf der Atombombe, sowie die vielen Völkermorde und der grausame Holocaust im nationalsozialistischen Deutschland.

Der schweizerische Psychologe Carl Gustav Jung schrieb sogar von einem Ende der christlichen Epoche, als Beginn eines Zeitalters des Antichristen:

Das antichristliche Zeitalter hat es an sich, dass in ihm der Geist zum Ungeist wird und dass der lebendig machende Archetypus allmählich im Rationalismus, Intellektualismus und Doktrinarismus untergeht, was folgerichtig zu einer Tragik der Moderne führt, welche, wie ein Damoklesschwert, greifbar über unseren Köpfen hängt.

– Aus C. G. Jung: Aion – Beiträge zur Symbolik des Selbst

Wird sich also der Menschen erst in der Gegenwart bewusst jener uralten Annahme – wie sie vor etwa 3.000 Jahren ein Zarathustra oder später die Gnosis definierte –, dass es kein Gutes gibt ohne dass es ein Böses zu korrumpieren versucht? Ist dann das Böse sogar noch viel gefährlicher, je weniger man es als solches auszumachen vermag? Wie auch sollte man es erkennen, wenn es sich in diesen, jenen und anderen »Ismus« hüllt, worin der moderne Mensch ja versucht, ein eigentlich lebendiges Wesen der Dinge, kategorisch einzupferchen.

Schnell erkennt man, dass das Stellen solcher Fragen äußerst heikel ist, ja es wahrscheinlich sogar sehr gefährlich ist, sie überhaupt zu stellen. Denn bekommt man es als Mensch zu tun mit diesen absoluten Gegensätzen von Gut und Böse, die sich, wie uns besonders die jüngere Geschichte zeigt, in solch unschuldige Begriffe kleiden wie »Wohlfahrt«, »Existenzsicherheit« oder »Friede unter den Völkern«, wird einem schnell gewahr, dass damit nicht nur die Welt politisch zerreißt, sondern sich immer häufiger auch das Herzen des einzelnen Menschen in zwei Hälften zu spalten scheint.

Chancen für eine Menschheit der Gegenwart

Bei alle dem jedoch, ist uns heute etwas gegeben, wozu unsere alten Vorfahren noch keinen Zugang hatten. Denn mit den Erkenntnissen über das Wesen der Dinge, die uns eben auch ein wissenschaftlicher Skeptizismus lieferte, besitzen wir damit heute eine bewertbare Gegenüberstellung zur reinen Annahme eines gläubigen Vermutens. Daher ist uns, in dieser gegenwärtigen Epoche, scheinbar möglich geworden, die eigene Fähigkeit zur Innenschau zu entwickeln, die jeder üben kann, ohne dabei das Äußere ausschließen zu müssen.

Durch die sich immer weiter klärende Transparenz, die sich zwischen dem Beginn der Neuzeit bis ins Zeitalter der Vernunft entwickelte, wodurch der Mensch das Wesen seines Bewusstseins immer näher zu erkennen vermochte, widersprachen sich darin auftauchende Bewusstseinselemente nicht mehr als »Ratio« oder »Iratio«, sondern es konnte eine »Aratio« entstehen. Das heißt, dass jedem von uns heute eine gewisse Arationalität, oder sagen wir »Unvernünftigkeit«, dabei behilflich sein kann, den wirklichen Grund unseres Daseins und unsere vielleicht verschütteten Fähigkeiten, durch ein tieferes Eindringen in die Welt des individuellen und kollektiven Unbewussten, als geborgenen Schatz ans Tageslicht unseres Bewusstseins zu befördern. Denn wir Menschen sind heute dazu fähig, das in unser Leben zu integrieren, was unsere Vorfahren an Fähigkeiten entwickelt hatten. Der deutsch-schweizerischer Philosoph Jean Gebser bezeichnete die gegenwärtige Menschheitsepoche darum als »Integrale Zeit«.

Räume der Stille

Aus dem Wunsch nach Geistesleere und innerer Stille, vermag ein Mensch in sich einen Raum zu erschaffen, woraus er bewusst – etwa durch Visualisierung – geistige Dinge in der Welt manifestieren kann. Nicht mehr nämlich ist sein geistiges Wirken allein auf die Dritte Dimension, auf eine reine Materialität beschränkt. Vielmehr kann er durch allmähliches Auflösung seines Ego, sein Bewusstsein regelrecht systematisieren, um damit kreativ handelnd, Dinge in der Raumzeit der Vierten Dimension zu erschaffen – ja sich in Zukunft darüber gar zu erheben –, etwas, worauf bereits vor über 2.000 Jahren der Christus Jesus hingewiesen hatte, in dem berühmten Gleichnis vom Senfkorn in Matthäus 17:20:

So ihr Glauben habt nur der Größe eines Senfkorns, so möget ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! So wird er sich heben und euch wird nichts unmöglich sein.

Sich eines solchen großen Glaubens an das Mögliche zu vergewissern, sollte heute gewiss zu einer Überzeugung werden. Warum? Da sich unsere moderne Weltgesellschaft, in Gegenwart einer Vierten Industriellen Revolution, wie sie das Weltwirtschaftsforum bewirbt, in immer schlimmere Krisen verfrachtet. Und es sprechen sehr viele Argumente dafür, dass, wenn wir so weitermachen wie bisher – jeder von uns –, wir unweigerlich in die Katastrophe schlittern.

Selbst aber wenn eine Wahrscheinlichkeit zur Besserung unserer Verhältnisse auf der Erde nur noch sehr gering wäre, sollten wir trotzdem alles dafür geben, Möglichkeiten zu finden, mit denen wir die Voraussetzungen schaffen für ein gesundes und nachhaltiges Zusammenleben auf unserer Erde.

So lange noch, in Fragen des Lebens, eine kleine Chance besteht, sagen wir von ein oder zwei Prozent, solange darf man nicht aufgeben. So lange muss man versuchen, die Katastrophe zu vermeiden. Wenn man mit dem Leben handelt ist es etwas anderes, als wenn man mit Geld handelt. Wenn man Geld investieren will und nur zwei Prozent Chancen hat dass es einem nicht verloren geht, dann wird nur ein Narr es investieren. Wenn ein Mensch schwer krank ist und nur zwei Prozent Chance ist, dass sein Leben gerettet werden kann, wird die Medizin mit allen Mitteln versuchen, um wegen dieser zwei Prozent, sein Leben zu retten, für das die Chance so gering ist. Und es geht bei den gesellschaftlichen Fragen um das Leben der Menschheit. Man muss also den Standpunkt einnehmen: Wenn die Chancen auch ganz gering sind, so lange man den Glauben haben kann, dass doch noch fast ein Wunder geschehen kann, so lange man nicht beweisen kann, dass es unmöglich ist […] so lange muss man jeden Versuch machen […] die Menschen aufzuwecken.

- Der Psychologe Erich Fromm in einem Interview aus dem Jahr 1977

 

Das Buch Kohelet - Zwölftes Kapitel

Gedenke an deinen Schöpfer in deinen Jugendjahren, ehe denn die Tage des Krankseins kommen und die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht.

Ehe die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne sich verfinstern und nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: An dem Tag wo die Hüter des Hauses zittern, und sich die Starken krümmen, und die Müller müßig stehen, weil ihrer Arbeit so wenig geworden ist, und es dunkel wird bei denen, die durch die Fenster sehen, und die Türen zur Straße hin geschlossen werden, wenn die Stimme der Mühle verstummt, und man erwacht, wenn der Vogel singt, und der Gesang aller Töchter verklingt, wenn man sich selbst vor Höhen fürchtet und sich scheut auf dem Weg, wenn der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke beladen sich schleppt, und aus der Kaper nichts wird.

Dann geht der Mensch hin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse, - ehe noch die Silberschnur zerreißt, und die goldene Schale bricht, und der Krug zerschmettert an der Quelle, und das Rad am Brunnen zerbrochen wird.

Denn der Staub muss wieder in die Erde zurückkehren, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Es ist doch alles vergeblich, sprach der Prediger, ganz vergeblich. Der selbe Prediger aber war nicht nur weise, sondern lehrte auch das Volk gute Lehre und merkte und forschte und brachte ihm viele Sprichwörter.

Er suchte, um angenehme Worte zu finden, und schrieb aufrichtig die Worte der Wahrheit nieder.

Worte von Gelehrten sind wie Stacheln, Sprüche aus Sammlungen aber sitzen wie eingetriebene Nägel - sind die Gabe eines einzigen Hirten.

Hüte dich, mein Kind, lass dich warnen: Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und viel studieren macht den Leib müde.

Das Endwort des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und achte seine Gebote. Das allein soll allen Menschen wichtig sein. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, sei es gut oder böse.

Das Buch Kohelet - Elftes Kapitel

Lass dein Brot auf der Wasserfläche schwimmen, denn du wirst es nach langer Zeit wieder finden.

Teile dein Kapital auf sieben oder gar acht, da du nicht weißt, was für Unglück auf Erden sein wird.

Wenn die Wolken sich mit Regen füllen, so leeren sie ihn auf die Erde aus, und wenn der Baum im Süden oder im Norden fällt: Dort wo er fällt da bleibt er liegen.

Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.

So wie du nicht den Weg des Windes weißt oder wie die Gebeine im Mutterleib entstehen, so auch kennst du das Werk Gottes nicht, das alles tut. Säe deinen Samen früh am Morgen und lass deine Hand auch gegen Abend noch nicht ruhen.

Denn du weißt nicht, ob dies oder das Erfolg haben oder ob beides zusammen gut geraten wird.

Süß ist das Licht, und den Augen wohltuend, die Sonne zu sehen. Denn wenn ein Mensch viele Jahre lebt, soll er sich in ihnen allen freuen und der finsteren Tage gedenken: Auch sie werden viele sein. Alles, was kommt, ist vergänglich.

So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen Jünglingstagen. Tue, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um dies alles vor Gericht führen wird.

Entlasse den Unmut aus deinem Herzen und halte deinen Leib vom Übel fern. Denn Kindheit und Jugend sind vergänglich.

Das Buch Kohelet - Zehntes Kapitel

In den guten Salben der Schönheitspflege verdorbene Fliegen, lassen sie gären und stinken. Ein wenig Torheit wiegt schwerer als Weisheit und Ehre.

Des Weisen Herz ist zu seiner Rechten. Doch das Herz des Narren ist zu seiner Linken.

Der Narr aber, ganz gleich auf welchem Wege er auch geht, ihm fehlt der Verstand, doch hält er selbst jedermann für einen Narren.

Wenn eines Mächtigen Zorn gegen dich sich richtet, so verlass deinen Posten nicht, denn Gelassenheit schlägt große Sünden nieder.

Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, gleich einem Versehen, das vom Mächtigen ausgeht: Die Narrheit wird auf große Höhen gestellt, und Reiche müssen unten sitzen.

Ich sah Knechte auf Rossen, und Fürsten wie Knechte zu Fuß gehen.

Wer aber eine Grube gräbt, der kann selbst hineinfallen, und wer ein Gemäuer niederreißt, den kann die Schlange beißen.

Wer Steine bricht, der wird sich dabei verletzen, und wer Holz spaltet, der wird sich dadurch gefährden.

Wenn eine Axt stumpf wird und an der Schneide ungeschliffen bleibt, muss sie ihr Benutzer mit viel Kraft wieder schärfen. Darum folgt auch Weisheit dem Fleiß.

Der Schlangenbeschwörer hat keinen Vorteil, wenn die Schlange beißt, bevor er sie beschworen hat.

Worte aus dem Mund eines Weisen sind lieblich. Doch die Lippen des Narren verderben ihn. Denn der Anfang seiner Worte ist Narrheit, und das Ende seiner Rede schlimme Verblendung.

Und der Dumme redet ohne Ende. Aber der Mensch erkennt nicht, was gewesen ist, und wer will ihm sagen, was noch kommen wird?

Die Arbeit erschöpft die Dummen: Keiner hat es verstanden, in die Stadt zu ziehen.

Weh dir, Land, dessen König ein Kind ist, und dessen Fürsten in der Frühe speisen!

Wohl dir, Land, dessen König edel ist, und dessen Fürsten zu rechter Zeit tafeln, beherrscht und nicht wie die Zecher!

Denn durch Faulheit sinken die Balken, und durch schlaffe Hände dringt der Regen ins Haus.

Zur Belustigung schlemmt man und will lachen, und Wein erfreut die Lebenden, und das Geld macht es möglich.

Nicht einmal in Gedanken schimpfe auf den König. Nicht einmal in deinem Schlafzimmer verfluche den Reichen. Denn die Vögel des Himmels führen die Stimme fort, und die die Flügel haben, verraten es weiter.

Das Buch Kohelet - Neuntes Kapitel

Denn ich habe alles mir zu Herzen genommen, alles zu erforschen, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Werke in Gottes Hand liegen. Kein Mensch kennt die Liebe noch den Hass der ihm bevorsteht.

Es begegnet dasselbe dem einen wie dem anderen, dem Gerechten wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem, der opfert, wie dem, der nicht opfert. Wie es dem Guten geht, so geht es auch dem Sünder. Wie dem der schwört, so geht es auch dem, der den Eid fürchtet.

Das ist das Schlimme an allem, was unter der Sonne geschieht: Dass es einem geht wie dem anderen. Daher wird auch das Herz der Menschen voll des Unguten, und Verblendung ist in ihrem Herzen, so lange sie leben und danach müssen sie sterben.

Denn bei allen Lebenden ist, was man wünscht: Zuversicht. Denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe.

Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden. Die Toten aber wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen.

Man liebt sie nicht mehr, noch hasst, noch neidet man ihnen, und sie haben keinen Teil mehr an allem auf dieser Welt, was unter der Sonne geschieht.

So gehe hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut. Denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.

Lass deine Kleider immer sauber sein und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.

Genieße das Leben mit der Frau, die du lieb hast, alle die Tage deines vergänglichen Lebens, das dir Gott gegeben hat unter der Sonne, solange dein vergängliches Leben währt.

Denn das ist dein Teil im Leben und in deiner Arbeit, die du tust unter der Sonne. Drum: Alles, was deine Hand zu tun vermag, das tue. Denn weder Tun, noch Rechnen, noch Erkenntnis, noch Weisheit gibt es in der Unterwelt, wohin dein Leib gehen wird.

Ich wandte mich und sah, wie es unter der Sonne zugeht, dass es den Wettlauf zu gewinnen nicht hilft schnell zu sein, im Streiten nicht hilft tapfer zu sein, noch auch die Weisen über das Brot verfügen, noch zum Reichtum hilft klug zu sein, noch nur die Verständigen über die Gunst verfügen. Sondern alles liegt an Zeit und Glück.

Auch kennt der Mensch nicht seine Zeit, sondern, wie die Fische gefangen werden in einem Netz das sie ins Verderben bringt, und wie die Vögel mit einem Strick gefangen werden, so werden auch die Menschen berückt zur Zeit des Unglücks, wenn es sie plötzlich überfällt.

Ich wurde unter der Sonne auch folgender Weisheit gewahr, und bedeutsam erschien sie mir: Da war eine kleine Stadt und wenig Leute darin, und es kam ein großer König und belagerte sie und baute hohe Bollwerke darum.

Es fand sich aber in ihr ein armer, weiser Mann, der dieselbe Stadt errettete durch seine Weisheit. Und kein Mensch gedachte desselben armen Mannes.

Da dachte ich mir: Weisheit ist ja besser als Macht. Doch verachtet man des Armen Weisheit und seinen Worten schenkt keiner Beachtung.

Doch die Worte des Weisen, die man in Stille vernimmt, sind besser als das Geschrei eines Herrschers unter den Narren.

Weisheit ist besser als Waffen, aber ein einziger Sünder verdirbt viel Gutes.

Das Buch Kohelet - Achtes Kapitel

Wer ist wie der Weise, und wer kann die Dinge auslegen? Die Weisheit eines Menschen macht sein Angesicht leuchten, und die Rohheit seines Angesichts wird umgewandelt.

Ich sage: Achte das Gebot des Königs, da du ihm bei Gott einen Eid geschworen hast.

Eile nicht wegzugehen aus seiner Gegenwart und versteife dich nicht auf eine Sache. Denn er tut, was er will.

Des Königs Wort ist mächtig und wer darf zu ihm sagen: Was machst du?

Wer das Gebot hält, der wird nichts Böses erfahren. Aber eines Weisen Herz kennt die rechte Zeit.

Denn für jegliches Unterfangen gibt es Zeit und Gericht. Denn das Böse des Menschen lastet schwer auf ihm. Denn er weiß nicht, was geschehen wird, und wer soll ihm sagen, wie es werden soll?

Ein Mensch hat nicht Macht über den Wind, den Wind zurückzuhalten, und hat nicht Macht über den Tag des Todes, und keiner wird im Krieg entlassen. Selbst ein Gesetzesbruch kann die Gesetzesbrecher nicht retten.

Das habe ich alles gesehen, und richtete mein Herz auf alle Werke, die unter der Sonne geschehen, wo ein Mensch seine Macht über den andern Menschen dazu benutzte, diesem zu schaden. Dabei habe ich beobachtet, wie Menschen, die das Gesetz übertreten hatten, ein Begräbnis erhielten. Aber der da recht getan hatte, musste von dem heiligen Orte fortziehen und wurde in der Stadt vergessen. Auch das scheint sinnlos.

Denn: Wo keine Strafe verhängt wird, ist die Bosheit schnell am Werk. So erwächst im Herzen der Menschen der Wunsch, Böses zu tun.

Ob ein Frevler hundertmal Böses tut: trotzdem kann er lange leben. Freilich kenne ich das Wort: Denen, die Gott mit Ehrfurcht begegnen, wird es gut gehen, weil sie ihm mit  Ehrfurcht begegnen.

Aber dem Frevler wird es nicht wohl ergehen. Gleich dem Schatten wird er nicht lange leben, weil er sich vor Gott nicht fürchtet.

Es ist eine Eitelkeit, die auf Erden geschieht, dass es Gerechte gibt, denen es so ergeht, als hätten sie Werke der Frevler begangen, und es sind Frevler, denen geht es als hätten sie Werke der Gerechten getan. Ich sprach: Das ist auch sinnlos.

Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne als essen und trinken und fröhlich sein. Und das begleite ihn bei seiner Mühe während der Tage seines Lebens, die ihm Gott gegeben hat unter der Sonne.

Ich gab mein Herz, die Weisheit zu wissen und zu schauen die Mühe, die auf Erden geschieht, dass auch einer weder Tag noch Nacht den Schlaf sieht mit seinen Augen.

Und ich sah alle Werke Gottes, dass ein Mensch das Werk nicht finden kann, das unter der Sonne geschieht. Und wenn der Mensch sich dabei abmüht zu suchen, so findet er doch nicht. Selbst wenn der Weise behauptet, er erkenne, kann er es doch nicht ergründen.

Das Buch Kohelet - Siebentes Kapitel

Besser ein guter Name, als gutes Salböl, und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt.

Es ist besser in das Trauerhaus zu gehen, als in ein Haus wo man trinkt. In jenem ist das Ende aller Menschen, und der Lebendige nimmt es zu Herzen.

Es ist Trauern besser als Lachen, denn bei trauriger Miene wird das Herz heiter. Denn das Herz der Weisen ist im Trauerhaus, und das Herz der Narren im Haus der Freude.

Es ist besser die Mahnrede eines Weisen zu hören, als den Gesang eines Narren. Denn das Lachen der Narren ist wie das Knistern der Dornen unter dem Topf. Und auch das ist vergänglich.

Erpressung verblendet den Gebildeten und Bestechung verdirbt das Herz.

Das Ende eines Dinges ist besser als sein Anfang. Ein geduldiger ist besser als ein stürmischer Geist.

Übereile dich nicht in deinem Geist zu zürnen, denn im Herzen der Narren ruht Ärger.

Sprich nicht: Wie kommt es, dass die früheren Zeiten besser waren, als die jetzigen? Denn deine Frage zeugt nicht von Weisheit.

Weisheit ist so viel wert wie Besitz und ein Vorteil für jene, die sich der Sonne erfreuen.

Denn die Weisheit beschirmt, wie auch das Geld. Aber die Weisheit gibt das Leben dem, der sie hat.

Schaue dir an die Werke Gottes, denn wer kann gerade machen, was er krümmt?

Sei guter Dinge an gutem Tage, und den bösen Tag nimm auch für gut. Denn diesen schafft Gott neben jenem, dass der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.

Allerlei habe ich gesehen in den Tagen meiner Eitelkeit. Manch ein Gerechter geht in seiner Gerechtigkeit zu Grunde, und manch Gottloser lebt lange in seiner Boshaftigkeit.

Sei nicht übergerecht, und gib dich nicht all zu weise, denn: Warum willst du scheitern?

Sei nicht allzu gottlos und sei kein Narr, denn: Warum willst du sterben, ehe es Zeit für dich ist?

Es ist gut, dass du an diesem festhältst und auch von jenem nicht deine Hand lässt. Denn wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten.

Die Weisheit stärkt den Weisen mehr als zehn Machthaber, die in der Stadt sind.

Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige.

Gib auch nicht acht auf alles, was man sagt, damit du auch nicht über dich schimpfen hören musst einen Untergebenen. Denn dein Herz weiß, dass auch du sehr oft über andere geschimpft hast.

Solches alles habe ich versucht mit Weisheit. Ich sprach zu mir: Ich will Weisheit erlangen. Sie aber blieb mir fern.

Fern ist alles, was geschehen ist, und tief, ja tief versunken. Wer könnte es wieder finden?

So habe ich mein Herz umgekehrt, zu erfahren und zu erforschen und zu suchen Weisheit und Kunst, zu erfahren der Gottlosen Torheit und den Irrtum der Tollen.

Und ich fand, dass bitterer als der Tod eine solche Frau sei, deren Herz Netz und Strick und deren Hände Fesseln sind. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen. Aber der Sünder bleibt durch sie gefangen.

Schau, das habe ich gefunden, spricht der Prediger, eins nach dem andern, dass ich Erkenntnis fände.

Was ich fortwährend suchte, aber nicht fand, ist dies: Unter tausend habe ich einen Menschen gefunden. Aber unter all jenen fand ich keine Frau.

Nur dies, siehe, habe ich gefunden: Dass Gott den Menschen aufrichtig gemacht hat. Aber sie suchen viele Künste.

Das Buch Kohelet - Sechstes Kapitel

Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne und das schwer lastet auf dem Menschen: Gott schenkt einem Menschen so viel Reichtum, Wohlstand und Geltung, dass ihm nichts fehlt von allem, was er sich wünschen könnte.

Und doch ermächtigt Gott ihn nicht, es zu genießen, sondern ein anderer verzehrt es. Das ist nichtig und schlimmes Leid.

Wenn einer gleich hundert Kinder zeugte und hätte langes Leben, dass er viele Jahre überlebte, und seine Seele sättigte sich des Guten nicht, und bliebe ohne Grab, sage ich, eine Fehlgeburt hätte es besser als er. Denn in Nichtigkeit kommt sie, und in Finsternis fährt sie dahin, und ihr Name bleibt in Finsternis bedeckt.

Auch hat sie die Sonne nicht gesehen noch gekannt. Also hat sie mehr Ruhe als jener.

Ob er auch zweitausend Jahre lebte, und genösse keines Guten: Gehen nicht beide zu ein und demselben Ort?

Alle Arbeit des Menschen ist für seinen Mund. Aber doch lässt sich die Begier der Seele davon nicht stillen.

Was hat ein Weiser mehr als ein Narr? Was hilft es dem Armen, dass er weiß zu wandeln vor den Lebendigen?

Besser ist das Sehen mit Augen, als das Schweifen der Begier. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Was auch immer jemand war, er hat vorher schon seinen Namen bekommen. Und er kann nicht wetteifern mit dem, der ihm zu mächtig ist.

Gibt es gleich viel Worte, welche die Eitelkeit mehren – was hat der Mensch davon?

Denn wer weiß, was dem Menschen nütze ist im Leben, welches dahinfährt wie ein Schatten, solange er in seiner Eitelkeit lebt? Denn wer verrät dem Menschen, was nach ihm sein wird unter der Sonne?

Das Buch Kohelet - Fünfstes Kapitel

Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und komme, dass du hörst. Das ist besser als der Narren Opfer. Denn sie wissen nicht, was sie Böses tun.

Sei nicht vorschnell mit dem Munde und lass dein Herz nicht eilen, ein Wort vor Gott auszusprechen. Denn Gott ist im Himmel, und du auf Erden. Darum lass deiner Worte wenig sein.

Denn wo viel Sorgen ist, da kommen Träume und wo viel Worte sind, da hört man den Narren.

Wenn du Gott ein Gelübde machst, so zögere nicht, es zu halten. Denn er hat kein Gefallen an den Narren. Was du versprichst, das halte.

Es ist besser, wenn du nichts versprichst, als dass du nicht hältst, was du versprichst.

Verbiete deinem Mund, deinen Leib in Schuld zu bringen, und sage nicht vor dem Boten Gottes: Es war ein Versehen. Warum soll Gott zürnen über dein Gerede und das Werk deiner Hände verderben?

Wo viel Träume sind, da ist Vergängliches und viel Worte. Du aber fürchte Gott.

Wenn du Bedrückung des Armen und Entziehung von Recht und Gerechtigkeit in der Landschaft siehst, wundere dich über die Sache nicht, denn es ist ein hoher Hüter über den Hohen und sind noch Höhere über beiden.

Aber ein Vorzug für ein Land ist allewege ein dem Ackerbau ergebener König.

Wer Geld liebt, bekommt vom Geld nie genug und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Auch das ist absurd. Denn mehrt sich das Vermögen, sind da viele, die es verzehren.

Was für ein Erfolg aber bleibt dem Besitzer? Er darf dabei zusehen.

Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, ob er wenig oder viel zu essen hat. Dem Reichen aber raubt sein voller Bauch die Ruhe des Schlafs.

Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, behalten zum Schaden dem, der ihn hat.

Denn geht dieser Reichtum durch einen schlimmen Fall verloren, und hat er einen Sohn gezeugt, so bleibt nichts in dessen Hand.

Wie er aus seiner Mutter Leibe hervorgegangen ist, so wird er nackt wieder dahin gehen, wie er gekommen ist. Und er wird nichts davon tragen für seine Mühe, das er mitnehme in seiner Hand.

Das ist ein böses Übel, dass er hinfährt, wie er gekommen ist. Was hilft es ihm denn, dass er in den Wind gearbeitet hat?

Auch wird er während seines ganzen restlichen Lebens sein Essen im Finstern einnehmen. Er wird sich häufig ärgern und Krankheit und Unmut werden ihn plagen.

Dies ist etwas, was ich eingesehen habe: Das vollkommene Glück besteht darin, dass man isst und trinkt und guten Mutes ist in aller Arbeit, die man tut unter der Sonne sein Leben lang, das Gott einem gibt. Denn das ist sein Teil.

Denn welchem Menschen Gott Reichtum und Güter gibt und die Gewalt, dass er davon isst und trinkt für seinen Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit: Das ist eine Gabe Gottes.

Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott sein Herz erfreut.

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